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Kanada – British Columbia

50 Highlights abseits der ausgetretenen Pfade

Jörg Michel

Bibliografische Information der Deutschen Bibliothek

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Der Inhalt des Werkes wurde sorgfältig recherchiert, ist jedoch teilweise der Subjektivität unterworfen und bleibt ohne Gewähr für Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität.

Redaktion und Lektorat: Christine Walter

Satz und Layout: Serpil Sevim-Haase

Gedruckt und gebunden:

Himmer GmbH Druckerei & Verlag I Steinerne Furt 95 I 86167 Augsburg

www.himmer.de

Bildnachweis: siehe Seite 224

ISBN: 978-3-947164-60-8

Hergestellt in Deutschland

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Jörg Michel

KANADA

BRITISH COLUMBIA

50 Highlights abseits der ausgetretenen Pfade


Vorwort

Liebe Leserinnen und Leser,

willkommen in meiner Heimat! Ich freue mich, dass Sie sich für British Columbia interessieren, von einer Reise hierher träumen oder schon ganz konkret eine Tour planen. Vielleicht kennen Sie British Columbia ja auch schon und es geht Ihnen wie mir: Wer einmal hier war, der kehrt immer wieder zurück.

Ich war 17 Jahre alt, als ich zum ersten Mal nach British Columbia reiste. Ich war auf einem Schüleraustausch in den USA und hatte ein paar Tage in Victoria verbracht. Schon damals habe ich mich hier wohl gefühlt. Ich war begeistert von den freundlichen Menschen, der wunderbaren Natur, dem entspannten Lebensstil, den vielen Kulturen und dem faszinierenden Erbe der Ureinwohner.

Also kam ich wieder, erst als Student, dann als Besucher, später als Journalist. Heute lebe ich hier und berichte aus dieser wunderbar vielfältigen Provinz, die zweieinhalb Mal so groß ist wie Deutschland oder 23-mal so groß wie die Schweiz. Dabei bin ich stets auf der Suche nach jenen magischen Orten abseits der üblichen Pfade, die man gerne mit Kanada verbindet, aber nicht immer so leicht findet.

In diesem Buch möchte ich einige meiner Entdeckungen mit Ihnen teilen. Ich möchte Sie einladen, mit mir das unbekanntere British Columbia zu erkunden. Denn mein Zuhause hat neben den großen Blockbustern auch weniger bereiste Ecken zu bieten, die nicht an den Hauptrouten der Reiseveranstalter oder Wohnmobilanbieter liegen, die es aber genauso wert sind, besucht zu werden.

Natürlich finde ich den Inner Harbour in Victoria schön, natürlich schlendere ich auch gern durch Whistler, und in Vancouver wandere ich durch den Stanley Park, wann immer ich kann. Aber British Columbia ist mehr, und es gibt eben auch Tage, an denen ich weg will vom Gewimmel, an denen ich eins sein will mit mir, meiner Familie und jenem großartigen Land, in dem ich lebe und reise.

Ich vermute mal, auch Ihnen geht es so, vielleicht nicht immer, aber ab und zu. Vielleicht möchten auch Sie British Columbia einmal mit anderen Augen sehen und erleben. Vielleicht haben Sie die gängigen Attraktionen auf früheren Reisen ja auch schon besucht und suchen nach neuen Ideen, neuen Impulsen oder schlicht nach neuen Gründen, wieder einmal nach British Columbia zu kommen.

In diesem Sinne ist dieser Band kein üblicher Reiseführer, der bekannte Ziele abhakt. Die finden Sie im Internet, im Blog oder anderweitig im Buchregal. Vielmehr möchte ich Ihnen Stadtviertel zeigen, die nicht schon x-mal beschrieben worden sind. Ich nehme Sie mit auf Ausflüge, auf denen Sie vor allem locals treffen. Ich wandere mit Ihnen auf Wegen, die auf manchen Karten nur dünn gedruckt sind.


Meine Auswahl ist persönlich und subjektiv. Manche Highlights sind so unbekannt, dass selbst mein Nachbar sie nicht kennt. Andere wiederum liegen mitten in touristischen Hotspots, dort aber fern der großen Busladungen. Einige Ziele finden Sie am Straßenrand, für andere wiederum müssen Sie einige Tage extra einplanen. In manchen Fällen werden Sie unter Menschen sein, manchmal ganz allein.

Nicht alle Sehenswürdigkeiten in diesem Buch sind ein „Muss“. Aber alle haben eines gemeinsam: Sie gehören zu meinen Lieblingsorten in British Columbia und bieten vielleicht auch Ihnen die Chance auf ein einmaliges Erlebnis, auf einen Moment, den Sie womöglich nicht vergessen werden.

Ich wünsche Ihnen viel Freude, viel Spaß und vor allem viel Abenteuerlust auf Ihrer Entdeckungstour durch British Columbia!

Jörg Michel

Inhaltsverzeichnis

Vancouver

1. Barclay Heritage Square: Das alte Vancouver zwischen Stanley Park und Burrard Street

2. Dr. Sun Yat-Sen Classical Chinese Garden: Oase der Ruhe mitten in der Stadt

3. Railtown: Das Brooklyn von Vancouver

4. Skwachays Lodge: Schlafen wie ein Häuptling

5. Deep Cove: Paddel-Paradies am Indian Arm

6. Lynn Canyon Park: Die andere Hängebrücke

7. Wreck Beach: Strand für Freizügige

Rund um Vancouver

8. Kilby Historic Store and Farm: Kleinod am Fraser River

9. Cheakamus Lake: Idyllische Wanderung in die Coast Mountains

10. Train-Wreck von Whistler: Street Art im Regenwald

11. Garibaldi Lake: Wandertour ins alpine Hochland von Squamish

12. Brackendale: Wo die Adler kreisen

13. Salt Spring Island: Öko-Markt in ländlicher Idylle

14. Sidney Island: Karibik in Kanada

15. Steveston: Die Fischereihauptstadt von British Columbia

Vancouver Island

16. Goldstream Provincial Park: Naturschauspiel Lachse

17. Botanical Beach: Die stürmische Küste bei Port Renfrew

18. Forbidden Plateau: Paradiesische Wanderung im Strathcona Park

19. Hot Springs Cove: Heißen Quellen an der Küste vor Tofino

20. Meares Island: Ground Zero der Waldschützer

21. Cormorant Island: Wo der Potlatch wieder auferstanden ist

22. San Josef Bay: Ein Ort wie geschaffen für Adam und Eva

Die Pazifikküste

23. Knight Inlet: Wo die Grizzlybären Fische fangen

24. Broughton Archipelago: Paradies für Segler, Paddler und Walbeobachter

25. Powell River: In diesem Städtchen schlägt das Herz der Sunshine Coast

26. Klemtu: Zu den mystischen Geisterbären des Great Bear Rainforest

27. SGangGwaay: An diesem Ort auf Haida Gwaii hat die Welt einmal begonnen

28. Naikoon Provincial Park: Strandwanderung zum Wrack der Pesuta

29. Freedom Road: Abenteuerliche Autofahrt an die Pazifikküste von Bella Coola

Das Landesinnere

30. Hat Creek Ranch: Die alte Raststätte an der Cariboo Wagon Road

31. Spotted Lake: Naturwunder in der Wüste

32. Osoyoos: Wo die First Nations Wein keltern

33. Myra Canyon: Radtour auf den Spuren der alten Kettle Valley Railway

34. Sicamous: Kapitän sein in der Hausboot-Hauptstadt von Kanada

35. Kaslo: Das Schatzkästchen der Kootenays

36. St. Eugene: Museum und Resort in der alten Backsteinschule der Ktunaxa

Der Norden

37. Fort St. James: Leben wie die Pioniere der Hudson‘s Bay Company

38. Kinuseo Falls: Die Niagara Falls des Nordens

39. Tumbler Ridge: In den Fußabdrücken der Dinosaurier

40. Bennett Dam: Staudamm der Superlative

41. Stewart: Grenzstädtchen im Niemandsland

42. White Pass & Yukon Route: Schwindelstrecke für Eisenbahnfans

Die Berge

43. Lussier Hot Springs: Verborgene Quellen in den Rocky Mountains

44. Bugaboo Mountains: Wandern unter Felsnadeln

45. Kootenay National Park: Entlang der Rockwall im alpinen Hochland der Rockies

46. Yoho National Park: Über den Iceline Trail zum alten Chalet der Canadian Pacific Railway

47. Lake O’Hara: Eine Busfahrt zur Seele Kanadas

48. Mount Assiniboine: Zum Matterhorn der Rocky Mountains

49. Meadows in the Sky Parkway: Straße ins Wildblumenparadies

50. Berg Lake: Die spektakuläre Nordseite des Mount Robson

Bildnachweis


Prächtige Blumenwiese



Vancouver


Canada Place

1.Barclay Heritage Square: Das alte Vancouver zwischen Stanley Park und Burrard Street

2.Dr. Sun Yat-Sen Classical Chinese Garden: Oase der Ruhe mitten in der Stadt

3.Railtown: Das Brooklyn von Vancouver

4.Skwachays Lodge: Schlafen wie ein Häuptling

5.Deep Cove: Paddel-Paradies am Indian Arm

6.Lynn Canyon Park: Die andere Hängebrücke

7.Wreck Beach: Strand für Freizügige


1. Barclay Heritage Square: Das alte Vancouver zwischen Stanley Park und Burrard Street

Vancouver? Welches Vancouver? Noch vor 130 Jahren war das eine berechtigte Frage. Damals war die Stadt zwischen Burrard Inlet und Fraser River noch ein verschlafenes Nest. Es gab ein paar baufällige Häuser, rustikale Hütten und Bauernhöfe. Dazu ein Sägewerk, Camps von Holzfällern und Ureinwohnern, ein paar verruchte Saloons und viel, viel Wald und Wildnis.

Nur etwa eintausend Siedler wohnten damals an jenem Ort, den man heute Vancouver nennt. Erst als 1886 die transkontinentale Eisenbahn „Canadian Pacific Railway“ die Stadt erreichte, begann der Aufstieg zur Weltmetropole. Man gab der Siedlung den Namen des britischen Seefahrers George Vancouver, profitierte vom Goldrausch, den Rohstoffen und dem Handel.


Barclay Manor

Heute ist Vancouver samt Großraum mit rund 2,5 Millionen Einwohnern der drittgrößte Ballungsraum in Kanada, Spielwiese für Outdoor-Enthusiasten und Touristenmagnet par excellence. Ob Stanley Park, Canada Place, Granville Island oder die Skihügel am Cypress Mountain: Die von der Natur verwöhnte Pazifikmetropole hat für jeden etwas zu bieten.

Doch wo anfangen? Ich empfehle einen Spaziergang zum Barclay Heritage Square im Westend. In dem Viertel zwischen Stanley Park und Burrard Street können Sie auf ein paar Straßenblöcken noch das Vancouver der Gründerjahre erspüren – jenseits der üblichen Touristenströme. Das Viertel, das nach langem Kampf einheimischer Aktivisten vom Bauboom der Neuzeit verschont wurde, liegt auf halber Strecke zwischen dem Canada Place und den Stränden der English Bay rund um die Barclay, Broughton und Haro Streets. Das denkmalgeschützte Areal umfasst neun historische Wohngebäude, die zwischen 1890 und 1908 errichtet wurden, dazu alte Bäume, historische Gärten, einen Park und ein Museum. Die meisten Häuser werden noch aktiv bewohnt. Im Barclay Manor, einem schmucken Haus mit verzierten Holzgiebeln in der Barclay Street, war einst eine Herberge für Männer untergebracht. Heute ist es ein Seniorenzentrum. Im George Weeks House daneben wohnte einst der Manager von Vancouvers erstem Hudson’s-Bay-Laden, heute beherbergt es Sozialprojekte.

Höhepunkt des Viertels ist das Roedde House samt Museum. Das im Queen-Anne-Stil gehaltene Gebäude wurde 1893 vom Architekten Francis Rattenbury entworfen und ist das einzige, das auch von innen besichtigt werden kann. Rattenbury baute auch das Parlament von British Columbia und das legendäre Empress Hotel (beide in Victoria auf Vancouver Island). Das Roedde House ist ein typisches Beispiel für die frühe Wohnhausarchitektur in Vancouver. Zu sehen sind unter anderem ein schmucker Empfangssalon mit Kamin und Klavier, ein Esszimmer im viktorianischen Stil, mehrere Kinderzimmer, ein Nähzimmer, eine Küche und ein Arbeitszimmer, alle ausgestattet mit Möbeln aus den Gründerjahren Vancouvers. Gewohnt hat in dem Haus 32 Jahre lang die Familie von Gustav Adolf Roedde. Der war nicht nur der erste Buchbinder und Drucker im damaligen Vancouver, sondern auch ein Auswanderer aus Deutschland, der in Großbodungen in Thüringen geboren und 1888 über die USA nach Vancouver gekommen war. Seine Frau Mathilda stammte ursprünglich von der Insel Helgoland.


Roedde House

Zur Zeit der Roeddes waren die Wege rund um das Viertel aus Matsch und Lehm und nicht etwa Asphalt. Rundum gab es Äcker und Wälder und Roedde selbst ging noch zum Jagen in den nahen Stanley Park. Heute ist das Areal ganz von Wolkenkratzern umschlossen und jedes Jahr kommt dank Immobilienboom mehr Beton hinzu. Vancouver schluckt seine Geschichte.

Info

Lage: Vom Canada Place am Hafen erreichen Sie den Barclay Heritage Square zu Fuß in rund 20 Min. GPS: 49.286889, -123.13215, 1415 Barclay Street.

Anfahrt: Dazu folgen Sie zu Fuß den Howe und Robson Streets in Richtung Westend, bis Sie die Kreuzung zur Broughton Street erreichen. Der folgen Sie nach links ein paar Blöcke in Richtung English Bay bis Sie die Barclay Street kreuzen. Das Roedde House Museum ist nur ein paar Schritte weiter. Wer mit dem Auto dorthin fahren will, für den gibt es am Museum einen kleinen Parkplatz, der allerdings oft voll ist.

Öffnungszeiten: Das Roedde House Museum hat in den Sommermonaten Juni, Juli und August von Dienstag bis Samstag von 11 bis 16 Uhr geöffnet, am Sonntag von 13 bis 16 Uhr. Montags ist das Museum geschlossen. Im Winter gelten eingeschränkte Öffnungszeiten. Angeboten werden Führungen durch das Haus. Dabei lernt man auch einiges über die Geschichte von Vancouver; Tel.: +1 604 684 7040, www.roeddehouse.org

Eintritt: 5 CAD für Erwachsene, Kinder unter 5 Jahren sind frei.

Aktivitäten: Sonntagnachmittags wird im Roedde House Museum traditioneller Tee im historischen Ambiente angeboten. Die Teilnahme kostet 8 CAD pro Person. Darüber hinaus gibt es regelmäßig Vorlesungen, Infoveranstaltungen und Konzerte. Wer daran interessiert ist, sollte das Museum vorab kontaktieren: info@roeddehouse.com. Die Parks des Viertels mit ihren hübschen Gärten und Pavillons sind tagsüber für jedermann geöffnet.

2. Dr. Sun Yat-Sen Classical Chinese Garden: Oase der Ruhe mitten in der Stadt

Es ist ein quirliger Morgen in der Downtown von Vancouver. Geschäftsleute eilen aus den U-Bahn-Schächten und verschwinden in den Bürotürmen im Finanzdistrikt. Ein Krankenwagen braust durch die Lower East Side. Ein Bautrupp reißt mit einem lärmenden Presslufthammer den Bürgersteig am Canada Place auf. Eine Oase der Ruhe gefällig?

Nur ein paar Schritte von Stadtzentrum entfernt an der Carrall Street liegt der Dr. Sun Yat-Sen Classical Chinese Garden, ein wunderbarer Rückzugsort für Tage, an denen ich dem Großstadtrummel entkommen will. Hier kann man dem sanften Plätschern des Wassers im Seerosenteich lauschen und den Libellen, die durch die Luft surren. Im Hintergrund läuft klassische chinesische Musik.


Der Dr. Sun Yat-Sen Classical Chinese Garden liegt zwischen Wolkenkratzern.

Die Anlage liegt mitten in Chinatown, einem Stadtviertel zwischen Gastown, Lower East Side und Bankenviertel. Die Chinatown in Vancouver gilt als die größte ihrer Art in Kanada, trotzdem, oder vielleicht gerade deswegen, kann man den Dr. Sun Yat-Sen Classical Chinese Garden leicht übersehen, denn er liegt verborgen hinter hohen Mauern zwischen Hochhäusern.


Ein Pavillon schmückt das Areal.

Der Garten ist ein Meisterwerk chinesischer Kunst, Gartenbaukunst, Architektur und Philosophie und gilt vielen der rund 450.000 chinesisch-stämmigen Kanadier in Vancouver als eine Art spirituelles Zentrum. Die idyllische Anlage besteht aus Kalksteingärten, seltenen Pflanzen und Bäumen, einem Wasserfall, holzvertäfelten Wandelgängen, Teichen und Pavillons. Angelegt ist der Garten in der Tradition der Ming-Dynastie aus dem 14. Jahrhundert, und er war der erste seiner Art außerhalb Chinas. Alles ist hier nach dem Feng-Shui-System ausgerichtet, damit die Menschen möglichst viel positive Energie bekommen.

Jedes architektonische Detail hat eine Bedeutung, die sich ergänzenden Kräfte Yin und Yang sind ausgewogen repräsentiert. Um diese Einheit zu wahren, haben die Architekten aus China beim Bau im Jahr 1985 raue und weiche, vertikale und horizontale Elemente miteinander kombiniert. Auch die Auswahl der Büsche und Bäume ist kein Zufall: Der Bambus im Innenhof etwa steht für die Flexibilität der Menschen, die Kiefer für die Stärke, die Pflaume für die Erneuerung. Gäste bekommen in einem besonders schönen Pavillon einen Jasmin-Tee gereicht, und wer nach dem Besuch des Gartens Hunger hat, der findet im Viertel außerhalb viele chinesische Bistros und Restaurants. Besonders populär ist Dim Sum, eine Art chinesischer Brunch, bei dem Sie sich die Gerichte am Tisch aussuchen können.


Ein Pavillon schmückt das Areal.

Info

Lage: Der Dr. Sun Yat-Sen Classical Chinese Garden liegt etwa 20 Min. zu Fuß vom Canada Place entfernt unweit der Kreuzung Carrall und East Pender Street. GPS: 49.2797937,-123.1041039, 578 Carrall Street.

Anfahrt: Vom Canada Place fährt oder läuft man Richtung Osten über die West Cordova Street, dann rechts in die Carrall Street. Mit dem Bus dauert die Fahrt etwa 15 Min. (Linie 20, Victoria). Einstieg ist an der Kreuzung Hastings/Seymour, Ausstieg nach drei Stopps an der Kreuzung Hastings/Carrall.

Öffnungszeiten: Geöffnet im Sommer von 9:30 bis 19 Uhr (1. Mai bis 15. Juni: 10 bis 18 Uhr), im Winter gelten eingeschränkte Zeiten. Geboten werden 45-minütige Führungen. Diese finden im Sommer stündlich statt, im Winter viermal am Tag. Im Sommer können Sie an Freitagen an einer traditionellen chinesischen Tee-Zeremonie teilnehmen, außerdem gibt es Livemusik; Tel.: +1 604 662 3207, www.vancouverchinesegarden.com

Eintritt: Im Sommer 14 CAD, im Winter 12 CAD für Erwachsene. Studenten und Senioren zahlen weniger. Der Eintritt berechtigt zur Teilnahme an einer Führung.

Aktivitäten:

•Ein Besuch der umliegenden Chinatown lohnt sich immer. Besonders sehenswert ist das Sam Kee Building, das mit nur 1,80 m Breite als das schmalste Gebäude in Kanada gilt; 8 West Pender Street, www.vancouver-chinatown.com

•Das Wing Sang Building stammt aus dem Jahre 1889 und ist das älteste in Chinatown. Heute ist darin das Rennie Museum untergebracht. Das Museum für zeitgenössische Kunst gehört zu den schönsten in Vancouver, mehrmals in der Woche gibt es öffentliche Führungen, Eintritt frei; 51 East Pender Street, Tel.: +1 604 682 2088, www.renniecollection.org/gallery/wingsang.php

•Im Chinese Cultural Centre befindet sich ein kleines Museum, das sich der Geschichte der chinesischen Bevölkerung Vancouvers im 19. und 20. Jahrhundert widmet, geöffnet täglich außer Montag, 11 bis 17 Uhr, Eintritt frei; 555 Columbia Street, Tel.: +1 604 658 8880, www.cccvan.com

3. Railtown: Das Brooklyn von Vancouver

Gastown, Yaletown, Dowtown – diese Viertel kennt jeder. Aber schon mal von Railtown gehört? Nein? So geht es vielen Besuchern. Sogar viele Einheimische kennen das Viertel im Osten von Vancouver nicht oder nur schlecht. Dabei ist es von der berühmten Dampf-Uhr in Gastown in nur wenigen Minuten zu Fuß zu erreichen – und eines der aufstrebendsten Viertel der Stadt.

Railtown liegt, ganz gemäß seinem Namen, südlich der Bahnlinien im Hafenviertel von Vancouver und zwar östlich von Gastown und nördlich von Chinatown. In dem alten Industrieviertel rund um die Alexander und Powell Street stehen viele alte Fabriken und Lagerhallen und bis zum Zweiten Weltkrieg lebte hier die japanische Bevölkerung von Vancouver. Doch dann steckte die Regierung viele japanisch-stämmige Kanadier aus Sorge vor „Kriegs-Verrätern“ in Internierungscamps, meist ohne Grund. Danach kehrten nur wenige zurück und es ging bergab mit Railtown. Bis dort vor einigen Jahren wegen der relativ geringen Mieten Kleinunternehmer, Start-ups und Künstler ihre Nische fanden. Auch ich bin immer gerne dort.


Straßenkreuzung in Railtown

Heute nennen viele Kanadier Railtown schon das „Brooklyn von Vancouver“. Das mag noch ein wenig zu hoch gegriffen sein. Tatsächlich aber sprießen in dem Viertel Restaurants, Designer-Shops, Galerien, Möbelläden und Tech-Companies aus dem Boden. Alte Industriegebäude werden in Lofts umgewandelt, immer mehr junge Leute ziehen dorthin. Ein wichtiger Anziehungspunkt ist die Gastro-Szene, besonders rund um das historische Settlement Building in der Dunlevy Avenue. In der ehemaligen Stahlfabrik mit ihren hohen Decken und industrieller Architektur haben sich allerlei professionals eingerichtet. Dazu gibt es eine Brauerei, ein Restaurant und sogar ein urbanes Weingut, allesamt super-populär.


Belgard Kitchen

Ein paar Schritte weiter an der Ecke Alexander und Jackson Street findet man das alte Rotlicht- und Hafenviertel mit historischen Holzhäuschen und Ladenzeilen. Das Dales House in der Alexander Street Nr. 414 soll eines der ältesten Häuser in Vancouver sein. Dazwischen mischen sich ultra-moderne Designs, wie etwa ein Haus, das ganz aus Frachtcontainern gebaut wurde.


Überall stehen alte Fabrikgebäude.


Das japanische Erbe ist weithin sichtbar

Das ehemalige japanische Kulturzentrum aus dem Jahr 1906 können Sie in der Alexander Street Nr. 475 bewundern. Das Gebäude mit seinen japanischen Schriftzeichen ist das einzige des Viertels, das der Staat nach den Zwangsenteignungen der Kriegszeit an die japanische Gemeinde zurückgegeben hat. Heute ist dort eine japanische Sprachschule untergebracht.

Nicht weit entfernt, in der Jackson Street, steht noch der alte buddhistische Tempel, der auch schon einmal eine methodistische Kirche war. Auf der Powell Street und im Oppenheimer Park findet jeden Sommer im August ein populäres Straßenfestival statt, bei dem das japanische Erbe und die eklektische Gegenwart des Viertels gleichermaßen gefeiert werden.


Der Oppenheimer Park in Railtown

Railtown ist ein Viertel im Aufbau und Aufbruch, das sich stets verändert und neu erfindet. Es ist weder poliert noch „schön“ im engeren Sinn, denn an vielen Gebäuden blättert die Farbe ab und viele Ladenzeilen sind mit Brettern verschlagen. Doch wer den rauen, urbanen Charme liebt, der sollte einen Spaziergang und einen Restaurantbesuch in Railtown nicht versäumen!

Info

Lage: Von der berühmten Dampf-Uhr in Gastown ist der Oppenheimer Park in Railtown in etwa 20 Min. zu Fuß zu erreichen. GPS: 49.28264, -123.0943469.

Anfahrt: Dazu gehen Sie auf den Water und Powell Streets immer in Richtung Osten, bis Sie an der Kreuzung Dunlevy und Powell Streets den Oppenheimer Park erreichen. Als Railtown werden die zwei Straßenblocks nördlich und zwei bis drei Blocks westlich und östlich davon bezeichnet.

Öffnungszeiten: Diese variieren je nach Ziel. Insgesamt hat Railtown ein lebendiges Nachtleben. Viele Restaurants und Cafés sind gerade auch über die Mittagszeit populär.

Aktivitäten: Wer Railtown im Rahmen einer geführten Tour erkunden will, dem seien die kulinarischen Spaziergänge Off The Eaten Track empfohlen. Ein guide nimmt Sie mit durch die interessantesten Straßenzüge, außerdem können Sie in fünf der populärsten Restaurants ein paar Happen probieren (2 Std., 60 CAD pro Person); Tel.: +1 778 918 4584, offtheeatentracktours.ca/vancouver

Restaurants: Die Foodie-Szene in Railtown ist groß im Kommen, aber stets im Fluss, sodass man die folgenden Tipps vor Ort noch einmal bestätigen sollte.

•Keinesfalls versäumen sollten Sie The Belgard Kitchen im Settlement Building wegen der tollen Auswahl an Craft-Bieren und Weinen sowie der populären Tapas-Karte; 55 Dunlevy Street, Tel.: +1 604 699 1989, belgardkitchen.com

•Ein Klassiker ist das Railtown Café mit seiner fabelhaften Sandwich- und Salat-Karte. Die ist so populär, dass die Eigentümer mittlerweile drei weitere Filialen in anderen Vierteln Vancouvers eröffnet haben und auch außer Haus liefern; 397 Railway Street, Tel.: +1 604 428 0800, www.railtowncafe.ca

•Wer im italienische Restaurant Ask For Luigi die legendäre Pasta probieren will, der muss sich auf eine lange Warteschlange am Eingang gefasst machen. Die reicht manchmal bis zum nächsten Block! 305 Alexander Street, Tel.: +1 604 428 2544, www.askforluigi.com

•Im Uncommon Café gibt es nicht nur saftige Porcetta- oder Meatball-Sandwiches, sondern auch ofenfrische Backwaren. In der Großraumküche werden auch Kochkurse angeboten; 477 Powell Street, Tel.: +1 604 254 0477, www.theuncommoncafe.com

4. Skwachays Lodge: Schlafen wie ein Häuptling

In Vancouver gibt es eine Hülle und Fülle von Hotels und Unterkünften, doch für mich sticht eine besonders heraus: Die Skwachays Lodge ist das einzige von den First Nations gestaltete Boutique-Hotel der Stadt und war das erste seiner Art in Kanada. Es hat 18 gemütliche Zimmer, liegt im historischen Viertel Gastown mitten im Zentrum – und wird doch häufig übersehen.

Das Hotel ist einzigartig, denn dort zelebrieren die Ureinwohner Kanadas ihre Kulturen, ihre Mystik und ihre weltweit gefragten Kunst- und Schnitzwerke. Schon von außen ist das nicht zu übersehen. Auf dem Dach ragt ein Haida-Totempfahl mit drei geschnitzten Wachmännern in den Himmel. Sie halten symbolisch ihre schützende Hand über das Hotel und seine Gäste.


Frühstücksraum


Feather Suite

Drinnen kann ich mich an Kunstwerken der First Nations einfach nicht satt sehen. Hinter der Lobby im Frühstücksraum steht ein langer Tisch, der ein Biber-Haus zeigt. Die Biber stehen bei vielen Ureinwohnern für die Tugend Fleiß, was den Serviceanspruch des Hotels unterstreichen soll. Der Kaffee zum Frühstück stammt von einer indigenen Rösterei aus dem Great Bear Rainforest. Dazu gibt es unter anderem bannock, traditionelle Fladenbrote der Ureinwohner.

Die 18 Zimmer, die sich über zwei Stockwerke des Gebäudes erstrecken, sind nicht nur exzellent ausgestattet mit Wi-Fi und Kaffeemaschinen. Sie sind auch optisch eine Wucht. Jedes Zimmer wurde von einem Künstler der First Nations individuell gestaltet und erzählt eine eigene Geschichte. Wäre die Skwachays Lodge kein Hotel, könnte sie glatt als Museum durchgehen. Besonders schön ist das Zimmer 607, die „Feather Suite“.

Hier hat der Zeichner Richard Shorty in drei Monaten Arbeit zwei riesige, kunstvolle Federn auf die Wände gemalt, eine über dem Treppenaufgang, eine im Schlafzimmer. In seiner Kultur werden Federn in spirituellen Festen verwendet, um die Seelen der Menschen zu reinigen, aber auch ihre Räume und Zimmer. Nebenan in der Suite 604 wird in Gemälden und hängenden Installationen die Lachswanderung dargestellt, die für das Überleben und die kulturelle Identität der Westküsten-First-Nations von entscheidender Bedeutung ist. In der „Wilderness Teaching Suite“ im Raum 504 fühle ich mich stets wie mitten im Regenwald, umgeben von mystischen Masken und stilisierten Bäumen.


Auf dem Dach des Hotels sitzt ein Wachmann auf einem Totempfahl.

Dabei ist das Hotel übrigens mehr als nur ein Hotel. Einige Zimmer auf separaten Etagen dienen auch als Unterkünfte für First-Nations-Künstler, die in Vancouver arbeiten. Ihre Werke können Sie in einer hochwertigen Galerie im Erdgeschoss bewundern – und auch kaufen. Mit den Erlösen aus der Boutique und dem Hotel werden Sozialwohnungen für Ureinwohner subventioniert.

Info

Lage: Die Skwachays Lodge liegt am südöstlichen Ende von Gastown an der Grenze zur Downtown Eastside. Benannt wurde das Hotel nach Mineralquellen, die hier vor der Ankunft der weißen Siedler einmal gesprudelt haben. In vielen Geschichten der heimischen Squamish-Ureinwohner spielen diese immer noch eine Rolle. GPS: 49.2810883, -123.1060275, 29-31 West Pender Street.

Anfahrt: Vom Flughafen Vancouver sind es mit dem Auto etwa 15 km oder 30 Min. Fahrt zur Skwachays Lodge. Man folgt dem Highway 99 in Richtung Norden, überquert auf der Granville Bridge den False Creek und folgt der Hauptstraße einige Minuten weiter geradeaus bis zur Kreuzung Pender Street. Dort biegt man rechts ab. Jetzt sind es noch sechs Blocks.

Öffnungszeiten: Das Hotel ist das ganze Jahr über geöffnet. Wegen seiner geringen Zahl an Zimmern sind Reservierungen unbedingt zu empfehlen, Tel.: +1 604 687 3589, skwachays.com

Preise: Die Preise für Übernachtungen im Doppelzimmer schwanken je nach Saison und Auslastung stark und liegen zwischen 120 und 360 CAD die Nacht inkl. Frühstück.

Aktivitäten: Das Hotel vermittelt auch Sightseeingtouren, auf denen Sie die Kultur der Ureinwohner kennenlernen können. Beispielsweise bieten Talaysay Tours geführte Spaziergänge mit guides der First Nations durch den Stanley Park an. Die Talking Trees-Touren dauern 1,5 Std. und kosten 35 CAD pro Person; Tel.: +1 604 628 8555, talaysay.com

Unterkünfte: Weitere Hotels aller Preisklassen sind auf der Webseite des Fremdenverkehrsamts zu finden; www.tourismvancouver.com/places-to-stay

5. Deep Cove: Paddel-Paradies am Indian Arm

Sie paddeln gern im Kajak, mögen das Wasser und die Natur, haben aber auf Ihrem Städteurlaub in Vancouver nur wenig Zeit? Dann nichts wie zum Indian Arm! Der rund 20 Kilometer lange Fjord liegt quasi im Hinterzimmer von Vancouver, doch einmal dort, fühlt es sich an, als sei man irgendwo weit weg in den unendlichen Weiten der Wildnis.

Ausgangspunkt für das Paddel-Abenteuer ist das Nobelviertel Deep Cove im Nordosten von Vancouver. An einer geschützten Bucht des Indian Arm gelegen, gibt es hier eine schöne Uferpromenade, einen Park, eine Marina, einen Jachtclub, ein paar nette Cafés – und kaum Touristen. Hier sind Sie unter Einheimischen und ganz Kanadier.


Wildnis und Villen am Indian Arm

In einem hölzernen Bootshaus am Ufer von Deep Cove ist der lokale Kajakclub untergebracht, mein Favorit für Kajak-Abenteuer in und rund um Vancouver. Im Untergeschoss vermietet ein Adventure-Laden Boote aller Art sowie boards zum Stehpaddeln. Auch Kurse kann man buchen und geführte Tagestouren tief in den Indian Arm hinein.

Beliebt ist der Indian Arm bei Anfängern, denn die Gewässer im Fjord sind wegen ihrer geschützten Lage meist ruhig. Wer noch wenig Erfahrung hat, kann auch in der Bucht vor Deep Cove verbleiben und dort seine Fertigkeiten testen. Wer schon häufiger Paddeln war, der kann auf eigene Faust oder mit einem guide weiter den Indian Arm hinauffahren.

Auf dem Weg aus der Bucht geht es zunächst an der Marina und Villen vorbei, aber schon wenige Paddelschläge später haben Sie die Zivilisation hinter sich. Das Wasser ist je nach Wetter tiefblau oder grün. Es geht entlang an felsigen Steilküsten, scheinbar unberührten Wäldern und beeindruckenden Wasserfällen, die über steile Klippen in den Fjord rauschen.

Auch Robben leben hier in Hülle und Fülle. Man kann Fische springen sehen und mit etwas Glück Schwarzbären, die auf der Suche nach Futter die Küste abgrasen. Sogar Kojoten und Berglöwen soll hier schon gesichtet worden sein. Besonders gilt das für das nördliche Ende des Fjords, das zum Indian Arm Provincial Park gehört. Erfahrene Paddler können dort campen.


Der Blick aus dem Kajak auf die Gewässer des Indian Arm


Blick auf Deep Cove

Info

Lage: Deep Cove liegt 18 km vom Canada Place in der Downtown entfernt. Bei gutem Verkehr dauert die Fahrt mit dem Auto zum Kajakclub etwa 30 bis 45 Min. GPS: 49.3260448, -122.9482329, 2156 Banbury Road, North Vancouver.

Anfahrt: Vom Canada Place fahren Sie Richtung Osten über die Powell und McGill Streets. Auf dem Trans-Canada Highway geht es auf der Second Narrows Bridge über das Burrard Inlet, danach nehmen Sie den Mount Seymour Parkway bis nach Deep Cove. Mit dem Bus dauert die Fahrt etwa 1 Std. (Linie 211, Seymour).

Öffnungszeiten: Der Kajakverleih Deep Cove Kajak hat im Sommer von 9 bis 21 Uhr geöffnet, im Winter gelten eingeschränkte Zeiten; Tel.: +1 604 929 2268, www.deepcovekayak.com

Eintritt: Die Miete eines Doppelsitzer-Kajaks kostet 85 CAD für 3 Std. oder 115 CAD für den ganzen Tag.

Aktivitäten: Wer mit guide und Gruppe im Indian Arm paddeln will, der wählt die Deep Cove Explorer Tour (3 Std., mit Snack, 89 CAD) oder die Island Explorer Tour (5 Std., mit Lunch, 120 CAD). Bei Vollmond werden Nachttouren angeboten (2,5 Std., 75 CAD).

Unterkünfte: Erfahrene Paddler können im Indian Arm Provincial Park campen. Einfache Plätze mit Plumpsklo gibt es auf den Twin Islands, am Bishop Creek und an den Granite Falls.

Webseite: www.env.gov.bc.ca/bcparks/explore/parkpgs/indian_arm

6. Lynn Canyon Park: Die andere Hängebrücke

Um kaum eine Attraktion in Vancouver wird so viel Wirbel gemacht wie um die Hängebrücke mit dem Namen „Capilano Suspension Bridge“. Die Brücke aus Holz und Drahtseilen ist im Stadtbild allgegenwärtig, noch bevor man sie überhaupt besucht: Man sieht sie überall auf Plakatwänden, auf Bussen, in Broschüren, auf Stadtplänen, in Magazinen.


Die Lynn Canyon Bridge

Tatsächlich gehört die Brücke, die sich im Norden der Stadt über den Capilano River spannt, zu den bekanntesten Attraktionen in Vancouver. Fast eine Millionen Besucher drängeln sich jedes Jahr über die schwindelerregende Konstruktion und zahlen dafür happige Eintrittspreise. Und das trotz der Busladungen an Menschen, die an regen Tagen scheinbar nicht enden wollen.

Viele Einheimische schütteln darüber nur den Kopf. Denn wir haben unsere eigene, spektakuläre Hängebrücke. Die ist zwar nicht ganz so lang wie ihr berühmteres Pendant, dafür ist sie aber höher und vor allem kostenlos zu überqueren. Sie liegt in einem wilden Forst im Lynn Canyon Park, einem städtischen Naherholungsgebiet im Nord-westen von Vancouver.

Auch die Lynn Canyon Suspension Bridge bekommt natürlich ihren Anteil an Ausflüglern, vor allem an den Wochenenden im Sommer. Doch sonst hält sich der Trubel in Grenzen. Hier tummeln Sie sich mit Familien, Schulklassen und Joggern. Mehrere Wanderwege, von kurz bis mittelschwer, führen durch den 250 Hektar umfassenden Lynn Canyon Park zur Brücke. Diese spannt sich in etwa 70 Meter Höhe über den Lynn Creek, der in seinem weiteren Verlauf in das Burrard Inlet mündet. Gebaut wurde sie 1912 und ist etwas mehr als 140 Meter lang. Schwindelfrei sollten Sie also schon sein! Wer in der Mitte der Brücke den Blick nach unten wagt, der erkennt eine enge Klamm, steile Klippen und tiefe Pools aus kristallklarem Wasser.


Der Blick von der Brücke in die Tiefe

Doch der Park bietet noch viel mehr: Er ist ein Paradies für Wanderer und beheimatet einen üppigen pazifischen Regenwald mit wuchernden Douglasien, rauschenden Wasserfällen und Badepools vom Feinsten. Diverse Wege, zum Teil auf Holzbohlen, führen durch das Unterholz. In einer viertel Stunde geht es zum Beispiel von der Hängebrücke aus über den Twin Falls Bridge Loop Trail zu einer festen Holzbrücke mit zwei hübschen Wasserfällen. Nur ein paar Schritte weiter können Sie hier im flachem Wasser entspannt Baden und Picknicken. Ein weiterer Wanderweg führt über einen steilen Aufstieg mit Holztreppen in etwa einer halben Stunde zum 30-Foot-Pool, einem natürlichen Becken, in dem Einheimische gern schwimmen. Wegen der starken Strömungen sollten Sie allerdings vorsichtig sein. Die vielen Warnschilder am Weg haben ihren Grund: Immer wieder kam es hier schon zu tödlichen Unfällen.


Baden erlaubt!

In einem kleinen Naturkundemuseum am Parkeingang befinden sich Schautafeln mit Informationen zur Ökologie und Tierwelt des pazifischen Regenwaldes. Dazu gibt es ausgestopfte Tiere, allerlei Modelle und Filme zu sehen. Auch geführte, historische Spaziergänge werden geboten. Und das alles – natürlich – kostenlos. Wer braucht da schon die Multi-Millionen-Dollar-Brücke?

Info

Lage: Der Lynn Canyon Park liegt 15 km vom Canada Place in der Downtown entfernt. Bei gutem Verkehr dauert die Fahrt mit dem Auto zum Naturkundezentrum etwa 30 bis 45 Min. GPS: 49.3429851, -123,0205336, 3663 Park Road, North Vancouver.

Anfahrt: Vom Canada Place fahren Sie Richtung Osten über die Powell und McGill Streets. Auf dem Trans-Canada Highway geht es über die Second Narrows Bridge. Danach nehmen Sie die Ausfahrt 19 und folgen der Lynn Valley Road bis zum Schild „Lynn Canyon Ecology Centre“. Dort geht es rechts in die Peters Road bis zum Parkplatz des Parks. Von dort sind es nur wenige Minuten zu Fuß zur Brücke. Wer öffentliche Verkehrsmittel wählt, der nimmt die Lonsdale-Fähre auf die andere Seite des Burrard Inlet und dort den Bus Nummer 228 („Lynn Valley“).

Öffnungszeiten: Der Park ist im Sommer von 7 bis 21 Uhr geöffnet, im Winter von 7 bis 18 Uhr, das Naturkundezentrum im Sommer von 10 bis 17 Uhr, im Winter von 12 bis 16 Uhr. An Sommerwochenenden bietet ein kleines Café Snacks.

Eintritt: Park und Museum sind kostenlos. Spenden sind willkommen.

Aktivitäten: Von der Hängebrücke aus gibt es zwei kurze Rundwan derungen. Der Twin Falls Bridge Loop Trail ist 1 km lang und dauert 30 Min. Der Pipe Bridge Loop Trail (inkl. 30-Foot-Pool) ist 2 km lang und dauert 50 Min. Von der Pipe Bridge führen diverse Tageswanderungen auch in den benachbarten Lynn Headwaters Regional Park. Für Anfänger geeignet ist der Lynn Loop Trail, der dem idyllischen Tal des Lynn Creek weiter folgt (etwa 5 km, 2 Std.). Sportliche Wanderer können auf einem steilen Pfad den 992 m hohen Gipfel Lynn Peak erklimmen (hin und zurück 9 km, 5 Std.). Die Wanderwege im Hinterland des Parks, wie zum Lynn Lake oder auf den Coliseum Mountain, sind anspruchsvoll und nur für ausgewiesene Experten geeignet.

Unterkünfte: Im Park gibt es keine Unterkünfte oder Campingplätze. Welche Wanderung man auch wählt: Spätestens beim Einbruch der Dunkelheit sollten Sie zurück am Parkplatz sein.

Webseiten: www.lynncanyon.ca, www.lynncanyonecologycentre.ca, www.metrovancouver.org/services/parks/parks-greenways-reserves/lynn-headwaters-regional-park

7. Wreck Beach: Strand für Freizügige

Für manche ist es wie in Sodom und Gomorrha, für andere ist es die ultimative Freiheit: Am Wreck Beach von Vancouver zeigen Schwimmer und Sonnenanbeter gerne Haut. Und zwar ganz legal: Denn der Strand im Stadtteil Kitsilano ist einer von nur zwei offiziellen Nacktbadestränden in Kanada – und der größte seiner Art in ganz Nordamerika.

Nicht der Rede wert, werden Sie jetzt vielleicht sagen und aus europäischer Perspektive haben Sie wahrscheinlich recht. Was hat man an der Ostsee oder am Mittelmeer nicht schon alles gesehen! In Nordamerika allerdings ist Nacktbaden nicht selbstverständlich, denn hier hat man eine eher prüde Tradition. Die FKK-Kultur ist in Kanada wenig verbreitet.


Badespaß am Wreck Beach

Noch Anfang der 1970-Jahre wurden auch am Wreck Beach Nackedeis kurzerhand verhaftet, angeblich, weil sie gegen die öffentliche Moral und Sitte verstießen. Damals nutzten vor allem Hippies und Anarchisten den 6,7 Kilometer langen Abschnitt und setzten sich immer wieder gegen die Sittenwächter und Moralapostel zur Wehr. Am Ende mit Erfolg. Heute ist der Wreck Beach aus Vancouver nicht mehr wegzudenken. Rund eine viertel Millionen Menschen nutzen den Strand im Jahr und Nacktbaden gehört hier zum Alltag. Verkäufer im Adamskostüm bieten Hotdogs und Softdrinks an, man trifft Hippies beim Yoga, Alt-68er beim Boule. Studenten der nahen Universität spielen Volleyball, Gay-Pärchen spazieren am Wasser. Damit sich niemand aus Versehen hierher verirrt, weisen offizielle Schilder mit der Aufschrift „Clothing Optional“ den Weg – und das ist auch wortwörtlich so gemeint. Denn einen Zwang zur Nacktheit gibt es am Wreck Beach natürlich nicht. Knapp die Hälfte der Besucher trägt mehr oder weniger viel Textil und das Nebeneinander funktioniert meist ganz gut.

Richtig gut zum Schwimmen finde ich den Strand übrigens nicht. Das Wasser ist kalt, manchmal recht trüb. Teile des Ufers sind sehr steinig. Doch am Wreck Beach steht das Schwimmen ohnehin nicht im Vordergrund. Hier geht es ums Lebensgefühl, um die Freiheit, die gute Laune und – geben wir es zu – ums Hingucken geht es manchmal auch.

Info

Lage: Der Wreck Beach liegt im Pacific Spirit Regional Park im Südwesten von Vancouver in der Nähe der University of British Columbia im Stadtteil Kitsilano. Bei gutem Verkehr dauert die Fahrt vom Stadtzentrum mit dem Auto etwa 30 Min., NW Marine Drive.

Anfahrt: Vom Canada Place fahren Sie die Burrard Street stadtauswärts in Richtung Flughafen. Kurz nachdem Sie die Brücke über den False Creek überquert haben, biegen Sie in die 4th Avenue West nach rechts ab und folgen der Straße immer weiter geradeaus, bis diese in den Chancellor Boulevard und den Marine Drive übergeht. Der Abgang zum Strand erfolgt über steile Pfade am Marine Drive mit den Namen Trail 3, Trail 4 oder Trail 6. Zum populärsten Teil des Strandes geht es über den Trail 6, inkl. vieler Treppenstufen! Mit dem Bus dauert die Fahrt etwa 1 Std. bis zum Busbahnhof der Universität (Linie 14, UBC). Danach geht man zu Fuß weiter.

Öffnungszeiten: Der Wreck Beach hat das ganze Jahr über geöffnet, täglich von 8 Uhr bis Sonnenuntergang. Im Winter trifft man dort nur wenige Menschen, an warmen Sommertagen aber können sich bis zu 10.000 Einheimische dort tummeln. Zur Etikette gehört es, keine Foto- oder Filmaufnahmen zu machen.

Eintritt: kostenlos

Aktivitäten: Um den Strand kümmert sich die Wreck Beach Preservation Society, eine gemeinnützige Organisation in Vancouver, die im Sommer auch regelmäßige Events organisiert: Beim Bare Buns Run etwa geht es darum, entblößt am Strand eine Strecke von 5 km zurückzulegen, je schneller, umso besser. Der Wettbewerb findet jeden Juli statt.

Unterkünfte: Die nahe University of British Columbia bietet Unterkünfte auf dem Hochschulgelände von einfach bis komfortabel. Voll eingerichtete Suiten sind ab 145 CAD die Nacht zu buchen, Hostel-ähnliche Zimmer in einer Gemeinschaftswohnung ab 45 CAD; 5961 Student Union Boulevard, GPS: 49.269461, -123.2486436, Tel.: +1 888 331 4194, suitesatubc.com

Webseite: www.wreckbeach.org

Rund um Vancouver


Die Inselwelt rund um Vancouver

8.Kilby Historic Store and Farm: Kleinod am Fraser River

9.Cheakamus Lake: Idyllische Wanderung in die Coast Mountains

10.Train-Wreck von Whistler: Street Art im Regenwald

11.Garibaldi Lake: Wandertour ins alpine Hochland von Squamish

12.Brackendale: Wo die Adler kreisen

13.Salt Spring Island: Öko-Markt in ländlicher Idylle

14.Sidney Island: Karibik in Kanada

15.Steveston: Die Fischereihauptstadt von British Columbia


8. Kilby Historic Store and Farm: Kleinod am Fraser River

Der Abschied von Vancouver kann ganz schön ernüchternd sein. Der Weg aus der Stadt ist weder schnell noch attraktiv. Besonders gilt das für die Fahrt nach Osten durch das Tal des Fraser River. Der mehrspurige Trans-Canada Highway zieht sich ewig durch schmucklose Vororte und durch Agrarland. Der Verkehr ist dicht und Staus gehören zur Tagesordnung.

Doch zum Glück gibt es einen lohnenden Zwischenstopp. Etwa eineinhalb Stunden außerhalb der City liegt ein Highlight, das die meisten Fahrer auf dem Weg in die Berge oder ins Hinterland von Vancouver glatt übersehen: Das Geisterstädtchen Harrison Mills. Genauer gesagt das, was vom einstigen Industrieort am Zusammenfluss von Fraser und Harrison River übriggeblieben ist.

Vor gut einhundert Jahren war Harrison Mills eine kleine Boomtown mit mehreren Tausend Bewohnern. Die meisten arbeiteten in einem Sägewerk oder einer Holzfabrik und profitierten von der transkontinentalen Eisenbahn, die bis 1958 in dem Ort hielt. Doch wegen seiner Lage am Wasser kam es immer wieder zu Überflutungen und der Standort verlor an Bedeutung. Geblieben sind historische Gebäude, von denen einige in ein kleines Freilichtmuseum und eine Ausstellungsfarm umgewandelt wurden. Die Kilby Historic Site zeigt das Leben im ländlichen British Columbia am Anfang des letzten Jahrhunderts, als Vancouver noch eine Kleinstadt und das Fraser Valley und das Lower Mainland noch pure Wildnis waren.

Besonders hübsch finde ich den alten Krämerladen der Familie Kilby, der bis 1977 geöffnet war und zeitweise auch als Postamt von Harrison Mills diente. In den Auslagen und Vitrinen des General Store findet man ein ganzes Sortiment an Markenartikeln und Waren in ihren originalen Verpackungen, wie sie in den 1920er- und 1930er-Jahren zum Alltag gehörten. In den Sommermonaten können Sie in dem Laden mit kostümierten Laienschauspielern tratschen und ganz in die alte Zeit eintauchen. In den Hinterzimmern sind jene Räume zu bestaunen, in denen die Familie Kilby bis in die siebziger Jahre lebte. Das Obergeschoss diente einst als Hotel für Farmarbeiter, Verkaufsreisende, Bahnbeamte und Angestellte der Holzfabrik. Auf dem Gelände drumherum gibt es in historischen Farmgebäuden einen kleinen Streichelzoo, der besonders bei Familien populär ist. Dazu kommen Ställe, Schuppen und rustikale Blockhütten, in denen einst die Holzfäller und Mühlenarbeiter lebten. Bemerkenswert sind auch die Holzbohlenwege, die wegen der Flutgefahr auf Stelzen gebaut wurden.


Der alte Krämerladen der Familie Kilby

Wie wäre es mit einer Mittagspause vor der Weiterfahrt? Im Sommer betreiben Freiwillige auf dem Gelände ein Café mit Suppen, Sandwiches und frisch gebackenem Brot. Jeden Sonntag gibt es zur Feier des Tages einen Ochsenbraten. Der Kaffee wird in einem Röster von 1919 gebrannt, die Obstkuchen sind mit frischen Früchten aus dem Ort bestückt und schmecken wie bei Oma!


Der Streichelzoo von Harrison Mills

Info

Lage: Die Kilby Historic Site in Harrison Mills liegt etwa 110 km östlich von Vancouver unweit der Gemeinde Chilliwack. Die Fahrt mit dem Auto dauert etwa 90 Min. GPS: 49.235738, -121,956899, 215 Kilby Road, Harrison Mills.

Anfahrt: Vom Canada Place in Vancouver gelangen Sie über die East Cordova, Powell und McGill Streets auf den Trans-Canada Highway Nummer 1. Diesem folgen Sie für rund 70 km in Richtung Osten. An der Ausfahrt 92 verlässt man den Highway in Richtung Mission und fährt auf dem Highway 11, überquert den Fraser River und folgt dann den Schildern Richtung Highway 7, dem man rund 14 km folgt. Kurz nach der Überquerung des Harrison River biegen Sie rechts in die School Road ab, dann erneut rechts in die Kilby Road. Ein paar hundert Meter weiter erreichen Sie den Parkplatz der Kilby Historic Site.

Öffnungszeiten: In den Sommermonaten Juli und August hat das Museum täglich von 11 bis 16 Uhr geöffnet, im Frühjahr und Herbst nur an den Wochenenden von 11 bis 16 Uhr. Im Winter ist das Museum geschlossen; Tel.: +1 604 796 9576

Eintritt: 10 CAD für Erwachsene, 9 CAD für Senioren. Kinder sind kostenlos.

Aktivitäten: Nur ein paar Schritte vom Museum entfernt liegt der Kilby Provincial Park mit einem direkten Zugang zum Harrison River und einem feinen Sandstrand. Man kann dort wunderbar baden, paddeln, picknicken und fischen.

Unterkünfte: Im Park gibt es einen hübschen Campingplatz direkt am Wasser, der das ganze Jahr über geöffnet ist. Der Stellplatz kostet je nach Saison zwischen 15 und 30 CAD pro Nacht. Reservierungen werden montags und dienstags zwischen 10 und 15 Uhr telefonisch entgegengenommen: +1 604 796 9576. Die Reservierungsgebühr beträgt 6 CAD die Nacht; www.env.gov.bc.ca/bcparks/explore/parkpgs/kilby

Webseite: kilby.ca

9. Cheakamus Lake: Idyllische Wanderung in die Coast Mountains

Sie sind auf dem Weg von Vancouver nach Whistler und wollen sich unterwegs die Füße vertreten? Oder sind Sie schon ein paar Tage im Olympiaort und wollen dem Trubel und den vielen Menschen für ein paar Stunden entfliehen? Dann lohnt sich ein Ausflug mit einer kurzen Wanderung zum Cheakamus Lake, einem der idyllischsten Bergseen der Region.

Der glitzernde See liegt auf 830 Metern Höhe, umgeben von tiefgrünen Wäldern und den majestätischen Gipfeln der Coast Mountains, einer Bergkette, die sich über 1600 Kilometer vom Süden British Columbias an der Küste entlang bis zum Yukon erstreckt. Anders als die Rocky Mountains ist die Kette vulkanischen Ursprungs und gilt als weitgehend unerschlossen.


Der Streichelzoo von Harrison Mills

In Whistler am Cheakamus Lake kann man in diese Wildnis reinschnuppern, ohne sich groß anstrengen zu müssen. Der Wanderweg zum Nordende des Sees ist meist flach und in einer Stunde zu bewältigen. Wer weiter mag, der läuft von dort aus eine weitere Stunde zu einem malerischen Kieselstrand – für mich der perfekte Ort für eine Mittagspause.

Los geht die Tour von einem Parkplatz an der Rückseite des Whistler Mountain, dem Hausberg von Whistler. Der gut ausgebaute Waldweg führt zunächst am glasklaren Cheakamus River entlang durch einen dichten Nadelwald mit riesigen Rotzedern und Douglastannen. Nach einer halben Stunde erreichen Sie eine Brücke, die über den Fluss zum Helm Campground führt. Wer mag, der geht ein paar Schritte auf die Brücke – aber nur der Aussicht wegen. Denn der eigentliche Weg zum See bleibt diesseits des Flusses. Sie überqueren die Brücke also nicht, sondern gehen weiter geradeaus. Nach insgesamt gut drei Kilometern erreichen Sie die Mündung des Flusses am Nordende des Cheakamus Lake. Das erste Zwischenziel ist erreicht!

Nach einer Verschnaufpause geht es weitere vier Kilometer am Seeufer entlang. Wer noch fit ist, der sollte unbedingt weiterwandern, denn die besten Aussichten kommen noch! Erst geht es vorbei an ein paar idyllischen Stellplätzen für Zelte, dann an kleinen Buchten am Seeufer.

Schließlich endet der offizielle Weg an einem Kieselstrand am Singing Creek Campground. Am Strand kann man nicht nur prima rasten und entspannen. Man hat auch einen wunderbaren Blick auf die gesamte Länge des Sees, der bei guten Wetter tiefgrün im Sonnenlicht schimmert. Rundum ragen die schneebedeckten Gipfel der Coast Mountains empor – und zwar ohne irgendwelche Skilifte oder plattgemachte Skipisten. Was könnte es Schöneres geben?


Ufer des Cheakamus Lake

Info

Lage: Der Ausgangspunkt der Wanderung liegt etwa 15 km südlich von Whistler an Ende der (unbefestigten) Cheakamus Lake Road. Mit dem Auto dauert die Fahrt etwa 30 Min. GPS: 50.0633687, -123.0268335, Cheakamus Lake Road, Whistler.

Anfahrt: Vom Whistler Village fahren Sie den Sea-to-Sky Highway (mit der Nummer 99) nach Süden in Richtung Vancouver. Nach etwa 8 km erreichen Sie eine Ampel an der Kreuzung zur Cheakamus Lake Road. Hier biegen Sie links ab und folgen der Straße ein paar hundert Meter, dann geht es an einem Schild „Cheakamus Lake“ noch einmal nach links. Hier endet die geteerte Straße. Auf einem Schotterbett fahren Sie jetzt weitere 7 km bis zum Parkplatz am Ende. Hier stellen Sie den Wagen ab und beginnen mit der Tour.

Öffnungszeiten: Der Tour ist am besten zwischen Ende Mai und Ende September.

Eintritt: kostenlos

Aktivitäten: Der Weg zum Cheakamus Lake eignet sich auch für Wanderer, die mit einem Zelt in der Wildnis übernachten wollen. Der Sternenhimmel ist atemberaubend! Paddelfans können ihr Kanu oder Kajak bis zum See tragen und den Tag auf dem Wasser verbringen!

Unterkünfte:

•Whistler hat über 150 Hotels, Pensionen, Ferienwohnungen und Bed & Breakfasts und für jeden Geldbeutel ist etwas dabei. Eine Übersicht finden Sie auf der Webseite des Fremdenverkehrsamts, www.whistler.com/accommodation

•Am Seeufer gibt es zwei offizielle Campsites: den Cheakamus Lake Campground (an der Flussmündung) und den Singing Creek Campground (am Kieselstrand). Reservierungen sind vorab erforderlich, www.env.gov.bc.ca/bcparks/explore/parkpgs/garibaldi/cheaka.html

10. Train-Wreck von Whistler: Street Art im Regenwald

Der Unfall passierte irgendwann im Jahr 1956. Die Wälder rund um den heutigen Mega-Skiort Whistler waren noch wild, unentdeckt und unerschlossen. Whistler hieß damals Alta Lake und hatte höchstens 300 Einwohner. Rund um den Ort und gleichnamigen See gab es nur ein paar einfache Holzhütten, eine holprige Schotterstraße und Camps der Forstindustrie.


Zerbeulte Waggons im Wald

Zu dieser Zeit schlängelten sich regelmäßig vollbeladene Güterzüge mit Bauholz durch das kurvenreiche und enge Tal von Whistler. Doch an einem Tag ging alles schief. Der Zug war überladen, entgleiste und verkeilte sich in einem Felsengang. Die Eisenbahngesellschaft hatte nicht die nötigen schweren Maschinen vor Ort, um die Waggons wieder aufs Gleis zu setzen. Also zogen Forstarbeiter den Zug mit ihren Baumaschinen vom Gleis und schubsten sieben Wagen kurzerhand in den Wald. Dort lagen sie am Ufer des Cheakamus River über ein halbes Jahrhundert lang und rosteten vor sich hin. Irgendwann nahmen sich Einheimische und Künstler dem Wrack an, besprühten es mit Graffiti und bauten einen Park für Mountainbiker.


Die Waggons sind kunstvoll bemalt.

Heute ist der ehemalige Unfallort südlich von Whistler ein faszinierendes und gespenstisches Ziel zugleich: Die zerbeulten Waggons liegen wie riesige urbane Kunstwerke verstreut im wuchernden Regenwald, überwachsen mit Moosen, umschlungen von Ästen, umrahmt von riesigen Farnen. Oft hängt Nebel im Wald, was die mystische Aura noch unterstreicht.

Lange gab es keinen offiziellen Weg zu dem Wrack und nur Insider wussten davon. Am Fluss gab es nur ein paar provisorische Trampelpfade über die Bahngleise, und die Einheimischen blieben meist unter sich. Doch dank Social Media verbreiteten sich die Bilder der farbigen Graffiti und die Eisenbahngesellschaft sorgte sich um die Sicherheit der Besucher. Also nahm die Gemeinde Whistler, heute mit 30.000 Gästebetten einer der größten Ferienorte der Welt, die Sache in die Hand. Man baute eine Hängebrücke über den Cheakamus River und schloss den Unfallort an das offizielle Wanderwegenetz des Olympiaortes an. Noch ist der Weg auf vielen älteren Karten nicht verzeichnet, geht also locker als Geheimtipp durch.


Der Wald hat die alten Waggons fast verschluckt.


Eine Hängebrücke führt unweit der Wracks über den Cheakamus River

Mir gefällt der rund zwei Kilometer lange Weg übrigens nicht nur wegen des Wracks. Unterwegs hat man einen wunderbaren Blick auf den rauschenden Cheakamus River und die dazugehörigen Schluchten. Für ein Picknick oder eine idyllische Lunchpause ist der Weg allemal geeignet. Also nichts wie hin, bevor auch die großen Bustouren den Ort entdecken ...

Info

Lage: Die Train Wreck Site von Whistler liegt etwa 8 km südlich des Ortes am Sea-to-Sky-Wanderweg. Mit dem Auto braucht man nur ein paar Minuten. Von Vancouver sind es bei gutem Verkehr etwa 1,5 Std. GPS: 50.0793161, -123.0461052, Jane Lakes Road, Whistler.

Anfahrt: Vom Whistler Village fahren Sie den Sea-to-Sky Highway (mit der Nummer 99) nach Süden in Richtung Vancouver. Nach ein paar Minuten erreichen Sie eine Ampel an der Kreuzung zur Cheakamus Lake Road. Hier biegen Sie links ab, dann kurz vor einer Brücke halbrechts in den Legacy Way und kurz danach rechts in die Jane Lakes Road. Der Weg zum Wrack beginnt ein paar hundert Meter später an der rechten Straßenseite, am Sea to Sky Trail.

Öffnungszeiten: Der Weg ist ganzjährig geöffnet, im Winter braucht man je nach Wetterlage allerdings Schneeschuhe, Winterstiefel mit Spikes oder Langlaufski.

Eintritt: kostenlos

Aktivitäten: Der Sea to Sky Trail zum Wrack ist größtenteils leicht und eben, führt in einer breiten Schneise durch den Wald und ist für Jung und Alt geeignet. Nach ein paar Minuten biegt der Weg an einer Kreuzung nach rechts ab und man folgt dem Schild „Train Wreck“. Kurz vor der Hängebrücke über den Cheakamus River geht es für ein paar Momente steil bergab, ist aber kein Problem. Auf der Brücke haben Sie einen tollen Blick auf die Schlucht darunter. Kurz nach der Brücke taucht im Wald dann schon der erste der sieben Waggons auf.

Unterkünfte: Der Olympiaort Whistler hat über 150 Hotels, Pensionen, Ferienwohnungen und Bed & Breakfasts und für jeden Geldbeutel ist etwas dabei. Eine Übersicht finden Sie auf der Webseite des Fremdenverkehrsamts, www.whistler.com

11. Garibaldi Lake: Wandertour ins alpine Hochland von Squamish

Die alte Holzfällersiedlung Squamish am malerischen Howe Sound boomt. Immer mehr Großstädter haben sich in den letzten Jahren in dem Ort angesiedelt, der auf halber Strecke zwischen Vancouver und Whistler am Sea-to-Sky Highway liegt. Was sie dorthin zieht? Die Ruhe, die noch akzeptablen Immobilienpreise und die schier endlosen Outdoor-Möglichkeiten.


Auf dem Weg zum Garibaldi Lake

Tatsächlich gilt Squamish als die Wildnis-Spielwiese schlechthin. Da sind die Kletterer, die sich in die Steilwände des 702 Meter hohen Stawamus Chief wagen, einen der größten Felsmonolithe der Welt. Da sind die Wintersportler, die es auf die Pisten, Loipen und Snowmobil-Tracks zieht. Da sind die Tourenskier und Wanderer, denen es die Coast Mountains angetan haben.

Mein Favorit ist der Garibaldi Provincial Park, ein knapp 2000 Quadratkilometer großes Wildnisgebiet nördlich von Squamish. Die herrliche Bergwelt rund um den 2678 Meter hohen Mount Garibaldi hat alles, was man sich als Outdoor-Fan wünscht: grandiose, vergletscherte Gipfel, glasklare Seen, rauschende Flüsse und alpines Hochland vom Besten.

In den Park gelangt man über fünf verschiedene Routen, die allesamt am Sea-to-Sky-Korridor liegen. Die für mich schönste Wanderung führt zum Garibaldi Lake, dem Kronjuwel des Parks. Der kann es locker mit den Bergseen in den Rocky Mountains aufnehmen. Das Panorama rund um die majestätischen Eisfelder der Coast Mountains ist jedenfalls unvergleichlich.


Garibaldi Lake

Allerdings sollten Sie für die Tour zum Garibaldi Lake Kondition, ein wenig Erfahrung und gute Wanderschuhe mitbringen. Der gut ausgebaute und populäre Pfad windet sich über 1000 Höhenmeter und elf Kilometer nach oben, teilweise recht steil. Gut drei Stunden braucht man mit Pausen, etwas weniger zurück. Doch die Strapazen und der Schweiß lohnen! Zumal Sie den steilsten Abschnitt schon früh hinter sich haben. Vom Parkplatz geht es in Serpentinen nach oben. Auf den ersten sechseinhalb Kilometern gewinnen Sie über 800 Höhenmeter! Danach flacht der Weg ab und passiert zwei kleine Seen, den Barrier Lake und den Lesser Garibaldi Lake. Beide sind ein kleiner Vorgeschmack auf das ultimative Ziel.


The Black Tusk

Etwa eine halbe Stunde nach den Seen folgt man einer Weggabelung nach rechts, verliert etwas an Höhe, passiert eine kleine Brücke und auf einmal öffnet sich das Blickfeld … Wow! Diese Aussicht ist phänomenal: der See, die kleinen Inseln im Wasser, das alpine Hochplateau mit seinen Gletschern. Wen das nicht sprachlos macht, der ist in Kanada falsch aufgehoben! Von hier aus führt der Weg weiter am Seeufer entlang, vorbei an einer Wildnis-Campsite bis zu ein paar Halbinseln, die in den See hineinragen. Hier stehen ein paar Bänke am Wasser, die man vom Ufer nicht unbedingt sieht. Sie sind ein ideales Ziel, um den schmerzenden Muskeln ein wenig Entspannung zu gönnen. Für Tagesausflügler geht es danach auf demselben Weg zurück.

Wer mehr erleben will, der kann sein Zelt mitbringen und ein bis zwei Tage am Garibaldi Lake campen. Auf einer weiteren Tageswanderung erreicht man von hier The Black Tusk, eine bizarre Felsnadellandschaft vulkanischen Ursprungs hoch über dem See, von dem die Ureinwohner glauben, sie sei der Geburtsort der legendären Sagengestalt „Thunderbird“. Ein weiterer Weg führt über den alpinen Helm Pass bis zum Cheakamus Lake (siehe Kapitel 9).

Info

Lage: Der Ausgangspunkt der Wanderung liegt etwa 35 km nördlich von Squamish an Ende der Daisy bzw. Garibaldi Lake Road. Mit dem Auto dauert die Fahrt etwa 30 Min. GPS: 49.9654648, -123.1314181, Daisy bzw. Garibaldi Lake Road, Squamish.

Anfahrt: Von Squamish fahren Sie den Sea-to-Sky Highway (mit der Nummer 99) nach Norden in Richtung Whistler. Nach etwa 32 km biegen Sie an einer Kreuzung rechts in die Garibaldi Lake Road ab (auf manchen Karten heißt die Straße auch Daisy Lake Road). Man folgt der Straße weitere 2,5 km bis zum Parkplatz. Achtung: An den Sommerwochenenden oder Feiertagswochenenden ist der Parkplatz oft voll mit einheimischen Besuchern. Früh da sein!

Öffnungszeiten: Die Tour ist am besten zwischen Mitte Juni und Mitte September. Im Frühsommer kann rund um den See noch Schnee liegen.

Eintritt: kostenlos

Aktivitäten:

•Für erfahrene Wanderer und Bergsteiger ist der Weg zum Garibaldi Lake oft nur der Einstieg für eine Mehrtagestour in die Bergwelt der Coast Mountains.

•Einen tollen Blick auf die Coast Mountains, Squamish und den Howe Sound bietet auch die Sea-to-Sky-Gondola, 2 km südlich vom Ort. Die Bergbahn bringt Sie in zehn Minuten auf 885 Höhenmeter. Das Ticket kostet 41,95 CAD; www.seatoskygondola.com

Unterkünfte: Rund um den See gibt es zwei offizielle Campsites: den Garibaldi Lake Campground (direkt am See) und den Taylor Meadows Campground (auf einer Lichtung). Reservierungen sind erforderlich, da beide Plätze oft ausgebucht sind; siehe Discover Camping, discovercamping.ca

12. Brackendale: Wo die Adler kreisen

Auf dem Weg von Vancouver in den Skisportort Whistler geht es mit dem Auto an Brackendale vorbei – doch die meisten Besucher lassen die kleine Gemeinde am Squamish River links liegen. Das ist schade, ganz besonders in den Wintermonaten. Denn in Brackendale kann man ohne größeren Umweg oder Zeitaufwand ein einmaliges Naturschauspiel erleben.

Zwischen Ende Oktober und Anfang Februar versammelt sich hier die größte Anzahl an Weißkopfseeadlern in ganz Nordamerika. Nicht einmal in Alaska oder auf den Inseln von Haida Gwaii kann man so viele der majestätischen Vögel so dicht aufeinander erleben. In guten Jahren können es bis zu 4000 Adler sein. Ferngläser und Fotoapparate also nicht vergessen!


Die schneebedeckten Gipfel über Brackendale


Der Weißkopfseeadler

Für die Adler ist die Region um Brackendale ein wahres Schlaraffenland, denn hier können sie sich den Bauch mit leckeren Lachsen vollschlagen. Die Fische wandern jeden Herbst an die nahe Flussmündung von Squamish River und Mamquam River, um in den dortigen Gewässern abzulaichen. Danach sind sie so geschwächt, dass die Adler nur noch zugreifen müssen.

Ich schaue mir das Schauspiel am liebsten von einem Deich aus an, der sich entlang der Government Road am Fluss entlangzieht. Von dort sieht man, wie sich die Adler im Steilflug auf die Lachse stürzen, sie mit ihren scharfen Schnäbeln und Krallen zerrupfen und die besten Fleischbrocken verschlingen. Oder wie sie, auf Baumkronen sitzend, ihr Mahl verdauen. An einem Beobachtungsstand auf dem Deich können Sie zum Höhepunkt der Adler-Saison mit Vogelkundlern plauschen und auch Fragen loswerden. Wer friert, kann sich in einer nahen Kunstgalerie, dem sogenannten Eagle Count Headquarter, bei einer heißen Suppe aufwärmen, Diashows ansehen und den aktuellen Stand der Adler-Zählung verfolgen. Denn die Masse der Adler schwankt von Jahr zu Jahr, je nach Qualität der Lachssaison. Offiziell gezählt wird jeden ersten Sonntag im Januar im Rahmen des Adlerfestivals in Brackendale. Dazu gibt es Konzerte, Vorträge und Ausstellungen aller Art. Sogar mit einem Schlauchboot können Sie dann auf dem Squamish River paddeln, um die Adler aus nächster Nähe zu beobachten.


In Brackendale halten die Adler Ausschau nach Lachsen.


Die Adler sind wahre Flugkünstler.

Info

Lage: Brackendale liegt etwa 70 km nördlich von Vancouver und etwa 50 km südlich von Whistler. Die Fahrt mit dem Auto dauert zwischen 30 Min. und 1 Std. GPS: 49.7678719, -123.1509026, Government Road, Brackendale.

Anfahrt: Vom Canada Place in Vancouver fahren Sie über die Lions Gate Bridge auf den Highway 99 in Richtung Norden, dem sogenannten Sea-to-Sky Highway. Kurz hinter Squamish biegen Sie an einer Ampel nach links ab in die Depot Road. Nach ein paar hundert Metern geht es wieder links auf die Government Road. Nach wenigen Minuten erreichen Sie rechtsseitig einen Deich, von wo aus man die Adler beobachten kann. Am Rande der Straße lässt es sich gut parken.

Öffnungszeiten: Die Adler-Saison reicht in der Regel von Mitte Oktober bis Anfang Februar. Die meisten Adler tauchen im Dezember und Januar auf. Dann ist an den Wochenenden auch die Aussichtsplattform auf dem Deich mit Biologen oder Freiwilligen besetzt. Diese sind in der Regel von 10 bis 15 Uhr vor Ort. Aber auch ohne guides kann man die Adler auf eigene Faust verfolgen. Die Brackendale Art Gallery, das sogenannte Eagle Count Headquarter, ist an den Wochenenden zwischen 12 Uhr und 22 Uhr geöffnet. Während des Adler-Festivals im Januar hat die Galerie zusätzlich donnerstags und freitags geöffnet; 41950 Government Road, Brackendale, Tel.: +1 604 898 3333, www.brackendaleartgallery.com

Eintritt: kostenlos

Aktivitäten: Während der Adler-Saison können Sie den Vögeln auch mit Squamish Rafting im Rahmen einer geführten float tour im Boot auf dem Squamish River nahekommen. Die Tour beginnt täglich um 11 Uhr und kostet 119 CAD für Erwachsene und 79 CAD für Kinder, inkl. warmem Chili-Eintopf; warm anziehen! Tel.: +1 604 898 4677, www.squamish-rafting.com

Unterkünfte: Rustikale, aber gemütliche Hütten für Selbstversorger direkt am Squamish River bietet Sunwolf, 70002 Squamish Valley Road, Squamish. Pro Nacht zwischen 100 und 130 CAD; Tel.: +1 604 898 1537, www.sunwolf.net

13. Salt Spring Island: Öko-Markt in ländlicher Idylle

Auf dem Weg von Vancouver nach Victoria? Dann passieren Sie auf der Fähre oder im Flugzeug die Southern Gulf Islands, ein idyllischer Archipel von hunderten verstreuten Inseln in der Salish Sea. Noch nehmen sich nur wenige Besucher aus Europa die Zeit, diese Eilande zu besuchen. Viele Kanadier dagegen lieben die Inseln – ich selbst wohne dort.


Die Fähre von BC Ferries passiert die Southern Gulf Islands.

Toll ist das mediterrane Klima, das sich hier im Windschatten der Küstengebirge von Vancouver Island und dem Festland etabliert hat. Dazu kommen die idyllischen Strände, die malerischen Häfen und Segelreviere. Aber auch Genießer kommen auf ihre Kosten, denn die Ökohöfe, Weingüter und Künstlerateliers dort gehören zu den beliebtesten in British Columbia.

Besonders gilt das für Salt Spring Island, der mit 11.000 Bewohnern größten Insel. Dreißig Minuten dauert der Flug mit einem Wasserflugzeug von Vancouver in den Hauptort Ganges und er allein ist schon die Reise wert. Man fliegt über zerklüftete Küsten, einsame Buchten und felsige Klippen. Überall erkennt man bunte Punkte im Wasser: Jachten, Segelboote, Kajaks. Aber auch die Fähren von BC Ferries bringen einen hin.


Palmen am Hafen von Ganges

Besonders lohnt sich ein Ausflug am Samstag. Dann ist rund um den Hafen von Ganges Wochenmarkt – und der ist wirklich außergewöhnlich. Ob frisches Olivenöl, Ziegenkäse, saftige Fisch-Tacos, bunte Windspiele oder Schmuck aus Treibholz: Mehr als 150 Farmer, Erzeuger und Künstler bieten ihre Produkte an. Der Markt ist bei den Einheimischen aus Vancouver oder Victoria sehr beliebt, denn hier ist alles „farm to table“: (Fast) alles was Sie kaufen oder verzehren wurde auf Salt Spring Island produziert. Alle Kunstgegenstände, Schmuckstücke oder Töpferwaren wurden von lokalen Künstlern oder Handwerkern gefertigt. Das hat mitunter seinen Preis – aber es ist authentisch. Kein Wunder, dass es an Markttagen in dem sonst so beschaulichen Ganges lebhaft zugehen kann. Tagesausflügler stöbern dann ausgiebig in den Galerien und Antiquitätengeschäften am Hafen, Kinder bauen Sandburgen am Strand, Straßenmusiker zupfen auf ihren Gitarren, Yogaschüler strecken sich im Park, Hippies rauchen einen Joint (Cannabis ist mittlerweile legal in Kanada).


Wochenmarkt in Ganges

Sie mögen wie ich einen bubbly? Dann besuchen Sie das Weingut Salt Spring Vineyards! Der „Karma“, ein sparkling wine aus lokalem Chardonnay und Pinot Noir, kann es locker mit den Champagnern dieser Welt aufnehmen. Dazu kommt im Sommer die mediterrane Atmosphäre: Die Luft flimmert, die Grillen zirpen, man riecht den Duft von Lavendel. Im Sommer wird an Freitagen und Sonntagen Livemusik gespielt.

Mein Tipp für Outdoor-Fans: Eine Kajaktour zum Sonnenuntergang über den Three Sister Islands, drei vorgelagerten Inselchen in der Hafeneinfahrt von Ganges. Oder eine kurze Wanderung zur Burgoyne Bay, einer versteckten Bucht mit bunten Hausbooten und knorrigen Eichenbäumen, deren Gattung es in Kanada nur im Süden von Vancouver Island und auf den Gulf Islands gibt (sogenannte Garry Oak Trees).

Info

Lage: Salt Spring Island liegt 70 km südwestlich von Vancouver in der Salish Sea und kann mit Wasserflugzeug oder Fähre erreicht werden.

Anfahrt:

•Vom Wasserflugzeug-Terminal am Canada Place in Vancouver fliegt Harbour Air mehrmals täglich nach Ganges und zurück, Tel.: +1 250 537 9880, www.harbourair.com

•Die Fähren von BC Ferries nach Salt Spring fahren mehrmals täglich von Swartz Bay oder Crofton auf Vancouver Island oder von Tsawwassen auf dem Festland (seltener). Die jeweils aktuellen Fahrpläne gibt es unter www.bcferries.com/schedules/southern

Öffnungszeiten: Der Markt findet von Anfang April bis Ende Oktober jeden Samstag von 9 bis 16 Uhr statt und zwar im Centennial Park, nur ein paar Schritte vom Hafen von Ganges entfernt.

Aktivitäten:

•Die Salt Spring Vineyards liegen 9 km außerhalb von Ganges in der 151 Lee Road, Tel.: +1 250 653 9463. In den Sommermonaten ist das Weingut täglich von 11 bis 17 Uhr geöffnet, im Winter gelten eingeschränkte Öffnungszeiten, www.saltspringvineyards.com

•Geführte Kajaktouren und einen Kajakverleih bietet Salt Spring Adventures; 125 A Rainbow Road, Tel.: +1 250 537 2764. Die Kajakmiete beträgt 60 CAD pro Tag, www.saltspringadventures.com

•Die Wanderwege entlang der Burgoyne Bay beginnen etwa 11 km außerhalb von Ganges. Sie erreichen den Park, wenn Sie die Fulford-Ganges Road etwa 9 km nach Süden fahren und dann rechts in die Burgoyne Bay Road abbiegen. Ein Hinweisschild von B.C. Parks weist den Weg.

Unterkünfte:

•Salt Spring Island ist für seine gemütlichen Inns und Bed & Breakfasts bekannt. Eine Liste finden Sie unter www.saltspringtourism.com/accommodations-2

•Hübsch ist auch das Salt Spring Inn im Ortskern von Ganges. Es hat sieben Zimmer und ein beliebtes Restaurant, die Preise ändern sich je nach Jahreszeit und Auslastung; 132 Lower Ganges Road, Tel.:+1-250 537 9339, saltspringinn.com

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900,76 ₽
Возрастное ограничение:
18+
Дата выхода на Литрес:
25 мая 2021
Объем:
278 стр. 181 иллюстрация
ISBN:
9783947164820
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Правообладатель:
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