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Club V Sammelband

Inhalt

Entfesselt

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Epilog

Entjungfert

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Entdeckt

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Bücher von Jessa James

Also By Jessa James (English)

Über die Autorin


Entfesselt: Copyright © 2019 von Jessa James

Alle Rechte vorbehalten. Kein Teil dieses Buches darf in irgendeiner Form oder mit irgendwelchen Mitteln, elektronisch, digital oder mechanisch, reproduziert oder übertragen werden, einschließlich, aber nicht beschränkt auf Fotokopieren, Aufzeichnen, Scannen oder durch irgendeine Art von Datenspeicherungs- und Datenabfragesystem ohne ausdrückliche, schriftliche Genehmigung des Autors.

Veröffentlich von Jessa James

James, Jessa

Entfesselt

Cover design copyright 2020 by Jessa James, Author

Images/Photo Credit: DepositPhotos: VitalikRadko

Hinweis des Herausgebers:

Dieses Buch wurde für ein erwachsenes Publikum geschrieben. Das Buch kann explizite sexuelle Inhalte enthalten. Sexuelle Aktivitäten, die in diesem Buch enthalten sind, sind reine Fantasien, die für Erwachsene gedacht sind, und jegliche Aktivitäten oder Risiken, die von fiktiven Personen innerhalb der Geschichte übernommen werden, werden vom Autor oder Herausgeber weder befürwortet noch gefördert.

1

Die Musik wummerte aus dem Club und drang hinaus auf die Straße, wo ich stand und eine Pause machte, um Luft zu schnappen, bevor ich wieder an die Arbeit gehen würde. Die Gasse stank nach kaltem Zigarettenrauch und Schlimmerem; irgendetwas in einem der Müllcontainer in der Nähe stank gewaltig. Ich würgte leicht und stählte mich, während ich zur Tür ging, auch wenn ich noch nicht bereit war, meine Pause bereits zu beenden. Ich konnte nicht genau sagen, warum ich an diesem Tag so empfand, aber in dieser Nacht war ich irgendwie nervös, zur Arbeit zu gehen, und irgendwo in meiner Magengrube hatte ich das Gefühl, als wäre irgendetwas einfach… nicht ganz richtig.

„Du musst nie irgendetwas tun, was du nicht willst“, beruhigte ich mich selbst, wobei ich sicherlich wie eine entlaufene Irre aussah, wie ich dort vor dem Club stand und versuchte, mir einen Grund einfallen zu lassen, warum ich nicht reingehen konnte. Es gab viel zu viele Gründe, warum ich dort sein musste. Wenn ich jemals das College beenden wollte, würde ich meinen Job weiterhin machen müssen. Es war nicht unbedingt ein Job, von dem ich immer geträumt hatte, aber er bezahlte die Rechnungen, brachte Essen auf den Tisch und wenn mein Studium endlich fertig war, würde ich eine der wenigen Personen sein, die ich kannte, die nicht unter einem Berg Studentendarlehn begraben sein würde. Der Club bezahlte mich gut für die Arbeit, die ich machte, was es mir ein wenig erleichterte, mich damit abzufinden – und sie war auf jeden Fall besser als die Dutzend Kellnerjobs, die ich gegen Ende meiner Highschoolzeit und zu Beginn des Colleges gearbeitet hatte.

Und wenn ich vollkommen ehrlich mit mir selbst war, wusste ich, dass all das eine Notwendigkeit war. Meine Eltern konnten es sich nicht leisten, mich aufs College zu schicken, und wenn ich meine Bildung fortführen und mir eine gute Karriere aufbauen wollte, würde ich sie mir selbst finanzieren müssen. Wären sie dazu in der Lage gewesen, das wusste ich, hätten meine Eltern für die Bildung, Unterkunft und alles andere, das bei einem Collegeleben so anfiel, sofort bezahlt, aber dieses Leben führten wir einfach nicht. Meine Mom war seit der Geburt meines jüngeren Bruders Sekretärin in einer Anwaltskanzlei. Er war jetzt erst siebzehn und sie arbeitete noch nicht lange genug, um sich irgendeine Rente erarbeitet zu haben. Sie scherzte darüber, dass sie noch mit fünfundsiebzig hinter dem gleichen Tisch bei Keller, Lawson, Waterman und Keller sitzen würde, aber tief in meinem Inneren betete ich, dass das nicht der Fall sein würde. Das Geld war knapp und sie und mein Dad taten alles in ihrer Macht Stehende, aber ich wollte nicht, dass sie bis in ihre goldenen Jahre hinein arbeitete.

Mein Dad arbeitete schon seit jungen Jahren selbstständig. Er war Mechaniker und hatte in einer der lokalen Werkstätte in der Stadt angefangen, ehe er sich nach oben gearbeitet und genug Geld gespart hatte, um sich eine eigene Werkstatt zu kaufen und selbstständig zu machen. Es war ein erfolgreiches Geschäft und er war ein toller Mechaniker, der die Art von Arbeit machte, die die Leute dazu bewegte, wieder zu ihm gehen zu wollen. Er musste einer der wenigen ehrlichen Mechaniker sein, die in einer Gegend arbeiteten, die bereits in Armut versank, und seine niedrigen Preise sowie zuverlässigen Dienste machten ihn zu der Sorte Mensch, an den sich die Leute gerne wieder wandten.

Doch trotz all ihrer harten Arbeit wäre es niemals genug. Ich wollte keine zusätzliche Bürde für meine Familie sein, weshalb ich beschlossen hatte, für die Studiengebühren und Wohnkosten selbst aufzukommen. Wenn ich sie vor zusätzlichen Sorgen bewahren und dafür sorgen konnte, dass sie meinem Bruder helfen konnten, sollte er das brauchen, wenn er das College begann, dann würde ich meinen Teil dazu beitragen. Es war schon immer so gewesen – wir arbeiteten zusammen für das Gemeinwohl unserer Familie. Sie waren mir alle unglaublich wichtig und ich schätzte unsere Beziehung sehr.

Ich warf einen Blick auf mein Handy. Suzy war während meiner Pause bereits zu ihrer Schicht erschienen und ich wusste, dass sie sich fragen würde, wo ich war, wenn ich noch mehr Zeit damit vertrödelte, auf dem Gehweg zu stehen und mein Schicksal zu debattieren. Mein Gott, was stimmte heute Abend nicht mit mir? Nichts hatte sich auf der Arbeit verändert und es bestand überhaupt kein Grund für mein Zaudern. Zumindest kein Grund, den ich genauer benennen könnte. Irgendetwas lag in der Luft und es fühlte sich an, als wäre an diesem Abend alles möglich, aber ich war mir nicht sicher, ob irgendetwas davon gut war.

Ich stieß die Tür des Eingangs auf, der zur Gasse führte, und trat in den Bereich in der Nähe des hinteren Thekenteiles. Einige der anderen Kellner eilten geschäftig umher, gekleidet in ihrer vom Club gestellten, komplett schwarzen Arbeitstracht. Die Kerle trugen Krawatten in einem kräftigen, dunklen Scharlachrot, das zur Deko des Hauptbereiches des Clubs passte und die Mädels, die die Tische in diesem Bereich bedienten, wurden dazu angehalten, stets Makeup in der gleichen Farbschattierung aufzulegen. Ich war nur froh, dass ich einen Hautteint hatte, der gut zu dem dunkelroten Lippenstift passte, den ich jeden Abend tragen musste. Doch wenn ich genauer darüber nachdachte, war ich mir ziemlich sicher, dass wir alle danach ausgewählt worden waren, wie wir zum Farbschema des Clubbereiches passen würden, in dem wir künftig arbeiten würden.

Die Bar wurde bereits von einer Menschentraube umringt, obwohl es noch gar nicht so spät und noch nicht Hauptandrangszeit der Clubmitglieder war. Ich lächelte, weil ich dachte, dass heute Abend vielleicht ein oder zwei zusätzliche Trinkgelder für mich rausspringen könnten.

„Hey, Tommy“, begrüßte ich einen unserer Freitagabend-Stammkunden, zwinkerte ihm zu und drückte seine Schulter kurz.

„Samara, Baby…“ Er grinste und drehte sich, um mich an sich zu ziehen, wobei er ignorierte, dass ich eigentlich versuchte mich zu den Umkleideräumen der Angestellten durchzuschlängeln.

„Süße, lass mich nicht allein. Du weißt, du bist mein Liebling.“

Ich spürte, wie seine Augen meinen Körper hoch und runter glitten, während seine Hand nach unten zu meiner Hüfte wanderte und mich plötzlich an sich zog. Ich konnte den Beginn einer wachsenden Erektion in seiner Hose spüren und auch wenn sich ein Teil von mir fragte, wie es wohl wäre, wenn Tommy Rollins – Investmentbanker für die höheren Kreise der New Jersey Gesellschaft – mein Erster wäre, lächelte ich nur und legte eine Hand auf seine Brust.

„Und du bist einer von meinen. Vergiss das niemals.“ Ich rieb mich kurz an ihm, bevor ich auf dem Absatz kehrtmachte und in Richtung der Umkleideräume lief. Im Schutz des hämmernden Beats des Clubs stieß ich ein unhörbares Ächzen aus. Es wäre großartig, wäre jemanden wie Tommy mein Erster – ich wusste, dass er gut im Bett war und sich Frauen immer darum stritten, sich an die Spitze der Schlange zu setzen, die im Club mit ihm zusammen sein durfte. Aber ich musste auch im Hinterkopf behalten, dass ich als Barkeeperin hier war – zusammen mit meiner besten Freundin und Mitbewohnerin Suzy war ich sogar die stellvertretende Thekenchefin – und ich würde nicht zulassen, dass die animalische Anziehungskraft, die einer der heißesten, reichsten Kerle im Club auf mich ausübte, meinen Jobstatus gefährdete.

Aber Gott, ich verzehrte mich danach. Als neunzehnjährige Jungfrau gehörte ich in meinem Freundeskreis zu einer Minderheit. Die meisten hatten ihre bereits an einen der dämlichen Typen verloren, von denen wir während unserer Zeit in der Junior High oder Highschool umringt gewesen waren. Nichts an dem Gedanken, meine Jungfräulichkeit an einen dieser Kleinstadt-Kerle ohne Zukunft zu verlieren, hatte mich im Geringsten angesprochen. Das Ganze hatte damit angefangen, dass ich eine Art Aussage über meine Standards machen wollte, war jetzt allerdings einfach nur noch frustrierend. Ich war neunzehn und ich könnte Sex haben, wenn ich wollte, mit jedem, den ich wollte, und es hatte so viele Gelegenheiten gegeben. Warum hatte ich keine davon ergriffen?

„Du weißt warum“, murmelte ich vor mich hin, während ich mich an der hinteren Clubwand entlang bewegte, um Suzy zu finden, die sich vermutlich für ihre Schicht fertig machte.

Ich hatte keines der vielen Angebote, mich zu entjungfern, angenommen, weil keiner von ihnen den Anschein erweckt hatte, als wäre er ein guter Erster. So viele zwanglose Dates und es war kein Wunder, dass sich aus keinem etwas ergeben hatte. Ich hatte recht schnell herausgefunden, dass ein Großteil der männlichen Bevölkerung ein Mädchen wie eine heiße Kartoffel fallen ließ, wenn es beim dritten Date noch keinen Sex haben wollte. Merkwürdigerweise gab es auch einige, die die Füße in die Hände nahmen, sobald sie erfuhren, dass ich noch Jungfrau war. Ich hatte angenommen, und mich anscheinend geirrt, dass Jungfräulichkeit unter Männern geschätzt wurde – eine Art Trophäe, die es zu sammeln galt. Es war mir nie in den Sinn gekommen, dass manche Männer sich davon abgestoßen oder eingeschüchtert fühlen würden.

Und so hatte es eine lange Reihe Kerle, hauptsächlich Arschlöcher, gegeben, die mich eiskalt abserviert hatten, nachdem ich ihnen erzählt hatte, dass ich auf den perfekten Zeitpunkt und die perfekte Person wartete.

Ich zog den Samtvorhang, der den Eingang zur Mitarbeiterumkleide vor Blicken schützte, zur Seite. Sie befand sich versteckt in einer hinteren Ecke und am Ende eines kleinen Ganges und beherbergte die Schließfächer aller Kellnerinnen, Tänzerinnen und anderen weiblichen Angestellten.

„Heya“, rief Suzy von ihrem Platz vor einem der Schminktische. Sie saß auf einem Samtkissen in dem gleichen Rot, in dem auch die meisten gepolsterten Oberflächen im Club gehalten waren.

„Hi, bereit für eine lange Nacht? Sieht aus, als ob der Laden ziemlich voll ist.“ Ich nahm auf einem der Kissen Platz, wandte mich meiner Mitbewohnerin zu und beobachtete, wie sie fortfuhr, ihren Look für die Nacht zu vervollständigen.

„Yeah, ich glaube, Stew sagte irgendetwas davon, dass sie in einem dieser Flugzeugmagazine, die unsere… du weißt schon, unsere Klientel, anspricht, geschaltet haben. Wahrscheinlich sind heute Abend ein Haufen Neue dort draußen. Am besten setzen wir unsere professionellen Masken auf.“

Ich nickte. Ich wusste, was Suzy meinte. Es gab einige unumstößliche Regeln bei unserem Job hier. Die wichtigste war, dass wir Barkeeperinnen waren – nicht mehr. Es gab immer Raum für Weiterentwicklung, aber die würde eine völlig andere Sorte von Vertragsverhandlungen mit unserem Manager und vermutlich den großen Tieren, die im Club über ihm standen, mit sich bringen. Wenn an diesem Abend neue Leute im Club waren, war es gut möglich, dass sie nicht wussten, dass wir – das Barpersonal – nicht auf der Speisekarte standen. Das war etwas, das für Leute, die neu in der Szene waren, verwirrend sein konnte, aber etwas, an das wir die Leute von Zeit zu Zeit erinnern mussten. Selbst mein Flirt mit Tommy, auch wenn er völlig legitim und etwas war, das man in meiner Rolle, die Kunden bei Laune zu halten, erwartete, schrammte dicht an einer Grenze vorbei.

Jeder im Bar- und Servierdienst hatte gelegentlich damit zu tun: einem Mann oder Frau, die uns sahen und mit uns die gleichen Dinge tun wollten, die sie mit den anderen Leuten taten, die hier im Club V arbeiteten. Auch wenn öffentlicher Sex, Partnertausch und BDSM alles Dinge waren, die im Club auf der Speisekarte standen, mussten die Gäste verstehen, dass es sich bei den Leuten hinter der Bar anders verhielt. Ein Kichern war bei meinem einführenden Mitarbeitertreffen durch die kleine Gruppe neuer Angestellter gegangen, als unser Manager erklärt hatte, dass wir nicht dafür ‚ausgebildet‘ waren, zu tun, was die anderen Mitarbeiter machten. Allerdings wusste jeder von Anfang an, dass eine Person zu diesem Arbeitsfeld im Club wechseln konnte, wenn sie daran interessiert war, aber dass die zwei Rollen nicht kombiniert werden durften.

Ich nahm Sex kaum noch wahr jetzt, da ich fast Vollzeit hinter der Theke arbeitete. Als ich im Club als Kellnerin angefangen hatte, war ich dem mehr ausgesetzt gewesen, da ich die Getränke und kleinen Teller zum Hauptbereich des Clubs gebracht hatte. Dieser war für gewöhnlich mit Leuten gefüllt, die sich unterhielten und die Gesellschaft anderer genossen, wobei es jedoch häufig sehr viel intimer zu ging. Mehr als einmal hatte ich einem Mann einen Drink gebracht, der darauf bestand, an einem fünfzig Jahre alten Scotch zu nippen, während eine junge Blondine wild auf seinem Schwanz auf und ab hüpfte. Sex war im Hauptbereich erlaubt, genauso wie überall sonst im Club, aber hauptsächlich fand er in den kleinen Nischen statt, die den großen Raum im Erdgeschoss umringten. Die große Bar überblickte den Hauptbereich und hatte viele Gäste, doch häufig bestellten die Leute in den Nischen oder am Ende des großen Ganges etwas, das man ihnen bringen musste.

In dieser Anfangszeit hatte ich sehr viel mehr gesehen als jetzt und ich nahm das Stöhnen, das aus den Nischen drang, nicht länger wahr. Der DJ spielte die Musik normalerweise sowieso so laut ab, dass die Geräusche übertönt wurden, oder er legte etwas auf, das zu dem Stöhnen passte. Die übermäßig sinnliche Atmosphäre meines Arbeitsplatzes konnte nicht geleugnet werden. Jeder Zentimeter des vierhundertfünfzig Quadratmeter großen Clubs pulsierte in einem sexuellen Beat und der Geruch von Ylang-Ylang, Sandelholz und Patschuli kurbelte die Lust aller an, die den Club betraten, während er zugleich versuchte, das unverkennbare Aroma von Sex und herumschwirrender Pheromone zu übertünchen. Ich bemühte mich, nicht allzu oft darüber nachzudenken, aber es war nicht merkwürdig für mich, den Club zu betreten und sofort feucht und erregt zu werden. Allein das machte meine momentane Lage um einiges unerträglicher.

„Wie läuft es mit Kevin?“, fragte Suzy, womit sie mich aus meinen Gedanken riss, während sie in den Spiegel blickte und vorsichtig ein Paar falscher Wimpern an ihrem linken Auge anbrachte. Das Ergebnis war umwerfend, als sie sich zurücklehnte, blinzelte und ihr Spiegelbild betrachtete. Es war kein Wunder, dass Suzy von einem der Eigentümer angesprochen worden war, ob sie nicht hier arbeiten wolle. Meine gute Freundin und Mitbewohnerin überragte mich um ungefähr zehn Zentimeter und sah aus, als käme sie direkt vom Laufsteg einer Victoria’s Secret Modenschau. Ihre hohen, vollen Brüste waren ein Wunder und es war durchaus nachvollziehbar, dass die Hälfte der Männer im Club ihre Aufmerksamkeit sofort auf ihre atemberaubende Figur richtete. Selbst vollständig begleitet war Suzy die Frau, die jeder Mann im Club wollte, und sie war absolut unerreichbar für sie.

„Ach… Kevin. Tja, das ist vorbei.“

Als ich früher am Tag unser Apartment verlassen hatte, hatte ich mit Kevin telefoniert, wobei wir einen Streit aus der Nacht zuvor fortgesetzt hatten. Am Ende hatte es den Anschein gemacht, als wären wir nicht dazu in der Lage, eine Einigung zu finden.

Suzy schaute zu mir und bedachte mich mit einer traurigen Miene. Sie zog mich näher und umarmte mich, wobei sie darauf achtete, ihr sorgfältig aufgetragenes Makeup nicht zu verschmieren. Heute Abend hatte sie sich für einen super heftigen Katzenaugen-Look entschieden, der sie doppelt so heiß wie ihr übliches sexy Selbst aussehen ließ. Sie machte eine Ausbildung zur Visagistin, weshalb sie immer neue Looks ausprobierte, die nie versäumten, die Kundschaft des Club V zu beeindrucken.

„Danke“, sagte ich, als ich mich aus ihrer Umarmung löste. „Ich werde mich nur etwas frisch machen und dann komme ich wieder raus, um dir zu helfen.“

„Dann bis gleich“, verabschiedete sich Suzy, die aufstand, ihren engen Minirock glattstrich und den Vorhang zurückzog, um nach draußen zur Bar zu gehen.

Ich drehte mich um und betrachtete mein Spiegelbild. Es würde eine Weile dauern, bis die nächste zu ihrem Schichtbeginn herkam, weshalb ich den Raum für mich hatte und mein Erscheinungsbild überprüfen konnte, ohne dass es jemand mitbekam.

Mein langes, welliges blondes Haar war offen, so wie ich es normalerweise trug, und hatte eine Art zerzausten Strandlook. Kein Wunder, dass Tommy nach mir gegriffen hatte. Ich musste zugeben, dass meine Haare so sexy aussahen wie noch nie, und das brachte mich zum Grinsen. Meine haselnussbraunen Augen, die grün gesprenkelt waren, sahen leicht mysteriös aus und waren gerade so einzigartig, dass ich immer Komplimente für sie erhielt, vor allem im gedimmten Licht des Clubs. Die Wandleuchter, Bar und die Tischbeleuchtung boten gerade so viel Licht, dass sie hell funkelten. Mir war mehr als einmal erzählt worden, dass sie faszinierend waren, und ich bemühte mich stets, mein Augenmakeup in Grün- und Goldtönen zu halten, um es noch zu betonen.

Meine hohen Wangenknochen, die ich von meiner Oma geerbt hatte, schadeten meinem allgemeinen Erscheinungsbild auch nicht gerade. Ich hatte keinen Bedarf an Contouring, da bereits alles vorhanden war und ich war dankbar für diese kleine, genetische Gnade. Ein Leberfleck über meiner Oberlippe hatte mich als Kind genervt, aber jetzt war er eine Art provozierender Schönheitsfleck, zu dem mir Männer und Frauen gleichermaßen ständig Komplimente machten.

Da stand ich auf und verzog finster das Gesicht. Die eine Sache, die ich an mir verändern würde, wenn ich könnte, war meine Größe. Mit einem Meter sechzig war ich eine der kleineren Frauen des Thekenpersonals, was das Herunterholen von Dingen aus den oberen Regalbrettern zu Suzys Aufgabe machte. Doch mein Gewicht war in Ordnung und meine Hüften weiteten sich zu der Sorte Kurve, von der ich wusste, dass sie den Blick vieler Leute auf sich zog, wenn ich vorbeilief. Meine Brüste waren jedoch die Showstopper. Ich mochte zwar mit meinen sechsundfünfzig Kilogramm auf der kleineren und leichteren Seite stehen, doch meine 38C Brüste waren etwas, worauf ich sehr stolz war und daher präsentierte, wann immer ich konnte. Der Club erlaubte Suzy und mir, unsere eigene Kleidung zu tragen anstatt der üblichen, vom Club gestellten Uniformen und sie und ich wählten normalerweise enge, extrem tief ausgeschnittene Tops oder T-Shirts mit Rundhalsausschnitt. Das war eine der angenehmeren Dinge an unserem Job – wir durften die gut gelaunten Mädels hinter der Theke mimen und den Großteil der Zeit fühlte es sich nicht einmal wie Arbeit an.

Ich glättete meinen Minirock und drehte mich, um einen Blick auf meine Kehrseite zu werfen.

„Du hast einen fabelhaften Po“, lobte ich mich lachend und wandte mich ab, um nach draußen zur Bar zu gehen für eine weitere Nacht im Club V.

2

„Wer ist bereit für eine weitere Runde?“, rief ich durch die dicht bevölkerte Bar, wobei ich eine große Flasche Reposado Tequila mit einem Zwinkern vor den Gästen schwenkte. Ich erhielt einiges zustimmendes Gebrüll und Nicken und nachdem ich nochmal zwölf Shots eingeschenkt hatte, kehrte ich mit einem fünfzig Dollarschein zwischen meinen mittlerweile schwitzenden Brüsten zurück, den der stets großzügige Tommy dort zusammen mit seiner Visitenkarte hingesteckt hatte. Ich stellte mich neben Suzy, die gerade Getränke zu einer Rechnung hinzufügte.

„Im Ernst, die Werbung muss funktioniert haben. Ich kann nicht fassen, wie viele neue Gesichter ich hier heute Abend sehe.“

Suzy hatte recht. Der Laden summte vor Energie neuer Clubbesucher und ich hoffte, das bedeutete, dass viele von ihnen eine Mitgliedschaft erwerben würden. Ich wusste, dass es vielen dieser Leute, wenn sie erst einmal einen Vorgeschmack darauf erhalten hatten, was der Club zu bieten hatte, schwerfallen würde, nicht wiederzukommen, um das Verlangen, mit dem sie unvermeidlich infiziert wurden, zu befriedigen.

„Du machst deine Arbeit ja auch spitze“, lobte ich sie und stupste sie mit meiner Hüfte. „Ehrlich, der Laden war seit langer Zeit nicht mehr so voll und ich denke, Stew wird merken, dass wir uns der Herausforderung erfolgreich gestellt haben.“

„Das musst ausgerechnet du sagen“, meinte Suzy, während sie grinste und hinab auf den fünfzig Dollarschein blickte, den ich aus meinem Dekolleté fischte. „Mädel, sie lieben dich hier. Vergiss das bloß nicht. Der Club könnte sich keine bessere Barkeeperin als dich wünschen. Du wirst es weit bringen.“

Ich lächelte und war froh darüber, dass das merkwürdige Gefühl in meinem Magen, das ich zu Beginn des Abends verspürt hatte, verschwunden war. Ich wusste noch immer nicht, woher das alles gekommen war. Vielleicht war es nichts weiter als mein Streit mit Kevin am Telefon, wegen dem ich dieses komische Gefühl bezüglich der Arbeit heute Nacht gehabt hatte. Wie dem auch sei, ich schob diese Gedanken zur Seite und konzentrierte mich auf das, was vor mir lag. Suzy hatte recht – ich sahnte ein Trinkgeld nach dem anderen ab und wenn es so weiter ging, würde ich diesen Monat den doppelten Schuldenbetrag abbezahlen können. Ich wusste, was für ein Glück ich hatte, diesen Job zu haben, und es gab nichts in der Welt, das mich dazu verführen könnte, den Club aufzugeben.

„Ladies!“ Meine kurze Pause war vorüber, als unser Manager, Stew, sich einen Weg durch die Menge und hinter die Bar bahnte. Stew war ein riesiger Kerl von zwei Metern und hundertdreißig Kilogramm. Er war ein ehemaliger Linebacker und wachte über sämtliche Verkäufe hier im Club.

Er sah sich um und schwenkte mit einer Hand die Länge der Theke entlang. „Ihr zwei seid spitze. Vielen Dank, dass ihr die zusätzliche Arbeit mit all den neuen Gästen übernommen habt. Ich glaube nicht, dass sich die Eigentümer bewusst waren, wie sehr sich diese Werbung auszahlen würden, als sie sie geschaltet haben. Aber hier sind wir und es sieht aus, als würde es fantastisch werden.“

„Freut mich auch, das zu sehen“, erwiderte ich mit einem ehrlichen Lächeln.

„Jetzt, da ich euch genügend Honig um den Mund geschmiert habe, muss ich speziell dich, Samara, um einen Gefallen bitten.“

Ich zog eine Augenbraue hoch. „Okay?“

„Ich weiß, morgen ist eigentlich dein freier Tag, aber –“

„Soll ich morgen herkommen? Das ist kein Problem“, platzten die Worte aus mir heraus. Ich freute mich immer darüber, eine zusätzliche Schicht zu übernehmen.

Stew schüttelte den Kopf. „Nun, nicht ganz. Ich werde Lori herholen, damit sie Suzy morgen Nacht aushilft, aber ich habe mich gefragt, ob du morgen Nacht vielleicht zur New Yorker Filiale gehen könntest. Sie haben dort ein großes Event und in Kombination mit all den neuen Besuchern wegen der Werbekampagne brauchen sie so viele Hände an Bord, wie sie nur kriegen können. Deine Zeit wird auch mit fünfzig Prozent Zuschlag vergütet.“

Meine Augen weiteten sich. Ich hatte noch nie in der New Yorker Filiale des Club V gearbeitet. Ich hatte noch nicht einmal einen Fuß in den Laden gesetzt, aber ich kannte dessen Ruf. Und dieser Ruf war es, der die wirklich Reichen anlockte. Sicher, hier in New Jersey sahen wir auch so einiges an Geld durch die Türen spazieren, dank der Leute, die hier draußen in den Pendlergegenden lebten und in der Stadt hochbezahlte Jobs arbeiteten, und dank der Leute, die Jobs in der Glücksspielindustrie hatten oder auf diese Weise ihr Geld verdienten.

Aber New York City! Helle Lichter, große Stadt… und Leute mit einem verrückten, unersättlichen sexuellen Appetit. Ich schätzte, dass ich lediglich darauf hoffen musste, dass sie auch ihre Getränke bodenlos mochten.

„Absolut. Kein Problem, Stew. Ich hatte sowieso nichts vor.“ Ich warf Suzy einen Blick zu, da ich an unser Gespräch von vorhin über meine jetzt beendete Beziehung mit Kevin dachte.

„Klasse! Ich werde den Anruf machen und ihnen Bescheid geben, dass du dort sein wirst. Die Schicht beginnt um 19 Uhr. Vielleicht solltest du ein bisschen früher erscheinen, damit sie dir die Örtlichkeiten zeigen können. Oh, und du wirst dir eine der Club V Blusen besorgen müssen. Bei dieser Filiale sind sie mit dem einheitlichen Aussehen der Barkeeper etwas strenger.“

Ich nickte aufgeregt und konnte mich gerade noch daran hindern, nicht zu Stew zu eilen und ihn zu umarmen. Er besprach noch ein paar anstehende Events des Clubs mit uns und verschwand dann wieder in seinem Büro.

Suzy drehte sich, um mich mit großen Augen anzuschauen. „Du wirst in NYC arbeiten!“

„Nur für eine Nacht…“

„Yeah, aber man weiß nie, was sich daraus ergeben könnte. Und mein Gott, du weißt, wie viel Geld sie in dieser Filiale einnehmen… nun, ich meine, wir wissen es nicht wirklich, aber du weißt schon, es ist eine gigantische Menge. Diese fünfzig Dollar, die dir Tommy zwischen die Möpse gesteckt hat? Yeah, in New York werden es wohl eher eintausend Dollar sein. Hast du schon mal einen Tausenddollarschein gesehen?“ Suzy lehnte sich an die Wand und stieß ein atemloses Seufzen aus.

„Ich bezweifle, dass irgendjemand tausend Dollar zwischen meine Möpse stecken wird.“

Suzy schüttelte den Kopf. „Du hast recht, so sind sie dort nicht drauf.“ Sie beugte sich näher zu mir und flüsterte kichernd: „Sie werden versuchen, es dir in deine Pussy zu schieben!“

Ich schlug nach ihr und funkelte sie kurz finster an, bevor ich loszog, um ein weiteres Weinglas zu füllen. Als ich zurückkehrte, lachte sie noch immer.

„Aber im Ernst, Samara, du weißt, du wirst dort auf dich aufpassen müssen. Ich war noch nie dort, aber ich habe gehört, dass sie die Dinge in dem Laden etwas anders handhaben. Du weißt ja, was man sich so erzählt… über diesen Raum.“

Niemand, der mit dem Ruf des Club V nicht vertraut war, würde wissen, von welchem ‚Raum‘ Suzy redete, aber da ich mittlerweile seit einem Jahr für die New Jerseyer Filiale arbeitete, war ich nur allzu vertraut mit den Gerüchten, die sich um diesen Club rankten.

Die Leute behaupteten, es sei ein Auktionsraum, den Männer aufsuchen konnten, um Frauen für ihr Vergnügen und Zwecke zu kaufen. Das waren natürlich alles nur Gerüchte und niemand, den Suzy oder ich kannten, hatte jemals einen der Räume gesehen. Club V hatte Filialen im ganzen Land und wuchs mit jedem Jahr. Wenn die Gerüchte der Wahrheit entsprachen, dann besaß Club V einen Auktionsraum in allen größeren Filialen – New York, Los Angeles, Las Vegas, Chicago und Dallas. Was in diesen Auktionsräumen passierte, konnte man sich nur ausmalen, denn, soweit ich wusste, hatte noch keine lebende, atmende Person mit Verbindungen zum Club, die ich kannte, jemals auch nur einen Fuß in einen solchen Raum gesetzt.

„Dir ist schon klar, dass das alles nur eine Art urbanes Märchen sein könnte. Du weißt doch, wie solche Geschichten in Umlauf geraten. Vermutlich hat eine Kellnerin in einem der Läden etwas in einem der privaten Räume gesehen, das sie nicht verstanden hat. Sie hat es einer Freundin erzählt und da hast du es schon. Das ist wie Flüsterpost und niemand weiß, wo sie ihren Anfang genommen hat.“

Suzy zuckte mit den Achseln und reichte einem der Bargäste eine Rechnung zum Unterschreiben. „Ich sag ja bloß…“, sie rückte näher zu mir, um in gedämpftem Tonfall weiterzusprechen, „du musst in so einem Schuppen den Kopf hochhalten und stark bleiben. Weißt du, warum ich hier bin? Ich weiß, dass ich Stew vertrauen kann. Ich würde nicht hier arbeiten, wenn wir nicht die Sorte Manager hätten, bei dem ich weiß, dass ich ihm zu hundert Prozent vertrauen kann. Ich glaube zwar an die Club V Marke – du weißt genauso gut wie ich, wie gründlich sie ihre Mitglieder durchleuchten – aber NYC ist der größte Club, den sie besitzen, und ich habe Geschichten darüber gehört, was manche der Leute verlangen, die dort aufschlagen. Klar, hier wird auch BDSM betrieben, aber ich würde sagen, dass es ziemlich harmlos ist. New York hingegen bietet die elitärsten, exklusivsten Dinge an. Sie erfüllen jeden Kundenwunsch. Du musst nur darauf achten, dass du niemandes Aufmerksamkeit erregst oder zu einem Wunsch wirst.“

Ich verdrehte die Augen. „Schau, ich werde eine Uniform anhaben. Und wie du schon sagtest – der Laden ist super elitär und exklusiv. Wenn die Kerle hier wissen, dass wir nicht belästigt werden dürfen, dann bin ich mir sicher, dass die Mitglieder in dieser Filiale die Regel ebenfalls kennen.“

Suzy nickte schließlich. „Ich freue mich wirklich für dich, Samara. Ich weiß, dass die zusätzlichen Stunden und Lohn in NYC vermutlich fast den Einnahmen von zwei Wochen deiner regulären Arbeit hier entsprechen und ich weiß, dass du das Geld gebrauchen kannst. Ehrlich, ich bin wahrscheinlich nur ein bisschen neidisch.“ Sie sagte den letzten Teil mit einem Grinsen. „Und tu dir keinen Zwang an, meine Nummer allen verfügbaren Typen zu geben, die dir über den Weg laufen. Wenn sie Mitglieder des NYC Clubs sind, dann spricht nichts dagegen, dass ich sie date.“

Ich nickte und lächelte meine beste Freundin an. „Das stimmt, deine persönliche Kupplerin steht direkt vor dir. Was in aller Welt würdest du nur ohne mich machen?“

Sie winkte lässig mit der Hand ab. „Eindeutig weiterhin Loser daten.“

„Du hattest mehr Glück als ich“, erwiderte ich mit leichter Verbitterung in der Stimme. Es wäre wirklich super gewesen, wenn sich irgendeine der kurzlebigen Beziehungen, die ich seit Collegebeginn geführt hatte, als mehr als nur ein Zeitvertreib entpuppt hätte. Aber ich hatte mich fast schon damit abgefunden, mir keine Sorgen mehr darum zu machen, Dates zu finden. Es würde immer Männer geben, so viel wusste ich. Ich würde mir selbst einen Gefallen tun, wenn ich meine Zeit damit verbrachte, mich auf die Schule und Arbeit zu konzentrieren.

„Stimmt“, stimmte Suzy mir zu. Sie ließ ihren Blick über die Menge schweifen, die sich zu zerstreuen begann.

Später am Abend verzogen sich die Leute in die Nischen oder privaten Bereiche. Die privaten Zimmer füllten sich in der Regel schnell. Die ersten Zimmer, die besetzt wurden, waren stets die Voyeur-Räume, die über eine Glasscheibe zum Voyeur-Gang verfügten. Ich hatte diesen Gang mehrere Male durchschritten, aber es hörte nie auf, mich zu schockieren und zu erregen, wenn mir bewusstwurde, dass ich zu allen Seiten von nackten Körpern umgeben war, die sich vor Lust wanden.

Von unserem Standpunkt an der Haupttheke aus konnten wir die weite Fläche des großen Hauptbereiches überblicken und den Pool sehen, in dem sich einige Leute in mickrigen Badeanzügen oder gar nichts vergnügten. Zu diesem Zeitpunkt des Abends war alles ziemlich spektakulär, aber an der Bar begann sich die Lage zu beruhigen. Es würden dennoch ein paar Leute hierherkommen und Drinks verlangen. Diejenigen, die bereits an dem teilgenommen hatten, was auch immer sie im Club an diesem Abend hatten tun wollen, oder diejenigen, die die Bar als das nutzten, was sie war – ein Ort, an dem sie ihren Sorgen bei einem freundlichen Zuhörer Luft machen konnten. Und im Falle von mir, Suzy und allen anderen, die im Club V bedienten, erhielten unsere Gäste auch noch etwas fürs Auge, das sie jeden Abend in ihren Erinnerungen mit nach Hause nehmen konnten.

„Ich hätte allerdings nichts dagegen, einen reichen Kerl zu haben, weißt du. Einen von der Sorte, wie wir sie hier sehen“, meinte Suzy.

Ich ließ meinen Blick prüfend durch den Raum schweifen. „Meinst du wirklich, dass du einen Typen willst, der hierherkommen würde?“

Sie zuckte mit den Schultern, während sie anfing, den Bereich hinter der Bar zu putzen.

„Natürlich nicht unbedingt hier, da es nicht erlaubt ist. Aber ja, ich denke, ich hätte nichts gegen einen Kerl aus einem der anderen Clubs. Nur, um mal eine Weile gut behandelt zu werden.“

Ich dachte gründlich über das nach, was ich als Nächstes sagen würde. Niemand war in der Nähe, der mich hätte hören können, und ich würde niemals etwas vor einem Gast sagen, aber ich hatte meine Vorbehalte gegenüber einigen dieser Männer.

„Du hast nichts gegen… du weißt schon, das, worauf sie stehen? Manche von denen können ziemlich Furcht einflößend werden.“

„Ich weiß, was du meinst. Aber es gibt hier auch ein paar richtige Vanilla Kerle. Ich bin mir sicher, dass es in NYC auch einige Leute gibt, die nur zum Vögeln dort sind oder um andere zu beobachten. Nicht jeder steht auf Analplugs und Ballknebel, aber ich verurteile deinen Geschmack nicht, Samara.“ Sie rempelte mich mit ihrem Ellbogen an und lachte.

Ich lächelte nur und winkte ab. „Yeah, ich glaube wirklich nicht, dass das mein Stil ist.“

Suzy schenkte mir ein schiefes Lächeln. „Das wirst du erst wissen, wenn du es ausprobierst. Hast du da schon mal drüber nachgedacht?“

„Analplugs und Ballknebel?“

Suzy rollte mit den Augen. „Nein, endlich deine Jungfräulichkeit zu verlieren. Ich möchte dich niemals unter Druck setzen und ich weiß, du hast deine Gründe, aber ich denke, es könnte eine gute Idee sein, wenn du einfach ein bisschen lockerlässt. Es muss beim ersten Mal nicht perfekt sein. Ich würde sogar sagen, dass du Schwierigkeiten haben wirst, viele Leute zu finden, die ihr erstes Mal als perfekt beschreiben würden. Es ist normalerweise unbeholfen und chaotisch und peinlich.“

Ich räumte ein paar Gläser weg und stapelte sie in einer Kiste, in der sie später nach hinten zum Spülen getragen werden würden.

„Bei dir hört sich das Liebemachen nach so viel Spaß an, Suzy. Wirklich, jeder sollte es kaum erwarten können, so was zu machen.“

Sie hielt einen Finger in die Luft. „Ah, ich verstehe! Das ist der Punkt, an dem du dich irrst. Du redest von Liebe und ich rede von gutem, altmodischem Ficken. Lass einfach los und treib es mit einem Kerl. Such jemanden, der ein bisschen älter ist, und achte darauf, dass er weiß, was er tut. Man sagt, dass es ein gutes Zeichen ist, wenn er tanzen kann. Such dir einfach einen und dann tu es.“ Suzy streckte eine Hand aus und rieb über meinen Arm. „Du hast den Körper einer Göttin! Hier sind jede Nacht Dutzende Typen, die dafür sterben würden, mit dir ins Bett zu gehen. Und wenn sie wüssten, dass du noch Jungfrau bist… heilige Scheiße, Samara. Männer verehren Frauen in so einer Situation.“

Ich blickte sie düster an. Sie wusste ganz genau, dass das nicht die Reaktion war, die ich von Kerlen, die ich gedatet hatte, erhalten hatte, wenn sie herausfanden, dass ich noch nie Sex gehabt hatte.

„Ähmm, was? Auf keinen Fall. Keiner von den Typen, mit denen ich ausgegangen bin, ist darauf abgefahren. Und wenn das nicht der Fall war, wollten sie mich so weit und so schnell drängen, dass ich die Reißleine ziehen musste.“

„Das liegt daran, dass du mit Jungs ausgehst, Baby. Es ist an der Zeit, dass du dir einen Mann zum Daten suchst. Ich meine das ernst. Du musst einen ausgewachsenen Gentleman finden, der weiß, was Sache ist. Halt in NYC die Augen offen. Diese Managertypen drängen sich immer zu Hauf in solchen Schuppen. Du musst dir einen suchen, der dir hilft und dann lässt du ihn nie wieder gehen.“

3

Die U-Bahnfahrt in die Stadt am nächsten Abend war lang und mir unbekannt. Ich hätte mit dem Auto fahren können, aber das wäre einfach nur ein Albtraum gewesen. Auf meinem Handy hatte ich eine U-Bahnkarte gefunden, die ich jetzt immer mal wieder rauszog, um mich zu vergewissern, dass ich meine Haltestelle nicht verpasste. Weil ich nicht irrtümlich für einen Touristen gehalten werden wollte, hielt ich den Kopf hoch erhoben und versuchte, den Anschein zu erwecken, als wüsste ich, was ich tue, obwohl ich ein bisschen Angst hatte, allein durch die Stadt zu reisen. So etwas machte ich nicht oft und obwohl ich Vertrauen in meine Fähigkeiten hatte, durfte ich in meiner Wachsamkeit nicht nachlassen und die Verbrechen vergessen, die Frauen manchmal in öffentlichen Verkehrsmitteln passierten.

Einige Haltestellen später wurde ich auf gruselige Weise daran erinnert, als ein älterer Mann den Wagon betrat und sich direkt vor meinen Platz stellte, sodass ich seinen Schritt beinahe im Gesicht hatte. Ich stand auf und lief durch den Wagon, nur um festzustellen, dass er mir dicht auf den Fersen war. Da ich mir seiner Absichten nicht sicher war – ob sie pervers oder schlichtweg kriminell waren – stellte ich mich neben eine andere Frau. Ich beobachtete den Mann, als er stoppte und mich anstarrte, während sich ein breites Grinsen, bei dem mehrere Goldzähne aufblitzten, auf seinem Gesicht ausbreitete.

Es war ein Fehler gewesen, bereits in meiner Arbeitskleidung in die U-Bahn zu steigen. Netzstrümpfe, Heels und ein Minirock riefen bei den Leuten im Zug nur eine hervor und ich hoffte einfach, dass ich wenigstens nach High-end aussah, wenn sie schon Vermutungen anstellten. Für die Dauer der Fahrt ignorierte ich die unerwünschte Aufmerksamkeit und erreichte schließlich meine Haltestelle. Ich sprang auf und eilte aus den Türen, die Plattform entlang und die Treppe zur Straße hinauf.

Der Club V lag nur ein paar Blocks von der U-Bahn-Haltestelle entfernt und ich war innerhalb kürzester Zeit dort, ohne auf weitere Probleme mit Menschen zu treffen, denen ich auf der Straße begegnete. Dieser Club V machte, wie auch der bei uns zu Hause, von außen nicht viel her. Hier schien es jedoch aus Diskretionsgründen zu sein, da viele der Clubbesucher tatsächlich Mitglieder der Gesellschaftselite waren. Klar, zu Hause hatten wir die auch und unterhielten oft Männer, die bekanntermaßen Mitglieder von Mafiafamilien waren, aber hier bespaßten sie Schauspieler, Diplomaten, Medienleute und Politiker, die in der Stadt waren und in mehreren Nachrichtensendern auftraten.

Das Gebäude des Club V war einst eine Textilfabrik. Es umfasste zwei Stockwerke, wovon jedes übermäßig hoch war und über die hohen Fenster verfügte, die so typisch für die Fabriken waren, die vor über hundert Jahren gebaut worden waren. Der Großteil dieser Fenster schien von Innen verdunkelt worden zu sein, um das Ambiente, für das Club V bekannt war, zu kreieren. Doch von außen war die Schönheit des alten Gebäudes recht eindrucksvoll. Wären da nicht die Worte „Club V“, die in eine Messingplatte in der Nähe der Eingangstür eingraviert waren, würde man niemals vermuten, was hinter diesen Wänden vor sich ging. Ich hegte den Verdacht, dass es viele trotzdem nicht wussten, da man nicht Google um Hilfe bitten konnte, um irgendetwas über diesen Laden rauszufinden. Ich wusste das, weil ich es viele Male probiert hatte, bevor ich vor über einem Jahr das ursprüngliche Jobangebot angenommen hatte.

Ich lief um die Seite des Gebäudes und drückte einen Knopf am Personaleingang.

„Ja?“, erklang eine Stimme über die Sprechanlage.

„Ähm… hi. Ich bin Samara, Samara Tanza. Von der Filiale in New Jersey. Ich bin hier, um heute Abend an der Bar auszuhelfen.“

Es entstand eine Pause und einen Moment fragte ich mich, ob ich weggeschickt werden würde und mir grauste es bereits vor der langen U-Bahnfahrt nach Hause.

„Richtig, richtig. Ich lass dich rein.“

Es summte und dann klickte es und ich konnte die schwere Tür aufdrücken, die zwischen mir und dem Inneren des Club V stand. Sie war so schwer, dass sie schnell und fest hinter mir ins Schloss fiel, wodurch ich in das kleine Foyer gestoßen wurde. Einen Augenblick war alles in undurchdringliche Schwärze gehüllt und ich musste meinen Augen eine Sekunde Zeit geben, damit sie sich an die Abwesenheit von Licht gewöhnen konnten. Nach einigen Sekunden wurde deutlich, dass es nicht richtig dunkel im Gebäude war, nur dämmrig und das insbesondere in diesem kleinen Bereich des Clubs.

Eine Frau in einem kurzen, hautengen roten Bandage-Kleid tauchte aus dem Nichts auf, lächelte mich an und streckte mir zur Begrüßung ihre Hand entgegen.

„Samara… es ist mir eine Freude, dich kennenzulernen. Ich bin Elle, die Personalchefin hier. Warum folgst du mir nicht. Jake wollte dich noch sehen, bevor du zur Einarbeitung mit einem unserer leitenden Barkeeper geschickt wirst.“

Ich wusste nicht, wer Jake war, aber ich nahm an, dass er die NYC Version von Stew war und daher folgte ich Elle durch den Flur zu einem der Büros.

„Jake ist einer der Miteigentümer. Er möchte dir nur kurz die Firmenregeln erklären und dir die Erwartungen, die wir hier in der NYC Filiale haben, mitteilen. Ich bin mir sicher, das meiste kennst du schon aus New Jersey, aber es könnte vielleicht ein paar Unterschiede geben. Wir rühmen uns damit, eine sehr exklusive Mitgliederliste zu führen und tun alles, das in unserer Macht steht, um ihre Privatsphäre zu schützen. Ich denke, du verstehst, worauf ich damit hinauswill.“

Ich nickte, dann realisierte ich, dass sie mich nicht sehen konnte, weil ich ihr folgte, und daher sprach ich: „Oh, richtig. Natürlich. Ja, außerhalb des Clubs reden wir nie über unsere Gäste.“

„Das ist großartig“, sagte Elle. Ich konnte das Lächeln in ihrer Stimme hören. „Ich bin mir sicher, es wird dir Spaß machen, Jake kennenzulernen. Hier ist sein Büro.“

Das Büro lag in der gegenüberliegenden Ecke und die Tür schwang auf, um einige dieser gigantisch hohen Fenster zu offenbaren, die ich von außen gesehen hatte. Nur waren diese nicht verdeckt und das spätabendliche Licht drang in das schummrige Büro.

„Jake, das ist Samara“, stellte Elle mich vor. Sie lächelte und schloss die Tür hinter sich, sodass ich allein dort stehen blieb, während Jake langsam seinen Bürostuhl umdrehte und sich erhob, um mich zu begrüßen.

Er grinste, während er mit in den Hosentaschen vergrabenen Händen dastand. Der hellgraue Anzug, den er anhatte, war gut geschnitten und passte ihm perfekt. Er war ein großes, umwerfendes Bild von einem Mann mit rabenschwarzen Haaren, vollen Lippen, olivfarbener Haut und Augen, die irgendwo zwischen blau und grau rangierten.

Ich schwieg und realisierte, dass ich ihn angestarrt und er das ebenfalls getan hatte. Unsicher, von wem erwartete wurde, zuerst das Wort zu erheben, sprach ich schließlich.

„Hi… Jake.“

Er nickte. „Ich lerne gerne alle neuen Leute, die wir an Bord holen, kennen. Nur um eine Vorstellung davon zu bekommen, wer neu in diesem Bereich ist und wer vielleicht Unterstützung braucht.“ Er trat um seinen Schreibtisch und nach vorne, um mich zu begrüßen, wobei er eine Hand ausstreckte, um meine zu schütteln. „Samara? Hübscher Name.“ Seine Worte waren wie Butter. Ich war mir nicht sicher, aber es klang auch, als hätte er einen ganz leichten Akzent und das machte diesen ohnehin schon unglaublich gut aussehenden Adonis sogar noch attraktiver.

„Dankeschön“, sagte ich in dem Versuch, mich so cool wie möglich zu geben. Wenn jeder in diesem Laden nur halb so gut aussah wie Jake, dann würde es eine lange, aber spaßige Nacht mit jeder Menge Sahneschnittchen werden.

„Ich hoffe, dir wird deine Zeit hier gefallen. Und nicht, dass ich darauf aus bin, jemanden von einer unserer anderen Filialen abzuwerben, aber du solltest wissen, dass jemand von deinem Kaliber hier im Club V NYC immer willkommen ist. Ich habe gehört, was für eine fantastische Barkeeperin du in Jersey bist und du bist mir wärmstens empfohlen worden.“

Ich spürte, wie mir Hitze ins Gesicht stieg. „Nun, Stew ist zu freundlich. Die Arbeit im Club V im vergangenen Jahr hat mir wirklich Spaß gemacht und ich könnte mir keinen besseren Arbeitsplatz für mich vorstellen.“

Jake rieb sich nachdenklich über das Kinn. „Wie sehen deine Langzeitziele bezüglich deiner Beschäftigung bei uns aus?“

Niemand hatte mir jemals zuvor diese Frage gestellt, mit Ausnahme von Stew, als er mich zur Barkeeperin befördert hatte, nachdem ich einige Monate gekellnert hatte.

„Mir macht die Arbeit hinter der Bar wirklich Spaß. Um ehrlich zu sein, ist es das, was ich tue, um meine Collegegebühren bezahlen zu können. Dafür ist es super. Das Trinkgeld ist wunderbar und bis jetzt konnte ich alles selbst bezahlen, ohne Hilfe von meinen Eltern.“

Etwas schien über Jakes Gesicht zu huschen. „Wie alt bist du?“

„Neunzehn“, antwortete ich, ohne zu zögern.

„Wow… ich schätze, ich bin einfach davon ausgegangen, dass du etwas älter als das bist. Oh nun gut, immer noch legal.“

Der Satz erschütterte mich und ich war mir sicher, dass meine Augen weit aufgerissen waren.

„Ich meine… legal, um in New Jersey und New York hinter der Bar zu stehen“, fügte er mit einem Lachen an. „Aber im Ernst, hast du jemals den Wunsch verspürt, im Club einen Schritt weiter als diese Stelle zu gehen?“

Es dämmerte mir allmählich, was Jake, einer der Mitinhaber des Club V, mich fragte. Diesem Mann gehörte nicht nur der Club, er war auch Teilhaber all der anderen Clubs in den Vereinigten Staaten und mittlerweile gab es einen in jedem Staat.

Beruhig dich, Samara. Er stellt jeder einzelnen Frau, die durch diese Tür tritt, die gleiche Frage. Jetzt antworte ihm.

„Du meinst… ob ich daran interessiert bin, im Hauptbereich zu arbeiten?“

Im Hauptbereich arbeiten. Das war die Bezeichnung, die wir benutzten. Es war die Bezeichnung, die die Frauen, die es machten, benutzten, anstatt allzu offen darüber zu reden. ‚Ich arbeite im Hauptbereich des Club V‘ war etwas, das man in der Öffentlichkeit erzählen konnte und dabei noch immer respektabel klang. Dabei war ‚im Hauptbereich arbeiten‘ in Wahrheit eine Umschreibung dafür, dass man für Sex mit einem oder vielen Männern bezahlt wurde, wobei noch unterschiedliche Grade an BDSM und andere Akte dazukamen.

„Das ist genau das, was ich dich frage, ja.“

Ich würde lügen, würde ich behaupten, dass ich noch nie zuvor darüber nachgedacht hätte, im Hauptbereich zu arbeiten. Ich wusste, wie viel Geld die Mädels machten, und es war sehr verlockend. Obgleich sie Verträge mit dem Club hatten, war es ihnen auch erlaubt mit den meisten der Eliteclubmitglieder außerhalb des Clubs ‚professionelle Beziehungen‘ zu unterhalten. Der Club V agierte dabei als eine Art Mittelmann oder Vermittler der Geschäfte. Dieser Teil wurde jedoch totgeschwiegen. Was im Club vor sich ging, war privat und jeder wusste das. Niemand sprach außerhalb des Clubs davon. Mitglieder bezahlten hohe Preise, damit diese Informationen nicht in den Nachrichten landeten.

Alle Angestellten wussten jedoch, dass das etwas war, das mehrere unterschiedliche Gesetze umging, und es lediglich einer einzigen Razzia bedurfte sowie einer falschen Sache in den Büchern und das Ganze würde in Rauch aufgehen. Es handelte sich um organisierte Prostitution in gigantischem Ausmaß. So würden zumindest die Gesetzeshüter und die Regierung es sehen, wenn sie jemals beschlossen, tief genug zu graben. Meine Vermutung war schon immer, dass Club V seine Krallen tief in einen großen Fisch geschlagen hatte und dieser dafür sorgte, dass in keiner der Filialen Razzien durchgeführt wurden.

Aber hatte ich Interesse daran, dieser Art von Arbeit nachzugehen? Ich wusste, dass es uns erlaubt war, unsere eigenen Komfortlevel festzulegen. Ich könnte dort draußen im Hauptbereich herumgehen und nichts anderes tun, als mich auf Schöße zu setzen, hier und da ein paar Küsse zu verteilen sowie ab und zu vielleicht einen Handjob anzubieten. Doch ich wusste, dass die Frauen, die in dieses Geschäft mit dem Plan einstiegen, nur so weit zu gehen, ihre Grenzen selten einhielten. Es war verführerisch, wenn man erst einmal dort draußen war, insbesondere, wenn man von einem der edelsten Männer, den man jemals gesehen hatte, nach allen Regeln der Kunst umworben wurde. Wenn er einem immer und immer wieder erzählte, wie sehr er einen wollte. Dass er dich in eines der Zimmer mitnehmen, deine Beine spreizen und mit dem Kopf voran in deine Pussy tauchen möchte. Allein der Gedanke daran erzeugte in meinem ganzen Körper ein Prickeln.

Natürlich hatte ich darüber nachgedacht. Und ich hätte es vielleicht sogar getan, wäre ich nicht noch immer Jungfrau. Für mich war das der Knackpunkt. Nur für Geld würde ich mich nicht hergeben. Die Bezahlung war gut, aber sie war nicht so gut. So dringend brauchte ich das Geld auch wieder nicht.

Ich schüttelte verneinend den Kopf. „Nein, ich habe momentan kein Interesse daran, im Hauptbereich zu arbeiten.“

Er zog eine Augenbraue hoch. „Momentan nicht, also vielleicht in der Zukunft?“

Ich lächelte und senkte leicht den Blick. „Es gibt ein paar Dinge in meinem Privatleben, die ich gerne klären würde, bevor ich so etwas in Erwägung ziehe.“

Jake nickte und musterte mich nachdenklich, während er näher zu mir trat. Ich atmete scharf ein, weil mir bewusstwurde, dass wir nur Zentimeter voneinander entfernt waren. Ich war mir nicht sicher, ob es eine Nebenwirkung des Clubs war oder ob ich mich wirklich zu diesem Mann hingezogen fühlte oder ob es eine Kombination aus beidem war. Er streckte eine Hand aus und strich mir die Haare aus dem Gesicht.

„Nun, behalt es im Kopf, falls du jemals Interesse hast. Was mich angeht, so wartet hier jederzeit ein Job auf dich.“

„Das weiß ich zu schätzen.“ Seine Hand lag leicht auf meiner Schulter und ich konnte spüren, wie mein Herz raste.

„Es gibt nur noch eine Sache“, sagte er, wobei er die Stirn in Falten legte und an meiner Bluse hinabsah. „Deine Knöpfe. Hast du was dagegen?“

Oh Gott, hatte ich vergessen, einen der Knöpfe meiner Bluse zu schließen? Hatte ich deswegen all die Aufmerksamkeit in der U-Bahn auf mich gezogen? Vielleicht hatte ich für alle Mitfahrer eine Peepshow hingelegt.

„N-nein…“, stammelte ich.

Geschickt knöpfte Jake zwei der Knöpfe an meiner Bluse auf und öffnete diese, um eine ziemliche Menge Dekolleté und einen Hauch scharlachroter Spitze meines BHs zu entblößen. Dann entfernte er seine Hand und wich höflich zurück.

„Club V NYC Standard – die obersten vier Knöpfe müssen offen bleiben. Du kannst den Gang runter gehen und dann nach rechts. Celeste wird dort sein, um dir die Bar zu zeigen und dir alles zu erklären.“

Ich verließ Jakes Büro völlig verblüfft. Ich war mir nicht sicher, was ich gedacht hatte, das passieren würde, aber dass er meine Bluse aufknöpfen würde, war es jedenfalls nicht gewesen. Ich glaubte nicht, dass daran irgendetwas wirklich Sexuelles oder Unangemessenes gewesen war. Ehrlich gesagt, war das Zurückstreichen der Haare aus meinem Gesicht vermutlich schlimmer als das Aufknöpfen an sich. Der Mann hatte mir keinerlei Hinweise gegeben, dass er sich zu mir hingezogen fühlte. Je länger ich darüber nachdachte, während ich wieder durch den schwach beleuchteten Gang lief, desto mehr begann ich zu glauben, dass das wahrscheinlich das gleiche Gespräch war, das er mit jeder Frau führte, die durch die Türen dieses Clubs trat, um hier zu arbeiten. Natürlich wollten sie eine junge Frau lieber im Hauptbereich sehen als hinter der Theke.

Und mein Alter. Das war die Krönung. Ich sah älter aus, weshalb ich nicht die Leute anziehen würde, die auf der Suche nach Jüngeren sind. Das Wissen, dass ich erst neunzehn war, würde jedoch einen Teil dieser Kerle wirklich scharf machen. Plus die Jungfrauengeschichte… Ich machte mir eine geistige Notiz, dieses Wissen für mich zu behalten. Suzy wusste es, aber Suzy war meine beste Freundin und sie war zu Hause. Es bestand kein Grund, dass irgendjemand in diesem speziellen Etablissement dieses kleine Detail aus meinem Privatleben erfahren musste.

Die Bar war genau da, wie Jake es mir beschrieben hatte und ich fand Celeste dort stehend vor, während sie ein Inventurblatt überprüfte.

„Hi, Celeste?“

Sie sah von ihrem Klemmbrett auf und wirkte nur leicht verärgert, weil sie unterbrochen worden war. Ich konnte mich recht schnell davon überzeugen, dass vier geöffnete Knöpfe tatsächlich dem Standard des Club V NYC entsprachen.

„Du musst Samara sein. Willkommen in meiner Bar.“ Sie schwenkte ihre Hand einmal im Kreis. „Es ist meine Bar. Das wirst du dir merken müssen. Ich weiß, du hast bei dir zu Hause deinen eigenen Standard und ich bin mir sicher, dass es ein hoher ist und das ist prima. Aber behalt im Kopf, dass das hier mein Laden ist. Ich bin hier die Herrin im Haus. Und auch wenn ich dir am Anfang gerne aushelfe, bist du hier, um mich zu unterstützen. Es verhält sich nicht anders herum.“

Ich knickte. „Alles klar.“

Sie musterte mich einmal von oben bis unten. „Ich sehe, du hast Jake schon kennengelernt und er hat dich über unsere Knopfregel informiert.“ Sie verdrehte die Augen. „Er ist größtenteils harmlos. Ich frage mich allmählich, ob es ein Insiderwitz zwischen ihm und den anderen Besitzern ist. Wie auch immer, so lange du nicht sofort aus dem Gebäude rennen und eine Klage wegen sexueller Belästigung einreichen willst, gehe ich mal davon aus, dass du bereit bist, anzufangen?“

„Jep, ich bin startklar.“

Celeste legte das Klemmbrett ab. Sie hatte einen kurzen und ernst aussehenden Bob und ich merkte schon, dass diese Frau ganz geschäftsmäßig war und sich nichts bieten ließ.

„Also, unsere Ausstattung entspricht so ziemlich dem Standard. Ich denke nicht, dass du hinter der Bar irgendwelche Probleme haben wirst. Samstagabends wird es hier immer richtig voll und wegen der Werbekampagne erwarten wir ungefähr das doppelte unserer üblichen Gästezahlen. Ich bin mir nicht sicher, ob die Besitzer das Ganze auch bis zu Ende durchdacht haben, aber wir werden es irgendwie schaffen müssen.“

Celeste klang verzweifelt. „Zu allem Überfluss kommt noch hinzu, dass einige unserer Mädels hier in den Hauptbereich und nach oben gewechselt sind. Arbeitest du in deinem Club im zweiten Stock?“

Ich schüttelte den Kopf. „Nicht mehr. Ganz am Anfang habe ich dort ab und zu gearbeitet.“

„Hier ist es so ziemlich derselbe Aufbau, falls du doch mal hochgehst. Eine offene Lounge, einige private Nischen und die Sky-Bar.“

Die Sky-Bar war eines der wenigen Dinge, die Aufmerksamkeit auf den Club V lenkte. Ich wusste aufgrund der Gebäudearchitektur nicht, wie sie in dieser Filiale aussehen würde, aber zu Hause war die Sky-Bar eine Bar, die zu einem Balkon führte. Eine Menge Leute kamen zur Eingangstür und verlangten, hereingelassen zu werden in dem Glauben, dass sie einfach hochgehen und dort einen Drink genießen könnten. Es schien ein gutes Werbemittel zu sein und die Mitglieder waren so weit von der Straße entfernt, dass ihre Privatsphäre nach wie vor gewährleistet war.

„Im Großen und Ganzen ist der Aufbau aller Filialen gleich, nur dass New York die größte ist. Du wirst vielleicht feststellen, dass es hier ein bisschen wilder zugeht, als du es gewöhnt bist. Ich weiß nicht, ob man dir gesagt hat, dass du auf der Hut sein musst, aber das solltest du. Ich würde nicht unbedingt sagen, dass die Leute hier aggressiv sind, aber manchmal geraten sie in einen Zustand und achten dann nicht mehr darauf, wer zum Barpersonal gehört und wer im Hauptbereich arbeitet, obwohl es eigentlich ziemlich eindeutig sein sollte.“

Ich wusste, was sie damit meinte. Zu Hause hatten wir auch Mädels, die im Hauptbereich arbeiteten, aber sie machten nicht den Großteil des Geschäfts aus. Es wäre zu riskant Club V zu etwas zu machen, das sich letzten Endes auf ein Bordell reduzieren ließ. Die meisten Leute trafen sich dort, um Sex zu haben. Es ging mehr darum, offen damit umzugehen und Leute zu finden, die an den gleichen Aktivitäten teilhaben wollten, die man selbst bevorzugte. Die Hauptbereichmädels waren nur ein Bonus und sorgten dafür, dass der Laden weiterhin Unterhaltungswert hatte.

In diesem Moment näherte sich eine Gruppe Geschäftsmänner der Bar und Celestes gesamtes Verhalten veränderte sich. „Gentlemen! Was kann ich Ihnen heute Abend bringen?“ Ihr Lächeln war kokett und sie zwinkerte einem der Männer zu, als sie sich alle um die Bar versammelten. Nachdem wir ihre Bestellungen aufgenommen hatten, begannen wir beide, die Drinks zu mixen und sie drehte sich zu mir, um sich leise mit mir zu unterhalten.

„Du wirst das Kind schon schaukeln. Dieser Laden ist größer, die Leute sind wichtiger, aber du bist hier, um genau dieselbe Arbeit zu machen.“ Sie schaute nach vorne zu der Gruppe. „Aber mach dich auf was gefasst. Ich denke, es wird eine wilde Nacht werden.“


„Cece? Uns ist der Wermut ausgegangen“, rief einer der Barkeeper vom anderen Ende der Bar und ich brauchte eine Minute, um zu realisieren, dass er mit Celeste sprach. Es war eine sehr arbeitsintensive Nacht mit einer Menge Martinibestellungen gewesen und jetzt um Mitternacht schien uns eine der essenziellen Zutaten ausgegangen zu sein.

„Schau im Lager nach“, antwortete sie, wobei sie sich bemühte, das Lächeln für die Gäste vor sich beizubehalten. Sie war eine wahre Zauberin an der Bar und es war kein Wunder, dass die Männer so nah wie möglich an sie rankommen wollten. Sie besaß diese Art frechen Scharfsinn, der die Männer in einem Gespräch herausforderte, aber sie war absolut unerreichbar für sie. Im Verlauf des Abends hatte ich erfahren, dass Celeste glücklich mit ihrer Frau verheiratet war und sie zwei hübsche Kinder hatten.

„Nope, dort hab ich diese Flasche her.“ Der Barkeeper hielt eine leere Wermutflasche hoch und schwenkte sie herum. „Das war die letzte.“

„Gottverdammt“, fluchte Celeste unterdrückt. „Erinnere mich daran, dass wir am Montag mehr bestellen. Samara…“ Sie wandte sich mir zu und verengte die Augen. „Ich glaube, ich weiß, wo wir noch ein paar zusätzliche Flaschen aufbewahren. Aber das ist in einem der Lagerräume im zweiten Stock. Ich würde ja oben anrufen und den Wermut von einem von ihnen runterbringen lassen, aber in der Sky-Bar gehen sie nie ans Telefon. Geh zurück zum Lagerbereich, nimm den Lastenaufzug hoch zum zweiten Stock und er wird dich in einem Gang absetzen. Geh nach rechts und dann links und dann wieder rechts und dort auf deiner linken Seite wird eine Tür sein. Schau dort nach dem Wermut. Und wenn dort keiner ist, dann klau einfach ein oder zwei Flaschen aus der Sky-Bar.“

„Verstanden“, sagte ich, bevor ich mich am restlichen Barpersonals vorbeischob und zurück zum Lagerbereich lief. Der Lastenaufzug war leicht zu finden und schoss sofort nach oben, als ich die entsprechenden Knöpfe drückte. Er ließ mich genau dort raus, wie es Celeste erklärt hatte, aber zu dem Zeitpunkt, an dem ich den Gang erreichte, hatte ich bereits die genaue Wegbeschreibung vergessen, die Celeste mir gegeben hatte. Da war was mit rechts und dann links und einer Tür auf der linken Seite gewesen?

Ich machte mich auf den Weg den Gang hinunter, bog links ab und durchschritt diesen Gang und anstatt irgendwelcher Türen fand ich einen Flur zu meiner Rechten sowie einen zu meiner Linken. Wenn ich geradeaus weitergehen würde, würde ich den Hauptbereich des zweiten Stockwerks erreichen. Daher wählte ich den linken Gang, der mich weg von den pulsierenden Beats führte, die der DJ auflegte, und gelangte irgendwann an eine Tür. Sie lag allerdings nicht zu meiner Linken, was mich verwirrte, aber ich öffnete sie trotzdem und trat in die Dunkelheit. Es sah jedenfalls wie ein Lagerraum aus.

Ich tastete die Wand nach einem Lichtschalter ab, fand jedoch nichts. Ich hatte mein Handy in der Hosentasche, das ich, falls nötig, als Taschenlampe benutzen könnte. Doch zuerst tastete ich den Raum vor mir ab, um herauszufinden, womit genau ich es hier zu tun hatte.

Meine Hände berührten Samt und griffen direkt durch den Vorhang. Plötzlich erkannte ich, dass der Raum, in dem ich mich befand, sehr viel geräumiger war als ein Lagerraum. Als ich mich an dem Vorhang vorbei und in einen schwach beleuchteten Bereich schob, wusste ich gleich, dass ich definitiv falsch abgebogen war, aber ich war zu schockiert von dem, was ich sah, um mich umzudrehen und wegzurennen.

4

Ein Teil von mir fragte sich, was zum Geier ich da vor mir sah, während ein anderer Teil genau wusste, was es war.

An der Rückseite dieses riesigen Raumes befand sich eine Bühne und auf dieser Bühne standen fünf splitternackte Frauen, von denen jede ein Halsband trug. Es gab einen Auktionator, der Gebote für die Frau in der Mitte der Bühne entgegennahm. Alles wirkte sehr zivilisiert, denn, wie ich sah, saßen die Gentlemen in dem Raum an runden Tischen, manche für sich, manche mit anderen Frauen, manche mit Männern, von denen ich annahm, dass sie sich geschäftlich kannten.

„Das ist Clara“, las der Auktionator, der auf einem Podium stand, aus einem ledergebundenen Heft vor. „Sie ist zweiundzwanzig, ein Seniorstudent an der NYU und hat die vergangenen siebzehn Jahre Ballett praktiziert. Dreh dich bitte für uns um, Clara.“

Ich beobachtete, wie Clara tat, worum man sie gebeten hatte, völlig fasziniert und zugleich entsetzt von dem, was ich sah und hörte. Sie versteigerten hier im zweiten Stock des Club V wirklich Frauen.

„Clara erfüllt, wie alle unsere reizenden jungen Damen heute Abend, all die Standardanforderungen. Sie ist Jungfrau und wie Sie an ihrem smaragdgrünen Halsband erkennen können, ist sie gewillt, Sex zu praktizieren, ein wenig Bondage und… anal? Praktizierst du auch anal, Clara?“

Clara drehte sich und lächelte dem Auktionator sowie dem Publikum kokett zu und nickte.

„Ah, sehr gut. Warum beugst du dich für unsere Bieter nicht einmal nach vorne?“

Ich beobachtete gebannt, wie sich Clara nach vorne beugte und ihre Pobacken spreizte, wodurch sie den potenziellen Bietern im Publikum ihren Hintern und Pussy präsentierte. Ich konnte nicht fassen, was ich da sah. Ich wollte wegrennen und aus dem Raum verschwinden, ohne dass mich jemand bemerkte, doch da war irgendetwas, das so… schockierend und brillant war, dass ich die Sache beinahe bis zum bitteren Ende sehen wollte.

„Sehr schön, Clara. Du kannst dich jetzt wieder umdrehen. Wie Sie sehen hat Clara kleinere Brüste, 30A. Wegen des Balletts achtet sie auf ihre Figur und hier ist eine Anmerkung, dass Bondage sehr vorsichtig praktiziert werden muss, damit keine Male zurückbleiben, weil sie in weniger als einem Monat einen Auftritt hat.“ Der Auktionator ließ den Blick über die Menge schweifen. „Das bedeutet, dass Sie von dieser Dame besser die Finger lassen, Mr. Delaney.“

Einige aus der Bietergruppe lachten darüber und dann begann der Auktionator nach Geboten zu fragen.

Zu diesem Zeitpunkt hatte ich genug gesehen. Ich konnte nicht glauben, was ich hier sah, dass all die Gerüchte wahr waren und dass sie hier im zweiten Stock des Club V tatsächlich Jungfrauen versteigerten. Ich musste von hier verschwinden und zwar schnell, bevor jemand bemerkte, dass ich hier stand und diese grenzwürdigen, illegalen Vorgänge beobachtete.

Ich drehte mich um und rannte direkt gegen eine Backsteinmauer, die da vorhin noch nicht gewesen war. Daraufhin bemerkte ich, dass es keine Backsteinmauer war, sondern einer der größten Männer, den ich jemals gesehen hatte, und in dem schwachen Licht konnte ich sein Namensschild lesen, auf dem „Carl“ stand.

„Wie bist du hier reingekommen?“, flüsterte er harsch, während er mich am Ellbogen packte und zurück durch den Samtvorhang, durch die Tür und hinaus auf den Gang zerrte.

„Ich war auf der Suche nach –“

„Hast du gefunden, wonach du gesucht hast? Was hast du dir dabei gedacht, hier oben herumzuschnüffeln? Du weißt, dass du dich in diesem Teil des Clubs gar nicht aufhalten darfst. Ich weiß nicht, wer zum Teufel du denkst, dass du bist, aber ich bringe dich jetzt zu Mr. Vances Büro.“

Mein Herz raste, als mich der Türsteher zurück durch den Gang führte und zu einem anderen Aufzug, einem, der uns hinab zu dem Flur brachte, der die Büros beherbergte. Carl akzeptierte keine meiner Erklärungen.

„Du kannst mit Mr. Vance darüber reden. Du weißt, dass du nicht dort oben sein sollst. Es ist ein Privatbereich. Dieser Vorfall wird dich deinen Job kosten.“

Wütend und den Tränen nahe verschränkte ich die Arme vor der Brust. Mir wurde bewusst, dass ich so vermutlich wie ein trotziges Kind aussah, aber diese Behandlung würde ich mir von einem Türsteher nicht gefallen lassen. Ich würde diesem Vance Typen oder Jake, falls ich ihn auftreiben konnte, alles erklären. Ich würde Celeste kommen lassen, damit sie meine Geschichte bestätigten konnte. Ich hatte doch nur nach Wermut gesucht!

Die Tür zu einem der Büros stand leicht offen und Carl klopfte an, bevor er mich hineinführte.

„Mr. Vance, die hier war im Auktionsraum.“

„Oh, wirklich?“ Der Mann blickte von der Arbeit auf seinem Schreibtisch hoch, irgendwie belustigt über meinen Anblick neben dem gigantischen Carl. „Ich frage mich, wie es der kleinen Maus gelungen ist, sich dort rein zu schleichen. Hast du versucht, selbst auf die Auktionsbühne zu krabbeln?“

„Ich kann es erklären –“, setzte ich an, doch ich wurde unterbrochen.

„Ich bin mir sicher, dass du das kannst. Carl, danke, dass du sie runtergebracht hast. Du kannst wieder hochgehen für den Fall, dass es noch andere Eindringlinge gibt, die versuchen, sich bei der Auktion einzuschleichen.“

„Ja, Sir“, antwortete Carl, ehe er sich umdrehte und mich im Büro mit Vance zurückließ.

„Komm rein und nimm Platz. Wir werden uns kurz unterhalten.“

Ich folgte seinen Anweisungen, weil ich wirklich tun wollte, was ich konnte, um meinen Job zu behalten. Es würde offensichtlich einen Moment dauern, das alles zu erklären, aber ich wusste, dass alles in Ordnung kommen würde, wenn Celeste erst mal hochkam, um meine Geschichte zu bestätigen.

Ich nahm ihm gegenüber Platz und jetzt, da ich ihm näher war, konnte ich sehen, was für ein gut aussehender Kerl dieser Mann doch war, von dem ich annahm, dass er ein Manager oder einer der anderen Eigentümer war. Er hatte dunkle Haare und einen leichten Bartschatten am Kinn. Gerade so viel, dass er sexy und irgendwie zerzaust aussah. Seine Augen hatten einen verblüffend dunklen Blauton und der Rest von ihm sah aus, als wäre er eine lebendig gewordene griechische Statue. Wenigstens eine mit Klamotten. Fuck, er war heiß!

Er erwischte mich dabei, wie ich ihn anstarrte, und lächelte. „Wie heißt du?“

„Samara Tanza.“

„Und was machst du heute Abend hier, Samara Tanza? Gott, dieser Name rollt wunderbar über die Zunge.“

Ich verschränkte die Arme und versuchte, so gefasst wie möglich zu bleiben. „Ich arbeite hier an der Bar. Ich komme aus der New Jerseyer Filiale und wurde zur Verstärkung des Barpersonals hergeholt.“

Er nickte mit dem Kopf. „Sehr schön. Was hältst du vom New York Club? Wie schlägt er sich im Vergleich zu Jersey?“ Er schien zu versuchen, in einem Jersey Akzent zu sprechen, was mich kein bisschen beeindruckte. Tatsächlich war das eines der Dinge, die ich am wenigsten mochte, wenn ich das Gefühl hatte, dass sich jemand über den Ort, den ich Zuhause nannte, lustig machte oder ihn kritisierte. Es war schon schwer, sich mit dieser Anti-Jersey-Haltung, der man in New York oft begegnete, zu arrangieren, aber dass dieser Kerl es mir ernsthaft auch noch mitten ins Gesicht sagte, war einfach zu viel.

„Ehrlich? Ich bevorzuge Jersey.“

Er lachte. „Jersey ist ein toller Ort. Ich mag es zufällig selbst sehr gern. Ich habe dort Familie. Also, möchtest du mir verraten, wie du es geschafft hast, einen Weg zu unserem exklusivsten, privatesten Event zu finden?“

Ich zuckte mit den Achseln. „Es war ein Unfall. Uns ist der Wermut ausgegangen und Celeste hat mich hoch zum Lagerraum im zweiten Stock geschickt, damit ich welchen hole. Ich bin falsch abgebogen… vermutlich mehrmals und bin dort gelandet.“

„Und was hast du gesehen?“

Ich atmete geräuschvoll aus. „Ich habe eine Menge gesehen. Eine Menge mehr als ich sehen wollte.“

„Ja, aber…“, er hielt inne und bedachte mich mit einem langen Blick, „verstehst du auch, was du dort gesehen hast?“

Wann dachte dieser Kerl, dass ich geboren worden war? Gestern? Wie konnte eine Person Zeuge einer Auktion werden und es nicht verstehen?

„Ich sah ein Mädchen namens Clara, das seine Jungfräulichkeit an den Höchstbietenden verkaufte“, antwortete ich, wobei mein Ton eindeutig verriet, was ich von der Art hielt, wie er mich befragte.

Mr. Vance nickte. Es drang wohl allmählich zu ihm durch, dass ich nicht gerade erst auf dem Planeten Erde angekommen war und ein wenig von der Welt wusste und dem, was dort vor sich ging.

„Ah ja, Clara. Ich habe das Vorstellungsgespräch mit ihr geführt. Nettes Mädchen, sie wird es noch weit bringen.“ Er sah mich mit einem teuflischen Grinsen an. „Hast du zufällig gesehen, wer sie ersteigert hat?“

„Ich bin nicht lang genug dortgeblieben, um es in Erfahrung zu bringen“, antwortete ich kurz angebunden.

„Vermutlich der Prinz. Er liebt seine Ballerinen. Normalerweise erlauben wir unseren Bietern nicht, öfter als ein paar Mal pro Jahr zu kommen, aber er ist so beständig und hat kein Problem damit, unsere Preise zu bezahlen. Wie kann ich da also Nein sagen?“, erklärte er, während sein langer Zeigefinger leicht gegen seine Lippen tippte, als würde er über seine eigene Frage nachdenken.

Mein Mund hing weit offen und ich klappte ihn zu, weil ich ihm nicht unbedingt auf die Nase binden wollte, was ich von dieser ganzen Sache hielt. Ich war der Meinung, dass Frauen das Recht hatten, zu tun, was auch immer sie mit ihren Körpern tun wollten, aber es fiel mir schwer zu glauben, dass irgendeine Frau ihre Jungfräulichkeit an einen völlig Fremden verlieren wollte. Allerdings war in diesem Fall auch ein riesiger Batzen Geld involviert und ich wusste, wie verlockend so etwas sein konnte. War ich nicht selbst schon an diesem Punkt gewesen? Ich wäre das erste Mal bestimmt nicht durch die Türen des Club V getreten, wenn Suzy mich nicht dazu ermutigt und ich einen Gehaltscheck nicht so bitter nötig gehabt hätte.

„Hast du irgendwelche Fragen, Samara?“, fragte er, wobei er seine Fingerspitzen unterhalb seines Kinns aneinanderlegte und mein Starren erwiderte.

„Worüber?“

„Darüber, wie wir agieren, was wir hier machen oder wie das im zweiten Stock alles funktioniert. Und übrigens, ich bin Neil. Du kannst mich bei diesem Namen nennen und mich duzen, wenn du möchtest.“

Ich kaute schweigend auf meiner Lippe und sprach dann: „Mir fällt es einfach schwer zu glauben, dass irgendeine junge Frau sich wirklich auf solche Weise einem Mann hingeben möchte, außer es geht dabei um eine Menge Geld. Es fühlt sich wie Nötigung an.“

„Ich kann verstehen, warum du so denkst“, erwiderte er. „Die Wahrheit ist, dass alle Bieter gründlich durchleuchtet werden, genauso wie die Frauen, die sich auf der Auktionsbühne präsentieren. Niemand wird genötigt. Jeder ist dort, weil er es möchte. Und ich gehe mal davon aus, dass jeder den Raum zufrieden verlässt. Hoffentlich sind sie ein Weilchen später sogar noch zufriedener.“ Neil grinste süffisant.

„Ich weiß, dass es Dinge gibt, die Menschen dazu bewegen, diese Art von Entscheidung zu treffen, es war nur… etwas anderes es aus dieser Nähe und persönlich zu sehen. Ich weiß nicht, was ich erwartet habe, aber das war es nicht.“

Neil nickte. „In dem Fall würde ich dir raten, alles zu vergessen, das du gesehen hast. Tu einfach so, als wäre es nie passiert. Tu so, als hättest du heute Abend die Bar gar nicht verlassen. Ich werde jemanden losschicken, um den Wermut für dich zu holen, und du kannst Celeste erzählen, dass du bei mir warst. Das sollte dich vor Problemen bewahren… nun, zumindest den meisten Problemen, die sie mit dir haben könnte. Ich will ehrlich mit dir sein, Celeste macht hier, was sie will.“ Er lachte. „Aber im Ernst, vergiss, was du gesehen hast. Außer…“

„Außer was?“ Ich runzelte die Stirn.

Er senkte seine Tonlage und ich hätte schwören können, dass seine sexy Stimme sogar noch rauchiger wurde. „Außer dir hat gefallen, was du gesehen hast.“

„Ha! Als ob“, schnaubte ich.

Fast wie aufs Stichwort und aus heiterem Himmel lief eine Frau durch die Tür. Und genau wie die Frauen im zweiten Stock auf der Auktionsbühne war sie bis auf ein Halsband splitternackt. Ihres war mit Diamanten besetzt, wohingegen Claras mit Smaragden verziert gewesen war. Doch das Halsband war wohl kaum die Sache, die jemandes Aufmerksamkeit geweckt hätte. Als sie Neils Büro betrat, ein Tablett mit einem Drink in den Händen, hüpften ihre Brüste und deren dunkelrosa Spitzen standen prall und hart und unübersehbar ab. Sie war die reine Perfektion und ihre glatte Haut war völlig haarlos. Ihre Lippen waren in dem gleichen kräftigen Dunkelrot gefärbt, das die meisten Oberflächen des Club V zierte. Ansonsten hatte sie sehr wenig Makeup aufgelegt und ihre langen blonden Haare waren nach hinten zu einem festen Pferdeschwanz gebunden.

„Mr. Vance“, sagte sie, als sie sich seinem Schreibtisch näherte und den Drink abstellte.

„Dankeschön, meine Liebe. Samara, das ist Asia. Sie arbeitet im zweiten Stock und gelegentlich bringt sie mir gerne einen Drink vorbei. Wenn ich sie darum bitte.“ Neil schlug Asia auf den Hintern und sie kicherte. Dann biss sie sich auf die Lippe, als würde sie es sich noch einmal überlegen.

Ich nickte Asia höflich zu, aber wandte den Blick nicht von Neil ab. Die Frau war unglaublich attraktiv und es fiel mir schwer, ihren nackten Körper nicht anzuglotzen, aber ich wollte nicht, dass Nail dachte, er hätte irgendeine Art von Kontrolle über mich.

„Zurück zu unserem Gespräch – bist du dir sicher, dass dir das, was du gesehen hast, nicht ein klitzekleines bisschen gefallen hat, Samara? Bist du dir sicher, dass dich nichts davon auch nur im Geringsten interessiert hat?“

Ich schüttelte den Kopf, obwohl ich spürte, wie feucht mein Slip war. Ich würde nicht zugeben, dass ich für einen ganz kurzen Moment, als ich Clara dabei beobachtet hatte, wie sie sich vor diesen Bietern präsentiert hatte, darüber nachgedacht hatte, wie es sich wohl anfühlen würde, wenn ich dort oben wäre und meine Beine vor den Männern und Frauen spreizte, die zusahen. Wie würde es sein, sich derartig zur Schau zu stellen und zuzuhören, wie die Leute Gebote abgaben und darum kämpften, wer mich zum ersten Mal nehmen durfte?

„Nein, überhaupt nicht“, antwortete ich, ohne mit der Wimper zu zucken.

Neil verzog die Augen zu Schlitzen und nippte an seinem Glas. Dann, während er mir weiterhin in die Augen blickte, streckte er seine Hand zur Seite und schob einen Finger zwischen Asias Schamlippen. Ich bemühte mich mit aller Macht darum, den Schock nicht auf meinem Gesicht zu zeigen, musste allerdings die Armlehnen des Stuhls umklammern, damit ich nicht rausfiel.

Er streichelte ihre Pussy und ich konnte einfach nicht anders, als meine Augen zu ihr huschen zu lassen und festzustellen, dass sie bereits äußerst feucht und seine Finger mit ihrer Feuchtigkeit benetzt waren. Ihre Augen waren geschlossen und sie zwickte sich in ihre beiden Brustwarzen, während er ihre Klit rhythmisch zwirbelte.

Ich blinzelte und schaute wieder zu Neil.

Er lächelte mich an und zog eine Augenbraue hoch. „Du bist kein bisschen neugierig, was gerade mit Clara passiert? Wie gut sie von jemandem gevögelt wird, der weiß, was zu tun ist? Kannst du es dir vorstellen – das erste Mal einer Frau und sie ist mit jemandem zusammen, der genau weiß, was er tun muss, um sie zu befriedigen? So viele haben kaum die Gelegenheit dazu. Ernsthaft, es muss ein wundervolles Gefühl sein, jemanden zu haben, der sich Zeit mit einem lässt, einen immer wieder auf die Klippe zu treibt und dann endlich hinunterstößt… genau in dem Moment, in dem er sich in dich rammt.“

Ich räusperte mich. Asia stöhnte jetzt hörbar und ich versuchte, nicht auf meinem Stuhl hin und her zu rutschen. Ich war feucht und ich wusste, dass diese Empfindung stetig zugenommen hatte seit dem Moment, in dem ich die Frauen auf der Bühne im zweiten Stock gesehen hatte. Jetzt, als ich beobachtete, wie dieser unfassbar umwerfende Mann eine der hübschesten Frauen, die ich jemals erblickt hatte, fingerte, konnte ich mich kaum davon abhalten, nach unten zu greifen und…

„Alles in Ordnung mit dir, Samara? Du wirkst leicht erhitzt.“

Er stieß seine Finger hart in Asia und innerhalb eines Wimpernschlags wand sie sich auf seinen Fingern und biss auf ihre Knöchel, um ihren Schrei zu ersticken, als sie auf seiner Hand kam.

„Ich denke, wir sind hier fertig“, verkündete ich, aber wartete, bis er mir zu gehen erlaubte.

„Du kannst gehen“, sagte Neil lächelnd. „Aber ich denke, Asia und ich fangen gerade erst an.“ Mit seiner freien Hand griff er nach einer Visitenkarte und reichte sie mir, während zwei Finger seiner anderen Hand nach wie vor in Asia versenkt waren. „Samara, falls du jemals irgendetwas brauchst, zögere nicht, mich anzurufen. Ich meine es ernst. Egal was.“

Er zwinkerte und damit erhob ich mich und wandte mich zum Gehen, denn ich wollte so weit weg wie möglich von diesem Büro und dem, was auch immer gleich zwischen ihm und der Kellnerin passieren würde. Ich machte einen kleinen Umweg, wobei ich dieses Mal sorgsam darauf achtete, wohin ich ging, und suchte die nächstgelegene Damentoilette auf. Ich eilte hinein, schloss die Tür hinter mir und verriegelte sie. Es handelte sich um eine einzelne Toilette, was vermutlich bedeutete, dass sie nur für das Personal gedacht war, und ich war dankbar für diesen Augenblick der Privatsphäre.

Wovon war ich gerade Zeuge geworden und warum rief es diese Gefühle in mir hervor? Ich versuchte die Empfindungen beiseite zu schieben, aber ich war so erregt und wusste, dass ich meine Schicht auf keinen Fall mit diesem sehnsüchtigen Ziehen beenden konnte, das sich in mir aufstaute.

Meine Nippel waren steinhart und ich zwickte sie beide jeweils fest durch meine Bluse. Es fühlte sich gut an, dennoch stellte ich mir vor, wie es sich angefühlt hätte, Neils oder sogar Asias Lippen um die zusammengezogenen Knospen zu spüren.

Ich raffte meinen Rock und griff in meinen Slip, den ich tropfnass vorfand, und tastete nach meiner geschwollenen, pochenden Klit. Ohne mich zurückzuhalten, stimulierte ich mich hart und schnell und es dauerte nicht gerade lang, bis ich die Wärme eines beginnenden Orgasmus spürte und dann mit einem Keuchen von ihm überrollt wurde. Ich betrachtete mich im Spiegel und dachte, wie glücklich sich doch jeder dieser Männer dort oben schätzen könnte, mich zu haben, obwohl ich wusste, dass ich niemals so etwas tun würde.

Ich wusch meine Hände, richtete mich wieder präsentabel her und ging zurück zur Bar. Dort fand ich eine verzweifelte Celeste. Aber Neil hatte nicht gelogen. Sie hatte einige Flaschen Wermut in ihrem Besitz und all die Kerle, die so tun wollten, als wären sie James Bond, waren jetzt versorgt und glücklich mit Martinis in ihren Händen. Als Celeste mich entdeckte, verengte sie die Augen.

„Ich war bei Neil – Mr. Vance.“

Mir war nicht klar gewesen, dass das Zauberworte waren, aber Celestes Miene wurde weich und sie nickte, auch wenn ein fragender Ausdruck in ihren Augen zurückblieb.

„Ist alles in Ordnung?“

Ich nickte bestätigend. „Yeah, das ist es. Tut mir leid wegen dem Wermut. Es gab da eine kleine Verwechslung.“

Celeste winkte ab und gemeinsam brachten wir den Rest der Samstagnachtschicht hinter uns. Ich war noch nie in meinem Leben so froh, mit der Arbeit fertig zu sein und zurück nach Hause nach Jersey fahren zu können, wie ich es am nächsten Morgen war, als die Dämmerung langsam über den Horizont kroch.

5

Ich trat in die Glasdusche und unter den heißen Strahl und genoss die heißen Wassermassen, die über meine Haut strömten. Ich ließ das Wasser über mein Gesicht laufen, während ich darüber grübelte, wie es wohl wäre, meine Jungfräulichkeit aufzugeben. Darüber zerbrach ich mir jeden Tag den Kopf seit dem, was ich im Club V in NYC gesehen hatte. Ich konnte das Bild einfach nicht aus meinem Kopf löschen. Nach oben greifend begann ich meine Haare zu waschen und das Shampoo in meinen langen Locken aufzuschäumen. Ich schloss die Augen und fing an, einen alten Song zu summen, als der Lärm der Dusche das Geräusch der sich öffnenden Badezimmertür dämpfte.

Fast, aber nicht ganz.

Ich behielt die Augen geschlossen, während ich hörte, wie die Glastür mit einem kaum hörbaren Klicken aufschwang und sich dann wieder schloss. Kräftige Hände begannen meinen Körper zu liebkosen und das parfümierte, feuchtigkeitsspendende Duschgel auf der Länge und Breite meines Körpers zu verteilen. Jeder Teil von mir stand plötzlich in Flammen, nachdem er von starken, forschenden Händen berührt worden war. Ich war sofort feucht und eine Hitze, die rein gar nichts mit dem Wasser zu tun hatte, flutete jetzt die Stelle zwischen meinen Schenkeln.

Er war es.

Ich hatte mir seine Berührungen schon mal vorgestellt.

Ich sehnte mich danach.

Ich drückte meinen Po leicht nach hinten und wurde – sehr zu meiner prickelnden Überraschung – mit leichten Zungenschlägen gegen meine feste Rosette belohnt. Ich erschauerte freudig; er musste hinter mir knien.

Ich verzehrte mich nach dem Gefühl seiner Zunge, die über meinen Anus glitt. Ich stöhnte vor Wonne, als er eine kräftige Hand meinen Schenkel hochwandern und auf meiner Vulva zur Ruhe kommen ließ, wobei sein Daumen fest zwischen meinen Schamlippen lag.

Oh Gott!

Seine Berührung fühlte sich so gut an. Ich stemmte beide Hände gegen die Wand und spreizte meine Beine weiter, um ihm noch besseren Zugang zu meiner Pussy zu gewähren. Seine Zunge unterbrach ihre langsame Folter nicht, sondern drückte sich gegen mein enges Loch und bat um Einlass, nur um sich dann nach einer Reihe leichter Zungenschläge zurückzuziehen.

Meine Brustwarzen hatten sich zu harten Perlen zusammengezogen, die schmerzten, ein sicheres Anzeichen, dass sich ein Orgasmus anbahnte. Lange Locken hingen mir ins Gesicht und bewegten sich in einem trägen Rhythmus zu der Art und Weise, wie ich meinen Kopf vor Vergnügen nach hinten warf.

Sein Daumen rührte sich nicht, weshalb ich anfing mich an ihm zu bewegen. Ich rieb mich im Takt mit seiner Zunge und genoss es, wie sein Finger meine anschwellende Klitoris streifte.

Oh fuck. Ich war so kurz davor.

Mein Atem begann nur noch stoßweise zu kommen und meine Hüften fingen an, sich wie von selbst zu bewegen. Mein Stöhnen hallte jetzt laut von den Fliesen, denn ich dämpfte es nicht aus dem Bedürfnis heraus, mich für ihn zu benehmen. Ich war einfach nur noch ein Wesen aus purer Lust.

Irgendwie wusste er das, denn er stand auf und stieß sich in mich. Die harte, dicke Länge seines Penis füllte mich so jäh und dehnte meine jungfräulichen Wände, dass ich aufschrie, als die Wonnen meines Orgasmus durch meinen Körper fegten.

Ich lehnte mich zur Stütze an die feuchte Fliesenwand, denn meine Knie waren ganz schwach von den Empfindungen, während mein Körper vor Ekstase erbebte. Er begann sich rein und raus zu bewegen, wobei er mir absichtlich eine Erleichterung von den machtvollen Empfindungen verwehrte, die mich aufgrund seiner Berührungen durchströmten. Das trieb mich auf einen erneuten Orgasmus zu.

Der schlimmste und zugleich beste Teil des Ganzen war, dass er gegen diese berauschende Lust, die wir erzeugt hatten, scheinbar immun war. Ich versuchte, länger als er durchzuhalten, aber schaffte es nicht einmal annähernd. Zu dem Zeitpunkt, an dem er minimal ins Schwitzen geriet, flehte ich bereits nach einem weiteren Orgasmus… zum zweiten Mal.

Während ich mich an die Fliesenwand krallte, pulsierte meine Pussy vor Verlangen und Vergnügen, der Geruch von Sex vermischte sich mit dem heißen Dampf der Dusche und ich fragte mich, woher er nur wusste, wie er meinen Körper manipulieren musste? Eigentlich war mir das egal, solange ich nur wieder kommen durfte.

Er bewegte sich langsam und bedächtig in mir, benutzte seinen Penis, um meine inneren Wände zu streicheln, balancierte an der Grenze meines verebbenden Orgasmus und verwehrte mir eine Pause zwischen den Empfindungen, während er zugleich eine Überstimulation vermied.

Fuck, es fühlte sich so gut an und ich brauchte jetzt Erleichterung, aber es war offenkundig, dass er mir keine gewähren würde. Mit einer Hand auf meiner Mitte, sein Zeigefinger war jetzt fest auf meine geschwollene Klitoris gepresst, und seiner anderen zur Stütze an meiner Hüfte, war er in der perfekten Position, um mich stundenlang auf diese Weise zu quälen. Ich wusste, dass er, ganz gleich wonach sich mein Körper sehnte, völlig zufrieden damit wäre, mich eine weitere Stunde in diesem post-orgasmischen Zustand zu halten, bis ich auf ein wimmerndes Wrack reduziert worden war und um Erlösung flehte.

Sein Finger tippte ein paarmal auf meine Klit und ich schwöre, ich sah Sterne. Fuck, es fühlte sich unglaublich an, aber ich musste nochmal kommen. Doch hier, jetzt, mit seinem Penis bis zum Anschlag in meiner tropfnassen Pussy, die Ohren gefüllt mit den Geräuschen meines eigenen Keuchens und Stöhnens, seinen Händen auf mir, die mich um die süße Erlösung meiner Lust führten anstatt darauf zu, wusste ich, dass ich diese Erleichterung nicht erreichen konnte.

Mein Körper schmerzte und erschauerte vor Wonne, weil er mir absichtlich meine Erlösung verwehrte. Er zeigte mir, wie ich mich ihm ganz und gar unterwerfen konnte.

Dass er meinen Körper auf jede Art und Weise kontrollierte, nur mit einer einzigen Berührung. Ich lehnte mein Gesicht an die kühlen Fliesen und realisierte, dass es nur noch eine Sache gab, die ich tun konnte, um meinen Höhepunkt zu bekommen.

Betteln.

Meine Augen flogen auf, als sich das Sonnenlicht in mein Bewusstsein bohrte und mich aus meinem Traum katapultierte. Verflixt und zugenäht! Ich hatte verdammt nochmal schon wieder geträumt und mich in dem aufregendsten Sex verloren, den ich jemals gehabt hatte. Ich lächelte in mein Kissen. Das war ein verflucht fantastischer Traum gewesen und mein Slip war klatschnass. Ich war im Schlaf gekommen. Verdammt. Diese Träume hatten meinen Verstand in Beschlag genommen, seit ich den Auktionsraum gesehen hatte. Das Mädchen, das sich allen präsentiert hatte.

Es war an der Zeit mich endlich am Riemen zu reißen oder ich würde noch den Verstand verlieren!


Sechs Monate später hatte sich in der Club V Filiale in Jersey nicht viel verändert. Ich ging immer noch jeden Tag, an dem ich eine Schicht hatte, dorthin und schmiss die Bar, wenn Suzy nicht da war, und schmiss sie mit ihr, wenn sie da war. Wir waren laut dem Management ein Dreamteam und hatten beide im Verlauf der Zeit, die wir dort verbracht hatten, großartige Gehaltserhöhungen erlebt.

„Ich weiß nicht, wie ich jemals zu einem Job in der Geschäftswelt wechseln soll. Dort kriegt man kein Trinkgeld, oder?“, fragte Suzy mit einem Lachen und Stirnrunzeln.

„Sie werden dir zwar kein Trinkgeld geben, aber manchmal bekommst du einen Firmenwagen, wenn du dich wirklich gut benimmst. Oh, und Weihnachtsgeld!“

„Okay, das klingt schon besser.“

„Aber in dem Setting ist es Leuten nicht erlaubt, dir fünfzig Dollar zwischen die Brüste zu schieben. Und wenn sie es doch tun, dann kannst du sie vor Gericht zerren und sie zu fünfhunderttausend Dollar machen.“

Suzy lachte abermals. „Im Ernst, Samara, du machst mir dieses Geschäftsleben wirklich schmackhaft.“

„Ladies, nicht alles, was glänzt, ist Gold“, warf Tommy Rollins von der anderen Seite der Theke ein. „Ganz egal, wie es aussieht, glaubt mir, jede Geschichte hat auch immer eine andere Seite. Wisst ihr, ihr denkt, ihr seht all diese Leute… all diese Leute, die hier jedes Wochenende reinkommen, und ihr denkt, sie haben alles. Ich sag euch was. Diese Leute haben einen Scheiß.“

Tommy Rollins, Topinvestmentbanker, saß zum fünften Mal in eben so vielen Wochen betrunken an meiner Bar. Ich wusste nicht, was mit dem Mann los war, da ich versucht hatte, meine persönlichen Gespräche mit ihm einzuschränken, aber es war eindeutig, dass bei ihm irgendetwas schieflief, entweder zu Hause oder in der Arbeit. Ich tippte auf letzteres und wollte nicht nachfragen. Er hatte mit einer Menge sehr wichtiger Leute zu tun und in dem unwahrscheinlichen Fall, dass irgendetwas, das mit seinem Geschäft zu tun hatte, den Bach runterging, wollte ich nicht in einer Situation landen, in der ich vor Gericht aussagen musste, was mir Tommy Rollins anvertraut hatte, während er auf einem Barhocker gesessen hatte.

„Niemand hier hat nichts…“ Seine Worte verschwammen alle zu einem Brei. „Vielleicht ihr zwei“, sagte er, als er sich wieder zu Suzy und mir drehte und uns nachdenklich musterte. „Yeah, wenn ich raten müsste, würde ich sagen, dass ihr zwei vermutlich die reichsten Leute hier drin seid. Habt ihr eine Familie, die ihr liebt?“

Suzy ging zu einem anderen Kunden und schluckte den Köder nicht. Dadurch fiel es mir zu, mich allein um Tommy zu kümmern.

Ich nickte. „Ja, das habe ich.“

Er hob sein Glas. „Gut für dich. Weißt du, was ich habe? Einen Scheiß. Ich hatte früher eine Frau und wir hatten ein Baby… und dann starb das Baby, sie. Und meine Frau kam damit nicht klar. Oder eher, ich war nicht ‚da für sie‘ und sie ging zurück zu ihrer Mom nach Toronto. Ich meine, meine Güte Frau, was soll ich denn tun? Dich im Arm halten, während du weinst, oder für den ganzen Scheiß bezahlen, den du angeblich zum Leben brauchst?“

Ich schenkte ihm ein mitleidiges, leichtes Lächeln. „Es tut mir leid, Tommy. Ich wusste nicht von dem Baby.“

„Da gibt’s nicht viel, was du machen kannst“, sagte er. „Babys sterben. Verrückt, oder? Sie sind da und sie sind so klein und du würdest alles tun, um dich um sie zu kümmern, aber sie sind so winzig und was macht man überhaupt, um sie am Leben zu halten? Dann eines Tages wachst du auf, wie auch an jedem anderen Tag während deiner gesamten beschissenen vierzig Jahre auf dieser Erde… aber dein Baby wacht nicht auf. Verdammte Scheiße, was soll das, Gott?“

Ich hatte überlegt, ihn zu unterbrechen und ihm ein Taxi zu rufen, aber nachdem ich das gehört hatte, brachte ich es nicht übers Herz. Ich hatte keine Ahnung, wie frisch sein Verlust war.

„Der geht auf mich, Tommy“, sagte ich und schob ihm noch einen Scotch hin. „Aber lass es langsam angehen, okay? Ich möchte mir keine Sorgen darum machen müssen, dass du nicht sicher nach Hause kommst oder auf dich aufpasst.“

Er sah aus, als würde er gleich in Tränen ausbrechen und ich blickte mich hektisch nach Servietten um für den Fall, dass er welche bräuchte.

„Samara, Süße. Versprich mir nur eines: Mach, was immer nötig ist, um deine Familie zusammenzuhalten. Mir ist egal, wie schwer es ist, nichts ist schlimmer, als in dieser Welt allein zu sein. Dinge werden einem einfach entrissen und man hat vielleicht keine Kontrolle über die Situation, aber wenn du doch eine hast – um Himmels willen, dann tu für deine Familie was auch immer du musst.“

Ich nickte rasch und ging an der Bar weiter, um einem anderen Clubmitglied zu helfen. Es passierte nicht oft, dass ich diese Art von Gesprächen an meiner Bar führte. Wir waren immerhin ein Sexclub. Daran bestand kein Zweifel, wenn man den Hauptbereich betrat. Aber die Barhocker neigten dazu, von Leuten besetzt zu werden, die am Rand des ganzen Sex und der Aufregung saßen. Es war, als ob sie Teil davon sein wollten, aber irgendetwas in ihnen sie irgendwie davon abhielt, zu hundert Prozent anwesend zu sein und die Situation zu ihrem Vorteil zu nutzen. Was wirklich eine Schande war, wenn man den Preis bedachte, den sie zahlten, um durch die Tür laufen zu dürfen, sich hinzusetzen und sich von mir Drinks servieren zu lassen.

An meinem Platz hinter der Bar, wo ich einige Gläser abtrocknete, wandten sich meine Gedanken meiner eigenen Lebenslage zu. Vielleicht war das ganze Zeug darüber, am Rand zu stehen und nicht mitzumachen, etwas, worüber ich in meinem eigenen Leben nachdenken sollte. Ich verwandte so viel Zeit auf die Arbeit und das College, dass es vieles gab, das mir entging. Ich sollte wirklich auf meine eigenen Worte hören und anfangen, sie auf mein Leben anzuwenden, wenn ich hinter der Theke solche Ratschläge von mir geben wollte.

„Wie geht’s Tommy?“, erkundigte sich Suzy, als sie zu mir kam und sich neben mich stellte. „Das sah aus, als würde es übel enden.“

„Yeah, aber ich glaube, es ist jetzt okay. Ich mach mir Sorgen um ihn, aber er scheint wenigstens zu wissen, was im Leben wichtig ist. Ich hatte nur keine Ahnung, dass er so ein Trauma durchgemacht hat.“

Suzy schaute hinaus in den Raum auf unsere Freitagabendmeute. Im Moment ging es ziemlich zahm zu, aber mit Voranschreiten der Nacht würde es zweifellos wilder werden.

„Man weiß einfach nie, was die Leute mit sich herumschleppen.“

Ich nickte und spürte plötzlich, dass mein Handy vibrierte. Ich wurde nicht oft angerufen, wenn ich auf der Arbeit war, weshalb ich nach dem Handy griff und sah, dass es meine Mom war.

„Das ist komisch“, sagte ich leise. „Suzy, ich werde den Anruf annehmen. Bin gleich wieder zurück.“

Ich bog um die Ecke und nahm den Anruf entgegen.

„Hey Mom, was gibt’s?”

„Schatz, du musst ins Krankenhaus kommen. Dein Bruder ist bei seinem Footballspiel zusammengebrochen und sie haben ihn in die Notaufnahme gebracht. Wir sind jetzt hier und ich… ich weiß nicht, was sie machen werden…“

„Was?! Mom, ich bin gleich da. Ist Dad bei dir?“

„Er ist gerade mit Josh im Zimmer. Dein Bruder ist wieder bei Bewusstsein, aber sie werden ihn nochmal für einige Tests holen. Alles hängt gerade in der Schwebe und wir wollen ihn nicht allein lassen. Wenn du dir freinehmen könntest, denke ich, wäre es am besten, wenn du hierherkommen könntest… bald, Schatz.“

Ich beendete den Anruf und ging zurück zur Bar. Meine Emotionen mussten auf meinem Gesicht zu sehen sein, denn Suzy bemerkte sofort, dass irgendetwas ganz und gar nicht stimmte.

„Was ist passiert? Musst du gehen?“, fragte sie mit besorgter Stimme.

„Yeah“, meine Stimme klang erstickt und brüchig. Ich nickte mit dem Kopf. „Ja, ich muss gehen. Es geht um meinen Bruder. Ich weiß nicht, was los ist, aber er ist beim Footballspiel zusammengebrochen und jetzt ist er in der Notaufnahme. Meine Mom… meine Mom scheint zu denken, dass ich dort sein muss, also…“

„Geh, verschwinde sofort von hier. Hol deine Tasche und geh.“

Wie betäubt taumelte ich durch den Flur zum Umkleideraum und schnappte mir meine Sachen aus meinem Schließfach, bevor ich aus dem Club hastete und zu meinem Auto.

Ab dem Moment geschah alles furchtbar schnell. Ich hatte keinerlei Erinnerung an die Route, die ich zum Krankenhaus wählte. Alles lief ganz automatisch und unterbewusst ab, da sich mein Gehirn noch an die Zeit erinnerte, als ich die Strecke jeden Tag gefahren war, um meinen Opa zu besuchen. Auf dem gesamten Weg zum Krankenhaus konnte ich nur daran denken, wie sehr ich meinen Bruder liebte und dass ich alles tun würde, damit es ihm gut ging. Er war so ein starker, witziger Kerl. Immer mittendrin im Geschehen, immer dabei, die Leute zum Lachen zu bringen. Die Leute kamen einfach nicht umhin zu lächeln, wenn Josh in der Nähe war, und jeder liebte ihn.

Der Gedanke, dass er dort in einem Krankenhausbett lag, langgestreckt und mit Schläuchen und Drähten, lähmte mich beinahe vor Angst. Er war mein kleiner Bruder, obwohl zwischen uns nur ein geringer Altersabstand bestand. Natürlich hatten wir uns als Kinder wie Hund und Katze gestritten, aber die Wahrheit war, dass er mir von allen Familienmitgliedern am nächsten stand. Es gab nichts, das ich nicht tun würde, um zu versuchen, ihm das Leben zu erleichtern.

Tommys Worte fielen mir wieder ein und mir lief es eiskalt über den Rücken. Es war einfach zu gruselig, erst dieses Gespräch zu führen und kurz darauf mit einer potenziellen Tragödie konfrontiert zu werden.

„Bitte, mach, dass es ihm gut geht“, sprach ich laut in die Luft, während ich über die Straße zum Krankenhaus raste.

Ich kam an, wobei ich kaum wusste, wie ich überhaupt hierhergekommen war, und parkte auf dem Parkplatz für die Notaufnahme. Wie der Blitz rannte ich zu den automatischen Türen und wartete dann, bis sie sich langsam öffneten. Fluchend stürzte ich in den Wartebereich der Notaufnahme.

Keiner meiner Eltern war zu sehen, weshalb ich zur Rezeption lief.

„Josh… Tanza“, sagte ich und bemerkte erst da, dass mir die Puste ausgegangen war.

Die Krankenschwester sah von ihrem Computer hoch. „Hol erst mal tief Luft, Herzchen. Geht’s dir gut? Brauchst du einen Arzt?“

Ich schüttelte verzweifelt den Kopf, während ich darum rang, die Worte zu finden, die ich in diesem Moment brauchte. Es war einfach alles zu viel und ich war überwältigt, weil ich nicht wusste, wo meine Eltern waren oder wie es Josh ging.

„Mein Bruder. Ein Krankenwagen hat meinen Bruder hergebracht.“ Ich holte nochmal tief Luft. „Er ist bei seinem Footballspiel zusammengebrochen.“

Das schien ihr etwas zu sagen, denn sie nickte und deutete zu einem Flur. „Footballspieler, das stimmt. Vorhang drei. Es sollte in Ordnung sein, wenn du jetzt dort reingehst.“

Ich eilte durch den Flur und las die Zahlen, die über den verschiedenen von Vorhängen verdeckten Bereichen der Notaufnahme klebten. Ich erreichte Vorhang drei und zu meiner Überraschung war der Raum dahinter leer und frische Bettwäsche auf dem Bett. Ich wirbelte herum, schockiert und verängstigt, was das zu bedeuten hatte, aber zum Glück erfasste eine Krankenschwester, die in der Nähe stand, die Situation und eilte zu mir.

„Suchst du nach dem Footballspieler?“

Ich nickte bestätigend.

„Alles ist in Ordnung, sie haben ihn bloß hoch in den dritten Stock verlegt. Wenn du einfach dort vorne hochgehst und dann in der Schwesternstation nachfragst, werden sie dich zu ihm schicken.“

Ich hatte das Gefühl, als würde das alles viel zu lang dauern. Ich wollte einfach nur an Joshs Seite eilen und mich vergewissern, dass alles in Ordnung kommen würde. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich keinen blassen Schimmer, was überhaupt los war, was wirklich passiert war oder ob er sich in Lebensgefahr befand. Dass er auf ein richtiges Zimmer verlegt worden war, schenkte mir keinen Trost und ich fragte mich, was hier um Himmels willen vor sich ging, während ich erneut durch den Flur sprintete und in einen der Aufzüge.

Im dritten Stock ging es zu wie in einem Bienenstock und ich wurde direkt vor der Schwesternstation ausgespuckt.

„Entschuldigen Sie, mein Bruder ist Josh Tanza. Mir wurde gesagt, dass er hier oben ist.“ Ich schaute zu dem Krankenhauspersonal hinter dem Tresen und wartete darauf, dass jemand Erbarmen mit mir hatte.

Einer der Krankenpfleger nickte. „Ja, der Footballspieler. Er ist in 308.“

Jetzt, da ich wusste, wo mein Bruder war, war ich nicht mehr ganz so in Eile, weil ich mir nicht sicher war, was mich erwartete. Meine Mom hatte nicht die Zeit gehabt, um mir am Handy alles zu erklären und jetzt musste ich mich der Tatsache stellen, dass Josh wirklich, wahrhaftig krank war.

Die Tür stand offen und ein Arzt verließ gerade das Zimmer, als ich mich näherte. Meine Eltern standen zu beiden Seiten von Joshs Bett und mein Bruder lag darin, an mehrere verschiedene Monitore angeschlossen. Er sah so bleich aus, dass man meinen könnte, er hätte entweder ein Gespenst gesehen oder sich irgendwie selbst in eine Casper-ähnliche Version seiner selbst verwandelt.

„Oh mein Gott, Josh.“ Ich eilte an die Seite meiner Mutter, aber zögerte, mich nach vorne zu beugen und meinen Bruder zu umarmen. Stattdessen entschied ich mich dafür, seine Hand zu drücken. Er ballte sie zu einer kräftigen Faust, aber nicht annähernd so kräftig, wie er es eigentlich konnte, und das machte mir Sorgen.

„Schatz, ich bin so froh, dass du hier bist“, sagte meine Mom, als sie mich umarmte. Mein Dad lief um das Bett, um uns beide fest in seine Arme zu ziehen, während Josh mit einem leichten Grinsen im Gesicht von seinem Krankenhausbett aufsah.

„Habt ihr Spaß?“, fragte er.

Ich verdrehte die Augen über ihn. „Hey Alter, sei nett. Du hast uns allen einen Riesenschreck eingejagt. Was ist los mit dir?“ Ich stellte meine Frage genauso sehr an Mom und Dad wie an Josh.

„Wir warten immer noch auf ein paar Ergebnisse des Arztes“, erklärte mein Dad ruhig. Er wirkte erschöpft, als hätte das, was auch immer meinem Bruder auf dem Footballfeld passiert war und er mitansehen hatte müssen, ihm Jahre seines Lebens geraubt. So weit ich wusste, konnte das durchaus sein.

Josh sah nicht gut aus. Er war blass und seine Haut klamm und obwohl ich wusste, dass er es hasste, überprüfte ich immer wieder seine Temperatur mit meinem Handrücken.

„Du bist zu kalt, Josh.“

„Was du nicht sagst“, entgegnete er grummelnd. „Und sie erlauben mir noch nicht, ein Shirt anzuziehen. Ich muss eine Weile an diese ganzen Teile angeschlossen bleiben.“

„Na ja, sie müssen eben herausfinden, was los ist. Meine Vermutung ist, dass ein Cheeseburger daran schuld ist. Irgendwie, auf irgendeine Art liegt es an einem Cheeseburger.“

„Ha-ha“, sagte Josh, der meine Bemerkung gar nicht witzig fand. „Nur zu deiner Information, ich habe mich an eine gesunde, proteinreiche Ernährung gehalten. Hab versucht, schlank zu bleiben.“

Er sah allerdings nicht schlank aus. Er wirkte eher aufgedunsen, als hätte er einen Tick zu viel Sodium konsumiert. Ich machte mir Sorgen, zwar weniger als auf dem Weg hierher, aber dennoch genug, dass ich mich bewusst anstrengte, meine Gefühle nicht auf meinem Gesicht zu zeigen, so gut ich eben konnte.

„Mom, Dad, braucht ihr irgendetwas? Ich könnte euch ein paar Snacks oder Kaffee oder so was holen. Was auch immer ihr braucht.“

Meine Mom schüttelte ihren Kopf. „Gerry und ich möchten hierbleiben, damit wir den Arzt nicht verpassen. Es ist nicht nötig, dass du dir wegen uns solche Umstände machst.“

„Das sind doch keine Umstände, Mom. Wirklich, ich würde sehr gerne etwas für euch tun.“ Daraufhin hielt ich inne, lauschte in mein Inneres und nahm mir einen Moment, um zu verstehen, dass ich in Wahrheit versuchte, mich selbst von den Geschehnissen abzuschirmen, die meine Familie gerade in ihrem Griff hielten. Es war schwer in diesem Raum zu sein und meinen kleinen Bruder zu sehen, der an diese Maschinen angeschlossen und absolut hilflos war. So sollten die Dinge eigentlich nicht laufen, zumindest nicht für jemanden in seinem Alter, der noch so viele Jahre seines Lebens vor sich hatte. Auf Josh wartete eine Zukunft, eine, die strahlend aussah. Wie war es nur möglich, dass er es mit etwas dieser Größenordnung zu tun hatte, was auch immer es war?

Ich spürte, wie mir Tränen in die Augen traten, und entfernte mich vom Bett, um mich auf einen der Stühle im Zimmer zu setzen und mein Gesicht in den Händen zu vergraben. Es war ignorant und dumm, das alles infrage zu stellen. Natürlich konnte so etwas in meiner Familie passieren – Menschen hatten tagtäglich mit so etwas zu kämpfen und wir bildeten da keine Ausnahme. Es war nur so lange her, seit wir es mit irgendeiner Art von Tragödie zu tun gehabt hatten und nichts davon hatte meine Familie direkt betroffen. Woran ich hier zu knabbern hatte war meine Ignoranz und eine Art Privileg – ich hatte noch nie eine Gesundheitskrise wie diese durchmachen müssen und jetzt, da sich eine mitten in meiner Familie befand, war es, als wäre eine Bombe explodiert. Dieses Mal war ich nah genug an der Bombe dran, um die Auswirkungen einer solchen Explosion zu spüren.

Mein Dad kam zu mir und schlang seinen Arm um meine Schulter und tröstete mich, während ich weinte. Hier ging es nicht um mich, aber ich musste die Emotionen rauslassen. Ich wollte das Gleiche wie meine Eltern – herausfinden, was mit Josh los war und dafür sorgen, dass wir alles Nötige taten, damit es ihm wieder gut ging.

6

Wir warteten gefühlte Ewigkeiten darauf, dass einer der Ärzte mit den Testergebnissen vorbeikam und sie mit uns besprach. Einen Moment fragten wir uns sogar, ob es erst am nächsten Tag während der Morgenvisite sein würde. Wir wussten jedoch alle, dass wir nirgendwo hingehen würden, bis wir nicht irgendwelche Informationen bezüglich Joshs Zustand erhalten hatten.

Einer der Ärzte war mitten in der Nacht reingekommen, um zu besprechen, was Josh auf dem Footballplatz passiert war.

„Strenggenommen war es ein Herzinfarkt“, erklärte er.

Ich packte den Arm meiner Mom, um mich einerseits zu wappnen und andererseits sicherzustellen, dass sie nicht direkt neben Joshs Bett zusammenbrach.

„Was? Das kann nicht sein.“ Mein Dad war außer sich. „Er ist erst siebzehn… Ich habe von so etwas schon mal gehört, aber ist das nicht selten?“

Der Arzt verzog das Gesicht zu einer schmerzerfüllten Grimasse. „Nun, das hängt alles von dem Vorfall ab, der zu dem Herzinfarkt geführt hat. Und das untersuchen wir momentan. Die meisten dieser Ursachen können nach einem Infarkt zwar recht einfach gefunden werden, aber Joshs war ziemlich klein – wenn man alles berücksichtigt. Das ist so eine Sache, die manche Leute erleben und dann oft wieder ihrem Alltag nachgehen, wenn auch mit schrecklichen Beschwerden. Auf eine Weise hatte Josh Glück, dass er das Bewusstsein verloren hat, aber das wirft noch andere Fragen auf.“

„Also, wann werden wir etwas Konkretes wissen?“, fragte meine Mom.

„Ich habe diesen Fall an einen meiner Kollegen abgegeben, der mehr Erfahrungen im Bereich der Kinderkardiologie hat. Ihr Sohn ist zwar fast ein erwachsener Mann, aber theoretisch noch immer ein Kind. Bei dem, was seinem Körper momentan Probleme bereitet, handelt es sich vermutlich um etwas, das bereits seit einer Weile nicht in Ordnung ist. Im Moment untersuchen wir den Grund des Infarkts und was wir tun können, um einen weiteren zu verhindern.“

Ich hörte dem Arzt aufmerksam zu, da ich kein Wort verpassen wollte. Meine Eltern waren emotional so verwickelt in das Ganze, dass ich wusste, es könnte nützlich sein, wenn ich in dieser Situation die Ohren für sie war. Es geschah manchmal schnell, dass man hier und da ein Wort verpasste oder etwas falsch interpretierte, das die Ärzte sagten.

„Zum Beispiel“, fuhr der Arzt fort, „wenn Josh ein fünfundvierzigjähriger, biersaufender Pizzawettessengewinner wäre, der aussieht, als würde er ein Fass in seinem Bauch herumschleppen, dann hätte ich eine ziemlich eindeutige Vermutung, was der Grund für seine Probleme ist. Josh ist jedoch siebzehn und das an sich macht den Fall schon bedeutend schwieriger. Er ist in jeder Hinsicht gesund, hat Football gespielt, als es passierte und ich schätze mal, dass er seit dem Spätsommer zweimal am Tag trainiert hat?“

Josh nickte und beteiligte sich endlich an der Diskussion über seine Gesundheit.

„Hast du während des Trainings jemals Schmerzen in der Brust gehabt, Josh?“

Er schüttelte den Kopf. „Ne, ich meine… nicht mehr als üblich. Also nicht in meiner Brust, sondern in meinem Magen. Aber das ist völlig normal. Wir rennen so viel, dass wir uns am Anfang der Trainingsphase übergeben. Was das angeht, bin ich wie jeder andere Kerl in meinem Team.“

Der Arzt markierte etwas auf seinem Klemmbrett. „Gibt es Momente, in denen du dich ohne guten Grund atemlos fühlst?“

Josh dachte einen Augenblick darüber nach. „Nun, ich hatte Asthma, als ich klein war, und manchmal fühlt es sich so an, als würde sich das wieder bemerkbar machen.“

Diese Aussage erweckte die Aufmerksamkeit des Arztes. „Okay, genau das ist die Art von Information, nach der ich in der Gesundheitsakte einer Person suche. Das ist die Art von Information, die die Leute gerne mal vergessen. Man denkt nicht mehr daran, dass er Asthma hatte, als er klein war, und dann, wenn sich mit siebzehn wieder ähnliche Symptome zeigen, denkt man einfach nur, dass ein Teil des Asthmas zurückkommt. Die Wahrheit ist jedoch – und das ist nur eine Hypothese von mir und auf keinen Fall eine Diagnose – dass es sich aufgrund der Funktionsweise und Lage deiner Bronchien anfühlen kann, als würde sich etwas zusammenziehen und Atemnot verursachen, wenn sie stark beansprucht werden und du einen Asthmaanfall oder etwas Ähnliches erleidest. Klingt das in etwa wie das, was du erlebt hast?“

Josh nickte und sah zwischen meinen Eltern hin und her.

„Also die Sache dabei ist – eine Menge Dinge können sich wie ein Asthmaanfall anfühlen. Normalerweise passiert allerdings das Gegenteil. Jemand kommt beispielsweise mit einem Engegefühl in der Brust und Atemnot hierher und denkt, dass er einen Herzinfarkt hat. In diesen Fällen ist es für gewöhnlich etwas anderes – zum Beispiel eine Panikattacke, Asthma, Costochondritis oder jedes beliebige Leiden, das an der Thoraxwand vorkommen kann. In deiner Situation glaube ich jedoch, dass wir es mit einem kardialen Vorfall oder Leiden zu tun haben, das sich als Rückkehr deiner Asthmasymptome getarnt hat.“

Das war ganz schön viel zu verarbeiten und der Arzt ließ uns einige Stunden allein, sodass wir diese Informationen verdauen konnten, ehe sein Kollege auftauchte.

Bei Anbruch der Dämmerung kam der Spezialist herein und sein Tonfall war sehr viel barscher als der des anderen Arztes.

„Josh, Mr. und Mrs. Tanza, ich bin Dr. Douglas und ich werde gleich auf den Punkt kommen.“

Keiner von uns hatte in dem Krankenzimmer viel Schlaf bekommen, weshalb wir den Arzt aus trüben Augen anschauten und darauf warteten, was er über Joshs Prognose und Genesungsweg zu sagen hatte.

„Ich konnte mittlerweile die Bilder, die wir von Joshs Herz gemacht haben, anschauen und ich habe sämtliche Informationen, die die Maschinen im Verlauf der Nacht gesammelt haben, ausgewertet.“ Er tippte auf eine der Maschinen, die über mehrere unterschiedliche Drähte mit Josh verbunden war. „Ich musste wirklich suchen, aber ich konnte die Quelle des Problems lokalisieren. Josh hat ein sehr kleines Loch in seinem Herzen.“

Meine Mutter keuchte hörbar auf und klammerte sich mit aller Kraft an die Hand meines Vaters.

„Das ist normalerweise etwas, das sich im Wachstum von allein gibt. In manchen Fällen wird es jedoch zu einer Situation, die durch eine Operation korrigiert werden muss. In noch selteneren Fällen haben wir es jedoch mit Situationen zu tun, in denen diese Operation keine Option zu sein scheint, weil das Problem so lange unbemerkt bestand hatte – oder wie in diesem Fall aus anderen Gründen.“

„Was meinen Sie damit – Sie können keine Operation durchführen, um das Problem zu beheben?“, fragte mein Dad überrascht.

Dr. Douglas schüttelte den Kopf. „Ich fürchte nicht. Was wir in der Nähe des Lochs gefunden haben war sehr viel ernster. Joshs Herz ist stark deformiert. Eine der Kammern ist größer als sie sein sollte. Sie pumpt das Blut auf eine Art durch das Herz, die es dem Rest des Herzens sehr schwermacht, mitzuhalten. Das in Kombination mit dem Loch hat tatsächlich eine sehr ernste Lage geschaffen. Ich möchte Sie nicht in Panik versetzen, aber die Wahrheit ist, dass es sich hier um eine äußerst schwerwiegende Situation handelt. Sie müssen jetzt davon erfahren, damit sie bereit sind, die Entscheidungen zu treffen, die in den kommenden Tagen anfallen werden.“

Ich saß schockiert da, nicht ganz sicher, was der Arzt uns als Nächstes erzählen würde. Für mich hörte es sich so an, als gäbe es nichts, das er tun könnte, um meinem Bruder zu helfen, und dieser Gedanke reichte, um mich völlig aus der Bahn zu werfen.

„Was ich sagen will ist… es ist ein Wunder, dass Josh heute hier ist. Um ehrlich zu sein, sollte er das nicht. Das ist eine Erkrankung, die bei einem Kleinkind auftritt oder auch nicht und das bereits am nächsten Tag tot sein könnte. Es ist wirklich erstaunlich, dass bisher noch nichts passiert ist. Aber jetzt sind wir hier und Sie müssen sich über einige Dinge klarwerden. Josh ist jung, weshalb er auf der Liste nach oben rücken wird, und er ist gesund, was sich ebenfalls zu seinen Gunsten auswirkt.“

„Warten Sie, was? Reden Sie hier von einem Transplantat?“, platzte es aus Josh heraus.

Dr. Douglas nickte. „Ich fürchte, das ist unsere einzige Option, Josh. Es besteht eventuell die Möglichkeit, das Loch in deinem Herzen zu reparieren, aber in Anbetracht der starken Deformierung ist es eher unwahrscheinlich, dass die Operation einen großen Unterschied machen würde. Wenn du eine Chance auf ein Leben bis in ein hohes Alter möchtest, dann werden wir dir ein neues Herz besorgen müssen.“

Es war dieser Moment, in dem ich dachte, dass ich ohnmächtig werden würde. Ich holte tief Luft, während die Neuigkeiten langsam zu all meinen Familienmitgliedern durchsickerten und ich betete stumm, dass sich alles regeln würde, irgendwie.


Es dauerte eine Woche, bis wir von der Versicherung hörten. Wir kannten jetzt die Kosten, die auf uns zukamen, und das erste, das Suzy für mich tat, war einen Spendenaufruf zu starten, damit wir die Arztrechnungen für Joshs neues Herz bezahlen konnten.

Die Summe zu hören, für die wir aufkommen würden müssen, nachdem die Versicherung ihren Teil abgedeckt hatte, war schrecklich entmutigend und ich wusste nicht, wie wir das jemals schaffen sollten. Das waren Schulden, an denen meine Eltern den Rest ihres Lebens zu knabbern hätten. Jede Hoffnung, wie alle anderen in Rente gehen zu können, wurde zerschlagen, weil sie jeden einzelnen Cent, den sie besaßen, darauf verwenden würden, ihrem Kind die medizinische Versorgung zukommen zu lassen, die es zum Überleben brauchte, wie es alle Eltern tun würden.

Ich verfluchte den Zustand des amerikanischen Gesundheitssystems und vergrub im Umkleideraum des Club V das Gesicht in den Händen. Ich hatte gerade Pause und ein Telefongespräch mit meiner Mom beendet, die sich auf den Moment vorbereitete, in dem sie den Anruf erhalten würden, dass Josh ein Transplantat erhielt. Das war etwas, das ihr Kummer bereitete: der Gedanke, dass jemand anderes sterben musste, um Josh eine Chance auf ein Leben zu geben. Sie fand sich jedoch allmählich damit ab und hatte akzeptiert, dass sich aus all dem irgendwie irgendetwas Gutes ergeben würde.

„Hey“, sagte Suzy, als sie hinter mich trat und mir über den Rücken rieb. „Wie geht’s dir?“

Ich seufzte und zuckte mit den Achseln. „Es ginge mir sehr viel besser, wenn sich meine Lottogewinne dazu entscheiden würden, sich endlich zu zeigen. Du weißt schon, die Lottogewinne der Lotterie, an der ich mich nicht erinnern kann, teilgenommen zu haben.“

„Ah ja, diese. Yeah, auf die warte ich auch.“ Sie sah zu mir, Mitleid deutlich in ihren Augen. „Ich wünschte, es gäbe etwas, das ich tun könnte, um dir zu helfen, Samara.“

„Suzy, du hast schon so viel getan und uns mit dem Spendenaufruf geholfen. Wirklich, ich kann dir gar nicht genug dafür danken.“ Ich holte tief Luft. „Es ist nur so, dass es nie reichen wird. Ich habe beschlossen, meinen Eltern alles, was ich gespart habe, für Joshs Operation zu geben.“

„Im Ernst?“ Sie sah schockiert über dieses Geständnis aus.

Ich nickte. „Ich habe nicht annähernd genug, aber selbst die kleinste Summe hilft. Zwanzigtausend sind alles, das ich gespart habe, was, wenn man darüber nachdenkt, eine Menge ist, das weiß ich. Aber in diesem Fall ist es kaum mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. Ich habe einfach keinen blassen Schimmer, wie wir 150.000$ zusammenbekommen sollen. Ich muss einen Weg finden, dieses Geld zu verdienen und zwar schnell. Ehrlich, ich werde alles tun, um die Summe zusammenzukratzen, die sie brauchen, aber ich habe einfach keine Idee, wie ich das schaffen soll. Ich denke, dass es vielleicht unmöglich ist.“

Da betrachtete mich Suzy leicht verlegen, als würde sie etwas vor mir geheim halten. Wir kannten uns schon viel zu lange, als dass sie jetzt anfing, Geheimnisse vor mir zu haben.

„Was?“, fragte ich. „Ich kenne diesen Gesichtsausdruck. Du kannst nichts vor mir verbergen. Spuck es aus, jetzt.“

Suzy biss auf ihre Lippe. „Okay, ich werde es dir verraten, aber ich möchte, dass du mir versprichst, dass du mich nicht hassen oder wütend auf mich werden wirst. Okay?“

Ich streckte meine Hand aus und nahm ihre sanft in meine. „Suzy, niemals. Du bist meine beste Freundin. Was ist los?“

„Ich habe darüber nachgedacht, wie du schnell Geld verdienen könntest und ehrlich, Samara, wenn ich es selbst tun könnte, dann würde ich das, aber leider ist dieser Zug schon vor langer Zeit abgefahren.“

Ich bedachte sie mit einem fragenden Blick. „Wovon redest du?“

Sie räusperte sich und wappnete sich, etwas zu sagen, das in Worte zu fassen ihr sichtlich schwerfiel.

„Ich rede von ‚Dem Raum‘. Dem, in dem du das in New York gesehen hast.“

Der Raum reichte, sie musste es nicht weiter ausführen. Ich holte nochmal tief Luft.

„Ich würde lügen, würde ich behaupten, dass es mir nicht schon durch den Kopf gegangen ist“, gestand ich in gedämpftem Tonfall.

Suzy drückte meine Hand. „Hör zu, Samara – es gibt nichts, wegen dem du dich schämen müsstest. Ehrlich, ich habe noch nie von einem ehrbareren Grund gehört, so etwas zu tun. Es würde deiner Familie helfen und auch wenn ich keinesfalls denke, dass du dich unter Druck gesetzt fühlen solltest, ihnen finanziell unter die Arme zu greifen, wenn das etwas ist, das du tun möchtest… dann ist das Zimmer eine Option.“

Ich nickte und starrte auf meine Hände. Seit dem Moment, in dem ich das erste Mal die Summe gehört hatte, die meine Eltern für die Transplantationsoperation meines Bruders würden bezahlen müssen, war der Gedanke an die Auktionsbühne im Club V NYC wie ein Gespenst in meinem Hinterkopf herumgeschwebt. So groß meine Abneigung gegen die Vorstellung auch gewesen war, als ich es zum ersten Mal live und in Farbe gesehen hatte, gab es jetzt, da es um das Leben meines Bruders ging, eine Menge Dinge, die ich tun würde, um dafür zu sorgen, dass er die Pflege erhielt, die er brauchte.

„Yeah, ehrlich gesagt, bin ich froh, dass du es angesprochen hast. Ich habe wirklich darüber nachgedacht und irgendwie das Universum um ein Zeichen gebeten. Ich weiß, du willst das vermutlich nicht für mich sein“, sagte ich mit einem beruhigenden Lächeln, „aber ich denke, ich werde so tun, als wärst du eines.“

„Samara, ernsthaft, du musst es nicht tun. Aber ich möchte, dass du weißt, dass du meine volle Unterstützung hast, falls das der Weg ist, den du einschlagen möchtest. Es gibt nichts, dessen du dich schämen müsstest. Es ist dein Körper und du kannst damit tun, was du möchtest. Und weißt du was? Ich wette, da du bereits eine Angestellte bist, werden sie… wie heißt das nochmal? Dich keiner ‚extremen Überprüfung‘ unterziehen.“ Sie konnte sich ein Kichern nicht verkneifen. „Aber im Ernst, Stew liebt dich abgöttisch und würde niemals zulassen, dass du in eine schlimme Situation gerätst. Er versteht sich gut mit den Leuten in New York. Lass ihn ein paar Anrufe tätigen und das Ganze für dich in die Wege leiten, wenn du es wirklich tun möchtest. Ich wette, sie können sicherstellen, dass jemand wirklich Nettes für dich dort ist. Sie werden dich nicht an irgendeinen kranken Dreckskerl oder jemanden verhökern, der auf richtig hartes BDSM steht.“

Die Idee schlug jetzt wirklich Wurzeln in meinem Gehirn und ich fragte mich, bei was für einem Kerl ich am Ende wohl landen würde. Es bestünde keine Möglichkeit, das vorher zu wissen, nicht einmal, aus wem die Gruppe Leute bestehen würde, die an diesem Abend für die Versteigerung anwesend wäre. Und das auch nur, wenn ich überhaupt die Anforderungen für die Auktionsbühne erfüllte.

„Was, wenn sie… mich nicht wollen?“, fragte ich schüchtern. Ich wusste nicht, was mich in diesem Moment überkam, aber etwas daran ließ mich sehr verletzlich fühlen.

Suzy hielt meine Hände fest und zog mich hoch auf meine Füße. Dann drehte sie mich um, sodass ich einem der Ganzkörperspiegel gegenüberstand.

„Sieh dich an“, sagte sie sanft. Und das tat ich, zum ersten Mal seit einer ganzen Weile betrachtete ich mich selbst länger im Spiegel. Meine Augen waren ein wenig geschwollen von dem vielen Weinen der vergangenen Wochen, aber alles in allem sah mein Gesicht noch immer so hübsch, jung und frisch aus wie eh und je.

„Darf ich?“, fragte sie und schon lagen die Hände meiner besten Freundin auf meinem Körper und sie fuhr mit ihren langen Fingern meine Kurven hinab, während sie mir ins Ohr flüsterte. „Du hast eine fantastische Figur und jeder Mann wäre glücklich, mit dir zusammen sein zu dürfen. Ich denke, es ist wichtig, dass Frauen ihren Freundinnen solche Dinge sagen. Du wirst dort hochgehen und sie umhauen, Samara. Merk dir meine Worte.“


Suzy ging für mich zu Stew und führte das erste Gespräch mit ihm, bei dem sie ihm alles erklärte. Zuerst hatte er nicht einmal darüber reden wollen und so getan, als wäre die Auktionsbühne ein Mythos oder bloßes Gerücht. Doch als sie, wie sie mir später erzählte, Druck auf ihn ausübte und ihm von meinem Erlebnis in der New Yorker Filiale berichtete, lenkte er schließlich ein. Dennoch wollte er mich nicht gehen lassen.

Ich traf mich mit ihm, um die Sachlage mit ihm zu besprechen und jegliche Ängste aus dem Weg zu räumen, die er darüber hatte, mich diese Entscheidung selbst treffen zu lassen.

„Ich will ehrlich zu dir sein, Stew. Ich rede hier nicht davon, im Hauptbereich zu arbeiten. Das kommt für mich nicht in Frage.“

„Da liegst du verdammt richtig, das kommt es nicht.“ Er wirkte beleidigt, dass ich überhaupt darüber nachgedacht hatte. Obwohl das Management im Club V absolut nichts dagegen hatte, wenn wir beruflich aufsteigen wollten, so hatte Stew einen ausgeprägten Beschützerinstinkt, wenn es um sein Barpersonal ging, und es hatte den Anschein, als würde er mich fast als seine Tochter betrachten.

„Samara, ich muss einfach wissen, dass es etwas ist, das du wirklich machen willst. Ich verstehe, dass es ein sensibles Thema ist und du dich vermutlich nicht wohl damit fühlst, es mit mir zu bereden.“

Ich saß gegenüber von Stew an seinem Schreibtisch. Ich besuchte sein Zimmer nicht oft, aber es war offenkundig, dass der Kerl hinter dem Tisch einer der Guten war. Ein Familienmensch, der auf seine Leute aufpasste und nur das Beste für mich wollte.

„Stew, ich versichere dir, dass ich diese Entscheidung selbst getroffen habe. Meine Familie braucht meine Hilfe jetzt mehr denn je und wenn ich das für sie tun kann, dann würde ich mich wie eine Idiotin fühlen, würde ich diese Gelegenheit sausen lassen. Ich habe nicht mehr das Gefühl, als würde ich noch an irgendetwas festhalten. Es wäre einfach nur eine Transaktion. Und ich schätze, der Club würde in diesem Fall als Vermittler fungieren?“

Mein Boss nickte und seufzte. „Aber lass uns eines klarstellen – ich werde den besten Preis für dich rausschlagen, den ich bekommen kann. Sie sind fair, schätze ich, versteh mich nicht falsch. Ich würde niemals den Namen des Club V in den Dreck ziehen. Ich möchte nur nicht, dass du am Ende einen Deal erhältst, der nicht gut ist. Und du wirst auch nicht mit einem dieser kranken Mistkerle nach Hause gehen. Nein, ich werde persönlich dafür sorgen, dass wer auch immer die Möglichkeit erhält, auf dich zu bieten, erstklassig sein wird… Männer, die man auch heiraten würde. Samara, meinst du, ich könnte dich nicht einfach an jemanden vermitteln und ihr könntet heiraten?“

Ich lachte über ihn. Er hatte eindeutig noch immer große Vorbehalte gegen die Vorstellung, dass ich meine Jungfräulichkeit verkaufte.

„Stew, auch wenn das ein sehr großzügiges Angebot ist, fürchte ich, dass ich wegen dem Geld hier bin, nicht wegen einem Ehemann oder der wahren Liebe. Sorg einfach dafür, dass er anständig ist und dann schätze ich, werde ich ab da übernehmen.“

Mein Boss nickte und atmete lange und geräuschvoll aus. „In Ordnung. Wenn du entschlossen bist, es zu tun, dann gibt es, nehme ich mal an, keine Möglichkeit mehr, es dir auszureden. Ich werde einen Anruf machen und den Ball ins Rollen bringen. Du solltest noch vor Ende der Woche von mir hören.“


Es dauerte nicht so lange, bis ich eine Antwort vom New Yorker Club erhielt. Es war ein schnelles und definitives JA. Stew erzählte mir, dass ich mit einem Anruf von Elle rechnen sollte und wie vorausgesagt erfolgte er auch schon am nächsten Tag.

„Samara? Hi, hier ist Elle. Ich bin die Personalchefin… wir haben uns damals kennengelernt, als du die eine Nacht hier gearbeitet hast.“

„Richtig, natürlich. Danke für deinen Anruf, Elle.“ Ich hörte ein leichtes Zittern in meiner Stimme und versuchte, jegliche Nervosität, die ich empfand, zu unterdrücken.

„Wir freuen uns sehr, dass du beschlossen hast, in dieser Kapazität für den Club zu arbeiten. Allerdings muss ich dich aufgrund der sensiblen Natur dieses Geschäfts bitten, zum New Yorker Club zu kommen, damit wir das Ganze persönlich besprechen und alles in die Wege leiten können. Wie klingt morgen Nachmittag für dich?“

„Super, ich kann da sein, wann immer du mich brauchst.“

Wir vereinbarten einen Termin um vierzehn Uhr am folgenden Nachmittag und ich fuhr auf dem gleichen Weg wie vor sechs Monaten in die Stadt. Dieses Mal verspürte ich weniger Beklemmungen als beim letzten Mal, was merkwürdig war, wenn man bedachte, was ich im Club besprechen würde. Eine Menge Gedanken wirbelten durch meinen Kopf und meine einzige Hoffnung für den Tag war, dass ich Neil Vance nicht begegnen würde.

Ich wurde durch die Tür gelassen und Elle begrüßte mich dort, ehe sie mich zu ihrem Büro führte. Es war ein heller, offener Raum, so völlig anders als der Rest des Etablissements, und ich fühlte mich sofort beruhigt und zu Hause in ihrer Gegenwart. Sie war dieses Mal in ein enges schwarzes Kleid gehüllt, immer noch professionell, aber so verführerisch, dass sie perfekt in den Club V passte.

Elle nahm hinter ihrem Schreibtisch Platz und forderte mich dazu auf, es mir ihr gegenüber bequem zu machen. Sie schenkte mir ein aufrichtiges, strahlendes Lächeln beim Sprechen.

„Ehrlich, Samara, ich bin so froh, dass du mit dieser Sache zu uns gekommen bist. Ich weiß, es kann ein sehr sensibles Gesprächsthema sein und ich verstehe, wenn du dich deswegen etwas komisch fühlst, aber ich möchte, dass du weißt, dass du mir vertrauen kannst und alles mit größter Diskretion gehandhabt wird.“

Ich nickte. „Mir wurde versichert, dass das hier der Ort ist, an den man gehen sollte, wenn man vorhat… diese Art von Gütern zu verkaufen.“

Sie lachte gut gelaunt. „Du bist witzig. Das ist gut. Es ist wirklich wichtig, einen Sinn für Humor zu haben, wenn man das hier angeht. Ich denke, es hilft einem dabei, alles ein bisschen leichter zu nehmen. Um aber aufs Geschäftliche zu sprechen zu kommen – du bist Jungfrau, korrekt?“

„Ja. Ich hatte den Eindruck, dass dies eine Voraussetzung sei.“

„Oh, das ist es für dieses Prozedere. Allerdings wollte ich dir nur mitteilen, dass ich dir die medizinische Bestätigung ersparen werde. Du bist eine Angestellte und arbeitest bereits eine Weile für uns und mir wurde versichert, dass du vertrauenswürdig bist. An dieser Stelle käme normalerweise der Teil, an dem ich dich bezüglich deiner Interessen befragen würde und womit du einverstanden bist und womit nicht und all das – allerdings haben wir hier eine Art einzigartige Situation.“

Ich war neugierig, was sie damit wohl meinte. „Oh?“

„Nun ja, sie ist nicht völlig einzigartig. Weißt du, manchmal haben wir Männer, die sich sofort für eine Frau melden. Diese Frau kommt erst gar nicht auf die Auktionsbühne. Es passiert nicht gerade häufig, da wir unser Geschäft eigentlich nicht auf diese Weise führen möchten. Es ist besser, sie in den Club zu bringen, verstehst du. Wir sind nicht einfach irgendein Jungfrauen-Verkupplungs-Dienst.“ Sie lachte. „Es geht hier auch um das Club V Erlebnis. Wir möchten, dass jeder eine tolle Zeit hat und wir möchten auch einen Teil des Mysteriösen bewahren, das wir uns aufbauen konnten. Die Auktionen im Haus abzuhalten sowie darauf zu bestehen, dass unsere Bieter persönlich kommen und an dem Event teilnehmen ist eine Möglichkeit, das zu erreichen.“

Das ergab für mich alles Sinn, aber ich verstand noch immer nicht, was sie damit meinte, wenn sie sagte, dass es eine einzigartige Situation wäre.

„Was ich sagen will, ist, dass du die Auktionsbühne nicht betreten wirst.“

„Was?“ Ich riss verblüfft die Augen auf. Hatte sie mir nicht gerade erzählt, dass sie begeistert wären, mich aus genau diesem Grund hier zu haben?

„Oh, du wirst immer noch vermittelt werden und deine Bezahlung erhalten“, sagte sie, als könnte sie meinen inneren Monolog hören. „Du wirst nur nicht auf der Auktion auftreten. Betrachte es auf diese Weise, es sind weniger Leute, die dich nackt zu sehen bekommen. Ich persönlich bin davon überzeugt, dass einige dieser Männer nur wegen der Show kommen. Wir schmeißen Spanner allerdings nach ein paar Malen raus. Nein, du wurdest bereits vermittelt. Jemand hat dein Foto auf der Liste der Frauen gesehen, die bald zu ersteigern sind, und hat verlangt, dass du sofort von der Liste genommen und für ihn reserviert wirst.“

Ich schluckte schwer. Das war alles sehr schnell gegangen und jetzt wurde ich mit der Tatsache konfrontiert, dass alles sehr real war und schon bald passieren würde.

„Wow, ich schätze, ich fühle mich geschmeichelt.“ Ich wusste nicht, was ich sonst dazu sagen sollte.

„Ja, nun, wie ich sagte, ist es ziemlich selten, aber manchmal machen wir für wirklich gute Kunden eine Ausnahme. Ich habe ihm sogar von der spezifischen Situation, mit der wir es hier zu tun haben, erzählt – mir tut es übrigens sehr leid, was dein Bruder durchmachen muss. Aber ich habe ihm auch mitgeteilt, dass wir einen indiskutablen Mindestpreis haben. Diese Person hat ein Gegenangebot abgegeben.“

„Was für ein Gegenangebot?“

Sie schob einen Stapel Papiere über den Tisch zu mir. „Wie du weißt, kann die Länge unserer Verträge variieren. Bei manchen unserer Individuen, die versteigert werden, dauern sie bis zu einem Jahr.“

Ich schluckte. „Jemand könnte mich für ein Jahr kaufen?“

Sie schüttelte den Kopf. „Das könnte jemand, aber das hat er nicht. Keine Sorge. Das ist normalerweise nur Mitgliedern von Königsfamilien aus bestimmten Ländern vorbehalten, die mehrere tausend Meilen entfernt liegen. Du wirst nicht nach Übersee geschickt.“

„Gott sei Dank“, sagte ich und atmete erleichtert aus, während ich die Dokumente durchsah.

„Diese Person hat einige Bedingungen und die werde ich dir jetzt erklären, damit du nicht die ganzen fünfzig Seiten hier lesen musst. Die sind nur dazu da, zu bestätigen, dass du allem zustimmst und es sich um einen bindenden Vertrag zwischen dir und dem Käufer handelt und Club V nur als Mittelsmann zwischen zwei einvernehmlichen erwachsenen Parteien fungiert, die legale Aktivitäten durchführen.“

Ich nickte, während ich das alles verarbeitete. Es war eine Menge für einen Nachmittag.

„Die Bedingungen, die diese Person angeboten hat, sind sehr einfach. Du wirst eine Woche lang zu ihrer Verfügung stehen. Wenn du zustimmst, dann beginnt der Vertrag diesen Samstag um neunzehn Uhr abends. Sein Gegenangebot lautete, ich zitiere, ‚Die Arztrechnungen ihres Bruders in ihrer Gesamtheit zu übernehmen.‘“

Ich ließ den Stift fallen, den ich in der Hand gehalten hatte, während ich die Dokumente überflogen hatte, und schaute zu Elle mit einer Miene absoluten und völligen Schocks hoch.

„Ich weiß“, sagte sie mit einem sanften Lächeln. „Es ist ein sehr großzügiges Angebot. Das schließt alle Rechnungen für die Transplantationsoperation deines Bruders und was auch immer bei seiner Genesung passiert mit ein. Ich konnte es selbst nicht glauben, aber es handelt sich hier um einen sehr besonderen Klienten und er schien wirklich sehr erpicht zu sein, wann immer er einen Blick auf dich werfen konnte.“

„Ich weiß wirklich nicht, was ich sagen soll, Elle.“ Ich wusste nicht, was ich sagen sollte, aber ich wusste, was ich dachte. Jetzt gab es kein Zurück mehr. Ganz egal, wie der Rest der Bedingungen lautete, ich würde das Angebot dieses Mannes annehmen, denn ich könnte unter keinen Umständen einen besseren Deal als diesen erhalten. Wenn es darum ging, meiner Familie zu helfen, dann war dies die ultimative – die ideale – Situation, in der ich mich wiederfinden konnte. Nur ein Narr würde ein solches Angebot ablehnen.

„Da gibt es nur noch eine Sache, die du wissen musst, ehe wir uns dem langweiligen rechtlichen Teil widmen. Die einzige Einschränkung der Person war, dass du nicht erfahren darfst, um wen es sich handelt, bis du an dem Ort ankommst, wo du die Woche verbringen wirst. Aber sei beruhigt, diese Person wurde gründlich überprüft und du wirst in guten Händen sein. Völlig sicher.“ Sie lächelte erneut, ein eindeutiger Versuch, dafür zu sorgen, dass ich mich wohlfühlte. „Also, du wirst am Samstagabend abgeholt und zu dem Ort gebracht werden, an dem du deine Woche mit diesem Individuum verbringen wirst. Du wirst dich dort mit ihm treffen und dann… wird sich alles ergeben. Das Ganze ist in dem Papierkram detaillierter ausgeführt, aber ich werde es dir in einfachen Worten erklären.“ Elle räusperte sich. „Es wird von niemandem erwartet, sich zu irgendetwas überreden zu lassen oder an einem Akt teilzunehmen, mit dem man sich nicht wohlfühlt. Dir muss allerdings klar sein, dass du zustimmst, im Verlauf der Woche mindestens einmal richtigen Geschlechtsverkehr mit diesem Individuum zu haben. Das ist alles, was rein rechtlich gesehen von dir verlangt wird, wenn du dieses Dokument unterschreibst. Ich würde mal sagen, dass normalerweise etwas mehr als das erwartet wird, da du für eine Woche gekauft wurdest, aber das müssen du und dein Käufer miteinander besprechen. Weiterhin stimmst du in diesem Dokument zu, jeglichen Gewinn aufzugeben und auch keine Bezahlung durch Club V zu erwarten, wenn es dir nicht gelingt, diesen einen Akt zu vollziehen. Verstehst du das?“

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Дата выхода на Литрес:
07 ноября 2025
Объем:
362 стр. 5 иллюстраций
ISBN:
9783969533352
Издатель:
Правообладатель:
Bookwire
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