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Roth
Nur noch Fußball!

Jürgen Roth
Nur noch Fußball!
Vorfälle von 2010 bis 2014
Mit Gastbeiträgen von Matthias Egersdörfer,
Stefan Gärtner, Christian Jöricke und Jörg Schneider
sowie Zeichnungen von Teresa Habild und Hannes
Neubauer

© 2014 Oktober Verlag, Münster
Der Oktober Verlag ist eine Unternehmung der
Verlagshaus Monsenstein und Vannerdat OHG, Münster
www.oktoberverlag.de
Alle Rechte vorbehalten
Satz: Henrike Knopp
Umschlag: Thorsten Hartmann
unter Verwendung eines Photos von Rauchwetter/picture alliance/dpa Zeichnung auf S. 141: Hannes Neubauer; Zeichnung auf S. 192: Teresa Habild
Photo vom Autor: Michael Stein
Herstellung: Monsenstein und Vannerdat
ISBN: 978-3-944369-21-1
eBook-Herstellung und Auslieferung:
readbox publishing, Dortmund
www.readbox.net
Inhalt
Vorbemerkungen
Wortmilchschaum
Es brodelt, brummt und summt
Versuch, Fußball zu gucken
Homer mal Vergil im Quadrat
Gekasschnitzel
Zu gut zum Siegen?
Es gibt keinen Sand in der Sahara
Der Krampf geht weiter
Zu lahm für Ochs?
Boom, bumm, batsch
Holding door open. 5 seconds
Was meint Graf Eucharius Casimir?
Moskau reicht nicht
Phrase und Gefasel
Das Ohr auf dem Gleis
Ein bißchen was zu meckern
Drei Professoren
Träumer und Treter
Kein Esel, nirgends
Stunden der Wahrheit
Singzwang und Ariernachweis
Revolutionärer Fisch
»Auf, roll eini«
Sechzehn Bananen
Schöne Öde
Ihr Kampf
Die Geisel am Hang
Das Gürzel
Das siegende Gefühl
Offener Brief an den Oberbürgermeister der Stadt Hockenheim, Dieter Gummer, oder: Fahren im Falschen
Dreck, Dreck, Dreck
Die Barbarei des Sports
Crazy Carina Vogt: Klassebüchs
Gold für Minderbegabte
Wahnwitz Fußballkultur
Anhang
Gott, Gammler, Genie
Der Gott der flüssigen Worte
Blanker Neid
Kuscheln mit Kerner
Vogts, Berti
Haß auf Holländer oder: Warum Niederländer im Fußball so unbeliebt sind – Von Christian Jöricke
Thomas Berthold: Holzfällen – Von Stefan Gärtner
Das Wunder von Reiskirchen – Von Jörg Schneider
Symphonie in PS
Milchgesichter und Bergziegen
Vom Buben zum Billionär – Co-Autor: Peter Köhler
Das Duell der Weltmeister
Bobby Fischers Sandwiches
Der Tango aus der Sicht der Wissenschaft
Verregeltes Dasein
Nagelneue Epik – Heute: Der Fitneßstudioroman
Transgressive Modellierung
Biene – Von Matthias Egersdörfer
Chlorkehraus
Ein Brief
Nachweise
Vorbemerkungen
Montag – In christlichen Ländern der Tag nach dem Fußballspiel.
Ambrose Bierce: Des Teufels Wörterbuch
Der Titel dieses Buches ist soweit in Ordnung, aber nicht der wahre Jakob. Denn wie in Noch mehr Fußball! – Vorfälle von 2007 bis 2010 sind auch in diese Chronik Ein- und Auslassungen eingewoben, die andere Bereiche und Topvertreter der »Muskel- und Märchenindustrie des Spitzensports« (Thomas Kistner) zum Gegenstand haben, insbesondere eine berükkend aparte Eisschnelläuferin vom Stamme der Deutschen.
Im großen und ganzen jedoch konzentriert sich dieser Balg aus Glossen, Aufsätzen, Artikeln und Rundfunkbeiträgen auf den Fußball. Das spiegelt dessen Stellenwert wider. »Der Fußball übernimmt alle Fernsehmacht«, klagte der Tagesspiegel vom 3. Juli 2013, »der Tag, an dem Sport in Deutschland nicht mehr Sport, sondern Fußball heißt«, sei nahe. »Denn die öffentlich-rechtlichen Sender interessieren sich auch nur für Quote und Fußball und weniger dafür, ob ein Teil ihrer Zuschauer etwas anderes sehen will.«
Oder hören will. Mit einem Bruchteil der wahnwitzigen Summen, die die Öffentlich-Rechtlichen für Fußballübertragungsrechte aus den Fenstern schütten, ließen sich elaborierte Wortprogramme der Radiowellen pflegen und ausbauen, ließe sich politisch-literarischer Journalismus finanzieren, der den Namen Journalismus verdient. Machtpolitisch gewollt ist das Gegenteil, und auf Grund des verbrecherischen Formatierungszwangs läuft alles mehr oder weniger darauf hinaus, zumindest das ohnehin weithin unumkehrbar vergammelte Fernsehen einem einzigen Format zu unterwerfen, dem Format Fußball – respektive darauf, das Fernsehen nach dem Paradigma des vermaledeiten Sports final umzumodeln.
»Man hat manchmal schon das Gefühl, daß sich Deutschland von der Kulturnation zur Sportnation entwickelt«, räumte Michael Steinbrecher am 21. Juni 2013 gegenüber der FAZ ein. »Der Sport ist in fast allen Lebensbereichen präsent: im Fernsehkonsum, in der Mode, im privaten Verhalten. Sport durchdringt fast alle Sendeformen. Wie funktionieren Castingshows? Das ist nichts anderes als eine sportliche Competition mit Viertelfinale, Halbfinale, Finale. Schlag den Raab funktioniert auch so. Ich sehe noch keinen Endpunkt – und stelle fest, daß die Dimension und die Akzeptanz enorm gestiegen sind. Die Livepräsentation im Sport ist das letzte kollektive Medienerlebnis, das die Nation verbindet.«
So ähnlich soll das ja bereits am 4. Juli 1954 gewesen sein. Was es mit dem kollektiven Medienerlebnis auf sich hat(te), schildert Gerd Fuchs in seiner Autobiographie Heimwege (Hamburg 2010) – Fuchs war damals einundzwanzig Jahre alt –: »Ich schlenderte die Straße entlang, und weil alle Fenster offen standen, konnte ich das Spiel im Gehen verfolgen – beziehungsweise mußte ich es verfolgen, denn vor dieser Reporterstimme war kein Entrinnen, so daß nicht so sehr ich das Spiel verfolgte als dieses mich. […] Da erhob sich ein Brüllen und explodierte in den Zimmern und stürzte aus den offenen Fenstern heraus und rollte die Straße entlang, ein erlöstes Brüllen, und da richtete es sich auf und riß den Arm befreit hoch: Sieg Heil.«
Der Herr Steinbrecher wird das weder wissen noch wissen wollen, denn er ist mittlerweile tatsächlich und beglaubigt: Professor an der Universität Dortmund. Ich darf aus einem Text aus Noch mehr Fußball! zitieren, der zuerst am 13. Juni 2008 in der Frankfurter Rundschau erschienen war: »Ich mußte so sehr lachen, daß mein Schreibtischstuhl fast zusammenbrach. Vor einem Monat war sie zu lesen gewesen, die Meldung des Jahres: ›Michael Steinbrecher will ›Prof‹ werden‹. Doch, das will er werden, der Michael Steinbrecher: Prof. Beziehungsweise Professor. Die Welt ist voller Wunder. […] Gut, die einen sagen: Das ist der bislang beste Scherz des gar nicht mehr allzu neuen Jahrhunderts. Die anderen interpretieren Steinbrechers Bestreben, den Dortmunder Lehrstuhl für – ja, so was muß es wirklich geben – ›Fernsehjournalismus‹ zu erobern, als Zeichen der vollendeten Verlotterung des deutschen Hochschulwesens, das, nachdem es von neoliberalen Berserkern und Handlangern des Kapitals stranguliert und planiert wurde, jeder opportunistisch-korrupten Pfeife offensteht. Wo Humboldt war, soll Steinbrecher werden. Grandios.«
Fünf Jahre später, im nicht minder famosen Sportjahr 2013, hatte dieser hochoffizielle »Professor für Fernseh- und Crossmedialen Journalismus« (www.journalistik-dortmund.de) selbstverständlich wenig Besseres zu tun, als den Deutschen Sportpresseball in der Alten Oper in Frankfurt am Main zu moderieren (Motto: »Ice and Fire – von Sotschi nach Rio«) – und zwar »gekonnt«, wie wir in einer achtseitigen Zeitungsschleimbeilage erfuhren, einem unschätzbar wertvollen Dokument der geistigen Verluderung und des Prasserwesens, voller Photos von Trantüten, Gaunern und Abgreifern: Hans-Peter Friedrich, Franz Beckenbauer (ohne den läuft ohnehin nichts mehr), Volker Bouffier, Boris Rhein, Roland Koch, Edmund Stoiber und – Waldemar Hartmann, »der den Sportpresseball in den neunziger Jahren selbst dreimal moderiert und ›mit aus der Taufe gehoben‹ hatte«.
Während Michael Steinbrecher also seine akademische Würde und Distanz durch den engagierten Einsatz als Conférencier bei einer von vorne bis hinten korrupten Gockelveranstaltung unter Beweis stellte – und deshalb keineswegs das Amt des Geschäftsführenden Direktors des Dortmunder Instituts für Journalistik niederlegen mußte, das hat er, Wunder über Wunder, auch noch inne –, konnte der offiziell offenbar nicht zum Einsatz gekommene Waldemar Hartmann immerhin seine vor Sprachwitz, intellektueller Schärfe und selbstreflexiver Bescheidung sprühende Autobiographie Dritte Halbzeit – Eine Bilanz (München 2013) bewerben, in der es konsequenterweise zu geschätzten dreiundneunzig Prozent um Spezltum, politischen Filz, unverblümt eingestandene Schiebereien im Medienbetrieb und Kohle mal noch mal Kohle geht.
Na ja, er sagt’s selber: »Ich war eitel wie ein Depp.« Er meint: in seiner Jugend. Nur, daran änderte sich: nichts. Ob er nun mit seiner Nähe zur Familie Strauß herumrenommiert oder zu irgendwelchen Flaschen-Sozis oder zu Muhammad Ali oder zu sonstwem – es ist eine auf fast dreihundertsiebzig Seiten astrein durchgehaltene goldreine Aufplusterei, die trotz journalistischen Beistandes (schreiben kann Hartmann höchstens Einkaufszettel und sogenannte Fernsehgeschichte) grammatikalisch-orthographisch und stilistisch das Niveau von Möbelhauskatalogen erreicht.
Ausgesprochen gelungen fand ich allerdings diesen Satz: »Bei Henry und mir war von Anfang an klar: Ein Duo funktioniert nur zu zweit.« Henry Maske war Hartmanns Experte bei ARD-Boxübertragungen, und eine Seite vorher lesen wir: »Wir waren uns nicht immer einig, weil Henry das Boxen als Philosophie versteht, als Teil des großen Ganzen, als erhabene geistige Auseinandersetzung. Ich bin dagegen der Meinung, daß Boxen insofern mit Schopenhauer zu tun hat, daß auch der ein ›Hauer‹ war, zumindest dem Namen nach.«
Wem soll man jetzt eine langen? Dem Hartmann? Der weder Schopenhauer kennt noch jemals eine Zeile von ihm gelesen hat? Hartmanns Co-Autor, der diesen Dreck zu verantworten hat? Dem Lektor, der nicht mal die grammatikalische Havarie bemerkt und obendrein den Müll stehenläßt?
Nein, ich bin Pazifist und weise statt dessen mit dem gebotenen Maß an »Eitelkeit« (Hartmann) viel lieber auf das Kapitel »Das müssen wir nicht archivieren – Faire und unfaire Kritiker« hin.
»Hand aufs Herz: Mit Kritikern umzugehen – das mußte ich erst lernen«, heißt es da. »Geärgert habe ich mich immer dann, wenn ich genau gemerkt habe, es geht nicht um eine konstruktive und sachliche Kritik – sondern der Absender kann einfach mit meiner Person nichts anfangen, weil ihm mein Schnauzer nicht gefällt oder was auch immer.«
Er schnallt es halt nicht; er kapiert nicht, daß es weniger um die Realperson Waldemar Hartmann als vielmehr um die von ihm schamlos verkörperte Ersetzung von Journalismus durch Gschaftlhuberei und Propaganda geht. Ich darf ein wenig weiterzitieren: »Für mich war das Schlimmste, als mich Jürgen Roth 2002 in der Frankfurter Rundschau als ›konfusen Krachkopf‹ dermaßen persönlich runtergemacht hat, daß ich ein einziges Mal den Medienanwalt Michael Nesselhauf angerufen habe. In der Kritik (wenn man sie überhaupt so nennen möchte) ging es um ›Waldemar Hartmann, diese aggressiv-heitere, mopsigjoviale Inkarnation von rettungsloser Selbstliebe und intellektuellem Bankrott, diese Heimsuchung des modernen Fernsehens der Kumpelei und nationalistischen Erregung‹. Mehr will ich von dieser Schweinenummer gar nicht zitieren, es wäre zuviel der Ehre« – und zuviel der Wahrhaftigkeit.
Vorausgegangen waren der inkriminierten Passage nämlich folgende Zeilen: »Viel, allzuviel haben wir schon aushalten und durchstehen müssen, Mikrophonexaltationen eines Gerd Rubenbauer zum Beispiel, der den alpinen Skisport mehr orgiastisch kreischend als fachlich kommentierend begleitet und während der Eröffnungsfeier dokumentierte, weshalb einer Pistensau wie ihm selbst lachhafte Showdarbietungen genügen, um bar jeder Kontrolle herumzuwitzeln, bis der belastungsfähigste TV-Zuschauer zerebral kollabiert.
Und dann, und dann – tauchte er auf und toppte jeden, mein alter Spezi Waldi, der ungekrönte König der Anwanzerei. Legendär sind seine Interviewturteleien mit den Spitzenkräften des Münchner Bussifußballs, legendär sind des ehemaligen Augsburger Pilsstubenwirts spezielle Schranzenhuldigungen an ›Welt-Präsident‹ Franz Beckenbauer (so Bild bereits am 22. Februar 1995); doch nun, im weiten Westen Utahs, verlor er final die Besinnung und zog diverse Sportler und Wichtigtuer, vornehmlich Bundesinnenminister Otto Schily, gleichfalls ins verdiente Verderben.«
Hartmann sei »sich, wir müssen das so sagen, für wirklich keine Geschmack- und Gedankenlosigkeit zu schade, und zu seinen Gunsten sei konzediert, daß er das auch nicht mehr merkt«, hatte ich im Anschluß an die von ihm repetierten Äußerungen geschrieben und dann meine Invektiven in einen größeren Zusammenhang gestellt: »Gleich zum Start der Wettkämpfe wurde Waldi aus dem Deutschen Haus zugeschaltet. Dort verkündete er lichterloh froh, der Andrang sei immens, weil man die altbairische Disziplin des Weizenbierstemmens unter perfekten Bedingungen absolvieren könne. Anschließend gab er die intime Information preis, er, der berüchtigte Saufchamp, habe beschlossen, zwei Wochen abstinent zu bleiben.
Das muß man wissen, weiß Gott. Das will, das soll man erfahren, und nicht minder bedeutsam dünkt dem schrankenlosen Narziß die Nachricht, das amerikanische Essen bringe ihn in die Bredouille, lasse nämlich seinen ›Diätplan‹ durcheinanderpurzeln und die Taille anschwellen. So tönt es unter einem aufgepfropften Cowboyhut hervor, und während der mutmaßlich impertinenteste der 10.000 Journalisten aus aller Damen und Herren Länder zur Primetime die wehrlosen Studiogäste angockelt und verbal betatscht, ›deutsche Goldmedaillen‹ vorausschauend ausplärrt und ›den Hackl Schorsch‹ ob dessen vorzüglicher Beherrschung des Englischen (›Utah beer ist not the worst‹) belobigt, kramt er in seinem konfusen Krachkopf nach der nächsten Zumutung, die darin gipfelt, daß er selbst schweinsaugenzwinkernd ein paar besonders protzige Statements in, hahaha, kernig-bayerischem Pidgin-Englisch ausspuckt (›So soag’n mir des‹) […].
›Man darf nicht weiter ins Boulevardeske abgleiten‹, hatte vor den Spielen ZDF-Sportchef Wolf-Dieter Poschmann gemahnt. Zumindest bestimmte Kontingente der ARD verfolgen andere Ziele. Die Selbstinszenierung, die Personalityshow, die Aufbauschung des Moderators zum Medium grenzenloser Mitteilsamkeit und geradezu süchtiger Selbstverausgabung, konterkariert alles, was jemals ›seriöser Sportjournalismus‹ genannt wurde. Ein Mann, der den ›Auftrag‹, ›unterhaltsam zu sein‹ (Poschmann), pausenlos mit dem folkloristisch verschwitzten Gealber über Kondome und andere Spießerverdruckstheiten verwechselt, gibt die Richtung vor. Besonnene Akteure, die eigentlich im Zentrum des Fernsehgeschehens stehen sollten, haben da keine Chance. Sehr schön erläuterte etwa der knarzige Skisprungcheftrainer Reinhard Heß nach Sven Hannawalds Silber von der Normalschanze: ›Mit Biertrinken und Gesprächen ist die Leistung nicht zu provozieren.‹ Hartmann vernahm die Botschaft nicht. Er und sein Team fuhren fort, Bierstilblüten zu produzieren und journalistische Leistungen zu erbringen, die offenbar die vollgedröhnten Bild-Berichte über Anni Friesingers ›Oho-Oberweite‹, über den, klar, ›Busen-Neid‹ zwischen ihr und Konkurrentin Claudia ›Nomen no omen‹ Pechstein und über den Popevent als ›Busen-Duell der Eis-Königinnen‹ noch hinter sich lassen sollen.«
Genug der Aufklärung (und Selbstbespiegelung), weiter in Hartmanns Text: »Jedenfalls habe ich zum Telephonhörer gegriffen und mich beklagt: ›Herr Nesselhauf, ich kann doch nicht alles über mir auskübeln lassen.‹ Und dann hat mir Nesselhauf erklärt: ›Herr Hartmann, wir können leider nichts machen. Und ich sage Ihnen auch, warum: Über dem Artikel steht ›Eine Polemik‹.‹«
Das ist juristisch korrekt. Die Meinungsfreiheit und gewisse Rechte haben für Waldemar Hartmann aber offensichtlich nur dann Gültigkeit, wenn sie sein persönliches und pekuniäres Vorankommen sicherstellen: »Da habe ich gelernt: Wenn man ›Polemik‹ über einen Artikel schreibt, besitzt man einen Freifahrtschein für Unverschämtheiten aller Art. Da kannst du jeden von oben bis unten hemmungslos besudeln. Wenn du nur zehn Prozent davon deinem Nachbarn entgegenschleudern würdest, wären diverse Tagessätze fällig. Ich halte das bis heute für eine schreiende Ungerechtigkeit. Für mich hat das mit Pressefreiheit nicht mehr viel zu tun.«
Der Begriff der Person des öffentlichen Lebens ist Waldemar Hartmann also auch unbekannt. Dafür bekannte er am 15. März 2013 in der WDR-Talkshow Kölner Treff abermals ausgiebig, was für ein souveräner Hecht und unübertrefflicher Wodkavernichter er sei, bis Moderatorin Bettina Böttinger anhob: »Ich muß eine Stelle vorlesen. Sie ham die geschrieben. Und ich hab’ mir … Was hat der Mann für ’n dickes Fell, daß der sich traut, das in seinen eigenen Rückblick, also in seine Autobiographie zu schreiben? Wo stand in der Frankfurter Rundschau, Sie wissen schon, was kommt, da stand mal über Sie, es is’ wirklich zu schön. Zu böse.« Es folgte obiger Abschnitt. Böttinger anschließend: »Sind Sie Masochist?« Hartmann: »Nein, ich wollt’ einfach mal zeigen, weil da kommen ja zwei gute Kritiken auch, im Laufe der fünfunddreißig Jahre ham sich die zwei angesammelt, ja? Nee, ich wollt’ einfach mal zeigen, was heut’, was, was möglich war, wie Pressefreiheit auch genützt werden kann. Jürgen Roth hat das übrigens geschrieben, von dem man mir damals dann gesagt hat, er sei noch im bewaffneten Kampf. […] Also is’ das heutzutage möglich, Pressefreiheit!, wenn man ›Polemik‹ drüberschreibt, kann man Kübel voll Schweinereien und Häme über ein’ schütten, und du hast keine Möglichkeit, dem zu widersprechen. Auch das is’ offenbar – Pressefreiheit.«
Selbst hier lag Hartmann daneben. Ich war damals nicht im bewaffneten Kampf, ich war lediglich extremistischer Berater der Gallus-Guerilla-Gardeners.
»Ja, man darf die Wahrheiten ja auch mal niederschreiben.« (Hartmann, Kölner Treff) Für Hunter S. Thompson bedeutete das, Sportjournalisten als »eine dumpfe und hirnlose Subkultur faschistischer Säufer« und als »eine Bande bösartiger, in einem Zookäfig wichsender Affen« zu titulieren (»sie vermehren sich wie Zuhälter und Immobilienmakler«; Hey Rube – Blutsport, die Bush-Doktrin und die Abwärtsspirale der Dummheit – Zeitgeschichte aus der Sportredaktion [Berlin 2006]); für Waldemar »Ich weiß alles, egal, in welcher Sportart« Hartmann wiederum, bei seinem stellaren Auftritt als sogenannter Telephonjoker in der RTL-Raterunde Wer wird Millionär? (21. November 2013) – er erklärte, die deutsche Nationalmannschaft habe nie eine Fußball-WM im eigenen Land gewonnen (und das als Wahlmünchner und jahrzehntelanger BR-Fußballanchorman) – zu behaupten, die Geschichte mit Deutschland stehe in seiner Autobiographie: »›Da gibt es ja nur eins: Deutschland hat natürlich im eigenen Land keine WM gewonnen!‹ Dann fügte er noch an: ›Noch nie im eigenen Land. Kann man in Dritte Halbzeit, in meinem Buch, nachlesen.‹ Falsche Antwort mit peinlicher Eigenwerbung.« (Spiegel Online)
Mit in die Irre führender Eigenwerbung zudem. Ist da nämlich nicht nachzulesen. Sondern beispielsweise, daß Waldemar Hartmann ganz gern mit Horst Seehofer einen heben würde, »um ihm ein wenig Fußballsachverstand zu vermitteln«. Oder: »So unglaublich viel Ahnung von dem Sport, den wir moderieren, haben wir Moderatoren ja auch nicht immer.«
Nicht allzuviel Ahnung haben offenbar dito einige der Autoren der Buchreihe 111 Gründe, den … zu lieben (sie erscheint in einem Imprint-Verlag von Schwarzkopf & Schwarzkopf, der allen Ernstes Wir sind der zwölfte Mann, Fußball ist unsere Liebe! heißt; nu’ is’ alles zu spät, da hilft nicht mal mehr die Erinnerung an Gustav Heinemanns Wort von der Liebe, die nicht dem Staat und allein seiner Frau gelte). Im Falle des Bandes über den 1. FC Nürnberg kann ich das bestätigen. Zu jenem über die Frankfurter Eintracht schreibt mir F. W. Bernstein am 21. Januar 2014 per Mail: »Auch wenn Du unbegreiflicherweise diesem bayerischen Neureichenverein anhängst, so könntest Du vielleicht doch meine Empörung teilen: In diesem Buch fehlt fast nix, aber es fehlt die Seele der Eintracht – ignoriert wird Toni Hübler!«
Fürwahr, ein Skandal, ein echter. (Zu Toni Hübler siehe bei Bedarf etwa Noch mehr Fußball!, S. 79 ff.) Ich hingegen hege nach wie vor die Absicht, irgendwann zusammen mit Kollegen die Buchgroßprojekte Wahre WM-Geschichte – Große Spiele neu gesehen und Deppen und Helden – Die Dummheit im Fußball anzupacken. Für letzteres vorgesehen sind die Kapitel »Falsche Deutungen – Dumme Fußballhistoriker«, »Fußball und Krieg«, »Quatschige Fußballtheorien«, »Spielsystemtorheiten«, »Effenberg – Kasper«, »Klinsmann – Kasper«, »Netzer – Kasper«, »Maradona – Kasper«, »Hauptsache Italien!«, »Große Trainerfehlentscheidungen«, »Fußballsprache als restringierter Code«, »Elende Vereinsbosse«, »Fußballpresse gestern und heute – Von Richard Kirn bis zur Süddeutschen Zeitung«, »Die FIFA, uuaaahh!«, »Gegendummheitsfiguren – Scholl et alii«, »Interview mit Thomas Berthold«, »Was Glück ist? Dumm sein und Fußball spielen« sowie »Die wunderbare Dummheit des Fußballspieles«.
Zum Beschluß: Im hiesigen Kompendium findet sich neuerlich ein Anhang mit Beiträgen, die chronologisch aus der Reihe fallen und ab und an ein wenig vom Thema Fußball/Sport wegführen – oder in dessen Randbezirke. Zur Not ignoriere man ihn/sie.
Wortmilchschaum
Was hat uns denn im Verlauf der von der FIFA, jenem lustigen Geheimbund mit Sitz in der sauberen Schweiz, organisierten Fußballweltmeisterschaft richtig gefallen? Daß Seppl Blatter, wie die taz schrieb, »die erste Heiligsprechung eines Sportfunktionärs durch die Öffentlichkeit« gewärtigen durfte? Daß der Monetenmessias »dem Fußball die soziale Dröhnung verordnet« hatte? Derweil, so die taz weiter, das Gebaren der Blatterschen Schmiergeldtruppe »von Kommentatoren schon als FIFA-Faschismus bezeichnet« wurde?
Doch, das hat uns sehr gefallen – genauso wie – während der Partie Slowenien gegen England – der Ausruf »Scheiße, fuck, ey!« des ARD-Reporters Gerd Gottlob, eines Mannes, der gleichfalls mitzuteilen wußte: »Dieser Ball war auf einem guten Weg.«
Im »kleinen, süßen Studio« der ARD, in dem Reinhold Beckmann, der meinte, in Vorberichten würden irgendwelche Hintergründe »angeschmeckt«, den üblichen, bereits von Gottfried Benn wahrgenommenen »Eitelkeitsgestank« verbreitete, pflegte in den Abendstunden bedauerlicherweise zum letztenmal das Duo Delling/Netzer seinen von der FAZ gelobten »krampfigen Hang zur versemmelten Pointe« und machte somit gottlob die teils brillanten Einlassungen des Fußballhermeneuten Mehmet Scholl vergessen, der Zufälle von Spielzügen zu unterscheiden vermochte und sich nicht scheute zu sagen: »Ich hab’ eigentlich gar keine große Lust, dazu was zu sagen.«
»Da muß ’ne Menge gutgeh’n, damit das mal klappt«, plapperte anschließend Tom Bartels vor sich hin, münzte diesen fabelhaften Gurkensatz aber keineswegs auf den glänzend katastrophal aufgelegten, intonationswütigen, gottlob nicht mal durch Gerd Gottlobs »Fuck!«-Einwurf zu bremsenden Steffen Simon.
»Kein Spiel mehr, in dem auch nur der argloseste Kurzpaß unkommentiert und vor allem ohne statistisches Beiwerk bliebe«, meckerte darob die Weltzeitung Main-Echo, unterdessen die FAZ über den fürs ZDF an der Flüstertüte hockenden Béla Réthy räsonierte: »Wieviel Réthy von Fußball versteht, ist schwer zu sagen.« Réthy, immerhin, revanchierte sich mit der Sentenz: »Jede Regung, die durch seine Seele wandert, kriegen wir gezeigt.«
Einhellig tadelten die Frankfurter Rundschau und die taz die zusehends hektische, nahezu kinematographische, inflationär mit Superslomomontagen operierende FIFA-Fernsehweltregie, die schon mal den Eindruck eines vollen Stadions vortäuschte und Gefühlskulissen zurechtbastelte. Lasen wir uns zwischendurch nicht im WM-Sonderteil der Süddeutschen Zeitung einen Hungerast und ebenda solch einen geschwefelten Käse: »In der DFB-Elf verschmelzen der ultraleichte Südländerstil des türkischstämmigen Özil und die draufgängerische Ader des bayerischen Brauchtumsstürmers [Müller] zum stilvollen Mentalitäten-Herkunfts-und-Bewegungs-Mix«, dann labten wir uns an den äußerst buntgemischten Darbietungen auf RTL: am Redundanzgequatsche des Frühstücksprofessors Olaf Thon zum Beispiel oder an Herrn Klinsmanns unfaßbar klugen Annotationen zu allerlei »emotionalen Kisten« und zum »positiven Feeling« zumal im Kopfe des unvermindert semmeldummen Sprachvergewaltigers.
Doch, das alles hat uns ausnehmend gut gefallen: die narzißtischen Infantilendebilenaufführungen im Sat.1-Frühstücksfernsehen (»Die WM-Stimmung bei uns heute morgen: Wir sagen yes!«) genauso wie Katrin »innerer Reichsparteitag« Müller-Hohensteins beherzt-selbstloses Engagement im »Qualitätsbeirat« einer Molkerei. Den lauwarmen Wortmilchschaum, den sie am Mikrophon stets zart lächelnd absonderte (»Mein lieber Herr Gerichtsvollzieher!«), garnierte Oliver Kahn aufs holdeste mit feinsinnigen Bemerkungen zu nunmehr »zehntausendprozentig« und volle Kanone »hochmotivierten« Kickern.
»Daß die Leute es aushalten, das Vorher- und Nachhergerede«, darüber wunderte sich Dieter Kronzucker ausgerechnet in der ZDF-Vollpfostensendung Volle Kanne. Wir haben es aus- und durchgehalten. Wir haben gesehen und gehört, wie der Sky-Experte Franz Beckenbauer vergeblich nach dem Wort »Stratege« suchte und dreimal hintereinander einen »Strategiker« am Werk sah. Wir haben Reiner Calmund zugehört, der herumfaselte: »Laß ma’ die Kirche im Dorf lassen«, und Jogi Löw, der versicherte: »Nach so einem Spiel lassen wir uns nicht nervös werden lassen« – sowie dem bemitleidenswerten Guido Buchwald, der erläuterte, eine Mannschaft habe »ein Stück Unerfahrenheit oder ein Stück, daß sie es einfach nicht besser machen können«.
Wir haben sogar das Fußball-Frühstück auf n-tv geguckt, und daß der größte Hohlschädel unter all den heldenhaften Sportjournalisten bei der taz beschäftigt ist, wissen wir jetzt auch. Er heißt Deniz Yücel und schreibt ein grenzenlos ekelhaftes Stummeldeutsch. Das »Sexy-Chilly-Funky-Punky-Trendy-Super-Duper-Knuddel-Wahnsinns-Zauber-Märchen-Deutschland«, das er herbeisehnte, das liegt allerdings wieder am Boden. Fußballgott sei Dank.
Es brodelt, brummt und summt
Im März 1999 habe ich als Exterritorialer und bis dahin ein einziges Mal tatsächlich als Sportreporter tätig gewesener Autor im Sportteil der Frankfurter Rundschau einen kleinen Aufsatz über das delikat-intrikate und zugleich innige Verhältnis zwischen der Eintracht und den Dichtern plazieren und behaupten können, kein anderer Klub sei von den Dichtern »inständiger und kenntnisreicher umworben« worden als die SGE, weil sie »einst einen Stil praktizierte, der ›kunstnah‹ zu nennen war«.
Ich zitierte u. a. Eckhard Henscheids legendäre »Hymne auf Bum Kun Cha« (»Am Abendhimmel blühte ein Frühling auf, und / Sein Name war Cha. Die Eintracht aber, jahrlang / Von Klippe / Zu Klippe / Geworfen, glühte mit dir, o mein Trauter, zu / Neuschönem Glanze«) sowie Henscheids Eloge auf die Epiphanie eines »Quadrupelpasses Bein-Binz-Andy-Möller-Bein, explosiv elektrisierend wie eine Chopinsche chromatische Terzenkaskade«.
Ich hätte mich, cum grano salis, aber ebensogut an die wackeren Männer aus dem FR-Sportressort halten können. Zumindest in den ersten beiden Jahrzehnten nach dem Krieg pflegten sie bisweilen eine nahezu lyrische Beziehung zu den »Riederwäldlern«. Ein »Drahtbericht unseres Fachmitarbeiters Günter Wölbert« vor dem Finale des Europapokals der Landesmeister gegen Real Madrid in Glasgow am 18. Mai 1960 begann zum Beispiel so: »Der glühende Sonnenball am wolkenlos blauen Himmel über der wildromantischen schottischen Küste, sechzig Kilometer westwärts Glasgows, und der aus den Herzen der Eintracht-Spieler strahlende freundliche Optimismus sorgen für Sonnenschein im Hauptquartier des Deutschen Fußballmeisters.«
Dergleichen ab und an einnehmend keusche Poetereyen, die den gewöhnlich betulich vor sich hin knatternden Berichtston punktuell ins Schief-Schöne verschoben, wurden begleitet von ungeniert parteilichen Einlassungen. »Wir sind alle unruhig und ungeduldig wie kleine Kinder […]. Selten hat ein Sportereignis so die Herzen berührt wie das Spiel am heutigen Abend im fernen Glasgow, das durch das Wunder des Fernsehens in unsere Stuben verpflanzt wird«, hieß es, und die »kritische Einschätzung« nach dem 3:7 gegen den »Kolossalsturm« der Madrilenen zeichnete sich dann auch eher durch melancholische Hingabe denn durch analytische Schärfe aus.
»Stolz« müsse man auf die Eintracht sein – das war der Tenor jener Tage, in denen Ressortleiter Erich Wick in einem Porträt über Paul Oßwald den Meistertrainer vom Main unverkennbar höher einschätzte als Bundestrainer Herberger (womit er womöglich sogar recht hatte) und ihm attestierte: »Der Trainer weiß, daß er die großen Tiere nicht reizen darf« – den »›verriegelten‹ Pfaff« beispielsweise oder den »eleganten, selbstsicheren, jungen Stinka«.
Fünfunddreißig Jahre später führten einige der »›Ballratten‹ vom Riederwald« (Wick) einen ziemlich ridikülen Tanz auf. Anthony Yeboah, Jay-Jay Okocha und Maurizio Gaudino, schwer beleidigt und gedemütigt oder was, verweigerten nach einem von Trainer Jupp Heynckes angeordneten Sonderwaldlauf die weitere Arbeitsverrichtung, und »die Folge war der zweifelsfrei größte Knall in zweiunddreißig Jahren Bundesligazugehörigkeit« (Walther Lücker, 5. Dezember 1994) – sowie ein wochenlang über die Sportseiten der FR sich hinwegwälzendes Gezeter über speziell Yeboahs gekränkte »Ehre«, über die unterdessen traditionelle Herrschaft der »Querulanten« in der notorisch »launischen« ersten Mannschaft, über »Eitelkeiten« und – nun eher Heynckes angelastete – Herrenmenschenallüren (diesbezüglich legte sich vor allem Peter Körte im Feuilleton ins Zeug, vom »Rassismus« bis zum »eisernen Korpsgeist« blieb da nichts unerwähnt). Nein, bei all den Possen und »Irrungen und Wirrungen« ward hier das, was die FR wohl im Kern ausmachte, oftmals aufs prangendste auf seinen Begriff gebracht: die moralische Entrüstung, am prächtigsten verkörpert durch meinen Lieblingstugendwart und Sprachverbieger Harald Stenger, der sich etwa am 11. Januar 1995 bitterlich über den »Schlendrian«, über »Konfusion und Chaos«, »Peinlich- und Niveaulosigkeiten«, den fehlenden »Realitätssinn« und »Dilettantismus« in der Führungsetage der Eintracht beklagte – und zwar in einer einzigen winzigen Kommentarspalte.
Hinter alledem verbarg (und verbirgt) sich, scheint mir, die gekränkte Liebe des Fans, der es auf die andere Seite geschafft hat. In keiner anderen bedeutenden Tageszeitung hierzulande dürfte sich die unverbrüchliche Verbundenheit der Redakteure mit dem Herzensverein derart unverhohlen artikulieren oder artikuliert haben. Das ist, verglichen mit dem manchmal gekünstelt wirkenden Habitus der Distanziertheit in anderen großen Blättern, vielleicht schlicht und einfach ehrlich.
Thomas Kilchenstein schrieb 1998 für eine Anthologie, für die ich als Co-Herausgeber verantwortlich zeichnete, eine herzergreifende Geschichte über seinen Einsatz als Reporter beim zweiten Relegationsspiel gegen den 1. FC Saarbrücken im Sommer 1989 – und machte aus seiner Sympathie für die Adlerträger keinen Hehl. Im Mai 1999 pries er vor dem Bundesligasaisonfinale (nach dem schließlich nicht Frankfurt, sondern skandalöserweise respektive aus blanker Dummheit der 1. FC Nürnberg abgestiegen war) unablässig die »bemerkenswerte« Entwicklung der Mannschaft, ihren »Charakter«, den »bravourösen Torwart« Nikolov, er beschwor die Chance, »aus der Geschichte Nektar [zu] saugen«, und so fort – nahezu jede Zeile Ausdruck einer hoffnungs- und euphoriegesättigten Inflammiertheit. Anders gesagt: »Es brummt und summt am Riederwald« (Kilchenstein, 26. Mai 1999), nein, »es brodelt, brummt und summt« (derselbe, 27. Mai 1999) ebenda.
Die Dramatisierung war bei den Sport-»Recken« der FR nie verpönt. Sie ist ja auch das womöglich angemessenste Mittel, die poetischen und metaphysischen Schichten des Fußballspiels sprachlich zu erschließen. Und die infamen, perfiden. An denen labte sich all die Jahre, zumal angesichts der nicht endenden Lizenz- und Geldgaunereien, leidenschaftlich Harald Stenger. Da ließ sich turnusmäßig »wieder nichts Gutes erahnen«, da litten sie allesamt unter teuflischer »Selbstüberschätzung«, da sollten die öffentlichen Diskussionen »in den nächsten Tagen sicher weiter eskalieren«, da mahnte Stenger »mehr Wahrheitsliebe« an, da tadelte er »Hochmut und Schönfärberei« ad infinitum, und warum es die Eintracht in Anbetracht der wie von höheren Mächten verhängten »düsteren Realität« heute überhaupt noch gibt, das weiß wohl allein Heribert Bruchhagen.
Neben der gutinformierten Sportredaktion der FR freilich.
Versuch, Fußball zu gucken
Mir fällt zum Fußball nichts ein. Nichts mehr. Im Moment. Die Sonne scheint, das genügt. Ich habe einen ansehnlichen Batzen von Texten und Büchern über Fußball geschrieben, und jetzt fällt mir zum Fußball überhaupt nichts mehr ein.
Ich werde keine Zeile über Michael Ballack schreiben. Ich wüßte ja auch gar nicht, was ich über Michael Ballack schreiben sollte. Vielleicht steht in dieser Zeitung etwas über Michael Ballack, das könnte ich lesen, aber ich werde es nicht tun. Ich habe den Fußball satt. Das ist schön.
Vor drei Wochen ging mein Fernseher kaputt. Darüber bin ich froh. Kein Videotext mehr, kein süchtiges Suchen nach Nachrichten aus der Welt des Fußballs mehr, wenn man aufwacht und Ablenkung sucht vom grauenhaften Wetter da draußen oder von den Verwüstungen im eigenen Kopf.
Die Sonne scheint, mein Kopf schmerzt, und das einzige, was ich über den Bundesligaspieltag weiß, ist, daß die Eintracht auswärts 4:0 gewonnen hat. Das hat Fipps am Samstagabend in meiner Stammkneipe gesagt, daran erinnere ich mich. Ich habe keine Ahnung, wie die anderen Spiele ausgegangen sind, man glaube es mir, oder man glaube es mir nicht.
Die Sonne scheint, der Kaffee schmeckt, der Kopf ist eine Ruine, und am Nachmittag werde ich mich wieder um mein neues Heim kümmern.
Ich hatte es ja fest vor. Ich wollte es versuchen. Ich wollte versuchen, mal wieder Fußball zu gucken, seit der WM zum erstenmal wieder. Ich bin gescheitert, und es macht mir nichts aus.
Am Samstag kamen um die Mittagszeit die Freunde M. und M. vorbei. Sie hingen Türen aus, schraubten Handläufe ab und wuchteten für mich einen schönen alten, massiven Schreibtisch aus der Waschküche, trugen ihn Treppen hoch und durch Gänge und über die Straße zu meinem neuen Heim. Das war eine ungeheure Leistung, die die beiden durch Dialoge von wahrhaft Beckettschem Zuschnitt krönten.
Als der Schreibtisch im Hof vor meinem neuen Heim stand, meinten M. und M., daß jetzt ein paar Belohnungsbiere fällig seien, die Bundesliga fange ja erst in eineinhalb Stunden an. Ich ging zur Trinkhalle und kaufte sechs Balkonbiere, die wir dann auf dem Balkon meines neuen Heims in uns hineinlaufen ließen.
»Es gibt nichts Besseres als was Gutes«, sagte M. Die Biere in der Sonne schmeckten vorzüglich. Eine Stunde später kam der freundliche Sami, der Inhaber der Trinkhalle, vorbei, mit einer Tüte voller Balkonbiere. »Ein Geschenk zum Einzug«, sagte er und lachte.
Nach achtzehn Balkonbieren latschten wir in meine Stammkneipe und laberten und tranken weiter. Irgendwann fiel mir ein, daß ich ein paar Zeilen über den Bundesligaspieltag würde schreiben müssen, und ich fragte die beiden Freunde, was ich schreiben solle.
»Schreib irgendwas über Ballack«, sagte M., und dann bestellten wir noch eine Runde.
Homer mal Vergil im Quadrat
Es ist immer wieder erhebend zu sehen, welche Sozialcharakterexemplare der Spitzensport, der mit Fug und Recht Dumpfensport genannt werden darf, in prachtvoller Regelmäßigkeit hervorbringt: von Kindesbeinen an in ein autoritäres, mitunter mindestens semikriminell-korruptes Sichtungs- und Fördersystem eingespannte, jeder Möglichkeit einer halbwegs humanen, nicht vorbestimmten Entwicklung beraubte Menschen, die auf Grund des eklatanten Mangels an Erfahrungen außerhalb des Drill- und Züchtungsapparates später zuverlässig an schweren Formen des Realitätsverlustes leiden, ohne das zu merken, geschweige denn reflektieren zu können, wie sollten sie auch über die Fähigkeit zur distanzierten Selbstwahrnehmung verfügen.
Zerbröseln die Wände des Kerkers, in den man sie vor langer Zeit gesperrt und in dem man ihnen weisgemacht hatte, die Vorgaben des Leistungswahnsystems hätten etwas mit der Welt und dem Leben zu tun, drehen diese gesellschaftlich determinierten Sportkretins nicht selten durch. Das teilen sie mit anderen Zwangscharakteren und Paranoikern, mit Hochstaplern und Wertpapierzockern, mit von Allmachtsphantasien heimgesuchten Politikern, mit bigotten Kirchenmännern und anderen Schwindlern, die sich seit Jahr und Tag in die eigene Tasche lügen, unausgesetzt die Öffentlichkeit betrügen und jene dann, wenn sie tatsächlich oder vermeintlich ertappt worden sind, nach den guten, alten Regeln des Manichäismus in die Bataillone der Gefolgsleute und der Feinde unterteilen.
Wir reden hier von keiner bestimmten Person. Wir haben lediglich in jüngster Zeit zufällig etwas genauer der Eisschnelläuferin Claudia Pechstein zugehört und ihre kürzlich auf den Markt gebrummte Autobiographie mit dem an einen Abenteuerroman erinnernden Titel Von Gold und Blut (Berlin 2010) gelesen. Doch, das haben wir, wir glauben es beinahe selber nicht.
»Ich weiß jetzt, wer auf die Liste der Freunde gehört und wer auf die der Feinde«, hat die fünffache Olympiasiegerin, x-fache Welt- und Sonstwasmeisterin sowie Topethikerin bei der Vorstellung ihrer »Selberlebensbeschreibung«, wie Jean Paul derartige Bücher nannte, kundgetan, wobei in unserem Fall Pechsteins Manager Ralf Grengel, ein, so heißt es, ehemaliger Sportjournalist, aufgeschrieben hat, was ihm jene Dame erzählte, die zum Opfer des laut Klappentext »größten Justizirrtums in der Geschichte des Anti-Doping-Kampfes« wurde. Doch, das Wort »Opfer« ist richtig gewählt. Dieter Bohlen, gleichfalls ein Meister im Metier der autobiographischen Parfümierung, hätte allerdings »Megaopfer« gesagt.
»Anomalie oder Doping? Auf diese Frage brachen sie mein Schicksal herunter«, heißt es, die auf nahezu fünfhundert vor Esprit und Eleganz glühende Seiten ausgewalzte Exkulpationsschrift beschließend, im letzten Kapitel, in dem die seit dem Februar 2009 wegen erhöhter Retikulozytenwerte von der Internationalen Eislaufunion ISU gesperrte und von allerlei Unholden »unschuldig verfolgte« ehemalige Goldsilberbronzeschwarzrotgoldmarie noch einmal den Säbel und wider die Schurken im »Anti-Doping-Sumpf« zu Felde zieht, nicht ohne allen Ernstes zehn Vorschläge zur Reform der Dopingkontrollen zu unterbreiten, die »eine durchschlagende Glaubwürdigkeit im Kampf gegen die Betrüger« zur Folge haben sollen.
Wir befinden uns im falschen Buch? Nein, Claudia Pechstein befindet sich bis zur letzten Seite permanent, wir haben irgendwann aufgehört zu zählen, »im falschen Film«, den manch anderer als den richtigen, nämlich als Realität bezeichnen würde.
»Schicksal« – auch dieser Ausdruck paßt wie Kaviar zu Vanilleeis. »Ich wurde bejubelt, gefeiert, hofiert. Und öffentlich hingerichtet.« Es richtete »sich das Schwert gegen mich […]. Mit aller Schärfe. Um jeden Preis.« – »Es war stets mein größter Alptraum, mein Name könne in einem Atemzug mit dem Wort ›Doping‹ genannt werden.« Ja, ein Schicksal von antikischer Größe und Tragik, eine Verschlingung von Glorie und Perfidie, ein Epos über Ruhm und Hinterlist, das es locker mit Homer mal Vergil im Quadrat aufnehmen kann. »Mein Leben zwischen Olymp und Hölle« lautet denn auch der Untertitel. Man ist schier fassungslos – ob der Aufdringlichkeit jener Liaison, die das niedere Skribententum mit der Hybris einer auf Kufen durch die grunzgescheite Sportgeschichte kurvenden Polizeihauptmeisterin, die noch nicht allzu viele Paßkontrollen durchgeführt haben dürfte, in dieser Causa eingegangen ist.
Bis heute liegt kein stichhaltiger Nachweis über Claudia Pechsteins durch ständig neue und überarbeitete Gutachten angeblich belegte Kugelzellanomalie vor. Vielmehr soll sie mittlerweile an der noch selteneren Xerozytose leiden, was, milde ausgedrückt, schwer nachweisbar wäre. Dessenungeachtet marschieren durch diesen schon sagenhaft redundant-geifernden Buchstiefel unverdrossen mantraartig die Begriffe »Hexenjagd«, »öffentliche Stimmungsmache«, »öffentliche Hinrichtung«, »Bannstrahl«, »Jagdfieber«, »Vorverurteilung«, »Riesensauerei«, »Glaubenskrieg«, »Feldzug«, »Berufsverbot«, »Scheiterhaufen« und »faule Tricks«, um das Lager derjenigen Richter, Funktionäre und Journalisten zu kennzeichnen, die Pechstein »abschlachten« wollten und wollen. Nur gut, daß Claudia Pechstein Bild und Bild am Sonntag, die ehernen Garanten von Moral und Integrität, auf ihrer Seite weiß. Und nur gut, daß sie ihr blitzsauberes dualistisches Weltbild mit putzigen Medaillenposerphotos garniert, auf die wir uns hier keinen zweiten Reim machen wollen.
»Was für ein linkes Ding. Ich kann gar nicht so viel essen, wie ich kotzen könnte«, diktierte Claudia Pechstein Ralf Grengel aufs unschuldige Tonband. Als »echtes Kampfschwein« tituliert sich die, scheint’s, lauterste und fairste Sportlerin der jüngeren Menschheitsgeschichte, und bevor wir die von der unheiligen Inquisition verfolgte Wintersportgranate heiligsprechen und ihr obendrein für die Zweitauflage den Titel Ich, Claudi – Die ehrliche Lycrahaut spendieren, bleibe abschließend nicht unerwähnt, daß die von der ISU »mit Schimpf und Schande« Überhäufte daran dachte, sich »dem Absturz, der ganzen Ausweglosigkeit« durch Selbstmord zu entziehen – und das auf eine derart patzig-schmierige Manier schildert, daß wir zu fragen wagen: Obszöne Koketterie? PR-Frechheit? Und mit Bertolt Brecht hinterherschicken: »nachbar, euren speikübel!«
Es gibt Bücher, die man mit der Kneifzange anfassen muß. Und es gibt Bücher, mit denen man nicht mal mittelbar in Berührung kommen sollte. »Ich wünsche mir, daß das Buch zur Pflichtlektüre für Journalisten wird«, sagte Claudia Pechstein bei der Vorstellung. In den Redaktionen der Springer-Presse dürfte ihr Wunsch erhört werden.
Gekasschnitzel
Am Freitagabend sagte Achim Greser auf der Titanic-Weihnachtsfeier zu mir, beim Fußballgucken bereite ihm Matthias Sammer am meisten Freude. Wenn Sammer als Sky-Experte im Einsatz sei, zähle er, Achim, immer mit, wie oft der DFB-Sportdirektor die Phrase »ein Stück weit« verwende. Sammer rage aus dem Heer der »Ein Stück weit«-Automaten mindestens »ein Stück weit« heraus, meinte Achim, der darüber hinaus betonte, daß in der laufenden Saison so viele Tore wie seit langem nicht mehr fielen und so viele Auswärtssiege wie seit Jahren nicht mehr zu verzeichnen seien.
Ich schaue mir Frankfurt gegen Mainz im Kyklamino an. Die Eintracht hat eine exzellente Auswärts- und eine miserable Heimbilanz. Das verspricht einen vergnüglichen Nachmittag, zumal da Tuchels Team mit einer »flachen Vier« spielt und die »gefühlte Ballbesitzzeit«, wie der Reporter mitteilt, erstaunlich, ja: intensiv sei? Hoch sei? Eine hohe Zeit?
Noch besser würde ich mich fühlen, stünde ich jetzt auf der Hohen Acht und blickte über die wunderbare, verschneite Eifel. In der 35. Minute erzielt allerdings Russ das 1:0. Wenn der Russ’ mal kommt, ist alles zu spät, das weiß man, und deshalb sagt mein Kumpel Berry: »Dann gibt’s heute ein Fünfnull.«
Ein paar Minuten später tritt Risse auf und schlägt den Russ’ zurück. So. Berry: »Jetzt verlier’n sie.«
Ich überlege, ob ich eine hochnotwendige Kritik der Werbebande zusammenschmieren sollte, verwerfe den Gedanken aber nach dem nächsten Schluck Bier. Nach dem »Pausentee« (Reporter) ist die »gestiegene Erwartungshaltung« (laut Postkarte von Eckhard Henscheid tauchte die kürzlich in einem Sportbericht gleich viermal auf) förmlich mit den Ohren zu sehen. Berry: »Der Meier ist für den Grabowski gekommen.« Mir geht das ständige Reklamieren auf den Geist, dieses Träntütentheater. Fußball, schreibt Pit Chotjewitz, ist »eine Geschlechtskrankheit«.
Mainz sei nun »gut im Schuh«, klärt uns der Reporter auf. Sia sieht heute klasse aus. Berry erzählt: »Ich hab’ noch nie so viele Besoffene vor dem Stadion rumliegen sehen wie in Dortmund.« Wirt Apollo kommentiert die Vorstellung der Eintracht: »Dieses Stehen ist am Arsch!«
In der 75. Minute erhält Frankfurt einen Freistoß. Einer brüllt: »Wir brauchen jetzt Dr. Hammer!« Der Reporter: »Man müßte jetzt aus solchen Situationen mal Nektar saugen.« Berry: »Das ist wie im Pornofilm.« Hm. Ein anderer: »Der eine ist zu kurz, der eine ist zu langsam, der andere fällt um.«
Apollo erläutert, daß »Gekas« wörtlich »Jagdhund« oder »Jäger« bedeute. »Oder Hundesohn«, wirft jemand ein und ergänzt: »In Zukunft bestelle ich Gekasschnitzel.«
Der Mainzer Holtby habe in den vergangenen Wochen »Kreativität tanken können«, schnabelt der Reporter vor sich hin. Apollo und Berry stoßen mit Wodkanektar »auf den an, wo dem Tor schießt«. Erledigt wird das von Gekas.
Das war es dann für vorgestern.
Zu gut zum Siegen?
Mag sein, daß in der aktuellen Bundesligahinrunde neuerlich allerlei First-class-Dummheiten und spielerische Toppleiten das kulturelle Leben in dieser Glanzrepublik bereichert haben, doch der unanfechtbare Höhepunkt fußballerischer Kunstausübung und -darbietung war am 2. Oktober 2010 im Frankfurter Gallusviertel zu gewahren, als zum drittenmal nach 2007 und 2008 das »Große Turnier um den leeren Gallus-Pokal« ausgetragen wurde.
Ich hatte eiskalt beschlossen, nicht zu spielen – den dreckigen Job der Titelverteidigung sollten andere erledigen –, mich zum Teammanager von »Hermann United« ernannt und Katja zur Technischen Direktorin degradiert, die nun für die Spielerbeschaffung und surrealistische Taktikskizzen zuständig war, die unseren Hauptfeind, meinen Stammwirt Apollo und dessen Ramschtruppe »Apollo 11«, irritieren und demotivieren sollten.
Am Vorabend des 2. Oktober standen exakt zwei Spieler auf meiner goldgefaßten Managerschiefertafel: der Trierer Dauerläufer und -esser Jöricke und unser in mancher Kesselabwehrschlacht gestählter Torwart, der Universalhandwerker und -politologe Martin S., der, um Gegentreffer zu verhindern, notfalls unser Tor auf dem abermals optimal überfluteten Kleinplatz gegenüber der Societäts-Druckerei geschwind abschrauben würde.
»Katja, du hast versagt, ich muß dich entlassen«, brummte ich am Tresen des Kyklamino. »Was soll ich denn machen? Einer hat Knie, einer hat zwei Knie, einer hat gar kein Knie mehr, und einer hat keine Schuhe. Was ist überhaupt mit deiner Nia Künzer?« – »Hab’ mein Handy ins Bierglas geschmissen und deshalb ihre Nummer nicht mehr.« – »Und du willst Manager sein? Sogar Elena, die von dir erkieste Pressesprecherin, ist spurlos verschwunden!«
Bevor die Situation eskalierte, schritt Martin S. ein: »Ruhig, Leute! Wir organisieren einfach schnell ein paar kaputte Typen mit Killerinstinkt. Ich kenn’ zwei Zigarrenraucher, die haben gut Luft, die ruf’ ich an.«
Nach zwei Telephonaten war klar, daß die Zigarrenraucher zwar gut Luft zum Saufen, aber keine Lust zu laufen hatten. Ich erreichte wenigstens den Gießener Kollegen Jörg S., der mir steckte, irgendwas »mit den Knien« zu haben. Ich kündigte ihm die Freundschaft, da sagte er zu, und auch Katja hatte plötzlich die zwei Brecher Mirko und Christoph engagiert.
Apollo, der Berlusconi des Gallus, verfügte laut Spielerplan über zwanzig Luschen, lauter korrupte Einkäufe. »Es geht morgen um brutalstmögliche Härte«, schwor ich uns drei lautstark ein, »der Trojanische Krieg wird nichts dagegen gewesen sein.« Apollo winkte ab und griente sardonisch, und ich erteilte unserem Torwart Vögelverbot. »Logisch, dumm kickt gut«, sagte er, und Katja meinte: »Zur Not renn’ ich mit der Uzi auf den Platz.«
Sport1 meldete am nächsten Morgen die falsche Anstoßzeit – beziehungsweise gar nichts. Ich klingelte noch Jürgen L. aus dem Bierfaß. Er brachte Dinu mit, hatte selber aber keine Hose und keine Schuhe, und der Amerikaner Peter B. stieß zu uns. »Das geht eher Richtung Paralympics«, stöhnte Jörg S. und fragte mich sachlich: »Wie, du spielst nicht mit, du Schwein?« – »Das gibt einen Eintrag ins Klassenbuch«, sagte Katja.
»Wir haben vier Defensivkräfte und einen Verteidiger«, lotete Jöricke unsere Chancen aus. »Du Arsch machst die Buden – und fertig!« munterte ich ihn auf, als die dritte Mannschaft auftauchte, ein äußerst undurchsichtiger Verein namens »Orange Beach« unter der Leitung des Pressemoguls Martin O.
Von Apollos »Cracks« waren Stücker drei erschienen. »Ist das schön, diese Ratlosigkeit!« sangen wir. Jürgen L. lief, um sich warmzumachen, in Straßenkleidung auf den Platz und fiel in ein Schlammloch. »Ich hab’ keine Luft mehr«, sagte er. Martin S. ergänzte: »Mental sind wir alle verletzt«, und Jöricke schmiß eine Flasche Pfungstädter in die Büsche: »Und die erste Plemp schon wieder weg.«
Ich gab die Losung »Ich will bedingungslose Unfairneß sehen!« aus, und nach zwei Minuten hatte Jöricke zwei Kisten gemacht. Jürgen L. und ich näherten uns der ersten Hälfte der ersten Kiste. Christoph netzte zum Dreinull ein, und am Ende war »Orange Beach«, der Geheimfavorit, wie gemunkelt worden war, trotz einheitlicher Trikots und Binding-Dopings mit 5:2 den Bach runtergegangen, insbesondere wegen der Fabelpässe des Königs der Lupfer, Jörg S., und Jürgen L.s pirouettenartigen Umfalleinlagen.
»Wir sind hier, um den Titel zu verteidigen«, stellte Jöricke, der Platinbomber aus Trier, klar. »Wir dürfen den Hochmut nicht sinken lassen«, hetzte Martin S. »das Team« (Katja) vorbildlich auf. »Diskret auftrumpfen«, so nun wieder Jöricke. Denn, das sah Apollos Auslosung vor, wir mußten schon wieder ran, gegen Erzfeind »Apollo 11«.
Es gibt Vorfälle in der Geschichte des Fußballs, die niemand begreift. Wir waren schneller, beweglicher, technisch besser, wir waren Brasilianer mit der Moral von Dänen, wir hatten Jürgen L., und mein Coaching (»Ball kontrollieren!« – »Ihr steht gut!«) war brillant. Wir spielten Apollos Schummeltruppe, die aus Stammkräftemangel kurzerhand mit vier »Orange Beach«-Apostaten und -Arbeiterverrätern unter der Regie des Martin O. verstärkt worden war, an die Pfosten – und lagen in der 14. Minute, weiß der Dompfaff, warum, 0:1, nach zwanzig Minuten, tja, 0:6 hinten. Waren wir zu gut zum Siegen?
Fünf Minuten vor dem Abpfiff schob Jürgen L. nach einem beidfüßigen Ballbillardballettänzchen zum 1:6 ein, doch ich fragte mich und uns, den Jammer jämmerlich übertünchend: »Hattet ihr Scheiße am Stiefel?« Martin S.: »Das dürfen wir in hundert Jahren nicht verlieren, das gibt es nicht!«
Martin O., Judas Ischariot in persona, grinste: »Die dritte Halbzeit ist gerettet.« Meine Mannschaft beriet darüber, ob ich noch zu halten sei. »Apollo 11« gewann, nicht zuletzt, weil Uli der Blocker, der Spieler des Turniers, das einzige Foul des Nachmittags beging, auch die Abschlußpartie und holte den Titel. Martin O. reichte mir die Hand: »Ich hab’ ja ungern gegen mich gewonnen.« So sehen Schurken aus.
Später feierten die Apoakropolisstalinisten im Kyklamino den größten Betrug der Fußballgeschichte. Meine Leute schrieen »Roth raus! Roth raus!«, und einzig Freund Jöricke wandte sich mir zu und sagte: »Mach mal die Kamera klar, ich schmeiß’ gleich einen Barhocker quer in die Flaschenbatterie.«
Was danach passierte, erzählen wir ein andermal.
Es gibt keinen Sand in der Sahara
»2010 stellte ein besonderes Sportjahr dar«, hieß es kürzlich formvollendet in der Thüringer Allgemeinen, und auch der ORF blickte zufrieden zurück: »Die Kegelweltmeisterschaften mit Teilnehmern aus neunzehn Nationen fanden in Ritzing statt, die U-20-B-Basketball-EM ging in Oberwart und Güssing über die Bühne.« Tu felix Austria, aber hallihallo!
Vermutlich mit einem kraftvollen »Horrido!« auf den Lippen holte Viktoria Rebensburg in Vancouver Gold im Riesenslalom, zeigte den Österreichern die lange Nase und erklärte: »Bei Olympia muß man riskieren oder probieren, sonst gewinnt man nur Himbeeren oder Bananen.« Beziehungsweise ein Glas Ananassaft mit Wermut.
Noch in der Retrospektive bekam sich der Spiegel angesichts der angeblich durch und durch grandiosen Winterspiele nicht mehr ein. Weil die Wettbewerbe in den jüngsten Toptorheitsdisziplinen Snowboard, Freestyle, Skicross, Shorttrack und Hampeldipampel so gut besucht waren, flötete das Blatt zum Jahresausklang: »Die olympische Bewegung wurde entstaubt. Die Spiele in Kanada waren ein Fest der jungen Disziplinen.« Ich jedoch sage euch: Wenn der erste Shorttracker freestylish die vereiste Crossroad vor meiner Haustür quert und dabei einen Snowboarder grüßt, der über den Bürgersteig gleitet, wandere ich nach Katar aus und eröffne da eine Schlittenhundeschule.
Nein, nicht, mit Thomas Müller zu reden, der bei der WM in Südafrika ein Tor erzielte, das eine exakte Kopie des 2:1 von Gerd Müller im Finale 1974 war, – nicht Mexitinien erhielt den Zuschlag für das Championat 2022, sondern Liechtenstein, Unfug: Malta, Quatsch, Katar natürlich, welches Land denn sonst. Wäre ja gelacht gewesen, hätten sich die Gaudiburschen und Wonneproppen im FIFA-Exekutivkomitee ausnahmsweise mal nicht äußerst erkenntlich für die kleinen Gaben aus allerlei staatlichen und anderweitigen Schwarzgoldtöpfen gezeigt, aus arabischen und russischen Säckeln, die wohl hinsichtlich der Vergabe der WM 2018 an das ehemalige Reich des Bösen von Platinpremier Putin persönlich bis zum Platzen befüllt worden waren.
Das ganze Schmierentheater in der Gauneroase Zürich respektive Schweiz, in der korrupte Weltsportfunktionäre strafrechtlich nicht belangt werden dürfen, ward flankiert nicht nur, wie der Spiegel berichtete, von einem holden »Heer von Regierungschefs, Abgesandten europäischer Königshäuser und arabischer Emirate, Fußballidolen und Verbandsfürsten«, sondern auch von Enthüllungen der BBC und des Schweizer Tagesanzeigers über einen neuen wunderschönen Bestechungs- und Versaubeutelungsvorgang innerhalb des Fußballweltverbandes, über den, wenn’s kein anderer anpackt, ich demnächst wirklich ein Theaterstück in Shakespeareschem oder Schillerschem Zuschnitt zusammenkloppen werde, mit der Hauptfigur Joseph Seppl Blatter als Variante von Richard III. oder Philipp II.
Nun, diesmal mußten sich diverse Mitglieder des FIFA-Exekutivkomitees, unter ihnen der sattsam bekannte brasilianische Schmiergeldentgegennehmer Ricardo Teixeira, vorhalten lassen, etliche Millionen eingesteckt zu haben, die BBC belegte insgesamt hundertfünfundsiebzig Geheimtransaktionen der appetitlichsten Art. Und die Reaktion des Gutsherrn Blatter? Pah!
Mehr noch: Blatter, über den die Schweizer Gammelgazette Blick kürzlich zusammenschmierte, der Patron sei auf Grund seiner – Obacht! – »Bescheidenheit und Demut« so »charismatisch«, tat, ohne daß er grün, rot und blau zugleich anlief, kund: »Es gibt keine systematische Korruption in der FIFA. Das ist Unsinn.« Stimmt. Es gibt keinen Sand in der Sahara. Das ist Unsinn.
»Ob der Sepp«, fragte der Journalist Jens Weinreich, »schon an Pseudologie leidet?« Also an der Lügenkrankheit? Antwort Weinreich: »Die Wahrheitsbeugungen, die Blatter begeht, müssen erst noch gezählt werden.« Und damit werden wir im neuen Sportjahr genausolange zu tun haben wie mit der Ermittlung des Tour-de-France-Siegers Anno 2010. Heureka und halleluja!
Soweit war das Sportjahr 2010 mithin eines wie immer, auf unseren lieben Sport ist halt Verlaß, national wie international. Im italienischen Fußball wurde abermals ein gigantischer Betrugsskandal aufgedeckt, der bis in die zweite Bundesliga ausstrahlt, in Spanien hob die Guardia Civil einen Dopingring rund um den notorischen Arzt Eufemiano Fuentes aus, und hierzulande nagelte insbesondere die Sport Bild, zu der Ioannis Amanatidis von der Frankfurter Eintracht mal fallengelassen hat: »Schmuddelblatt«, »schreibt im großen und ganzen nur Dreck«, den üblichen Stiefel voller Ahnungslosigkeit, Nichtigkeit und Hetze zusammen, indem sie zum Beispiel wochenlang den ziemlich untadeligen Michael Ballack derart degoutant demontierte, daß man den Springer-Säcken ein ungarisches Mediengesetz an den Hals wünschte – während der Veranstalter der alpinen Ski-WM im Februar in Garmisch-Partenkirchen ankündigte, Journalisten vor ihrer Akkreditierung geheimdienstlich durchleuchten zu lassen.
Neu war allerdings, daß Sebastian Vettel Formel-1-Weltmeister wurde – wegen seiner »Renngeilheit«, unterstrich Michael Schumacher; daß die Nationalmannschaft außer im hasenfüßig vergeigten Halbfinale gegen Spanien mirakulös elegant auftrat – und, meinte die vollkommen narrische B. Z., »mit Selbstvertrauen so groß wie Mozart«; daß der widerliche Boxpromoter Ahmet Öner nach einer Niederlage des Schwergewichtlers Steffen Kretschmann zum besten gab: »Hiermit ist er frei. Ich übergebe ihn der Masse. Sie kann ihn haben und zu Hause ausstopfen«; daß im Landtag von Sachsen-Anhalt tatsächlich über den Einsatz von Gummigeschossen und Drohnen bei Sportveranstaltungen debattiert wurde; und daß Handballer und Basketballer gegen das Anti-Doping-Meldesystem protestierten, derweil der Wiener Dopingfahnder Andreas Holzer erzählte: »Wir stießen während unserer Ermittlungen auf Hobbysportler, die für die Vorbereitung auf einen Marathon rund siebentausend Euro in Dopingpräparate investierten, nur um von Platz 1.042 auf Platz 912 nach vorn zu kommen.« O gesegnete Welt des ubiquitären Sports!
Was steht in den kommenden zwölf Monaten an? Worauf dürfen wir uns freuen? Auf das Sequel von Louis van Gaals Autobiographie, diesmal so dick wie James Joyce’ Ulysses? Auf Tennismatches in Wimbledon, die drei Tage und zwei Nächte dauern? Auf die Vergabe der idiotischen Olympischen Winterspiele 2018 an München, da, teilte uns DOSB-Präsident Thomas Bach im Zusammenhang des obstinaten Auftretens der Olympiagegner mit, »das olympische Dorf als Erbe der Spiele die Wohnungsnot in der Stadt lindern« würde? Auf eine Leichtathletik-WM ohne Fernsehbilder, weil ARD und ZDF nur sechs statt der geforderten fünfzehn Millionen Euro für die Rechte rausrücken wollen? Auf eine Frauenfußball-WM, über die sogar die OK-Präsidentin Steffi Jones sagt, sie habe »Angst, daß wir in unseren Erwartungen nicht realistisch bleiben«?
Na ja, Dr. Theo Zwanziger schreibt auf der Website seines Ladens: »Ich bin mir jedenfalls sicher, daß die WM gut für unser Land sein wird«, und Dr. Theo Zwanziger ist ein weiser, ja weitblickender Mann. Nur gut, daß Günter Netzer bekannte: »Ich würde mir nicht zutrauen, ein Frauenfußballspiel zu analysieren«, weshalb wir frohgemut nach vorne schauen und dem Sportjahr 2011 schon heute ein herzliches »Hurra!« entbieten. Aber holla!
Der Krampf geht weiter
In unserer phänomenalen Medienwelt erfährt man nahezu unentwegt Dinge, die ob ihrer schieren Unbegreiflichkeit derart betörend, ja enervierend sind, daß man sie am liebsten, mit Karl Valentin zu reden, noch nicht mal ignorieren würde. Andererseits möchten wir schon zitieren, was jüngst der Mediziner Stefan Eber in der allzu beknackten Causa Claudia Pechstein dargelegt hat, nämlich – aufgepaßt! –: »Der bislang für die bekannten Permeabilitätsdefekte [der Xerozytose] untypische, verkleinerte Erythrozytendurchmesser von Claudia und ihrem Vater weist auf eine Mischform mit der hereditären Sphärozytose hin.«
Capisce?
Nun, von einer solch mirakulösen »Mischform« war bis dato zwar nichts bekannt, aber das heißt selbstverständlich nicht, daß man nicht weiter ausführen könnte: »Ein definitiver Beweis für die hier beschriebenen Anomalien ließe sich durch die Messung der erythrozytären transmembranösen Kationenpermeabilität […] erbringen. Diese Untersuchungen sind sehr aufwendig und werden derzeit unseres Wissens in keinem Labor routinemäßig angeboten.«
Hm. Na ja. Schön. Oder auch nicht. Im übrigen wissen wir nicht, wie viele Säcke Reis in den vergangenen vierundzwanzig Monaten umgefallen sind, in denen uns die vom Internationalen Sportgerichtshof CAS wegen mutmaßlichen Blutdopings für zwei Jahre gesperrte Eisschnelläufern Pechstein mit ihren unermüdlich anberaumten Großereignispressekonferenzen die Langeweile vertrieben hat.
Und zwar bis gestern. Denn seit gestern ist sie wieder richtig da. Helau, halleluja. Es ist das alles wahrhaft wunderbar.
In Erfurt trat Claudia Pechstein bei einem gänzlich unbedeutenden Vereinssportfest über 3.000 und 1.500 Meter an und blieb unter der Norm des Weltverbandes ISU, so daß sie nun am kommenden Wochenende beim Weltcup in Salt Lake City starten wird. Sie hat nichts Besseres zu tun, auch als demnächst 39jährige, vom Alter her durchaus reif zu nennende Frau nicht. Kufen im Kopf, sonst offenbar nichts. Es ist ein Kreuz.
Das Kreuz jedoch, das hat Claudia Pechstein jetzt abgelegt, glauben wir ihr und der um sie herumkurvenden Hochleistungssportpresse, in der diese unfaßbare Frau Pechstein mit den Worten zitiert wird: »Ich bin wieder da. Das ist der größte Sieg meiner Karriere.« Und: »Unter diesem Druck zu laufen ist alles andere als leicht. Dieser Medienrummel war der Wahnsinn.«
Es ist längst nicht mehr auszumachen, wann genau der Wahnsinn begann, wann die Berliner Polizeihauptmeisterin zum erstenmal und in der Folge dann unerbittlich das Wort »Wahnsinn« in den Mund nahm. »Das Ganze ist der nackte Wahnsinn«, hatte die aufs ärgste geschmähte Olympiasiegerin nach dem CAS-Urteil geäußert, und fortan verging kaum eine Woche, in der sie nicht die Welt mit ihren Beteuerungen und Selbstinszenierungen belästigte, jeden Schamgefühls abhold und umrankt von allerlei Highendexperten.
Jetzt ist beinahe alles wieder im Lot, der Schwachsinn darf halt kein Ende nehmen. »Es wurde ein kleiner Triumphzug für die Berlinerin«, meldet die Welt und fügt hechelnd hinzu: »Mit den eigenen Augen sehen mußte man Claudia Pechstein gar nicht, um zu wissen, wo sie gerade ist. Als sie ihre Runden dreht, springen die Zuschauer auf, wenn die Athletin vorbeirauscht, kreischen sie laut auf.«
Von einem »medialen Großereignis« ist vielerorts die Rede, und die FAZ berichtet: »Um ihnen [den Fans] Beine zu machen, hatte der Veranstalter trotz der prominenten Starterin bei seinem Nachwuchswettbewerb darauf verzichtet, Eintrittsgeld zu verlangen. Claudia Pechstein hatte der Lokalzeitung ihr einziges Interview dieser Tage gewährt und um breite Unterstützung geworben.«
Die ist ihr zuteil geworden, etwa durch den Berliner Kurier, der die Schleimschleuder anwarf und unter der Überschrift »Pechis größter Sieg« von einer »Unrechts-Sperre« faselte und »diesen am Ende so wunderbaren Tag« mit dem Krönungssatz bejubelte: »Eine Kämpferin war Claudia Pechstein schon immer.«
Wohl wahr. Pechstein gab hernach selber kund: »Der Kampf ist dann vorbei, wenn ich vollständig rehabilitiert bin.«
Mehr Kampf war nie, und wir dürfen sicher sein: Der Krampf geht weiter, Muskel- und Hirnkrämpfe eingeschlossen.
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