Читать книгу: «Wachsen in der Liebe»
Josef Butscher
Wachsen
in der Liebe
Gedichte
Aphorismen
Biblische Meditationen
Literarisch verfremdete Texte
Segensworte

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ISBN EPUB: 978 - 3-8150 - 2614-4 (1. Auflage 2014)
ISBN PRINT: 978 - 3-8150 - 1549-0 (1. Auflage 2013)
© der E-Book- und der Print-Ausgabe: Josef Butscher
Herausgebender Verlag:
Saatkorn-Verlag GmbH, Pulverweg 6, 21337 Lüneburg
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Zeilenwert, Rudolstadt
© 2013 Josef Butscher
Alle Rechte vorbehalten. Das Werk ist einschließlich aller seiner Teile urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Verarbeitung in elektronischen Systemen.
Umschlaggestaltung: Christine Paxmann, München
Umschlaggrafik: Josef Butscher, Bietigheim-Bissingen
Autorenportrait: Jürgen Butscher, Stuttgart
Satz: Ingo Engel, München
Die Bibelzitate sind – falls nicht anders vermerkt – der Bibel nach der Übersetzung Martin Luthers (revidierter Text 1984), durchgesehene Ausgabe in der neuen Rechtschreibung, © 1999 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart, entnommen.
1. Auflage 2013
Saatkorn-Verlag GmbH, Pulverweg 6, 21337 Lüneburg
Inhaltsverzeichnis
Cover
Titel
Impressum
Vorwort
Gedichte
Unsere Zeit
Lichtes Haus
Was Liebende brauchen
Friede
Der Einfallsreichtum der Liebe
In der Liebe ruhen
Das Leben ist hart
Geheimnisvoll
Schön wäre es
Was tun?
Die Lebenszeit
Kindheit
Ja, früher!
Traumzeit
Gottes Gnade im Alter
Rückblick
Das farbenreiche Frühjahr
Hoffnung
Lass den Frühling in dich ein
Sommer
Die letzten Tage im August
Noch und bald
Herbst
Es ist Herbst geworden
Sieh!
Winter
Getröstet
Deine Liebe
Wie schön, den frühen Tag zu sehn
Der Tag ist da!
Die Tage zählen
Nun ist Abend
Wolken, Spätsonnenglut
O schöner Schlaf
Das Jahr ist noch jung
Das neue Jahr
Wir nennen Tage, zählen Jahre
Es ist vollbracht
Auferstehungshoffnung
Ostern
Pfingstbitte
Geist, du Feuer, Licht und Glanz
Pfingsten
Sieh die Erntezeit ist da!
Das Feld
Zur Erntezeit
Die Weisen
Sich dessen erinnern
Der Retter ist da
Frieden künden
Ich will hören auf dich
Ich bin so ausgehungert
Ich lobe deine Barmherzigkeit
Du bist dir fremd geworden
Jesus, ich nahe mich dir
Ach, Sohn der Schmerzen
Jesus
Weite
Bitte
Das Ende ist Beginn
Haltet aus!
In der Nacht
Du erhebst die Hände
Im Nebeldunst der Zeit
Manchmal – immer
Danke
Sicher
Apokalyptische Zeit
Möchte nur mal wissen
Schizophrenie vor Toresschluss
Erwachet!
Als sie zusammenkamen
Ich warte
Wenn Jesus Christus wiederkommt
Ich werde singen
Aphorismen
Biblische Meditationen
Regenbogen
Jakobsbitte
Noch immer
Geleitet
Entschnüre meine Seele
Der Herr ist mein Hirte
Zu Gott hin sei stille
Dennoch
Bei Gott zu Hause
Unser Leben
Lobe den Herrn
Tod und Leben
Wenn du entmutigt bist
Gott weiß, was dir zum Segen dient
Ein Geschenk
Gott vergisst dich nicht
Gedanken des Friedens
Freude ohne Ende
Das Vaterunser
Nicht sorgen
Was essen? Was trinken?
Gewogen
Unkraut unter dem Weizen
Jesus Christus ist auferstanden
Wachet!
Der Stein vor dem Grab
Jesus bekennen
Kurzpredigt
Die Gemeinde
Petrus, Apostel Jesu Christi
Judas, Mensch
Lebe!
Weggehen?
Das neue Gebot der Liebe
Gepriesen sei die Liebe
Alles vermag ich
Kampf und Sieg
Weckruf
Völker
Geht hinaus aus ihr, mein Volk!
Das Amen
Literarisch verfremdete Texte
Fragen an Kain
Zeichen
Vermisstenanzeige
Großmaul Goliath
Geschichte
Der Herr ist dein Hirte
Den Herrn loben
Zustände
Steckbrief
Ein Kind geboren
Abgeschafft
Klingt ganz ordentlich
Gut
Noch immer
Sie beachteten es nicht
Töte nicht den Hahn!
Überall gibt es einen
Gehet hin in alle Welt!
Zeit- und Ortswechsel
Es geschah
Zeitbestimmung
Karfreitag
Frucht
Irret euch nicht, ihr Kriegsherren
Seid anders
Wir erwarten mehr
Notizen
Segensworte
Wunsch
Der Herr segne dich
Gottes Segen komme über dich
Der Segen des Herrn
Segenswunsch
Gesegnet
Der Herr wird mit dir sein
Gott gebe Acht auf dich
Friede sei mit dir!
Freut euch!
Die Freude am Herrn
Nun heißt es Abschied nehmen
Bitte
Wunschzettel
Sei gesegnet
Segen
Stichwortverzeichnis
Bisherige Veröffentlichungen von Josef Butscher
Vorwort
Liebe Leserin, lieber Leser!
In diesem Band warten 75 Gedichte, 77 Aphorismen, 41 biblische Meditationen, 27 literarisch verfremdete Texte und 16 Segensworte auf Sie.
Gehören Sie zu den Menschen, die irgendwo anfangen zu lesen, um auf den Geschmack zu kommen? Oder lesen Sie lieber Seite für Seite durch? Ich möchte Ihnen empfehlen, das Buch einmal von vorn bis hinten durchzulesen. Damit haben Sie einen Gesamteindruck und Sie werden dann feststellen, dass Sie zu manchen Aussagen einen besonderen Bezug finden und dabei wahrscheinlich auch überlegen, ob Sie den einen oder anderen Text an Freunde und Bekannte weitergeben können. Oft schon haben Leser mir mitgeteilt, dass ein Gedicht, manchmal nur ein einzelner Satz, für jemanden hilfreich war.
Die Gedichte beginnen mit Gedanken zu Liebe und Leben, thematisieren Kindheit und Alter, die Jahres- und Tageszeiten, die christlichen Festtage, die Erlösung durch Jesus Christus, Leid und Trost, die Zeichen der Zeit und das Ereignis der Wiederkunft Christi. Diese erforderliche Auswahl bedeutet gleichzeitig Beschränkung. Das gilt auch für die weiteren Teile des Buches. Insgesamt soll es ein Gebrauchsbuch sein, das man durchaus mehrmals zur Hand nehmen kann. Es könnte auch für Personen hilfreich sein, die Beiträge für den Gottesdienst suchen.
Zu den einzelnen Rubriken im Buch gibt es jeweils eine kurze Einführung. Das Stichwortverzeichnis erleichtert das schnelle Auffinden eines Textes.
Leicht zu erkennen ist, dass die Bibel meine eigentliche Inspirationsquelle ist. Als dichtender Christ höre ich gern auf das, was Gott mir durch sein Wort sagen will. Und ich versuche – auf meine Weise – darauf zu antworten. Insofern ist mein Dichten eigentlich Verkündigen. Ich möchte nachdenklich machen, loben, erfreuen, ermutigen. Manchmal gehört auch das Wachrütteln und Zurechtweisen dazu. Sehr wohl weiß ich, dass so ein Ansinnen in der allgemeinen Literatur verpönt ist. Ich schäme mich dessen nicht. Ich muss es tun. Meine Begabung und was daraus geworden ist, verdanke ich Gott. Trotzdem bringe ich nur „gestammelte Werke“ hervor. Gott, der sogar durch Bileams Esel geredet hat, kann es, denke ich, auch ab und zu durch mich tun.
So hoffe ich, dass durch mein Buch die Liebe Gottes, die nicht nur alle Erkenntnis, sondern auch alles literarische Schaffen übertrifft, Ihr Herz erreicht und dazu bewegt, in der Liebe zu wachsen, bis alles in Worte gefasste menschliche Bitten, Sehnen, Klagen und Preisen abgelöst wird von einem neuen Dasein und damit auch von einer ganz neuen Sprache.
Josef Butscher
Bietigheim-Bissingen, Oktober 2013
Gedichte
Gedichte
Wenn Luther die Menschen vor der Sintflut in seiner Übersetzung von 1. Mose 5,6 so charakterisiert, dass „alles Dichten und Trachten ihres Herzens nur böse war“, dann erklärt er damit, dass man früher unter Dichten alles Gedachte verstand.
Vielfach bringt man mit „Gedicht“ die Ausdrucksweise mit Versmaß und Strophenform, nicht zuletzt mit dem Reim zusammen. Aber die ältesten Dichtungen, so zum Beispiel auch die Psalmen, kamen ohne Reim aus.
In diesem Buch stehen gereimte Gedichte und auch solche im sogenannten freien Rhythmus verfasste, die meines Erachtens eine noch breitere Möglichkeit der Gestaltung bieten.
Bewusst sind in den Gedichten verschiedene Stilmittel eingesetzt. Ich habe dabei auch an die unterschiedlichen Leser gedacht; wie überhaupt – das ist meine Meinung – nicht allein der Poet, sondern letztlich der Leser in seiner Befindlichkeit darüber entscheidet, was ein Gedicht wert ist.
Unsere Zeit
Unsere Zeit
ist gemeinsame Zeit:
Zeit zum Schweigen,
Zeit zum Hören,
Zeit zum Achtgeben,
Zeit, Geduld zu lernen,
Zeit, einander zu begreifen,
Zeit, einander zu raten,
Zeit, einander beizustehen,
Zeit, miteinander zu planen,
Zeit, gemeinsam zu handeln,
Zeit, miteinander zu trauern.
Zeit, gemeinsam zu lachen.
Unsere Zeit
ist gemeinsame Zeit:
Zeit, sich zu erinnern,
Zeit, Nähe spüren zu lassen,
Zeit, auf Zukunft zu hoffen,
Zeit, Liebe zu üben.
Lichtes Haus
Gott, der die Liebe erweckt,
hat ihr ein lichtes Haus gebaut,
uns zur Wohnung bestimmt.
Die Zimmer sind geräumig,
die Aussicht ist gut,
Wachsein und Planen,
Tage der Arbeit und Zeiten der Stille
sind geprägt vom Rhythmus der Ewigkeit.
Wenn der Herr das Haus baut,
ist die Mühe nicht umsonst.
Sein Segen schenkt Gelingen.
Seine Fürsorge hört nicht auf.
Was sich auch immer ereignen mag:
Nichts kann das Haus der Liebe zerstören,
weil Gottes Engel vor der Tür Wache hält.
Was Liebende brauchen
Engherzigkeit ist schädlich für die Liebe.
Was Liebende brauchen, ist Weite.
Weite, die Raum zur Entfaltung schafft,
offen ist für neue Ideen,
Vertrauen schenkt,
Ängste überwindet,
Rücksichtnahme fördert.
Liebende müssen es wagen, zu sein
und zu werden.
Dann ist das Zusammenleben
federleicht und schön,
hat Tiefe und Bestand.
Friede
Friede
durchdringt die Zeit der Liebenden.
Alles Trennende ist überbrückt.
Die Bedürfnisse,
gestützt von den Pfeilern des Vertrauens,
haben den Widerstreit beendet.
Erwarten und Schenken fließen zusammen.
Das Alltägliche ist täglich neu
Anlass zur Überraschung.
Die Prägung der Seele gelangt zur Reife,
und die Schwingung der Sprache mündet
in die Freundlichkeit des Schweigens.
Der Einfallsreichtum der Liebe
Das Leben ist Beweis der Liebe.
Liebe, eine unüberwindliche Kraft,
gegründet in Gott!
Ist Distanz eingetreten:
Liebe überbrückt das Tal der Zertrennung.
Fehlt Klarheit und Helle:
Liebe räumt den Berg der Verblendung hinweg.
Sind Wege unbegehbar geworden:
Liebe trocknet den Sumpf der Vorwürfe aus.
Greift Ratlosigkeit um sich:
Liebe rodet den Urwald der Verstrickung.
Scheint Leben und Freude erstorben:
Liebe beendet die Wüste der Verschlossenheit.
Geriet Hoffnung ins Wanken:
Liebe errichtet ein Haus,
das den Erschütterungen standhält.
Alles findet einmal ein Ende;
der Einfallsreichtum der Liebe aber wird bleiben.
In der Liebe ruhen
In der Liebe ruhen
wie der Baum im Acker dieser Erde.
Gegründet sein, um zu wachsen.
Dem Eignen zugewandt
in Dankbarkeit und Pflicht,
verwurzelt der Natur, und doch
täglich sich ausweiten, sich selbst
vergessen, sich hingeben, da sein;
ausgesetzt den Stürmen,
sehnsuchtsvoll nach dem Lichte:
Erfordernis und Weisung des Lebens.
Gegründet sein,
über sich hinauswachsen,
reifen, Frucht bringen.
Alles empfangen,
alles verschenken,
alles gewinnen.
Ruhen in der Liebe,
ruhen in Gott.
Das Leben ist hart
Zupacken,
aktiv sein,
keine Zeit verschwenden,
dran bleiben,
vorwärts,
aufwärts …
sich rückwärts setzen,
das Gefälle
als Höhenflug simulieren,
Stärke demonstrieren.
Jeder weiß:
Das Leben ist hart.
Jeder weiß:
Das Leben ist hart dabei,
verlebt zu werden.
Geheimnisvoll
Geheimnisvoll verwoben
die Windungen des Geistes,
unergründlich
die Brunnen des Zweifels.
Niemand ist klug.
Selbst das zwielichtige Blendwerk
lebt vom Licht.
Alle Tarnungen gefertigt
aus Vorhandenem.
Niemand ist klug.
Niemand erschafft sich selbst.
Die glorreiche Flamme Leben
lodert nicht zufällig.
Schön wäre es
Schön wäre es,
wenn sich die nervlich Sensiblen
in seelisch Sensible verwandeln könnten
und sich Empfindsamkeit
mit Tatkraft verbinden würde.
Schön wäre es,
wenn die Nüchternen
ihre Frostigkeit aufgeben könnten
und Überlegung und Phantasie
dasselbe Haus bewohnen würden.
Schön wäre es,
wenn die Grundsatztreuen
mehr Verständnis entwickeln könnten
und Entschlossenheit und Beweglichkeit
Geschwister würden.
Schön wäre es,
wenn die Aufrichtigen
ihre Zaghaftigkeit aufgeben könnten
und Wahrheit und Liebe
miteinander ein Fest feiern würden.
Schön wäre es, wenn …
Schön wäre es,
wenn zwei, du und ich,
anfangen würden,
das Leben als Leben zu erleben.
Was tun?
Nimmst du das Leben leicht,
wirst du als oberflächlich gescholten;
nimmst du es schwer,
giltst du als komplizierter Charakter.
Setzt du dich für etwas ein,
wirst du als aufdringlich empfunden;
hältst du dich zurück,
sieht man dich als Duckmäuser.
Bist du offen und frei,
wirst du vielfach anecken;
bist du schweigsam,
wird man dich als verschlossen abtun.
Lässt du es dir gut gehen,
nennt man dich einen Prasser;
bist du sparsam,
wirst du als Geizhals verschrien.
Machst du mit, wo es lustig zugeht,
vermisst man bei dir den nötigen Ernst;
machst du nicht mit,
wirst du als Spielverderber abgestempelt.
Was also tun? Lebe! Nimm dich
mit deinen Licht- und Schattenseiten an
und sei nur darauf bedacht, vor Gott zu bestehen.
Dann erfüllt dich der Frieden,
den dir die Welt nicht geben –
und auch nicht nehmen kann.
Die Lebenszeit
Die Lebenszeit ist uns gegeben,
dass wir mit Gott zusammen leben
und nicht, dass wir nur rackern, schuften,
und wie ein Blütenstrauß verduften.
Die Lebenszeit ist uns gegeben,
dass wir mit Gott zusammen leben
und nicht, dass wir uns profilieren,
nach Lustgewinn und Späßen gieren.
Die Lebenszeit ist uns gegeben,
dass wir mit Gott zusammen leben
und nicht, dass wir hier Träume sähen,
die niemals in Erfüllung gehen.
Die Lebenszeit ist uns gegeben,
dass wir mit Gott zusammen leben
und nicht, dass wir uns krampfhaft mühen,
vor Gottes Wirkungskraft zu fliehen.
Nichts bleibt, was wir für wichtig halten,
es wird versickern und veralten.
Die Lebenszeit ist uns gegeben,
dass wir mit Gott zusammen leben.
Kindheit
Wie viele Träume liegen verborgen
in der Seele eines Kindes!
Erstarren sie im Eis der kalkulierten Nützlichkeit?
Verderben sie wie ein Ährenfeld
im Dauerregen des Einerlei?
Was lässt sie zur Sprache erwachen?
Wer schenkt ihnen Atem und Bestand?
Du, Herr, hast mir mein Königtum
des Menschseins bewahrt.
All meine Wünsche, Erwartungen,
und Sehnsüchte wurzeln in dir.
Du bestimmst ihr Wachstum,
bringst sie zum Blühen
und lässt sie reifen bis zur Ernte.
Wenn du mich von den Zwängen der Zeit befreist,
werde ich sein wie ein Träumender.
Du aber wirst zu mir sagen:
Mein Kind, alles ist wahr.
Ja, früher!
In der Kindheit
kauten wir trocknes Brot,
pflückten Butterblumen von der Wiese
und brachten Sonnenschein
mit frischem Grün nach Hause.
Heute verrenken wir uns den Magen
im Nobelrestaurant,
konsultieren eine Floristin,
um hernach über den enormen
Verwelkungsgrad ihrer exotischen
Blütenkunstwerke Klage zu führen,
obwohl wir doch vorschriftsmäßig
irgend so ein Langlebepulver
ins lauwarme Wasser
rieseln ließen.
Was macht den Menschen glücklich?
Ich denk an früher und sage:
Kerniges Brot, Butterblumen
und Sonnenschein mit Hoffnungsgrün.
Traumzeit
Ein reifes Ährenfeld –
vom Himmel überblaut –
ein fröhlich-klarer Lerchenton,
das Kind, das horcht und schaut.
So seh ich mich bis heut’
und denke gern zurück;
empfinde tief im Herzen drin
ein unbeschwertes Glück.
Die Traumzeit ist nicht fern,
solang ein Kind sie lebt,
solang ein Mensch sie liebt und sucht
und täglich neu erstrebt!
Gottes Gnade im Alter
Wenn nun die Tage ruhevoller werden,
und über Glück und Leid sich Gnade breitet,
bist du dem Tage Gottes vorbereitet.
Und wächst das Ängsten vorm Gericht auf Erden:
Steh fest! Dir ist die Hoffnung eingeboren.
Wer glaubt und liebt, ist nie vor Gott verloren.
Du bist gerüstet für der Zeit Beschwerden;
und der dir kommt, ist mächtig in den Schwachen.
Du darfst getrost dem Tag entgegenwachen.
Rückblick
Lief durch den Frühling,
die duftenden Wiesen;
sprang durch den Sommer,
der singend mich rief;
schritt durch die Herbstzeit,
als Stürme rings bliesen;
ging durch den Winter
und atmete tief.
Kindheit und Jugend
sind längst schon vergangen.
Herbstzeit führt zügig
dem Alter entgegen.
Was wir verschenken,
entspricht dem Empfangen.
Wachsen und Werden
ist Gnade und Segen.
Das farbenreiche Frühjahr
Es wandelt sich der Erde Braun
in eine grüne Landschaft voll Vertraun;
das Lockengelb hebt seinen Kopf empor,
und auch das stolze Lila kommt hervor,
das sanfte Rosa flötet, lockt und neckt,
indes das Flaggenrot zum Morgen weckt.
Die Blumen atmen ein Gebet.
Der Winter weicht. Das Nebelgrau vergeht.
Und über allem schwebt der Gnade Blau.
Da möcht’ man sagen: Schau doch endlich, schau!
Versäume nicht das Frühjahrsangesicht!
Wach auf! Verbirg dich nicht, verbirg dich nicht!
Hoffnung
Noch fehlt den Bäumen Frühlingsduft.
Die Berge ragen hoch im Schnee;
doch Hoffnung sprengt die Trauergruft,
dass ich schon Blütenmeere seh’
von weiß und rosa, lichtgetränkt,
im blattumrankten frischen Grün
und Früchte, Früchte, unbeschränkt,
die satt in ihrer Reife glühn. –
Noch fehlt den Bäumen Frühlingsduft.
Der Frostwind durch die Lüfte hetzt.
Doch Hoffnung sprengt die Trauergruft
und sieht das Morgen schon im Jetzt.
Lass den Frühling in dich ein
Lass den Frühling in dich ein,
Gott ruft dich zum Leben!
Vor der Sonne Kraft und Schein
gilt kein Widerstreben.
Nun entsag der Düsternis,
ist nicht Zeit zu klagen!
Gottes Liebe ist gewiss.
Alle sind getragen.
Rühme Gottes Jahreslauf,
geh in seinen Garten!
Frühling schließt die Herzen auf,
lässt die Frucht erwarten.
Sommer
Wend dein Gesicht zur Sonne,
damit du nicht blind wirst
vom Trübsinn der Düsternis.
Leg dich ins Gras
und blick in die Sonne,
damit dich die Weite des Himmels beseelt.
Die letzten Tage im August
August, August,
hast du noch Lust,
den Sommer zu genießen?
Dann freue dich und sei vergnügt,
weil nur zu leben nicht genügt.
Jawohl, August,
vermeid den Frust!
Und doch, August,
bleib dir bewusst,
dass deine Zeit zu Ende geht,
weil Zeit sich niemals rückwärts dreht.
Noch und bald
Feierabend
hat sich in den Blütenkelchen verfangen.
Schönheitskönig Sommer nimmt Abschied;
hüpft über Berge und Hügel,
lugt in Türen und Fenster,
erhascht einen Zipfel Zukunft
und steckt – wie immer –
den Dufthauch Erinnerung in den Briefkasten.
Herbst
So rot war selten je ein Herbst;
und sieh, was vorher grün, wirkt duftig gelb.
Die Zeit blüht auf.
Die Zeit blüht auf, bevor der Wind
den Rest der Blätter ins Vergessen fegt
und Nebel kommt.
Und Nebel kommt? Blick nicht betrübt!
Was ist, füg in dein Herz und sei gewiss:
Die Zeit ist gut.
Es ist Herbst geworden
Weit dehnt sich das Tal;
grüngefleckt, strohern und rostig.
Schmerz und Hoffnung
wehen über die Hügel,
ziehen hin bis zur Waldung
am Horizont und vereinen sich
mit dem grau-blauen
Blinklicht des Himmels.
Die eiligen Tage
verzögern den Schritt.
Es ist Herbst geworden.
Abschied und Ernte
genießen die Zeit.
Sieh!
Sieh den Kastanienbaum!
Sein Blattwerk mahnt: Das Jahr ist alt geworden.
Das späte Licht hat sich entfernt, doch du
bemerkst es kaum.
Der Herbst zürnt aufgebracht
und schickt zum Stoppelfeld die Sturmeshorden.
Die Zeit bezieht Quartier für eine lange
Winternacht.
Was folgt? Was kommt danach?
Bringt uns der neue Frühling neues Morden?
Erwächst uns Frieden?
Oder bleibt der Zukunftsacker brach?
Die Fragen schweigen nicht.
Was tun, wenn Angst, Befürchtung überborden?
Verzagtheit ist ein wirres Spiel. –
Erhebe dein Gesicht!
Winter
So sanft in Stille eingewoben
verbring ich nun die Winterzeit.
Die Zeit: Gelegenheit zum Loben,
zum Rückblick und zur Dankbarkeit.
Was war, was immer kam gegangen
im trägen Schritt, im Überfall
des jähen Lichtes auf den Wangen,
es blinkt und schwingt, wird Widerhall;
wird Widerhall von Ruf und Gnade,
wird Einsicht in der Führung Sinn.
Ich stehe an des Stroms Gestade
und weiß, dass ich verwandelt bin.
Getröstet
Viel Schnee ist schon gefallen
in letzter Nacht.
Das Weiß der weiten Felder
erstrahlt in Pracht.
Sie Saat ruht in der Erde.
Das Korn vergeht;
und keimt doch hin zum Leben,
das aufersteht.
Ich sehe und betrachte
dies Winterbild.
Hat sich nicht Gleichnishaftes
an uns erfüllt?
Es waren unsre Sünden
wie Blut so rot.
Schneeweiß sind sie geworden
durch Christi Tod.
Des Lebens Kraft erwies sich
im Auferstehn.
So dürfen wir die Wege
getröstet gehn.
Deine Liebe
Wie im Frühling
die Pracht der Blüte
so, Herr, ist deine Liebe;
Liebe, die mich neu belebt
und glücklich macht.
Wie im Sommer
das Flutlicht der Sonne
so, Herr, ist deine Liebe;
Liebe, die mich wärmt
und deine Nähe spüren lässt.
Wie im Herbst
die Fülle der Früchte
so, Herr, ist deine Liebe;
Liebe, die mir Reife
und Ruhe schenkt.
Wie im Winter
die Decke des Schnees
so, Herr, ist deine Liebe;
Liebe, die mich beschützt,
bis ich erwache
vor deinem Angesicht.
Wie schön, den frühen Tag zu sehn
Wie schön, den frühen Tag zu sehn,
wenn noch die vielen Stimmen schweigen
und die Gedanken im Gebet
Gott voller Ehrfurcht Dank erzeigen!
Dann sendet er den Segen aus,
erfüllt das Herz mit Mut und Freude,
gibt Ruhe und Entschiedenheit
zur Arbeit und Geduld im Leide.
Dann stehen wir nicht hilflos da –
denn er schafft Wollen und Vollbringen –
und brauchen nicht der Menschen Gunst
durch Leistung und Verzicht erzwingen.
Gott hält zu uns und bleibt uns treu,
selbst wenn wir zweifeln und versagen.
Ein jeder Tag ist sein Geschenk!
Auf! Lasst ihn uns auch heute wagen!
Der Tag ist da!
Die Sonne scheint, der Tag ist da!
Das Licht der Welt ist uns noch nah;
und wen es jetzt erleuchtet und erhellt,
wird ebenfalls zum Licht der Welt.
Seid nur getrost und sorgt euch nicht.
Auch das Verborgne kommt ans Licht.
Der Herr, der ewig in dem Lichte wohnt,
ein jedes Werk gerecht belohnt.
Sein Leuchten immer heller scheint,
auch wenn die Welt es anders meint.
Drum schlafe, wer da länger schlafen mag:
Die Sonne Christus preist den Tag!
Die Tage zählen
Herr, an jedem neuen Morgen
lehrst du mich die Tage zählen,
willst, dass meine Zeit gelingt,
tröstest mich durch dein Erwählen.
Habe Dank für deine Liebe,
die mich stündlich neu begleitet
und zum Reden, Schweigen, Tun,
Herz und Hände vorbereitet.
Schenk dem Weinstock das Gedeihen,
stärke mich durch Mut und Glauben,
dass die Lebensernte reift
zu der Fülle süßer Trauben.
Segne mich mit deiner Treue!
Niemals will ich von dir weichen.
Lass mich, wenn die Zeit verrinnt,
deine Ewigkeit erreichen!
Nun ist Abend
Nun ist Abend, falt’ die Hände,
werde still, es ist schon spät;
lasse werden, was in Hoffnung
du tagsüber ausgesät.
Keinen Wunsch musst du verbergen,
lebe Glauben und Verzeihn,
so wirst du, von Gott gesegnet,
jeden Tag zufrieden sein.
Sende in die Himmelweite
jetzt hinauf ein Abendlied;
schlafe gut, bis dann am Morgen
dich die Sonne wiedersieht,
die dir Licht gibt, zu erkennen,
was dir Gott längst zugedacht.
Wisse, ER, der Herr der Zeiten,
ist dir nah, hat auf dich Acht.
Wolken, Spätsonnenglut
Wolken, Spätsonnenglut,
Gräser im Winde.
Was mir noch ferne ist,
ob ich’s ergründe?
Wolken – so rasch vorbei,
eh ich erkenne.
Sonnenglut – dunkles Grau,
ehe ich brenne.
Menschenzeit blüht wie Gras.
Mahnt es vergeblich?
Mensch, läufst dem Glücke nach,
läufst und verfehlst dich.
Wachen im Dämmerlicht.
Leuchten verglommen.
Tag, der nie enden wird,
wann wirst du kommen?
O schöner Schlaf
O schöner Schlaf,
komm und decke zu
die Bürde dieser Zeit!
Denn siehe, unergründlich,
fast erdrückend ist,
was uns zu tragen auferlegt,
was wir uns selbst verschuldet.
Darum: Nicht feige,
göttlich geboten,
ist das Vergessen.
In allem, was geschehen
und noch geschieht:
Zuvorgekommen dem Elend
ist das Heil.
O schöner, tiefer Schlaf,
mach stark zum Tag!
Er kommt so schnell.
O schöner Schlaf,
bald kommt der Tag,
da werden wir aufwachen
in unermesslicher Freude.
Sein wird uns wie den Träumenden,
die nur mit Blinzeln erblicken
das Licht der Frühe;
doch weil wir berührt
von der Kraft der Sonne,
muss zerreißen der Schleier
und lobpreisend werden wir schauen:
Das Alte ist vergangen,
alles ist neu geworden!
O schöner, letzter Schlaf,
bring uns hindurch
zur Wohnung des Lichtes!
Das Jahr ist noch jung
Das Jahr ist noch jung,
ein noch schweigsames Land;
das Herz atmet Frische,
und stark ist die Hand.
Erwartung glüht rot,
und die Hoffnung strahlt grün,
die Spannung des Wachseins
erfüllt dein Bemühn.
So pfleg und bebau
deinen Garten, dein Feld,
und glaube, dass Jesus
die Zusagen hält.
Und sorge dich nicht,
ob die Kraft sich verzehrt.
Was Jesus dir segnet,
wird ständig vermehrt.
Das Jahr ist noch jung;
doch die Zeit ist schon spät. –
Vergängliches schwindet.
Die Liebe besteht.
Das neue Jahr
Noch ist das neue Jahr,
dem du dich anvertraust,
der regungslosen Landschaft gleich,
von keinem Sturm zerzaust.
Doch grollt Gewitterfront
– vielleicht, ich weiß es nicht –
und pfeift und zerrt der Wirbelwind
und bläst dir ins Gesicht:
Gedenke, jeder Tag
ist gut und sinnerfüllt,
weil er geheimnisvoll dich formt
zu Gottes Ebenbild.
Du weißt: Die Zeit ist reif.
Vollendung ist zu sehn.
Sag ja zu Gottes Plan! Du weißt:
Die Zeit ist reif – und schön.
Wir nennen Tage, zählen Jahre
Wir nennen Tage, zählen Jahre,
belastende und wunderbare,
und eh wir uns besinnen, ist
schon abgelaufen unsre Frist.
Das uns für kurze Zeit Vertraute,
so gern Erlebte und Geschaute,
doch auch das zähe Einerlei,
das lähmt und schmerzt: Es geht vorbei.
Ob wir’s verdrängen oder fassen:
Wir werden wie ein Bild verblassen,
und sei’s auch noch so schön gemalt.
Ein Tor, wer da noch protzt und prahlt!
Wir sind wie Gras im heißen Winde,
Verlorene, dazu oft Blinde
für das, was niemals welkt, was bleibt
und überzeitlich Blüten treibt,
hinüberwächst zu Neugestalten,
wie wir sie nicht für möglich halten. –
Gefangene der Eitelkeit,
sehn nur auf sich und ihre Zeit.
Trotz Angst und Tod an allen Ecken,
braucht keiner jammern und erschrecken,
denn, so bezeugt es Christi Wort:
Es gibt ein Haus, es gibt den Ort,
wo er schon lange auf uns wartet
und dann das neue Leben startet,
wo niemand Tränen mehr vergießt,
nur Liebe strömt und überfließt.
Wir nennen Tage, zählen Jahre;
sie münden in das Wunderbare,
für jeden der auf Christus setzt.
Das trägt und tröstet bis zuletzt.
Es ist vollbracht
Ohne Aussicht, trüb, vergebens,
dünkt uns alles, was wir sehn.
Die Gedanken unsres Strebens
scheinen sich im Kreis zu drehn.
Wer nicht fragt, kennt kein Verzagen,
wer nicht zweifelt, lebt noch kaum.
Alle unsre Früchte ragen
in den Garten mit dem Baum,
der verlockend, uns begehrend,
täuschte, wie uns alles trügt,
was nicht Gottes Macht verzehrend
seinem Willen eingefügt.
Keiner war es, der vermochte
standzuhalten in Gefahr.
Immer brennt an fremdem Dochte
fremdes Licht auf dem Altar,
auf dem selbst erwählten, armen,
eilend in der Not erbaut.
Keiner weiß um das Erbarmen,
der das Flammenschwert nicht schaut.
Unsre Wege sind zertreten,
niemand lebt auf festem Ort,
unser Denken, Tun und Beten
gründet nur in Gottes Wort,
das nach unbegriffnen Maßen
uns befreit hat aus der Nacht.
Und fortan auf unsren Straßen
bleibt der Ruf: „Es ist vollbracht!“
Nichts ist sinnlos und vergebens.
Feiert Christi Auferstehn!
Lass uns immer, Herr des Lebens,
auf die Hoffnungszeichen sehn!
Auferstehungshoffnung
Noch sind die Äste kahl,
doch bald – mit einem Mal –
wird wieder, was im Schlummer lag,
das urgewaltig starke Leben
dem Baum gegeben.
Die Kraft der Sonne, Kraft der Luft und Erde,
wirkt, dass ein Neues werde.
Nach göttlichem Geheiß
ist Hoffnung, die da weiß:
Was niederfiel, wird auferstehn,
das schöne Leben – gottgeboren –
hat nicht verloren.
Die Schöpferkraft, die Himmel schuf und Erde,
wirkt, dass ein Neues werde.
Es ist der Tod zum Tod verbannt,
die Traurigkeit muss weichen.
Weit leuchtet überm düstern Land
des Lebens Siegeszeichen.
Ostern
In den Schattenschluchten
der gefürchteten Wälder
brüllt kein Löwe mehr,
die Eintagsfliege Tod
ist gestorben,
Zittern und Zagen
haben ausgedient.
Erwache!
Tritt aus dem Zwielicht
in den Glanz der Helle!
Verschlaf nicht den Tag!
Pfingstbitte
Rausche, mächtiger Sturmwind,
fege durch mein Haus!
Kehr allen Unrat aus!
Komm mit Kraft und tränk die Luft
mit pfingstlich süßem Rosenduft!
Geist, du Feuer, Licht und Glanz
Geist, du Feuer, Licht und Glanz,
heilge mich, erfüll mich ganz!
Reiße Menschenweisheit fort,
lehr mich achten auf dein Wort!
Geist, du Feuer, Licht und Glanz,
heilge mich, erfüll mich ganz!
Hilf mir, Unrecht einzusehn
und Vergebung zu erflehn!
Geist, du Feuer, Licht und Glanz,
heilge mich, erfüll mich ganz!
Weis auf Christi Opfer hin,
zeig, dass ich ihm eigen bin!
Geist, du Feuer, Licht und Glanz,
heilge mich, erfüll mich ganz!
Mache mich zum Zeugnis frei,
dass ich dir gehorsam sei!
Pfingsten
Die Stumpfheit der menschlichen Schöpfungen
geriet ins Stocken,
die aufgeworfenen Fragen
brannten stärker als je im Herzen,
Ahnungen priesen das nie Gekannte
und durchlässig wie das Licht,
das vor grünenden Weiden flackert,
breitete sich aus die Herrlichkeit des Herrn.
Freiheit segelte über die Fluren.
Und erschreckt von Gewittern und Beben
brach auf die Erde für das Saatgut der Heilung.
Pfingsten war kein Flächenbrand.
Pfingsten war Saat. –
Geh hin und ernte!
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