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HEILPFLANZEN FÜR MÄNNER

James Green

HEIL

PFLANZEN

FÜR

MÄNNER

Rezepte, praktische Anwendungen

und Pflanzenporträts

Herausgegeben von Olaf Rippe


Grundlage für die in diesem Buch enthaltenen Informationen sind die praktischen Erfahrungen und die Forschungen des Autors. Dieses Buch ersetzt nicht den Besuch bei einem Arzt/einer Ärztin, Therapeuten oder anderen Gesundheitsfachpersonen. Jede Diagnose und Behandlung einer Krankheit sollte unter Anleitung einer ausgebildeten Fachperson des Gesundheitswesens erfolgen. Weder der Verlag noch der Autor übernehmen die Verantwortung für irgendwelche nachteiligen Auswirkungen, die aus der Anwendung der in diesem Buch vorgeschlagenen Zubereitungen oder Verfahren entstehen könnten.

Die Originalausgabe dieses Buches ist unter dem Titel »The Male Herbal« in erster Auflage 1991 und in überarbeiteter zweiter Auflage 2007 bei Crossing Press, Crown Publishing Group, Random House, erschienen. Copyright Text ©1991/2007 James Green. Diese Ausgabe ist eine von Random House genehmigte Lizenzausgabe.

Aus dem Amerikanischen übersetzt von Gunther Seipel.

© 2019

AT Verlag, Aarau und München

Lektorat: Petra Holzmann

Anatomische Zeichnungen: Elizabeth Morales-Denny

Grafische Gestaltung und Satz: Giorgio Chiappa, Zürich

E-Book-Herstellung und Auslieferung: Brockhaus Commission, Kornwestheim, www.brocom.de

E-Book ISBN 978-3-03902-073-7

www.at-verlag.ch

Der AT Verlag, AZ Fachverlage AG, wird vom Bundesamt für Kultur mit einem Strukturbeitrag für die Jahre 2016–2020 unterstützt.

Den Ältesten und meinen ersten Lehrerinnen gewidmet:

Großmutter Charlotte Wilkins

und der bezaubernden Oma Faye Green.

Jo Green, die mich aufzog und dabei mit dem Flair

ihres unbezähmbaren weiblichen Geistes umgab,

und John »Frank« Fox, weil er mir den Weg des Humors zeigte.

Medizinfrau Norma Myers aus Kanada und

dem Heilpflanzenkundigen Dr. John R. Christopher:

Ihr habt mit eurem Leben und eurem heilenden Geist

das Feuer der Leidenschaft in diesem männlichen Herzen entfacht.

Und natürlich gilt die Widmung auch unseren vertrauensvollen

Verbündeten und Begleitern, den Pflanzen und Tieren.

Inhalt

Prolog

Vorwort

Vorwort zur deutschen Ausgabe

KAPITEL 1

Wo ist die Medizin für den Mann, die auf Allgemeinwissen und auf alter Weisheit beruht?

Oder: Warum kann ich keinen Männerarzt anrufen?

KAPITEL 2

Die Wiederverwertung unseres Erbes

Eine Einführung in die Pflanzenheilkunde und verwandte Themenbereiche

KAPITEL 3

Die Verbindung zwischen Mann und Frau

Die Pflege unserer Gleichheiten und Unterschiede

KAPITEL 4

Greens Hypothesen

Über Heilpflanzen für den Mann, bitter schmeckende Nahrung sowie Väter

KAPITEL 5

Eine Technologie der Unabhängigkeit

Ein Kurzlehrgang für die Zubereitung von Tees, Tinkturen und anderen Pflanzenextrakten

KAPITEL 6

Die Auswahl der richtigen Heilpflanzen

Die Wirkungen von Heilpflanzen und die Sprache der Pflanzenheilkunde

KAPITEL 7

Die spezifisch männliche Gesundheitspflege

Der Wald sei mit euch!

KAPITEL 8

Die allgemeine Pflege der Gesundheit

Von Vitaminen und Süßstoffen bis zu gesunder Haut und gesundem Haar

KAPITEL 9

Materia Medica

Nomenclatura officinalis (Heilpflanzenverzeichnis)

KAPITEL 10

Ein westliches, auf die Gesundheit ausgerichtetes Konstitutionsmodell

Wisse gut über dich selbst Bescheid!

KAPITEL 11

Heilpflanzen für Männer

80 bemerkenswerte Heilpflanzen für Männer jeden Alters (und die Frauen, die sie lieben)

KAPITEL 12

Und nun stellt sich die Frage: Wohin fällt die Saat männlicher Reife?

Unsere ehrwürdigen Männer

Danksagung

Literatur- und Quellenverzeichnis

Glossar

Zur Bestimmung der Konstitutionstypen

Produktliste

Autor und Herausgeber

Bildnachweis

Register

Prolog

Es ist mir ein Rätsel, warum wir Männer nicht schon früher ein Pflanzenbuch für Männer geschrieben haben. Dieses Werk soll das erste von vielen weiteren sein.

Als kleiner Junge rannte ich meist barfuß herum und trug schlabberige Pullover, die in ausgebeulten Kordhosen steckten. Ich fand mich selbst mindestens so großartig wie einen riesigen Grizzlybären. Natürlich wusste ich, dass ich im Vergleich dazu nur einen sehr kleinen Grizzlybären abgab, aber das war mir egal. Ich hatte das Gefühl, Menschen hätten das Potenzial, genauso prachtvoll und frei, mutig und unabhängig zu sein wie ein Grizzlybär, der einfach tun konnte, was er wollte: Er konnte spielen, wütend sein, Wildpflanzen fressen, sich herumwälzen, schlafen, brüllen, seine Wunden lecken und sie dadurch heilen. Er lebte in seinem Gebiet völlig autark und eigenständig. Ich liebte das. Wenn meine Freunde und ich Cowboy und Indianer spielten, war ich immer Broken Arrow, mein Lieblingskrieger unter den Indianern. Indianer verwendeten Wildpflanzen dazu, um wieder auf die Beine zu kommen, und damals schon hielt ich das für eine tolle Sache.

Männer und Frauen, die etwas reparieren konnten, bewunderte ich ebenso. Das waren Menschen, die für sich selber sorgen und anderen helfen konnten, die über einen gesunden Menschenverstand verfügten und dazu noch über alle Fertigkeiten, die man brauchte, um ein unabhängiges Leben zu führen. Sie wussten, wie man Feuer macht, wie man Gemüse anbaut, Nahrung einlagert und bei Verletzungen oder Krankheiten seinen Tieren hilft. Sie besaßen das Wissen und die Fähigkeiten, für ihre Familien zu sorgen, und benutzten auch heimische Arzneipflanzen dazu. Sie ruhten sich aus, wenn sie krank waren, und wussten, wann sie jemand anderem den Rat geben mussten, das ebenfalls zu tun. Sie erlaubten sich, laut aufzustöhnen oder sogar vor Schmerzen zu schreien. Warum auch nicht? Es schien das Natürlichste auf der Welt zu sein, obwohl… Broken Arrow hätte das natürlich nicht getan.

Heutzutage habe ich das Gefühl, dass den Menschen diese Art von Unabhängigkeit völlig verloren gegangen ist. Damit einher geht ein Verlust an Allgemeinwissen, an altem, überliefertem Wissen und einfachen Fertigkeiten. Und mit Trauer merke ich, wie auch der großartige Grizzlybär aus der immer weiter zusammenschrumpfenden Wildnis auf diesem Planeten verschwindet. Ich glaube, dass es eine Verbindung gibt zwischen dem Verschwinden der majestätischen Grizzlybären und dem parallel dazu ablaufenden Verschwinden der menschlichen Fähigkeit zu Eigenverantwortlichkeit und Selbstständigkeit.

Mit diesem Buch möchte ich dazu beitragen, dass beides erhalten bleibt und in seinem Wert noch gesteigert wird. Ich möchte helfen, gefährdete Pflanzen- und Tierarten zu bewahren und die genauso bedrohte Unabhängigkeit meiner Mitmenschen bei der Pflege ihrer eigenen Gesundheit wiederherzustellen. Ich bin von Beruf ein ganzheitlich ausgerichteter Heilpflanzenkundiger – und damit ein Generalist und kein Spezialist. Bei der Spezialisierung muss man zu viel vergessen. Hauptsächlich verwende ich die Sprache und die Modelle der Gesundheitspflege aus den empirisch vorgehenden Wissenschaften und der klinischen Forschung, wie sie in der traditionellen Pflanzenheilkunde des Westens entwickelt wurden. Dabei beziehe ich mich auf Informationen, die auf den Erfahrungen und Einsichten moderner, ganzheitlich arbeitender Mediziner beruhen.

In meinem Herzen und meinem Denken sind Frauen, Männer und Familien am lebendigsten, die in punkto Gesundheit unabhängig sind und auf sich selbst vertrauen. Ein klares Empfinden von sich selbst und das Wissen sowie die Fähigkeiten, sich um die eigene Gesundheit kümmern zu können, ist meiner Meinung nach für ein Leben in dieser Welt von grundlegender Bedeutung.

Die Pflanzenheilkunde ist eine Kunst und Wissenschaft, die das Wissen darüber beinhaltet, wie sich wilde und kultivierte Pflanzen unabhängig und selbstständig für die persönliche Gesundheitspflege verwenden lassen. Das Pflanzenmaterial und pflanzliche Essenzen zu verwenden, ist ökologisch vollkommen unbedenklich – sofern die Pflanzen mit Verstand geerntet werden. Heilpflanzen sind unverzichtbare pflanzliche Nahrungsmittel und Medizin für alle Bewohner des Gebiets, in dem sie vorkommen. Pflanzliche Medizin ist überall. Sie ist in jedem Wald, in jedem Dschungel, an jeder Küste, selbst in jedem Hinterhof und in jedem Hausgarten zu finden – vorausgesetzt, wir wissen, wie wir sie identifizieren und verwenden können, und vorausgesetzt, die kulturelle Amnesie hat uns nicht befallen und so machtlos gemacht, dass wir uns nur noch als Opfer von Verletzungen und »Krankheiten« sehen, die nicht ohne die externe Expertise einer zu einer Elite gehörenden Autorität geheilt werden können, und der Auffassung sind, Gesundheit lasse sich nicht ohne diese Experten aufrechterhalten.

Irgendjemand stellte einmal weise fest: »Heilung ist eine Grundfunktion des Menschen; sie besteht weder aus der Berührung durch einen Mediziner, noch ist sie eine übernatürliche Kraft.« Heilung ist ein ganz natürlicher Vorgang in der persönlichen Entwicklungsgeschichte jedes Menschen; Krankheit ist das ebenso. Heilung ist ein Bestandteil von jedem, der einen lebendigen Körper sein Zuhause nennt; sie geht einher mit der Tatsache, über einen Körper zu verfügen. Doch wir sollten uns nicht täuschen lassen: Weder die Kraft, sich selbst zu heilen, noch der wirkungsvolle Gebrauch von Heilkräutern und Arzneipflanzen beruht auf dem Vorhandensein einer magischen, chemischen Substanz, die alles im Handumdrehen in Ordnung bringt, oder einer Art Wunderwaffe in Form einer Pflanze. Keine einzige medizinische oder technologische Errungenschaft kann das, obwohl viele mit großem Aufwand versuchen, uns davon zu überzeugen, dass sie das mit irgendetwas hinbekommen. Heilung ist ein sehr viel tiefgreifenderer Prozess und besteht nicht aus dem Kauf eines von irgendeinem Unternehmen fabrizierten pflanzlichen oder chemischen Präparats zur Erlangung von Gesundheit.

Die Fähigkeit, sich um seine eigene körperliche Verfassung zu kümmern, erzeugt auch ein Gefühl, das ich mit Würde bezeichnen würde. Wenn man in einer verständigen Beziehung mit seiner natürlichen Umgebung lebt, persönlich unabhängig ist und alle Fähigkeiten hat, um sich selbst mit natürlichen Heilmitteln und Selbsthilfemaßnahmen zu versorgen, erreicht man eine Würde, die meiner Meinung nach besonders gut zum Wesen eines Mannes und zur männlichen Psyche passt.

Ach ja, die männliche Psyche! Klare Vorstellungen davon müssen irgendwo auf der dunklen Seite des Mondes vorhanden sein, vielleicht in Form eines Labyrinths, das noch mysteriöser ist als das der weiblichen Psyche. In diesem Buch geht es genau um dieses Mysterium. Dieses Buch ist die Frucht aus einem intensiven Austausch persönlicher Erfahrungen, Meinungen und Hypothesen über die männliche Seele und die Pflege der männlichen Gesundheit. Es ist weder ein Buch über Männer, noch ausschließlich an diese gerichtet. Es wurde von einem Mann verfasst, der sich mit anderen Personen seines Geschlechts unterhalten, sie befragt, beobachtet und mit ihnen gearbeitet hat. Die vorliegenden Ideen und Techniken zur ganzheitlichen, auf pflanzlichen Heilmitteln basierenden Gesundheitspflege sollen als Konzepte dienen, die Männer jeden Alters, aller Rassen, aller Länder und Kulturen in ihre Überlegungen einbeziehen können, um damit zu arbeiten und sie miteinander zu teilen. Das Buch richtet sich an alle Männer, mögen sie jung oder alt sein, in der Stadt oder auf dem Land leben, hetero- oder homosexuell sein. Unabhängig von meinen eigenen Vorlieben, die da und dort durchschimmern mögen, möchte ich jeden Mann dazu ermutigen, seinen eigenen Weg anzunehmen und ihm von ganzem Herzen zu folgen.

Bevor wir uns nun auf die Reise in die geheimnisvolle und faszinierende Landschaft aus Fragen begeben, die ganz spezifisch die männliche Gesundheit betreffen, würde ich gerne noch einiges für die Leserschaft und mich als Autor klären.

Wenn ein Individuum an die Öffentlichkeit tritt und ein Buch veröffentlicht, das seine Erfahrungen, Glaubensvorstellungen und Meinungen besonders in den Bereichen Gesundheit und persönlicher Machtbefugnis zur Diskussion stellt, ist es wichtig, Leserinnen und Lesern ihre eigenen Vorurteile aufzuzeigen. In unserer westlichen Kultur erzeugt allein die Tatsache, dass ich dieses Buch geschrieben habe, das dann auch noch veröffentlicht wurde, die Tendenz, mich als besondere Autorität darzustellen. Im Lichte dieses merkwürdigen kulturellen Phänomens wünsche ich mir, die kritischen Leser und Lernenden auf dem Gebiet der Pflanzenheilkunde in angemessenem Umfang mit aufschlussreichen Informationen zu versorgen, die ihm oder ihr dabei helfen, diese Autorität auch infrage zu stellen:

Nichts von dem, was ich sage, wird von mir als Wahrheit präsentiert. (Nur Broken Arrow sprach immer die Wahrheit.) Durch Ihre Augen wird die gedruckte Stimme dieses Buches mein Wissen, meine Beobachtungen und die auf meinen Erlebnissen aufbauenden Auffassungen mit Ihnen teilen. Immer wieder wird dabei aufleuchten, was ich dadurch an Weisheit erlangt habe. Jede Einzelperson hat einen Anteil an dieser Weisheit. Während Ihr Geist durch die Landschaft der von mir für Sie in diesem Buch entworfenen Ideen streift, sollten Sie nicht in einen passiven Zustand des Beobachtens verfallen. Hinterfragen Sie im Lichte Ihrer eigenen Erfahrungen meine Ansichten und lachen Sie ruhig mal laut über die Schlüsse, die ich ziehe. Das Risiko, dass man mir ihr Gegenteil beweist, nehme ich auf mich. Ich weiß, dass ich immer wieder den von meinem Verstand als Wirklichkeit getarnten eigenen Auffassungen aufsitze. Das Wohl des Menschen, dieses Planeten und all seiner unglaublichen Lebewesen sind mir ein großes Anliegen – der Grizzlybären und aller anderen, die diesen Planeten mit uns teilen. Zu diesen Themen, die uns gegenwärtig alle betreffen, habe ich selbstverständlich meine klare Meinung. Wenn ich diese Meinung bisweilen mit der Eindringlichkeit eines Wanderpredigers vermittle, bitte ich um Nachsicht; das gehört wohl einfach zu meinem Charakter und ist wahrscheinlich auf meine geringe Körpergröße zurückzuführen. Gerne erfahre ich dann von Ihnen, womit Sie nicht übereinstimmen und lasse mich auf einen möglichen Irrtum hinweisen. Auf diese Weise können wir miteinander ins Gespräch kommen und als gemeinsam Suchende und gleichberechtigte Mitglieder der einen Spezies Mensch, die offensichtlich noch eine Menge zu entdecken hat, aufeinander einwirken und uns weiterentwickeln. Wir sind ein Menschengeschlecht im Transformationsprozess, das sich in seinen Erfahrungen und Ideen miteinander austauschen sollte, wenn es darum geht, auf dem einen kleinen Planeten zusammenzuleben, zu erfahren, was es heißt, gesund zu sein, und unser individuelles Leben in eine heilsame ökologische Balance zu bringen. Damit, dass einige Menschen Autoren immer als »Experten« ansehen, kann ich leben, solange wir dabei beachten, dass das einzige universelle Merkmal von Experten darin besteht, immer mit anderen Experten uneins zu sein. Für mich selbst hat dieser Begriff keine besondere Bedeutung. Mir ist die Bezeichnung Künstler oder vielleicht auch Könner lieber.

Vorwort

Gesundheit ist eine dynamische, lebendige Erfahrung und kein statischer Zustand, der entweder »gut« oder »schlecht« ist. Unsere Gesundheit ist immer vorhanden, auch wenn wir sie manchmal vorübergehend als geschwächt erleben. Unser natürlicher Zustand ist Gesundheit, und die Energie unseres Körpers wird darauf verwendet, lebenslang für bestmögliche Gesundheit zu sorgen. Jede normal funktionierende Körperzelle ist auf intelligente Weise auf Selbstheilung und die Aufrechterhaltung von Vitalität und Wohlbefinden ausgerichtet.

Wenn wir genauer darüber nachdenken, verstehen wir wahrscheinlich nur sehr wenig von unserer Gesundheit. Meistens beziehen wir uns auf sie, wenn wir die Erfahrung machen, dass wir scheinbar gerade nicht gesund sind. Folglich verfügen wir über unzählige Bezeichnungen für die Beschreibung von Krankheitssymptomen, aber befassen uns nur selten mit Symptomen von Gesundheit. Die meisten Leute würden wahrscheinlich schon den Begriff »Gesundheitssymptom« als Widerspruch in sich auffassen. Was soll ein Zeichen für Gesundheit, ein Gesundheitssymptom, also überhaupt sein? Wenn es uns gut geht, müssen unzählige solcher Merkmale in unserer Ausstrahlung sichtbar sein. Warum legen wir unseren Schwerpunkt also nicht auf diese Indikatoren für Gesundheit und geben ihnen ausgefeiltere Bezeichnungen? Vielleicht fallen uns sogar einige sehr eindrucksvolle lateinisch klingende Begriffe dafür ein – genauso wie für Krankheiten. Sind Sie jemals zum Arzt gegangen, um mit ihm über die Symptome Ihrer Gesundheit zu sprechen? Wahrscheinlich hätte er das schon als Zeichen einer Krankheit gewertet. Warum setzen wir uns nicht darüber hinweg? Warum gehen wir nicht zum Arzt und sprechen darüber, wie gut es uns geht, bekommen dann einige Pflanzen oder Arzneien, um damit unsere Gesundheit weiter zu unterstützen und uns noch gesünder zu fühlen? Wie viele Tage bekommen wir arbeitsfrei, weil wir überschäumen vor Schwung und Elan? Wo gibt es eine Klinik, in der Gesundheit vermittelt wird und in die wir gehen können, um uns im zwanglosen Zusammensein mit ausgesprochen fitten und lebendigen Menschen von ihrem Wohlgefühl anstecken zu lassen?

In unserer Kultur scheint in Bezug auf Gesundheit alles verdreht zu sein. Das liegt an einem »Gesundheitssystem«, das völlig in die Pathologie vernarrt ist und darin, Medikamente zu verschreiben, um Krankheiten zu bekämpfen. Daher hielt ich es für eine gute Idee, mit einem etwas anderen Ansatz zu beginnen. Es ist nur ein Anfang, und mit Sicherheit habe ich einen großen Teil eines »Nimm-ein-Kraut-für-dies-und-das«-Modells beibehalten, aber: Diese Informationen habe ich mit wahllos eingestreuten Gedanken zur Steigerung von Gelassenheit, gesundheitsförderlichem Jargon, unermüdlichem Erinnern ans Wassertrinken, Rezepten für pflanzliche Stärkungsmittel und Visionen von Wohlbefinden durchsetzt, die dann in Ihrem Kopf herumtanzen können und sollen.

Ein besonderes Kapitel befasst sich zudem mit einem westlichen, auf die Gesundheit ausgerichteten Konstitutionsmodell. Es ist Männern und Frauen gewidmet, die nicht länger in ein Schema gepresst werden wollen, in das sie über so lange Zeit von medizinischen Autoritäten und einem Großteil der gegenwärtigen alternativen Gesundheitsindustrie gesteckt wurden. Ich habe dieses relativ einfache Konstitutionsmodell geschaffen, das westliche Begrifflichkeiten und Archetypen verwendet (im Vergleich zu orientalischen bzw. asiatischen Modellen) und das Sie als Leser nutzen können, um die einzigartige Beschaffenheit Ihrer eigenen konstitutionsabhängigen »Ausformung« zu ermitteln. Dieses Modell kann Ihnen dabei helfen, sich mit mehr Hintergrundwissen für die richtigen Pflanzen, die passende Ernährung, geeignete Nahrungsergänzungsmittel und den für Sie angemessenen Lebensstil zu entscheiden, der auf wirkungsvolle Weise Ihren speziellen Körperbau, Ihre ganz besondere Energie und Ihr Temperament nährt. Sie können sich selbst als das Individuum behandeln, das Sie wirklich sind, und nicht als der allgemeine Typ von Mensch, dem das Gleiche gegeben wird wie allen anderen auch. Ein wie auch immer gearteter einheitlicher Standard ist hier nicht länger die Norm.

Nun: Haben Sie Spaß, gebrauchen Sie Ihren wissbegierig forschenden Verstand, und hinterfragen Sie Autoritäten, besonders beim Lesen von Büchern! Trinken Sie viel Wasser, weil Ihre Körperzellen durchfeuchtet sein müssen, um glücklich zu sein! Lassen Sie sich von den regenerierenden Kräften des Waldes unterstützen, und konzentrieren Sie sich frohgemut auf Ihre Gesundheit!

James Green

Vorwort zur deutschen Ausgabe

Haben Sie schon einmal versucht, als Mann einen Andrologen zu konsultieren? Sie könnten zu einem Urologen, Internisten, Nephrologen, Kardiologen, Endokrinologen oder zu einem anderen Spezialisten gehen, aber einen Arzt speziell für Männer hat man beim Spezialisierungswahn der modernen Medizin einfach vergessen – oder brauchen Männer vielleicht keine besondere Zuwendung, werden sie vielleicht überhaupt nicht krank?

Abgesehen davon, dass bei so vielen Spezialisten meistens der eine nicht weiß, was der andere so treibt, und es daher zu immensen Fehlern in der Therapie kommen kann, könnte die Idee, Männer seien nicht krank, durchaus zutreffen. Schon die griechischen Ärzte beklagten sich über die gesundheitliche Fahrlässigkeit der damaligen Männer, die sich als Helden sahen – und Helden werden natürlich nicht krank, bestenfalls bringen sie Verletzungen aus der Schlacht mit nach Hause.

Und der moderne Mann? Könnte es sein, dass Krankheit nicht in das Selbstbild des erfolgreichen Geschäftsmannes passt, der die Börsenschlachten zu bestehen hat, oder wie ist es mit dem Playboy, der von den Kämpfen an der Bar und mit schönen Frauen so manche Blessur davonträgt? Was ist mit dem PS-Freak und seinen Boliden auf vier Rädern – kennt dieser Männertyp Krankheit? Bleibt noch der wilde Mann, der einsame Wolf, der braungebrannt von seiner Weltumsegelung oder seiner Weltreise mit dem Motorrad heimkehrt – aber gerade der bringt vielleicht höchstens ein gebrochenes Bein mit nach Hause.

Natürlich sind die meisten Männer in der Realität weder erfolgreiche Geschäftsleute, Playboys oder Rocker, die meisten sind ganz »normale« Männer, was immer das heißen mag. Nach über 30 Jahren Praxiserfahrung mit Männern kann ich allerdings eines feststellen: Männer sind tatsächlich ungerne krank. Die Compliance bei Männern ist oft schwierig, das heißt, sie machen ungerne mit, nehmen ihre Mittel wenig sorgfältig bis überhaupt nicht und sie reden auch nicht viel, häufig werden sie sogar von ihren Frauen in die Praxis geschickt und fühlen sich dort wie Odysseus auf seiner Irrfahrt. Praxisgespräche sind oft wenig ergiebig, aber sie waren ja auch schon bei diversen Spezialisten und bringen brav ihre Blutwerte oder ein Spermiogramm mit, und ein Belastungs-EKG haben sie auch schon gemacht – aber auf die Frage: »Wie fühlen Sie sich« folgt meist Schweigen, oder sie beschreiben nochmals ihren Eindruck von den Blutwerten. – Der Zugang zu ihren Gefühlen fällt ihnen sichtlich schwer. Sie sind dabei keineswegs unsensibel, woran es eher fehlt, ist die Ausdrucksfähigkeit, sei es durch Sprache oder Gestik.

Da es kaum Männer-Heilkundige gibt, sucht man natürlich auch nach Literatur vergebens. Dies war am Anfang meiner Praxistätigkeit tatsächlich ein Problem, und ich war glücklich, als ich das Buch Male Herbal von James Green entdeckte, auf das mich eine Assistentin (!) aufmerksam gemacht hatte. In den USA, speziell in Kalifornien, gibt es schon länger eine »Männerbewegung«, in der Männer versuchen, sich miteinander neu zu definieren und ihre Sensibilität auf bisher unbekannte Weise zu erfahren, sei es in Gesprächskreisen, Wildniscamps oder beim Sonnentanz und in der Schwitzhütte – und natürlich schwappte diese Bewegung irgendwann zu uns. An Angeboten dieser Art herrscht jedenfalls hierzulande kein Mangel mehr.

Zudem gibt es inzwischen in allen westlichen Ländern haufenweise Zeitschriften und auch Bücher für Männer, aber eher voller Ratschläge zur Selbstoptimierung, zur Stressbewältigung für ausgelaugte Manager und mit Werbung für Augencremes, um morgens wieder adrett auszusehen. Eine ernst zu nehmende Literatur zur Gesundheit des Mannes und zu Behandlungsmöglichkeiten für ihn ist immer noch selten. So stand die Frage im Raum, selbst ein Buch hierzu zu schreiben oder aber das Buch von James Green zu übersetzen und in eine Form zu bringen, die auf den deutschsprachigen Raum zugeschnitten ist. Die Entscheidung fiel auf Letzteres, und ich freue mich, dass der AT-Verlag meine Anregung aufgegriffen hat und diesen Schritt in ein unbekanntes Land wagt. Schließlich ist die Frage berechtigt, ob es denn überhaupt einen Markt für das Thema Männergesundheit gibt, Bücher wollen schließlich verkauft und gelesen werden.

Ich denke ja! Was mich darin bestärkt, sind die zunehmend tiefsinnigen Gespräche mit meinen männlichen Patienten und die spannenden Männerseelen, die in meine naturheilkundlichen Kurse kommen. Es gibt einen Wandel, ganz sicher. Die Metamorphosen vom Jungen zum Mann, vom Sohn zum Geliebten, die unterschiedlichen Wege zum persönlichen Heldentum, zum König, Krieger und Seher in uns, sind eine spannende Reise durch das Leben, die uns Männer miteinander verbindet und für deren Feinheiten wir ganz langsam eine neue Sprache entwickeln.

James Green und ich und mit uns viele andere Männer erlebten jedoch darüber hinaus etwas, das uns in ein anderes geistiges Universum katapultierte – die Anwesenheit bei der Geburt unserer Kinder – hierzu findet James Green deutliche Worte. Was kulturgeschichtlich selbst bei Naturvölkern bisher ein Tabu war, ist heute fast schon selbstverständlich geworden. Nicht mehr nur zu schwängern, sondern wirklich anwesend zu sein, wenn neues Leben zum ersten Mal die Welt erblickt, hat mich als Mann direkt ins Herz getroffen. Der Blick meines Sohnes, sein Geruch, sein Geschrei, das Glück in den Augen meiner Frau, die großartige Erfahrung, dies gemeinsam erleben zu dürfen – all dies hat unauslöschliche Spuren in meiner Seele hinterlassen. Die Geburt öffnete mir die Augen für das Wunderbare dieser Welt. Diese seelische Offenheit, die Welt als Wunder wahrzunehmen und nicht nur als Maß, Zahl und Gewicht, ist eine wichtige Voraussetzung, um sich auch seelisch mit dem Thema Gesundheit zu befassen und nicht nur technisch. Natürlich muss man nicht unbedingt Vater sein, um dies zu empfinden – die Wege, auf denen das Herz berührt wird und das Eis darin zu schmelzen beginnt, sind vielfältig, aber sie gleichen sich in einem, der Liebe zum Leben.

Den Technokraten dieser Welt wird dieses Buch damit wohl nicht viel zu sagen haben – aber wenn nicht jetzt, dann vielleicht in Zukunft, Hauptsache, es besteht die Möglichkeit, und wenn der Zufall es will …

Für alle anderen wird es ein wichtiges Buch sein, da es auch Antworten auf Fragen jenseits von Prostata und Viagra gibt. Zudem vermittelt James Green ein Bewusstsein für Männergesundheit im kulturellen Kontext, denn der Autor bedient sich gleichermaßen aus dem Fundus der chinesischen, indischen, indigenen und europäischen Naturheilkunde, und in Zeiten des Globalismus ist die kulturelle Offenheit und Faszination für den anderen ein sicherer Garant für Glück.

Genießen Sie Ihr Mannsein!

Olaf Rippe

KAPITEL 1

Wo ist die Medizin für den Mann, die auf Allgemeinwissen und auf alter Weisheit beruht?

Oder: Warum kann ich keinen Männerarzt anrufen?

Über Heilpflanzen für die Gesundheit des Mannes gibt es in der Literatur unserer westlichen Kultur nur relativ wenige spezifische Informationen, die auf altem, überliefertem Wissen gründen. Meine eigenen Kenntnisse beziehe ich aus den Erfahrungen von Männern, die mich aufsuchen, weil ich sie zur Verwendung von Heilpflanzen für ihre Gesundheitspflege beraten soll, sowie von Frauen, die Hilfe für ihre männlichen Partner, ihre Söhne oder andere männliche Verwandte benötigen. Es ist so allerdings ziemlich schwierig, eine breite Palette an ganzheitlichen Informationen zur Gesundheitspflege für Männer zusammenzubekommen, weil sich bisher nur relativ wenige Männer mit ihren gesundheitlichen Problemen an Heilpflanzenkundige wenden. Ich persönlich bin dabei keine Ausnahme. Auch ich suche mir nur selten Hilfe, solange mir nicht etwas richtig wehtut. Wahrscheinlich würde ich auch dann keinen Männerarzt aufsuchen, wenn es einen solchen Spezialisten für Männermedizin tatsächlich gäbe. Der Hauptgrund dafür, dass ich keine Hilfe von außen suche, ist der, dass ich der Ansicht bin, mich gut zu ernähren, genug Wasser zu trinken, mich in ausreichendem Maß zu bewegen, meinem Körper genügend Ruhe zu gönnen und von einem glücklichen Geist belebt zu sein. Deswegen habe ich das Gefühl, mein Körper werde schon selbst mit den meisten Problemen fertig, vorausgesetzt, er hat genügend Zeit dafür und wird von außen durch nichts gestört. Das machen Männer im Allgemeinen so. Aus irgendeinem Grund haben viele von uns die Tendenz, auch sich abzeichnende Probleme mit der Gesundheit für sich zu behalten. Möglicherweise aus Stolz, aus Angst, aus einem Gefühl der Peinlichkeit oder aus einer durch Konditionierung entstandenen Scheu davor, eine Krankheit zuzugeben und Verletzlichkeit zu zeigen. Diese Eigenart ist bei einer großen Zahl von uns Männern anzutreffen.

Es hat jedoch den Anschein, als ob diese allgemeine und für das männliche Geschlecht typische Zurückhaltung bei vielen ein wenig an Kraft verliert, und vielleicht hat dies zum Aufkeimen einer »Männerheilkunde« beigetragen. Jedenfalls müssen wir Männer, wenn wir uns ein umfassenderes Wissen und ein größeres ganzheitliches Verständnis männerspezifischer Gesundheitspflege aneignen wollen, uns selbst beobachten, mehr auf unsere Ernährung achten (und kochen lernen!), Alternativen erkunden, uns Notizen machen und unsere Erfahrungen mit anderen teilen. Wichtig ist insbesondere auch: Wir müssen Wege finden, mit denen sich die Auswirkungen von Stress mildern lassen.

Meine Reise in den Bereich der männlichen Gesundheitspflege ähnelte einem Spaziergang im Schlenderschritt auf einer von Unkraut und wild wachsenden Gräsern gesäumten Landstraße. Etwa zwanzig Jahre lang lehrte ich Pflanzenheilkunde an der California School of Herbal Studies in Forestville, Kalifornien, und lebte auch dort. Mein Haus befand sich beim üppigen Kräutergarten der Schule, deren Grünfläche über dreißig Hektar Land umfasste. Aus dieser idyllischen Perspektive heraus betrachtete ich das Leben mit den Augen eines sehr stark mit den Pflanzen verbundenen Menschen und entwickelte so eine relativ einmalige Sichtweise zum Thema Mann.

Ich hatte davor eine ganze Reihe unterschiedlicher Systeme zur Pflege der Gesundheit erkundet (wobei ich der Auffassung bin, dass alle plausiblen Wissenschaften, die sich um Gesundheitsfürsorge kümmern, erwähnenswert und notwendig sind und gleichwertig nebeneinanderstehen). Dabei kam ich zu dem Ergebnis, dass die Pflanzenheilkunde für mich das schönste und die Gesundheit am besten unterstützende System von allen ist. Ich glaube, die einmalige Kraft und Weisheit der modernen Pflanzenheilkunde entfaltet sich insbesondere durch die fürsorgliche Beziehung, die damit zur Erde aufgebaut wird. Bei der Wiederherstellung dieser Beziehung werden wir von unseren pflanzlichen Verbündeten unterstützt, und über diese Verbindung werden dann beide Seiten wechselseitig genährt. Der beste Weg, das mitzubekommen, besteht darin, so viel wie möglich direkt mit Pflanzen zu arbeiten, besonders mit vor Ort wild wachsenden oder selbst angepflanzten Pflanzen. So können wir die Pflanzen betrachten, ihre Schönheit würdigen, sie berühren, riechen, schmecken, pflegen und ernten.

Dieses direkte Erleben der Pflanzen geht weit über den bloßen Kauf und das Konsumieren pflanzlicher Produkte hinaus. Es ergänzt und verbessert die Lebensqualität und führt zu mehr Mitgefühl, größerer Weisheit und einer mehr von Demut geprägten Beziehung zu den anderen Spezies auf diesem Planeten. So lernen wir, auch anderen Platz einzuräumen, den Raum und die natürlichen Ressourcen der Erde mit unseren Begleitern, den anderen Arten – den anderen Wesen, die hier leben – zu teilen. Durch diese Beziehung beschäftigt die Pflanzenheilkunde unseren Geist, berührt unser Herz und verringert definitiv die Auswirkungen von Stress.

Neun von zehn Personen, die etwas über Pflanzenheilkunde lernen wollen, sind Frauen. Ich vermute, dass es Männer im Allgemeinen weniger spannend finden, Pflanzen zu beobachten und von ihnen zu lernen, als Frauen. Wenn ein Mann es aber zulässt, sich Pflanzen zuzuwenden und mit ihnen zu kommunizieren, dann wird ihn das mit großer Kraft erfüllen und seine Empfänglichkeit für Pflanzenheilmittel beträchtlich verstärken. Von diesem Punkt des Begreifens und des Akzeptierens aus werden die Energie, die pharmakologischen Wirkungen und die Nährstoffkomponenten der Zubereitungen aus Heilpflanzen von seinem physischen Körper viel bereitwilliger und schneller empfangen.

Dass manche Menschen bezweifeln, dass etwas heilen kann, was sie als »wissenschaftlich nicht nachgewiesene« Wirkstoffe ansehen, kann ich verstehen. Doch die Materia medica, das Handwerkszeug und die Techniken der mit Heilpflanzen arbeitenden Therapeuten beruhen auf jahrhundertealter menschlicher Erfahrung, die die Wirksamkeit solcher Heilmittel untermauert. Pflanzenmedizin ist tatsächlich eine empirische Wissenschaft, deren Erkenntnisse sich durch die Erfahrungen und Beobachtungen der Menschen, die mit Pflanzen heilen, beweisen lassen. Sicherlich ist es klug, mit einer kritischen Haltung und Skepsis an die Dinge heranzugehen, aber gleichzeitig fordere ich Sie als Leser auf, mit Begeisterung und einer positiven Haltung die Pflanzen für Ihre eigenen Pflanzenheilmittel und Tonika zu ernten, zuzubereiten und zu verwenden. Selbst seinen Beitrag zur Herstellung der eigenen Pflanzenheilmittel zu leisten (Heilpflanzen zu sammeln oder zu ernten, Tees aufzugießen, Tinkturen herzustellen usw.), ist – wie das Kochen für sich selbst – ein Unterfangen, das jemanden zu etwas befähigt und ermächtigt. Heilpflanzen oder häufig vorkommende und vor Ort vorhandene Arzneipflanzen wurden schon seit jeher zur Ernährung oder zur Heilung eingesetzt. Pflanzenheilmittel waren immer da für uns. Ihre Zubereitung ist einfach, die Verabreichung ebenso, und ihre wirkungsvolle Anwendung ist eine leicht abzurufende Begabung oder Fähigkeit. (Im fünften Kapitel finden Sie Informationen zu den Methoden der Zubereitung von Heilmitteln aus Pflanzen.)


Das Wesen und die Heilkraft der Pflanzen erfährt man am besten in der Natur selbst.

Wie erwähnt, hat meine Suche nach überlieferten Kenntnissen zur Vorbeugung gegen Krankheiten und deren Behandlung bei Männern in unserer westlichen Kultur nicht viel an schriftlichen Informationen zutage gefördert. Ein entsprechend umfangreiches Wissen bezüglich der weiblichen Gesundheit mit dem entsprechenden reichhaltigen Erfahrungsschatz gibt es allerdings und sogar in Form von Allgemeinwissen, das für jeden zugänglich ist, der sich dem Studium der Heilpflanzentherapie und der ganzheitlichen Gesundheitsfürsorge widmet.

Warum haben die Männer in unserer Kultur nicht die gleiche Fülle an Techniken und natürlicher Weisheit hinsichtlich ihrer eigenen spezifischen Gesundheitsfürsorge und Behandlungsmethoden zur Aufrechterhaltung ihrer Gesundheit entwickelt? Liegt es daran, dass Männer nicht die gleiche Komplexität in der anatomischen Struktur und der Funktion ihrer Geschlechtsorgane haben? Oder liegt es daran, dass Männer nicht so offensichtlich einem mit ihren Geschlechtsorganen verknüpften Zyklus unterworfen sind, der sie dazu bringt, routinemäßig ihrem physischen Körper besondere Aufmerksamkeit zu schenken – einem Zyklus, der sie für innere Prozesse und Veränderungen wach werden lässt? Ist das vielleicht der Grund dafür, dass Männer über die Jahrhunderte hinweg kein so offensichtliches und bewusstes Interesse an ihrer Gesundheit und ihrem Körper entwickelt haben, wie das bei den Frauen der Fall ist? Sind Frauen mehr auf Vorbeugung eingestellt als Männer, oder verfügen Männer über ein angeborenes Vertrauen in die natürliche Heilungskraft ihres Körpers und verlassen sich vollständig darauf?

Ärzte berichten häufig, dass Männer im Alter zwischen fünfundzwanzig und vierzig Jahren nur selten in ihre Praxis kommen, außer sie haben sich die Knochen gebrochen oder andere akute Verletzungen. Was immer der Grund dafür sein mag: Angesichts des auffälligen Mangels an überlieferten Kenntnissen über Heilpflanzen für Männer haben sich Männer im Westen anscheinend als Kollektiv jahrhundertelang nicht um spezifische Maßnahmen zur Aufrechterhaltung ihrer Gesundheit gekümmert.

Zu Beginn meiner Seminare über die Männergesundheit stelle ich häufig zunächst Fragen wie die gerade angeführten, was sowohl bei den teilnehmenden Männern wie Frauen lebhafte Diskussionen hervorruft. Aus der Vielzahl dieser Rückmeldungen bekam ich allmählich eine Ahnung davon, dass Männer möglicherweise doch ihr geschlechtsspezifisches medizinisches System und geschlechtsspezifische Techniken einer Gesundheitspflege selbst geschaffen haben. Allein schon dadurch, dass Männer sich viel mehr auf dem Schlachtfeld unter Beweis stellen mussten als Frauen, war die Bedeutung dieser Art »Kriegsmedizin« mit ihren äußeren Eingriffen natürlich für die Männer viel stärker. Methoden einer Gesundheitsfürsorge, die weniger auf einer »Krisenintervention« beruhten, wurden von den Männern aufgegeben oder als überhaupt nicht anwendbar angesehen. Auf diese Weise gingen diese anderen Methoden für die Männer verloren.

Vielleicht entsteht mit der heutigen allopathischen und technologischen Medizin des Westens gerade die Grundlage für ein Wissen über eine Medizin für den Mann, auf deren Überlieferung in der Zukunft zurückgegriffen werden kann. Allgemein hat der Mann bei unserer Spezies Unterstützung in seinen technischen, taktischen und intellektuellen Fähigkeiten erfahren. Er wurde weniger durch zyklische, mit dem Mond verknüpfte, hormonelle Gezeiten in ein Bewusstsein für seinen Körper hineingezogen, sondern eher durch unmittelbar aus einer Situation heraus erwachsene Erfordernisse. Der Mann behält lieber die Kontrolle; historisch gesehen hat er den Wettkampf, Kriege und andere Situationen mit einem hohen Potenzial für Krisen in die Welt gesetzt und gierig weiterverfolgt. Vielleicht sind es ja diese Vorlieben, die seine spezifischen hormonellen Gezeiten zum Ausdruck bringen.

Möglicherweise bevorzugt der Mann und fordert es auch ein, dass Medizin zu einer draufgängerischen und abenteuerlicheren Lebensweise passen muss. (Oder gilt ein kühner, abenteuerlicher Lebensstil in unseren modernen Zeiten als überholt? Einige haben dieses Gefühl und meinen, dass die Männer von heute anders sind – vielleicht haben sie ja auch recht damit –, aber ich selbst habe da meine Zweifel. Das Testosteron bleibt einfach ein Saft, der für das Draufgängertum gemacht ist, und damit kann jeder Mann auf die Weise umgehen, die ihm gefällt.) Vielleicht braucht der Mann eine Medizin, die »heldenhaft« ist und grandiose Taten vollbringt, und nicht eine, die ihn einfach nährt. Er sucht nach einer Medizin, die so gestaltet ist, dass sie in akuten Krisen unmittelbar wirkt, und nicht notwendigerweise nach einer Medizin, die vorbeugt und in den für ihre Wirkungen erforderlichen Zeitverläufen von der Natur selbst gesteuert wird. Es ist durchaus möglich, dass ihm eine Medizin lieber ist, die ihn dabei unterstützt, sein zielorientiertes »Getriebensein« weiterzuführen, oder die ihn wieder auf die Beine stellt, damit er draußen an seinem Platz das nach Kräften weiterverfolgen kann, nach dessen Vollendung er so unerbittlich strebt: »Stoppen Sie die Blutung! Schnell, sorgen Sie dafür, dass der Schmerz aufhört, und unterdrücken Sie die Symptome, damit diese mir nicht dauernd in die Quere kommen und meine Fortschritte gefährden! Ich habe zu tun. Bremsen Sie mich nicht aus, und versuchen Sie auch nicht, die von mir eingeschlagene Richtung zu ändern! Tun Sie, was nötig ist, aber tun Sie es schnell! Und reden Sie nicht mit mir darüber, wer ich bin oder dass ich irgendetwas in meinem Leben ändern sollte!«

Die »heroische«, durch dramatische Erfolge gekennzeichnete allopathische Medizin (auch die Chirurgie, Chemo- und Strahlentherapie) hat sich auf genau diese Dienstleistungen spezialisiert und kann diese wirksamer und effizienter an den Mann bringen als jedes andere Gesundheitssystem im Westen. Es ist eine ausgezeichnete Medizin in Krisen und in Notsituationen, bei Unfällen und auf dem Schlachtfeld. Heilpflanzen und natürliche, ganzheitliche Gesundheitssysteme erfüllen diese Kriterien bei Weitem nicht und sind viel ineffizienter. Und das ist in Ordnung so. Mit Sicherheit profitieren wir alle von der Verfügbarkeit einer großen Vielfalt an verschiedenen Spielarten für Heilung und für die Fürsorge für unseren Körper. Überschreiten wir Männer aber ein Alter von vierzig Jahren, beginnen wir anscheinend damit, in größerem Umfang ganz unterschiedliche Lebensstile und verschiedene Grundbedingungen für unsere Gesundheit mit in unsere Betrachtungen einzubeziehen und auch nach Mitteln zu suchen, mit deren Hilfe wir unsere Kraft, unser Können und unsere Potenz aufrechterhalten können.

In den letzten achtzig Jahren haben die Verkäufer einer Medizin der Krisenintervention und die Ärzte, die diese praktisch anwenden, leider ein politisches und auch bezüglich der Informationen beherrschendes Monopol errichtet, das die meisten anderen Heilsysteme als unorthodox abtut oder sie in der jüngeren Geschichte auch unverhohlen als illegal brandmarkt. Das wiederum hat die Auswahlmöglichkeiten zwischen Systemen, die sich um die Gesundheit kümmern (und von denen es immer eine große Vielfalt gab), für den Menschen drastisch eingeschränkt. Eine offene, forschende, zu Hause oder in den Schulen erfolgende Vermittlung von Kenntnissen einer alternativen Gesundheitspflege ist fast völlig verschwunden. Das hat zur Folge, dass die meisten Menschen in unserer Kultur, Männer wie Frauen, so gut wie nichts darüber wissen, wie sie selbst für ihre Gesundheit sorgen und dadurch die meisten chronischen und viele akute gesundheitliche Krisen verhindern können.

An dieser Stelle möchte ich den (bald aussterbenden) Hausärzten und Allgemeinärzten meine Anerkennung für ihre Verdienste zollen. Diese hingebungsvollen Vertreter der Ärzteschaft verbringen einen großen Teil ihrer für ihren Beruf aufgewendeten Zeit damit, den Menschen vorbeugende Maßnahmen zur Verhinderung von Krankheiten nahezubringen und ihnen bei der Krankheitsverhütung zur Seite zu stehen. Der Hausarzt gehört definitiv zu einer völlig anderen Spezies als die zahllosen medizinischen Fachärzte, die intensiv auf ihren engen Fachbereich fokussiert und davon so vereinnahmt sind, dass sie häufig die Haupttätigkeit eines Arztes aus dem Blick verlieren, nämlich den Patienten etwas beizubringen, sie etwas zu lehren. Das Wort »Doktor« stammt schließlich vom lateinischen Wort docere, »lehren«, ab. Im Mittelalter war der Doktorgrad der höchste akademische Rang in der Medizin, in den Rechtswissenschaften oder in der Theologie. Auch heutzutage belehrt jeder anständige Doktor oder Arzt seine Patienten weiterhin darüber, wie sie gesund leben können.

Das Problem, dem die Hausärzte täglich gegenüberstehen, besteht jedoch darin, dass nur wenige Personen bereit und gewillt sind, den Ratschlägen, die ihnen vom Arzt oder Doktor gegeben werden, auch zu folgen – also sich beispielsweise qualitativ hochwertiger zu ernähren, sich mehr zu bewegen und zu entspannen, mehr Wasser und weniger Alkohol zu trinken, weniger Genussdrogen zu konsumieren, den Nikotinkonsum einzuschränken und vieles andere mehr. Stattdessen haben sich unzählige Menschen in der westlichen Kultur dazu entschieden, sich von Medikamenten oder chirurgischen Eingriffen des allopathischen Gesundheitssystems abhängig zu machen, wenn es darum geht, die durch ihre Lebensgewohnheiten und den damit verbundenen Raubbau an sich selbst entstandenen Symptome zu behandeln oder zu unterdrücken. Und aus ihrer Unwissenheit heraus oder aufgrund der Propaganda der Medien glauben viele, dass dies das einzige tatsächlich durchführbare System einer Gesundheitsfürsorge sei. Dabei ignorieren sie das reichhaltige Erbe eines überlieferten Wissens über die Möglichkeiten, die wir selbst in der Hand haben, um uns um unsere Gesundheit zu kümmern. Dieses Wissen wurde von den Lehrern und den alten Heilern unter unseren Vorfahren an uns weitergegeben und für uns aufbewahrt, aber wir haben es innerhalb einer sehr kurzen Zeitspanne fast völlig aufgegeben und vergessen.

Wenn ich den Begriff »alternative Heilkunst« verwende, beziehe ich mich auf Techniken, die hauptsächlich auf empirischem Wissen beruhen. Im Wesentlichen geht es dabei um die Verwendung von Arznei- und Nahrungsmitteln, die uns die Natur zur Verfügung stellt, und darüber hinaus um die therapeutischen Behandlungsmethoden, die aus Jahrhunderten der Beobachtung und der wiederholten erfolgreichen Verwendung seitens unserer Vorfahren hervorgegangen sind. Dies sind alles legitime Heilverfahren, die nicht nur darauf abzielen, spezifische Krankheitssymptome zu beseitigen, indem sie künstlich hergestellte, synthetisch-pharmazeutische Medikamente einsetzen oder hoch technische Geräte und Apparaturen, Bestrahlung, Injektionsspritzen und Skalpelle verwenden. Ich beziehe mich auf die Heilmittel, die langsam und systemisch wirken und die Zeit als Verbündete für eine Heilung mit einbinden. Dabei handelt es sich um traditionelle Systeme, die Heilpflanzen und andere natürliche Ressourcen nutzen, um die unangenehmen Erscheinungen einer Krankheit oder Verletzung zu mindern, während sie gleichzeitig neu beleben, stärken und gesundes Körpergewebe wieder aufbauen.

Diese Verfahren versuchen, die natürlichen Abwehrkräfte und das Immunsystem des Körpers zu stärken und zu unterstützen. Sie wollen sie nicht durch die Einwirkung von Impfungen, Seren und künstlich hergestellten, synthetischen Wirkstoffen verdrängen oder ersetzen. Alternative Heilsysteme verlassen sich auf die dem Körper von Natur aus innewohnende Intelligenz und seine Selbstheilungsprozesse und unterstützen beides, damit der Körper auf diese Weise für seine eigene Gesundheit sorgen und seine Mechanismen zur Selbstreparatur anwenden kann. Alternative Heilverfahren streben danach, die Einzelperson zum Thema Gesundheit anzuleiten, anstatt die Verantwortung für deren Gesundheit zu übernehmen. Sie versuchen, gesunde Lebensgewohnheiten zu fördern, die dabei helfen, chronische oder akute mit einem schlechten Gesundheitszustand zusammenhängende Notsituationen überhaupt erst zu verhindern.

Allopathische und alternative Gesundheitssysteme beruhen auf unterschiedlichen Sichtweisen und verschiedenen Konzepten der Wirtschaftlichkeit. Therapeutisch müssen sie sich aber nicht notwendigerweise gegenseitig ausschließen. Oft ergänzen sie einander, und ich glaube auch, dass sie unter den passenden Umständen in Kombination miteinander wirksam sein können. Wenn Operationen sinnvoll oder bei Unfällen und Naturkatastrophen Notmaßnahmen erforderlich sind, oder wenn die Verwendung natürlicher und weniger drastisch wirkender Verfahren eine zusätzliche Unterstützung seitens der allopathischen Medizin benötigt, sollte man, ohne zu zögern, auf die spezifische Technologie einer allopathischen Krisenintervention zurückgreifen.

Es ist der Beginn einer inspirierenden Zeit, in der Männer verstärkt den Wunsch und den Willen zum Ausdruck bringen können, Alternativen auf dem Gebiet der Gesundheitsfürsorge zu erkunden und eine Vielzahl an Wissenschaften und ganzheitlichen Einsichten in diesem Bereich zurate zu ziehen. Es ist eine Zeit, in der wir in der Lage sind, die traditionellen Anwendungsmöglichkeiten von Pflanzenheilmitteln und pflanzlichen Stärkungsmitteln vollumfänglich zu nutzen und sie auf eine Behandlung der Beschwerden, unter denen Männer leiden, auszurichten. Gemeinsam mit der Technologie der allopathischen Medizin können wir dabei helfen, dem männlichen Teil der Bevölkerung im Kindesalter und als Erwachsene eine bessere Fürsorge zukommen zu lassen.

KAPITEL 2

Die Wiederverwertung unseres Erbes

Eine Einführung in die Pflanzenheilkunde und verwandte Themenbereiche

Pflanzen

In jedem Gesundheitssystem, ganz gleich ob im Westen, im Osten, im Altertum oder in moderner Zeit, dienen Pflanzen als Grundlage für Pillen, Salben oder Heiltränke. Die therapeutische Kraft der etablierten Medizin des Westens beruht auf Heilmitteln, die hergestellt werden nach dem Muster organischer Moleküle, die auf geniale Weise von der Pflanzenwelt erschaffen werden und uns mehr als reichlich zur Verfügung stehen. Aus diesen Molekülmodellen wurde ein ganzes Arsenal an chemisch-pharmazeutischen Arzneimitteln, beispielsweise Aspirin und Amphetamine, entwickelt.

Der Planet Erde bietet uns eine ungeheuer vielfältige Pflanzenapotheke, die uns nährt und für unser Wohlbefinden sorgen kann. Allerdings können uns Pflanzen noch viel mehr schenken als nur ihre heilkräftige Chemie. Sie bieten uns an, in Gemeinschaft mit ihnen zu leben und still zu staunen. Sie fühlen die gleichen Dinge, die auch wir fühlen; sie bringen Nachkommen zur Welt, sie verbreiten sich, sie leben in Familien und sie sterben. Kein Begleiter bringt mehr Schönheit hervor, schenkt uns bereitwilliger Nahrung oder lebt und stirbt anmutiger als eine Pflanze.

»Das Schweigen ist die Sprache der Blätter

und die der großen Lehrer …

Stilles, sinnliches Wunder,

die Blume spricht, die Biene hört.«

T. Elder Sachs

Pflanzenheilkunde

Menschen, die sich intuitiv am Füllhorn pflanzlicher Nahrungsmittel und Arzneipflanzen bedienen, haben über Jahrhunderte hinweg die unterschiedlichsten Gesundheitssysteme und Heilmethoden ersonnen. Traditionelle Systeme einer auf der Nutzung von Heilpflanzen basierenden Gesundheitsfürsorge, von denen einige auch in den Ländern der westlichen Welt ihren Ursprung haben, sind selbst außerhalb der etablierten Hauptrichtung des relativ geschlossenen und engen Systems der Medizin weiterhin gültig.

Pflanzenmedizin ist Volksmedizin. Es ist der älteste Zweig einer den ganzen Planeten umspannenden Medizin, die nicht zuletzt auch Tiere instinktiv nutzen. Die Pflanzenheilkunde ist das Eigentum und das Erbe aller Kulturen und aller Spezies auf diesem Planeten. Sie umfasst weit mehr als nur das Sammeln oder Ernten von Pflanzen und die Einnahme von Tees oder in Kapseln abgefüllten Heilpflanzenpräparaten, um Krankheitssymptomen entgegenzuwirken. In der Tat versorgt uns die Pflanzenwelt mit einer unbegrenzten Vielfalt an natürlich vorkommenden Heilmitteln. Genauso versorgt sie uns aber auch mit nahrhaften Lebensmitteln, mit ätherischen Ölen, die unsere Sinne ansprechen und darüber hinaus medizinisch wirksam sind, mit Schönheitsmitteln, mit köstlichen (und auch nicht so köstlichen) Kräutertees, mit Aphrodisiaka und mit einer naturbelassenen, wilden, friedvollen Umgebung, die zutiefst belebend wirkt.

Die moderne Pflanzenheilkunde fordert, dass wir uns der ökologischen Zusammenhänge, die durch unsere moderne Zivilisation oft missachtet werden, wieder bewusst werden und uns wieder in die Gemeinschaft unseres Planeten, der Erde, einfügen. Sie fordert von uns, dass wir uns voller Mitgefühl wieder mit allen Spezies, die uns auf dieser Erde begleiten, verbinden. Sie will, dass wir Verantwortung übernehmen – Verantwortung für unsere Lebensweise, für unsere Beziehungen und unsere Umgebung. Sie fordert uns auf, Pflanzen nicht nur als bloße materielle Lebens- und Heilmittel, sondern auch als Verbündete, als planetarische Verbindung, als lebenswichtige Teile der Gesamtheit unseres Lebens wahrzunehmen. Dann verspricht die Pflanzenheilkunde im Gegenzug anhaltende Gesundheit und schenkt uns Schönheit und nicht versiegende Fülle.

Der Heilpflanzenkundige

Heilpflanzenkundige waren wahrscheinlich die ersten Mediziner der Menschheit. Die innovative Arbeit der heutzutage mit Pflanzen arbeitenden Fachleute ist die kreative Spitze einer Bewegung, die bis zu den Anfängen unserer Spezies zurückreicht. Die Heilpflanzenkundigen von heute treten auf intime Art und Weise mit den Pflanzen in Kontakt und sind begeisterte Hüter der Pflanzenwelt. Erfahrene Heilpflanzenkundige wissen sich in andere Menschen einzufühlen, verabreichen ihnen Pflanzenheilmittel und bringen ihnen bei, welche heilsamen Wirkungen Pflanzen haben, wie man sie auf ökologisch verträgliche Weise und mit der angemessenen Ehrfurcht sammelt und wie man daraus pflanzliche Heilmittel und Tonika zubereitet. Heilpflanzenkundige lassen sich in jedem Heilberuf finden. Das Wichtigste ist jedoch, dass sie in vielen Familien anzutreffen sind und solche Familien immer zahlreicher werden.

Die Sichtweise einer Sprache: Die Sprache der Pflanzenheilkunde

»Sprache ist Kultur… ein unerlässliches Medium für menschliches Wissen.« Das hält Mario Pei in seinem Buch The Story of Language fest, in dem er darlegt, welche Macht unsere Sprache auf die Ereignisse in unserem Leben ausübt. Pei zeigt, wie viele unserer ganz alltäglichen Aktivitäten auf die gleiche Weise weitergeführt werden, wie das schon seit Jahrhunderten der Fall ist, und zwar mithilfe der gesprochenen, geschriebenen, durch Gesten vermittelten und symbolischen Sprache. »Sprache ist für die gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Unternehmungen des Menschen ein alles durchdringender Vermittler, Interpret und Former«, fügt er hinzu. »Sprache geht in jede Form menschlicher Aktivität ein, beeinflusst diese und wird wiederum von jeder Form menschlicher Aktivität beeinflusst. Der faszinierendste und geheimnisvollste Bereich der Sprache ist ihre Verknüpfung mit den geistigen Prozessen sowohl der Einzelperson als auch der gesellschaftlichen Gruppe. Offensichtlich beeinflusst und verändert alles, was wir tun, denken und erschaffen, unsere Sprache. Nicht so offensichtlich ist vielleicht die Tatsache, dass Sprache im Gegenzug stark auf all unsere Handlungen und Gedanken einwirkt.«1 Meiner Meinung nach bringt Sprache sogar unsere Intuition hervor. Die Sprache, die jeder Einzelne verwendet, spiegelt die von ihm gewählten Methoden zur Erkundung seiner Umgebung und zur Ansammlung seines Wissens. Die Sprache eines Menschen definiert seine Konzepte vom Leben, von der Gesundheit und vom Universum und auch seine Vorstellungen von der Ursache und Heilung einer Krankheit. Ebenso verwendet die Sprache jeder Wissenschaft ihre ganz eigenen und besonderen Worte, um ihr spezifisches »Glaubenssystem«, ihre Entdeckungen, ihre Techniken und die von ihr angewandten Untersuchungsmethoden zu bezeichnen, sie zu veranschaulichen und zu vermitteln.

Welche wissenschaftliche Sprache eine bestimmte Person annimmt und verwendet, zeigt die Art von Beziehung, die diese Person zwischen sich und dem Universum akzeptiert hat. Daraus ergibt sich, dass die von diesem Individuum benutzte wissenschaftliche Sprache eine beträchtliche Kontrolle über dessen Selbstbild ausübt, seine alltäglichen Lebensvorgänge und seine Einsichten kontrolliert. Die Sprache kann einen starken Einfluss auf die Methoden haben, mit denen die Person zukünftig weiteres Wissen ansammelt, und letztlich auch auf die Qualität dieses angesammelten Wissens einwirken. Es ist also wichtig, dass wir bei der Auswahl der wissenschaftlichen Ausrichtung als Grundlage für eine spezielle Gesundheitsfürsorge oder Krankheitspflege aufmerksam sind, denn wir entscheiden uns damit auch für die Sprache und die gedanklichen Konzepte, die wir dann weiterverfolgen. Diese Entscheidung wird unsere Sicht auf Gesundheit und Krankheit und unser Verständnis davon auf einer tiefen Ebene beeinflussen.

Worte sind Auslöser bestimmter Vorstellungen. Sobald das Wort ausgesprochen – und der Auslöser somit betätigt wird –, leiten unsere Sinne das abstrakte Wortsymbol zu unserem Gehirn weiter, wo es in unserem Geist eine Vorstellung lebendig werden lässt. Diese Vorstellung wurde teils durch unsere direkten Erfahrungen, teils durch unsere kulturelle Prägung und unsere Konditionierung mit Bedeutungen belegt. Einige Worte betätigen mehrere Auslöser auf einmal und lassen dadurch nicht nur eine bestimmte Vorstellung, eine Idee, entstehen, sondern rufen auch noch emotionale und sogar körperliche Reaktionen hervor: Zum Beispiel die Worte »Finanzamt«, »Donald Trump«, »Schokolade«. Merken Sie, was ich meine?

Die Verwendung der Worte aus der Sprache der jeweiligen Gesundheitssysteme funktioniert auf die gleiche Weise, um Ideen und Vorstellungsbilder zu transportieren: »Chi«, »Sternguckerei«, »Vata«, »Konstitutionsmittel«. All diese Worte werden von weltweit verbreiteten Wissenschaften und Systemen der Gesundheitsfürsorge benutzt. Einige bedeuten dem westlichen Leser vielleicht etwas, andere nicht, doch diese Worte vermitteln grundlegende Konzepte, die in den Sprachen verschiedener Gesundheitswissenschaften von wichtiger Bedeutung sind. Andere Beispiele wären: »Krankheit«, »Keim«, »Antibiotika«, »Arzt«, »Medikament«. Sie entstammen unserer westlichen Sprache der Gesundheitsfürsorge und Krankheitspflege, sie werden sofort verstanden und lösen auch gleich eine Reaktion aus. Durch die in jüngerer Zeit herrschende Dominanz der etablierten Schulmedizin in unserer Kultur wurde ihnen eine besondere Bedeutung verliehen. Häufig fällt es uns schwer, uns von diesem aus Gesundheit, Krankheit und therapeutischen Maßnahmen bestehenden Prozess außerhalb dieser im Westen für die Gesundheitsfürsorge verwendeten Begriffe eine Vorstellung zu machen.

Die Worte »ganzheitlich« oder »holistisch« (die auf die gesamte Person verweisen, zu der Körper, Geist, Gefühle und Seele gehören) stehen für ein Konzept, das in unserer modernen Gesellschaft langsam mehr Bedeutung erlangt. Die Sprache von alternativen und das gegenwärtige Gesundheitssystem ergänzenden Systemen der Gesundheitsfürsorge dringt so in unser kulturelles Bewusstsein vor. Damit jemand eine alternative Gesundheitswissenschaft auf überzeugende Weise vermitteln und anwenden kann, ist es erforderlich, deren einzigartige Ideen unvoreingenommen zu untersuchen, den neuen Worten und Konzepten dieser anderen Sprache eine neue Bedeutung zu geben und oftmals vorübergehend vorgefasste Konzepte und Glaubensvorstellungen loszulassen – also sozusagen seine Tasse zu leeren, damit frischer Tee eingegossen werden kann.

Die Sprache der Pflanzenheilkunde vermittelt wie die vieler anderer Systeme der Gesundheitsfürsorge eine Wissenschaft des Lebens, des Übergangs und der dynamischen Unterstützung der dem Körper innewohnenden, zur Selbstheilung fähigen Lebenskraft. Wer es mit dem Erlernen der Verwendung von Arzneipflanzen für eine ganzheitliche Pflege der Gesundheit ernst meint, muss sich auf ein Glaubenssystem einlassen, das sich deutlich von dem unterscheidet, das der etablierten, allopathischen, medizinisch-pharmazeutischen Wissenschaft zugrunde liegt. Die Pflanzenheilkunde vermittelt eine alternative Sichtweise auf die zwischen uns selbst und unserer Umgebung bestehende Beziehung und legt uns einen anderen Umgang mit unseren inneren Ungleichgewichten nahe.

Aus der Perspektive einer ganzheitlichen Wissenschaft der Pflanzenheilkunde heraus betrachten wir das Ganze wie durch ein Weitwinkelobjektiv. Wir sehen dann das ungeheure Panorama eines individuellen Lebens; wir erkennen, dass es normalerweise bei einer Person mehr Richtiges (Gesundes) als Falsches gibt, und geben ihr einen Vertrauensvorschuss und die Verantwortung für ihre gegenwärtige Erfahrung. Wenn die aktuelle Erfahrung eines spezifischen Leidens für diese Person unangenehm oder selbstzerstörerisch ist, muss sie erst einmal das Richtige bei sich erkennen und fördern und danach Veränderungen in ihrem Lebensstil vornehmen, die das verändern, was nicht richtig ist. Zur Ergänzung dieser Veränderungen liefert die Pflanzenheilkunde Wirkungen von Pflanzenzubereitungen an, die in den Organsystemen des menschlichen Körpers wirkende Lebenskraft unterstützen und fördern. Auf diese Weise hilft sie dabei, die Ökologie im Inneren des Körpers wieder ins Gleichgewicht zu bringen und die Mechanismen der Selbstregulierung wiederherzustellen.

Mit dem Erlernen der therapeutischen Sprache und dem Erwerb der Fertigkeiten der Pflanzenheilkunde wird deutlich werden, wie wir diese an uns selbst anwenden oder für die Mitglieder unserer Familie nutzen können. Wir dürfen dabei jedoch nicht vergessen, dass eine ganzheitliche Pflanzenheilkunde Pflanzen nicht nur als Heilmittel im Sinne der organischen Chemie gebraucht, sondern auch als Verbündete, die uns aufbauen und uns dabei unterstützen, unsere Leiden zu transformieren und uns wieder mit unserer inneren und äußeren Umgebung zu verbinden. In diesem Buch werden wir unseren Blick auf die Verbesserung unserer Gesundheit und den Heilungsprozess richten und das mit den Augen und der Sichtweise einer Sprache tun, die sich von der für uns gewohnten Sprache der Wissenschaft einer allopathischen Medizin deutlich unterscheidet.

Die Sprache der Pflanzenheilkunde ist vor allem eine Sprache des Tuns, weniger eine Sprache, die erklärt, wie Heilmittel »funktionieren«. Die Pflanzenheilkunde spricht von den Wirkungen ganzer Pflanzen auf die verschiedenen Organsysteme des menschlichen Körpers. In diesen Wirkungen zeigen sich beispielsweise entzündungshemmende, harntreibende, zusammenziehende, bittere, windtreibende, schleimlösende, adaptogene und stärkende Eigenschaften. Die Sprache der Pflanzenheilkunde macht uns unabhängig und bietet uns einfache Werkzeuge und Techniken, die das eigene Leben und die Gesundheit verbessern. Die Sprache der Pflanzenheilkunde kennt auch das Nichtstun, wenn einfach Ruhehalten der notwendige Faktor ist, der es dem Körper erlaubt, sich um sich selbst zu kümmern. Ruhe und ein von Mitgefühl getragenes kontemplatives Nachsinnen über sich selbst, verbunden mit der Aufnahme von genügend Wasser und ohne weitere Interventionen von außen, kann im normalen menschlichen Körper zu neunzig Prozent der Fälle eine Selbstheilung bewirken. Andernfalls gebietet es die Pflanzenheilkunde, aktiv zu werden, die entsprechenden Heilpflanzen zu sammeln und die benötigten Heilmittel herzustellen. Dazu werden Aufgüsse, Tinkturen, medizinisch heilkräftige Weine, Einreibemittel und Wickel angefertigt, und es wird zugleich ein Anstoß zum Erleben des eigenen Prozesses der Gesundung gegeben.

Häufig weist uns die ganzheitliche Pflanzenheilkunde auch auf eine andere passende, der Gesundheit förderliche Spielart einer Heilkunst hin, durch die sich Einsichten gewinnen lassen können und deren Wissensschatz, deren Sprache und Fertigkeiten uns unterstützen können. Es gibt eine ausgesprochen vielfältige Gemeinschaft an Heilkundigen, die uns zur ganzheitlichen Unterstützung eine Vielzahl an Ansätzen, Verfahren, Fähigkeiten und Einblicken auf dem Gebiet der Gesundheitsfürsorge anbietet. Dazu gehören zum Beispiel Homöopathie, Schamanismus, Naturheilkunde, Ernährungsberatung, Yoga, Massage, psychosoziale Beratung, Chiropraktik, Meditation oder Handauflegen. Es kommt relativ selten vor, dass ein Körper tatsächlich einen dramatischen Eingriff von außen braucht. Ist das aber erforderlich, dann setzen wir auch auf die Wissenschaft und Technik der allopathischen Medizin. Alles wirkt zusammen, wenn es genau auf die einmaligen und veränderlichen Bedürfnisse der Einzelperson zugeschnitten wird.

Wenn eine Pflanze nicht länger eine Pflanze ist

Die Pharmakologie ist der Wissenschaftszweig der Arzneimittellehre. Sie beinhaltet die Lehre von Bestandteilen und Inhaltsstoffen von Arzneimitteln, ihre Verwendungsweisen, ihre Wirkungen und die mit ihnen zu behandelnden Krankheiten. Die Sprache der heute überwiegend reduktionistischen Pharmakologie und die Sprache der Pflanzenheilkunde artikulieren zwei völlig verschiedene Herangehensweisen. Diese beiden Wissenschaften bringen unterschiedliche Perspektiven und scheinbar unvereinbare Vorstellungen vom menschlichen Körper, von der Chemie der Pflanzen und der therapeutischen Beziehung zwischen beiden zum Ausdruck. Die eine Wissenschaft klammert die natürliche Organisation der kombinierten Bestandteile der Pflanze aus und studiert eine isolierte Einheit (vor allem den sogenannten Wirkstoff) der gesamten Pflanze, um deren pharmakologische Wirkungen auf den menschlichen Körper zu bestimmen. Die andere Wissenschaft tendiert dazu, die Beschaffenheit und die Energetik einer Pflanze als Ganzes wahrzunehmen und zu erforschen, wie sich ihre einzigartigen Wirkungen therapeutisch nutzen lassen.

Ich wähle an dieser Stelle als Beispiel die Rosskastanie (Aesculus hippocastanum), um an ihr modellhaft aufzuzeigen, welche Überlegungen hinter den oft weit auseinanderklaffenden Schlussfolgerungen stehen, zu denen die beiden genannten Wissenschaften kommen. Dadurch soll der grundsätzliche Unterschied zwischen der Art und Weise verdeutlicht werden, wie Pharmakologie und Heilpflanzenkunde die therapeutischen Wirkungen von Pflanzen verstehen und anwenden.

Während man die grüne Außenschale der Kastanie bekanntermaßen nicht essen sollte, da dies zu Benommenheit und Magenbeschwerden führen kann, ist die Frucht der Rosskastanie, die Kastanie selbst, eine sichere und sanft wirkende Heilpflanze, die schon seit jeher als Mittel zur Linderung von Entzündungen und zur Verbesserung des Gewebetonus der Blutgefäße und zu deren Stärkung angewendet wurde, insbesondere für die Venen. Das liegt daran, dass die Rosskastanie eine Pflanze ist, die eine sehr spezifische und einmalige Kombination aus biochemischen Inhaltsstoffen aufweist, die durch die spezielle Art und Weise ihrer Organisation eine starke Affinität zum menschlichen Kreislaufsystem hat. Hauptsächlich hat die Rosskastanie eine zusammenziehende, stärkende und nährende Wirkung auf das Kreislaufsystem. Folglich ist die Rosskastanie auch der wichtigste Bestandteil in Rezepturen zur Behandlung von Krampfadern, Hämorrhoiden und Ähnlichem. Sie wird traditionell innerlich als Aufguss oder Tinktur angewendet; bei der äußerlichen Anwendung wird sie häufig mit Beinwell und einem Destillat der Zaubernuss kombiniert und dann als Kompresse oder Lotion verwendet. (Die innere Rinde des Baumes findet Verwendung als Tonikum und zur Senkung von Fieber.)

Aus der Perspektive und mit der Sprache einer reduktionistischen Wissenschaft nehmen Pharmakologen diese Pflanze ganz anders wahr. Sie neigen zu der Auffassung (wenn sie der ganzen Pflanze überhaupt irgendeine Heilwirkung zuschreiben), dass die pharmakologische Wirkung der Rosskastanie einfach von deren Gehalt an Tannin, Flavon und Saponin herrührt. Die Pharmakologie des Westens nimmt diese Inhaltsstoffe als »Wirkstoffe« wahr. Pharmakologen glauben, dass sich diese »wirksamen« Inhaltsstoffe aus dem Konglomerat der ganzen Pflanze isolieren lassen, die anderen Bestandteile der Pflanze werden als überflüssig und wirkungslos definiert. Pharmakologen nehmen an, dass sich die »wirksamen« Pflanzenbestandteile als molekulare Vorlage verwenden lassen und im Labor synthetisiert, also künstlich hergestellt werden können. Die daraus resultierenden isolierten synthetischen molekularen Formen gelten bei ihnen sogar als noch zuverlässigere Substanzen, die sich mit größerer Präzision verabreichen lassen und deren Nebenwirkungen ausgeschaltet werden können. (Um diese Behauptung zu bewerten, möge man die Rote Liste für Arzneimittel durchblättern und die endlose Auflistung der Nebenwirkungen praktisch aller pharmazeutischen Heilmittel auf sich wirken lassen.)

Pharmakologen beziehen sich einzig und allein auf diese abgesonderten »wirksamen« Bestandteile und warnen dann – vor allem auf der Grundlage von Laborstudien an Tieren zu den Wirkungen dieser isolierten Inhaltsstoffe – vor der Verwendung der Kastanie. Sie weisen darauf hin, dass sich bei Laborforschungen zu Saponinen (einem der in der Kastanie identifizierten Inhaltsstoffe) Hinweise darauf ergaben, dass diese eine Hämolyse hervorrufen können. (Wenn Saponin direkt in die Blutbahn gegeben wird, wirkt es wie Seife. Es verringert die Oberflächenspannung, und dadurch können die roten Blutkörperchen im Blutplasma platzen, wobei ihr Hämoglobin freigesetzt wird. Bestimmte Schlangengifte enthalten Saponine, dieses Zerplatzen der Blutzellen macht die tödliche Wirkung von manchen dieser Gifte aus.)

Die Saponine (Aescin und Aesculin) als Bestandteile des organischen Ganzen der Kastanie sind obendrein recht schwache Saponine. Bei empirischen Untersuchungen im wissenschaftlichen Rahmen der Pflanzenheilkunde und auf der Grundlage umfangreicher empirischer Erfahrungen kam man immer wieder zu dem Ergebnis, dass Saponine bei oraler Einnahme völlig sicher sind. Im wirklichen Leben verursachen Saponine nur dann eine Hämolyse, wenn sie mit einer entsprechenden Vorrichtung direkt in die Blutbahn injiziert werden, wie es durch Kanülen oder Giftzähne von Schlangen erfolgen kann. Der Mensch wandelt beim Verdauungsprozess diese Saponine recht effektiv in Rohmaterialien um, die der Körper als Bausteine für Reparaturen und zum Ausbalancieren von Strukturen erfolgreich einsetzen kann.

Den Pharmakologen zufolge enthalten auch Arzneipflanzen, die häufig als natürliche Geschmacksstoffe Verwendung finden, beispielsweise Süßholz und Sarsaparille, Saponine, ebenso Ginseng und Wilde Yamswurzel. Die chemische Struktur von Saponinen, die als Hormonvorstufen gelten (also als Rohmaterial, das der Körper zur Bildung von Hormonen benutzen kann) und in der Wilden Yamswurzel vorkommen, sind die pflanzliche Vorlage, die die pharmazeutische Industrie ursprünglich verwendete, um die Antibabypille zu kreieren. (Wegen des übermäßigen, kommerziellen Sammelns der Wilden Yamswurzel hat man später stattdessen Sojabohnen, Agaven und andere Pflanzen verwendet.) Vitamin A, das in Karotten und anderen Nahrungsmitteln vorkommt, ist giftig für die Leber, wenn es isoliert und dann gegessen wird. Bestimmte Inhaltsstoffe von Kartoffeln und Tomaten sind ebenfalls giftig, wenn man sie aus den Knollen und Früchten isoliert. Wie die meisten von uns aber empirisch, also durch eigene Erfahrung herausgefunden haben, schaden sie uns nicht, wenn wir sie als komplette Nahrungsmittel in ihrer ursprünglichen, »organisierten« Form essen.

Heilpflanzenkundige glauben, dass die meisten in einer synergistischen Matrix der ganzen Pflanze organisierten Pflanzenbestandteile sicher und wirksam sind und auch wegen der ihnen von Natur aus eigenen biochemischen Verträglichkeit weniger unvorhersehbare Nebenwirkungen aufweisen. Die scheinbar »wirkungslosen« Inhaltsstoffe von Heilpflanzen und Gemüse sind wesentliche Ballaststoffe und Substanzen mit ausgleichender oder dämpfender Wirkung und für den gesamten Körper bedeutsam. Heilpflanzenkundige glauben auch und haben es selbst immer wieder miterlebt, dass ein ganz neuer Schauplatz von grundsätzlich unvorhersehbaren Nebenwirkungen eröffnet wird, wenn wirksame chemische Substanzen in konzentrierter, isolierter Form verabreicht werden.

Wenn wir die voneinander getrennten und isolierten Pflanzenbestandteile einsetzen und die natürliche Organisation der Pflanzen stören, bekommen wir häufig Probleme. Heilpflanzenkundige auf der ganzen Welt wissen, was aus ganzen Pflanzen hergestellte Heilmittel bewirken können und wie sie am besten benutzt werden; sie verfügen über langjährige Erfahrungen, auch wenn sie nicht immer genau sagen können, wie Pflanzen »funktionieren«. Die Methode, einzelne Inhaltsstoffe von Pflanzen zu isolieren, ihnen Namen zu geben und sie zu kategorisieren, gibt einem Heilpflanzenkundigen zusätzliche Informationen an die Hand, die seinen Wissensschatz und seine Erfahrungen mit therapeutischen Vorgehensweisen erweitern.


Rosskastanie (Aesculus hippocastanum), Blatt und Blütenknospe

Eine reduktionistische Wissenschaft arbeitet unermüdlich daran, die therapeutischen Wirkungen von Pflanzen zu erklären und mit synthetischen Stoffen zu reproduzieren. Sicherlich wird unser größeres Wissen über die Art und Weise der Wirkungen von Pflanzen und deren Ursachen auch die Fähigkeiten, die Intuition und die Effektivität der Klinikärzte verbessern. Allerdings hat in der Welt der Heilkünste auch das Mysterium einen Wert an sich. Das Mysterium macht weiter einen Großteil menschlicher Erfahrung aus. So wie der Flug der Hummel und der Libelle Luftfahrtexperten immer wieder verblüfft, so bringen häufig auch die synergistischen, therapeutischen Wirkungen der ganzen, naturbelassenen Pflanzen die rationalen Prinzipien der Pharmakologie und der allopathischen Pharmazie ganz schön durcheinander.

Die Pflanzenheilkunde und die etablierte Medizin

Ich habe tiefen Respekt vor den allopathischen, pharmazeutischen Medikamenten und bin aufrichtig dankbar, wenn sie auf die richtige Weise und mit der entsprechenden Vorsicht angewendet werden. Es sind sehr stark wirkende Heilmittel. Die moderne medizinische Chemie hat zu wundervollen Ergebnissen geführt, die besonders bei Kriseninterventionen, Katastrophen und notwendigen Operationen in hervorragender Weise zum Tragen kommen. Zweifellos hat die Wirkung pharmazeutischer Medikamente bei schweren Infektionen, massiven Verletzungen und lebensbedrohlichen Zuständen wie einem Herzversagen oder einer Lungenentzündung Menschenleben gerettet. Die allopathische Medizin kann sogar bestimmte chronische Leiden lindern.

Meiner Meinung nach werden die pharmazeutischen Arzneimittel allerdings häufig in unangemessener Weise verwendet. Ihre Wirkung ist viel zu spezifisch und viel zu stark für die meisten geringfügigen Beschwerden wie Erkältungen, grippale Infekte oder häufige Kinderkrankheiten. Das Gleiche gilt für chronische Leiden wie permanente Verdauungsstörungen, Verschleimungen und Verstopfungen im Bereich der Lunge, Kreislaufschwäche, Arthritis, häufige Nervenleiden oder Probleme mit dem Urogenitalsystem. Da chemischen Medikamenten jegliche Nährstoffe fehlen, eignen sie sich auch nicht für eine längere, vorbeugende gesundheitliche Einnahme. Die aggressiven Wirkungen der allopathischen Arzneimittel umgehen die normalerweise voll ausreichenden Abwehrmechanismen des Körpers, und die starken Nebenwirkungen können die dem Körper innewohnende Fähigkeit, sich selbst auf die richtige Art und Weise zu heilen, einschränken. Das hat zur Folge, dass der gesamte Zyklus an Aktivitäten, mit denen der Körper spontan seine natürliche Abwehrstrategie entfaltet, unterbrochen und gestört wird. Die normalen körperlichen Abwehrmechanismen werden bei häufiger Einnahme der Medikamente dauerhaft unterbunden und bleiben oft in einem Zustand der Trägheit zurück. Was ursprünglich eine akut auftretende Krankheit war, kann so erneut auftreten und zu einem chronischen Leiden werden. Ein effizienteres oder als Ergänzung gedachtes Heilmittel würde die Organsysteme des Körpers mit seinen Nährstoffen unterstützen und dem Körper die passenden organischen Stoffe zur Verfügung stellen, mit denen dieser seinen normalen Prozess einer Selbstheilung vollziehen kann.

Pflanzen und der menschliche Körper

Der menschliche Körper ist seit Langem biologisch mit Nahrungsmitteln und Heilmitteln vertraut, die aus der ganzen Pflanze bestehen, und auch von seinem Stoffwechsel her auf diese eingestellt. Der Körper verwendet solche Pflanzenbestandteile entweder als Nährstoffe und Baumaterial oder scheidet sie aktiv wieder aus. Dieser vorhersehbare und von verschiedenen Organen des Körpers vollzogene Vorgang der Ausscheidung ermöglicht es dem Menschen auch, die Wirkungen einzelner Pflanzen medizinisch zu nutzen. Harntreibende Pflanzen enthalten Stoffe, die dafür bekannt sind, von den Nieren schnell ausgeschieden zu werden; sie regen die Produktion von Harn an. Schweißtreibende Inhaltsstoffe werden durch die Haut ausgeschieden und regen den Schweißfluss und die Talgbildung an. Einige leberstärkende Pflanzen werden über die Leber ausgeschieden, haben eine stimulierende Wirkung auf die Leberfunktionen und verstärken auch den Gallefluss (siehe auch die Hinweise auf die Wirkungen einzelner Heilpflanzen in den Folgekapiteln).

Pflanzen sind aber keine Munitionsarsenale für Wundermittel. Die wie mit einem Tunnelblick erfolgende Verwendung von isolierten »Wirkstoffen« einer Pflanze einschließlich der Einnahme von isolierten Vitaminen, Mineralstoffen und Aminosäuren bewirkt einfach nicht das Gleiche wie die Nutzung der Komplexität der ganzen Pflanze. Albert Szent-Györgyi, Professor der Medizin und Nobelpreisträger für Physiologie und Medizin, sagt dazu Folgendes: »Organisation bedeutet, dass, wenn die Natur zwei Dinge auf sinnvolle Weise zusammenfügt, etwas Neues hervorgebracht wird, das nicht mehr mit den Begriffen der Eigenschaften seiner Bestandteile beschrieben werden kann. Das trifft für das gesamte Spektrum von Komplexität zu, das von den Atomkernen und Elektronen bis zu den Makromolekülen eines komplexen Individuums reicht. Die Natur addiert nicht. Wenn das so ist, dann ist aber auch das Gegenteil wahr. Wenn ich zwei Dinge voneinander trenne, werfe ich dabei das weg, was die Essenz, das Wesentliche dieses Systems, dieses Grades an Organisation, ausgemacht hat.« Die reduktionistische Wissenschaft der Medizin und die Therapie mit chemischen Arzneimitteln basieren darauf, dass bisher nur einzelne und aus ihrem Organisationszusammenhang entfernte Stücke von Pflanzen studiert und experimentell untersucht wurden. Es existiert jedoch ein riesiger Schatz an Erfahrungswissen darüber, wie diese Teile auf den menschlichen Körper einwirken, wenn sie sich in ihrer natürlichen Organisationsform innerhalb einer ganzen Pflanze befinden.

Ungiftige und naturbelassene Heilpflanzen, wie sie traditionell von Heilpflanzenkundigen verwendet werden, bestehen aus einer komplexen und ausgeklügelten Biochemie organisierter Substanzen, zu denen der menschliche Körper eine seit Langem bestehende biochemische Vertrautheit entwickelt hat. So benötigt der Körper des Menschen kontinuierlich von außen zugeführte Mineralstoffe. Diese müssen aus lebenden oder zumindest vorher lebendigen Zellen bezogen werden, also entweder aus Pflanzenzellen oder aus den Zellen eines Tieres, das kurz zuvor die Pflanze gefressen hat. Pflanzen besitzen die einzigartige Fähigkeit, mineralische Substanzen aus dem Boden aufzunehmen und sie auf eine Weise umzuwandeln, dass die Zellen und Organsysteme des menschlichen Körpers sie bei der Verdauung verwerten können. Die Evolution der Pflanzen erfolgte gemeinsam mit jener der Menschen, und Pflanzen enthalten diese nährenden Substanzen teilweise in derselben Zusammensetzung, wie die im Körper des Menschen vorhandenen sie aufweisen. Diese Verträglichkeit erlaubt die direkte Assimilierung oder Ausscheidung dieser pflanzlichen Substanzen im Verdauungsprozess.

Keine anderen mir bekannten chemischen Prozesse können die bemerkenswert hoch entwickelten Prozesse der organischen Chemie ersetzen, die in einer lebenden Pflanze und in lebendigen Tierzellen ablaufen. Die Wirkung der Chemie der ganzen Pflanze in den Organsystemen des menschlichen Körpers ist im Allgemeinen recht gut vorhersagbar, da sie seit Jahrtausenden von Menschen genutzt und beobachtet wird. Die alten Mediziner haben die Anwendungsgebiete und die Kontraindikationen von aus ganzen Pflanzen bestehenden Nahrungsmitteln und Pflanzenheilmitteln gut dokumentiert und wiederholt nachgewiesen. Vorausgesetzt, dass die verwendeten Heilpflanzen von guter Qualität sind, auf die richtige Weise gesammelt oder geerntet werden, gut zubereitet und zusammengestellt sind und mit Wissen und Einfühlung dem Zustand einer Person angemessen verschrieben werden, sind die Wirkungen einer Heilpflanze zu neunzig Prozent vorhersehbar. Erfahrene Heilpflanzenkundige wissen, was die einzeln oder in einer Rezeptur eingesetzten ganzen Pflanzen bewirken können und was sie nicht leisten. Dies ist unser Erbe und die Kunst und die Wissenschaft, die wir lehren. (Die zehn Prozent Abweichung kommen vor allem durch Faktoren in der Lebensweise der betreffenden Person zustande, die den Wirkungen der Heilpflanze entgegenstehen. So kann man nicht erwarten, dass eine lungenstärkende Heilpflanze bei regelmäßigem Tabakkonsum die gleiche kräftigende Wirkung auf die Lunge entfaltet wie bei einer nicht mit Teer belasteten Lunge.)

Ganzheitlichkeit und die Verwendung von Heilpflanzen

Heilpflanzen können bei ganz banalen Beschwerden lindernd wirken, beispielsweise wenn wir sie als pflanzliches Abführmittel bei Verstopfung einsetzen, als Beruhigungsmittel für die Nerven bei Nervosität oder wegen ihrer windtreibenden Eigenschaften gegen Blähungen. Die Verwendung von Heilpflanzen zur Abschwächung von Symptomen greift nicht in den normalen Heilungsprozess des Körpers ein und hinterlässt auch keine Giftstoffe, die dann im Körper verbleiben. Gleichzeitig können wir mit einer aus Heilpflanzen zusammengestellten Rezeptur daran arbeiten, die zugrundeliegende(n) Ursache(n) von immer wieder auftretenden Symptomen zu beseitigen, um uns auf Dauer von diesen Symptomen zu befreien. Solch eine Rezeptur lässt sich leicht zusammenstellen.

Wir sollten dabei jedoch im Hinterkopf haben, dass nicht alles auf jeden Körper auf die gleiche Weise wirkt, denn jeder Mensch wird von vielen Einzelfaktoren geprägt. Die Lebensweise, die Umgebung, die Ernährung, der Sex, Gewohnheiten, das Alter und Ähnliches wirken auf das Gesamtbild ein, in dem die Einnahme einer Heilpflanze nur ein Einzelfaktor ist, der in der Gesamtkombination therapeutisch wirksam ist. Weißdornbeeren beispielsweise, die für Heilpflanzenkundige das wirksamste Tonikum für die Herzkranzgefäße und allgemein für das Herz und die Blutgefäße sind, können niemals regelmäßige und im angemessenen Maß betriebene Bewegung ersetzen; auch wird ein pflanzliches Stärkungsmittel für die Nebennieren nie das für das endokrine Drüsensystem tun, was beispielsweise jener kreative Schwung bewerkstelligen kann, der durch eine endlich erfolgte Kündigung eines Depressionen hervorrufenden eintönigen Jobs hervorgerufen wird.

Ganzheitlich ausgerichtete Heilpflanzenkundige nehmen Menschen als komplexe, körperliche, geistige, emotionale und spirituelle Wesen wahr, die in einem Wechselgeflecht an ökologischen Beziehungen mit allem Leben verwoben sind und die angeborene Kraft besitzen, Krankheiten zu verhindern und Leiden zu heilen. Diese Art von Pflanzenheilkunde entwickelt ihre therapeutischen Maßnahmen auf der Grundlage der Arbeit mit der einzelnen Person, die im Kontext dieser Ganzheit steht. Der ganzheitliche Ansatz geht systematisch, sozial, gesellschaftlich und ökologisch an die individuelle Person heran und zielt nicht bloß darauf ab, zur Linderung von Beschwerden ein bestimmtes Symptom zu entfernen. Dafür Pflanzenheilmittel einzusetzen, ist ein bedeutsamer Teil dieser ganzheitlichen Therapie, doch keinesfalls alles.


Abbild der Leber, von den Sehern der Etrusker zur Organschau verwendet.

Um bei einem bestimmten Menschen die Erfahrung seiner eigenen Gesundheit wieder lebendig werden zu lassen, wird die Rezeptur für seine Behandlung zweifellos einmalig sein. In diesem Buch ist es leider nicht möglich, auf die spezifischen Bedürfnisse einzelner Personen einzugehen. Allerdings werden die Konzepte erläutert, die hinter den ganzheitlichen therapeutischen Maßnahmen stehen, was grundsätzliche Hinweise gibt, und es werden Vorschläge für Pflanzenrezepturen gemacht, mit denen man bei bestimmten Symptomen für Erleichterung sorgen und der von Natur aus gegebenen Gesundheit wieder Schwung verleihen kann. Wenn man die Informationen nutzt, die die Wirkungen einzelner Heilpflanzen erklären, wird man in die Lage versetzt, eine eigene Rezeptur zusammenzustellen oder auf der Grundlage der eigenen Erkenntnisse einer bestehenden Rezeptur noch Heilpflanzen hinzuzufügen. Das wird die entstehende Mischung so verändern, dass sie den Bedürfnissen der betreffenden Person noch besser entspricht.

An dieser Stelle möchte ich warnend darauf hinweisen, dass bei dem Studium der Pflanzenheilkunde die Wissenschaft von den ganzheitlichen heilpflanzlichen vorbeugenden und therapeutischen Maßnahmen etwas ganz anderes ist als das, was die Sprache der heutigen massenhaften Vermarktung pflanzlicher Produkte uns glauben macht. Bevor jemand kommerziell vertriebene aus Heilpflanzen bestehende Produkte kauft, sollte er lernen, wie man Heilpflanzen ganzheitlich verwendet und wie man Heilpflanzen von guter Qualität erkennen kann (siehe dazu die Ausführungen des sechsten Kapitels über die Qualität von Heilpflanzen). Dann wird man auch nicht enttäuscht. Man sollte nicht alles glauben, was auf den verführerischen Verpackungen von kommerziellen Unternehmen in höchsten Tönen angepriesen wird. Dies gilt besonders dann, wenn schnelle Heilung und geheimnisvolle Allheilmittel angepriesen werden. Heilpflanzen, die auf der Basis eigener Erkenntnisse und eigenen Wissens Verwendung finden, unterstützen, fördern, inspirieren, stärken, nähren und beruhigen. Doch die Person selbst ist es, die die komplette Heilung vollbringt. Das geeignete Maß an Zeit dafür aufzuwenden, ist dabei ein wichtiger, ganzheitlicher und hilfreicher Faktor.

Auf zwei ganz einfache »Heilmittel« sei hier vorab noch hingewiesen: genügend klares Wasser und die Bedeutung des Humors. Wir sollten viel mehr Wasser trinken (es sollte Zimmertemperatur haben oder etwas wärmer sein), als wir das gewöhnlich tun. Wenn neunzig Prozent der unserem Körper zugeführten Flüssigkeit aus Wasser besteht, kann jede Körperfunktion auf bestmögliche und effektive Weise ablaufen. Und wie wir alle wissen, ist Lachen unsere beste Medizin. Lachen lindert Schmerzen, Wut und Trauer, feiert die Gesundheit und lässt Heilung beginnen.

Unsere Begleiter, die Tiere, und aktuelle Forschungen zu Heilpflanzen

Die Diskussion innerhalb der Gemeinschaft von Heilpflanzenkundigen über unsere Beziehung zu Pflanzen und Tieren und unsere Haltung zu Tierversuchen im Rahmen der Erforschung von Heilpflanzen ist schon seit Jahren ein Thema. Einige Heilpflanzenkundige sehen im Bestreben, Heilpflanzen als Heilmittel zu legitimieren, Tierversuche als Beweise dafür als wertvoll an. (Wohlgemerkt wollen sie damit die Glaubwürdigkeit der Pflanzenheilkunde für die etablierte Wissenschaft einer Auffassung von Medizin erhöhen, die sich um Krankheiten kümmert.) Wahrscheinlich ist es richtig, wenn wir versuchen wollen, die etablierte medizinische Wissenschaft von der Gültigkeit einer Pflanzenheilkunde zu überzeugen, dass wir dann auch die Sprache dieser medizinischen Wissenschaft verwenden. Jene medizinisch-pharmazeutische Wissenschaft hat sich darauf festgelegt, das aus Tierversuchen stammende Datenmaterial als die Hauptreferenz für Glaubwürdigkeit und Legitimität anzusehen.

Die empirisch bestätigende und die allgemeine Praxis der traditionellen Wissenschaft der Pflanzenheilkunde lässt sich aber nicht unbedingt auf Daten zurückführen, die durch Tierversuche und Vivisektion gewonnen wurden. Das wurde auch gar nicht erst versucht. Viele Heilpflanzenkundige haben auch nicht das Gefühl, sie müssten der etablierten Medizin die Gültigkeit ihrer Wissenschaft erklären – besonders dann nicht, wenn es dafür notwendig ist, Tieren Schaden zuzufügen. Es ist vielmehr ihr aufrichtiger Wunsch, in einer symbiotischen Beziehung zur etablierten Medizin und neben ihr tätig zu sein, und dies in einer verantwortlich handelnden und Mitgefühl zeigenden Gemeinschaft, die sich um Gesundheitsfürsorge kümmert. Irgendeine Art von Legitimität nach den Regeln anderer nachzuweisen, soll nicht durch den Verlust unserer Autonomie und zum Schaden unserer Ethik erkauft werden!

Mit genauso großer Sorge erfüllen mich die äußerst fragwürdigen Schlussfolgerungen, die die wissenschaftliche Forschung auf der Grundlage vager und aus Tierversuchen erhobener Daten zieht. Die einzigen verlässlichen Informationen, die uns Tierversuche immer wieder übereinstimmend liefern, besagen, dass sich Tiere nur als unzulänglicher Ersatz für eine Forschung am Menschen erwiesen haben. Die Testwerte variieren je nach der jeweiligen Tierart stark und tun dies sogar innerhalb der gleichen Spezies bei unterschiedlichen Belastungen sowie bei verschiedenen Geschlechtern, Altersgruppen und Temperamenten. Verlassen wir uns auf Daten, die aus Tierversuchen stammen, gehen wir ein nicht hinnehmbar hohes Risiko für die menschliche Gesundheit ein. Zu oft führen solche Daten in die Irre oder geben falsche Versprechungen, die dann Menschen beträchtlichen Schaden zufügen.

Nach allen Tierversuchen sind es letztlich immer Menschen, die als Versuchskaninchen herhalten müssen. Nur nachdem eine Substanz jahrelang an lebenden Menschen (in vivo) getestet und klinisch beobachtet worden ist, kann jemand wirklich ihren tatsächlichen Wert (und ihre Nebenwirkungen) für eine Verwendung zur Aufrechterhaltung der Gesundheit beim Menschen bestimmen. (Die traditionelle Pflanzenheilkunde hat das bereits getan.) Die Techniken für zuverlässige Alternativen zu Tierversuchen stehen uns zur Verfügung. Die Finanzierung entsprechender Organisationen und Präzedenzfälle – durch öffentlichen Druck eingefordert und unterstützt – müssen bei diesem Thema zu einer Neuausrichtung führen. Forscher muss man dafür begeistern, ihre Gewohnheiten zu ändern.

Die Vivisektion ist eine sehr junge und radikale Experimentiertechnik, die durch die Arbeit von Louis Pasteur eingeführt und als »wissenschaftliches« Verfahren populär wurde. Ich bin der Auffassung, dass Tierversuche eine arrogante und irreführende Vorgehensweise darstellen, die hoffentlich endlich bald ein Ende haben wird. Inhaltsstoffe von Pflanzen oder irgendeine andere Substanz an nichtmenschlichem Tiergewebe zu testen, kann einem Forscher bestenfalls Andeutungen dafür liefern, in welche Richtung und in welchem Ausmaß die pharmakologische Wirkung einen Einfluss auf das menschliche Gewebe ausübt. Heutzutage gibt es zuverlässigere Alternativen zu Tierversuchen, die sich sofort anwenden lassen und ebenfalls die gewünschten Informationen liefern und zugleich die Erfordernisse der Ethik im Bereich der Forschung erfüllen.

Grizzlybären waren die ersten Tiere, denen meine Liebe galt. Und der drohende Verlust ihrer Anwesenheit auf diesem Planeten besorgt mich zutiefst. Die Angst und das Leiden, das mir durch die flehenden Augen der Opfer von Tierversuchen entgegenschreit, schmerzt mein Herz allerdings noch tiefer. Eine größere Freundlichkeit uns selbst und allen Spezies gegenüber und eine intelligente Fürsorge für unsere Umwelt sowie ihre intelligente Nutzung wird sich als die beste Medizin für den Menschen erweisen. Ich bin nicht der einzige, der so empfindet. Mahatma Gandhi brachte einmal ganz ähnliche Gefühle zum Ausdruck, als er sagte: »Die Größe und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie ihre Tiere behandelt.« Achten wir gut auf unsere Begleiter, die Tiere; selbst das ist schon Medizin.

1 Mario Pei: The Story of Language, New York: Plume 1984, S. 201

KAPITEL 3

Die Verbindung zwischen Mann und Frau

Die Pflege unserer Gleichheiten und Unterschiede

»Der Körper ist die nach außen gedrehte Seele …

das den Jahreszeiten zugewandte Gesicht der Seele.«

Jane Roberts

Neben den offensichtlichen Unterschieden gibt es zwischen dem männlichen und dem weiblichen Körper viel mehr Ähnlichkeiten, als äußerlich in Erscheinung treten. Der auffälligste Unterschied besteht jedoch darin, dass Männer bis zu zehnmal mehr vom Hormon Testosteron produzieren als Frauen (30 bis 200 Mikrogramm kreisen im Körper des Mannes, im Vergleich dazu sind es bei den Frauen 5 bis 20 Mikrogramm). Das gestattet es dem Mann, körperlich größer zu werden und mehr Muskelmasse zu entwickeln (allerdings kann es sich auch verheerend auf seine Haarpracht auswirken); Testosteron bringt zudem mehr kraftvolle Yang-Energie hervor. Dieses den Ehrgeiz anstachelnde Hormon, das vor allem in den männlichen Hoden produziert wird, ist auch die eigentliche Ursache dafür, dass der Mann gegenüber seinem Körper und der Pflege seiner Gesundheit gewöhnlich eine eher beiläufige und scheinbar desinteressierte Haltung zur Schau stellt und sich lieber mit anderen Dingen beschäftigt.

Außerdem ejakulieren Männer, während Frauen menstruieren und stillen (wobei hier angemerkt sei, dass auch Frauen ejakulieren können und das auch in Ekstase tun). Der auffällige Unterschied liegt darin, dass Männer Samen und Sperma ejakulieren. Die mit Sperma beladene Samenflüssigkeit ist eine biochemisch sehr kostbare und mit großem Aufwand produzierte flüssige Energie, die die meisten Männer überglücklich abgeben – wahrscheinlich ein wenig zu freigebig. Die verausgabte Energie und die in diesen Vorgang eingebundenen Nährstoffe sollten »überwacht« und müssen wieder ersetzt werden, andernfalls betreibt der Mann Raubbau an sich selbst, was zu Schwäche führen kann. Viele medizinische Schulen des Ostens empfehlen, Sex ohne Ejakulation zu praktizieren, damit Männer in ihren sexuell aktiven Jahren ihre Lebenskraft im Gleichgewicht halten und auch mit den ihnen zur Verfügung stehenden Nährstoffen sparsam umgehen. Diese Schulen weisen zudem darauf hin, dass sich auf diese Weise die sexuell aktive Zeit deutlich verlängern lässt. Das heißt überhaupt nicht, dass Sex mit Ejakulation ein für allemal ausgeschlossen werden soll; dieser Sex soll lediglich durch einen geschickten Einsatz der Beckenbodenmuskulatur ergänzt werden. Dadurch lässt sich auch die sexuelle Leistungsfähigkeit steigern; der Mann kann den Samen bei sich behalten (ohne dass dies die Lust und das Vergnügen mindert) und insgesamt die sexuelle Ausdauer erhöhen (siehe auch die Ausführungen im siebten Kapitel zu dieser uns eher fremden Praxis).

Auf der Grundlage der vorhandenen Ähnlichkeiten zwischen dem männlichen und dem weiblichen Körper und angesichts des eklatanten Mangels an Informationen zur Verwendung von Heilpflanzen für die männliche Gesundheitspflege möchte ich vorschlagen, die umfangreiche Überlieferung über Heilpflanzen zur Pflege der weiblichen Gesundheit zu Rate zu ziehen, um daraus möglicherweise ein Verständnis für die Rolle dieser Pflanzen für die männliche Gesundheit zu entwickeln. Dabei sollten wir uns der Ähnlichkeiten zwischen Mann und Frau bewusst sein, von denen ich einige nachfolgend aufliste. Diese Konzepte sollen nicht als unumstößliche Tatsache hingestellt werden, sie lohnen aufgrund ihrer Plausibilität aber eine Erwägung. Die von mir aufgedeckten Ähnlichkeiten umfassen bisher Folgendes (und ich bin mir sicher, dass da noch vieles nachkommt):

• Obwohl die männlichen und weiblichen Geschlechtsorgane völlig unterschiedlich aussehen, scheinen sie fast die jeweils umgekehrte Form zu haben. Bei ihrer vorgeburtlichen Entwicklung sind sich diese Geschlechtsorgane sehr ähnlich. Im sich entwickelnden Fötus sind sie aus homologen Geweben hervorgegangen; die Genitalien der zehn Wochen alten männlichen und weiblichen Föten sind identisch.

• Die Prostata (deren Anatomie und Physiologie wir später erörtern) lässt sich als männliche Gebärmutter deuten, die jedoch keinen deutlichen Monatszyklus aufweist und sich anscheinend auch nicht periodisch wieder auffrischt. Einige Physiologen interpretieren die Prostata als ein in gewisser Hinsicht von den endokrinen Drüsen abhängiges Organ und somit als Entsprechung zu den Brüsten der Frau. Doch so oder so ist die Prostata möglicherweise ein Organ, das nährt, das sensibel auf die eigenen Gedanken und Gefühle reagiert und auch von der Akzeptanz der eigenen Person und von der Art und Weise, auf die man sich um sich selbst kümmert, beeinflusst wird.

• Die Tätigkeit sowohl der Hoden als auch der Eierstöcke wird von den Hormonen der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) gesteuert. Unfruchtbarkeit bei Männern und Frauen kommt oft durch einen Mangel an Hormonen aus dieser Drüse zustande, was signalisiert, dass das gesamte endokrine System mit allem, was es an Nährstoffen braucht, versorgt werden muss.

• Die Hoden produzieren sowohl das männliche Hormon Testosteron als auch das weibliche Hormon Östrogen. Ein Teil des im Körper des Mannes abgesonderten Östrogens kommt zwar auch aus der Nebenniere, aber ungefähr 80 Prozent stammen aus den Hoden. Auch die Eierstöcke produzieren Testosteron. Eierstöcke wie Hoden haben ungefähr dieselbe Größe und messen etwa vier Zentimeter.

• Die Hoden sind Eierstockgewebe, die außerhalb des Körpers nach unten gefallen sind. Wenn ein Mann einen Stoß auf die Hoden bekommt, dann wird ein Großteil dieses Schmerzes in der Nähe der Stellen verspürt, an denen bei der Frau die Eierstöcke liegen. Genau an diesen Orten liegen auch die Hoden beim ungeborenen männlichen Kind, bevor die Drüsen in den Hodensack hinabfallen. (Sie hängen dort außerhalb des Körpers, damit sie kühl bleiben. Die Körpertemperatur ist nämlich ein bisschen zu warm für die Produktion von wirkungsvollem Sperma, während sie für das Einnisten einer Eizelle perfekt ist.)


Ein Vergleich der Anatomie der männlichen und weiblichen Geschlechtsorgane verdeutlicht Ähnlichkeiten (homologe Gewebe) zwischen diesen Organen.

• Um die Scheidenöffnung herum und in der Klitoris hat man bei der Frau Schwellgewebe gefunden; beim Mann ist dieses Gewebe im Penis und bei beiden Geschlechtern in den Brustwarzen vorhanden.

• Die Klitoris und der Penis sind homologe Gewebe und neurologisch ähnlich, unterscheiden sich jedoch in der Gestaltung, in ihrem Temperament und in ihrer »Persönlichkeit«.

• Der Penis hat eine Eichel, und die Klitoris hat eine Klitoriseichel. Der Penis hat eine Vorhaut (zumindest kommt der Mann mit einer Vorhaut zur Welt) und die Klitoris hat eine Klitorisvorhaut. Die Eichel des Penis ist tatsächlich ein inneres Organ, und die Vorhaut ist auf intelligente Weise so gestaltet, dass sie das ganze Leben eines Mannes hindurch die Eichel bedeckt, gleitfähig macht und schützt. Die Klitorisvorhaut schützt die Klitoris und sollte deshalb auf keinen Fall chirurgisch entfernt werden.

• Der Hodensack beim Mann und die großen, äußeren Schamlippen bei der Frau bestehen aus homologem Gewebe.

• Es gibt vereinzelt Berichte darüber, dass Männer Säuglinge stillen (siehe zum Beispiel Anomalies and Curiosities of Medicine von G. Gould und W. Pyle). Die männlichen Brustwarzen sind zwar ganz offensichtlich nicht so gut ausgestattet wie die weiblichen Brustwarzen, aber auch sie gibt es bestimmt aus irgendeinem noch zu erschließenden Grund.

• Warum gibt es eigentlich bei Männern und Frauen Schamhaare? Nun, sie nehmen den männlichen und weiblichen Duft auf, fangen ihn ein, behalten ihn und verbreiten ihn dann subtil bei der durch Pheromone gesteuerten Kommunikation der Geschlechter. Wahrscheinlich gilt das auch für die Achselhaare. Für diese Informationen kann ich zwar keine Veröffentlichung nennen, auf die ich mich berufe, aber es ist bis jetzt die einzige Erklärung, die mir zu Ohren gekommen ist und die von der praktischen Seite her gesehen Sinn ergibt. Wenn dem tatsächlich so ist, müsste das freiwillige Entfernen eines großen Teils der Körperbehaarung einschließlich der Schamhaare, das uns von der gerade herrschenden Mode diktiert wird, eigentlich einige interessante Folgeerscheinungen im Bereich der sexuellen Aktivität einer Gesellschaft haben.

KAPITEL 4

Greens Hypothesen

Über Heilpflanzen für den Mann, bitter schmeckende Nahrung sowie Väter

»Jeder von uns ist ein Mensch mit einer ungeheuren Würde,

trotz aller unserer Missverständnisse.«

James Green

Erste Hypothese

Heilpflanzen, die traditionell dazu verwendet werden, um die weiblichen Geschlechtsorgane und die für die Fortpflanzung erforderlichen Strukturen bei der Frau zu nähren und zu kräftigen, können das Gleiche auch für die männlichen Geschlechtsorgane und die Fortpflanzungsfunktion des Mannes tun.

Tonika »für die Frau«, die die Gebärmutter kräftigen, sind beispielsweise die Beeren des Mönchspfeffers, Himbeere und Rebhuhnbeere (Mitchella repens). Diese Heilpflanzen haben eine kräftigende und tonisierende Wirkung auf das gesamte weibliche, für die Fortpflanzung zuständige Organsystem. Sie eignen sich für alle Beschwerden, bei denen sich Schwächen im Bereich des Fortpflanzungssystems im gesamten Körper als Schwächezustände manifestieren. Ich bin der Auffassung, dass sich ein geschwächtes Fortpflanzungssystem beim Mann (das auf subtile Weise noch weitaus komplexer ist und dem weiblichen Fortpflanzungssystem viel mehr gleicht, als allgemein anerkannt wird) auf seinen gesamten Körper auf die gleiche Weise schwächend auswirkt. Dieses Syndrom haben wir jedoch nicht in das Bild integriert, das wir im Westen vom Mann haben, und es taucht auch nicht in unseren medizinischen Regeln für den richtigen Umgang mit typischen Männerleiden auf und wird daher auch als wesentlicher Faktor, der zu anderen, auffälligeren Symptomen führt, übersehen.

In der traditionellen Literatur über Heilpflanzen werden Himbeerblätter dafür gerühmt, die Gebärmutter zu stärken. Sie werden für schwangere Frauen empfohlen, die vor, während und nach der Geburt täglich einen aus ihnen zubereiteten Tee trinken sollen. Nirgends habe ich aber einen Hinweis darauf gefunden, dass diese Pflanze auch zur Stärkung der männlichen Geschlechtsorgane verwendet wird – von einer Erwähnung in einem Klassiker der Pflanzenheilkunde in der Tiermedizin mit dem Titel Herbal Handbook for Farm and Stable von Juliette de Bairacli-Levy (deutscher Titel Das Kräuterhandbuch für Stall und Weide) einmal abgesehen. Dort schreibt die Autorin, dass Himbeerblätter wegen ihrer stärkenden Wirkungen auf alle männlichen Tiere und zur Behandlung bei Unfruchtbarkeit sehr geschätzt sind. Mir wurde auch berichtet, dass die Araber regelmäßig Himbeerblätter als Tonikum ihren wertvollen Hengsten verabreichen, und ich würde wetten, dass diese schlauen und listigen Wüstenreiter den Tee daraus auch selber trinken, um damit ihre Kräfte und ihre Ausdauer zu erhöhen. Ein heißer Himbeerblättertee schmeckt ein wenig nach qualitativ hochwertigem Grünem Tee, und die Himbeerblätter enthalten kein Koffein.

So könnte man auch auf die Idee kommen, bei der Behandlung von Problemen mit der Prostata und den Hoden neben der vernünftigen Empfehlung, Damiana und Sägepalme zu nehmen, auch auf Heilpflanzen zurückzugreifen, die regelmäßig für die Behandlung von Beschwerden mit den Eierstöcken empfohlen werden: Baldrian, Johanniskraut, Wilde Yamswurzel, Himbeere und Helmkraut (mehr zu genauen Rezepturen folgt später).

Männer wie Frauen können immer wieder Zeiten haben, in denen sie missmutig, verdrossen und launisch sind. Bei Männern könnte man das als PTS bezeichnen – was dann für Prätestrales Syndrom stehen würde. Männer reagieren auch auf ihre Weise auf Mondphasen. Wer sich selbst aufrichtig beobachtet, wird wissen, dass das stimmt. Wir führen nicht wie Frauen auf der Grundlage eines ungefähr achtundzwanzig Tage andauernden Zyklus Aufzeichnungen über unsere Stimmungen, über unsere unterschiedlichen Reaktionen auf Stress und über unser tägliches Energieniveau, denn bei uns gibt es kein Ereignis wie die Menstruation, das wir als Markierung für den Beginn eines solchen Zyklus nehmen könnten. Im Allgemeinen ignorieren wir also die Schwankungen und Veränderungen bei uns und tun sie als bedeutungslos ab. Das ist zwar in Ordnung, aber wir könnten uns auch mehr auf diese zyklische Energie einlassen und dadurch mehr Einblick in uns selbst gewinnen und besser verstehen, wie wir funktionieren. Nicht zuletzt könnten wir uns selbst gegenüber in diesen Zeiten mehr Toleranz und Akzeptanz entgegenbringen und vielleicht sogar einen oder zwei Tage jeden Monat um den Vollmond herum weniger arbeiten und mehr entspannen.

Eine solche zu mehr Einsicht führende Selbstwahrnehmung und Selbstakzeptanz hängt von einem Gleichgewicht zwischen unserer inneren Sensibilität und unserer Feinfühligkeit für äußere Vorgänge ab. Wie schon gesagt, ist sie angesichts des hohen Tempos, in dem viele Männer gefangen sind, schwierig zu erreichen. Wenn wir uns als Gruppe betrachten, werden wir feststellen, dass dieses Verständnis von uns selbst, unser Erkenntnisvermögen und unsere Akzeptanz von diesen zyklisch wiederkehrenden Zeiträumen besonderer Verletzlichkeit (was ja keine Form von Schwäche ist) den meisten Männern in unserer Kultur mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit fehlen. Auch ein System gegenseitiger männlicher Unterstützung dürften gegenwärtig die meisten von uns vermissen. Meiner Meinung nach würde unser Leben viel erfreulicher und gesünder verlaufen, wenn wir durch die Aufforderung, uns gegenseitig zu helfen und uns zu verstehen, wachgerüttelt würden und sie als Männer akzeptieren. Bei Frauen ist das ja hinsichtlich ihrer Geschlechtsgenossinnen schon längst passiert.

Einer periodisch immer wiederkehrenden Launenhaftigkeit bei Männern und einer sich auffällig regelmäßig wiederholenden mürrischen Verstimmung, die der Anspannung von Frauen vor der Menstruation gleicht, liegt vielleicht ebenfalls die schwierige Phase eines subtilen hormonellen Zyklus bei den Männern zugrunde. Auch sie kann dann eventuell mit Pflanzen ins Gleichgewicht gebracht werden, die in der westlichen Pflanzenheilkunde üblicherweise als »Frauenpflanzen« gelten.

Betrachten wir doch einmal die Verwendung einer Heilpflanzenmischung, die normalerweise bei Launenhaftigkeit, bei nervöser Ängstlichkeit und einer gehemmten Menstruationsblutung für Frauen verschrieben wird. Selbstverständlich menstruieren Männer nicht, aber auch in den inneren Kanälen eines Mannes müssen die feinen Energien zyklisch fließen (denn wie bereits erwähnt, werden auch wir von den Mondphasen beeinflusst, genau wie die Frauen und die Gezeiten). Einige »Frauenpflanzen« haben sich mit ihren Wirkungen als geeignet erwiesen, dieses Fließen zu erleichtern. Dazu gehören Frauenwurzel (Caulophyllum thalictroides), Schneeball, Polei-Minze und die Bitterpflanzen Beifuß und Schafgarbe. Die sekundären Wirkungen dieser Heilpflanzen unterstützen die männliche Energie während dieser (leicht oder stärker) stressigen Perioden. Schafgarbe beispielsweise stärkt das Urogenitalsystem, hat aber auch eine starke Affinität zum Herzen und zum Gefäßsystem und kann so auf hohen Blutdruck einwirken. Diese Pflanze eignet sich daher für die gleichzeitige Versorgung der Geschlechtsorgane und des Herzens mit den nötigen Nährstoffen. Neigt jemand zu schwacher Verdauung, ist Beifuß in Verbindung mit oder anstelle von Schafgarbe eine gute Wahl. Beifuß normalisiert auch die Funktionen der Geschlechtsorgane, regt aber vor allem das Verdauungssystem an und hilft bei der Linderung von Spannungen, die oft bei nervösen Verdauungsbeschwerden eine Rolle spielen. Außerdem kann Beifuß bei Depressionen die Stimmung aufhellen.

Wenn sich Heilpflanzenkundige um Frauen in den Wechseljahren kümmern, empfehlen sie die Verwendung einer Kombination aus den Beeren des Mönchspfeffers und Wilder Yamswurzel, um das Hormonsystem zu unterstützen, sowie Himbeere und Rebhuhnbeere, um das Gebärmuttergewebe zu tonisieren. Traubensilberkerze zur Entspannung und funktionellen Normalisierung und Johanniskraut als Nerventonikum. Möglich ist dann noch eine Ergänzung mit Damiana, Sägepalme oder Amerikanischem Ginseng, wenn das Fortpflanzungssystem und die


Himbeere (Rubus idaeus)

Energie der betreffenden Person leichte Anzeichen von Erschöpfung und Schwäche zeigen. Erleben auch Männer irgendwann Wechseljahre?

Beim Mann verringern die Wechseljahre seine sexuelle Anziehungskraft nicht und schwächen auch nicht seine Männlichkeit. Im Gegenteil: Sie sind eher eine Zeit der Verfeinerung und Reifung seiner Männlichkeit. Ich habe mit einer ganzen Reihe junger Frauen gesprochen, die mir erzählten, dass sie wegen dieses Grades an sexueller Reife lieber mit älteren Männern zusammen sind. Durch diesen ganz normalen Übergang wird die Manneskraft zu etwas, das das Leben ganz allgemein stärker unterstützt. Der Mann wird sanfter (wodurch seine Kraft auf souveräne Weise zum Ausdruck gebracht wird); er ist von vielen Regeln für traditionelle Männlichkeit befreit und kann bei sich mehr Verhaltensoptionen zulassen. Seine gereifte emotionale Stärke gestattet ihm eine klarere Wahrnehmung, erlaubt ihm, sich verstärkt auf seine Geduld zu verlassen, verständnisvoller zu sein und daher mit einer Haltung von viel größerer Akzeptanz an alles heranzutreten. Er positioniert sich neu, löst sich dabei von einem alles beherrschenden Fokus auf physische Kraft und Wettbewerb und betritt innere Gefilde, die aus praktischer Weisheit, Mitgefühl, Witz und Kompromissen bestehen – das heißt, wenn alles gut geht. Viele von uns Männern kämpfen hingegen die ganze Zeit gegen diesen Übergang an.

Der natürliche Reifungsprozess eines Mannes wird uns beim Erwachsenwerden nicht erklärt. Er wird den jungen Männern nicht als das zweite Kapitel des Bienchen-und-Blümchen-Themas vermittelt. Stattdessen drängt er sich wie der Schatten eines Fremden in unser Leben als Erwachsene. Man kümmert sich einfach nicht um die männliche Jugend, indem man Geschichten miteinander teilt oder Unterstützungssysteme aufbaut. Daher haben Männer häufig das Gefühl, durch diese körperlichen und emotionalen Veränderungsprozesse isoliert zu werden, und geraten in Verunsicherung und Verwirrung. Die facettenreichen Übergänge und den Wandel im »Innenraum« der männlichen Psyche zu begreifen, ist für die Menschheit eine ihrer letzten Pioniertaten.

Obwohl die Wechseljahre beim Mann, die Andropause, die Hormone nicht so stark verändern wie das bei den Wechseljahren der Frau, der Menopause, der Fall ist, kann es für den Mann angeraten sein, ganz ähnliche Heilpflanzen zu verwenden wie bei der Menopause, um während dieser Lebensveränderungen wieder ins Gleichgewicht zu kommen. Eine Kombination aus Heilpflanzen für Männer, die diese Veränderungen bei sich erleben, könnte umfassen:

• Wilde Yamswurzel, die den Prozess der Hormonbildung im Körper unterstützt.

• Die Traubensilberkerze zur Entspannung und zur Normalisierung der Sexualenergie.

• Damiana zur Kräftigung der Prostata, gegen Depressionen und als allgemeines Tonikum für die Geschlechtsorgane. Schon allein dadurch, dass diese Heilpflanze die Stimmung hebt und aphrodisisch wirkt, nimmt sie eine Schlüsselrolle ein.

• Johanniskraut und Hafer zur Nervenstärkung und zur Unterstützung beim Umgang mit Depressionen und anderem durch die Veränderungen hervorgerufenen Stress.

• Beeren des Mönchspfeffers. Normalerweise würde ich diese die Progesteron- und Östrogenbildung fördernde Heilpflanze für Männer nicht empfehlen (insbesondere nicht für junge Männer, die sich noch im Prozess der Entwicklung ihrer physischen und emotionalen männlichen Körper befinden), aber in einigen Fällen ist der Mönchspfeffer bei älteren Männern, die eine Phase einer neuen Justierung ihrer Testosteron- und Östrogenwerte durchlaufen, hilfreich.

Die Heilpflanzenkundige Amanda McQuade Crawford, Mitglied des British National Institute of Medical Herbalists (MNIMH), hat mir einmal von einem Patienten berichtet, der seinen Veränderungsprozessen viel zu viel Widerstand entgegenbrachte. Der Gedanke, »alt zu werden«, lenkte ihn so stark ab, dass er übermäßig besorgt und reizbar sowie übertrieben kleinlich wurde. Nachdem er eine Weile die Beeren des Mönchspfeffers eingenommen hatte, war er bereit, sich durch diesen (für ihn) so schwierigen Übergang hindurchzuarbeiten.

Diese Beeren können einem Mann helfen, sich mit dem Übergang anzufreunden; dabei wird er auch mit seinen weiblichen Anteilen besser in Kontakt kommen und sich damit wohlfühlen. Das tun sie, indem sie ihn dabei unterstützen, zu einem passenden Arrangement seiner Hormone zu finden, sodass diese nächste Phase der Männlichkeit für ihn funktioniert. Wenn es passend erscheint, sollte diese Heilpflanze einige Wochen lang genommen werden, da sich ihre Wirkungen sanft und langsam entfalten.

Es ist vernünftig, Rezepturen aus Heilpflanzen so zusammenzustellen, dass sie so viel wie möglich das volle Spektrum der individuellen Erfordernisse einer Person abdecken. Bei der Behandlung eines Hauptsymptoms oder des im Vordergrund stehenden Leidens sollten darüber hinaus auch andere Organsysteme des Körpers berücksichtigt werden, insbesondere Herz, Gefäßsystem und Nervensystem. So benötigt eine bestimmte Person zur Unterstützung seines Herzens und seines Kreislaufs vielleicht Schafgarbe oder Weißdorn, Flug-Hafer (Avena fatua) oder Helmkraut zur Stärkung der Nerven und Beifuß als bitter schmeckende, die Verdauung fördernde Pflanze mit einer Affinität zu den Geschlechtsorganen.

Daher besteht eine Kombination aus Heilpflanzen, die sich ganz allgemein gut dafür eignet, die männlichen Geschlechtsorgane, die Verdauung, den Kreislauf und das Nervensystem zu nähren, zu stärken und dabei zu helfen, alles in ein Gleichgewicht zu bringen, aus den folgenden Bestandteilen (jeweils vom Gewicht her zu gleichen Teilen): Himbeerblätter, Flug-Hafer, Traubensilberkerze, Schafgarbe, Damiana, Wilde Yamswurzel, Johanniskraut, Sägepalme und Beifuß. Falls gewünscht, können wir den Geschmack dieser Zusammenstellung noch mit Süßholz und/oder Sassafrasbaum verbessern. Wir bereiten uns aus den Heilpflanzen einen Tee oder eine Tinktur, trinken von diesem Tee ein- oder zweimal täglich eine halbe Tasse oder mehr, tun dies an drei bis vier Tagen in der Woche, und führen das über ein paar Monate hinweg fort oder bis sich ein Gleichgewicht eingestellt hat. (Im fünften Kapitel wird genauer erklärt, wie sich Tees und Tinkturen zubereiten lassen.)

Zweite Hypothese

In der Ernährung des Westens vermeiden wir überwiegend einen bitteren Geschmack und erleben ihn daher nicht mehr als etwas Alltägliches. Dies ist tatsächlich einer der Faktoren, die zu den Schwächen im Bereich der männlichen und weiblichen Geschlechtsorgane sowie des Immunsystems beitragen.

Häufige kulturell bedingte und die Gesundheit beeinträchtigende Ungleichgewichte sind meiner Meinung nach zu einem großen Teil auf das fast vollständige Fehlen von bitter schmeckenden Nahrungsmitteln in unserer Ernährung zurückzuführen. Zu den damit verknüpften Leiden gehören PMS, PTS und andere mit den weiblichen wie männlichen Geschlechtsorganen verknüpfte Leiden, hormonelle Ungleichgewichte, Migräne, Verdauungsstörungen, Funktionsstörungen der Leber- und der Gallenblase, Stoffwechselanomalien, Unterzuckerung und Diabetes. Die einzigen bitter schmeckenden Lebensmittel, die wir in unserer Kultur alle kennen, sind Kaffee und Schokolade bzw. Kakao (die aber häufig in stark gesüßter Form gegessen und getrunken werden) sowie der Hopfen im Bier (obwohl Biersorten wie bitteres Stout oder anderes bitteres, dunkles Bier weniger häufig getrunken werden). Salat, der ursprünglich jeden Tag zur Anregung des Appetits und der Verdauung in kleinen Mengen vor dem Essen serviert wurde und überwiegend aus bitteren Grünpflanzen bestand, ist heutzutage bei uns zu wässrigem, fadem Grünzeug ohne Bitteranteil geworden und wird dann mit süßen, salzigen und/oder geschmacksintensiven Saucen überdeckt. In den Feinschmeckerrestaurants der Großstädte verbreiten sich allerdings als letzter Schrei gerade wieder die bitter schmeckenden Salatpflanzen und gewinnen an Prestige.

Die Wahrnehmung des bitteren Geschmacks wird von den Rezeptoren und den sensorischen Nerven in der Zunge rasch an das zentrale Nervensystem weitergeleitet, wo es dann reflexartig die exokrinen und endokrinen Drüsen stimuliert. Unmittelbar darauf geraten die Verdauungssäfte von Magen, Leber, Bauchspeicheldrüse und Zwölffingerdarm ins Fließen, was dann den Appetit steigert, die Verdauung anregt und die Assimilation verstärkt. Als Begleiterscheinung scheint das Bittere auch so zu wirken, dass die Mechanismen zur Selbstreparatur der Darmwände in ihren Tätigkeiten unterstützt werden, was Schädigungen dort beseitigt.

Obwohl die Anregung der Magensäureproduktion durch das Bittere nicht immer wünschenswert ist (beispielsweise bei Übersäuerung, einer ohnehin schon hohen Sekretion von Magensäure oder Magengeschwüren ist Bitteres eher kontraproduktiv), beschleunigt die Wirkung von Bitterem Heilprozesse im Magen, sobald ein Magengeschwür erst einmal zu heilen begonnen hat. Auch der (häufig überstrapazierten) Leber hilft die Wirkung des bitteren Geschmacks bei ihren Entgiftungsfunktionen und steigert den Gallefluss, was dann wiederum auf direktem Wege das richtige Funktionieren des Darms unterstützt. Eine gesunde Leber fördert auch das richtige Ausmaß an Aktivitäten der Hormone. Die Bildung von Sekreten zur Regulierung des Blutzuckers in der Bauchspeicheldrüse wird ebenfalls durch die Wirkungen des bitteren Geschmacks beeinflusst. Auch ist eine deutliche antidepressive Wirkung durch die vielen durch diesen Geschmack angeregten physiologischen Vorgänge und Empfindungen im gesamten Körper belegt worden. Damit einher geht eine subtile Verankerung des Bewusstseins im Irdischen. Denn es ist schwer, bei den anregenden Wirkungen des bitteren Geschmacks in einer Depression zu verharren.

Den bitteren Geschmack aus unserem alltäglichen Erleben zu verbannen, stört die Harmonie genauso stark wie die Verbannung einer bestimmten Farbe aus dem Lichtspektrum. Es ist für die Ernährung wichtig und außerdem verblüffend genussreich, den bitteren Geschmack wieder zu kultivieren. Bitteres kann außerdem den übertriebenen und die Gesundheit bedrohenden Heißhunger auf Süßes verringern und auch den exzessiven Konsum von allem, was süß und salzig ist, einschränken. Meiner Meinung nach hat sich durch unsere Vermeidung bitter schmeckender Lebensmittel und Pflanzen eine chronische Fehlfunktion unserer Leber, unserer Verdauungsorgane und unserer Assimilierungs- und Ausscheidungsprozesse entwickelt. Das hat dann sekundär Ungleichgewichte im Hormonsystem hervorgerufen. Folglich sind mittlerweile Schmerzen bei der Menstruation die Norm, ebenso bei den meisten Männern im fortgeschrittenen Alter Probleme mit der Prostata. All dies wird von allen möglichen anderen Symptomen begleitet, die durch eine schlechte Verdauung, eine unzureichende Assimilation von Nährstoffen und eine träge Peristaltik entstehen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Probleme mit der Prostata Zeichen für einen Bedarf an Maßnahmen sind, mit denen die Leber gereinigt und gestärkt wird.

Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) kennt fünf Geschmacksrichtungen: bitter, sauer, salzig, süß und scharf. Jedem Geschmack werden bestimmte physiologische Aktivitäten zugeschrieben, und jeder Geschmack soll eine Affinität zu einem bestimmten wichtigen Organ im Körper haben. Der bittere Geschmack hat nach Auffassung der TCM einen kühlenden Effekt, der ausleitet und trocknet. Bitter schmeckende Heilpflanzen werden häufig dazu verwendet, Leiden zu behandeln, die Ausdruck von feuchter Hitze sein sollen. Solche Krankheiten sind Verdauungsprobleme und Leberleiden, ferner Gallenkrankheiten und eine ganze Reihe von Entzündungen, Infektionen und mit Rötung einhergehenden und nässenden Hautleiden. In der TCM ist das mit dem bitteren Geschmack in Verbindung gebrachte Organ das Herz, das als Haus des Geistes und als Herrscher über die geistigen Fähigkeiten angesehen wird. Bittere Heilmittel, so heißt es, stärken die Psyche. Bestimmt will niemand mit einer kraftlosen, erschlafften Psyche sein Leben führen.

Wie bereits erwähnt, wirkt der bittere Geschmack durch eine von den Rezeptoren in der Zunge ausgelöste neurologische Reaktion reflexartig über das zentrale Nervensystem. Dafür muss der bittere Geschmack aber unbedingt geschmeckt werden. Nur eine geringe Menge an bitter schmeckenden Stoffen ist dafür nötig (zu viel davon kann einen gegenteiligen Effekt haben). Am besten nehmen wir fünfzehn bis zwanzig Minuten vor den Mahlzeiten etwas Bitteres zu uns, damit wir dessen appetitsteigernde und verdauungsfördernde Wirkung genießen können. Die meisten seiner Vorzüge entfaltet der bittere Geschmack nicht, wenn wir eine Bitterpflanze in Form einer Kapsel oder eines stark gesüßten Tees zu uns nehmen, die eine direkte Wahrnehmung des bitteren Geschmacks verunmöglichen. Wir können dazu ein Experiment durchführen: Beim nächsten Mal, wenn wir Lust auf Süßes verspüren, geben wir einen Tropfen eines bitter schmeckenden Heilpflanzenkonzentrats (in Form eines Tees oder einer Tinktur) auf die Zunge und beobachten dann, wie der Drang nach Süßem auf einmal weniger wird. Auf diese Weise lassen sich die entsprechenden Fressattacken unterbinden, und auch anfallartig auftretende Zustände der Unterzuckerung können verhindert werden. Unter Aufsicht eines erfahrenen Spezialisten durchgeführt, kann es letztlich sogar bei Diabetes die Notwendigkeit einer Einnahme von Insulin verringern. (Allerdings sollten Diabetiker, deren Gesundheit von der Einnahme von Insulin abhängt, bei der Verwendung von Bitterpflanzen natürlich sehr vorsichtig sein. Sie können dadurch das Gleichgewicht ihrer Blutzuckerwerte stören. Schwangere sollten ebenfalls darauf achten, nicht zu viel bitter Schmeckendes zu sich zu nehmen, da dessen Wirkung zu Gebärmutterkontraktionen anregen kann. Außerdem ist von Bitterpflanzen abzuraten, wenn die Menstruationsblutung sehr stark ist oder bei schmerzhaften Krämpfen bei der Menstruation.)

Mönchspfeffer (Keuschlamm, Vitex agnus-castus)

Wie die meisten guten Barkeeper wissen, besteht das beste Mittel gegen Kater aus einem oder zwei Spritzern eines Angostura-Bitters in einem kleinen Glas Wasser. Angostura ist ein aromatisches Getränk aus mehreren Pflanzen, in dem neben harmlosen Gemüseextrakten die Bitterpflanze Enzian enthalten ist. Wie viele erfahrene Helden und Heldinnen im Kampf mit ihrem Kater wissen werden, schafft dieser kleine, bittere Cocktail schnelle und wohltuende Abhilfe. Der bittere Geschmack regt nämlich den Fluss der Säfte im Körper an und hilft diesem dabei, sich schneller zu entgiften und sich wieder besser zu fühlen (um dann für den Fortgang der Feier gerüstet zu sein).

Neben Enzian sind als Bitterpflanzen weit verbreitet: Löwenzahnblätter, Beifuß, Benediktenkraut, Artischockenblätter, Chicorée, Kamille, Tausendgüldenkraut, Hopfen, Mutterkraut (Tanacetum parthenium), Kanadische Gelbwurz (Hydrastis canadensis), Schafgarbe, Wermut und Odermennig. Köstliche, bitter schmeckende Salatpflanzen sind Kresse, Endivie, junge Löwenzahnblätter, Lattich, Spinat und die Blätter von Roter Bete.


Odermennig (Agrimonia spp.)

Mein Vater war der unbestrittene Salatmeister in unserer Familie, und als ich noch ein Junge war, sagte er mir immer, dass zu einem guten Salat ein kleines bisschen Salz, ein wenig Pfeffer sowie einige saure Salatpflanzen gehörten. Am wichtigsten sei jedoch, immer auch einige bitter schmeckende Salatpflanzen hinzuzufügen. Das war meine erste Lektion zum Thema Pflanzen.

Dritte Hypothese

»Den Augenblick der Geburt seines Kindes mitzuerleben, ist das Geburtsrecht eines Vaters.«

Diese Hypothese bezieht sich auf den Augenblick der Geburt eines Kindes. Wenn Sie ein Mann sind, der sicher weiß, dass er kein Kind in die Welt setzen will, dann ist es vielleicht empfehlenswert, zum nächsten Kapitel zu springen. Wenn Sie aber ein Mann sind, der Vater werden könnte, oder wenn Ihnen ein Mann nahesteht, auf den das zutrifft, könnte Ihnen dieses Thema durchaus einige interessante Ideen vermitteln. Diese haben an sich nichts mit Heilpflanzen zu tun, sind aber für eine ganzheitliche Betrachtung des Mannseins bedeutsam.

Ich habe zwei Töchter, und ich habe beide Geburten miterlebt. Ich gehörte mit zu den ersten Männern, die darauf bestanden haben, bei der Geburt ihres Kindes im Krankenhaus anwesend zu sein. Ich klammerte mich an die fahrbare Liege, auf der meine Frau in den Entbindungsraum gerollt wurde, und weigerte mich loszulassen. Das Personal hatte mir gesagt, sie würden mich in den Raum rufen, sobald die Entbindung kurz bevorstand. Ich fühlte mich auf dem Gang aber zu weit weg vom Geschehen und hatte auch das Gefühl, dass man mich leicht vergessen konnte, und so sorgte ich dafür, dass ich nicht außen vor blieb. Meine zweite Tochter wurde in einer kleinen Klinik auf einer abgelegenen Insel im Nordwestpazifik geboren, und der Arzt sah nach der Begleitung von Tausenden von Geburten bei den Ureinwohnern in diesem Wildnisgebiet das Ganze so entspannt, dass er zu mir meinte, wenn ich wollte, könnte ich von ihm aus auch die Nabelschnur durchbeißen. Das war schon ein seltsamer Standpunkt, aber für mich war das in Ordnung. Auf die Sache mit dem Durchbeißen verzichtete ich allerdings.

Jedenfalls wurde ich bei meinen beiden Töchtern Zeuge vom Augenblick ihrer Geburt. Ich beobachtete, wie jede dieser beiden prächtigen Seelen in der materiellen Welt ankam und Atem schöpfte. In diesen beiden Momenten der absoluten Verzückung ging ich völlig in meinen Töchtern auf – in meinem ganzen Leben kam nichts auch nur annähernd an diese Erfahrung heran. Jedes Mal fühlte ich mich wie von einem Wunder umarmt und auf unermesslich tiefe Art und Weise berührt vom Intimsten, das sich im Leben mit einem anderen Menschen teilen lässt. Mit Sicherheit war die Mutter auf einer noch intimeren Ebene Teil davon.

Ich kann nur jedem werdenden Vater – allen werdenden Vätern – dringlich ans Herz legen, darauf zu bestehen, bei der Geburt ihres Kindes dabei zu sein, und wenn möglich auch derjenige zu sein, der das Kind auffängt, wenn es in diese Welt kommt. Die sich daraus ergebende Verbindung ist unauflöslich und absolut einmalig. Dies nährt das männliche Herz in der Tiefe und entfaltet sich zur Liebe eines Vaters, die der Macht der Mutterliebe gleicht. Man ist nicht nur Zuschauer, sondern vollständig Vater. Man erlebt eine Liebesverbindung, die unmittelbar durch dieses Miterleben der Geburt des Kindes in das Leben hinein gezaubert wird – man wird verzaubert von diesem winzigen, zerbrechlichen Baby, das diese Liebe direkt aus der geistigen Welt überbringt.

Einige wenige Männer berichteten mir, dass sie Wut und Frustration empfunden hätten, als sich ihre Frau nach der Geburt ihres Kindes sexuell von ihnen zurückzog. Die Männer fühlten sich von den Frauen ausgeschlossen, von ihnen unbeachtet, nicht gewürdigt und verlassen. Manche gingen sogar so weit zu sagen, dass sie sich ausgenutzt vorkamen.

Biologisch gesehen ist das Hauptziel der Sexualität die Schwangerschaft. Sobald eine Frau schwanger ist, richtet sich ihre sexuelle Energie vor allem darauf aus, ein Kind heranwachsen zu lassen. Bei der Geburt des Kindes widmet sich die sexuelle Kraft der Mutter vor allem dem Ziel, ihr Kind zu beschützen und es mit Nahrung zu versorgen. Unsere Spezies hängt davon ab.

Ein Mann, der die Geburt seines Kindes miterlebt hat, verbindet sich mit dem Kind und auch mit seiner Partnerin als der Mutter des Kindes. Seine sexuelle Energie verwandelt sich. Er ist nicht mehr nur der Liebhaber einer schönen Frau, sondern ist auch zum liebenden Vater für ein wunderbares Kind geworden. War er bei der Geburt zugegen und hat an ihr teilgenommen, hat er den Duft der Geburt gerochen. Ich bin überzeugt davon, dass dieser Duft des neuen Babys über das limbische Gehirn auf eine Urebene der männlichen Psyche des Vaters gelenkt wird, wodurch dieser mit dem Kind als dessen Beschützer verbunden ist und dieses winzige, neue Wesen und seine liebende Mutter mit allem versorgt. Bei einer Hausgeburt erfüllt dieser feine Duft das Haus, und ich habe das Gefühl, dass dieser bleibende Duft nach neuem Leben bei jedem Mitglied der Familie die Kooperation und das Verständnis hervorruft, das nötig ist, um die Familieneinheit aufrechtzuerhalten und sie mit allem zu versorgen, was ihr Nahrung gibt. Dadurch erfahren dann auch die praktischen Neuausrichtungen der sexuellen Energie von Mann und Frau Unterstützung.

Der Mann wird die Sexualität seiner Partnerin mit ihrer aktuellen Rolle als ihr neues, gemeinsames Kind stillende und versorgende Mutter kennen und verstehen. Er wird sie nicht falsch deuten oder beleidigt sein oder sich durch sie bedroht fühlen. Er wird tun, was er kann, um das Nest zu wärmen, seine Partnerin als Mutter zu schätzen, mit dem Kind zu spielen und die Familie zu ernähren. Der Duft der Geburt ist ein mächtiger Verbündeter, der mit den Eltern und dem Kind auf einer ganz ursprünglichen biologischen Ebene kommuniziert. Er unterstützt jede Person darin, intuitiv an diesem Prozess teilzunehmen. Die Frau wird ihre Sexualität zur richtigen Zeit ihrem Liebhaber schon wieder zuwenden (unsere Spezies hängt davon ab), und das Baby wird so unabhängig werden, wie es ihm möglich ist, und dies auch so schnell wie möglich tun. Das ist meine feste Überzeugung und meine Hypothese.

»Im Geist eines vollkommenen Kusses,

glückliches Kind.«

T. Elder Sachs

KAPITEL 5

Eine Technologie der Unabhängigkeit

Ein Kurzlehrgang für die Zubereitung von Tees, Tinkturen und anderen Pflanzenextrakten

»Ein fröhliches Herz ist die beste Arznei.«

Spruch aus dem Alten Testament

Vor dem durch die industrielle Revolution ausgelösten Einsetzen der kollektiven Amnesie wussten die meisten Mitglieder einer Familie über die Verwendung von Heilpflanzen Bescheid. Die Materia medica der Pflanzenheilkunde ist ungeheuer umfangreich und steht uns umsonst zur Verfügung, sobald wir (wieder) lernen, die vor Ort wachsenden (und oft als Unkräuter bezeichneten) Arzneipflanzen zu erkennen und auch (wieder) lernen, wie man sie auf die richtige Weise sammelt und zubereitet.

Eine Heilpflanze ist einfach eine bestimmte Pflanze, die unsere Gesundheit fördert. Ein Heilpflanzenkundiger weiß, wie solche Pflanzen angewendet werden. Die Techniken für die Zubereitung pflanzlicher Heilmittel sind einfach geblieben, und die dafür nötige Ausstattung lässt sich auf wenige Sachen begrenzen. Es sind:

• ein Messbecher

• eine Teekanne aus Glas, Edelstahl oder Porzellan sowie ein paar Töpfe (aber keine aus Aluminium)

• eine elektrische Gewürz- oder Kaffeemühle (die elektrische Variante von Mörser und Stößel) zum Pulverisieren trockener Pflanzen oder eben Mörser und Stößel für alle, die es gemütlich nehmen

• ein elektrischer Mixer für Zubereitungen aus frischen Pflanzen

• Glasgefäße mit dicht schließendem Deckel (besonders solche aus Braunglas) für die Aufbewahrung der Heilpflanzen und Pflanzenzubereitungen

• feinmaschige Küchensiebe aus Edelstahl und Tücher aus natürlicher, ungefärbter Baumwolle oder Nesselstoff zum Abseihen und Filtern

• ein Sortiment an Trichtern, Gummispateln und Rührstäben

• eine Küchenwaage

• ein Dörrautomat für Nahrungsmittel und Heilpflanzen; dieser ist kein Muss, aber ungeheuer praktisch. (Wer einmal einen besessen und eine Zeit lang benutzt hat, wird ihn unentbehrlich finden.)

Zubereitungsformen

Aufguss (Tee) und Auszug (Extrakt)

Bei den empfohlenen Dosierungen von Aufgüssen gibt es bei einzelnen Heilpflanzen Abweichungen. Im Allgemeinen bereiten wir einen Aufguss (Tee) für eine medizinische Verwendung zu, indem wir etwa 30 Gramm der klein geschnittenen oder zerstoßenen Blätter und/oder Blüten der betreffenden Pflanze in einen Topf geben, der gut einen Liter fasst. Dabei sollten wir besonders die zarten und empfindlicheren Teile der Pflanze nehmen, die häufig wohlriechende ätherische Öle enthalten. Wir geben 1 Liter kochendes Wasser hinzu, rühren um, legen den Deckel auf den Topf und lassen alles 15 bis 20 Minuten ziehen. Dann seihen wir es ab und trinken es. (Das Wasser dient hier als Lösungs- oder Extraktionsmittel, auch Menstruum genannt. Alkohol, Wein, Glycerin, Essig, Fruchtsaft oder eine Kombination aus diesen oder alle zusammen sind weitere Lösungs- oder Extraktionsmittel für Aufgüsse oder Auszüge.) Ein solcher Aufguss sollte am besten innerhalb von 48 Stunden getrunken und gekühlt gelagert werden, da er schnell an Wirksamkeit verliert. Normalerweise trinkt man dreimal am Tag 1 Tasse davon; das ist die Standarddosierung. Wenn wir einen solchen Aufguss einfach als Getränk verwenden, werden wir wahrscheinlich, damit es uns besser schmeckt, bei seiner Zubereitung eine kleinere Menge der Pflanze verwenden wollen.

Einige schleimige Pflanzen wie Eibischwurzel und die Rinde des Amerikanischen Gelbholzbaums (Zanthoxylum americanum) eignen sich eher für Kaltwasserauszüge. Bei diesem Prozess wird den Pflanzen der größte Teil der Schleimstoffe entzogen, und in Kaltwasser als Extraktionsmittel werden diese Inhaltsstoffe nicht gerinnen, wie es sonst bei einem heißen Lösungsmittel der Fall wäre.

Für einen Kaltwasserauszug legen wir einfach die zerschnittene oder pulverisierte Pflanze in ein Gefäß mit kaltem (Zimmertemperatur reicht), eventuell destilliertem Wasser, rühren gut um, lassen alles fünf bis zwölf Stunden lang ziehen, bis das Wasser schleimig wird, und seihen es dann ab. Für einen etwas besseren Geschmack kann ein wenig Ahornsirup hinzugefügt werden.

Achtung! Bei Bitterpflanzen sind geringere Mengen der unverarbeiteten Pflanze nötig als bei anderen Heilpflanzen. Bei sehr intensiv wirkenden und schmeckenden Heilpflanzen wie beispielsweise Cayennepfeffer reicht schon eine Prise oder Messerspitze aus, um daraus einen wirksamen Aufguss zuzubereiten. Obwohl es auch Anleitungen mit deutlich höheren Dosierungen an Pflanzenmaterial gibt, bin ich der Meinung, dass die (energetischen) Qualitäten einer Heilpflanze wichtiger sind als eine hohe Dosierung. Viele Heilpflanzenkundige im Westen empfehlen heute geringere Dosierungen als die traditionell verabreichten, und dem schließe ich mich in diesem Buch an.

Abkochung (Dekokt)

Für eine Abkochung legen wir 15 bis 30 Gramm der zerkleinerten oder zerstoßenen Samen, Wurzeln, Rhizome (Wurzeltriebe) und/oder Rinde (die festeren, stärker verholzten und dichteren Pflanzenbestandteile) in einen Topf und fügen 1 Liter kaltes Wasser hinzu. Wenn genügend Zeit zur Verfügung steht, lassen wir diese Mischung einige Stunden einweichen. Dann erhitzen wir sie auf niedriger Temperatur, bringen alles zum Kochen, bedecken den Topf und lassen den Inhalt eine Viertelstunde lang vor sich hin köcheln. Danach seihen wir alles ab und trinken die Flüssigkeit. Wir haben uns auf diese Weise einen durch Abkochen gewonnenen Auszug hergestellt: eine Abkochung oder einen Dekokt. Im Kühlschrank lässt sich eine solche Abkochung bis zu 72 Stunden aufbewahren. Normalerweise trinken wir davon dreimal am Tag 1 Tasse.

Zerkleinern von frischen Kräutern für Tee.


Abpressen einer Tinktur.

Die Kombination aus Abkochung und Aufguss

Zunächst machen wir aus den harten, stärker verholzten Bestandteilen einer Pflanze eine Abkochung. Dann stellen wir die Hitzezufuhr ab und geben die weicheren Pflanzenteile dazu. Diese zarteren Blüten und Blätter enthalten gewöhnlich ätherische Öle, die bei einer Abkochung verdunsten würden und verloren gingen. Wir bedecken die Mischung und lassen sie ziehen, bis sie fertig ist; dann seihen wir die Flüssigkeit ab.

Konzentrat

Eine fertige Abkochung können wir bei niedriger Hitze weiter köcheln lassen, wenn wir vorher die verbrauchten Pflanzen entfernt haben. Die breiige Masse aus aufgebrauchtem Pflanzenmaterial wird auch Trester genannt. Die Flüssigkeit lassen wir verdampfen, bis nur noch die Hälfte oder ein Viertel der ursprünglichen Menge übrig ist. Auf diese Weise entsteht ein Pflanzenkonzentrat. Konzentrate gelten wegen ihrer verdichteten Form als wirksamer, sie werden oft zur Anfertigung von Kompressen und zur Zubereitung von Sirup verwendet.

Sirup

Zur Herstellung eines Pflanzensirups stellen wir zunächst ein Pflanzenkonzentrat her. Dann fügen wir etwa einem halben Liter dieses Konzentrats 2 bis 4 Esslöffel naturbelassenen Honig und 2 bis 4 Esslöffel Pflanzenglycerin hinzu. (Abhängig von der gewünschten Konsistenz können diese Mengen auch abgeändert werden.) Auch Tinkturen können zu einem Sirup gegeben werden; dazu verteilen wir 2 Esslöffel der Tinktur auf 1 Tasse Sirup. Sirup sollte im Kühlschrank aufbewahrt werden. Durch den Honig und das Glycerin ist er etwa ein Jahr lang haltbar. Allgemein wird Sirup zur Behandlung von Husten und Halsschmerzen verwendet, weil er die Schleimhaut im Rachen überzieht und die Pflanzen im Sirup dann kontinuierlich in Kontakt mit dem Schleimhautgewebe kommen. (Man kann sich den Sirup dabei wie eine Art süßen, fließenden Wickel vorstellen.) Mit Sirup lassen sich auch Kindern und zimperlichen Erwachsenen Heilpflanzen auf angenehme Weise verabreichen. Üblicherweise wird ungefähr drei- bis viermal täglich 1 Esslöffel davon genommen. Wenn die Reizungen und die Beschwerden sehr stark und akut sind, nimmt man alle zwei Stunden 1 Esslöffel.

Tinktur

Wir geben etwa 30 Gramm der pulverisierten, getrockneten Heilpflanze (am besten in der elektrischen Mühle gemahlen) mit einem halben Liter 40- oder 50-prozentigen Alkohol in ein Glasgefäß (dafür eignen sich Wodka, Gin, Brandy oder anderer qualitativ hochwertiger Schnaps – was immer Sie bevorzugen). Dann rühren wir alles gründlich um und verschließen das Gefäß gut. Wenn wir uns für frische, ungetrocknete Pflanzen entscheiden, schneiden wir diese in kleine Stücke, legen sie in einen Mixer, gießen so viel 50-prozentigen Alkohol darauf, dass alles davon bedeckt wird und machen daraus eine breiartige Masse. Die Pflanzenmischung gießen wir in ein Glasgefäß und schütteln sie ein- oder zweimal am Tag kräftig durch. Dies machen wir zwei Wochen lang oder länger. Für einen möglichst intensiven Extraktionsprozess muss die Flüssigkeit jeden Tag geschüttelt werden. Nach zwei Wochen seihen wir die Flüssigkeit durch ein Tuch aus Nesselstoff ab und pressen damit so viel Flüssigkeit wie möglich aus dem zurückbleibenden Pflanzenbrei (dem Trester) heraus. Dieser Trester wird dann entsorgt; die kräftig gefärbte Flüssigkeit wird an einem dunklen, kühlen Platz in einem fest verschlossenen und entsprechend beschrifteten Gefäß gelagert. Am besten eignen sich dafür die bereits erwähnten Braunglasgefäße, die den Inhalt vor Licht schützen. Wir haben jetzt eine Pflanzentinktur hergestellt, die jahrelang haltbar ist. Normalerweise nehmen wir dreimal am Tag 15 bis 40 Tropfen davon. Einige empfehlen, davon je nach Pflanze dreimal am Tag 1 bis 4 Milliliter einzunehmen. (Ein Milliliter entspricht ungefähr 25 Tropfen.)


Herstellen von Tinkturen und Kräuterpräparaten.

Lösungsmittelaustausch

Bei einigen der in diesem Buch behandelten Heilpflanzen scheint sich der für die Herstellung einer Tinktur nötige Extraktionsprozess am effektivsten mit reinem, 95-prozentigem Äthylalkohol als Extraktionsmittel durchführen zu lassen. Zu diesen Pflanzen gehören die Samen der Mariendistel, Kreosotbusch, Myrrhe (für die Behandlung von Infektionen und Entzündungen im Mund und Hals geeignet), Baldrian und Ringelblume.

Wenn jemand solche Extrakte ohne Alkohol verwenden will, können wir mit der folgenden einfachen Technik den Alkohol entfernen und ihn durch Glycerin als Konservierungsmittel ersetzen.

1. Zunächst stellen wir aus der gewünschten Pflanze einen Extrakt her und verwenden dazu unverdünnten (ohne dass wir Wasser dazugeben) 95-prozentigen Äthylalkohol (also im Grunde genommen reinen Äthylalkohol) als Extraktionsmittel. (Bitte nie Reinigungsalkohol oder Franzbranntwein für die innerliche Anwendung benutzen!)

2. Wir notieren uns die genaue Menge an Alkohol, die wir für die Extraktion verwendet haben.

3. Den fertigen Extrakt gießen wir ab und pressen ihn aus.

4. Danach messen wir die Gesamtmenge dieses Extraktes.

5. Jetzt messen wir Glycerin in der Menge ab, die der von dem als Extraktionsmittel verwendeten Alkohol entspricht (und die wir im zweiten Schritt notiert haben).

6. Wir gießen das Glycerin in den Extrakt und geben die gesamte Mischung in einen Edelstahltopf oder Glastopf.

7. Bei niedriger Hitze erwärmen wir die flüssige Mischung aus Extrakt und Glycerin, bis ihr Volumen der ursprünglichen Menge des Extraktes im vierten Schritt entspricht. Wir sollten das Ganze nicht zu heiß werden lassen, da Glycerin bei einer Temperatur von 100 Grad Celsius verdampft. Der Alkohol wird durch das Kochen entfernt, und wir bekommen einen alkoholfreien, mit Glycerin versetzten Extrakt.

8. Dann lassen wir alles abkühlen, füllen es in Flaschen ab, verschließen diese gut und lagern die bernsteinfarbenen Flaschen. Die Anwendungsdosierung ist dieselbe wie die für Tinkturen.

Einreibemittel

Bei der Herstellung eines Einreibemittels aus Pflanzen verfahren wir genauso wie bei der Herstellung einer Tinktur. Der einzige Unterschied besteht darin, dass wir bei einem Einreibemittel auch Reinigungsalkohol oder Franzbranntwein statt trinkbaren (Äthyl-)Alkohol aus alkoholischen Getränken nehmen können. Wenn wir Reinigungsalkohol verwenden, sollte das Einreibemittel mit dem Warnhinweis »Nur für äußerliche Anwendung geeignet!« beschriftet werden.

Glyzerid

Um einen konzentrierten Extrakt zu bekommen, der einer Tinktur ähnlich ist, aber keinen Äthylalkohol enthält, können wir mit frischen oder getrockneten Pflanzen auch Glyzeride herstellen.

Verwenden wir frische, ungetrocknete Pflanzen, schneiden wir diese in kleine Stücke, geben sie in einen Mixer und fügen genügend reines Pflanzenglycerin hinzu, um alles Pflanzenmaterial damit zu bedecken. Dann mixen wir so lange, bis sich das Pflanzenmaterial gut mit dem Glycerin durchmischt hat. Zu Beginn ist es vielleicht nicht einfach, das Pflanzenmaterial richtig zwischen den Klingen des Mixers zu positionieren; dabei kann das stumpfe Ende eines Holzstabs oder eines Holzlöffels mit langem Griff und einige Ausdauer hilfreich sein. Um das sirupartige Glycerin zu verdünnen, müssen wir vielleicht eine geringe Menge destilliertes Wasser dazugeben (so wenig wie möglich). Bei der Verwendung frischer Pflanzen ist das normalerweise nicht erforderlich, da diese ja das in ihnen enthaltene Wasser mit in die Mischung bringen. Nach dem gründlichen Durchmischen verfahren wir genauso weiter wie bei der Herstellung einer Tinktur (siehe dazu Seite 56).

Haben wir getrocknete Pflanzen, zerstoßen wir sie gut oder pulverisieren sie mit der elektrischen Gewürz- oder Kaffeemühle; dann geben wir das Pflanzenpulver in einen Topf. Wir mischen 6 Teile Glycerin mit 4 Teilen Wasser und rühren alles gut durch, damit sich Glycerin und Wasser gut miteinander verbinden. Die entstehende Flüssigkeit gießen wir auf die pulverisierten Pflanzen, bis diese gut mit ihr durchtränkt sind. Danach rühren wir alles gründlich durch und verfahren wie bei der Herstellung einer Tinktur weiter.

Damit das Glycerin ein vollwertiges Konservierungsmittel ist, muss es in der fertigen Zubereitung nach dem Abseihen mindestens in einem Volumen von 50 Prozent vorhanden sein. (Das meiste handelsübliche Glycerin enthält ungefähr 5 Prozent Wasser; das sollte bei den Berechnungen berücksichtigt werden.) Das fertige Glyzerid lässt sich bei richtiger Zubereitung ein bis zwei Jahre aufbewahren. Als Standarddosierung gelten bei innerlicher Anwendung dreimal am Tag 20 bis 40 Tropfen. (Achtung! Im Allgemeinen eignen sich schleimige Pflanzen wie Beinwell und Eibisch und sehr harzhaltige Pflanzen wie Myrrhe und Gummikraut [Grindelia spp.] nicht für diese Form der Extraktion.)

Ölauszug (Warmauszug)

Hierzu werden die getrockneten, pulverisierten Pflanzen in qualitativ hochwertiges kalt gepresstes Olivenöl gegeben. Das Ganze wird gut umgerührt, bis die Mischung die Konsistenz eines matschigen Breis bekommt, der noch vom Löffel heruntertropft, aber nicht zu dünnflüssig ist. Wir stellen sie dann an einen warmen Ort (mit einer Temperatur von ungefähr 38 Grad), schütteln sie am Tag mehrere Male kräftig oder rühren sie gründlich durch und setzen das zehn Tage lang fort. Dann seihen wir das Öl durch ein Musselintuch ab und wringen alles verbleibende Öl aus dem Trester im Tuch heraus. (Dieser Schritt kann eine sehr ölige und schmierige Angelegenheit werden; man sollte also mit viel Geduld an die Sache herangehen und genügend Materialien zum Saubermachen bei der Hand haben.) Ölauszüge sollten in einem dicht verschlossenen Gefäß und an einem kühlen Ort aufbewahrt werden.

Salbe

Um eine Salbe herzustellen, geben wir zunächst 15 Gramm (etwa 2 Esslöffel) reine Bienenwachsspäne (keine großen, ganzen Stücke, da sonst das Pflanzenöl zu stark erhitzt werden müsste) und eine halbe Tasse Pflanzenöl (oder einen vorher hergestellten Ölauszug aus den entsprechenden Heilpflanzen) in einen kleinen Topf. Das erwärmen wir langsam bei niedriger Hitze, bis das Bienenwachs geschmolzen ist. Die gewünschte Konsistenz lässt sich ermitteln, indem wir einen Löffel in die Mischung tunken, wieder herausziehen und die Mischung daran hart werden lassen (dazu den Löffel eventuell in den Kühlschrank legen, um den Prozess zu beschleunigen). Ist die Mischung am Löffel nach dem Abkühlen zu hart, fügen wir der warmen Mischung im Topf noch ein wenig mehr Öl hinzu; ist sie zu weich, braucht es noch ein wenig mehr Bienenwachs. Dann überprüfen wir die Konsistenz erneut, bis sie so ist, wie gewünscht. Die fertige Öl-Bienenwachs-Mischung nehmen wir vom Herd und gießen sie in ein passendes Gefäß mit dicht schließendem Deckel.

Sollen der Salbe noch ätherische Öle hinzugegeben werden, kommen 10 bis 20 Tropfen dieser Öle in das Gefäß, kurz bevor wir die flüssige Salbe hineingießen. Dann alles abkühlen lassen. Dicht verschlossen, sind solche Salben lange Zeit haltbar. Am besten lagert man sie an einem relativ kühlen Ort.

Zäpfchen

Zäpfchen sind so beschaffen, dass sie sich zum Einführen in Körperöffnungen eignen. Sie enthalten die für eine Behandlung verwendeten Heilpflanzen und haben normalerweise die ideale Form, um ins Rektum eingeführt zu werden (um dort beispielsweise bei Beschwerden im Bereich des unteren Verdauungstraktes Linderung zu verschaffen oder auch auf die direkteste Weise auf die Prostata einzuwirken). Auch vaginal lassen sich Zäpfchen einführen. Häufig sind sie konisch geformt und haben eine abgerundete Spitze (wie ein Torpedo). In der Länge und Breite entsprechen sie in etwa den ersten beiden Gelenken des kleinen Fingers (und wiegen etwa 30 Gramm). Bei normaler Zimmertemperatur sollten sie ihre Form beibehalten; bei Körpertemperatur werden sie aber schnell weich, lösen sich auf und setzen so ihren Inhalt frei.

Kakaobutter ist ein hervorragendes Grundmaterial und Trägermittel für die Herstellung von Zäpfchen, da sie die genannten erforderlichen Eigenschaften besitzt und leicht erhältlich ist. Wer an einem Ort mit sehr warmem Klima lebt, muss der Kakaobutter vielleicht noch ein bisschen Bienenwachs (1 Teil Bienenwachsspäne auf 6 Teile Kakaobutter) hinzufügen, um den Schmelzpunkt der Kakaobutter zu erhöhen.

Um Zäpfchen mit pulverisierten Pflanzen herzustellen, formen wir Aluminiumfolie so, dass sie eine Hohlform in der Länge und dem Umriss des gewünschten Zäpfchens bildet. Das können wir leicht bewerkstelligen, indem wir die Folie um einen mittelgroßen Schreibstift wickeln, vorne zu einer Spitze zusammendrehen und dann den Stift am anderen Ende herausziehen. Dadurch haben wir die geeignete Form für ein langes Zäpfchen, das wir dann nach dem Abkühlen in den jeweils passenden Längen zurechtschneiden und dann weiter in Form bringen können.

Die Herstellung ist einfach: Die Pflanzen zu einem feinen Pulver zermahlen – eine elektrische Gewürz- oder Kaffeemühle eignet sich dafür am besten. Die Kakaobutter bei niedriger Hitze schmelzen, das Pflanzenpulver daruntermischen. Pflanzen haben jeweils unterschiedliche Beschaffenheiten; daher sind genaue Mengenangaben an dieser Stelle schwierig. Am besten nimmt man zu Beginn (vom Volumen her) gleiche Anteile vom Pflanzenpulver und von der zerschmolzenen Kakaobutter für die Zäpfchenmischung, also beispielsweise jeweils einen gestrichenen Esslöffel. Zusätzliches Pflanzenmaterial und zusätzliche Kakaobutter sollten für den Fall bereitstehen, dass wir die endgültige Konsistenz dieser Mischung noch verändern wollen.

Die fertige Mischung gießen wir in die Gussform(en) aus Aluminiumfolie. Das offene Ende der jeweiligen Form wird danach zusammengedreht, dann lässt man die Masse abkühlen. Das Zäpfchen hat jetzt die Länge des Schreibstifts. Davon schneidet man zwei bis drei Zentimeter lange Stücke ab und formt sie zur Zäpfchenform. Die Zäpfchen sollten in einem entsprechend beschrifteten Gefäß im Kühlschrank aufbewahrt werden.

Sollen bei der Herstellung der Zäpfchen Flüssigextrakte verwendet werden (also beispielsweise ein Aufguss, eine Abkochung oder Tinktur), müssen wir als Grundstoff statt der Kakaobutter eine Mischung aus 40 Teilen Flüssigextrakt, 15 Teilen Glycerin und 10 Teilen Gelatine nehmen.

Die Gelatine wird 30 Minuten im Flüssigextrakt eingeweicht, bevor wir sie bei sehr niedriger Hitze im Extrakt flüssig werden lassen. Dann geben wir das Pflanzenglycerin hinzu und rühren alles gut um. Im Wasserbad oder in einem Wasserbadtopf mit doppeltem Boden (auch Simmertopf oder Milchkochtopf genannt) wird alles erhitzt, bis das Wasser verdunstet ist. Die endgültige Konsistenz der Zäpfchen hängt von der Menge des verdampften Wassers ab; wenn das gesamte Wasser entfernt wurde, ist die Konsistenz sehr fest. Die fertige Mischung gießen wir dann in die Gießform aus Aluminiumfolie und lassen sie abkühlen. Diese Zäpfchen lassen sich für eine zukünftige Verwendung eine ganze Weile aufbewahren.

Kompresse (feuchter Umschlag)

Dafür tunken wir ein sauberes, frisch gewaschenes Baumwolltuch in einen warmen Pflanzenaufguss, eine Abkochung oder eine Tinktur (oder sogar in einen Ölauszug, wenn man sich nicht an der glitschigen Erfahrung stört). Überschüssige Flüssigkeit sollte ausgewrungen werden, danach legt man das Tuch auf die verletzten oder strapazierten Körperteile. Diese Kompresse bedecken wir dann mit einer Plastiktüte, wickeln ein Handtuch darum, um alles an seinem Platz zu halten, und sorgen im Bedarfsfall mit einer Decke, einem Wärmekissen oder einer Wärmflasche für zusätzliche Wärme. Eine solche Kompresse wird ein- oder zweimal am Tag aufgelegt, notfalls auch öfter. Sie sollte zwanzig Minuten bis eine Stunde an der entsprechenden Körperstelle verbleiben.

Wickel und Breipackung

Hierzu können wir frische Pflanzenteile zerdrücken, zerquetschen, zerstoßen, zerstampfen, zerkleinern, entsaften – im Notfall können wir sie auch einfach zerkauen – und dann direkt auf die verletzte, gestochene, gebissene oder anderswie gereizte Körperstelle auflegen. Damit die Pflanzenteile an der richtigen Stelle liegen bleiben, wickeln wir sie vorher in ein dünnes, sauberes Tuch. Ersatzweise können auch pulverisierte getrocknete Pflanzen mit heißem Tee oder einfach heißem Wasser befeuchtet und direkt auf den Körper aufgebracht werden. Diese Breipackungen sollten in einer dicken Schicht und nass (aber nicht tropfnass) aufgetragen werden. So können sie am wirksamsten das gereizte Gewebe beruhigen und Schädliches aus dem Körper ziehen. Ein Wickel oder eine Breipackung sollte zwei- oder dreimal am Tag gewechselt werden; diese Prozedur setzt man etwa drei Tage lang fort.


Kräuterwickel wirken regenerierend und entspannend.

Ein Teil als Maßeinheit in einer Rezeptur aus Heilpflanzen

In der Heilpflanzenkunde wird die Zusammensetzung von Rezepturen üblicherweise in Anzahl der einzelnen Bestandteile angegeben. Bei einem Heilmittel zur Behandlung einer gereizten Prostata beispielsweise werden 16 Teile Sägepalme, 8 Teile Sonnenhut (Echinacea spp.), 8 Teile Damiana, 8 Teile Schafgarbe und 1 Teil Ingwer miteinander vermischt.

Häufig kommt dann die Frage auf, was mit einem Teil eigentlich genau gemeint ist. Ist es ein Tropfen, ein Gramm, ein Esslöffel, eine Schaufel voll oder eine Lastwagenladung? Die Antwort lautet, dass es jede dieser Maßeinheiten sein kann. Wichtig ist, das richtige Verhältnis der Bestandteile zueinander beizubehalten. Letztlich geht es darum, welche Menge der Gesamtmischung wir am Ende haben wollen. Wenn man nicht gleich eine ganze Fußballmannschaft einer Prostatakur unterziehen will, empfiehlt sich beispielsweise eine Maßeinheit von 30 Gramm als Grundlage zu nehmen oder bei der Mischung von Flüssigextrakten eine Maßeinheit von 30 Millilitern bzw. zwei Esslöffeln.

Bei Verwendung einer größeren Anzahl an Pflanzen sollte man vom kleinsten Teil hochrechnen. Bei oben genannter Beispielrezeptur könnten wir als Maßeinheit 4 g zugrundelegen. Das heißt, wir könnten circa 60 Gramm Sägepalme, 30 Gramm Sonnenhut, 30 Gramm Damiana, 30 Gramm Schafgarbe und 4 Gramm Ingwer miteinander vermischen. Das Ergebnis wären dann knapp 155 Gramm der Gesamtmischung. Sollten wir nur die Hälfte dieser Gesamtmenge benötigen, nehmen wir jeweils die Hälfte der angegebenen Einzelmengen.

Es ist völlig egal, welche Maßeinheit man verwendet; auch ein handelsüblicher Messlöffel ist als Maßeinheit (für ein Volumen) bestens geeignet; wir müssen dann nur immer den gleichen Messlöffel für jeden Bestandteil der Mischung verwenden.

Ein Tropfen

Was ist ein Tropfen? Der Begriff ist durchaus problematisch. Ein Tropfen Wasser wird als kleinste oder minimale Grundeinheit, in der Sprache der Pharmakologie als Minim, angesehen. Doch nur der Wassertropfen entspricht genau dieser Menge – und das auch nur dann, wenn das Wasser aus einer dem internationalen Standard entsprechenden Pipette heraustropft. Die Form und die Oberflächenqualität der Öffnung, aus der ein Tropfen heruntertropft, beeinflusst dessen Größe. Doch auch wenn wir eine Standardpipette nehmen, sind nicht alle Tropfen von Flüssigkeiten gleich. Dickflüssige, zähflüssige Flüssigkeiten wie Sirup erzeugen Tropfen, die fünfmal größer sind als der Tropfen einer schweren und leicht beweglichen Flüssigkeit wie Chloroform und dreimal so groß wie ein Alkoholtropfen. Nehmen wir 1 Milliliter einer Flüssigkeit als Grundmaß, stellen wir fest, dass diesem etwa 68 Tropfen Chloroform, 39 Tropfen Alkohol oder 35 bis 41 Tropfen eines wässrig-alkoholischen Auszugs oder eines Flüssigextraktes entsprechen. Die gleiche Menge Flüssigkeit enthält 28 bis 38 Tropfen Öl, aber nur 12 bis 30 Tropfen Sirup. Die oben verwendete Maßeinheit von 30 Millilitern enthält somit 960 bis 1200 Tropfen. Für alle praktischen Anwendungsbereiche (die etwas mit Dosierungen zu tun haben) können wir bei den gebräuchlichsten Tinkturen von dieser Größenordnung ausgehen. Solange wir nicht jemandem sehr intensiv wirkende oder giftige Extrakte verabreichen oder Kleinkindern, Welpen oder kleinen Kätzchen unsere Heilmittel geben, bereitet der geschilderte Sachverhalt aber keine Probleme. Wenn es auf genaues Abmessen ankommt, sind Maßangaben in Millilitern (ml) oder Kubikzentimetern (cm3) jedenfalls zuverlässiger als die Angabe der Anzahl von Tropfen.

Die Berechnung der richtigen Dosierung

Wer beabsichtigt, selbst Extrakte herzustellen und Dosierungen zu ermitteln, sollte sich einen großen Gefallen tun und sich eine Waage besorgen.

Um sich über Dosierungen verständigen zu können sowie für die Zubereitung von Pflanzen in einer bestimmten Dosierung, werden auf jede einzelne Heilpflanze zugeschnittene spezifische Mengenangaben gemacht.

Die Dosierung für eine getrocknete Pflanze wird beispielsweise wie folgt angegeben: »Dreimal am Tag 3 bis 5 Gramm Damiana als Aufguss (Tee).« Das bedeutet, wir wiegen auf unserer Waage 3 bis 5 Gramm dieser Pflanze ab und bereiten daraus einen Tee zu, den wir anschließend trinken. Das tun wir dreimal am Tag. Bei stärker wirkenden Heilpflanzen nehmen wir vielleicht nur 1 bis 3 Gramm, bei einer weniger intensiv wirkenden Pflanze dagegen 4 bis 6 Gramm. Wie viel Wasser wir beim Aufguss dazugeben, ist relativ egal, solange wir genug Wasser verwenden, um die besonderen Inhaltsstoffe der Heilpflanze extrahieren zu können, was bei mehr oder weniger einer Tasse Wasser der Fall sein dürfte. Nur die Menge der Heilpflanze im Wasser, die wir zu uns nehmen, ist wichtig.

Wie schon erwähnt: Aus praktischen Gründen und unter Berücksichtigung des gesunden Menschenverstandes sind die Anleitungen für die Zubereitungsprozeduren in diesem Buch einfach gehalten. So sprechen wir beispielsweise davon, einen Liter kochendes Wasser auf 30 Gramm einer Pflanze zu geben, das Ganze umzurühren und zehn Minuten ziehen zu lassen, dann abzuseihen und zu trinken, und zwar in Dosierungen wie zweimal am Tag eine Tasse oder drei- bis viermal am Tag eine halbe Tasse. Oder unabhängig von der Heilpflanze, die wir verwenden, bereiten wir uns beispielsweise einen Kräutertee zu, der ein festgesetztes Verhältnis von Gewicht zu Volumen (in Gramm pro Liter) aufweist. Durch die Menge des jeweils getrunkenen Tees lässt sich dann die Dosierung genauer justieren. Das ist einfacher und lässt sich auch viel besser befolgen. (Die in diesem Buch aufgeführten Heilpflanzen sind keine pharmazeutischen Arzneimittel, daher sind sie sicher und ungefährlich anzuwenden, und ihre Wirkung ist auch nicht so stark von einer ganz spezifischen Dosierung abhängig.)

Bezüglich der Maßangaben für Tee- und Esslöffel bin ich mir nicht sicher, ob man irgendwo auf der Welt einen Teelöffel findet, der der internationalen Norm entspricht. Teelöffel werden in allen möglichen Größen und ausgefallenen Gestaltungen verkauft – einige sind etwas kleiner, andere ein bisschen größer.

Wer siebzig Jahre alt oder älter ist, sollte bei Rezepturen für sich selbst vielleicht zu Beginn nur die Hälfte der angegebenen Dosierungen nehmen, um erst einmal zu prüfen, wie die Zubereitung in dieser Dosis wirkt und wie man sich fühlt. Allgemein rate ich sowieso jedem, Heilpflanzen, die er noch nie zuvor ausprobiert hat, in kleineren als den empfohlenen Dosierungen einzunehmen, um herauszufinden, wie die Wirkungen der Pflanzen auf den eigenen Körper sind.

Um die Dosierungen für Erwachsene in solche für Kinder umzurechnen, gilt folgende Faustregel: Wir ermitteln das Körpergewicht des Kindes in Kilogramm und teilen die Zahl durch 70 (was dem Durchschnittsgewicht eines Erwachsenen in Kilogramm entspricht). Durch diese Berechnung lässt sich der ungefähre Bruchteil der Dosierung für Erwachsene ermitteln, den man dem Kind verabreichen sollte. Wenn das Kind also 35 Kilogramm auf die Waage bringt, teilt man 35 durch 70 und erhält einen Wert von 0,5. Wird für Erwachsene eine Dosierung von 30 Tropfen des Extraktes der betreffenden Pflanze empfohlen, die dreimal am Tag eingenommen werden soll, bekommt das Kind die Hälfte (50 Prozent) davon, also dreimal am Tag 15 Tropfen.

Umrechnungstabelle

Flüssigkeitsmaße

1 Teelöffel = 5 ml = 5 cm3

1 Esslöffel = 15 ml (oder cm3) = 3 Teelöffel

1 Tasse oder 1 Glas = 250 ml

Kapseln

Widerlich schmeckende Pflanzen (Sägepalme, Kreosotbusch, Kanadische Gelbwurz) kann man in Kapseln abfüllen, sodass sie sich problemlos schlucken lassen.

Etwa 30 Gramm einer pulverisierten Pflanze lassen sich (natürlich letztlich immer abhängig von der jeweiligen Dichte des Pflanzenmaterials) in etwa 50 bis 60 kleine (Größe 0) und etwa 25 große Kapseln (Größe 00) füllen.

Wer schon mehr Erfahrungen mit Heilpflanzen mit einem bitteren, beißenden oder sehr strengen Geschmack gemacht hat, kann sie vielleicht in Form einer Tinktur einnehmen, was ich empfehlen würde. Denn Flüssigextrakte werden leichter vom Körper assimiliert.

Die Engelwurz als Lebensbaum, umgeben von Heilpflanzen. Aquarell von Fred Weidmann, 2018.

KAPITEL 6

Die Auswahl der richtigen Heilpflanzen

Die Wirkungen von Heilpflanzen und die Sprache der Pflanzenheilkunde

In den nachfolgenden Kapiteln werde ich Fragen diskutieren, die speziell männliche Gesundheitsprobleme betreffen. Ferner gebe ich einen Überblick über Pflanzenrezepturen, die sich für deren Behandlung eignen. Auch Vorschläge für Änderungen des jeweiligen Lebensstils fehlen nicht. Anstatt jedoch bildlich gesprochen lediglich kleine erhellende Feuer aus Heilpflanzen zu entzünden, indem ich den Lesern Rezepturen für diese oder jene Leiden und Beschwerden an die Hand gebe, werde ich ein Konzept vorstellen, das eine ganzheitliche Grundlage für die Verwendung von Heilpflanzen im Rahmen eines westlichen Modells schafft. Hat man dieses einfache Konzept erst einmal begriffen, kann man sich selbst ganz nach Bedarf seine eigenen Feuer entzünden und erhält so eine viel größere Unabhängigkeit bei der Sorge für die eigene Gesundheit. Verstehen wir dieses Konzept, versetzt uns das in die Lage, bei der Verwendung von Heilpflanzen mit vielen eigenen Ideen ganz autonom vorzugehen. Die von mir angeführten Rezepturen, aber auch alle anderen Rezepturen, auf die wir stoßen, lassen sich dann so persönlich und passgenau gestalten, dass sie die eigene einzigartige Beschaffenheit und den aktuellen Zustand therapeutisch viel genauer und spezifischer ansprechen können. Das Wichtigste ist jedoch, dass wir mit einem solchen grundsätzlichen Verständnis in die Lage versetzt werden, Rezepturen zu entwerfen und zuzubereiten, bei denen Pflanzen Verwendung finden, die bei uns vor Ort wachsen oder die in der Nähe eingekauft werden können. Existieren in der Nähe keine geeigneten Bezugsquellen, kann man sich qualitativ hochwertige Pflanzenprodukte auch per Post bestellen. Es gibt kleine Firmen, die hervorragende Pflanzenprodukte selbst herstellen und vertreiben und von denen sich Heilpflanzen, Pflanzenextrakte, Rezepturen und Produkte (auch für Aromatherapie) in bester Qualität beziehen lassen.

Ausblicke

Die meisten Menschen wollen ganz einfach im Register eines Buches ihre Krankheitssymptome nachschlagen und dann auf der betreffenden Seite ein schnelles und einfaches Rezept zur Heilung ihrer Beschwerden finden. Das ist eine Gewohnheit, eine Hoffnung und eine Illusion, die wir uns durch unser Leben in einer Gesellschaft angeeignet haben, die fast ausschließlich ein auf Medikamenten beruhendes medizinisches System zur Behandlung von Krankheiten anbietet. Auch scheinen viele Männer vom einem Buch wie diesem zu erwarten, dass darin Maßnahmen und Techniken angeführt werden, die bei ihnen alles in Ordnung bringen und die ihnen zudem nur ein Minimum an eigener Anstrengung abverlangen.

Wer diese Erwartung hat, der sollte sich nicht weiter mit diesem Buch aufhalten. Denn ein System, bei dem es genügt, lediglich eine Nummer einzutippen und dann die entsprechende Heilung genannt zu bekommen, wird nicht funktionieren. Ich will auch gar keine wie auch immer geartete Illusion darüber fördern, dass es so funktionieren könnte. Hier geht es nicht darum, jemanden zu reparieren, sondern darum, die eigene, von Natur aus vorhandene, angeborene gute Gesundheit wiederzubeleben, indem wir die Mittel finden, die uns geistig, emotional und letztlich auch körperlich besser fühlen lassen.

Es gehört auch zum Prozess des Heilwerdens, dass man dieses Buch durchlesen muss, um die gesuchten Informationen zu bekommen. Mit diesem Buch will ich mehr als nur kurz und oberflächlich über das Thema Gesundheit und Heilpflanzen plappern. Ich bin überzeugt davon, dass die hier präsentierten Ideen für die Gesundheit des Mannes wichtig und es wert sind, dass man die dafür nötige Zeit aufbringt, um darüber nachzudenken und zu diskutieren.

Jahrelang wurden naiven Konsumenten nicht nur durch die Pharmaindustrie und ihre Vertreter einfache, durch die Einnahme einer Pille funktionierende Heilverfahren versprochen, auch Richtungen der Alternativmedizin taten das Gleiche, wenn sie nach der Art der Allopathie an das Thema Heilung herangingen, und als Ersatz für pharmazeutische Medikamente einfach »natürliche« Wirkstoffe verwendet wurden. Bisher habe ich noch nicht erlebt oder davon gehört, dass bei irgendeinem chronischen oder durch die Konstitution bedingten Gesundheitsproblem ein schnelles Heilverfahren irgendeiner Art zum Erfolg geführt hätte. Von Wunderheilungen einmal abgesehen, erfordern diese Leiden immer etwas Zeit und ein gewisses Maß an Engagement dafür, sich selbst um seine eigene Behandlung zu kümmern. Wunder geschehen tatsächlich, doch auch für sie ist irgendeine extrem wirksame Arbeit oder Tätigkeit erforderlich.

Ich werde mich in diesem Buch um Heilmittel aus Pflanzen und um andere segensreiche Möglichkeiten zur Linderung von Beschwerden und zur Pflege der Gesundheit kümmern. Diese Informationen müssen jedoch mit einem gewissen Verständnis für einen dabei in Gang gesetzten Regenerationsprozess verknüpft werden, mit dem man kooperieren muss. Anhaltendes Bemühen ist notwendig, damit dieser Prozess greift und funktioniert und die ganze Sache klappt. Bei einer qualitativ hochwertigen Gesundheitspflege gibt es keine durch irgendeine Wunderpille bewirkte Heilung. Allerdings gibt es durchaus eine Art Magie. Diese auf Erfahrungen beruhende Magie entsteht, wenn wir uns an unserer eigenen Heilung beteiligen. Dazu sind auch wir Männer in bemerkenswerter Weise fähig, wir müssen jedoch damit aufhören, Zeit und Energie darauf zu verschwenden, nach mühelosen Wegen der Heilung zu suchen oder danach, dass jemand anders uns diese Arbeit abnimmt. Die erforderlichen Veränderungen im Lebensstil durchzuführen, im Bedarfsfall Heilpflanzen und die Unterstützung durch einen kompetenten Heilkundigen in Anspruch zu nehmen sowie die persönliche Transformation Wirklichkeit werden zu lassen, sind Unternehmungen von besonders hohem Stellenwert. Die von mir angegebenen Rezepturen und Informationen zu Heilpflanzen sind nichts anderes als integrale Bestandteile dieses Prozesses. Jeder wird seine eigene Gesundheit stärker erleben, wenn er sich die Zeit nimmt, diese Kapitel durchzulesen und zu verstehen und die beschriebenen Techniken selbst anzuwenden. Dann wird er wieder die bewusste Kontrolle über die eigene Lebenskraft ausüben, was alle Facetten des männlichen Körpers und der männlichen Psyche bereichert.

Die mit Heilpflanzen verbundene Dynamik

Als ich damit begann, auf der Verwendung von Heilpflanzen basierende Therapien zu studieren, war mir noch nicht klar, dass ich dafür zuerst die Wirkungen jeder einzelnen Heilpflanze kennenlernen musste. Wie beim Erlernen einer neuen Sprache muss man sich zunächst einen bestimmten Wortschatz aufbauen. Danach kann man damit beginnen, die Sprache zu erkunden und damit zu spielen. Die Qualitäten und die energetischen Wirkungen von Heilpflanzen machen gewissermaßen den Wortschatz der Pflanzenheilkunde aus. Die Wirkungen beruhen auf den bekannten Eigenschaften und/oder dem allgemein stärkenden Einfluss einer Pflanze. Dabei geht es nicht um die Frage, welche Pflanze bei einer bestimmten Beschwerde hilft oder das Leiden heilt. Heilpflanzen lassen sich in der Praxis vielseitig einsetzen. Jede Heilpflanze hat Qualitäten, die zur Behandlung einer großen Vielfalt von Beschwerden und zur Aufrechterhaltung und Verbesserung der vorhandenen Gesundheit genutzt werden können.

Wie bereits im zweiten Kapitel dieses Buches kurz angesprochen wurde, sind die Wirkungen einer Pflanze auf den menschlichen Körper in der Regel gut bekannt und vorhersehbar. Diese Vorhersehbarkeit wurde möglich durch die unermesslich lange Geschichte der Beobachtung, wie jede Pflanze bei innerlicher oder äußerlicher Anwendung bei unzähligen Menschen wirkt. Diese gut dokumentierten Wirkungen werden zwar in den meisten Heilpflanzenbüchern in überschaubarer Weise umrissen, werden aber von heutigen Lesern nur selten verstanden und beiläufig als nebensächliche Informationen abgetan. Der durchschnittliche Leser tendiert dazu, nach einer Medizin Ausschau zu halten, die ihn auf einen Schlag von seinen Beschwerden befreit. Wir westlichen Menschen wurden darauf konditioniert, die Pflege unserer Gesundheit auf genau diese Weise vorzunehmen, doch es ist die Allopathie, die so mit Krankheiten umgeht. Die allopathische Wissenschaft verwendet ein sehr speziell wirksames Medikament, um damit einem bestimmten körperlichen Symptom entgegenzuwirken oder es zu beseitigen. Wer nach Alternativen zu den chemischen Medikamenten der Allopathie sucht, wendet sich der Pflanzenheilkunde und ihrer Materia medica zu, geht dann aber normalerweise so mit diesen Pflanzen um, wie es auch die Allopathie tun würde. Dies ist aber nicht die effizienteste Methode einer Verwendung von Heilpflanzen. Wir müssen die innere Beziehung zwischen den Qualitäten oder Energien der Heilpflanzen und den Bedürfnissen des menschlichen Körpers und damit eines selbstheilenden Organismus überprüfen. Normalerweise braucht der spontan heilende Körper nichts, was bei einer solchen Heilung an ihm vorgenommen werden müsste. Er verwendet jedoch bereitwillig eine verwandte und unterstützende Energie (Wirkungen von Heilpflanzen) und biochemisch passende (und leicht zu assimilierende) Nährstoffe, um diese ihm innewohnende, kompetente, selbstheilende Lebenskraft zu ergänzen.

Wenn wir die unterstützenden Wirkungen einzelner Pflanzen begreifen und anwenden (und beispielsweise stärkende, zusammenziehende, reizlindernde, windtreibende und andere Eigenschaften nutzen), dann ist das bereits ein großer Teil der therapeutischen Praxis der Wissenschaft der Pflanzenheilkunde. Der Rest der therapeutischen Heilkunst besteht aus dem Erlernen und Verstehen der Affinität eines bestimmten funktionellen Systems im Körper zur Energetik einer bestimmten Heilpflanze.

Jede Heilpflanze verkörpert eine Wirkung oder eine biomedizinische (Energie-)Qualität, die gewöhnlich aus vielen Wirkungen besteht. Zugleich besitzt jede Heilpflanze eine natürliche Affinität oder Verwandtschaft zu einem oder mehreren funktionellen Systemen im Körper, beispielsweise zum Kreislaufsystem, zum Harnsystem, zum Komplex des Immunsystems, zum Nervensystem, zum Stütz- und Bewegungsapparat und so weiter. Diese Wirkungen und Affinitäten sind es dann, durch die die Systeme des Körpers während des Heilungsprozesses auf die nutzbringendste Weise mit der sie unterstützenden Energie und den sie stärkenden Nährstoffen versorgt werden. Rufen wir uns zum Beispiel aus einem der vorangegangenen Kapitel noch einmal die natürliche Affinität der Rosskastanie zum Kreislaufsystem und zu den Blutgefäßen ins Gedächtnis zurück und erinnern wir uns an die durch altes, überliefertes Wissen identifizierten biochemisch stärkenden, zusammenziehenden und nährenden Wirkungen dieser Pflanze auf dieses funktionelle System und seine Organe. Genau das zu begreifen, macht das grundlegende Wissen aus, das den Heilpflanzenkundigen in die Lage versetzt, solche Pflanzen als verlässliche Werkzeuge zur Unterstützung der Heilung und zur Vorbeugung gegen Erkrankungen einzusetzen. Dieses intime Wissen über die Wirkungen und Affinitäten der Pflanzen auf unserem Planeten macht den Kern und die Seele unseres reichen Erbes an alter Weisheit aus, das von unseren Vorfahren an uns weitergegeben wurde.

Die Verwendung von Heilpflanzenbüchern

Zu den Wirkungen und Affinitäten von Pflanzen finden wir Informationen in Heilpflanzenbüchern. Heutzutage gibt es viele Buchveröffentlichungen zu Heilpflanzen und Pflanzenheilkunde, aber nur wenige von erfahrenen, kenntnisreichen Fachleuten verfasst. Ich rate dringend dazu, aus der gegenwärtigen Schwemme an Büchern über Heilpflanzen, die wirklich sorgfältig zusammengestellten ausfindig zu machen. Im Literaturverzeichnis am Ende des Buches habe ich einige Heilpflanzenbücher angeführt, die ich selbst verwende und schätze.

Wenn jemand ein Buch über Heilpflanzen zurate zieht, wird er mit einer Mischung verschiedenster Informationen konfrontiert, ausgewählt je nach dem besonderen Schwerpunkt des jeweiligen Buches. Einige Heilpflanzenkundige betonen die Botanik und den Anbau der Pflanzen, andere wiederum konzentrieren sich mehr auf die therapeutischen und medizinischen Aspekte der Pflanzen; wieder andere stellen den ursprünglichen Lebensraum, das Sammeln der Pflanzen und die Zubereitung der Heilmittel in den Mittelpunkt ihrer Ausführungen.

Doch unabhängig vom jeweiligen Fokus werden die Informationen üblicherweise in einer bestimmten allgemein gültigen Struktur angeordnet: vom botanischen Namen, der Pflanzenfamilie, den verwendeten Pflanzenteilen, ihrer botanischen Beschreibung (mit Angaben zum makroskopischen und oft auch dem mikroskopischen Aufbau der Pflanze), Blütezeit, Sammelzeit, Anbau und Standort bis zu den Wirkungen und der medizinischen Verwendung der Pflanze, ihren Qualitäten (kühl, trocken, bitter, zusammenziehend usw.) und den von ihr beeinflussten Organsystemen, spezifischen Indikationen, Kombinationsmöglichkeiten mit anderen Pflanzen, ihren Inhaltsstoffen sowie den üblichen Zubereitungsformen und Dosierungen.

Von all diesen Informationen über eine Pflanze interessieren uns hier besonders die Wirkungen der Pflanze. Die wichtigen empirischen Informationen, die hier angeführt werden, sind häufig auch die für Laien verwirrendsten und am meisten missverstandenen. Häufig hat es den Anschein, als ob eine bestimmte Pflanze als Heilpflanze für fast alles geeignet ist, was einen dann eher entmutigt. Und häufig werden das jeweilige Organsystem im Körper oder die Organsysteme, zu denen die betreffende Pflanze eine natürliche Affinität besitzt, nicht genau beschrieben (wie beispielsweise das Verdauungssystem, das Atmungssystem oder das Lymphsystem). Das wäre aber wichtig zu wissen, denn in einigen Fällen haben die verschiedenen Teile einer bestimmten Pflanze (Blatt, Wurzel, Blüte, Samen usw.) unterschiedliche Wirkungen und auch nicht die gleichen Affinitäten zu verschiedenen Organsystemen im Körper. In vielen Heilpflanzenbüchern werden alle diese Informationen jedoch in eine einzige Aufstellung hineingepackt, die dann als Anleitung für die praktische Verwendung einer Pflanze fast nutzlos wird.

Die Wirkungen von Pflanzen in Beziehung zu ihren natürlichen Affinitäten zu funktionellen Systemen im Körper zu studieren und zu erkennen, ist für einen Anfänger auf dem Gebiet der Pflanzenheilkunde extrem hilfreich. Diese Affinitäten zwischen einer Heilpflanze und einem Organsystem lassen sich auch als eine biochemische Verwandtschaft begreifen, als eine natürliche, spontane Beziehung oder eine wechselseitige Anziehungskraft. Während jahrhundertelanger Beobachtungen durch den Menschen hat eine Pflanze gleichbleibend und vorhersagbar ihre Affinität zu einem bestimmten Organsystem im Körper und ihre Wirkungen auf dieses unter Beweis gestellt. So wird der Ginkgobaum beispielsweise auf das Gefäßsystem an der Peripherie des Körpers und andere außen liegende Körperregionen einwirken, die Blutgefäße erweitern und dadurch wird letztlich – voilà! – mehr Blut und Sauerstoff ins Gehirn gelangen. Währenddessen kräftigt ein Rosskastanienextrakt mit seiner natürlichen Affinität zum Kreislaufsystem die Blutgefäße und verstärkt ihren Tonus, während ein Extrakt aus der Rinde dieses Baumes schnell im Bereich des Rektums seine zusammenziehende (adstringierende) Wirkung entfaltet und dadurch bei Hämorrhoiden wirksam helfen kann.

Es ist daher unerlässlich, dass jemand, der zur persönlichen Gesundheitspflege oder für die der Familie Heilpflanzen einsetzen will, sich mit den Begriffen der Pflanzenheilkunde vertraut macht, die auf die Wirkungen der einzigartigen Eigenschaften jeder einzelnen Pflanze verweisen, und den entsprechenden Sprachgebrauch kennt. Dann kann eine Pflanze auf die angemessenste Weise und am effizientesten verwendet werden. Es ist möglich, Kombinationen aus verschiedenen Pflanzen zu finden, die im Rahmen eines ganzheitlichen Ansatzes synergistisch zusammenwirken und nicht nur die offensichtlichen Symptome behandeln, sondern gleichzeitig auch das gesunde Funktionieren aller anderen Systeme im Körper unterstützen. Jede Pflanze verfügt über eine ganze Palette an Wirkungen und Affinitäten, sodass jemand, der sich damit auskennt, Pflanzen so miteinander kombiniert, dass sie ihre Wirkungen untereinander verstärken und auf diese Weise gegen eine ganze Reihe von Leiden wirken und die Gesundheit allgemein aufbauen. Ein derart umfassendes Verständnis einiger weniger Pflanzen reicht schon aus, um eine spezifische Strategie zur Stärkung, Harmonisierung und Reinigung der Organsysteme zu entwickeln, durch die gleichzeitig die Lebenskraft gesteigert wird und sich Ursachen wie Symptome behandeln lassen.

Ein Beispiel für eine Rezeptur zur Behandlung einer Infektion der Prostata soll diese Herangehensweise verdeutlichen. Man achte besonders auf die Wirkungen der nachfolgenden Heilpflanzen:

• Die Beeren der Sägepalme haben eine stärkende, nährende und antiseptische Wirkung. Diese Pflanze hat eine starke Affinität zu den Geschlechtsorganen und zum Nervensystem. Sie nährt und stärkt die Nerven und hat die gleiche Wirkung auf die männlichen Geschlechtsorgane, insbesondere auf die Prostata.

• Der Sonnenhut (Echinacea spp.) ist eine allgemein den gesamten Körper mit all seinen funktionellen Systemen stärkende Heilpflanze. Sie hat antimikrobielle, lymphanregende, alterierende (umstimmende, zustandsverändernde) und das Immunsystem stärkende Wirkungen.

• Damiana ist ein Nerventonikum, ebenso kräftigt diese Pflanze die Prostata; sie ist ein speziell auf das Harnsystem wirkendes Antiseptikum und wirkt gegen Depressionen. Sie wirkt leicht abführend und hat ebenfalls eine Affinität zu den männlichen Geschlechtsorganen und zum Nervensystem.

• Die Schafgarbe hat eine zusammenziehende Wirkung, einen bitteren Geschmack und wirkt im Bereich des Harnsystems antiseptisch. Außerdem wirkt sie harn- und schweißtreibend, unterstützt den Körper bei Fieber und hat eine Affinität zum Kreislaufsystem. Die Pflanze bietet sehr schnelle Hilfe, wenn es darum geht, den Blutdruck zu normalisieren.

Wenn wir die Wirkungen dieser vier Heilpflanzen kombinieren und auf einmal einsetzen, haben wir ein starkes Tonikum für die Drüsen allgemein, das zusammenziehend und kräftigend auf eine geschwächte und höchstwahrscheinlich angeschwollene Prostata einwirkt. Bei allen Infektionen ist die natürliche Widerstandskraft des Körpers irgendwie beeinträchtigt. Ursachen dafür können Stress, Verstopfung oder eine falsche Ernährung sein. Daher habe ich auch Bitterpflanzen in diese Rezeptur aufgenommen, die den Appetit anregen und die Sekretion der Verdauungssäfte steigern. Auch sind Pflanzen dabei, die das Immunsystem stärken, ferner Pflanzen, die auf das Urogenitalsystem eine antiseptische (keimtötende) Wirkung haben. Das unterstützt die Abwehrkräfte des gesamten Körpers, zielt aber auch direkt auf die Prostata ab. Indem eine Pflanze mit alterierender Wirkung hinzugefügt wird, werden Kreislauf und Nerven gestärkt. Diese Pflanzen unterstützen den Kreislauf, verbessern die Qualität der Nervenimpulse und der Beschaffenheit des Blutes und ergänzen das im Bedarfsfall auch noch mit einer leicht abführenden Wirkung.

Auf diese Weise nutzen wir die spezifischen Wirkungen und Systemaffinitäten dieser Heilpflanzen zu unserem Vorteil, sprechen damit die Hauptsymptome an, nämlich die Infektion der Prostata, verbessern aber gleichzeitig auch die Gesundheit von Nerven-, Kreislauf- und Verdauungssystem. Ebenso werden die Abwehrkräfte des gesamten Körpers gestärkt. Wenn es zu weiteren Beschwerden und Schmerzen kommt, ist Schneeball eine gute Ergänzung dieser Rezeptur. Der Schneeball wirkt nervenstärkend, schmerzstillend und krampflösend und besitzt eine Affinität zu den Geschlechtsorganen. Sollte der Geschmack problematisch sein, können wir der Rezeptur noch Fenchelsamen (eine angenehm schmeckende, aromatische Pflanze mit windtreibender und krampflösender Wirkung) hinzufügen. Fenchel hat eine Affinität zum gesamten Verdauungstrakt, regt den Appetit an und fördert die Verdauung, während er gleichzeitig bei Blähungen Erleichterung verschafft.

Ein pflanzliches Heilmittel zur Behandlung von Infektionen des männlichen Urogenitalsystems, das gleichzeitig Organsysteme nährt und stärkt, die seine Wirkung unterstützen, setzt sich wie folgt aus den oben genannten Pflanzen zusammen:

2 Teile Sägepalme

2 Teile Sonnenhut (Echinacea spp.)

1 Teil Damiana

1 Teil Schafgarbe

1 Teil Schneeball

Ich schlage vor, Sägepalme und Sonnenhut bei der Rezeptur in einer Menge von 2 Teilen zu verwenden, weil diese beiden Pflanzen die für die Behandlung von Prostatainfektionen erforderlichen Haupteigenschaften besitzen.

Bei der Zubereitung einer Kanne Tee wird ein gehäufter Teelöffel dieser Rezeptur auf eine Tasse Wasser gegeben. Davon wird dreimal am Tag 1 Tasse getrunken. Statt eines Tees lassen sich die Pflanzen auch als Tinkturmischung einnehmen, wobei die einzelnen Pflanzentinkturen zu den jeweils oben angegebenen Teilen miteinander kombiniert werden. Von dieser Mischung aus Einzelpflanzentinkturen werden dreimal am Tag 30 bis 50 Tropfen eingenommen.

Zusammen mit einer gesunden Ernährung, genügend Wasser, regelmäßiger Bewegung und ausreichender Ruhe können ähnliche Heilpflanzenmischungen den Mann dabei unterstützen, eine Prostatainfektion wieder loszuwerden und die Geschlechtsorgane betreffende Schwächezustände zu beheben. Zur Vorbeugung können regelmäßige Beckenbodenübungen (wie sie im siebten Kapitel erläutert werden) und eine kontinuierliche Verwendung von Pflanzen, die die Prostata stärken, gehören. Zu solchen Pflanzen zählen Sägepalme, Brennnesselwurzel und Himbeerblätter. All dies zusammen wird zum Schlüssel für eine gute Gesundheit werden.

Die Wirkungen von Heilpflanzen

Da es so wichtig ist, über die Wirkungen und Affinitäten der verwendeten Heilpflanzen Bescheid zu wissen, möchte ich in den folgenden Abschnitten einige der Hauptwirkungen von Heilpflanzen anführen und erörtern. Die reduktionistische Wissenschaft hat komplizierte Forschungen durchgeführt, um die Inhaltsstoffe einer Pflanze zu bestimmen, die für diese Wirkungen verantwortlich sind. Diese Wirkstoffe wurden dann anhand ihrer Zugehörigkeit zu chemischen Gruppen und aufgrund ihrer physiologischen Eigenschaften oder Wirkungen klassifiziert. So waren es zum Beispiel zähflüssige, gummiartige, schleimige Pflanzenstoffe, die zu Beginn der Entwicklung von Substanzen mit beruhigenden, reizlindernden und weichmachenden Wirkungen verwendet wurden; aus den Tanninen wurden Mittel mit zusammenziehenden und blutstillenden Wirkungen entwickelt; einige Saponine haben Mittel mit entzündungshemmenden und schleimlösenden Wirkungen ermöglicht. Wenn wir diese auf Reduktionismus beruhenden Einsichten und Techniken nutzen, um die chemischen Bestandteile von Pflanzenheilmitteln zu bestimmen, können wir wertvolle Hinweise auf die Wirkungen von neuen Pflanzen bekommen, auf die uns das aus den Ursprungsgebieten der jeweiligen Pflanzen stammende traditionelle, regionale Wissen über diese Pflanzen und deren Gebrauch bereits hingewiesen hat. Gleichzeitig meine ich, dass es wichtig ist, die Perspektive eines Heilpflanzenkundigen beizubehalten, wenn wir die therapeutischen Möglichkeiten dieser Pflanzen erforschen. Aus dieser Perspektive heraus bleiben nämlich die Integrität und der therapeutische Wert einer von ihren biomedizinischen Eigenschaften her einzigartigen Arzneipflanze nur dann gewahrt, wenn die dieser Heilpflanze eigenen Bestandteile im Umfeld der natürlichen Organisation von Hunderten synergistisch aufeinander einwirkenden biochemischen Stoffe der gesamten Pflanze verbleiben.

Im Laufe der Zeit wurden etwa 120 verschiedene Wirkungen identifiziert. Nur ein Drittel davon wird jedoch üblicherweise bei der Beschäftigung mit Heilpflanzen berücksichtigt. Im spezifischen Kontext einer für Männer gedachten Gesundheitspflege müssen wir mit den folgenden Wirkungen und ihren Funktionen vertraut sein:

abführend: Pflanzen mit abführender Wirkung stimulieren die Darmtätigkeit und fördern dessen Entleerung. Zu ihnen gehören: Amerikanischer Faulbaum, Krauser Ampfer und Rhabarberwurzel. Leicht abführend wirken beispielsweise folgende Pflanzen: Löwenzahnwurzel, Durchwachsener Wasserdost (Eupatorium perfoliatum) und Rote Bete.

adaptogen: Dies ist ein neues und erst seit Kurzem in der Pflanzenheilkunde bekanntes Konzept einer bestimmten Kategorie von Wirkungen, bei denen durch Abwandlungen und Veränderungen der Prozesse im Hormonsystem die Widerstandskraft des Körpers gegenüber einer breiten Palette an schädlichen Einflüssen gesteigert wird. Diese negativen Einflüsse können durch physikalisch, chemisch, biologisch und emotional bedingten Stress hervorgerufen werden. Pflanzen mit adaptogener Wirkung unterstützen die Fähigkeit des Körpers, mit diesen ungünstigen Einflüssen umzugehen, sie zu bewältigen und sich an sie anzupassen. Adaptogene sind ungiftig und normalisieren Zustände, beispielsweise hohen oder niedrigen Blutdruck, übermäßige oder zu geringe Aktivitäten der Nebennieren und möglicherweise anderer endokriner Drüsen und hohe oder niedrige Blutzuckerwerte. Die adaptogene Wirkung scheint auf die hormonelle Steuerung der Stressreaktion einzuwirken, wodurch dann das menschliche Immunsystem verändert wird. Zu Pflanzen mit dieser Wirkung gehören: Sibirischer Ginseng, Asiatischer und Amerikanischer Ginseng, Chinesisches Spaltkörbchen (Schisandra chinensis) und Ashwagandha.

alterierend: Pflanzen mit dieser Eigenschaft gelten oft als Blutreinigungsmittel. Sie bauen allmählich Gesundheit und Vitalität wieder auf, indem sie dem Körper dabei helfen, Nährstoffe zu assimilieren, Abbauprodukte aus Stoffwechselprozessen auszuscheiden und intakte Körperfunktionen wiederherzustellen. Zu den alterierenden Pflanzen gehören: Klette, Rotklee, Brennnessel, Klettenlabkraut und Mahonie.

amphoter: Sowohl übermäßig als auch zu gering ausgeprägte Prozesse im Körper werden durch amphotere Pflanzen normalisiert. Pflanzen mit dieser Wirkung sind: Knoblauch (der sowohl zu hohen als auch zu niedrigen Blutdruck normalisiert), Mönchspfeffer, Lobelie, Holunder, Königskerze und Chinesisches Spaltkörbchen (Schisandra chinensis).


Meerrettich (Armoracia rusticana)


Thymian (Thymus spp.)

anregend (stimulierend): Anregende Pflanzen wärmen den Körper, beschleunigen den Kreislauf, lösen Verstopfungen auf und beseitigen Blockierungen. Sie steigern die Energie und besitzen selbst eine auffallend intensive Qualität. Dazu gehören: Cayennepfeffer, Ingwer, Meerrettich, Senf und Wermut.

antimikrobiell: Wenn das Immunsystem des Körpers dabei unterstützt werden soll, pathogene Mikroorganismen zu zerstören oder seine Widerstandskraft gegen sie zu steigern, dann sind die Pflanzen dieser Kategorie hilfreich. Zu ihnen gehören: die unreifen Schalen der Schwarzen Walnuss (Schwarznuss), Sonnenhut (Echinacea spp.), Kreosotbusch, Knoblauch, Kanadische Gelbwurz (Hydrastis canadensis), Wermut; ferner Pflanzen mit einem hohen Anteil an ätherischen Ölen wie Anis, Kümmel, Gewürznelken, Eukalyptus, Myrrhe, Pfefferminze, Rosmarin und Thymian.

aphrodisisch: Aphrodisiaka helfen bei Impotenz meistens dadurch, dass durch sie die sexuelle Erregung und das sexuelle Verlangen gesteigert wird (siehe auch die entsprechenden Ausführungen in Kapitel 7). Das sexuelle Durchhaltevermögen und die Standfestigkeit beim Mann werden allerdings weniger erhöht. Werden diese aphrodisisch wirkenden Pflanzen mit Pflanzen mit alterierender Wirkung kombiniert, kann diese Kombination dazu beitragen, die sexuellen Funktionen wiederherzustellen. Zu der recht umfangreichen Liste von Aphrodisiaka unter den Heilpflanzen gehören: Damiana, Yohimbe, Tongkat Ali, Maca und Muira Puama (Potenzbaum).

aromatisch: Aromatische Pflanzen riechen normalerweise angenehm, was wiederum das Verdauungssystem anregt (siehe auch Stichwort »windtreibend«). Sie werden häufig verwendet, um das Aroma und den Geschmack von Heilmitteln und Nahrungsmitteln zu verbessern. Beispiele dafür sind: Lavendel, Pfefferminze, Engelwurz (Angelika), Kardamom, Zimt, Dill und Zitronenschale.

beruhigend (sedierend): Bei dieser Wirkung wird das Nervensystem beruhigt, indem die funktionellen Aktivitäten eines Organs oder Stress und Nervenreizungen verringert werden. Zu diesen Pflanzen gehören: Baldrian, Helmkraut, Passionsblume und Traubensilberkerze.

bitter: Bitterpflanzen regen die Sekretion von Verdauungssäften an und sind gut für die Verdauung und die Assimilierung von Nährstoffen. Sie stimulieren auch die Lebertätigkeit und die Bauchspeicheldrüse und fördern die Ausscheidung von Giftstoffen. Zu ihnen gehören: Enzian, Hopfen, Artischocke, Beifuß und Löwenzahn.

blutdrucksenkend: Solche Pflanzen lassen sich zur Senkung eines zu hohen Blutdrucks verwenden. Zu ihnen gehören: Schneeball, Zwiebel, Knoblauch, Schafgarbe und Weißdornbeeren sowie -blüten.

blutstillend (äußerlich): Diese Pflanzen stoppen äußere Blutungen oder schwächen sie ab, indem sie eine zusammenziehende Wirkung auf die Blutgefäße haben. Es sind Pflanzen wie: Schafgarbe, Ackerschachtelhalm, Cayennepfeffer, Wachsmyrte und Wegerich.


Gelber Enzian (Gentiana lutea)


Dill (Anethum graveolens)

blutstillend (innerlich): Solche Pflanzen wirken innerlich zusammenziehend und stoppen so innere Blutungen. Es sind: Wachsmyrte, Brombeere, Cayennepfeffer, Hirtentäschel und Kanadische Gelbwurz (Hydrastis canadensis).

brechreizerregend (emetisch): Diese Pflanzen helfen dabei, dass der Magen durch Erbrechen geleert wird. Um das zu bewirken, müssen sie in hohen Dosierungen genommen werden. Es sind Pflanzen wie: Lobelie, Brechwurzel (Ipecacuana) und Durchwachsener Wasserdost (Eupatorium perfoliatum).

brechreizhemmend: Diese Pflanzen verringern Übelkeit und helfen dabei, den Brechreiz abzuschwächen oder gar nicht erst aufkommen zu lassen. Es sind: Melisse, Pfefferminze, Ingwer, Fenchel, Dill, Enzian und Mädesüß.

durchblutungsfördernd: Wenn Pflanzen mit dieser Wirkung äußerlich an den betreffenden Stellen auf die Haut aufgetragen werden, verursachen sie sanfte Reizungen, fördern die Weitung der Kapillaren und eine erhöhte Blutzirkulation in der Haut. Das Blut gelangt dabei aus den tiefer liegenden Regionen des Körpers in die Außenbereiche. Dies schwächt in diesen Bereichen Entzündungen ab, vermindert dort Blutandrang und lindert dadurch oft die damit verbundenen Schmerzen. Bei der Behandlung akuter Verstauchungen und Verrenkungen, bei chronischer Arthritis, Rheuma und bei anderen Gelenkleiden sind diese Pflanzen nützlich. Durchblutungsfördernde Pflanzen sind: Brennnessel, Senfsamen, Cayennepfeffer, Meerrettich und Schwarzer Pfeffer.

entzündungshemmend: Eine leichte Entzündung ist die angemessene Reaktion des Körpers auf eine Infektion, auf eine Verletzung oder eine Reizung. Sie führt dazu, dass sich die Instandsetzung von Gewebe beschleunigt und der Befall durch Infektionserreger eingedämmt wird. Eine solche Entzündungsreaktion will man gar nicht immer abschwächen. Häufig ist es viel wirksamer, sie zu verstärken, beispielsweise mit einer Pflanze mit durchblutungsfördernder oder gefäßerweiternder Wirkung (siehe dazu die entsprechenden Ausführungen weiter unten). Die entzündungshemmende Wirkung wird eingesetzt, um eine zu starke oder zu schmerzhafte Entzündung zu bekämpfen. Unter den entzündungshemmenden Pflanzen befinden sich auch Pflanzen mit reizlindernder, weichmachender und wundheilender Wirkung, die äußerlich angewendet werden, beispielsweise Johanniskraut, Ringelblume, Kurkuma, Arnika, Süßholz, Kamille und Wilde Yamswurzel.

fiebersenkend: Diese Pflanzen helfen dem Körper dabei, Fieber abzuschwächen. Es sind: Katzenminze, Holunderblüten und Schafgarbe.

fiebersenkend und entzündungshemmend: Pflanzen dieser Kategorie unterstützen eine Abschwächung des Fiebers und vermindern Entzündungen. Das sind: Mutterkraut (Tanacetum parthenium), Durchwachsener Wasserdost (Eupatorium perfoliatum), Schafgarbe, Holunder und Katzenminze.

galleflussfördernd (galleanregend, galletreibend): Pflanzen mit dieser Wirkung fördern die Absonderung und den Fluss von Gallenflüssigkeit (oder Galle) in den Dünndarm hinein, was bei der Behandlung von Problemen mit der Gallenblase von Nutzen ist. Die Galle hilft dabei, den Stuhlgang zu desinfizieren, und kann auch eine abführende Wirkung haben, da diese Flüssigkeit normalerweise die Darmperistaltik anregt und dadurch Ausscheidungsvorgänge beschleunigt. Galleflussfördernde Pflanzen sind beispielsweise: Berberitze, Kanadische Gelbwurz (Hydrastis canadensis), Löwenzahn, Mahonie und Wilde Yamswurzel.

gefäßerweiternd: Eine gefäßerweiternde Wirkung belebt den Kreislauf und verbessert die Durchblutung. Pflanzen mit dieser Wirkung sind: Ginkgo, Mutterkraut (Tanacetum parthenium), Ingwer, Cayennepfeffer und Wachsmyrte.

harntreibend (diuretisch): Solche Pflanzen beschleunigen Ausscheidungsprozesse und regulieren den Harnfluss. Harntreibende Pflanzen wirken am besten, wenn während ihrer Verwendung viel Wasser getrunken wird. Zu ihnen gehören: Löwenzahn, Quecke, Bärentraube, Wegerich und Ackerschachtelhalm.

hustenlindernd und lungenstärkend: Pflanzen mit dieser Wirkung kräftigen ganz allgemein das gesamte Atmungssystem und sind für dieses sehr heilsam. Es sind: Alant, Huflattich, Beinwell, Königskerze, Santakraut (Eriodictyon spp.) und Kalifornischer Eidechsenschwanz (Yerba Mansa).

husten- und schleimlösend: Diese Pflanzen wirken gegen Entzündungen, die übermäßige Schleimansammlungen und exzessiven Schleimfluss aus den Nebenhöhlen oder anderen Teilen des oberen Atmungssystems auslösen. Zu diesen Pflanzen gehören: Augentrost, Sonnenhut (Echinacea spp.), Knoblauch, Schwarzer Pfeffer, Cayennepfeffer, Salbei, Ysop, Goldrute, Schafgarbe und Santakraut (Eriodictyon spp.).

leberstärkend: Die stärkende Wirkung auf die Leber durch diese Pflanzen erfolgt dadurch, dass die Leber zu einer verstärkten Absonderung ihrer Sekrete angeregt wird und auch eine Steigerung des Gallenflusses bewirkt wird. Pflanzen dieser Art sind: Mahonienwurzel, Löwenzahn, Kanadische Gelbwurz (Hydrastis canadensis) und Wilde Yamswurzel.

lymphanregend: Das gesunde Funktionieren des Lymphsystems wird durch Pflanzen mit lymphanregender Wirkung gefördert. Zu ihnen gehören: Klettenlabkraut, Ringelblume und Sonnenhut (Echinacea spp.).

nervenstärkend: Diese Pflanzen wirken auf das Nervensystem ein und haben entweder einen nervenstärkenden Effekt (Hafer, Damiana), wirken entspannend auf die Nerven (Kamille, Hopfen) oder stimulieren sie (Kaffee, Grüner Tee, Matetee).

reizlindernd: Diese Wirkung führt dazu, dass das Gewebe des Verdauungstraktes bei direktem Kontakt mit den betreffenden Pflanzenstoffen beruhigt und die jeweiligen Beschwerden gelindert werden. Reflexartig werden dabei Mechanismen in Gang gesetzt, die über die Nerven des Rückenmarks weitergeleitet werden und so Entzündungen und Reizungen im Atmungssystem und im Harnsystem positiv beeinflussen. Diese schleimigen, gallertartigen Pflanzenstoffe beruhigen und schützen Gewebe. Zu den reizlindernden Pflanzen gehören: Beinwell, Eibisch, Rotulme, Königskerze und Maisgrannen.

Katzenminze (Nepeta cataria)


Schachtelhalm (Equisetum arvense)


Kaffeestrauch (Coffea arabica)


Eibisch (Althaea officinalis)

säurebindend: Diese Heilpflanzen neutralisieren ein Übermaß an Säure im Magen-Darm-Trakt. Pflanzen mit dieser Wirkung sind: Fenchel, Katzenminze, Löwenzahn, Rotulme, Königskerze, Umeboshi (Japanische Salzpflaume) und Mädesüß (das Symptome von Übersäuerung beseitigt).

schlaffördernd: Diese Pflanzen haben eine starke entspannende und beruhigende Wirkung und helfen dabei einzuschlafen. Es sind: Hopfen, Baldrian und Giftlattich.

schleimlösend: Anregende schleimlösende Pflanzen, zu denen Alant und (Weißer) Andorn gehören, stimulieren die Nerventätigkeit und die Muskeln des Atmungssystems. Diese Pflanzen unterstützen, dass sich Schleim löst und lockert und letztlich als Auswurf aus dem Körper herausgelangt. Entspannende schleimlösende Pflanzen, beispielsweise Huflattich (hervorragend für Kinder geeignet), Gummikraut (Grindelia spp.), Süßholz und Ysop, verringern Anspannung und Verspannungen in der Lunge und ermöglichen das natürliche Abhusten und einen guten Schleimfluss. Amphotere schleimlösende Pflanzen schließlich, zu denen Lobelie, Königskerze, Andorn, Huflattich, Holunder und Knoblauch gehören, können das Atmungssystem anregen oder entspannen, je nachdem, was die dem Körper innewohnende Intelligenz für nötig hält.


Mädesüß (Filipendula ulmaria)


Hopfen (Humulus lupulus)

schmerzstillend: Diese Pflanzen lindern Schmerzen, wenn sie oral verabreicht oder äußerlich angewendet werden. Heilpflanzen dieser Art sind: Helmkraut, Baldrian und Passionsblume.

schweißtreibend (diaphoretisch): Fieber ist bei einer Infektion eine sehr angemessene Reaktion des Körpers. Im Widerspruch zur in der Medizin üblichen Vorgehensweise ist es häufig sehr vorteilhaft, den Körper zu Fieber anzuregen. Die betreffende Person muss dabei nur viel Wasser trinken. Ein solches Verfahren führt dann zu vermehrter Schweißbildung, was die Hitze und die Entzündung nach außen an die Hautoberfläche bringt, die Haut dann durch Verdunstung abkühlt und die Ausscheidung von Abbauprodukten aus Stoffwechselprozessen erleichtert. Schweißtreibende Pflanzen leiten ein stärkeres Schwitzen ein, weiten die Kapillaren und steigern die Ausleitungsprozesse durch die Haut hindurch. Sie sollten auch erhitzt eingenommen werden. Solche Pflanzen sind: Holunder, Osha-Wurzel, Ingwer und Pfefferminze.

speichelanregend: Die Absonderung von Speichel aus den Speicheldrüsen und der Speichelfluss werden durch diese Pflanzen verstärkt. Es sind: Sonnenhut (Echinacea spp.), Jambu (Prickelblume), Amerikanischer Gelbholzbaum (Zanthoxylum americanum) und Schwarzer Pfeffer.

stärkend (tonisierend): Zusammen mit den Adaptogenen ist die stärkende Wirkung vielleicht der umfassendste Beitrag der Pflanzenmedizin für die natürlichen Heilverfahren. Stärkungsmittel (Tonika) regen die Aufnahme von lebenswichtigen Nährstoffen an, indem sie deren Assimilierung durch die Organe und den Tonus der Gewebe im Körper verbessern. Das verleiht mehr Vitalität und Energie und kräftigt die Gewebe spezifischer Organe oder des gesamten Körpers. Wenn wir eine heilkräftige und therapeutisch wirksame Rezeptur entwickeln wollen, dann ist diese Wirkung von wesentlicher Bedeutung und sollte immer bedacht werden. Sind die Organsysteme im Körper genügend gereinigt worden, sind die anderen Wirkungen der Pflanze auf symbiotische Weise mit dieser Stärkung verknüpft und gestatten so die Entfaltung vollständiger Heilung. Jede Heilpflanze mit stärkender Wirkung hat eine besondere dynamische Beziehung zu einem bestimmten funktionellen System im Körper. In der langen Liste von Heilpflanzen mit dieser Wirkung lassen sich aufführen: Hafer, Weißdorn, Sägepalme, Brennnessel, Knoblauch, Kanadische Gelbwurz (Hydrastis canadensis), Löwenzahn, Vielblütiger Knöterich (He Shou Wu), Dong Quai, Ashwagandha, Ginseng, Himbeere und Schafgarbe.

steinbildungshemmend: Sowohl die Auflösung als auch der Abgang von Harn-, Nieren- und Gallensteinen sowie Harn-, Nieren- und Gallengrieß werden durch Pflanzen mit dieser Wirkung unterstützt. Außerdem helfen sie dabei, dass Steine und Grieß dieser Art gar nicht erst entstehen. Pflanzen, die bei Nieren- und Blasensteinen helfen, sind: Gewöhnlicher Wasserdost (Eupatorium cannabinum), Wald-Hortensie, Löwenzahn, Klettenlabkraut, Bukkostrauch (Agathosma betulina), Goldrute, Maisgrannen und Bärentraube. Besonders gut für die Gallenblase sind: Mahonie und Kreosotbusch.

weichmachend: Auf die Haut aufgetragen, beruhigen und schützen diese Pflanzen von außen und machen die Haut weicher. Ihre Wirkung ähnelt der von reizlindernden Pflanzen, nur dass diese von innen her wirken. Zu den weichmachenden Pflanzen gehören: Beinwell, Sternmiere, Wegerich, Rotulme und Eibisch.

windtreibend (blähungstreibend, karminativ): Bei dieser Wirkung wird die Darmperistaltik angeregt, der Ausstoß von Gasen beschleunigt, der Bauch beruhigt und die Verdauung gefördert. Eine windtreibende Pflanze kann auch Beschwerden im Bereich des Magen-Darm-Trakts bei starken, schmerzhaften Krämpfen lindern. Pflanzen dieser Art sind: Anis, Fenchel, Kamille, Pfefferminze, Kümmel und Ingwer.

wundheilend: Diese Pflanzen helfen bei äußerlicher Anwendung dem Körper dabei, Wunden, Blutergüsse und Schnittwunden zu heilen. Zu ihnen gehören: Beinwell, Ringelblume, Sternmiere, Johanniskraut und Eibisch.

wurmtötend: Pflanzen dieser Kategorie machen Würmern den Garaus oder treiben sie aus dem Verdauungstrakt heraus. Es sind: Knoblauch, Zwiebel, Wermut, Weinraute und Thymian.

zusammenziehend (adstringierend): Diese Wirkung fördert eine größere Verdichtung und Festigkeit von Körpergeweben. Pflanzen mit dieser Wirkung veranlassen, dass Protein ausfällt und die Zellstruktur der Gewebe gedrängter wird. Das festigt schlaffe, geschwächte Gewebe wie bei Hämorrhoiden oder bei einem Prolaps. Die zusammenziehende (adstringierende) Wirkung kann eine übermäßige Absonderung von Flüssigkeiten wie im Darm bei Durchfall, in Lunge oder Nieren bei Blutungen und im Bereich der Haut bei übermäßiger Schweißbildung verringern. Zu Pflanzen mit dieser Wirkung gehören: Amerikanische Weißeiche, Doldiges Wintergrün, Rosskastanie, Echte Rebhuhnbeere (Mitchella repens) und Zaubernuss.

Die Affinität der Organsysteme zu bestimmten Heilpflanzen

Für jedes Organsystem des Körpers gibt es besonders gut zu ihm passende Heilpflanzen. Diese Pflanzen haben dann eine natürliche Affinität zu diesem Organsystem. Wir stellen fest, dass es innerhalb jeder der oben angeführten Wirkungskategorien Pflanzen gibt, denen genau die Wirkung innewohnt, die ein ganz bestimmtes Organsystem beeinflusst. Um solche Affinitäten zu veranschaulichen, möchte ich Organsysteme auflisten und dort einige Heilpflanzen nennen, die mit ihren entzündungshemmenden, reizlindernden, bitteren oder zusammenziehenden Eigenschaften auf diese Systeme einwirken und an ihnen ihre Wirkung entfalten.

Folgende Heilpflanzen wirken auf die nachstehend aufgeführten Organsysteme entzündungshemmend (und vermindern so dort Schmerzen und Beschwerden):

• Atmungssystem: Süßholz und Huflattich

• Geschlechtsorgane: Frauenmantel und Frauenwurzel

• Harnsystem: Maisgrannen, Goldrute und Eibisch

• Haut: Johanniskraut, Ringelblume, Sternmiere, Arnika und Wegerich

• Kreislauf: Weißdornbeeren, Rosskastanie, Schafgarbe und Limonenblüte

• Nervensystem: Johanniskraut

• Stütz- und Bewegungsapparat (Muskeln und Skelett): Weide und Mädesüß

• Verdauungssystem: Kamille, Pfefferminze, Fenchel und Ingwer

Folgende Heilpflanzen wirken reizlindernd auf die nachstehend aufgeführten Organsysteme:

• Atmungssystem: Königskerze, Eibischwurzel, Wegerich und Süßholz

• Geschlechtsorgane: Eibischwurzel, Königskerze, Süßholz und Huflattich

• Harnsystem: Maisgrannen, Quecke, Bärentraube und Eibisch

• Haut: Eibischwurzel, Beinwell, Wegerich und Sternmiere

• Kreislauf: Im Allgemeinen braucht das Kreislaufsystem keine reizlindernden Einwirkungen, allerdings haben Rosskastanie und Lindenblüten bei äußerlicher Anwendung eine beruhigende, weichmachende Wirkung auf die Blutgefäße.

• Nervensystem: (Reizlindernde Pflanzen haben für das Nervensystem nur dann einen direkten Nutzen, wenn sie bei Beschwerden, die mit den Nerven verbunden sind wie beispielsweise bei der Gürtelrose, auf die Haut aufgetragen werden.) Rotulme und Eibisch.

• Verdauungssystem: Rotulme. (Die entzündungshemmenden Pflanzen haben auf dieses Organsystem eine direktere therapeutische Wirkung als reizlindernde Pflanzen.)

Die folgenden Bitterpflanzen beeinflussen die nachstehend aufgeführten Organsysteme:

• Atmungssystem: (Weißer) Andorn und Kanadische Gelbwurz (Hydrastis canadensis)

• Geschlechtsorgane: Kanadische Gelbwurz und Schafgarbe

• Haut: Kanadische Gelbwurz und Myrrhe

• Harnsystem: Odermennig, Klette und Bärentraube

• Kreislauf: Schafgarbe, Enzian und Kanadische Gelbwurz

• Nervensystem: Kamille, Hopfen und Beifuß

• Stütz- und Bewegungsapparat (Muskeln und Skelett): Fieberklee

• Verdauungssystem: Enzian, Artischocke, Kanadische Gelbwurz und Schafgarbe

Die folgenden Heilpflanzen haben eine zusammenziehende (und damit den Gewebetonus verstärkende und kräftigende) Wirkung auf die aufgeführten Organsysteme:

• Atmungssystem: Salbei, Goldrute und Schafgarbe

• Geschlechtsorgane: Himbeere

• Harnsystem: Bärentraube, Ackerschachtelhalm und Schafgarbe

• Haut: Zaubernuss und Eichenrinde

• Kreislauf: Wachsmyrte (innerlich); Schafgarbe, Rosskastanie und Arnika (äußerlich)

• Nervensystem: Rosmarin

• Stütz- und Bewegungsapparat (Muskeln und Skelett): Odermennig Verdauungssystem: Odermennig und Eichenrinde

Mit diesen vier Wirkungskategorien kann ein Heilpflanzenkundiger den größten Teil seiner therapeutischen Arbeit bestreiten und hat alles an der Hand, was er oder sie dafür braucht (besonders, wenn es um das Verdauungssystem geht). Die entzündungshemmende Wirkung hilft dabei, Entzündungen abzuschwächen und die jeweiligen Beschwerden und Schmerzen zu lindern; die reizlindernde Wirkung beruhigt, nährt und schützt Gewebe; das Bittere regt die Sekretbildung im Darm an und normalisiert diese und wirkt auch Depressionen entgegen. Die zusammenziehende Wirkung kann übermäßige Absonderungen verringern und den Tonus der Körpergewebe verstärken und sie allgemein kräftigen.

Natürlich ist es genauso wichtig, auch die vielen anderen Wirkungen und Affinitäten unserer Materia medica der Heilpflanzen zu verstehen und zu lernen, wie man sie verwendet. Der Anwendungsbereich und die Absicht dieses Heilpflanzenbuches für Männer besteht aber nicht darin, alle Wirkungen der Pflanzen und ihre Affinitäten zu den einzelnen Organsystemen in allen Einzelheiten zu besprechen. Ich empfehle vielmehr, sich eine kleine Sammlung praktisch anwendbarer Pflanzen zusammenzustellen, die eine Vielfalt von Informationen und Erfahrungen bietet und so dazu beiträgt, die Grundlagen unseres Wissens über Heilpflanzen in ausgewogener Form abzurunden. Im elften Kapitel sind einzelne Heilpflanzen aufgeführt, dort finden sich auch Beschreibungen darüber, wie sie in dieses System von Wirkungen und Affinitäten hineinpassen.

Heilpflanzen für ganz spezifische Anwendungsbereiche

Dem Wesen der Naturwelt entsprechend gibt es jene Pflanzen, die auch völlig außerhalb ihrer anerkannten Wirkungen und Systemaffinitäten auf den Organismus einwirken. So machte man die Erfahrung, dass die Wilde Yamswurzel beispielsweise als ein spezifisches Heilmittel bei mit einer Divertikelentzündung verbundenen Schmerzen und Beschwerden eingesetzt werden kann (also für die Behandlung einer Entzündung in den Ausstülpungen der Dickdarmschleimhaut). Die Kenntnisse über diesen Verwendungsbereich der Pflanze basierten nicht auf dem Studium ihrer normalen Wirkungen, sondern auf altem, bei den einfachen Leuten vorhandenem Wissen; und dieses Wissen war es denn auch, das Heilpflanzenkundige auf die genannten, außergewöhnlich guten spezifischen Heilwirkungen der Wilden Yamswurzel stießen ließen. Der Odermennig ist bei rechtzeitiger Einnahme spezifisch für die Behandlung von Blinddarmentzündungen geeignet. Bei Aphthen hilft innerlich angewandt Salbeitee, auch als Mundspülung eignet sich Salbei dafür. Das Gummikraut (Grindelia spp.) wirkt krampflösend im Bereich der Atmungsorgane; der Beifuß ist eine Bitterpflanze, die besonders auf das Verdauungssystem und die Geschlechtsorgane einwirkt. Die Kombination dieser beiden Heilpflanzen ist hingegen in äußerlich anzuwendenden Zubereitungsformen ein spezifisches Heilmittel von Allergiesymptomen, die vom Eichenblättrigen Giftsumach (Toxicodendron pubescens) herrühren. Diese Erkenntnisse über die Verwendung bestimmter Pflanzen als spezifische Heilmittel sind ein Geschenk des alten, überlieferten Wissens unserer Vorfahren an uns.

Das Licht der Intuition und die Heilpflanzen

Die uns innewohnende Fähigkeit, etwas spontan zu erkennen, haben wir dank unserer Intuition. Wir müssen ihr Vertrauen schenken, wenn wir Pflanzen auswählen, die wir für unsere Gesundheit nutzen wollen. Je größer das therapeutische Wissen wird, das wir uns durch das Studium und die Arbeit mit Heilpflanzen und Menschen aneignen, und je größer auch die damit verbundene Erfahrung wird, desto häufiger lässt unsere Intuition beides zusammen zu einem Erfolgserlebnis werden. Der praktische Gebrauch unserer Intuition ist eine Qualität, die wir allerdings tendenziell verlieren, wenn wir uns dem Ansturm von mit großer Autorität vorgebrachten Informationen aussetzen, mit denen wir unaufhörlich bombardiert werden. Unsere Intuition sollten wir uns jedoch nie absprechen lassen. Zu allen wissenschaftlichen Erkenntnissen und Hypothesen werden wir durch die sprichwörtlichen Gedankenblitze inspiriert. Wie die Heilung ist auch die Intuition eine Grundfunktion des Menschen. Vertrauen wir ihr!

Über »Heilpflanzen für Männer«

Der Asiatische (oder Koreanische) Ginseng (Panax ginseng) ist wahrscheinlich in Asien die berühmteste »Heilpflanze für Männer«. Der Ginseng hat allerdings auch Wirkungen, die unter den passenden Bedingungen bei der Behandlung von Beschwerden bei Frauen genauso wirksam sind. Historisch gesehen war die Verwendung der exotischen und teuren Ginsengwurzel im alten China ausschließlich den Männern vorbehalten. Im Laufe der Zeit erwarb sie sich weltweit den Ruf, eine Heilpflanze für Männer zu sein. Auf ganz ähnliche Weise kam Dong Quai, die Chinesische Engelwurz, zu dem Ruf, eine »Heilpflanze für Frauen« zu sein.

Den zeitlosen Erkenntnissen der chinesischen Pflanzenheilkunde zufolge wird die Ginsengwurzel vor allem als Stärkungsmittel für das Chi (oder Qi) angesehen (siehe die Ausführungen im Glossar unter dem Eintrag »Chi«). Die Verwendung von Ginseng ist daher vor allem bei Fällen von Chi-Mangel angezeigt. Dong Quai gilt hauptsächlich als Bluttonikum, es soll bei Blutmangel genommen werden. Bei beiden Pflanzen gilt das sowohl für Männer als auch für Frauen. Allerdings erleben Männer durch ihr »Getriebensein« und ihre Tendenz, sich zu überarbeiten, häufiger einen Chi-Mangel als Frauen; bei Frauen wiederum kommt es durch ihre zyklische Menstruationsblutung häufiger zu Blutmangel als bei Männern. Im Laufe der Zeit wurde dann die bittersüße Ginsengwurzel zu einem Heilmittel, das Männern neue Vitalität verleiht, während die süße, wärmende Wurzel des Dong Quai als ein Heilmittel galt, das wunderbare Wirkungen auf die weiblichen Fortpflanzungsorgane hat. Wir sollten allerdings dabei im Hinterkopf behalten, dass auch ein Mann gelegentlich Anzeichen für Blutmangel haben kann und in der heutigen Zeit auch immer mehr Frauen einen Chi-Mangel aufweisen.

Es gibt auch eine Heilpflanze im Westen (auch wenn Ginseng übrigens ebenfalls im Westen heimisch ist), die häufig als Heilpflanze für Männer angesehen wird. Sie heißt Sägepalme (Serenoa repens). Auch ihre Wirkungen eignen sich genauso gut zur Förderung der Gesundheit von Frauen. Diese von den nordamerikanischen Indianern hochgeschätzte Heilpflanze, die auch sehr häufig von den eklektischen Ärzten des 19. Jahrhunderts verwendet wurde, hat auch bei den heutigen Männern (und den heutigen Frauen) als nährende Heilpflanze eine überragende Bedeutung, derer wir uns bewusst sein und die wir deshalb auch einsetzen sollten. Im elften Kapitel finden sich ausführliche Informationen zur Sägepalme, zum Ginseng und über Dong Quai.

Die Qualität der Heilpflanzen

Wenn wir für unsere therapeutischen Maßnahmen und zur Aufrechterhaltung unserer Gesundheit die richtigen Heilpflanzen auswählen oder pflücken, dann ist ihre Qualität von großer Bedeutung. Die genaue Auswahl eines pflanzlichen Produktes ist oberstes Gebot. Dass es sich einfach um die richtige Pflanze handelt, reicht nicht. Um wirksam zu sein, muss sie qualitativ hochwertig sein. Viele Menschen glauben, dass alle Heilpflanzen biologisch angebaut und auf die richtige Weise geerntet werden, aber das ist nicht der Fall. Viele werden für den Handel kommerziell angebaut, wobei die allgemein üblichen Techniken der Landwirtschaft und auch chemische Düngemittel verwendet werden. Häufig werden die Heilpflanzen auch auf unangemessene Weise geerntet, getrocknet und abgepackt. So sind es beispielsweise oft die Blütenspitzen, die die medizinisch wichtigen Inhaltsstoffe einer Pflanze enthalten, aber die geernteten und verkauften Pflanzen enthalten häufig einen großen Prozentsatz an Blättern und Stängeln, in denen diese Wirkstoffe überhaupt nicht vorkommen. Das ganze Pflanzenmaterial wurde vielleicht maschinell auf die falsche Weise geerntet oder bei zu hohen Temperaturen in großen Mengen im Ofen getrocknet und dann über einen langen Zeitraum gelagert. Bei der Ernte und der Verarbeitung von Pflanzen muss man sehr sorgfältig vorgehen, um sicherzustellen, dass die Qualität ihrer Inhaltsstoffe erhalten bleibt. Pflanzen verlieren außerdem allmählich ihre Wirksamkeit, wenn sie zu lange oder unter ungeeigneten Bedingungen gelagert werden.

Nur wenn wir unsere frischen Heilpflanzen selbst richtig gepflückt und verarbeitet haben, wissen wir, dass sie in einem qualitativ hochwertigen Zustand sind. Sich seine Heilmittel aus Pflanzen zuzubereiten, die man selbst gesammelt oder geerntet und getrocknet hat, ist immer das Beste – aber aus offensichtlichen Gründen nicht immer möglich.

Bei der Auswahl einer Pflanze, die fremden Ursprungs ist, sollten wir zur Bestimmung ihrer Qualität unsere Sinne verwenden. Die typische Färbung der Heilpflanze muss deutlich erkennbar sein; die Pflanze sollte stark und aromatisch riechen und einen starken Geschmack haben. Das bedeutet nicht unbedingt, dass sie gut schmecken muss, aber der Geschmack sollte intensiv sein. All dies sind Anzeichen für die Kraft einer Pflanze. Wenn sie wie glanzloses Heu aussieht, kaum irgendeinen Geruch von sich gibt und nach nichts schmeckt, dann ist ihr Wert als wirksames Heilmittel zu bezweifeln. Und natürlich sollten wir biologisch angebaute Heilpflanzen kaufen. Sie kosten ein bisschen mehr, aber dafür bekommen wir qualitativ hochwertige Pflanzen, und das ist für ihre Verwendung als Heilpflanzen sehr wichtig. Flüssigextrakte sollten ebenfalls genau geprüft werden, und wir sollten von ihnen erwarten, dass sie die gleichen mit unseren Sinnen vorgenommenen Tests bestehen.

Wenn wir von jemandem hören, dass Heilpflanzen unwirksam sind, können wir uns sicher sein, dass die betreffende Person entweder die für ihre Konstitution und ihr Leiden falsche Pflanze verwendet hat, eine sofortige und wie durch ein Wunder geschehende Heilung erwartete oder, was das wahrscheinlichste ist, Pflanzen von schlechter Qualität genommen hat.

KAPITEL 7

Die spezifisch männliche Gesundheitspflege

Der Wald sei mit euch!

»Wenn du dich nicht um deinen Körper kümmerst,

wo willst du dann leben?«

Mickey Spillane

Gebrochene Herzen sind die häufigste Todesursache bei Männern. Um zu verhindern, dass uns das Herz gebrochen wird, müssen wir beginnen, einige Regeln für Männer zu brechen.

Ein gesundes Herz

Das Herz ist ein Organ, das empfängt und das Stress bewältigt. Es beherbergt die Gefühle – Gefühle uns selbst gegenüber und Gefühle gegenüber anderen Wesen. Es gibt eine etwas düstere Statistik, die das Gerücht nährt, dass kleine Jungen sechzig bis achtzig Prozent weniger umarmt und gehalten werden als kleine Mädchen. Die Tatsache, dass Männer emotional zurückhaltender agieren und nicht so spontan andere umarmen wie Frauen, hat vielleicht etwas damit zu tun. Durch das sinnliche Mittel der Umarmung Zuneigung auszudrücken und zu empfangen, drückt gleichzeitig aus, wie sich das Herz fühlt, und nährt letztlich diesen sensiblen Muskel.

Man sollte seine Tränen als Nektar des Herzens würdigen. Tränen können emotionalen Durst stillen. Sie werden in Augenblicken des Glücks geerntet und beim Erleben von Frustration, Trauer und Schmerz losgelassen. Sie sind eine gesunde Reaktion auf die anregenden Reize des Lebens und helfen uns dabei, emotionale und körperliche »Rückstände« von Stress loszuwerden. Das Weinen als Befreiung und Loslassen hat eine positive Auswirkung auf die Aufrechterhaltung eines gesunden inneren Gleichgewichts. Es gibt Theorien, nach denen sich die Anfälligkeit für Krankheiten erhöht, wenn Tränen unterdrückt werden. Mit Sicherheit ist die für eine Unterdrückung des Weinens notwendige Abtrennung von den eigenen Gefühlen ein Faktor, der hohen Blutdruck fördert und zu anderen Komplikationen mit dem Herzen beiträgt. Außer beim Zwiebelschneiden sind Männer seit Jahrhunderten »groß« und »erwachsen« und »weinen nicht« wie »kleine Jungs«. Die statistischen Daten bezüglich Herzkrankheiten bei Männern zeigen, dass diese Rolle ihren Tribut fordert. Gegenwärtig schließt das von unserer Kultur verschriebene Rollenbild für »echte Männer« die grundsätzliche Erlaubnis zum Weinen nicht mit ein, nicht einmal im privaten Rahmen. Es ist aber dringend erforderlich, dass wir die für das Testosteron zuständigen Organe einmal zusammenrufen und uns diese Erlaubnis geben. Sich gegenseitig kameradschaftlich unterstützende Männer können dies ebenfalls anderen Männern zugestehen. Wenn ich einen anderen Mann weinen sehe, wird mein Herz oft stark berührt von dem Ausdruck der Herzenskraft dieses Mannes und von der Wertschätzung, die er damit sich selbst gegenüber zeigt. Wir alle wissen, wie es sein kann, wenn wir uns gefühlsmäßig isolieren, um den Schein von Männlichkeit zu wahren. Ich habe das Gefühl, dass das Weinen bei sehr starkem Stress, Mitgefühl, tiefer Freude oder Trauer eine wirklich männliche Reaktion ist.

Sechs Grundsätze, die uns dabei helfen, unser Herz zu schützen

1. Das Gefühlsleben ins Gleichgewicht bringen!

Man sollte alle seine Gefühle zum Ausdruck bringen, und zwar sowohl die positiven als auch die sogenannten negativen. Alle Gefühle sind es wert, gezeigt zu werden. Wir sollten das besonders bei den Gefühlen, die Ausdruck unserer Wertschätzung und Zugewandtheit sind, tun. Gefühle wie Wahrhaftigkeit, Mitgefühl, Empörung, Verständnis, berechtigte Wut, Frustration, Sanftheit, Vergebung, Liebe, romantisches Schwärmen und Freude und ihr Ausdruck sind die Lieder unseres Lebens.

2. Häufig lachen und spielen!

Man sollte sich über diese Erfahrungen freuen, so wie wir es früher getan haben, und eine Balance finden zwischen produktiver, kreativer Arbeit und entspannenden, spielerischen Aktivitäten, ohne alles zu ernst zu nehmen. Spielen schärft den Verstand und normalisiert den Blutdruck. Es ist letztlich genauso produktiv wie Arbeit – Kinder würden sogar behaupten, es sei viel produktiver. Statt das Leben immer wieder mit häufigen Episoden losgelöster Leichtigkeit zu feiern, erliegen wir der gesellschaftlich anerkannten Droge des ununterbrochenen Arbeitens, um Spontaneität, Intimität und anderen Freuden des Lebens aus dem Weg zu gehen.

Wenn wir um zwölf Uhr mittags tanzen, dann geben wir damit unseren eigenen Pessimismus auf. Und dadurch könnten wir einen Teil des Panzers unseres Erwachsenseins von uns abwerfen und in unsere Sitten und Gebräuche ein wenig Gekicher zurückbringen. Meiner Überzeugung nach sind wir am engsten mit unserem wahren Selbst in Kontakt, wenn wir wirklich einen Riesenspaß haben – sei es bei der Arbeit oder beim Spiel. Wir fühlen uns gut, und sich gut zu fühlen, bedeutet, gesund zu sein.

»Unter welchem Papierstapel

liegt nur unsere Verzauberung verborgen?«

T. Elder Sachs

Lachen ist einfach sehr gut für unsere Gesundheit. Wie der Duft von Blumen löst Lachen Ärger oder Wut auf, vermindert Ängste, hebt die Stimmung bei Depressionen und bereichert alle Beziehungen. Lachen ist wirklich die allerbeste Medizin für uns Menschen.

Norman Cousins dokumentiert in seinem Buch Der Arzt in uns selbst, wie er wieder gesund wurde, als unter einer normalerweise sich immer weiter verschlimmernden, sehr schmerzhaften und mit großen Einschränkungen verbundenen Erkrankung der Wirbelsäule litt, die Spondylitis ankylosans (Morbus Bechterew) heißt. Er schildert, wie tägliche Dosen selbst verschriebenen Lachens seine Heilung unterstützten. Cousins berichtet in seinem Erfolgsbuch, dass nur zwanzig Minuten herzhaftes Lachen aus dem Bauch heraus (beispielsweise mithilfe von Filmausschnitten mit den Marx Brothers) ihm zwei Stunden schmerzfreien Schlaf schenkten und dies ganz ohne irgendwelche unerwünschten Nebenwirkungen. Medizinische Tests bestätigten ihm, dass nach jedem längeren Lachen seine Entzündung ein bisschen mehr nachließ. Er beschreibt die physiologischen und psychologischen Wirkungen des Lachens als eine Form einer im Sitzen durchgeführten Aerobic-Übung oder als etwas, was ich als »inneres Joggen« bezeichnen würde.2

Lachen verstärkt die Atmung, den Sauerstoffaustausch und die Muskeltätigkeit und stimuliert anscheinend auch die Absonderung von Hormonen, die Wachheit hervorrufen. Diese sogenannten Katecholamine wiederum lösen die Freisetzung von Endorphinen im Gehirn aus. (Das sind Wirkstoffe, die ein Empfinden von Glück hervorrufen und beispielsweise für das euphorische Gefühl von Langstreckenläufern verantwortlich sind.) Offensichtlich begünstigen diese Endorphine ein Gefühl der Entspannung und des Wohlbefindens und dämpfen die Schmerzwahrnehmung. Katecholamine verbessern außerdem die Durchblutung, was den Heilungsprozess beschleunigt und Entzündungen abschwächt.

Es gibt auch einige Belege dafür, dass Lachen die Reaktion des Immunsystems verbessert, indem es die Konzentration der Hormone verringert, die die Abwehrkräfte unterdrücken. Forscher halten es für durchaus vorstellbar, dass wir beim Lachen das Signal zum Gehirn aussenden, Endomorphine freizusetzen, die Rezeptoren aktivieren, die wiederum andere chemische Stoffe freisetzen, zu denen vielleicht sogar Stickstoffmonoxid gehört (vergleiche auch die Ausführungen zum Thema pflanzliche Helfer bei Erektionsstörungen in diesem Kapitel). Stickstoffmonoxid (Stickoxid, NO) führt direkt zu einer Erweiterung der Blutgefäße, was das Leben nicht nur für das Herz viel einfacher macht, sondern auch für alle mit einer Erektion verknüpften Gewebe von wesentlicher Bedeutung für die Erfüllung ihrer Aufgaben ist. Es ist leichter, sich zu lieben, wenn wir glücklich sind. Also, meine Herren, liebt euer Lachen und lacht, um zu lieben!

Dieses Leben ist nur von vorübergehender Dauer – und dies gilt umso mehr, wenn wir uns nicht besonders gut um unser Herz gekümmert haben. Also: Nicht zu ernst sein, sonst verpasst man den ganzen Spaß. Spielen und Lachen sind die beste Medizin für das Herz und am wirksamsten, wenn wir sie häufig verwenden.

3. Gewalt aus vollem Herzen ablehnen!

Gewalt ist Stress. Sie ist das schlimmste Gift für den Menschen. Sie ist der wichtigste Faktor bei der Erzeugung negativer Gefühle, insbesondere von Hass, Wut, Niedergeschlagenheit und Bedauern. Wenn solche Gefühle länger andauern, dann schädigen sie uns und machen uns anfälliger für Krankheiten, erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass sich bestehende Leiden verschlimmern, verringern die Wahrscheinlichkeit auf schnelle Genesung oder überhaupt die Chancen auf eine Erholung. Gewalt zu meiden, ist ein heroischer Akt und der einzige Weg, auf dem wir Männer die Gefängnisse entvölkern und die Kriegsmaschinerien ins Leere laufen lassen können. Es ist der Weg, die ermüdenden, künstlichen Grenzen aufzulösen, die unser unterschiedliches Zuhause, unsere Länder (und Religionen) voneinander trennen. Es nährt unser Herz, gegen die üblen Regeln zu verstoßen, wie Männer zu sein haben. Dadurch befreien wir unsere Söhne letztlich vom Joch des Krieges und können sie lehren, wirklich freie Männer zu sein.


Gewalt, Stress und negative Gefühle meiden! Faune beim Wettstreit, Villa Stuck, München.

4. Sich bewegen!

Bewegung könnte schon für sich die wirkungsvollste Methode sein, das heißt ohne die Verwendung irgendwelcher Heilmittel, mit der sich der Blutdruck normalisieren lässt. Bewegung hilft dabei, keine übermäßigen Pfunde Fett anzusetzen, entwickelt die Muskeln und unterstützt das Herz, indem sie für die rhythmischen Kontraktionen und Entspannungsphasen der Skelettmuskeln sorgt, durch die der Blutfluss und das Fließen der Lymphe gefördert werden. Wir sollten nicht vergessen, dass jedes zusätzliche Pfund auch zusätzliche Meter an Blutgefäßen erforderlich macht, die das Herz dann bedienen muss. Bewegung erfordert keinerlei Ausrüstung, nur unsere Muskeln, Knochen und Bindegewebe und vielleicht einen Zeitaufwand von zwanzig Minuten für eine Runde, die gute Wirkungen erzielt. Systematische Dehnübungen sind ebenfalls ausgesprochen wohltuend. Sie fühlen sich gut an und halten den Körper geschmeidig. Viele Bücher bieten genaue Ausführungen zu diesem Thema und schildern die entsprechenden Abläufe beim Yoga und anderen Übungsreihen mit Dehnübungen.

5. Einfache, köstliche, naturbelassene Nahrung essen und entsprechende Flüssigkeiten trinken!

Man sollte eine der Gesundheit förderliche Ernährung genießen, deren Grundlage verschiedene Eiweiße (Proteine) und komplexe Kohlenhydrate sind, zum Beispiel in Form von frischem Obst und frischem Gemüse. Der Preis für die qualitativ beste Nahrung, die man sich gegenwärtig leisten kann, lohnt sich. Wenn man sein Geld nicht für gute Nahrung ausgibt, die den Körper bei guter Gesundheit hält und ein gutes Gefühl vermittelt, wie kann man dann wirklich irgendetwas anderes genießen, für das man sein Geld ausgibt? Im zehnten Kapitel über die verschiedenen Konstitutionstypen lassen sich Vorschläge für eine auf die eigene spezifische Konstitution zugeschnittene Ernährung finden.

Genauso wichtig ist es, sich anzugewöhnen, viel klares Wasser zu trinken. Mindestens einen bis eineinhalb Liter pro Tag. Andere Getränke wie Kaffee, Tee oder Limonade dürfen nach aktuellen Studien (zum Beispiel DGE) in diese Menge einberechnet werden. Die Theorie, dass sie dem Körper letztlich mehr Wasser entziehen, als sie ihm zuführen, gilt heute als überholt. Erfrischend und belebend ist Wasser mit ein wenig frischer Minze, Zitronenmelisse oder Zitronenkraut darin oder auch mit einem kleinen Stück Zitrone oder Limone. Zur Bedeutung von Wasser für unsere Gesundheit gibt es inzwischen auch eine Reihe guter Bücher.

Ich habe auch herausgefunden, dass im Gegensatz zur allgemeinen Auffassung sich Öl doch mit Wasser mischt – zumindest dann, wenn es uns in Verbindung mit einem Fisch und als Bestandteil einer bestimmten Ernährungsweise begegnet. Fischöl ist reich an langkettigen Omega-3-Fettsäuren. Zwei dieser Fettsäuren wurden mit besonderen Namen versehen – Eicosapentaensäure und Docosahexaensäure, in Kurzform EPA und DHA. Es gibt noch Fettsäuren zu ihrer Unterstützung, aber die beiden sind die beiden Superstars unter den Fettsäuren.

Essenzielle Fettsäuren sind bemerkenswert wirkungsvolle Nahrungsbestandteile, die unsere Gesundheit fördern und endlich auch von der Wissenschaft und den Medien die Beachtung finden, die sie verdienen. Sechsunddreißig klinische Studien sowie entsprechende Erklärungen des Council on Responsible Nutrition, der American Heart Association und sogar der amerikanischen Behörde für Lebensmittelsicherheit und Arzneimittelzulassung (FDA) kommen übereinstimmend zu dem Schluss, dass alle Omega-3-Fettsäuren und insbesondere die in Fischöl vorkommenden ausgesprochen positiv auf die Gesundheit des Herzens einwirken und das Risiko von Erkrankungen dieses Organs senken. Diese Wirkungen werden sogar schon nach kurzer Zeit beobachtet.


Sich gesund ernähren und viel trinken!

Essenzielle Fettsäuren reduzieren die Triglyceridwerte, steigern die Konzentration von HDL im Blut (dem guten Cholesterin), regulieren den Herzschlag und machen die Bildung von Blutgerinnseln unwahrscheinlicher. Diese Wirkungen haben alle einen positiven Einfluss auf die Herzfunktion, stärken den Kreislauf und verbessern die Durchblutung.

Es ist interessant zu erfahren, wie die Omega-3-Fettsäuren dies bewerkstelligen: Sie ermöglichen den Zellmembranen, Flüssigkeit zu behalten und flexibel zu sein (so wie es die Kochsalzlösungen mit den Kontaktlinsen tun). Diese Funktion erlaubt dann einen ungehinderten Fluss von Glukose und Nährstoffen in die Zelle hinein und nachfolgend eine effiziente Freisetzung von Stoffen, die die Zelle nicht mehr benötigt. Man stellte auch fest, dass EPA und DHA den Prozess der Übermittlung bioelektrischer Botschaften erleichtern, was die Kommunikation zwischen den Zellen unterstützt.

Leider produziert unser Körper keine Omega-3-Fettsäuren, wir müssen also genügend große Mengen von ihnen mit unserer Nahrung aufnehmen. Fischöl ist der beste Lieferant für Omega-3-Fettsäuren. Natürlich bringt uns das zur Frage, woher wir guten Fisch bekommen und was schlechter Fisch ist (hinsichtlich des Geschmacks und seiner Belastung mit Schwermetallen). Beides könnte Einfluss darauf haben, ob wir nicht stattdessen zu einem gereinigten Ersatzstoff greifen.

Ich persönlich esse eigentlich lieber Fisch (weil ich auch das Eiweiß nutzen kann). Meine Nachforschungen ergaben, dass Lachs, Seezunge, Garnelen, Flunder und Königskrabben zu den eher guten Meerestieren gehören, die wir essen können, und Hai, Schwertfisch und Thunfisch zu denen gehören, die wir meiden sollten. Wenn wir uns für Nahrungsergänzungsmittel mit Fischöl entscheiden, mit denen wir Omega-3-Fettsäuren in ausreichenden Mengen aufnehmen können, sollten wir die Herstellerfirma sorgfältig auswählen und nicht zu sehr auf den Preis schauen. Außerdem sollte das Fischöl von Fischen stammen, deren Bestand nicht gefährdet ist und die aus Gewässern stammen, die nicht überfischt werden.

6. Die das Herz und die Gefäße stärkenden Heilpflanzen in die tägliche Ernährung mit einbeziehen!

Unsere Spezies isst Heilpflanzen und reibt sie sich auf die Haut, seit unsere primitiven Vorfahren aus der Ursuppe herausgekrochen sind. Die Gewebe des menschlichen Herzens sind von ihrer Biologie her mit den organischen Stoffen dieser pflanzlichen Helfer vertraut und reagieren positiv auf ihre nährenden Eigenschaften. Heilpflanzen sind sichere Nahrungsmittel mit spezifischen Wirkungen, die den Herzmuskel stärken und feinjustieren können und die gleiche Wirkung auf unser Nervensystem und das unübersichtliche Geflecht an Blutgefäßen haben. Zu den besten Heilpflanzen mit einer besonders starken Wirkung zur Kräftigung des Herzens und der Gefäße gehören Weißdornbeeren und -blüten; das Herzgespann beruhigt das Herz und verringert Herzklopfen; Ginkgo erweitert die Blutgefäße in der Peripherie unseres Körpers ungewöhnlich gut; Passionsblume beruhigt einen ängstlichen Geist; Schafgarbe kräftigt die Gefäße und kann außerdem übermäßige Blutungen stoppen; Knoblauch normalisiert den Blutdruck und drängt das LDL (das schlechte Cholesterin) aus dem Körper heraus; mögen wir es scharf, können wir mit Ingwer und Cayennepfeffer unseren Kreislauf anregen.

Verdauungsstörungen und Blähungen üben Druck auf das Herz aus, sodass alles, was die Verdauung unterstützt und Blähungen vermindert, auch dem Herz seine Funktionen erleichtert. Bitterpflanzen und unter ihnen besonders die mit einer entspannenden Wirkung wie Hopfen, Baldrian, Kamille (die alle auch windtreibend wirken) sowie Beifuß haben für die Unterstützung eines gesunden Herzens ebenfalls ihre spezifischen Funktionen (siehe auch im elften Kapitel bei den Ausführungen zu den entsprechenden Pflanzen, wo sich weitere Informationen über andere, die Gesundheit fördernde Wirkungen dieser Heilpflanzen finden).

Hoher Blutdruck und gesunder Blutdruck

Hoher Blutdruck ist einer der wichtigsten Risikofaktoren für Erkrankungen des Herzens oder der Gefäße. Also ist die Kontrolle des Blutdrucks für die Aufrechterhaltung eines gesunden Herzens von wesentlicher Bedeutung. Etliche Sparten einer Behandlung mit allopathischen Medikamenten stehen uns für die Behandlung hohen Blutdrucks zur Verfügung, aber die meisten von ihnen haben Nebenwirkungen, die von Müdigkeit bis Impotenz reichen. Als eine Alternative bei der Aufrechterhaltung der Gesundheit für den Mann (neben einem angemessenen Lebensstil und möglicherweise auch beruflichen Veränderungen) helfen Heilpflanzen mit blutdrucksenkender Wirkung dabei, zu hohen Blutdruck auf ein Normalmaß zurückzuführen und auch die systolischen und diastolischen Rhythmen beim Herzschlag zu normalisieren.

Aus einer ganzen Reihe von Gründen, die teilweise auf seine schmackhaften und teilweise auf seine eher störenden Eigenschaften zurückzuführen sind, fällt Knoblauch als blutdrucksenkendes Mittel bei Bluthochdruck besonders aus dem Rahmen. Neben dieser Wirkung (und auch der den Blutdruck normalisierenden Wirkung bei Menschen mit niedrigem Blutdruck) hat Knoblauch noch eine Menge mehr zu bieten: Er wirkt alterierend, also umstimmend oder zustandsverändernd, husten- und schleimlösend, antimikrobiell, krampflösend, galleflussfördernd, schweißtreibend und stärkend. Wenn wir diese Heilpflanze verwenden, können wir einerseits Bluthochdruck vorbeugen oder behandeln und gleichzeitig viele andere Organsysteme des Körpers unterstützen. (Außerdem ist er ein wesentlicher Bestandteil für ein leckeres Pesto. Ein Rezept dafür findet sich weiter hinten in diesem Kapitel.)

Andere Heilpflanzen mit stärkenden und blutdrucksenkenden Wirkungen können je nach den Bedürfnissen der Einzelperson miteinander kombiniert werden. Dazu zählen Schafgarbe (mit zusammenziehender, schweißtreibender und harntreibender Wirkung sowie bitterem Geschmack), Zwiebeln (mit husten- und schleimlösenden, antimikrobiellen, schweißtreibenden, leberstärkenden, kräftigenden und wundheilenden Wirkungen), Weißdornbeeren und -blüten (die herzstärkend und verdauungsfördernd wirken), Sibirischer Ginseng (der adaptogen wirkt und damit die Anpassungsfähigkeit des Körpers und seine Widerstandskraft bei außergewöhnlichen Belastungen erhöht, sowie allgemein stärkt) und Eisenkraut (mit krampflösender, schweißtreibender, leberstärkender und nervenstärkender Wirkung).

Andere Möglichkeiten, die uns dabei helfen, das Herz und die Gefäße kräftig und den Blutdruck im entspannten Normalbereich zu halten, und die nicht auf der Einnahme von Heilpflanzen oder deren Zubereitungen beruhen, sind die folgenden:

• Wir sollten die Zufuhr von Natrium begrenzen. Der moderne Mensch nimmt ungefähr zehnmal so viel Natrium zu sich wie seine primitiven Urahnen; und offensichtlich hatten diese Verwandten von uns keine Probleme mit zu hohem Blutdruck. Sie aßen auch ungefähr das Fünfzehnfache der Menge des konsumierten Natriums an Kalium. Heute essen wir viel mehr Natrium als Kalium. Eine natriumarme Kost mit viel Kalium scheint einfach die bessere Ernährungsweise darzustellen. Frisches Obst und Gemüse, Wegerich- und Löwenzahnblätter sowie Meeresgemüse wie Kelp (eine Braunalge) enthalten alle viel Kalium.

• Der Konsum von Öl sollte auf ein Minimum beschränkt werden. Dies trifft insbesondere auf gesättigte Fettsäuren zu. Das bedeutet jetzt nicht, alle gesättigten Fettsäuren aus unserem Speiseplan zu verbannen. Allerdings sollten wir daran denken, die Zufuhr von gesättigten Fettsäuren mit der von ungesättigten Fettsäuren auszugleichen. Der Körper benötigt eine ausgewogene Zufuhr von beiden Fettsäuren, um die Effizienz seiner Stoffwechselfunktionen aufrechtzuerhalten. Dies können wir dadurch unterstützen, dass wir bei unserer Ernährung auf möglichst naturbelassenes (Färber-)Distelöl, Rapsöl, Sesamöl, Sonnenblumenöl, Weizenkeimöl, Mandelöl oder Erdnussöl zurückgreifen. Diese Öle sind hervorragende Lieferanten von ungesättigen Fettsäuren. Margarine sollte völlig aus Küche und Esszimmer verschwinden, da sie auf extreme Weise nur vortäuscht, ein gutes Nahrungsmittel zu sein. Sie sollte zusammen mit Aspartam ganz weit weg in der Garage landen. Stattdessen ist eine Mischung aus Distelöl oder Sesamöl und Butter für eine ausgewogene Ernährung eine viel bessere Grundlage. Wir sollten auch beachten, dass Schmalzöl, Palmöl und Palmkernöl einen extrem hohen Anteil an gesättigten Fettsäuren aufweisen. Anstelle von Butter ist es eine gute Idee, ein wenig Sesamöl mit Gewürznelken und einer kleinen Menge Apfelweinessig auf unsere gebackene Kartoffel zu geben. Ich habe allmählich immer mehr Gefallen an diesem Geschmack gefunden, und mittlerweile verwende ich diese Mischung sehr häufig. Wenn ich dann, was selten passiert, Butter auf meine Kartoffel gebe, ist das jetzt ein ganz besonderer Genuss. (Es ist wichtig, bei jeder strikten Diät ein bisschen zu schummeln. Unnachgiebige Starrheit ist nicht gut für gesundes Essen.)

• Wenn es nötig ist, sollten wir unser Gewicht reduzieren und uns genügend bewegen oder irgendeine regelmäßige Aerobic-Übung in unseren Tagesplan einfügen. Körperliche Bewegung an sich reicht schon aus, um den Blutdruck zu senken, und zwar unabhängig von allen Veränderungen in der Ernährung und beim Gewicht. Wer unbedingt im Schnellimbiss einen Burger und Fritten essen muss, der sollte den Weg dorthin und zurück zu Fuß gehen, und zwar mit schnellen Schritten hin und gemächlich zurück.

• Der Konsum von Alkohol sollte eingeschränkt werden. Alkohol ist anscheinend der häufigste Grund für heilbaren Bluthochdruck.

• Wir sollten das Rauchen ganz lassen und unseren Kaffeekonsum einschränken. Also: Zigaretten wegwerfen und sich gelegentlich eine angenehme Tasse heißen Kaffee gönnen. Weder Kaffee noch Zigaretten scheinen zwar Bluthochdruck zu verursachen, aber Nikotin bewirkt andere krankhafte Veränderungen, die zu Herzerkrankungen führen können, und weggeworfene Zigarettenstummel sind Gift für Vögel und auch für Wasserlebewesen nichts anderes als eine Verunreinigung. Eine rituelle Tasse Kaffee (ein Hauch von bitterem Geschmack) scheint die Ernährungssünde mit den geringsten negativen Folgen zu sein. Kaffee ist eine die Nerven stimulierende Substanz und in geringer Dosierung für all jene von Nutzen, die von dieser Wirkung profitieren können. Wenn unser Nervensystem allerdings eine Gier nach dieser Droge entwickelt, tun wir gut daran, unseren Körper auch mit nervenstärkenden Mitteln zu versorgen wie beispielsweise Flug-Hafer (Avena fatua) und Helmkraut. Auf diese Weise geben wir unseren Nerven die Nährstoffe, die sie in ihren Funktionen unterstützen, während wir sie gleichzeitig mit Koffein bedrängen.

Arteriosklerose und gesunde Arterien

Arteriosklerose ist zwar als Verhärtung der Arterien bekannt, aber eigentlich nicht ein Zustand, in dem das Gewebe der Arterien tatsächlich hart wird. Arterien sind aus verschiedenen Gewebeschichten aufgebaut. Der erste Impuls zu einer Verhärtung oder Versteifung wird durch den erhöhten Blutdruck einer Person gegeben, der das Blut durch die Arterien treibt. Dieser gesteigerte Puls führt schließlich zu Entzündungen und Verletzungen des Arteriengewebes. Über diese verletzten Bereiche legt sich dann ein Belag aus arteriosklerotischer oder atheromatöser Plaque, der dann letztlich hart wird. Um mit dieser Entzündung fertig zu werden, legt der Körper schließlich noch eine schützende Schicht aus Kalziumablagerungen darüber, und zu diesem Zeitpunkt könnte man sagen, dass die Arterien sich tatsächlich verhärten.

Arteriosklerose entsteht also dann, wenn sich eine Art klebrige Schmiere (das wäre mein eher nicht so feines Wort für den wissenschaftlichen Begriff atheromatös) auf die inneren Oberflächen der Arterien legt. Diese Schmiere verhärtet sich dann, und dieses Atherom ist ein Belag, der aus einer Kombination aus Cholesterin und vielen anderen schmierigen Stoffen gebildet wird und sich überall im Körper ablagern kann. Die durch Stress abgesonderten Nebennierenhormone, die nicht ausreichend aufgebraucht werden, tragen ebenfalls stark zur Bildung dieses Belages bei. Mit der Zeit wird dieses Atherom hart und spröde.

Sklerose bedeutet »Verhärtung«; daher ist Atherosklerose der Name für einen krankhaften Prozess, der überall im Körper stattfinden kann, und der auf eine Verhärtung dieses Atheroms verweist. Arteriosklerose ist der Begriff, der eine Atherosklerose bezeichnet, die in den Arterien stattfindet und diese tunnelartigen Gefäße blockiert. Der Blutdruck wird durch die Verringerung des Innendurchmessers der Arterien direkt beeinflusst, und auch der Blutfluss wird dadurch stark gehemmt. Durch den Verlust an Elastizität dieser Blutgefäße muss das Herz zusätzliche Arbeit leisten. Entscheidend für die erfolgreiche Behandlung einer Arteriosklerose sind wie bei den meisten degenerativen Erkrankungen die Ernährung, Heilpflanzen, Stressreduzierung und eine Veränderung der Lebensweise.

Zusammenfassend lässt sich zur Ernährung bei Arteriosklerose sagen, dass der übermäßige Konsum von Fleisch, Milchprodukten, Salz und Ölen, Tabak und Alkohol zu vermeiden ist. Eine Ernährung, die viele komplexe Kohlenhydrate enthält, reich an Ballaststoffen, fettarm und reich an qualitativ hochwertigem Eiweiß ist und viel Obst und Grüngemüse umfasst, und das Trinken von viel Wasser wird eher empfohlen. Ferner natürlich tägliche Bewegung in ausreichendem Maße (die dem Körper dabei hilft, die Sekrete der Nebennieren aufzubrauchen). Wahrscheinlich wird das bereits allgemein bekannt sein. Vielleicht ist aber nicht bekannt, dass Phytosterine, wie sie in großer Menge in allen grünen Pflanzenblättern vorkommen, den Aufbau von Cholesterin im menschlichen Körper stark verringern und gleichzeitig eine gesunde Form darstellen, ausreichend Ballaststoffe aufzunehmen. Nach körperlicher Bewegung ist der regelmäßige Verzehr einer Vielzahl unterschiedlicher grüner Blattgemüse hoher Qualität vielleicht die beste Medizin zur Vorbeugung.

Außerdem sollten wir bei unserer Ernährung Knoblauch verwenden. Drei Knoblauchzehen am Tag halbieren die Menge an Cholesterin, das gebildet wird und sich ablagert. Leider wird diese Maßnahme vermutlich auch unsere sozialen Kontakte um die Hälfte reduzieren, sodass man vielleicht den Wunsch verspürt, Knoblauch entweder zu kochen oder ihn einzulegen, um so seinen hartnäckigen Geruch zu beseitigen. Das Kochen von Knoblauch beeinträchtigt die positiven Wirkungen dieser Heilpflanze bezüglich der Eindämmung der Atherombildung nicht; allerdings zerstört es die antimikrobiellen Wirkungen dieser Pflanze. Knoblauch einzulegen, verringert den der Geselligkeit schadenden Geruch, hat aber keinen negativen Einfluss auf die antimikrobielle Wirkung. Frischen Knoblauch kann man mit der folgenden Methode auf köstliche Weise einlegen:

½ Tasse frisch geschälte ganze Knoblauchzehen

½ Tasse Tamari-Sojasauce (wenn möglich eine natriumarme Variante)

¼ Tasse naturbelassener Honig

¼ Tasse klares Wasser

Alle Zutaten in ein Glasgefäß geben und fest verschließen. Das Gefäß in den Kühlschrank stellen und mindestens einen Monat lang dort stehen lassen. Der Inhalt ist unbegrenzt haltbar. Von den ganzen, eingelegten Knoblauchzehen sollte man mindestens drei Stück am Tag essen. Sie schmecken auch mit grünen Oliven und Käse gut.

Frischen Knoblauch kann man auch als Zutat zu einem Pesto zu sich nehmen. Dabei kommt die das Immunsystem stärkende Wirkung von frischem Basilikum noch zu den Wirkungen des Knoblauchs hinzu. Das Ganze wird ergänzt durch die Nährstoffe des Olivenöls und der Pinienkerne. Von solch einem Pesto kann man auch im Freundeskreis auf sozial verträgliche Weise größere Mengen genießen. Für seine frische Zubereitung werden die folgenden Zutaten kombiniert:

1½ Tassen frische Basilikumblätter (fest zusammengedrückt); ganz nach Vorliebe kann man ½ Tasse Basilikumblätter auch durch ½ Tasse frischer Brennnesselblätter ersetzen – mit der entsprechenden Behutsamkeit – und/oder durch Petersilie in der gleichen Menge.

3 bis 5 frische, geschälte Knoblauchzehen (oder mehr)

¼ Teelöffel Meersalz

⅓ Tasse (von den Schalen befreite) Pinienkerne (oder Walnüsse)

½ Tasse geriebener Romano- oder Parmesankäse

⅓ Tasse natives Olivenöl extra

Senföle wie in Knoblauch oder Bärlauch sind gut für die Gefäße, zum Beispiel als leckeres Pesto.

Alle oben angeführten Zutaten (bis auf das Olivenöl) werden in einen Mixer oder eine Küchenmaschine gegeben und miteinander vermischt, bis eine dickflüssige Paste entsteht. Dann wird (während die Maschine noch arbeitet) das Olivenöl der Mischung hinzugefügt. Dieses Rezept ergibt ungefähr 1 Tasse Pesto. Pesto ist ein intensiv schmeckendes Nahrungsmittel mit einem hohen Anteil an Öl. Man »sollte« sich bei seinem Verzehr mäßigen. Allerdings ist mir das nie gelungen.

Man kann Arteriosklerose mit Heilpflanzen behandeln oder mit ihnen dazu beizutragen, dass sie erst gar nicht entsteht. Hierbei sind die folgenden vier Heilpflanzen angezeigt, deren Wirkungen eine starke Affinität zum Herzen und zu den Blutgefäßen aufweisen: Weißdorn, Linde, Ginkgo und Schafgarbe. Eine Rezeptur aus diesen vier Pflanzen kann dabei helfen, einer Verhärtung der Arterien entgegenzuwirken, insbesondere wenn man dabei noch andere Heilpflanzen einsetzt, die sich hier als Stärkungsmittel eignen.

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