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Lia K. Harry

The Arrangement: Liebe trotz Vertrag

© 2021 Plaisir d’Amour Verlag, D-64678 Lindenfels

www.plaisirdamour.de

info@plaisirdamourbooks.com

Covergestaltung: © Sabrina Dahlenburg (www.art-for-your-book.de)

ISBN Taschenbuch: 978-3-86495-463-4

ISBN eBook: 978-3-86495-464-1

Sämtliche Personen in diesem Roman sind frei erfunden. Dieses Buch darf weder auszugsweise noch vollständig per E-Mail, Fotokopie, Fax oder jegliches anderes Kommunikationsmittel ohne die ausdrückliche Genehmigung des Verlages oder der Autorin weitergegeben werden.

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 28

Kapitel 29

Kapitel 30

Kapitel 31

Kapitel 32

Kapitel 33

Danksagung

Autorin

Kapitel 1

Christopher

Ein ohrenbetäubender Knall sorgt dafür, dass ich zusammenzucken und meinen Kopf heben muss. Mein Kopf dröhnt, da ich letzte Nacht wieder durchgefeiert habe. Eine Zeitschrift gleitet über den Schreibtisch, und ich fange sie auf, bevor sie auf dem Boden landet.

„Was hast du dazu zu sagen?“ Die wütende Stimme meines Vaters, die durch sein Büro im Hause meiner Eltern hallt, zwingt mich dazu, die Augen auf ihn zu richten.

Mein Blick gleitet von meinem Vater zur Zeitschrift und mit großen Augen betrachte ich das unscharfe Bild auf der Titelseite. Da hat der Paparazzo wirklich gute Arbeit geleistet. Eine blonde Frau sitzt auf meinem Schoß und mein Gesicht ist in ihrem Ausschnitt vergraben.

„Das war eindeutig ein geiler Abend“, antworte ich und blicke wieder zu meinem Vater auf. Sein Gesicht läuft rot an. Ich hoffe, er bekommt keinen Schlaganfall. Fehlt nur noch, dass Blitze aus seinen Augen schießen. Wie Zeus auf dem Olymp. Mann, der ist fuchsteufelswild!

„CHRISTOPHER!“ Mit der Faust schlägt er auf den Schreibtisch.

„Es war nur ein Mal. Was stellst du dich so an?“, versuche ich, die Situation zu verharmlosen. Hoffentlich kauft er mir das ab. Ganz cool lehne ich mich in meinem Sessel zurück.

Er öffnet eine Schublade, wirft mir mehr Zeitschriften zu, steht abrupt auf und geht vor mir hin und her. Seine Finger massieren dabei die Nasenwurzel. Auf allen Titelbildern bin ich zu sehen. Die Reporter sind wirklich einfallsreich, was die Schlagzeilen angeht: Palmers Liebesspiele – Wer ist die geheimnisvolle Frau an seiner Seite – Christopher Palmer (29), der heißeste Junggeselle Houstons.

Mein Vater reißt mir die Zeitschriften unter der Nase wieder weg, schleudert sie zurück in die Schublade und funkelt mich an. „Ich habe genug von deinen Liebschaften! Es wird Zeit, dass du erwachsen wirst!“

„Dad, du hast doch gesagt, ich soll mein Singledasein ausleben.“

„Damit meinte ich nicht, dass du dich mit jedem Flittchen fotografieren lässt.“ Er fasst sich an die Stirn, lässt sich in seinen Sessel fallen und kneift die Augen zusammen. „Junge, ich kann dich verstehen.“ Sein Ton ist nun ruhiger. „Du hast eine Schwäche für Frauen. Aber es wird langsam Zeit, dass du Verantwortung übernimmst.“

Verantwortung übernehmen? Ich drücke mich sogar davor, mich um den Hund kümmern, wenn meine Eltern übers Wochenende weg sind. Er würde verdursten oder verhungern, weil ich vergessen würde, ihm etwas in die Näpfe zu tun. Deswegen übernimmt meine Schwester Britney das Hundesitting. Sie kommt sowieso besser mit dem Hund klar und er gehorcht ihren Befehlen. Mich guckt er immer nur an, wenn ich ihm was sage, oder er legt sich in seinen Hundekorb.

Sogar als Teenager habe ich mir Ausreden einfallen lassen, damit ich nicht auf meine jüngere Schwester aufpassen musste, wenn meine Eltern auf irgendwelche Galas oder Wohltätigkeitsempfänge gingen. Dann mussten sie einen Babysitter engagieren.

Da wären noch meine Kreditkartenrechnungen, die nur so ins Haus meiner Eltern flattern. Sie zahlen alles, von der Autoversicherung über Clubbesuche bis hin zu Einkäufen in Designer-Boutiquen. Sogar während meiner Collegezeit haben sie nicht nur meine Studiengebühren, sondern auch alle sonstigen Ausgaben beglichen. Meine Schwester und ich werden eines Tages alles erben, wozu sich also die Finger dreckig machen und arbeiten gehen?

„Es ist an der Zeit, dass du heiratest, in den Familienbetrieb einsteigst und später die Geschäftsführung übernimmst.“

„Was?“ Mein Herz rutscht mir in die Hose. Mein Vater hat anscheinend komplett den Verstand verloren. Ich habe zwar öfter im Büro reingeschaut, aber nicht mehr als ein paar Minuten dort verbracht. Das Einzige, was ich über seine Tätigkeit weiß, ist, dass mein Vater seine Finger in der Mobilfunkbranche hat und viel Geld verdient. Ich lebe das Leben des reichen Sohnes und zukünftigen Erben. Wie es viele an meiner Stelle tun würden. Sogar eine Wohnung hat mein Vater mir gekauft, damit ich mein eigenes Reich habe.

„Ich habe mit deiner Mutter gesprochen, und sie möchte, dass wir mehr Zeit miteinander verbringen, verreisen und lauter solche Sachen. Nur sie und ich. Deswegen haben wir uns dazu entschlossen, dass du in die Firma einsteigst. Der Vorstand hat auch schon zugestimmt.“

„Ihr und der Vorstand wollt, dass ich in die Firma einsteige?“, frage ich ungläubig.

Da mich Zahlen schon in der Grundschule fasziniert haben und ich sehr gut in Mathematik war, wollte meine Mutter, dass ich etwas in dieser Art studiere. Ich entschied mich für ein Studium in Betriebswirtschaft, das ich mit einer guten Note abgeschlossen habe. Trotzdem hat mich mein Vater bis jetzt nie zum Arbeiten gezwungen, und ich habe gedacht, dass ich noch eine Weile so weiterleben könnte. Da habe ich mich anscheinend gewaltig getäuscht.

„Ja, und dass du bis zu deinem dreißigsten Geburtstag heiratest. Solltest du es nicht schaffen, drehe ich dir den Geldhahn zu. Ohne Arbeit und ohne Ehefrau, gibt es kein Geld, kein Penthouse und keine Partys mehr! “, sagt er barsch.

„Wie bitte? Mein Geburtstag ist schon in sieben Monaten.“

„Dann hast du ja nicht mehr viel Zeit.“ Er steht auf, verlässt sein Büro und lässt mich mit dieser Aussage allein zurück.

Mit einem tiefen Seufzer sacke ich in den Sessel zurück und starre ins Leere. Großartig! Er hat es geschafft, mir die gute Laune zu verderben. Ich hatte eigentlich vor, mich mit einem Kumpel in einem Club zu treffen und ein paar Weiber aufzureißen. Daraus wird nun nichts.

Das, was er von mir verlangt, kann unmöglich sein Ernst sein. Eine Frau finden, die ich in sieben Monaten heiraten soll? Ich brauche jetzt die Meinung einer neutralen Person. Vielleicht kann Luke mir ein paar Tipps geben. Immerhin ist er mein bester Freund, der mich schon seit der Highschool kennt.

Ich hole mein Handy aus der Hosentasche und tippe eine Nachricht ein:

In einer Stunde bei mir. Es ist wichtig.

Er antwortet nicht. Das macht er nie, wenn er einverstanden ist.

Eilig gehe ich aus dem Büro, verabschiede mich von meiner Mutter und verlasse das Haus. Ich steige in meinen Lamborghini, und mein Blick fällt auf den Boden der Beifahrerseite, auf dem etwas glitzert. Ich greife danach, hebe ihn hoch und sehe mir den Ohrring genauer an. Welche Dame den wohl vermissen wird? Dem Design nach zu urteilen, handelt es sich um Modeschmuck; zudem sind die Frauen, mit denen ich meine Abende verbringe, nicht wohlhabend. Es sind Frauen, die auf der Suche nach einem reichen Mann sind, mit dem sie eine schöne Zeit verbringen und dem sie das Geld aus der Tasche ziehen können. Und wenn er Pech hat, schleppen sie ihn sogar vor den Traualtar.

Ein kalter Schauer läuft meinen Rücken herunter und ich schüttele mich. Oh Gott! Ich und eine feste Beziehung? Niemals! Flirten und Sex ja, aber einer Frau einen Ring an den Finger stecken? Bloß nicht.

Kapitel 2

Layla

Mit der Aktentasche in der Hand laufe ich durch den Gang des Gerichtsgebäudes, um pünktlich zur Scheidungsanhörung zu kommen.

Im Verhandlungszimmer angekommen, sehe ich, dass Eva Jones, meine Mandantin, bereits anwesend ist. Ihr gegenüber sitzen ihr Noch-Ehemann und sein aufgeblasener Anwalt. So einen ekelhaften Mann habe ich noch nie kennengelernt.

Samuel Prescott. Klein, dicker Bauch, Halbglatze und ein Schleimer. Er denkt, er könnte mich mit seinem finsteren Blick einschüchtern, damit wir die Vermögensforderungen aufgeben. Da ist er bei mir aber auf dem falschen Dampfer. Ich werde dafür sorgen, dass sein Mandant für seine Untreue bezahlt.

„Ah! Da ist sie ja“, ertönt Prescotts tiefe Stimme.

„Eva, Mr. Jones.“ Ich mache eine kurze Pause und sehe meinen Kollegen an. „Herr Kollege.“ Meine Augen auf ihn gerichtet, nicke ich ihm zu, und er antwortet mit der gleichen Geste.

„Miss Elias. Ich freue mich, dass Sie es noch pünktlich geschafft haben.“

Prescotts arrogante Art lässt mich das Gesicht verziehen. Ich hole den Ordner mit den Scheidungsunterlagen aus meiner Aktentasche, lege sie sorgfältig auf den Tisch und hebe meinen Blick, um Prescott anzusehen. Er ist bekannt dafür, ein knallharter Verhandlungspartner zu sein. Dass ich aber auch einer bin, weiß er noch nicht. Ich bin nicht umsonst von der Anwaltskammer als beste Anwältin des Jahres geehrt worden. Mein verehrter Kollege und ich kennen uns von einigen Empfängen, die unser Bürgermeister in den letzten zwei Jahren gegeben hat.

„Ihre Mandantin besteht weiterhin auf fünf Millionen und außerdem das Haus in den Hamptons?“ Ein Hauch von Empörung schwingt in Samuels Stimme mit.

„Warum nicht, Herr Kollege? Immerhin waren sie fast fünfunddreißig Jahre verheiratet. Sie haben das Vermögen zusammen erwirtschaftet, und da erwarten Sie, dass sie sich mit einer Million zufriedengibt?“, erwidere ich. „Fünf und das Haus oder wir sehen uns vor Gericht wieder.“

„Sind Sie sicher, dass Sie das wollen?“ Prescott lehnt sich nach vorn und legt die Hände ineinander. Seine Augen fixieren mich, versuchen, mich weiter einzuschüchtern. „Eine Schlammschlacht in der Öffentlichkeit?“

„Ich habe keine Angst, Herr Kollege. Und vor Ihnen erst recht nicht.“

„Das wird ein harter Kampf, Frau Kollegin.“

Oh! Er droht mir. Langsam rücke ich näher an den Tisch, meine Augen auf ihn gerichtet. „Ich verspreche Ihnen, wir machen es kurz und schmerzlos. Immerhin ist Ihr Mandant fremdgegangen. Und das mehrmals.“

Mein Blick huscht rüber zu Mr. Jones, den die ganze Diskussion nicht zu interessieren scheint, denn er spielt mit seinem Handy herum. Anscheinend ist er sich sicher, dass sein Anwalt alles zu seiner Zufriedenheit regelt.

Prescott schnaubt, schüttelt den Kopf und schürzt die Lippen. „Ihre Mandantin ist auch nicht unschuldig, Miss Elias. Sie hat sich für ihren Mann keine Zeit mehr genommen.“

„Ach, wirklich? Sie hätte sich die Zeit genommen, wenn ihr Ehemann zu Hause gewesen wäre und sich nicht mit seiner Geliebten vergnügt hätte.“ Ich beiße die Zähne zusammen, atme laut aus und meine Augen verengen sich. Wie kann er es wagen, ihr die Schuld für das Scheitern der Ehe in die Schuhe zu schieben? Sie hatte keine Affären. Er war derjenige, der sich mit jüngeren Frauen eingelassen hat.

Gerade als Prescott den Mund aufmacht, um weiterzusprechen, meldet sich Mr. Jones zu Wort. „Eva. Warum tust du das? Denk an unsere Kinder. Sie wären am Boden zerstört, wenn wir uns trennen.“

Oh! Jones tut so, als würde er alles bereuen, damit wir die Schlinge um seinen Hals nicht enger zuziehen.

„Unsere Kinder haben selbst Kinder, William. Ich bin nicht diejenige, die unsere Ehe zerstört hat. Das warst du mit deinen ständigen Seitensprüngen, die du noch nicht mal zu verheimlichen versucht hast“, stellt sie verbittert klar.

Wie können Männer ihre Ehefrauen betrügen, und das auch noch so offensichtlich? Wenn mein Mann so etwas wagen sollte, würde ich ihn sofort vor die Tür setzen. Jones versucht, die Kinder ins Spiel zu bringen, damit sie die Scheidung zurückzieht und er glimpflich davonkommt. So könnte er sie weiter betrügen und würde nicht einen Teil seines Vermögens verlieren.

„Tut mir leid, William. Ich habe dir so oft vergeben, aber irgendwann ist Schluss. Ich kann das nicht mehr. Miss Elias hat recht. Entweder ich bekomme das, was ich fordere, oder wir klären das vor Gericht.“

Jones und Prescott sehen sich an, wenden sich von uns ab und flüstern sich gegenseitig etwas zu. Plötzlich setzt sich Prescott gerade hin, ballt die Hand zur Faust und reißt die Augen auf. Jones tätschelt seinen Arm, woraufhin sich Prescott wieder nach vorn beugt. Sie flüstern wieder miteinander und ich nehme ein leises „Das werde ich nicht zulassen“ wahr.

Wir werden zu keiner Übereinkunft kommen. Ich sehe uns schon vor dem Richter stehen. Falls es dazu kommen sollte, wäre es sogar möglich, dass Mrs. Jones mehr bekommt als das, was wir jetzt beanspruchen. Ich weiß, dass er ungefähr vierzig Millionen Dollar bei verschiedenen Banken und mehrere Aktienanteile an diversen Firmen hat. Außerdem hat er hier in Houston ein Penthouse, das Haus in den Hamptons und ein großes Ferienhaus in Florida. Sollte der Richter ihr die Hälfte zusprechen, dann würde ich mit meinen dreißig Prozent Honorar ein hübsches Sümmchen bekommen. Dann könnte ich damit ein kleines Haus in San Antonio kaufen und einrichten, damit meine Mutter dort leben kann.

Ich schaue auf die Uhr. Je länger die zwei sich unterhalten, desto ungeduldiger werde ich. Mit den Fingernägeln trommele ich auf der Tischplatte herum.

„Also gut, Eva.“ Jones dreht sich zu uns herum. „So leicht gebe ich mich nicht geschlagen. Wir sehen uns vor Gericht wieder.“ Diese Aussage von Jones scheint seinem Anwalt nicht besonders zu gefallen, denn er lässt den Kopf sinken. Er hat wohl auf eine außergerichtliche Einigung gehofft. Für ein paar Sekunden hält Jones den Blickkontakt zu seiner Frau. Doch ihre Miene bleibt steinhart, woraufhin er aufsteht und den Raum verlässt.

„Na dann, Herrschaften“, verkündet Prescott. „Ich werde schnellstmöglich einen Termin bei Gericht beantragen.“ Er steht auf, packt seine Unterlagen ein und kommt um den Tisch herum. Als er neben mir steht, erhebe ich mich und reiche ihm die Hand.

„Ich freue mich schon darauf, Sie vor Gericht zu erleben, Frau Kollegin. Mir wurde schon berichtet, dass Sie nicht gerne verlieren, und ehrlich gesagt freue ich mich darauf, der Erste zu sein, der Sie in die Knie zwingen wird.“

„Freuen Sie sich nicht zu früh, Herr Kollege.“

Prescott verlässt den Raum und Eva steht auf. Sie stellt sich neben mich. „Danke für Ihren Einsatz.“

Sie wirkt erleichtert, dennoch sehe ich die Tränen in ihren Augen. Ich kann mir vorstellen, dass es nicht so einfach ist, eine Ehe, die so lange gehalten hat, mit einem Schnips zu beenden.

Kapitel 3

Christopher

Es gibt eine Menge Dating-Seiten im Netz, aber keine „Finde eine Ehefrau“-Agentur. So ein verdammter Mist. Wenn ich mich auf die Kreise fokussiere, in denen ich mich bewege und meine Abende verbringe, werde ich keine Frau zum Heiraten finden. Und unter den jungen Damen, die zur Gesellschaft meiner Eltern gehören, sowieso nicht. Die sind mir zu eingebildet und total verwöhnt. Zwei Mal habe ich den Fehler gemacht und mich auf ein kleines Abenteuer mit einer dieser verwöhnten Gören eingelassen.

Eine davon war die Tochter eines Immobilien-Tycoons. Nachdem wir miteinander gefickt hatten, sagte ich ihr, dass es kein zweites Date geben werde. Daraufhin warf sie mit sämtlichen Gegenständen nach mir, die sie im Hotelzimmer fand.

Die andere habe ich in mein Penthouse mitgenommen. Wir haben uns die Seele aus dem Leib gefickt. Danach meinte sie, irgendwelche Besitzansprüche an mich stellen zu können, weil ich den Fehler gemacht habe, sie mit nach Hause zu nehmen. Als ich ihr klarmachte, dass sie für mich nur ein One-Night-Stand war, trat sie mir in die Eier, sodass ich dachte, ich würde nie wieder einen hochbekommen.

Aus diesen Gründen halte ich mich von diesen wohlhabenden Frauen fern.

Da ich noch etwa eine halbe Stunde Zeit habe, bis Luke erscheint, klicke ich auf eine dieser Dating-Seiten, um mich dort mal umzusehen. Jedoch sind das Seiten, die nicht für mich geeignet sind. Lauter junge Frauen, die auf der Suche nach dem richtigen Partner fürs Leben sind. Also gehe ich wieder auf Google und tippe Frauen in Houston ein. Unter anderem finde ich eine Seite, die Dream Girls Houston heißt. Was das wohl sein mag?

Ich klicke die Seite an. Wow! Ein Escort-Service. Lauter junge Frauen, einige davon in sexy Klamotten und andere in heißer Unterwäsche. In der Navigationsleiste kann man sich aussuchen, was man haben möchte. Ich klicke darauf und das Menü erscheint. Nun hat man die Auswahl. Von asiatischen über russischen Frauen und Latinas bis hin zu VIP-Escorts. Natürlich kommen nur VIPs für mich infrage. Ein neues Fenster erscheint, in dem unter anderem gefragt wird, ob man sich für einen Mann mit Klasse und Geschmack hält. Na klar tue ich das. Ich scrolle weiter und sehe mir die diversen Schönheiten an. Oh Mann! Eine schöner als die andere. Wie soll sich ein Mann da bloß entscheiden?

Als ich weiterscrolle, stoße ich auf die Anmerkung, was VIP-Escort bedeutet. Hier steht: Bei der Begleitperson sind Sie in den sicheren Händen sorgfältig ausgewählter Frauen, die Ihnen das Gefühl geben, ein König zu sein. Sie sind romantischer und intimer in ihren Dienstleistungen.

Ich denke, das entspricht genau meiner Vorstellung von einem tollen und aufregenden Abend. Eine der Damen ist mir schon ins Auge gesprungen. Ihr Name ist Dana, sie ist fünfundzwanzig Jahre alt, blond, hat volle Brüste und ist verdammt sexy. Beim Weitersuchen entdecke ich noch eine weitere. Sie heißt Alicia, ist dunkelhaarig, hat nicht ganz so üppige Brüste, ist aber genauso heiß wie Dana.

Da ich heute Abend sowieso nichts vorhabe, wähle ich die Nummer der Agentur, um zu erfahren, ob eine dieser beiden Damen heute Zeit für mich hätte. Nach dem fünften oder sechsten Klingeln ertönt eine weibliche Stimme.

„Dream Girls Houston Escort Service. Was kann ich für Sie tun?“

„Hallo. Ich …“ Für ein paar Sekunden stoppe ich und räuspere mich. „Ich interessiere mich für Ihre Dienste.“

„Natürlich, Sir. Haben Sie schon mal einen Escort-Service in Anspruch genommen?“

„Nein, das ist mein erstes Mal.“ Ich stehe auf, gehe um den Tisch herum zum Spiegel, der an einer Wand hängt, und betrachte mein Spiegelbild. Mein Freund wird in einer halben Stunde hier sein und ich telefoniere mit einem Escort-Service. Warum tue ich das? Es geht nur um Sex, deswegen.

„Darf ich Sie mit unserem Service vertraut machen?“

„Ich bitte darum.“

Die Dame am Telefon beginnt, mich über den Buchungsablauf aufzuklären. Man kann die Agentur per Telefon oder E-Mail kontaktieren, wenn man sich für eine der Damen entschieden hat. Von der Begleitung zu einem geschäftlichen Event oder einem Abendessen bis hin zur Buchung für einen aufregenden Abend mit sexuellem Kontakt ist alles drin. Das hört sich doch toll an. Sie weist mich darauf hin, dass die Damen entscheiden, wie weit sie während des Dates im Hotelzimmer gehen wollen, und dass jede einzelne ein Notrufsystem hat, um den hauseigenen Securitydienst zu rufen, sollte der Mann gewalttätig werden. Zu Beginn wird sie von einem Mitarbeiter begleitet, der sich dezent im Hintergrund hält und später in der Lobby wartet, um sicherzugehen, dass die Dame nicht in Gefahr gerät. Sollte sich die Dame wohlfühlen, ist sie auch bereit, diesen Mann ein weiteres Mal zu treffen, und dies auch ohne Security. Sollte beim vierten Date alles reibungslos klappen, wird man als VIP-Kunde geführt und hat das Privileg, die Telefonnummer der auserwählten Dame zu bekommen, um sie direkt zu kontaktieren und nicht über die Agentur zu gehen.

„Sind Sie geschäftlich hier, Mr. …“

„Palmer. Nein, ich lebe hier in Houston.“

„Mr. Palmer. Stehen Sie irgendwie in Verbindung mit Palmer Communications?“, fragt sie und ich höre die Neugier in ihrer Stimme.

„Ja.“

„Verstehe. Sie müssen sich keine Gedanken machen, Mr. Palmer. Ihre Daten werden vertraulich behandelt. Jede einzelne unserer Damen hat eine Schweigepflichtserklärung unterschrieben. Sollte eine Mitarbeiterin irgendeinen Namen unserer Kunden preisgeben, darf sie nicht mehr für unsere Agentur arbeiten. Wir sind ein seriöses Unternehmen, Sir.“

Seriös? So was nennt man Prostitution auf höchstem Niveau. Aber ich verstehe, was sie meint. Diese Damen begleiten keine Normalverdiener, sondern Geschäftsleute, die allein reisen und sich ein paar schöne Stunden zwischen den Meetings gönnen wollen. Vielleicht auch Männer, die Rang und Namen haben und sich gern mit schönen Frauen an ihrem Arm präsentieren. Wieso bin ich nicht früher auf diese Idee gekommen, statt mich mit billigen Flittchen abzugeben und auf den Titelseiten diverser Magazine zu erscheinen? Das hätte mich vor manchem Ärger mit meinem Vater bewahrt, und ich wäre jetzt nicht in der Situation, nach einer Ehefrau suchen zu müssen.

„Das ist gut.“

„Und nun zum Grund Ihres Anrufes, Mr. Palmer. Für wann möchten Sie eine unserer Damen buchen?“

„Ist es für heute Abend möglich?“

„Natürlich. Haben Sie sich für eine entschieden oder soll ich nachsehen, welche heute Abend Zeit für Sie hätte?“

„Ich habe mich für Dana oder Alicia entschieden.“

„Eine sehr gute Wahl. Lassen Sie mich kurz nachsehen.“

Sie tippt auf ihrer Tastatur herum, und ein paar Sekunden später bestätigt sie mir, dass beide Damen frei seien. Ich buche Dana. Danach werde ich gefragt, ob es nur ein Abendessen sein soll oder ob ich im Anschluss mit der Dame in ein Hotel gehen möchte. Natürlich entscheide ich mich für beides.

„Für wie viele Stunden möchten Sie den Service in Anspruch nehmen, Mr. Palmer?“

„Was würden mich sechs Stunden kosten?“

„Zweitausend Dollar.“

Das klingt gut. Ein Abendessen mit einer sexy Dame, anschließend Sex und das für zwei Riesen. Ich bestätige, gebe ihr durch, in welchem Restaurant wir uns um halb acht treffen und in welchem Hotel ich eine Suite buchen werde. Nachdem sie die Informationen in den Computer eingegeben hat, möchte sie meine Kreditkartendaten und meine E-Mail-Adresse haben. Sie sagt mir, dass die Hälfte des Betrages nach Eintreffen der Dame abgebucht wird, und die andere, sobald die Stunden vorbei sind und sie den Ort des Treffens wieder verlässt. Sie bedankt sich für die Buchung und wir beenden das Gespräch.

Sekunden später bekomme ich eine E-Mail mit den abgesprochenen Informationen, die ich mir durchlese, und höre danach ein Klopfen an meiner Tür.

Ich eile hin und öffne sie. „Hey, Kumpel. Schön, dass du es pünktlich geschafft hast.“ Wir geben uns die Hände, stoßen Schulter an Schulter und klopfen uns auf den Rücken.

„War doch klar. Deine Nachricht hat sich wichtig angehört. So, als würde es um Leben und Tod gehen.“

„Geht es auch.“

Er spaziert herein, setzt sich auf die Couch, legt die Beine auf den Tisch und kreuzt die Arme vor seinem Oberkörper. Die Ärmel seines T-Shirts spannen sich über seinen Oberarmen. Er ist sehr muskulös, denn er ist Sportlehrer und trainiert jeden Tag. Ich schaffe es nur ein- bis zweimal in der Woche ins Fitnessstudio.

„Dann schieß mal los.“

Mit einem tiefen Seufzer setze ich mich ihm gegenüber, lege ebenfalls meine Beine auf den Tisch und verschränke die Hände hinter dem Kopf. „Mein Vater will, dass ich ins Firmengeschäft einsteige.“

„Was ist daran so schlimm? Ich denke, es wird Zeit, dass du dich da reinhängst. Immerhin kann dein Vater die Firma nicht für immer leiten.“

Ich fahre mit meinen Händen vom Hinterkopf zu meinem Gesicht und reibe mehrmals darüber. Das Schlimmste hat er noch gar nicht gehört. „Außerdem soll ich heiraten.“

Direkt nach meiner Aussage sieht er mich mit großen Augen an und prustet los. Mit dieser Reaktion habe ich definitiv gerechnet. Um die Wahrheit zu sagen, kann ich sie verstehen, das ist ja auch sehr lustig. Deshalb fange ich ebenfalls an, zu lachen. Heiraten und all die willigen Frauen von anderen vögeln lassen? Nie im Leben!

„Genau … ganz genau, mein Freund. Das ist zum Lachen.“ Mein Bauch tut vor Lachen weh.

Luke liegt schon auf der Couch und aus seinen Augen kullern Tränen. Mir geht es nicht anders. Mit einer Hand wische ich mir meine ab und mit der anderen fasse ich mir an den Magen. Das ist großartig. Mein Vater hat es wirklich geschafft, uns zum Lachen zu bringen.

„Kannst du dir das vorstellen, Bro? Ich und heiraten? Jede Nacht mit der gleichen Frau ins Bett gehen? Nein danke.“

Luke setzt sich auf und wischt sich die Tränen aus dem Gesicht. Mit verschränkten Armen lehne ich mich an die Couch zurück. Für eine gefühlte Ewigkeit starrt Luke ins Leere und richtet seinen Blick dann wieder auf mich. „Warum eigentlich nicht?“

Abrupt setze ich mich gerade hin. Ich scheine mich anscheinend verhört zu haben. Mein bester Kumpel stimmt tatsächlich meinem Vater zu. „Äh! Wir reden hier gerade über mich?“ Mit dem Finger zeige ich auf mich. Nur für den Fall, dass er denkt, wir reden über jemand anderen.

„Wie wäre es mit einer Scheinehe? Das machen die Promis auch ab und zu“, sagt er nach ein paar Minuten der Überlegung. „Alles wird vorher detailliert geregelt. Nach einer gewissen Zeit lasst ihr euch scheiden und sie bekommt eine Art Abfindung“, erklärt er und zuckt gleichgültig mit den Schultern.

Einen Moment! So blöd hört sich das gar nicht an. Da ist was dran. Dann wäre ich verheiratet, so wie mein Vater es sich wünscht, und das Geld würde weiterhin auf mein Konto fließen. Nach einem Jahr oder so lassen wir uns scheiden. Ich könnte dann wieder zurück in mein normales Leben. Genial!

„Du meinst, so was wie ein Arrangement?“ Er nickt mir zu und ich setze mein Gehirn in Gang. Mir kommt momentan keine Frau in den Sinn, die sich freiwillig auf so etwas einlassen würde. Denen, die ich kenne, würde man garantiert ansehen, dass sie geldgeile und billige Tussis sind. „Red weiter.“

Luke kaut auf seiner Unterlippe herum und überlegt kurz. „Es müsste eine sein, die gut aussieht und einen angesehenen Job hat.“ Er grinst mich schief an, und ich bedeute ihm mit meiner Hand, dass er mir sagen soll, was er noch im Kopf hat. „Die finanziell unabhängig ist und nicht dein halbes Vermögen verlangt, wenn ihr euch scheiden lasst.“

Oh! Diese Idee fängt langsam an, mir zu gefallen. Eine Vorzeigefrau auf Zeit, mein Vater hätte nichts zu meckern und ich wäre damit aus dem Schneider.

Luke legt den Kopf schief und starrt für ein paar Minuten auf den Boden. Plötzlich fängt er heftig zu nicken an und grinst dabei. „Ich denke, ich kenne die geeignete Frau für dich.“

„Ach ja?“

„Ja.“

„Und welche?“ Ich platze regelrecht vor Neugier. Vielleicht ist es eine, die mit ihm im Fitnessstudio trainiert. Oder eine Kollegin. Aber hoffentlich keine Mathematiklehrerin, die sind mir zu langweilig. Ich habe mich mal mit einer unterhalten. Furchtbar! Eine Französischlehrerin vielleicht. Dann könnte sie mir so was wie „Mon amour“ oder „Chéri“ ins Ohr flüstern, wenn wir in Action sind.

„Layla.“

Das ist nicht sein Ernst. Kommt nicht infrage! Ich beschreibe sie mal. Layla ist nett, daran kann ich mich erinnern. Sie trägt eine dicke Hornbrille, Zahnspange und läuft mit Klamotten herum, die nicht mal meine Großmutter anziehen würde. Pickel bedecken ihr Gesicht und sie ist fett. Nun ja, nicht direkt fett, aber ein paar Kilos hat sie definitiv zu viel drauf. Sie ist, glaube ich, zwei oder drei Jahre jünger als wir. Ich erinnere mich noch gut an sie. Damals kam sie ständig zu Luke nach Hause, weil er ihr bei den Hausaufgaben half, und ich glaube, sie war verknallt in mich. Zum Glück musste ich ihre Anwesenheit nicht lange ertragen, denn ein paar Monate später ging ich nach Harvard. Und dieses hässliche Entlein will er mir andrehen? Von gutaussehend kann hier nämlich keine Rede sein. Mein Magen zieht sich zusammen und bittere Galle steigt in meinen Mund, wenn ich nur an sie denke.

„Deine Cousine? Vergiss es, Luke. Layla?“ Ich wedle mit der Hand durch die Luft, erhebe mich, schüttele den Kopf und stelle mich vors Fenster.

„Sie ist Anwältin, Chris.“

„Schön für sie.“ Ich beiße die Zähne zusammen, atme laut ein und wieder aus. „Wir reden von einer Frau, die sich mit mir in der Öffentlichkeit zeigen kann. Eine, die ein Hingucker ist, was Layla nicht … Die Reporter und meine Familie werden sofort merken, dass das alles nur ein Fake ist.“

Luke stellt sich neben mich, legt eine Hand auf meine Schulter. „Bro, Layla ist intelligent, hat einen angesehenen Job, verdient sehr gutes Geld und ist Single. Außerdem hat sie darin ein wenig Erfahrung.“

„Wie meinst du das? Sie hatte schon mal eine Fake-Ehe?“

„Nein! Sie hatte mal eine Fake-Beziehung.“

Oh! Da bin aber beruhigt, dann hat sie ja tatsächlich Erfahrung. Der will mich wohl verarschen! Erwartet er von mir, dass ich Luftsprünge mache, nur weil sie schon mal so ein ähnliches Spiel mitgemacht hat? „Muss sie es sein? Es löst keine Freude im mir aus, wenn ich mich an damals erinnere.“

„Sie ist nicht die, die sie damals war. Herrje, sie war ein Teenager, unerfahren und mitten in der Pubertät. Außerdem wurde sie ständig gemobbt.“

Oh, schön! Das macht mir Mut. Bestimmt sieht sie heute noch schlimmer aus. Vielleicht muss ich sie zuerst zu einem Schönheitschirurgen schleppen, bevor wir uns zusammen in der Öffentlichkeit zeigen können.

„Du musst etwas wissen, Chris. Layla hatte keine leichte Kindheit. Die Probleme in der Schule, dann das mit ihren Eltern und die schwere Erkrankung ihrer Mutter … das hat sie geprägt.“

„Wie meinst du das?“

„Ihre Eltern haben sich getrennt, da war Layla acht. Ihr Vater hat noch mal geheiratet und lebt heute in Dubai. Ihre Mutter erkrankte schwer, während sie mitten im Studium war.“

Oh! Davon hatte ich keine Ahnung. Ich habe damals nicht gewusst, dass ihre Mutter alleinerziehend war. Und dazu noch eine schwere Erkrankung? „Hat sie … “ Ich halte inne, weil ich mich nicht traue, dieses Wort auszusprechen.

„Nein, sie hat keinen Krebs“, antwortet er schnell. „Multiple Sklerose.“

„Was ist das?“

„Eine Nervenerkrankung. Ihr Vater hat Laylas Studiengebühren, während sie auf der University of Pennsylvania war, übernommen, und auch die ersten Behandlungskosten seiner Ex-Frau. Er steuert immer noch was bei, aber den größten Teil übernimmt Layla. Sie braucht das Geld für die Altersvorsorge ihrer Mutter, da sie keine hohe Rente bekommen wird. Deswegen schlage ich sie vor.“ Kumpelhaft greift er fester um meine Schulter. „Chris, warte einfach ab, okay? Ich arrangiere für morgen ein Treffen mit ihr, dann kannst du immer noch entscheiden.“

Eine andere Wahl habe ich wohl nicht. Ich muss mich auf ein Treffen mit Fett-und-hässlich-Layla einlassen. Da sie Anwältin ist, hoffe ich, dass eine Scheinehe für sie zu gefährlich ist und sie von allein einen Rückzieher macht. Ich lege den Kopf in den Nacken, gebe ein Brummen von mir und starre an die Decke. Da mir im Moment die Hände gebunden sind und ich dringend Hilfe brauche, gebe ich einfach nach. Luke holt sein Handy aus der Tasche und schreibt Layla eine Nachricht. Ich drehe mich zum Fenster und sehe auf die Stadt hinab.

Lieber Gott, bitte lass sie Nein sagen. Ich bitte dich.

Ein paar Minuten sind vergangen, seitdem Luke die Nachricht geschickt hat, und noch immer keine Antwort. Ich sehe es schon kommen. Sie antwortet nicht. Genau wie ihr Cousin mir bei Zustimmung nicht antwortet.

Nachdem Luke nichts von Layla gehört hat und gegangen ist, sitze ich um kurz vor halb acht im La Table und warte auf mein Date. Ich freue mich schon darauf, mit Dana ein paar schöne und vor allem aufregende Stunden zu verbringen. Meine Augen sind ständig auf die Tür gerichtet. Aus unerklärlichen Gründen rast mein Herz und meine Hände sind feucht. Vielleicht liegt es daran, dass ich diese Dame nicht kenne. Wobei, die anderen, mit denen ich sonst meine One-Night-Stands hatte, kannte ich auch nicht. Möglich, dass es die Art ist, wie dieses Treffen zustande gekommen ist.

Plötzlich reiße ich die Augen auf, da genau diese Frau am Eingang des Restaurants erscheint, die ich mir vor ein paar Stunden ausgesucht habe. In natura sieht sie noch heißer aus. Sie hat ihre blonden Haare, die ihr in leichten Wellen über den Schultern fallen, offen, und trägt ein goldenes Kleid, das ihr bis zu den Knien geht, ärmellos ist und sich um ihre Kurven schmiegt. Mein Blick gleitet über sie. Lange schlanke Beine, die ich mir um meine Hüften vorstelle, während sich die Absätze ihrer goldenen Sandalen in meinen Hintern bohren.

Sie spricht mit einem Kerl, der eine Glatze und den Körperbau von Dwayne Johnson hat, ihr zunickt und sich wieder nach draußen begibt. Ich stehe auf, knöpfe mein Jackett zu und lächele. Sie sieht mich an und erwidert mein Lächeln. Als sie sich auf den Weg in meine Richtung macht, fällt mir ihr Gang auf. Sie läuft wie eines dieser Runaway Models. Einen Schritt vor dem anderen. Ihre Hüften schwingen dabei von der eine Seite zur anderen. Mit einer Hand schiebt sie ihre Haare über die Schulter, ihr Blick ist auf mich gerichtet. In der anderen Hand hält sie ein kleines goldenes Täschchen, das für mich wie eine dieser Dosen aussieht, in der mir meine Mutter das Pausenbrot in der Grundschule mitgab. Sie bleibt vor mir stehen und reicht mir die Hand, die ich in meine nehme und an meinen Mund führe, um ihr einen hauchzarten Kuss auf den Handrücken zu geben.

„Guten Abend, Dana.“

„Guten Abend, Christopher.“

„Chris, bitte.“

Sie lächelt weiterhin, nickt mir zu, und ich rücke ihr den Stuhl zurecht, damit sie sich setzen kann. Sobald sie sitzt, nehme ich ihr gegenüber Platz.

„Sie haben doch nichts dagegen, wenn ich die Agentur kurz informiere, dass wir uns getroffen haben?“

„Nein, absolut nicht. Aber können wir die Förmlichkeiten lassen? Wir werden einen Abend zusammen verbringen.“

„Natürlich.“

Sie holt ihr Handy heraus, tippt schnell etwas ein und lässt es wieder in ihr Handtäschchen gleiten. Als sie mich wieder ansieht, sehe ich zwei braune Augen, die mit dunkler Schminke umrandet sind. Ihre Wangenknochen stechen besonders hervor, aber ich denke, sie werden nur durch ihr Make-up so extrem betont. Models machen das, damit sie auf den Coverfotos besser aussehen, hat mir meine Schwester irgendwann mal gesagt. Die Lippen sind üppig, ich kann aber nicht feststellen, ob sie natürlich oder aufgespritzt sind. Volle Brüste, schlanke Taille und kein einziges Gramm Fett an den Armen.

„Was möchtest du gerne trinken?“, frage ich sie.

„Ein Glas Velvet-Devil-Merlot, bitte.“

Ich winke den Kellner herbei, bestelle den Wein für Dana und ein Glas Gin Tonic für mich.

„So, du bist also Christopher Palmer. Du bist für deinen extravaganten Lebensstil bekannt. Was bringt dich dazu, einen Escort-Service zu kontaktieren?“

Ich lehne mich in meinem Stuhl zurück und schmunzele, als die Worte meines Vaters von heute Mittag in meinen Ohren widerhallen. Tief Luft holend, setze ich mich wieder gerade hin und beginne, ihr von dem Ultimatum zu erzählen, das mein Vater mir gestellt und mit dem er mich in eine ausweglose Situation gebracht hat.

„Das ist hart“, sagt sie, „aber ich kann deinen Vater durchaus verstehen. Ich an seiner Stelle wäre auch nicht erfreut, wenn mein Sohn jeden Tag die Titelblätter mit negativen Schlagzeilen füllen würde. Er führt ein großes und sehr erfolgreiches Unternehmen, und natürlich will er nicht, dass es eines Tages in fremde Hände fällt. Und ich denke, du bist sehr wohl fähig, das Ruder zu übernehmen.“

Meine Augen werden groß und die Brauen schießen überrascht nach oben. Woher will sie wissen, dass ich dazu fähig bin? Wir haben uns doch gerade erst kennengelernt.

„Warum siehst du mich so an? Denkst du, ich habe keine Erkundigungen über dich eingeholt? Das mache ich bei jedem meiner Kunden, bevor ich ihn treffe. Du hast in Harvard Betriebswirtschaft studiert und den Abschluss mit einer sehr guten Note gemacht. Ich frage mich, wovor du dich fürchtest?“

„Ich fürchte mich nicht“, winke ich ab. „Es ist nur, ich will meinen Vater nicht enttäuschen, indem ich die Firma, die er mit viel Schweiß aufgebaut hat, mit einer möglichen Fehlentscheidung in den Ruin treibe.“

„Das ist Furcht.“

Scheiße! Sie hat recht. Es ist nicht das frühe Aufstehen, um ins Büro zu gehen, oder nicht mehr mitten in der Woche Clubs besuchen zu können. Das akzeptiere ich und könnte damit auch leben. Es ist die Verantwortung für Tausende von Menschen, die in der Firma tätig sind, und die Angst, einen großen Fehler zu machen, der sie in den Bankrott treiben könnte.

Unsere Getränke werden gebracht, auf den Tisch gestellt, und der Kellner möchte wissen, ob wir aus der Speisekarte bestellen möchten oder das Tagesmenü wählen, das aus einem Lachs-Carpaccio, Cannelloni mit einer Champignon-Trüffel-Füllung und einem Vanillesoufflé besteht. Wir entscheiden uns beide für das angebotene Menü, und nachdem sich der Kellner zurückgezogen hat, wendet sich Dana wieder an mich.

„Hast du als Kind oder Teenager immer versucht, es deinem Vater recht zu machen? Ich meine, hattest du Angst, dass er von dir enttäuscht sein würde, wenn du keine guten Noten nach Hause bringst? Dass er dich weniger lieb hat, wenn du in einer Sportart nicht den ersten Platz erringst?“

Ich lege den Kopf schief und sehe sie eindringlich an.

„Sorry.“ Für einen kurzen Moment schließt sie die Augen und schüttelt den Kopf. „Manchmal geht die Psychologin mit mir durch.“

„Du studierst Psychologie?“

„Genauer gesagt mache ich zurzeit meinen Master in Kinder- und Jugendpsychologie. Ich möchte mich mit traumatisierten Kindern befassen. Leider gibt es sehr viele Kinder auf der Welt, die sexuell missbraucht wurden und werden. Denen möchte ich helfen.“

„Wow! Beeindruckend. Du erwartest jetzt aber nicht von mir, dass ich mich später auf die Couch lege, oder?“

„Jedenfalls nicht zum Analysieren.“ Sie zwinkert mir zu.

Ich grinse schief und weiß natürlich genau, was sie damit meint. Innerlich reibe ich mir die Hände. Das wird bestimmt ein sensationeller Abend werden. „Und was sagst du dazu, dass ich heiraten soll?“

„Nun, ich finde, jeder Mann sollte heiraten und eine Familie gründen. Da ist nichts Falsches dran. Aber er sollte es tun, weil er die richtige Frau gefunden hat und es auch möchte.“

„Das ist genau mein Gedanke“, füge ich schnell hinzu und zeige mit dem Finger auf sie. „Ich kann keine Frau heiraten, die ich nicht gut kenne, und einfach hoffen, dass sie die richtige ist.“

Sie legt die Arme auf den Tisch und sieht mich an. „Weißt du, Chris, manchmal sind wir mit Menschen zusammen, die wir seit Jahren kennen, und wir haben trotzdem nicht das Gefühl, dass sie die richtigen sind. Und dann triffst du jemanden und weißt sofort, dass er oder sie die richtige Person ist und du mit ihr den Rest deines Lebens verbringen möchtest. Dein Herz wird es spüren, wenn es so weit ist.“

Während des Essens erzählt sie mir, wie sie dazu gekommen ist, eine Escort-Dame zu werden. Eine Kommilitonin brauchte ganz dringend Geld, fing bei Dream Girls an und berichtete ihr davon. Dana war beeindruckt, ging zur Agentur, informierte sich darüber und stieg ebenfalls ein. Auf meine Frage, ob ihr bewusst sei, dass dies eine Art von Prostitution ist, antwortete sie, dass sie nicht mit jedem ihrer Kunden ins Bett geht. Sehr viele wollen einfach nur eine nette Begleitung zum Abendessen oder zu einem Event haben. Sie möchten eine junge Frau, die nicht nur gut aussieht, sondern auch intelligent genug ist, um sich mit den Geschäftsleuten unterhalten zu können. Diese Art Kunden buchen sie, wenn sie geschäftlich in Houston sind, damit sie nicht allein sind und einen Abend in angenehmer Atmosphäre verbringen können. Von einigen bekommt sie des Öfteren auch großzügige Geschenke wie Schmuck, Designer-Sachen oder einen Tag in einem luxuriösen Spa.

So wie sie vor mir sitzt, redet und aussieht, spiele ich mit dem Gedanken, ihr das Angebot für die Scheinehe zu machen. Sie wäre mir eindeutig lieber als Lukes Cousine. Bei Dana wäre ich mir sicher, dass sie meine Eltern und sämtliche Leute in meiner Umgebung beeindrucken könnte. Die Voraussetzungen hat sie auf jeden Fall. Jedoch halte ich mich zurück, da ich sie nicht direkt beim ersten Date verscheuchen möchte. Ich werde sie mit Sicherheit noch einige Male sehen und kann dann immer noch mit der Sprache herausrücken, wenn mir Layla nicht zusagt.

Nach dem Essen fahren wir in das Moran Hotel, wo ich ein Zimmer reserviert habe. Der Glatzkopf vom Securityteam der Agentur ist uns die ganze Zeit gefolgt und hat seinen Wagen auf dem Parkplatz des Hotels abgestellt. Er folgt uns in die Lobby, setzt sich an die Bar und bestellt sich etwas zu trinken. An der Rezeption bekomme ich die Karte für das Zimmer, und Dana und ich fahren mit dem Fahrstuhl in die zehnte Etage.

An der Zimmertür stecke ich die Karte in den dafür vorgesehenen Schlitz und öffne sie. Sobald wir eintreten und die Tür hinter mir ins Schloss fällt, sieht sich Dana in der Suite um. Der Boden besteht aus braunem Parkett, die Wände sind weiß und an den bodentiefen Fenstern hängen ebenfalls braune Gardinen, die aber einen Ton dunkler sind als der Boden. Eine Vision von Dana, die mit der Brust gegen das Fenster gelehnt ist, während ich sie von hinten ficke, erscheint vor meinen Augen. Das wäre auf jeden Fall machbar. Wir befinden uns auf einer Höhe von ungefähr sechzig Metern und haben so einen ungehinderten Ausblick auf Houston. Niemand würde uns von draußen sehen können. Perfekt.

In der Mitte des Raumes steht ein rechteckiger schwarzer Couchtisch. An zwei Seiten des Tisches befinden sich eine große dunkellilafarbene Couch und ein Sessel in der gleichen Farbe. Gegenüber der Couch hängt ein großer Flachbildfernseher.

Hinter der großen Couch steht ein ovaler Esstisch mit vier Stühlen drumherum und an der Wand direkt daneben hängt ein Gemälde mit Blumen. Rechts vom Eingang ist eine Tür, die womöglich zum Schlafzimmer der Suite führt.

Dana bleibt mitten im Raum stehen, dreht sich zu mir herum und sieht mich an. „Setz dich doch und mach es dir bequem.“

Das lasse ich mir nicht zweimal sagen. Ich gehe rüber zur Couch, setze mich breitbeinig hin und lege einen Arm über die Couchlehne.

Dana hebt einen Arm und öffnet den Reißverschluss ihres Kleides, die Augen dabei immer auf mich gerichtet. Oh! Sie will für mich strippen. Also, diese Show werde ich auf jeden Fall genießen. Ganz langsam schiebt sie die Träger ihres Kleides von ihren Schultern, und ein hellrosa, durchsichtiger BH kommt zum Vorschein, unter dem ihre Nippel gut zu erkennen sind. Sie sind bereits hart und drücken gegen den Stoff ihres BHs. Ihr Kleid rafft sich um ihre Taille, doch sie schiebt es über ihre Hüften und lässt es auf den Boden fallen.

Das Blut schießt in meinen Unterleib, und ich spüre, wie mein Schwanz zu zucken anfängt. Dana kommt auf mich zu, dreht mir den Rücken zu, setzt sich auf mich und reibt mit ihrem entzückenden Hintern über meine Erektion, die von Sekunde zu Sekunde härter wird. Ich lege meine Hände auf ihre Hüften und lasse sie über ihre weiche Haut wandern, berühre ihre Taille, ihren Bauch, umfasse ihre Brüste und streichele über ihre Nippel. Sie seufzt leise auf. Währenddessen liebkose ich ihren makellosen Hals. Als ich beginne, ihre Brüste sanft zu kneten, ernte ich als Belohnung ein unterdrücktes Stöhnen.

Mein Schwanz ist schon so hart, dass er sich gegen den Stoff meiner Hose presst. Plötzlich steht sie auf und geht vor mir auf die Knie. Gott, ja! Sie will mir einen blasen.

Sie öffnet den Gürtel meiner Hose, zieht den Reißverschluss nach unten und greift in meine Boxershorts. Während sie meinen Schwanz in der Hand hält, fährt sie sich lustvoll mit der Zunge über die Lippen. Bei dieser ersten Berührung ziehe ich scharf die Luft ein. Ein paarmal gleitet ihre Hand über meinen Schaft, bis ein kleiner Lusttropfen an der Spitze glänzt. Ihr Griff ist nicht zu kräftig, aber auch nicht zu sanft, wie es bei vielen anderen Damen war, die mir bisher einen Handjob gegeben haben.

„Ich mag Männer mit großen Schwänzen. Und deiner ist besonders groß. Ich liebe es, wenn ein Schwanz wie deiner tief in mir ist und immer wieder wild und hart in mich hineinstößt.“

Bei ihren Worten entfährt mir ein erregtes Brummen. Sie beugt sich hinab, streckt die Zunge heraus und leckt den kleinen Lusttropfen von meiner Eichel.

„Gott“, stöhne ich.

Sie hebt ihren Blick und sieht mich an. „Gefällt es dir?“

„Ja, verdammt. Mach weiter.“

Ihre Zunge umkreist die Eichel, bevor Dana, wie in Zeitlupe, den Mund öffnet und ihre perfekten Lippen meinen Schwanz umschließen und kräftig an ihm saugen. Ich schließe die Augen und lege den Kopf in den Nacken. Sie nimmt ihn so tief in sich auf, dass ich ihre Kehle um meine Eichel herum spüre. Für einen kurzen Augenblick würgt sie und lässt ihn herausgleiten, nur um ihn sofort wieder in den Mund zu nehmen. Ihre Atmung geht stoßweise, während meine flach ist. Sie hält die Lippen fest um meinen Schwanz geschlossen, und während sie den Kopf hoch und runter bewegt, saugt sie an ihm. Ich hebe den Kopf und sehe sie an. An meiner Eichel stoppt sie, umkreist sie mit der Zunge und nimmt meinen Schaft bis zur Wurzel erneut in den Mund. Meine Finger krallen sich in ihre Haare, übernehmen die Kontrolle über ihre Bewegungen und sie stöhnt dabei.

Das ist großartig. Sie ist großartig. Es ist das erste Mal, dass ich so einen grandiosen Blowjob bekomme. Ich frage sie, ob sie was dagegen hat, dass ich in ihren Mund spritze. Sie schüttelt den Kopf, und genau in diesem Moment spüre ich, wie ich kurz davor bin, zu kommen. Sie lässt meinen Schwanz noch einmal ganz tief in ihren Mund gleiten und jeder Muskel in meinem Körper spannt sich an. Ich kneife die Augen zusammen und ergieße mich in ihrem Rachen, während meine Schenkel zu zittern beginnen. Sie hebt den Kopf, sieht mich an und lächelt, während sie sich die Mundwinkel abwischt.

In den restlichen Stunden, in denen ich sie habe, ficke ich sie auf dem Esstisch, auf der Couch und ans Fenster gepinnt. Nachdem sie gegangen ist, lasse ich mich auf die Couch fallen, da ich keine Kraft mehr in den Beinen habe, um ins Schlafzimmer zu gehen. Da ich das Zimmer sowieso für eine Nacht gebucht habe, bleibe ich hier und genieße den Zimmerservice.

Kapitel 4

Layla

Luke sieht wie immer großartig aus. Sein schicker Anzug steht ihm verdammt gut, und ich frage mich jedes Mal, warum er sich nicht endlich entscheidet, sich fest zu binden. Er hat immer nur hier und da mal ein paar kleine Affären, aber keine ernsthafte Beziehung. Vielleicht hat er die Richtige einfach noch nicht gefunden.

Bei mir ist es nicht anders. Nach meiner Schwärmerei vor dreizehn Jahren und einer gescheiterten Beziehung während meiner Collegezeit hat es kein Mann mehr geschafft, die Schmetterlinge in meinem Bauch fliegen zu lassen, bei mir für weiche Knie zu sorgen oder mein Herz schneller schlagen zu lassen. Es gab zwar Männer, die ich kurz gedatet habe, aber die fand ich nur nett.

Ab und zu erinnere ich mich an meine Teenagerzeit zurück. Ganz speziell an den Tag, an dem ich Christopher zum ersten Mal bei meinem Cousin gesehen habe. Luke gab mir damals Nachhilfe in Physik. Christopher hing ziemlich oft bei ihm rum, auch während mein Cousin mir Nachhilfe gab. Ich musste mich dann sehr anstrengen, um mich zu konzentrieren. In meinem Bauch kribbelte es und ich stotterte, während mein Cousin mein Wissen testete.

Heute finde ich Christopher umso unsympathischer. Jeden zweiten Tag ist er auf den Titelblättern der Klatschpresse zu sehen, weil er mal wieder wilde Partys gefeiert oder ein Sexabenteuer gehabt hat.

„Hey, Kleine.“ Mein Cousin nimmt mich in seine Arme.

„Hey, du unverschämt gutaussehender Kerl.“ Ich gebe ihm einen Kuss auf die Wange und setze mich. „Dann schieß mal los. Was ist so wichtig, dass wir uns so kurzfristig treffen mussten?“

„Hey, relax, Lay! Bestell dir erst mal einen Drink.“

Oh, ich fühle es! Er will was von mir. Wenn er ein Gespräch so beginnt, dann will er definitiv was von mir. „Luke! Ich kenne dich. Wenn du sagst, ich soll mir einen Drink bestellen, dann wird diese Unterhaltung nicht gut für mich ausgehen.“

„Warum? Nur weil ich dir einen Drink spendieren möchte?“

„Du möchtest mich erst mal mit Alkohol gefügig machen, damit ich deinem Charme nicht widerstehen kann und das tue, was du von mir verlangst!“

Gespielt geschockt legt er sich die Hand auf die Brust, und seine Augen werden größer. Er atmet mit einem gequälten Laut aus, sinkt in sich zusammen und simuliert den zutiefst Verletzten. Der und seine Show!

Ich pruste los, halte mir aber die Hand vor den Mund. Immerhin sitzen wir hier in einem feinen Restaurant und so ein Benehmen gehört sich nicht.

„Also los“, ermutige ich ihn, nachdem ich mich beruhigt habe und er wieder seine straffe Haltung eingenommen hat. „Was soll ich für dich tun?“

Luke lässt theatralisch den Kopf zwischen den Schultern hängen, hebt ihn aber schnell wieder. Er hat diesen Dackelblick aufgesetzt, dem ich nicht widerstehen kann. Ich versuche es zwar immer wieder, versage aber jedes Mal.

„Wie kommst du darauf, dass ich dich deswegen sprechen möchte?“

Ich stütze meinen Ellbogen auf den Tisch, lege mein Kinn auf der Hand ab und trommle mit den Fingern auf meiner Wange herum. Er wendet seinen Blick von mir ab und rutscht unruhig auf seinem Stuhl hin und her. Ich wusste es! Der Kerl ist für mich wie ein offenes Buch. Wenn er gedacht hat, dass ich diesmal auf seine unschuldige Tour reinfalle, hat er sich geirrt. Ich kenne ihn viel zu gut. Mir kann er nichts vormachen.

„Es geht um meinen Freund Chris.“ Für einen Moment hält er inne und beobachtet meine Reaktion.

Der Name sorgt dafür, dass sich ein oder zwei Schmetterlinge in meinem Bauch bemerkbar machen und ich blinzeln muss. Jedoch versuche ich, dem keine Beachtung zu schenken.

Da ich weiterhin still dasitze, fährt Luke fort: „Er hat von seinem Vater ein Ultimatum gestellt bekommen und steckt jetzt in Schwierigkeiten.“

„Simon Palmer hat seinem Sohn ein Ultimatum gestellt?“ Jetzt wird es interessant. Ich frage mich, was für eines. Soll er mit seinem wilden Lebensstil aufhören? „Was für ein Ultimatum?“

„Er soll heiraten.“

Erneut pruste ich los. Er soll heiraten! Luke schaut sich um und tätschelt meinen Arm, um mich zum Aufhören zu bewegen. Der bekannteste Playboy der Südstaaten soll sich eine Frau suchen, damit er häuslich wird? Ich muss unbedingt meine Freundin Patricia anrufen und ihr davon berichten. Sie wird sich bestimmt vor Lachen auf den Boden werfen, denn fast täglich sehen wir sein Gesicht in den Klatschblättern Houstons. Christopher Palmers wilde Partys, Christopher Palmers neue Eroberung und lauter solche Schlagzeilen. Erst heute Morgen habe ich ihn wieder auf der Titelseite eines Magazins gesehen. Christopher Palmers Liebespartys. Mann, was bin ich froh, dass das damals nur eine kindliche Verliebtheit von mir gewesen ist.

Früher war er der Typ, der den Mädchen in der Schule den Schlaf raubte. Er war der Kapitän der Basketballmannschaft im Senior Year. Ich hatte mich sogar bei den Cheerleadern der Mannschaft beworben, nur um in seiner Nähe sein zu können. Die hatten mich aber abgelehnt. Sie sagten, ich sei nicht schlank genug und generell würde ich vom Äußeren nicht in deren perfekte Gruppe passen.

Ich hatte sein Bild aus dem Jahrbuch ausgeschnitten und es mir unters Kissen gelegt, damit ich von ihm träume. Dieses Anhimmeln hielt aber nicht lange an. Ich wurde fünfzehn und hatte Freunde, mit denen ich abhing, und schließlich auch meinen ersten „Freund“. Meinen Keanu Reeves. Natürlich nicht DER Keanu, aber er hat fast genauso ausgesehen. Allan Baxter hieß er. Seine Mutter kam von den Philippinen und sein Vater aus Iowa. Er war mein bester Freund und hat mich sehr oft verteidigt, da ich wegen meines Aussehens gemobbt wurde. Brille, Zahnspange, pummelig, ja, ich war wirklich eine Augenweide. Die Streberin des Jahrgangs. Womöglich der ganzen Schule. Allan und ich haben uns als Paar präsentiert. Er bat mich, zum Schein seine feste Freundin zu werden, damit seine Eltern und Mitschüler nicht merkten, dass er schwul war.

Später ging er auf die UCLA und ich auf die University of Pennsylvania. Ich wurde Anwältin und er ein bekannter Footballspieler. Jeder hat sein eigenes Leben, aber wir sind immer noch eng miteinander verbunden. Wir telefonieren sehr oft, und wenn es ihn nach Houston verschlägt, dann gehen wir auch mal zusammen essen. Er hat mittlerweile eine feste Beziehung mit einem Universitätsprofessor, aber da er sich wegen des Sports nicht outen möchte, hat er mal die eine oder andere Schönheit an seiner Seite.

Aber zurück zu dem Thema, das mein Cousin jetzt angesprochen hat. Christopher Palmer soll heiraten! Die Klatschpresse wird sich bestimmt um die Exklusivrechte für die Hochzeit streiten. Jedenfalls lache ich hinter meiner Hand weiter und werde von einigen bereits angestarrt.

„Ich habe dich vorgeschlagen.“

Sofort verstummt mein Lachen. Ich reiße den Kopf hoch, um ihm in die Augen zu sehen. Bestimmt habe ich mich gerade verhört. Er zuckt entschuldigend mit den Schultern und seine Lippen verziehen sich zu einem schiefen Grinsen. Hoffentlich will er mich nur auf den Arm nehmen.

Ich spüre, wie mir jegliche Farbe aus dem Gesicht weicht. Die zwei, drei Schmetterlinge, die sich in meinem Bauch bemerkbar gemacht haben, scheinen ihren Tanz fortzusetzen, nur verursachen sie mir nun ein komisches Gefühl im Magen.

Langsam beginnt Luke, zu nicken.

„WAS?“ Und sobald dieses kleine Wort meinen Mund verlässt, wirbele ich herum, da ich mich erinnere, wo ich bin. Jeder Gast hält in seiner Bewegung inne und starrt mich an. Mein Gesicht fühlt sich auf einmal ganz heiß an. „Was?“, flüstere ich, nachdem ich Luke wieder ansehe.

„Sorry! Du warst die Erste, die mir eingefallen ist.“

Das kann nicht sein Ernst sein. Er kennt mit Sicherheit eine Menge Frauen, die das mit Vergnügen machen würden, aber er muss natürlich mich vorschlagen. „Dann blättere mal in deinem Telefonbuch. Sicher findest du die eine oder andere, die besser zu diesem arroganten Schnösel passt!“

„Lay …“

Ich kneife die Augen zusammen, hebe einen Finger und er verstummt augenblicklich. „Bist du von allen guten Geistern verlassen, Luke? Was soll das? Kann er nicht eine seiner Freundinnen nehmen?“

„Du meinst wohl eher, einer seiner One-Night-Stands. Seine einzige Beziehung liegt schon eine Ewigkeit zurück.“

„Das ist mir egal. Er hat mit so vielen Frauen was gehabt, da wird sich doch bestimmt eine finden, die ihn heiraten möchte“, zische ich ihn an. Das Blut beginnt, in mir zu kochen. Wie kann er es wagen, auch nur meinen Namen vor diesem reichen Schnösel zu erwähnen. Damit ist er eindeutig einen Schritt zu weit gegangen. Ich meine, ich mag seine liebste Cousine sein, aber mich für einen Mann zu opfern, der sowieso keine Gefühle – geschweige denn Liebe – in sich hat und nur darauf aus ist, sich zu vergnügen, dafür bin ich mir zu schade.

Es gibt mit Sicherheit Dutzende, ach was sage ich, Tausende von Frauen dort draußen, die liebend gern diese Rolle übernehmen würden. Soll er sich doch irgendeine herauspicken und mit ihr einen Deal aushandeln. Wenn er ein hübsches Sümmchen springen lässt, werden sich ihm die Frauen vor die Füße werfen. Aber ganz bestimmt nicht ich.

Mit schwerer Atmung und zusammengebissenen Zähnen erhebe ich mich. Meine Augen sind auf Luke gerichtet. Ich schnappe mir meine Tasche und schiebe meinen Stuhl zurück. „Sucht euch eine andere“, knurre ich, mache auf dem Absatz kehrt und gehe zum Ausgang. Ich brauche ganz dringend frische Luft.

Sobald ich draußen ankomme, bleibe ich kurz stehen und atme die frische abendliche Frühlingsluft ein. Ich versuche, mich zu beruhigen, obwohl ich genau weiß, dass das nichts bringen wird. Ich bin immer noch auf hundertachtzig. Dass ich mich mit Christopher Palmer einlassen soll, ist das Letzte.

Natürlich gebe ich zu, dass ich immer ein merkwürdiges Gefühl im Bauch habe, wenn ich sein Gesicht auf den Zeitschriften sehe, aber allein der Gedanke daran, wie er sein Leben führt und mit Frauen umgeht, sorgt dafür, dass sich dieses Gefühl in Abscheu verwandelt.

Ich werfe einen schnellen Blick über meine Schulter, nur um mich zu vergewissern, dass Luke mir nicht folgt und schaue dann wieder nach vorne. Plötzlich höre ich Schritte hinter mir, die dafür sorgen, dass ich in mich zusammensinke und ein lautes Brummen von mir gebe.

„Lay?“

„Luke, vergiss es.“ Mein Wagen steht ein paar Meter von mir entfernt, also marschiere ich direkt darauf zu. „Ich sagte doch, sucht euch eine andere.“

„Eine andere würde das aber nicht hinkriegen. Du siehst toll aus, hast einen klasse Job und außerdem …“, ich höre, wie er stehen bleibt, „… außerdem kannst du das Geld gut gebrauchen, das er dir anbieten kann.“

Ich bleibe vor meinem Wagen stehen und wirbele herum, um ihn anzusehen. Mein Blick gleitet über seinen Körper und bleibt dann auf dem Asphalt hängen. Ja, das Geld kann ich gut gebrauchen, denn dann kann ich meiner Mutter ein besseres Leben bieten. Sie war dreiundvierzig, als der Arzt Multiple Sklerose bei ihr feststellte. Im Krankenhaus wurde sie, im wahrsten Sinne des Wortes, auf den Kopf gestellt, bis die Ärzte die endgültige Diagnose stellen konnten. Sie meinten, diese Erkrankung trete für gewöhnlich im jüngeren Alter auf und meine Mutter gehöre zu den sehr seltenen Fällen.

Zu Beginn hat sie es mir verheimlicht, damit ich mir keine Sorgen machte, denn ich war gerade ein Jahr auf dem College. Aber als ich es schließlich erfuhr, nahm ich mir vor, mein Studium zu schmeißen und mir einen Job zu suchen, um die Behandlungskosten zu decken. Mein Vater wusste es natürlich vor mir, schickte sie zu einem Freund, der ein Spezialist war, und übernahm die anfänglichen Kosten. Das war mir eine große Hilfe, denn so konnte ich mein Studium beenden.

Da ihre Krankenversicherung nicht alle Ausgaben übernahm, fraßen der erste lange Krankenhausaufenthalt, die radiologische Untersuchung und die Medikamente eine Menge ihres Ersparten. Zum Glück übernahm mein Vater auch meine Studiengebühren, da meine Mutter zu Beginn sehr oft Schübe bekam, krankgeschrieben werden musste und nicht ihr volles Gehalt bekam.

Mittlerweile fällt ihr das Laufen schwer und sie sitzt sehr oft im Rollstuhl. Vor zwei Jahren kam noch eine leichte Demenz hinzu, die sich im Laufe der Zeit verschlechterte. Sie hat von ihrem Neurologen ein Pflaster bekommen, welches die Symptome etwas lindern kann und das Fortschreiten verlangsamen soll.

Mein Vater besteht darauf, uns weiterhin zu unterstützen, obwohl meine Eltern schon seit Jahren getrennt sind. Wir haben uns darauf geeinigt, dass er nur noch einen Teil der Kosten trägt, da ich mittlerweile berufstätig bin und selbst Geld verdiene. Er meinte, ich müsse nicht mein ganzes Geld opfern, da ich noch jung sei und trotz allem mein Leben genießen solle.

Zurzeit lebt meine Mutter mit meiner Tante in einem Apartment im ersten Stock. Es ist sehr schwierig, sie die Treppe herunterzubringen, daher bleibt sie die meiste Zeit in der Wohnung. Nach dem Tod meines Onkels hat Tante Emily meine Mutter zu sich genommen, damit sie nicht allein ist und jemand bei ihr ist, wenn sie Hilfe benötigt. Sollte ich mich auf das Angebot von Chris einlassen, dann könnte ich ein kleines Haus mit Garten kaufen, wo sie öfter an der frischen Luft sitzen könnte. Außerdem wären für die nächsten Jahre ihre Arztkosten und die Kosten für ihre Medikamente gedeckt, ohne dass mein Gehalt oder Erspartes dafür draufgeht. Wenn ich es wirklich tue, dann nur für meine Mutter.

Luke kommt einen Schritt näher und bleibt direkt vor mir stehen. Er legt die Hand auf meine Schulter, und ich hebe den Kopf, um seinem Blick zu begegnen. Er will uns helfen und hätte die Geschichte nicht angeleiert, wenn er nicht davon überzeugt wäre, dass sie ein gutes Ende nehmen würde.

„Ich bitte dich. Denk in Ruhe darüber nach und melde dich dann bei mir.“ Er möchte unter allen Umständen seinem Freund zur Seite stehen.

Ich denke, dass diese Sache nicht gut ausgehen wird. Das spüre ich.

„Wenn du es machst, dann arrangiere ich ein Treffen und ihr könnt erst mal miteinander plaudern. Du wirst nur für die Presse und seine Eltern sein Aushängeschild sein, mehr nicht. Du begleitest ihn zu offiziellen Anlässen und ihr präsentiert damit der Presse eine glückliche Verbindung.“

„Ich soll ihm helfen, sein Image aufzupeppen?“

„Genau. Nur das. Ihr könnt auch eine vertragliche Laufzeit für die Ehe festlegen. Vielleicht zwei Jahre oder so.“

„Zwei Jahre?“ Meine Tonlage steigt um einige Nuancen an und ich schnaufe. „Hast du komplett den Verstand verloren? Ich soll zwei Jahre mit diesem arroganten Kerl unter einem Dach leben? Nichts da! Sechs Monate reichen vollkommen, und die sind schon zu viel, um mit einem sexbesessenen Arsch zusammenzuleben.“ Ich spüre, wie die Wut in mir hochkommt und mein Blutdruck steigt.

„Hey.“ Er wirbelt mich herum und schiebt mich zur Tür meines Wagens. „Fahr jetzt nach Hause, trink ein Glas Wein, entspann dich und lass dir das alles durch den Kopf gehen, okay? Du kannst dir gerne ein paar Tage Zeit lassen. Ich denke nicht, dass Chris noch in dieser Woche heiraten möchte.“

Ein Glas Wein wird nichts bringen. Nach dieser Unterhaltung brauche ich eine ganze Flasche. „Ich hasse dich.“ Schmollend drehe ich mich noch mal zu ihm um. „Gute Nacht.“

„Ja, ich habe dich auch lieb. Fahr vorsichtig.“ Er gibt mir einen sanften Kuss auf die Stirn, öffnet meine Wagentür und wartet, bis ich den Motor gestartet habe.

Zu Hause nehme ich mir eine Flasche Tempranillo, schenke mir ein Glas ein und rufe meine Freundin Patricia an.

„Hey, Süße!“, meldet sie sich hechelnd.

„Hey! Habe ich dich bei irgendwas unterbrochen?“

„Bin auf dem Laufband. Was gibt’s?“

Ich seufze laut auf, lehne mich auf der Couch zurück und erzähle ihr, was Luke von mir wollte.

„Whoa! Du wirst es doch nicht tun, oder? Gemäß 8 USC § 1325c, könnte das einer Green Card Ehe gleichgestellt werden und gilt damit als Betrug. Du kennst die Gesetze.“

„Ja, ich bin nicht blöd, Trish.“ Ich gebe einen resignierten Laut von mir, lege die Hand auf meine Stirn und lasse mich auf den Rücken fallen. „Vielleicht treffe ich mich erst mal mit ihm. Mal sehen, was er mir zu sagen hat. Meine Entscheidung ist ja noch nicht gefallen.“

„Okay. Und wenn du mentale Unterstützung brauchst, sag Bescheid. Ich bin immer für dich da, das weißt du.“

„Ja, das weiß ich.“ Sie ist die beste Freundin, die ich habe. Wir sind seit dem College befreundet; sie hat mir damals aus einer Notlage geholfen.

Im Hintergrund ertönt ein leises Klingeln. „Bleib mal dran“, sagt sie, und ich höre, wie sie kurz darauf eine Tür öffnet. Ich nehme Geflüster wahr. Sie unterhält sich mit einem Mann. Vielleicht einer ihrer Nachbarn oder ein Kerl, mit dem sie sich heimlich trifft.

„Trish, mit wem sprichst du?“

„Ähm …“ Erneutes Geflüster. „Ähm, mit meinem Nachbarn. Er wollte Zucker.“

Ich höre, wie die Tür wieder zuknallt. „Zucker! Hast du ihm welchen gegeben?“

„Ich habe keinen hier.“

Das gibt’s doch nicht. Sie lügt mich tatsächlich an. Jeder hat Zucker zu Hause. Grinsend schüttele ich den Kopf. „Okay. Dann bis morgen im Büro.“

„Ist gut.“

Lächelnd beende ich das Gespräch und nehme einen kräftigen Schluck aus meinem Glas.

Nachdem ich mir ein zweites Glas eingeschenkt habe, beschließe ich, meine Mutter anzurufen, mit der ich zwei- bis dreimal in der Woche telefoniere. Da mir in den letzten Tagen die Arbeit über den Kopf gewachsen war, bin ich noch nicht dazu gekommen, mit ihr zu sprechen. Nach dem fünften Klingeln geht sie ran. Ich habe ihr ein Handy gekauft, damit ich sie, wann immer mir danach ist, erreichen kann.

„Layla?“

„Ja, Mom. Wie geht es dir?“

„Ach, wie soll es mir schon gehen, mein Schatz. Seit unserem gestrigen Telefonat hat sich nicht besonders viel geändert.“

Oh je! Mir ist schon letzte Woche aufgefallen, dass sie etwas durcheinander ist. Vielleicht sollte ich sie zum Arzt bringen, damit er das Medikament für die Demenz umstellt. Der letzte Termin zur Blutabnahme und Untersuchung ist vor ungefähr drei Monaten gewesen. Vielleicht wirkt das Pflaster gegen die Demenz nicht mehr so gut.

„Mom, soll ich einen Termin bei Dr. Peters machen?“

Ich höre, wie sie seufzt. Sie weiß genau wie ich, dass es nicht viel bringen wird. Dr. Peters wird ihr vielleicht ein anderes Medikament verschreiben, damit es ihr für eine gewisse Zeit etwas besser geht. Dann beginnt wieder alles vor vorn. Wieder ein Arztbesuch, um die Dosis des Medikaments zu erhöhen oder ein stärkeres zu verschreiben.

„Mein Kind, Dr. Peters ist eine gute Ärztin, aber sie kann die Demenz nicht wegzaubern. Nur Gott allein kann mir helfen, damit ich nicht so viel leide.“

„Gerade der hat dich im Stich gelassen!“

„Layla Anne Elias!“, tadelt sie mich und ich fühle mich sofort wieder wie ein kleines Kind. „Rede nie wieder so über unseren Herrn.“ Sie spricht mich nur mit vollem Namen an, wenn ich etwas sage oder anstelle, was ihr nicht passt.

„Tut mir leid, Mom. Ich bin ein wenig sauer auf ihn, weil er dich nicht beschützt hat.“

„Jedem von uns ist sein Schicksal vorherbestimmt. Meines war es, krank zu werden. Deines, mein Schatz, steht dir noch bevor. Mach das Beste daraus.“

Ich seufze. Wenn sie wüsste, was ihr Neffe mir heute vorgeschlagen hat, würde sie mir diesen Ratschlag nicht geben. Wenn ich mich darauf einlasse, mit einem Mann vor den Traualtar zu treten, um eine Scheinehe einzugehen, werde ich, nach ihren religiösen Bräuchen und Sitten, bestimmt in der Hölle schmoren. Mein Vater würde mich enterben und meine Mutter kein einziges Wort mehr mit mir reden.

„Das werde ich, Mom. Ich muss auflegen, da ich noch ein wenig arbeiten muss“, entschuldige ich mich bei ihr. „Gib Tante Emily einen dicken Kuss von mir.“

„Das mache ich, mein Kind. Pass auf dich auf.“

„Werde ich. Gute Nacht.“

„Gute Nacht, mein Schatz.“

Ich beende das Gespräch, lege die Beine auf die Couch und mache es mir gemütlich. Die Zeit vergeht und ich muss ständig an Lukes Vorschlag denken. Eine Scheinehe mit Christopher Palmer, damit er nicht enterbt wird. Das einzig Positive daran ist, dass ich Geld dafür bekommen werde. Die negativen Sachen sind, dass mein Vater sich in Grund und Boden schämen wird und wir wahrscheinlich im Gefängnis landen werden, wenn das herauskommt. Eigentlich sollte ich absagen, aber da ich von Natur aus neugierig bin, will ich wissen, was Chris mir zu sagen hat.

Er ist immer noch der gutaussehende Typ von damals. Charaktermäßig muss er sich aber sehr verändert haben. Sein gutes Aussehen und das Geld seines Vaters müssen aus ihm einen arroganten Kerl gemacht haben. Was soll’s. Ein Treffen wird nicht schaden.

Ich nehme mein Handy und tippe eine Nachricht für Luke ein.

Organisiere baldmöglich ein Treffen.

Kapitel 5

Christopher

Zum Glück hat sich Fett-Layla nicht an dem Tag gemeldet, an dem ich mein zweites Date mit Dana hatte. Wir waren essen, und danach sind wir in einen Club gegangen, wo sie mir ständig ins Ohr flüsterte, wie toll mein Schwanz sei und dass sie es kaum erwarten könne, ihn wieder in den Mund zu nehmen. Ihre Stimme an meinem Ohr sorgte natürlich dafür, dass ich den Clubbesuch vorzeitig beendete und direkt ins Moran fuhr.

Kaum haben wir die Suite betreten, drückte sie mich gegen die Tür und ließ ihre Zunge in meinen Mund gleiten. Danach ging sie auf die Knie, öffnete den Reißverschluss meiner Hose und holte meinen Schwanz heraus. Nachdem sie ein paarmal mit der Hand drübergeglitten war, nahm sie ihn letztendlich in ihren Mund.

Doch bevor ich meinen Höhepunkt erreichte, stoppte sie, zog sich aus und legte sich auf die Couch. Ich kniete mich zwischen ihre Beine und meine Zunge glitt über ihre feuchten Schamlippen, bis ich sie leicht auseinanderzog und mit meiner Zungenspitze ihre Klitoris umkreiste. Ihr Stöhnen hallte durch den Raum, ihre Schreie füllten die Stille im Zimmer, bis sie anfing, zu zittern, und ihren ersten Höhepunkt an diesem Abend erreichte. Minuten später streifte ich mir ein Kondom über meinen Schwanz, drang in sie ein und bewegte mich schnell und hart in ihr, bis auch ich endlich meine heiß ersehnte Erlösung fand.

Und wie sollte es auch anders sein, allein bei dem Gedanken daran meldet sich auch jetzt mein Schwanz und fängt an, sich aufzurichten. Ich muss mich auf andere Gedanken bringen, sonst habe ich einen Dauerständer, wenn ich mich gleich mit Luke und Layla treffe. Ja, genau. Nach zwei Tagen hat sie sich endlich dazu entschlossen, sich mit mir zu treffen.

Natürlich! Wieso habe ich nicht gleich daran gedacht? Das ist die Ablenkung! Layla. Das ist es! Ich stelle mir einfach Fett-Layla vor und zwinge mich, das Bild von ihr in mein Gedächtnis zu holen, damit sich mein Schwanz wieder beruhigt. Ich sehe sie direkt vor mir. Ihre braune Brille, die Zahnspange, ihr überdimensionaler Arsch und die fisseligen Haare. Ein Ekelgefühl nach dem anderen jagt durch meinen Körper und ich verziehe das Gesicht.

Was zum Henker soll das eigentlich? Statt mir eine von seinen Bekannten vorzustellen, kommt Luke mit seiner Cousine. Ich bin mir ziemlich sicher, dass er ein paar scharfe Frauen kennt, aber anscheinend will er die für sich haben. Dieser Bastard!

Wir kennen uns knapp zwanzig Jahre, und noch nie hat er mir irgendeine Frau aus seinem Bekanntenkreis vorgestellt, weil er mich kennt. Ich kann einfach die Finger nicht bei mir lassen, und wenn mir was angeboten wird, dann nehme ich es mir. Was kann ich denn dafür, wenn die Frauen mir hinterherlaufen! Sie wissen wahrscheinlich, wo sie in dieser Stadt den besten Sex bekommen. Natürlich bei mir.

Ich schaue ein letztes Mal in den Spiegel, richte meinen Schlips, grinse mich an, und der einzige Gedanke, der mir durch den Kopf schießt, ist: Meine Güte, sehe ich gut aus.

Eine gute halbe Stunde später fahre ich vor das Charivari und sehe, dass Lukes Wagen bereits auf dem Parkplatz steht. Okay! Tief Luft holen. Ich werde erst einen Blick durch das Fenster riskieren, um mich schon mal psychisch auf das Treffen einzustellen.

Die Hände in den Hosentaschen vergraben, trete ich an die Fensterfront und sehe Luke allein an einem Tisch sitzen. Er ist sehr vertieft in sein Handy und eigentlich sollte ich erleichtert darüber sein. Bin ich aber nicht. Meine Hände in meinen Taschen werden feucht und meine Kehle schnürt sich zu. Ich lockere den Knoten meines Schlipses, und mein Puls schlägt schneller. Mist! Ich würde ihm gern eine Nachricht schicken, dass ich plötzlich krank geworden bin, aber das wäre ihm gegenüber unhöflich.

Vielleicht habe ich Glück und Layla macht einen Rückzieher. Dann bin ich fein raus. Ich richte meinen Blick zum Himmel. „Kannst du mir den Gefallen tun und sie nicht kommen lassen? Wäre das möglich? Ich habe noch nie etwas von dir verlangt. Nur dieses eine Mal. Also wärst du so nett, das zu regeln?“ Ich richte mein Jackett, hole tief Luft und gehe auf den Eingang zu.

„Guten Abend, Mr. Palmer. Sie werden bereits erwartet“, begrüßt mich der Kellner am Eingang.

„Guten Abend“, erwidere ich und lasse mich zum Tisch bringen, an dem Luke bereits sitzt. Sein Gesicht hängt noch immer über seinem Handy und ein Glas Scotch steht vor ihm.

Oh! Er nimmt direkt das starke Zeug. Es ist anscheinend schlimmer, als ich befürchtet habe. Entweder teilt er mir jetzt mit, dass Fett-Layla nicht kommen wird – was mir keineswegs etwas ausmachen würde –, oder er möchte, dass ich mir ebenfalls einen bestelle, um meine Sinne zu betäuben, damit ich über ihre Hässlichkeit hinwegsehe. „Hey, Kumpel!“

„Hi! Du bist pünktlich.“

„Ja, was ich von deiner Cousine nicht behaupten kann. Wo ist sie? Du weißt genau, ich hasse Unpünktlichkeit.“

Er kratzt sich an der Schläfe und hebt entschuldigend seine Schultern. „Sie hat mir gerade getextet. Sie …“

„Kommt nicht?“ Diese zwei Wörter ploppen einfach so aus meinem Mund.

Luke presst die Lippen zusammen und sieht mich grimmig an. „Sie ist im Büro aufgehalten worden und verspätet sich ein wenig. Sollte viel Verkehr auf den Straßen sein, wäre es möglich, dass sie erst in einer halben Stunde hier ist.“

Shit! Da habe ich mich wohl zu früh gefreut. Insgeheim habe ich mir gewünscht, dass sie es sich in letzter Minute anders überlegt hätte. Mit einem tiefen Seufzer lasse ich die Schultern hängen, setze mich auf den Stuhl und richte meinen Blick auf den Eingang. So kann ich besser sehen, wann Fett-Layla hereinkommt und schnell durch den Hintereingang verschwinden.

Ich bestelle beim Kellner einen doppelten Scotch und beobachte Luke, wie er weiterhin auf sein Handy starrt und zwischendurch etwas eintippt. Vielleicht schreibt er mit seiner „hübschen“ Cousine, oder er chattet mit einer hübschen Frau, die er aus dem Fitnessstudio kennt.

Ich sehe mich im Restaurant um und beobachte die Leute, die sich leise miteinander unterhalten. Es sind einige Herren mit ihren Frauen hier und ein paar Geschäftsleute, die sich nach einem langen Arbeitstag ein leckeres Essen gönnen. Plötzlich erregt eine Gestalt am Eingang meine Aufmerksamkeit.

FUCK! Was ist das? Eine große, schlanke Frau betritt das Lokal. Ihre Haut ist leicht gebräunt und ihre dunklen glatten Haare reichen ihr fast bis zum Hintern. Sie hat volle sinnliche Lippen, wundervolle große Augen und eine Figur wie ein Model. Ein Körper, der dafür gemacht scheint, ihn gegen die Wand zu drücken und zu ficken. Auf der Motorhaube meines Lamborghini würde er sich auch nicht schlecht machen. Am liebsten hätte ich ihn aber unter mir, um mich ganz tief in ihm zu vergraben. Meine Finger würden über ihre Brüste fahren – die keineswegs künstlich sind – und mit meiner Zunge würde ich über die harten Nippel lecken. Und diese vollen Lippen würden ein O formen, während sie von einem gigantischen Orgasmus überwältigt wird, den ich ihr mit meinem Schwanz bereite.

Oh nein! Mein Schwanz zuckt in meiner Hose, obwohl ich sie nur ansehe. Wird Zeit, dass Fett-Layla ankommt, damit ich mich von meinen sexuellen Gedanken ablenken kann. Ich muss aber beobachten, an welchem Tisch diese verdammt heiße Braut sitzen wird, denn falls sie nicht in männlicher Gesellschaft ist, werde ich nach dem Gespräch noch ein Weilchen hierbleiben und sie mir krallen. So eine Frau darf nicht unbefriedigt nach Hause gehen.

Sie bleibt kurz am Eingang stehen, spricht mit dem Kellner, der daraufhin auf unseren Tisch deutet. Ich glaube, ich träume. Das kann nicht wahr sein! Ich schaue zu Luke, der immer noch in sein Handy vertieft ist, und dann wieder rüber zu ihr. Das kann nicht möglich sein!

Das ist …

DAS IST LAYLA!?

Kapitel 6

Layla

Ich drehe meinen Kopf in die Richtung, die mir der Kellner zeigt. Luke ist über sein Handy gebeugt, und Chris sieht mich an, als hätte er einen Geist gesehen. Na, der guckt aber blöd aus der Wäsche. Sein Gesichtsausdruck ist wirklich zum Lachen. Er hat wohl mein altes Ich erwartet.

Je näher ich an den Tisch trete, desto wilder tanzen die zwei oder drei Schmetterlinge in meinem Bauch, die sich immer bemerkbar machen, wenn ich sein Bild auf den Titelseiten der Zeitschriften sehe. Vielleicht ist die Schwärmerei der Schulmädchen damals der Grund dafür, dass er so ein Leben führt. Er wusste schon damals, was für eine Wirkung er auf Mädchen hatte, und ich gehe davon aus, nein, ich bin mir sicher, dass er auch weiß, welche Wirkung er noch heute auf Frauen hat.

Mein Puls rast, mein Körper zittert und ich atme tief ein. Dieser Mann löst etwas in mir aus, das ich nicht kontrollieren kann. Mit jedem Schritt, den ich mache, wird das Kribbeln in meinem Bauch schlimmer. Hört jetzt auf, ihr blöden Schmetterlinge! Dieser Kerl ist nur ein arroganter Typ, der bestimmt bloß gut vögeln kann. Gefühle sind mit Sicherheit ein Fremdwort für ihn. Diese Worte muss ich mir immer vor Augen halten.

Ich lege meine Hand auf Lukes Schulter und er schaut zu mir auf. Ein liebevolles Lächeln erscheint auf seinen Lippen und seine Augen strahlen. „Hey, Kleine.“

Aargh! Wann hört er endlich auf, mich so zu nennen! Die bin ich seit über zehn Jahren nicht mehr. Ich denke, das ist seine Art, mir zu zeigen, dass er immer für mich da ist, da ich keine Geschwister habe. Er hat mir schon ziemlich oft bewiesen, dass er den Part des großen Bruders übernehmen kann, und dafür bin ich ihm sehr dankbar. Außer heute … das hier ist mit Abstand die größte Dummheit, in die er mich je hineingezogen hat. Ich habe mich aber noch nicht entschieden und werde mir erst mal anhören, was Chris mir zu sagen hat.

„Du erinnerst dich an Christopher?“

Chris steht mit einer Eleganz auf, die mir auf der Stelle einen trockenen Mund beschert. Mein Herz schlägt wild gegen meine Brust und es kribbelt heftiger in meinem Bauch. Seine Finger wandern unverzüglich zu seinem Schlips, richten ihn – obwohl er überhaupt nicht verrutscht ist, sondern perfekt liegt – und dann streckt Chris die Hand nach mir aus. Wie in Trance lege ich meine in seine.

Er beugt sich herab, hebt meine Hand an seine Lippen und haucht einen leichten Kuss darauf. Seine Augen sehen immer noch tief in meine und die Geste lässt mich erstarren. „Freut mich, dich wiederzusehen, Layla.“

Diese sexy Art, wie er meinen Namen ausspricht, wirft mich für einen Moment aus der Bahn. Jedoch kommt mir sofort sein Lifestyle wieder in den Sinn und lässt mich vermuten, dass er nur versucht, sich bei mir einzuschleimen. Uh-uh! Ich habe dich durchschaut, mein Lieber. Also gut! Möge das Spiel beginnen!

„Chris!“ Ich entziehe ihm meine Hand, die er für meinen Geschmack zu lange festgehalten hat, und gehe mit butterweichen Knien um den Tisch herum, um mich auf den Stuhl zu setzen, der am weitesten von ihm entfernt ist. „Du hast dich überhaupt nicht verändert.“ Es lebe die Doppeldeutigkeit!

„Dafür hast du ein Makeover gemacht. Wow! Ich habe dich im ersten Moment nicht wiedererkannt.“

Oh, das glaube ich gern. Sein Gesichtsausdruck war mehr als eindeutig. Mit einem Finger schiebe ich meine Haare hinter das Ohr und dann über die Schulter. Obwohl ich Chris nicht ansehe, spüre ich seinen Blick auf mir.

Ich atme tief durch und versuche, mich von seinen Schmeicheleien nicht ablenken zu lassen. „So, ihr zwei. Ich habe einen anstrengenden Tag gehabt, also bringen wir die Angelegenheit schleunigst hinter uns. Luke, bestell mir bitte ein Glas Tempranillo, und du sagst mir, was du mir sagen möchtest, Chris.“

Luke hebt seine Hand, um den Kellner herbeizurufen, und ich sehe rüber zu Chris, der mich mit einem schelmischen Grinsen und einem Leuchten in den Augen angafft. Das gibt’s doch nicht! Das ist dieser „Ich möchte dich gerne vernaschen“-Blick.

Ich hebe meine Hand und schnipse ein paarmal vor seinem Gesicht, um ihn wieder in die Realität zu holen. „Hey! Willst du nun endlich reden oder soll ich wieder gehen?“ Vielleicht kommt es etwas zynisch rüber, aber ich möchte meinen Standpunkt klarstellen. Und der ist: Ich bin nicht leicht zu haben.

„Redest du auch mit deinen Klienten so?“

„Das brauche ich nicht, weil ich deren Aufmerksamkeit habe, wenn sie vor mir sitzen.“ Ich hebe eine Augenbraue und schenke ihm anschließend ein breites Lächeln. So! Er weiß nun, dass ich nicht so bin wie die anderen Frauen, die sich zahllos um ihn scharen.

„Warst du schon immer so giftig?“, bemerkt er. „Ich erinnere mich noch an dieses schüchterne, unschuldige kleine Mädchen, das in Lukes Zimmer saß und sich …“

„Palmer!“, falle ich ihm ins Wort. „Das hier wird keine Reise in die Vergangenheit.“ Ich lege den Kopf schief und sehe zu Luke hinüber. Er hat die Arme vor seinem Oberkörper gekreuzt und ist sichtlich amüsiert, wie wir unser Gespräch begonnen haben, denn er kann nicht aufhören, zu grinsen.

Abwehrend hebt er seine Hände hoch. „Lasst mich da bloß raus. Ich habe nur die Verbindung hergestellt.“

Das kann doch nicht sein Ernst sein. Er hat mich doch angefleht, seinen Freund zu treffen, weil er ihm helfen möchte. Na gut! Da sich der eine komplett raushält und der andere mich auffressen will, werde ich das Gespräch in die Hand nehmen. Ich rolle mit den Augen, hole tief Luft und beginne mit den Verhandlungen.

„Na schön. Da ihr zwei wohl nicht imstande seid, eine anständige Unterhaltung zu führen, werde ich loslegen. Luke hat mir gesagt, worum es geht. Ich kapiere immer noch nicht, warum du nicht eine von deinen …“, abwehrend wedle ich mit meiner Hand, „… Bettgespielinnen nimmst.“ Ich kann immer noch nicht glauben, wie harmlos ich seine Mätressen dargestellt habe. „Wir gehen eine Scheinehe ein, die für eine gewisse Zeit halten soll, nur um dein Image in den Augen deines Vaters und in der Öffentlichkeit aufzupolieren. Ist das soweit korrekt?“

Chris nickt mir zu.

„Ihr wisst, dass das Betrug ist?“

„Pff! Wir sind nicht die Ersten, die so etwas durchziehen. In Hollywood passiert das ständig“, gibt Chris mit einem Schulterzucken zurück. „Dass du trotzdem hier sitzt, bedeutet aber, dass du das ernsthaft in Betracht ziehst.“

Oh Gott! Wir werden alle hinter Gittern landen. Mein Glas Tempranillo steht inzwischen vor mir und ich nehme einen kräftigen Schluck. Um das alles durchzuziehen, brauche ich jetzt starke Nerven.

„Luke hat dir bestimmt mitgeteilt, dass du für deinen Einsatz belohnt wirst.“ Mit einem Nicken bestätige ich seine Aussage. „Du bekommst, nach Erfüllung der Vereinbarung, eine Summe von zwei Millionen Dollar. Ich denke, diese Summe ist ausreichend. Oder?“

Whoa! Luke erwähnte zwar das Geld, aber mit so viel habe ich nicht gerechnet. Zwei Millionen! Mit den Hunderttausend, die ich auf einem Sparbuch angelegt habe, wird es meiner Mutter für die nächsten paar Jahre an nichts fehlen. Das Geld ist es wert, mit diesem arroganten Kerl unter einem Dach zu wohnen.

Den ganzen Tag über habe ich mir überlegt, was ich ihm gern sagen würde, aber jetzt ist alles wie weggeblasen. „Dein Angebot ist sehr großzügig, Christopher. Damit das alles funktioniert, musst du aber einige meiner Regeln befolgen.“ Hier geht es nicht nur um sein Image, sondern auch um meinen Ruf. Ich werde ihm ein paar Bedingungen unter die Nase reiben und sehen, wie er darauf reagiert.

„Oh! Natürlich. Jetzt wird’s interessant.“ Er legt die Unterarme auf den Tisch, verschränkt die Finger ineinander und lehnt sich ein Stück nach vorn, um näher an mein Gesicht zu kommen. „Ich höre.“

Ich setze mich kerzengerade hin und öffne den Mund, schließe ihn aber kurz darauf wieder. Oh Shit! Heute Mittag wusste ich alles noch, aber nachdem ich ihn gesehen habe, ist mein Gehirn wie leer gefegt. Mit dem Zeigefinger tippe ich auf meinem Kinn herum und schürze die Lippen. Ich halte kurz inne und sehe zu ihm hinüber. Christophers Lippen teilen sich, er holt tief Luft, seine Augen werden dunkler und sind kurz davor, mich zu verschlingen. Dieser Ausdruck sorgt dafür, dass mein Herz wie wild pocht. Sämtliche Haare auf meinem Körper richten sich auf, und die Schmetterlinge fangen erneut an, in meinem Bauch herumzufliegen.

Nein, nein, nein! Das darf nicht passieren! Dieser Mann will Frauen nur in sein Bett kriegen, um sie anschließend wie eine heiße Kartoffel fallen zu lassen, und ich bin gerade dabei, sein nächstes Opfer zu werden. Konzentrier dich, Lay! Komm schon!

„Nummer eins: Ich bin damit einverstanden, in deiner Wohnung zu leben, aber mit getrennten Schlafzimmern.“

„Okay. Habe ich auch nicht anders erwartet.“

Seine Stimme ist rau, tief, irgendwie sexy und verursacht mir eine Gänsehaut. Außerdem spüre ich ein Pochen zwischen meinen Beinen, die ich unbemerkt zusammenpresse. Herrgott! Mein Körper reagiert auf ihn. Ich räuspere mich. „Nummer zwei: In meiner Anwesenheit ist jegliches Geflirte mit anderen Frauen untersagt. Außerdem ist das Mitbringen einer fremden Frau in die Wohnung ein No-Go. Geh in eine billige Absteige, um mit denen deine Zeit zu verbringen.“ Gleichgültig hebe ich meine Schultern.

„Wenn es sein muss.“ Er hebt seine Augenbrauen und lässt sich zurück in seinen Stuhl fallen.

Ob es ihm gefällt oder nicht, so muss es laufen, wenn wir die Illusion der perfekten Ehe aufrechterhalten wollen. „Ja, muss es. Ich werde nicht hübsch lächeln, während die Klatschpresse mich als deine betrogene Ehefrau abstempelt. Ich habe auch einen Ruf zu wahren.“

Chris setzt sich wieder auf und bringt sein Gesicht ganz nah an meins. Die Lippen presst er zusammen, die Augen verengen sich und er neigt den Kopf. „Hey! Wenn du dich um deinen Ruf sorgst, dann brauchst du ja nicht mitzumachen. Vielleicht sollten wir die ganze Sache einfach abblasen.“

„Oh! Wenn das so ist.“ Pff! Der kann mich mal kreuzweise. Schnaubend nehme ich mein Glas und leere es in einem Zug. Ich stelle es wieder auf den Tisch und greife nach meiner Tasche. Wenn er meine Regeln nicht akzeptieren möchte, dann werfe ich das Handtuch. Die anderen Frauen mögen zwar gut genug zum Vögeln sein, aber anscheinend nicht gut genug, um seine Ehefrau darzustellen. „Hat mich gefreut.“

Luke setzt sich sofort gerade hin und wirbelt den Kopf zu mir herum. Eine Hand packt meinen Unterarm und ich drehe mich um. Meine Augen starren auf meinen Arm und gleiten dann weiter zu Chris’ Gesicht. Seine Augen sind weit aufgerissen und er schüttelt leicht seinen Kopf. „Tut mir leid. Ich habe die Beherrschung verloren.“

Das ist ja ein Ding! Der coole, arrogante Mr. Palmer hält mich fest und bittet mich darum, zu bleiben. Und das alles kombiniert – die Panik in seiner Stimme, die Hand auf meinem Arm, sein Blick – löst ein Kribbeln in meinem Körper aus. Meine Knie werden weich und mein Herz rast.

Ich kann ihm nicht verfallen. Ich darf ihm nicht verfallen.

Langsam setze ich mich auf den Stuhl zurück, meine Augen schauen dabei in seine, und ich höre, wie Luke neben mir erleichtert ausatmet.

Wenn wir zu einer Übereinkunft kommen, dann muss ich mich mental darauf vorbereiten, seinem Charme zu widerstehen. Denn eines ist definitiv klar: Ich werde alles tun, damit ich nicht in seinem Bett lande. Langsam senke ich meinen Blick. Dabei streift er über seine perfekt geformten Lippen, das kräftige Kinn, seine Kehle und seine Brust, die ganz sicher muskulös und steinhart ist.

„Gibt es noch etwas, was du mir sagen möchtest?“ Und schon wieder ist der Ton seiner Stimme rau, sexy, heiß und jeder Zentimeter meiner Haut reagiert auf diesen Tonfall.

„Nur …“, ich räuspere mich und fahre fort, „nur noch eine Sache.“

„Und die wäre?“

Ich versuche, dieses Kribbeln in meinem Bauch zu ignorieren, und gebe mein Bestes, professionell zu wirken, indem die Anwältin in mir die Oberhand ergreift. „Jeglicher körperliche Kontakt zwischen uns ist untersagt.“ Weil deine Berührung mich schwach werden lässt, füge ich gedanklich hinzu.

„Das würde ein Problem darstellen, denn wäre es nicht merkwürdig, wenn ich die Hand meiner Ehefrau nicht halte oder sie umarme?“ Seine Mundwinkel zucken und ein kleines Lächeln erscheint auf seinen Lippen.

Da muss ich ihm schweren Herzens recht geben. Tja! Dann wird der körperliche Kontakt eben auf ein Minimum reduziert. „Also gut. Die Arme und Hände sowie die Taille sind erlaubt. Sollten deine Finger irgendwelche Stellen anfassen, die sich außerhalb dieser Stellen befinden, werde ich sie dir brechen.“

Sieht wohl so aus, als hätte ich ihm gerade meine mündliche Zusage zu dieser Farce gegeben. Vor meinem geistigen Auge sehe ich mich schon in Handschellen vor dem Richter stehen. Die erfolgreiche Anwältin wandert wegen Betrugs hinter Gitter. Schnell schiebe ich diesen Gedanken beiseite, da ich Chris sprechen höre.

„Oh Baby! Wenn meine Finger dich erst mal berühren, dann wirst du mehr haben wollen.“ Ein arrogantes Lächeln breitet sich auf seinen Lippen aus. Dabei zeichnen sich winzig kleine Grübchen ab.

Mein Mund ist augenblicklich trocken und mein Herz fängt wieder an, wie wild zu schlagen. Ein Lächeln von ihm genügt und ich beginne, die Kontrolle über mich zu verlieren. Das darf nicht passieren. Ich muss eine Schutzmauer errichten, die seinem Charme standhält.

Luke verschluckt sich bei dieser Aussage von Chris. Er fängt an zu husten, worauf ich mich sofort zu ihm drehe, sodass er mich damit aus dieser Situation befreit, bevor es noch peinlicher wird. „Ich-ich denke, wir haben für heute genug geredet“, stammelt Luke.

Weitere Aussagen von Mr. Ich-bin-der-beste-Lover-auf-Erden kann ich auch nicht verkraften.

„In Ordnung, Luke.“ Chris wendet sich wieder an mich. „Ich werde deine Bedingungen an meinen Anwalt weiterleiten. Natürlich habe ich auch etwas hinzuzufügen. Er wird dir den Vertrag zukommen lassen, und wenn du noch etwas ergänzen oder streichen möchtest, können wir uns noch mal zusammensetzen. Sobald das Dokument unterzeichnet ist, ziehst du bei mir ein und die Sache kommt ins Rollen.“

Sein Blick hält meinen fest. Er ist mit meinen Bedingungen einverstanden. Bleibt nur abzuwarten, welche er stellen wird. Sollte er eine Sex-Klausel einsetzen, kann er seinen Hintern darauf verwetten, dass ich sie streichen werde. Nie und nimmer werde ich mit diesem Kerl ins Bett gehen, geschweige denn, ihn nackt sehen. Obwohl ich mir durchaus vorstellen kann, dass sein Körper unglaublich sexy ist.

Unwillkürlich wandern meine Blicke an seinem Oberkörper entlang nach unten und bleiben an seinem Schritt hängen. Ich frage mich, wie es sich wohl anfühlen würde, wenn sein harter Körper auf mir liegt. Wenn er mit seinen Beinen meine spreizt, seine Finger sich in mein Fleisch bohren, seine harte Erektion sich in mir bewegt …

Unbewusst presse ich meine Oberschenkel zusammen, um das Pochen zwischen meinen Beinen zu unterdrücken. Reiß dich zusammen!

Plötzlich höre ich ein Räuspern und hebe meinen Blick, um in zwei hellblaue Augen zu sehen, die wie der Himmel auf Erden aussehen. So ein leuchtendes Blau habe ich noch nie gesehen. Ich konnte mich vage an dieses Leuchten erinnern, aber aus nächster Nähe habe ich sie noch nie gesehen.

Chris beobachtet mich mit einem schelmischen Grinsen, und ich spüre, wie mir die Hitze ins Gesicht steigt. Oh Gott! Er hat mitbekommen, dass ich seinen Schwanz fixiert habe. Noch peinlicher kann der heutige Abend nicht werden.

„Ich-ich werde … uh … werde dann mal gehen.“ Mehr bekomme ich nicht raus, greife nach meiner Tasche und erhebe mich. Luke und Chris erheben sich mit mir, ich nicke beiden zu, senke meinen Kopf und murmele ein „Gute Nacht“.

Eilig verlasse ich das Restaurant, schaue mich aber noch mal um, um sicherzugehen, dass keiner auf die Idee kommt, mir zu folgen. Chris’ Blicke und Kommentare waren mehr als eindeutig. Der Kerl wird versuchen, mich ins Bett zu kriegen, da bin ich mir ganz sicher. Dass ich darauf vorbereitet bin, weiß er allerdings nicht.

Kapitel 7

Christopher

Jeremy, mein Anwalt und Freund, hat mir den Ehevertrag zukommen lassen, den ich noch einmal durchsehe. Alle Punkte, die Layla vorgeschlagen hat, befinden sich darin. Außerdem die, die ich haben wollte. Sie hat eine Kopie bekommen, in der sie die zwei Jahre Ehedauer auf sechs Monate korrigierte und ließ sie mir wieder zurückschicken. Darunter schrieb sie mit großen Buchstaben „Inakzeptabel“. Ich schmunzelte vor mich hin und versuchte, mir vorzustellen, wie verärgert sie über die Vertragsdauer war, nachdem ich ihn ohne ihre Unterschrift zurückbekam.

Also wurde der Vertrag erneut gedruckt und liegt nun bei mir zur Unterschrift bereit. Zur Sicherheit gehe ich die Punkte ein letztes Mal durch.

Layla Anne Elias:

Punkt 1: Nach der Heirat beträgt die Ehedauer sechs Monate. Es gilt dabei die Regelung der getrennten Schlafzimmer.

Das Eindringen in den Schlafraum des anderen ist, laut dem vierten Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten und dem Artikel 12 der Menschenrechte, ein Verstoß gegen den Schutz der Privatsphäre.

Punkt 2: Mr. Palmer hat sich an die Abmachung zu halten und sich in der Öffentlichkeit wie ein Gentleman zu benehmen.

Nach Bundesgesetz § 1:3.3 von 1891 besteht der Schutz der körperlichen Privatsphäre und kommt bei einem Verstoß zu einer Anzeige.

Punkt 3: Mr. Palmer steht es frei, sein Leben weiterzuführen. Dies soll allerdings unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden. Sollte er dies nicht tun, dann tritt § 2-106 nach Bundesgesetz in Kraft.

Eine Vertragsauflösung liegt vor, wenn eine Partei den Vertrag wegen Vertragsbruchs durch die andere Partei beendet, und seine Wirkung mit der einer Kündigung identisch ist.

Punkt 4: Partys und Clubbesuche sind während der Ehedauer untersagt. Sollte sich Mr. Palmer nicht daran halten, wird es als Vertragsbruch gesehen. Rechtliche Schritte, wie in Punkt 3, werden eingeleitet.

Punkt 5: Nach Ausspruch der Scheidung hat Mr. Palmer dafür zu sorgen, dass er sich von Miss Elias fernhält. Jeglicher Kontakt (persönlich oder telefonisch) ist untersagt. Falls sich Mr. Palmer nicht daran halten sollte, wird eine einstweilige Verfügung erwirkt, die es ihm verbietet, sich Miss Elias auf fünfhundert Meter zu nähern.

Christopher Nathan Palmer:

Punkt 1: Jegliche Verabredungen werden abgesagt, wenn es irgendeinen Anlass gibt. Das betrifft öffentliche sowie familiäre Anlässe. § 1 Absatz 1 Christopher Palmer Gesetz (CPG).

Punkt 2: An zwei bis drei Abenden in der Woche ist eine Verabredung zum Dinner vorgesehen. (Klatschpresse) § 1 Absatz 2 CPG

Punkt 3: Nach der Hochzeit findet eine zehntägige Hochzeitsreise statt. (Ebenfalls Klatschpresse) § 1 Absatz 3 CPG

Punkt 4: Küsse müssen geduldet werden. Nur so wird die Beziehung von Außenstehenden ernst genommen. Das gilt nicht nur bei öffentlichen Auftritten, sondern auch vor der Familie. (Verstoß gegen §1:3.3. Dies gilt nicht als Vertragsbruch.) § 1 Absatz 4 CPG

Punkt 5: Nach Ablauf der sechs Monate wird die Ehe wegen unüberbrückbarer Differenzen geschieden. Miss Layla Anne Elias bekommt nach der Trennung die Summe von zwei Millionen Dollar.

Kopfschüttelnd sitze ich auf meiner Couch. Typisch Anwalt. War klar, dass sie sich nach den Gesetzen richtet. Ich hätte auch Paragrafen aufzählen können, nur gibt es keine in unserer Verfassung, die mir bei diesem Schwindel recht geben. Deswegen habe ich meine eigenen Gesetze aufgeführt. Die wird vor Wut kochen, wenn sie die Kussklausel entdeckt.

Körperliche Privatsphäre. Gibt es das überhaupt? Welcher Idiot hat sich das bloß einfallen lassen? Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie mich anzeigen wird, wenn ich mal die Grenze überschreite.

Meine Forderungen sind so, wie ich sie mit Jeremy besprochen habe. Ich setze meine Unterschrift auf die dafür vorgesehene Linie und unwillkürlich streicht mein Finger über ihren Namen. Seit dem Abend im Restaurant bekomme ich sie nicht mehr aus dem Kopf. Ständig muss ich an sie denken. Wie sie sich verändert hat! Vom hässlichen Entlein zu einem wunderschönen Schwan. Ich kann nicht aufhören, an sie zu denken.

Wie gern würde ich meine Hände in diesen wundervollen langen Haaren vergraben, ihre vollen sinnlichen Lippen küssen und mit meinen Fingern über ihre Haut gleiten. Und wie gut sie gerochen hat. Ich glaube, einen Hauch von Rosen wahrgenommen zu haben, als ich mich ihr an jenem Abend ein Stück genähert habe.

Vielleicht sollte ich schnell eine kalte Dusche nehmen, bevor sie herkommt. Wenn ich weiterhin an sie denke und sie schließlich vor mir steht, könnte es ziemlich peinlich für mich werden.

Gegen halb fünf kommt Jeremy zu mir ins Penthouse, denn um fünf erwarten wir Layla und ihre Kollegin, damit wir den Vertrag noch mal durchgehen können, den sie dann hoffentlich endlich unterschreibt. Ich denke, ich werde mit ihr eine kleine Tour durch die Wohnung machen. So kann ich mit ihr allein sein und ein wenig mehr über sie erfahren. Immerhin muss ich doch wissen, was meine Frau mag und was nicht.

Sollte alles glattgehen, wird sie ab morgen jeden Tag hier sein. Ich weiß, dass sie mich auf Abstand halten wird, dennoch hoffe ich, dass ich sie aus der Reserve locken und endlich ihren Körper anfassen kann, der mir seit unserer Begegnung schlaflose Nächte bereitet. Nicht nur ihre Taille und die Arme, wie es im Vertrag steht, sondern ihren ganzen Körper.

Jeremy sitzt gemütlich auf der Couch und hat die Füße auf den Tisch gelegt. Er ist die Ruhe in Person, was ich von mir nicht behaupten kann. Ständig tigere ich durch die Wohnung, schaue auf meine Uhr und zähle die Minuten, die einfach nicht vergehen wollen. Die Zeit scheint stehen geblieben zu sein. Es kommt mir vor, als würde Jeremy schon eine Ewigkeit hier sitzen.

„Dude! Entspann dich. Es ist doch nicht das erste Mal, dass du eine Frau triffst.“

„Es ist aber das erste Mal, dass ich so etwas tue. Es ist etwas anderes, eine Frau zu erwarten, mit der man Sex haben wird, oder eine Frau, die die nächsten sechs Monate dauerhaft mit dir verbringen wird.“

Er hat Layla nicht gesehen, deswegen ist er so entspannt. Ich frage mich, wie er wohl reagieren würde, wenn so eine Frau um ihn herumtänzeln würde und er sie nicht anfassen könnte. Er gehört nämlich nicht zu den Männern, die die Finger bei sich behalten können.

„Okay.“ Er beginnt zu reden und reißt mich damit aus meinen Gedanken. „Du wirst zwar mit Layla verheiratet sein, aber nichts hindert dich daran, dein Leben so weiterzuführen, wie du es vorher getan hast. Sie hat es im Vertrag extra aufgeführt. Du kannst dich heimlich mit anderen Frauen treffen, jedoch nicht in der Wohnung.“ Langsam nimmt er die Beine vom Tisch, erhebt sich und stellt sich vor mich. „Ganz zufällig habe ich erfahren, dass ein kleines Apartment in der vierten Etage frei wird. Wie wäre es, wenn du es mietest und dich dort vergnügst?“

Hmm! Die Idee ist gar nicht so übel. Wenn ich Layla nicht haben kann, werde ich ganz bestimmt nicht auf andere Frauen verzichten. Ich bräuchte das Gebäude dann nicht zu verlassen und wäre vor der Presse sicher. Außerdem ist es ein so großes Gebäude, es würde nicht weiter auffallen, wenn die Frauen hier ein und aus gehen.

Mein Kumpel ist ein Genie! „Rede mit dem Verwalter und regele alles, bevor jemand anderes dort einzieht.“

„Sieh es als erledigt an.“ Er zwinkert mir zu.

Jeremy ist ein wahrer Freund. Vor ungefähr zehn Jahren haben wir uns in einem Club in Boston kennengelernt. Wir waren beide Studenten und feierten gern. Nachdem wir uns ein paarmal getroffen haben, stellten wir fest, dass wir beide aus Houston sind. Uns verbindet nicht nur eine Freundschaft, sondern auch die gleiche Leidenschaft für Frauen, und er ist auch der Einzige, der einen Schlüssel zum Penthouse hat. Wenn ich nicht in meiner Wohnung bin, er sich in der Nähe aufhält und nicht nach Hause möchte, kommt er ab und an auch mit Frauen her.

Jeremy setzt sich wieder auf die Couch und ich gehe die nächsten zehn Minuten wieder im Zimmer auf und ab. Plötzlich höre ich meinen Kumpel seufzen und sehe ihn an. Auf seiner Stirn bilden sich Falten und er presst die Lippen zusammen.

„Stimmt was nicht?“

Er verzieht den Mund und kratzt sich mit dem Finger über seine Augenbraue. „Ich weiß, du willst es nicht hören, weil wir schon darüber geredet haben, aber bist du dir mit dieser Scheinehe wirklich sicher?“

„J, ich habe keine andere Wahl. Entweder heiraten oder adiós, tolles Leben.“

„Wenn die Farce bekannt wird, dann kannst du allem adiós sagen, denn du landest im Gefängnis. So etwas ist nach Common Law ein Betrug. Das Geld deines Vaters und sein Einfluss können dir vor Gericht nicht helfen.“

Das weiß ich, denn er hat mich schon mehrmals darauf hingewiesen. Ich wende mich von ihm ab, vergrabe die Hände tief in meinen Hosentaschen und stelle mich vor das Fenster. Wenn dieser Schwindel bekannt wird, wird mein Vater nichts mehr mit mir zu tun haben wollen. Er wird mich verstoßen, und was dann? Ohne Geld kann ich meine Ausgaben nicht mehr decken. „Das weiß ich, J. Das weiß ich“, sage ich, schließe die Augen und bete innerlich, dass diese Geschichte ein gutes Ende nimmt.

Für die restliche Zeit bleiben wir stumm und warten darauf, dass Layla erscheint, um endlich diesen verdammten Vertrag zu unterschreiben.

Das Haustelefon klingelt und beendet die Stille zwischen uns. Es ist der Concierge, der mir bestimmt mitteilen möchte, dass Layla auf dem Weg nach oben ist. Ich eile hin, nehme den Hörer ab und bekomme die Bestätigung für meine Annahme. Jetzt wird es ernst.

Ich öffne die Tür gerade in dem Moment, in dem sich die Aufzugtüren öffnen, und muss vor Bewunderung den Atem anhalten. Da ist sie, gefolgt von einer anderen jungen Frau. Ihre Haare hat sie zu einem Pferdeschwanz gebunden, sie trägt einen Zweiteiler mit engem Rock – in dem ihre Beine und ihre Figur gut zur Geltung kommen – und eine blaue Bluse, die einen Blick auf ihr Dekolleté freigibt. Wie kann eine Frau im Business-Look nur so heiß aussehen?

Unsere Blicke treffen sich und halten einander fest, bis sie mich flüchtig grüßt und an mir vorbeigeht.

„Jeremy, das ist Layla Elias und ihre Freundin …“

„Patricia Lopez“, unterbricht mich ihre Freundin, stellt sich vor Layla und streckt Jeremy die Hand entgegen.

Als Jeremy nach ihrer Hand greift, beginnen seine Augen zu strahlen. Ich kann seine Gedanken förmlich hören. Am liebsten würde er ihr die Kleider vom Leib reißen und sie auf der Couch vögeln. Verübeln kann ich es ihm nicht, denn sie sieht sehr attraktiv aus. Schwarze, kurze Haare, dunkle Augen und ein wenig kurvenreicher als Layla. Sie ist ein paar Zentimeter kleiner als Layla und neben Jeremy sieht sie wie ein Zwerg aus. Der Größenunterschied ist enorm.

„Also“, beginne ich, damit wir die Verhandlungen endlich hinter uns bringen, „wollen wir uns dem geschäftlichen Teil widmen?“

„Darf ich vorher noch was loswerden?“, fragt Patricia, bevor sie sich setzt.

Ich nicke und bedeute ihr mit meiner Hand, dass sie die Freiheit hat, zu sagen, was immer sie sagen möchte.

„Ihr zwei wisst schon, dass das hier laut Gesetz ein Betrug ist?“ Sie presst die Lippen zusammen und hebt ihre Augenbrauen. „Wir“, sie macht eine Geste in die Runde, „können eingebuchtet werden. Ihr zwei, weil ihr den Deal abgeschlossen habt, und wir zwei, weil wir euch dabei unterstützt haben.“

Layla rollt mit den Augen und Jeremy gibt einen erleichterten Laut von sich. „Endlich mal jemand mit einem hohem IQ in diesem Raum.“

„Niemand wird von der Sache erfahren. Wir sind die Einzigen, die es wissen, und dabei wird es auch bleiben“, teile ich ihr mit.

Unsere Freunde murmeln ein „Okay“, und ich bedeute Layla, sich zu setzen. Die beiden Damen sitzen an der einen Seite des Tisches, während Jeremy und ich ihnen gegenübersitzen. Layla nimmt den Vertrag, den ich ihr gereicht habe, und liest sich die Punkte noch einmal durch. Plötzlich hebt sie den Kopf und kneift die Augen zusammen. „Küssen?“

Ups! Ich habe wohl vergessen, zu erwähnen, dass ich diesen Punkt im Nachhinein hinzugefügt habe. Sorry!

„Ja.“

„Vergiss es, Palmer. Das ist laut Punkt 2 ein Verstoß gegen die körperliche Privatsphäre. Ich werde dich ganz bestimmt nicht küssen.“ In ihren Augen sehe ich Wut.

„Die Beziehung soll echt wirken. Denkst du allen Ernstes, dass irgendeiner es uns abkaufen würde, wenn wir nur Händchen halten? Ich will dich doch nicht ficken!“ Ich darf nicht, aber ich will es, verdammt noch mal. Jap! Ich will es definitiv.

Sie reißt die Augen auf und ihre Lippen bilden ein O. Sie sieht so unglaublich heiß aus, wenn sie geschockt ist. Genau wie an dem Abend, an dem ich sie mit ihrem neuen Ich wiedergesehen habe.

„Entweder dieser Punkt wird gestrichen oder ich bin raus!“

Warum regt sie sich denn jetzt auf? Es werden doch nur harmlose Küsse sein, ich werde sie schon nicht vergewaltigen. Ich streiche mir über den Nacken und atme tief durch, bevor ich ausraste und die ganze Sache abblase. „Ich stimme doch auch deinen Punkten zu.“

„Mag sein, aber das hier geht zu weit.“ Sie steht auf und ist gerade dabei, ihre Tasche zu schnappen, da springt Patricia auf, packt sie am Arm und zieht sie Richtung Balkon. „Entschuldigt uns bitte, aber wir müssen kurz reden.“

Jeremy und ich sehen uns kurz an, und ich habe das komische Gefühl, dass die Verhandlungen wegen diesem einen Punkt scheitern könnten. Das will ich aber nicht, denn sie scheint die richtige Person für diesen Schwindel zu sein. Sie ist intelligent und hat Klasse. Um mit den anderen Frauen in meinem Kreis klarzukommen, braucht sie das.

Mein Blick wandert zum Balkon rüber, und ich sehe, wie Layla die Hände in die Hüften stemmt, während Patricia ihr über die Arme fährt und mit ihr spricht. Gott, sie sieht unglaublich heiß aus. Sie hat ihre Jacke ausgezogen, steht nur in Rock und Bluse da und ich kann ihren perfekten, wohlgeformten Hintern sehen. An ihren Armen zeichnen sich dezente Muskeln ab, woraus ich schließe, dass sie öfter in ein Fitnessstudio geht. Ihre Beine sehen in den Schuhen endlos lang aus und eine Vision von ihr in roten High Heels erscheint vor meinem inneren Auge. Ihr Anblick törnt mich an. Mein Schwanz beginnt, in meiner Hose zu zucken. Ich brauche zügig eine Ablenkung.

Aus dem Augenwinkel sehe ich zu Jeremy, der in sein Handy vertieft ist. Ich räuspere mich und suche nach etwas, um mich auf andere Gedanken zu bringen. Mein Handy. Schnell nehme ich es in die Hand und checke meine E-Mails.

Nach ein paar Minuten kommen die beiden Frauen wieder rein und setzen sich uns gegenüber.

„Also gut“, beginnt Patricia. „Punkt Nr. 4 ist akzeptiert. Können wir die Sache jetzt abschließen? Ich habe nicht den ganzen Tag Zeit.“

Ich lächele Layla an, deren Knie auf und ab wippt. „Ich warne dich, Palmer. Solltest du deine Zunge in meinen Mund stecken, dann beiße ich so fest zu, dass du sie für Wochen nicht mehr benutzen kannst.“

Oh Baby! Wenn ich erst mal meine Zunge in deinen Mund gesteckt habe, wirst du sie immer wieder kosten wollen und mich um mehr anbetteln. Bei diesem Gedanken kann ich nicht anders und grinse sie schief an.

„Okay“, antworte ich und zucke mit den Schultern. Bisher hat sich noch keine Frau gewehrt, wenn ich meine Zunge in ihren Mund gesteckt habe. Ganz im Gegenteil. Sie waren überaus erfreut darüber. Layla wird da keine Ausnahme sein.

Auf die anderen Punkte geht Layla nicht besonders ein, da sie anscheinend akzeptabel für sie sind. Ich meine … sie bekommt zwei Millionen Dollar dafür, dass sie sich in der Öffentlichkeit mit mir präsentiert und mich heiratet. Was Besseres kann ihr doch gar nicht passieren. So einen gutaussehenden Mann zu begleiten und sich seine Frau nennen zu dürfen, ist ein Privileg.

„Noch eine Sache“, ergreift Layla das Wort. „Eigentlich haben wir abgemacht, dass ich hier einziehe, sobald der Vertrag unterschrieben ist.“

„So hatten wir das besprochen.“

„Ich tue es aber erst, wenn diese Farce offiziell ist.“

„Baby, wenn du deine Unterschrift auf die gepunktete Linie gesetzt hast, ist sie offiziell.“

„Das ist sie erst, wenn ich einen Verlobungsring an meinem Finger trage, du Idiot.“ Sie hält ihren rechten Ringfinger in die Höhe.

Ich kann nicht anders und schmunzele vor mich hin.

„Uh-uh!“, höre ich Jeremy amüsiert sagen und wende mich direkt an ihn.

„Halt die Klappe, du Mistkerl!“

Abwehrend hält er die Hände in die Luft. Er denkt, ich mache das zum Spaß. Aber hier geht es um meine finanzielle Zukunft. Nicht nur, dass ich in die Firma meines Vaters einsteigen muss, es wird sich auch noch eine Frau in meiner Wohnung einnisten.

„Also gut, dann pass mal gut auf. Meine Eltern befinden sich zurzeit in Miami und sind in ein paar Tagen wieder in Houston. Dann werden sie von unserer Beziehung erfahren und davon, dass wir heiraten wollen.“ Mein Blick wandert rüber zu Jeremy, der von Trish vollkommen fasziniert zu sein scheint. Ich schüttele den Kopf. „Wir müssen uns noch eine Geschichte einfallen lassen, wie wir uns kennengelernt haben. Stimmt’s Jeremy?“

Ich starre ihn weiterhin an, aber er reagiert nicht darauf. „Stimmt’s Jeremy?“, frage ich eindringlicher, aber er reagiert immer noch nicht.

Mit der Faust schlage ich auf seinen Oberarm, und erst jetzt scheint er zu registrieren, dass ich mit ihm geredet habe. „Was ist?“, krächzt er und reibt mit seiner Hand über die Stelle, auf die ich geschlagen habe.

„Mann! Was starrst du sie so an? Du bist meinetwegen hier und nicht, um Frauen aufzureißen“, flüstere ich ihm zu.

„Einen tollen Anwalt hast du da“, bemerkt Layla. „Voll und ganz bei der Sache. Ihr zwei seid wie füreinander geschaffen.“

„Sorry, ich wurde kurz abgelenkt. Was hast du gesagt?“, fragt Jeremy.

Manchmal frage ich mich, wie er so ein guter Anwalt geworden ist, wenn er sich von attraktiven Frauen so einfach ablenken lässt. Ich rolle mit den Augen und wende mich kopfschüttelnd an Layla. Ich habe das Bedürfnis, mit ihr allein zu sein, um ein paar Dinge klarzustellen. „Kann ich dich kurz unter vier Augen sprechen?“ Ich stehe auf und stelle mich neben sie.

Ihr Blick wandert zwischen ihrer Freundin und mir hin und her, dann nickt sie mir aber zu und erhebt sich zögernd vom Sessel. Mit der Hand zeige ich auf den Balkon und lasse ihr den Vortritt. Wir gehen hinaus und ich schließe die Tür hinter mir, während sie stehen bleibt und mich verwirrt ansieht. „Bitte, setz dich“, sage ich und deute auf einen der Stühle.

Sie presst die Beine zusammen und setzt sich, elegant, wie es sich für eine Dame gehört, auf den Stuhl. Meine Augen gleiten von ihren Füßen über ihre Beine hinauf zu ihrem Gesicht und verweilen dort für einen Moment, bis ich mich selbst setze. Auf der Stelle bekomme ich einen trockenen Mund.

„Warum dieses Gespräch unter vier Augen?“

„Hör zu, ich weiß, es wird nicht leicht für uns, aber meinst du nicht auch, dass wir uns wie zwei erwachsene und zivilisierte Menschen miteinander unterhalten sollten?“

Sie verschränkt die Arme, schwingt anmutig ein Bein über das andere und hebt eine Augenbraue. „Unterhalten? Zivilisiert?“

Ich kann nicht anders und folge ihrer Bewegung. Gott, diese Beine. „Ja“, antworte ich.

Sie lacht kurz auf. Ein spöttisches Lachen. „Zivilisiert? Dazu bist du doch gar nicht imstande. Das Einzige, was du gut kannst, ist …“

„Warum denken das alle von mir?“, unterbreche ich sie, weil ich genau weiß, worauf sie hinauswill. Ich habe nun mal ein schlechtes Image und bin der Sohn eines Millionärs. Nur sehr wenige wissen, wie es tief in mir drinnen aussieht und warum ich so bin. Genauer gesagt wissen es nur zwei: Luke und Jeremy. Weder meine Familie noch irgendein anderer aus meinem „entfernten Freundeskreis“ weiß, warum ich nur One-Night-Stands habe und keine feste Bindung eingehe. Eine Frau und ihr verräterisches Verhalten ist daran schuld, und das, was ich damals durchgemacht habe, will ich nie wieder erleben.

„Weil du das repräsentierst?“, kontert sie. „Oder tust du nur so?“

Ich sehe sie an, sie kneift die Augen zusammen und neigt dabei leicht den Kopf. „Finde es doch heraus.“ Ich spiegele ihre Geste.

Sie hebt abwehrend die Hände. „Nein danke.“

Ich stehe auf und setze mich auf den Stuhl neben ihr. Sofort weicht sie zurück und geht in die Defensive.

„Warum nicht?“, frage ich mit leiser, sanfter Stimme und lehne mich näher zu ihr. „Hast du vor irgendetwas Angst?“

Sie mustert mich eindringlich, und ich sehe, wie ihr die Röte ins Gesicht steigt und sie anfängt, zu blinzeln. „Ich … Ich habe … ähm … Ich habe vor nichts Angst, Palmer. Und vor dir schon gar nicht.“

Natürlich. Deswegen wirst du rot und stotterst. Ich sehe ihr tief in die Augen, und sie richtet daraufhin ihren Blick auf ihren Schoß, auf dem sie ihre Hände ineinanderlegt. Sie ist so atemberaubend schön, wenn sie verlegen ist. Wohl doch nicht die starke Frau, die sie sonst repräsentiert. Anscheinend spürt sie noch immer meinen Blick auf sich, denn sie hebt langsam den Kopf, um mich anzusehen. Für ein paar Sekunden halten wir den Blickkontakt, und aus unerklärlichen Gründen beginnt mein Herz, wie verrückt zu schlagen, und auch ihre Atmung wird schwerer.

Noch bevor ich weiterreden kann, steht sie schnell auf, streicht ihren Rock glatt und geht wieder zurück in meine Wohnung. Ich mache sie nervös, und sie wird bestimmt alles tun, um sich vor mir zu schützen.

Nach einer Dreiviertelstunde ist unser Gespräch beendet. Mir ist neulich im Restaurant aufgefallen, dass sie eine freche Zunge hat, aber vorhin habe ich gemerkt, dass sie auch nervös und still sein kann. Hoffentlich hält sie ihre Zunge im Zaum, wenn wir unter Menschen sind. Obwohl … es gefällt mir, dass sie sich verbal wehren kann. Das ist richtig sexy.

Layla und Trish stehen auf und verabschieden sich von Jeremy und mir. Oh, die wollen aber schnell hier raus. Ich hatte gehofft, ihr noch kurz die Wohnung zeigen zu können.

Als Layla mir den Rücken kehrt, wende ich mich an Jeremy und bedeute ihm mit den Augen, dass er sich verpissen soll, damit ich ein wenig mit ihr allein bin. Er scheint aber ein wenig schwer von Begriff zu sein, denn er geht in die Küche, öffnet den Kühlschrank und holt sich eine Flasche Bier heraus.

An der Tür greife ich nach Laylas Arm, wirbele sie herum, sehe ihr in die Augen und bitte sie, noch kurz zu bleiben.

Ihr Blick wandert runter zu meiner Hand, die ihren Arm fest umklammert. Sie sieht mich wieder an. „Finger weg.“

„Deinen Arm darf ich anfassen.“

„Nur bei öffentlichen Anlässen.“ Sie entzieht ihn mir. „Und das hier …“, mit ihrem Finger zeigt sie auf uns, „… ist kein öffentlicher Anlass. Also behalte deine Hände gefälligst bei dir.“

Vor nicht mal fünf Minuten war sie noch still wie ein Grab, nun lässt sie ihrer Zunge wieder freien Lauf. Ich mag das. Sehr sogar.

Sie wendet sich von mir ab und geht zu Trish in den Fahrstuhl. Den Rücken mir zugewandt, bleibt sie neben ihrer Freundin stehen, während die Fahrstuhltüren langsam zugleiten.

Jeremy lehnt sich sichtlich amüsiert an der Wand an, kratzt sich mit dem Finger über die Stirn und hebt die Flasche Bier hoch. „Oh, oh, Chris. An ihr wirst du dir die Zähne ausbeißen. Die kriegst du nicht so leicht rum.“

„Denkst du?“

„Ja, das denke ich.“ Er stößt sich von der Wand ab und kommt auf mich zu. „Ich wünsche dir viel Spaß. Die wird nicht in deinem Bett landen.“

Das werden wir noch sehen. Bisher konnte mir keine Frau widerstehen, und Layla wird bestimmt nicht die Erste sein, die damit anfängt. Diese Trophäe werde ich erhalten, und sie wird einen Ehrenplatz bekommen, sobald ich sie in meinen Händen halte.

Kapitel 8

Layla

Drei Tage ist es nun her, dass ich bei Christopher war und den Vertrag unterschrieben habe. Sein Anwalt hat mir eine Kopie zukommen lassen, die ich in einem gesonderten Ordner abgeheftet habe.

Ich fahre meinen Computer runter und schaue auf mein Handy. Ich habe überhaupt nicht gemerkt, dass es schon nach neunzehn Uhr ist, so vertieft war ich in die Unterlagen für den morgigen Prozess. Die Fragen für Mrs. Jones fertigstellen, dann die für Mr. Jones, mein Eröffnungs- und Schlussplädoyer und die Liste mit den Vermögensforderungen. Bestimmt wird die Presse auch im Gerichtssaal anwesend sein. Immerhin sind die beiden keine Unbekannten in Houston, denn er ist Eigentümer einer großen Tankstellenkette, die sich über die gesamten Südstaaten erstreckt.

Ich verlasse das Büro und fahre mit dem Fahrstuhl ins Erdgeschoss, um mir ein Taxi zu rufen, da mein eigener Wagen in der Werkstatt ist. Ich trete aus dem Fahrstuhl und durchquere den Empfangsbereich, bleibe aber abrupt stehen.

Das kann nicht wahr sein! Chris steht da, mit der einen Schulter gegen die Wand gelehnt, die Arme vor seinem Oberkörper gekreuzt, den Kopf leicht gesenkt. Seine Haare fallen ihm ins Gesicht und er sieht in seiner schwarzen Jeans und Lederjacke heiß aus.

In meinen Gedanken stelle ich mir vor, wie ich vor ihm stehe, zu ihm aufsehe und ihm seine Haare aus dem Gesicht schiebe. Er sieht mich mit seinen leuchtenden hellblauen Augen an, hebt seine Hände und legt sie auf meine Hüften, um mich an sich zu ziehen. Unsere Körper berühren sich und ich kann seinen muskulösen Oberkörper durch das Hemd spüren. Langsam beugt er sich herab und legt die Lippen auf meine, um mir einen sanften, zärtlichen Kuss zu geben. Mit den Händen wandere ich über seinen Bauch zu seiner Brust, und meine Finger streichen über die nackte Haut, die durch sein aufgeknöpftes Hemd sichtbar ist.

Plötzlich höre ich ein Räuspern, blinzele mehrmals und diese schöne Fantasie zerplatzt wie eine Seifenblase. Ich beiße mir auf die Unterlippe, als Chris auf mich zu geschlendert kommt. Das Herz pocht mir bis zum Hals.

„Was machst du hier?“ Meine Stimme ist so leise, dass ich sie selbst kaum wahrnehme.

„Ich wollte dich zum Abendessen abholen.“

„Ich wusste nicht, dass wir verabredet sind.“ Erst höre ich drei Tage nichts von ihm, dann taucht er auf einmal hier auf und will mit mir essen gehen.

„Das steht im Vertrag, Baby. Außerdem wird es langsam Zeit, dass wir der Presse ein paar gute Bilder liefern.“

„Oh! Natürlich. Christopher Palmer, der Sonnyboy, der sich von seinem Junggesellenleben verabschiedet.“

Schmunzelnd schüttelt er den Kopf und kommt näher, bis er direkt vor mir steht. Er hebt die Hand und legt zwei Finger unter mein Kinn, um meinen Kopf zu heben, sodass ich ihm direkt in die Augen sehen muss. Langsam beugt er sich zu mir herunter. Ein heftiges Kribbeln fährt durch meinen Körper und ich beiße mir unbewusst auf die Unterlippe.

Ich nehme seinen Geruch wahr, meine Atmung stockt und meine Knie werden butterweich. Es ist ein schwerer, holziger Duft, der nur so nach Sex schreit. Ich spüre, wie es zwischen meinen Beinen heftig pulsiert. Nimm mich, würde ich am liebsten sagen, aber ich kann es nicht und darf es nicht. Wenn ich zulasse, dass er die Macht über mich gewinnt, wird er mich genauso benutzen wie alle anderen Frauen auch. Ich will nicht auch noch eine Medaille in seiner endlosen Sammlung sein.

Er kommt näher und hält inne. Unsere Nasenspitzen berühren sich dabei. „Ein paar Paparazzi haben meinen Wagen entdeckt und stehen vor dem Gebäude“, raunt er und bringt mit seiner rauen Stimme mein Herz zum Rasen. „Also tu mir den Gefallen und wirke so verliebt wie möglich.“

„Okay“, murmele ich, weil ich im Moment zu mehr nicht in der Lage bin.

Chris nimmt meine Hand fest in seine und gemeinsam gehen wir auf den Ausgang zu. Diese Berührung jagt Hitze durch meinen Körper. Ich schaue zu ihm auf und wünsche mir, dass wir uns nach all den Jahren unter anderen Bedingungen über den Weg gelaufen wären, nicht aufgrund einer Scheinehe.

Wir betreten die Straße und auf einmal wird es hell um uns herum. Die Blitzlichter der Kameras sind kontinuierlich auf uns gerichtet, man hört nur das ständige Auslösen der Kameras und die Rufe der Paparazzi, die fragen, wer ich bin und ob wir ein Paar sind.

Chris ignoriert sie, nimmt mich schützend an seine Seite und bahnt sich einen Weg durch die Menge, direkt zu seinem Wagen. Ich bin ihm dankbar dafür und finde es süß von ihm. Er hätte mich auch den Hunden zum Fraß vorwerfen können. Aber er hat es nicht getan, und das rechne ich ihm hoch an. Ein Funken Hoffnung leuchtet auf, dass es vielleicht doch angenehme sechs Monate werden können, in denen wir zivilisiert miteinander umgehen.

Sein weißer Lamborghini steht am Straßenrand. Er öffnet mir die Flügeltür und ich rutsche auf den Beifahrersitz, höre nur noch, wie er sich an die Paparazzi wendet und laut sagt: „Würdet ihr mir und meiner Freundin bitte unsere Privatsphäre lassen?“

Jeder kennt das Gefühl, wenn man vor Scham im Erdboden versinken möchte, und genau das würde ich jetzt gern tun. Mir ist bewusst, dass die Paparazzi es erfahren müssen, aber doch nicht so! Ich spüre, wie mein Gesicht heiß wird, und drehe meinen Kopf, um mich vor ihnen zu schützen.

Chris rutscht auf den Fahrersitz, drückt mit seinem Zeigefinger auf einen Knopf und startet den Motor. Ich liebe dieses tiefe Brummen, wenn der Motor eines Sportwagens zum Leben erwacht.

„Was ist das für ein Wagen?“

„Ein Aventador. Das Luxusmodell unter den Lamborghinis.“

War ja klar. Er würde doch nicht irgendeinen Lamborghini fahren.

„Hast du schon mal in einem Sportwagen gesessen?“

„In einem Porsche.“

„Hast du da drinnen schon mal gevögelt?“

„Hast du hier drinnen schon mal gevögelt?“ Wenn er mir eine blöde Frage stellt, dann bekommt er direkt eine hinterher.

Er grinst mich an, woraus ich schließe, dass er es getan hat. Habe ich auch nicht anders erwartet. Doch dann schüttelt er den Kopf. „Noch nicht. Aber ich hoffe, ich werde es bald tun.“ Er hebt den Kopf und schaut nach oben. „Obwohl … ich müsste das Verdeck abnehmen, sonst ist es zu eng und unbequem“, ergänzt er. Ein verschmitztes Grinsen erscheint auf seinen Lippen und er zuckt mit den Augenbrauen.

Was will er damit … Ooooh! Er meint mich!

„Hahaha!“ Mit dem Handrücken schlage ich auf seinen Oberarm und tue so, als würde ich mich über seine Bemerkung amüsieren. Abrupt werde ich dann ernst und hebe die Augenbrauen. „Niemals.“

„Sag niemals nie, Baby.“ Er legt den Gang ein und fädelt sich in den Verkehr ein. Das wurde auch Zeit, denn von dem Blitzlichtgewitter der Fotografen tun mir die Augen weh.

„Doch, tue ich. Ich bin nicht wie die anderen Frauen, die sich um dich scharen, um schnellen Sex zu bekommen.“

Er legt seine Hand aufs Herz, runzelt die Stirn und legt den Kopf gegen die Kopfstütze. „Aua! Das tut weh!“

„Och! Das tut mir aber leid. Habe ich dein Ego verletzt?“, frage ich und streiche spielerisch über seinen Oberarm.

Wow! Seine Muskeln sind so fest, da wünscht man sich doch glatt, ihm das Hemd auszuziehen und seinen nackten Oberkörper zu begutachten. Nichtsdestotrotz ist er ein blöder egoistischer Idiot. Aber ein süßer Idiot. So, wie er heute aussieht und vorhin reagiert hat, könnte ich mich glatt in ihn verlieben. Oh Gott! Wer hat diesen Gedanken in mein Gehirn gepflanzt?

Nein, nein, nein! Das darf nicht passieren. Bloß nicht. Sosehr mich seine Anwesenheit auch aus dem Konzept bringt, muss ich mir immer wieder vor Augen führen, dass er die Gesellschaft von Frauen nur dann möchte, wenn er sie ins Bett kriegen will.

An einer roten Ampel bleibt er stehen und sieht mich an. Sein Blick ist so intensiv, dass ich das Gefühl habe, er würde sich jeden Moment auf mich stürzen. Will ich das? Herrgott, ja. Ich will seine Lippen auf meinen spüren, seine Fingerspitzen auf meiner überhitzten Haut, sein Geschlecht zwischen meinen Beinen spüren.

Ich schlucke schwer, reiße die Augen auf und schaue wieder durch die Windschutzscheibe. Das kann doch nicht sein, dass ich das gerade gedacht habe? Auf keinen Fall sind das meine Gedanken.

„Ich hoffe, du magst italienisches Essen?“, fragt er.

Ich schrecke auf, sehe zu ihm hinüber, wie er sich zu mir wendet und gegen die Fahrertür lehnt. Seine Augen gleiten an mir herab, schauen auf meine Tasche, die ich fest gegen meine Brust drücke, um dann wieder meinem Blick zu begegnen. Und wieder erscheint dieses Grinsen mit den Grübchen auf seinen Wangen, was mich keinen klaren Gedanken fassen lässt. Mein Herz hämmert gegen meine Rippen. Ich presse kurz die Oberschenkel zusammen, da es wieder anfängt, zwischen meinen Beinen zu pochen.

„Eigentlich mag ich alles außer Fast Food“, informiere ich ihn und schaue wieder nach vorn.

Die Ampel schaltet auf Grün, er setzt sich wieder gerade hin und fährt weiter.

Wir fahren einige Minuten und ich sitze neben ihm und schweige wie ein Grab. Ich habe absolut keine Ahnung, worüber ich mich mit ihm unterhalten soll. Außerdem bringt mich seine Gegenwart komplett aus dem Konzept. Er sitzt so nah bei mir, dass ich seinen Geruch wahrnehmen kann. Ich atme ihn tief ein und schließe die Augen, wenn ich wieder ausatme.

Ab und zu werfe ich einen Blick auf Chris und beobachte, wie er mal in den Rückspiegel schaut, um die Spur zu wechseln, oder nach vorn auf die Straße blickt. Ich glaube, ein- oder zweimal hat er mich aus dem Augenwinkel angesehen. Ich denke, er hat gemerkt, dass ich ihn beobachte. Mist! Warum muss er auch so unverschämt gut aussehen. Jede Frau würde ihren Hals verdrehen, nur um ihn zu begaffen, und er ist sich seiner Wirkung auf Frauen durchaus bewusst.

„Wohin fahren wir?“, erkundige ich mich, um der Stille ein Ende zu bereiten.

Er wirft mir einen schnellen Blick zu, lächelt und schüttelt den Kopf.

„Ach, komm schon, Palmer! Ich hasse es, wenn ich im Ungewissen bin.“ Verdammter Kerl! So etwas hasse ich. Ich denke, wenn wir unser Ziel erreicht haben, werde ich ihm ein paar Sachen erklären müssen, damit er weiß, woran er bei mir ist. Sachen, die ein absolutes No-Go sind, und Sachen, die ich gern mache.

Ich schaue aus dem Fenster und versuche, mich zu orientieren, doch leider schaffe ich es nicht. Diese Gegend ist mir unbekannt. Chris fährt auf einen Parkplatz, und dann sehe ich, welches Restaurant er ansteuert: ein kleines italienisches Restaurant etwas außerhalb vom Zentrum.

„Seit wann gehst du in so gewöhnliche Restaurants? Ich dachte, jemand aus deinen Kreisen bevorzugt das Four Seasons mit table cooking oder so. Ein Fünf-Gänge-Menü mit besonderen und seltenen Delikatessen, dazu den besten und teuersten Wein der Welt.“

„Vielleicht wird es dich schockieren, aber manchmal bevorzuge ich auch ein ganz normales Lokal.“ Er dreht sich zu mir herum und legt den Arm auf die Kopfstütze meines Sitzes. Ganz langsam beugt er sich zu mir herüber, und mein Herz, beginnt auf der Stelle wie verrückt zu rasen.

Meine Augen checken die Gegend ab, aber weit und breit keine Paparazzi zu sehen. Ich richte meinen Blick wieder auf ihn. Seine hellblauen Augen haben mich fixiert, halten mich fest und sorgen dafür, dass ich stockend einatme und zittere.

Er legt die Finger unter mein Kinn und streicht mit seinem Daumen über meine Unterlippe. Bestimmt hat er gemerkt, wie mein Körper auf seine Anwesenheit reagiert.

Ich halte den Blickkontakt und rede mir ein, dass er gleich seine Verführungskünste einsetzen wird, um mich herumzukriegen. „Normal? Du willst also keinen guten Eindruck bei mir hinterlassen?“, rutscht es so aus mir heraus.

Ein schiefes Grinsen erscheint auf seinen wundervoll geformten Lippen. „Baby, ich würde gerne woanders einen guten Eindruck bei dir hinterlassen.“

War ja klar, dass das kommt. Habe ich auch nicht anders erwartet. Ich schlage seine Hand weg, weiche zurück und lehne mich dabei gegen die Wagentür. „Erstens bin ich nicht dein Baby und zweitens kannst du es ja mal versuchen. Ich denke, die Mediziner haben mittlerweile einen Gips für Schwänze konstruiert.“

So! Damit habe ich mich wohl klar und deutlich ausgedrückt. Laut lachend lehnt er sich in seinem Sitz zurück, ich kreuze meine Arme vor der Brust und hebe eine Braue. „Du willst es wirklich darauf ankommen lassen?“

Er lacht weiter und schüttelt ständig seinen Kopf, als er sich an mich wendet. „Wie kann eine Frau, die so intelligent und hübsch ist, so ein Mundwerk haben?“

„Jahrelanges Training, mein Lieber. Nur so kann ich mir Typen, wie du einer bist, vom Leib halten.“

„Dann bin ich gespannt, wie lange dein Widerstand anhält.“ Er löst seinen Gurt, öffnet die Tür und steigt genau so elegant aus, wie er vorhin eingestiegen ist. Dabei sorgt er dafür, dass sein knackiger Hintern besonders in den Vordergrund rutscht.

Mein Gott! Was für ein toller Arsch! Ich frage mich, wie es sich wohl anfühlen würde, wenn ich mit meinen Händen darübergleite. Eine Vision von ihm auf mir erscheint vor meinem geistigen Auge und mein Herz beginnt schneller zu schlagen: Meine Hände liegen auf seinem Hintern, die Finger bohren sich in sein Fleisch und drücken ihn immer fester an mich. Ich seufze.

Plötzlich geht die Beifahrertür auf. Chris streckt mir seine Hand entgegen, ich nehme sie und dann passiert es wieder. Das Kribbeln, das bereits vor nicht mal einer halben Stunde durch meinen Körper gefahren ist, durchfährt mich erneut und ich kann es in jeder Zelle spüren. Er zieht mich aus dem Auto, ich stolpere und pralle mit meinem Körper gegen seinen. Ein Arm legt sich um meine Taille, hält mich fest und bewahrt mich vorm Fallen. Ich schnappe nach Luft, und beginne, zu zittern. Das Herz schlägt mir bis zum Hals.

Ich richte meinen Blick auf seine Lippen, da ich mich nicht traue, ihm in die Augen zu sehen. Seine Hand spreizt sich auf meinem Rücken und drückt mich näher zu sich heran, sodass meine Brust an seiner ruht. Meine Atmung wird schwerer und mein Herz klopft immer schneller in meiner Brust. Er ist zu nah, und ich befürchte, dass er merkt, was dieser Kontakt bei mir auslöst.

Das Einzige, was ich höre, ist seine raue, leise Stimme, die mich wieder ins Hier und Jetzt zurückholt, aber gleichzeitig auch dafür sorgt, dass sich eine Gänsehaut über meinem Körper ausbreitet. „Du kannst dir nicht vorstellen, was ich für einen Hunger habe.“

Wir sitzen an einem kleinen Tisch draußen auf der Terrasse. Chris hat sich Pasta bestellt und ich mir gegrillten Fisch mit Gemüse. Während ich mir einen Wein gönne, trinkt Chris Wasser. Es ist das erste Mal, seit ich ihn wiedergetroffen habe, dass er Verantwortung zu übernehmen scheint.

„Trinkst du keinen Alkohol?“

Er legt die Gabel auf den Tisch und hebt seinen Kopf. Sein eindringlicher Blick hält mich gefangen. Ich verliere mich in seinen hellblauen Augen und Gänsehaut breitet sich über meinem ganzen Körper aus. Jetzt wäre der geeignete Zeitpunkt, sich rüberzulehnen und ihn zu küssen, meine Arme um seinen Nacken zu schlingen und ihn so nah an mich zu drücken, wie er es vorhin getan hat. Meine Zunge könnte in seinen Mund eintauchen, um sie genüsslich an seiner zu reiben.

„Layla?“

Seine Stimme lässt mich aufschrecken, sodass mir Messer und Gabel aus der Hand fallen. „Was?“

„Baby, wo bist du mit deinen Gedanken?“ Er grinst schelmisch, und ich weiß genau, dass er nicht nur meine Gedanken erraten hat, sondern auch gemerkt hat, wie verträumt ich ihn angestarrt habe.

„Ach! Ich denke nur über die morgige Verhandlung nach.“ Gut gerettet. „Was dachtest du denn?“

„So, wie du mich angestarrt hast, dachte ich, du würdest mich statt des Fisches essen.“ Er greift nach seinem Wasser, nimmt einen kräftigen Schluck und leckt sich dann mit der Zunge über die Lippen. Dieser Bastard macht das absichtlich.

Ich schlucke den Knoten in meinem Hals herunter und versuche dabei, meine innere Schutzmauer um eine weitere Schicht zu erhöhen, weil sie mit jedem Blick von ihm Risse bekommt. „Du denkst wirklich, dass du jede Frau rumkriegen kannst, wenn du deinen Charme spielen lässt, nicht wahr?“

„Einen Versuch ist es wert.“

Es wird Zeit, die Fronten zu klären, um mich zu schützen. Ich rücke ein wenig näher an ihn heran, strecke meine Hand aus und lege sie auf seine Stuhllehne. Er sieht mich an und diese blöden Schmetterlinge treiben wieder Unfug in meinem Bauch. Seine Augen werden mein Untergang sein. Sie haben die Gabe, mich komplett aus dem Konzept zu bringen.

Was wollte ich tun? Stimmt. Die Fronten klären.

„Hör zu“, beginne ich, halte dann aber inne und er schließt die Augen. „Ich bin keines von deinen Schmusekätzchen, die sich auf den Rücken legen und schnurren, wenn sie unter dir liegen.“ Mein Finger gleitet über seine Schulter. Ich warte, bis er die Augen wieder öffnet und sein Blick dem meinen begegnet. „Dieses Kätzchen hier“, ich zeige auf mich, „kratzt und beißt.“

So! Ich hoffe, er hat die Message kapiert. Zufrieden lehne ich mich wieder zurück.

Er lächelt, atmet tief ein, legt seinen Ellbogen auf den Tisch und kommt näher an mich heran. Zu nah für meinen Geschmack. Sein Gesicht ist nur ein paar Zentimeter von meinem entfernt. Seine Augen bohren sich in meine und drohen, mich zu verschlingen. Sein Grinsen wird breiter, und kleine Lachfältchen bilden sich um seine Augen, die unheimlich süß aussehen. Ein paar schwarze Strähnen bedecken seine Stirn, und ich würde sie am liebsten zur Seite schieben, damit ich sein perfektes Gesicht besser sehen kann. Er neigt seinen Kopf, und ich spüre seinen warmen Atem auf meiner Wange, der mir am ganzen Körper Gänsehaut beschert.

Ich warte auf irgendeinen sexistischen Kommentar, doch es kommt nichts. Er ist still und sieht mich nur an. Mit seiner Hand schiebt er eine Strähne hinter mein Ohr und streicht ganz sanft über meine Haut, was ein Kribbeln in meinem gesamten Körper auslöst.

„Selbst ein wildes Kätzchen lässt sich zähmen“, flüstert er mit rauer Stimme und zieht sich wieder zurück.

Kaum merklich schüttele ich den Kopf und schürze die Lippen. So einfach wird er nicht lockerlassen, da bin ich mir sicher. Ich greife nach meiner Tasche, lege sie auf meinen Schoß und hole mein Handy heraus, um mir ein Taxi zu rufen. Als ich ihn wieder ansehe, zaubere ich ein zuckersüßes Lächeln auf mein Gesicht. „Ich muss gehen. Danke fürs Abendessen.“

Chris sitzt weiterhin lässig auf seinem Stuhl und ich erhebe mich von meinem. Ich entferne mich ein paar Meter vom Tisch, bleibe aber stehen, da ich seine Stimme höre. „Du wirst schwach werden, noch bevor wir vor den Standesbeamten treten.“

„An deiner Stelle würde ich diese Wette nicht eingehen, Palmer. Du wirst sie nämlich verlieren“, verkünde ich, ohne mich umzudrehen und ihn eines weiteren Blickes zu würdigen. Jedoch bin ich mir sicher, dass er in diesem Moment sehr amüsiert über meine Aussage ist.

Kapitel 9

Christopher

Ich sehe ihr nach, wie sie sich weiter vom Restaurant entfernt, und kann nicht aufhören zu grinsen. Mit ihrem Mundwerk wird sie mich an den Rand des Wahnsinns treiben, aber das ist es wert. Sie ist die erste Frau, die mir begegnet ist, die sich mir nicht zu Füßen wirft, die sich nicht von meinem Charme einwickeln lässt und die mir Paroli bietet, wo immer sie nur kann.

In einem Punkt hat sie recht. Sie ist kein Kätzchen, sondern eine Löwin, die ich unbedingt zähmen möchte. Fuck! Ich will sie. Seit ich sie an jenem Abend wiedergesehen habe, will ich sie für mich haben. Ich denke, es wird ein langer und steiniger Weg, bis ich sie so weit habe, aber zum Schluss wird er sich lohnen. Dessen bin ich mir ganz sicher.

Zurück in meiner Wohnung gehe ich durch den Wohnraum zum Balkon, setze mich auf die Bank, lege die Beine auf den Tisch und denke über ihre Worte nach. Sie ist nicht der Typ, der für eine kurze, heiße Affäre benutzt werden möchte. Layla ist der Typ Frau, der begehrt, geliebt und verehrt werden will. Wenn ein Mann so eine Frau an seiner Seite hat, sollte er alles tun, was in seiner Macht steht, um sie für immer bei sich zu behalten.

Leider bin ich nicht so ein Mann. Ich weiß nicht, ob ich jemals wieder eine Frau so nahe an mich heranlassen kann, da die Wunden von damals noch sehr tief sind. Aber ich will sie in meinem Bett haben, und das jede Nacht. Wenn es möglich ist, sogar für immer.

Abrupt setze ich mich gerade hin. Moment mal! Es kann doch nicht sein, dass ich das gerade gedacht habe. Ich schüttele den Kopf, um diesen Gedanken schnell wieder loszuwerden. Noch nie habe ich mit einem meiner … wie nannte sie meine One-Night-Stands doch gleich, „Schmusekätzchen“ … in meinem eigenen Bett Sex gehabt. Das ist eine Regel, die ich mir selbst auferlegt habe, denn Frauen haben das Gefühl, dass sie „mehr“ haben können, weil sie in meinem Bett waren. Der Typ für „mehr“ bin ich aber nicht. Einmal habe ich den Fehler gemacht und eine Frau aus meinem Bekanntenkreis mit nach Hause genommen. Sie dachte, sie wäre etwas Besonderes, und stellte Besitzansprüche. Als ich ihr sagte, dass es nie wieder vorkommen würde und sie nur ein Abenteuer für eine Nacht gewesen ist, ging sie wie eine Furie auf mich los.

Ich will meinen Spaß haben, solange ich kann. Eines Tages wird sowieso alles vorbei sein. So in dreißig oder vierzig Jahren.

Aber genug von mir. Kommen wir zurück zu Layla und ihrem frechen Mundwerk, das ich gern mit einem Kuss zum Schweigen bringen würde, und zwar jedes Mal, wenn sie den Mund öffnet. Was ich ebenfalls bemerkt habe, ist, dass ihr Körper anfängt zu beben, wenn ich sie berühre. Ein ganz klares Zeichen dafür, dass mein Charme nicht einfach so an ihr vorübergeht. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass sie mit ihren Gedanken woanders ist, wenn ich vor ihr stehe. Ich schmunzele vor mich hin. Sie ist auf dem besten Wege, schwach zu werden.

Ich gähne und strecke mich. Ich werde jetzt ins Bett gehen. Morgen möchte ich nämlich zur Gerichtsverhandlung gehen und Layla dabei zusehen, wie sie arbeitet, um festzustellen, ob sie im Gerichtssaal genauso schlagfertig ist, wie sie sich mir gegenüber gibt. Vorher muss ich aber dringend noch etwas besorgen.

Layla ist bereits im Gerichtssaal, als ich eintrete. Ich bleibe stehen und betrachte sie. Sie sieht umwerfend aus. Business-Anzug, die Haare zu einem Pferdeschwanz gebunden. Perfekt, um ihn um meine Hand zu wickeln und ihren Kopf nach hinten zu ziehen, ihren Hals dabei zu entblößen und mit Küssen zu bedecken. Notiz an mich: Ich sollte darauf bestehen, dass sie ihre Haare immer so trägt.

Ich gehe den Gang zwischen den Bänken entlang, bis ich ganz vorn ankomme. Sie steht mit dem Rücken zu mir und unterhält sich mit einem Kerl, der anscheinend der Anwalt der Gegenpartei ist. Er ist fast so groß wie Layla, hat einen leichten Bauchansatz, Bart und Halbglatze. Ich würde ihn auf Mitte vierzig schätzen.

Hinter ihm sitzt William Jones. Wer kennt ihn nicht? Er ist einer der reichsten Männer in Texas. Ich habe einmal mitbekommen, wie sich mein Vater bei einem Abendessen mit einem Freund über Jones und seine Affären unterhalten hat.

Der Kerl verstummt urplötzlich und deutet mit seinem Kopf auf mich. Layla dreht sich um, reißt ihre braunen Augen auf und starrt mich durch ihre Brille hinweg an. Die von damals war groß und rund, hatte einen dicken Rahmen und passte überhaupt nicht zu ihr. Aber die, die sie heute aufhat, ist kleiner, rahmenlos, eckig und macht sie irgendwie sexy. „Chris? Was machst du hier?“

Ich bedeute ihr mit einer Kopfbewegung, dass ich sie unter vier Augen sprechen möchte. Wir entfernen uns ein Stück von dem Kerl, der mich komisch anguckt. Damit ich den Anwesenden hier das Gefühl der Vertrautheit zwischen uns übermitteln kann, greife ich nach ihrer Hand, die sie mir, Gott sei Dank, nicht entzieht. Ganz im Gegenteil. Ich denke, sie mag das. Irgendwie.

„Ich bin hier, um meine zukünftige Frau zu unterstützen“, flüstere ich.

„Sicher! Ich brauche keine Unterstützung. Und erst recht nicht von dir. Ich bin kein kleines Mädchen, Chris.“ Wir stehen so nah beieinander, dass ich ihren warmen Atem an meinem Gesicht spüren kann.

„Nun, Jones ist nicht gerade ein unbekannter Mann in Texas und …“

„Ooh! Natürlich“, fällt sie mir ins Wort. „Die Reporter, die draußen warten. Richtig. Sie müssen uns zusammen sehen und fotografieren.“ Sie schürzt ihre Lippen und nickt leicht dabei. Mit einer Hand nimmt sie ihre Brille ab, steckt den Bügel in den Mund und knabbert daran.

Sie so zu sehen, macht mich an. Grundgütiger! Was stellt diese Frau mit mir an? Ich rücke etwas näher an sie heran, sodass mein Körper ihren fast berührt, greife nach ihren Haaren und lasse sie durch meine Finger gleiten. „Aah! Wie ich sehe, hast du auch ein Gehirn in deinem hübschen Kopf, das arbeiten kann, und besitzt nicht nur ein reizvolles Äußeres.“

„Ein Wunder, nicht wahr? Im Gegensatz zu deinem arbeitet meines jedenfalls auf Hochtouren.“

Mit ihrer kecken Art bringt sie mich zum Schmunzeln, und langsam gefällt es mir, sie noch ein wenig mehr zu reizen.

Ihre Augen schauen über meine Schulter, und da ich ein neugieriger Mensch bin, folge ich ihrem Blick. Fünf Damen kommen herein und setzen sich in die letzte Reihe. Eine von ihnen nickt Layla zu und sie erwidert die Geste. Vielleicht sind es Kolleginnen aus der Kanzlei.

„Herrschaften? Können wir beginnen?“, hören wir die Stimme des Richters, während er sich auf seinen Platz setzt.

Layla geht zu ihrem Stuhl, der sich neben dem von Mrs. Jones befindet, wendet sich an den anderen Anwalt und wünscht ihm viel Glück, bevor sie sich neben ihre Klientin setzt. Es hat sich richtig gehässig angehört. Ich denke, Layla hat bestimmt ein Ass im Ärmel, und irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass die fünf Damen etwas damit zu tun haben.

Die Verhandlung beginnt, und Layla ist die Erste, die zu Wort gebeten wird. Sie erhebt sich und erklärt dem Richter, wie lange das Paar verheiratet war und dass sie das Vermögen zusammen erwirtschaftet haben. Mrs. Jones war eine treue, aufopfernde Ehefrau und Mutter. Sie hat die drei gemeinsamen Kinder großgezogen, während ihr Ehemann bis spät abends im Büro saß und sich nicht nur auf die Arbeit gestürzt, sondern sich auch mit seinen Sekretärinnen befasst hat. Bei Familienfeiern und den Geburtstagen seiner Enkelkinder war er nie anwesend, weil er sich lieber mit seiner Geliebten traf. Zum Schluss geht sie zum Richter und reicht ihm einen Zettel mit den Forderungen ihrer Klientin.

Mit einem Mal wird mir klar, dass ich, obwohl es immer Differenzen gab und mit Sicherheit geben wird, einen tollen Vater habe. Er hat nie irgendeinen unserer Geburtstage verpasst, war an jedem Feiertag anwesend. Die Schulferien haben wir immer gemeinsam verbracht, solange ich auf der Highschool war. Meine Mutter hat sich nicht ein einziges Mal benachteiligt gefühlt und meine Schwester behandelte er wie eine Prinzessin.

Verloren in den Erinnerungen an meine Kindheit, bemerke ich nicht, dass Layla auf dem Weg zu ihrem Platz neben ihrem Stuhl stehen bleibt. Sie sieht mich an und legt den Kopf etwas schief.

Ich sehe ihr in die Augen und stelle mir vor, wie die nächsten sechs Monate mit ihr wohl aussehen werden. Sie wird jeden Tag in meiner Wohnung sein, wird mich zu Veranstaltungen begleiten, wir werden zusammen essen gehen. Sie opfert sechs Monate ihres Lebens, um mir ein gutes Image zu verpassen. Und ich will sie in mein Bett kriegen. Ich bin so gefangen in ihrem Blick, dass ich nur höre, wie Jones’ Anwalt laut zu sprechen beginnt.

„Euer Ehren, Miss Elias hat eine wundervolle Rede gehalten, aber wenn mein Mandant nicht so vertieft in seine Arbeit gewesen wäre …“ Layla murmelt etwas vor sich hin, was ihn dazu zwingt, für einen Moment innezuhalten. „… dann hätte Mrs. Jones nicht das Leben gehabt, welches sie bisher geführt hat.“

Erneut hält er inne und sieht Layla von der Seite an, was mir zeigt, dass sie wieder etwas gemurmelt hat. Er räuspert sich und wendet seinen Blick wieder dem Richter zu. „Mr. Jones“, fährt er fort und legt beide Hände auf sein Herz, „war und ist ein wundervoller, liebevoller Vater. Er ist ein angesehener Mann und hat ständig dafür gesorgt …“, er stoppt erneut, da Layla plötzlich zu husten anfängt.

Ich gluckse in mich hinein.

„Miss Elias? Geht es Ihnen gut?“, fragt der Richter. „Möchten Sie ein Glas Wasser?“

„Nein, Euer Ehren. Es geht schon, vielen Dank.“

„Dann fahren Sie fort, Mr. Prescott.“

Jones’ Anwalt holt tief Luft, sieht Layla misstrauisch an, öffnet seinen Mund, doch bevor er etwas sagen kann, meldet sich Layla zu Wort: „Kann ich Sie kurz sprechen, Herr Kollege?“

Prescott schaut zu Jones, dann rüber zum Richter und wieder zu Jones. „Einen Moment bitte, William.“ Er wendet sich zu Layla, streckt seinen Arm aus und bedeutet ihr, zum Richterpult zu gehen.

Layla schwingt die Beine zur Seite und steht mit einer Eleganz auf, die mich dazu bringt, den Atem anzuhalten. Sie legt ihre Brille auf den Tisch und geht voran, gefolgt von Prescott. Als sie vor dem Richter stehen, schaut dieser sie an, die Lippen zu einer schmalen Linie zusammengepresst. Er schaut mal den einen, mal den anderen Anwalt an und hat einen sehr strengen Gesichtsausdruck. „Was geht hier vor?“

„Euer Ehren, Miss Elias hier unterbricht mich ständig, und zwar mit Absicht“, sagt Prescott leise, aber immer noch gut hörbar, und schlägt mit der Faust auf das Richterpult.

„Mr. Prescott!“, ermahnt ihn der Richter.

„Tut mir leid, Euer Ehren.“

Der Richter beugt sich nach vorn und beginnt, mit beiden Anwälten zu reden. Dann sieht es so aus, als ob Layla das Wort ergreifen und sich an Prescott wenden würde. Sie scheint ihm etwas zu erklären, woraufhin er schwer zu atmen beginnt und seine Augen von Sekunde zu Sekunde größer werden. Er stützt die Hände in die Hüften und strafft die Schultern, hebt dabei provozierend das Kinn. „Sie bluffen doch nur!“

Laylas Blick gleitet durch den Saal und bleibt an der letzten Reihe hängen, wo sich die fünf Damen befinden. Jetzt wird mir klar, welche Rolle sie spielen. Sie sind Beweise.

Prescott schaut ebenfalls in die gleiche Richtung, und sobald er merkt, dass Layla auf die Aussagen dieser Damen zählt, presst er die Lippen zusammen, schließt die Augen und ich höre ihn fluchen.

Layla steht da, hält ihren Kopf leicht geneigt, sagt wieder etwas zu ihm und dann erscheint ein siegessicheres Lächeln auf ihrem Gesicht.

Yeah, Baby. Zeig’s dem Kerl. So arbeitet ein Anwalt. Ich lehne mich zurück und lege meine Ellbogen auf die Rückenlehne der Bank. Schultern zurück, Brust raus. Ich bin stolz auf diese Lady.

Prescott trottet zu Jones und klärt ihn anscheinend darüber auf, was Layla vorhat. Sein Mandant reißt die Augen auf, schluckt schwer, fasst an den Kragen seines Hemdes und zieht daran. Langsam wandert sein Blick zur letzten Reihe.

Layla dagegen ist die Ruhe in Person. Sie geht zurück an ihren Platz, setzt sich und hält die Hand ihrer Mandantin fest in ihrer. Nun habe ich die Gelegenheit, mir ihr Profil noch mal anzusehen. Sie hat hohe Wangenknochen und eine kleine Nase, deren Spitze abgerundet ist. Endlos lange Wimpern schmücken ihre Augen. Ihre einzelnen Gesichtspartien sind symmetrisch, was sie besonders attraktiv erscheinen lässt. Es ist mir einfach unmöglich, meine Augen von ihr zu nehmen.

Nach ein paar Minuten heißer Diskussion steht Prescott auf und verkündet dem Richter, dass sie die Forderungen der Gegenpartei doch akzeptieren.

„Die Scheidung ist in vier Wochen rechtskräftig“, verkündet der Richter nach ein paar Minuten. „Die Sitzung ist beendet.“

Die Menge erhebt sich und klatscht. Layla steht lächelnd auf, wendet sich mir zu und fällt mir um den Hals. Für einen kurzen Augenblick versteife ich mich, lege aber trotzdem meine Arme um sie und drücke sie fest an mich. Die Berührung ihres Körpers lässt mein Herz höherschlagen.

Ich grinse, senke meinen Kopf in ihre Halsbeuge und streiche mit meinen Lippen über ihre Haut. Verdammt, ist sie weich, und sie riecht so, wie im Restaurant. Nach Rosen. Ich genieße diesen Moment, denn wer weiß, wann ich wieder die Gelegenheit dazu haben werde.

Plötzlich verspannt sie sich. Ihre Umarmung lockert sich, bis sie sich von mir wegdrückt.

Bitte nicht, Baby. Es war gerade so schön, dich zu spüren. Meine Finger gleiten über ihre Oberarme zu ihren Händen, über ihre Finger, und für ein paar Sekunden habe ich das Gefühl, sie wollte mich festhalten.

Ich lächele sie an, lege meine Hand auf ihre Wange und streiche mit dem Daumen über ihre Unterlippe. Sie schnappt nach Luft und zittert. Ihr Blick begegnet meinem und mein Herz setzt ein paar Schläge aus.

„Glückwunsch“, flüstere ich ihr zu. „Ich … Ich warte draußen.“

Ihre großen braunen Augen starren mich an. Sie nickt mir zu, und ich gehe nach draußen, um auf sie zu warten.

Kapitel 10

Layla

Sieh sich einer diese Rückseite an! Seine breiten Schultern und die kräftigen Oberarme, die sich unter dem Stoff des Hemdes abzeichnen. Seine Hüften sind schmal und sein knackiger Arsch füllt die Jeans genau an der richtigen Stelle aus.

Ich kann immer noch nicht glauben, was ich vorhin getan habe. Ihn einfach so zu umarmen, ist definitiv nicht meine Absicht gewesen. Wahrscheinlich denkt er jetzt, dass ich seinem Charme nicht widerstehen kann und leicht zu haben bin. Ich muss mir aber immer wieder vor Augen führen, dass er Frauen nur für Sex benutzt und sie anschließend fallen lässt. Mehr nicht. Jedoch ist es ein unbeschreibliches Gefühl gewesen, als er mich fest in seiner Umarmung gehalten hat. Sein holziger Duft strömte durch meine Nasenflügel und setzte sich in meinem Gehirn fest.

Ich seufze.

„Gratuliere, Layla.“ Ich schrecke auf, da ich Prescotts Stimme hinter mir höre. „Sie sind wirklich ein schlauer Fuchs. Hätte nie gedacht, dass ich das mal zu Ihnen sagen würde.“ Er kratzt sich über seinen Bart. „Es war mir eine Ehre, gegen Sie zu verlieren.“

„Danke, Samuel. Es war schön, gegen Sie anzutreten“, sage ich. Und natürlich, zu gewinnen, füge ich gedanklich hinzu.

Ich verabschiede mich, packe meine Unterlagen zusammen und verlasse den Saal, um nach draußen zu gehen, wo Chris auf dem Gang und die Reporter auf der Straße auf mich warten. Als ich aus der Tür trete, sehe ich Chris, der lässig gegen die Wand gelehnt ist, die Beine an den Knöcheln überkreuzt und das Handy in der Hand. Seine Haare fallen ihm leicht ins Gesicht und versperren mir ein wenig die Sicht, um ihn genauer zu betrachten.

Noch bevor ich ihn erreiche, hebt er seinen Kopf und grinst mich an. Er drückt sich von der Wand ab, kommt mir entgegen, legt einen Arm um meine Taille und zieht mich an sich.

Überrascht schnappe ich nach Luft. „Was soll …“

Noch bevor ich die Möglichkeit habe, zu protestieren oder ihn wegzudrücken, schüttelt er den Kopf. „Ein Paparazzo steht hinter mir.“

Ich neige leicht meinen Kopf und sehe tatsächlich einen Mann mit Kamera um den Hals, der in der Empfangshalle des Gerichtsgebäudes steht.

„Also sei ein braves Mädchen und blamier uns nicht. Verstanden?“

Ich zaubere mir ein Lächeln aufs Gesicht. Zufrieden nickt er mir zu, nimmt meine Hand, verschränkt seine Finger mit meinen und wendet sich Richtung Ausgang.

Whoa! Diese Berührung gleicht einem Stromschlag. Ich spüre ihn von Kopf bis Fuß.

Natürlich sieht uns der Paparazzo. Schnell hebt er seine Kamera und beginnt, Fotos von uns zu schießen. Während ich anfange, Chris anzuhimmeln, sehe ich eine Spur Stolz in seinen hellblauen Augen. Wir gehen durch die Tür nach draußen, um auf die restliche Horde Paparazzi zu treffen, die Chris’ Namen rufen, um ein gutes Bild von ihm und mir zu bekommen.

Mit großer Mühe schaffen wir es auf die andere Straßenseite, wo ein schwarzer Jeep mit getönten Scheiben steht. Chris öffnet mir die Beifahrertür, hilft mir hinein und lässt erst jetzt meine Hand los.

Er bahnt sich einen Weg durch die Fotografen, die sich um den Wagen versammelt haben und versuchen, ein Bild von mir zu machen. Ich drehe meinen Kopf weg, und als Chris endlich einsteigt, fängt er an zu lachen. „Keine Sorge. Durch die getönten Scheiben kann man dich nicht sehen.“

„Es ist deine Schuld, wenn ich morgen auf den Titelblättern erscheine und als dein nächstes Schmusekätzchen dargestellt werde.“

„Jeremy hat einige Freunde, die freiberufliche Reporter sind, und hat ihnen schon mitgeteilt, dass wir ein Paar sind. Also reg dich nicht darüber auf und entspann dich, okay?“

„Ich werde mich erst wieder entspannen, wenn wir geschieden sind“, stoße ich aus und versuche erst gar nicht, nett zu klingen.

„Wir sind noch nicht mal verheiratet und du sprichst schon von Scheidung? Was ist bloß mit den heutigen Frauen los?“ Er schüttelt seinen Kopf und presst die Lippen zu einer schmalen Linie zusammen.

„Fahr jetzt los, oder ich öffne das Fenster und erzähle allen, dass das ein Schwindel ist.“

Er grinst – was mich aus dem Konzept bringt, weil diese kleinen Grübchen neben seinen Mundwinkel erscheinen – und startet den Motor. Vorsichtig fährt er los, damit er keinen Paparazzo überfährt.

Während wir schweigend durch die Stadt fahren, blicke ich aus dem Fenster. Jedes Mal, wenn ich durch die Straßen Houstons fahre oder von irgendwo auf sie hinabblicke, danke ich meiner Mutter, dass sie nach der Scheidung hergezogen ist. Es war für sie das Wichtigste, in der Nähe ihrer Familie zu sein. Sie wollte wieder arbeiten und hatte hier ihre Schwester, die auf mich aufpassen konnte. Da Luke ihr Sohn ist, sind wir, sozusagen, zusammen aufgewachsen. Deshalb kennt er mich besser als jeder andere.

Im Hintergrund läuft Bleeding Love von Leona Lewis und irgendwie passt der Song zu mir. Nach dieser Geschichte von vor sechs Jahren mit meinem Ex, Bruce, verlor ich jegliche Hoffnung auf die Liebe. Er hat mich so sehr verletzt, dass ich alles tat, was in meiner Macht stand, um so etwas wieder zu verhindern. Mein Herz hat sich damals in einen dicken Brocken Eis verwandelt. Das, was er an einem Abend nach einer Auseinandersetzung getan hat, war … Er ist daran schuld, dass ich mich jahrelang in mein Schneckenhaus verkrochen habe.

Doch nun passiert irgendwas. Auch wenn ich weiß, dass Chris mich aus einem bestimmten Grund so ansieht, schmilzt bei jedem seiner Blicke ein Stück Eis dahin. Er weckt etwas in mir, was ich tief in mir verborgen hatte: Sehnsucht. Verlangen.

Aber genau wie mein Ex Bruce wird er mich ausnutzen und dann zur nächsten ziehen. Um von diesem Gedanken wegzukommen, schließe ich die Augen und schüttele den Kopf. Ein tiefer Seufzer entfährt mir.

„Ist alles in Ordnung?“

Ich reiße die Augen auf, sehe Chris an, der die Stirn runzelt und mich sorgenvoll ansieht. „Ja, es ist nur …“ Unwillkürlich presse ich die Lippen zusammen. „Es war ein harter Tag.“

Ohne mir zu antworten, schaut er wieder auf die Straße. Ich sehe ihn aus den Augenwinkeln an. Seine Finger umfassen das Lenkrad mit einer lockeren Art, so, als wäre er mit einem in der Hand auf die Welt gekommen. Den anderen Arm stützt er an der Tür ab, seine Hand liegt auf seinen Haaren.

Mit einem Mal werde ich ein wenig neidisch auf die Frauen, die ihn anfassen dürfen. Die ihn küssen und seinen einzigartigen Geruch einatmen dürfen. Ich würde ihn gern anfassen, und zwar nicht nur als seine Fake-Ehefrau. Aber das wird wohl nie passieren, weil er seinen bisherigen Lebensstil mit Sicherheit nicht aufgeben wird.

Plötzlich wendet er seinen Kopf, seine Augen blicken in meine und sorgen dafür, dass das passiert, was ich eigentlich nicht will. Mein Herz beginnt, wie verrückt zu schlagen, ein wohliger Schauer fährt meinen Rücken herunter und ich halte die Luft an.

Ein kleines Lächeln erscheint auf seinem perfekten Gesicht. „Ist was?“

Lass dir was einfallen! Sofort! Setz dein Gehirn in Gang, Lay. Du warst nicht umsonst eine der besten auf der UPenn. „Ich frage mich, wie viele Autos ein reicher Playboy besitzen kann.“ Gut gerettet! Schnell werfe ich einen Blick über meine Schulter, sehe mich um und erinnere mich an seinen Kommentar, als wir in seinem anderen Wagen saßen. „In deinem Lamborghini ist es zu eng. Also, hier hättest du genug Platz. Schon mal hier drinnen …“

„Nein“, antwortet er schnell und lacht kurz auf. „Ich glaube, mein Vater würde mich killen, wenn ich das tue. Das ist sein Wagen.“ Er blickt kurz auf die Straße, um sich dann wieder mir zuzuwenden. „Warum fragst du? Möchtest du …“ Er wackelt mit seinen Augenbrauen.

„Nicht in einer Million Jahre“, falle ich ihm ins Wort und fange an zu lachen. Die Art, wie er lächelt und mit den Augenbrauen zuckt, ist unheimlich sexy.

Er schaut wieder geradeaus, konzentriert sich aufs Fahren.

An einer roten Ampel stoppen wir und meine Augen wandern ganz vorsichtig rüber zu ihm. Grundgütiger! Warum muss er nur so unheimlich süß aussehen. Ich spüre, wie mir die Röte ins Gesicht steigt. Schnell wende ich meinen Blick ab, kann aber nicht widerstehen und schaue ihn erneut an. Unbewusst fahre ich mir mit meiner Zunge über die Lippen und beiße mir auf die Unterlippe.

Die Ampel schaltet auf Grün und er fährt los. Erst jetzt nehme ich die Umgebung wahr. „Warte! Fährst du mich gerade nach Hause?“

„Ja.“

„Aber mein Wagen steht im Parkhaus des Gerichts.“ Warum zum Kuckuck bringt er mich nach Hause? „Kannst du mir sagen, wie ich morgen früh zur Arbeit fahren soll?“

„Ich bringe dich morgen Früh zu deinem Wagen und fahre anschließend zu meinem Vater ins Büro.“

„Nicht nötig. Ich kann mit einem Taxi fahren, um zu meinem Wagen zu gelangen.“

Er seufzt. „Sag doch einfach Danke, und das Thema ist erledigt. Ich habe nicht vor, dich jeden Morgen zur Arbeit zu bringen.“

„Das hätte ich auch nicht verlangt. Ich will meine Selbstständigkeit nicht verlieren. Zur Erinnerung: Es ist eine Scheinehe. Eine Farce.“

Er gibt ein verzweifeltes Brummen von sich und greift so kräftig um die Gangschaltung, dass die Muskeln an seinem Handrücken hervortreten.

Ich kreuze die Arme vor der Brust und schaue nach draußen. Na, das wird ein tolles Zusammenleben werden. Sechs Monate, in denen wir uns gegenseitig angiften. Nun, eigentlich werde ich ihn angiften, um ihn mir vom Leib zu halten. Die Frage ist, ob ich stark genug bin, um das durchzuhalten. Mein Körper reagiert jetzt schon auf seine Berührungen. Und bei seinen Blicken pocht mein Herz wie verrückt in meiner Brust.

Aus den Augenwinkeln sehe ich zu ihm hinüber und murmele ein „Danke“, woraufhin seine Mundwinkel sich nach oben ziehen.

Vor meiner Wohnung schaltet er den Motor aus. „Also, du gehst nach oben, packst schnell ein paar Sachen für die nächsten Tage ein und dann fahren wir zu mir.“

Ich stoße die Luft aus und die Kinnlade fällt mir herunter. So nicht, mein Lieber. Ich denke, ich habe mich klipp und klar ausgedrückt, als ich sagte, dass ich erst in seinem Penthouse einziehe, wenn ich einen Ring am Finger trage. Das scheint er wohl vergessen zu haben. Offensichtlich ist es an der Zeit, dass ich ihm dieses Gespräch wieder ins Gedächtnis rufe.

Ich halte ihm meine rechte Hand direkt vor die Nase. „Ich habe dir gesagt, dass ich erst bei dir einziehe, wenn ich …“ Der Rest des Satzes bleibt mir im Halse stecken, als er breit grinst und einen Ring hochhält. Dieser Mistkerl! Er wusste genau, was er tut. Deswegen ist er zur Verhandlung gekommen.

Ich werfe einen Blick auf den Ring, den er zwischen Daumen und Zeigefinger hält. Ein schmaler silberner Ring mit einem mittelgroßen Stein. Ob das ein echter Diamant ist, kann ich nicht sagen. Auf jeden Fall wirkt er nicht teuer auf mich.

Ich lehne mich gegen die Tür, kreuze die Arme vor der Brust und lege den Kopf schief. „Ist das dein Ernst? Ich bin dabei, den Sohn eines Millionärs zu heiraten, und das ist alles, was ich bekomme? Der sieht aus wie aus dem Kaugummiautomaten.“

Er kneift verärgert die Augen zusammen und presst die Lippen zu einer schmalen Linie aufeinander. „Du wolltest einen Ring“, sagt er mit zusammengebissenen Zähnen. „Also nimm ihn und geh deine Sachen packen, bevor ich es mir anders überlege.“

Meine Augen verengen sich, ich schnaube und lehne mich nach vorn. „Fein. Ganz deiner Meinung.“ Ich reiße die Tür auf und will aussteigen, werde aber durch irgendetwas daran gehindert.

Ich sehe Chris an, dessen Oberkörper bebt. Er presst seine Lippen zusammen, um sich das Lachen zu verkneifen. Der findet das auch noch lustig! Mistkerl! Und ich habe gerade angefangen, ihn zu mögen. Als ich schon im Begriff bin, ihm was an den Kopf werfen, streckt er seine Hand aus, greift neben meinen Sitz und drückt den Knopf, um meinen Sicherheitsgurt zu lösen.

Scheiße! Ich spüre, wie mein Gesicht heiß wird. Gott, ist das peinlich. Mit meiner Tasche in der Hand stürme ich aus dem Wagen und gehe mit strammen Schritten zur Haustür. Der Kerl kann mich mal! Das lasse ich mir nicht bieten. Soll er sich doch eine andere suchen, die dieses Theater mitmacht und seinen billigen Ring trägt.

Das würde aber bedeuten, dass ich ihn wahrscheinlich nie wiedersehen würde. Ich weiß nicht, warum und wie das passieren konnte, aber ich fühle mich zu ihm hingezogen. Klar finde ich es amüsant, ihm Paroli zu bieten, aber ich mag es auch, wie es in meinem Bauch kribbelt oder wie mein Herz schlägt, wenn er mich ansieht. Keiner weiß, was in diesen sechs Monaten passieren wird. Vielleicht werden wir einen Weg finden, anständig miteinander umzugehen und wie zwei erwachsene Menschen zu kommunizieren, statt uns ständig anzugiften.

Was versuche ich mir da bloß einzureden? Er ist ein Playboy. Er liebt es, Partys zu feiern, die Nächte durchzumachen und mit diversen Frauen Sex zu haben. So ein Mann kennt nichts anderes, kann wahrscheinlich nichts anderes. Das, was ihn interessiert, ist, wann er die Nächste flachlegen kann.

Als ich die Türklinke fasse, packt mich eine Hand am Arm und wirbelt mich herum. „Hey! Es tut mir leid. Ich wollte mich nicht über dich lustig machen und dich erst recht nicht verärgern.“

Ich entziehe meinen Arm seinem Griff, kreuze beide Arme vor meinem Körper und richte meinen Blick auf den Boden, nur um ihm nicht in die Augen zu sehen. Er ist mir so nah, dass ich die Hitze spüre, die sein Körper ausstrahlt; dass ich seinen holzigen Geruch wahrnehme. Mit Mühe versuche ich, meine Haltung zu wahren. Dabei ignoriere ich mein wild hämmerndes Herz und den Drang, ihm in die Augen zu sehen.

Er greift nach meinem Kinn und versucht, meinen Kopf in seine Richtung zu drehen. Natürlich widersetze ich mich ihm. Ich kann ihm schlecht um den Hals fallen, nur weil er sich bei mir entschuldigt hat.

„Hey!“, sagt er, doch ich bleibe standhaft. „Hey“, wiederholt er eine Spur sanfter und diesmal gebe ich nach. Meine Augen finden seine und halten den Blickkontakt, ohne dass ein weiteres Wort über seine Lippen kommt. Das Herz schlägt mir bis zum Hals, und ich spüre, wie sich eine Gänsehaut über meinem Körper ausbreitet.

Ich habe keine Ahnung, wie lange wir den Augenkontakt halten, aber es kommt mir wie eine Ewigkeit vor. Und ich glaube, diesmal etwas anderes als Lust in seinen Augen zu sehen. Seine Pupillen sind geweitet, und ein klitzekleines Funkeln ist zu sehen, das aber sofort wieder verschwindet. Er hält weiterhin den Blickkontakt. Ich habe Angst, dass er dort etwas sieht, was er eigentlich nicht soll: mein Verlangen nach ihm.

Auf seinen Lippen nehme ich ein zufriedenes Lächeln wahr. Sein Daumen fährt über meine Unterlippe, mein Körper bebt und ich senke meinen Blick. Mit Worte versuche ich, mich so gut ich kann gegen ihn zu wehren. Mein Körper hört aber nicht auf meine Befehle. Chris hat bestimmt gemerkt, dass ich dabei bin, langsam schwach zu werden. Hoffentlich versucht er nicht, das auszunutzen.

„Ich bin in ein paar Minuten wieder da“, sage ich mit leiser Stimme.

Er nickt mir zu und ich entferne mich ein paar Schritte. Erleichtert über die Distanz, die ich damit geschaffen habe, gehe ich nach oben in meine Wohnung.

Kapitel 11

Christopher

Nach einer guten halben Stunde kommt Layla mit einer Reisetasche aus der Tür und hält sie mir hin. Sie hat sich umgezogen und trägt jetzt eine zerrissene Jeans und ein weißes T-Shirt, unter dem sich die Spitze ihres BHs abzeichnet. Da der Stoff ihrer Kleidung eng an ihrem Körper liegt, kommen ihre Kurven besonders gut zur Geltung. Ihre Beine sehen in der engen Jeans endlos lang aus, und die High Heels, die sie dazu trägt, machen sie umso länger. Perfekt, um sie um meine Hüfte zu schlingen und meinen harten Schwanz gegen ihre Pussy zu reiben.

„Wärst du so freundlich und würdest die Tasche bitte in den Kofferraum legen?“, fragt sie und reißt mich aus meinem Tagtraum.

„Aber sicher doch, Habibi.“

Mal sehen, wie sie jetzt reagiert. Ich habe in der Zeit, in der ich auf sie gewartet habe, ein wenig recherchiert. Da ich weiß, dass ihr Vater aus irgendeinem arabischen Land kommt, habe ich nach Kosenamen auf Arabisch gesucht.

Sie bleibt stehen und sieht mich aus großen Augen an. Aha! Direkt ins Schwarze getroffen. Ich wusste, dass ich ihr mit so was imponieren kann. Na, Layla, das hättest du nicht von mir gedacht. Mein Grinsen wird immer breiter, da sie total sprachlos vor mir steht. Das ist mal was Neues!

Auf einmal bewegen sich ihre Schultern auf und ab, sie prustet los und beugt sich nach vorn. Ihr Lachen wird lauter und sie schlägt sich mit der Hand auf den Oberschenkel. Mein Grinsen verschwindet unverzüglich. Ich kann nicht glauben, dass sie mich auslacht.

„Das … Das …“ Sie kann vor Lachen nicht weiterreden. Sie richtet sich auf und startet mit der Hand auf ihrem Bauch einen neuen Versuch, mir etwas zu sagen. „Das bedeutet „mein Schatz“. Aber das sagt man zu Männern.“

Na toll! Jetzt wollte ich den Coolen raushängen lassen und habe mich bis auf die Knochen blamiert. Verlegen lasse ich meinen Kopf sinken, kratze mich am Hinterkopf und schaue erst wieder auf, als ich ihre sanfte Stimme höre.

„Habibti.“

„Hm?“

Sie kommt näher und steht nur noch eine Armlänge von mir entfernt, schüttelt dabei den Kopf und lächelt. Zum ersten Mal habe ich das Gefühl, dass sie sich nicht über mich lustig macht oder mir irgendeinen giftigen Kommentar an den Kopf werfen wird.

„Zu einer Frau sagt man Habibti“, klärt sich mich auf.

Ich fahre mir durch die Haare, murmele ein „Okay“ und nehme ihr die Tasche aus der Hand, während sie kehrtmacht und wieder ins Haus verschwindet. Oh Mann! Das war peinlich. Aber es hat mir gefallen, dass sie mir ausnahmsweise mal keinen giftigen Kommentar an den Kopf geworfen hat. Grinsend lege ich die Reisetasche in den Kofferraum.

Nach ein paar Minuten erscheint sie erneut, gibt mir eine weitere Tasche in die Hand und öffnet die hintere Beifahrertür, um einen kleinen Koffer hineinzulegen.

Auf dem Weg zu meiner Wohnung sitzt sie schweigend neben mir und meine Augen wandern kurz zu ihr hinüber. Sie hat ihre Hände auf ihre Oberschenkel gelegt, und ich sehe, dass sie den Ring trägt, den ich vorhin auf dem Sitz liegen gelassen habe. Ich weiß, ich hätte ihr einen pompösen Verlobungsring kaufen müssen, aber wozu so viel Geld ausgeben, wenn sie ihn sowieso in ein paar Monaten wieder abnehmen wird?

Wenn sie später mal einen Mann kennenlernt, der sie wirklich liebt und nicht nur Sex von ihr möchte, wird sie den Ring bekommen, von dem sie träumt und den sie auch verdient. Einen großen Diamanten, der nur so glänzen wird, wenn sie ihn an ihrem Finger trägt, und bei dessen Anblick alle anderen Frauen neidisch werden.

An dem Display, welches sich am Eingang zur Tiefgarage meines Wohngebäudes befindet, bleibe ich stehen und gebe den Code ein, damit sich das Tor öffnet.

„Der Code für das Tor ist 258956. Am besten schreibst du ihn dir auf, wenn wir oben sind, oder speicherst ihn in deinem Handy“, sage ich.

Das Tor fährt hoch, ich fahre weiter und biege am Ende des Ganges nach rechts ab. Dort steht mein heiß geliebter Lamborghini, und daneben sind zwei Parkbuchten frei, die mir auch gehören.

„Du kannst deinen Wagen hier in einer dieser drei Buchten abstellen, wenn du kommst“, mit dem Finger zeige ich darauf, „welche du nimmst, ist egal.“

Wir steigen aus, nehmen ihre Taschen aus dem Wagen und gehen durch eine Glastür zu den Fahrstühlen, um ins oberste Geschoss zu kommen. Ich halte meine Karte an den Scanner und der Fahrstuhl, der ins Penthouse führt, setzt sich in Bewegung.

„Wie komme ich denn ohne dich nach oben? Muss ich zum Concierge, damit er mich rauflässt?“

„Nein, du bekommst eine Karte von mir. Halte sie einfach mit dem Strichcode an den Scanner und der Zutritt wird freigegeben.“

Sie murmelt „Okay“ und stellt sich in eine Ecke, um die größtmögliche Distanz zwischen uns zu schaffen. Ihre Augen sind auf die Tür gerichtet, während ich sie die ganze Zeit anstarre.

Ich weiß, sie fühlt sich nicht wohl bei dieser Farce. Jetzt wird es ernst, und sie ist nervös, was ich daran sehe, dass sie auf der Innenseite ihre Wange herumkaut, mit dem schmalen Armband an ihrem Handgelenk spielt und mit dem Fuß auf den Boden tippt. Oh Süße! Glaub mir, ich bin genauso nervös, wie du es bist.

Der Fahrstuhl stoppt und wir steigen aus. Mit meinem Schlüssel öffne ich die Tür, trete zur Seite und lasse ihr den Vortritt. „Einen Schlüssel für die Wohnung bekommst du selbstverständlich auch.“ Und wieder ist das Einzige, was ich von ihr höre, ein leises „Okay“. Ich stoße geräuschvoll die Luft aus und richte meinen Blick an die Decke. „Kannst du vielleicht auch mal was anderes sagen als nur Okay?“

„Wo ist mein Zimmer? Ich möchte mich gerne zurückziehen.“

Vielleicht muss sie die ganze Situation erst verdauen. Ich meine, es gefällt mir, wenn sie ihren frechen Mund aufmacht, aber diese Stille von ihr? Ich weiß nicht. Womöglich ist es nur die Ruhe vor dem Sturm.

Mit ihren Taschen in der Hand gehe ich die Treppe zur oberen Etage hinauf und sie folgt mir. Vor einem der zwei Gästezimmer bleibe ich stehen, stelle alles auf den Boden und öffne die Tür. Sie tritt ein und sieht sich um. „Hier drüben ist das Badezimmer.“ Ich deute mit meinem Finger in die entsprechende Richtung.

„Was? Kein begehbarer Kleiderschrank? Irgendwie bin ich enttäuscht.“

Und da ist ihr Mundwerk wieder. Sagte ich doch, die Ruhe vor dem Sturm. Ich habe schon angefangen, mir Sorgen zu machen.

Sie geht zum Fenster, schaut hinaus und seufzt laut auf. Oh Mann! Dieses Geräusch, das einem Stöhnen gleicht, dringt in meine Ohren und bringt mich auf wilde Gedanken: Sie unter mir, ihre Beine gespreizt, den Kopf in den Nacken gelegt, die Augen geschlossen und der Mund offen. Mein Schwanz tief in ihr. Ihre Brüste, die sich im Takt meiner Stöße auf und ab bewegen. Langsam schlendere ich auf sie zu und stelle mich hinter sie. Mit meiner Hand greife ich nach ihren Haaren, schiebe sie über ihre Schulter und beuge mich zu ihr hinab. Meine Lippen streichen ganz leicht über ihren Hals und instinktiv neigt sie ihren Kopf zur Seite.

„Sag mal, träumst du etwa?“ Ihre Stimme ist so klar und deutlich, dass ich blinzeln muss. Plötzlich steht sie direkt vor mir.

Was … Was war das gerade? Ich fange tatsächlich an, Tagträume zu haben. Shit! Mein Verlangen, sie unter mir zu sehen, sich vor Lust windend, ist wohl so groß, dass ich mir schon bildlich vorstelle, wie ich sie verführe.

„Was? Nein! Ich habe nur gerade an etwas gedacht“, rede ich mich heraus und gehe rückwärts zur Tür. „Pack in Ruhe aus und dann zeige ich dir die Wohnung.“

Mit diesem Satz trete ich in den Flur hinaus und bleibe einen Augenblick dort stehen. Mit geschlossenen Augen schüttele ich den Kopf, um dieses Bild von ihr unter mir loszuwerden. Ich brauche ganz dringend eine Ablenkung, und was wäre besser dafür geeignet, als sich mit einer Frau zu treffen? Hoffentlich ist Dana frei.

Sobald ich unten im Wohnraum angekommen bin, wähle ich die Nummer der Agentur und Gott sei Dank ist Dana heute Abend kurzfristig frei. Also buche ich sie für sechs Stunden. Diesmal werden wir uns im Moran treffen und uns das Essen in die Suite bringen lassen, da meine Vereinbarung mit Layla in Kraft getreten ist und ich mich, mit sofortiger Wirkung, nicht mit einer anderen Frau in der Öffentlichkeit blicken lassen kann. Sobald ich die Bestätigungsmail bekommen habe, gehe ich in mein Zimmer und ziehe einen dunkelblauen Anzug mit weißem Hemd und violetter Krawatte an.

Ungefähr eine halbe Stunde später warte ich immer noch darauf, dass Layla nach unten kommt und ich mit der Tour durch mein Penthouse beginnen kann. Ach, was soll’s! Ich werde sie jetzt holen gehen, da ich gleich zu meiner Verabredung mit Dana muss. Ich gehe wieder nach oben und klopfe an ihrer Tür, bekomme aber keine Antwort. „Layla?“ Wieder keine Antwort.

Ich hole tief Luft und öffne vorsichtig die Tür. Vielleicht hat sie sich hingelegt und ist dabei eingenickt. Doch als ich die Tür aufmache, ist das Zimmer leer, und ich höre, wie das Wasser im Badezimmer läuft.

Eigentlich sollte ich wieder gehen, aber irgendetwas hält mich auf. Ob es Neugier ist oder das Verlangen, sie nackt zu sehen, kann ich nicht sagen. Jedenfalls bewege ich mich, wie von einem Magneten angezogen, Richtung Badezimmer. Die Tür steht einen Spalt offen, also stelle ich mich davor und sehe durch.

Layla steht mit dem Rücken zur Tür in der Dusche. Den Kopf hat sie angehoben und fährt sich mit den Händen durch die nassen Haare. An den Schultern und Armen zeichnen sich leicht definierte Muskeln ab. Mein Blick wandert weiter zu ihrem Hintern, der außerordentlich straff ist. Sie macht definitiv Sport. Wenn sie ins Fitnessstudio geht, dann könnten wir zusammen hingehen und ich könnte sie bewundern, wenn sie ihre Übungen macht. Mein Blick gleitet weiter über ihren Körper und bei diesem Anblick schnappe ich nach Luft. Beine, Hüfte, Taille, Arme, Rücken, alles ist perfekt aufeinander abgestimmt.

Meine visuelle Wahrnehmung bringt nicht nur meinen Puls zum Rasen, sondern auch meinen Schwanz zum Pulsieren. Bevor ich doch noch hineinstürme und sie mir schnappe, verlasse ich das Zimmer wieder, eile nach unten und schreibe ihr eine Nachricht, die ich an die Kühlschranktür hänge.

Ihre großen Brüste schwingen vor und zurück. Sie liegt auf der Couchlehne, ihre Beine auf meinen Schultern, und ich dringe mit heftigen Stößen immer wieder in sie ein. Es war definitiv eine gute Idee, sich mit ihr zu treffen. Nach alldem, was ich vorhin erlebt und unter der Dusche gesehen habe, war ich so erregt, dass ich dringend jemanden benötigte, der dem Abhilfe schaffen konnte. Und da Layla tabu ist, ficke ich eben mit Dana.

Obwohl ich mir wünschen würde, dass Layla diejenige wäre, die hier liegt, lustvoll stöhnt und mich durch halb offene Lider ansieht. Ich schüttele meinen Kopf, um die Vorstellung wieder loszuwerden.

Dana schreit jedes Mal auf, wenn ich tief in sie stoße. Das tut zwar meinem Ego verdammt gut, aber ich muss immer wieder an Layla denken und kann dieses kleine Schäferstündchen einfach nicht genießen.

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Возрастное ограничение:
0+
Дата выхода на Литрес:
28 апреля 2025
Объем:
420 стр. 1 иллюстрация
ISBN:
9783864954641
Издатель:
Правообладатель:
Bookwire
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