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Julia Schattauer

WÄLDER
Wandern WOCHENEND’
AUSFLÜGE ZUM DURCHATMEN IN DEUTSCHLAND
*****

Mit Erholungsgarantie


INHALTSVERZEICHNIS

DER NORDEN

SACHSENWALD

1 Friedrichsruh

2 Kletterpark Schnurstracks

3 Eisvogelweg

LÜNEBURGER HEIDE

4 Heidschnuckenweg

5 Lüßwald

6 Wilsede

SPECIAL – BUCHENWÄLDER

DARSS

7 Leuchtturmweg

8 Weststrand

9 Künstlerdorf Ahrenshoop

NATIONALPARK MÜRITZ

10 Müritz-Nationalpark-Weg

11 Alter Buchenwald

12 Land der tausend Seen

DER OSTEN

HARZ

13 Brocken

14 Harzüberquerung

15 Bodetal

16 Hexentanzplatz

17 Rappbodetalspree

18 Teufelsmauer

SÄCHSISCHE SCHWEIZ

19 Bastei

20 Pfaffenstein

21 Malerweg

22 Kirnitzschklamm

23 Festung Königstein

THÜRINGER WALD

24 Rennsteig

25 Urwaldpfade

26 Wartburg

27 Marienglashöhle

SPECIAL – URWÄLDER

SPREEWALD

28 Kahnfahrten

29 Fontaneweg

30 Lehde

31 Kanu-Hochwaldtour

32 Slawenburg Raddusch

33 Luckau

ERZGEBIRGE/VOGTLAND

34 Greifensteine

35 Fichtelberg

36 Kammweg Erzgebirge-Vogtland

37 Drachenhöhle Syrau

DER SÜDEN

BAYERISCHER WALD

38 Goldsteig

39 Großer Arber

40 Höllbachgspreng

41 Kanutour Ilz

SCHWARZWALD

42 Feldberg

43 Schauinsland

44 Triberger Wasserfälle

45 Mummelsee

FICHTELGEBIRGE

46 Schneeberg

47 Fichtelsee

48 Felsenlabyrinth Luisenburg

49 Rudolfstein

FRÄNKISCHE SCHWEIZ

50 Walberla

51 Teufelshöhle Pottenstein

52 Wiesenttal

53 Brauereienweg

SPECIAL – WALDBADEN

SCHWÄBISCHE ALB

54 Blautopf

55 Burg Hohenzollern

56 Bärenhöhle

57 Uracher Wasserfall

BAYERISCHE ALPEN

58 Königssee

59 Zauberwald

60 Eibsee

61 Partnachklamm

RHÖN

62 Der Hochrhöner

63 Milseburg

64 Schwarzes Moor

DER WESTEN

PFÄLZERWALD

65 Dahner Felsenland

66 Burg Berwartstein

67 Deutsche Weinstraße

68 Karlstalschlucht

WESTERWALD

69 Westerwaldsteig

70 Fuchskaute

71 Stöffelpark

72 Westerwälder Seenplatte

EIFEL-VENN

73 Dauner Maare

74 Naturpark Hohes Venn-Eifel

75 Teufelsschlucht

76 Laacher See

SPECIAL – WALDTIERE

TAUNUS

77 Großer Feldberg

78 Limeserlebnispfad Hochtaunus

79 Weiltal

ODENWALD

80 Burg Frankenstein

81 Felsenmeer

82 Margarethenschlucht

83 Nibelungensteig

Der Wald ist nicht nur bei Pilzesammlern beliebt.


Wo Totholz liegen bleibt, kann der Waldsauerklee wachsen.

Beim Wandern in der Alpenregion gibt es solche Panoramen als Zugabe.

Wenn der Natur freien Lauf gelassen wird, kommen Wildtiere zurück.



Herbststimmung im Buchenwald bei Carpin im Müritz-Nationalpark.

»FRIEDEN FINDET MAN NUR IN DEN WÄLDERN.«

Michelangelo


Der Blick von der Festung Königstein auf das waldreiche Elbtal und den Lilienstein.

VORWORT

Lust auf Wald!

Die festen Schuhe schnüren, den Rucksack schultern und loslaufen! Es muss nicht gleich eine Fernwanderung sein – oft reicht es schon, den Alltag für ein Wochenende beim Wandern hinter sich zu lassen. Ob mit der ganzen Familie durchs dichte Grün entlang der Spreewald-Fließe, ob anspruchsvolle Zwei-Tages-Märsche über die Höhenzüge der deutschen Mittelgebirge oder Streifzüge durch »neue« Urwälder in Bayern – man muss nicht weit reisen, um vielfältige Abenteuer in der Natur zu erleben. In Deutschland hat das Wandern Tradition: Die Romantiker suchten in der Natur ihr Seelenheil und Inspiration, später schwärmten die Wandervögel aus, und noch vor hundert Jahren war der Sonntagsspaziergang feste Gewohnheit. Danach geriet das Wandern etwas aus der Mode. Touren durch Harz oder Hunsrück? Lieber Städtetrip nach Prag oder Paris. Bis Hape Kerkeling kam, der mit seinem Abenteuer am Jakobsweg einen regelrechten Hype auslöste. Wandern entwickelte sich zu einem Synonym moderner Sinnsuche. Auch die Klimakrise sorgt(e) für ein Umdenken. Umweltbewussteres Reisen ist Notwendigkeit und gleichzeitig Trendthema. Nicht zuletzt die Corona-Pandemie führte dazu, dass wir Deutschland als Reiseziel (wieder-)entdeckten. Das Wandern erlebt seitdem eine Renaissance. Wir besuchen Orte vor der Haustür, die wir bisher links liegen ließen. Ganz oben auf der Liste der neuen Sehnsuchtsziele steht der Wald. In der Natur dürfen wir vergessen, was uns ärgert, dürfen die Alltagssorgen ablegen und für eine Zeit in eine Art Parallelwelt eintauchen. Im Grün der Wälder finden wir Erholung und erleben kleine Abenteuer. In Japan steht das Waldbaden seit Längerem für eine gesunde Freizeitbeschäftigung, doch auch hierzulande gewinnt Shinrin-Yoku Anhänger. Ob nun als geführter Achtsamkeitsausflug mit der Gruppe oder im Selbstversuch: Wir wissen ganz instinktiv, wie gut uns die Zeit im Wald tut. Warum also warten? Ob über Höhen oder durch Flusstäler, zu Burgen oder durch Nationalparks, ob familienweise, solo oder mit dem Lama – in diesem Buch findet jeder die passende Inspiration rund um Wälder, Wandern, Wochenende.

Julia Schattauer

SACHSENWALD

Bismarcks Idyll bei Hamburg


Die Grander Mühle aus dem 14. Jahrhundert gilt als älteste Korn-Wassermühle Norddeutschlands.

Einst befand sich im Sachsenwald das kaiserliche Jagdrevier Wilhelms I. Hier galten strenge Zugangsbeschränkungen: Das Waldgebiet vor den Toren Hamburgs war nur dem Adel vorbehalten, für das Fußvolk hieß es also: draußen bleiben! Doch die Zeiten haben sich zum Glück geändert.

Im Jahr 1871 schenkte der Kaiser sein Jagdrevier im Sachsenwald Otto von Bismarck. Das war seine Art, dem Reichskanzler für dessen Verdienste um die Reichsgründung zu danken. Bis heute befinden sich Teile des Sachsenwalds im Familienbesitz der Bismarcks. Dank guter Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel nutzen nun aber auch viele Ruhesuchende aus Hamburg das größte geschlossene Waldgebiet Schleswig-Holsteins als Ausflugsziel. Auf 70 Quadratkilometern Fläche gibt es hier Erholung inmitten geschichtsträchtiger Natur. Das Rascheln des Laubes, der Duft des Waldes, einfach für ein paar Stunden den Alltag abschütteln – das funktioniert in dieser Naturoase unweit der Großstadt Hamburg ganz ausgezeichnet. Gleich sechs ausgeschilderte Rundwege führen durch Laub- und Mischwälder mit jahrhundertealten Eichen und Buchen und durch würzig duftende Nadelwaldbestände.

TOP 5 WANDERROUTEN DER REGION

Eisvogelweg, 8,6 km – der Eisvogelweg passiert die Quelle, die Otto von Bismarck einst entdeckte,

www.sachsenwald.de/pdf/Wanderweg_1

Max-Schmeling-Weg, 6,35 km – es geht vorbei am Forsthaus Friedrichsruh, in dem Max Schmeling einst trainerte,

www.sachsenwald.de/pdf/Wanderweg_2

Königsweg, 8,9 km – auf der Karte betrachtet, ähnelt der Weg dem Konterfei eines Königs,

www.sachsenwald.de/pdf/Wanderweg_3

Kupferweg, 5,5 km – vorbei am Kupferteich und der ursprünglichen Kupfermühle führt der Kupferweg,

www.sachsenwald.de/pdf/Wanderweg_4

Riesenbettweg, 11,7 km – auf dem Weg liegt das größte Hügelgrab, auch Riesenbett genannt,

www.sachsenwald.de/pdf/Wanderweg_5


1 FRIEDRICHSRUH
Der Reichskanzler – prägend und präsent

Seit der Schenkung an Otto von Bismarck im Jahr 1871 gehört der Sachsenwald der adligen Familie. Der »Eiserne Kanzler« war für die forstwirtschaftliche Nutzung des Waldes zuständig und erwarb mehrere Anwesen in Friedrichsruh. Nach seiner Entlassung 1890 setzte sich Bismarck in dem kleinen Ort zur Ruhe. Seine Nachfahren leben bis heute auf dem Anwesen in Friedrichsruh. Der Wald ist aber längst nicht mehr nur dem Adel vorbehalten. Besucher können bei Streifzügen die Stille genießen und stoßen dabei immer wieder auf die Spuren des einflussreichen Reichskanzlers, der hier von 1871 bis zu seinem Tod im Juli 1898 lebte. Der Staatsmann verbrachte gerne Zeit im Wald und unternahm regelmäßig morgendliche Ausflüge. Auf einem dieser Spaziergänge soll er die später nach ihm benannte Bismarck-Quelle entdeckt haben. Auch seine letzte Ruhestätte fand der Fürst in der Natur. Bismarck suchte sich seine Begräbnisstätte selbst aus und wählte als Ort für ein Mausoleum seinen Lieblingsplatz mit Blick über Friedrichsruh. Neben der Grabkapelle erinnern der 27 Meter hohe Bismarckturm, die Bismarcksäule, ein Museum und eine Stiftung an den zu Lebzeiten nicht unumstrittenen Politiker. Das Bismarck-Museum wurde von den Nachkommen des Reichskanzlers gegründet und ist vor allem eine Erinnerungsstätte. Die Dauerausstellung der Bismarck-Stiftung im alten Bahnhofsgebäude von Friedrichsruh widmet sich dem prominenten Staatsmann in historischer und politischer Sicht.

TIPPS & INFOS

ANREISE: Der Bahnhof Friedrichsruh wird nur als Bedarfshalt genutzt, es empfiehlt sich die Anreise über die S-Bahn-Station Aumühle. Ein halbstündiger Spaziergang oder der Bus 8883 führen nach Friedrichsruh.

AUSSICHT: Der beste Blick auf die Umgebung bietet sich vom Bismarckturm. Seit 1962 wird das Turminnere als Gemeindebibliothek genutzt. Die Aussichtsplattform ist über die Wendeltreppe und 122 Stufen erreichbar.

SEHENSWERT: Garten der Schmetterlinge: Das Tropenhaus in Friedrichsruh ist mit 80 Prozent Luftfeuchtigkeit und Temperaturen um die 26 Grad ein Paradies für mehr als 1000 Falter – und für die Besucher, www.gartenderschmetterlinge.de

INFO: www.sachsenwald.de

Das Hirschdenkmal errichtete das Land Anhalt 1895 zum 80. Geburtstag von Otto von Bismarck.

2 KLETTERPARK SCHNURSTRACKS
Fahrradfahren in 13 Metern Höhe

Es stimmt, unter Bäumen ist der perfekte Ort, um Ruhe zu tanken. Doch manchmal darf es auch ein wenig aufregender sein, dann wird der Wald zum Erlebnisparcours! Wie viel Adrenalin ein Streifzug durchs Grün in die Adern pumpen kann, beweist der Kletterpark Hamburg-Sachsenwald. Hier geht es zwischen Buchen und Eichen hoch hinaus in die Baumkronen. Über wackelige Stufen aufsteigen, von Seil zu Seil hangeln, auf Balken balancieren – in fünf verschiedenen Parcours, die zwischen sechs und 14 Metern Höhe variieren und verschiedene Schwierigkeitsgrade aufweisen, finden Klein und Groß geeignete Geschicklichkeitstests und so manche Mutprobe. Wie wäre es mit Fahrradfahren in 13 Metern Höhe? Oder lieber per Skateboard durch die Baumwipfel? Was ein wenig skurril klingt, macht ganz schön viel Spaß! Besonders aufregend wird es bei den Ziplines und der Free-Fall-Anlage aus 13 Metern Höhe, denn dann kommt Tempo ins Spiel. Zwar rutscht einem das Herz für einen Moment in die Hose, doch der Glückstaumel danach macht die Aufregung wett. Trotz jeder Menge Nervenkitzel kann man sich die ganze Zeit sicher fühlen. Beim Klettern ist man permanent gesichert, sodass ein Umklinken an den einzelnen Stationen entfällt. Also den Mut zusammennehmen und ab nach oben, es lohnt sich! Auch wer sich nicht in die Höhe traut, kann hier eine schöne Zeit verbringen und auf dem Gelände spazieren, picknicken und den anderen zuschauen. Ein Ort für die ganze Familie!

TIPPS & INFOS

SEHENSWERT: Das Eisenbahnmuseum Lokschuppen direkt an den Abstellgleisen der S-Bahn ist ein Ort für Eisenbahn-Nostalgiker, www.vvm-museumsbahn.de

EINKEHR: Das ehemalige Jagdschlösschen Waldesruh am See bietet heute ein edel-rustikales Ambiente. Ob übers Wochenende oder nur für ein Abendessen, www.waldesruh-am-see.de

SPEZIALITÄT: Die Fürstlich von Bismarck’sche Brennerei Schönau GmbH stellt seit über hundert Jahren den »Fürst Bismarck« aus Roggen und Weizen her. In Eschenholzfässern lagert der Kornbrand bis zur endgültigen Reife, www.bismarck.de

INFO: www.schnurstracks-kletterparks.de

Ein Besuch im Kletterpark sorgt für eine große Ladung Adrenalin im Körper.

3 EISVOGELWEG
Schwirrende Libellen an der Bille

»NIRGENDWO SIND DIE SPUREN BISMARCKS SO GREIFBAR WIE IN FRIEDRICHSRUH.«

Einer der schönsten Rundwege durch den Sachsenwald ist der 8,6 Kilometer lange Eisvogelweg. Vom Bahnhof Aumühle geht es über das Wehr des Mühlenteichs vorbei an der Bismarck-Mühle in den Wald. Das malerische Flüsschen Bille begrenzt im Norden den Sachsenwald. Das Billetal ist als Schmelzwasserrinne ein Relikt der letzten Eiszeit. Der Fluss windet sich durch eine unberührte und unter Naturschutz stehende Landschaft. Wählt man den Weg links hinter dem Aumühler Mühlenteich, passiert man zunächst die Bismarck-Quelle und folgt dann dem Hochufer der Bille unter Buchen durch verwunschen wirkende Täler. Verlaufen kann man sich im Wald nicht. Die Wege sind gut ausgeschildert, und der Eisvogelweg verläuft immer parallel zur Bille. Weil die Orientierung so leicht fällt, bleibt umso mehr Zeit, die Natur zu genießen. Ein Rascheln und Flügelschlagen, und schon schwingt sich ein aufgeschreckter Graureiher in die Lüfte. Rund 80 Vogelarten, darunter die Gebirgsstelze und die Wasseramsel, sind an der Bille heimisch. Im Wasser leben 20 teils seltene Fischarten. Selbst die schillernde Blauflügelige Prachtlibelle lässt sich ab und zu am Wasser blicken. Im Totholz der Buchenwälder finden Spechte, Eichhörnchen, Fledermäuse, aber auch Pilzarten und Farne beste Lebensbedingungen. Mal schlängelt eine Blindschleiche rasch unter das schützende Laub, mal quert ein Käfer den Weg. Man kommt aus dem Schauen gar nicht mehr heraus. Doch die Wanderung bietet nicht nur eine ideale Möglichkeit zum Abschalten, sondern auch die beste Gelegenheit, mehr über das Naturschutzgebiet zu erfahren. Auf Informationstafeln, die den Weg säumen, erfährt der Wanderer unter anderem, dass der farbenprächtige Eisvogel dreimal im Jahr in Erdhöhlen am Flussufer brütet. Aus diesem Grund dürfen von März bis August keine Paddelboote, Kajaks oder Kanus auf der Bille fahren. Die letzten zwei Kilometer auf dem Rückweg nach Aumühle geht es unter einer Lindenallee entlang.

TIPPS & INFOS

AKTIV: Waldbaden ganz wörtlich genommen: Im Naturfreibad Sachsenwald-Bad Tonteich lassen sich mitten im Wald Bahnen ziehen. Die Anreise zum Freibad ist mit der S-Bahn-Linie 21 in Richtung Aumühle bis zur Station Wohltorf möglich. Den Tonteich erreicht man nach einem kurzen Fußweg von ca. 10 Minuten, www.tonteichbad.de

EINKEHR: Fürst Bismarck Mühle: Die Mühle blickt auf eine mehr als 500 Jahre währende Geschichte zurück. Teile der Grundmauern sind noch heute zu entdecken. Seit der Erbauung im Jahr 1350 wurde die Kornmühle als Herberge genutzt, www.bismarckmuehle.com

SEHENSWERT: Schloss Reinbek überrascht die Besucher mit wunderschöner Renaissance-Architektur. Neben beeindruckenden Räumen gibt es Ausstellungen zu Stadtgeschichte und Kunst, www.schloss-reinbek.de

INFO: www.entdeckerrouten.org/gebiete/sachsenwald

Auf 65 Kilometern fließt die Bille von der Quelle im Herzogtum Lauenburg bis in die Norderelbe.

Schloss Reinbek ist mit S-Bahn-Anschluss idealer Ausgangspunkt für Wander- und Radtouren.

LÜNEBURGER HEIDE

Von violetten Blüten und Urwäldern


Das mystische Tal namens Totengrund gehört vor allem zur Heideblüte im Spätsommer zu den schönsten Flecken der Lüneburger Heide.

Jedes Jahr im Spätsommer wohnt der Lüneburger Heide ein besonderer Zauber inne. Dann verwandelt sich die Landschaft in ein Meer aus Blüten – Lila so weit das Auge reicht. Vor allem in den goldenen Stunden nach Sonnenauf- oder vor Sonnenuntergang erstrahlt der Heideteppich in magischem Glanz.

Zwischen Elbe und Aller erstreckt sich eine der größten und letzten zusammenhängenden Heideflächen Mitteleuropas. Doch die Lüneburger Heide ist keine natürlich gewachsene Landschaft, sie entstand durch Menschenhand. Früher bedeckten Birken-, Kiefern-, Eichen- und Buchenwälder die Region. Da die Bauern ihr Vieh zum Weiden unter die Bäume trieben, wurde der Wald immer lichter. Für den Ackerbau und die holzintensive Eisenverhüttung rodete man ausgedehnte Gebiete. Es entstanden offene Flächen, auf denen sich die genügsame Besenheide ansiedelte. Im 18. Jahrhundert erstreckten sich solche Heidelandschaften noch über weite Flächen Europas. Als dann die Heidebauernwirtschaft nach und nach aufgegeben wurde, eroberte der Wald große Teile der Landschaft zurück. Heute sind 35 % der hiesigen Naturparkregion wieder von Wald bedeckt.

TOP 5 WANDERWEGE DER REGION

Heidschnuckenweg, 223 km – der beliebte Wanderweg führt in Nord-Süd-Richtung durch die Lüneburger Heide,

www.heidschnuckenweg.de

Heidepanoramaweg, 7,5 km – einer der schönsten Wege durch die Südheide, www.lueneburger-heide.de/natur/artikel/7672

Im Himmelreich, 9,5 km – die mittlere Tour des W23 entlang der Lutter und der Lachte, www.lueneburger-heide.de/natur/etappe/9164

Naturerlebnispfad Südheide – Das Gold der Heide, 6,6 km – entlang des ehemaligen Kieselgur-Abbaugebiets Oberohe durch das »Gold der Heide«, www.lueneburgerheide.de/natur/tour/20619

Urwald im Lüß, 7,2 km – auf schmalen Waldpfaden durch Buchen- und Eichenmischwald, www.lueneburger-heide.de/natur/etappe/9170


4 HEIDSCHNUCKENWEG
Etappen von Hamburg nach Celle

»FINDLING, HUTEWALD, HEIDE – DIE LÜNEBURGER HEIDE IST EINE KULTURLANDSCHAFT, DIE ÜBER JAHRTAUSENDE DURCH DEN MENSCHEN GEPRÄGT WURDE.«

Die Heidschnucken sind nicht nur flauschige Zaungäste, sie übernehmen in der Heide einen wichtigen Job. Die genügsame Landschafrasse grast sich durchs Gelände und hält so den Boden für die Besen- und Glockenheide frei. Der nach diesen Heidebewohnern benannte Heidschnuckenweg führt auf 223 Kilometern von Hamburg-Fischbek in der Nordheide bis nach Celle im Süden der Heide. Entlang der Strecke zeigt sich die Vielfalt der Landschaft. Hier lassen sich weitläufige Heideflächen erleben, immer wieder durchzogen von knorrigen Wacholderhainen wie dem Wacholderwald bei Schmarbeck. Der Weg führt durch das Büsenbachtal mit dem sprudelnden Heidebach, durch grüne Kiefernwälder im Tiefental und hinauf auf den Wilseder Berg. Es geht entlang mystischer Moore und durch idyllische Heidedörfer, die mit ihren reetgedeckten Häusern nostalgischen Charme versprühen. Auch wenn die Blütezeit zweifellos das Highlight des Jahres markiert, gibt es auch außerhalb des Spätsommers den Heidezauber zu erleben. Im Winter, wenn der Nebel über die Sträucher zieht und nur vereinzelt Besucher unterwegs sind, zeigt sich die Lüneburger Heide besonders stimmungsvoll. Einzelne Etappen des Fernwanderwegs bieten sich perfekt als Tageswanderungen oder für ein sportliches Wochenende an. Eine der abwechslungsreichsten ist die zweite Etappe von Buchholz in der Nordheide nach Handeloh. Der 15 Kilometer lange Weg bringt Wanderer zunächst direkt in die Hölle. Das tief eingeschnittene, dicht bewaldete Tal ist dunkel, die Ränder fallen steil zur Schlucht ab. Doch kaum hat man die dramatisch-schöne Höllenschlucht verlassen, lichtet sich der Wald und öffnet sich zur typischen Heidelandschaft. Vorbei an schlanken Birken und knorrigen Wacholderstauden führt der Weg hinauf in himmlischere Gefilde auf den Brunsberg. Vom Gipfel zeigen sich das schöne Panorama eines Großteils der Nordheide und das Naturschutzgebiet rund um den Brunsberg. Auf schmalen Pfaden wird der Pferdekopf überwunden, ein Holzsteg, unter dem der Büsenbach sprudelt, leitet den restlichen Weg nach Handeloh ein.

TIPPS & INFOS

SEHENSWERT: Der Heidegarten liegt am Rande des Schneverdinger Landschaftsschutzgebiets in Höpen und zeigt in Schaugärten über 130 verschiedene Heidearten, www.lueneburger-heide.de/natur/sehenswuerdigkeit

AKTIV: Von April bis Oktober besteht die Möglichkeit, an einer geführten Wanderung teilzunehmen durch den Heidegarten und den Höpen, ein Landschaftsschutzgebiet am Stadtrand von Schneverdingen mit allen Facetten der Heide.

EINKEHR: Lüneburg hat nach Madrid die größte Kneipendichte Europas. Im Wasserviertel rund um den Stintmarkt oder in der Kneipenmeile Schröderstraße reihen sich Wirtschaften, Bars und Bistros aneinander.

INFO: www.lueneburg.de;www.heidschnuckenweg.de

Im Büsenbachtal bei Handeloh gibt es dieses zuckersüße Café im reetgedeckten Schafstall.

Das Büsenbachtal ist eines der schönsten Naherholungsgebiete der Lüneburger Heide.

5 LÜSSWALD
Urwald in der Heide

7500 Hektar Wald – mit dieser Ausdehung gehört der Lüßwald im Naturpark Südheide zu den größten zusammenhängenden Waldgebieten Deutschlands. Als in der Umgebung die Heideflächen noch bis zum Horizont reichten, stand der Wald hier unangetastet. Bereits in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts wurde der Lüßwald als königlicher Bannforst erwähnt. Die Nutzung als »Köngliche Höltzung« kam der Natur zugute. Das Holzfällen war verboten, sodass sich im urigen Lüßwald bis in unsere Zeit uralte Buchen, Eichen und Douglasien erhalten haben. Heute bildet der Lüßwald in seiner Mischung aus Naturwaldreservat und neuen, forstwirtschaftlich genutzten Flächen ein einzigartiges Ökosystem. Pflanzen, die nicht mehr allzu häufig vorkommen, wie Moosglöckchen oder der Sprossende Bärlapp, sind hier heimisch. Die große Menge an Totholz und alten Bäumen bietet unzähligen Insekten, unter anderem dem Hirschkäfer, aber auch dem Rotwild und scheuen Vogelarten wie dem Schwarzstorch und Sperlingskauz beste Lebensbedingungen. Um Fauna und Flora zu schützen, darf das ausgewiesene Naturwaldreservat nicht betreten werden. In diesem Waldabschnitt wurde seit 1973 jegliche Nutzung eingestellt. Der Wald bleibt seitdem sich selbst überlassen. Doch die Wanderwege im Lüßwald führen direkt am geschützten Bereich entlang. Vom Pfad aus kann man den besonderen Reiz dieses Waldes ganz aus der Nähe erleben.

TIPPS & INFOS

AKTIV: Gleich mehreTouren führen durch das Wandergebiet W8: Die kurze Tour mit 7,2 km ist der Walderlebnispfad »Der Urwald im Lüß«, die mittlere Tour misst 10,8 km, die lange Tour 14,5 km. Ausgangspunkt für die drei Wanderungen ist der Parkplatz Lüßwald an der L280.

AUSSICHT: Vom Haußelberg bei Müden (Örtze) im Naturpark Südheide eröffnet sich ein weiter Panoramablick. Perfekt, um von hier den Sonnenauf- oder -untergang über der Heide zu beobachten.

SPEZIALITÄT: Unbedingt probieren: Den kräftig-würzigen Heidehonig lobten schon die Römer als Delikatesse.

INFO: www.lueneburger-heide.de

Der seltene Hirschkäfer sucht sich im Lüßwald alte Eichen als bevorzugten Lebensraum.

6 WILSEDE
Heidedorf wie aus dem Märchenbuch

Wilsede wirkt wie aus der Zeit gefallen: Heidehöfe mit Fachwerk, Reetdach und gepflasterten Wegen könnten nicht malerischer angelegt sein. Das kleine Heidedörfchen inmitten des Naturparks ist nur mit dem Fahrrad, der Kutsche oder zu Fuß zu erreichen. Von Undeloh oder Niederhaverbeck aus, wo man parken kann, sind es fünf bzw. 3,5 Kilometer bis nach Wilsede. Rund um den Ort führen Wanderwege in die Natur, etwa um den Talkessel Totengrund oder auf den Wilseder Berg, die mit 169 Metern höchste Erhebung der norddeutschen Tiefebene. Von hier aus bietet sich ein schöner Weitblick, bei gutem Wetter sogar bis Hamburg. In der Nähe von Wilsede finden sich heute noch Reste der alten Hutewälder mit betagten Buchen und Eichen. Dank der nahrhaften Bucheckern und Eicheln wurden die Wälder als Waldweiden für das Vieh genutzt. Wer nicht gerade an Sonntagen im Sommer herkommt, kann in der ausgedehnten Natur immer wieder absolute Ruhe und ungestörte Abgeschiedenheit erleben. Nur wenige Straßen und Schienen durchziehen den Naturpark, deshalb finden Erholungssuchende hier eine ideale Kulisse, um stundenlange entspannte Wanderungen fernab der Massen zu unternehmen. Dies ist nicht nur für Spaziergänger schön, die Einsamkeit begünstigt auch das Vorkommen seltener Tierarten wie Kraniche, Fischotter, Seeadler und Schwarzstörche, die besonders empfindlich auf Störungen reagieren.

TIPPS & INFOS

ANREISE: Bequem und klimafreundlich erreichen Wanderer und Radfahrer die Ausgangspunkte ihrer Touren mit dem Heide-Shuttle. Die kostenlosen Busse verkehren vom 15. Juli bis zum 15. Oktober.

SEHENSWERT: Das Heimatmuseum Dat ole Huus in Bispingen ist eines der ältesten Freilichtmuseen Deutschlands. Das Museum zeigt das Leben der Heidebauern um 1850. Kinder frei, Erwachsene 3 Euro, www.stiftung-naturschutzpark.de

EINKEHR: Die Milchhalle ist die erste Anlaufstelle für eine Stärkung in Wilsede. Hier gibt es Klassiker wie Erbsensuppe, aber auch Spezialitäten wie Heidschnuckenbratwurst.

INFO: www.verein-naturschutzpark.de

Im autofreien Naturschutzgebiet sind die Heide-Kutschen die Alternative zum Auto.

WELTERBE BUCHENWÄLDER

Ein Wald wie vor Jahrtausenden

Deutschland ist Buchenland. Vor rund 3000 Jahren bedeckten die Buchenwälder noch weite Teile Europas. Das natürliche Verbreitungsgebiet der Buche erstreckt sich damals wie heute von den Küsten im Norden über die Mittelgebirge im Herzen Deutschlands bis in höhere Lagen der Alpen im Süden. Von diesem Buchen-Reichtum ist längst nicht mehr viel zu sehen. Schon zu Zeiten Karls des Großen rodete man Wälder im großen Stil. Die industrielle Entwicklung im 18. und 19. Jahrhundert wurde vom Rohstoff Holz befeuert. Doch dann war das Holz auf einmal knapp. Mit schnell wachsenden Nadelbäumen, vor allem Fichten, versuchte man, die unersättliche Nachfrage zu bedienen. Die einst riesigen alten Buchenwälder schrumpften zu kleinen Inseln.

Die Reste wertvoller Wälder

Am 25. Juni 2011 ernannte die UNESCO die wertvollsten der alten Buchenwälder in Deutschland zum Weltnaturerbe. Neben dem etwa 500 Hektar großen Kerngebiet im Nationalpark Jasmund auf Rügen gehören die Buchenwälder in den Nationalparks Kellerwald-Edersee, Hainich, an der Müritz und im Biosphärenreservat Schorfheide-Grumsin zum Erbe-Kollektiv. Gemeinsam mit den bereits 2007 aufgenommenen Wäldern der Karpaten repräsentieren sie das UNESCO-Weltnaturerbe »Buchenurwälder der Karpaten und Alte Buchenwälder Deutschlands«. Die geschützten Waldgebiete sind Zeitzeugen, wie die Urwälder in Mitteleuropa einst ausgesehen haben.

Hainsimsen-Buchenwald, Perlgras-Buchenwald, Waldgersten-Buchenwald – Buchenwald ist nicht gleich Buchenwald. Tiefland-Buchenwälder wachsen so nur noch in Deutschland. Genau deshalb vervollständigen die deutschen Gebiete mit ihren Tiefland- und Mittelgebirgsbuchenwäldern die Gebirgsbuchenwälder der Karparten. Gemeinsam spiegeln sie das gesamte Spektrum der europäischen Buchenwälder. Allen ist eines gemeinsam: eine kaum zu bändigende Wildnis, die in unserer zersiedelten Landschaft selten geworden ist. Im Gegensatz zu aufgeforsteten Monokulturen finden sich in naturnahen Buchenwäldern die verschiedenen Altersstufen von Keimlingen bis zum Totholz in direkter Nachbarschaft – die Voraussetzung für Artenvielfalt.

Von den Küsten bis ins Mittelgebirge

Deutschlands nördlichster zusammenhängender Buchenwald erstreckt sich an der Ostseeküste. Im Nationalpark Jasmund auf Rügen dominiert der baltische Waldgersten-Buchenwald. Wegen der unzugänglichen Lage an den Steilhängen wurde der Wald nie forstwirtschaftlich genutzt, ein Glücksfall für Tiere und Pflanzen. Greifvögel wie Wanderfalke und Seeadler, aber auch Wildpflanzen wie der zarte Frauenschuh oder der Riesenschachtelhalm sind in den Buchenwäldern heimisch.

Typische Tieflandbuchenwälder finden sich im Müritz-Nationalpark bei Serrahn. In der wasserreichen Gegend mit vielen Seen und Mooren hat sich ein alter Buchenbestand erhalten. Seit mehr als 50 Jahren wurde der Wald weitgehend sich selbst überlassen. Kraniche, See- und Fischadler brüten in Wassernähe, in den wilden Perlgras-Buchenwäldern gibt der natürliche Kreislauf den Takt vor. Hier finden Pilze und Insekten selten gewordenen Lebensraum im Totholz. Auch im Nationalpark Hainich in Thüringen profitierte die Natur davon, dass der Mensch keinen großen Einfluss auf das Waldgebiet nahm. Die Region war jahrzehntelang militärisches Sperrgebiet, in das sich kein Wanderer verirrte. An Stellen, die gerodet wurden, fand in den letzten Jahrzehnten eine natürliche Wiederbewaldung statt. Wo sich die Natur ihren Raum zurückerobert, kann man dem »neuen Urwald« förmlich beim Wachsen zusehen. Ein spannender Prozess, in dem auch der Klimawandel eine wichtige Rolle spielt. Die heißen und trockenen Sommer der letzten Jahre setzten den jungen und den ganz alten Buchen schwer zu – beispielsweise auch im Nationalpark Kellerwald-Edersee südlich von Kassel. Das kommende Jahrzehnt wird zeigen, wie widerstandsfähig die deutschen Welterbe-Wälder sind.

Über 80 Prozent der Fläche des Nationalparks Jasmund nehmen Buchen ein.


Die mit Buchen bewachsenen Kreidefelsen auf Rügen verzauberten schon die Romantiker.


Indian Summer in Brandenburg! Der Buchenwald Grumsin im Farbenrausch

DARß

Küsten, Künstler, Kraniche


Charakteristisch für die traditionellen hölzernen Zeesenboote sind die rot-braunen Segel.

Üppiger Urwald, das Rauschen der Wellen, feiner Sandstrand – was verdächtig nach Fernreise klingt, lässt sich auch in Deutschland erleben: im Darßwald. Als Teil des Nationalparks Vorpommersche Boddenlandschaft bedeckt er weite Gebiete der Ostsee-Halbinsel Darß. Weder Siedlungen noch Autos stören die Ruhe. Stattdessen füllen hier Meeresbrisen die Lungen.

Einst diente der Buchenwald als Weideland, dann nutzten ihn die Schwedenkönige als Jagdgebiet, in der DDR taten es ihnen die SED-Funktionäre gleich. Heute lässt sich der Wald, über dem die Möwen kreischend ihre Runden drehen, bei ausgedehnten Wanderungen erkunden – und an vielen Stellen besteht die Möglichkeit, eine Pause am ewig langen Weststrand einzulegen. Der 4700 Hektar große Darßwald gehört zum Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft. Abseits der Saison laufen einem hier nur wenige Menschen über den Weg, dafür macht sich das Rotwild über zarte Baumtriebe her und majestätische Seeadler drehen am Himmel ihre Runden. Im Frühjahr und Herbst legen unzählige Kraniche in den Wiesen und an der Boddenküste bei Zingst eine Rast ein. Die umliegenden Orte wie das Künstlerdorf Ahrenshoop, Prerow, das ehemalige Fischer- und Seefahrerdorf Wustrow sowie das Seeheilbad Zingst selbst sind gute Ausgangspunkte für ruhige Spaziergänge oder aktive Wander- und Radtouren.

TOP 5 WANDERUNGEN IN DER REGION

Leuchtturmweg, 12 km – durch den Darßwald und die Dünenlandschaft, www.auf-nach-mv.de/wandern-leuchtturmweg

Rundwanderweg Darßer Ort, 4 km – familienfreundliche Rundwanderung durch die Darßer Landschaft, www.auf-nach-mv.de/rundwanderweg-darsser-ort

Darßer Sterntouren 2. Tagestour, Prerow – Wieck – Born – Prerow, 17/22 km – über saftige Wiesen, entlang am Schilfgürtel und durch den Darßwald, www.auf-nach-mv.de/wandern-darss

Darßer Sterntouren 3. Tagestour, Ahrenshoop – Prerow, 17 km – Wanderung durch Ahrenshoop und an der imposanten Steilküste vorbei, www.auf-nach-mv.de/wandern-darss

Ahrenshooper Holz, 9 km – eine kleine Runde durchs Naturschutzgebiet, www.ich-geh-wandern.de/ahrenshoop


7 LEUCHTTURMWEG
Dänemark lässt grüßen

Vom einstigen Fischerdorf Prerow führt der Leuchtturmweg unter dem Schutz wettergegerbter Buchen und hoher Fichten und Kiefern auf moosigen und verwurzelten Wegen zum Backsteinleuchtturm am Darßer Ort, der nördlichsten Spitze des Darß. Wenn nicht gerade die Sommerferien ihrem Höhepunkt zutreiben, herrscht hier eine unvergleichliche Stille, die nur von Vogelgezwitscher und den Wellen durchdrungen wird. Wer tief einatmet, riecht das Meersalz in der Luft, gemischt mit dem würzigen Duft des Waldes. Eichhörnchen und Spechte machen sich am alten Baumbestand aus Kiefern, Fichten und Rotbuchen zu schaffen. Wer weiß, wonach er Ausschau halten muss, entdeckt Relikte aus alten Zeiten: Vor etwa 3000 Jahren lag der Meeresspiegel weit höher, heute befindet sich das alte Meeresufer mitten im Wald.

Der Leuchtturm aus dem Jahr 1848 ist noch immer in Betrieb. Eine Wendeltreppe führt über 134 Stufen hinauf zur Aussichtsplattform mit Blick auf den Darßwald, den West- und den Nordstrand und über die Ostsee, bei gutem Wetter reicht die Sicht sogar bis nach Dänemark. Auf einem Bohlensteg über die Düne, am Nothafen Darßer Ort und am Strand entlang geht es zurück nach Prerow. Eine weitere Möglichkeit, den Darßwald zu erkunden, besteht hoch zu Ross. Auf dem Darß warten kilometerlange Waldwege und endlos lange Strände auf Reiter. Reiterhöfe in der näheren Umgebung Prerows bieten geführte Touren und Ponyreiten für Kinder an. Der Kutscherhof Kayserling ist in Prerow die richtige Adresse für Kutschfahrten und Ausritte (www.kutscherhof-kayserling.de).

TIPPS & INFOS

SEHENSWERT: Im Leuchtturm betreibt das Deutsche Meeresmuseum Stralsund eine Außenstelle – das NATUREUM Darßer Ort. Die Anreise erfolgt zu Fuß, mit dem Fahrrad, der Kutsche oder der Darßbahn, www.natureum-darss.de

EINKEHR: An der Seebrücke lädt das Binnen un Buten mit Spezialitäten wie Prerower Räucherlachs, Karamellkäse oder Mecklenburger Brotsuppe, www.binnen-un-buten.de

UNTERKUNFT: Die Ferienanlage Born bietet Zeltplätze, Stellplätze für Wohnmobile und ein besonderes Campingerlebnis im zweigeschossigen Zelt, der Skylodge, www.regenbogen.ag/ferienanlagen/born.html

INFO: www.nationalpark-vorpommersche-boddenlandschaft.de; www.ostseebad-prerow.de

In der Brunftzeit bevölkern Rothirsche die Dünen.

Der Darßer Leuchtturm ist einer der ältesten der deutschen Ostseeküste.

8 WESTSTRAND
Wo der Darß ganz wild ist

Die Natur bringt doch immer die schönsten Formen hervor! Der wilde, gut 14 Kilometer lange Weststrand beweist dies auf Schritt und Tritt. Verwittertes Treibholz, das sich wie eine abstrakte Skulptur vom weißen Sand abhebt, und auf den jungen Dünen die vom Küstenwind geformten Windflüchter, all das verleiht dem Darßer Weststrand seine raue Romantik. Von Perow aus lässt sich der Weststrand in rund fünf Kilometern erwandern. Farne säumen die Waldpfade, die Sonne treibt Schattenspiele mit den Blättern. Wenn sich die kerzengeraden Kiefern in vom Wind gekrümmte Windflüchter verwandeln, ist das Ziel erreicht. Der Strand ist im ständigen Wandel. Wind und Wellen formen die naturbelassene Küste unentwegt neu. Nirgendwo an der Ostsee vollziehen sich Landabtragung und Landbildung so dynamisch wie im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft. Der Weststrand ist eines der anschaulichsten und malerischsten Beispiele für die Kraft der Wellen. Wo Wasser und urwüchsiger Küstenwald aufeinandertreffen, zeigt sich die Natur mal in ihrer sanften und gleich darauf wieder in ihrer ungestümen Art. Der kilometerlange feine Sandstrand lädt zu jeder Jahreszeit zum Spazieren ein. Bei den ausgedehnten Strandwanderungen lohnt sich ein aufmerksamer Blick auf den Boden. Mit etwas Glück finden sich Bernsteine, Hühnergötter oder Donnerkeile, also Steine mit Löchern, und die Überreste urzeitlicher Tintenfische.

TIPPS & INFOS

ANREISE: Ein Fahrrad ist auf dem Darß mindestens so wertvoll wie das Auto. An Orte wie den Weststrand kommt man ohnehin nur zu Fuß, mit dem Rad oder per Kutsche. Die Halbinsel Darß ist mit der Bahn und dem Fernbus erreichbar.

SEHENSWERT: Von verschiedenen Orten auf der Halbinsel wie Zingst, Born, Ahrenshoop oder Wieck lassen sich Ausflüge mit Zeesenbooten, die zum Immateriellen Kulturerbe der UNESCO gehören, unternehmen. Weitere Infos: www.zeesbootfahrten.de

SEHENSWERT: Zehntausende Kraniche halten sich zwischen September und November in der Nationalparkregion auf. Von Aussichtsplattformen, zum Beispiel Pramort und rund um Zingst, boddenseitig mit Blick auf die Insel Kirr, lassen sich am Abend die Vögel beobachten.

INFO: www.fischland-darss-zingst.de

Arte kürte den Weststrand zu einem der zehn schönsten Strände weltweit.

9 KÜNSTLERDORF AHRENSHOOP
Kunst im Einklang mit der Natur

»NIRGENDS EIN HAUS: DÜNEN, WALD UND SEE, IN DER FERNE DIE DUNKLE LINIE DES DARß. DIE DÜNEN GEKRÖNT VON URALTEN WEIßDORNBÄUMEN, STECHPALMEN UND WILDEN ROSEN.«

Paul Müller-Kaempff über Ahrenshoop in den »Mecklenburgischen Monatsheften« (Heft 7/1926)

Mal taucht die Abendsonne die Steilufer und Dünen in goldenes Licht, während sich die Bäume sanft im Wind wiegen, mal tost der Sturm, und der Himmel legt sich wie eine dunkle Decke über das Meer. Fantastische Lichtstimmungen zogen schon vor über 125 Jahren die ersten Landschaftsmaler in ihren Bann. Einige von ihnen blieben. Im Ostseebad Ahrenshoop entstand 1892 eine Künstlerkolonie, die bis heute ihre Spuren hinterlassen hat. Die Gründung der Künstlerkolonie geht auf den Maler Paul Müller-Kaempff (1861–1941) zurück, der hier die Malschule St. Lucas gründete. Ihm folgten weitere Künstler wie der Brücke-Maler Ernst Heckel, die auf dem Darß Inspiration und Gemeinschaft fanden. Als der Erste Weltkrieg ausbricht, endet das Zusammenleben in der Künstlerkolonie. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg findet die Idee neue Anhänger. In der DDR gilt Ahrenshoop als Ferienidyll für die kulturelle Elite.

Einst waren es Natur und Einsamkeit, die Künstler nach Ahrenshoop lockten, heute ist es die Kunst, die viele Menschen anzieht. Ein Kunstpfad mit zehn Stationen führt zu Stellen, an denen bekannte Gemälde entstanden. In Galerien, Werkstätten und Museen gibt es Kunst zu bewundern. Der 1909 als erstes Ausstellungshaus eröffnete Kunstkaten diente als Begegnungsstätte zwischen Künstlern und Kunstinteressierten. Das Kunstmuseum lockt seit 2013 nicht nur mit seiner besonderen Architektur, es versteht sich als eine Forschungs-, Ausstellungs- und Begegnungsstätte zur kunstgeschichtlichen Entwicklung, die von der Gründerzeit der Künstlerkolonie bis in die Gegenwart als wohlhabendes Seebad reicht. Man könnte Ahrenshoop mit einem gut zusammengestellten Potpourri vergleichen. Es vereint die atemberaubende Natur zwischen Ostsee und Bodden, die traditionsreiche Vergangenheit als Fischerdorf am Althäger Hafen, wo die traditionellen Zeesenboote mit ihren rotbraunen Segeln nostalgisches Flair versprühen, und die Faszination der Künstlerkolonie.

TIPPS & INFOS

AKTIV: Das Naturschutzgebiet Ahrenshooper Holz bietet seltenen Vögeln, Insekten und Fledermäusen im 400 Jahre alten Wald mit Stieleichen und Rotbuchen eine Heimat. Ungewöhnlich ist das größte Vorkommen der Europäischen Stechpalme. Der Rundwanderweg durchs Ahrenshooper Holz misst 9 km, www.ich-geh-wandern.de/ahrenshoop

SEHENSWERT: Der 1909 eröffnete, himmelblau gestrichene Kunstkaten zeigt Werke aus der über 120-jährigen Geschichte der Malerkolonie, aber auch zeitgenössische Arbeiten. www.ostseebad-ahrenshoop.de/kunstkaten

SPEZIALITÄT: Frisch geräucherter Fisch, das gehört zu Fischland-Darß-Zingst einfach dazu. Direkt aus dem Räucherofen gibt es ihn in der Räucherei Zur Reuse mit Schauräucherei und eigener Fischland-Brauerei, https://raeucherhaus.com/Fischraeucherei-Reuse

INFO: www.ostseebad-ahrenshoop.de

Das traditionelle Fischerdorf wandelte sich zum Lieblingsort für Freigeister.

Der Kunstkaten in Ahrenshoop ist eine der ältesten Galerien Norddeutschlands.

MÜRITZ

Tausend Seen und Naturerbe-Wälder


Kleines Meer – der slawische Ursprung des Namens Müritz ist bei dem Blick selbsterklärend.

Wasser, wohin das Auge reicht. Die Mecklenburgische Seenplatte nennt sich nicht ohne Grund »das Land der tausend Seen«. Doch rund um die Müritz, übrigens Deutschlands größter Binnensee, gibt es nicht nur Wasser, sondern überdies ziemlich viel Wald. Neben dem Baden gelingt hier also auch das Waldbaden bestens.

Der größte Nationalpark Deutschlands abseits der Küsten liegt in Mecklenburg-Vorpommern. Der Müritz-Nationalpark ist zu 70 Prozent von Wald bedeckt, der Rest besteht im Großen und Ganzen aus Wasser. In der DDR gehörte ein Teil des Nationalparks zum Jagdgebiet der DDR-Elite und diente als Truppenübungsplatz des Militärs. Für die Natur war das ein Glücksfall, denn so fanden Tiere wie die Rohrdommel und der Kranich einen Rückzugsort. See- und Fischadler haben hier die größte Brutdichte in Mitteleuropa. Seit 1990 steht die Landschaft als Nationalpark unter Schutz. So lange schon darf sich die Natur im Müritz-Nationalpark ungestört ausbreiten. 2011 wurde auch der alte Buchenwald im Teilgebiet Serrahn zum UNESCO-Weltnaturerbe erklärt. Ob mit dem Kanu auf dem Wasser oder auf den Rad- und Wanderwegen – es gibt viel zu entdecken!

TOP 5 WANDERWEGE DER REGION

Müritz-Nationalpark-Weg, 175 km – der längste Wanderweg durch einen deutschen Nationalpark,

www.mecklenburgische-seenplatte.de/mueritz-nationalpark-weg

Sietower Wandelweg, 9 km – auf elf Wandelstationen zum Wohlergehen, www.sietower-wandelweg.de

Pilgerweg Mecklenburgische Seenplatte, 240 km – auf zwei Routen durch wasserreiches Land pilgern, www.mecklenburgische-seenplatte.de/pilgerweg

Glienholz-Wanderweg, 13 km – um den Gliensee durch den Wald,

www.mecklenburgische-seenplatte.de

Walderlebnispfad Serrahn, 8 km – Wanderung durch das Weltnaturerbe Serrahner Buchenwälder, www.auf-nach-mv.de/wandern-serrahner-buchenwaelder


10 MÜRITZ-NATIONALPARK-WEG
165 Kilometer durch den Nationalpark

Urwüchsige Wälder, dunkle Moore, glitzernde Seen – der Müritz-Nationalpark-Weg, der mit einem blauen M auf weißem Grund markiert ist, führt als Rundweg in neun Tagesetappen von Waren einmal durch den Nationalpark. Der Weg schlängelt sich mitten durch ein Netz aus Flüssen, Seen und Teichen. Gleich hinter Waren breitet sich die Wildnis des Müritz-Nationalparks aus. Unter dem Dach aus Blättern gelangen Wanderer auf Wegen, die mal sandig, mal von knorrigen Wurzeln durchzogen sind, immer wieder zu Seen. Am Rederangsee lassen sich im Frühling und Herbst die Kraniche bewundern. Die Boeker Fischteiche locken Adler, Kormorane und Graureiher auf Futtersuche an. Auf der Kratzeburg begrüßt eine riesige Fledermaus am Eingang die Besucher. Dort informiert eine Fledermaus-Ausstellung über die nachtaktiven Flatterer. Ein Fischadlerpaar bei Federow lässt sich dank Videokamera in den Horst gucken. Es gibt also viel zu sehen, egal, welche Etappe man wählt. Die zweite Tagestour hält besondere landschaftliche Schönheiten bereit. Sie führt auf 17 Kilometern von Schwarzenhof nach Boek, vorbei an Mooren und knorrigen Eichen zum Aussichtspunkt am Specker See. Vom Käflingsbergturm geht der Blick über ausgedehnte Wälder und zahlreiche Seen bis zur Müritz. Je nach Wetter, Tag und Jahreszeit wartet der Nationalpark mit ganz unterschiedlichen Eindrücken auf. Im Frühjahr und Herbst trompeten die Kraniche, im Sommer erfrischt der Sprung ins Wasser, im Winter wird es wunderbar still.

TIPPS & INFOS

ANREISE: Waren und Neustrelitz sind als Tore zum Müritz-Nationalpark gut an den Nah- und Fernverkehr angebunden. Beide Bahnhöfe sind von Dresden, Berlin und Rostock gut mit IC und Regionalexpress zu erreichen.

UNTERKUNFT: Das Feriendorf Boeker Mühle bietet Ferienhäuser mit direktem Zugang zur Müritz, www.feriendorf-boeker-muehle.com

SEHENSWERT: Das Müritzeum in Waren informiert über Natur und Umwelt. Das Highlight ist das über zwei Etagen reichende Maränenbecken, www.mueritzeum.de

INFO: www.mecklenburgische-seenplatte.de

11 ALTER BUCHENWALD
Streifzug durchs Weltnaturerbe

»DER WALD GEHÖRT ZU DEN BESTEN TANKSTELLEN, WO MAN SEINE BATTERIEN WIEDER AUFLADEN KANN.«

Ernst Fertl

Bei Serrahn östlich von Neustrelitz beginnt der wildeste Teil des Müritz-Nationalparks. Zusammen mit den Buchenwäldern in den Nationalparks Jasmund, Hainich und Kellerwald-Edersee sowie dem Grumsiner Forst im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin ist der Serrahner Buchenwald Teil des Weltnaturerbes der UNESCO. Hier zeigt sich der Wald, wie er vor Jahrhunderten aussah. Statt aufgeforsteter Bäume in Reih und Glied wachsen neben alten abgestorbenen Bäumen junge Keimlinge. Verborgene Kesselmoore und kleine Seen bereichern die Buchenwaldlandschaft. Dieser Wechsel aus Wasser und Wald, Altem und Neuem, führt zu einer besonderen Vielfalt. Im Totholz fühlen sich Insekten- und Pilzarten wie der Buchen-Schleimrübling und der Echte Zunderschwamm, aber auch Moose und Flechten wohl, in den zahlreichen Baumhöhlen leben viele Arten von Fledermäusen. Das Wasser lockt Schmetterlinge und Eisvögel, See- und Fischadler ziehen hier ihre Jungen auf. Den seit Jahrzehnten von Menschen unbehelligten Urwald können Wanderer auf der 6. Tagestour des Müritz-Nationalpark-Wegs oder auf dem Wald-Erlebnis-Pfad kennenlernen, der die Ortschaften Zinow und Serrahn verbindet. In seinem Verlauf ist die Entwicklung von einem Kiefernforst zu einem Buchennaturwald erlebbar, dabei gibt es jede Menge abwechslungsreicher Stationen entlang des Wegs, die zum Beobachten, vor allem aber zum Aktivwerden einladen.

TIPPS & INFOS

SEHENSWERT: Der Bärenwald Müritz ist ein Bärenschutzzentrum bei Bad Stuer an der Südspitze des Plauer Sees in Mecklenburg-Vorpommern. Im Bärenwald leben Braunbären, die aus nicht artgemäßer Haltung gerettet wurden, www.baerenwald-mueritz.de

AUSSICHT: Der Aussichtsturm am Großen Serrahnsee bietet einen Panoramablick über eine Moorlandschaft aus zwei verlandeten Seen. Manchmal zeigen sich See- und Fischadler oder Kraniche im Schilf.

UNTERKUNFT: Vom Bootshaus am Schillersee in Groß Wokern führt ein Holzsteg direkt in den See. Im Schlafzimmer in der oberen Etage schläft man mit Blick aufs Wasser ein. Idylle pur! www.airbnb.de/rooms/43703769

INFO: www.weltnaturerbe-buchenwaelder.de

Das NaturErlebnisZentrum Müritzeum bringt die Besonderheiten der Region näher.

Seit über 50 Jahren wird der Serrahner Buchenwald nicht mehr bewirtschaftet.

12 LAND DER TAUSEND SEEN
Wasserwandern und Hausbooterlebnis

»TAGSÜBER DER SPRUNG INS WASSER, DES NACHTS BADEN IM STERNENMEER: AUF MECKLENBURGS ›KLEINEM MEER‹ GEHT BEIDES.«

Die Müritz im Herzen der Mecklenburgischen Seenplatte ist ein Paradies für Wasserratten. Die ganze Vielfalt der Wasserwelt zeigt sich beim Wasserwandern mit dem Kanu. Ob als Tagesausflug, Wochenendtour oder gleich im Rahmen der siebentägigen Müritz-Nationalpark-Tour – rund um die Müritz gibt es die nötige Infrastruktur mit etlichen Kanuverleihern und Campingplätzen. Vorerfahrungen sind für das Wasserwandern nicht notwendig, denn die Boote sind leicht zu handhaben und glücklicherweise sehr kippstabil. Bevor es ans Paddeln geht, gibt es eine ausführliche Einweisung in die Verhaltensregeln und eine Tourenbesprechung, dann kann – ausgestattet mit Schwimmweste, Packtonne und Paddel – nichts mehr schiefgehen. Tief einatmen, die reine Luft in die Lungen saugen, und das Gefühl der Wellen ringsum spüren. Enten ziehen wippend vorbei, die Sonne glitzert auf dem Wasser, eine leichte Brise kühlt die Haut.

Die »Alte Fahrt« bietet sich als Tagestour an. Vom Leppinsee geht es gen Norden in den Urwald des Müritz-Nationalparks. Auf dem ehemaligen Schifffahrtsweg herrscht ruhiger Betrieb, denn Motorboote sind hier tabu. Über ursprüngliche Kanalpassagen, die die Woterfitz und den Carpsee verbinden, erreicht man den Bolter Kanal, an dessen Ende ein Päuschen bei den Müritz-Fischern oder der Bolter Mühle einlegt werden kann. Nach dem Umtragen des Kanus geht es dann in die Müritz, wo viele kleine Buchten zum Baden einladen. Wer weniger Lust auf Paddeln, aber umso mehr auf Urlaub ganz nah am Wasser hat, sollte unbedingt ein Wochenende auf dem Hausboot ausprobieren. Den Sonnenuntergang auf dem Deck bei einem Gläschen Wein bewundern, morgens mit dem Gezwitscher der Vögel aufwachen und bei Tag die vorbeiziehende Landschaft beobachten, lesen und entspannen. Ein paar Tage auf dem Hausboot fühlen sich am Ende an wie zwei Wochen Urlaub. Auf der Mecklenburgischen Seenplatte können auch Bootsneulinge das Wasserabenteuer wagen: Gerade die Müritz ist ohne Schleusen das beste Revier für den Einstieg ins Kapitänsdasein – und das ohne Bootsführerschein (www.paddel-paul.de).

TIPPS & INFOS

SEHENSWERT: Sternbaden – wer die Nacht auf dem Gewässer verbringt, der kann etwas erleben, das selten geworden ist: ein ungetrübter Sternenhimmel. Die Lichtverschmutzung fällt über der Mecklenburgischen Seenplatte gering aus, http://sternenpark.nossentiner-schwinzer-heide.de

AKTIV: Hausboote gibt es in allen Größen und Ausstattungen, mit Fühererschein und ohne. Mehr Infos zum Mieten unter: www.mecklenburgische-seenplatte.de/faszination-wasser

EINKEHR: Abkühlung in der Müritz und »Pommes Schranke« – das Volksbad ist familienfreundlich mit Wasserrutsche, Beachvolleyballfeldern, einem Spielplatz, Nichtschwimmerbereichen, Umkleidekabinen, WC und Gastronomie ausgestattet, www.waren-tourismus.de

INFO: www.mueritz.de

Kleine hölzerne Bootshäuser säumen in Röbel den Ausläufer der Müritz.

Auf zahlreichen Wasserstraßen geht es über die Mecklenburgische Seenplatte.

HARZ

Nebelverhangene Sagenwelt


Das mittelalterliche Schloss Wernigerode wurde im 19. Jahrhunderts umgebaut und zum Ideal des norddeutschen Historismus.

Schöngeister haben ein feines Gespür für besondere Landschaften. Wenn ein Ort gleich mehrere große Dichter wie Johann Wolfgang von Goethe, Heinrich Heine und Theodor Fontane inspirierte, hat das seinen Grund. Im Harz, wo sich die Landschaft mal lieblich, mal wild zeigt, hat nicht nur der Brocken die Fantasie der Menschen seit jeher beflügelt.

Geheimnisvolle Burgen, das in Nebel gehüllte Brockenmassiv, bunte Wälder, tiefe Moore und bizarre Karstlandschaften machen den Harz zur Sagenkulisse. Wenn die Brockenbahn mit der Dampflok vorbeituckert, könnte sich Harry Potter am Fenster die Nase plattdrücken. Ursprünglich war das norddeutsche Mittelgebirge fast vollständig bewaldet. Heute sieht das anders aus. Die mehr als 3000-jährige holzintensive Bergbaugeschichte hat ihre Spuren hinterlassen. Der gerodete Wald wurde mit Fichten aufgeforstet, doch Stürme und Borkenkäfer ließen sie zuletzt großflächig absterben. Beim Wandern durch den Nationalpark Harz mit den vielen Holzgerippen der Fichten zeigt sich vielerorts ein bizarres Bild. Doch das Totholz hat auch seine guten Seiten: Es bietet Nahrung und Unterschlupf, und damit ist der scheinbar leblose Wald trotz des kargen Anblicks so lebendig wie selten zuvor.

TOP 5 WANDERROUTEN DER REGION

Goethewanderweg, 20 km – vorbei an Goethes Lieblingsorten,

www.thueringer-wald.com/urlaub-wandern-winter

Heinrich-Heine-Weg, 24 km – auf Heines Spuren über den Brocken,

www.ilsenburg-tourismus.de/wandern/top-5-wandertipps

Harzer-Hexenstieg, 94 km – der Fernwanderweg führt über den gesamten Harz und durch den Nationalpark,

www.harzinfo.de/erlebnisse/wandern

Teufelsmauer-Stieg, 35 km – teuflische Felsformationen zwischen Blankenburg und Ballenstedt,

www.kreis-hz.de/de/wandern

Harzüberquerung, 45 km – in zwei Etappen über den Harzer Höhenzug,

https://sonne-wolken.de/harzueberquerung-kaiserweg


13 BROCKEN
Die Faszination des Schaurigen

»O GEGEND, SCHRECKLICH UND RAU, WO MELANCHOLISCHE BERGE MIT STARREM HAUPT DIE GEWITTER DURCHSCHAUN.«

Friedrich Wilhelm Zachariae

Der Nebel hält sich hartnäckig auf der Brockenkuppe, der Wind pfeift. Den Reißverschluss der Jacke zieht man ganz automatisch bis ans Kinn. Schon früh im Jahr bedeckt Schnee den Brocken. Dass gerade ein Ort mit 300 Schlechtwettertagen pro Jahr, stetigem Wind und ungemütlichen Temperaturen derart von Poeten verehrt wurde, klingt im ersten Moment befremdlich. Doch schleichend wie der Nebel zieht einen genau dieser zwielichtige Charme des Brocken in seinen Bann. Im Mittelalter wurde der Berg wegen der undurchdringlichen, dunklen Wälder und schroffen Klippen gemieden. Er galt als gefährlich und den Einheimischen als nicht ganz geheuer. Sie vermuteten, dass hier Hexen und andere unheimliche Geschöpfe ihr Unwesen trieben. Zu DDR-Zeiten war der Brocken für Besucher tabu. Vom streng bewachten militärischen Sperrgebiet aus wurde der Westen abgehört. Doch die Einheimischen forderten ihren Berg zurück. Am 3. Dezember 1989 erzwangen Tausende Menschen die Öffnung des Brockens. Mit seinen 1141 Metern ist der Gipfel nicht nur der geografische Höhepunkt des Harzes, sondern heute auch sein beliebtestes Ausflugsziel. Verschiedene Wanderwege führen auf den Brocken. Über den Goethewanderweg lässt sich der Gipfel in knapp neun Kilometern vom Nationalpark-Besucherzentrum Torfhaus auf den Spuren des Dichters besteigen. In Ilsenburg, nördlich von Schierke gelegen, startet der gut zehn Kilometer lange und recht anspruchsvolle Heinrich-Heine-Weg. Zuerst verläuft er am Fluss entlang durch das liebliche Ilsetal. Unterm Blätterdach des Buchenwalds gelangt man schließlich zu den Ilsefällen, bevor es dann an den schweißtreibenden Aufstieg geht. Wer einen sonnigen Tag erwischt, genießt vom Brocken aus eine Rundum-Aussicht auf den Thüringer Wald und das Wesergebirge. Die Nationalparkverwaltung Hochharz nimmt die Aufgabe wahr, die Gäste zu lenken und den Besuchermagnet Brocken mit seinen Pflanzen und Tieren zu schützen. Auerhuhn, Wildkatze, Luchs, Brockenanemone, Zwergbirke und die Krautweide – der mit zehn Zentimetern kleinste Baum der Welt – sind nur einige der Naturschätze, die es hier zu bewahren gilt.

TIPPS & INFOS

ANREISE: Wem nicht nach wandern zumute ist, der nimmt die historische Brockenbahn. Von Wernigerode aus fährt die Dampflok über Drei Annen Hohne und Schierke auf den Gipfel. Hin- und Rückfahrt kosten um 43 Euro. Günstige Alternativen bieten Buslinien, www.hsb-wr.de

SEHENSWERT: Der 1890 angelegte Brockengarten schützt und bewahrt vom Aussterben bedrohte und seltene Gebirgspflanzen, www.nationalpark-harz.de/de/natur-erleben

UNTERKUNFT: Hoch oben auf dem Brocken befindet sich in acht Stockwerken des ältesten Fernsehturms Deutschlands das Brockenhotel samt Gastronomie, www.brockenhotel.de

Schneereich – der Harz ist Norddeutschlands größte Wintersportregion.

Um die Population der Auerhühner zu stabilisieren, werden Vögel ausgewildert.

14 HARZÜBERQUERUNG
In zwei Tagen übers Mittelgebirge

Eine Harzüberquerung kann zur echten Mammut-Tortur werden, wenn man zu wenig Zeit einplant. Wer die Tour auf zwei Tage verteilt, hat weit mehr Genuss beim Wandern und kann neben dem Streckemachen auch die Natur genießen. Auf rund 45 Kilometern geht es in zwei Etappen über den Kaiserweg auf historischen Spuren von Bad Harzburg am Nordharzrand über Bergkämme und durch Täler nach Walkenried im Süden. Die erste Etappe führt über 24 Kilometer und 680 Höhenmeter in sechs Stunden nach Braunlage. Dass der Kaiserweg ein Höhenweg ist, merkt man vor allem zu Beginn: Bis zum TorfHaus geht es kontinuierlich bergauf. Oben angekommen, folgen Wanderer dem Kronensymbol auf dem Kaiser weg. Die Laubwälder werden langsam von Nadelwäldern abgelöst, die breiten Forstwege verwandeln sich in schmale Pfade. Nach einer Übernachtung in Braunlage führt die Etappe am nächsten Tag weiter bis nach Walkenried. Dabei geht der raue Nordharz langsam in den lieblicheren Südharz über. Mischwälder lösen nun wieder den Nadelwald ab, das Klima wird spürbar milder. Ein kurzer Aufstieg auf die Bremer Klippe mit Blick zum Ravensberg fordert noch einmal die Kondition, dann ist das Ziel, der Klosterort Walkenried, fast erreicht. Im Mittelpunkt des Ortes steht das 1278 erbaute Zisterzienserkloster Walkenried. Das Kloster wurde im Jahr 2010 als Teil der Oberharzer Wasserwirtschaft von der UNESCO als Weltkulturerbe ausgezeichnet.

TIPPS & INFOS

ANREISE: Bad Harzburg lässt sich mit dem Zug von Hannover, Braunschweig oder Berlin erreichen. Die Harzer Schmalspurbahn und Buslinien sorgen für Mobilität im Harz.

EINKEHR: Das Alte Forsthaus in Braunlage bietet nach der ersten Etappe regionale Küche und günstige Übernachtungsmöglichkeiten an, www.forsthaus-braunlage.de

AKTIV: Neben einem Baumwipfelpfad gibt es in Bad Harzburg mit der Baumschwebebahn ein neues Wipfelerlebnis. Dabei geht es an der Flyline über alte Eichen und Buchen hinweg den Burgberg hinunter, www.baumwipfelpfad-harz.de

Auf 50 Stationen geht es auf dem Baumwipfelpfad durch die Baumkronen.

15 BODETAL
Harzer Canyon

Das Bodetal gehört zu den schönsten Schluchten Deutschlands. Hier zeigt sich der Harz von seiner wilden und malerischen Seite. Bei einer Wanderung durch das Bodetal wird auf dem Harzer-Hexenstieg das canyonartige Felsental zwischen Thale und Treseburg durchquert, das auch die Harz-Verehrer Goethe, Heine, Eichendorff und Fontane in seinen Bann schlug. Etwa drei Stunden muss für die zehn Kilometer lange Tour, egal in welche Richtung, eingeplant werden. Manchmal sorgt Geröll für schwer gangbare Passagen, dann müssen Gymnastikeinheiten eingelegt oder Streckenabschnitte umgangen werden. Auf einem schmalen Weg geht es mal hoch über der Bode, mal direkt am Fluss entlang durch ein enges Tal mit steilen Felsen. Der naturbelassene Flusslauf überrascht mit unzähligen Stromschnellen und kleinen Wasserfällen wie dem Bodekessel. Das Rauschen der Bode ist ein Dauerbegleiter auf der Strecke. Wenn die Sonne durch das Blätterdach blitzt, das Wasser gluckert und die Bewegung an der frischen Luft den Kopf von den immer gleichen Gedanken befreit, spürt man eine Freiheit, die nur der Aufenthalt in der Natur mit sich bringt. Der Duft der Fichten kitzelt die Nase, die immergrünen Zweige der Eibe mit ihren roten Beeren ziehen die Blicke auf sich, das Klopfen eines Spechts wirft ein Echo an die Felswände. Genau das ist es, was wir an Wanderungen durch den Wald lieben!

TIPPS & INFOS

ANREISE: Thale ist bequem mit dem Zug zu erreichen. Stündlich verbindet der HarzElbeExpress Magdeburg und das Harzstädtchen.

EINKEHR: Frisch gebackenes Bauernbrot aus dem eigenen Backofen, Harzer Käse und Schmalz – die Gaststätte Königsruhe verwöhnt mit deftiger Harzer Küche, www.koenigsruhe.de

WELLNESS: Ob in einer der zahlreichen Saunen, bei einer entspannenden Massage oder im Außenbecken, die Bodetal-Therme Thale ist der richtige Ort, um nach einer herausfordernden Wanderung die Seele baumeln zu lassen, www.bodetal.de/bodetalurlaub/bodetalthermethale

Mal sanft plätschernd, mal wild und ungestüm: die Bode.

16 HEXENTANZPLATZ
Treffpunkt (nicht nur) für Zauberkundige

»DIE BÖSEN MÄCHTE FASZINIEREN – UND LOCKEN NEUGIERIGE AUF DEN HEXENTANZPLATZ UND DEN BROCKEN.«

Spätestens seit Goethes »Faust« und seiner Schilderung der Walpurgisnacht ist der Hexentanzplatz oberhalb von Thale weltberühmt. Die Legende besagt, dass sich zur Nacht auf den 1. Mai, der Walpurgisnacht, die Hexen dort versammelten, um ein gespenstisches Ritual zu feiern. Von hier aus flogen sie gemeinsam weiter zum Brocken, wo sie um das lodernde Hexenfeuer tanzten. Einer anderen Überlieferung zufolge war der Platz ein altsächsisch-germanischer Kultort. Zum Hexentanzplatz, so heißt es, wurde die mystische Stätte der Altsachsen erst, als die christlichen Franken die uralten kultischen Handlungen auf dem Berg verbieten wollten. Das ließen sich die Sachsen nicht bieten und schlugen als Hexen verkleidet die dort positionierten Wächter in die Flucht. Ein Stück Geschichte des Hexentanzplatzes, das sich tatsächlich nachweisen lässt, markiert der Sachsenwall. Die erhaltenen Stücke der 150 Meter langen Verteidigungsmauer aus Granit sind mehr als 1500 Jahre alt und ihre Überreste noch heute zu sehen.

Inzwischen hat der Hexentanzplatz seinen Schrecken verloren. Ein kleiner Freizeitpark sorgt ganzjährig für kindgerechten Hexenspaß. Wer mit der Kabinenbahn nach oben gondelt, kann die dichten Wälder des Bodetals durch die Glasbodenfenster betrachten. Familien finden Unterhaltung im Hexenhaus und dem kleinen Tierpark. Auf der Allwetterrodelbahn geht es rasant in die Tiefe. Das Harzer Bergtheater zeigt Aufführungen für Groß und Klein mit klassischen Stücken oder modernen Inszenierungen. In der »Nacht der Nächte« dreht sich alles um die Hexen. Dann verwandelt sich der Harz in einen brodelnden Hexenkessel. Was einst Volksglaube war, ist heute ein riesiges Spektakel für die ganze Familie. Zur Walpurgisnacht kommen Tausende Menschen als Hexen oder Teufel verkleidet hierher und treiben bei Konzerten, Lasershow und Feuerwerk den Winter aus. Mit bis zu 10 000 Besuchern hat sich die Walpurgisnacht auf dem Hexentanzplatz zu einem der größten Volksfeste in der Region entwickelt.

TIPPS & INFOS

ANREISE: Mit der Kabinenbahn geht es bequem zum Hexentanzplatz. Die 6 km lange Wanderung ab Thale dauert rund drei Stunden, www.seilbahnen-thale.de/attraktionen

SEHENSWERT: 2000 Fachwerkhäuser lohnen eine Reise. In Quedlinburg bezaubert die Altstadt, die von Zerstörungen größtenteils verschont geblieben ist, mit Mittelalterflair. Auch der Blick vom Schlossberg und ein Besuch der über 1000-jährigen Stiftskirche St. Servatii lohnen sich, www.quedlinburg.de

AUSBLICK: Gegenüber vom Hexentanzplatz bietet sich vom Aussichtspunkt Rosstrappe das eindrucksvolle Panorama der zerklüfteten Berglandschaft.

Seit 1994 gehört Quedlinburg zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Von der 403 Meter hohen Rosstrappe geht der Blick ins grüne Bodetal.

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1 352,74 ₽
Возрастное ограничение:
0+
Дата выхода на Литрес:
09 ноября 2024
Объем:
276 стр. 161 иллюстрация
ISBN:
9783734322334
Издатель:
Правообладатель:
Bookwire
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