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Lilly An Parker

Jennifer Schreiner

(K)ein Rockstar zum Küssen

– ein erotischer Roman –


www.Elysion-Books.com

Lilly An Parker

Lilly An Parker ist das Pseudonym einer deutschen Autorin, die sich bisher hauptsächlich im Liebesromanbereich einen (anderen) Namen gemacht hat. Neben Wollmäusen und Staubratten züchtet sie seltene Pflanzen wie die Wollustlilie oder die Aphrodisiaka.

Bisher sind von ihr erschienen: »Swinger« (2010), »Heiß« (2010), »Office-Escort: Das Sekretärinnenspiel« und zahlreiche Office-Escort-Novellen und andere Kurzgeschichten.

2017 erscheinen »Office Escort: Strictly Business« und »Office Escort: Business as usual«, weitere Novellen sind geplant. Parker schreibt die »Office Escort«-Begleitagentur und ist auch an der Serie »Catch & Kiss« beteiligt.

Jennifer Schreiner

Jennifer Schreiner gründete Elysion-Books 2010 und betreut dort zurzeit 40 Autoren, 85 fertiggestellte Projekte und die Planung für die kommenden drei Jahre.

Von Schreiner erschienen sind die Romane »Zwillingsblut«, »Honigblut«, »Venusblut«, »Satanskuss« (Erotic Fantasy), »ErosÄrger« (Urban Fantasy) und die Novelle »Catch and Kiss – Trau dich zu fliehen«. Schreiner schreibt an den Serien »Office Escort« und »Catch and Kiss« mit.

2016 ist im Pro-Talk-Verlag ihr erster Chick-lit Roman erschienen: »Ich bin dann mal ganz anders«.

2017 erscheint ihr erotischer Roman »Fick mich – wenn du kannst« bei Elysion-Books.

Lilly An Parker Jennifer Schreiner

(K)ein Rockstar
zum Küssen

– eine Office-Escort Novelle –


www.Elysion-Books.com

ELYSION-BOOKS

1. Auflage: Januar 2017

VOLLSTÄNDIGE AUSGABE

ORIGINALAUSGABE

© 2016 BY ELYSION BOOKS GMBH, LEIPZIG

ALL RIGHTS RESERVED

UMSCHLAGGESTALTUNG: Ulrike Kleinert

www.dreamaddiction.de

FOTO: © Bigstockphoto / coka

© Bigstockphoto/ UrbanYaroslav

LAYOUT &WERKSATZ: Hanspeter Ludwig

www.imaginary-world.de

LEKTORAT: Inka-Gabriela Schmidt

www.inwisch.de

ISBN (vollständiges Ebook) 978-3-96000-006-8

www.Elysion-Books.com


Inhalt

Office-Escort-Vorwort

Prolog

1 – Wach

2 – Wünsche

3 – Konfrontation

4 – Alles auf Anfang

5 – Ein gefährliches Angebot

6 – Halali!

7 – Jagdfantasien

8 – Waidmannsheil

9 – Ein Jagdexperte

10 – Ein Wildfang

11 – Der Willigen Zähmung

12 – Beute

13 – Jagdintrigen

Epilog


Office-Escort-Vorwort

Ich muss mich bei Elysion-Books bedanken, dass mein Escort-Service in diesem tollen Verlag ein Zuhause bekommen hat.

Als ich anfing, eine SM-Begleitagentur zu entwerfen, die sich auf Business-Service spezialisiert hat, war der Office-Escort ein Novum. Nicht nur auf dem deutschsprachigen Markt, sondern auch weltweit. Generell als Begleitagentur, aber erst recht als eine Agentur für dominante Damen, die sich Männern widmet, die alles haben und mit Geld kaufen können.

Der Slogan ist so einfach wie simpel: Grenzenlose Erregung, unvorstellbare Gier, sich immer weiter steigerndes Verlangen. Es ist ein Spiel um Dominanz, Lust und Leidenschaft für diejenigen, die ansonsten alles haben oder haben können: unmoralisch, sexy, der ultimative Kick. Aber wie lange will Mann widerstehen?

Inzwischen ist die Agentur ein wenig flexibler geworden, die Escorts bedienen auch Frauen und die Angestellten sind in allen Spielarten des BDSM bewandert, so dass für wirklich jeden Geschmack etwas dabei ist:

Ich wünsche Euch viel Spaß mit diesem Buch und auch den anderen Texten aus meinem Escort-Service,

Eure Lilly An

Buch

»Office-Escort: Das Sekretärinnenspiel«, 2011

geplant:

»Office-Escort: Strictly Business«, 2017

»Office-Escort: Business as usual«, 2017

»Office-Escort: Die Chefsache«, 2018

»Office-Escort: n.n.« im Match-Books-Verlag, 2018

Novelle

»Office-Escort Novelle: Merry X-Mas«, 2014

»Office-Escort Novelle: SchlagZart«, 2015

»Office-Escort Novelle: SchlagFertig«, 2016 / Ein Rockstar zum Küssen

»Office-Escort Novelle: Ein Escort zu Weihnachten«, 2016

»Office-Escort-Novelle: (K)ein Rockstar zum Küssen«, 2017

»Office-Escort-Novelle: (K)ein Drummer zum Küssen«, 2017

geplant:

»Office-Escort Novelle: (K)ein Anwalt zum Küssen«, 2017

»Office-Escort Novelle: (K)ein Gitarrist zum Küssen«, 2017

»Office-Escort Novelle: (K)eine Keyboarderin zum Küssen«, 2017

»Office-Escort Novelle: (K)ein Hollywoodstar zum Küssen«, 2017

»Office-Escort Novelle: (K)ein Serienstar zum Küssen«, 2017

»Office-Escort Novelle: (K)ein Künstler zum Küssen«, 2017


Prolog

Die Release-Party war genauso schick und erlesen, wie mein Kunde sie angekündigt hatte. Es gab einen roten Teppich, jede Menge Journalisten und handverlesene Gäste.

Immer noch konnte ich nicht glauben, dass ich mittendrin war. Vor wenigen Monaten war ich ein Niemand gewesen, eine von vielen Studentinnen an der hiesigen Universität, ohne große finanzielle Mittel und mit einem schlecht bezahlten Nebenjob.

Aufgrund meiner … sagen wir einfach »speziellen Vorlieben« war ich in einem der wenigen guten Clubs im Big Apple gewesen und dort war ich mit Joanna zusammengestoßen. Im wahrsten Sinne des Wortes. Joanna war bildhübsch und aufregend. Und vor allem war sie genauso dominant wie ich, was rasch dazu geführt hatte, dass ich mich zu ihr hingezogen fühlte.

Schon nach kurzer Zeit als meine Mentorin bot sie mir einen Job an. Nicht irgendeinen Job und auch nicht irgendeinen Job bezüglich meiner Vorlieben, sondern den Job!

Schon hinter vorgehaltener Hand hatte ich vom Office-Escort munkeln hören und davon, wie unglaublich exklusiv und exquisit dieser Begleitservice war. Aber niemals hätte ich mir träumen lassen, auch nur in die Nähe dieser Agentur zu kommen.

Auch jetzt noch, in Momenten wie diesen, fragte ich mich, ob Joanna nicht einen entsetzlichen Fehler gemacht hatte. Ich war weder hübsch genug, noch so dominant, dass es erklärte, warum ich hier war.

Ich warf einen Blick zur Seite, zu Jacob, dem unglaublich talentierten und unfassbar heißen Drummer der angesagten Band »Bad, Bed, Music«. Obwohl er devot war und nur durch meine Anwesenheit die Kraft fand, den Weg über den Teppich zu meistern und sich den zahlreichen Fragen zu dem neuen Album zu stellen, war er es, dessen Berührung mir den Mut gab, zu lächeln und an seiner Seite zu glänzen. Er fand mich toll und geeignet, also war ich toll und geeignet – für ihn.

Trotzdem wartete ich immer noch auf den Aufschrei, der mich als Betrügerin entlarvte: entweder weil ich nicht gut genug war, um auf solch einem Event zu sein, aber auch, weil ich eine bezahlte Begleiterin war. Beides trug dazu bei, dass ich angespannt war und jederzeit mit einer verbalen Attacke gegen mich rechnete. Denn selbst im Traum – seltsamerweise wusste ich, dass es nur ein Traum war – ahnte ich, dass etwas Schreckliches geschehen würde. Wie in einem Alptraum, den man einfach nicht stoppen konnte, weil man alles, was geschah, bereits erlebt hatte.

Ich konnte den Kloß in meinem Hals spüren, die Enge hinter meiner Brust, die mich nur flach atmen ließ. Jeder Schritt schien unendlich lange zu dauern und das Lächeln auf meinem Gesicht fühlte sich für mich wie festgefroren an. Jedes Blitzlicht ließ mich zusammenzucken und jede Frage, die in Richtung des Drummers gerichtet wurde, ließ mich aufhorchen. Zumindest innerlich.

»Du machst das toll«, raunte Jacob mir zu und drückte meine Hand, die sicherlich schon verschwitzt war. Fühlte sich zumindest für mich so an. »Gut, dass wir das hier noch ein paarmal machen werden.«

Ja, großartig!, dachte ich und schenkte einem der umstehenden Fotografen, der nach uns rief, ein Lächeln. Vielleicht würde ich mich ja irgendwann daran gewöhnen, so viel Aufmerksamkeit zu bekommen. In Aufmerksamkeit bekommen war ich generell nicht gut. Eventuell war das auch einer der Gründe, warum ich es mochte, die Kontrolle zu haben. Die über mich, den Mann und auch über die Situation im Großen und Ganzen. Und ganz besonders eventuell würde ich das auch irgendwann einmal mit einem Therapeuten besprechen – falls mir der Job bezüglich meines Egos nicht half.

Um mich abzulenken, ging ich geistig die nächsten Auftritte an Jacobs Seite durch, aber es wurde nicht besser – außerdem würde ich danach erst einmal eine Weile untertauchen müssen, oder mich optisch verändern. Auf jeden Fall würden erst einmal wieder erotische Bürojobs angesagt sein. Die Art von Jobs, die ich wirklich mochte, weil sie eben nicht öffentlich waren und man experimentieren konnte, ohne gleich eine ganze Existenz zu gefährden. Oder zumindest den Ruf eines Musikers.

Ich schenkte Jacob ein dankbares Lächeln. Zum Glück war er wirklich süß und verständnisvoll, weil es mein erster Job im Rampenlicht war. Außerdem mochte er genau die Spiele, auf die ich auch stand.

»Wir sollten uns gleich eine ruhige Stelle suchen«, flüsterte ich ihm ins Ohr und nutzte dabei meine langen Haare als Versteck, um ihm unbeobachtet von all den Menschen ins Ohr zu beißen. Sanft genug, um keine sichtbare Wunde zu hinterlassen, aber fest genug, um ihn daran zu erinnern, warum ich bei ihm war.

»Sollten wir unbedingt«, gab er zurück. Seine Stimme hatte sofort einen dunkleren, samtigeren Tonfall angenommen und seine Hand wanderte von einem bloßen Händchenhalten weiter und legte sich wie selbstverständlich um meine Taille.

Der Drummer gönnte den Fotografen einige Aufnahmen in dieser Position, bevor er mich weiter dirigierte, auf das Gebäude zu. Noch immer kam kein Zwischenruf und auch alle anderen negativen Überraschungen, mit denen ich insgeheim rechnete, blieben aus.

Trotzdem gönnte ich mir erst ein wenig Entspannung, als wir die erste Hürde hinter uns gebracht hatten und die Tür hinter uns zufiel. Im Inneren des luxuriösen Clubs waren nur noch geladene Gäste gestattet.

Ich warf einen Blick auf die anderen Musiker, die inzwischen alle vor uns gingen. Bis jetzt hatte ich sie erst einmal kurz gesehen, nach einem Auftritt von »Bad, Bed, Music«, bei dem ich Jacob abgeholt hatte und konnte nur sagen, dass sie alle jung waren, wenig älter als ich, gut aussehend und erfolgreich. Natürlich. Sonst wäre ich ja nicht hier.

»An was denkst du gerade?«, erkundigte sich Jacob neugierig.

»Daran, dass du nach eurem letzten Auftritt ausgesehen hast wie „The Animal“ aus der Muppet Show.« Ich lachte leise, denn das war tatsächlich mein erster Eindruck von meinem Kunden gewesen.

»Gut, dass ich dich nicht wegen deines Charmes gebucht habe«, konterte Jacob und hakte sich bei mir unter, um seinen Bandmates die Treppe hinauf zu folgen.

»Du liebst meinen Charme«, protestierte ich.

»Tue ich wirklich«, gab er zu und zog mich ein wenig mehr zu sich. »Du bist ein wenig wie die große starke Schwester, die ich nie hatte.«

»Ich werde dich daran erinnern, Mister Inzest.«

»Uh…«, machte Jacob. »Okay, du bist nicht ganz wie eine große, starke Schwester.«

»Genau, die würde dich nämlich jetzt nicht auf die nächste Toilette schicken mit dem Befehl, dir deine Boxershorts auszuziehen und sie in den Abfall zu werfen.« Ich zwinkerte ihm zu und genoss den Ausdruck auf seinem Gesicht. »Außerdem würde sie nicht sagen, dass sie ein Foto davon haben möchte.«

»Von der Shorts oder von mir?« Jacobs Blick wurde intimer.

»Überrasch mich!«, meinte ich und gönnte ihm ein Lächeln, das ihn wissen ließ, dass ich keinerlei schwesterliche Gefühle für ihn hegte und ihn heiß fand. Sehr heiß.

Sekunden später hatte er auf dem Absatz kehrt gemacht und verschwand im nahegelegenen Männer-WC. Zufrieden schlenderte ich zur Bar, die direkt am Eingang aufgebaut war und ließ mir von einem der wartenden Kellner einen der vorbereiteten Sektkelche reichen.

Deutlich weniger nervös als zuvor nutzte ich die Gelegenheit, mir die anderen Gäste anzusehen. Soweit ich beurteilen konnte, waren alle in Begleitung gekommen und selbst Jacobs Bandmitglieder hatte eine Dame an der Seite, obwohl ich von meinem Kunden wusste, dass sie alle Solo waren.

Mein Blick fiel auf den Gitarristen und die hübsche Dunkelhaarige, die neben ihm stand. Offensichtlich bedeutete »Solo« bei Musikern etwas anderes als für den Rest der Menschheit, denn die zwei ließen kaum die Münder voneinander – geschweige denn den Rest ihres Körpers. Selbst ich, die alles andere als prüde war, war versucht den beiden ein Zimmer zu empfehlen.

Als meine Handtasche vibrierte, bemerkte ich, dass ich nicht die einzige Person war, die andere Menschen beobachtete. Quer über den Raum traf mich der Blick des Sängers, als habe er mein Handy gehört und wüsste genau, was es mit der Nachricht von Jacob auf sich hatte. Seine Stirn war gerunzelt und sein Ausdruck schien zwischen Unglaube, Wut und Verwirrung zu schwanken, bevor er sich der Frau an seiner Seite zuwandte. Oder besser gesagt, den Frauen an seiner Seite.

Von Jacob und natürlich aus all den Klatschblättern, die ich berufsbedingt las – natürlich rein berufsbedingt – wusste ich, dass Alex Roth als einer der begehrtesten Junggesellen der Welt gefeiert wurde und es auf Anhieb auf einen der Top Five Plätze des Rankings »Sexiest Man Alive« geschafft hatte. Und er sah wirklich hervorragend aus. Selbst nach Office-Escort-Standards war er ein wandelnder Leckerbissen.

Ich zuckte zusammen, dieses Mal nicht nur in meiner Fantasie, und war froh, dass seine Aufmerksamkeit genauso plötzlich wie sie gekommen war, nun von mir fortglitt. Jemand wie Alex Roth bedeutete selbst ohne den »Rock&Roll«, den »Sexy«-Titel und das ganze »Fame«-Drumherum genug Ärger, um einen weiten Bogen um ihn zu machen. Da war etwas in seinen Augen gewesen, was jede Frau schreiend davonlaufen lassen sollte, es aber in den seltensten Fällen tat. Wahrscheinlich, weil jede Frau insgeheim davon träumte, jemanden wie Alex zu zähmen.

Ich schüttelte den Kopf bei diesem bescheuerten Gedanken und kramte nach meinem Handy. Jemanden wie diesen Sänger zähmte man nicht, man gönnte ihm einfach eine gute Zeit mit all den Groupies und Frauen und hoffte, dass er die Phase seines Ruhms überstand, ohne sich selbst umzubringen. Irgendwann, wenn die Gicht und die Arthrose ihm zusetzte, würde er schon ruhiger werden. Außerdem fiel er ganz ganz sicher in die Kategorie »Arschloch«, weil er sein ganzes Leben lang toll ausgesehen hatte und es gewohnt war, allein durch seine Optik alle Weiber um den Finger zu wickeln. Ein böses Grinsen schlich sich auf meine Lippen, wurde aber gleich darauf von einem sinnlichen abgelöst, als ich sah, was Jacob mir geschickt hatte.

»Du hast fünf Minuten, um diese wunderschöne Erektion auszunutzen – ohne zu kommen«, schickte ich ihm, löschte beide Nachrichten und verstaute mein Handy wieder sicher in meiner Tasche.

Tatsächlich erschien Jacob pünktliche fünf Minuten später neben mir, als wäre nie etwas geschehen, sah aber deutlich entspannter aus als zuvor – obwohl ein Teil von ihm ganz sicher deutlich unentspannter war. Immerhin sorgte der Gedanke an seinen bereiten Schwanz dafür, dass ich mich langsam entspannte. Ich war keine Betrügerin und wusste, wie der Job ging!

Und nach weiteren vier Stunden war ich sogar davon überzeugt, mit dem Spießrutenlauf auf dem roten Teppich und dem Empfang durch die Plattenfirma das Schlimmste hinter mich gebracht zu haben. Die Gespräche waren ausnahmslos nett gewesen, die Kontakte erfreulich. Einige der Businessleute hatte ich bereits vorher durch meinen Job beim Office-Escort kennengelernt und sogar Jacobs Musikerkollegen waren toll. Zumindest schien keiner auf den ersten Blick seltsam zu sein.

Naja, zumindest alle außer diesem Alex, von dem ich bislang nichts mehr gesehen oder gehört hatte, was ich in Anbetracht seiner Berühmtheit ein wenig seltsam fand. Sollte mir aber egal sein.

Jacob nötigte mir weitere Drinks auf, tanzte mit mir und amüsierte sich prächtig und ganz normal an meiner Seite. Selbst als wir offiziell hätten gehen können, blieben wir, und nach und nach leerte sich der Club, die Tänzer verließen ihre Käfige und die Musik wurde lauter.

»Wollen wir los?« Jacob zog mich auf die Füße, bevor ich antworten konnte und wirkte deutlich beschwingter durch den Alkohol, als ich mich fühlte. Aber schließlich wurde er auch nicht dafür bezahlt, immer und überall die Kontrolle zu behalten.

»Wollen wir noch einen Sekt mitnehmen?«, erkundigte ich mich und gab meiner Stimme einen scheinheiligen Klang. Es reichte, um Jacobs volle Aufmerksamkeit zu erlangen.

»Unbedingt!« Er zog mich zur Theke und ließ dabei meine Hand nicht los. So als habe er Angst, ich könne mir mein Angebot noch anders überlegen. Süß eigentlich.

Geduldig sah ich zu, wie er eine Flasche bestellte und dabei so tat, als sei er der Boss und der Mann, der mich abschleppte. Etwas, was funktionierte und ihm einige bewundernde Blicke einbrachte, die mir deutlich machten, dass ich wohl doch ganz nett anzuschauen war. Zumindest, bis sich Alex zu uns gesellte – oder besser zu Jacob, denn mich würdigte er keines Blickes.

Für einen Moment war ich lediglich verwirrt, denn ich begriff einfach nicht, dass das, worauf ich die ganze Zeit gewartet hatte, nun wirklich geschah: der alptraumartige Zwischenfall kam mit einem attraktiven Körper und einem unwiderstehlichen Gesicht – auch wenn der Ausdruck darauf nur als lauernde Herausforderung beschrieben werden konnte.

»Jacob, ich bin verwirrt«, meinte Alex mit einem Stirnrunzeln und seine Hand legte sich auf meine, als ich nach der Sektflasche griff. Dabei strich der Sänger wie abwesend über meine Finger, obwohl er immer noch den Drummer ansah. Unverwandt. »Wieso hast du es nötig, so eine herrische Bohnenstange dafür zu bezahlen, dass sie dich begleitet?«

Er löste seinen Blick von Jacob und prostete mit seinem Bierkrug quer durch den Raum und in Richtung eines einladenden Ecksofas. Dort hatten seine drei Begleiterinnen Platz genommen und prosteten ihm bereitwillig zurück. Sie lachten gut gelaunt und so, als habe er gerade einen wirklich guten Witz gerissen, obwohl sie ihn aus dieser Entfernung gar nicht hören konnten. Ob er seine Beleidigung vorher angekündigt hatte? Ich blinzelte und versuchte einen Sinn zwischen ihm, den Groupies und seinen Worten zu finden, aber es gab keinen.

Zu meiner endgültigen Verwirrung strich Alex immer noch mit seiner Hand über meine, sanft und irgendwie zärtlich. Seine Worte und seine Handlung ergaben doch überhaupt keinen Sinn! Vor allem, weil er Letzteres so beiläufig tat, als habe er jedes Recht dazu und als bräuchte er diesen Körperkontakt.

»Ich habe den ganzen Abend darüber nachgedacht, verstehe es aber einfach nicht.« Abrupt zog er seine Hand fort, als bemerke er erst jetzt, was er mit ihr getan hatte. Ein wenig abfälliger als zuvor meinte er zu Jacob: »Wo es doch hier so viele Freiwillige gibt.«

Jacob gönnte den drei Frauen ebenfalls ein Zuprosten mit seinem leeren Glas, bevor er es auf die Theke knallte. Dann schenkte er seinem Bandkollegen ein Lächeln mit Kanten. Es enthielt eine unausgesprochene Warnung.

»Meine Vorlieben gehen dich nichts an«, meinte Jacob und einen Augenblick lang befürchtete ich, er würde Alex einfach umhauen. Doch dann schenkte er mir ein warmes Lächeln. Es war so ehrlich und so hitzig, dass mir ein prickelnder Schauder der Vorfreude den Rücken hinablief. »Außerdem gefällt sie mir unglaublich gut.«

Alex drehte sich zu mir und musterte mich, als könne er nicht verstehen, was genau dem Freund an mir gefallen könnte und so als wäre ich das hässlichste, schrecklichste Weib, was er je gesehen hatte.

Genau so war ich in meiner Schulzeit so unglaublich oft gemustert worden, dass allein dieser Blick reichte, um mich wieder so zu fühlen wie damals: ungeliebt, wertlos und wie die abgrundtief schäbige Bohnenstange, als die ich damals täglich bezeichnet worden war. Zeitweise hatte ich es damals sogar geglaubt und auch heute noch hatte ich Augenblicke, in denen ich mir wünschte jemand anderes zu sein, jemand wirklich beherrschtes und wirklich perfektes.

Daran änderte auch die Tatsache nichts, dass inzwischen Jahre verstrichen waren, ich mich erst kürzlich innerhalb von wenigen Monaten zum bestbezahlten Escort New Yorks entwickelt hatte und mir Männer reihenweise zu Füßen lagen.

Allerdings war ich mir sicher, dass man mir meine Gefühle nicht ansehen konnte, da der gelassene Blick und mein ruhiger Gesichtsausdruck zu meiner Standardausstattung gehörten.

»Wenn du meinst«, meinte Alex schließlich resigniert zu Jacob. Ohne mich zu beachten, wandte er sich einer Frau zu, deren körperliche Vorzüge beinahe ihre Bluse sprengten und die neben uns ihr Getränk bestellt hatte. Offenbar hatte sie nichts von dem unschönen Dialog mitbekommen.

»Reizend, dein Freund«, meinte ich zu Jacob und verdrehte die Augen.

»Verzeih ihm, er ist angeschlagen.« Jacob wirkte zerknirscht und nahm meine Hand, als könne er so Alex’ Kommentar ungeschehen machen.

Doch Alex war noch gar nicht fertig, denn er drehte sich zu Jacob. »Angeschlagen, aber weder blind noch dumm!«

Mein Begleiter seufzte tief, nutzte dann aber die Gelegenheit, dass die dralle Brünette nicht auf Alex wartete, sondern angesichts des drohenden Ärgers verschwand und wechselte die Taktik. »Es reicht jetzt, Alex!« Er richtete sich auf und schob sich ein wenig zwischen uns. »Ich schlage vor, du hältst dich jetzt zurück!«

Alex grinste und offenbarte dabei zwei Grübchen auf den Wangen, die ihn fast ungefährlich wirken ließen. Doch das Lächeln erreichte seine Augen nicht und der Blick, den er mir zuwarf, war kalt. »Wieso? Was sonst? Tut sie mir sonst auch weh?«

Ich sah, wie Jacob seine Hand ballte und trat rasch einen Schritt vor – auch wenn es der schwerste Schritt meines Lebens war – und legte meine Hand beschwichtigend auf seine. Dann schenkte ich Mister Superschön ein strahlendes Lächeln, das jeder andere Mann sicherlich als Einladung verstanden hätte. Selbst meine Stimmlage schaffte es vor Freundlichkeit zu triefen: »Ja«, stimmte ich ihm zu. »Aber sie lässt den Spaß an der Sache weg.«

Für Sekunden schien der Sänger wirklich verwirrt genug zu sein, denn etwas an seinem Blick, dem ich scheinbar ungerührt standhielt, änderte sich. Leider fing er sich sehr schnell und ich konnte förmlich sehen, wie sich die Arroganz wieder hinter dem Blau seiner Iriden sammelte. Mit einem Lachen schüttelte er den Kopf, drehte sich um und ging. Es war das böseste und gehässigste Lachen, was ich je gehört hatte und es traf mich bis ins Mark, weil ich es kein bisschen verdient hatte. Gleichzeitig verunsicherte es mich mehr, als ich jemals jemandem gestanden hätte.


1 – Wach

Ich schreckte aus dem Traum, mein Herz schlug wie verrückt und einen Augenblick lang dachte ich, jemand wäre in meinem Schlafzimmer, denn ich hörte ein Geräusch. Dann fiel mir auf, dass es nur das Rauschen meines eigenen Blutes in meinen Ohren war, das mich nervös machte.

Trotzdem fluteten verschiedene Emotionen durch mein System, von Wut über Trotz bis hin zu tödlich beleidigt war alles dabei. Doch ich wusste eindeutig, welche Empfindung überwog, denn im Traum waren meine Gefühle ungefiltert und direkt gewesen – von Wut keine Spur. Dafür fühlte ich mich zurückgewiesen und gekränkt.

Alex’ Worte hatten mich getroffen, als wäre ich immer noch das unscheinbare, dürre Mädchen, das von den Jungs während der gesamten Schulzeit ausgelacht worden war. Die Hochglanzmagazine mochten dünne Modelltypen hofieren, die attraktiven und beliebten Teenager auf meiner HighSchool hatten es ganz sicher nicht getan.

Ich schüttelte den Kopf, aber nur langsam fielen die Spuren des Traums von mir ab, als wären sie besonders hartnäckige Reminiszenzen von etwas, was versucht hatte, sich tief in mein Ego zu bohren. Ein Vergleich, der vermutlich sogar ziemlich zutreffend war. Aber bald würde ich damit abgeschlossen haben. Mit den ganzen öffentlichen Auftritten und mit der kleinen Promo-Tour, die ich als Jacobs Freundin hinter mich bringen durfte. Dabei war Jacob wirklich süß. Hingebungsvoll und begierig darauf, mir zu gefallen und zu Diensten zu sein. Ganz im Gegensatz zu diesem schrecklichen Alex und … wieso zum Teufel dachte ich schon wieder an diese furchtbare Person mit ihrem furchtbaren Benehmen?

Entschlossen blendete ich Mister Supersexy aus und konzentrierte mich auf meine Erinnerung an die letzte Session mit dem heißen Drummer. Gerade bei Events, die nicht hinter verschlossenen Türen stattfanden, waren die Mittel der Wahl eher beschränkt und so war ich auf die guten alten Elektrostimulanzien zurückgekommen, für die einige meiner Arbeitskolleginnen eine Schwäche hatten. Jacob von den Vorzügen eines ferngesteuerten Lustgewinnes zu überzeugen war ein Leichtes gewesen. Um genau zu sein, hatte es nicht mehr als eines Befehls bedurft, um seine Hose nach unten und seinen Schwanz nach oben zu bekommen. Beim Umschnallen der Vorrichtung hatte ich mir entsetzlich viel Zeit gelassen. So viel Zeit, dass es fast schon gegen die Regeln des Office-Escorts verstieß. Aber ich mochte Jacob, er war ein Traummann – wenn auch nicht meine Art Traummann.

Wieder glitten meine Gedanken gefährlich in Richtung des unerreichbaren Alex ab. Anscheinend hatte ich seit meiner Teenagerzeit nicht viel dazugelernt. So jemand war nichts für mich – oder besser: Ich war nichts für so jemanden wie ihn. Das hatte er ja wohl auch klar und deutlich zum Ausdruck gebracht.

Jacob hingegen war … offen und vertrauensvoll. Jemand, der einen nie verletzen würde … eine sichere Bank.

Auf dem roten Teppich mit ihm zu spielen war schwer, aber nicht unmöglich. Und es gefiel mir, wie er mir ab und zu einen strafenden Blick zuwarf, obwohl sein Körper angespannt aber dankbar wirkte. Erst, als wir im Gebäude waren und unsere Plätze eingenommen hatten, um uns verschiedene Versionen der neuen Songs anzuhören – allesamt von vielversprechenden, neuen Musikern vorgetragen, bemerkte ich, dass uns Alex beobachtete. Wahrscheinlich wartete er darauf, dass ich meinen bösen Boogie-Woogie-Erotikzauber ausübte und er sich wieder einmischen konnte. Aber vielleicht wartete er auch einfach darauf, dass ich vor seinen Augen verhungerte. Ohne mir die Laune verderben zu lassen, spielte ich wieder mit dem Regler in meiner Handtasche und genoss das leichte Zusammenzucken meines Spielgefährten. Ich lehnte meinen Kopf an seine Schulter und ließ zu, dass er seinen Arm um mich legte. Für jeden unbeteiligten Zuschauer eine Geste des Vertrauens und der Liebe, für mich etwas, wodurch ich sehr direkt an seiner Erregung teilhaben konnte. Denn gerade wegen dieser Nähe hörte ich das leise Stöhnen, das sich seinem Mund entrang, als ich ein weiteres Mal den Regler betätigte und seine Libido in Aufruhr versetzte.

»Schade, dass wir nicht schmerzhafter werden können«, murmelte Jacob in meinen Haaren und küsste meinen Scheitel. Seltsamerweise ging es mir anders. Soft war mir ganz Recht, denn heftiger zu werden kam mir bei Jacob auf einmal falsch vor. Das mochte an Alex’ bösem Blick liegen, oder daran, dass Jacob wirklich nett war, aber ich wollte ihn nicht quälen. Nicht wirklich. Nur ein wenig necken. Und für wenig necken war dieser Job wirklich perfekt.

»Ich könnte dich noch für ein Privatevent buchen«, schlug Jacob vor, als ich ihm eine kleine Pause gönnte.

»Du kennst die Regeln?«, erkundigte ich mich, weil mein Mund plötzlich trocken wurde. Ich mochte Jacob, aber ich mochte ihn genauso, wie es jetzt war. Nicht intimer und nicht qualvoller. Was war denn bloß los mit mir?

»One job at one time«, zitierte Jacob und ging dann ins Deutsche über. »Und falls Sie die Begleiterin wieder buchen wollen, muss zwischen den Buchungen ein angemessener Zeitraum von mindestens zwei Wochen liegen.«

»Also könntest du mich frühestens in einem Monat wieder bekommen.«

»Das klingt herrlich, wenn du es so betonst«, grinste Jacob frech und warf mir einen einladenden Schlafzimmerblick zu.

»Deswegen sollte man sich vorher überlegen und mit Ruben absprechen, was genau man bucht«, erinnerte ich. Denn Ruben, mein Chef, war nett und wenn man vorher eine Promo-Tour buchte, durchaus flexibel. Wenn es aber um eine feste Eventreise ging oder einen Bürojob … dann musste man sich eben an die Regeln halten.

»Probierst du es trotzdem?«, flehte Jacob.

»Wieso ich?« Ich runzelte die Stirn. Schließlich kannte ich Rubens Antwort schon.

»Weil du die starke, schöne, mutige, dominante Escort-Dame bist?«, schmeichelte Jacob.

»Verflixt, jetzt spielt er die Charmeur-Karte«, murmelte ich leise, fühlte mich aber widersinnigerweise geschmeichelt.

»Ich könnte dich auch für Alex zum Geburtstag buchen«, schlug Jacob vor und offenbarte damit eine ganz neue Seite seiner Persönlichkeit.

»Schon klar, ich komm nackt und mit roter Schleife, damit er mich auslachen kann«, meinte ich und verdrehte die Augen. Allerdings nahm ich trotzdem die Finger von der Fernbedienung und zückte stattdessen mein Handy.

»Glaub mir, er würde vieles tun, aber dich auslachen zählt bestimmt nicht dazu!« Jacob versetzte mir einen kameradschaftlichen Schubs in Richtung des Billardzimmers, rief mir einige Daten zu, und ich tat ihm den Gefallen, mich in Gang zu setzen.


Sobald die Tür hinter mir zufiel, atmete ich erleichtert auf. Obwohl im Club Rauchverbot herrschte, war die Luft in dem großen Raum warm und fühlte sich an wie durch tausend Lungen geatmet. Was wahrscheinlich sogar der Realität entsprach. Außerdem war es hier herrlich ruhig und ich gönnte mir einen Augenblick der Stille, bevor ich Rubens Nummer wählte.

Nach einer kurzen Begrüßung schilderte ich die Situation, ließ auch nicht aus, wie ich mich dabei fühlte und was Jacob gerne hätte. Danach trug ich die genau die Bitte vor und den Zeitraum, den Jacob mir vorgegeben hatte.

»Er soll mich anrufen, ich werde noch einmal höflich ablehnen, mich auf die Regeln berufen und ihm Niobe empfehlen.«

»Niobe?!« Ich hielt mir das Ohr zu, das nicht am Hörer war, weil es plötzlich lauter wurde, und wusste, dass ich eifersüchtig klang, konnte aber nichts dagegen machen. Selbst wenn ich wusste, dass es albern war. Schließlich war ich diejenige, die auf eine härtere Gangart verzichten wollte – und auch an den letzten drei Kerlen, die nach ihrem Spielchen mit mir zu Niobe gewechselt waren, war ich »schuld«. Irgendwie hatte ich immer das Gefühl, dass die Männer etwas anderes wollten als ich – und das, obwohl alle ausnahmslos mit mir zufrieden waren. Vielleicht sogar zu zufrieden.

Ich seufzte tief und drehte mich in Richtung Tür, weil ich dort einen Schatten wahrnahm. Einen Moment lang befürchtete ich, Jacob wäre mir hinterher gekommen und hätte heimlich zugehört. Aber die Realität war noch schlimmer.

»Ich sag’s ihm!«, meinte ich und legte nach einem »Bye« auf, bevor ich mich vollends zu Alex drehte.

»Es ist sehr unhöflich, anderer Leut’s Gespräche zu belauschen«, tadelte ich und gab mir keine Mühe, meine Meinung aus meinem Tonfall zu verbannen. Ich war mir sicher, extrem angepisst zu klingen, aber es war mir egal.

»Auch nicht, wenn es in dem Gespräch vielleicht um Menschen geht, die mir wichtig sind?« Er zuckte mit den Schultern, als wäre ihm jede Konvention scheißegal. Denn während ich innerlich tobte, konnte ich aus Alex’ Stimme keinerlei Emotion heraushören und ihn auch ansonsten nicht einschätzen. Er löste sich aus dem Türrahmen. Wie viel hatte er gehört, wie viel hatte er verstanden und wie viel glaubte er zu verstehen?

»Gerade dann nicht!«, betonte ich, während er zum Sofa schlenderte und sich setzte, als gehöre es ihm.

Er musterte mich einen Moment lang ausdruckslos, dann nickte er und schlug seine Beine übereinander. Anschließend lehnte er sich weiter auf dem Sofa zurück, seinen Arm auf der Lehne ausgestreckt und generell ein Abbild der personifizierten Lässigkeit. Dazu passte sogar sein Glas mit der bernsteinfarbenen Flüssigkeit und die Art, wie er es hielt. Beides erinnerte mich seltsamerweise an James Bond, den Agenten, und vor allem an den genannten Frauenhelden.

Ich drehte mich zum Gehen.

»Und?«, meinte Alex, anscheinend unwillig, das Gespräch so einfach und friedlich zu beenden, und ich tat ihm den Gefallen, blieb stehen und drehte mich halb zu ihm. »Wie viel kostet eine Nacht mit dir?«

Ich blinzelte und starrte ihn an, doch die Worte hallten in meinem Kopf wieder, kreisten umeinander und ergaben trotzdem nur einen einzigen Sinn.

»Echt jetzt?«, fauchte ich. »Ich bin doch keine Prostituierte!«

»Klar, und ich kein Sänger«, meinte Alex gönnerhaft und nippte an seinem Getränk.

»Mein Job endet vor dem Bett«, klärte ich ihn auf und versuchte immer noch zu fassen, was gerade geschah. Wollte er mich jetzt auch noch diesbezüglich beleidigen?

»Wir müssen nicht ins Bett«, grinste Alex anzüglich und sein Blick war mehr als eindeutig. Er sorgte dafür, dass meine Libido nervös zu flattern begann und sich etwas in meinem Unterleib regte, was ich schon lange nicht mehr gespürt hatte: echtes Begehren. Ausgerechnet!

Was zum Teufel ist denn jetzt los? Mein Verstand versuchte an meinen Emotionen vorbei zu denken, hatte aber Schwierigkeiten an ihnen vorbeizukommen, weil er sich einer Sache sehr sicher war: Er findet dich doch völlig unattraktiv!

»Ich bin eine Begleiterin«, betonte ich und hoffte, dabei seriös zu klingen und nicht verärgert. Zumindest nicht nur.

»Eine SM-Begleiterin vom Office-Escort«, bestätigte Alex und nickte zustimmend.

Ich runzelte die Stirn. Zwar hatte ich gewusst, dass Alex über Jacobs Neigung Bescheid wusste und hatte sogar einen großen Teil seiner Aversion gegen mich dem Umstand zugeschrieben, dass ich dominant war, aber das erklärte nicht sein plötzliches Interesse.

»Wenn du das so gut weißt, kennst du sicher auch die Regeln.« Ich schenkte ihm ein entwaffnendes Grinsen, fragte mich aber immer noch, aus welchem Grund Mister Superheiß nachgeforscht hatte, wer ich war und für wen ich arbeitete. Gleichzeitig fragte ich mich, in welche Richtung das Gespräch wirklich ging.

Alex lachte und es klang beinahe so böse wie in meinem Traum.

»Und du willst mir sagen, du hast sie nie gebrochen?« Er stand auf und war mir auf einmal viel zu nahe. Und trotz meiner hohen Absätze überragte er mich um gut einen Kopf, so dass ich zu ihm aufsehen musste. Etwas, was ihm zu gefallen schien, denn auf seine fein geschwungenen Lippen legte sich ein weich wirkendes Lächeln.

»Wie viel müsste ich dir bieten, damit du heute Nacht mir gehörst?« Seine Stimme war leise, mehr ein sinnlicher Hauch auf meinem Gesicht, und sein Atem roch würzig. Ich glaubte Harz, Leder und Vanille wahrzunehmen und fühlte mich für einige schwache Sekunden in einen alten Western zurückversetzt, wo der Schuft die Heldin bedrängte, dabei aber gleichzeitig beinahe unwiderstehlich war.

Ich konnte es schlichtweg nicht leugnen. Ein Teil von mir fuhr auf ihn ab.

Trotzdem war ein anderer – wahrscheinlich durchweg rationalerer – Teil von mir versucht, Alex zwischen die Beine zu treten, dorthin, wo es am meisten schmerzte. Aber – und das redete ich mir sehr vehement ein, um diesen Drang unter Kontrolle zu behalten, ich wollte ja meinen netten Kunden Jacob nicht verärgern.

»Erstens bin ich eine herrische Bohnenstange, die dir kein bisschen gefällt und zweitens hast du mindestens drei weiche Groupies, die dich heute verwöhnen wollen – kostenlos«, gab ich zu bedenken und versuchte es mit Argumenten statt mit Beleidigungen oder gar Handgreiflichkeiten.

»Vielleicht ist mir nach kostspielig und nicht nach weich und verwöhnt werden?«, schlug Alex vor und sein Lächeln wurde genauso provozierend wie sein Blick.

Nach einem himmelschreiend unschuldig scheinenden Augenaufschlag, der alles andere als unschuldig war, hielt ich seinem Blick stand und überbrückte weitere Zentimeter Abstand zwischen seinem Gesicht und meinem. Dabei hielt ich mich an dem Wissen fest, dass ich die Domina war und auch die Kontrolle hatte. Selbst wenn ich sie im Moment nicht hatte, gelang es mir doch, meine Emotionen vom Gegenteil zu überzeugen.

»Du meinst, du stehst nicht auf billigen Sex?«, erkundigte ich mich lasziv.

Alex’ Blick hing wie gebannt an mir. »Das klingt aus deinem Mund herrlich verrucht – auch wenn es als Beleidigung gemeint war.«

»War es«, bestätigte ich und trat abrupt einen Schritt nach hinten. Dabei konnte ich spüren, wie sich der Ausdruck auf meinem Gesicht veränderte und herablassend wurde.

Alex ließ sich davon nicht beeindrucken. »Also?«

»Egal, was du bietest, die Antwort ist nein.« Ich lächelte süßlich und musterte ihn von oben bis unten und so als habe er nichts zu bieten, was mich auch nur im Ansatz interessieren könnte.

»Du weißt doch noch gar nicht, was ich dir bieten würde«, wandte er ein und zum ersten Mal hatte sich ein Hauch Unsicherheit auf seine Züge geschlichen.

»Auch auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: Ich bin nicht käuflich!«

»Du meinst nicht dafür …?« Alex ließ die Frage offen.

»Exakt«, stimmte ich zu.

»Jeder ist käuflich«, wiegelte er ab, jetzt wieder ganz der lässige Sunnyboy, der jede Frau haben konnte. »Es kommt immer nur auf den Preis und den richtigen Zeitpunkt an.«

»Dann ist das hier der Falsche.« Ich wandte mich ab, in dem Versuch einen höflichen Abgang hinzubekommen.

»Wie sicher bist du dir?«, hakte Alex nach und vereitelte meinen Versuch.

»Auch wenn ich dich für ein Arschloch halte, muss ich dir lassen, dass du hartnäckig bist.« Selbst in meinen eigenen Ohren klang ich erstaunt. Wieso war Alex bloß so penetrant? Was versprach er sich davon? Immer noch hatte er nicht erklärt, was er eigentlich wirklich wollte oder warum mich.

Der Sänger machte einen Schritt auf mich zu und überbrückte den Abstand, den ich doch gerade erst zwischen uns gebracht hatte. Dann beugte er sich vor und obwohl niemand anwesend war, flüsterte er mir ins Ohr: »Du hast keine Ahnung, wie hartnäckig ich sein kann.«

Sich wieder aufrichtend, strich er mit beiden Händen an meinen Seiten nach oben, nur wenige Millimeter von meiner Haut entfernt, berührte mich aber nicht. Trotzdem fühlte sich seine Bewegung so an, als liebkoste er meine Aura und ich konnte spüren, wie eine Gänsehaut über meinen Körper lief.

»Und wenn ich dich buche, wie weit bist du bereit zu gehen?«, erkundigte sich Alex. In seiner Stimme schwang eine Andeutung von heißem Sex auf weichen Laken mit und rief Vorstellungen von Kerzenlicht und nackten Körpern wach.

»Du bist ganz offensichtlich nicht devot, was eine Buchung ausschließt«, sagte ich. Hauptsächlich, um mich selbst davon zu überzeugen, dass jeder andere Versuch eine wirklich bescheuerte Idee wäre. Denn im Moment konnte ich mich kaum mehr erinnern, warum ich eigentlich sauer auf Alex war – und wieso ich nicht mit ihm ins Bett wollte.

»Du hast Angst?«, fragte er erstaunt.

»Nein, ich bin einfach realistisch.«

»Wie langweilig«, urteilte er und sein Gesichtsausdruck enthielt eine einzige Aufforderung: Trau dich!

Dieses Mal berührte er mich, als er an meinen Armen nach oben strich und seine Fingerspitzen hinterließen förmlich glühende Spuren auf meiner Haut.

Ich reagierte nicht darauf, sondern hielt Alex’ Blick stand. »Wenn du deine Hände magst, lässt du sie von mir und berührst mich besser nicht mehr ohne meine Zustimmung.«

Zu meiner Überraschung nahm Alex seine Hände tatsächlich sofort von mir und machte sogar eine beschwichtigende Geste.

»Bleib bei deinen Groupies. Die spielen in deiner Liga!«, riet ich ihm. Allein, weil ich mich jetzt wieder ganz genau daran erinnerte, wieso ich ihn blöd fand. Weil er glaubte, jede Frau haben zu können!

»Welche ist das?«, erkundigte er sich und auch seine Stimmung war umgeschlagen, denn er klang drohend.

»Die, die alles tun, was du willst – etwas anderes verkraftest du nicht.«

»Vielleicht will ich das ja gar nicht.« Kampflustig schob er sein Kinn vor und wirkte ganz wie der verwöhnte Rockstar, für den ich ihn hielt.

»Aber du willst auch nicht devot sein?«, erkundigte ich mich belustigt. Das war es also! Der Herr verkraftete es nicht, dass ich mich zwar von Jacob buchen ließ, aber keinerlei Interesse an ihm signalisierte!

»Soll ich dir erzählen, was ich wirklich will?« Alex Blick war herausfordernd und sehr direkt. Ohne meine Antwort abzuwarten meinte er: »Meine Fantasie beinhaltet tatsächlich Gewalt und Schmerz. Sehr viel Gewalt und sehr expliziten Schmerz.«

»Ich bin nicht interessiert.« Ich drehte mich um und kam zwei Schritte weit, bevor Alex den Abstand zwischen uns überbrückt und mich an der Hand festgehalten hatte.

»Eine Million«, bot er an. Doch ich hörte seine Worte kaum und starrte stattdessen die Stelle an, die seine Finger fest umschlossen. Die Abdrücke würden sicher Spuren hinterlassen, aber der Druck fühlte sich gut an.

»Das hat bei Demi Moore im Film ja auch geklappt.« Ohne aufzusehen konnte ich Alex’ Lächeln spüren, nutzte aber diesen Moment dazu, ihn zu überraschen und seinen Arm zu verdrehen.

»Das jetzt ist nur eine nette Warnung. Ich kenne genug Kampfsportarten, um auch jemandem wie dir gewachsen zu sein und hatte dir gesagt, was passiert, wenn man mich ohne meine Erlaubnis anfasst.« Für meine Verhältnisse klang ich immer noch nett, fast freundlich. Was war bloß los mit mir? Sollte ich nicht wütend werden?

»Glaubst du wirklich, du wärst mir gewachsen?«, fragte Alex, obwohl ihm die augenblickliche Position unangenehm sein musste. Er war wirklich hartnäckig, wusste was er wollte und hatte Mumm, selbst jetzt noch weiter zu baggern.

»Belasse es einfach dabei!«, riet ich ihm und ließ ihn so plötzlich los, als habe ich mich an ihm verbrannt. Und irgendwie stimmte das sogar, denn meine Libido lief gerade ziemlich heiß.

»Zwei Millionen«, meinte Alex, richtete sich auf und rieb sich die vermutlich schmerzende Hand.

»Idiot«, urteilte ich und blieb erst in sicherer Entfernung an der Tür stehen, bevor ich mich noch einmal zu ihm drehte. »Fragst du mich nochmal nach meinem Preis, bietest mir Geld an oder behandelst mich irgendwie wie eine Nutte … breche ich dir die Nase.«

Ich warf ihm ein möglichst herablassendes Lächeln zu, bevor ich den Raum verließ.


2 – Wünsche

Als es mir endlich gelang aufzustehen, war Nachmittag. Zwei Wochen Dauerparty quer über alle Kontinente und Zeitzonen hatten definitiv ihre Spuren hinterlassen und sorgten dafür, dass ich mich auch nach dem vierten Kaffee müde fühlte. Überdreht, aber müde.

Mit dem Blick fest auf die Uhr und die Zeit huschte ich ins Badezimmer und verfluchte die Temperatur in LA – und überhaupt die ganze blöde Stadt. Hier fühlte sich sogar das »nach Hause kommen« nicht so an, als ob man nach Hause kam. Eher wie eine Stippvisite im Land der Reichen und Schönen – und der gescheiterten Existenzen.

Unwillkürlich glitten meine Gedanken zu meinem Traum und der folgenden Erinnerung an das unverschämte Angebot des genauso unverschämten Sängers.

Wahrscheinlich würden mir gleich zwei Millionen gute Gründe einfallen, um nicht darauf einzugehen, auch wenn meine Libido zurzeit dabei war, mir die zwei Millionen Gründe aufzuzählen, die dafür sprachen. Angefangen von »Er ist vermutlich gigantisch im Bett, bei all der Übung« bis hin zu »selbst wenn er es nicht ist, sieht er dabei wenigstens toll aus«.

Aber dieser Alex würde mich nicht bekommen!

Doch sein Angebot und der damit verbundene Reiz waren definitiv etwas, womit ich gut spielen konnte. Denn schon bei der Vorstellung, wie heiß und anturnend ich heute Abend aussehen und mich geben würde, wurde ich so feucht, dass ich froh war, kein Höschen mehr zu tragen. Genießerisch trat ich unter das warme Wasser, ließ meine Hände über meinen Körper gleiten, schäumte mich ein und nutzte die Gelegenheit, mich nicht nur zu säubern.

Wie von selbst fanden meine Finger meine Klit und zwirbelten das kleine Lustknötchen, bis elektrisierende Schauer durch meinen Körper liefen und ich mit einem erleichterten Seufzer kam. Fast gleichzeitig machte sich eine allumfassende Erleichterung in meinen Adern breit und eine tiefe Form der Entspannung zog sich langsam durch meine Muskeln.

Aber es war nicht das Gesicht meines Klienten, das ich auf dem Höhepunkt der Lust vor Augen hatte, sondern das des unverschämten Sängers. Nicht das des betrunkenen Idioten gegen Ende der Feier, als er fast in seinen Groupies ertrank – sondern das Gesicht, mit dem er mich im Billardzimmer angesehen hatte. Mit dem Ausdruck, der mir Schmerzen versprach, die ich nie wieder würde vergessen können oder wollen.


Pünktlichkeit war eine meiner großen Stärken, deswegen wartete ich bereits unten am Empfang, als die Limousine vorfuhr und der Fahrer ausstieg, um Jacob die Tür zu öffnen.

Mein Klient strahlte mich an, als ich ihm entgegenkam und wirbelte mich einmal um meine eigene Achse, um mich bewundernd zu prüfen.

»Da sieht man doch gleich, wie mein Geld angelegt ist«, lobte er mein neues Kleid. »Es passt perfekt zu unserem CD-Cover.«

»Und ist genau wie das Cover von Hagen Taylor designt«, gab ich zu.

»Ernsthaft?« Jacobs Bewunderung schien noch weiter zu wachsen. Etwas, was ich gut nachvollziehen konnte, denn das Kleid war eine Wucht. Normalerweise hätte ich nie zu schwarz-pink gegriffen, aber in Anbetracht der restlichen Tour-Aufmachung und der Zeichnung von Hagen waren meine Einwände verständlicherweise sehr klein gewesen, als mein Ex-Klient mir seinen Entwurf gezeigt hatte. Es hatte sogar Pailletten, Federn, Rüschen und Spitzen am Saum und ließ einen wirken als sei man genau die Frau, die Hagen Model gestanden hatte.

»Nein, ich lüge!«, behauptete ich wenig überzeugend.

»Es sieht toll an dir aus!« Er nahm meine Hand und führte mich die letzten Schritte zum Wagen.

»Fandet ihr auch«, meinte ich kryptisch, sah aber das langsame Verstehen, das sich auf Jacobs Zügen ausbreitete. Und noch etwas anderes. »Ich muss dir noch etwas sagen …«, begann er, wurde aber aus dem Inneren der Limousine unterbrochen.

»Ich finde, es sieht ein bisschen so aus, als hätte einer eine Barbie gegessen und anschließend auf unser Cover gekotzt.« Alex streckte seinen Kopf aus der Tür und hatte meine Hand genommen, bevor ich reagieren konnte. »Wahlweise aber auch auf das Kleid statt auf das Cover.«

Er zog mich ins Innere, während ich noch nach einem geeigneten Fluch suchte, um Jacob und Alex damit zuzuschütten.

Aber Jacob war schneller als ich und glitt auf den Sitz neben meinem, bevor Alex es tun konnte. »Erstens wollte ich Trish vorwarnen und zweitens ist sie die Frau vom Cover.«

Alex musterte mich noch einmal, wirkte aber nicht überrascht, als er sagte: »Ich weiß.«

»Muss dir ja gut genug gefallen haben, um ausgewählt zu werden«, meinte ich, gewillt, mir meine gute Laune nicht vermiesen zu lassen.

»Ich wurde überstimmt«, informierte mich Alex, ohne mich anzusehen. Sein Blick war fest auf Jacob gerichtet. Fast, als habe sich der Sänger ebenfalls vorgenommen, sich nicht durch mich aus der Ruhe bringen zu lassen. Ich schlug meine Beine übereinander, wohl wissend, dass ich dabei mehr nackte Haut zeigte, als so manche Frau im Schwimmbad.

»Weißt du, Jacob, was mich besonders nervt?«, erkundigte sich Alex. »Du schaust sie an wie ein verwundetes Reh, das sich nach Mama sehnt – aber sie ist verdammt nochmal nicht deine Mutter.«

Ich schnappte empört nach Luft. »Sie kann dich hören!«

Doch genau wie Alex ignorierte mich auch Jacob, der die Herausforderung annahm: »Woher willst du wissen, wie ich sie ansehe, was ich mit ihr mache und was ich machen will?«

»Es steht dir ins Gesicht geschrieben. Du willst sie auf ein Podest stellen und anbeten. In Samt und Seide hüllen und auf weißen Satinlaken lieben, bis sie dir gehört und nur noch deinen Namen haucht.«

»Was ist daran so schlimm?« Jacob griff nach meiner Hand und ich entschied mich dafür, dieses Wortduell einfach über mich ergehen zu lassen.

»Nichts.« Alex zuckte mit den Schultern und lehnte sich entspannt im Sitz zurück.

»Dann hör auf meine Träume kaputtzumachen, nur weil du keine mehr hast«, fauchte Jacob und sein Griff um meine Finger wurde beinahe schmerzhaft.

»Oh, ich habe welche«, wandte Alex ein und sein Blick glitt zu mir und über mich, bevor er abschätzend seine Lippen verzog. »Glaub mir.«

»Welche?« Jacobs Frage kam wie aus der Pistole geschossen.

So langsam ging mir wirklich auf die Nerven, dass sich die zwei über meinen Kopf hinweg unterhielten, als sei ich nicht anwesend. Selbst wenn Mister Superheißer-Sänger es absichtlich machte, eben um mich wütend zu machen.

»Ihr geben, was sie braucht. Wie sie es braucht.«

»Sehr poetisch«, log Jacob, hob meine Hand an seine Lippen und hauchte einen Kuss auf sie, ohne seine Aufmerksamkeit von Alex zu nehmen.

»Glaub mir, an meinem Wunsch ist absolut nichts poetisch.« Der Sänger wandte sich mir zu und sein Blick war so direkt, als säße ich nackt vor ihm und hätte bereits zu allem, was er verlangte »ja« gesagt. Trotzdem sprach er weiter zu seinem Bandkollegen, was die Angelegenheit surreal machte. Aber nicht minder heiß. »Ich will sie im Dreck und auf dem Fußboden. An der Wand stehend und um Gnade winselnd. Ich will sie hart und rücksichtslos, ihre Hände über dem Kopf, sie hilfund wehrlos unter mir. Ich will ihre Rufe mit meinem Mund ersticken und ihre Tränen trinken und sie ficken, wie sie noch kein Mann vor mir gefickt hat.«

Ich konnte spüren, wie sich mein Blick veränderte und mein Gesicht weicher wurde. Da half es auch nicht, dass ich meine Lippen fester zusammenpresste, um mir meine Gedanken und Gefühle nicht anmerken zu lassen. Trotzdem gelang es mir einen trockenen Kommentar von mir zu geben. »Da solltest du unbedingt einen Song drüber schreiben!«

Alex drehte sich ungerührt zu dem Drummer und meinte: »Du willst sie freiwillig und voller Hingabe in deinem Bett. Ich will sie und mir ist egal, was sie will. Soll sie sich wehren und winden, bitten, betteln und Versprechungen machen, sie wird trotzdem unter mir liegen, mich als ihren Meister anerkennen und meinen Namen stöhnen. Und wenn ich mit ihr fertig bin, wird sie nach mehr verlangen – aber es wird nie genug sein.«

Ich konnte spüren, wie ich feucht wurde – und meine Brustwarzen hart bei der Vorstellung, tatsächlich unter Alex zu liegen und gegen ihn zu kämpfen, während er mich nahm. Nicht wirklich gegen meinen Willen, aber doch so, wie er es wollte. Ein geheimer Wunschtraum von fast jeder Frau und plötzlich auch für mich attraktiv.

Selbst meine Atmung und die Hitze auf meinen Wangen schienen Alex’ Kontrolle zu unterliegen, denn ich konnte beides nicht leugnen und auch nicht fortdenken. Etwas, was Alex zu bemerken schien, denn er sah mich direkt an. »Denn das ist es, was du brauchst und vor dem du am meisten Angst hast – und du weißt es.«

»Träum weiter!«, fauchte ich und war dankbar darüber, dass wir am Ziel angekommen waren und die Limousine hielt.

Alex lachte und offenbarte dabei nicht nur die Grübchen, die ich bereits kannte, sondern auch interessante Lachfältchen in den Augenwinkeln. »Das Angebot, das ich nicht mehr aussprechen darf, gilt noch. Du darfst auch die Gangart bestimmen.«

Lachend stieg er aus dem Auto, bevor sich der Fahrer bemühen konnte und reichte mir galant seine Hand. »Außerdem wollte ich dich nackt auf dem Cover.«

Gespielt würdevoll und showtechnisch sehr effektiv übergab er mich an Jacob, der ebenfalls ausgestiegen war und gesellte sich zu seinen drei wartenden Begleiterinnen. Ich schätzte, es waren dieselben wie beim letzten Mal, war mir aber nicht sicher.

Auch deswegen murmelte ich leise: »Idiot.«

Jacob brummte belustigt und drückte meine Hand. »Ich habe Alex schon lange nicht mehr so sehr auf jemanden abfahren sehen.«

Der Drummer hatte genauso leise gesprochen wie ich, wirkte aber deutlich amüsierter.

»Quatsch«, widersprach ich. »Alex ist bloß sauer, weil ich mit dir hier bin und nicht auf seinen Charme hereinfalle.« Noch leiser fügte ich hinzu: »Er findet mich nicht mal attraktiv, sondern zu dürr und wie war die Bezeichnung … Bohnenstange.«

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165 стр. 9 иллюстраций
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9783960001515
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