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Europa und Asien
Dr. Isabella Ackerl, geb. 1940 in Wien, Studium der Geschichte und Germanistik an der Universität Wien, Promotion zum Dr. phil.; seit 1971 wissenschaftliche Sekretärin der »Wissenschaftlichen Kommission des Theodor-Körner-Stiftungsfonds und des Leopold-Kuntschak-Preises zur Erforschung der Geschichte der Ersten Republik«. Seit Dezember 1981 Bundespressedienst in Wien. Zahlreiche Publikationen und Lexikonartikel.
Zum Buch
Die Staaten der Erde Europa und Asien
Der Band bietet eine kurz gefasste Übersicht, gleichsam eine Momentaufnahme des Status quo des jeweiligen Landes. Berücksichtigt werden seine Geschichte, seine allgemeine politische Positionierung, und vor allem seine wirtschaftliche Lage. Am Beginn stehen jeweils Eckdaten wie Größe und Bevölkerungszahlen, religiöse und ethnische Gliederung, sowie Währung und Sprachen. Die einzelnen Staaten sind übersichtlich in alphabetischer Reihenfolge angeordnet.

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Lektorat: Dr. Lars Hoffmann, Roßdorf
Covergestaltung: Thomas Jarzina, Köln
Karten: © by WAY OK …wegweisend, Stuttgart. www.way-ok.de
Bildnachweis: akg-images GmbH, Berlin
eBook-Bearbeitung: Bookwire GmbH, Frankfurt am Main
ISBN: 978-3-8438-0226-0
www.marixverlag.de
ISLAMISCHER STAAT A FGHANISTAN (AFG)

Fläche
652.090 km2
Hauptstadt
Kabul (1,4 Mio. Einw.)
Währung
1 Afghani (AF) = 100 Puls (PL)
Staatsform
Islamische Republik
Parlament
Parlament mit 249 Sitzen
Religion
Muslime 99%, davon 84% Sunniten, 15% Schiiten, sonstige 1%
Einwohner
24,8 Mio. (1t. UNFPA-Weltbevölkerungsbericht)
Sprachen
Paschtu, Dari und andere
Gliederung
31 Provinzen
Staatsoberhaupt
Staatspräsident
Nationalfeiertag
18. August
Nationalitäten/Ethnien
Paschtunen 38%, Tadschiken 25%, Hazara 19%, Usbeken 6%, sonstige 12%
Internet www.afghanembassy.net
Geschichte
Afghanistan, einst Teil des Perserreiches unter König Kyros, wurde von Alexander dem Großen erobert und wurde nach dessen Tod dem Herrschaftsbereich der Seleukiden zugesprochen. Um 130 v. Chr. entstand im Norden das buddhistische Kuschan-Reich. Den Süden beherrschten vorwiegend die persischen Sassaniden. Etwa um das 10. Jh. n. Chr. wurde das Land durch die Araber islamisiert. Mitte des 18. Jh. gründete Ahmad Schah Durani ein unabhängiges Königreich. Sowohl das zaristische Russland als auch Großbritannien versuchten im 19. Jh. im Land Einfluss zu gewinnen. Mit dem Durand-Akommen von 1893 sicherten sich die Briten gegen eine Zahlung von 60.000 Pfund die Vorherrschaft. 1907 wieder unabhängig von Großbritannien, bleibt das Land im Ersten Weltkrieg neutral. Versuche von Emir Aman Ullah, innere Reformen einzuleiten, stießen auf den vehementen Protest der islamischen Geistlichkeit. 1931 schloss Afghanistan, inzwischen eine konstitutionelle Monarchie geworden, einen Nichtangriffspakt mit der Sowjetunion, der immer wieder erneuert wurde. 1947, anlässlich der Gründung Pakistans, kam es zu Spannungen mit diesem Nachbarland. 1973 nach dem Tod von Mohammed Zahir Shah, der auch im Zweiten Weltkrieg neutral geblieben war, kommt es zu einem Staatsstreich durch Daud Khan, der die Republik ausrief. 1979 besetzen sowjetische Truppen nach einem prokommunistischen Putsch das Land und setzten das ihnen hörige Regime Babrak Kamals ein, der von Mohammad Nadschibullah abgelöst wurde. Eine große Fluchtbewegung antikommunistisch gesinnter Bevölkerungsgruppen nach Pakistan setzte ein. Es kam zu einem für die Russen verlustreichen Krieg gegen die Mudschaheddin (= der den Heiligen Kampf führt), was 1989 nach einem amerikanisch-russischen Abkommen zum Abzug der sowjetischen Truppen führte. Nach einem Bürgerkrieg übernahmen 1992 die Mudshaheddin die Macht, 1996 besetzten die radikalislamischen sunnitischen Taliban die Hauptstadt Kabul. Nach dem 11. September 2001 forderten die Amerikaner vom Talibanregime die Auslieferung des Terroristen Osama Bin Ladin, von dem angenommen wurde, dass er in den unwegsamen Bergen Afghanistans Unterschlupf gefunden hätte. Da das Talibanregime ablehnte, kam es zu amerikanischen Luftangriffen, die 2002 den Sturz der Taliban und die Einsetzung des von der Versammlung der Stämme (Loya Jirga) gewählten Hamid Karzai als Übergangsstaatschef zur Folge hatten.
Politisches System
Dank der Besatzung durch internationale UN-Truppenkontingente macht Afghanistan inzwischen geringfügige demokratische Fortschritte, 2005 wurden demokratische Wahlen abgehalten. Doch noch immer kämpfen in einigen Landesteilen die Taliban, unterstützt von Al-Qaida-Einheiten. 2006 flackerten die Kämpfe erneut auf. Weder Presse- noch Religionsfreiheit konnte bisher durchgesetzt werden. In einigen Provinzen haben noch immer Warlords das Sagen.
Wirtschaft
Durch den jahrelangen Krieg ist die Volkswirtschaft des Landes völlig zerstört, Schätzungen der Weltbank für den Wiederaufbau bewegen sich in einer Größendimension von 20 Mrd. Dollar.
Afghanistan, das zu 50% Ödland ist, wird zu vier Fünftel landwirtschaftlich genutzt. Nomadische Viehwirtschaft ist eine wichtige Säule der Versorgung. Es gibt kaum Industrie, dagegen ist der Anteil an traditionellem Handwerk groß. Eine wichtige Erwerbsquelle für die bäuerliche Bevölkerung ist der Anbau von Schlafmohn, den die Regierung einschränken will. 2006 wurde ein umfangreiches Elektrifizierungsprogramm beschlossen, finanziert wird es mit einer Aufbauhilfe von 8,7 Mrd. €, die zu einem großen Teil von der Weltbank kommt.
REPUBLIK ALBANIEN (AL)

Fläche
28.784 km2
Hauptstadt
Tirana (523 000 Einw.)
Währung
1 Lek = 100 Quindars.
Staatsform
Parlamentarische Republik
Parlament
Volksversammlung mit 155 Abgeordneten (für vier Jahre gewählt)
Religion
Muslime 65%, Christen 33%, davon Orthodoxe 20% und Katholiken 13%, sonstige 2%
Einwohner
3,1 Mio
Sprache
Albanisch (Toskisch)
Gliederung
Hauptstadtdistrikt und 35 Bezirke
Staatsoberhaupt
Vorsitzender des Präsidiums der Volksversammlung
Nationalfeiertag
28. November und 19. Oktober (Geburtstag von Mutter Teresa)
Nationalitäten/Ethnien
Albaner 96,8%, Griechen 1,8%, sonstige 1,4%
Internet www.parlament.al
Geschichte
Bereits um 1000 v. Chr. sind in Albanien illyrische Siedlungen nachgewiesen. 30 v. Chr. geriet das Land unter römische Herrschaft und blieb dies auch unter den Byzantinern als den Rechtsnachfolgern der Römer. Ab dem 5. Jh. n. Chr. sickern slawische Völker ein. Kurz etablierte sich Anfang des 13. Jh. ein unabhängiges Fürstentum, doch schon im letzten Viertel des 14. Jh. besetzten die Osmanen Albanien. Es kam zu einer weitgehenden Islamisierung. In der zweiten Hälfte des 15. Jh. gelang es Skanderbeg (eigentlich: Georg Kastriota) kurzfristig, die osmanische Herrschaft zu verdrängen, doch nach seinem Tod geriet Albanien wieder unter osmanische Kontrolle. In der ersten Hälfte des 19. Jh. kam es immer wieder zu antitürkischen Aufständen. Erst nach dem Balkankrieg erreichte Albanien 1912 seine Unabhängigkeit. Im Ersten Weltkrieg wurde es wieder ein Spielball der kriegführenden Mächte: Den Norden des Landes besetzten die Mittelmächte, den Süden die Italiener. 1914 wird Wilhelm zu Wied als Herrscher eingesetzt. 1919 wurde Albanien selbstständig. Drei Jahre später übernahm Achmed Zogu die Regierungsgewalt, 1925 auch das Amt des Staatspräsidenten. 1928 rief er sich zum König aus. Außenpolitisch lehnte sich Albanien gänzlich an das faschistische Italien an, was zu Spannungen mit Jugoslawien und Griechenland führte. 1939 wurde Albanien neuerlich von italienischen Truppen besetzt. Nach der Kapitulation Italiens im Jahre 1943 übernahmen bis November 1944 am Balkan operierende deutsche Truppen die Besatzung. Dagegen formierte sich eine kommunistische Widerstandsbewegung, die vor allem von Marschall Tito unterstützt wurde. Mit Hilfe Moskaus bildete sich nach dem Zweiten Weltkrieg eine Volksfrontregierung. Der Kommunist Enver Hoxha übernahm die Macht und errichtete eine Volksrepublik, die den gesamten Grundbesitz verstaatlichte. 1955 trat Albanien der UNO und dem Warschauer Pakt bei. Nach Etablierung des von Moskau unabhängigen Kurses im ehemaligen Jugoslawien kam es zu Spannungen mit diesem Nachbarstaat. Nach dem 20. Parteitag der KPdSU, bei dem Chruschtschow die stalinistische Politik vehement kritisiert hatte, wandte sich Albanien von Moskau ab und schwenkte auf die chinesische Linie ein. Nach dem Beispiel Chinas wurde eine strikte atheistische Politik betrieben, Religionsausübung verboten, alle Kirchen und Moscheen wurden geschlossen. Seit 1991 ist Albanien eine präsidiale Republik.
Politisches System
Seit der Wende versucht Albanien wieder Anschluss an die europäische Politik zu finden. Inzwischen sind politische Parteien zugelassen, langsam entfaltet sich eine demokratische Struktur. Freie Wahlen fanden erstmals 1991 statt. Unmittelbar nach der Wende flohen viele Albaner, vor allem Intellektuelle, nach Italien, um dort ein besseres Fortkommen zu finden. Mit dem benachbarten Serbien besteht wegen des Kosovo, einer überwiegend von Albanern (etwa 2 Mio.) bewohnten Teilrepublik, ein gespanntes Verhältnis. 2006 schloss Albanien mit der EU ein Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen ab.
Wirtschaft
Albanien ist der am wenigsten industrialisierte Staat Europas. Während der sozialistischen Planwirtschaft wurde auf der Basis von 5-Jahres-Plänen der wirtschaftliche Schwerpunkt auf die Rohstoffgewinnung und -verarbeitung gelegt. Noch liegt die Arbeitslosigkeit bei etwa 20%. Albanien verfügt über Erdöl und Erdgas, sowie über Asphalt und Kupfervorkommen. Ein wichtiger Devisenbringer sind Chromerze, bei denen Albanien der zweitgrößte Exporteur weltweit ist.
FÜRSTENTUM ANDORRA (AND)

Fläche
453 km2
Hauptstadt
Andorra la Vella (20.800 Einw.)
Währung
1 Euro = 100 Cent.
Staatsform
Konstitutionelles Fürstentum
Parlament
Generalrat mit 28 Abgeordneten (für 4 Jahre gewählt)
Religion
Katholiken 94,2%, Juden 0,4%, sonstige 5,4%
Einwohner
72.300 (2003)
Sprachen
Katalanisch, Spanisch, Französisch
Gliederung
7 Gemeindebezirke
Staatsoberhaupt
Spanischer Bischof von Urgel, französischer Staatspräsident
Nationalfeiertag
8. September
Nationalitäten/Ethnien
Spanier 43%, Andorraner 33%, Portugiesen 11%, Franzosen 7%, sonstige 6%
Internet www.govern.ad
Geschichte
Andorra, Teil des Römischen Reiches bis zu dessen Ende, wurde um 700 n. Chr. von den Mauren erobert. Um 800 wurde es Teil des Frankenreiches Karls des Großen. Unter der Herrschaft seines Enkels Karl des Kahlen ging Andorra als Lehen zuerst an den Grafen und dann an den Bischof von Seo de Urgel. Als die Linie der Grafen von Urgel ausstarb, erhoben die französischen Erben, die Grafen von Foix, Anspruch auf das Gebiet. Schließlich wurde der Streit geschlichtet, der Vertrag von Paréage geschlossen, der ein Condominium beider Rechtsträger vorsah. Dieses auf feudale Wurzeln zurückgehende System bestand bis 1993, d.h. dass der Bischof von Urgel und der französische Staatspräsident gemeinsam das Territorium von Andorra regierten und nach außen repräsentierten. Damit ist Andorra neben dem Vatikan der einzige kirchlich gelenkte Staat der Welt. Seit 1981 ist der Kleinstaat weitgehend souverän, der jeweilige Regierungschef übernimmt teilweise die Aufgaben eines Staatsoberhauptes. Die spanische bzw. französische Oberhoheit ist nur mehr eine formale.
Politisches System
1993 wurde eine neue Verfassung beschlossen, die Gründung von politischen Parteien wurde erlaubt. Auch eine unabhängige Justiz wurde installiert. Im Jahr 1969 wurden erstmals allgemeine Wahlen für den Generalrat abgehalten, 1993 entschieden sich die Bewohner in einem Referendum für die Umgestaltung ihres Territoriums in ein souveränes parlamentarisches Fürstentum, wodurch Andorra auch internationalen Organisationen beitreten kann. Das Parlament, der Generalrat, besteht aus gewählten Vertretern der sieben Gemeindebezirke, die je vier Abgeordnete entsenden. Alle zwei Jahre wird die Hälfte der Abgeordneten neu gewählt. Andorra kennt keine allgemeine Wehrpflicht, nur eine Bewaffnungspflicht, d.h. jeder männliche Einwohner gehört mit eigenen Waffen der Volksmiliz an.
Die Bewohner Andorras sind nicht einkommensteuerpflichtig. Nur 20% der Einwohner Andorras sind auch Staatsbürger, das Bürgerrecht zu erhalten ist ziemlich schwierig. Viele Franzosen und Spanier haben Andorra zu ihrem Zweitwohnsitz gewählt. Andorra la Vella ist die höchst gelegene Hauptstadt Europas.
Wirtschaft
Andorras Wirtschaft fußt zu einem großen Teil auf der Tatsache, dass das Land Zollfreigebiet und damit beliebtes Einkaufsziel von Tagestouristen ist. War noch vor dem Zweiten Weltkrieg die Landwirtschaft die wichtigste Einnahmequelle der Bewohner, ist mittlerweile der Tourismus an diese Stelle getreten. Mehr als 40% der Beschäftigten arbeiten im Tourismus, der 80% des BIP erwirtschaftet. Heute leben bereits zwei Drittel der Einwohner in einem urbanen Umfeld. Einreisen nach Andorra kann der Tourist – es kommen vorwiegend Tagestouristen (im Jahr 2005 waren es mehr als 8,6 Mio.) – nur über die Straße, es gibt weder Eisenbahnen noch einen Flughafen. Mittlerweile wird der Wintertourismus mit Schifahren intensiv beworben.
Außerdem nutzt Andorra seine zahlreichen Flüsse zur Gewinnung von Energie aus Wasserkraft, die großteils nach Spanien exportiert wird. Ein wirtschaftlich bedeutender Faktor ist auch der Verkauf von Briefmarken sowie Einnahmen von Konzessionsgebühren verschiedener Rundfunkanstalten. Haupthandelspartner Andorras sind die Länder der Europäischen Union. Nennenswerte Industriebetriebe gibt es nicht, nur Kleingewerbe und eine klein dimensionierte Tabak verarbeitende Industrie. Auf Grund der Höhenlage floriert Rinderhaltung und Almwirtschaft. Auf den landwirtschaftlich genutzten Flächen werden in erster Linie Kartoffeln und Tabak angepflanzt.
REPUBLIK ARMENIEN (ARM)

Fläche
29.800 km2
Hauptstadt
Jerewan (1,3 Mio. Einw.
Währung
1 Dram = 100 Luma
Staatsform
Präsidiale Republik
Parlament
Abgeordnetenversammlung, bestehend aus 131 Parlamentariern (für 4 Jahre gewählt)
Religion
Armenisch- und Russisch-Orthodoxe 94%, Muslime 6%
Einwohner
3 Mio.
Sprachen
Armenisch, Russisch, Kurdisch
Gliederung
11 Bezirke
Staatsoberhaupt
Präsident
Nationalfeiertag
21. September
Nationalitäten/Ethnien
Armenier 93%, Aseri 3%, Russen 2%, Kurden 2%
Internet www.armeniaemb.org
Geschichte
Schon im 6. Jh. v. Chr. ist auf dem Gebiet des heutigen Armenien ein Königreich Urartu nachgewiesen. Danach gehörte Armenien zum Meder- und Perserreich. Nach dem Sieg Alexanders des Großen wurde es Teil seines Reiches, nach dessen Tod gelangte es unter die Herrschaft der Seleukiden. 189 v. Chr. wurde das Land von Rom erobert und in zwei Provinzen geteilt. Erst im der Mitte des 1. Jh. v. Chr. gelang des dem römischen Vasallenkönig Tigranes II., das Land wieder zu einen und auch zu vergrößern. Doch in der Folge blieb Armenien immer ein Zankapfel zwischen den Römern und den benachbarten Parthern. Um 300 n. Chr. wurde das Christentum in Armenien als erstem Land der Erde zur Staatsreligion erhoben. Ende des 4. Jh. n. Chr. erfolgte wieder eine Teilung Armeniens in einen byzantinischen und einen persischen Landesteil. Ab Mitte des 7. Jh. machten es die Araber sich untertänig, beließen dem Land aber eine gewisse Autonomie. Mit der Invasion seldschukischer Turkvölker wurde Armenien Teil des türkischen Reiches. In den folgenden Jahrhunderten wurde es immer wieder ein Streitobjekt zwischen dem Osmanischen Reich und dem Iran. Anfangs des 19. Jh. drangen die Russen über den Kaukasus nach Süden vor. Wieder wurde Armenien zum Spielball, nun zwischen Russen und Türken, die beide immer wieder Massaker an der armenischen Bevölkerung verübten. Im Ersten Weltkrieg wurden 1915 auf türkischen Befehl 1,7 Mio. Armenier nach Syrien und Mesopotamien deportiert. Allein 600.000 von ihnen starben dabei. Die Türken wurden 1916 von den Russen abgelöst, nur 1918 bis 1920 konnte sich das Land einer kurzen Phase der Unabhängigkeit erfreuen. Auch der Vertrag von Sèvres sah eine armenische Unabhängigkeit vor, dieser Vertrag wurde aber nie ratifiziert. In diesem Vertrag musste Armenien die Region um den Berg Ararat, der noch heute das Staatswappen ziert, an die Türkei abtreten. Nach Besetzung durch die Rote Armee wurde es 1922 gemeinsam mit Georgien und Aserbaidschan als Transkaukasische Volksrepublik dem Sowjetimperium eingegliedert. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion erklärte sich Armenien im September 1991 selbstständig. Zwei Jahre später kam es wegen der Region Berg-Karabach zu Auseinandersetzungen mit Aserbaidschan.
Politisches System
Seit 2005 verfügt Armenien über eine Verfassung, die eine strikte Gewaltenteilung vorsieht. Das Parlament besteht aus einer Kammer und wird alle vier Jahre neu gewählt. Etwa zwei Drittel der Spracharmenier leben im Ausland. Sie können inzwischen wieder die Staatsbürgerschaft erwerben. Der armenische Präsident wird direkt vom Volk gewählt. Eines der wichtigsten Ziele der Außenpolitik ist die Anerkennung des Völkermordes durch die Türkei.
Wirtschaft
In den Ebenen Armeniens herrscht trockenes kontinentales Klima, das den Anbau von Feigen, Grapefruits und Weintrauben erlaubt. In den höheren Gebirgsregionen ist Almwirtschaft möglich. Insgesamt macht die Landwirtschaft trotz fortschreitender Industrialisierung noch immer einen wichtigen Wirtschaftszweig aus.
An Rohstoffen werden Kupferoxide, Gold, Zink, Uran und Halbmetalle ausgebeutet, dazu kommen verschiedene Gesteine.
In Armenien werden Chemikalien, Präzisionsinstrumente, Maschinen, Textilien und Lederwaren produziert. Es gibt eine in den Export gehende Konservenproduktion. Hinsichtlich der Energieversorgung ist Armenien außer einem geringen eigenen Aufkommen durch Wasserkraft fast völlig von russischen Lieferungen abhängig.
ASERBAIDSCHANISCHE REPUBLIK (AZ)

Fläche
86.600 km2
Hauptstadt
Baku (1,7 Mio. Einw.
Währung
1 Manat = 100 Gepik
Staatsform
Präsidiale Republik
Parlament
Nationalrat mit 125 Sitzen
Religion
Muslime 93,4%, Russisch-Orthodoxe 2,5%, Armenisch-Orthodoxe 2,3%, sonstige 1,8%
Einwohner
8,4 Mio.
Sprachen
Aseri-Türkisch, Russisch
Gliederung
54 Distrikte
Staatsoberhaupt
Präsident
Nationalfeiertag
28. Mai
Nationalitäten/Ethnien
Aseri 90%, Russen 2,5%, Armenier 2%, sonstige 5,5%
Internet www.president.az
Geschichte
Aserbaidschan gehörte zum Meder- und Perserreich. Nach der Islamisierung durch die Araber im 8. Jh. zerfiel das Land in zahlreiche Kleinstaaten, die wechselnd persischer, mongolischer bzw. osmanischer Oberhoheit unterstanden. Ab dem 18. Jh. richtete Russland sein begehrliches Auge auf den Ölreichtum Aserbaidschans, 1829 wurde der nördliche Landesteil von Persien erobert. Die reichen Erdölvorkommen trugen zum wirtschaftlichen Aufschwung Russlands bei. Um die Wende vom 19. zum 20. Jh. war die Region um Baku das größte Erdölfördergebiet der Welt. Im Mai 1918 erklärte sich Aserbaidschan nach dem Untergang des Zarenreiches zu einer demokratischen Republik. Doch schon im April 1920 wurde das Land von der Roten Armee erobert, damals gingen mehrere führende Politiker ins Exil. Die Sowjets verstaatlichten sofort die Erdölfelder und investierten in die Förderung. Zwischen 1922 und 1936 war Aserbaidschan Teil der Transkaukasischen Republik, die ihrerseits zur Sowjetunion angehört. 1936 wird es eine eigene Unionsrepublik wie Georgien und Armenien.
Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges deckte Aserbaidschan 75% des russischen Bedarfes an Erdöl. So nimmt es nicht Wunder, dass Aserbaidschan auch strategisches Ziel für die deutschen Kaukasustruppen war. Nach dem Ende der Sowjetunion erklärte sich Aserbaidschan im Oktober 1991 unabhängig. 1993 brach um die überwiegend von Armeniern bewohnte Region Berg-Karabach ein Konflikt mit Armenien aus, der längst nicht gelöst ist. Armenien hält diese Region und einen Korridor nach Armenien besetzt. Diese Besetzung löste eine Fluchtbewegung aus Berg-Karabach aus, etwa 600.000 Menschen verließen das Gebiet.
Politisches System
Nach der Unabhängigkeitserklärung gab sich Aserbaidschan 1995 eine Verfassung, der Staat ist eine präsidiale Republik, in der das Einkammer-Parlament alle fünf Jahre gewählt wird. 1993 fanden die ersten allgemeinen Wahlen unter der Kontrolle der OSZE statt, entsprachen aber keineswegs den Vorgaben, die von OSZE bzw. dem Europarat dem Land auferlegt worden waren. Vielfach wurden Wahlbetrug und Einschüchterung des Wahlvolkes des durch feudale Strukturen und Clanherrschaft noch immer dominierten Landes moniert.
Zum Staatsgebiet gehört auch die Enklave Nachitschewan (etwa 5.500 km2), die durch einen Streifen armenisches Gebiet von Aserbaidschan getrennt ist. Nachitschewan ist ein autonomes Gebiet, das sich in Zukunft mehr auf Tourismus konzentrieren will.
Wirtschaft
Die aserbaidschanische Wirtschaft weist dank des Erdöl- und Erdgasreichtums und des stetigen Ansteigens der Weltmarktpreise für diese Güter eine beachtliche Wachstumsrate auf, zuletzt lag sie zwischen 7 und 11%. Zwei Drittel des BIP werden von der Erdöl produzierenden Industrie erwirtschaftet. Entscheidend wurde zuletzt die Pipeline von Baku nach Tiflis, die weder über russisches noch über iranisches Gebiet verläuft und so der Kontrolle dieser Mächte entzogen ist. Derzeit haben mehr als 20 Gesellschaften das Schürfrecht nach Erdöl in Aserbaidschan, führendes Unternehmen ist dabei die British Petrol (BP). Die Gewinne aus den Erdölexporten werden vor allem in das Militär, aber auch in Sozialleistungen für die Bürger investiert. Trotz boomender Wirtschaft ist die Arbeitslosenrate als Spätfolge der Entstaatlichung noch sehr hoch. Etwa 50% der Bewohner leben unter der Armutsgrenze, die Schattenwirtschaft ist noch immer intensiv. Über Aserbaidschan geht auch die schon im Mittelalter als wichtiger Handelsweg sehr frequentierte Seidenstraße, auf der Güter aus Ostasien bis nach Europa transportiert wurden.
KÖNIGREICH BAHRAIN (BRN)

Fläche
694 km2
Hauptstadt
Menama (160.000 Einw.)
Währung
1 Bahrain-Dinar = 100 Fils
Staatsform
Emirat
Parlament
Parlament mit 40 für vier Jahre gewählten Mitgliedern
Religion
Schiiten 75%, Sunniten 25%
Einwohner
739.000 (2003)
Sprachen
Arabisch, Englisch
Gliederung
5 Regionen
Staatsoberhaupt
Emir
Nationalfeiertag
16. Dezember
Nationalitäten/Ethnien
Bahrain-Araber 63%, Asiaten 19%, sonstige Araber 10%, Iraner 8%
Internet www.bahrain.gov.bh
Geschichte
Das Inselkönigreich Bahrain war dank seiner günstigen geographischen Lage an einer wichtigen Schiffsrouten im Persischen Golf schon in der Antike besiedelt. Die frühe Hochkultur des Handelsvolkes der Tilmun, das dort zwischen 3000 und 2000 v. Chr. siedelte, wurde durch die Assyrer, Perser und Griechen abgelöst. Um 800 n. Chr. eroberten die Araber die Inseln, die in der Folge islamisiert wurden. Schon damals war Bahrain ein wichtiger Handelstützpunkt und Lieferant für die begehrten Perlen, die um Bahrain aus dem Meer gefischt wurden. 1522 wurde Bahrain durch die Portugiesen besetzt, etwa 80 Jahre später ging es wieder in persische Hände über. 1782 vertrieb der Ahnherr der noch heute herrschenden Dynastie Ahmed al-Faith Al-Chalifa die Perser und machte Bahrain zu einem unabhängigen Scheichtum. Im Ersten Viertel des 19. Jh. wurden Protektoratsverträge mit Großbritannien geschlossen, die dem Land innere Autonomie und Schutz vor persischer und osmanischer Bedrohung boten. In der ersten Hälfte des 20. Jh. verlor die Perlentaucherei zusehends an Bedeutung durch das Aufkommen der Kulturperlen. Stattdessen wurde seit den dreißiger Jahren des 20. Jh. Öl gefördert.
Politisches System
1971 erklärte sich Bahrain wieder unabhängig. Bereits 1973 fanden erste allgemeine Wahlen statt, doch 1975 wurde das Parlament wieder aufgelöst und die Verfassung suspendiert. Ab 1993 bestand eine Beratende Versammlung. 2002 wurde die Verfassung wieder reaktiviert, das Land offiziell in ein Königreich umgewandelt und ein Zwei-Kammern-Parlament gebildet. Politische Parteien sind nicht erlaubt. Bahrain ist Mitglied der Vereinten Nationen. Der Iran erhebt noch immer Ansprüche auf den Inselstaat. Die Mehrheit der Bevölkerung lebt auf der Hauptinsel Bahrain, das Emirat ist etwa zu 80% urbanisiert. Das Scheichtum ist kein fundamentalistischer Staat, sondern religiös sehr tolerant. Die Bevölkerung ist etwa zur Hälfte sunnitisch und zur Hälfte schiitisch, wobei der gesellschaftliche Einfluss der Sunnniten größer ist, da die Herrscherfamilie dieser Glaubensrichtung anhängt. Für Frauen besteht keine Schleierpflicht, sie können eine gute Ausbildung erlangen.
Wirtschaft
Das Scheichtum am Persischen Golf verfügt nicht über gewaltige Erdölreserven, aber über eine florierende Erdölindustrie und ist einer der wichtigsten Bankplätze im Vorderen Orient. 1989 wurde auch eine Börse gegründet. Bahrain, aus 33 Inseln bestehend, ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt für die Golfstaaten. Zu Saudi-Arabien existiert von einer der Inseln eine Straßenverbindung über einen Damm, jährlich nutzen etwa 3 Millionen Fahrzeuge diese Verbindungsstraße. Von großer wirtschaftlicher Bedeutung sind die für den Inselstaat groß dimensionierten Werften. Bahrain besitzt das drittgrößte Trockendock der Welt, das auch für Supertanker geeignet ist.
Da das Erdölvorkommen begrenzt und ein Ende dieser Erwerbsquelle damit absehbar ist, setzt Bahrain zunehmend auf den Ausbau des Fremdenverkehrs.
Landwirtschaftliche Nutzung ist nur im Norden der Inselgruppe an schmalen Küstenstreifen möglich, es werden Datteln, Zitrusfrüchte und Gemüse angebaut. Von Bedeutung ist die Fischerei. Viele der Inseln sind felsig und liegen kaum über Meersniveau.
Um das wirtschaftliche Spektrum angesichts der nicht mehr lange anhaltenden Ölreserven zu diversifizieren, wurde in den siebziger Jahren des 20. Jh. eine Aluminiumproduktion gestartet.
VOLKSREPUBLIK BANGLADESH (BD)

Fläche
144.000 km2
Hauptstadt
Dhaka (11,3 Mio. Einw.)
Währung
1 Taka = 100 Poisha
Staatsform
Parlamentarische Republik
Parlament
Nationalversammlung mit 300 für fünf Jahre gewählten Abgeordneten
Religion
Muslime 88,3%, Hindus 10,5%, sonstige 1,2%
Einwohner
149 Mio. (2003)
Sprachen
Bengali, Englisch
Gliederung
5 Provinzen und 64 Bezirke
Staatsoberhaupt
Präsident
Nationalfeiertag
26. März
Nationalitäten/Ethnien
Bengalen 98%, Bihari 1,9%, sonstige 0,1%
Internet www.bangladesh.gov.bd
Geschichte
Das Mündungsdelta der Flüsse Ganges und Brahmaputra ist alter Kulturboden. Etwa seit der alexandrinischen Zeit gehörte Ostbengalen zu Indien. Im 13. Jh. wurde dieser flache Landstrich von türkischen Truppen im Auftrag des Kaisers von Delhi erobert und zu dieser Zeit der Islam verbreitet. Ab etwa der Mitte des 18. Jh. blieb Bengalen Teil Indiens bis zur Unabhängigkeitserklärung des Subkontinents von der englischen Herrschaft. 1947 wurde das überwiegend islamische Ostbengalen als Provinz Ost-Pakistan ein Teil Gesamtpakistans. Doch die weite Distanz zwischen den beiden durch Indien getrennten Landesteilen führte zu einer ständigen Benachteiligung der Osthälfte; öffentliche Ämter und Fördermittel wurden dem Ostteil verweigert, sodass es zu vehementen Unmutsäußerungen kam. Von Indien unterstützt, fand ein Unabhängigkeitskrieg statt, der schließlich 1971 zur Selbstständigkeit führte. Der neun Monate währende Bürgerkrieg forderte fast eine Million Tote, zwischen sechs und neun Millionen Menschen flohen nach Indien. Der neue Staat nannte sich Bangladesh und erklärte sich zur unabhängigen Volksrepublik. Bereits 1972 wurden die wichtigsten Wirtschaftsbereiche, wie Banken, Versicherungen und Industrien verstaatlicht.
Politisches System
Das Land nahm vier Grundprinzipien für seine Regierungsform an, und zwar: nationalistisch, demokratisch, sozialistisch und islamisch. In den ersten Jahren nach der Unabhängigkeit gab es noch unsichere Verhältnisse, es herrschte das Kriegsrecht, doch ab 1986 wurden Gewerkschaften zugelassen, 1988 eine Verfassung beschlossen. Außenpolitisch schloss sich Bangladesh der Gruppe der Blockfreien an. Bangladesh gehört mit einem BIP von nur 440 US-Dollar jährlich zu den ärmsten Ländern der Erde, es bezog sowohl aus dem Westen als auch aus dem Osten Entwicklungshilfe. Inzwischen formieren sich radikale islamische Gruppen, die die Einführung der Scharia verlangen, was immer wieder zu Unruhen und Streiks führt. Ethnische und religiöse Minderheiten – der Islam ist Staatsreligion – werden vielfach benachteiligt. So leben etwa im Chittagong Hill Tracts 500.000 Menschen mongolischer Herkunft, die dem Buddhismus anhängen.
Wirtschaft
Die schwierige geographische Situation im Mündungsbereich der beiden Flüsse verursacht immer wieder extreme Überschwemmungen oder Dürrekatastrophen Die Hauptstadt Dhaka liegt nur sechs Meter über dem Meeresspiegel. Die Bevölkerung, von der fast 50% unter der Armutsgrenze lebt, weist eine Geburtenrate von 3,8 auf. Damit ist Bangaldesh der dichtest besiedelte Flächenstaat der Welt. In der Agglomeration von Dhaka leben etwa 10 Mio. Menschen. Genaue Bevölkerungszahlen gibt es nicht, derzeit beruhen die Angaben darüber auf Schätzungen der Weltbank. Fast 90% der Bevölkerung leben auf dem Land, der Rest in den Städten. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung sind Analphabeten. Wichtigste Anbauprodukte sind Reis, Weizen, Jute, Tee, Tabak und Zuckerrohr. Noch immer sind mehr als 50% der Bevölkerung in der Landwirtschaft tätig. Das wichtigste landwirtschaftliche Exportgut ist Jute, sie wird auch industriell verarbeitet. Trotz zweier jährlicher Ernten ist die Landwirtschaft infolge veralteter Methoden und geringer Ausstattung mit Maschinen rückständig.
An Bodenschätzen sind Erdgas, Kalkstein, weißer Ton, Kohle und möglicherweise Erdöl vorhanden. Exportwirtschaft und Industrialisierung können sich wegen der schlechten Infrastruktur – vor allem infolge des schlechten Straßennetzes – nur langsam entwickeln. Der Hauptteil des Verkehrs wird noch über den Wasserweg abgewickelt.
KÖNIGREICH BELGIEN (B)

Fläche
30.519 km2
Hauptstadt
Brüssel (950.000 Einw.)
Währung
1 Euro = 100 Cent
Staatsform
Parlamentarische Monarchie
Parlament
Senat mit 71 und Abgeordnetenhaus mit 150 Abgeordneten
Religion
Katholiken 75%, Freisinnige 12%, sonstige 13%
Einwohner
10,4 Mio.
Sprachen
Französisch, Niederländisch, Deutsch
Gliederung
10 Provinzen
Staatsoberhaupt
König
Nationalfeiertag
21. Juli
Nationalitäten/Ethnien
Flamen 57,7%, Wallonen 31,8%, Deutschsprachige 0,7%, Zweisprachige 9,8%
Internet www.belgium.fgov.be
Geschichte
Belgien, das schon in der Altsteinzeit Spuren des Neandertalers in den Höhlen der Ardennen aufwies und später von germanischen und keltischen Stämmen besiedelt war, wurde im 1. Jh. v. Chr. von römischen Legionen erobert. Bis ins 5. nachchristliche Jahrhundert blieb die römische Herrschaft aufrecht. Nach dem Untergang des Römischen Reiches übernahmen die fränkischen Merowinger, im 8. Jh. die Karolinger die Herrschaft. In der Folge bestanden unabhängige Fürstentümer und Grafschaften. Flandern geriet unter französische bzw. burgundische Herrschaft. Zwischen 1348 und 1477 bis zum Tode des letzten burgundischen Herzogs, erlebte das Land eine wirtschaftliche und kulturelle Blütezeit. Im 15. Jh. gelangte dieses Gebiet durch Heirat der Maria von Burgund an den habsburgischen Kaiser Maximilian. 1504 traten die spanischen Habsburger die Nachfolge an. In der Reformationszeit wurde der Norden des Landes protestantisch. 1597 gingen die südlichen Provinzen gänzlich in den Besitz der spanischen Krone über. Die nördlichen Landesteile, die sich erfolgreich gegen die Habsburger erhoben hatten, formten die Niederlande. Der Rest blieb bis zum Ausbruch des Spanischen Erbfolgekrieges im Jahr 1700 unter der Herrschaft der spanischen Krone. Nach dem Erbfolgekrieg erhielten die österreichischen Habsburger die spanischen Provinzen wieder zurück.
1794 wurden die Südprovinzen von Napoleon besetzt und 1811 mit den Nordprovinzen an Frankreich angeschlossen. Nach den Napoleonischen Kriegen wurden das heutige Belgien und die Niederlande auf dem Wiener Kongress in einem Königreich des Hauses Oranje vereint. Doch diese Vereinigung der schon so lange getrennten Provinzen erzeugte beträchtliche Unruhen. 1830 rebellierten die Belgier und verlangten die Unabhängigkeit. So entstand 1831 das unabhängige Königreich Belgien, regiert von einem König aus dem Hause Sachsen-Coburg. 1839 erkannten die Niederlande im Londoner Vertrag die belgische Unabhängigkeit an. Bis zum Ersten Weltkrieg durchlebte das Land eine relativ friedvolle Phase. In den achtziger Jahren erwarb König Leopold II. ein riesiges Kolonialreich im Kongo, ein an Bodenschätzen reiches Gebiet. Zunächst war das Kongogebiet Privatbesitz der Krone, erst ab 1908 wurde es eine belgische Kolonie.
König Albert I. (1909–1934), ein Monarch, der soziale Reformen auf den Weg brachte, leistete im Ersten Weltkrieg Widerstand gegen die Deutschen, die unter Missachtung der belgischen Neutralität das Land besetzt hatten. Mit dem Versailler Vertrag erlosch die international garantierte Neutralität für Belgien, sodass Belgien 1920 mit Frankreich ein Verteidigungsbündnis abschloss. Als Entschädigung erhielt Belgien die Orte Eupen und Malmedy und das Mandat für Ruanda-Burundi zugesprochen. Bereits 1922 wurde mit dem benachbarten Luxemburg eine Wirtschaftsunion vereinbart. König Albert I. versuchte in der Zwischenkriegszeit vergeblich, die belgische Neutralität wieder herzustellen. Leopold III., seit 1934 belgischer König, löste zwar das Verteidigungsbündnis mit Frankreich, setzte aber die bisherige Politik fort, die sich auf Großbritannien und Frankreich stützte. Nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurde Belgien 1940 neuerlich von deutschen Truppen besetzt, König Leopold III. musste in seiner Eigenschaft als Oberbefehlshaber der Streitkräfte kapitulieren. Er wurde zunächst in Schloss Laeken, später in Deutschland festgehalten. 1945 ging er ins ausländische Exil. Gegen die deutsche Besetzung erhob sich im Lande eine durchaus effektive Widerstandsbewegung, in London ließ sich eine belgische Exilregierung nieder. Schon in London wurde beschlossen, nach dem Krieg mit den Niederlanden und Luxemburg eine Wirtschaftsunion zu gründen. 1944 schlossen Vertreter der drei Staaten ein Zollabkommen.
1944 wurde Belgien durch alliierte Truppen befreit, Charles Graf von Flandern, ein Bruder Leopolds III., als Regent eingesetzt. Er blieb dies bis zur Rückkehr des Königs im Jahr 1950. Leopold III. wurde zwar feierlich empfangen, gleichzeitig wurden aber gegen ihn schwere Vorwürfe erhoben, dass er viel zu früh kapituliert habe. Ein Generalstreik zwang Leopold III. zum Rücktritt zu Gunsten seines Sohnes Baudoin. Die belgische Nachkriegspolitik, in erster Linie von Außenminister Paul Henri Spaak geprägt, trachtete danach, die Neutralität aufzugeben und das Land konsequent in allen internationalen Gremien zu verankern. Bereits 1945 trat Belgien den Vereinten Nationen bei, seit 1949 gehörte es zur NATO. Im März 1948 hatten die drei Beneluxstaaten, Belgien, Niederlande und Luxemburg, mit Frankreich und Großbritannien einen Pakt zur Gründung einer Westunion geschlossen, deren eindeutiges Ziel die Eindämmung der sowjetischen Expansion nach Europa war. 1949 wurde Belgien auch in den Europarat aufgenommen. Als weiteres Grundverständnis entwickelte sich eine zielstrebige europäische Integrationspolitik, die sich im Beitritt zur Montanunion 1951, zur WEU 1954 und weiterhin zu EWG und EURATOM 1957 manifestierte. 1952 trat Belgien auch der später gescheiterten EVG bei. Im Zuge genereller Entkolonialisierungsbestrebungen gab Belgien 1960 den Kongo auf. 1962 nahm Belgien offizielle diplomatische Beziehungen mit Kongo-Leopoldville auf.
Politisches System
Belgien ist eine Monarchie, doch kommt dem König nur mehr repräsentative Funktion zu. Die belgische Verfassung geht auf das Jahr 1831 zurück, sie wurde inzwischen mehrfach novelliert. Eine Verfassungsreform des Jahres 1993 teilte Belgien in drei föderale Regionen, und zwar Brüssel, die Wallonie und Flandern und vier Sprachgebiete, ein französisches, ein flämisches, ein deutsches und ein doppelsprachiges, nämlich die Region Brüssel. 2006 ratifizierte das belgische Parlament die EU-Verfassung.
Das Land verfügt über ein Zweikammersystem, den Senat mit 175 Mitgliedern und das Repräsentantenhaus mit 212 direkt gewählten Abgeordneten. Es besteht Wahlpflicht ab dem 18. Lebensjahr. Die Teilregionen haben jeweils eigene Parlamente und eigene Regierungen.
Der ethnische Konflikt zwischen Flamen und Wallonen bestimmt in vieler Hinsicht das politische Leben. Bei der Staatsgründung war Französisch die alleinige Staatssprache, doch schon 1843 bildete sich eine »Flämische Bewegung« mit dem offiziellen Ziel der Zweisprachigkeit des Staates, was schließlich erreicht wurde. War ursprünglich der wallonische Landesteil dominierend, weil er über Kohle- und Stahlindustrie (im Bereich Charleroi und Lüttich) verfügte, so hat sich das Blatt nun gewendet. Flandern, einst nur landwirtschaftlich ertragreich, hat durch eine florierende Lebensmittelindustrie und den Aufbau neuer Industriezweige die Wallonie längst überholt. Auch die Bevölkerung Flanderns ist stärker gewachsen als die Walloniens, so dass sich ein klarer Machtverlust der Wallonie abzeichnet. Schon immer hatten die bestehenden politischen Parteien jeweils einen flämischen und wallonischen Teil. Inzwischen verzeichnen gerade die radikalen flämischen Parteien starken Zulauf, die die Autonomie für Flandern fordern.
Wirtschaft
Trotz rückläufiger Förderung von Erzen (Eisenerz, Blei und Zink in den Ardennen) verzeichnet die Stahlindustrie Zuwächse, zwei Drittel der Produkte gehen in den Export. In Flandern und in Brabant ist vor allem die Textilindustrie, die vorwiegend Baumwolle verarbeitet, von Bedeutung. Außerdem verfügt Belgien über eine Glasindustrie, die ebenfalls einen hohen Exportanteil erreicht. Daneben haben Zement- und chemische Industrie, sowie Zuckerverarbeitung einen wichtigen Stellenwert. Die nötige Energie kommt aus Erdölimporten und Kernkraftwerken. Die Kohleförderung in den Ardennen wurde 1992 eingestellt.
Der Dienstleistungssektor ist sehr gut entwickelt, von großer Effektivität ist der internationale Handel über die Nordseehäfen, z. B. Antwerpen. Antwerpen liegt nicht direkt am Meer, aber die Schelde-Mündung ist sogar für Hochseeschiffe passierbar. Daher war Antwerpen schon im Hochmittelalter ein wichtiger Handelshafen. Aber auch das dichte Eisenbahn- und Wasserstraßennetz ist für den Export förderlich.
Die Haupthandelspartner Belgiens sind die EU-Staaten, in erster Linie Deutschland, Frankreich, Großbritannien und die Niederlande.
Die landwirtschaftliche Produktion deckt nicht nur den Eigenbedarf, sondern ist auch ein wichtiger Exportfaktor. 45% der Gesamtfläche werden landwirtschaftlich genutzt. Angebaut werden Zuckerrüben, Kartoffeln, Mais, Weizen, Gemüse und Flachs, die Viehzucht ist hoch entwickelt.
KÖNIGREICH BHUTAN (BHT)

Fläche
47.000 km2
Hauptstadt
Thimphu (69.000 Einw.)
Währung
1 Ngultrum = 100 Chetrum
Staatsform
Konstitutionelle Monarchie
Parlament
Nationalversammlung mit 150 Mitgliedern, davon 105 gewählt, 35 nominierte Beamte, 10 Vertreter der buddhistischen Klöster
Religion
Buddhisten 75%, Hindus 25%
Einwohner
2,3 Mio.
Sprachen
Dzongkha, Englisch, tibetische Dialekte
Gliederung
20 Distrikte
Staatsoberhaupt
König
Nationalfeiertag
17. Dezember
Nationalitäten/Ethnien
Bhotia 50%, Nepalesen 35%, sonstige 15%
Internet www.bhutan.gov.bt
Geschichte
Der bis dahin hinduistische Himalayastaat Bhutan wurde etwa im 7. Jh. n. Chr. von Tibet aus von buddhistischen Mönchen missioniert. Zwischen dem 10. und dem 17. Jh. bestanden unabhängige Fürstentümer, deren Zentren die Klosterburgen waren. 1616 kam es zur Einigung des Landes durch den aus Tibet stammenden religiösen Führer Shabdrung Ngawang Namgyl, der in seiner Hand sowohl geistliche als auch weltliche Macht vereinte. Im 19. Jh. wurde das durch lokale Auseinandersetzungen destabilisierte Land in den Duar-Krieg mit Britisch-Indien hineingezogen. Es verlor einen Teil seines Territoriums, behielt aber seine Souveränität. Zu dieser Zeit siedelten hinduistische Einwanderer aus Nepal im Süden des Landes. 1907 verhalfen die Briten Ugyen Wangchuk, einem Regionalfürst, zur Macht, der sich als König ausrufen ließ. Drei Jahre später gelangte Bhutan unter den Schutz Britisch-Indiens, das aber innere Nichteinmischung vertraglich garantiert. Bis zur Unabhängigkeit Indiens blieb Bhutan im Grunde ein von der Außenwelt völlig abgeschnittener Staat. In der Folge blieb ein enges Verhältnis zu Indien bestehen, das sich in außenpolitischen Fragen ein Konsultationsrecht sicherte. Mit der Thronbesteigung von Jigme Dorji Wangchunk öffnete sich das Land modernen Einflüssen und Reformen.
Politisches System
1953 konstituierte sich erstmals eine Nationalversammlung, 1956 wurde eine Landreform eingeleitet. Nach der Besetzung Tibets durch China 1950 wanderten etwa 6.000 tibetische Flüchtlinge nach Bhutan ein. Ein Jahr später trat der erste Fünfjahresplan zur Modernisierung des Landes in Kraft, der durch eine weitere Landreform die feudalen Strukturen abbaute und allen Bauern zu eigenem Landbesitz verhalf. Durch sehr ausgewogene strukturelle Entwicklung konnten traditionelle Kultur und ökologisches Gleichgewicht bewahrt werden. 1973 trat mit Jigme Singhye Wangchuk ein neuer König sein Amt an, der Bhutan langsam dem Tourismus öffnete. In den achtziger Jahren engagierte sich Bhutan vermehrt in internationalen Organisationen, gleichzeitig begann aber durch ein neues Staatsbürgerschaftsgesetz eine Bhutanisierungskampagne zur Festigung des Buddhismus, die zu einer Flüchtlingswelle unter der hinduistischen Bevölkerung führte. Weitere Fünfjahrespläne führten die langsame Öffnung und Modernisierung des Landes fort. 2001 schloss Bhutan mit China ein Abkommen, mit dem die gemeinsame Grenze geklärt wurde. 2005 kam es zur Proklamierung einer Verfassung, die eine parlamentarische demokratische Entwicklung des Landes ermöglicht. Nach wie vor sind Nepalesen eine unterprivilegierte Volksgruppe.
Wirtschaft
Laut internationalen Umweltschutzorganisationen gehört Bhutan zu den durch den Klimawandel höchst gefährdeten Staaten. Weitere Gletscherschmelze würde die Flüsse zu reißenden Strömen machen, die Seen drohen überzulaufen. Das am Südhang des Himalaya gelegene Bhutan weist im Süden ein tropisches, im Norden ein gemäßigtes Klima auf.
Die Landwirtschaft Bhutans ist nicht in der Lage, den Eigenbedarf an Reis zu produzieren. Neben der kleinbäuerlichen Selbstversorgung müssen Nahrungsmittel importiert werden. Etwa 40% der Einnahmen des Staates kommen aus dem Energieexport. Der Waldreichtum (zwei Drittel sind bewaldet) des Landes ermöglicht eine kleinteilige Holz verarbeitende Industrie. Mittlerweile entwickelt sich der Tourismus zu einem guten Devisenbringer, obwohl jährlich nur etwa 5000 Reisende das Land besuchen dürfen.
UNION MYANMAR (früher BIRMA oder BURMA) MYA)

Fläche
676.578 km2
Hauptstadt
Rangun (Yangon, 4 Mio. Einw.)
Währung
1 Kyat = 100 Pyas
Staatsform
Sozialistische Republik, Militärregime
Parlament
Nationalkonvent mit 700 Delegierten mit der Aufgabe, eine Verfassung zu erarbeiten
Religion
Buddhisten 89%, Christen 4%, Muslime 4%, sonstige 3%
Einwohner
50,5 Mio.
Sprachen
Birmanisch, Regionalsprachen
Gliederung
7 Staaten, 7 Provinzen
Staatsoberhaupt
Präsident
Nationalfeiertag
4. Dezember
Nationalitäten/Ethnien
Birmanen 68%, Shan 9%, Kayin 7%, Rakhine 4%, Chinesen 3%, Mon 2%, sonstige 7%
Internet –
Geschichte
Ursprünglich von Tibet bzw. aus der heutigen chinesischen Provinz Kansu aus besiedelt, stand Burma in vielen Phasen seiner Geschichte unter indischem oder chinesischem Einfluss, da das Land auf Grund seiner geographischen Lage ein Verbindungsglied zwischen den beiden Großmächten darstellt. Schon in römischer Zeit führten Handelswege von Indien nach China über Burma. Das erste Burmesische Reich mit der Hauptstadt Pagan wurde etwa im 11. Jahrhundert gebildet und expanierte, bis es zu Ende des 13. Jh. von eindringenden Mongolen zerstört wurde. 1303 zogen sich die Mongolen wieder zurück, das Land zerfiel in kleinere Königreiche. Während des Zweiten Burmesischen Reiches (1531–1752) dehnte sich Burma über Siam und Laos aus. 1752 wurde Burma vom Volk der Mon erobert, kurz darauf gab es aber einen Aufstand der Burmesen, die das Land zurückeroberten und das Dritte Burmesische Reich gründeten, das sich laufend gegen chinesische Einfälle verteidigen musste. Denn China erhob immer wieder Ansprüche auf Burma. Gegen Ende des 19. Jh. wurde Burma von den Briten erobert und 1886 Teil von Britisch-Indien. Nach dem Ersten Weltkrieg erhielt Burma nach indischem Muster innere Autonomie. Schwere Bauernunruhen in den dreißiger Jahren führten schließlich zur Trennung von Indien, aber noch immer wurde nur die administrative Autonomie zugestanden. 1942 wurde Burma von den Japanern besetzt. Erst nach ihrem Abzug 1945 erklärte sich Burma zu einer selbstständigen Republik, die 1948 den Austritt aus dem Commonwealth vollzog. Zwischen 1948 und 1950 wurde Burma von kommunistischen Unruhen in Atem gehalten. 1950 etablierte sich kurz eine parlamentarische Demokratie, die den Buddhismus zur Staatsreligion erklärte. 1962 wurde die Demokratie durch einen antikommunistischen Militärputsch beseitigt. Seitdem versucht Burma einen eigenständigen sozialistischen Weg zu gehen. 1960 schloss das Land einen Nichtangriffspakt mit China.
Politisches System
Derzeit ist in Burma ein Militärregime an der Macht, das das Land gegen Einflüsse aus dem Ausland hermetisch abschließt Es herrscht Zensur der Medien und es gibt kaum Internet, auch die Regierung stellt keine eigene Website zur Verfügung. Die Menschenrechtssituation ist trotz internationalem Druck noch immer schlecht, was das Beispiel der Friedensnobelpreisträgerin des Jahres 1991 Aung San Suu Kyi beweist, die sich seit diesem Zeitpunkt mit nur kurzen Unterbrechungen unter Hausarrest befindet. Ihr Fall wurde sogar schon vor den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen gebracht. 1989 startete das Militärregime eine groß angelegte Bewusstseinskampagne, die in der Änderung des Staatsnamens von Burma auf Myanmar gipfelte. Gleichzeitig ist das Regime in intensive Auseinandersetzungen mit dem Minderheitsvolk der Karen verstrickt, die für sich Autonomie fordern. Inzwischen leben mehr als 140.000 Karen in thailändischen Flüchtlingslagern. In Burma leben noch heute viele verschiedene Volksgruppen, die mehr als 100 Sprachen und Dialekte sprechen.
Wirtschaft
Burma stellt keine nennenswerte Wirtschaftsmacht dar, das Land exportiert vorwiegend Reis und Teakholz, etwas Blei und Erdöl. Die besten Handelsbeziehungen bestehen zu China, mit China und mit Thailand gibt es eine intensive Zusammenarbeit in der Bekämpfung des Drogenhandels. Gewinne aus dem Tourismus kann das Land kaum erzielen, da Einreisegenehmigungen nur sehr restriktiv erteilt werden, weite Teile des Landes sind überhaupt für jeden Tourismus gesperrt. Die wenigen Touristen, die kommen dürfen, erhalten nur eine Einreiseerlaubnis über den internationalen Flughafen Yangon.
BOSNIEN -HERZEGOWINA (BIH)

Fläche
51.219 km2
Hauptstadt
Sarajevo (465 000 Einw.)
Währung
1 konvertible Mark = 100 Fening.
Staatsform
Republik
Parlament
Haus der Völker mit 15 Deputierten; Abgeordnetenhaus mit 42 Mitgliedern
Religion
Muslime 46%, Serbisch-Orthodox 33%, Katholiken 14%, sonstige 7%
Einwohner
4,1 Mio.
Sprachen
Bosnisch, Kroatisch, Serbisch
Gliederung
Bosnisch-Kroatische Föderation, Republika Srpska Sonderdistrikt Brčko
Staatsoberhaupt
Staatspräsidium mit rotierendem Vorsitz
Nationalfeiertag
1. März
Nationalitäten/Ethnien
Bosniaken 48,6%, Kroaten 16,3%, Serben 34,5%, sonstige Minderheiten (Roma, Juden)
Internet www.fbihvlada.gov.ba
Geschichte
Etwa seit dem 10. Jh. entwickelte sich ein bosnisches, von Slawen bevölkertes Reich, das ab dem Ende des 13. Jh. von Franziskanern christianisiert wurde. Ab dem 14. Jh. ist auch die Bezeichnung Herzegowina üblich. 1377 wird das Land ein selbstständiges Königreich unter König Tvurtko. 1463 beginnt die Eroberung durch den osmanischen Sultan Mehmed II., die Ende des 16. Jh. abgeschlossen ist. Bosnien-Herzegowina wird ein osmanisches Paschalik mit der Hauptstadt Banja Luka. Mit dem Machtverfall des Osmanischen Reiches mischen sich immer mehr die europäischen Großmächte in das Geschehen auf dem Balkan ein. 1878 stimmen sie auf dem Berliner Kongress zu, dass Bosnien-Herzegowina von der Österreich-Ungarischen Monarchie okkupiert wird. 1908 erfolgt die Annexion. 1914 wird der österreichische Thronfolger Franz Ferdinand vom serbischen Nationalisten Gavrilo Princip in Sarajevo ermordet, was den Ersten Weltkrieg auslöst. Danach wird Bosnien-Herzegowina ein Teil des Königreiches der Serben, Kroaten und Slowenen, das sich ab 1929 Königreich Jugoslawien nennt. Während des Zweiten Weltkrieges wird Bosnien-Herzegowina ein Teil des nationalsozialistischen kroatischen Vasallenstaates, nach Beendigung des Krieges eine Teilrepublik des sozialistischen Jugoslawiens. Im Januar 1992 stimmte die Mehrheit der Bevölkerung für die Selbstständigkeit Bosnien-Herzegowinas. Nach dem Balkankrieg (1992–1994) wurde auf Grund des Washingtoner Abkommens die Föderation Bosnien-Herzegowina gegründet, die nach den Friedensverhandlungen von Dayton im Dezember 1995 ihre Selbstständigkeit erlangte.
Politisches System
Bosnien-Herzegowina ist eine Republik, die aus zwei staatlichen Entitäten mit separaten Volksvertretungen und dem Sonderdistrikt Brčko besteht. Es gibt Verwaltungsbereiche, die dem Gesamtstaat unterstehen, wie Außen- und Verteidigungspolitik sowie Finanzen und Außenwirtschaft. Der Rest fällt in die Kompetenz der Teilrepubliken. Außerdem verfügt derzeit noch über einen wichtigen Teil der Staatsgewalt der Hohe Repräsentant, der von der internationalen Gemeinschaft als Koordinator und Unterstützer des Aufbaus nach dem Krieg bestellt wurde. Derzeit sind noch EU-Truppen in Bosnien zur Stabilisierung der Lage stationiert. Der Aufbau rechtsstaatlicher Systeme macht sichtlich Fortschritte.
Wirtschaft
Die Wirtschaft befindet sich noch immer in einer schwierigen Situation, da vier Fünftel der Industrieanlagen im Krieg zerstört wurden. Privatisierungen gehen nur langsam vor sich, das Importvolumen ist derzeit noch dreimal so hoch wie der Export. Die Arbeitslosenquote liegt bei geschätzten 15%. Die Schattenwirtschaft nimmt einen großen Teil des wirtschaftlichen Geschehens ein. Große Aufholleistungen wurden auf dem Bankensektor erbracht, wobei die österreichische Raiffeisen-Gruppe und die italienische UniCredit eine führende Rolle spielen.
Das Land verfügt über Wasserkraftreserven, Eisenerzminen in der Nähe von Prijedor und eine Aluminiumfabrik in Mostar. Die landwirtschaftliche Arbeit wurde und wird noch immer durch die drei Millionen Landminen behindert, deren Beseitigung mühsam und teuer ist. Etwa 45% der Landesfläche sind landwirtschaftlich nutzbar, angebaut werden Weizen, Mais, Hafer, Zuckerrübe, Tabak, Hanf und Kartoffel. Der Energiebedarf wird zu einem beachtlichen Prozentsatz durch Wasserkraft gedeckt.
BRUNEI (BRU)

Fläche
5.765 km2
Hauptstadt
Bandar Seri Begawan (50.000 Einw.)
Währung
1 Brunei-Dollar = 100 Cent
Staatsform
Absolute Monarchie
Parlament
Legislativrat mit 20 vom Sultan ernannten Mitgliedern
Religion
Muslime 67%, Buddhisten 13%, sonstige 20%
Einwohner
366.000 (2003)
Sprachen
Malaiisch, Chinesisch, Englisch
Gliederung
4 Distrikte
Staatsoberhaupt
Sultan
Nationalfeiertag
23. Februar
Nationalitäten/Ethnien
Malaien 62%, Chinesen 15%, sonstige 23%
Internet www.brunei.gov.bn
Geschichte
Moslemische Malaien, die im 15. Jh. Borneo besiedelten, gründeten bereits ein Sultanat, das über ganz Borneo, die Sulu-Inseln und Palawan herrschte. Letztere Territorien gehören inzwischen zu den Philippinen. In der Folge kam es zu jeweils kürzeren kolonialen Herrschaftsepochen der Portugiesen, Niederländer und Briten. 1877 erwarb eine britische Handelsgesellschaft den Norden der Insel Borneo. Das konstitutionelle Sultanat Brunei auf Nordborneo, seit 1886 ein britisches Protektorat, erlangte 1963 seine innere Autonomie. Während des Zweiten Weltkrieges war Brunei von den Japanern besetzt worden. 1971 erreichte es schließlich seine völlige Souveränität. Eine in der Folge geplante Fusion mit Malaysia scheiterte am Widerstand der Bevölkerung.
Politisches System
Seit 1967 regiert Sultan Muda Hassanal al Bolkiah absolutistisch, er ist dem Parlament gegenüber nicht verantwortlich. Er ist gleichzeitig das religiöse Oberhaupt dieses streng islamischen Staates sunnitischer Richtung. Seit etwa Mitte der achtziger Jahre gibt es eine oppositionelle Gruppe, die »Brunei National Democratic Party«, die Wahlen fordert. Die Erwerbung der Staatsbürgerschaft ist äußerst schwierig, da die Kenntnis der Staatsprache, des Malaiischen, gefordert wird.
Die Mitglieder der chinesischen Bevölkerungsgruppe sind meist Buddhisten oder Anhänger des Konfuzius, indigene Stämme bekennen sich zu animistischen Religionen.
Wirtschaft
Den Reichtum des Landes machen die Erdöl- und Erdgasvorräte aus, die zum größten Teil in den Export gehen. 90% des Erdgases und 12% des Erdöls werden an Japan geliefert. Eine nennenswerte Industrie ist nicht vorhanden. Da 90% der Exporterlöse aus dem Ölexport kommen, ist die Handelsbilanz von Brunei völlig von den Schwankungen des Ölpreises abhängig. Nur ein geringer Teil des geförderten Erdöls wird für den Eigenbedarf raffiniert. Einerseits besteht die Vermutung, dass die Ölreserven bald zu Ende gehen, andererseits werden große Off-shore-Vorkommen behauptet.
Wichtige landwirtschaftliche Güter sind Kautschuk, Reis, Sago, Maniok, Zuckerrohr und Früchte wie Bananen und Ananas. Der tropische Regenwald liefert Teak- und Sandelholz. Ansonsten ist die Landwirtschaft von nur geringer Bedeutung, ein großer Teil der Nahrungsmittel muss importiert werden.
Der Ölreichtum gewährleistet eine gute Infrastruktur, mehr als die Hälfte der Straßen ist asphaltiert. Von der Hauptstadt zur Küste führt eine Autobahn, eine Schnellstraße verbindet die Hauptstadt mit dem wichtigsten Hafen Muara. An Schienenwegen besteht nur eine kurze Industriebahn. Das Land verfügt über einen internationalen Flughafen und die nationale Fluglinie »Royal Brunei Airlines«. Von großer Bedeutung sind die Seeverbindungen zu den wichtigsten Hafenstädten Ostasiens, wie nach Singapur und Hongkong, ebenso nach Taiwan und nach Thailand.
Dank des Ölreichtums verfügt das Sultanat über ein gut funktionierendes Sozial- und Gesundheitssystem; so erhält jeder Staatsbürger eine Altersrente. Der Sultanspalast südwestlich der Hauptstadt gilt wegen seiner Größe (1800 Räume) und seiner verschwenderischen Ausstattung als einer der luxuriösesten Wohnpaläste der Welt.
BULGARIEN (BG)

Fläche
110.550 km2
Hauptstadt
Sofia (1,3 Mio. Einw.)
Währung
1 Lew = 100 Stótinki
Staatsform
Parlamentarische Republik
Parlament
Volksversammlung mit 240 Abgeordneten
Religion
Bulgarisch-Orthodoxe 83%, Muslime 13%, Katholiken 2%, sonstige 2%
Einwohner
7,3 Mio.
Sprachen
Bulgarisch
Gliederung
8 Regionen und das Hauptstadtgebiet
Staatsoberhaupt
Präsident
Nationalfeiertag
3. März
Nationalitäten/Ethnien
Bulgaren 83%, Türken 8,5%, sonstige 8,5%
Internet www.parliament.bg
Geschichte
Das seit 1185 bestehende sog. Zweite bulgarische Reich wurde 1396 von den Osmanen erobert, die Bulgarien bis 1878 in ihrer Gewalt hielten. Nach den Vereinbarungen des Berliner Kongresses wurde Bulgarien ein selbstständiges Fürstentum, zuerst unter der Herrschaft des Hauses Hessen-Battenberg und dann von Sachsen-Coburg-Gotha. 1908 nahm Ferdinand Max von Sachsen-Coburg-Gotha den Zarentitel an. Sein von 1887 bis 1894 amtierender Ministerpräsident Stefan Nikolow Stambuloff leitete eine intensive Europäisierungsphase ein. Im Balkankrieg von 1912/13 verlor Bulgarien die südliche Dobrudscha an Rumänien, und Makedonien größtenteils an Serbien sowie einen kleinen Teil an Griechenland. In den Ersten Weltkrieg trat Bulgarien an der Seite der Mittelmächte ein. 1918 dankte Zar Ferdinand zu Gunsten seines Sohnes ab. Im Friedensvertrag von Neuilly wurde der Verlust der Dobrudscha bestätigt. Die Regierung des Bauernführers Alexander Stambulijski wurde 1923 durch einen Offiziersputsch gestürzt. Wie in anderen europäischen Staaten etablierte sich in den dreißiger Jahren ein autoritäres Regime unter Ministerpräsident Kimon Georgieff. 1940 erhielt Bulgarien, das mit dem nationalsozialistischen Deutschland sympathisierte, mit Hilfe der Deutschen die südliche Dobrudscha wieder zurück. 1944 wurde das Land durch die Rote Armee besetzt, unter deren Einfluss es zur Bildung einer Volksfrontregierung unter kommunistischer Führung kam. Im September 1946 wurde Bulgarien eine Volksrepublik, ein Jahr später erhielt das Land eine Verfassung, in der ein kollektives Staatsoberhaupt vorgesehen wurde. Die tatsächliche Macht lag in den Händen der KP. Mit den Pariser Friedensverträgen von 1947 wurde Bulgarien in den Grenzen von 1941 wiederhergestellt, d.h. die Dobrudscha blieb erhalten. Das wirtschaftlich völlig von der Sowjetunion abhängige Land trat dem Comecon und dem Warschauer Pakt bei und schloss mit den sowjetischen Vasallenstaaten Freundschaftsverträge.
Politisches System
Schon 1946 wurde eine Agrarreform eingeleitet, der Großgrundbesitz enteignet und Banken, Grundindustrien und Kohle- und Erzgruben verstaatlicht. Bis Mitte der fünfziger Jahre erfolgte die völlige Kollektivierung der Landwirtschaft und die Sozialisierung des Groß- und Einzelhandels. 1965 scheiterte ein Umsturzversuch von Offizieren, die einen kommunistischen Staat nach jugoslawischem Vorbild etablieren wollten. Doch in den sechziger Jahren setzte eine zaghafte Reformbewegung ein, die das Land vor allem dem Tourismus öffnete. In der Folge bemühte sich Bulgarien um bessere Beziehungen zum westlichen Europa und nahm mit einigen Staaten auch wieder diplomatische Beziehungen auf. Schon vor der Wende 1989 wurde die Planwirtschaft beseitigt und nach sowjetischem Vorbild der »neue ökonomische Mechanismus« eingeführt. Es wurde mehr Selbstverwaltung gestattet, Marktorientierung wurde ein neues Ziel. Nach dem EU-Beitritt am 1. Januar 2007 wird Bulgarien trotz eines Wirtschaftswachstums von 8% (2006) das ärmste Land Europas sein.
Wirtschaft
Wirtschaftlich konnte Bulgarien in den Jahren nach der Wende kontinuierlich aufholen. Die Umwandlung von einem reinen Agrarstaat, der neben Ackerbauprodukten Tabak und Baumwolle exportierte, in einen Industriestaat geht voran. In Sofia hat sich eine florierende Maschinenindustrie etabliert, in Varna und Burgas entstanden Erdölraffinerien. Bodenschätze wie Kohle Kupfer, Blei, Eisenerze und Mangan werden exportiert. Ein wichtiger Wirtschaftszweig ist der Tourismus, daneben haben sich interessante Nischenproduktionen durchgesetzt, wie Heilkräuter und Rosenöl, das als Rohstoff für die Parfumerzeugung unentbehrlich ist.
CHINA (VRC)

Fläche
9,56 Mio. km2
Hauptstadt
Beijing (14 Mio. Einw. in der Region)
Währung
1 Yuan = 10 Jiao = 100 Fen
Staatsform
Sozialistische Volksrepublik
Parlament
Nationaler Volkskongress mit 2.979 Abgeordneten
Religion
Volksreligionen 20,1%, Buddhisten 6%, Muslime 2,4%, Christen 0,2%, sonstige 0,1%, Konfessionslose 71,2%
Einwohner
1,32 Mrd.
Sprache
Chinesisch
Gliederung
23 Provinzen, 5 Regionen, 4 Stadtbezirke, 2 Sonderverwaltungen (Hongkong, Macau)
Staatsoberhaupt
Präsident
Nationalfeiertag
1. Oktober
Nationalitäten/Ethnien
Han-Chinesen 92%, sonstige 8%
Internet www.china.org.cn
Geschichte
In China bestand mit der Shang-Dynastie die erste Hochkultur bereits vom 16. bis zum 11. Jh. v. Chr. Sie wurde von der Phase der Streitenden Reiche abgelöst, die bis 221 v. Chr. währte. Es war eine Zeit der Expansion, der strengen Feudalherrschaft und schließlich der zahlreichen Kriege der einzelnen Staaten und Fürstentümer gegeneinander. Trotzdem blühte das kulturelle Leben, es entfaltete sich ein reger Handel, Philosophen wie Konfuzius und Laotse entwickelten Denkschulen, die noch heute in China Bestand haben. Mit der Qin- und der Han-Dynastie etablierte sich das chinesische Kaiserreich, ein straff organisierter Zentralstaat, der gegen Eindringlinge die Chinesische Mauer zu errichten begann, aber auch lebhafte Handelsbeziehungen pflegte, die bis in den Mittelmeerraum hinein reichten. Um etwa 200 n. Chr. begann die Phase der Sui- und Tang-Dynastien, unter deren Herrschaft China sich in verschiedene Reiche aufsplittert. Dennoch herrschte eine kulturelle Blüte, die vor allem vom Buddhismus beeinflusst wurde. Von etwa 1000 bis ins 14. Jh. regierten die Song-Dynastie und die mongolische Yuan-Dynastie. In dieser Zeit wurde die kaiserliche Residenz nach Hangzhou, südlich von Shanghai, verlegt. Damals gelangte durch die Reisen des Marco Polo erstmals authentisches Wissen über China nach Europa, in China selbst wurde der Buchdruck, das Schießpulver und das Papiergeld erfunden. Ende des 14. Jh. kam es zu Aufständen gegen die mongolische Dynastie, sie wurde durch ein absolutistisches Kaisertum abgelöst, das sich bis ins 18. Jh. behaupten konnte. In dieser Zeit wurde an der Chinesischen Mauer weitergebaut. 1644 erfolgte die Eroberung durch die Mandschus, die China bis zum Ende des Kaiserreiches 1911 in ihrer Gewalt hielten. Die Mandschu-Kaiser eroberten im 18. Jh. Tibet, sie schlossen auch den ersten Vertrag Chinas mit einer europäischen Macht, nämlich mit Russland, über die Amur-Grenze. Schon im 16. Jh. waren westliche Handelsstützpunkte angelegt worden, vor allem von den Briten und den Portugiesen. 1842 errang Großbritannien einen Sieg über China im Opiumkrieg, worauf China Hongkong an die Briten abtreten musste. Im Chinesisch-Japanischen Krieg verlor China die Insel Taiwan und musste der Unabhängigkeit Koreas zustimmen.
Ende des 19. Jh. bildete sich als Widerstand gegen die westlichen Interventionen die Boxerbewegung, ihr Aufstand wurde jedoch 1901 von den Westmächten niedergeschlagen. Bürgerliche Kräfte formten nun eine gemäßigte Opposition, die schließlich den Rücktritt des letzten Kaisers Pu Yi erreichte, Sun Yat-sen übernahm die Macht und rief in Nanking die Republik aus. Es bildete sich die Kuomintang-Bewegung Tschiang Kai-scheks, der 1925 das Präsidentenamt übernahm. Er lag in ständigem Krieg mit der kommunistischen Partei. Diese Zwiste wurden auch kaum durch die japanische Besetzung der Mandschurei unterbrochen. Es herrschte Krieg an allen Fronten, jeder gegen jeden, neun Mio. Chinesen verloren in diesen Wirren ihr Leben. Mit Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Mandschurei wieder chinesisch, bis 1955 gaben die Russen alle eroberten Gebiete zurück, wie etwa Port Arthur. 1950 begann die Besetzung Tibets. Den Anspruch auf Taiwan und die dazugehörigen Inseln hat China nie aufgegeben.
Bereits im September 1949 proklamierten die Kommunisten unter der Führung Mao Dsedongs die chinesische Volksrepublik. Im Dezember dieses Jahres ging der Bürgerkrieg gegen die legale Regierung Tschiang Kai-scheks zu Ende, Tschiang Kai-schek wurde nach Taiwan vertrieben.
In der ersten Phase bis 1954 wurde alles verstaatlicht und eine große Agrarreform durchgeführt. In der zweiten Phase bis 1958 wurde die Industrialisierung vorangetrieben, der gesamte Handel verstaatlicht und die gesamte Landwirtschaft sozialisiert. Ab 1958 wurden mit dem »Großen Sprung nach vorne« eine neue Wirtschaftsstrategie entwickelt, zu diesem Zeitpunkt wollte China die führende kommunistische Macht werden und die Sowjetunion überflügeln, mit der China im ideologischen Streit lag. Am Ende dieser Entwicklung herrschten wirtschaftliches Chaos und Hunger, die »Drei bitteren Jahre«. Danach versuchte Deng-Xiaoping, der innerparteilich beachtlich an Einfluss gewonnen hatte, einen langsamen Aufbau der Wirtschaft. Diese Entwicklung wurde 1966 durch die »Große Sozialistische Kulturrevolution« unterbrochen. Mit Duldung Maos wandten sich die Roten Garden gegen alles Westliche, die Intellektuellen wurden aus den Städten in die Dörfer vertrieben und mussten Landarbeit leisten. Auch diese Phase zerstörte mehr an Kulturgütern als sie das Land vorwärts brachte. Sie wurde gewaltsam durch die Armee beendet. Als nach Maos Tod 1976 seine Witwe Chiang Ching Nachfolgeansprüche erhob, wurden sie und ihre Mitstreiter, Stichwort »Viererbande«, sofort entmachtet.
International schaffte China in diesen Jahren dank der zielstrebigen Außenpolitik Tschou En-Lais seine weitgehende Anerkennung. Nur die Vereinigten Staaten, die ein Bündnis mit Taiwan hatten, anerkannten China lange nicht und hielten ein Embargo gegen China aufrecht. Zur Sowjetunion pflegte China enge politische Beziehungen, die sich erst nach dem 20. Parteikongress von 1956 lockerten, als Nikita Chruschtschow Stalins Politik in Grund und Boden verdammte. Ein Konflikt mit den Sowjets brach 1962 offen aus. Hatte China zuvor noch enge Beziehungen zu den sowjetischen Satellitenstaaten, so harrte nach 1962 nur mehr Albanien an Chinas Seite aus. Sehr gute Beziehungen hatte China auch zu den asiatischen kommunistischen Staaten wie Nordkorea, das es durch freiwillige Einheiten im Koreakrieg (1950–1953) unterstützte. Auch im Indochinakrieg und im Vietnamkrieg (ab 1965) stand China an der Seite der kommunistischen Kämpfer. Um einen Cordon Sanitaire zu schaffen, schloss China Freundschaftsverträge mit Afghanistan, mit Burma (heute Myanmar) und mit Pakistan; letzterem versicherte China seine Unterstützung im Kaschmirkonflikt mit Indien. Auch das Regime Pol Pots in Kambodscha und die Pathet Lao-Bewegung in Laos konnten der chinesischen Freundschaft und Unterstützung sicher sein. 1954 schloss China mit dem blockfreien Indien einen Vertrag. Das bilaterale Verhältnis wurde aber durch den tibetischen Aufstand 1959 getrübt, in dessen Folge Indien zum Exilland für viele Flüchtlinge aus Tibet, einschließlich des Dalai Lama, wurde.
Das Verhältnis zu den Vereinigten Staaten verbesserte sich erst mit dem Besuch Richard Nixons in Peking, die USA entzogen Taiwan ihre Unterstützung. Damals verlor Taiwan sein Vorrecht als UN-Mitglied, an seiner statt zog die Volksrepublik China in die UNO ein.
Politisches System
1954 gab sich China, d.h. Mao war federführend, eine neue Verfassung. Nach dieser wurde der Staatspräsident vom Volkskongress auf vier Jahre gewählt. Die Oberste Staatskonferenz, sie entspricht einer Regierung, wird vom Ministerpräsidenten geführt. 1953 wurde erstmals ein nationaler Volkskongress gewählt, in der Regel tagt er nur einmal jährlich. Die eigentliche Legislative liegt bei seinem Ständigen Ausschuss. Die Macht im Staate allerdings liegt bei der KPCh. Als in Folge der liberalen Wirtschaftspolitik sich Mitte der achtziger Jahre inspiriert von Michail Gorbatschows Politik eine Demokratiebewegung formierte, wurde diese nach einer Großdemonstration am Platz des Himmlischen Friedens gnadenlos niedergemacht, tausende Oppositionelle inhaftiert oder hingerichtet.
Um das rasante Bevölkerungswachstum zu steuern – Chinas Bevölkerung stieg zwischen 1953 und 1995 von 582 Mio. Einwohnern auf 1,2 Mrd. – wurde die Ein-Kind-Politik propagiert, d.h. jede Familie durfte nur ein Kind haben. Diese Politik war jedoch unmöglich konsequent durchzuhalten, vor allem die Landbevölkerung wandte sich dagegen. Inzwischen herrscht in China Frauenmangel.
Seit 1964 verfügt China über Atombomben. Zu China gehören auch noch als autonome Region die Innere Mongolei und etwa 3000, den Küsten vorgelagerte Inseln.
Wirtschaft
Deng Xiaoping leitete ab den siebziger Jahren eine liberale Wirtschaftspolitik ein, die er sozialistische Marktwirtschaft nannte. Unter dem Motto »Reich werden ist wunderbar« wurden weltweit intensive Handelsbeziehungen aufgenommen, die chinesischen Märkte geöffnet.
Für Afrika begann sich China bereits in den sechziger Jahren zu interessieren, doch eine offensive Afrikapolitik setzte erst mit der Jahrtausendwende ein, als China einerseits im Zuge seines Wirtschaftsbooms an Rohstoff- und Energiemangel litt. Andererseits konnte es zu diesem Zeitpunkt den afrikanischen Ölstaaten als Austausch für Öllieferungen Entwicklungshilfe im Infrastrukturbereich bieten.
In Chinas Landwirtschaft sind noch immer 50% der Erwerbstätigen beschäftigt. Es werden Reis, Weizen, Mais, Hirse und Hafer angebaut, wobei die Ernten den Eigenbedarf Chinas decken. Weitere Feldfrüchte sind Tabak, Kartoffel, Baumwolle, Tee, Zuckerrohr und Erdnüsse. Von großer Bedeutung ist auch die Geflügel- und Schweinezucht.
An Bodenschätzen verfügt China über Bauxit, Blei, Diamanten, Eisenerze, Erdöl, Gold, Kupfer, Steinkohle, Zink und Zinn, sowie über Antimon, Erdgas, Uran und Wolframvorkommen.
Hohe ausländische Investitionen und die Tatsache, dass chinesische Facharbeiter sehr gut ausgebildet sind, erlauben ein kräftiges Industriewachstum. Nur 20 % der Erwerbstätigen sind in der Industrie tätig, sie erwirtschaften 50% des BIP. Derzeit wird groß in die noch unzureichende Verkehrsinfrastruktur investiert.
Wegen des drückenden Energiemangels entschloss sich China zu einem gigantischen Wasserkraftwerksbau am Yangtse (mit 6300 km der längste Fluss Asiens), dem Drei-Schluchten-Staudamm. Dieses größte Wasserkraftwerk der Welt (185 m hohe Staumauer, 2,3 km lang) wurde in den Jahren 1997 bis 2006 errichtet, schließlich versanken 13 Städte und 4500 Dörfer im Wasser, 1,4 Mio. Bewohner mussten umgesiedelt werden. Bis 2009 sollen alle Turbinen laufen und jährlich 84,7 Mrd. Kilowatt erzeugen. Doch schon jetzt macht das Projekt große Probleme, etwa dass die Anrainer den Stausee als eine riesige Mülldeponie benutzen. So mussten innerhalb von vier Wochen 1000 Tonnen Unrat aus dem See gefischt werden, sonst würden die Turbinen verstopft sein. Dadurch verkommt der Stausee zur Kloake, die Wasserreinhaltung verschlingt Unsummen. Eine Lösung haben die Behörden bis jetzt noch nicht gefunden.
DÄNEMARK (DK)

Fläche
43.094 km2
Hauptstadt
Kopenhagen (1,4 Mio. Einw.)
Währung
1 Dän. Krone = 100 Øre
Staatsform
Parlamentarische Monarchie
Parlament
Folketing mit 179 für vier Jahre gewählten Abgeordneten
Religion
Christen 89%, Muslime 2%, sonstige 9%
Einwohner
5,4 Mio.
Sprache
Dänisch
Gliederung
14 Kreisgemeinden
Staatsoberhaupt
König/Königin
Nationalfeiertag
5. Juni
Nationalitäten/Ethnien
Dänen 96%, Asiaten 2%, sonstige 2%
Internet www.denmark.dk
Geschichte
Gorm der Alte bildete in der ersten Hälfte des 10. Jh. einen Staat, der sich aus den Regionen Jütland, Schonen und Schleswig zusammensetzte. Zuvor hatten sich die dort siedelnden Dänen erfolgreich gegen Invasionen des Frankenreiches behaupten können. Noch vor dem Jahr 1000 wurde das Christentum Staatsreligion. Im ersten Viertel des 11. Jh. expandierten die Dänen unter Knut dem Großen sogar bis zur britischen Insel, aber diese Invasion blieb eine Episode. Immer wieder kam es mit den Schweden zu Auseinandersetzungen um Gebiete, ab dem 14. Jh. herrschten die Dänen in Schleswig und Holstein und sogar in Estland. Die Herrschaft über Schleswig und Holstein machte die dänischen Herrscher auch zu deutschen Reichsfürsten, was sie bis zum Zerfall des Reiches 1806 blieben. 1380 gewannen sie Norwegen und Island. Eine weitere Expansion nach Süden scheiterte am entschiedenen Widerstand der Hanse, die sich 1370 im Frieden von Stralsund ein Handelsmonopol in Dänemark sicherte. Trotzdem wahrten die Dänen in der Ostsee eine klare Vormachtstellung, die etwa 1425 mit der Einführung des Sundzolles für nicht-dänische Schiffe ihren sichtbaren Ausdruck fand. Die Zeit der Reformation führte in Dänemark zu Auseinandersetzungen zwischen Krone und Bürgertum einerseits, dem Adel andererseits, wobei sich letzterer durchsetzte, was zur Leibeigenschaft für viele früher freie Bauern führte. Über die Jahrhunderte konstant blieb jedoch der Zwist mit Schweden um die Vorherrschaft in der Ostsee. Während des 30-jährigen Krieges kam es zu einer missglückten dänischen Intervention, König Christian IV. unterlag Wallenstein und musste sich völlig aus den deutschen Angelegenheiten zurückziehen. Ende des 18. Jh. trat Dänemark als einer der ersten europäischen Staaten für die Abschaffung von Sklavenhandel und Leibeigenschaft ein. Diese liberale Haltung führte dazu, dass Dänemark während der Französischen Revolution und danach ein Zentrum der deutschen Jakobiner wurde. Dänemark nahm auch nicht an der antinapoleonischen Koalition der europäischen Mächte teil, sodass 1807 Helgoland an Großbritannien verloren ging. Damals musste auch Norwegen an Schweden abgetreten werden. In der Mitte des 19. Jh. kam es zum Konflikt mit der deutschen Nationalbewegung wegen Schleswig und Holstein, im Krieg mit Preußen und Österreich gingen beide Provinzen 1864 verloren. Im Ersten Weltkrieg blieb Dänemark neutral, 1918 musste Island als selbstständiges Königreich in Personalunion mit der dänischen Krone anerkannt werden. 1944 wurde Island unabhängige Republik.
Politisches System
Auf Grund der Erfahrungen des Zweiten Weltkrieges gehörte Dänemark nach 1945 zu den Mitbegründern der NATO, weitere Leitlinien seiner Politik sind die enge Zusammenarbeit mit den skandinavischen Staaten, vor allem im 1951 gegründeten Nordischen Rat. 1953 gab sich das Land eine neue Verfassung, die auch die weibliche Thronfolge ermöglichte. Grönland und die Färöer-Insel, die beide seit dem 18. Jh. zu Grönland gehören, entsenden je zwei Abgeordnete in den Folketing.
Wirtschaft
Dänemark, bis zum Zweiten Weltkrieg vorwiegend Exporteur von Agrargütern, baute nach dem Zweiten Weltkrieg eine florierende weiterverarbeitende Industrie auf. Inzwischen ist der Export von Industriegütern viermal so hoch wie der von Agrarprodukten. Typisch für Dänemark ist die klein- und mittelbetriebliche Struktur. Nur mehr 3,4% der Arbeitskräfte sind im Agrarsektor tätig. Obwohl fast alle Rohstoffe importiert werden müssen, ist die Metallverarbeitung der wichtigste Industriezweig. Die Bedeutung des einmal florierenden Schiffsbaus ist im Abnehmen. Daneben verfügt Dänemark über eine der größten Fischfangflotten Europas.
DEUTSCHLAND (D)

Fläche
357.022 km2
Hauptstadt
Berlin (3,3 Mio. Einw.)
Währung
1 Euro = 100 Cent
Staatsform
Parlamentarische Republik
Parlament
Bundestag mit 614 und Bundesrat mit 69 Mitgliedern
Religion
Christen (66,8%): davon Katholiken (33,4%), Protestanten (33,4%); Muslime (3,1%), Juden (0,1%), sonstige (30%)
Einwohner
82,7 Mio.
Sprache
Deutsch
Gliederung
16 Bundesländer
Staatsoberhaupt
Bundespräsident
Nationalfeiertag
3. Oktober
Nationalitäten/Ethnien
Deutsche (91,1%), Türken (2,5%), sonstige (6,4%)
Internet www.bundesregierung.de
Geschichte
In vorchristlicher Zeit lebten im heutigen Deutschland keltische und germanische Stämme. Die linksrheinische Gebiete sowie die Regionen südlich der Donau wurden um die Zeitenwende römische Provinzen. Rhein und Donau bildeten den so genannten Limes (= Grenze) zwischen römischem und germanischem Einflussbereich. Nach dem Einfall der Hunnen setzte die Völkerwanderung ein, die für das Weströmische Imperium zum Untergang führte. In Deutschland etablierte sich im 6. Jh. mit den Franken ein einheimisches Königtum, das nach allen Richtungen expandierte. Die im Nordosten etwa im 7. Jh. eingewanderten Slawen wurden assimiliert, die im Norden ansässigen Sachsen mit brutaler Härte unter Karl dem Großen unterworfen und zwangschristianisiert. Karl der Große herrschte über ein mittel- und westeuropäisches Reich, das sich bis Österreich und nach Oberitalien erstreckte. Unter seinen Nachfolgern kam es 843 mit dem Vertrag von Verdun zur Dreiteilung dieses Reiches, das Ostfrankenreich wurde ab dem 10. Jahrhundert als »regnum teutonicum« (Deutsches Reich) bezeichnet. Rückgreifend auf die Reichsidee Karls des Großen ließ sich Otto I. 962 in Rom krönen, doch die territoriale Zersplitterung in zahlreiche kleinere und größere souveräne Fürstentümer und freie Reichsstädte wurde ab dem Hochmittelalter zum Problem. Das Prinzip des Wahlkönigtums erforderte jeweils Zugeständnisse an die Lehensinhaber, was zur Schwächung des Königtums führte. Trotz Auseinandersetzungen mit dem Papsttum (Investiturstreit) gelang es etwa Friedrich II. aus dem Hause der Staufer, über ein Reich zu gebieten, das von der Nordsee bis nach Sizilien reichte. Nach dem Ende des letzten Staufers verfiel die Königsmacht im Reich weiter, es kam zu Doppelwahlen, trefflich wurde diese Zeit als Interregnum bezeichnet. Dieses wurde durch die Wahl Rudolfs von Habsburg beendet, mit ihm betrat ein aus der heutigen Schweiz stammendes Geschlecht die politische Bühne. Zur Stärkung seiner Königsmacht verhalf er seiner Familie zu einer territorialen Hausmacht, konnte aber die Kaiserkrone noch nicht für seine Familie sichern. Erst nach dem Aussterben der Luxemburger mit Kaiser Sigismund 1438 trat mit seinem Schwiegersohn Albrecht wieder ein Habsburger an die Spitze des Reiches. Die Habsburger stellten bis auf eine kurze Unterbrechung von 1740 bis 1745 bis zum Ende des Reiches 1806 den römischen König. Friedrich III. legte den Grundstein für das habsburgische Großreich. Sein Sohn Maximilian nahm ohne Krönung den Titel eines Kaisers an. Sein Verdienst ist zweifelsohne, eine Reichsreform in die Wege geleitet zu haben. Unter seinem Nachfolger Karl V. breitete sich die Reformation aus, die das Reich polarisierte. An den Grenzen drohten die Osmanen (1529 erste Türkenbelagerung Wiens). Die Verelendung des Bauernstandes führte zu regionalen Aufständen der Bauern, die sich großteils der neuen protestantischen Religion anschlossen. So war eine kriegerische Auseinandersetzung um religiöse Zugehörigkeit verbunden mit klaren Machtfragen nicht zu vermeiden. Der Dreißigjährige Krieg, der Deutschland in ein Chaos stürzte, das Land entvölkerte und nur Sieger im Ausland brachte, schwächte die Macht des Herrschers weiter. Die Zersplitterung des Reiches förderte den Aufstieg zielbewusster Territorien wie etwa Preußens. Unmittelbar nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges sah sich das Reich von zwei Seiten bedrängt, einerseits von den Eroberungskriegen des französischen »Sonnenkönigs« Ludwig XIV., anderseits von den nach außenpolitischen Erfolgen drängenden Osmanen. Letztere konnten durch einen gemeinsamen Einsatz einiger deutscher Fürsten und der unmittelbar bedrohten Habsburger 1683 vor Wien endgültig in die Schranken gewiesen werden. Das 18. Jh. stand im Zeichen der Auseinandersetzung zwischen dem Habsburgerreich, das nach dem Aussterben der männlichen Linie durch Maria Theresia, Tochter Karls VI., regiert wurde, und der aufstrebenden Macht Preußen. Dem Ansturm der napoleonischen Heere fielen nicht nur Randgebiete Deutschlands zum Opfer, sondern auch das längst zu schwache Reichsgebilde selbst. 1806 legte der letzte deutsche Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Franz II. die Kaiserkrone nieder. Nutznießer dieser Entwicklung waren die größeren deutschen territorialen Staaten wie Preußen, Bayern oder Württemberg. Der restaurative Wiener Kongress formte den Deutschen Bund, bestehend aus 38 Einzelstaaten, die von Österreich bzw. Preußen dominiert wurden. Ein Konflikt der beiden um die Vormacht war damit programmiert. Die Märzrevolution des Jahres 1848 zwang die konservativen Herrscher zu vorläufigen Zugeständnissen, wie der Einrichtung der Frankfurter Nationalversammlung. Ganz im Sinne des neuen Nationalismus schuf diese einen Verfassungsentwurf für eine deutsche konstitutionelle Monarchie, die jedoch am Einspruch Preußens scheiterte. 1866 kam es zum Zusammenstoß zwischen Preußen und Österreich, der mit der Niederlage Österreichs und seinem Herausdrängen aus dem Reich endete. Nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870 wurde 1871 in Versailles das Deutsche Kaiserreich proklamiert. Mit der Thronbesteigung Wilhelms II. 1888 setzte eine expansive deutsche Politik ein, die auf militärische Überlegenheit und auch auf den Erwerb überseeischer Kolonien setzte. Dies brachte sie in Gegensatz zu den anderen europäischen Mächten, vor allem Frankreich und Großbritannien, die sich 1904 in der Entente cordiale zusammenfanden. Das Attentat von Sarajewo auf den österreichischen Thronfolger setzte die Automatik des Bündnissystems in Gang, der Erste Weltkrieg brach aus. Deutschland unterlag, fast drei Millionen Menschen verloren ihr Leben. Deutschland wurde Republik, durch die Friedensverträge belastet mit Reparationszahlungen und Kriegsschuld, konnte sich keine stabile innenpolitische Lage entwickeln. Die demokratischen Kräfte wurde vielfach durch Anschläge und Aufstände diffamiert, die Wirtschaftskrise Ende der zwanziger Jahr trug zur Destabilisierung bei. Dies förderte das Aufkommen rechtsnationaler Gruppierungen wie der NSDAP, die schließlich 1933 mit dem aus Österreich stammenden Adolf Hitler den Reichskanzler stellte. Dieser wandelte das Land in kürzester Zeit in einen autoritären, expansionistischen Staat um, in dem politische Gegner verfolgt und andere Meinungen unterdrückt wurden. Konzentrationslager, Gestapo und Rassengesetze gegen jüdische Bürger wurden zum Machterhalt eingesetzt. Der vom Zaun gebrochene Zweite Weltkrieg, um Lebensraum zu erobern, Schulden bei der Großindustrie einzulösen und das Wort vom »Großdeutschen Reich« wahr zumachen, endete in der größten Katastrophe der deutschen Geschichte. Belastet mit dem systematischen Massenmord an den Juden, erlitt Deutschland nach diesem Krieg nicht nur beachtliche Gebietsverluste, sondern auch einen weltweiten Verlust an Glaubwürdigkeit. Bis zum Jahr 1990 blieb Deutschland formal unter alliierter Hoheit. In den westlichen Besatzungsgebieten formte sich die deutsche Bundesrepublik, die sich 1949 mit dem Grundgesetz eine demokratische Verfassung gab. Gleichzeitig entstand in der sowjetischen Besatzungszone die Deutsche Demokratische Republik, ein sowjetischer Satellitenstaat. Diese Trennung in zwei Staaten und zwei Systeme, durch den Kalten Krieg einzementiert, wurde von der Bundesrepublik offiziell nie anerkannt (Hallstein-Doktrin). Die Wiedervereinigung Deutschlands blieb immer primäreres Ziel der deutschen Außenpolitik. In der Ära Willy Brandts wurde eine »Neue Ostpolitik«, die auf Verständigung setzte, eingeleitet. Doch erst der Zusammenbruch des kommunistischen Systems in Russland brachte 1989/90 die Wende und damit die Wiedervereinigung.
Politisches System
Deutschland ist eine Bundesrepublik, die aus 16 teilsouveränen Bundesländern besteht. Basierend auf dem Grundgesetz von 1949 ist sie ein demokratischer, sozialer und rechtsstaatlicher Bundesstaat. Staatsoberhaupt ist der Bundespräsident, der für fünf Jahre von der Bundesversammlung gewählt wird und dem vor allem repräsentative Aufgaben zukommen. Die Richtlinienkompetenz für die Führung der Politik ist Aufgabe des Bundeskanzlers. Deshalb wird die Bundesrepublik auch als »Kanzlerdemokratie« bezeichnet. Auf Bundesebene wie auf Länderebene bestehen legislative, exekutive und judikative Elemente. Grundsätze deutscher Außenpolitik sind die Bindung an das westliche Bündnissystem und der Anteil an der europäischen Integration. Seit 1950 ist Deutschland Mitglied des Europarates, 1957 gehörte es zu den Mitunterzeichnern der Römischen Verträge. 1955 trat die Bundesrepublik der NATO bei. Laut Grundgesetz darf sich die Bundeswehr nicht an Angriffskriegen beteiligen, sie besitzt lediglich die Verteidigungskompetenz. Seit der Wiedervereinigung beteiligte sich die Bundeswehr mit ausdrücklicher Zustimmung des Bundestages an friedenserhaltenden und friedensstiftenden Einsätzen. Außerdem ist Deutschland bemüht, an der Gestaltung einer europäischen Außen- und Sicherheitspolitik mitzuarbeiten. Sehr aktiv bemüht sich die Bundesrepublik um eine friedliche Lösung des Nahostkonflikts. Abgelehnt wurde der US-amerikanische Krieg im Irak, da man das Vorhandensein von Massenvernichtungswaffen bezweifelte. Mit dem Iran versucht Deutschland im Dialog zu bleiben, um diesen zu veranlassen, auf das Atomprogramm zu verzichten.
Wirtschaft
Die wirtschaftspolitische Harmonisierung Ostdeutschlands mit dem Westen nach der Wiedervereinigung wurde zu einer unterschätzten Kraftprobe für die deutsche Wirtschaft. Nach der anfänglichen Euphorie über die Währungseinheit kam es zu einem massiven Stellenabbau und damit zu hohen Arbeitslosenzahlen. Trotzdem gehört Deutschland nach wie vor zu den führenden Industrienationen der Welt, wobei der industrielle Anteil zu Gunsten des tertiären Sektors im Schwinden begriffen ist. Die sehr exportorientierte Industrie punktet vor allem in den Bereichen Maschinenbau, Automobil- und Fahrzeugbau sowie in der Elektroindustrie. Chemische Industrie und Nahrungs- und Genussmittelindustrie sind weitere florierende Bereiche. Vor allem in Bayern, Baden-Württemberg und Sachsen etablierte sich eine spezialisierte Hightech-Industrie, etwa was den Anlagenbau und die Weltraumtechnik betrifft.
Deutschland verfügt nur über wenige Rohstoffe, es gibt nur ergiebige Kohlelagerstätten, geringe Vorkommen an Eisenerz, Blei und Zink. Die Energievorsorgung erfolgt großteils durch Erdöl- und Erdgasimporte, sowie durch Kernkraftwerke. Der Ausstieg aus letzteren und der Umstieg auf erneuerbare Energieträger ist deklariertes politisches Ziel.
Mehr als 50% der deutschen Fläche werden landwirtschaftlich genutzt, von Wald bedeckt sind fast 30%. Die deutsche Landwirtschaft ist äußerst leistungsfähig, aber – wie in der gesamten EU – hoch subventioniert. Bei den Betriebsgrößen überwiegen Klein- und Mittelbetriebe. Nur im Osten wurden die ehemals kollektivierten Betriebe in große und leistungsstarke Genossenschaften bzw. privatwirtschaftliche Kooperationen umgewandelt.
ESTLAND (EST)

Fläche
45.100 km2
Hauptstadt
Tallinn (404.000 Einw.)
Währung
1 Estnische Krone = 100 Senti
Staatsform
Parlamentarische Republik
Parlament
Staatsversammlung mit 101 auf drei Jahre gewählten Abgeordneten
Religion
Protestantisch, Estonisch- und Russisch-Orthodox
Einwohner
1,3 Mio.
Sprachen
Estnisch, Russisch
Gliederung
15 Bezirke
Staatsoberhaupt
Präsident
Nationalfeiertag
24. Februar
Nationalitäten/Ethnien
Esten 65%, Russen 28%, sonstige 7%
Internet www.riik.ee/en
Geschichte
Estland wurde ab dem 12. Jh. von Deutschen und Dänen unterworfen und christianisiert. Seit Mitte des 16. Jh. unter schwedischer Herrschaft, blieb der Norden des Landes nach dem Livländischen Krieg ein Landesteil Schwedens, der Süden wurde Polen zugeschlagen. 1721 geriet Estland nach dem Nordischen Krieg, den Schweden verloren hatte, gemeinsam mit Livland durch den Frieden von Nystad unter russische Herrschaft. Unter dem zaristischen Regime, das immerhin bis zur russischen Oktoberrevolution dauerte, durfte nicht einmal die estnische Sprache gesprochen werden. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Estland ebenso wie die beiden anderen baltischen Staaten unabhängig. Einen Einmarsch der Roten Armee konnte Estland 1919 mit Unterstützung von deutsch-baltischen Truppen abwehren. Im Frieden von Dorpat 1920 war die Sowjetunion bereit, die Unabhängigkeit des Landes anzuerkennen.
Das unabhängige Estland nach dem Ersten Weltkrieg gab sich eine parlamentarische Verfassung, in einer umfassenden Agrarreform wurde die Vormachtstellung des Grund besitzenden deutschen Adels beseitigt. In den dreißiger Jahren driftete Estland wie so viele europäische Staaten in eine autoritäre Regierungsform ab.
Lange konnte Estland sich aber nicht seiner Unabhängigkeit erfreuen, denn auf Grund des deutsch-russischen Abkommens (Hitler-Stalin-Pakt) von 1939 gehörte es zum sowjetischen Interessengebiet und wurde daher 1940 von der Roten Armee besetzt. Ein Jahr später folgte die Besetzung durch die deutsche Wehrmacht, die das Land bis zum Einmarsch der Sowjets in ihren Händen behielt. Danach wurde Estland eine sowjetische Teilrepublik. Nach der Wende in Osteuropa erklärte sich Estland für unabhängig. 1991 schloss es sich mit Lettland und Litauen zum Baltischen Rat zusammen, eine Kooperation, die von den drei baltischen Staaten bereits 1934 in Genf lanciert worden war.
Politisches System
Gemeinsam strebten die drei Staaten nach der Wende die NATO-Mitgliedschaft an. Auch die Mitgliedschaft in der EU stand auf der außenpolitischen Wunschliste ganz oben, 1995 stellte Estland den offiziellen Antrag. 2003 stimmten 67% der Bewohner für einen EU-Beitritt. Den Grundsatz der Kooperation wahrte Estland dabei im Verhältnis zu den anderen skandinavischen Staaten. Estland profilierte sich als aktiver UN-Partner durch Teilnahme an friedenserhaltenden Operationen bzw. innerhalb der NATO bei PfP (Partnership for Peace). So entsandte Estland Kontingente in den Kosovo (KFOR), nach Bosnien (SFOR) und Afghanistan (ISAF), ebenso in den Irak. Die Bevölkerung unterstützt dieses Engagement im Bereich von UNO und NATO nachdrücklich. Auch politisch gehört Estland zu den innovativsten Ländern, in Estland besteht bereits die Möglichkeit, das Wahlrecht via Internet auszuüben.
Wirtschaft
Estland gehört zu den am schnellsten wachsenden Märkten Europas, der baltische Raum ist immerhin ein Markt von 90 Mio. Einwohnern. Ein begünstigender Umstand ist die Flat tax, sowie eine generelle Einkommensteuer von 23%. Der Wirtschaftsboom resultiert aus einem rasch wachsenden Telekommunikationssektor und aus Einkünften aus dem steigenden Transitverkehr. 80% des estnischen Handels geht in die EU-Staaten, Haupthandelspartner sind Finnland, Schweden und Deutschland. Inzwischen ist das Land auch ein attraktiver Investmentplatz. Seinerzeit verstaatlichte Industriezweige wurden privatisiert, wie etwa die gesamte Infrastruktur, also Flughafen, Seehäfen, Telefon, Strom. Unmittelbar nach der Unabhängigkeit von Russland war Estland sehr von russischen Energieimporten abhängig. Trotzdem wurde der Rubel 1992 abgeschafft, die estnische Währung orientiert sich inzwischen am Euro.
FINNLAND (FIN)

Fläche
338.145 km2
Hauptstadt
Helsinki (525.000 Einw.)
Währung
1 Euro = 100 Cent
Staatsform
Parlamentarische Republik
Parlament
Reichstag mit 200 für vier Jahre gewählten Abgeordneten
Religion
Christen 89%, Konfessionslose 9%, sonstige 2%
Einwohner
5,3 Mio.
Sprachen
Finnisch, Schwedisch
Gliederung
5 Provinzen und Åland-Inseln
Staatsoberhaupt
Präsident
Nationalfeiertag
6. Dezember
Nationalitäten/Ethnien
Finnen 93%, Schweden 5%, sonstige 2%
Internet www.virtual.finland.fi
Geschichte
Finnland stand ab der Mitte des 12. Jh. unter schwedischer Oberhoheit, nachdem zuvor schwedische Mönche das Land christianisiert hatten. Nach dem schwedisch-russischen Krieg von 1809 ging das Land in russischen Besitz über, es wurde ein autonomes Großfürstentum im Rahmen des Zarenreiches. Die Oktoberrevolution von 1917 läutete auch für Finnland den Weg in die Unabhängigkeit ein, 1919 erklärte sich das Land für selbstständig. Schon 1918 hatte Finnland mit dem Deutschen Reich einen Sonderfrieden geschlossen. Im Juni 1918 kam es unter dem Eindruck der russischen Revolution auch in Finnland zu Aufständen, die jedoch von General Carl Gustav Mannerheim mit Hilfe deutscher Truppen niedergeschlagen wurden. Im Frieden von Dorpat 1920 erhielt Finnland den Hafen von Petsamo zugesprochen. Damit hat es einen Zugang zum Eismeer. Doch nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges versuchte Russland wieder, Finnland durch Gebietsansprüche unter seine Kontrolle zu bringen. 1939 und 1940 führte Finnland höchst erfolgreich für so eine schwache Militärmacht den Winterkrieg gegen die Sowjetunion, im Anschluss daran kämpfte es auf deutscher Seite gegen Russland bis 1944. Die Niederlage in diesem Krieg wurde durch den Pariser Friedensvertrag mit Russland im Jahr 1947 besiegelt: Finnland musste sich auf einen neutralen Status mit einem speziellen Nachbarschaftsverhältnis (Abschluss eines Beistands- und Freundschaftsvertrages 1948, 1955 um 20 Jahre verlängert) zur Sowjetunion verstehen und dorthin 300 Mio. Dollar Reparationen leisten. Außerdem gingen Karelien und das an Nickelvorkommen reiche Gebiet um Petsamo an die Sowjetunion.
Politisches System
Nach dem Zweiten Weltkrieg trat Finnland der UNO bei, wurde Mitglied des Nordischen Rates, gehörte zunächst wegen seiner Neutralität ab 1951 zur EFTA, seit 1995 ist Finnland Mitglied der Europäischen Union. Nach der Wende in Osteuropa erklärte Finnland seine von Russland diktierte Neutralität für nicht mehr zeitgemäß, es gehört aber keinem Militärbündnis an. Oftmals beteiligte sich Finnland an friedenserhaltenden Operationen der UNO oder an PfP (Partnership for Peace)-Programmen der NATO.
Finnlands Präsident wird für sechs Jahre gewählt, auf Grund der Verfassung stehen ihm oder ihr auch Exekutivrechte zu. Außerdem verfügt er über eine Richtlinienkompetenz in der Außenpolitik. 2000 wurde erstmals eine Frau, nämlich Tarja Halonen zur Präsidentin gewählt, 2006 wurde sie im Amt bestätigt.
Die Finnland im Westen vorgelagerten Ålandsinseln – sie wurden Finnland 1921 durch den Völkerbund zugesprochen – sind ein autonomes Gebiet.
Wirtschaft
Da ein Viertel des Landes nördlich des Polarkreises liegt, sind die Winter extrem kalt, die Sommer können sehr warm werden. Im Winter sind mehr als 50 Tage ohne Sonne, im Sommer geht 73 Tage lang die Sonne nicht unter. Die extreme nördliche Lage und die geographischen Verhältnisse sind auch für die geringe Bevölkerungsdichte von nur 15 Personen pro Quadratkilometer verantwortlich. Zwei Drittel der finnischen Bevölkerung leben in urbanen Räumen. Finnland ist zu drei Viertel von Wald bedeckt und hat etwa 190.000 Seen und fast ebenso viele Inseln. Die Holzwirtschaft spielte eine bedeutsame Rolle, sie ist auch Grundlage eines wichtigen Industriezweiges.
Im letzten Jahrzehnt baute Finnland eine florierende Elektronikindustrie auf, die gemeinsam mit der Metall verarbeitenden Industrie 60% des Exportes ausmacht. Finnland ist eines der führenden europäischen Länder, was die Nutzung des Internets betrifft, inzwischen gibt es mehr mobile Telefone als Festnetzanschlüsse.
FRANKREICH (F)

Fläche
543.965 km2
Hauptstadt
Paris (9,3 Mio. Einw.)
Währung
1 Euro = 100 Cent
Staatsform
Parlamentarische Republik
Parlament
Senat mit 321 Abgeordneten und Nationalversammlung mit 577 auf fünf Jahre gewählten Abgeordneten
Religion
Christen (77,7%), Muslime (4,5%), sonstige (17,8%)
Einwohner
60,5 Mio.
Sprachen
Französiisch
Gliederung
22 Regionen
Staatsoberhaupt
Staatspräsident
Nationalfeiertag
14. Juli
Nationalitäten/Ethnien
Franzosen (93,6%), Algerier (1,1%), sonstige (5,3%)
Internet www.www.gouverfnement.gouv.fr
Geschichte
Frankreich, schon in früher Zeit von Kelten bewohnt, wurde großteils im ersten vorchristlichen Jahrhundert von den Römern erobert. Zuvor hatten sich schon griechische Siedlungen an der Mittelmeerküste befunden, etwa Marseille. Diese Mittelmeerküste wurde als erstes eine römische Provinz, der heutige Name Provence erinnert noch an das lateinische »provincia«. Obwohl die Kelten den Römern unter dem Kommando von Julius Caesar erbitterten Widerstand entgegensetzten, wurden sie unterworfen. Gallien blieb römische Provinz bis zum Untergang des Römischen Reiches. In Gallien fand die entscheidende Schlacht gegen die Hunnen statt. Über Gallien zogen auch einige Stämme der Völkerwanderung Richtung Spanien hinweg. Die erste einheimische Herrscherfamilie waren die Merowinger, die von den Karolingern abgelöst wurden. In dieser Zeit weitete sich das Reich Richtung Westen und Süden bis nach Oberitalien aus. Mit der Reichsteilung 843 entstand des Westfränkische Reich, das ab 987 von den Kapetingern regiert wurde. Mitte des 13. Jh. wurde das Land in eine Erbmonarchie umgewandelt. Von der Mitte des 14. bis zur Mitte des 15. Jh. kämpfte Frankreich im Hundertjährigen Krieg mit England um seinen territorialen Bestand, da die Briten nach dem Aussterben der Kapetinger und der Inthronisation der Nebenlinie der Valois Ansprüche auf französisches Territorium erhoben. Den Engländern verblieb aber letztlich nur ein Stützpunkt in Calais. Schon zu dieser Zeit bildete sich in Frankreich, auch dank des Einsatzes von Jeanne d’Arc, ein ausgeprägtes Nationalgefühl heraus. Das 15. und 16. Jh. wurden durch den stetigen Konflikt mit den Habsburgern um die Vormachtstellung in Italien geprägt. Um die Mitte des 16. Jh. hielt die Reformation in Frankreich Einzug. Sie wurde Anlass für die blutigen Hugenottenkriege (Bartholomäusnacht 1572), die erst mit dem Edikt von Nantes 1598 beendet wurden. Am Dreißigjährigen Krieg beteiligte sich Frankreich nicht mit eigenen Truppen und vermied, dass das Land Kriegsgebiet wurde. Kardinal Richelieu, der mächtige Kanzler König Ludwigs XIII., unterstützte lediglich die habsburgischen Gegner mit Subventionszahlungen. Die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts brachte Frankreich den Absolutismus Ludwigs XIV., aber auch einen bedeutenden wirtschaftlichen Aufschwung durch den Merkantilismus eines Jean-Baptiste Colbert. Er ermöglichte den Aufbau einer bedeutenden Landarmee und den Bau einer großen Flotte, mit der Frankreich überseeische Kolonien erwarb. Der »Sonnenkönig« Ludwig XIV. erweiterte kontinuierlich die Grenzen des Landes nach Norden und Osten. Allein das luxuriöse Hofleben und die exorbitanten Ausgaben für die Eroberungskriege zerrütteten die Finanzen wieder. Als Frankreich wegen der spanischen Erbfolge einen Krieg mit den Habsburgern und den mit diesen verbündeten Briten vom Zaun brach, setzte der Niedergang der französischen Großmacht ein. Unter den Nachfolgern Ludwigs XIV. kam es zu einem radikalen Machtverfall der Krone, die wirtschaftliche Situation des Landes wurde immer schwieriger. Die Staatsfinanzen standen vor dem Zusammenbruch. Frankreich verlor etwa im Siebenjährigen Krieg seinen transatlantischen Kolonialbesitz an die Briten. So nimmt es nicht Wunder, dass diese Misswirtschaft zum Ausbruch der Französischen Revolution führte, die das »ancien regime« hinwegfegte. Durch die Revolution erhielt Frankreich und bald darauf Europa ein neues Gesicht, Staat und Gesellschaft wurden durch die Revolutionsgrundsätze (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit) auf neue Grundlagen gestellt. Doch die Schreckensherrschaft der extremen Revolutionäre wurde bald durch eine bürgerliche Regierung beseitigt, die als Steigbügelhalter für einen militärisch und politisch hochbegabten Aufsteiger diente: Napoleon Bonaparte. In beispiellosen Kriegszügen unterwarf er in eineinhalb Jahrzehnten fast ganz Europa und ordnete es der französischen Hegemonie unter. Doch eine Koalition aus allen besiegten Staaten beendete den Siegeslauf Napoleons, in den einzelnen Ländern hatten sich in den Befreiungskriegen nationale Bewegungen gebildet. Der Wiener Kongress von 1814/15 stellte im Großen und Ganzen die Vorkriegssituation in Europa wieder her. Mit der Rückkehr der Bourbonen wurde Frankreich eine konstitutionelle Monarchie, die nach der Revolution von 1830 von sozialen Unruhen durch die wachsende Industrialisierung geschüttelt wurde. Forderungen nach Bürgerrechten und Bürgerbeteiligung führten 1848 zur Entstehung der Zweiten Republik, die jedoch nur bis 1851 Bestand hatte, da der als Präsident bestellte Neffe Napoleons in einem Staatstreich aus Frankreich wieder ein Kaiserreich machte. Seine Niederlage im Deutsch-Französischen Krieg von 1870 führte zur Proklamation der Dritten Republik. Diese positionierte Frankreich gemeinsam mit Großbritannien eindeutig gegen das expansive Deutsche Kaiserreich (Entente). Der Erste Weltkrieg, der zu einem großen Teil auf französischem Boden ausgetragen wurde, brachte Frankreich wieder das 1871 verlorene Elsass zurück. Die Pariser Friedensverträge machten die dominierende Rolle Frankreichs auf dem Kontinent deutlich. Doch der Konflikt mit der der Weimarer Republik und dem nachfolgenden nationalsozialistischen Deutschland blieb virulent. Dem deutschen Angriff im Zweiten Weltkrieg erlag Frankreich schon nach wenigen Monaten. Nach dem Waffenstillstand wurde die Regierung Petain/Laval gebildet, die in Vichy ihren Sitz hatte und mit den Deutschen kollaborierte. Gleichzeitig erhob sich im Land eine intensive Widerstandsbewegung (Resistance), in London wurde unter General Charles de Gaulle eine Exilregierung (Komitee für nationale Befreiung) gebildet. Nach der Landung der alliierten Truppen und der Rückeroberung Frankreichs marschierten die Alliierten im August 1944 in Paris ein, an der Spitze General De Gaulle, der dann bis Januar 1946 die provisorische Regierung übernahm. Marschall Petain und Laval wurden zum Tode verurteilt, ersterer zu lebenslänglich begnadigt, letzterer hingerichtet. 1946 erhielt Frankreich eine neue Verfassung (IV. Republik). Die folgenden Jahre waren von schweren und ständigen Krisen gekennzeichnet, sowohl im Inland als auch in den Kolonien. Nach der Niederlage im Indochinakrieg (1954) sah sich Frankreich genötigt, auch sein Verhältnis zu den überseeischen Provinzen (Outre Mer) zu klären. 1960 wurde aus den noch verbliebenen Kolonien und dem Mutterland die Französische Gemeinschaft, die die meisten afrikanischen Besitzungen wohl bis etwa 1960 in die Unabhängigkeit entließ, aber weiterhin sowohl wirtschaftlich als auch kulturell in den neuen Staaten einen großen Einfluss ausübte. Wegen der zahlreichen innenpolitischen Krisen infolge der vielfach zersplitterten Parteienlandschaft war 1958 wieder De Gaulle an die Macht geholt worden, der Frankreich eine neue Verfassung und auch neue außenpolitische Konzepte verordnete. Die Verfassung der V. Republik, die mehr politische Macht dem Amt des Staatspräsidenten zuteilte, ist heute noch in Kraft. De Gaulle versuchte angesichts des Kalten Krieges, Frankreich aus dem West-Ost-Konflikt herauszuhalten. Er sprach von einem Europa der Staaten. So stieg Frankreich, das zu den Gründungsmitgliedern der NATO – wie auch der UNO, des Europarates, der OECD und der Montanunion – gehörte, aus der militärischen Sektion der NATO aus. De Gaulle intensivierte nicht nur dank seiner Freundschaft mit Konrad Adenauer die Beziehungen zu Deutschland (dt. franz. Freundschaftsvertrag 1963), sondern auch zu den sowjetischen Satellitenstaaten und zum kommunistischen China. Eine rege dementsprechende Reisediplomatie De Gaulles diente dieser Idee, die grundsätzlich das seinerzeit von den Deutschen besiegte Frankreich wieder zu einer europäischen Großmacht machen wollte. Auch die Konsolidierung des französischen Kolonialbesitzes wie die Aufgabe Algeriens mit dem Vertrag von Evian 1962 ist im Rahmen dieses Konzepts zu sehen, ebenso der Aufbau der französischen Atommacht (force de frappe) als ein Teil der Strategie, Frankreich von den beiden Blöcken der Weltmächte Sowjetunion und USA unabhängiger zu machen und De Gaulles Konzept eines Europa der Staaten zu befördern. Innenpolitisch gelang es De Gaulle, Frankreich zu stabilisieren und die Inflation wirksam zu bekämpfen. Doch die wirtschaftlichen und sozialen Probleme wurden größer, der Unmut der Jugend entlud sich in den Maiunruhen von 1968, die De Gaulle zum Rücktritt zwangen.
Politisches System
Frankreich ist ein zentralistisch organisierter Einheitsstaat. Die derzeit gültige Verfassung der Fünften Republik stammt aus dem Jahre 1958. Der Staatspräsident, der für fünf Jahre gewählt wird, verfügt über wesentlich mehr Befugnisse als andere europäische Präsidenten. Die Verfassung garantiert Religionsfreiheit. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde ein dichtes soziales Netz geknüpft, an dem sich der Staat zu 16%, der Arbeitnehmer zu 20% und der Arbeitgeber zu 60% beteiligen.
Noch immer hat Frankreich kolonialen Besitz, und zwar Französisch-Guayana, Französisch-Polynesien, Guadeloupe und Martinique, die Inseln Mayotte und Neukaledonien, sowie Réunion, St. Pierre und Miquelon, Wallis und Futuna. Die Pariser Zentralregierung sieht sich mit Forderungen von einigen Minderheiten nach mehr Autonomie konfrontiert, es sind dies die Bretonen, die Basken, die Katalanen, die Korsen, die Elsässer und die Flamen. Ein großer Unsicherheitsfaktor für die Zukunft ist jedoch die rasch anwachsende Gruppe der oft unterprivilegierten Einwanderer aus den früheren Kolonien, insbesondere aus dem Maghreb und aus Schwarzafrika.
Der Großraum von Paris stellt bevölkerungspolitisch eine Mega-City dar.
Wirtschaft
Frankreich ist ein rohstoffarmes Land, die in der Vergangenheit sehr wichtigen Kohlevorkommen im Zentralmassiv und im Norden um Cambrai und in Lothringen sind ziemlich ausgebeutet, die Förderung ist rückläufig. Gleiches gilt für das lothringische Eisenerz. Die geringen Ölvorkommen bei Orléans decken nur 1% des Inlandsbedarfes. Die Erdgasvorräte in den Pyrenäen sind demnächst ausgebeutet. Von Bedeutung sind die Bauxitvorkommen in Lex Baux – das Erz trägt seinen Namen nach diesem Fundort – und die Gewinnung von Meersalz in der Camargue und im Mündungsgebiet der Loire. Von größter Bedeutung sind die Nickelvorkommen in Neukaledonien, sie machen ein Drittel der Weltreserven aus.
Nach wie vor von großer Bedeutung ist die Landwirtschaft, 60% der Landesfläche werden landwirtschaftlich genutzt. Damit ist Frankreich größter Produzent innerhalb der EU. Bei Wein ist Frankreich der größte Erzeuger der Welt. Energiepolitisch setzt Frankreich auf Atomenergie, um die Abhängigkeit von Erdöleinfuhren zu vermindern. 80% der benötigten Energie werden in Atomkraftwerken erzeugt. Auto- und Stahlindustrie zählen zu den Schlüsselindustrien des Landes. Auch die chemisch-pharmazeutische Industrie ist von großer Bedeutung. Noch immer wachsend ist der Bereich des Tourismus, 2003 hatte Frankreich mit 75 Mio. Touristen den größten Touristenstrom der Welt.
GEORGIEN (GE)

Fläche
69.700 km2
Hauptstadt
Tiflis (Tbilissi, 1,25 Mio. Einw.)
Währung
1 Lari = 100 Tetri
Staatsform
Präsidialrepublik
Parlament
235 für vier Jahre gewählte Abgeordnete
Religion
Christen 83%, Muslime 11%, sonstige 6%
Einwohner
4,5 Mio.
Sprachen
Georgisch, Russisch, Armenisch
Gliederung
79 Bezirke
Staatsoberhaupt
Staatspräsident
Nationalfeiertag
26. Mai
Nationalitäten/Ethnien
Georgier 70%, Armenier 8%, Russen 6%, Aseri 6%, Osseten 3%, Abchasen 2%, sonstige 5%
Internet www.parliament.ge
Geschichte
Schon im 6. Jh. v. Chr. ist in Westgeorgien der Staat Kolcheti (das antike Kolchis) nachgewiesen. Dieser Raum wurde später von den Assyrern und schließlich von Alexander dem Großen erobert. 66 v. Chr. eroberte der römische Feldherr Gnaeus Pompeius das Land. 337 n. Chr. wurde das Christentum Staatsreligion. In den folgenden Jahrhunderten befand sich das Land unter byzantinischer Oberhoheit. Es gelang aber diese im 10. Jh. abzuschütteln. Georgien wurde die stärkste Macht im transkaukasischen Raum, u. a. unter der Herrschaft der Königin Tamara (1160–1213). Diese Phase gilt als das Goldene Zeitalter des Landes. Danach fiel Georgien den Mongolen unter Timur Lenk zum Opfer. Im 16. Jh. bestanden drei Königreiche und mehrere Fürstentümer, die unter osmanischem bzw. persischem Einfluss standen. 1783 schloss Ostgeorgien einen Schutzvertrag mit dem Zarenreich, 1801 wurde das Gebiet von den Russen annektiert, das herrschende Königshaus entthront. Bis Mitte des 19. Jh. brachte Russland ganz Georgien unter seine Kontrolle. Nach der Oktoberrevolution erklärte sich Georgien für unabhängig, doch 1921 wurde das Land von der Roten Armee besetzt und in die Sowjetunion eingegliedert. Schon in den achtziger Jahren des 20. Jh. machte sich eine starke Unabhängigkeitsbewegung bemerkbar. 1991 nach dem Zerfall des Sowjetimperiums erklärte sich Georgien neuerlich für unabhängig. Der Erste Präsident der neuen Republik Swiad Gamsachurdia wurde durch einen Putsch abgelöst. Sein Nachfolger wurde der ehemalige sowjetische Außenminister Eduard Schewardnadse. Er leitete demokratische Reformen ein, doch die Wirtschaft stagnierte, Korruption war allgemein verbreitet. Im Jahre 2003 wurde Schewardnadse durch die sog. »Rosenrevolution« oder »samtene« Revolution verdrängt. Die neuen Machthaber begannen energisch die Korruption zu bekämpfen. Im März 2006 wurde mit Russland eine Vereinbarung geschlossen, die die Auflösung der militärischen Stützpunkte bis Ende 2008 vorsieht.
Politisches System
Georgien ist heute eine demokratische Republik mit einem starken präsidialen System. Die Demokratie weist jedoch starke Defizite auf, die bürgerlichen Rechte sind Teils eingeschränkt. Ein Eckpunkt der georgischen Außenpolitik ist die völlige Unabhängigkeit von Russland. Schon 1992 wurde Georgien in die UNO aufgenommen. Seit 2004 ist das Land mit der NATO durch einen Individual Partnership Action Plan verbunden. In den abtrünnigen Grenzgebieten Südossetien und Abchasien schüren die Russen nationale Separationsbewegungen.
Wirtschaft
Derzeit werden noch Kohle, Mangan und Kupfer geschürft. Nach dem Zusammenbruch der UdSSR erlitt Georgien zunächst einen wirtschaftlichen Kollaps, da Russland eine Wirtschaftsblockade ausübte. Mehr als eine Mio. Menschen, vor allem besser Ausgebildete, verließen das Land. Außerdem kam es in dieser Phase zu Kämpfen in Südossetien. Dadurch sank das Produktionsniveau auf ein Viertel des Niveaus von 1989. Nur durch einen Kredit in der Höhe von 206 Mio. Dollar der Weltbank und des internationalen Währungsfonds, zuzüglich eines deutschen Kredits von 50 Mio. DM, konnte sich Georgien halten. Es verfügt über einen kleinen industriellen Sektor, der Maschinen, Chemikalien und Textilien erzeugt. In der sowjetischen Ära wurden Automobilwerke angelegt und Elektroloks erzeugt. Größter Handelspartner ist die Türkei, gefolgt von Russland und Aserbaidschan sowie Deutschland. Angebaut werden Zitrusfrüchte, Pfirsiche, Äpfel, Weintrauben und Tee. Der Weinbau erfolgt in kleinbetrieblicher Struktur und nach traditionellen Keltermethoden. Es wird Rinder- und Schafzucht betrieben. In den letzten Jahrzehnten konzentrierte sich das Land auf den Tourismus.
GRIECHENLAND (GR)

Fläche
131.990 km2
Hauptstadt
Athen (5 Mio. Einw.)
Währung
1 Euro = 100 Cent
Staatsform
Parlamentarische Republik
Parlament
300 für vier Jahre gewählte Abgeordnete
Religion
Christen (98%), Muslime (1,3%), sonstige 0,7%)
Einwohner
11,1 Mio.
Sprache
Neugriechisch
Gliederung
13 Regionen
Staatsoberhaupt
Präsident
Nationalfeiertag
17. November
Nationalitäten/Ethnien
Griechen (98%), sonstige (2%)
Internet www.parliament.gr
Geschichte
Um etwa 5000 v. Chr. fanden die ersten Einwanderungen aus dem Norden und aus Kleinasien nach Griechenland statt. Die kretisch-minoische Kultur verfügte bereits über eine eigene Schrift, man trieb Handel mit dem gesamten Ägaisraum bis nach Ägypten. Ab etwa 2000 v. Chr. wanderten Indoeuropäer ein. Mit etwa 1600 v. Chr. ist die mykenische Kultur zu datieren. Ab 800 v. Chr. kam es zur Gründung von Stadtstaaten auf agrarischer Grundlage. Bereits Anfang des 6. Jh. sorgte Solon in Athen für Demokratisierung und Gesetzgebung. In der klassischen Periode des 5. und 4. Jh. v. Chr. brachten griechische Wissenschaftler und Philosophen jene kulturellen Ideen hervor, die noch heute die Grundlage für das europäische Denken sind. Griechische Seefahrer befuhren das ganze Mittelmeer und verpflanzten durch Koloniengründungen ihre Ideen im gesamten Mittelmeerraum. Immer wieder von äußeren Invasionen wie etwa von den Persern von außen bedroht, behauptete Griechenland dennoch seine kulturelle Vormachtstellung. Es war aber gleichzeitig Ausgangspunkt großer Eroberungen (334–330 v. Chr.), wie jener Alexanders des Großen, der die Hellenisierung der alten Welt einleitete. Auch nach Eroberung durch das Römische Reich ab 200 v. Chr. behielten die Griechen die kulturelle Suprematie. Nach Teilung des Römischen Reiches blieb Griechenland ein byzantinisches Kerngebiet. Nach dem Vierten Kreuzzug 1204, den die Venezianer nach Konstantinopel umlenkten, fielen Teile des heutigen Griechenland an Venedig. Nach und nach eroberten die Osmanen Teile des Gebietes, schließlich wurde fast ganz Griechenland nach dem Fall von Konstantinopel 1453 dem Osmanischen Reich untertan – bis auf Kreta und Korfu, die noch unter venezianischer Herrschaft verblieben. In der zweiten Hälfte des 18. Jh. begann sich eine griechische Nationalbewegung zu formieren, die vielfach von westeuropäischen Staaten, vor allem von Frankreich und England unterstützt wurde. 1821 blieb die Erhebung unter Alexandros Ypsilanti erfolgreich, Griechenland erlangte 1832 seine Selbstständigkeit. Auf Drängen der europäischen Mächte wurde Otto von Wittelsbach als König eingesetzt. Doch weil er innenpolitisch ungeschickt agierte, wurde er 1863 durch Georg I. von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg ersetzt, der sich eng an Großbritannien anschloss. Nach der Jahrhundertwende leitete Premier Eleutherios Venizelos Reformen ein, durch die Teilnahme an den Balkankriegen am Vorabend des Ersten Weltkrieges gewann Griechenland Thessaloniki, Kreta, Smyrna und Teile Makedoniens. 1917 dankte König Alexander I., der deutschfreundlich gesinnt war, ab. Premier Venizelos führte Griechenland auf die Seite der Entente. 1919 gewann Griechenland im Frieden von Sèvres Ostthrakien, verlor aber nach einem von England herbeigeführten Krieg gegen die Türkei alle Besitzungen in Kleinasien. 1924 wurde Griechenland Republik, erlebte aber ständige Krisen und häufige Regierungswechsel. Ende der zwanziger Jahre versuchte Venizelos noch einmal das Land zu stabilisieren, doch er scheiterte an der Weltwirtschaftskrise sowie seiner persönlichen Unfähigkeit. Die Folge war ein Chaos, das 1935 in eine Militärdiktatur mündete. König Georg II. wurde durch ein gefälschtes Plebiszit wieder auf den Thron gebracht, die Militärs etablierten einen Monarchofaschismus. 1940 wurde Griechenland von Italien überfallen, das damit jedoch hoffnungslos überfordert war, 1941 folgte daher der deutsche Angriff, die griechische Abwehrfront brach zusammen. König Georg II. floh mit einer Exilregierung nach Ägypten. Im Land selbst erhob sich eine spontane und breite Widerstandsbewegung, der bis 1,5 Mio. Menschen angehörten. Nach der Befreiung von den Deutschen wurde die Monarchie restituiert, doch es herrschte Bürgerkrieg mit den Kommunisten. Die von den USA unterstützte Regierung vermochte jedoch die Kommunisten auszuschalten, Rechtsregierungen kamen an die Macht. Erst zu Beginn der sechziger Jahre kam es zu einer Liberalisierung, doch 1967 putschte eine Gruppe von Offizieren und institutionalisierte ein Militärregime wie in den 30er Jahren. 1974 kam es zu einer schweren Krise mit der Türkei, da die Junta mit der sog. Enosis-Bewegung einen Anschluss Zyperns an Griechenland erzwingen wollte. Infolge der Zypern-Kriege wurde die Militär-Diktatur gestürzt und die Monarchie abgeschafft. Inzwischen ist Zypern zweigeteilt, der griechische Landesteil ist unabhängig und seit 2004 EU-Mitglied, Nordzypern ein türkischer Vasallenstaat.
Politisches System
Seit dem Jahr 1975 hat Griechenland eine 2001 novellierte Verfassung, sie enthält die üblichen Grund- und Menschenrechte – diese waren schon in der Verfassung des 19. Jh. festgeschrieben –, aber auch die Verpflichtung für den Staat, sowohl für die Gesundheit der Bevölkerung als auch für Vollbeschäftigung zu sorgen. Bei den Wahlen in die Nationalversammlung besteht Wahlpflicht. Der Staatspräsident wird alle fünf Jahre vom Parlament gewählt. Der griechische Premier verfügt über die politische Richtlinienkompetenz für sein Kabinett. Seit 1986 ist Griechenland Mitglied der EU, wobei die Zustimmung der Bevölkerung zur EU sehr groß ist. So stimmten etwa 90% der Bevölkerung für eine EU-Verfassung.
Nach wie vor das größte Problem ist das Verhältnis zur Türkei. Trotzdem bemüht sich Griechenland intensiv um eine Lösung und tritt auch für den Beitritt der Türkei zur EU ein. Außerdem gibt es einen bilateralen Streit wegen der Hoheitsgewässer, da Griechenland eine Zehn-Meilen-Zone beansprucht, die Türkei aber nur die üblichen sechs Meilen akzeptieren möchte.
Griechenland zeigte bisher auch Flagge bei allen regionalen Balkankooperationen, es nahm an Friedensmissionen teil und brachte 550 Mio. € für den Wiederaufbau der Balkanstaaten auf. Allerdings sind die politischen Positionen in Sachen Balkan eher proserbisch, und auch das Verhältnis zur früheren jugoslawischen Teilrepublik Mazedonien ist nach wie vor ungeklärt. Seitens der OECD wird von Griechenland die längst fällige Reform der Arbeits- und Sozialgesetzgebung eingefordert.
Wirtschaft
In den letzten Jahren zeigte die griechische Wirtschaft, die sehr von der EU profitiert, ein kräftiges Wachstum (2005 um 3,6%), das Wachstum ist jedenfalls stärker als der EU-Durchschnitt. Aber trotzdem lag die Arbeitslosenrate bei 10,4%, das Haushaltsdefizit mit 4,3% bewegte sich deutlich über dem Stabilitätspakt der EU. Derzeit wird ein strenges Sparprogramm gefahren, 2006 sollte das Defizit unter die Drei-Prozent-Marke gedrückt werden.
Bei der Energie ist Griechenland auf Erdgasimporte angewiesen, die größtenteils über Bulgarien aus Russland kommen. Nun plant Griechenland, sich an die aus dem Kaukasus kommende Pipeline anzuschließen. Ein entsprechendes Abkommen mit der Türkei wurde bereits geschlossen. Allerdings sichert man sich auch durch die Teilnahme an der transbalkanischen Pipeline von Burgas nach Alexandropolis gegenüber der Türkei ab. Nur 42% des Energiebedarfs kommen aus dem Land selbst.
Noch ist Griechenland stark von der Landwirtschaft geprägt, wenn auch ihre Bedeutung mehr und mehr zurückgeht. Ende der neunziger Jahre waren noch 19% der Beschäftigten in der Landwirtschaft tätig. Angebaut werden Zitrusfrüchte, Getreide, Baumwolle, Tabak, Wein und Oliven. Griechenland besitzt etwa 133 Mio. Olivenbäume. Zumeist ist die Agrarstruktur kleinteilig, vorwiegend Familienbetriebe.
Der Fischfang kann die Nachfrage kaum decken. Eine der Ursachen ist die Überfischung der Ägäis.
Entscheidende Zuwächse erfuhr die Industrie erst nach dem Zweiten Weltkrieg, es handelt sich vor allem um verarbeitende Industrie und Bauwirtschaft. Von großer Bedeutung und traditionell ist die Konservenindustrie. In der Außenhandelsbilanz schlagen sich die Aluminiumerzeugung und die Verhüttung von Nickel positiv nieder. Der Schiffbau bringt ebenfalls Devisen. Ein Nachteil der Industriestandorte ist, dass sie sich um Athen und Thessaloniki konzentrieren, aber nicht auf das Land aufgeteilt sind; dies ist jedoch mit einem Blick auf die Topographie des Landes durchaus nachvollziehbar.
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