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Mafia - Allmacht einer Holding

Die Mafia ist weltweit allgegenwärtig. Da sie vor allem unterirdisch tätig ist, wissen nicht viele Menschen welche Gruppen es gibt und wie viel sie mit ihren Geschäften verdienen. In diesem Blog lesen Sie über die Top 5 der größten Mafia-Gruppen in der Welt. Sie werden erstaunt sein, wie groß und umfangreich die Gruppierungen sind und wie viel Geld sie verdienen.

Die Grundlagen der Mafia sind auf der italienischen Insel Sizilien zu finden und kamen zum ersten Mal ins Gerede im 19en Jahrhundert. Durch die Verschiebung der Mafia zwischen 1880 und dem Start der ersten Welt Krieg in die Vereinigten Staaten, sind dort immer noch große Gruppen von Mafiosi aktiv. Ihre Vertraulichkeit wird garantiert durch die Weitergabe des sogenannten "Code des Schweigens" (Omertà).

Wenn Sie an die Mafia denken, denken Sie möglicherweise an blutige Gefechte in den Straßen eines Vororts, an Drogenhandel, Waffenbesitz, Casinos und verrauchten Bereichen. Teilweise ist dies richtig, aber weitgehend spielt die Mafia sich unterirdisch ab. Erpressung und Gewalt spielen eine große Rolle in der Mafia, aber vor allem spielt sich alles in der Unsichtbarkeit ab.

Um Ihnen eine Idee zu geben über was sich alles unterirdisch abspielt, haben wir die fünf größten Mafia-Gruppen einmal aufgelistet

1. Solntsevskaya Bratva

Diese organisierte kriminelle Gruppierung stammt aus Russland und besteht aus zehn separate Gruppen, die eigenständig tätig sein. Der Rat trifft sich regelmäßig für Versammlungen unter dem Namen "festliche Aktivitäten" in verschiedenen Teilen der Welt. Diese Gruppierung besteht insgesamt aus ca. 9000 Mitgliedern und ist vor allem in dem Drogen- und Menschenhandel tätig. Die russische Unterwelt handelt vor allem in Heroin aus Afghanistan.

Das Aufkommen der organisierten Kriminalität in Russland und den Nachfolgestaaten der UdSSR ist eng mit der sowjetischen Gefängnis- und Lagerkultur verbunden. Ende der 1920er stieg in der Sowjetunion aufgrund aufkommender Massenrepressionen die Zahl der politischen Häftlinge in den Gefängnissen und Lagern stark an, wo die Inhaftierten mehr oder weniger sich selbst überlassen wurden. Dies führte zur Ausbildung einer Hierarchie und Gruppenordnung, an deren Spitze professionelle Verbrecher standen und die bei Bedarf mit radikalen und brutalen Methoden durchgesetzt wurde. Weil die politischen Häftlinge als potentielle Unruhestifter galten, begannen die Sicherheitsdienste mit den professionellen Verbrechern zusammenzuarbeiten, damit diese im Lager Ordnung und Disziplin sicherstellten. Im Gaunerjargon gab es eine eigene Bezeichnung für die professionellen Verbrecher: Blatnyje bzw. Blatnoj . Als Gegenleistung erhielten die Blatnyje Privilegien. Dies war lange Zeit ein stilles Übereinkommen zwischen Kriminellen und Lagerleitungen. Schließlich wurde in einem Dekret schriftlich die Erlaubnis fixiert, die gewöhnlichen Verbrecher im Kampf gegen die als „Volksfeinde“ stigmatisierten politischen Häftlinge einzusetzen. Die Autoritäten unter den professionellen Verbrechern begannen, sich selbst als „Diebe im Gesetz“ („wory w zakone“) zu bezeichnen. So schufen sie die kriminelle Elite der Sowjetunion und entwickelten einen Verbrecherkodex, zu dessen wichtigsten Prinzipien die Nichteinmischung in Politik und Wirtschaft sowie die Absage an eine legale Arbeitstätigkeit gehörten. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs versuchte Stalin, die erstarkten kriminellen Eliten in ihrem Einfluss zu schwächen, was aber nur zu Unruhen und Aufständen in den Lagern führte. Dies zwang den sowjetischen Staat, die Zusammenarbeit mit den Verbrechern weiterzuführen. Die kriminellen Autoritäten in den Lagern gewannen an Macht und verfügten über gute Kontakte zur Außenwelt. Ihre wichtigsten Einnahmequellen waren Schmuggel von Edelmetallen und Kunstgegenständen, Erpressung von Untergrundunternehmen, Betäubungsmittelhandel und Raub von Erzeugnissen der Staatsbetriebe

Die ersten Anzeichen des organisierten Verbrechens in der Sowjetunion zeigten sich 1958–59 unter Nikita Sergejewitsch Chruschtschow. Nach heutigen Maßstäben betrug damals der durchschnittliche jährliche Verlust durch Wirtschaftsverbrechen nur etwa 2 Millionen Rubel. In den 1970er Jahren wurde die Mafia dann zum sozialen Phänomen. Diejenigen, die sich früher wegen ihrer legalen Millionen genierten, begannen dieses Geld ganz offen in ausländische Automarken, Diamantencolliers und Villen zu investieren. Immer mehr Gelder aus dem Staatsetat wanderten in private Hände. Methoden gab es dabei viele. Die wichtigste war die Schaffung von Untergrundwerkstätten (russ. zech), sogar Untergrundfabriken, über die eine Verlagerung der natürlichen Ressourcen des Staates erfolgte. Damit einhergehend tauchten die sogenannten Zechowiki auf – Kriminelle „mit weißem Kragen“ bzw. Wirtschaftsverbrecher. Und als Reaktion auf das Erscheinen der Schattenwirtschaft konnte eine plötzliche Aktivierung von professionellen Verbrechern neuer Art, den Nachfolgern der „Diebe im Gesetz“ aus der Stalinära, beobachtet werden. Konzepte für die „Arbeit“ mit den neuartigen Verbrechern wurden von einem „Dieb im Gesetz“ namens Tscherkassow ausgearbeitet. Die Konzepte lauteten: erstens, nimm von demjenigen, der etwas hat; zweitens, nimm nicht alles, denn die Geduld eines Menschen hat ein Ende; drittens, organisiere dir für jedes Verbrechen einen Mitarbeiter der Strafverfolgungsbehörde. Eben diese Prinzipien beherzigte die Verbrecherorganisation von Gennadi Aleksandrowitsch Karkow (Deckname: Mongol), als sie Anfang der 1970er Jahre in Moskau ihre kriminellen Aktivitäten aufnahm. Nach einhelliger Meinung der sowjetischen Kriminologen begann mit Karkows Organisation die Formierung der sowjetischen Mafia. Lediglich in der Usbekischen SSR begann dieser Prozess etwas früher (1967–68)

Auch die kriminelle Welt unterlag Veränderungen: Den ethnischen Russen, die weiterhin Wert auf Traditionen der „Diebe im Gesetz“ legten, standen zunehmend Gruppierungen aus dem Kaukasus gegenüber, die nach politischem und wirtschaftlichem Einfluss sowie einer Minimalisierung der Diebesregeln strebten. Dies verursachte eine Spaltung der vormals geschlossenen kriminellen Gemeinschaft. Der Zerfall des sowjetischen Staates und seiner Strukturen, die Ausrufung neuer Nationalstaaten sowie die wirtschaftlich schlechte Lage zu Beginn der 1990er Jahre trugen zum Entstehen neuer krimineller Gruppierungen bei. Nach dem Zerfall der Sowjetunion wurde auf Jelzins Anweisung die KGB-Belegschaft um rund 100.000 Personen reduziert. Mit ihrem Insiderwissen und ihren Kontakten waren die entlassenen Mitarbeiter für die Verbrecherwelt in hohem Maße attraktiv. So entstand in Russland das heutige organisierte Verbrechen aus den Strukturen der Diebe im Gesetz, aus ehemaligen KGB-Agenten und vielen korrupten Beamten und Verwaltern staatlichen Eigentums.

Die Ausweitung der OK in Russland nach der Auflösung der Sowjetunion zu Beginn der 1990er Jahre stand einerseits im Zusammenhang mit dem gleichzeitigen wirtschaftlichen Niedergang und zum anderen mit sich bietenden Möglichkeiten der Privatisierung von Kollektiveigentum aus staatlichem oder Volksvermögen. Die sich verändernde Ökonomie, Schattenwirtschaft und Korruption im Zerfallsprozess der Sowjetunion bot Gelegenheit, mittels neuer halblegaler bis verbrecherischer Zusammenschlüsse Kapital in Oligarchenhänden zu akkumulieren. Verzweifelte Arbeitslose begannen in großer Zahl für das Verbrechen zu arbeiten, so konnte sich die Mafia ausbreiten. Nach offiziellen Schätzungen arbeiten um die 100.000 Menschen direkt für die Mafia, die Zahl indirekt abhängig in mafiotische Machenschaften Verstrickter ist unbekannt. Viele Bosse und wichtige Mitglieder der russischen Mafia rekrutierten sich aus dem Offizierskorps der sowjetischen Streitkräfte und des KGB, deren Mitglieder nach dem Ende des Kalten Krieges mit der Reduzierung der Streitkräfte ihre Posten verloren. Die Banden warben auch viele Sportler wie Boxer und Kampfsportler an, denen sie im Racketeering und als Personenschützer finanzielle Perspektiven bieten konnten. Große Teile der Geschäfte laufen über Drogen- und illegalen Waffenhandel sowie Erpressung.

Bei der Festnahme des berüchtigten Mafiabosses Wjatscheslaw Kirillowitsch Iwankow wurden dessen handschriftliche Notizen sichergestellt, in denen der Begriff „Familie der elf“ (russ. „Семья одиннадцати“) auftauchte. Nach Meinung des russischen Beamten Juri Gogolew vom Regionalamt für den Kampf gegen die organisierte Kriminalität zählen zu dieser „Familie“ solche Mafiagrößen wie Sergei Bojzow (Deckname: Bojez), Aslan Raschidowitsch Usojan (Deckname: ded Chasan, deduschka), Dschamal Chatschidze (Deckname: Dschamal), Jewgeni Wasin (Deckname: Batja, Dschem), Alimzhan Tursunowitsch Tochtachunow (Deckname: Taiwantschik), Zacharij Knjazewitsch Kalaschow (Deckname: Schakro-molodoj), Datiko Zichelaschwili (Deckname: Dato Taschkentskij), Salim Abduwalijew (Deckname: Salim). Unter der Kontrolle der „Familie“ befindet sich ein riesiges Territorium zwischen Region Primorje und Zentralrussland. Gogolew ist zudem überzeugt, dass die kriminellen Anführer in praktisch jeder Region direkten Zugang zu der jeweiligen Oblastverwaltung besitzen.

1994 erwirtschaftete die russische Mafia rund 150 Milliarden Dollar. Sie kontrollierte zu diesem Zeitpunkt ein Drittel der russischen Banken, 40 % der Industrieunternehmen und 80 % der Joint-Venture-Unternehmen. Zudem existierten damals 5.700 russländische Mafiagruppierungen, die mehr als 100.000 Menschen zählten. Etwa 3 Millionen Menschen zogen einen finanziellen Profit aus den Mafiamachenschaften.Der russische Präsident Boris Jelzin äußerte schon im Februar 1993, dass die OK zur direkten Bedrohung der strategischen Interessen und der nationalen Sicherheit Russlands geworden war. 1994 sagte CIA-Chef James Woolsey vor dem US-Kongress aus, die OK bedrohe die demokratische Reform in Russland. Im Mai 1996 gingen der CIA-Chef John M. Deutch und der FBI-Direktor Louis Freeh einen Schritt weiter und warnten den Kongress, dass die russische OK und Korruption das politische System Russlands zunehmend unterwanderten und begannen, für die USA eine Bedrohung darzustellen.

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts vollzog sich eine signifikante Änderung. Um die russische Mafia wurde es sichtlich ruhiger, ungeachtet der Behauptungen, die OK würde nach der Weltfinanzkrise von 2008 weiterwachsen. Auch die Rolle der traditionellen kriminellen Gruppierungen mit den „Dieben im Gesetz“ an der Spitze verlor allmählich an Bedeutung. Zugleich verlagerten andere Mafiagruppierungen ihre Tätigkeit in die legale Wirtschaft. Nach Einschätzung des russischen Innenministeriums sind die kriminellen Organisationen aus der GUS in die bedeutendsten Wirtschafts- und Industriestrukturen vorgedrungen, kontrollieren sogar die Industrie ganzer Regionen. Nach Angaben des früheren Justizministers Wladimir Ustinow stellt die OK eine wahre Bedrohung für die innere Sicherheit Russlands dar. Neben den klassischen Tätigkeitsfeldern wie Drogen- und Waffenhandel engagieren sich die kriminellen Strukturen zunehmend im Handel mit natürlichen Ressourcen sowie im Banken- und Finanzbereich. Zu den besonders ertragreichen Deliktfeldern zählen auch Schmuggel, Steuerhinterziehung und Mehrwertsteuerbetrug. Haupteinnahmequelle bleiben weiterhin Staatsgelder, für deren Veruntreuung es zahlreiche Möglichkeiten gibt, wie z. B. der Zugang zu russischen Energie- und Metallressourcen, die zu niedrigen Inlandspreisen erworben und unter Umgehung der Ausfuhrbestimmungen ins Ausland erheblich teurer weiterverkauft werden. Die auf illegale Weise erworbenen Mittel werden unter Vorgabe legaler Geschäftstätigkeit über Briefkastengesellschaften im Ausland gewaschen.

Einige große kriminelle Organisationen sind länderübergreifend aktiv und drängen zunehmend in legale Wirtschaftsstrukturen. Sie verfügen häufig über eigene Sicherheitsdienste und technisch ausgefeilte Überwachungsmethoden, so dass zur Informationsbeschaffung zum Teil richtige nachrichtendienstliche Operationen oder Observationen durchgeführt werden. Angehörige der OK sind häufig gut ausgebildet, politisch informiert, verfügen über enge Verbindungen zu den Machtstrukturen ihres Herkunftslandes und über ausgeklügelte Kommunikationsnetzwerke. Für Staaten mit hohem Lebensstandard stellen die russischen Mafiaorganisationen angesichts der vorhandenen immensen Finanzmittel eine erhebliche Bedrohung dar, denn mit Hilfe von Erpressung und Korruption unterwandern sie nicht nur die Wirtschaft, sondern sind sogar in der Lage, rechtsstaatliche Institutionen zu infiltrieren.

Die Interpol beobachtet noch heute (Stand 2020) im Rahmen des Projekts „Millenium“ die postsowjetische OK. Das Projekt soll durch gegenseitigen Austausch von Ermittlungsinformationen die Interpol-Mitgliedsstaaten unterstützen, Menschen und Unternehmen, die hinter der transnationalen eurasischen OK stehen, zu identifizieren

Der Schweizer Nachrichtendienst „Dienst für Analyse und Prävention“ (DAP) veröffentlichte 2007 einen strategischen Analysebericht zum Thema „Organisierte Kriminalität und Nachrichtendienst aus der GUS“, aus dem hervorgeht, dass es Hinweise gibt auf enge Verbindungen der Vertreter der OK aus den Ländern der GUS zu Nachrichtendiensten dieser Staaten. Die deutschen Nachrichtendienste bezeichnen diese Verflechtungen als „symbiotische Beziehungen“ zwischen OK und Nachrichtendiensten.

So sollen viele Vertreter der OK vom FSB und anderen Staatsorganen gedeckt werden. Bis 2007 wurde noch keine Führungsfigur der russischen Mafiaszene in Russland zur Verantwortung gezogen, was dafür spricht, dass die Anführer der kriminellen Gruppierungen hohe Protektion genießen. Umgekehrt stellen ehemalige KGB- oder FSB-Agenten, von denen viele wichtige Posten in Banken, Sicherheitsfirmen oder sonstigen großen Unternehmen bekleiden, ihr Insiderwissen, ihre Erfahrungen und ihr Beziehungsnetz der OK zur Verfügung. Darüber hinaus ist aufgrund geringer Entlohnung und weitverbreiteter Korruption bei den Nachrichtendienstlern eine hohe Bereitschaft vorhanden, für Erpressungen nachrichtendienstliches Material an politische oder wirtschaftliche Interessengruppen zu verkaufen. Verschiedene ausländische Nachrichtendienste vertreten die Ansicht, dass nicht nur einzelne oder ehemalige Geheimdienstangehörige in kriminelle Machenschaften eingebunden sind, sondern nachrichtendienstliche Institutionen an einer systematischen Zusammenarbeit mit der OK interessiert sind. Motive einer Zusammenarbeit sind für die Nachrichtendienste die Ausnutzung bereits bestehender internationaler Unternehmens- und Beziehungsnetze der OK für eigene Zwecke, die Kontrolle wirtschaftlicher Aktivitäten – vor allem jene der OK – und hohe Einkünfte aus Dienstleistungen, die für die OK erbracht werden, oder Einkünfte auf Grundlage der Erpressung der OK. Motive seitens der OK sind Schutz vor Polizeiaktionen und Strafverfolgung, Informationsbeschaffung über Konkurrenten, vereinfachte Reiseformalitäten, Aufpolierung des Images von OK-Angehörigen und Aufstieg in wirtschaftliche Schlüsselpositionen durch nachrichtendienstliche Kontakte.

Beim Zerfall der Sowjetunion wurde bereits spekuliert, dass der KGB große Summen des Staats- und Parteivermögens über private Firmen ins Ausland geschleust hatte, um damit politische Aktivitäten finanzieren zu können. Ein Teil dieser Gelder wurde aber auch für private Geschäftsaktivitäten abgezweigt. Hinter diesen Prozessen standen häufig Individuen, die bereits Erfahrungen im Außenhandel hatten und deshalb Beziehungen und Unternehmensstrukturen im Ausland besaßen. Dazu gehörten unter anderem Sowjetbürger, die in den 1970er Jahren aufgrund ihrer ethnischen oder religiösen Zugehörigkeit die UdSSR verlassen durften. Ein prominentes Beispiel dazu sind die Firmen Nordex von Grigori Emmanuilowitsch Lutschanski und Seabeco Group von Boris Iosifowitsch Birschtein. Lutschanski, geboren 1945, Sohn einer lettisch-jüdischen Familie, soll vom KGB zum Aufbau eines internationalen Firmengeflechts rekrutiert worden sein. Er gründete das Unternehmen Nordex mit Hauptsitz in Wien und Tochtergesellschaften auf der ganzen Welt, das offiziell mit Rohstoffen aus der GUS handelte. Doch da die Firma wiederholt mit Korruption, Unterschlagung, Geldwäscherei und Waffenhandel in Verbindung gebracht wurde, war ein Ausbau der geschäftlichen Tätigkeiten nicht mehr möglich. Boris Birschtein (bzw. Birstein, manchmal Birnstein), geboren 1947, war ebenfalls Sohn einer lettisch-jüdischen Familie und Direktor einer Textilfabrik in Vilnius. Er war ehemaliges KGB-Mitglied und stand in Kontakt mit russischen und israelischen Nachrichtendiensten. Er emigrierte 1979 nach Israel, wo er umgehend begann, das internationale Firmengeflecht Seabeco Group aufzubauen, welches mit Öl, Gold, Diamanten und chemischen Produkten handelte. Eine Zweigstelle der Seabeco war von 1992 bis 1999 in der Schweiz registriert. Auch Birschtein war sehr gut vernetzt sowohl mit der kriminellen Welt als auch mit den politischen Strukturen der Nachfolgestaaten der Sowjetunion. Zu seinem Freundes- und Bekanntenkreis gehörten der Moskauer Bürgermeister Juri Michailowitsch Luschkow, die ukrainischen Präsidenten Leonid Krawtschuk und Leonid Kutschma sowie der moldawische Präsident Mircea Ion Snegur. Seine Firma Seabeco Group wurde der Geldwäscherei, der Veruntreuung von Geld aus Kirgisien, undurchsichtigen Finanzgeschäfte über die Firma Nordex, Unterschlagung von Hilfsgeldern und Durchführung von Auftragsmorden verdächtigt. Weder bei Nordex noch Seabeco konnte je der KGB (oder seine Nachfolgeorganisationen) als Drahtzieher der illegalen Finanzoperationen nachgewiesen werden. Mögliche Beweise befinden sich bei denjenigen Stellen, die kein Interesse an einer Aufarbeitung der Geschehnisse haben. Allerdings sprechen die weitverzweigten politischen Kontakte, die Lutschanski und Birschtein auf höchster Ebene pflegten, und der durch den Handel mit staatlichen Ressourcen schnell erworbene Reichtum dafür, dass sie ohne Wissen und Zustimmung der staatlichen Machtorgane kaum hätten agieren können.

Alexander Wassiljewitsch Korschakow, der ehemalige KGB-Offizier und Leibgardechef von Boris Nikolajewitsch Jelzin, hatte ebenfalls mit der russischen Unterwelt zusammengearbeitet. Korschakow, unter dessen Kommando rund 90.000 Soldaten des Sicherheitsdienstes standen, lieh in den 1990er Jahren seine Untergebenen zur Eintreibung von Schutzgeldern an die Mafia aus.

2. Yamaguchi-Gumi

Dies ist die größte bekannte Mafia-Gruppe in der Welt und kommt aus Japan. Ihr Name ist bekannt durch ihre Tätigkeit in dem Drogenhandel, der größer ist als irgendwo. Die Gruppierung besteht aus mehreren sogenannten Yakuza-Gruppen und entstand hunderte von Jahren her. Diese Gruppe verfügt über eine umfangreiche Hierarchie und zahlreiche Mitglieder. Alle Mitglieder sind durch die Ehe miteinander verbunden. Alle Beziehungen mit Familienmitgliedern außerhalb der Gruppierung müssen durchbrochen werden.

Der Yamaguchi-Gumi ist die größte Yakuza-Familie und macht mit mehr als 8.900 Mitgliedern 30% aller Yakuza in Japan aus. Von seinem Hauptsitz in Kobe aus leitet es kriminelle Aktivitäten in ganz Japan. Es ist auch an Operationen in Asien und den Vereinigten Staaten beteiligt. Shinobu Tsukasa , auch bekannt als Kenichi Shinoda, ist der aktuelle Oyabun des Yamaguchi-Gumi. Er verfolgt eine expansive Politik und hat seine Aktivitäten in Tokio (das traditionell nicht das Territorium der Yamaguchi-Gumi war) verstärkt. Die Familie Yamaguchi ist so erfolgreich, dass ihr Name in vielen Teilen Asiens außerhalb Japans zum Synonym für japanisches organisiertes Verbrechen geworden ist. Viele chinesische oder koreanische Personen, die den Namen "Yakuza" nicht kennen, würden den Namen "Yamaguchi-gumi" kennen, der häufig in Gangsterfilmen dargestellt wird.

Der Sumiyoshi-kai ist die zweitgrößte Yakuza-Familie mit geschätzten 4.500 Mitgliedern. Sumiyoshi-kai ist eine Konföderation kleinerer Yakuza-Gruppen. Sein aktueller Kopf (会長 kai-cho) ist Isao Seki. Strukturell unterscheidet sich Sumiyoshi-kai von seinem Hauptkonkurrenten, dem Yamaguchi-gumi , darin, dass es wie eine Föderation funktioniert . Die Befehlskette ist entspannter und ihre Führung wird auf mehrere andere Mitglieder verteilt.

Der Inagawa-kai ist mit rund 3.400 Mitgliedern die drittgrößte Yakuza-Familie in Japan. Das Unternehmen hat seinen Sitz in der Region Tokio-Yokohama und war eine der ersten Yakuza-Familien, die ihre Aktivitäten außerhalb Japans ausgeweitet hat.

Yakuza gelten als halb legitime Organisationen. Unmittelbar nach dem Erdbeben in Kobe 1995 mobilisierte sich beispielsweise der Yamaguchi-gumi , dessen Hauptsitz sich in Kobe befindet , um Katastrophenhilfe (einschließlich des Einsatzes eines Hubschraubers) zu leisten, und dies wurde von den Medien im Gegensatz zu den weit verbreiteten Berichten berichtet viel langsamere Reaktion der japanischen Regierung. Die Yakuza wiederholten ihre Hilfe nach dem Erdbeben und dem Tsunami in Tōhoku 2011 , wobei Gruppen ihre Büros für Flüchtlinge öffneten und Dutzende von Lastwagen mit Vorräten in die betroffenen Gebiete schickten .Aus diesem Grund betrachten viele Yakuza ihr Einkommen und ihre Hektik ( Shinogi ) als Erhebung einer feudalen Steuer.

Die Yakuza und ihre angegliederten Banden kontrollieren den Drogenhandel in Japan, insbesondere Methamphetamin . Während viele Yakuza-Syndikate, insbesondere die Yamaguchi-gumi , ihren Mitgliedern offiziell den Drogenhandel verbieten , sind einige andere Yakuza-Syndikate, insbesondere die Dojin-kai , stark daran beteiligt. Es ist bekannt, dass einige Yakuza-Gruppen sich intensiv mit Menschenhandel befassen . Die Philippinen zum Beispiel sind eine Quelle junger Frauen. Yakuza bringt Mädchen aus verarmten Dörfern dazu, nach Japan zu kommen, wo ihnen respektable Jobs mit guten Löhnen versprochen werden. Stattdessen werden sie gezwungen, Sexarbeiterinnen und Stripperinnen zu werden. Die Gassen und Straßen von Shinjuku sind ein beliebter moderner Treffpunkt in Tokio Yakuza. Yakuza üben häufig eine einzigartige Form der japanischen Erpressung aus, die als sōkaiya bekannt ist . Im Wesentlichen handelt es sich hierbei um eine spezielle Form des Schutzschlägers .

Anstatt kleine Unternehmen zu belästigen, belästigen die Yakuza eine Hauptversammlung eines größeren Unternehmens. Sie erschrecken den normalen Aktionär einfach mit der Anwesenheit von Yakuza-Mitarbeitern, die das Recht erhalten, an der Versammlung teilzunehmen, indem sie einen kleinen Aktienkauf tätigen. Yakuza ist über Jiageya auch mit dem japanischen Immobilienmarkt und dem Bankwesen verbunden . Jiageya hat sich darauf spezialisiert, Inhaber kleiner Immobilien zum Verkauf ihrer Immobilien zu bewegen, damit Immobilienunternehmen viel größere Entwicklungspläne durchführen können. Japans Blasenwirtschaft der 1980er Jahre wird häufig auf Immobilienspekulationen von Bankentöchtern zurückgeführt. Nach dem Zusammenbruch der japanischen Immobilienblase wurde ein Manager einer großen Bank in Nagoya ermordet, und es gab viele Spekulationen über die indirekte Verbindung des Bankensektors mit der japanischen Unterwelt.

Yakuza nehmen oft an lokalen Festivals wie Sanja Matsuri teil, wo sie oft mit dem Schrein durch die Straßen fahren und stolz ihre aufwändigen Tätowierungen zeigen. Es ist bekannt, dass Yakuza große Investitionen in legitime Mainstream-Unternehmen tätigt. 1989 kaufte Susumu Ishii, der Oyabun der Inagawa-kai , Aktien der Tokyo Kyuko Electric Railway im Wert von 255 Millionen US-Dollar . Die japanische Securities and Exchange Surveillance Commission hat Kenntnis von mehr als 50 börsennotierten Unternehmen mit Verbindungen zur organisierten Kriminalität. Im März 2008 beschloss die Osaka Securities Exchange , alle börsennotierten Unternehmen zu überprüfen und diejenigen mit Yakuza-Verbindungen auszuschließen. Diebstahl wird grundsätzlich nicht als legitime Tätigkeit von Yakuza anerkannt. Dies steht im Einklang mit der Idee, dass ihre Aktivitäten halboffen sind; Diebstahl wäre per Definition eine verdeckte Aktivität. Noch wichtiger ist, dass eine solche Handlung von der Gemeinschaft als Übertretung angesehen wird.

Außerdem führt Yakuza den eigentlichen Geschäftsbetrieb normalerweise nicht selbst durch. Kerngeschäftsaktivitäten wie Merchandising, Kredithai oder die Verwaltung von Glücksspielhäusern werden in der Regel von Nicht-Yakuza-Mitgliedern verwaltet, die für ihre Aktivitäten Schutzgebühren zahlen. Es gibt viele Hinweise darauf, dass Yakuza an der internationalen Kriminalität beteiligt ist. Es gibt viele tätowierte Yakuza-Mitglieder, die in verschiedenen asiatischen Gefängnissen wegen Verbrechen wie Drogenhandel und Waffenschmuggel inhaftiert sind. 1997 wurde ein verifiziertes Yakuza-Mitglied beim Schmuggel von 4 Kilogramm Heroin nach Kanada erwischt . Aufgrund ihrer Geschichte als legitime feudale Organisation und ihrer Verbindung zum politischen System Japans durch die Uyoku Dantai (rechtsextreme politische Gruppen) sind Yakuza ein Teil des japanischen Establishments. Sechs Fanmagazine berichten über ihre Aktivitäten.

Das Engagement von Yakuza in der Politik funktioniert ähnlich wie das einer Lobbygruppe, wobei sie diejenigen unterstützen, die an ihren Meinungen oder Überzeugungen teilhaben. Eine Studie ergab, dass jeder zehnte Erwachsene unter 40 Jahren der Meinung war, dass die Yakuza existieren dürfen. In den 1980er Jahren geriet in Fukuoka ein Yakuza-Krieg außer Kontrolle und Zivilisten wurden verletzt. Es war ein großer Konflikt zwischen den Yamaguchi-Gumi und Dojin-Kai , der als Yama-Michi-Krieg bezeichnet wurde . Die Polizei trat ein und zwang die Yakuza-Chefs auf beiden Seiten, öffentlich einen Waffenstillstand zu erklären. Zu verschiedenen Zeiten haben Menschen in japanischen Städten Anti-Yakuza-Kampagnen mit gemischtem und vielfältigem Erfolg gestartet. Im März 1995 verabschiedete die japanische Regierung das Gesetz zur Verhinderung rechtswidriger Aktivitäten von Mitgliedern der kriminellen Bande , das das traditionelle Erpressen erheblich erschwerte. Ab 2009 begann die japanische Polizei unter der Führung von Agenturchef Takaharu Ando , gegen die Banden vorzugehen. Kodo-kai- Chef Kiyoshi Takayama wurde Ende 2010 festgenommen. Im Dezember 2010 verhaftete die Polizei Yamaguchi-gumis mutmaßlichen Anführer Nummer drei, Tadashi Irie .

Laut den Medien haben lokale Regierungen und Bauunternehmen begonnen, Yakuza-Aktivitäten oder die Beteiligung an ihren Gemeinden oder Bauprojekten zu meiden oder zu verbieten, was durch strengere Gesetze und Gesetze gegen Yakuza gefördert wird. Die Polizei ist jedoch behindert, weil Japan kein Äquivalent zu Verhandlungen , Zeugenschutz oder dem US-amerikanischen Gesetz über von Racketeern beeinflusste und korrupte Organisationen hat .

In den Jahren 2010 und 2011 wurden in Osaka und Tokio Gesetze erlassen, um den Einfluss der Yakuza zu bekämpfen, indem es für jedes Unternehmen illegal wurde, Geschäfte mit den Yakuza zu machen. Yakuzas Hilfe bei der Tōhoku-Katastrophe Nach dem Erdbeben und dem Tsunami in Tōhoku am 11. März 2011 schickten die Yakuza Hunderte von Lastwagen mit Lebensmitteln, Wasser, Decken und Sanitärzubehör, um den Menschen in den betroffenen Gebieten der Naturkatastrophe zu helfen. CNN México sagte, dass die Yakuza zwar durch Erpressung und andere gewalttätige Methoden operieren, sich aber "schnell und leise bewegten, um den Bedürftigsten Hilfe zu leisten". Solche Aktionen der Yakuza sind das Ergebnis ihres Wissens darüber, wie es ist, "für sich selbst zu sorgen", ohne staatliche Hilfe oder Unterstützung durch die Gemeinschaft, da sie auch als "Ausgestoßene" und "Aussteiger aus der Gesellschaft" gelten.

Darüber hinaus schätzt der Ehrenkodex der Yakuza ( Ninkyo ) Berichten zufolge Gerechtigkeit und Pflicht über alles und verbietet es anderen, leiden zu dürfen. Vereinigte Staaten Die Aktivitäten von Yakuza in den Vereinigten Staaten sind größtenteils auf Hawaii beschränkt , aber sie haben ihre Präsenz in anderen Teilen des Landes bekannt gemacht, insbesondere in Los Angeles und der San Francisco Bay Area sowie in Seattle , Las Vegas , Arizona , Virginia , Chicago und New York City . Die Yakuza sollen Hawaii als Zwischenstation zwischen Japan und dem amerikanischen Festland nutzen, Methamphetamin ins Land schmuggeln und Schusswaffen zurück nach Japan schmuggeln. Sie passen leicht in die lokale Bevölkerung, da viele Touristen aus Japan und anderen asiatischen Ländern die Inseln regelmäßig besuchen und es eine große Bevölkerung von Bewohnern gibt, die ganz oder teilweise japanischer Abstammung sind. Sie arbeiten auch mit lokalen Banden zusammen und leiten japanische Touristen zu Spielstuben und Bordellen. In Kalifornien haben die Yakuza Allianzen mit lokalen koreanischen Banden sowie chinesischen Triaden geschlossen . Sie verbündeten sich mit vietnamesischen Banden, um sie als Muskeln zu nutzen, da sie das Potenzial hatten, bei Bedarf extrem gewalttätig zu werden.

Die Yakuza erkannten ihr Potenzial nach den ständigen Schießereien in vietnamesischen Cafés und Einbrüchen bei Hausinvasionen in den 1980er und frühen 1990er Jahren. In New York City scheinen sie Findergebühren von russischen, irischen und italienischen Gangmitgliedern und Geschäftsleuten zu erheben, um japanische Touristen zu legalen und illegalen Glücksspieleinrichtungen zu führen. In den USA hergestellte Handfeuerwaffen machen einen großen Anteil (33%) der in Japan beschlagnahmten Handfeuerwaffen aus, gefolgt von China (16%) und den Philippinen (10%). 1990 konnte ein Revolver vom Kaliber 38 von Smith & Wesson , der in den USA 275 US-Dollar kostete, in Tokio für bis zu 4.000 US-Dollar verkauft werden. Bis 1997 würde es aufgrund der zunehmenden Verbreitung von Waffen in Japan in den 1990er Jahren für nur 500 US-Dollar verkauft. Das FBI vermutet, dass die Yakuza verschiedene Operationen durchführen, um Geld in den USA zu waschen Im Jahr 2001 veranlasste der Vertreter des FBI in Tokio, dass Tadamasa Goto , der Leiter der Gruppe Goto-gumi , eine Lebertransplantation im UCLA Medical Center in den USA erhielt, um Informationen über die Operationen von Yamaguchi-gumi in den USA zu erhalten. Dies geschah ohne vorherige Konsultation der NPA . Der Journalist, der den Deal aufgedeckt hatte, erhielt Drohungen von Goto und erhielt Polizeischutz in den USA und in Japan. Ostasien außerhalb Japans

Die Yakuza sind seit den 1960er Jahren in Südostasien beschäftigt. Sie arbeiten dort an der Entwicklung des Sextourismus und des Drogenhandels. Dies ist der Bereich, in dem sie heute noch am aktivsten sind. Neben ihrer Präsenz in südostasiatischen Ländern wie Thailand , den Philippinen und Vietnam sind Yakuza-Gruppen auch in Südkorea , China , Taiwan und auf den Pazifikinseln (hauptsächlich Hawaii ) tätig. Yakuza-Gruppen sind auch in Nordkorea präsent; 2009 wurde Yakuza-Mitglied Yoshiaki Sawada aus Nordkorea entlassen, nachdem er fünf Jahre im Land verbracht hatte, weil er versucht hatte, einen nordkoreanischen Beamten zu bestechen und Drogen zu schmuggeln

3. Camorra

Diese Mafia-Gruppierung stammt ursprünglich aus Italien und entstand in den Gefängnissen. Entlassene Gefangene führen die Aktivitäten anderer Gefangenen weiter. Viele Mafiosi sind im Laufe der Jahre in die USA gezogen, aber durch die strenge Gesetzgebung dort sind die Mafia-Gruppen abgeschwächt. In Italien ist die Organisation stark geblieben, weil die italienische Regierung ihr die Hand über dem Kopf gehalten hat. Trotz der Versuche von Journalisten, Bürgern und Regierungsbeamten ist es immer noch nicht gelungen um Maffia und die Regierung in Italien zu trennen. Die Camorra ist die erfolgreichste Mafia-Gruppe in diesem Land. Sie entstand im 19. Jahrhundert in Neapel. Sie erzeugt Geld in erster Linie von sexueller Ausbeutung, Handel mit Waffen, Drogen, gefälschte Produkte und Glücksspiele

Als Camorra, auch bekannt als Bella Società Riformata, Società dell’Umirtà, Onorata Società oder Il Sistema, werden organisierte kriminelle italienische Familienclans in Neapel und der Region Kampanien bezeichnet. Die Camorra ist eine der ältesten und größten kriminellen Organisationen in Italien und besteht seit dem 16. Jahrhundert. Im Gegensatz zur sizilianischen Cosa Nostra und der kalabrischen ’Ndrangheta mit ihrem überwiegend ländlichen Operationsfeld agiert die Camorra vorwiegend von Neapel und dem Umland aus. Die Camorra besteht aus autonomen Clans und ist daher auch nicht wie die Cosa Nostra vertikal, sondern horizontal organisiert. Zulauf erhält die Camorra vor allem aufgrund der – besonders unter Jugendlichen – hohen Arbeitslosigkeit. Sie bietet ihnen (statistisch nicht erfasste) Arbeit an; überhaupt ist die Schattenwirtschaft eine bedeutende ökonomische Kraft der Stadt.

Die Ursprünge der Camorra sind bis heute nicht ganz klar. Man nahm bisher an, dass sie seit dem 16. Jahrhundert als direkter Nachkomme einer spanischen Geheimgesellschaft namens „Garduña“ zurückreichen, welche im Jahr 1417 gegründet wurde. Jüngste historische Forschungen in Spanien legen jedoch nahe, dass die Garduña nie wirklich existierte und nur auf einem fiktiven Buch aus dem 19. Jahrhundert basieren würde.

Die Herkunft des Wortes „Camorra“ ist unklar, es gibt jedoch zahlreiche Theorien. Die erste offizielle Verwendung des Wortes soll aus dem Jahre 1735 stammen, als eine königliche Verfügung die Einrichtung von acht Spielhöllen in Neapel zuließ. In dem besagten offiziellen Dokument ist die Rede von Camorra avanti palazzo, damit meinte man eine Spielhölle in der Nähe eines Palasts.Daher ist das Wort nahezu zweifellos eine Mischung aus „Capo“ (Chef) und einem neapolitanischen Straßenspiel namens „Morra“.

Die Camorra operiert in der gesamten Europäischen Union mit Drogenhandel, Waffenhandel, Produktpiraterie von Luxusgütern, illegaler Müllentsorgung und Schutzgelderpressung.[10] Mit Hilfe von Korruption und Erpressung erlangte sie Großaufträge im Baugewerbe.Weiterhin investiert die Camorra in hohem Maße in die Herstellung von Designermode und Zement. Schutzgelder werden in camorrakontrollierten Betrieben gewaschen und legal in den europäischen Großstädten reinvestiert.

Wie die Cosa Nostra, ’Ndrangheta und andere Gruppierungen der Organisierten Kriminalität hat auch die Camorra längst ihre regionale Herrschaftszone verlassen und ihre Verbrechen auf andere Länder der EU und darüber hinaus ausgeweitet. Roberto Saviano hält kriminelle Organisationen sogar für den Inbegriff von Internationalismus, da diese Syndikate mit modernsten Mitteln operieren und sich überdies untereinander verheiraten wie einst der europäische Hochadel. Als Beispiele führt er an:

„Im schottischen Aberdeen investiert der Clan La Torre in den Tourismus.“

„Francesco Schiavone, genannt ‚Cicciariello‘, wurde in Polen verhaftet und investierte auch in Rumänien.“

„Vincenzo Mazzarella wurde in Paris verhaftet, wo er mit den afrikanischen Kartellen mit Diamanten handelte.“

„In Nizza gibt es Investitionen in Immobilien.“

Die kampanische Kleinstadt Castel Volturno in der Provinz Caserta bei Neapel soll ausländischen Clans „komplett überlassen“ worden sein, nämlich „Clans aus Lagos und Benin City“, zum Zwecke des Kokainhandels und für den Transit von Prostituierten nach ganz Europa.

Die deutsche Hafenstadt Rostock spiele 2008 eine Schlüsselrolle im internationalen Kokainhandel. Die Camorra baue für den Kokainschmuggel speziell konstruierte Schiffe mit doppelten Wänden. Das Kokain sei nur über eine komplette Schiffsdemontage zugänglich, doch die enorme Gewinnspanne beim Kokainhandel erlaube den Verlust eines ganzen Handelsschiffes.

In vielen deutschen Großstädten (Stuttgart, Leipzig, München, Frankfurt am Main) hätten alle Clans der Camorra ihre Vertretungen; vor allem in der ehemaligen DDR seien bestimmte Wirtschaftsbereiche wie Tourismus, Bauindustrie, Transportwesen und Textilindustrie unterwandert.

Der deutsche Geheimdienst (vermutlich: BfV) soll ebenfalls schon von Camorra-Informanten infiltriert sein.

Saviano sieht die Unternehmen an der Costa del Sol mittlerweile weitgehend unter der Kontrolle der Camorristi des Casalesi Clans. Dort werde neben dem Rauschgifthandel (Kokain) vor allem Geldwäsche über das Baugewerbe betrieben.Die Camorristi nennen die Costa del Sol bereits „costa nostra“ (= unsere Küste). Saviano führt die Ignoranz spanischer Politiker gegenüber der Camorra zurück auf „eine stillschweigende Übereinkunft, nach der die Kriminellen aus Neapel ihre Geschäfte machen dürfen, solange sie keine militärischen Aktionen provozieren

Saviano folgert aus dieser bislang ungestörten Expansion: „Für die Camorra ist die Welt eine Art Brettspiel, wo einzelne Familien bestimmte Gebiete einfach in Besitz nehmen.“ Nur eine Kooperation auf europäischer Ebene könnte der organisierten Wirtschaftskriminalität noch Einhalt gebieten. Ein erster notwendiger Schritt dazu sei die Einführung der „Mafia als Straftatbestand“ in der EU, der 2007 ausschließlich in Italien Geltung hatte.

Nach einer Untersuchung von Confesercenti, dem zweitgrößten italienischen Handels- und Unternehmerverband, vom 22. Oktober 2007 im Corriere della Sera, werden in Neapel die Fischerei, die Milchproduktion, der Kaffeehandel und 2.500 Bäckereien nahezu vollständig von der Camorra kontrolliert.

Sie ist in zig verschiedene grössere und kleinere Clans aufgeteilt.Zu den dominierenden Clans gehört die sogenannte Alleanza di Secondigliano, die vor allem von den Clans Licciardi, Di Lauro und Contini-Bosti repräsentiert wird.

Die Camorra existierte in den USA schon zwischen der Mitte des 19. Jahrhunderts und Anfang des 20. Jahrhunderts. Sie wetteiferte in einem Krieg gegen die sizilianisch-stämmige Mafia bzw. der späteren amerikanischen Cosa Nostra, welchen sie jedoch verlor und so schließlich unter der neuen Führung des Sizilianers Salvatore D’Aquila mit der frühen amerikanischen Cosa Nostra verschmolz, was heute als Vorläufer des später als „Gambino-Familie“ klassifizierten Clans gilt.

Antonio La Torre aus Aberdeen (Schottland) war der dortige lokale „Don“ der Camorra. Er ist der Bruder von Camorra-Chef Augusto La Torre des La Torre Clans, welcher in Mondragone (Kampanien) seine Basis hatte. Der La Torre Clan war Hunderte Millionen Euro schwer. Antonio betrieb mehrere legitime Geschäfte in Aberdeen, während sein Bruder Augusto dort illegale Geschäfte führte. Er wurde später in Schottland verurteilt und wartet auf seine Auslieferung nach Italien. Augusto wurde im Januar 2003 schließlich zum Pentito und gestand mehr als 40 Morde. Seinem Beispiel folgten später viele seiner Männer

In Deutschland ist die Camorra seit den 1980er Jahren verstärkt aktiv. Regionale Brennpunkte liegen in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Hessen und Bayern. Laut Bundeskriminalamt hielten sich zuletzt 88 mutmaßliche Mitglieder der Organisation aus dem Raum Neapel in Deutschland auf. Am häufigsten waren Mitglieder der Clans Licciardi, Moccia, Cava und Ascione vertreten

Beispielsweise unterhielten die Corleonesi von der Cosa Nostra, besonders unter dem berüchtigten Boss Salvatore „Totò“ Riina, traditionell enge Verbindungen zur Camorra-Dependance in Baden-Baden. Diese, aus Giugliano in Campania stammend, soll unter ihrem Anführer Sabatino Ciccarelli den Kokainhandel in Deutschland organisiert haben.

Im Jahr 2009 wurden nach großangelegten Razzien in Deutschland und Italien neun Mafiosi der Camorra aus Neapel in Karlsruhe festgenommen. In Offenbach wurde eine gesamte Lagerhalle voll Mafia-Gut sichergestellt. Den verhafteten Beschuldigten wurde vorgeworfen, banden- und gewerbsmäßig betrogen zu haben.

Im Jahr 2010 wurden in Hamburg 5 Angehörige des Camorra-Clans Rinaldi festgenommen.Auch hier wurde wieder gewerbs- und bandenmäßiger Betrug in großem Stil vorgeworfen.

4. Ndrangheta

Auch diese Mafia-Bande entstand in Italien, nämlich in der Region Kalabrien. Sie ist die größte Mafia-Organisation des Landes hinter der Camorra. Die Ndrangheta-Mitglieder sind hauptsächlich im Kokainhandel tätig und unterhalten enge Verbindungen mit Südamerika. Sie versorgen insbesondere den transatlantischen Teil der Welt mit den notwendigen Drogen. Später fing diese Gruppierung auch an sich mit dem Drogenhandel in Amerika zu bemühen und hat sie einige italienische Mafia-Familien mit der Ausweitung ihres Handels geholfen.

Die ’Ndrangheta [(n)ˈdraŋɡeta] ist die Vereinigung der kalabrischen Mafia, deren Aktionsradius ganz Europa, Nord- und Südamerika sowie Russland und Australien umfasst. Mit geschätzten 54 Milliarden Euro Jahresumsatz (2013) gilt die ’Ndrangheta seit Mitte der 1990er Jahre als mächtigste Mafia-Organisation Europas. Wichtigste Einnahmequellen sind der Drogenhandel und die illegale Müllentsorgung, insbesondere von Giftmüll. Sie kontrolliert weite Teile des Kokainhandels in Europa.

Die Wurzeln der ’Ndrangheta reichen zurück bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts. Damals hieß sie Picciotteria und gedieh in ländlichen Gebieten. Man vermutet, dass sie aus Briganten und Rebellen in den Gemeinden Platì und San Luca entstand. Das Einkommen bestritt man vornehmlich aus Erpressungen und Entführungen. Die Herkunft des Namens ist nicht ganz geklärt. Er könnte aus dem in Teilen Kalabriens gesprochenen griechisch-kalabrischen Dialekt stammen und verwandt sein mit griechisch ἀνδραγαθία andragathía „Heldentum, Tugend“ oder ἀνδράγαθος andrágathos „helden-, tugendhaft“, zusammengesetzt aus ἀνήρ anḗr (Genitiv ἀνδρός andrós) „Mann“ und ἀγαθός agathós „gut“. Die Auslassung von Anfangsvokalen ist in süditalienischen Dialekten ein häufiges Phänomen. Erstmals gebrauchte der kalabrische Schriftsteller Corrado Alvaro das Wort 'Ndrangheta vor einer breiteren Öffentlichkeit im September 1955 im Corriere della Sera. In einer konfiszierten Mafia-Villa in Reggio Calabria widmet sich das Museo della ’ndrangheta der Dokumentation und Erforschung der ’Ndrangheta.

Nach Erkenntnissen europäischer Drogenermittler stellt die ’Ndrangheta die bedeutendsten Gruppen im europäischen Kokain-Handel, noch vor den kolumbianischen Drogenkartellen. Die Dominanz der ’Ndrangheta ist vor allem darauf zurückzuführen, dass es ihr gelang, Teile des Geschäfts an sich zu reißen, als die sizilianische Cosa Nostra in den 1990er Jahren unter Druck geriet.

Laut einem Bericht der Anti-Mafia-Kommission aus dem Jahr 2014 liegt die Stärke der ’Ndrangheta sowohl in ihrer ökonomischen Macht als auch in ihrem starken Einfluss auf die Politik. Beim Drogenhandel hat die ’Ndrangheta keine Gegner: Sie kooperiert mit den südamerikanischen Kartellen und arbeitet oft in enger Verbindung mit amerikanischen Mafia-Clans oder der amerikanischen Cosa Nostra. Die „Operation New Bridge“ enthüllte beispielsweise die Verbindung zwischen dem Ursino Clan aus Marina di Gioiosa Ionica und der Gambino-Familie aus New York City.

Weitere wesentliche Ertragsquellen sind Waffenhandel, Geldwäsche und Erpressungen. Sie gilt als das wirtschaftlich stärkste Syndikat und setzte im Jahr 2013 vermutlich rund 53 Milliarden Euro um, das sind etwa 2,7 Prozent des italienischen Bruttoinlandsprodukts.Der Drogenhandel stellt dabei die größte Einnahmequelle dar, an zweiter Stelle folgt illegale Müllentsorgung. Geringere Bedeutung haben heutzutage noch Schutzgelderpressung, illegales Glücksspiel, Menschenhandel, Prostitution und Markenfälschung.

Durch Auswanderer hat die ’Ndrangheta „Zweigstellen“ in Europa, Südamerika, Russland, den USA, Kanada und Australien. Die Organisation ist mit 400 Führungsfiguren in 30 Ländern aktiv. Insgesamt sind weltweit rund 60.000 Menschen in die Aktivitäten der 'Ndrangheta verwickelt. Besonders betroffen sind Deutschland und die Benelux-Staaten.

Die als Mafiamorde von Duisburg bekannt gewordenen Verbrechen vom August 2007, bei denen sechs Italiener getötet wurden, erregten Medieninteresse. Es waren die ersten Morde dieses Ausmaßes, die die ’Ndrangheta im Ausland verübt hatte. In einem Spiegel-Interview vom 19. August 2008 sprach ein Pate allerdings davon, dass es sich bei den Morden um keine Fehde handelte, sondern eine Abspaltung innerhalb der Gesellschaft verhindert werden sollte. Um Nicola Di Girolamo, der ’Ndrangheta treu zu Diensten, bei der Wahl 2008 in den römischen Senat zu hieven, hatte sich die kalabrische Mafia-Organisation vornehmlich in Stuttgart von Italienern Blanko-Wahlzettel beschafft und zugunsten des angeblichen Auslandsitalieners Di Girolamo gefälscht. Ein Zentrum der ’Ndrangheta in Deutschland ist die Gastronomie in Erfurt, deren Hauptakteure aus dem Dorf San Luca stammen .Auch im Raum Stuttgart und in Nordhessen sind Clans aus Kalabrien aktiv, wie etwa die Polizeioperation "Stige" gezeigt hat. In Nordrhein-Westfalen verfügt die ’Ndrangheta über Stützpunkte für den internationalen Rauschgifthandel.

Im Gegensatz zur Cosa Nostra ist die ’Ndrangheta horizontal strukturiert und zählt aktuell vermutlich etwa 60.000 Mitglieder, sie umfasst etwa 90 Clans oder Cosche (benannt nach dem sizilianischen Wort für die Artischocke, die als Symbol für den Zusammenhalt stehen soll) wie die Familie Tegano. Im Vergleich zur Cosa Nostra basiert die Mitgliedschaft in der ’Ndrangheta aber weit stärker auf Blutsverwandtschaft. Die einzelnen Mitglieder nennen sich ’ndrinu und der Clan selbst ’ndrina. Will sich eine ’Ndrina ausdehnen, muss eine ihrer Frauen in eine andere Familie einheiraten – dies geschieht auch gegen den Willen der Frau. Schließen sich mehrere ’Ndrine (plural für ’Ndrina) zusammen, so werden diese als Locale bezeichnet.

Die Gliederung erfolgt innerhalb der Struktur.

Capo Provincia: koordiniert die Locali, bewacht die Traditionen und löst interne Konflikte.

Capobastone: steht an der Spitze einer ’Ndrina und entscheidet über Leben und Tod eines Mitglieds.

Contabile: verwaltet die Finanzen der ’Ndrina.

Capo Crimine: plant und koordiniert.

’Ndrinu ist ein einfaches Mitglied. Im Volksmund auch ’Ndranghetisti genannt.

Der Blutsverwandtschaft ist ein größerer Zusammenhalt zu verdanken: Bislang sind 157 Kronzeugen aus der Organisation ausgestiegen (zum Vergleich: In Sizilien waren es etwa 390). Eine neue Untersuchung, bekannt als „Operation Crimine“, endete im Juli 2010 mit der Verhaftung von 305 ’Ndranghetisti. Nach den Worten von Staatsanwalt Piero Grasso, Italiens Antimafiachef, ist die ’Ndrangheta extrem „hierarchisch, vereinigt und pyramidal“ und nicht nur klanbasiert aufgebaut.

Das Zentrum der Organisation liegt nach wie vor in Kalabrien in der Metropolitanstadt Reggio Calabria und der Provinz Crotone. Ähnlich wie in Sizilien die Kleinstadt Corleone gibt es in Kalabrien ein Dorf, das als Hochburg der ’Ndrangheta bezeichnet wird: Platì am Fuße des Gebirges Aspromonte. Das Dorf soll unterirdische Gänge und Kammern mit getarnten oder versteckten Türen haben, die den Mitgliedern des Clans ein Verschwinden bei Gefahr ermöglichen.

In der Gegend um Lecco, eine Stadt im Norden Mailands in der reichen Lombardei, ist es der Polizei im Mai des Jahres 2014 gelungen, heimlich den Initiationsritus der ’Ndrangheta bei einem Abendessen in einem Restaurant zu filmen.

Die Begrüßungsformel lautete: “Buon vespero e santa sera ai santisti.” (deutsch: „Ein gutes Abendessen und eine gesegnete Nacht an unsere heiligen Brüder.“) Santisti ist eine Hierarchiebezeichnung der ’Ndrangheta. Anschließend werden die italienischen Nationalhelden Garibaldi, Mazzini und La Marmora aufgerufen. Der Vorsitzende führt weiter: „In Demut nehme ich an der heiligen Gesellschaft teil. Sprecht mir nach: ,Ich schwöre, alles abzustreiten. Bis zur siebten Generation. […] Um die Ehre meiner weisen Brüder zu bewahren. Unter dem Licht der Sterne und der Schönheit des Mondes forme ich die heilige Kette.“ Am Ende werden erneut die drei Nationalhelden angerufen. Die neu Aufgenommenen müssen versprechen, dass sie sich bei schweren Verfehlungen entweder mit Gift umbringen oder sich erschießen werden. „Nicht die Menschen urteilen über euch, sondern ihr selbst. Ihr müsst immer eine Kugel für euch übrig haben“.

Die Schwüre unterscheiden sich von Clan zu Clan, aber geschworen wird stets auf das gleiche.

Nach diesen Regeln soll die ’Ndrangheta funktionieren:

Umiltà – Demut gegenüber Anderen („Ehrenwerten“ und der Bevölkerung)

Fedeltà – Uneingeschränkte Treue, deren Bruch mit dem Tod bestraft wird

Politica – Geheimsprache zwischen den „Ehrenwerten“, bei der die Wahrheit zu sagen das oberste Gebot ist

Falsa Politica – Sprache gegenüber Polizisten und Verrätern, die nie die Wahrheit erfahren dürfen

La Carta – Alle wichtigen Ereignisse werden aufgeschrieben

Il Lapis – Der Boss ist verpflichtet, eine geheime Chronik zu führen

Il Coltello – (wörtlich: Das Messer) Die Interessen der Organisation stehen an erster Stelle und werden mit Androhung des Todes beschützt

Die Anwendung der Prinzipien bedeutet Efferatezza (deutsch „Grausamkeit“) gegenüber den Betroffenen, da deren Menschenrechte missachtet werden.

5. Sinaloa-Kartell

Ursprünglich in Mexiko entstanden, unterhielt das Kartell später auch enge Beziehungen mit Lateinamerika und den Vereinigten Staaten. Sinaloa ist das größte Drogenkartell, das Mexikos jemals gekannt hat. Von allen Drogen, die einst in Amerika konsumiert wurden, kommt durchschnittlich 60% von dem Sinaloa-Kartell. Das Kartell verdient etwa $ 3 Milliarden pro Jahr mit diesem Geschäft. Als der Anführer einer Mafia-Gruppe verhaftet wird, äußeren die Mitglieder ihre Frustration in der Regel in blutigen Massakern. Also wird entschieden, wer der Nachfolger ist. Das Sinaloa-Kartell bleibt davon aber verschont und löst solche Sachen auf friedlichere Weise.

Als Sinaloa-Kartell (spanisch Cártel de Sinaloa) bekannt ist die mexikanische Verbrecherorganisation, die Geschäften im Drogenhandel, der Geldwäsche und dem Menschenhandel nachgeht. Das Kartell hat seine Basis in Culiacán, Sinaloa, agiert aber in mehr als 20 mexikanischen Bundesstaaten. Das Kartell ist auch unter den Bezeichnungen Guzmán-Loera-Organisation und Pazifik-Kartell bekannt. Das Kartell wurde auch „Federación“ genannt. Diese „Federación“ löste sich aber mit der Abspaltung der Gebrüder Beltrán Leyva vom Sinaloa-Kartell auf.

Das Sinaloa-Kartell soll 2010 in etlichen lateinamerikanischen Staaten aktiv gewesen sein. Es soll auf die Unterstützung von mexikanischen Behörden auf kommunaler, regionaler und Bundesebene zählen können.

Die United States Intelligence Community bezeichnete 2010 das Sinaloa-Kartell als „die mächtigste Organisation im Drogenhandel weltweit“.[2] Laut dem United States Attorney General ist das Sinaloa-Kartell verantwortlich für den Import und den Vertrieb von über 200 Tonnen Kokain zwischen 1990 und 2008.

Zu Beginn der 2010er Jahre gewann das Verbrechersyndikat aus Sinaloa zunehmend an Einfluss und wird mittlerweile wieder als das mächtigste Kartell Mexikos gehandelt

Der Drogenhandel in Mexiko professionalisierte sich im Laufe der 1980er Jahre. Während früher überwiegend kolumbianische Kartelle, wie das Cali-Kartell und das Medellín-Kartell, dafür sorgten, dass Kokain, Marihuana und Heroin in die USA gelangten, begann sich in den 1980er Jahren ein Kartell mit seiner Basis in Guadalajara, Jalisco, zu bilden. Der ehemalige Polizeibeamte Miguel Ángel Félix Gallardo gründete gemeinsam mit seinen Partnern Ernesto Fonseca Carrillo und Rafael Caro Quintero das Guadalajara-Kartell, welches in seiner Hochblüte in den 1980ern den gesamten Kokainhandel in Mexiko beherrschte.

Gallardo entwickelte Mitte der 1980er ein neues Vertriebsmodell für Kokain, verzichtete dadurch aber auf große Teile seiner Macht. Er unterteilte sein Einflussgebiet in sechs neue Bezirke.

Zu diesem Zeitpunkt war das Guadalajara-Kartell das wohl einflussreichste und mächtigste Drogenkartell in der Geschichte Mexikos.Doch nachdem Miguel Angel Felix Gallardo 1989 verhaftet wurde, entbrannten Kompetenzstreitigkeiten. Da sich jeder der fünf verbliebenen Drogenbosse erhöhten Einfluss sichern wollte, zerbrach letztlich die Federación, und es entstanden mehrere kleine Gruppierungen, die stellenweise bis heute existieren: Sinaloa-Kartell, Golf-Kartell, Tijuana-Kartell, Juárez-Kartell.

Anfang der 1990er entwickelte sich dann das Sinaloa-Kartell, trotz zahlreicher Gefechte mit den verfeindeten Kartellen, zum einflussreichsten Kartell Mexikos. Dies änderte sich, als die Kämpfe intensiver wurden. Besonders die Schmuggelroute über Tijuana nach Kalifornien wurde heftig umkämpft. Es kam vermehrt zu Auseinandersetzungen mit den Arellano-Felix-Brüdern vom Tijuana-Kartell. So entging El Chapo oft nur knapp Attentaten, die auf das Tijuana-Kartell zurückzuführen waren. Immer seltener hielt er sich über längere Zeit an ein und demselben Ort auf. Er nutzte überwiegend Hotelzimmer, blieb oft nur zwei Nächte, um nicht gefunden zu werden. Seine Flucht endete 1993 in Guatemala, wo er gefangen genommen und anschließend in das Hochsicherheitsgefängnis Puente Grande in Jalisco gebracht wurde.

Infolgedessen war das Sinaloa-Kartell sichtlich geschwächt, auch wenn El Chapo die Geschicke aus der Gefängniszelle fortführen konnte. Nach seinem legendären Ausbruch 2001 fand das Sinaloa-Kartell zu alter Stärke zurück. Besonders während der Amtszeit von Felipe Calderón (2006–2012) wuchs die Macht des Kartells stark an. In der jüngeren Vergangenheit wird es wieder als stärkstes Kartell Mexikos bezeichnet. Während andere Kartelle, besonders das Golf-Kartell und die Los Zetas, brutale Auseinandersetzungen mit den mexikanischen Streitkräften hatten, blieb das Kartell aus Sinaloa weitestgehend verschont. Dies führte zur Vermutung einer geheimen Zusammenarbeitsvereinbarung zwischen Präsident Felipe Calderón und den Führern des Sinaloa-Kartells. Auch der US-amerikanischen Drug Enforcement Administration wurde eine Kooperation mit dem Kartell unterstellt.

Am 30. Juli 2010 wurde Ignacio „Nacho“ Coronel, einer der drei Anführer des Kartells, von mexikanischen Militärangehörigen getötet. Es war der größte Erfolg der mexikanischen Armee im Kampf gegen das Sinaloa-Kartell seit Beginn des Drogenkrieges.

Am 25. September 2010 wurde mit Margarito Soto Reyes der mutmaßliche Nachfolger von Ignacio Coronel von der Polizei verhaftet.

Am 26. Mai 2011 lieferten sich Angehörige des Sinaloa-Kartells, laut Regierungsangaben, in Ruiz auf der Hauptstraße von Tepic nach Mazatlán mit Mitgliedern der Zetas ein einstündiges Feuergefecht aus fahrenden Autos heraus, bei dem 29 Personen, teilweise mit Kampfanzügen und Schutzwesten bekleidet, getötet wurden. Die Polizei konfiszierte 14 Fahrzeuge, darunter zwei gepanzerte, und zusätzlich Gewehre, Munition und Handgranaten.

Am 22. Februar 2014 wurde El Chapo verhaftet. Als Nachfolger galt nun sein langjähriger Vertrauter Ismael „El Mayo“ Zambada. Eine Woche nach der Festnahme Guzmáns demonstrierten mehrere Tausend Anhänger landesweit für die Freilassung des ehemaligen Anführers des Sinaloa-Kartells. Am 11. Juli 2015 brach El Chapo jedoch zum zweiten Mal aus dem Gefängnis aus.Nach sechsmonatiger Flucht wurde er am 8. Januar 2016 von mexikanischen Marineinfanteristen in Los Mochis, zusammen mit seinem Sicherheitschef, Jorge Iván Gastélum Ávila (alias „El Cholo“), verhaftet und am 19. Januar 2017 an die USA überstellt.

Als mutmaßlicher neuer Kartellführer und Nachfolger El Chapos etablierte sich in einem Machtkampf 2016/17 zunächst Dámaso López Núñez, genannt „El Licenciado“ („Der Akademiker“), ein langjähriger Weggefährte und Berater El Chapos, der im Mai 2017 vom mexikanischen Militär festgenommen wurde. Einige Sicherheitsexperten vermuten, er stecke hinter der Entführung der Söhne von El Chapo im August 2016 und sei mit dem Kartell Jalisco Nueva Generación (CJNG) verbündet, um sich gegen das Lager der Familie Guzmán durchzusetzen, das ihn nicht akzeptierte. Bereits seit 2015 soll das Kartell zwischen Anhängern und Gegnern der Familie El Chapos gespalten sein. Seit Jahresbeginn bis Mai 2017 forderten Auseinandersetzungen zwischen der Fraktion von El Licenciado und seinem Sohn „Mini Lic“ auf der einen und dem Bruder und den Söhnen von El Chapo auf der anderen Seite vor allem an der Pazifikküste Mexikos über 140 Menschenleben.

Nun haben sie einen Kleinen Einblick in die Organisationen erhalten.

Italien ist eins der acht mächtigsten Länder der Welt (G8) und Gründungsmitglied der Europäischen Union. Ihr größtes Unternehmen kontrolliert 14,6 Prozent des Bruttoinlandsproduktes - und heißt Mafia.

In den 1970er und 1980er Jahren verging kaum ein Tag, an dem die italienische Presse nicht über die Mafia berichten musste. Mal ging es um die blutigen Kämpfe zwischen den Clans, mal um den Drogen- und Rüstungshandel, mal um die Zusammenarbeit mit „umgelenkten Teilen“ der Geheimdienste und das enge Verhältnis zu korrupten Politikern. Die Liste der Berichte über die Morde an unbequemen Richtern, Journalisten oder Politikern ist lang.

Giuseppe Impastato war ein junger Idealist, der in Cinisi bei Palermo lebte. Er widersetze sich seiner eigenen Familie, weil sie von Mafiosi verseucht war: Der Vater war einer von ihnen. Über einen selbstfinanzierten freien Radiosender berichte Impastato über die Machenschaften der Mafiosi in der Region. Während des Wahlkampfes zu den sizilianischen Kommunalwahlen 1978 setze die Mafia dem jungen Widerstand ein Ende. Beim Warten an einem Bahnübergang wurde Impastato aus seinem Wagen gezerrt, mit einem Stein erschlagen und an die Schienen gefesselt. Anschließend deponierte man einen Sprengsatz neben ihm und zündete diesen fern. Wenig später wurde ein Brief veröffentlicht, der die Tatsache bekräftigen sollte, dass es sich bei der Explosion um einen Selbstmord gehandelt hatte. Impastato wurde 30 Jahre alt.

Ein Jahr später wurden der leitende Polizeibeamte Boris Giuliano und der Ermittlungsrichter Cesare Terranova in Palermo erschossen.

Der ehemalige Präsident der Region Sizilien, Piersanti Mattarella, wurde am 6. Januar 1980 ermordet: Er hatte die Verstrickung zwischen Mafia und Politik (involviert waren auch eigene Parteikollegen) öffentlich verurteilt.

Der General der Carabinieri, Carlo Alberto dalla Chiesa, und seine Frau wurden am 3. September 1982 von der Mafia ermordet. 1983 wurde der Staatsanwalt Rocco Chinnici umgebracht. Er war der Begründer des Antimafia-Pools von Palermo.

Der sizilianische Unternehmer Libero Grassi wurde 1991 getötet, weil er sich öffentlich gegen die Schutzgelderpressungen der Mafia gewehrt hatte. Ein Jahr später wurden die zwei populären Anti-Mafia-Richter samt Eskorte in die Luft gejagt: erst Giovanni Falcone; zwei Monate später sein Freund und Kollege Paolo Borsellino. Ein Jahr nach diesem Anschlag nahm die Polizei einen der Attentäter, Santino di Matteo, fest. Di Matteo begann mit der Justiz zu kooperieren und wurde in staatliches Schutzprogramm für Mafiaaussteiger (Pentiti) aufgenommen. Die Rache der Mafia ließ nicht lange auf sich nicht warten. Sie entführte den zwölfjährigen Giuseppe di Matteo, Sohn von Santino. Nach zwei Jahren Gefangenschaft wurde das Kind erdrosselt. Um die Spuren der Gewalttat zu verwischen, wurde sein Körper in einem Fass Säure aufgelöst.

Vor allem das letzte Beispiel gibt einen Einblick ins Selbstverständnis der Mafia. Sie ist „ein totalitäres System – bestimmt von der Verachtung für das menschliche Leben […] Mafiakultur bedeutet, dass der Einzelne nicht existiert und dass alle Interessen der Mafia untergeordnet sind. Dass es keine Werte gibt, an die man glaubt. Dass ‚Ehre’ und ‚Familie’ nur hohle Floskeln sind, weil stets nur eines zählt: das Weiterbestehen der Mafia. Und dass die Mafia, um dieses Ziel zu erreichen, jeden Einzelnen mit einem ‚Über-Ich’ ausstattet, mit dem Bewusstsein, zu einem auserlesenen Volk zu gehören,“ schreibt die Mafia-Expertin Petra Reski in ihrem neuen Buch „Von Kamen nach Corleone“.

Nur der Cosa Nostra sollen mehr als 5.000 Menschen zum Opfer gefallen sein . Die Tatsache, dass auch viele Polizisten und Richter zu ihnen gehören, zeigt, dass die italienische Justiz in all den Jahren nicht untätig geblieben ist. In dem legendären Maxiprozess war es Giovanni Falcone und Paolo Borselino gelungen, 360 Mafiabosse zu insgesamt 2665 Jahren Haft zu verurteilen [Reski 2010:103]. Als die berüchtigten Paten Totò Riina und Bernardo Provenzano festgenommen wurden, zeigte das italienische Fernsehen zwei alte mitgenommene Männer in Handschellen, die eher einfältigen Schafhirten als mächtigen, brutalen Herrschern ähnelten. Ein trügerisches Bild. Zur Cosa Nostra (so heißt die Mafia in der Region Sizilien), Ndrangeda (Kalabrien), Camorra (Kampanien) und Sacra Corona Unita (Apulien) gehören insgesamt 629 Clans, die auf einer Armee von 20.200 Mitgliedern und fast 220.000 Unterstützern („fiancheggiatori“) zählen . Nur beim Clan Sarno in Neapel stehen 5.000 Personen unter dem Befehl eines Mafia-Bosses . Der Kampf der Justiz gegen die Mafia gleicht dem Kampf gegen einen Tumor: „Mafiosi wachsen nach wie Tumorzellen,“ sagt Nicola Gratteri, leitende Oberstaatsanwalt im kalabrischen Reggio Calabria [Reski 2010:55].

Während früher die sizilianische Cosa Nostra als mächtigste Mafia-Organisation galt, hat in den letzten zwei Jahrzehnten die kalabrische ’Ndrangheta eine steile Karriere hingelegt. „Nach den Morden an den beiden Staatsanwälten Giovanni Falcone und Paolo Borsellino waren die Scheinwerfer des öffentlichen Interesses fast ausschließlich auf Sizilien gerichtet,“ und im Schatten der Cosa Nostra konnte die `Ndrangheta fast unbemerkt wachsen. „Aus den bäuerlichen Clans, die einander Schafe raubten, war die reichste Mafiaorganisation Italiens geworden, mit einem geschätzten jährlichen Geschäftsumsatz von 45 Milliarden Euro“ [Reski 2010:87].

Die Mafia ist die größte italienische Holding, mit einem jährlichen Gesamtumsatz von 135 Milliarden Euro und einem Nettogewinn von 70 Milliarden Euro [4]. Im Oktober 2009 berichtete die englische The Guardian [5], dass die Mafia 14,6 Prozent des Bruttoinlandsproduktes Italiens kontrolliert, das heißt eines Landes, das zu der Gruppe der acht mächtigsten Nationen der Welt gehört (G8).

Die Aktivitäten der Mafia liegen nicht nur in Waffen- und Kokainhandel, Betrug und Fälschung, Mord und Erpressung. Die Mafia braucht auch das legale Geschäft (z.B. Restaurants und Pizzerien), unter anderem um ihr Geld zu waschen. „In Italien gaben die Antimafiafahnder im Sommer 2010 bekannt, dass heute mindestens 5.000 Restaurants Geldwaschanlagen der Mafia sind, in Großstädten wie Rom und Mailand soll sogar jedes fünfte Restaurant der Mafia gehören“ [Reski 2010:111].

Die Mafia mischt auch im Baugeschäft und Finanzhandel kräftig mit.

In Italien pflegt die Mafia seit mehr als einem halben Jahrhundert enge Kontakte zur Politik. Der sizilianische Staatsanwalt und oberste Mafia-Jäger Piero Grasso beschreibt dieses Verhältnis so: „Mafia und Politik verhalten sich zueinander wie der Fisch und das Wasser: Es gibt kein Wasser ohne Fische und keine Fische ohne Wasser. Manchmal habe ich den Eindruck, dass die Politik eher Lust auf die Mafia hat und sich davon nicht wirklich befreien will.“

Die Mafia kontrolliert viele Wählerstimmen und war in Italien immer wieder Teil der Regierung. Mehrere Mafiaaussteiger wie Tommaso Buscetta berichteten vor den Richtern über die Treffen zwischen Giulio Andreotti und den Mafiabossen. Andreotti war 21mal Minister, 7mal Regierungschef, ewiger Strippenzieher der Democrazia Cristiana (DC) und zählt Henry Kissinger und Helmut Kohl zu seinen engen Freunden .

Seit 2010 ist endgültig bewiesen, dass auch Silvio Berlusconi seit Jahrzehnten enge Kontakte zur Mafia pflegt [8]. Der Mediator ist seine rechte Hand Marcello Dell’Utri.

Dell’Utri war leitender Manager von Berlusconi’s Holding Fininvest, Mitbegründet von Berlusconi’s Partei Forza Italia im Jahr 1993, von 1999 bis 2004 Europäischer Abgeordneter in den Reihen des Europäischen Volkspartei (PPE), heute Mitglied des italienischen Senats. Dell’Utri wurde 2004 zu einer Gefängnisstrafe von neuen Jahren verurteilt, wegen externer Beteiligung an einer mafiösen Vereinigung. Im Juni 2010 hat das Berufungsgericht von Palermo die Verurteilung bestätigt, die Gefängnisstrafe jedoch auf sieben Jahre herabgesetzt.

© Davide Brocchi, 15.12.2010

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Was Geheimdienste damit zu tun haben und wie sich so manches verändert hat beschreibt Alfred McCoy in einem seiner gut recherchierten Bücher :

Mit Drogenkriegen Politik betreiben – das gehört seit 50 Jahren zur Strategie der CIA, so Alfred W. McCoy in „Die CIA und das Heroin“. Und er kann es belegen. Was als Abwehrkampf gegen Kommunismus und Terrorismus gedacht war, hatte – und hat – dramatische Folgen.

Ganz gleich, ob in Südostasien, am Hindukusch oder in Südamerika, ob in den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts oder in der Gegenwart: Die Drogenkriege der CIA laufen stets nach ein und demselben Muster ab. Lediglich das Feindbild hat sich geändert.

Über Jahrzehnte versuchte die Central Intelligence Agency die Ausbreitung des Kommunismus mit der Geheimwaffe Heroin einzudämmen, nun ist der islamistische Terrorismus als „Staatsfeind Nummer Eins“ in den Fokus gerückt.

Alfred McCoy kann seine Kernthese, ihre Ursachen und ihre Folgen, anhand zahlreicher Beispiele belegen. Das Muster der CIA-Aktionen funktionierte und funktioniert demnach überall so wie in Asien:

In Birma, Laos und Afghanistan sorgte eine gesteigerte Opiumproduktion für die entscheidende Unterstützung der Geheimoperationen. Als die Stammesgesellschaften für die CIA-Geheimkriege mobilisiert wurden, mussten sie Arbeitskräfte vom Subsistenzlandbau abziehen und sie in den Krieg umlenken. Dadurch sank die Lebensmittelproduktion. Um sich dennoch ausreichend versorgen zu können, waren diese Gesellschaften nun auf die vergleichsweise guten Erlöse aus dem marktorientierten und zudem nicht so arbeitsintensiven Mohnanbau angewiesen. Aus Sicht der CIA ersparten ihr die Erlöse aus dem Drogenverkauf hohe, vielleicht sogar unbezahlbar hohe Kosten.

Die Folgen sind stets verheerend: Aus den von der CIA protegierten lokalen Kriegsherrn werden Drogenproduzenten, die an ihrem Geschäftsmodell auch dann noch festhalten, wenn die CIA ihre Dienste nicht mehr benötigt. So entstand in der Mitte des letzten Jahrhunderts mit maßgeblicher Unterstützung des US-Geheimdiensts das so genannte „Goldene Dreieck“ in der Region Laos-Thailand-Birma. Dort wurde im Überfluss hochwertiges Heroin hergestellt, das zunächst buchstäblich tonnenweise von den GIs im Vietnamkrieg konsumiert wurde – und später dann den amerikanischen Markt überflutete.

Die Zahl der Rauschgiftabhängigen wuchs dramatisch an

Aber nicht nur Millionen von US-Bürgern wurden auf diese Weise zu Drogenopfern, die Produkte der riesigen Mohnanbaugebiete fanden überall auf der Welt ihre Abnehmer. Somit führte die fahrlässige Drogenpolitik der CIA ungewollt zu einem dramatischen Anstieg der Zahl von Rauschgiftabhängigen auf allen Kontinenten, während zugleich ganze Regionen und Staaten dauerhaft destabilisiert wurden.

Denn die Bemühungen der USA – und auch das zeigt McCoy in seinem Buch –, die aus dem Ruder gelaufene Heroinproduktion nach dem Abschluss der verdeckten militärischen Operationen zu unterbinden, schlagen in der Regel fehl: Die lokalen Drogenkartelle sind meist mächtig genug sich zu widersetzen, etwa durch eine flexible Verlagerung der Anbaugebiete oder durch Bestechung der korrupten Politiker in ihrer Heimat. So verharrt die Verbreitung von Drogen auf hohem Niveau, mit weltweiten katastrophalen Konsequenzen:

Während der 1990er Jahre speiste die stark steigende afghanische Opiumernte einen internationalen Schmuggel, der Zentralasien, Russland und Europa zu einem riesigen illegalen Markt für Waffen, Drogen und Geldwäsche verknüpfte: Die Drogen flossen aus Afghanistan Richtung Westen nach Europa; Waffen und Geld strömten nach Osten zurück (…) Wo immer dieser unsichtbare Handel Etappe machte, um das Rauschgift zu verarbeiten, zu verpacken oder zu tauschen, verästelte sich das illegale Geschäft rasch und förderte Korruption, Massensucht und HIV-Infektionen. Durch die Alchemie des Kapitalismus entstanden allenthalben Mafiaorganisationen, bewaffnete ethnische Separatisten und eine Kultur der Kriminalität.

Alfred McCoys Buch „Die CIA und das Heroin“, das in den USA erstmals 1972 erschien, gilt längst als Klassiker, der jetzt aktualisiert in deutscher Übersetzung vorliegt. Vor über vierzig Jahren wäre es der CIA beinahe gelungen, eine Veröffentlichung des Buches zu verhindern. Inzwischen ist McCoy ein hoch angesehener Hochschullehrer, der mehrfach als Experte in staatlichen Untersuchungskommissionen zur Verstrickung der CIA in den internationalen Drogenhandel befragt wurde.

Meine einstmals umstrittene These über die Komplizenschaft der CIA im Drogenhandel, die sich aus ihrer engen Zusammenarbeit mit mächtigen Drogenbaronen ergibt, wird von den eigenen Quellen des Geheimdienstes und, wichtiger noch, von der Geschichte selbst untermauert.

Die Alleingänge der CIA sabotierten die US-Außenpolitik

An mehreren Stellen weist der Autor zudem nach, wie sehr sich die CIA mit ihrer Drogenpolitik in Alleingänge verstrickte, die die offizielle Washingtoner Agenda sabotierten:

Indem sie geflissentlich den Drogenhandel ihrer geheimen Bundesgenossen übersah, verletzte die CIA das US-Geheimdienstgesetz und spätere Regierungsdirektiven, die von ihr Informationen zur Unterstützung der Drogenkriege verlangten.

Alfred McCoy beschreibt äußerst detailliert, anschaulich und kenntnisreich die fatalen Irrtümer der CIA-Drogenpolitik. Bei der Lektüre begegnen dem Leser berühmt-berüchtigte Stichworte wie „Medellin-Kartell“, „Iran-Contra-Affäre“ oder „French Connection“, um nur einige zu nennen. In ausführlichen Exkursen, etwa unter dem Titel „Eine kleine Geschichte des Heroins“ liefert der Autor zahllose vertiefende Informationen über sein akademisches Lebensthema, das ihn seit gut einem halben Jahrhundert nicht loslässt. Es ist sein bleibendes Verdienst, dass er diese dunkle Seite einer völlig verfehlten amerikanischen Geheimdienst-Politik ausleuchtet.

Mafia, Geheimdienste und Politik der USA

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• 1939-1948

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• 1956-1960

• 1963-11/1963

• 11/63-6/1964

• 7/1964-9/1968

• 10/68-8/1974

• 9/1974-8/1980

• 9/1980-9/1988

• 10/88-9/2000

• 10/00-9/2001

• 10/2001-2006

Diese Chronik behandelt die Geschichte des Organisierten Verbrechens und der

Geheimdienste in den USA sowie deren Einflüsse auf die Politik.

Schwerpunkte bilden:

-die Präsidentschaften von John F. Kennedy, Richard Nixon, George Bush sen. und jun;

-die Ermordungen von John und Robert Kennedy, Marilyn Monroe und Martin Luther King;

-die Mafia in Chicago, Louisiana und New York;

-die Aktivitäten von CIA, FBI, NSA, Secret Service und der Militärgeheimdienste;

-die Kriege gegen Korea, Kuba, Vietnam, den Irak und Afghanistan;

-der 1 1 .September 2001 und der amerikanische Staatsterrorismus.

Zudem gibt es viele weitere Informationen zu relevanten, zeitlich angeordneten

Ereignissen.

Zu Beginn der jeweiligen Abschnitte sind die Stichworte und

Personen angegeben, die behandelt werden und mit den Links schnell gefunden

werden können.

Quellen

I Für eine vertiefte Beschäftigung mit dem jeweiligen Ereignis, Akteur oder Land habe

IlTheaterstück-l ich ^' e verwenc| eten Quellen angegeben und in einem

Expose

Kontakt:

zusammengefasst.

Diese Chronik ist die Zusammenfassung meiner Recherchen für das Theaterstück

, die ich weitergeführt und aktualisiert habe.

Last update 22. Februar 2006

Mafia, Geheimdienste und Politik der USA

Home

1:1865-1

Die wichtigsten Themen der einzelnen Abschnitte sind:

Die Entstehung und Konsolidierung der Mafia sowie die

Karrieren von J. Edgar Hoover, Prescott Bush und Joe Kennedy.

Die Kooperation von Armee, Geheimdienste, Industrie, Mafia,

Faschisten und Vatikan im 2. Weltkrieg und danach.

9:7/64-9/68

10:10/68-8/7 '

1 1 :9/74-8/8(

12:9/80-9/8?

13:10/88-9/0(

14:10/00-9/0 -

15:1 0/01 -20(

Quellen

.eaterstück:

Kontakt:

Mafia, Nixon und den Faschisten.

Die Mafia-Unterstützung für Kennedy und Nixon, die Revolution

in Kuba und die Interventionen der CIA.

Das erste Jahr der Präsidentschaft Kennedys: Aussenpolitik,

Geheimdienste, Mafia und Frauen.

Die Ermordung von Marilyn Monroe und die Kuba-Krise.

Kennedys Konfrontationspolitik und die Entstehung einer

Gegenallianz.

Die Ermordung von John F. Kennedy und die Ermittlungen der

Warren-Kommission.

Der Vietnamkrieg, der Garrison-Prozess und die Ermordungen

von Martin Luther King und Robert Kennedy.

Die Präsidentschaft von Richard Nixon: Vietnamkrieg, Putsch

in Chile und Watergate.

Die Aktionen der CIA in Italien, Kambodscha, Indonesien, Iran,

Afghanistan, Nicaragua und Irak unter Ford und Carter.

Der Iran-Contra- und der Sparkassenskandal während der

Reagan/Bush-Regierung.

Die Präsidentschaften von George Bush und Bill Clinton mit

der Panama-Invasion und dem Golfkrieg.

George W. Bush und das Terror- Attentat vom 1 1 . September

2001.

Die Folgen von 9-1 1 : Anthrax, Patriot Act, die Kriege gegen

Afghanistan und den Irak.

Mafia, Geheimdienste und Politik der USA

Home

Übersieh

Einleitung:

1865-1938

1939-1948

1949-1955

1956-1960

Zum Text

Die einzelnen Ereignisse und Biographien dieser Chronik sind

unterschiedlich genau dargestellt, weil ich im Rahmen meiner

Recherchen für das Theaterstück primär die

Hintergründe für Präsident Kennedys Ermordung verstehen wollte. Ich

habe jedoch auch andere wichtige Ereignisse und spätere

Entwicklungen (vor allem die Präsidentschaften von Nixon und Bush

sen. und jun.) in diese Chronik miteinbezogen. Der Text, eine

komprimierte Zusammenstellung von Fakten, Personen und ihren

Verbindungen, ist in 15 Abschnitte unterteilt.

1963-11/1

11/63-6/196'

7/1 964-9/1 9(

10/68-8/197'

9/1974-8/19?

9/1980-9/19?

10/88-9/200 (

10/00-9/20(

10/2001- 200

Quellen

.eaterstück:

Kontakt:

Methodologische Grundsätze

Staaten und Institutionen sind soziale Konstrukte. Wörter wie

"Regierung", "CIA" oder "Mafia" verweisen auf kollektive Illusionen, die

für die Koordination menschlichen Verhaltens handlungsrelevant sind.

Die Konstruktionen in den Köpfen werden durch Handlungen zu Fakten

(Faktum = Gemachtes). Wir haben keine andere Wahl, als am

Selbstverständnis der Akteure anzusetzen und diese Konstruktionen

ebenfalls zu verwenden, um das Funktionieren von Politik, Gesellschaft

oder Wirtschaft rekonstruieren zu können. Die begrifflichen Traditionen

erleichtern die historische Analyse, beinhalten aber die Gefahr der

alltagstheoretischen Selbstverständlichkeit. Denn "Staatsschutz",

"nationale Sicherheitsinteressen" oder "Gesetze" sind im Wesentlichen

Legitimationsformeln, um bestehende Macht- und

Herrschaftsverhältnisse aufrecht zu erhalten.

Da die Geheimdienste und die Mafia keine schriftlichen Quellen

hinterlassen oder diese meist nur ungenügend zugänglich sind, bleibt

die Historiographie ihrer Aktivitäten und Wirkungen ein delikates

Unterfangen. Die mangelnden 'Beweise' müssen durch mehrschichtige

Rekonstruktionen, systematische Vergleiche und detailierte

Fallanalysen kompensiert werden, entsprechend der

kriminalpolizeilichen Doktrin Ciceros: "Cui bono?"

Trotzdem bleiben Rekonstruktionen wie diese Chronik anfällig für die

Diffamierung als "Verschwörungstheorien." Jede Theorie und jede

Geschichtsschreibung muss die Komplexität der Ereignisse und

Zusammenhänge auf die wichtigen Faktoren reduzieren und mit

Generalisierungen arbeiten. Es gibt keine Person oder politische

Gruppe, die die Welt beherrschen könnte, sondern nur unzählige

Akteure, die jedoch gruppenspezifische Interessen verfolgen. Von ihren

Überzeugungen und Intentionen muss jede historische Analyse

ausgehen und diese in Bezug auf die Kontexte rekonstruieren, indem

sie nach den Möglichkeiten, Bedingungen und Effekte der

Handlungsfelder fragt. Politik ist das Feld der institutionalisierten

Machtkämpfe, bei dem die inoffiziellen Kampfmittel nicht ausgeblendet

werden dürfen.

Politische Einschätzungen

Die politische Struktur der der USA lässt sich am besten als

Faschismus charakterisieren, weil die Grosskonzerne, die

Geheimdienste, die Armee, die beiden Parteien und kriminelle

Organisationen personell und institutionell eng miteinander verflochten

sind und sich die Macht teilen. Demokratische Entscheidungen gibt es

in den USA noch weitgehend auf der lokalen Ebene, während die

Einzelstaaten und die Bundesregierung von einem plutokratischen Filz

korporativer Eliten beherrscht werden. Die Verflechtungen von

Industrie, Militär, Polizei, Medien, Regierung, Mafia und der

Geheimdienste lassen 'die Demokratie' zu einer Fassade verkommen.

Dies funktioniert in den USA besonders gut, weil die grosse Mehrheit

der Amerikaner über ein geringes politisches Bewusstsein verfügt, das

mit einer starken Religiosität gekoppelt ist und deshalb sehr einfach

manipuliert und kontrolliert werden kann. Kein anderes westliches Land

definiert sich so stark über den Verweis auf Gott und glaubt, dessen

Werk im auserwählten Land zu verwirklichen. Deshalb ist die

Religiosität gekoppelt mit einem Patriotismus, der mit dem Mythos der

Gründerväter und einer 'sakralen' Verfassung identifiziert wird und

immer noch als Primärtugend gilt, eine Tragödie. Die Verehrung der

Flagge bleibt ebenso unhinterfragt wie die Verdrängung die Geschichte

der Verklavung der Afroamerikaner und der Genozid der Ureinwohner

(es gibt in Washington D.C. ein Holocaust-Denkmal, aber keines für

Sklaven).

Ebenso unbekannt bleibt meist die Bedeutung der 'underground'-

Organisationen. Geheimdienste sind Manipulations- und

Unterdrückungsapparate, die jeder Idee von Demokratie

widersprechen, da sie weitgehend unkontrolliert und unter Ausschluss

von Öffentlichkeit arbeiten. Aufgrund der Möglichkeiten zur

Mittelbeschaffung und -anwendung in einem rechtsfreien Raum ist das

Kriminalitäts- und Gewaltpotenzial der Geheimdienste zwangsläufig

hoch, und die Assoziation mit (anderen) kriminellen Organisationen

naheliegend. Geheimdienste und Mafiaorganisationen sind die grössten

Bedrohungen eines friedlichen und vernünftigen Zusammenlebens der

Menschen, sowohl auf regionaler wie globaler Ebene. Der wirksamste

Schutz der Bürger vor den klandestinen Organisationen ist die

Veröffentlichung der Geheimnisse und die Einforderung demokratischer

Kontrollen. Nicht nur auf politischer, sondern auch auch wirtschaftlicher

Ebene.

lic. phil. Richard Kohler

Mafia, Geheimdienste und Politik der USA

Teil 1 (1865 bis 1938)

Dieser Teil der Chronik behandelt die Entstehung, Immigration und Konsolidierung der

Mafia, die US-Politik in Lateinamerika und die Aktivitäten von J. Edgar Hoover, Prescott

Bush, Joe Kennedy und Franklin D. Roosevelt.

Die zentralen Themen und Personen sind:

Entstehung der Mafia , Ermordung von Abraham Lincoln , Gründung des Secret Service,

Immigration der Mafia , Lateinamerika-Politik der USA , Monroe-Doktrin, Krieg gegen

Spanien, Interventionen in Kuba, Honduras, Nicaragua, Panama und Guatemala, Erster

Weltkrieg , Kooperation von Prescott Bush, Avereil Harriman und George Herbert Walker,

Prohibition , Konsolidierung der Mafia, Die Karriere von Joseph Kennedv , Partner Frank

Costello, J. Edgar Hoover beim FBI , AI Capone in Chicago , Flucht der Mafia aus Sizilien,

Börsenkrise 1929 , Die Mafia in New York : Lucky Luciano, Meyer Lansky, Benny Siegel, Joe

Masseria, Castellammare-Krieg, Salvatore Maranzano, Amerikanisierung der Mafia, Murder

Ine, Albert Anastasia, Roosevelt und Kennedv , Das Kartell der Erdölgesellschaften , John D.

Rockefeiler, Aristoteles Onassis, Das Attentat auf Roosevelt , Aufhebung der Prohibition ,

Glückspielgeschäft, Gewerkschaften, Heroinhandel, Meyer Lansky, Upton Sinclair , Die

Mafiakarriere von Carlos Marcello , Mafiaverfolgung , Hoover, die Nazis und die Mafia ,

Botschafter Kennedv in England .

Der Text umfasst ca. 24 Seiten.

Home Vorwärts zu Teil 2

1865: Die Entstehung der Mafia

Nach 1812 wurde der Feudalismus in Sizilien nach und nach gesetzlich abgeschafft. Da die

Landadeligen und Feudalherren die Bauern nicht mehr zur Arbeit zwingen konnten, verpachteten

sie ihre Latifundien an skrupellose Dorfhonoratioren, die die Bauern notfalls mit Schlägertruppen

auf die Felder treiben. Gegen die Franzosen entstand eine Untergrundbewegung in Form einer

Geheimgesellschaft, die mit dem Slogan "Morte Alla Francia Italia Anela!" Aufstände anzettelt.

Mithilfe der Bauern können die Truppen Garibaldis 1860 die Bourbonen stürzen und Sizilien wird

ein Teil des Königreiches Italien. Aber statt der ersehnten Freiheit von den parasitären

Landbesitzern folgen nach der Proklamation des italienischen Nationalstaates die Truppen und

Polizisten der Bourgoisie aus dem Norden und beuten den Süden wie eine Kolonie aus. Politisch

bleibt jedoch ein Vakuum, in dem lokale Herrscher sich durchsetzen können. 1865 schliessen sich

die sizilianischen Grossgrundbesitzer zu einer grossen Geheimgesellschaft, der "onorata societä",

zusammen. Mitglieder dieser "Ehrenwerten Gesellschaft" erobern die Kontrolle der

Stadtregierungen und des Managements der Fabriken. Um 1900 gibt es im westlichen Drittel der

Insel kaum eine Ecke, die sich dem Einfluss der Mafia entzieht. Der Begriff "Mafia" wird 1865 das

erste Mal von einer Strafverfolgungsbehörde für Gruppen von kleinen Hehlern und Organisatoren

von Verbrechen verwendet. Bald darauf wird er nur noch auf kriminelle Vereinigungen bezogen,

die von einem Boss geleitet werden und über Klientel-Beziehungen ihre Umwelt beherrschen.

Diese Mafiosi mit ihren Schlägertruppen hatten nie die Absicht, die Bauern und Kleingewerbe

gegen Unterdrücker zu verteidigen, sondern sie wollten sie selbst ausbeuten. Das insulare

Misstrauen gegen die italienische Staatsautorität hat allerdings zu einem gewissen Schutz

mafioser Geschäfte durch manche Bevölkerungsgruppen geführt. Obwohl es einen capo di tutti

capi gibt, um 1900 ist dies Don Vito Cascio Ferro, der bei Interessenkonflikten und Streitigkeiten

oberste Autorität geniesst, bleiben die Mafiosi lokale Herrscher.

Während es in Sizilien nie eine einheitliche Organisation mit Zentralleitung gibt, hat sich in Neapel

ein uniformes, straff hierarchisierstes Stadt-Gangstertum entwickelt. Im Unterschied zur Mafia

besetzen Camorra-Bosse keine hohen politischen Positionen und können jederzeit ausgewechselt

werden. Bei der Mafia steht die Familie im Vordergrund; dagegen rekrutiert die 'ndrangheta in

Kalabrien ihre Mitglieder aus den untersten Schichten, die gegenüber Sozialrevolutionären Ideen

viel aufgeschlossener sind. Ihre kriminellen Tätigkeiten liegen im Agrarsektor

(Schutzgelderpressung für Plantagen, Beherrschung der grünen Märkte) und im politischen

Bereich (Wahlstimmenbeschaffung und Einschüchterung von Gegnern) und haben durchaus auch

gewerkschaftliche Aspekte. Der Widerstand des von Fremdherrschaft gezeichneteten Südens

gegen die Zentralregierung und die damit verbundene Schwäche der staatlichen Institutionen

eröffnen jenes Machtvakuum, in dem das Briganten-Gangstertum und die organisierte Kriminalität

entstehen kann.

Quellen : Raith: 48-82, Davis (1994): 20-22, Best: 2.

April 1869: Ermordung von Abraham Lincoln top.

Präsident Abraham Lincoln wird vom 21jährigen Schauspieler John Wilkes Booth, einem angeblich

verrückten Einzeltäter, am 16.4.1865 ermordet. Gleichzeitig mit Lincoln werden zwei seiner

Kabinettsmitglieder an verschiedenen Orten in Washington ermordet. Die Motive des Täters und

der Tathergang bleiben im Dunkeln, wichtige Beweismaterialien verschwinden, und Booth wird

später im Gefängnis umgebracht. Diese Ermordung im typischen Mafiastil ist wie eine Vorlage für

das Kennedy-Attentat.

Im gleichen Jahr wird der Secret Service zur Verfolgung von Falschgeldherstellern gegründet,

weshalb er dem Finanzministerium untersteht. Obwohl schon am 10.1.1835 ein bewaffneter Angriff

auf Präsident Andrew Jackson missglückte, wird erst 1881, nach dem Anschlag auf Präsident

James A. Garfield, eine Polizeibewachung des Weissen Hauses organisiert. Secret Service-

Agenten übernehmen Begleitschutzaufgaben, als Präsident Grover Cleveland 1884

Morddrohungen erhält. Und erst nach der Ermordung von Präsident William McKinley am 6.9.1901

verfügt der Kongress einen Vollzeitschutz durch den Secret Service. Nach einem Mordversuch an

Harry S. Truman 1951 wird der Begleitschutz auch auf Familienangehörige und den

Vizepräsidenten ausgedehnt.

Quellen : Scott (1993): 295, Marrs: 240f.

1869: Immigration in die USA top

Während dem 19. und 20. Jahrhundert emmigrieren über eine Million Sizilianer in die USA. Die

italienischen und sizilianischen Einwanderer haben das organisierte Verbrechen nicht als erste in

die USA gebracht. Es gibt bereits irische und jüdische Gangster, die sich organisieren. Die Iren

haben kein Sprachproblem und alliieren sich mit den Politikern, für die sie Wähler einschüchtern

oder gegnerische Wahlveranstaltungen stören.

Die Sizilianer spezialisieren sich zuerst auf die Erpressung ihrer Landsleute und auf

Falschgeldherstellung. In Louisiana formieren sich 1869 vier von der italienischen Polizei aus

Palermo ausgewiesene Banditen zu einem Bund, den sie "Stoppagherra Society" nennen und der

eine Art Kolonie der sizilianischen Mafia darstellt. Kurz nach dem Bürgerkrieg organisiert der Sohn

eines sizilianischen Einwanderers, Joseph Macheca, die erste Familie in New Orleans, die

mehrheitlich im Hafen aktiv ist. Der sizilianische Mafioso Giuseppe Esposito flüchtet nach der

Ermordung seines Bosses De Leoni nach New Orleans und versucht als "Radzo" den Lokalboss

Tony Labruzzo zu entmachten. Dieser schaltet die Polizisten Mike und David Hennessy ein, worauf

Esposito verhaftet und nach Italien abgeschoben wird. Labruzzo wird daraufhin von Giuliano

Ardotta umgebracht, und auch Mike Hennessy wird erschossen. Ende der 80er Jahre entwickelt

sich die Organisation zur ersten voll organisierten Verbrecherfamilie in den USA. An ihrer Spitze

stehen als Nachfolger Machecas die Brüder Charles und Tony Matranza, die mit etwa 300

Mitgliedern den French Market für die Standard Fruit Company kontrollieren und die Werften und

Kais der gegnerischen Provenzanos ebenfalls unterjochen wollen. David Hennessy, alliiert mit den

neapolitanischen Provenzanos, schaltet sich in den entstehenden Krieg ein und wird am

15.10.1890 umgebracht. 19 Mitglieder der Matranza-Bande werden angeklagt, aber dank

Todesdrohungen und Bestechungen freigesprochen. Die erzürnte Bevölkerung stürmt unter der

Führung von William S. Parkinson das Gefängnis und lyncht 1 1 der Mobster. Nachfolger der

Matranzas wird Sam "Silver Dollar" Carolla, der die Kontrolle der Territorien der Provenzanos

sichert.

Zwischen 1890 und 1920 kommen insgesamt mehr als 18 Millionen neue Bürger in die Vereinigten

Staaten, darunter sehr viele Kinder, die durch öffentliche Bildung integriert werden müssen. Als das

Stück des jüdischen Autors Israel Zangwill The Melting Pot 1908 in Washington Premiere hat,

befinden sich die Vereinigten Staaten mitten in der grössten Einwanderungswelle, die das Land je

erlebt hat. Die Metapher des "Schmelztiegels" verweist nicht einfach auf Ideologie, wenn man die

Institutionen der Integration betrachtet, also die Schulen und öffentlichen Bildungseinrichtungen.

Das Ziel der sozialen und kulturellen "Verschmelzung" kann nur mit einer integrativen Schulung

erreicht werden, die mit grossem Mittelaufwand angestrebt wird. Alle Einwanderergruppen bringen

kriminelle Organisationen hervor. Beispielsweise sind die Banden von Jesse Woodson James in

den Südstaaten Anglo-Saxen.

In Pennsylvania formen Stefano LaTorre und Santo Volpe "The Men of Montedoro", da um die

hundert Familien aus diesem sizilianischen Ort stammen. Ihr Einfluss auf die Kohleminenarbeiter

führt zur ersten Kontrolle einer Gewerkschaft, der United Mine Workers.

In Chicago werden nach sozialistischen Agitationen auf dem Haymarket und einer Verschwörung

des Managements vier Gewerkschaftsführer zum Tod verurteilt und am 1 .5.86 gehängt. Dieser Tag

wird seither jedes Jahr als Gewerkschaftstag begangen. Ende des Jahrhunderts entstehen die

irische Organisation unter Charles Dion O'Bannion und sizilianische und italienische Gangs wie die

"Camoras", die "Secret Hands" oder die "Mysterious Hands", die ihre Landsleute terrorisieren und

erpressen. Die bekannteste Gang wird die sizilianische "Black Hands". Deren Chef ist ab 1905

Diamond Joe Esposito, der dank seiner Korruptionstaktik und seinen Beziehungen zur Politik zum

Boss aufsteigt. Der zweite wichtige Mann ist Big Jim Colosimo, der seine Karriere bei einer

Puffmutter begann und nun die Prostitution kontrolliert. Die zunehmende Konkurrenz der Gangs

führt zu Kämpfen und erfordert immer wieder Verstärkung: Esposito lässt die Genna-Brüder aus

Sizilien kommen, Colosimo wird Johnny Torrio aus New York holen, und die lokalen Gangs von

jungen Kriminellen werden rekrutiert.

Die sizilianischen Immigranten in New York lassen sich mehrheitlich in Harlem, die

neapolitanischen vor allem auf der Lower East Side nieder. Die Sizilianer Ignazio Lupo Saietta und

Giuseppe Morello rekrutieren aus diesen Quartieren die Mitglieder ihrer Gang, die um die

Jahrhundertwende die grösste der Stadt sein wird. Auch hier gibt es eine "Black Hand", in die sich

der Polizeileutnant Joseph Petrosino infiltrieren kann. Als er die Polizeiarbeit gegen die Mafia mit

italienischen Fahndern koordinieren will, wird er in Sizilien angeblich von Don Vito Cascio Ferro

persönlich ermordet. Bekannt sind auch die "Five Points" und die "James Street Gang" von Johnny

Torrio, dem Neffen von Colosimo. Die Politik von New York City wird durch die Tammany Hall, ein

ämterverteilender Wahlapparat der Demokratischen Partei, beherrscht. Irische und dann auch

jüdische Gangster schmieren die Politiker der Tammany Hall, stellen ihnen die Wahlhelfer und

Schläger zur Verfügung, damit sie von Polizei und Justiz in Ruhe gelassen werden. Nach

bewaffneten Strassenschlachten im August 1903 zwischen der 1200 Mann starken jüdischen Gang

von Monk Eastman mit rivalisierenden Gangs greifen die Behörden ein, allerdings nicht, um die

Gangs zu eliminieren, sondern nur, um einen Waffenstillstand zu vermitteln.

Quellen : Davis (1988): 20-28, Delorme: 17-33, Giancana: 28ff, Marrs: 157, Best.

1898: Lateinamerika-Politik der USA top.

Bereits am 2.12.1823 verkündete Präsident James Monroe die nach ihm bekannte Doktrin, die den

Europäern jeglichen Einfluss in den amerikanischen Kontinenten verbietet. Die Briten wollen das

bröckelnde Kolonialreich der Spanier beerben, was die USA zu verhindern verstehen. 1824 erfolgt

eine militärische Intervention der USA in Puerto Rico, 1831 in Argentinien, und 1845 und 1847 in

Mexico, worauf die USA die Hälfte des Territoriums annektieren. Nach dem Ende des Bürgerkriegs

proklamierte Präsident Ulysses Grant seinen Glauben an die "offenkundige Bestimmung" der USA,

den gesamten Kontinent unter ihre Vorherrschaft zu bringen. Zur "Verteidigung der Demokratie"

werden laufend Unabhängigkeits-Bewegungen abgeklemmt.

Meist wird der amerikanische Imperialismus religiös legitimiert: Schon im Krieg gegen die

Mexikaner in den 1840er Jahre wurde mit Rekurs auf die Prädestinationslehre behauptet, Gott

selbst habe die Pferde und Kanonen der Vereinigten Staaten gesegnet. 1859 verteidigte Horace

Greeley die Massaker an den Prärieindianern mit derselben Logik: "Diese Leute müssen

aussterben - es kann ihnen niemand helfen. Gott hat die Erde denen gegeben, die sie sich

Untertan machen und sie zu kultivieren verstehen; es wäre vermessen, sich seinem gerechten

Auftrag zu widersetzen."

Die Depression im Winter 1893/94 brachte grosse Arbeitslosigkeit, gewalttätige Streiks in den

Stahlwerken von Pennsylvania und den Kohlebergwerken von West Virginia. Der Aufruhr zwang

die Oligarchen an der Ostküste, etwas zu finden, um den "Eiter aus dem anarchistischen,

sozialistischen und populistischen Furunkel zu ziehen", wie ein Banker aus Philadelphia sich

ausdrückt. Präsident William McKinley setzt auf die Idee eines amerikanischen Empire: Seit 1895

führte Jose Marti den zweiten Unabhängigkeitskrieg in Kuba, und McKinley nahm die Explosion

des Panzerkreuzers USS Maine im Hafen von Havanna zum Anlass, Spanien den Krieg zu

erklären. McKinley untergrub alle Versuche der Spanier zu verhandeln. Die Pressezaren Joseph

Pulitzer von World und William Randolph Hearst vom New York Journal behaupteten mehrere

Wochen lang, die Spanier hätten eine Mine gelegt. Die USA erobern Puerto Rico und unterstellen

es bis zur formalen Annektion von 1952 einem US-Gouverneur. Beim Feldzug auf den Philippinen

massakrieren die Marines 200'uOO Einwohner.

Albert Beveridge, republikanischer Senator aus Indiana, meint 1901 : "Wir werden nicht klein

beigeben im Auftrag, unserer Rasse, unter Gottes Wille weltweit als Treuhänderin der Zivilisation

zu wirken, und wir werden mit unserem Werk weitermachen, ohne wie Sklaven, die zu ihrer Arbeit

gepeitscht werden, unseren Schmerz herauszuschreien, sondern mit Dankbarkeit für ein

Unternehmen, das unserer Kraft würdig ist, mit Daknbarkeit gegenüber dem allmächtigen Gott,

dass er uns als sein auserwähltes Volk bezeichnet hat, das fortan seine Heilung der Welt anführen

darf."

191 1 kommt eine Untersuchungskommission zum Schluss, ein Explosionsunglück im

Maschinenraum habe den Untergang des Schiffes und den Tod von 260 Seeleuten ausgelöst. Die

USA dirigieren die Innenpolitik und intervenieren bei Widerstand militärisch: 1906, 1912 und 1917,

wonach bis 1934 eine US-Militärverwaltung besteht.

Wegen der Kontrolle der Häfen und der Hafengewerkschaften arbeiten die Import- und

Exportfirmen, vor allem wenn sie mit schnellverderblichen Gütern handeln, mit der Mafia

zusammen. In der Revolution von 191 1 in Honduras spielt die Mafia von New Orleans eine

führende Rolle. Dabei werden die europäischen Banken und Investoren zurückgedrängt, und die

US-Bananenfirmen bekommen freie Hand. Samuel Zemurray von der Cuyamel Banana Company,

die später zur United Fruit gehört, finanziert den in einem Bordell von New Orleans geplanten

Coup. Bereits 1903 und 1905 haben die USA die "Ordnung wiederhergestellt" und 1919 und 1924

erfolgen erneute militärische Interventionen.

Die Kooperation von US-Firmen, dem Militär, der Mafia und lokalen Herrschern bewährt sich in

ganz Lateinamerika: Nach einer ersten Intervention 1853 machte sich der Amerikaner William

Walker 1855 dank seiner Söldnerarmee zum Präsidenten von Nicaragua. 1857 und 1860

intervenieren die US-Marines erneut in Nicaragua. 1909 stürzten die Marines Präsident Zelaya und

die USA besetzten das Land, wobei die Mafia ihre Zusammenarbeit mit den US-Firmen

institutionalisiert. Nach der Intervention von 1912 wurde Adolfo Diaz an die Macht gesetzt, der den

Amerikanern die Kontrolle des Finanzsystems Nicaraguas und den Bau einer Militärgarnison bei

Managua erlaubte, wo die Marines bis 1925 blieben. 1914 erfolgte der Bryan-Chamorro-Vertrag,

der den USA das exklusive Recht auf den Bau eines geplanten Kanals sicherte. Nachdem der US-

Schützling Emiliano Chamorro sich an die Macht geputscht hat, greifen die Marines gegen die

Unabhängigkeitsarmee von Augusto Cesar Sandino 1927 erneut ein und bauen die berüchtigte

Nationalgarde auf, an deren Spitze Anastasia Somozo 1932 die Macht übernimmt.

1903 erweiterte Theodore Roosevelt die Monroe-Doktrin, indem die USA die Funktion der

"Weltpolizei" übernehmen müsse bei einem "Fehlverhalten" eines Staates. Da Kolumbien sich

weigerte, die Nutzungsrechte des geplanten Kanals in der Provinz Panama den Amerikanern für

hundert Jahre zu überlassen, erzwangen die USA 1903 die Gebietsabtrennung. Eine Invasion in

der kolumbianischen Provinz war bereits 1860 erfolgt, und 1926 erhielt Panama faktisch den

Status eines Bundesstaates. Präsident William Taft prophezeit 1912: "Die gesamte Hemisphäre

wird uns gehören, da sie uns kraft der Überlegenheit unserer Rasse moralisch eigentlich schon

jetzt gehört". In den nächsten 25 Jahren folgen 12 weitere Interventionen und 8 Invasionen. 1915

wird die Republik Haiti erstickt: Unter William B. Caperton landet ein Korps in Port-au-Prince und

zwingt das Land, wie schon im Falle der Dominikanischen Republik 1907, die Militär-, Zivil- und

Finanzverwaltung sowie das Zoll- und Steuersystem in die Hände der Amerikaner zu übergeben.

1921 wird mit einer US-Intervention Präsident Herrera in Guatemala gestürzt, der sich gegen die

Expansionspläne der United Fruit stellt. 1923 werden Pläne für eine Föderalistische Republik von

Guatemala, Honduras und El Salvador vereitelt. General Smedley D. Butler schreibt am 21.8.31 in

der New York Times: "Ich half 1903, Honduras für die amerikanischen Fruchtfirmen zu öffnen. Ich

half 1914 Mexico, und speziell Tampico, die Ölinteressen zu sichern. Ich half, aus Haiti und Kuba

einen netten Platz zu machen, wo die Jungs von der National City Bank Geld verdienen können.

Ich half ein halbes Dutzend zentralamerikanischen Republiken für die Wall Street weichzukopfen.

Ich half 1909-1912, Nicaragua für die internationale Bank Brown Brothers zu säubern. Ich öffnete

die Dominikanische Republik 1916 für die amerikanischen Zuckerfirmen. In China beschützte ich

Standard Oil. Rückblickend denke ich, dass ich AI Capone einige Tipps hätte geben können. Er

betrieb seine Erpressungsgeschäfte in 3 Distrikten, ich arbeitete in drei Kontinenten." 1927

behauptet der amerikanische Botschafter in Paris, Myron Herrick: "Die Vereinigten Staaten gieren

nicht nach Land. [...] Wer uns imperialistische Absichten unterstellt, kennt die Fakten nicht oder ist

unaufrichtig." Nachdem die USA in ganz Lateinamerika totalitäre Militärregimes installiert haben,

verkündet Präsident Franklin Roosevelt 1934 die "Politik der gutnachbarschaftlichen Beziehungen".

Quellen : Delorme: 17-33, CIA-Info: 15f, Davis (1988): 20-28, Best, Lemoine (2003), Ramonet

(2003b), Lapham.

1917: Erster Weltkrieg top

Der Untergang des Passagierdampfers Lusitania vor der Südküste Englands im Mai 1915 liefert

Woodrow Wilson den Vorwand, gegen Deutschland in den Krieg zu ziehen. Die Presse heizt die

Stimmung an, indem behauptet wird, belgische Nonnen würden von den Deutschen über

glühenden Kohlen geröstet.

Der erste Weltkrieg eröffnet ungeahnte Verdienstmöglichkeiten für Börsenspekulanten wie J. P.

Morgan oder Edward H. Harriman, der 1898 mit Krediten von William Rockefeiler, Otto Kahn,

Jacob Schiff und Felix Warburg die Kontrolle der Union Pacific Railroad übernommen hatte. Der

Bruder von John D. Rockefeiler besitzt die National City Bank (später City Bank), die die

Waffenindustrie für den Krieg reorganisierte. Percy A. Rockefeiler übernahm die Kontrolle der

Remington Arms Company, die die USA, England und Russland mit Maschinengewehren,

automatischen Pistolen und Munition beliefert. Trotz dem Kriegseintritt der USA wegen dem

Business und der Absicht, die Weltmachtstellung der Engländer zu übernehmen, präsentiert

Wilson seine "Vierzehn Punkte" auf der Friedenskonferenz in Versailles mit der Begründung:

"Amerika hat das unendliche Privileg, seine Bestimmung zu erfüllen und die Welt zu retten".

Prescotts Vater Samuel P. Bush, Präsident der Buckeye Steel Castings, wird 1918 dank Harriman

direkt dem Direktor der staatlichen Waffenbeschaffung unterstellt und nützt diese Position für die

Rüstungsfirma Remington. 1934 beschäftigt sich ein Untersuchungsausschuss des Senats mit den

Machenschaften des als ,Merchant of Death' bezeichneten Waffendealers im 1 . Weltkrieg. Zudem

ist Samuel Bush Präsident der Federal Reserve Bank von Cleveland und Berater des Präsidenten

Herbert Hoover.

Zusammen mit seinem Freund E. Roland Harriman wurde Prescott Bush 1916 in die rassistische

Yale-Geheimgesellschaft Skull & Bones aufgenommen. Der exklusivste von rund einem Dutzend

Geheimbünden der Ivy-League nimmt jedes Jahr nur 15 Mitglieder auf. Zur Ivy-League gehören

acht Eliteuniversitäten im Nordosten der USA: Brown University, Columbia University, Cornell

University, Darmouth College, Harvard, Princeton, University of Pennsylvania und Yale (Ivy Plus

unfasst noch das Massachussetts Institut of Technology und die Stanford University). Den Zugang

zu diesen Universitäten gelingt fast nur nach dem Besuch teurer Privatschulen wie der Phillips

Academy (die die Bushs besuchten), der Jegacy' (der Vater und der Grossvater haben bereits an

dieser Uni studiert) und der Spendenzahlung. Harvard ist mit einem Fond von $22 Mia. die reichste

Universität, gefolgt von Princeton und Yale mit je etwa der Hälfte. Die S&B wurde 1832 gegründet

und umfasst heute 800 Mitglieder. In Harvard ist es der Porcellian Club und in Princeton der Ivy-

Club, die das Old-Boy-Network und damit das rigide Klassensystem der USA reproduzieren. Die

Mitglieder dieser Aristokratie schanzen sich die obersten Stellen im Staat (in den Gerichten, im

Kongress, der CIA und der Regierung) und in der Wirtschaft (in den Anwaltskanzleien und den

Konzernen) zu.

George Herbert Walker baut 1919 die Privatbank W.A. Harriman & Co mit auf, an der unter

anderem Percy Rockefeiler als Direktor mitbeteiligt ist. Avereil Harriman bekommt nach

monatelangem Taktieren unter nie veröffentlichten Konditionen die von den USA am Ende des

ersten Weltkriegs konfiszierten Dampfschiffe der Hamburg-Amerika-Linie, was ihm das Monopol

für die nächsten 20 Jahre sichert. Die W.A. Harriman fusioniert mit der Privatbank Morton & Co.

und verschafft sich 1922 über die Warburg-Bank den Zugang zur deutschen Schwerindustrie und

zu russischen Ölkonzessionen. 1921 heiratet Prescott Bush Walkers Tochter Dorothy und wird

1926 Vizepräsident der W.A. Harriman Bank. Als Geschäftsführer der Union Banking Corp. und der

Hamburg-Amerika-Linie wird Bonesman Bush einer der wichtigsten Unterstützer der Nazis.

Nach der Fusion mit dem Bankhaus Brown Brothers 1931 wird die Brown Brothers Harriman zur

grössten und politisch einflussreichsten Privatbank Amerikas, und Avereil Harriman berät in

Sachen Finanzen insgesamt 6 US-Präsidenten. Er finanziert als Partner von Prescott Bush über

die Union Banking nicht nur die Nazis, sondern mit seiner Garanty Trust Company auch die

Aufrüstung der Sowjetunion.

Quellen : Tarpley/Chaitkin: 13-20, Ploppa, Bröckers, Birnbaum, Lapham (2004), Fantasia (2004),

Laurent: 18.

1920: Prohibition top

Während der Prohibition (16.1.20-5.12.33) entwickeln sich die Gangs zu eigentlichen

Industrieimperien-Besitzer. Bereits vor dem ersten Weltkrieg führte einige Staaten wie Kansas

aufgrund religiöser und feministischer Lobbygruppen das Alkoholverbot ein. Der Krieg verstärkte

den Alkoholismus, was die Einführung des nationalen Verbots von Herstellung, Vertrieb und

Verkauf alkoholischer Getränke erleichterte. Die jüdischen Mobster (Dutch Schultz mit der Firma

Seagrams und Jack "Legs" Diamond) sind die ersten im Alkoholschwarzbrennen und -schmuggeln.

Jüdischen Ursprungs sind auch die Bronfman-Brothers in Kanada sowie Arnold Rothstein und

Mannie Kessler in New York. Die Iren steigen ebenfalls von Anfang an ins Bootlegging ein: Big Bill

Dwyer in New York, Steve Wallace, Dan Carroll und Joe Kennedy in Boston, Tommy McGinley in

Cleveland, Tommy Banks in Minneapolis und Charles O'Bannion in Chicago.

Nach den Juden und Iren entdecken die italienischen Gangs, die viel gewalttätiger sind und sich oft

gegenseitig bekämpfen (z.B. Sizilianer gegen Neapolitaner), den Markt. Allerdings arbeiten Juden

und Italiener auch manchmal zusammen. Die italienische Mafia, die bisher vor allem die

Prostitution und die Geldspiele beherrschte, wird erst durch den Alkoholschmuggel eine

bedeutende Macht.

Um Diamond Joe Esposito nicht in die Quere zu kommen, bleibt Big Jim Colosimo in Chicago beim

Prostitutionsgeschäft. Sein Neffe Johnny Torrio holt 1919 AI Capone aus New York, und sie

versuchen zu zweit, Colosimo von den Vorteilen des Alkoholschmuggels zu überzeugen. Da er

nicht einschwenkt, wird er am 11. Mai 1920 von Frankie Yale umgebracht. Danach baut John

Torrio ein weiteres Alkoholkartell in Chicago auf. Während drei Jahren kann Torrio den Frieden

aufrechterhalten, indem er die anderen Gangführer überzeugt, dass ohne Bandenkriege mehr Geld

zu verdienen ist. 1923 wollen verschiedene Gangs ihre Territorien erweitern, und neue sizilianische

Immigranten kommen in Chicago an, die die Unione Siciliana unterwandern, um am

Alkoholgeschäft mitzuverdienen. In den 20er Jahren ereignen sich 500 Mafiamorde in Chicago,

fast alle ohne eine Verurteilungen der Täter.

Die Machtstellung von Diamond Joe Esposito ist gesichert, weil er den für die Alkoholproduktion

notwendigen Zuckerimport kontrolliert, angeblich eine von Präsident John Calvin Coolidge

persönlich ausgestellte Lizenz. Esposito erzählt von mehreren Treffen mit Coolidge, für den er im

Gegenzug bei den Wahlen Stimmen organisiert. Der Boss demonstriert seine Macht, indem er von

den Italienern verlangt, mit den hübschesten Bräuten vor der Hochzeitsnacht zu schlafen. Trotz

dieser Entwürdigung wird ihm während den 20 Jahren seiner Herrschaft keine Jungfrau verweigert.

Johnny Torrio, AI Capone, Jake Guzik, Paul Ricca, Murray Humphreys, Frank Nitti, Jack McGurn

und Tony Accardo kamen alle aufgrund von Espositos politischen Beziehungen von New York

nach Chicago und arbeiten für ihn. Die sechs Genna-Brüder leiten die illegalen Destillerien im

Patch und schmieren über 400 Polizisten. Aufkommende Konkurrenten im Alkoholgeschäft werden

mit Bomben bekämpft, wofür Gangs wie die "42" angestellt werden. Allein 1925 werden über 100

Bombenattentate verübt. Der wildeste der Aufsteiger ist AI Capone, der 1928 im Alter von 29

Jahren das höchste Privateinkommen in den USA erzielt: $105 Mio.

In New York City wird die Korruption durch die Vormachtstellung der Tammany Hall besonders

gefördert. Es gibt zwei dominierende kriminelle Organisation: Die jüdische um Arthur Rothstein mit

Arnold "Dutch Schultz" Flegelheimer und James J. Hines. Und die italienische Organisation um

Albert C. Marinelli mit Joe Masseria, der Mitte der 20er Jahre zum dominanten Alkoholdealer in

New York aufsteigt und ein riesiges Vermögen anhäuft. Carlo Gambino, Joe Adonis und Albert

Anastasia arbeiten für "the Chinese", wie der vulgäre Masseria wegen seinen dicken Backen und

schmalen Augen von seinen Feinden genannt wird. Bereits ein Jahr nach Einführung des

Alkoholverbots bestehen in New York 5000 Spekeasies, deren Zahl bis 1927 auf 40'000 ansteigt.

Der 1920 zum Präsidenten gewählte Warren Harding, selbst ein Alkoholiker, wird wegen seiner

sexuellen Beziehungen erpresst, die grossen Schmuggler zu schützen.

Die unpopuläre Prohibition macht die Gangster zu Helden und salonfähigen Geschäftsherren und

festigt die Beziehungen zwischen Gangstern mit der amerikanischen Politik, da Polizisten, Richter

und Staatsbeamte durch die enormen Profite grosszüzig bestochen werden können. Laut dem

Chicagoer Polizeichef Charles Fitzmorris sind 60% der Polizisten im Alkoholgeschäft tätig. Von den

jährlich bis zu 4000 wegen illegaler Glückspiele Angeklagten werden durchschnittlich lediglich 175

vor Gericht gestellt.

Aufgrund der Bandenkriege und des wachsenden Drucks der Behörden verlegen die Gangs ihre

Hauptsitze in die umliegenden Vororten. Eine Bewegung weg von den traditionellen Zentren zu

besser kontrollierbaren Gemeinden entsteht. Aber die Gangster versuchen in allen Städten, die

Ämterverteilung zu beeinflussen. Politiker, die oft nur mit entsprechenden Stimmenkäufen gewählt

werden, bleiben für Skandale am exponiertesten und lassen deshalb den Mobster den benötigten

Freiraum. Journalisten, Richter, Justizbeamte, Polizisten und FBI-Beamte haben nichts zu

fürchten, da sie in den Augen der Mafia nur ihren Job tun. Wenn sie sich schmieren lassen, wird

allerdings Loyalität erwartet. Auch normale Bürger haben nichts zu befürchten, es sei denn, sie

haben Spielkredite von Loan Sharks aufgenommen, die sie nicht zurückzahlen können. Gefährlich

leben hingegen Informanten und Zeugen, die bei Prozessen aussagen.

Dutch Schultz baut sein Number Racket-Imperium auf und verdient vorwiegend an den armen

Schwarzen. Das einfache Spiel besteht darin, dass der Spieler eine Zahl zwischen und 999

wählt, bei der richtigen Zahl aber höchstens 600 Mal den Einsatz ausbezahlt bekommt. Da viele

spielen, setzt Dutch Schultz $80'000 pro Tag um. Dazu kommen die Pferderennwetten, wofür

Dutch Schultz das Mathematikgenie Otto Berman als Spielbankexperte anstellt. Mit der Zeit

beginnt jedoch die italienische Mafia, Geldspiele und Wetten zu kontrollieren, wobei die Juden die

"Banken" und "Buchhaltungen" weiterbetreiben und die Runners meist Schwarze sind. Die

Kontrolleure kassieren 35% der Einnahmen, wenn sie die Polizei schmieren, sonst 30% und die

"Bank" übernimmt die Schmiergelder. Der Kontrolleur bezahlt seinerseits 20 bis 25% seiner

Einnahmen an die Runners. Diese ziehen bei einem Gewinner aber auch einen Teil für sich ab. In

New York werden die Profite aus dem illegalen Spielgeschäft auf $500 Mio. geschätzt. Die

Mobster, die die Number-Rackets kontrollieren, sind zudem die grössten "Loan sharks": für 20%

Zins pro Woche leihen sie denen Geld, die sonst keines mehr bekommen, und ihre Methoden der

Wiedereintreibung sind effizient.

Quellen : Giancana: 30ff, 178, Lacey: 59, Best: 9, Davis(1993): 30-36, Delorme: 39, 77-83, Geffen,

Behr (2002).

1920: Joe Kennedys Karriere top

Joseph Patrick Kennedy steigt in den Alkoholschmuggel ein und verdient damit das Kapital, um an

der Börse im grossen Massstab zu investieren. Sein Vater, Patrick Joseph Kennedy, der Sohn des

1848 aus Dunganastown in Irland eingewanderten Patrick Kennedy, wurde 1885 nur 27jährig

Abgeordneter von East Boston im Repräsentantenhaus. Er begann seinen sozialen Aufstieg dank

seinem blühenden Alkoholgeschäft. Da er im "Hinterhof von Boston" äusserst populär war, wurde

er dreimal zum Senator gewählt, Mitglied des Zentralkomitees und später Vorsitzender des

Strategieausschusses der Demokratischen Partei. Trotz dieses Aufstiegs blieb Patrick Joseph

Kennedy letztlich nur ein Lokalpolitiker, weshalb er seinen 1888 geborenen Sohn Joseph Patrick

an die aristokratische Harvard schickte.

Obwohl Joe ein Star im Baseball war, blieb er aufgrund seiner irisch-katholischen Herkunft von

vielen Aktivitäten des Campus ausgeschlossen. Er setzte sich zum Ziel, mit 30 Millionär zu sein,

damit er "auf diese protestantischen Bastarde pissen" könne. Nach dem Harvardabschluss bekam

Joe Kennedy dank dem politischen Einfluss seines Vaters einen Posten als staatlicher Bankrevisor

mit einem Jahresgehalt von $1500. Da es Joe gelang, die kleine Columbia Trust Company, an der

sein Vater wesentlich mitbeteiligt war, vor einer Übernahme zu retten, wofür er sich mit $45'000

persönlich verschuldete, wurde er vom Aufsichtsrat mit nur 26 zum jüngsten Bankpräsidenten der

USA befördert.

1914 heiratete er Rose Fitzgerald, die Tochter des eben rausgeworfenen Bürgermeisters von

Boston. Mit vielen gewagten Einsätzen in legalen und anderen Geschäften entstand der

Grundstock von Kennedys Vermögen. Um den Aktivdienst zu vermeiden, stieg Kennedy 1917 als

stellvertretender Manager der Bethlehem Steel in der riesigen Fore River Werft, wo Zerstörer

gebaut werden, ein. Daneben kaufte er sich eine Vertriebskonzession der Universal Pictures.

John F. Fitzgerald gewinnt am 5.1 1 .1918 die Wahl zum Repräsentanten von Boston gegen den

ebenfalls demokratischen Konkurrenten Peter F. Tague. "Honey Fitz" Fitzgerald forderte Tague

heraus, da dieser sich nicht an einem einträglichen Grundstückhandel mit dem Fore River

Shipyard, wo sein Schwiegersohn Joe Kennedy im Management tätig ist, beteiligen wollte. Seine

Wahlkampforganisatoren, zu denen Joe Kennedy gehört, rekrutieren italienische Immigranten und

Profiboxer, die Tague-Wähler mittels Drohungen und Schlägen umstimmen. Ein Drittel der

ungültigen Stimmen kommen von Personen, die nicht im Bezirk leben, andere Stimmen lauten auf

Namen von Kriegsgefallenen oder noch in Europa stationierten Soldaten. Am meisten falsche

Stimmen kommen aus dem Prostituiertenmilieu. Am 24.10.19 wird Fitzgerald nach achtmonatiger

Untersuchung wegen Wahlbetrugs aus dem Repräsentantenhaus ausgeschlossen. 1942 schickt

Joe Kennedy den dann 79-jährigen nochmals ins Rennen, um den populären New Deal

Demokraten Joseph E. Casey, einer von Roosevelts Favoriten und daher möglichen Konkurrenten

seines Sohnes Joe Jr. zu schwächen. Der Republikaner Henry Cabot Lodge Jr. gewinnt dann

zwar, aber die Kennedys haben gelernt, wie man mit viel Geld und geschickter Propaganda auch

einen sehr guten Kandidaten ausschalten kann. 1920 steigt Kennedy bei der Massachusetts

Electric ein und zieht nach New York an die Wall Street.

Nach dem Krieg arbeitet Joe Kennedy als Leiter der Aktienabteilung des Maklerhauses Hayden,

Stone and Company und macht dank Insiderinformationen mit Börsenspekulationen so viel Geld,

dass er sich für seine sechsköpfige Familie ein neues Zwölfzimmerhaus in Brookline und einen

neuen Rolls-Royce kaufen kann. Wieviel und wie Kennedy Geld verdient, bleibt sein Geheimnis,

auch seiner Familie gegenüber, die gelernt hat, niemals Fragen darüber zu stellen.

Joe Kennedy, dessen Vater schon Alkohol importierte, benutzt medizinische Erlaubnispapiere für

den Import von kanadischem Whiskey, wovon er 200'000 Kisten ins Land geschmuggelt haben

soll. Damit wird er zu einem Konkurrenten der Mafiosi, zu denen er zwangsläufig auch

partnerschaftliche Kontakte unterhält. Anfangs schifft Kennedy englischen Scotch und Gin an die

12-Meilen Grenze, wo Frank Costellos Leute den Alkohol übernehmen, weshalb Costello später

behauptet, er habe Kennedy reich gemacht. Kennedy arbeitet während Jahren auch mit Owny

Madden zusammen und mietet Leute von Murder, Ine, um mit den Gewerkschaften fertig zu

werden. Weil Kennedy auf dem Gebiet der jüdischen Purple Gang in Detroit ohne Erlaubnis

geschmuggelten Rum verkauft, will diese seinen Kopf. Kennedy geht nach Chicago und bittet

Diamond Joe Esposito um Unterstützung. Da ihm dieser das Leben rettet, bleibt er in der Schuld

der Mafia von Chicago. Die Gewinne aus dem Alkoholschmuggel investiert Kennedy meist an der

Börse und beteiligt sich an einer Kinokette. Er gibt seine Stelle bei Hayden, Stone and Company

1923 auf und eröffnet sein eigenes Büro in Boston: "Joseph P. Kennedy, Bankier". Für seine bisher

sieben Kinder und seine Frau Rose gründet Kennedy Treuhandfonds, womit er ihnen eine

wirtschaftliche Unabhängigkeit für politische Karrieren ermöglicht. Sie sollten schliesslich über je

$10 Mio. verfügen können.

Nachdem er, offenbar auch mit Geldern der Mafia Chicagos, die Kontrolle der "Film Booking Office

of America" erringt, zieht Kennedy 1925 nach Hollywood. Hollywood ist seit 1912 von jüdischen

Flüchtlingen aus Osteuropa (Samuel Goldman, Louis B. Mayer, Karl Lemmle, William Fox, Adolph

Zukor, Harry Cohn und die Brüder Jack und Harry Warner) aufgebaut worden, die wie niemand

sonst den American Way of Life definieren. Im Bedürfnis nach Assimilation schufen die

Aussenseiter eine idealisierte Welt, bei der das Böse immer vom guten Helden besiegt wird. Mayer

verschob seinen Geburtstag auf den 4. Juli und feierte ihn jeweils mit grossem Pomp und

hunderten von illustren Gästen. Auch die meisten berühmten Schauspielerinnen wie Kirk Douglas,

Paul Newman, Lili Palmer Clark Gable, Tony Curtis oder Judy Holliday sind jüdischer Herkunft und

werden zum Inbegriff der amerikanischen Kultur. Trotzdem werden Juden bis in die 30er Jahre

nicht in die Klubs der Reichen aufgenommen, und die gesellschaftliche Anerkennung bleibt den

,Superamerikanern' versagt.

Während die Familie in New York wohnt, vergnügt sich Joe Kennedy mit Jean Harlow, Anita Page

und Greta Garbo und versucht sich als Filmproduzent von Lowbudgetfilmen. Seine wichtigste

Geschäftspartnerin und Liebhaberin ist Gloria Swanson, die ihm einen Sohn (Joseph) zur Welt

bringt. Kennedy übernimmt faktisch die Kontrolle über ihr Leben, startet die Gloria Productions und

versucht vergeblich, von der Katholischen Kirche einen Dispens zu erhalten, der das

Zusammenleben erlaubt hätte. Rose setzt sich häufig nach Europa ab und kompensiert ihre

Frustration mit Einkäufen. Besonders der junge Jack leidet unter den dauernden Absenzen seiner

Eltern. Mit Käufen und Verkäufen von Filmgesellschaften bereichert sich Kennedy um geschätzte

$5 Mio. in Hollywood.

Quellen : Hersh: 35-43, Best: 16ff, Kessler (1997), Collier/Horowitz: 7-54, Giancana: 73, 214, Wolfe:

125ff, Jacobovici, Drugwar (1): 6, Geffen, Amara, Gabler.

1924: J. Edgar Hoover und das Bureau of Investigation top

John Edgar Hoover wird im Mai 1924 vorläufiger Chef des Bureau of Investigation, ernannt vom

Generalstaatsanwalt Harlan Fiske Stone.

Hoover übernahm 1918 24jährig die General Intelligence Division, mit dem Auftrag, die

subversiven Umtriebe zu studieren. Das Bureau of Investigation wurde 1909 vom rassistischen und

schwachsinnigen Präsidenten Theodore Roosevelt gegründet, der seine Karriere als

Polizeikommissär in New York begann. Charles Bonaparte, dem Grossneffen Napoleons, ging mit

9 Agenten gegen die Arbeiter-Bewegung vor. Die Syndikalismus-Bewegung mobilisierte 4 Mio.

Streikenden in 2665 Streiks in einem Jahr. Zur Bekämpfung der Gewerkschaften wurden

Bürgervereine und Freiwilligenverbände wie die American Protective League gegründet und von

der Industrie finanziert. Innenminister A. Mitchell Palmer Hess am 2.1.19 ganze Stadtviertel

abriegeln und durchsuchen, um Linke zu finden. Hoover beurteilte die vorgenommenen Razzien,

Verhaftungen, Verurteilungen und Ausweisungen als "zu lasch". In seinem Eifer umging er die

Grundrechte im Kampf gegen die Anarchisten und Kommunisten, indem er diese ohne

Gerichtsurteile ausschaffen Hess (am 21 .12.19 249 Personen und am 2.1 .20 556). Das Vorgehen

Hoovers kostete Palmer seine Karriere, im Gegensatz zu Hoover, der zu seiner Verteidigung

begann, nicht nur Informationen über Radikale und Schwarze zu sammeln, sondern auch über

gewählte Politiker, Richter und Wissenschaftler. Im Jahre 1920 verhaftete die Polizei 4000

"subversive Elemente" in 33 Städten. Bekannt wurden die beiden Anarchisten Nicola Sacco und

Bartolomeo Vanzetti, die dem Rachewillen der Politiker und der Polizei zum Opfer fielen. Die

Mafiosi Joe und Butsey Morelli aus Providence, Rhode Island, waren für die den Anarchisten

zugeschobenen Überfälle und Morde verantwortlich.

Am 22.8.21 wurde Hoover von Justizminister Harry Daugherty zum Vizedirektor des Bureau of

Investigation, das bereits Dossiers über 500'000 Personen besitzt, ernannt.

Stone verbietet dem neuen Bundespolizeichef Untersuchungen in politischen Prozessen und

ordnet eine Reform der Abteilung an. Deshalb säubert Hoover das korrupte Netz seiner 657

Agenten, baut eine Elitetruppe auf und führt eine autoritäre Hierarchie ein. Die Agenten des streng

presbyterianisch erzogenen Juristen dürfen nicht trinken, keine Schnurrbarte tragen, werden bei

Ehebruch sofort gefeuert, permanent kontrolliert und in Akten erfasst. Die Repression der linken

Arbeitervertretungen, die Verurteilungen und Rückschaffungen von Kommunisten und Anarchisten

und das neue Einwanderungsgesetz lassen die Zahl der Einwanderer ab 1924 stark zurückgehen.

Der Johnson-Reed Immigration Act kommt aufgrund der , Beweise' der Intelligenzforscher

zustande, wonach Schwarze, arme Weisse und Süd- und Osteuropäer, wobei vor allem die

jüdischen Einwanderer gemeint sind, geistig minderwertig und kriminalitätsgefährdet seien.

Hoover und seine Agenten legen trotz des Verbots nicht nur über Linke, Bürgerrechtler und

Kriminelle, sondern auch über Politiker Dossiers an. Am 25.3.25 eröffnet Hoover sein "Obscene

File". Seine Macht beruht auf diesen - zum Teil intimen - privaten Daten, mit denen er die Politiker

erpressen kann. Kein Präsident wagt es, Hoover zu entlassen. Sein Stellvertreter William Sullivan

bezeichnet Hoover als den grössten Erpresser aller Zeiten. Dank diesen Unterlagen bleibt Hoover

bis zu seinem Tod 1972 Direktor des FBI und überlebt acht Präsidenten und 16 Justizminister. Er

ist den Präsidenten allerdings auch gefällig: Auf Wunsch von Roosevelt, Truman, Johnson und

Nixon lässt er deren Gegner überwachen.

1925 wird zur Stärkung des umstrittenen FBI die private National Crime Commission geschaffen,

allerdings nicht um den Alkoholschmuggel und das Gangstertum zu bekämpfen, sondern um die

Macht der Polizei im Kampf gegen die Gewerkschaften zu stärken. Die Gründungsversammlung

findet bezeichnenderweise in den Räumen der United States Steel Corporation statt.

1928 erklärt der Oberste Gerichtshof das Abhören von Telefongesprächen für verfassungsmässig.

Am 2.4.28 stellt Hoover seinen Lebenspartner Clyde Tolson ein, der Guy Hottel mitbringt. Die

beiden werden seine Vertrauensmänner an der Spitze des Federal Bureau of Investigation.

Nebenbei ist Hoover zugleich Direktor einer Versicherungsgesellschaft.

Quellen : Davis (1984), Fox: 65, Theoharis/Cox: 21-88, 159, Schulz: 41, Todd, Summers (1993),

Tarpley/Chaitkin: 536f,

1925: AI Capone in Chicago top

Benito Mussolini besuchte 1924 das erste Mal Sizilien, und schickt kurz darauf mehrere

Infanterieregimente nach Sizilien. Der Präfekt Cesare Mori baute ein System von Spitzeln auf und

konnte 1926 die Macht der Mafia brechen, indem er mit Folter und Erpressung die 1 1'000

Verhafteten zum Reden brachte. Selbst die beiden mächtigsten Bosse Don Calo Vizzini und Genco

Russo kamen ins Gefängis. Mussolini löste damit eine Mafiosi-Fluchtwelle, wozu Stefano und

Antonio Magaddino, Salvatore Maranzano, Joe Bonanno, Mike Coppola, Joe Profaci und Joe

Magliocco gehörten, ins Paradies der Prohibition aus. Bis Mitte des Jahrhunderts emigrieren

insgesamt über 5 Mio. Italiener in die USA, die die lokale Struktur der bisherigen Mafia in den USA

verändern.

In Chicago unterwanderten die Neuankömmlinge aus Sizilien die Unione Siciliana, eine 1895

gegründete Genossenschaft für gegenseitige Hilfe, und benutzten sie als Front für kriminelle

Aktivitäten. Michele Merlo, einer der Bosse Chicagos, starb am 8.1 1 .24 an Krebs. Die Mafia hatte

im folgenden Mühe, sich zu behaupten. In internen Kämpfen werden sechs führende Mafiosi

umgebracht: Angelo Genna und Sam Samoots Amatuna (1925), Antonio Lombardo (1928),

Pasquale Lolordo (1929), Giuseppe Aiello (1930) und Agostine Loverdo (1931).

Neben den verschiedenen Mafia-Familien und dem Syndikat von Torrio mit Alfonso Capone gibt es

die irische North Side Gang, die ebenfalls im Alkoholgeschäft tätig ist. Ihr Chef, Charles Dion

O'Bannion, wurde am 1 0.1 1 .24 in seinem Blumenladen, in dem AI Capone für $1 0'OOO rote Rosen

und Johnny Torrio für $10'000 Chrysanthemen für das Begräbnis von Merlo bestellt hatten,

ermordet. O'Bannion soll selbst für den Mord von 24 Personen verantwortlich gewesen sein. Zum

Konflikt kam es, weil seine Männer mehrere Lastwagen mit Alkohol der Genna-Brüder entführten.

Nachfolger O'Bannions wurden Frank Gusenberg und George "Bugs" Moran. Sowohl die Gennas

wie auch die Aiellos gehören im Gegensatz zu Torrio der Unione Siciliana an.

Im Januar 1925 wollen der 17jährige Sam Giancana und Leonard Gianola Johnny Torrio im Auftrag

AI Capones umbringen, verletzen ihn aber nur. Capone erträgt es nicht, dass Torrio sich weigert,

den Kuchen zu teilen. Torrio verlässt daraufhin die Stadt mit seinen angehäuften $40 Mio. und

überlässt Capone seinen Platz. Dieser schaltet nun systematisch alle Konkurrenten aus: Giancana

wird im Mai 1925 erneut engagiert, um die Gennas auszuschalten: Nachdem Angelo, Mike und

Tony Genna umgekommen sind, flüchten die restlichen drei Brüder. Giancana bringt am 3.10.28

auch seinen Mentor und Beschützer Diamond Joe Esposito um. Am 8.1 .29 wird Pasqualino

Lolordo von Joe Aiello und den Brüdern Frank und Pete Gusenberg ermordet. AI Capone, der im

Laufe seiner Karriere 215 Morde angeordnet haben soll, organisiert das Management des

Verbrecherkartells, das mithilfe der geschmierten Kooperation von Politikern, Polizei und

Justizbeamten $60-250 Mio. Umsatz erwirtschaftet. Der populäre Capone gibt der Bevölkerung,

was sie will: Alkohol, Sex und Spiele, und zusammen mit Paul Ricca führt er die politischen

Beziehungen Espositos weiter. Das Syndikat AI Capones ist mit der Lolordo-Familie verbündet, die

mit der Aiello-Familie in Konflikt steht.

Am 14.2.29 wird die irische North Side Gang mit einem siebenfachen Mord ausgeschaltet. Die

Mörder fahren am Valentinstag in einem Polizeiauto und in Uniform beim Treffpunkt vor und

erschiessen die nichtsahnenden Anwesenden. Capone steht hinter der Ermordung von Frank und

Pete Gusenberg, Jack May, AI Weinshank und Adam Heyer. Bugs Moran, eigentliches Ziel des

Anschlags, und seine Leibwächter Willie Marks und Ted Newsberry überleben, weil sie verspätet

zum Treffpunkt erscheinen. Moran zweigte Capones Alkohol ab und verkaufte ihn an eigene

Kunden. Moran verliert trotz dem fehlgeschlagenen Attentat seine Machtbasis und zieht sich aus

dem Alkoholgeschäft zurück.

Damit besitzen AI Capone und und Don Giuseppe Aiello, der am 23.10.30 im Auftrag von Pasquale

Prestigiocomi ermordet wird, das Alkoholmonopol in Chicago.

Aber AI Capones Berühmtheit als .scarface' ist den anderen Mafiosi ein Dorn im Auge, weil es das

Geschäft gefährdet. Mafia-Bosse von verschiedenen Familien und Städten treffen sich im Mai 1929

in Atlanta City und teilen die Territorien den einzelnen Familien zu. Aufgrund der Prohibition

systematisierte sich die Kooperation zwischen den Schmugglern der einzelnen Staaten, wobei die

grossen Bosse des Nordwestens den Ton angeben. Dazu gehören AI Capone, Joe Adonis, Lepke

Buchalter, Moe Dalitz, Johnny Torrio, Lucky Luciano, Frank Costello, Charlie Solomon, Waxey

Gordon, Longy Zwillman, das Reinfeld Syndikat, Meyer Lansky und Bugsy Siegel. In

Nebengesprächen wird beschlossen, dass der publizitätssüchtige AI Capone, der die Plätze von

Torrio und Esposito und damit die Macht in Chicago übernommen hatte, gehen muss. Auf dem

Nachhauseweg von Atlanta wird Capone wegen unerlaubtem Waffenbesitz verhaftet und zu einem

Jahr Gefängnis verurteilt. Kaum entlassen, kommt AI Capone wegen Steuerhinterziehung erneut

für 1 1 Jahre ins Gefängnis.

Paul Ricca übernimmt den Vorsitz in Chicago. Ricca hiess Paul DeLucia, bis er 1920 in die USA

flüchtete. Er wurde 17jährig wegen Mordes verurteilt und brachte unmittelbar nach seiner

Entlassung den Zeugen, der ihn ins Gefängnis gebracht hatte, um. In den USA arbeitete er dann in

der Zentrale von Esposito, dem Cafe Bella Napoli, woher er seinen Übernamen "the Waiter" hat.

Die Medien sind überzeugt, dass Frank "the Enforcer" Nitti der Nachfolger von "Scarface" sei, was

Ricca, Humphreys und Jake Guzik, der für die Finanzen zuständig ist, ziemlich freie Hand lässt.

Tatsächlich plante Nitti zusammen mit Capones Cousin Rocco Fischetti die Kontrolle der

Organisation zu übernehmen, aber Ricca hat die Rückendeckung des Syndikats. 1939 wird

Capone entlassen, stirbt aber kurz darauf an Syphilis, die er sich bei einer seiner minderjährigen

Prostituierten zugezogen hatte.

Quellen : Bradley, Raith: 72f, Delorme: 87ff, 133-145, Giancana: 30-34, 67, Best: 4,10, Behr (2002),

Olgiatti, Drugwar (1): 1f.

Oktober 1929: Börsenkrise top

Drei Monate vor dem Börsen-Crash 1929 stösst Joe Kennedy alle Aktien ab, wie Michel C. Bouvier

auch. Er gehört damit zusammen mit Industriellen wie William Crapo Durant von der General

Motors und John Davison Rockefeiler zu den Auslösern des "Schwarzen Freitags". Kennedy wird

wie Bernard Baruch oder Jean Paul Getty dank dem Börsencrash zum Multimillionär, weil er

sichere Aktien wie beispielsweise von General Electric kauft, die von $391 auf $10 gefallen sind.

Die Folgen sind eine zehnjährige Depression mit Millionen von Arbeitslosen, Bürgerkriegszustände

und Aufstände in den USA, die mit Truppen niedergeknüppelt werden. Aufgrund der

internationalen Kreditsysteme ist die ganze Welt vom Zusammenbruch betroffen. Allein in den

Industrieländern sind 1930 bereits 35 Mio. Menschen ohne Arbeit. Vor allem in Deutschland

bewirkt die politische Radikalisierung aufgrund der Arbeitslosigkeit von 40% den Nährboden für

den Erfolg des Nationalsozialismus und den 2. Weltkrieg.

Quellen : Martin: 81 f, Best: 16ff, Kessler (1997), Collier/Horowitz: 35-54, Hillesheim, Cash 5.1.96.

1931 : Die Mafia in New York top

Charlie Luciano, Benjamin Siegel und Meyer Lansky hatten sich schon vor der Prohibition

kennengelernt und schlössen ihre italienische und jüdische Bande zum Kampf gegen die irischen

Gruppen zusammen. Charlie Luciano, als Neunjähriger 1906 von Sizilien eingewandert, machte

seine ersten Erfahrungen mit sogenannten Schutz-Rackets. Er nutzte als 18jähriger die grosse

Zahl der Rauschgiftsüchtigen in der Gegend um die East Tenth Street, indem er sich eine halbe

Flasche Opium kaufte und deren Inhalt in kleinen Mengen weiterverkaufte. Beim Verkauf seiner

dritten Flasche wurde er erwischt und zu 8 Monaten Erziehungsanstalt verurteilt. Als er 5 Jahre

später wegen Heroinhandels verhaftet wird, entgeht er dem Gefängnis, weil er die Beamten zu

einem Drogenlager an der Mulberry Street führt, worauf mehrere seiner Konkurrenten von der

Bildfläche verschwinden.

Meyer Lansky wurde 1902 in Grodno (Polen) als Meyer Suchowljansky geboren und kam 1912 in

die USA. Seine ersten Erfahrungen machte Meyer mit Craps-Spielen an Strassenecken an der

Lower East Side in Manhattan. Er verdingte sich als Wachtposten, Einbrecher und Schläger für

Gewerkschaften, die Streikbrecher verprügeln und Maschinen und Waren sabotieren Hessen.

Bereits im Alter von 16 Jahren versuchte er vergeblich, Zuhälter zweier Prostituierten zu werden.

Angezogen durch die neue phantastische Einkommensquelle mit Alkoholschwarzhandel gab

Lansky seinen Job als Automechaniker für immer auf. Seine bürgerliche Fassade bleibt jedoch ein

Auto- und Lastwagenverleih. Lansky organisierte mit Benny Siegel, Sohn von eingewanderten

russischen Juden, den Alkoholtransport und stellte Freunde wie Moe Sedway oder Red Levine als

Überwacher und Fahrer ein. Siegel ist ein geschickter Autodieb und wird wegen seiner

Furchtlosigkeit Bugsy genannt.

Lansky wurde Geschäftspartner des unverfrorenen Fat AI Levy und Schützling des Archetypen für

das organisierte Verbrechen in Amerika, Arnold Rothstein. Der weltmännische und charmante

Rothstein traf nur separate Absprachen, so dass niemand, der auffliegt, sein Imperium durch

Geschwätzigkeit in Gefahr bringen kann. Als erster Jude erlangte er bedeutenden Einfluss in den

rauchgeschwängerten Hinterzimmern der Tammany Hall und wurde zum , König' der

Alkoholschmuggler. Arnold Rothstein erhielt am 4.1 1 .28 beim Park Central Hotel Kugeln in den

Bauch, nachdem in Cleveland das erste bekannte Mafia-Meeting im Hotel Statler stattfand, an dem

27 Mafiosi aus dem Osten, dem Süden und dem Mittleren Westen der USA teilnahmen. "The

Brain" starb zwei Tage später im Krankenhaus, nachdem er sich bis zuletzt geweigert hatte, der

Polizei auch nur den kleinsten Hinweis auf Täter oder Motiv zu geben.

Luciano versuchte, Meyer zu erpressen und lernte ihn so kennen. Nun koordinierten Luciano,

Lansky und Siegel den Alkoholschmuggel und verkauften in ihren Speakeasies den selben

Alkohol. Später kamen die Neapolitaner Frank Costello (Francesco Castiglia) und Vito Genovese

zum Team dazu. Luciano beanspruchte schon früh die Führung der Gang und plante mit Siegel die

Diebstähle, Entführungen, den Transport und Verkauf von Alkohol. Der diplomatische Costello

spezialisierte sich auf das Schmieren von Polizisten, und Lansky kümmerte sich um die Finanzen.

Der brutale Genovese, der oft eigene Wege geht, galt als der Schläger der Gang. Bis Mitte der

20er Jahre kontrollierte Lucianos Gang mehrere Destillerien, eine Lastwagenflotte, um Alkohol von

Kanada nach New York zu bringen, Lagerhäuser, ein Entführer-Team für die Alkohollieferungen

der konkurrenzierenden Schmuggler sowie Dutzende von Speakeasies. Insgesamt beschäftigte die

Gang etwa 100 Personen und soll $4 Mio. pro Jahr verdient haben, was sich Luciano, Lansky,

Siegel und Costello untereinander aufteilten. Joe Masseria bemerkte den erstaunlichen Aufstieg

von Lucianos Gang und begann, Luciano zu umwerben, damit dieser sich seiner Organisation

anschliesst.

In New York tobte Ende der 20er Jahre der "Castellammare-Krieg": In Brooklyn leben Hunderte

von Sizilianern aus Castellammare, westlich von Palermo, die durch ihre Herkunft eine Art Clan

bilden. Salvatore Maranzano wurde vom sizilianischen Capo di tutti capi Don Vito Cascio Ferro in

die USA gesandt, mit dem Auftrag, die amerikanische Mafia unter sizilianische Kontrolle zu

bringen. Maranzano wurde zum Führer des Castellammare-Clans und begann, Joe Masserias

Macht zu untergraben, indem er dessen Alkohollieferungen entführen Hess und die Speakeasies

zwang, seinen Alkohol zu verkaufen. 1928 verlangte Masseria Tribut und Hess prompt einen Mann

von Maranzanos Clan umbringen, als dieser sich weigerte zu zahlen. Es folgten Morde an weiteren

Castellammarese in anderen Städten, worauf Maranzano seine Angriffe auf Masserias

Alkoholgeschäfte intensivierte. Masseria war der Situatinon je länger je weniger gewachsen, bis er

schliesslich die Ermordung aller Castellammerese anordnete, worauf ein eigentlicher Krieg

ausbrach, da Maranzano durch seine 400 Männer zurückschlagen Hess. Nach einem Jahr hat

Masseria bereits 50 seiner Männer verloren. Zu dieser Zeit beginnt die Gang von Luciano als Teil

von Masserias Organisation mit Anastasia und Gambino zusammenzuarbeiten. Diese Allianzen

sind allerdings nicht stabil: Masserias Schützling Carlo Gambino wechselt zu Maranzanos

Organisation, zu der aufsteigende Kräfte wie Joe Profaci, Joe Bonanno und die Magaddinos

gehören, als er das Gefühl hat, Masseria werde unterliegen.

Luciano weigerte sich, die Seite zu wechseln, und wurde deshalb am 16.10.29 von Maranzanos

Männern in eine Falle gelockt und so geschlagen, dass sein Gesicht für immer entstellt bleibt. Sie

hängten ihn an den Daumen an einen Baum und bearbeiteten ihn mit Rasierklingen und

brennenden Zigaretten bis zur Bewusstlosigkeit, schlitzten ihm die Kehle auf und warfen ihn in ein

Lagerhaus. Nur durch Zufall wurde er gefunden und überlebte, Jucky', wenn auch mit bleibenden

Schäden. Zu diesem Zeitpunkt hatte er 17 Haftstrafen hinter sich.

1931 wechselten Luciano und Genovese aber ebenfalls die Seite. Luciano trifft Masseria am

15.4.31 im Restaurant Nuova Villa Tammarano auf Coney Island zum Lunch. Als Luciano auf die

Toilette geht, stürzen Genovese, Anastasia, Siegel und Adonis herein und erschiessen Masseria.

Salvatore Maranzano ist nun der mächtigste Boss im Land und beruft im Mai ein Meeting aller

Familien des Landes in einer grossen Banketthalle in der Bronx ein, zu dem 400 Männer

erscheinen. Er erklärt sich zum Boss der Bosse und verkündet eine neue Organisationsstruktur,

wobei er den Begriff "Cosa Nostra" braucht. Maranzano ist der gebildetste aller Bosse: er spricht

sechs Sprachen, ist ein guter Rhetoriker und ein grosser Verehrer Cäsars, den er auf Lateinisch

liest, und lebt nach den Maximen von Macchiavelli. Maranzano führt die militärische Organisation

der Mafia ein: La Cosa Nostra wird in 24 Familien eingeteilt und von je einem "Capo" regiert. Dem

Boss steht ein "Sotocapo" (Stellvertreter) zur Seite. Sie befehlen mehrere

"Caporegime" (Leutnants), die für die "button men" (Soldaten) verantwortlich sind. Eine strenge

Befehls- und Kommunikationshierarchie soll die Disziplin und Effizienz der Organisation

garantieren. Gleichzeitig verstärkt Maranzano mit dem Obligatorium von Katholizismus und

italienischer Nationalität die traditionellen Werte und verlangt unbedingte Einhaltung der Omertä.

New York wird in 5 Familien aufteilt: Die Maranzano-Familie in Brooklyn mit Joe Bonanno als

Stellvertreter. Eine zweite in Brooklyn mit Maranzanos gutem Freund Joe Profaci als Boss und mit

Joe Colombo als Sotocapo. Eine dritte in Brooklyn mit Vincent Mangano, dem Herrscher über die

Werft, mit Anastasia als Unterboss und Adonis, Gambino und Scalise als Leutnants. Der

extrovertierte Adonis heisst eigentlich Doto, hat aber seinen Namen in Hommage an seine

Schönheit gewechselt. Im Gegensatz zum ruhigen und eleganten Gambino, der vorwiegend für

das Alkoholgeschäft zuständig ist, gilt sein Vorgesetzter Anastasia als blutdürstig und jähzornig.

Manganos Bruder Philip steigt in der International Longshoremen's Association auf, und Anastasia

macht für Mangano viel Geld, indem er die Schiffsgesellschaften und -besitzer, Hafenarbeiter und

Kapitäne erpresst. Mit der Kontrolle des Hafens lassen sich auch grosse Gewinne mit Schmuggel

von Alkohol und Drogen machen. Anstelle von Masseria steht jetzt Lucky Luciano, zu dem Costello

und Genovese gehören, an der Spitze der vierten Organisation. Luciano übernimmt Masserias

Lotterie-Rackets und ist Maranzanos Kronprinz. Anstelle der bisherigen Reina-Gang wird eine

fünfte Familie geschaffen, die von Tommy Lucchese geführt wird und zu der Frank Scalise gehört.

Im ganzen Land zählt die Cosa Nostra 4000-5000 Mitglieder und hat 30-40'000 Verbündeten.

Maranzano weiss, dass er seine eroberte Macht gegen die ambitionierten Jungen verteidigen muss

und plant, AI Capone, Frank Costello, Joe Adonis, Vito Genovese und Lucky Luciano umbringen zu

lassen. Luciano hält nichts von den traditionellen Werten eines Maranzano, ihm geht es ums

Geldmachen, weshalb er Lansky und Siegel mit der Cosa Nostra assoziiert haben will. Maranzano

setzt den jungen irischen Killer Vincent "Mad Dog" Coli auf Luciano und Genovese an und teilt

seine Pläne unvorsichtigerweise seinen Verbündeten mit, von denen einer Luciano warnt. Luciano

kommt ihm zuvor, indem er ihm am 10.9.31 vier Killer der Siegel-Lansky-Gang in Uniformen von

Steuerbeamten in sein Büro schickt. Danach sichert sich Luciano die Macht, indem er die

Säuberung der alten Garde anordnet: 60 Maranzano-Loyalisten werden umgebracht. Damit ist der

Versuch fehlgeschlagen, die US-Mafia von Sizilien aus zu kontrollieren.

Unter dem Pseudonym Charles Ross organisiert Luciano eine .Friedenskonferenz' im Waldorf-

Astoria, in dem er residiert. Dabei vollzieht sich die endgültige Amerikanisierung der Mafia: Eine

Kommission von zwölf Bossen unter Leitung von Vincent Mangano (Präsident), mit Lucky Luciano,

Joe Profaci, Joseph Colombo, Frank Milano und anderen, soll demokratisch Aktionen und

Streitigkeiten regeln. Allerdings hat diese Kommission keine zentralistische Struktur, sondern dient

der Abgrenzung von Territorien, und die 24 Familien bleiben autonom. Miami bleibt eine offene

Stadt, wo alle Geschäfte betreiben können. Die Einteilung Maranzanos lässt Luciano bestehen,

aber er fügt jedem Boss einen "Consigliere" (Berater) bei. Auch in der Unterwelt herrscht nun das

marktwirtschaftliche Prinzip des Laissez faire, wobei Geschäftsinteressen im Vordergrund stehen

und nicht mehr formale soziale Strukturen wie Familien- und Nationalzugehörigkeit. Allerdings

stabilisiert das ethnische Bewusstsein die Unterwelt dahingehend, dass Aufgabenteilung und

Kompetenzenverteilung sich entsprechend der Herkunft durchsetzt: Die Iren sind für

Politikerbestechung zuständig und stark in den Gewerkschaftserpressungen vertreten. Nach

eigenen Angaben haben Luciano und Costello 1932 die Tammany Hall, die politische

Schaltzentrale New Yorks, in der Hand. Die Juden, die nie zum innersten Kreis gehören, sind in

Spielgeschäften und Finanzangelegenheiten favorisiert, und die Italiener übernehmen Gewaltakte

und beanspruchen die Führung. Luciano ist damit der erste moderne Mafiaboss, beraten von

Meyer Lansky.

Nach dem Modell der Gang von Siegel und Lansky (The Bug and Meyer Mob) stellt Luciano die

später so benannte Murder, Incorporated auf die Beine, die in den 30er und 40er Jahren in New

York und New Jersey Mord auf Bestellung ausführt. Hauptziel ist, dass keine Verbindung zwischen

Auftraggeber und Opfer hergestellt werden kann, da die Auftraggeber die Täter nicht kennen.

Deshalb werden oft professionelle Killer aus anderen Staaten angeheuert, um einen Auftrag zu

erledigen. Albert Anastasia kontrolliert die von Louis "Lepke" Buchalter und Jacob "Gurrah" Shapiro

geführte, eigenständige Organisation. Beide hatten mit Erpressungen bei den Hafenarbeitern und

in der Bekleidungsindustrie begonnen. Die jüdischen und italienischen Mörder verdienen $200 in

der Woche, müssen aber immer verfügbar sein. Das Hauptquartier ist ein immer geöffneter

Süssigkeitsladen in Brooklyn, das "Midnight Rose's". Anastasia hat durch die Kontrolle der Murder

Inc. und des Hafens eine unglaublich starke Machtposition innerhalb der Mafia und wird Ende der

30er "Mad Hatter", "Earthquake" und "Lord High Executioner" genannt. Man schätzt die Zahl der

ausgeführten Ermordungen der Murder Inc. auf mindestens 400-500, vielleicht aber auch viel

mehr. Mitilfe seines Bruder Anthony "Tough Tony" Anastasio, der Vizepräsident der International

Longshoremen, aber nie offizielles Mitglied der Cosa Nostra wird, kontrolliert Anastasia effizient

den Hafen von Brooklyn.

Quellen : Delorme: 12-15, 57-68, Davis (1994): 34-58, Drugwar (1): 6, Best: 4f, Konkret Nr.7/1973:

49f, Behr: 111-119, Amendt: 28, Lacey: 55-64, Anson: 306f.

1932: Roosevelt und Kennedy top

Franklin Delano Roosevelt wird mit der Unterstützung der Mafia, die über Joe Schenk Millionen in

die Wahlkampagne fliessen Hess, zum Präsidenten gewählt. 1937 soll Ricca, unterdessen offizieller

Boss von Chicago, sogar im Weissen Haus empfangen worden sein. Joe Kennedy arbeitete im

Wahlkampfausschuss, spannte den Herausgeber William Randolph Hearst für die Nomination ein

und zahlte beinahe $100'000 an Roosevelts Wahl, ohne dann aber einen Job in der Regierung zu

bekommen. Dafür wird Kennedy von Roosevelt als Vorsitzender der "Securities and Exchange

Commission", der staatlichen Kommission zur Börsenüberwachung, eingesetzt. Dem erstaunten

Publikum erklärt Roosevelt: "Diebe fangen Diebe am besten." Kennedy führt, nachdem er selbst

mit Spekulationen viel Geld verdient hat, harte Bestimmungen ein und erzwingt die Offenlegung

der Handelsgeschäfte der Makler. Dank der Erfolge dieser Stabilisierungspolitik wird Kennedy zum

Vertrauten Roosevelts.

Zudem kann er sich bei einer Reise mit Roosevelts Sohn nach England die Konzessionen von

Gordon's Gin und Dewars- und Haig-Whiskeys sichern und gründet "Somerset Importers". Ihm

gehört ein Teil einer Pferderennbahn Hialeah, was neben seiner Spielleidenschaft die Kontakte zu

Mobstern aufrechterhält. Die Aufhebung der Prohibition führt zu einem vehementen Kampf mit der

Mafia, die sich ebenfalls Konzessionen sichern will. Eine besondere Feindschaft verbindet

Kennedy mit Meyer Lansky und Joseph "Doc" Stacher, nachdem diese 1927 eine ganze Ladung

irischen Whiskey entführten, wobei elf Männer getötet wurden. Kennedy glaubte zuerst, Zwillman

hätte ihn bestohlen. Da er nicht nur den Alkohol verlor, sondern die Wittwen und Angehörigen

entschädigen musste, kostete ihn dies ein Vermögen. Kennedys Firma und Costellos Firma

"Alliance Distributors" sind Mitte der 30er Jahre erbitterte Konkurrenten, nachdem es einen Streit

zwischen ihnen gegeben hat.

Quellen : Davis(1988): 39, Kessler (1997), Best: 18, Collier/Horowitz: 73-85.

1933: Das Kartell der Erdölgesellschaften top

Die sieben bedeutendsten Ölgesellschaften Exxon, Mobil Oil, Texaco, Gulf Oil, Standard Oil of

California, Anglo-Persian Oil Company und Royal Dutch-Shell unterzeichnen ein kartellähnliches

Abkommen zur Ausbeutung der arabischen Ölfelder.

Bisher wurde das meiste Öl in den USA gefördert und von John D. Rockefellers Standard Oil

Company raffiniert. Diese wurde 191 1 aufgrund von Antitrustverfügungen in Standard Oil of New

Jersey (=Exxon), Standard Oil of New York (=Mobil Oil), Standard Oil of California, Standard Oil of

Ohio, Standard Oil of Indiana und Marathon Oil aufgeteilt. Noch 1920 wurden zwei Drittel des Öls

in den USA gefördert, aber die übrigen Weltmächte zogen Konsequenzen aus dem ersten

Weltkrieg und versuchten, an die Ölvorräte im Nahen Osten heranzukommen. Vor allem die

Engländer hatten sich mit einer 60jährigen Konzession im Iran den zweiten Platz im Ölgeschäft

gesichert. Zudem standen den Europäern die politisch unsicheren russischen Ölfelder von Baku,

die mit dem Kapital der Nobels und Rothschilds erschlossen wurden, und die Einrichtungen der

Royal Dutch Company in Niederländisch-Ostindien zur Verfügung.

Im Juli 1928 wurde die vor dem Krieg gegründete Turkish Petroleum Company unter den

Amerikanern (Exxon, Gulf und Mobil bekamen 23.75%), den Briten (Anglo-Persian und Royal

Dutch-Shell 47,5%) und Franzosen (Compagnie Frangaise des Petroles 23,75%) aufgeteilt. Der

Besitzer Calouste Sarkis Gulbenkian behielt 5% der Aktien, womit die weitere Konkurrenz

ausgeschlossen werden konnte. Im September 1928 wurden von Henri Deterding (Royal Dutch-

Shell), Walter Teagle (Standard Oil of New Jersey) und John Cadman (Anglo-Persian) auch die

Aufteilung der Märkte festgelegt.

1933 wurde auch Gulf Oil ins das Kartell miteinbezogen und Kuwait aufgeteilt. Allerdings hatte sich

die Standard Oil of California bereits Saudi-Arabien unter den Nagel gerissen, indem Harry St.

John Philby mit König Ibn Saud eine Konzession aushandelte. Aber die Standard Oil of California

kann sich auf den abgesprochenen Märkten nicht durchsetzen, weshalb 1933 Aramco (Arabian-

American Oil Company) gegründet wird, die sich zum grössten Erdölproduzenten entwickeln wird.

Während der Depression sinkt der Ölpreis auf 10 Cents pro Barrel, und die Aramco muss

versuchen, da die Bohrtürme in Texas und Mexico förmlich aus dem Boden schiessen, die

Förderung anderswo radikal zu unterbinden. 1935 wird über Harry St. John Philby ein neues

Abkommen zwischen König Ibn Saud und der Aramco geschlossen, das ihr die Produktions- und

Transportrechte bis ins Jahr 2000 garantiert.

Rockefeiler lässt das saudische Öl von Aristoteles Sokrates Onassis transportieren, der 1930 die

ersten sechs Tanker kaufte und den ersten Grosstanker Ariston bauen lässt. Onassis wurde 1906

in Smyrna (Türkei) geboren. Sein Vater war ein wohlhabender Tabakhändler und Leiter der Börse

bis zum 1. Weltkrieg, der das Vermögen seiner Familie zunichte machte. Onassis floh 1922 vor

den grauenhaften ethnischen Säuberungen der Türken, die Karatass besetzten, nach

Griechenland und kaufte mit dem geretteten Geld seinen inhaftierten Vater frei. 1923 wanderte er

mit $250 nach Argeninien aus. In Buenos Aires arbeitete er in einer Telefongesellschaft, handelte

mit türkischem Tabak und Opium, kreierte er eine eigene Zigarettenmarke für Frauen und

schmuggelte Alkohol in die USA.

Nachdem die griechische Regierung die Anhebung der Zollsteuer um 1000% beschlossen hat,

reiste Onassis 1928 nach Griechenland, wo er seinen Kontakt zu Minister Michalakopoulas

aufbaute, um eine Ausnahmeregelung für ihn zu erwirken. Onassis wurde kurz darauf griechischer

Vizekonsul, erhielt die griechisch-argentinische Doppelnationalität, arbeitete im

Devisenschwarzmarkt und hatte mit Spionage zu tun. 1932 wurde ein Versicherungsbetrug für eine

angeblich gesunkene Fracht, an dem Onassis beteiligt war, unterdrückt, indem die Dossiers

verschwinden.

Quellen : Marrs: 276, Epstein: 6-14, Best: 53, Evans, Morgenthaler.

Februar 1933: Das Attentat auf Roosevelt top

Der Bürgermeister von Chicago, Anton Cermak, ist mit Roosevelt an einer Veranstaltung in Miami.

Cermak wurde dank seinem Versprechen, mit AI Capones Organisation in Chicago aufzuräumen,

zum Bürgermeister gewählt. Der Krieg Cermaks gegen die Capone-Organisation nützt vor allem

dem Konkurrenten Teddy Newberry. Nach einem Mordversuch an Frank Nitti Hess Ricca Newberry

umbringen, und Cermak, der um sein Leben fürchtete, flüchtete nach Florida.

Ricca engagierte Joe Zangara, den Esposito fünf Jahre früher aus Sizilien holen Hess und nach

Florida setzte, um den Zuckerimport aus Kuba zu überwachen. Zangara war Eliteschütze der

italienischen Armee und ist aufgrund seiner Spielleidenschaft stark verschuldet. Giuseppe Zangara

feuert am 15.2.33 angeblich fünf Schüsse auf den Präsidenten, ohne ihn allerdings zu treffen.

Sechs Leute werden in der Schiesserei getroffen, darunter Cermak. Zangara hat eine .32 Pistole,

Cermak wird mit einer .45 getroffen und stirbt drei Wochen später. In der Nähe von Zangara steht

ein zweiter unbemerkter Killer. Die Untersuchung ergibt, dass Zangara ein Einzeltäter mit

psychotischen Problemen sei, der unter chronischen Magenbeschwerden leidet, für die er die

herrschende Klasse verantwortlich mache. Zangara wird verurteilt und auf dem elektrischen Stuhl

hingerichtet.

Quellen : Callahan: 146, Giancana: 63f .

Dezember 1933: Die Aufhebung der Prohibition top

Mit der Aufhebung der Prohibition muss sich die Mafia neue Geldquellen erschliessen. Meyer

Lansky, Moe Dalitz, Sam Tucker und andere gründen die Molaska Corporation, die illegale

Schnapshersteller mit Rohstoffen beliefern. Da mit der Legalisierung eine hohe Alkoholsteuer

eingeführt wird, geht der illegale Schmuggel weiter, wobei die Gewinnmargen massiv zurückgehen.

Auch andere Schmuggler wie Sam Bronfman (Seagram), Lewis S. Rosenstiel (Schenley Distillers),

Joe Reinfeld, Longy Zwillman und Doc Stacher (Browne Vintners), Joe Linsey (Whitehall

Distributers) oder Joe Fusco der Capone-Gang (Gold Seal Liquors) legalisieren ihre Geschäfte,

zumindest zum Teil. Praktisch alle Alkoholfirmen sind ehemalige Schmuggler. Die meisten suchen

sich erträglichere Einnahmequellen und nehmen ihre kriminellen Aktivitäten vor der Prohibition

wieder auf.

In den Aussenbezirken der Städte blühen die "Carpet Joints", eine Kombination von Flüsterkneipe

und Spielkasino, die ebenfalls Schmiergeldzahlungen an die lokalen Polizeibeamten und Politiker

erfordern. Die "Ricks", die von 1933 an diese Teppichschuppen betreiben, sind die ehemaligen

Flüsterkneipenbesitzer. Meyer Lansky konzentriert sich auf das Glückspielgeschäft, hauptsächlich

in Saratoga, wo er zusammen mit Frank Castello und Joe Adonis das Piping Rock Casino aufbaut.

Auf dieser Basis etabliert er sich als Nachfolger von Arnold Rothstein und wird eine Art Bankier der

Unterwelt, Experte in Geldwäscherei, Finanzmanipulationen und Buchmacherei.

Paul Ricca versucht an einer Geheimkonferenz im Hotel Bismarck in Chicago, Lucky Luciano,

Rocco Fischetti, Harry Ducket und Sylvester Agoglia zu überzeugen, die Gewerkschaften unter

Kontrolle zu bringen. Murray Humphreys hatte die Idee, nicht nur politische Macht der

Arbeitnehmer-Organisationen zu sichern, sondern sich an den vollen Gewerkschaftskassen zu

bereichern. Die Kontrolle der Arbeiter und die Öffnung der Gewerkschaftskassen wird mit

Intimidation erreicht, was Sam Giancana, Willie Bioff und Johnny Roselli übernehmen.

Die Mafia von Chicago nistet sich über Joe Kennedy in Hollywood ein. Roselli überwacht die

Aktivitäten in Kalifornien, zusammen mit Bugsy Siegel, Mickey Cohen und Frank Costello. George

Browne und Willie Bioff werden an die Spitze der Kinogewerkschaft International Alliance of

Theatrical Stage Employees gesetzt. Die Gangster konzentrieren ihre Investitionen als gute

Kapitalisten in Bereichen, in denen die Gewerkschaften eher schwach sind. Verhängnisvoll für die

Arbeiter ist die Übernahme der Kontrolle der Hafenarbeiter (Longshoremen) unter Joseph Patrick

Ryan (Präsident von 1927-53) und der Lastwagenfahrer (Brotherhood of Teamsters) unter Daniel

Tobin (1907-52).

Im New Yorker Hafen koordinieren die verschiedenen Gangster die Kontrolle durch die Gründung

der Varick Enterprises Ine, die den Umschlag des Hafens überprüft, Abgaben einzieht und verteilt.

Der starke Mann hinter Ryan ist William J.McCormick. Neben den Hafen- und

Transportgewerkschaften können sich die Mafiosi vor allem bei den Laborers (Baugewerbe) und im

Gastgewerbe einnisten. Für ihre Schläger, die sie gegen Arbeiterforderungen und Streiks

einsetzen, kassieren sie anfänglich von den Firmenbesitzern. Mit der Kontrolle der

Gewerkschaftsspitzen kassieren sie auch einen Teil der Gewerkschaftsabgaben der Arbeiter.

Manchmal übernehmen die Mobster die Firmen auch gleich selbst.

Besonders übel geht es in der Textilindustrie New Yorks zu, wo die Gewerkschaften Lepke

Buchalter und Gurrah Shapiro anheuern, die die Streikbrecher erfolgreich bekämpfen und sich

gewaltsam in den Besitz einiger Kleiderfirmen bringen. Nach der Depression und dem

Verschwinden der Kommunisten in der McCarthy-Hysterie und der Arbeitskämpfe bleiben die

Mobster als Parasiten trotzdem in ihren Machtpositionen.

Lucky Luciano konzentriert sich auf sogenannte Dienstleistungs-Rackets: Buchmacherei,

Prostitution und Drogenhandel. Mit dem Ende der Prohibition gewinnt der Heroinhandel an

Bedeutung und verspricht noch höhere Gewinne als der Alkoholschmuggel. Nach der Erfindung

der Injektionsspritze 1864 wurde das 1803 entdeckte Morphin als Wundermittel für kranke und

gesunde Soldaten verwendet. Die Firma Bayer brachte 1898 das Heroin als Hustenmittel auf den

Markt und warb mit dessen "Fähigkeit, Morphinsüchtige schnellstens zu heilen". Dann löste der

Erste Weltkrieg eine eigentliche Suchtepidemie aus, worauf die meisten Staaten versuchten, mit

Vorschriften und Verboten dagegen anzukämpfen. In Deutschland wurde Heroin zwar 1921

verschreibungspflichtig, aber erst seit 1958 ist es nicht mehr als Medikament erhältlich und wird

durch Valium und Librium ersetzt. In den USA wurde das Heroin 1924 verboten, worauf einige

Paten ins Geschäft einstiegen. Die meisten Mafiosi waren jedoch gegen den unmoralischen

Drogenhandel.

Lucianos geniale Idee ist die Verbindung von Heroin und Prostitution: süchtige Dirnen sind willige

Arbeitskräfte und erlauben einen doppelten Gewinn. Wenn sie in den Bordellen Heroin an die

Freier weiterverkaufen, sogar einen dreifachen. Vier Jahren später kontrolliert Lucky Luciano 200

Bordelle mit 1800 Prostituierten und macht damit $10 Mio. Gewinn jährlich.

Meyer Lansky reist 1935 ins britische Shanghai und organisiert den Heroinhandel mit

"Pockennarbe" Huang, dem Chef der "Grünen", und Chang Hsiao-Iin, dem Chef der "Roten". Die

Gang der "Grünen" arbeitete mit den Franzosen zusammen und besorgte für sie Rauschgift- und

Geheimdienstgeschäfte, die "Roten" kollaborierten mit dem britischen Geheimdienst. 1927

zerschlugen die Gangs zusammen mit Tschiang Kai-schek den Generalstreik der

Arbeiterbewegung gegen die ausländischen Wirtschaftsmächte und gegen die Generalität. Das

Massaker an den vormals verbündeten Kommunisten dauerte einige Monate. Tschiang Kai-schek

verwandelte das Opiumverbot in ein Staatsmonopol, das allerdings Ende 1928 wieder aufgehoben

wurde, da sich in der Illegalität grössere Geschäfte machen lassen. Die Huangs kontrollieren

seither den Osten, die Changs den Westen Chinas. Für Meyer Lansky liefert Chang ab 1935

Heroin aus seinen Raffinerien, während Huang den Transport in die USA kontrolliert.

Um nicht von einer Lieferorganisation abhänging zu sein, baut Meyer Lansky eine zweite

Heroinkette auf. Da die Mafia in Sizilien von Mussolini bekämpft und unterdrückt wird, kommt diese

als Handelspartner nicht in Frage. Fündig wird Meyer Lansky in Istanbul: Die Brüder Eliopoulos

kaufen türkisches Opium auf und transportieren es - teilweise schon zu Morphin verarbeitet - nach

Marseille. Dort beherrschen die beiden Bosse Paul Bonnaventure Carbone und Francois Spirito die

aus Korsen rekrutierte Unterwelt. Der Umsatz deren Heroinraffinerie vergrössert sich dank der

Zusammenarbeit mit Meyer Lansky um das Dreissigfache. Ein wichtiger Mann wird zudem der

Finanzmakler John Pullman, der dafür sorgt, dass die nötigen Bankgeschäfte von nun an mit

Schweizer Diskretion erledigt werden. Meyer Lansky steigt 1936 in Hallandale ins

Glückspielgeschäft ein, das Julian "Potatoes" Kaufman dort auf die Beine gestellt hat. Florida

entwickelt sich zum Paradies für Glückspieler.

Meyer Lansky übersiedelt 1938 für drei Jahre nach Kuba. Fulgencio Batista, seit 1933 nach einem

Putsch an der Macht, und Meyer Lansky schliessen einen Vertrag: Lansky zahlt Batista $3 Mio. pro

Jahr und bekommt dafür nach die Rechte für das Glückspielgeschäft auf der Insel, womit der

Einzug der Mafia und des Glückspiel- und Freiertourismus in der Karibik beginnt.

Der Waffenhändler Rolando "El Tigre" Masferrer überzeugte Batista, sich mit Meyer Lansky zu

assoziieren. Der kubanische Senator schützt die Mobinteressen mit seiner Privatarmee und baut

eine langjährige Freundschaft mit den Trafficantes auf, die auch nach Castros Machtübernahme

anhält. Der seit 1933 die Politik dominierende Feldwebel Fulgencio Batista stellte die Glückspiele

im Januar 1937 unter militärische Kontrolle und wollte die Einnahmen aus diesem Geschäft

erhöhen. Dazu stellte er Lou Smith, ein erfolgreicher Betreiber von Rennanlagen aus New

England, an, der Frank Erikson und Lansky nach Kuba holte. Meyer Lansky, der seit 5 Jahren

Spielkonzessionen hat, baut sein Imperium auf der Insel aus: er kauft fünf Hotels, pachtet und kauft

verschiedene Spielkasinos und pachtet im Namen von Rockefellers Chase Manhattan Bank die

Rennbahn von Havanna. Nach der Wahl Batistas zum Präsidenten verlässt Meyer Lansky 1940

Kuba und setzt Santos Trafficante Sr. als seinen Stellvertreter ein, den die US-Drogenbehörde

zukünftig für den Koordinator der Drogengeschäfte hält. Aufgrund der schlechten Wirtschaftslage

verliert Batista die auf Druck der Amerikaner durchgeführten Wahlen 1944 und geht für 8 Jahre ins

Exil nach Florida.

Quellen : Geffen, Giancana: 69-72, Fox: 210, Olgiatti, Best: 6f, 32, Moldea: 4f, Behr: 160-170, 174f,

Lacey, Drugwar (1): 3, Amendt: 28, Anson: 306f, Bartholomew (4): 18.

1934: Upton Sinclair top

Der Journalist und Schriftsteller Upton Sinclair gewinnt die demokratischen Vorwahlen in

Kalifornien haushoch, mit mehr Stimmen als alle anderen Kandidaten zusammen. Sinclair

praktiziert einen investigativen Journalismus: Sein Roman Der Dschungel von 1906, in dem er die

Ausbeutung der Arbeiter in Chicago schilderte, erreichte Millionenauflage. Er produzierte einen

Film von Sergej Eisenstein, verteidigte Sacco und Vanzetti und war eine sozialistische

Berühmtheit. Er versprach im Wahlkampf, die durch die Wirtschaftkrise grassierende Armut

abzuschaffen, indem er die leerstehenden Fabriken von den Besitzern pachten und die Leitung

den Arbeitern übergeben und eine neue Steuer für Filmstudios einführen würde. Alle 700

Zeitungen in den USA starten daraufhin eine Verleumdungskampagne, die von den

Grossbrauereien, Southern Pacific, Standard Oil und der Elektrizitätsfirma PG&E finanziert wird, in

der Sinclair als Antichrist und kommunistischer Agitator dargestellt wird. Die Kinos zeigen Kurzfilme

der Firma Whitaker & Baxter, in denen seine Anhänger als zerlumpte Galgenvögel dargestellt

werden, die von einer Revolution sowjetischer Art träumen. Sinclair verliert die Wahl knapp und

verlässt 1966 Kalifornien, als Ronald Reagan Gouverneur wird.

Quellen : Halimi/Wacquant

1935: Die Mafia-Karriere von Carlos Marcello top.

Calogero Minacore wurde 1910 in Ravunsa Sizilien geboren. Der Vater musste, da er den gleichen

Namen hatte wie einer der Aufseher auf der Zuckerpflanzung, auf der er arbeitete, für sich und

seine Familie einen neuen Namen suchen. Seine Eltern Hessen sich in den USA einbürgern, was

für Sohn Carlos versäumt wurde. 1928 verübte Marcello sein erstes Verbrechen: ein $7000-

Bankraub mit drei minderjährigen Komplizen. Er wurde von seinem Bruder verraten, aber eine

Anklage gegen ihn und seine Komplizen wurde fallengelassen. Nach einem weiteren bewaffneten

Raubüberfall wurde er erneut verhaftet und zu 9-12 Jahren Gefängnis verurteilt, die er am 28.5.30

antrat. Nach 4 Jahren Gefängnis wurde er vorzeitig entlassen, nachdem ihm Gouverneur O. K.

Allen auf Druck korrupter Beamte, die von Marcellos Vater gratis mit Gemüse beliefert wurden,

Straferlass gewährte. Marcello übernahm die Bar .Brauner Bomber' in Gretna, wo er Drogen an

junge Schwarze verkaufte.

25jährig tritt er dank Frank Todaro der Mafia von Louisiana bei und heiratet 1936 dessen Tochter

Jacqueline. Kurz darauf gründet er mit seinem Bruder Vincent die Spielautomatenfirma "Jefferson

Music Company". Frank Costello kommt nach New Orleans, nachdem Bürgermeister Fiorello La

Guardia in New York seine Spielkästen öffentlich mit einer Axt zertrümmerte. Bürgermeister und

Senator Huey B. Long empfängt Costellos Spielmaschinen mit offenen Armen, weil er damit, so die

Begründung, staatliche Wohltätigkeitsprogramme finanzieren möchte. Long wurde 1928

Gouverneur, machte sich mit publizitätswirksamen Massnahmen einen Namen und befreundete

sich als Senator im New Yorker Jet-set mit Costello. Vom ersten Jahresgewinn der

neugegründeten Pelican Novelty Company von $800'000 gehen monatlich $20'000 an Long und

$600 werden an Wittwen und Waisen ausbezahlt. Carlos Marcello wird Frank Costellos Partner:

Marcello kann 250 der 1000 Spielautomaten Costellos verwalten und zwei Drittel der Einnahmen

davon einstecken. Um das verbotene Spielgeschäft zu sichern, schmiert er den Polizeichef

Beauregard Miller. Mit Waffengewalt werden überall seine Automaten installiert und Marcello

erwirbt sich den Ruf eines unnachgiebigen Eintreibers.

Die Mafia von New Orleans unter Sam Carolla ist, da es keine rivalisierende Banden gibt, die

einzige nicht straff hierarchisch organisierte im ganzen Land. Die bis anhin isolierte Mafia von

Louisiana wird nun Teil des nationalen Syndikats, und Costello, Carolla und Finanzfachmann

Meyer Lansky beschliessen, in New Orleans ein Unterwelt-Kommunikationszentrum zu errichten,

während Crescent City zum Finanzzentrum wird. Long setzt sich für die Interessen des Mob ein

und wird dafür geschmiert. Meyer Lansky schreibt Finanzgeschichte, als er für Long ein

Nummernkonto in der Schweiz eröffnet. Allerdings wird Long 1935 im Zusammenhang mit seinen

Präsidentschaftsambitionen gierig; er verlangt über $3 Mio. Schmiergelder pro Jahr. Seymour

Weiss, Verwaltungsrat der Standard Fruit, dealt mit Costello und Rosenstiel und ist der

Schmiergeldzahler von Long. Roosevelt setzt das IRS auf Long und Weiss an, nachdem Long

Präsidentsschaftsabsichten äusserte, und Long wird daraufhin eliminiert. Offiziell wurde Long von

einem verrückten Arzt erschossen, der dann selbst sofort umgebracht wird. Vermutlich ist Guy

Molony, der in in Zentralamerika mehrere Revolutionen für die Bananenfirmen mitorganisiert hat,

der Mörder Longs. New Orleans Bürgermeister T. Semmes Walmsley hatte den früheren

Polizeichef Molony kurz vorher zurückgebracht. Molony baute beim Zusammenbruch der

Bananenwirtschaft in den 30er Jahren einen erfolgreichen Drogenhandel mit der honduranischen

Staats-Airline TACA auf und wird später durch die CIA geschützt. Seine Konkurrenten im

Heroinhandel, zu denen Marcellos Kollege Nofio Pecora gehören, fliegen auf.

Die Früchtefirmen sind schon seit langem mit der Mafia liiert. Weil ihre Produkte verderblich sind,

können sie leicht mittels Streiks erpresst werden. Um die Gewerkschaften zu kontrollieren,

engagierten die erfolgreichen Firmen Mobsters: in New Orleans arbeitete United Fruit bereits mit

dem Boss Joe Machecha zusammen. Aus den sizilianischen Vaccaro Brothers entstand Standard

Fruit & Shipment. Seymour Weiss von der Standard Fruit kooperiert mit Frank Costello, und der

Enkel von Lucca Vaccaro, Blaise d'Antoni, geschattet mit Paul Frankie Carbo von der Lucchese-

Familie. Mit Longs Mord kann eine ganze Serie von Korruptionsaufdeckungen verhindert werden.

1940 wird allerdings fast der gesamte Hafen von New Orleans angeklagt wegen Erpressung und

Betrug, inklusive Earl Long, Hueys Bruder und Nachfolger.

Carlos Marcello verkauft im März 1938 einem FBI-Agenten 23 Pfund Marihuana, wird verhaftet und

zu einem Jahr Gefängnis und $76'830 Busse verurteilt. Er wird jedoch mit einer Busse von nur

$400 nach 9 Monaten, erneut dank O.K. Allen, freigelassen. Nach der Begnadigung 1935 gibt es

gegen Marcello Anklagen wegen Überfälle und Raub, Steuerhinterziehung, Überfälle mit

Tötungsabsicht eines Polizisten und eines Reporters und Drogenhandels, aber keine kommt je vor

Gericht. Dazu kommen die meist sehr grausamen Morde, denen Marcello verdächtigt, aber

niemals angeklagt wird.

Quellen : Giancana: 64f, Davis(1988): 29-41, Best: 7.

Mafiaverfolgung top

Thomas E. Dewey wird von Bürgermeister Foriello La Guardia zum Sonderankläger von New York

ernannt. La Guardia wurde 1932 gewählt, nachdem sein Vorgänger Jimmy Walker wegen

Schmiergeldern zurücktreten musste, und versucht nun ernsthaft, das Glückspielgeschäft, die

Korruption und die Macht der Tammany Hall zu brechen. Dewey fordert die Bevölkerung über das

Radio zur Mithilfe auf, und im ersten Monat melden sich bei ihm 3000 Informanten. Seine

Verfolgung der Mobster, die ihnen als "the Big Heat" in Erinnerung bleibt, startet mit Dutch Schultz

und seinen Number-Rackets. Schultz, wegen Steuerhinterziehung angeklagt, bittet das Syndikat,

Dewey umzubringen. Aber das Risiko wird als zu gross eingestuft. Am 23.10.35 wird Dutch Schultz

zusammen mit seinem Bankier Otto Berman und seinen Leibwächtern Lulu Rosenkrantz und

Abraham "Abe" Landau im Palace Chop House in Newark, New Jersey, von Charly "the Bug"

Workman und Emmanuel "Mendy" Weiss umgebracht.

Dewey ermittelt danach gegen Lucky Luciano und sein Prostitutionsunternehmen, das diesem $12

Mio. jährlich einbringt. Luciano war unangenehm aufgefallen, weil er die Schauspielerin Thelma

Todd zu Tode prügeln Hess. Da die Angestellten des Paramount-Studios und die Kriminalpolizei

von Santa Monica die Beweise verschwinden Hessen, wurde der Tod als tödlicher Selbstunfall

klassiert. Dewey lässt 68 Zeugen, davon 40 Prostituierte, im Prozess auftreten. Luciano, der sich

bei seinen Dirnen siebenmal mit Tripper und mit Syphilis angesteckt hatte, wird 1936 zu 30 bis 50

Jahre Haft verurteilt, nachdem 3 Prostituierte gegen ihn aussagten. Das einzige Beweismaterial

gegen Luciano kommt von der heroinsüchtigen Strassenhure "Cokey" Flo Brown, die ihre

Geschichte nach mehreren Tagen im Gefängnis ohne Drogen erzählte.

Über Vito Genovese kann Luciano sein Unternehmen von der Zelle in Dannemora aus weiterleiten.

1932 verliebte sich Genovese in eine verheiratete Frau, die er zwölf Tage nach dem Tod ihres

erwürgten Ehemannes heiratete. Nach den Flitterwochen tätigte Genovese ein

Erpressungsgeschäft mit Fernand "the Shadow" Boccia im Spielgeschäft. Anstatt die $150'000 zu

teilen, setzte er zwei Killer auf Boccia an und bezahlte dann den einen der beiden, um seinen

Kollegen zu ermorden. Aber dieser überlebte und ging zur Polizei. 1938 flieht Genovese nach

Italien, um einer Verhaftung durch Dewey wegen dem Mord an Boccia von 1934 zu entgehen, und

Frank Costello ersetzt Genovese.

1936 wird Lepke Buchalter angeklagt, Heroin im Wert von $10 Mio. von Shanghai und Hong Kong

in die USA geschmuggelt zu haben. Anastasia versteckt Buchalter, auf dessen Kopf eine

Belohnung von $1 Mio. ausgeschrieben wird, muss aber immer wieder Zeugen bestechen, weil

Buchalter weiterhin für die Murder Inc. und an Schutzerpressungen von Firmen arbeitet. Lucky

Luciano entscheidet im August 1939 im Gefängnis, Buchalter zu opfern, um dem Sonderermittler

Thomas Dewey den Wind aus den Segeln zu nehmen. Der Kopf der Murder Inc. wird über Meyer

Lansky angewiesen, sich Hoover zu ergeben. Costello trifft sich auf Vermittlung von Lewis

Rosenstiel mit Hoover, der Buchalter am 24.8.39 mit grosser Publizität festnimmt. Dewey und die

Polizei von New York fühlen sich ausgetrickst, da Hoover hinter ihrem Rücken arbeitet und ausser

Prestigeerfolg absahnen nichts zum "Big Heat" beiträgt. Lansky, der Lucianos Drogenhandel und

die Geldtransaktionen weiterführt, gewährt den Rosenstiels daraufhin unbeschränkte Spielkredite

im Hotel Nacional in Havanna. Er profitiert besonders von diesem Deal, lässt ihn doch nicht nur

Hoover, sondern auch Anslinger in Ruhe. Obwohl er in den Berichten von FBN und FBI oft figuriert,

wird er, abgesehen von einer kurzen Periode, in der Robert Kennedy versucht, Licht in die Casinos

von Las Vegas zu bringen, nie abgehört oder genauer unter die Lupe genommen. Als Lansky

schliesslich angezeigt wird, steckt das IRS dahinter.

Da Abraham Reles und Allie Tannenbaum 1940 wegen Immunitätszusicherung zu singen

beginnen, kommen Workman und Weiss wegen dem Mord an Dutch Schultz im Gefängnis. Dank

den Aussagen kann die Polizei 40 Morde der Murder Inc. aufklären, ohne aber einen

Zusammenhang zur Mafia beweisen zu können. "Abe Kid Twist" Reles, dessen Spezialität Mord

mit Eispickeln war, wird am 1 2.1 1 .41 , obwohl unter Polizeischutz stehend, aus dem Fenster des

sechsten Stocks des Half Moon-Hotels geworfen. Er hätte kurz darauf gegen Anastasia aussagen

sollen. Joe Adonis rühmt sich, den Staatsanwalt, der die Untersuchung von Reles Tod nach nicht

mal einem Tag einstellt und Anastasias Namen vom Fahndungsregister streicht, im Griff zu haben.

Zusätzlich zu den ergiebigen Schutzgelderpressungen steigt Adonis in den Zigarettenmarkt ein.

Tausende von Verkaufsmaschinen werden installiert und oft mit gestohlenen Zigarretten von

Lastwagenlieferungen der Konkurrenz gefüllt. Buchalter und Weiss landen 1944 auf dem

elektrischen Stuhl. Buchalter ist der einzige bedeutende Mafiosi der amerikanischen Geschichte,

der legal hingerichtet wird. Shapiro, wegen Mord zu lebenslänglich verurteilt, stirbt im Gefängnis.

Damit verliert die Murders Inc. an Bedeutung, und die jüdischen Namen werden seltener.

Auch Bugsy Siegel wird wegen Mord an Harry Greenbaum, einem Gangster aus dem Umkreis von

Lepke Buchalter, der Siegel verpfiffen hat, verhaftet. In der Zelle, mit allen VIP-Privilegien

ausgestattet, entwickelt er den Plan, dem Dreamland Kuba ein zweites in Las Vegas

entgegenzustellen, weil Nevada 1931 das Glückspiel legalisierte. Dank seinem Jugendfreund und

Bierschmuggler George Raft ist Siegel nach Hollywood gekommen und hat dort sowohl

Filmproduzenten wie auch Schauspielerinnen, die auf ihre grosse Karriere hofften, erpresst. Die

$500'000, die er pro Jahr so erwirtschaftete, investierte er weitgehend in den Drogen- und

Mädchenhandel. Mithilfe seines Verteidigers Jerry Geisler und dem rätselhaften Tod einiger

Zeugen kommt Siegel bald wieder frei und macht sich daran, in Las Vegas ein luxuriöses Hotel mit

integriertem Casino aufzubauen. Der spätere Schauspieler Raft arbeitet in Lanskys Casinos in

Havanna und London.

Quellen : Davis (1994): 59, Delorme: 60, 115ff, Best: 5-8, 19, Summers (1993): 238f, Lacey: 110,

Knorr (1992a): 45.

1937: Hoover, die Nazis und die Mafia top

J. Edgar Hoover bekämpfte bisher die Prostitution und die Erpressungsgeschäfte der Mafia, aber

nicht die verbotenen Wetten der Pferderennbahnen, die nach dem Ende der Prohibition das meiste

Geld einbringen. Hoover liebt die Pferdewetten.

Im Juli 1933 konnte Hoover nur mit viel Lobbying, indem er diffamierende Informationen über

andere Kandidaten streute, und Mord (oder Glück) seine Stelle behalten: Der ihm feindlich

gesinnte Staatsanwalt Thomas Walsh starb zwei Tage vor Amtsantritt als Justizminister an einem

Infarkt. Der neue Justizminister Homer Cummings startete einen Anti-Gangster-Kriegszug,

zusammen mit einer vom Journalisten Henry Suydam geleiteten, breit angelegten PR-Kampagne.

Die Erfolge der Jagd auf Einzelgänger-Banditen wie "Machine Gun" Kelly, "Baby Face" Nelson

oder John Dillinger wurden vor allem Hoover zugeschrieben, der Louis B. Nichols als Leiter der

Crime Records Division für die Public Relation einstellte. Mit der Förderung der G-Man-

Unterhaltungskultur (Filme, Groschenhefte, Comics) kann sich Hoover zum Volkshelden stilisieren.

Er baute eine Zentralkartei für Fingerabdrücke und eine Nationale Polizeiakademie auf und stellte

die FBI-Akten den Polizeidienststellen zur Verfügung, worauf sich die Beziehungen zu den lokalen

Ordnungshütern etwas verbesserte.

Während sich die Mafia als "Organisation" etabliert, gibt Hoover deren Bekämpfung 1937 ziemlich

abrupt auf und behauptet, es gebe keine nationale Verbrecherorganisation. Laut Boss Carmine

Lambordazzi hat die Mafia Hoover in der Tasche. Hoover fährt gelegentlich nach Manhattan und

trifft Frank Costello. Der Mafiosi hatte Hoover in den frühen 30er Jahren auf der 5th Avenue in New

York angesprochen und ihn seither "kultiviert". Hoover und Costello sind Freunde und treffen sich

in Washington, im Central Park, in der Lobby des Waldorf-Astoria, an den Pferderennen oder bei

einem gemeinsamen Freund. Hoover mag es nicht, mit einem monatlichen Geldcouvert geschmiert

zu werden, weshalb Costello Pferderennen manipulieren lässt, um Hoover bei der Stange zu

halten. Frank Erikson, der grösste und mächtigste Buchmacher, informiert Costello über ein

bevorstehendes abgekartetes Rennen, der dann den Chronisten Walter Winchell benachrichtigt,

welcher wiederum Hoover ins Bild setzt. Der FBI-Direktor kann so selbst entscheiden, wieviel er

gewinnen will. Er selbst setzt immer nur die legalen $2, aber einer seiner Agenten oder Clyde

Tolson setzen grosse Summen, im Schnitt $200, und gewinnen immer. Hoover lässt sich auch in

Mafiakreisen sehen wie im Stork Club von Sherman Billingsley in New York, in Joe's Stone Crab

Restaurant von Jesse Weiss in Miami oder bei Del Webb, Casinobesitzer in Las Vegas, der ihn

gratis einquartiert.

Hoover hat Kontakt mit Ed Levinson, John Drew, Ray Ryan, Art Samish, Dub McCanahan, einem

Marcello-Partner, Johnny Roselli oder Irving Davidson. Die Mafia hilft Hoover, solange es nicht um

ihr eigenes Geschäft geht, dafür lässt Hoover die Mobster in Ruhe. Als Costello in den frühen 50er

Jahren von einem fleissigen FBI-Agenten überwacht wird, versetzt Hoover diesen nach einem

Telephonanruf Costellos nach Alaska. Dasselbe passiert einem anderen FBI-Agenten, der Lansky

bewacht und nach Georgia versetzt wird. Costello ist der wichtiste Kontaktmann der Mafia mit der

Oberwelt in den 40er und 50er Jahren, bis er von Gigante angeschossen wird. Danach zieht er

sich dann eine Art Halbpension zurück, wobei er immer noch Deals arrangiert und Streit zwischen

Mobstern schlichtet.

Der Journalist Walter Winchell, Hoovers Freund, kennt auch Owney "the Killer" Madden, Meyer

Lansky, der in New York im selben Haus wohnt, und Joe Kennedy persönlich. Als Kennedy 1933

eine Affäre hatte mit dem Broadway Showgirl Evelyn Crowell, der Wittwe des New Yorker Gansters

Larry Fay, und im New York Journal-American darüber berichtet wurde, besuchte Kennedy

Winchell. Die beiden befreundeten sich, die Story konnte unterdrückt werden und Kennedy wurde

zu einer der Schlüsselquellen für seine Boulevardgeschichten.

Meyer Lansky ist im Besitz von kompromittierenden Photos, auf denen Hoover gut erkennbar

seinem Freund Clyde Tolson einen bläst. Lansky schmiert auch Nahestehende Hoovers und

bekommt sogar FBI-Reports von den FBI-Agenten, die ihn "überwachen" sollen. Der Stillhaltepakt

dauert bis zum Tode Hoovers. Manchmal behindert Hoover aktiv und bewusst ein Vorgehen gegen

die Mafia, zum Beispiel als der Pferderennservicebesitzer James Ragen dem FBI über seine

neuen Konkurrenten alles berichtet, was er weiss. Das FBI startet zwar eine Operation, verweigert

Ragen aber Begleitschutz. Nachdem dieser von Lenny Patrick und Dave Yaras auf Befehl von

Jake Guzik umgebracht wird, weist Hoover seine Agenten an, die Untersuchung abzubrechen.

Der FBI-Direktor, der Homosexuelle in der Öffentlichkeit als pervers bezeichnet, hat auch

fetischistische und pädophile Tendenzen. Er verkleidet sich bei Sexparties als Frau, und die

Sittenpolizei von New Orleans verhaftete ihn Ende der 20er Jahre einmal mit einem minderjährigen

Strichjungen. Da Henry G. C. Corcoran damals intervenierte und eine Strafverfolgung verhinderte,

kann sich dieser im Gegenzug illegale Geschäfte erlauben, ohne mit Strafverfolgung rechnen zu

müssen. Der Ex-Agent Guy Hottel erzählt, wenn er betrunken ist, von Sex-Parties ohne Mädchen

bei Hoover, weshalb Hoover ihn jeweils in Polizeigewahrsam nehmen lässt. Da Hottel aber zuviel

weiss, entlässt Hoover ihn nicht. Hoover lässt jedes Gerücht über seine eigene Homosexualität

unterdrücken und seine Agenten während 23 Jahren gegen die "homosexuals right groups"

vorgehen, um davon abzulenken. Offenbar macht Hoover das Risiko der möglichen Entdeckung

seiner Homosexualität paranoid. Hoover befindet sich von 1941-71 in psychiatrischer Behandlung,

und oft verhält er sich sehr brutal gegenüber Homosexuellen (wie gegen Sumner Welles) und

benutzt Gerüchte angeblicher Homosexualität als politische Waffe (wie gegen Adlai Stevenson).

Hoover besteht darauf, beschlagnahmtes pornographisches Material selbst zu sichten.

Fords rechte Hand Harry Bennett trifft sich als Informant mit J. Edgar Hoover. Bennett ist der

Verbindungsmann zu ehester LaMare, Boss des Detroiter Mafia, der eine Privatarmee gegen

Gewerkschaftsaktivitäten aufgebaute, womit Henry Ford keine Gewerkschaftsprobleme mehr hat.

Im Gegenzug erhalten Gangster wie Joe Tocco, Leo Cellura, Joe Adonis, Tony D'Anna

Beteiligungen bei Ford. Bennett versorgt Hoover mit Informationen über Linke, wobei sich später

herausstellt, dass viele Namen vom lokalen Faschistenführer Gerald Smith stammen.

1934 erhielt Hoover von Roosevelt den geheimen Auftrag, die Nazis und deren Sympathisanten zu

überwachen, wobei alle anderen Aktivitäten gegen Radikale ausdrücklich verboten bleiben. Aber

Hoover arbeitet eng mit der 1923 in Berlin gegründeten Interpol zusammen, in der Heinrich

Himmler, Reinhard Heydrich, Arthur Nebe und andere fanatische Nazis aktiv sind. Auch nach dem

Überfall der Tschechoslowakei und dem Fall Frankreichs tauscht Hoover noch immer

Fahndungslisten mit Interpol aus. Erst drei Tage vor Pearl Harbor stoppt er die Zusammenarbeit.

Nach dem Krieg verlegt Interpol seinen Sitz nach Paris, ernennt Hoover zu Vizepräsidenten und

weigert sich hartnäckig, Nazi-Kriegsverbrecher zu suchen. In den 70er Jahren wird der ehemalige

SS-Offizier Paul Dickopf Präsident der Interpol.

Am 24.8.36 ersuchte ihn Roosevelt wiederum geheim, neben den Faschisten auch die

Kommunisten zu überwachen, was Hoover schon lange machte. Wegen Spionage- und

Sabotagegefahr bewilligte Roosevelt $150'000. Die Abteilung für Spionage heisst Division Five, die

bereits seit 1919 existieren soll, aber erst zu diesem Zeitpunkt offiziell wurde.

Nach einer cleveren Intrige seitens Hoovers beschliesst Roosevelt am 26.6.39, dem FBI die

Leitung bei Spionage- und Sabotagefällen zu übertragen, und nicht der Military Intelligence

Division oder dem Office of Naval Intelligence. Das FBI expandiert von 898 Agenten 1940 auf 4886

Agenten 1945. Hoover eröffnet am 2.9.39 eine präventive Notverhaftungsliste "aller Feinde der

USA". Justizminister Briddle verbietet diese Auflistung als sinnlos, wonach sie Hoover unter

"Security Matter" geheim weiterführt. Eine weitere geheime Archivierung veranlasst Hoover mit

Informationen, die durch illegale Aktionen des FBI wie Einbrüche bei politischen Organisationen,

um beispielsweise Mitgliederlisten zu stehlen, zustande kommen. Obwohl offiziell seit 1934 durch

den Kongress verboten, hat Hoover das Telephonabhören permanent eingesetzt. Am 21 .5.41

legitimiert Roosevelt das geheime Abhören von Subversiven. Roosevelt beauftragt Hoover auch,

Informationen über seine Gegner bei der nächsten Präsidentenwahl zu sammeln.

Alle Präsidenten seit Roosevelt benutzen Hoovers Wanzen auch für eigene politische Zwecke, was

Hoovers Position sichert. Hoover sichert seine Macht auch durch die Mitgliedschaft in vielen

Organisationen: American Bar Association, Boy Scouts, United States Chambres of Commerce,

Kiwanis International, Knights of Columbus, Optimists International, Rotary International, Veterans

of Foreign Wars u.a.m. Am meisten bringt ihm die American Legion, die dem Justizminister

Jackson im Juni 1940 vorschlägt, er solle 1 1'000 Posten der Legion erlauben, die das Land in

Bezug auf "subversive Aktivitäten" flächendeckend überwachen würden. Jackson lehnt ab, aber

Hoover kann es so drehen, dass die Legionäre als Informanten die FBI-Büros kontaktieren können.

Obwohl über die Legion bis im Oktober 1943 60'000 Informanten rekrutiert werden, kommen wenig

Brauchbares über diese Kanäle. Aber sie eröffnen Hoover einen breiten Kontakt mit konservativen

Medienschaffenden und Abgeordneten. Zudem baut Hoover über seinen Freund Carl Mclntire die

Cover-Institution American Council of Christian Churches auf.

Quellen : Theoharis/Cox: 119, 187, 237, Schulz: 82,181, Davis (1988): 237, 267f, Davis (1994): 103-

107, Todd, Brussell: 5f, Summers (1993): 43-91, 91-129, 225-245, Cran, Lacey: 89, Hersh: 48,

Giancana: 247f,

Dezember 1937: Botschafter Kennedy in England top

Joe Kennedy wird, obwohl er über keinen politischen Background verfügt, als Dank für die

Unterstützung von Roosevelts Wiederwahl zum Botschafter in England ernannt. Die beiden Jahre

vorher beschäftigte Kennedy sich mit der Reorganisation der Firmen RKO, Paramount und Hearst

Corporation und schrieb zusammen mit dem Journalisten Arthur Krock das Buch l'm for Roosevelt.

Krock ist der Leiter des New York Times-Büros in Washington und wird von Kennedy mit bezahlten

Ferien, teuren Geschenken und Frauen versorgt.

Nach dem Wahlsieg Roosevelts wurde Kennedy, der eigentlich auf das Finanzministerium hoffte,

zum Direktor der maroden Obersten Handelsschifffahrtsbehörde berufen, ein Job zweiter Klasse,

aus dem Kennedy das Beste macht. Kennedy verbringt Monate mit Lobbying für eine

angemessene Stellung und beackert James Roosevelt. 1933 begleitete der Präsidentensohn

Kennedy nach England, als es um die Neuorganisation und Legalisierung von Alkoholimporten

ging, wobei Joe die Schwächen Roosevelts für Frauen und Reichtum gezielt auszunützen

verstand. Als dann der Botschafter in London unerwartet neu zu besetzen ist, ist Roosevelt froh,

dass er den aufsässigen Kennedy, der ihm gefährlich werden könnte, abschieben kann.

Als Botschafter versagt Kennedy auf der ganzen Linie, vor allem wegen seiner Fehleinschätzungen

der politischen Situation. Er glaubt, dass England weder den Willen noch die Waffen zur

Verteidigung gegenüber Deutschland habe. Bei Ausbruch des Krieges bezeichnet er Hitler als

Genie und empfielt seiner Regierung, ein Arrangement mit dem Führer zu suchen, damit die

Vereinigten Staaten nicht in den Krieg hineingezogen werden. Antisemitische Äusserungen, seine

politische Ignoranz der europäischen Lage und die Feigheit, sich während der Bombenangriffe auf

dem Land in Sicherheit zu bringen, machen ihn bei Winston Churchill und allen Diplomaten

äusserst unbeliebt. Über John J. Burns spekuliert der Botschafter trotz Businessverbot weiterhin an

der Wallstreet und missbraucht dringend benötigten Frachtraum für den Whiskey seiner Somerset

Importers. Da England nur mithilfe der USA eine Chance gegen Hitler hat, wird Kennedy für

Churchill zum Sicherheitsrisiko. Der Botschafter wird vom MI-5 abgehört und beschattet, wobei klar

wird, dass Kennedy über eine reiche Engländerin in Kontakt mit dem Führer der britischen

Faschistenbewegung, Sir Oswald Mosley, getreten ist. Kennedy trifft sich im Geheimen am 9.5.39

trotz dem expliziten Verbot Roosevelts mit Dr. Helmut Wohltat, dem Vertreter Görings, zur

Besprechung gegenseitiger Konzessionen. Mit seiner Indiskretion bringt Kennedy die Anti-Hitler-

Verschwörergruppe um die Generäle Ludwig Beck und Franz Halder in Lebensgefahr, indem er

deren Absichten und Namen an einer Pressekonferenz bekanntgibt. Kennedy will ein Attentat

Hitlers verhindern, weil die Sowjetunion für ihn gefährlicher ist als Nazi-Deutschland.

Hauptinteressen Kennedys sind allerdings seine eigenen Präsidentsschaftspläne und die

Wahlkampfstrategie für die demokratische Nomination von 1940. Roosevelt isoliert Kennedy in

London, indem alle wichtigen Verhandlungen und Entscheidungen über persönliche Vertreter wie

William Donovan und den amerikanischen Botschafter in Paris laufen lässt und selbst in direktem,

aber geheimen Kontakt zu Churchill steht. Kennedy versucht daraufhin, Roosevelt zu erpressen,

indem er diesen Geheimkontakt, der über die Amerikanische Botschaft läuft, an die Presse

verraten würde, falls der Präsident ihn nicht zurückrufe. Kennedy hatte den Codespezialisten Tyler

Kent angewiesen, von allen aussergewöhnlichen Telegrammen Kopien zu machen und diese aus

der Botschaft zu schmuggeln. So stellt er sich ein Dossier der geheimen Roosevelt-Churchill-

Telegramme zusammen, das er in die USA schiffen lässt, um Roosevelt damit politisch

auszuschalten. Im Frühjahr 1940 schlägt die britische Gegenspionage-Abteilung nach

achtmonatiger Bewachung zu und entdeckt in Kents Wohnunng 1500 dekodierte Kopien. Kennedy

lässt Kent fallen, indem er dessen diplomatische Immunität aufhebt - Kent verbringt die Kriegsjahre

nach einem geheimen Prozess in einem britischen Gefängnis - und kann so verhindern, dass die

amerikanische Öffentlichkeit etwas erfährt.

Am 26.10.40 kehrt Kennedy in die USA zurück und trifft sich, zehn Tage vor der Nomination, mit

Roosevelt. Roosevelt kann Kennedy nicht einfach fallenlassen, denn er will sich widerrechtlich ein

drittes Mal wählen lassen und braucht jede Unterstützung. Da Roosevelt Kennedy vor allem nicht

als Konkurrent für die Präsidentschaft will, macht er ihm Hoffnungen auf einen Ministerstuhl,

verspricht seine Unterstützung für die Kandidatur seines Sohnes Joe Jr. zum Gouverneur von

Massachusetts und droht mit einer alten Steuerhinterziehung. Nach der erneuten Wahl Roosevelts

bekommen die beiden jedoch Streit, da Kennedy die Aussenpolitik in einem Interview kritisiert und

damit seine eigene Politkarriere sabotiert. Kennedy, dessen Vermögen unterdessen auf $250 Mio.

angewachsen ist, setzt nun alle seine politische Hoffnung auf seinen ältesten Sohn Joe Jr.

Quellen : Kessler (1997), Hersh: 61 ff, Best: 18, Collier/Horowitz: 84-137.

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Mafia, Geheimdienste und Politik der USA

Teil 2 (1939 bis 1948)

Dieser Teil der Chronik behandelt die Zusammenarbeit der amerikanischen Armee,

Geheimdienste, Politiker und Industriellen mit der Mafia, den Nationalsozialisten und der

Katholischen Kirche während dem 2. Weltkrieg und in den Jahren danach.

Die zentralen Themen und Personen sind:

Zweiter Weltkrieg , US-Firmen und die Nazis , IBM, Ford, GM, Onassis, Karriere von Howard

Hughes , Angriff auf Pearl Harbor , Gründung des OSS und J. Edgar Hoover, US-Finanzierung

Hitlers durch Prescott Bush, Avereil Harriman, Fritz Thyssen, Friedrich Flick, Montagu

Collet Norman und Warburg. Ölhandel, Rockefeiler, I.G.Farben, William Stamps Farish,

Eugenik und George Bush, Kooperation von Mafia und Militär , Coca-Cola, USA und

Frankreich , Charles de Gaulle, Mafia, Roosevelt und Hollywood , Italien-Invasion , Rückkehr

der Mafia, Hoover und Kennedv , Politikerbespitzelung, Bretton Woods , Gründung des

Internationalen Währungsfonds und der Weltbank, Dollar, Saudisches Öl, UNO und Harry S.

Truman , Niederlage Japans , Atombomben, biologische Waffen, John F. Kennedys Einstieg

in die Politik , Reorganisation der Mafia , Heroin-Schmuggel, Las Vegas, Der Kalte Krieg , die

Unterstützung der Partisanenbewegungen, der Antikommunismus, der Marshall-Plan, die

Containment-Strategie, Josip Tito in Jugoslawien, Gründung der CIA , Hoover, das HUAC,

Reagan und Nixon, CIA und Kriegsverbrecher , Allen Dulles, George F. Kennan und der

Vatikan retten Faschisten wie Ante Pavelic, Otto Skorzeny, Reinhard Gehlen oder Otto

Albrecht von Bolschwing, CIA in Italien , CIA und Gewerkschaften , Howard Hughes und

Nixon, Chotiner und Johnson, Truman und die Mafia .

Der Text umfasst ca. 30 Seiten.

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1939 Zweiter Weltkrieg

Der Heroinhandel bricht während des Zweiten Weltkrieges beinahe zusammen. Die Brüder

Eliopoulos ziehen sich in den ersten Kriegstagen aus dem Handel zurück, und die Unterwelt von

Marseille kollaboriert mit den Nazis. Als Japan Shanghai besetzt, versiegt der schon zuvor

verminderte Heroinnachschub vollends. Meyer Lansky reist nach Mexiko und organisiert dort den

Mohnanbau in den Bergen, der jedoch nur minderwertiges Heroin liefert. Auch eine zweite

Verbindung, über die Heroin aus der I.G. -Farben-Produktion nach Kuba geliefert wird, bricht 1943

ab. 1938 ist das Heroin noch zu 28% rein verkauft worden, 1941 nur noch zu 3%, obwohl der Preis

sich verzwölffachte. 1945 kostet das Heroin das 70fache von 1938, und die Zahl der Süchtigen hat

sich von 300'uOO auf 20'000 vermindert.

Für die Mafia eröffnen sich mit dem 2. Weltkrieg aber andere Einnahmequellen. Die amerikanische

Regierung verfügt Kriegsrationierungen und Preiskontrollen, was zur sofortigen Entstehung von

Schwarzmärkten führt. Dank der Kontrolle über die Häfen von Brooklyn und Manhattan können die

Mobster auch genügend Waren für den Schwarzmarkt abzweigen. Die Mafia handelt mit Fleisch,

Zucker, Speiseöl, Autos, Pneus und Nylon und verkauft rationiertes Benzin. Das Office of Price

Administration errechnet, dass jeden Tag 2,5 Mio. Gallonen Benzin (1 Gallone = 3,785 Liter) illegal

verkauft werden. Am lukrativsten ist der Verkauf von gefälschten Rationierungsmarken, vor allem

für Benzin, die nicht einmal alle gefälscht werden müssen. Sie kommen von korrupten Beamten

des OPA, wo Richard M. Nixon und Charles Gregory Rebozo arbeiten. Vor allem Carlo Gambino

hat sich diesen Handel unter den Nagel gerissen und kauft sich Hunderttausende von Marken von

korrupten OPA-Beamten und macht laut Valachis Aussagen bis zu $1 Mio. pro Deal. Nixons

ethische Qualifikationen als Anwalt wurden schon bei dessen ersten Prozess von Richter Alfred

Paonessa ernsthaft in Frage gestellt. Rebozo gründet mit 23 eine Auto-Service Station und

verdient am illegalen Handel mit gebrauchten Pneus und anderen Secondhandgeschäften so viel

Geld, dass er nach dem Krieg eine Wäschereikette kaufen und in die Bodenspekulation einsteigen

kann.

Quellen : Delorme: 83-85, Weberman (6), Best: 85, Summers (2000): 29-34,102,495.

1939 US-Firmen und die Nazis top

Aber nicht nur die Mafia, auch andere Firmen und Grossinvestoren verdienen am Krieg. IBM-Chef

Thomas J. Watson lieferte seinem Freund Adolf Hitler die Hollerith-Lochkartenmaschinen, womit

die erste Volkszählung im Dritten Reich durchgeführt wurde. Dank diesen Personendaten können

die Konzentrationslager, Gettos, Judendeportationen und deren Vernichtung effizient organisiert

werden. Die auf den Armen tätowierten KZ-Häftingsnummem entsprechen den

Personenkennziffern der IBM-Maschinen, die Haftgrund, Gesundheitszustand, Nationalität, Beruf,

Art der Lagerstrafen und schliesslich die Todesart auf den Lochkarten festhalten. Da auch die

gesamten Wirtschafts- und Rüstungsdaten mit den Hollerrith-Maschinen verrechnet werden,

besteht die Gefahr der Enteignung und Verstaatlichung der Tochter Dehomag, was Watson mit der

Einsetzung eines Treuhänders verhindern kann. Als Präsident der Handelskammer und Berater

Roosevelts sprach sich Watson stets gegen die Isolation Deutschlands aus und kooperierte bis

1940 direkt und danach indirekt mit allen Regierungsstellen des NS-Regimes. Die europäischen

Interessen von IBM während dem Krieg vertritt Werner Lier, ein Hauptmann der Schweizer Armee

in Genf. 1942 hält IBM 94% der Munitions Manufacturing Corporation, die Kanonen und

Flugzeugmotorteile produziert und IBM $200 Mio. einbringt. Nach dem Krieg erhält Watson nicht

nur die "Computer"-Maschinen zurück, sondern auch die Gewinne der Tochterfirma Dehomag.

Watson wird Vetrauter und Golfpartner von Eisenhower und sitzt von 1952 bis 1962 als Senator

von Connecticut

Nur etwa 60'000 der Hunderttausenden jüdischen Flüchtlige, die ein Visumsgesuch stellen,

gelangen aus Europa in die USA. Viele der Abgewiesenen schicken Geld voraus, da Mittellose

sowieso keine Chance haben, weshalb Milliarden von Dollars an Flüchtlingsgelder in die USA

strömen und von den Behörden als Vermögen der "enemy aliens" eingefroren werden. Nach der

Krieg beschlagnahmt die US-Regierung $900 Mio. (der heutige Wert ist rund 10 Mal höher) auf

diesen Bankkonten und entschädigt damit die deutschen Tochterfirmen amerikanischer

Unternehmen wie General Motors mit $16,4 Mio. oder Ford mit $785'000, obwohl Henry Ford

Hitlers Wahlkampf mitfinanzierte. Ford ist ein radikaler Antisemit, dessen Ansichten Hitler

beeinflussten, und geht mit eigenen Werkpolizisten gegen Gewerkschafter vor. Beide Firmen

beschäftigen Zwangsarbeiter und sind Bestandteil von Hitlers Kriegsmaschinerie: 1942 stammt ein

Drittel der 350'000 produzierten Lastwagen aus Ford-Fabriken. Seit 1929 gehört Opel zu 100% der

GM und bildet mit 100'000 produzierten Opel Blitz-Lastern das Rückgrat der Reichwehr. Während

dem Krieg baut Opel etwa die Hälfte der Antriebssysteme für die JU-88-Bomber. Obwohl Carl Luer

am 25.1 1 .42 die Verwaltung in Rüsselheim für die Nazis übernimmt, werden die wesentlichen

Entscheidungen weiterhin in Detroit gefällt. 1943 entwickelt, prodiziert und montiert Opel die

Motoren für das erste Düsenflugzeug Messerschmitt 262, während Gemeral Motors die US-

Luftwaffe aufrüstet. Für die Schäden an den Tochterfabriken in Deutschland, Österreich, Polen und

China durch die Bombardierungen der Alliierten erhält GM 1967 Steuervergünstigungen von $33

Mio. Die Fabriken von Ford und IBM werden bei den Bombardierungen der USA offensichtlich

geschont.

Opel erziehlt dank den Zwangsarbeitern hohe Kriegsgewinne, ohne einen Cent an den

Zwangsarbeiterfonds der amerikanischen Handelskammer zu zahlen. Insgesamt werden 10

Millionen Verschleppte aus 26 Nationen im Dritten Reich zur Arbeit gezwungen (davon 3 Mio.

Russen, 1,2 Mio. Polen und 1,2 Mio. Franzosen). Ohne diese Sklaven wären die Landwirtschaft

und die Kriegsindustrie nicht in der Lage, die Produktion aufrecht zu erhalten.

Auch die Tochterfirmen von schweizerischen Unternehmen wie Georg Fischer, Maggi, BBC, oder

Alusuisse profitieren von den Gratisarbeitern. 1944 schliessen sich Hunderte von Firmen dem SS-

Proramm "Vernichtung durch Arbeit" und rekrutieren die Zwangsarbeiter vor allem aus den

Konzentrationslagern, womit sie ihre Nachkriegs-Konkurrenzfähigkeit markant verbessern.

Aristoteles Onassis verkauft an beide Seiten Öl und Waffen und vermietet seine Schiffe, wofür die

Allierten $250'000 pro Jahr zahlen. Interessanterweise verliert er als einziger während des ganzen

Krieges kein einziges Schiff und keinen einzigen Matrosen, während beispielsweise von den 450

griechischen im Krieg eingesetzten Frachtschiffen 360 sinken. An die Japaner, die einen

grausamen Eroberungskrieg in Asien führen, verkauft Onassis Schiffe, die er durch neue aus

Südamerika ersetzt. Ab dem November 1942 wird Onassis vom FBI wegen seinen Beziehungen

mit Faschisten wie Fritz Mandl, Juan Peron, Alfred Krupp oder Hjalmar Schacht überwacht. Als

Hollywoodplayboy hat er eine Affäre mit Gloria Swanson, mit der Kennedy ein langdauerndes

Verhältnis hatte.

Nach dem Krieg beschliesst der amerikanische Kongress den Verkauf der nicht mehr benötigten

Kriegsfrachter "Liberty ships" für $550'000 pro Stück. Da Onassis nicht zur kaufautorisierten

griechischen Reederunion gehört, ist er von der einmaligen Gelegenheit ausgeschlossen. Er

umgeht die Bestimmung mithilfe des Anwalts Burke Marshall und der neu geschaffenen

Scheinfirma "United States Petroleum Carriers Ine", die 4 T2-Tanker kaufen kann. Er schliesst

zudem Kohletransportverträge mit 1 6 "Liberty ships", die er gar nicht hat, ab. Dasselbe macht er

mit Öltankern, die noch gar nicht gebaut sind. Mit der Metropolitan Life Insurance Company handelt

er einen Investitionsvertrag über $40 Mio. für eine neue Supertankergeneration aus. Die vier

"Liberty"-Schiffe aus den US-Kriegsbeständen werden für die Waljagd eingesetzt, in die Onassis,

unter Umgehung der Jagdgesetze, einsteigt. Die erste Walexpedition bringt ihm $4,2 Mio, weshalb

es nicht kümmert, dass beispielsweise 69% der Pottwale, die er vor der Küste Perus erlegen lässt,

nach den Bestimmungen zu klein sind. 1950 schliesst Onassis einen Vertrag mit Lars Anderson für

den Walfang in der Antarktis und in Argentinien. Anderson gehörte zur norwegischen

Nazikollaborationsgruppe Vidkum Quisling. Ebenfalls 1950 wird ein Geheimabkommen zwischen

dem Aussenministerium und den sieben Ölmultis geschlossen, dass alle Tantiemen für die

arabischen Nationen steuerfrei sind. Onassis gewinnt den Konkurrenzkampf um Tina Livanos

gegen bereits verheirateten Stavros Niarchos, der sich mit der älternen Schwester zufrieden geben

muss.

Über Sasha de Seversky lernt Onassis während dem Krieg den Nobelgangster Johnny Meyer

kennen. Meyer arbeitet für Howard Hughes, für den er dank seinen ausgezeichneten Beziehungen

in Washington Rüstungsaufträge und Mädchen organisiert.

Quellen : Morgenthaler Piechowiak, Evans, Glaser, Best: 47-49, Morgenthaler, Schweitzer, Levis,

Brussell (1983), Haar, Kindhauser, Schröder/Schroeder. Laurent: 13-17.

1939 Karriere von Howard Hughes top

Howard Robard Hughes erbte 1924 mit 19 Jahren die Ölfirma seines Vaters, der mit Ölboom 1901

nach Houston zog und und eine Bohrmaschine erfand, die seinen Reichtum begründete. Obwohl

noch minderjährig, konnte er den Richter von seinen Kompetenzen überzeugen und brauchte dann

die gesamten Firmenreserven von $325'000, um die weiteren Erben auszuzahlen. Noch 1950

beherrscht die Hughes Tool Company 85% des Ölbohrmarktes, was seine enormen Ausgaben

weitgehend deckte. Während eine normale Familie mit $4000 pro Jahr lebte, gab er in den ersten

beiden Jahren $100'000 für Autos und $550'000 für die Entwicklung eines Prototyps mit

Düsenantrieb, $20'000 für Kleider und Schmuck, $20'000 für Hotel- und Unterhaltungskosten und

$25'000 für einen persönlichen Telex für die Verbindung nach Wall Street aus und verlor $4 Mio. in

Investitionen. Bis zur Krise von 1929 setzte er an der Börse $8 Mio. in den Sand. Hughes zog 1925

nach Hollywood, wo er eine Karriere als Schauspieler, Regisseur, Pilot und Flugzeugbauer

startete. Nach einem ersten Fehlschlag, den $80'000 teuren und nie veröffentlichten "Swell Hogan"

gewann "Two Arabian Nights" (1928) einen Preis. Für seinen Flieger-Film "Hell's Angels" (1930)

kaufte er für über $500'000 mehr als 40 Kampfflugzeuge des Ersten Weltkriegs, womit er die

grösste private Flugwaffe der Welt besass. Drei Piloten und ein Mechaniker (und er beinahe)

kamen bei den Dreharbeiten ums Leben für den Film, der $4,2 Mio. kostete (wovon nur $2,7 Mio.

eingespielt wurden), und Jean Harlow zum Star machte. In den 30er Jahren baute er im Rahmen

einer Kinokette das Texas Theater in Dallas, in dem Lee Harvey Oswald verhaftet wird.

"Scarface" (1932) und "The Outlaw" (1941) über Billy the Kid mit den gewagten Aufnahmen von

Jane Russells Brüsten galten als "pornographisch". Von 1925 bis 1929 war er verheiratet mit Ella

Rice, der Tochter des Standard Oil-Vorsitzenden William Stamps Farish, dem Hauptkunden der

Hughes Tool. Gleichzeitig führte er ein Playboyleben mit zum Teil ernsthaften Affären mit Katherine

Hepburn, Joan Crawford, Constance Bennett, Marian Marsh, Madge Bellamy, Ginger Rogers, Ida

Lupino, Billie Dove, Bette Davis, Loretta Young, Olivia de Havilland, Brenda Frazier, Yvonne

Shubert, Lana Turner, Jane Greer, Nancy Carroll, Linda Darneil, Gene Tierney, Marilyn Monroe,

Gail Ganley, Sallilee Conlon, Phyllis Applegate, Joyce Taylor, Barbara Hutton, Dorothy Jordan,

Timmie Lansing und vielen anderen Starletts. Hughes holt sich die Syphilis, von der er trotz

radikalen Kuren nicht geheilt wird. Einige der Mädchen beschaffen ihm William Randolph Hearst jr.

und Cary Grant. Seine Geliebten lässt er von Detektiven überwachen, verzichtet aber deshalb

selbst nicht auf beinahe tägliche Seitensprünge. Bei Ava Gardner entlarven die von Detektiv Frank

Angell und seinem Team von Spezialisten gesetzten Wanzen ihr Verhältnis mit Mickey Rooney,

worauf Hughes ihre Wohnung stürmt. Beim folgenden Streit wirft ihm Ava eine Bronzeglocke an

den Kopf, so dass er hospitalisiert werden muss. Den meisten, oft noch sehr jungen Mädchen wie

der 15jährigen Faith Domergue, schenkt er teuren Schmuck und kiloweise Blumen, beeindruckt sie

mit seinen Flugzeugen und verspricht die Heirat, damit sie mit ihm ins Bett steigen. Bei seiner

Affäre mit Rita Hayworth wird diese von zwei Detektivteams im Auftrag von Ehemann Orson

Welles und Columbia-Boss Harry Cohn beschattet. Rita wird schwanger von Hughes und lässt

abtreiben.

Der beinahe taube Hughes flog als Kopilot Charles W. Howard bei der American Airways, bis der

Schwindel bemerkt wurde. Um das schnellste Flugzeug zu bauen, gründete er die Hughes Aircraft

Company und stellte in den 30er Jahren mehrere Flugrekorde auf. Offenbar gab es mehrere

Sabotageversuche bei seinen Geschwindigkeitsrekorden.

Mit Beginn der Depression musste Hughes, der monatlich Hunderttausende ausgab, die Hughes

Tool verpfänden und seine Ausgaben auf $250'000 pro Jahr reduzieren. Zusammen mit Noah

Dietrich baute er daraufhin die Firma neu auf, stellte 200 Wissenschafter und Sanierer Fred Ayers

ein, die die Gewinne von $6 Mio. 1935 auf $13 Mio. 1937 und $22 Mio. 1941 steigern können.

Zudem geht er gnadenlos gegen Konkurrenten vor und beteiligt sich offenbar an Mafiageschäften,

da zu seinen regelmässigen Gästen Lucky Luciano und Bugsy Siegel gehören.

1939 kauft Hughes 200'000 Aktien der Trans World Airlines, was einem Anteil von 21% entspricht,

den er durch permanente Käufe bis Ende 1940 auf 78% steigert. Bei Lockheed bestellt Hughes

geheim 40 der eigens entwickelten Constellation für $18 Mio. Gleichzeitig hofft Hughes vergebens,

Militärflugzeuge für den Zweiten Weltkrieg bauen zu können. Henry J. Kaiser, der die Liberty Ships

produziert, verschafft ihm einen Auftrag über $18 Mio. für die Entwicklung und Produktion von

Grossraumwasserflugzeugen (Spruce Goose) innerhalb eines Jahres, was ihm nicht gelingt. Um

zu besseren Aufträgen zu kommen, engagiert Hughes Johnny Meyer, in dessen Nachtklub hohe

Militärs und der Präsidentensohn Colonel Elliott Roosevelt verkehrt, den er mit der Schauspielerin

Faye Emerson verkuppelte. Meyer zahlt die Hotel- und Nachtklubrechnungen der geladenen

Militärs, die vom FBI observierten 3 Galas mit engagierten Mädchen und das Hochzeitsfest der

beiden, worauf Hughes dank Roosevelt den Auftrag für 98 XF-1 1 -Aufklärungsflugzeuge für $43

Mio. erhält. Aber aufgrund seines autokratischen Perfektionismus wird kein Wasserflugzeug und

kein Aufklärer bis zum Kriegsende fertiggestellt. Der zunehmend irre Hughes stürzt auf dem

Testflug mit der vollgeladenen Constellation im April 1943 beinahe ab, weil er zwei Motoren

abstellt, und einen Monat später mit seinem Wasserflugzeug ins Wasser, wobei zwei Mitarbeiter

sterben. Nachdem er im Oktober 1944 einen Teil seiner Dokumente verbrannte, organisiert er in

seinem Verfolgungswahn eine dreimonatige bizarre Flucht durch verschiedene Staaten. In

Louisiana wird "der Landstreicher" verhaftet, und in Fort Lauderdale verbrennt er seine Kleider.

Das FBI verwanzt selbst das Telephon seines Hotelzimmers in Vancouver, wo er auf der Jagd auf

Yvonne De Carlo dank seiner Treibstoff-Privilegien des Kriegsministeriums hingeflogen ist. Um

eine Verbreitung dieser Beziehung zu verhindern, lässt Hughes den Medienleuten sehr teuren

schottischen Whiskey zukommen. Im Juli 1946 fliegt er trotz Warnungen allein den ersten Testflug

mit dem XF-1 1 -Prototypen in ein Villa in Beverly Hills und verletzt sich so sehr, dass keiner der

Ärzte glaubt, dass er überleben werde.

Quellen : Drosnin, Best: 47-49, Brown/Broeske: 4-224, 256f, 394-399.

1941 Angriff auf Pearl Harbor top

Vier Monate vor Pearl Harbor informiert der deutsch-englische Doppelagent Dusan Popov Hoover

über die bevorstehende Attacke der Japaner. Obwohl das MI-6 Popov nach New York schickt,

reagiert Hoover unkooperativ mit Vorwürfen über dessen Lebensstil. Der britische MI-6 übermittelt

Hoover noch andere Informationen über die japanischen Vorbereitungen und Pläne. Am 25.1 1 .41

notiert US-Verteidigungsminister Henry Stimson nach einer Unterhaltung mit Präsident Roosevelt

über die Japaner in sein Tagebuch: "Die Frage war, wie man sie in eine Position manövrieren

könnte, in der sie den ersten Schuss abgeben würden, ohne dass uns allzuviel passiert... es war

wünschenswert, sicherzustellen, dass die Japaner dies wären, [die den ersten Schuss abgeben],

so dass niemand auch nur den geringsten Zweifel haben könnte, wer der Aggressor war." Schon

1932 und 1938 war der Stützpunkt zweimal bei Marineübungen "überfallen" worden - einmal von

152 Flugzeugen - und jedes Mal war die Verteidigung völlig überfordert.

Bis 1895 waren die HawaT-lnseln ein selbständiges Königreich, das 1898 wegen seiner

strategischen Bedeutung im spanisch-amerikanischen Krieg von den USA annektiert und erst 1959

regulärer Bundesstaat wurde. Als Roosevelt befielt, die Flotte von der Westküste dorthin zu

verlegen, protestiert der amtierende Admiral Richardson dagegen und weigert sich schliesslich

sogar, den Befehl auszuführen. Er wird durch Admiral Kimmel ersetzt - den man nach dem

japanischen Angriff wegen Nachlässigkeit vor einen Untersuchungsausschuss bringt. Er wird

freigesprochen, als bekanntwird, dass man ihm 188 entschlüsselte japanische Nachrichte

vorenthalten hat, aus denen der bevorstehenden Angriff samt Datum und Uhrzeit hervorging. Die

Amerikaner hatten sämtliche Codes der japanischen Seite entschlüsselt und können den

militärischen und politischen Funkverkehr verfolgen. Auch holländische und russische

Nachrichtendienste haben vor einem bevorstehenden Angriff gewarnt. Roosevelt provozierte den

Angriff, um in den Krieg eintreten zu können, denn sonst ist der Kongress nicht zu einem solchen

Schritt zu bewegen.

Nach dem Pearl Harbour-Angriff am 7.12.41 gründet Roosevelt das Office of Coordinator of

Information, das ihm direkt untersteht und setzt seinen ehemaligen Klassenkamaraden William

Donovan als dessen Direktor ein. Im Juni 1942 wird daraus das Office of Strategie Services mit

erweiterten Kompetenzen. "Wild Bill" Donovan, Wallstreet-Anwalt, Millionär und Republikaner stellt

die unterschiedlichsten Leute ein, wie die späteren Vertreter der Neuen Linken Norman O. Brown

und Herbert Marcuse, Liberale wie Arthur M. Schlesinger, Jr. und selbst Kommunisten, die im

Spanischen Bürgerkrieg in der Abraham Lincoln Brigade gekämpft hatten. Hoover verlangt, dass

die Kommunisten gefeuert werden, worauf Donovan meint, er würde selbst Stalin einstellen, um

Hitler zu bekämpfen. Allein 2000 Wissenschaftler arbeiten in Washington als Analytiker für das

OSS. Aber auch viele von Donovans konservativen Geschäftspartnern arbeiten für das OSS, die

auf dem Höhepunkt 13'000 Mitarbeiter umfasst, ohne die Informanten.

Die unterschiedlichen Positionen führen schon bald zu Grabenkämpfen, insbesondere wegen der

Unterstützung von linken oder rechten Partisanengruppen in Frankreich, Jugoslawien, China oder

Italien. Der bekannteste Fall ist derjenige von OSS-Major Holohan, dessen Team eine

Partisanengruppe in den italienischen Alpen infiltrierte. Holohan wird vermutlich von seinem

Kollegen Aldo leardi wegen den politischen Differenzen ermordet. 1956 erreichen der CIA-Anwalt

Edward Bennett Williams und und sein Freund Robert Maheu einen Freispruch leardis. Das OSS

unterstützt die katholischen Partisanen, zu denen alle wichtigen Nachkriegspolitiker der DC wie

Giulio Andreotti, Enrico Mattei oder Aldo Moro gehören, um die Machtergreifung der

kommunistischen Partisanen nach dem Zusammenbruch des Faschismus zu verhindern. In

Jugoslawien unterstützt das OSS sowohl die kroatischen Partisanen von Tito, der in den 30er

Jahren für die Komintern arbeitete, wie auch die serbischen Tschetniks des royalistischen

Mihailovic. Wegen dem Druck Churchills wird die Unterstützung der Tschetniks 1944 aufgegeben.

Das OSS arbeitet eng mit dem britischen Geheimdienst zusammen, dessen Agenten versuchen,

die Amerikaner für den Erhalt des britischen Imperiums einzusetzen. Donovans

Geheimdienstagenten brechen in die Botschaften von deutschfreundlichen Regierungen ein, um

die Entschlüsselungscodes zu klauen. Schon bald nach Gründung richtet das OSS eine

Gewerkschaftsabteilung unter Arthur J. Goldberg ein, die Verbindungen zu amerikanischen und

europäischen Gewerkschaften aufbaut, was sich als äusserst wertvoll erweisen soll. Über diese

Verbindungen gelingt es der CIA nach dem Krieg, die Gewerkschaften in Europa von den

Kommunisten zu säubern: in Italien über die Koalition der christlichen Gewerkschaften; in

Frankreich, wo Charles de Gaulle eine Machtübernahme der Kommunisten bei der Befreiung von

Paris verhindern kann, indem das OSS den Waffennachschub verzögert und die kommunistische

Resistance ausblutet, und über die Spaltung der Force Ouvriere; in Westdeutschland über den

Wiederaufbau der antikommunistischen Einheitsgewerkschaft. In Österreich wird über die Bau- und

Holzarbeitergewerkschaften sogar eine geheime paramilitärische Organisation aufgebaut und

finanziert.

Der FBI-Direktor J. Edgar Hoover überwacht das OSS und sabotiert dessen Arbeit aus Eifersucht.

Während einem Einbruch in die Spanische Botschaft in Washington fahren zwei FBI-Autos mit

heulenden Sirenen vor und die OSS-Agenten werden von der alarmierten Polizei verhaftet. Aber

Roosevelt unternimmt weder etwas gegen Hoover noch gegen Donovan. Hoover, der bis zu

seinem 43 Jahr bei seiner Mutter wohnt, waltet nach dem Kriegseintritt der USA als Medien-Zensor

und macht die Zeitungen mundtot. 1942 werden auf Hoovers Initiative 120'000 Amerikaner

japanischer Herkunft in Konzentrationslager interniert. Im Herbst 1944 schlägt Donovan dem

Präsidenten vor, das dem Generalstab unterstellte OSS in einen eigenen Geheimdienst

umzuwandeln, was Hoover sofort an die Öffentlichkeit bringt, um die Idee zu sabotieren. Auch

General Douglas MacArthur, der dem OSS jede Operation im Pazifik verboten hat, wehrt sich

gegen einen Central Intelligence Service.

Hoover hasst die First Lady, Eleanor Roosevelt, da sie politisch aktiv, liberal und den Schwarzen

gegenüber aufgeschlossen ist. Der FBI-Chef lässt ihr Privatleben akribisch ausspionieren, so dass

ihre im Geheimarchiv untergebrachte Fiche 449 Seiten umfasst. Im Januar 1942 brechen FBI-

Agenten in New York im Hauptquartier des American Youth Congress ein, dessen Leiter, Joseph

Lash, ein vermuteter Liebhaber der First Lady ist, und photographieren dessen Korrespondenz.

Lash wird aufgrund dieses weitergegebenen Materials abgelehnt, als er sich um eine Stelle bei der

Navy bewirbt. Mit gleichem Ziel bricht das FBI im Dezember im Büro des International Student

Service ein. Auch das Army Counter-Intelligence Corps überwacht die First Lady: es verwanzt

1943 das Blackstone Hotel in Chicago, in dem Lash und Roosevelt absteigen und geben das

Material Roosevelt weiter. Lash wird daraufhin in den Pazifik geschickt. Hoover ist ebenfalls im

Besitz dieser Infos.

Hoover startet auch eine Kampagne wegen angeblicher Homosexualität gegen Vizeaussenminister

Sumner Welles, worauf Roosevelt seinen Freund entlassen muss und plant, Hoover nach dem

Krieg abzusetzen.

Mit Hoover arbeitet auch Francis Spellman, der nach der Nomination seines Freundes Eugenio

Pacelli zum Papst Pius XII. 1939 zum Erzbischof von New York ernannt wurde. Spellman

durchreist als Geistlicher problemlos die Kriegszonen und amtet als Geheimagent für Roosevelt.

Nach dem Krieg unterstützt Spellman seine Freunde Roy Cohn und Joe McCarthy bei der

Kommunistenjagd, wird einer der zentralen Figuren im Machtgefüge New Yorks, nimmt an

Pentagon-Sitzungen teil, diskutiert Militärstrategien mit dem Generalstab, sammelt Informationen

für die CIA und das Aussenministerium und geschattet mit Joe Kennedy und John Reynolds.

Quellen : Summers (1993): 125-150, Theoharis/Cox: 200-255, Schulz: 53,161,325, Best: 24ff, Cran,

Collier/Horowitz: 149, 308, Chotjewitz: 15-20, Cooney, Todd, Pletschinger/Bredenbrock, Chomsky

(2001), Bröckers, Bülow (2003): 246f.

US-Finanzierung Hitlers top.

Im Gegensatz zum Warenhandel laufen die Finanztransaktionen zwischen Deutschland und den

USA nach der Besetzung Europas durch Deutschland praktisch unverändert weiter. Prescott Bush

handelte mit der deutschen Luftwaffe und betrieb andere Geschäfte mit den Nazis, so dass 1942

Firmen, an den er beteiligt ist, wegen "Handel mit dem Feind" eingezogen werden: die Union

Banking Corporation, die Holland-American Trading Corporation, die Seamless Steel Equipment

Corporation, die Hamburg-Amerika Line/Hapag-Lloyd und die Silesian-American Corporation.

Fritz Thyssen, der Adolf Hitler seit 1923 finanziert, und W. Avereil Harriman beschlossen 1922,

gemeinsam die Union Banking Corporation aufzuziehen, was 1924 geschah. Zusammen mit dem

Wall Street Banker Clarence Dillon und der Beteiligung von Friedrich Flick gründeten sie 1926 die

Vereinigte Stahlwerke/German Steel Trust, die die SA (Sturm-Abteilung) und SS (Schutz-Staffel)

finanzierten. Dass die deutsche SS Totenkopf und Knochenkreuz der "Skull & Bones" in ihr

Ordenssymbol übernahm, wird Bush und seinem Partner Harriman, die beide 1913 initiiert wurden,

gefallen haben. Sowohl Thyssens wie Flicks Bankgeschäfte fliessen über die von Bush geführte

Union Banking. Dillons riesige Spekulationspyramide U.S. & International Securities Corp. (USIS)

betrog Aktionäre um Hunderte von Millionen und trug wesentlich zum Börsenkrach bei. Harriman

traf sich 1927 auch mit Benito Mussolini.

Die Fusion zu Brown Brothers Harriman 1931, der nun grössten und politisch einflussreichsten

Privatbank der USA, eröffnete über Thatcher Brown die Beziehungen zum Direktor der Bank of

England, Montagu Collet Norman, einer der wichtigsten Hitler-Unterstützer im englischen Filz.

Auch Sir Henri Deterding, Vorsitzender der weitgehend der britischen Königsfamilie gehörenden

Royal Dutch finanziert Hitler. Ohne die Gelder von Thyssen (über seine Bank voor Handel en

Scheepvaart) und von Harrimans Hamburg-Amerika Line (als Teil der American Ship and

Commerce Corp.) wäre Hitler 1933 nicht an die Macht gekommen. Dank Norman, Harriman und

Bush konnte eine Übernahme des nach dem Börsenkrach bankrotten deutschen

Stahlkonglomerats durch die katholische Zentrumspartei verhindert und die Kontrolle durch

Thyssen gesichert werden.

Mitbeteiligt an der Finanzierung der teuren Wahlpropaganda mit Harriman und Bush war Hjalmar

Schacht und Baron Kurt von Schroeder, Direktor der Thyssen-Hütten mit engen Beziehungen zu

den Dulles-Brüdern. Schroeder ist SS-Brigadeführer und gehört als Bankier der Stein Bank zu den

Geldgebern Himmlers. Schroeders und Montagu Normans Protege Hjalmar Schacht wurde Hitlers

Financier. Baron Rudolph von Schroeder ist Vizepräsident und Direktor der Hamburg-Amerika

Line, die mit ihren Finanzierungen die von der Regierung 1932 beschlossene Auflösung von Hitlers

Privatarmee von 300'000 bis 400'000 Mann verhindern konnte. Hitlers SA, mit Waffen aus

amerikanischer Produktion ausgestattet, zerschlug die Opposition daraufhin nachhaltig.

Samuel Pryor, Gründungsmitglied der Union Banking und der American Ship and Commerce, ist

Vorsitzender der Remington Arms, die ein Sprenstoff-Kartell mit der I.G. Farben einging, wonach

über Holland grosse Mengen an Waffen nach Deutschland geliefert wurden. An ähnlichen

Waffenlieferungen zwischen Du Pont und I.G.Farben war auch Walter S. Carpenter, ein weiterer

Freund von Bush, beteiligt. Obwohl diese Deals mit den Nazis dann wie bei Bush unterbunden

wurden, blieb Carpenter am Manhattan Project zum Bau der ersten Atombombe involviert und

präsidierte Du Pont von 1948 bis 1962.

Ebenfalls beteiligt an der Hamburg-Amerika Line und späteren Hapag-Lloyd war der berühmte

Jude und Hitler-Unterstützer Max Warburg. Frederick M. Warburg, einer der Direktoren von

Harrimans Eisenbahnnetz, kontrolliert das American-Jewish Committee, das sich von 1933 bis zum

Kriegsbeginn gegen einen Boykott Nazi-Deutschlands einsetzte. Dank einem Vertrag, der von

Hjalmar Schacht, John Foster Dulles, Max Warburg und Kurt von Schroeder geschrieben wurde,

liefen ab Mai 1933 alle deutschen Exporte in die USA über die Harriman International. Mit der

Unterstützung von Prescott Bush und Felix Warburg von der Kuhn Loeb and Co. organisierte der

spätere Aussenminister John Foster Dulles während den 30er Jahren die

Schuldenrestrukturierungen für deutsche Firmen und ermöglichte damit die Umstellung auf die

Rüstungsproduktion, wofür die beiden enorme Summen kassierten. US-Investoren unterstützen die

Nazis nicht heimlich, sondern so offen, dass der US-Botschafter in Deutschland, William E. Dodd,

1937 einem Reporter der "New York Times" mitteilt: "A clique of U.S. industrialists is hell-bent to

bring a fascist State to supplant our democratic government and is working closely with the fascist

regime in Germany and Italy. I have had plenty of opportunity in my post in Berlin to witness how

dose some of our American ruling families are to the Nazi regime...."

Polens grösstes Industriekonglomerat, die Upper Silesian Coal and Steel Company, wird von

Friedrich Flick und der Harriman Fifteen Corporation über die Silesian-American Corporation

kontrolliert, bei der auch Persott Bush im Verwaltungsrat sitzt. Die polnische Regierung verlangte

1934, dass Bush, Harriman und ihre Nazipartner wenigstens die normalen Steuern zahlen. Der

Konflikt wurde im September 1939 mit dem Überfall Hitlers auf Polen gelöst, wobei ironischerweise

die russischen Panzer, die den Osten Polens besetzten, mit dem Öl von Harriman/Walker/Bush-

Konzessionen fuhren. In einer der polnischen Minen von Bushs Firma werden Zwangsarbeiter

eingesetzt.

Der Ölhandel bleibt während dem Krieg erstaunlich intakt. Rockefellers Standard Oil of New Jersey

beliefert Deutschland auch im Krieg, und der Vertreter von Standard Oil in Deutschland, Emil

Helfferich, repräsentiert zugleich die Hapag-Lloyd. William Stamps Farish organisierte das Kartell

von Standard Oil of New Jersey, der späteren Exxon, mit der I.G.Farben, die seit 1940 mit

Zwangsarbeitern in Auschwitz produziert. Walter Teagle von Standard Oil arbeitet eng mit

Hermann Schmitz von I.G.Farben zusammen, und die Amerikaner, auch Texaco, liefern den

Deutschen Benzin, Motorenöle und Diesel für die Flugzeuge, Panzer und U-Boote. Dank dem

deutsch-amerikanischen Geheimabkommen werden die Anlagen der I.G.Farben für die Herstellung

von sythetischem Benzin aus Kohle finanziert, und die von KZ-Häftlingen betriebene Anlage in

Oberschlesien hilft, die Folgen des alliierten Embargos abzuschwächen. Die Freundschaft und

Zusammenarbeit von Humble Oil-Gründer Farish und Prescott Bush begann 1929, als Harriman

die Dresser Industries kaufte, deren Direktor Bush wird. Bush und Farish schmieren SS-Chef

Heinrich Himmler über Emil Helfferich, Kurt von Schroeder und Karl Lindemann,

Verwaltungsratsmitglied der Hamburg-Amerika-Line, bis 1944.

Harriman, Rockefeiler und Bush organisierten und bezahlten Eugenik-Kongresse mit Nazi-

Ideologen wie Dr. Ernst Rüdin oder Alfred Plötz in den USA. Auf Initiative von Rüdin wurden

250'000 Blinde, Taube und Alkoholiker sterilisiert, wozu sie eine Generation von Ärzten

ausbildeten. Seit Kriegsbeginn werden Behinderte und "Degenerierte" meist umgebracht. Dillon,

Farish und sein Freund Hermann Schmitz, der Vorsitzende der I.G.Farben, bezahlen den Werber

Ivy Lee, der Pro-Nazi-Propaganda in den USA betreibt.

Farish lässt den Nazis Patente ("Auschwitzpatente") zukommen, die er der US-Militärindustrie

vorenthält. Auf Initiative von Verteidigungsminister Henry L. Stimson stoppt Roosevelt im April

1942 die Senatskommission, die Kartellallianzen von deutschen und amerikanischen Firmen

untersucht. Obwohl Farishs Rolle als Kriegsunterstützer der Nazis publik wird, bleibt die Farish-

Bush-Verbindung die finanzielle und politische Basis für die Karriere von George Bush. Prescott

Bush wird, obwohl rechtlich für die Bankoperationen mit den Nazis verantwortlich, in den

Beschlagnahmungs-Verfügungen nicht erwähnt.

General William H. Draper Jr. arbeitete bei Dillon Read & Co, wo er die Konten von Fritz Thyssen

verwaltete und die German Credit and Investment Corp. bis im November 1943 leitete, und Hitler

unterstützte. Er finanzierte zusammen mit Harriman, Rockefeiler und Prescott Bush bereits 1932

den Internationalen Eugenik-Kongress in New York und ist Gründer und Präsident des Population

Crisis Committee. Nach dem Krieg wird Draper, selbst 15 Jahre lang an den übelsten Nazi-

Geschäften beteiligt, zum Chef der Wirtschaftsabteilung der US-Kontrollkommission ernannt und

leitet die "Entflechtung" der faschistischen Korporationskartelle. Dabei bestimmt er, wer sein

Business behalten und wer vor Kriegsgericht gestellt wird, und kann nicht nur seine eigenen Profite

mit den Nazis, sondern auch beispielsweise die von Harriman und Bush geheimhalten. Draper

arbeitet später mit Avereil Harriman für die NATO, ist Berater Eisenhowers und Johnsons und

fördert Bushs Karriere.

Nach seinem dubiosen Abschuss im Pazifik, wobei seine beiden Kollegen ums Leben kommen,

studiert Veteran George Bush an der Yale und wird Mitglied der Russell Trust Association. Die

Geheimgesellschaft wurde 1833 von William Huntington Russell gegründet, dessen Russell and

Company die grösste und durch Opiumhandel reichste kriminelle Organisation (mit Partnern wie

John Murray Forbes, Joseph Coolidge, Warren Delano, Jr. oder Russell Sturgis) in den USA war,

und verwendet das Piratenemblem der , Skull and Bones'. Eine lange Reihe von einflussreichen

Leuten gehörte zu den S&B wie Präsident William Howard Taft, Gifford Pinchot, Robert Lovett,

Richard M. Bisseil, McGeorge Bundy oder Henry L. Stimson. Stimson, initiiert 1888, ist bis zu

seinem Tod 1950 Minister unter 7 Präsidenten. Als Kriegsminister Roosevelts ist "The Colonel"

einer der Architekten des 2. Weltkriegs und des anschliessenden Kalten Kriegs. Die Ideologie der

S&B-Brüder geht nicht nur von einer Überlegenheit der weissen Rasse aus, sondern auch von

ihrem Recht, als elitäre Ritter dieser Rasse die Geschicke der Menschheit zu kontrollieren.

Quellen : Tarpley/Chaitkin: 21-44,74-100, Ploppa, Schröder/Schroeder, Karel (2003, 2004).

1942 Kooperation von Mafia und Militär top

Seit dem Kriegseintritt am 1 1 .12.41 haben die USA vor ihrer Ostküste 272 Handelsschiffe durch

deutsche U-Boote verloren, ohne dass ein einziger Gegenangriff erfolgreich gewesen wäre.

Kollaboration, Sabotageakte und Spionage im New Yorker Hafen machen die Marine machtlos.

Sowohl die Navy wie auch die Polizei sind sich bewusst, wer die Häfen kontrolliert und vermuten,

dass die Mobster auch hinter den Sabotageanschlägen stecken. Agenten der Naval Intelligence

durchsuchen deshalb die Häfen nach Deutschen und Italienern, die für die Deutschen arbeiten. Die

Ermittlungsabteilung des amerikanischen Marinenachrichtendienstes B-3 unter Charles Redcliffe

Haffenden stösst bei ihren Nachforschungen auf unerwarteten Widerstand der Docker und Fischer

und sucht deshalb Hilfe von Insidern.

Über Murray I. Gurfein wird Kontakt zu Joseph Lanza, dem Chef der Ortsgruppe der United

Seafood Workers, hergestellt. Da gegen "Socks" Lanza solides Beweismaterial vorhanden ist, um

sieben Anklagen wegen Erpressung und Konspiration durchziehen zu können, zeigt sich Lanza

kooperativ und schlägt vor, den inhaftierten Luciano einzuschalten. Die Anastasia-Brüder

beschliessen, die Freilassung von Lucky Luciano zu erpressen und versenken am 9.2.42 die

Normandie, ein französischer Luxusdampfer, der zu einem Truppentransporter umfunktioniert

worden war, im New Yorker Hafen. Über Lucianos Anwalt Moses Polakoff und Meyer Lansky

laufen Haffendens Kontakte mit Luciano, der am 12.5.42 nach Comstock ins Great Meadow

Gefängnis verlegt wird. Polakoff machte eine verblüffende Karriere als Richter, Staatsanwalt, Chef

der Kriminalabteilung und Mitglied der Oberstaatsanwaltschaft in New York und arbeitet seit 1935

für Luciano. Der unbestrittene Boss bekommt als Gegenleistung für seine Garantie, dass keine

Sabotageakte mehr vorkommen, das Recht auf freien Besuchskontakt mit der Aussenwelt, was

ihm die Leitung seines Imperiums ermöglicht.

Auch Meyer Lansky, der schon vor dem Krieg nationalsozialistische Demonstranten verprügeln

Hess, setzt sich für das B-3 ein, indem er unter anderen Vincent Alo als Informant über die

Hafensicherheit und Johnny "Cockeye" Dünn als Beschaffer von Gewerkschaftsausweisen für das

B-3 heranzieht. Lansky trifft sich zweimal mit Anwalt Murray Gurfein, der Assistent von OSS-Chef

Donovan wird. Am 27.7.42 können acht deutsche Geheimagenten mit Sprengstoff für geplante

Sabatogeakte verhaftet werden. Die Erfolge der deutschen U-Boote können erheblich

eingeschränkt werden, was aber auch auf neue Konvoi-Massnahmen zurückzuführen ist. Anfang

1943 ist der New Yorker Hafen die grösste Nachschubbasis für den Krieg in Europa.

Winston Churchill setzt sich mit dem Plan bei den Allierten durch, zunächst in Italien zu landen,

worauf das OSS seine Aktivitäten dort forciert. Earl Brennan vom Secret Intelligence verfügt über

gute Beziehungen zum Vatikan und hat Kontakte zu Mussolinis Geheimpolizei und zu Mafiabossen

im Exil. Das päpstliche Aussenministerium unter Giovanni Battista Montini, dem späteren Papst

Paul VI, offeriert dem amerikanischen Geheimdienst eine Karte mit den wichtigsten italienischen

Kriegsbetrieben. Brennan besetzt seine Abteilung fast ausschliesslich mit Sizilianern und stützt

sich auf vier in den USA bestehende Italienerorganisationen: 1 . Die 1904 gegründete

ultrakonservative Emigrantenvereinigung "Sons of Italy" mit 500'000 Mitgliedern, mit deren Hilfe

das "Amerikanische Komitee für die Demokratie in Italien" gegründet wird und das den

Machtwechsel in Italien ideologisch vorbereiten soll. 2. Die "Mazzini-Gesellschaft", in der fast alle

italienischen Antifaschisten organisiert sind. Zu ihrer Spitze gehören Max Ascoli, der erste

Aussenminister nach dem Faschismus, Carlo Sforza, der Gründer der Christdemokratischen

Partei, Don Luigi Sturzo, der erste Botschafter in Washington nach dem Krieg, Alberto Tarchiani,

erster Präsident der Republikanischen Partei Italiens, oder die OSS-Agenten Randolfo Pancciardi

und Serafino Romualdi, die graue Eminenz der Gesellschaft. 3. Die italo-amerikanische

Gewerkschaft, das Arbeitsfeld Romualdis. Nach seiner Rückkehr nach Italien 1945 beteiligt er sich

massgeblich an der Spaltung der italienischen Gewerkschaftsbewegung. 4. Die Mafia, die die

Eroberung Italiens tatkräftig unterstützt. Im B-3 von Haffenden wird ein Kartenzimmer eingerichtet,

und Italiener und Sizilianer helfen, detaillierte Karten zu erstellen.

Coca-Cola-Boss Robert Woodruff schickt mit der Armee 248 Firmenvertreter auf die

Schlachtfelder, die dafür sorgen, dass die Soldaten jederzeit mit der schwarzen Brause versorgt

werden. Die US-Armee verleiht den Repräsentanten den pseudomilitärischen Rang als

uniformierte technische Beobachter und stellt Flugzeuge und Schiffe für den Transport des

Getränks zur Verfügung. Auf allen Kontinenten werden Abfüllanlagen eingerichtet, häufig auf

Regierungskosten. Bis Kriegsende konsumieren 11 Mio. Soldaten 10 Mia. Flaschen Coke und

verbreiten das Getränk, das seit 1929 kein Coca-Extrakt mehr enthält, in den eroberten Ländern.

Das Coca-Cola-Emblem ersetzt das Hakenkreuz und wird mit Freiheit assoziiert. Deshalb kann

The Economist den Coca-Cola-Index erfinden: Je mehr Coke in einem Land getrunken wird, desto

freier, gesünder, wohllhabender und gebildeter seien die Bürger. Es ist nicht bekannt, wieviel Geld

die englische Zeitschrift dafür von der Softdrinkfirma aus Atlanta erhielt.

Quellen : Davis (1994): 59-61, Behr: 171, Bradley, Chotjewitz: 1 5-20:1 5ff, Potter: 3, Drugwar (1): 1,

Best: 6, Ansom: 291 f, Callahan:129, Konkret Nr.7/1973: 49f, Bröckers, Pendergrast.

1942 USA und Frankreich top

Washington plant, nicht nur Deutschland, Italien und Japan, sondern auch Frankreich unter die

Protektoratsverwaltung der American Military Government of Occupied Territories (AMGOT) zu

stellen, um zu verhindern, dass Frankreich wieder als Störenfried auftreten könnte wie 1918/19, als

es sich gegen die amerikanische Deutschlandpolitik wehrte. Zudem würde Frankreich sein an

Rohstoffen und strategischen Stützpunkten reiches Empire nicht freiwillig öffnen, was die USA für

ihre Waren und ihr Kapital seit 1899 fordern. Deshalb bekämpft Washington Charles de Gaulle, vor

allem seit sich die Resistance unter seinem Namen vereinigte, und toleriert das Vichy-Regime, das

es für fügsamer hält als eine von der breiten Bevölkerung getragene Regierung.

Seit Dezember 1 940, ein Jahr vor dem Kriegseintritt, bereitet der Sonderbeauftragte Robert

Murphy die Eroberung Nordafrikas vor. Murphy gewinnt Admiral Frangois Darlan, der von Februar

1941 bis April 1942 an der Spitze des Vichy-Regimes stand, als Verbündeten. Drei Tage nach der

Landung der Amerikaner in Nordafrika lässt Petains Stellvertreter Darlan am 10.1 1 . alle

Kampfhandlungen auf Seiten Nazi-Deutschlands einstellen, worauf die Deutschen am nächsten

Tag Südfrankreich besetzen. Am 22.1 1 . lässt General Mark W. Clark den gewendeten Admiral ein

geheimes Abkommen unterschreiben, das Frankreich zu einem Vassallenstaat mit

Kapitulationsauflagen erklärt und den Allierten die Kontrolle der Häfen, Befestigungsanlagen,

Waffenlager und Kommunikations-einrichtungen und das Recht auf Beschlagnahmungen gestattet.

Andere Bereiche wie Verwaltung, öffentliche Ordnung, Wirtschaft und Zensur sollten "gemischten

Ausschüssen" übertragen werden. Am 27.1 1 . versenkte sich die französische Flotte vor Toulon

selbst.

Die Gaullisten sind an der Ermordung von Darlan am 24.12.42 beteiligt. Danach wendet sich

Washington an General Henri Giraud, der einflussreiche Figuren aus Wirtschaft und Politik hinter

sich hatte. Da er aber mit de Gaulle auf guten Fuss steht, präferieren die Amerikaner Pierre

Pucheu, die Symbolfigur des Vichy-Regimes: Industrie- und Innenminister unter Darlan, Vertreter

der Banken und der Schwerindustrie, Sponsor und Politiker der rechtsextremen Parti Populaire

Frangais, Befürworter der Kollaboration mit den Nazis und treibende Kraft der antikommunistischen

Repression. Giraud und de Gaulle schalten Pucheu aus: er wird zum Tod verurteilt und im März

1944 in Algier hingerichtet.

Das am 3.6.43 von de Gaulle gegründete Comite Frangais de Liberation Nationale kann dank

einem Freundschaftsvertrag mit Moskau verhindern, dass der Dollar in den befreiten Gebieten

eingeführt und die provisorische Regierung der französischen Republik von der Amerikanern und

Briten am 23.10.44 anerkannt werden muss. Obwohl Frankreich in Jalta nichts zu sagen hat, sorgt

Stalin dafür, dass es nicht zum Protektorat degradiert wird.

Quellen: Lacroix-Riz .

1943 Mafia, Roosevelt und Hollywood top

Die Polizei stellt Paul Ricca, Frank Nitti, Phil d'Andrea, Louis Campagna, Frank Maritote, Johnny

Roselli und Charlie Gioe im März 1943 unter Anklage. Drei Jahre zuvor untersuchte die Polizei die

Gewerkschaft von Willie Bioff und entlarvte die Korruption in Hollywood. Bioff und George Browne

wurden wegen Erpressung verurteilt, wonach Sydney Korshak zur Verbindung zwischen

Kinoindustrie und der Mafia von Chicago wird.

Auch ihr Komplize Joe Schenck, Produzent bei der Twentieth Century Fox, wurde verurteilt, weil er

die jährlichen $400'000 Kommission, die Chicago ihm bezahlte, nicht versteuerte. Schenck

steuerte über den Postminister Farley $500'000 an die Wahlkampagne Roosevelts bei, wofür

dieser den Boss der Bekleidungsgewerkschaft, Sydney Hillman, zu seinem Berater für

Arbeitsprobleme ernannte.

Zudem ernennt Roosevelt 1944 Harry Truman, den Giancana als "unseren Mann" bezeichnet, zum

US-Vizepräsidenten und zum Präsidenten des Democratic National Committee. Truman erfüllt im

wesentlichen Rpräsentationspflichten und stellt Roosevelts Machtanspruch nicht in Frage.

Hollywood bringt viel zu viel Geld ein, als dass Chicago sich zurückziehen würde. Johnny Roselli,

der Konzernchefs wie Harry Cohn von Columbia, Harry Warner von Warner Bros, oder Louis B.

Mayer von MGM in der Tasche hat, führte die Geschäfte in Hollywood weiter.

Obwohl anfangs die Verbindung zu Chicago nicht nachgewiesen werden konnte, erfolgt im März

1943 die Anklage wegen Erpressung von über $ 1 Mio. von verschiedenen Studios. Der Mafiaboss

Cjhicagos Paul Ricca verlangt von Frank Nitti, der in der Öffentlichkeit als Padrone gilt, die

Verantwortung für alle zu übernehmen. Aber Nitti bringt sich um, und Paul Ricca und Johnny

Roselli werden zu mehreren Jahren Gefängnis verurteilt.

Ricca ernennt Tony Accardo zum Stellvertreter, Murrey Humphreys und Jake Guzik zu dessen

Berater. Im April entführt Accardos Chauffeur Sam Giancana seinen Mentor und Freund Jake

Guzik, der Financier der Chicagoer Mafia, und stellt ihn vor die Alternative: $200'000 oder eine

Kugel. Guzik fügt sich, ebenso wie die anderen der Organisation, die vom Bioff-Browne-Prozess

absorbiert sind. Um seine Stellung zu sichern, integriert Accardo neue Köpfe in die Organisation:

Gussie Alex, Eddie Vogel und Ross Prio, und arrangiert sich mit den ehemaligen Capone-Beratem

Abe Pritzker, Art Greene und Jake Arvey. "Big Tuna" Accardo, der fähigste Mobster von Chicago,

dehnt die Einflusssphäre in den Mittleren Westen aus: Des Moines, St.Louis und Dallas.

Quellen : Giancana: 187ff, Jacobovici, Best: 10, Olgiatti, Karel (1), Moldea: 4f.

1943 Italien-Invasion top.

Über Joseph Colucci unterstützt der sizilianische Pate Calogero Vizzini die Sizilien-Invasion der US-

Armee. Der Capo di tutti capi schaltet die Nummer Zwei der Insel, Genco Russo, ein, der Pächter

des grossen Gutes ist, auf dem die deutsche Herman Göring-Division ihr Hauptquartier

aufgeschlagen hat. Russos Männer treiben alle Küstenverteidigungspläne der italienischen Armee

auf und erreichen, dass zwei Drittel der dort stationierten Soldaten während der Invasion

desertieren.

Am 10.7.43 beginnt die amerikanische Invasion Westsiziliens unter General George Smith Patton.

Im Gegensatz zur britischen Invasion unter General Montgomery im Ostteil der Insel verläuft die

amerikanische unproblematisch. Sizilien wird innerhalb von 35 Tagen befreit, und die "politischen"

Gefangenen werden freigelassen.

Charles Poletti, einflussreiches Mitglied der Mazzini-Gesellschaft, wird amerikanischer

Militärgouverneur des Allied Military Government in Palermo. Luciano bezeichnet den ehemaligen

Gouverneur von New York als guten Freund. Am 24.7.43 wird Don Calo Vizzini zum Bürgermeister

von Villalba ernannt, und 95% der eingesetzten Bürgermeister sind Mafiosi oder Vertrauensleute

der Mafia. Bereits nach zwei Monaten hat sich die Macht der Mafia etabliert. 1944 schliessen sich

unter der Führung von Enrico Cuccia die bisherigen Herzstücke der italienischen Finanzwelt (die

Banca Commerciale Italiana, der Credito Italiano und die vatikannahe Banco di Roma) zur

Mediobanca zusammen, die zusammen mit dem Fiat-Konzern von Gianni Agnelli und dem Pirelli-

Konzern von Carlo De Benedetti die italienische Industrie bis zum Ende des Jahrhunderts

beherrschen wird. Im Gegensatz zum industrialisierten Norden bleibt das Mezzogiorno von

Grossgrundbesitz, Mafia und Armut beherrscht. Der im Zuge der Weltwirtschaftkrise 1929

entstandene .Staatskapitalismus' Mussolinis setzt sich fort, indem neben dem 1933 gegründeten

IRI, das den Bankensektor und 40% der Aktiengesellschaften kontrolliert, nach dem 2. Weltkrieg

die Enel und die ENI gegründet werden, womit der Staat 50% des Industriekapitals kontrolliert.

Nach dem Zusammenbruch des Faschismus entsteht auf der Insel eine starke kommunistische

Bewegung, hauptsächlich unter den Bauern. Die USA beschliessen, die Kommunisten mithilfe der

Mafia zu bekämpfen, unterstützt von der Kirche und den Grossgrundbesitzern. Der Geheimdienst

OSS steht über den Rechtsanwalt Vito Guarazi in Kontakt zur Mafia, die die wichtigste

Informationsquelle für den US-Geheimdienst ist. Im September 1944 kommt es zu einer ersten

Mordwelle, und am 1 .5.47 erreicht der Terror seinen Höhepunkt, als ein eigentliches Massaker bei

einer Feier in Portella stattfindet. Von 1944 bis 1949 werden über 500 sozialistische oder

kommunistische Aktivisten umgebracht, womit diese Gefahr radikal gebannt ist.

Vito Genovese wechselt die Front und stellt sich US-Armee, die soeben Neapel erobert hat, zur

Verfügung. Wegen einer Mordanklage aus den USA geflüchtet und seit 1939 in Neapel, knüpfte er

Kontakte zu hohen Faschisten wie Galeazzo Ciano, Hermann Göring oder Benito Mussolini und

unterstützte sie, indem er beispielsweise $250'000 für den Bau des Generalquartiers der

Faschistischen Partei beisteuerte. 1942 noch hatte er dem Duce zuliebe den Herausgeber einer

anitfaschistischen Italienerzeitung in New York ermorden lassen, um seine Allianz mit den

Faschisten zu stärken. Carmine Galante der Bonanno-Familie steuerte den Wagen beim Boccia-

Attentat, konnte allerdings, obwohl unter Bewachung stehend, nicht verfolgt werden, da die

Polizeidetektive während dem Krieg keine Autos zur Verfügung haben.

Charles Poletti setzt Genovese als Berater und Übersetzer des Allied Military Government ein,

wobei er vor allem für Rekrutierung von antikommunistischen Politikern zuständig ist. Genovese

organisiert den Schwarzmarkt mithilfe amerikanischer Lastwagen, die liefern und gleichzeitig

Verkaufsraum bilden, und er ist der Verbindungsmann zwischen US-Hauptquartier der Armee und

der Zivilverwaltung. Genovese ist auch im Hafen tätig, und man munkelt sogar von einem

verkauften US-Zerstörer. Wegen den Aktivitäten auf dem Schwarzmarkt wird er von der Criminal

Investigation Division der Armee festgenommen und wegen der hängigen Mordanklage, trotz des

Widerstands der amerikanischen Autoritäten, die ebenfalls in Schwarzmarktaffären verwickelt sind,

in die USA zurückgebracht und vor Gericht gestellt. Da der Hauptzeuge des Boccia-Mordes, Pete

Latempa, im Januar 1945 im Gefängnis vergiftet wird, und die Aussage des zweiten Zeugen,

Ernest "the Hawk" Rupolo, für eine Verurteilung nicht genügt, kommt Genovese 1946 frei. Rupolo

wird im August 1964 mit einbetonierten Füssen in der Jamaica Bay versenkt.

Frank Costello hatte in New York genügend Tammany-Leute in der Tasche, um den politischen

Apparat der Stadt zu kontrollieren. Costello hat als Stellvertreter Genoveses seine Macht

konsolidiert und wurde der politische Repräsentant der Mafia in der Oberwelt. Als "Premierminister

der Unterwelt" sieht man ihn in Begleitung von Spitzenpolitikern, führenden Bankern, höheren

Polizeibeamten und Richtern. Zudem hat er sich mit Anastasia verbündet, der mit seinem Boss

Vincent Mangano je länger je mehr Schwierigkeiten hat. Als Genovese seine Familie in New York

wieder übernimmt, behält Costello eine einträgliche Lotteriebank Genoveses für sich, worauf es zu

Feindseligkeiten kommt.

Priorität der USA hat nach der Eroberung die Entmachtung der Kommunisten, die bei Kriegsende

zwischen 100'000 und 200'000 Partisanen unter Waffen haben. Dazu arbeitet Serafino Romunaldi

an der Spaltung der PSIUP, der sozialistischen Partei unter Pietro Nenni, was mithilfe des Führers

der sozialdemokratischen Fraktion, Giuseppe Saragat, und zwei Sozialisten im Exil, Modigliano

und Silone, gelingt. Die USA erreichen mit Unterstützung der Sozialdemokraten drei Zielsetzungen:

1 . Die Ausschaltung der früher im Mittelmeerraum starken Briten in militärischer und

wirtschaftlicher Hinsicht.

2. Die Einigung der politischen Mitte.

3. Die Spaltung und Schwächung der Gewerkschaften und der Kommunisten.

Als politische Kraft bieten sich zunehmend die Christdemokraten an, die vom Vatikan und der

Mafia stark favorisiert werden. Damit beginnt eine Allianz der Geheimdienste, der Mafia und des

Vatikan mit den Christdemokraten und dem sozialdemokratischen Flügel der Sozialisten, die fast

50 Jahre lang funktioniert. Die USA verhindern konsequent die Säuberung des italienischen

Staatsapparates von den Faschisten und sabotieren die Strafverfolgung von Unternehmern, die

vom Faschismus profitierten und ihn unterstützten. Obwohl mit etwa 2000 Prozessen wegen der

Ermordung von 15'000 italienischen Zivilisten und Partisanen gerechnet wurde, finden bis 1965 nur

13 Verfahren mit 25 Angeklagten statt. Alle anderen hängigen Fälle werden am 14.1 .60 archiviert.

Kein einziger italienischer Kriegsverbrecher wird verurteilt, andere wie der SS-Scherge Eugen

Dollmann arbeitete nach dem Krieg nicht nur für die CIA, sondern auch für den italienischen

Geheimdienst. 1946 reorganisieren sich die Faschisten in der Movimento Sociale Italiano, die 1995

in die Alleanza Nazionale umbenannt und 2001 zusammen mit Berlusconi wieder an die Regierung

gelangt.

Quellen : Raith: 20, Chotjewitz: 15-20, Bradley, Delorme: 87-99,105-109, Drugwar (1): 1f, Meurice,

Konkret Nr.7/1973: 50, Musso. Davis (1994): 62f, Delorme: Potter: 3, Best: 7f, Ansom: 292f,

Bradley, Horowitz: 52ff, Simpson, Giancana:253f, Schulz: 55,70, Pilger: 46ff, Schweitzer: 6f,

Ascherson 1 , Karel.

1943 Hoover und Kennedy top.

Mit der Hilfe von Hugh Clegg des House Appropriations Committee startet Hoover 1943 ein

wirksames Kongress-Lobbying-Programm, mit dem er die Operationen anderer Agenturen

überwachen und sein eigenes Budget beeinflussen kann. Hoover ordnet drei FBI-Beamte als

permanente Assistenten für Clegg ab, und von 1943 bis 1970 dienen 28 FBI-Agenten dem

Vorsitzenden des Budget-Komitees, John Rooney. Rooney wird von Hoover geschützt, da er von

der Mafia geschmiert wird. Laut einem FBI-Report erhält er allein 1 967 $1 OO'OOO.

Hoover legt "Zusammenfassungen" über Abgeordnete an und behauptet deshalb, er führe keine

"Akten" über Politiker. Hoover begann damit schon in den 20er Jahren und verfeinerte seine

Technik im Laufe der Zeit. Im "Official and Confidential"-Archiv werden 1973 833 Dossiers von

Senatoren und 722 von Repräsentanten entdeckt. Ein Teil der Fichen ist dann aber schon

vernichtet oder versteckt worden. Seit 1945 wird über jeden Oberrichter, deren Wahl Hoover oft

entscheidend beeinflusst, eine Fiche geführt. Die Transkripts der Telephonüberwachungen dieser

Richter umfassen allein 20'000 Seiten. Dank diesen Unterlagen kann Hoover beispielsweise ein

Hearing vor dem "Subcommittee on Invasion on Privacy" unter Vorsitz von Senator Edward

Vaughan Long mit Erpressung verhindern. Obwohl Long die Untersuchung über die Missachtung

der Freiheitsrechte durch das FBI einstellt, zerstört eine Kampagne im Life Magazine, die

behauptet, er habe von Morris Shenker von der Teamsters Union Schmiergelder angenommen, ein

Jahr darauf seine politische Karriere. Auch über Cornelius E. Gallagher, der sich Hoovers

Forderung, Robert Kennedy vor dieses Subcommittee zu bringen, widersetzt, wird von Sandy

Smith im Life Magazine behauptet, er habe Beziehungen zur Mafia. Die erfundenen Beweise

bekam Smith von Cartha DeLoach. Das FBI bricht bei Gallagher ein und hört sein Telephon ab.

Joe Kennedy, der Hoover seit den 20er Jahren kennt, arbeitet hart daran, ihm den Honig um den

Mund zu schmieren. So spendet er grosse Summen an die J. Edgar Hoover Foundation und

meldet sich im September 1943 als Special Service Contact für das FBI. Obwohl dieses Programm

nach dem Krieg ausläuft, setzt Hoover ihn 1950 wieder ein, und ab 1951 ordnet er sogar 4 Agenten

als persönliche Hilfe Kennedys ab. Das FBI wird insgesamt 343 Akten über Kennedy-Fälle anlegen.

John F. Kennedy, dem sein Vater wegen seiner Rückenprobleme einen Büroplatz beim ONI in

Washington organisierte, hat seit 1941 eine Affäre mit der Journalistin und ehemaligen Miss

Dänemark Inga Arvad. Hoover lässt seit 1939 Material über JFK sammeln, interessiert sich laut

DeLoach für die Fiche aber erst, als Kennedy Präsidentschaftskandidat wird. Die schöne "Inga-

Binga" steht unter Spionageverdacht, weil sie mit Rudolf Hess befreundet ist, Himmler und

Goebbels kennt, an Görings Hochzeit teilnahm und nach der Trauung den Führer interviewte, als

sie während der Olympiade 1936 in Deutschland war. Hoover gab Informationen über das

Verhältnis an Walter Winchell weiter, was dieser in seiner Kolumne publizierte. Um die Karriere

seines Sohnes zu retten, organisierte Joe Kennedy dessen Versetzung nach Charleston in South

Carolina. JFK traf sich jedoch weiter mit seiner Geliebten, beobachtet vom FBI, worauf Hoover den

Vater telefonisch warnte. Inga Arvad erwartete ein Kind von JFK, aber sie heiratete 1942 sechs

Monate vor der Geburt den Schauspieler Tim McCoy.

JFK wurde 1942 in den Krieg in den Südpazifik geschickt. In der Blackett-Meerenge wird das von

JFK kommandierte Torpedoboot PT-109 durch Nachlässigkeit in eine Flottenaktion verwickelt,

wobei ein japanischer Zerstörer das Boot entzweischneidet, der einzige Unfall dieser Art während

des 2. Weltkrieges. JFK kann sich und seinen verwundeten ersten Maschinisten Patrick McMahon

retten, indem er vier Stunden lang mit dem Verletzten auf dem Rücken zur nächsten Insel

schwimmt. Bei der Rettungsaktion der übriggebliebenen Besatzung sind Leit Erickson von der

Associated Press und Fran Hewlitt von der Universal Press dabei. Die Story erscheint am 20.8.43

auf der Titelseite der New York Times, und ein Artikel von John Hersey wird im New Yorker

publiziert, womit JFK zum offiziellen Kriegshelden erkoren wird. Sein Vater überredet den

Chefredaktor des Reader's Digest, Paul Palmer, die Story in gereinigter Fassung, ohne Erwähnung

der Nachlässigkeit zu veröffentlichen. Diese Kriegsheldengeschichte wird später im

Zusammenhang mit den Wahlkampagnen immer wieder nachgedruckt. Die Rettungsaktion

schwächt JFK so stark, dass er mehrere Monate braucht, um sich zu erholen. JFK durchlebte alle

möglichen Kinderkrankheiten und hatte keine Chance, neben seinem älteren Bruder zu bestehen,

weshalb er sich darauf verlegte, den Clown zu spielen.

Joe Kennedy jr. ist sportlich und fleissig, überall beliebt, bewundert und das Lieblingskind der

Eltern. Der Konkurrenzkampf der beiden ältesten Brüder bezieht sich meist auf sexuelle

Eroberungen. Aber ein Jahr nach Johns Unfall kommt Joe jr, der als Ältester für die politische

Karriere vorgesehen war, beim Versuch, seinen Bruder als Kriegsheld noch zu übertreffen, ums

Leben. Er hat sich für eine gefährliche Mission als Pilot von fliegenden Bomben gemeldet und

Störungen des Zündsystems nicht ernst genommen. Da sein Bomber mit 1 1 Tonnen TNT

vollgestopft war, um die deutsche Flugabwehr ferngesteuert auszuschalten, setzt er sein Leben

und das seines Kopiloten Wilford Willy leichtsinnig aufs Spiel. Auch die Schwester Kathleen kommt

am 13.5.48 bei einem Flugzeugunfall ums Leben.

Quellen : Summers (1993): 195ff, Theoharis/Cox: 269-273, Posener: 54ff, Davis (1984), Wolfe:

153ff, Gregory/Speriglio: 240, Best: 18f, Collier/Horowitz: 140-164, Hersh:82-86

1944 Bretton Woods top.

Auf Einladung Roosevelts treffen sich in Bretton Woods 44 allierte Staaten, um über ein

internationales Währungssystem zu beraten. Das abgewirtschaftete Grossbritannien wehrt sich

vergeblich gegen die Herrschaftsansprüche der USA. Mit dem Internationalen Währungsfonds und

der Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (Weltbank) werden zwei Institutionen geschaffen, über

die die USA ihre finanzpolitischen Interessen global durchsetzen können. Aufgrund des

Quotenprinzips und einem festgelegten Mehrheitsprinzip von 85% kann kein Entscheid des IWF

gegen die USA gefällt werden. Die Stimmrechte betragen 1981 20% für die USA, 25% für die neun

Staaten der damaligen EG, 36% für die 121 Entwicklungsländer und 4% für Japan.

Die Erhaltung der Währungskonvertibilität über Kredite und Stützungsaktionen ist die zentrale und

illusionäre Aufgabe der IWF, wofür ein System der festen Wechselkurse definiert wird. Der

ursprüngliche Zweck, nicht nur einen freien, sondern dank dem Abbau der Zollschranken, der

Stabiliserung der Rohstoffpreise und dem Transfer von Wissen und Technologie in die Dritte Welt

auch einen fairen Handel zu ermöglichen, wird bald verdrängt.

Mit seinen harten Kreditbedingungen (Abbau der Sozialleistungen, Steuererhöhungen, Einführung

von Verbrauchssteuern, Reallohnsenkungen durch Lohnfixierung, Kürzungen oder Streichungen

der Subventionen, die zur Verschärfung der sozialen Differenzen führen) werden die

Entwicklungsländer ausgebeutet und in Abhängigkeit gehalten. Da sich die Privatbanken bei ihrer

Kreditvergabe von den Entscheidungen des IWF lenken lassen, haben die Entwicklungsländer

keine anderen Finanzquellen.

Die USA nutzen diese Möglichkeit, um ihre politischen Interessen durchzusetzen. Mit der

endgültigen Verdrängung des Pfund Sterlings durch den Dollar als internationales Zahlungsmittel

und Reservewährung, wozu die USA seit 1934 einen Goldstandard von $35 pro Unze Feingold

garantieren, setzen sich die USA an den Geldhahn. Die USA kaufen von 1934 bis 1945 im Wert

von $16 Mia. systematisch Gold auf, davon für $753 Mio. aus Deutschland, Italien und Japan.

Nach der Besetzung von Frankreich, Belgien und Holland versuchten die Briten vergeblich, die

Amerikaner von Goldkauf aus Deutschland abzuhalten. Auch nach dem Einmarsch bemächtigen

sich die USA des Raubgoldes, beispielsweise das Gold in der Merkers-Salzmine im Wert von RM

400 Mio. In Deutschland ziehen die USA $343 Mia. an Geld, Gold und Wertpapieren ein.

Die USA können damit als einziges Land der kapitalistischen Welt ihre internationalen

Zahlungsverpflichtungen selbst produzieren. Bedingt durch das Fehlen internationaler

Kontrollinstanzen können die USA so viele Dollars drucken, wie sie brauchen. Die skrupellose

Ausnützung dieses Privilegs, vor allem zur Finanzierung des Vietnamkriegs, führt dazu, dass das

Vertrauen in den Dollar nach zwei Jahrzehnten abnimmt und die Goldreserven der USA von $24,4

Mia. auf $11,1 Mia. 1 970 schrumpfen.

Quellen : Kolloch: 32-60,111-124,146-149, Schweitzer: 6f.

1945 Saudisches Öl, UNO und Truman top

Franklin D. Roosevelt trifft sich zwei Monate vor seinem Tod mit dem arabischen König Abdel-Aziz

Ibn Saud an Bord der USS Murphy und sichert mittels Darlehen die amerikanische Vorherrschaft

über das arabische Öl. Der Krieg zehrte in bedrohlichem Ausmass an den amerikanischen

Ölvorräten, weshalb Washington 1943 Geologen auf die arabische Halbinsel entsandte, um nach

Öl zu suchen. Was sie entdeckten, stellte alles in den Schatten, was man bisher kannte. Die

grossen Ölfelder im Irak und Iran hatten sich Grossbritannien und Frankreich bereits im Abkommen

von San Remo 1920 unter den Nagel gerissen. 1928 mussten die Briten und Franzosen bereits US-

Firmen in die Iraq Petroleum aufnehmen, ohne die Kontrolle zu verlieren, aber 1948 können sich

die Amerikaner durchsetzen und mit König Saud und dem Schah von Persien exklusive

Schürfrechte vereinbaren.

Die arabischen Reserven werden 1945 auf 100 Mia. Barrel geschätzt (heute auf 262 Mia., was

einem Viertel aller Vorkommen entspricht). Seit diesem Fund ist die Sicherung der Ölressourcen

eines der wichtigsten Ziele der US-Aussenpolitik, das mit geheimen Umsturzkomplotten,

wirtschaftlichem, diplomatischem und finanziellem Druck und blutigen Kriegen durchgesetzt wird.

In der Oper von San Francisco beschliessen Vertreter von 51 Länder im April 1945 die Gründung

der UNO nach den Prinzipien der Gleichheit der Nationen, damit diese in Frieden und guter

Nachbarschaftlichkeit zusammenleben. Roosevelt hatte darauf insistiert, dass die Konferenz in den

USA stattfindet, um die Delegierten besser ausspionieren zu können. Sämtliche Telegramme zu

den jeweiligen Regierungen werden abgefangen und dekodiert. Die Überwachung erlaubt den USA

beispielsweise, die Teilung Palästinas 1948 durchzusetzen, indem Liberia, Haiti und die

Philippinen am Vorabend des Entscheids gezwungen werden, die Position zu wechseln. 800'000

Palästinenser werden vertrieben.

Die US-Armee führt die antisemitische Politik in den Konzentrationslagern weiter und misshandelt

die jüdischen Überlebenden: "Es sieht so aus, als ob wir die Juden so behandeln wie die Nazis, nur

dass wir sie nicht umbringen", stellt Kommissär Earl Harrison in seinem Bericht fest. Die USA

beschlagnahmen nicht nur Gelder aus Konten der jüdischen Opfer, sondern auch Grundstücke in

den USA, Patente, Copyrights und Kunstwerke im Wert von $5 Mia, die die SS den Holocaust-

Opfern gestohlen hatte.

Harry S. Truman wird am 14.4.45 Nachfolger Roosevelts. Der Protege von Tom Pendergast, der

ihn 1934 in den Senat schickte, wird von der Mafia finanziert. Pendergast hatte seine Herrschaft in

Kansas City mit der Kooperation mit der lokalen Mafia zementiert, und Roosevelt und Truman

wurden auch von der Mafia Chicagos unterstützt. Auch Howard Hughes begab sich 1944

persönlich ins Biltmore Hotel in Los Angeles, um Truman einen Umschlag mit Geld zu überreichen.

Roosevelt bezog seinen Vizepräsidenten in keiner Weise in die Politik mit ein, nicht einmal nach

Jalta suchte er das Gespräch. Mit Truman und seinem neuen Aussenminister James F. Byrnes

beginnt der Kalte Krieg.

Die Amerikaner brauchen die Russen nach dem Zusammenbruch des Krieges in Europa nicht

mehr als Verbündete gegen Deutschland. Truman erklärte im Juli 1941 :"Wenn wir sehen, dass

Deutschland den Krieg gewinnt, sollten wir Russland helfen, und wenn Russland gewinnt, sollten

wir Deutschland helfen und die Deutschen auf diese Weise so viele wie möglich umbringen

lassen..."

Quellen : Horowitz: 52ff, Giancana: 253f, Summers (2000): 151, Schulz: 55, 70, Best: 26, Pilger:

46ff, Schweitzer: 6f, Bradley, Ascherson 1, Chotjewitz:1 5-20:1 9, Karel (1), von Dohnanyi (2001 d),

Pons (2001), Hager, Johnson, Portenier/McNaught, Gehrig, Brändle.

1945 Kapitulation Japan top

Um der Sowjetunion auf dem japanischen Kriegsschauplatz zuvorzukommen, setzen Truman und

Byrnes die Atombombe ein, die ihnen das strategische Monopol verschafft. Die Atombomben in

Hiroshima und Nagasaki sind mehr als nur "ein Experiment mit überragendem Erfolg", wie Truman

am 7.8.45 nach der ersten Bombe mit 80'000 Toten frohlockt. 1944 wiesen Spezialagenten mit der

Operation ALSOS zweifelsfrei nach, dass Deutschland keine Atomwaffen baute, obwohl Hahn

1938 die Spaltung von Uran gelang und Heisenberg an der Weiterentwicklung arbeitete. Im

Frühling 1945 transportierte die U-234 neben dem ersten, zerlegten Düsenjäger rund 65 Kg

Uranoxid nach Japan, ergab sich dann aber bei Kriegsende mit Deutschland den Amerikanern.

Das deutsche Uran wurde ironischerweise für die amerikanische Bombe verwendet und explodiert

in Japan. Japan hatte bereits mehrfach seine Kapitulation angeboten, als die Atombomben

engesetzt werden. Die Entwicklung der Atombombe kostete $2 Mia. und sichert den Vorsprung

über die durch den Krieg völlig zerstörte Sowjetunion. Zudem halten die USA nun mit Deutschland

die stärkste europäische Macht und mit Japan das stärkste Land in Asien besetzt.

Auch in Japan benutzen Armee und Geheimdienst das Organisierte Verbrechen, um die Linke zu

bekämpfen. Major-General Charles Willoughby engagiert die drogenhandelnden Yakuza-Gangs,

um Streiks zu brechen und Demonstrationen zu verhindern. Willoughby wurde als Adolph Charles

Weidenbach in Heidelberg geboren, diente als Militärattache in Ecuador, bekam von Mussolini den

Saints Maurizio und Lazzaro-Orden, unterstützte Generalissimo Franco, wurde Generalsekretär

der Falange und MacArthurs Geheimdienstchef im Pazifik.

Douglas MacArthur, der die protestierenden Veteranen des 1 . Weltkrieg vor dem Kapitol

erschiessen Hess, hatte sein Quartier vor dem Krieg auf den Philippinen, wo die Spanier noch

immer die Wirtschaft dominieren. Einer seiner Offiziere im Krieg war der Faschist Andres Soriano,

ein Fluglinien-, Minen- und Brauereibesitzer, der zu den Hauptsponsoren Francos zählte. 1952

lobbyiert Willoughby beim Kongress für eine Finanzhilfe über $100 Mio. für Francisco Franco. Der

spanische General gewann 1939 dank der militärischen Unterstützung Nazi-Deutschlands und des

faschistischen Italiens den dreijährigen .Bürgerkrieg' und Hess danach mindestens 150'000

Anarchisten, Kommunisten und Republikaner hinrichten.

Willoughby übt harte Zensur in Japan und diffamiert kritische Korrespondenten als Kommunisten,

eine Taktik, die McCarthy übernimmt. Er schützt japanische Kriegsverbrecher und gewährt den

Forschern, die bei Menschenversuchen mit biologischen Waffen 3000 Kriegsgefangene

umbrachten, Immunität gegen die Herausgabe der Materialien und Berichte. Zwischen 1936 und

1945 experimentierte die Einheit 731 der japanischen Armee unter General Shiro Ishii mit

bakeriologischen Kampfstoffen und Vivisektionen. Da Erreger wie Pest und Anthrax beispielsweise

über Flugzeuge freigesetzt werden, kommen um 250'000 Chinesen ums Leben. In der Region von

Nankin wurden zu Versuchszwecken mit Brunnenvergiftungen Epidemien ausgelöst. Nankin

erlebte bereits bei der Eroberung 1937 ein unglaubliches Massaker, bei dem zwischen 150'000

und 300'000 Zivilisten abgeschlachtet wurden und die Stadt abbrannte. Die Japaner schleppten

200'000 Frauen, vor allem aus Korea, in die Bordelle der japanischen Militärs.

Nachdem Truman im Juli 1945 noch erklärte, die USA verzichteten auf Gebietsannektierungen,

beugt er sich kurz darauf den Protesten der Heeres- und Marineführungen, die die eroberten

strategischen Stützpunkte als ihr ausschliessliches Eigentum betrachten. Bis 1949 erheben die

USA Anspruch auf über 400 Flotten- und Luftstützpunkte in der ganzen Welt, 91 davon in Japan.

John Foster Dulles gibt den Demokratisierungsplan auf und zwingt 1949 den Japanern den

Friedensvertrag auf, der die Zahlung von 9% des japanischen Budgets an die "Schutzmacht"

beinhaltet, was im Jahre 2000 einer Summe von $500 Mia. entspricht. Dafür erhält Japan

zusammen mit Südkorea einen erleichterten Zugang zur US-Wirtschaft, was eine beispielslose

Hochkonjunktur ermöglicht. Die Macht wird für über 60 Jahre in der Liberal Demokratischen Partei

konzentriert und von den USA geschützt.

Quellen : von Dohnanyi (2001 d), Pons (2001), Hager, Johnson, Portenier/McNaught, Gehrig,

Brändle, Horowitz: 52ff, Simpson, Pilger: 46ff, Schweitzer: 6f, Bradley, Ascherson 1, Chotjewitz:15-

20, Karel.

1946 John F. Kennedys Einstieg in die Politik top

Joe Kennedy hatte nach dem Tod seines ältesten Sohn lange Zeit sehr gelitten, und John F.

Kennedy fühlt sich verpflichtet, die Enttäuschung seines Vaters wettzumachen, obwohl er nicht

über die Disposition und Kompetenzen seines Bruders verfügt und er eigentlich lieber Schriftsteller

oder Journalist werden würde. Aber JFK wird genau die Anweisungen seines Vaters befolgen, und

auf ihm lasten die ganzen Hoffnungen und Ambitionen auf das Präsidentenamt, das sein Vater

nicht erreicht hatte. JFK lernt, ein Doppelleben zu führen: nach aussen der charmante und

sportliche Politiker versteckt er perfekt seine gesundheitlichen Probleme und seine in der

Öffentlichkeit nicht akzeptierten Neigungen.

Da Joe Kennedy befürchtet, der Schnapshandel könne dem Image und damit der Karriere seiner

Söhne schaden, verkauft er Somerset Importers an Longy Zwillman und Joe Reinfeld und die 17%-

Beteiligung des Hialeah-Tracks für $8 Mio. und zieht sich aus dem öffentlichen Leben zurück.

Trotzdem bleibt er Stammgast in Costellos Colonial Inn in Miami Beach. 1945 hat Kennedy das

höchste Gebäude der Welt, das Merchandise Mart in Chicago, gekauft, an dessen Speakeasies er

während der Prohibition beteiligt war. Zudem unternimmt er einen Versuch, das Suffolk Downs

Race Track zu einem Bruchteil seines Wertes zu übernehmen, was ihm trotz Drohungen,

Schmierzahlungen und Justizkorruption nicht gelingt. In New York ist Joe Kennedy ist zusammen

mit John J. Reynolds in den Immobilienhandel eingestiegen, sein vierter Sektor nach den

Spirituosen, Filmen und Wertpapieren. An den Liegenschaften verdient Kennedy zwischen 1942

und 1960 weit über $100 Mio, muss sich aber dafür vielen Klagen wegen Ausbeutung stellen.

Die Kennedys und die Fitzgeralds unterstützen die Wahl des ihnen verhassten James Michael

Curley zum Bürgermeister von Boston, weil damit dessen Sitz im Repräsentantenhaus für den 1 1 .

Bezirk frei wird. Curley gewinnt, und JFK kandidiert für den Platz. Um sich die Wahl zu sichern,

schmieren die Kennedys den schärfsten Gegner, Joseph Russo, damit sein Name zweimal auf der

Kandidatenliste erscheint und somit seine Wähler irritiert werden. Dank der Unterstützung seines

Verwandten Joseph L. Kane (der seit 40 Jahren in den Hinterzimmern von Boston operiert und

weiss, wem man wieviel zahlen muss), des alten Fitzgerald (der JFK den Senioren näherbringt)

und der Verteilung von 100'000 Kriegsheldenbroschüren wird JFK in den Kongress gewählt,

obwohl seine sehr vagen politischen Ansichten in der Presse scharf kritisiert werden. Erfolgreich

waren auch die persönlichen Einladungen von Wählerinnen zu einem Hotelempfang kurz vor der

Wahl. Gutes Aussehen, eine loyale, effiziente Organisation und harte Wahlkampagne und vor

allem das Geld des Vaters bringen JFK nach Washington.

Die Kongressarbeit überlässt JFK weitgehend seinem Assistenten Ted Reardon und profiliert sich,

wenn er nicht zu sehr an seinen Krankheiten leidet, als Playboy. JFK verheimlicht seine

Gesundheitsprobleme aus Scham, weil sie für ihn Zeichen einer Verweiblichung und

Verweichlichung darstellen, für die er sich ablehnt. Die Eroberung von Frauen erlaubt ihm, seine

körperliche Insuffizienz zu ertragen. Bereits als 17jähriger zog er sich einen chronischen

Dickdarmkatarrh zu, möglicherweise als Folge von Stress im Elternhaus. Die schmerzhaften

Behandlungen schlagen alle fehl. Aufgrund eines verkürzten Beins und verschiedener Sportunfälle

im College hat JFK immer wieder akute Rückenschmerzen, die durch seinen Militäreinsatz noch

verschärft wurden. Zwei Operationen 1944 und 1954 bleiben erfolglos. JFK leidet zudem an einer

schweren Form der Addison-Krankheit, die aber erst 1947 diagnostiziert wird. Nach der

Entdeckung des Cortisons 1937 verbesserte sich sein Zustand, aber da er, unfreiwillig als

Versuchskaninchen dienend, zuviel Cortison bekommt, schwächt dies sein Knochenbau. Viermal

war er dem Tode so nahe, dass ihm die letzte Ölung verabreicht wurde.

Die Erfahrung der Todesnähe lässt ihn hedonistisch werden: "Lebe jeden Tag so, als ob es dein

letzter Tag auf Erden wäre!" Das bedeutet, möglichst viel zu erleben, vor allem mit Frauen. Schon

sein Vater hatte das Ziel, "möglichst viele Frauen flachzulegen". Jacks promiskutives

Sexualverhalten basiert auch auf seiner Angst vor Homosexualität, die sich in der zwanghaften

Eroberung eines blossen Sexualobjekts negieren lässt. "Mit einer Frau bin ich erst dann fertig,

wenn ich sie auf drei Arten gehabt habe", meint er als Präsident. JFK leidet während über 20

Jahren, da er sich trotz starker Antibiotika immer wieder neu infisziert, an der erst Ende der 60er

Jahre formell diagnostizierten Geschlechtskrankheit Gonorrhoe. Die chronischen Harnweg- und

Prostata-Entzündungen führen zu einer graviernden Nebennierenerkrankung, was sich in

Fieberschüben, Abszessen, Durchfall, Schlaflosigkeit und Angstzuständen äussert.

JFK heiratet Anfang 1947 Durie Malcolm bei einem Friedensrichter, weil sie sonst nicht mit ihm

schläft. Malcolms zweite Scheidung wurde im Januar 1947 vollzogen. Als Joe von der Heirat

erfährt, verbietet er seinem Sohn diese Beziehung und ordnet an, die Heirat rückgängig zu

machen. Sein Freund Charles Spalding entfernt im Gerichtsgebäude von Palm Beach mithilfe

eines befreundeten Anwalts alle Heiratsdokumente. Geschieden wird die Ehe nie. Am 1 1.7.47

heiratet Durie Malcolm Thomas Shevlin.

Quellen : Hersh: 2,5,1 3ff,41 ff, 326-340, Posener: 56f,69-74, Summers (1993): 292, Best: 19, Collier/

Horowitz: 167-214, Niederberger (2002e).

1946 Reorganisation der Mafia top.

Lucky Luciano wurde, nachdem der Staatsanwalt Thomas Dewey $90'000 erhielt, mit über 1 00

anderen Mafiosi wegen nationaler Verdienste aus der Haft entlassen und am 9.2.46 als

italienischer Staatsbürger in seinen Geburtsort nach Sizilien deportiert. Danach nimmt Luciano die

unterbrochenen Kontakte wieder auf und organisiert den Heroin-Schmuggel von neuem: Im

Libanon lässt Sami El Khoury türkisches und persisches Opium aufkaufen und in einem Vorort von

Beirut zu Morphin verarbeiten. Dieses wird in Palermo, wo im Winter 1946/47 drei Labors in die

Luft fliegen, und im Pharmakonzem Schiaparelli in Mailand raffiniert. Über Kanada oder Kuba

kommt der Stoff in die USA, wobei die Verteilnetze an der von Luciano im Oktober 1946

einberufenen Mafiakonferenz festgelegt werden. Diskussionsthemen sind neben der Organisation

des Drogenhandels die Aufteilung der Spielcasinos auf Kuba, Anastasias Geldgier und der Fall

Bugsy Siegel.

Anwesend im Hotel Nacional in Havanna sind die Bosse und Unterbosse von 16 Mafia-Familien,

darunter Vito Genovese, Joe Adonis, Albert Anastasia, Frank Costello, Tommy Lucchese, Joe

Bonanno, Willie Moretti, Joe Profaci, Tony Accardo, Sam Giancana und Santos Trafficante. Zudem

werden 18 Gewerkschaftsbosse und über 100 Anwälte vom FBN registriert. Meyer Lansky ist als

nichtstimmberechtigter Verbündeter ebenfalls anwesend.

Rocco Fischetti, einer der Neffen AI Capones, reist mit Frank Sinatra an und überbringt Luciano $2

Mio. in bar aus dessen Geschäftsbeteiligungen. Sinatra, der auch geschäftliche Beziehungen mit

den Fischettis unterhält, behauptet später, er hätte nie etwas mit der Mafia zu tun gehabt, obschon

die italienische Polizei bei Luciano ein goldenes Zigarettenetui mit der Aufschrift findet: "Für

meinen Kollegen Lucky, von seinem Freund Frank Sinatra." Als Lucianos Präsenz auf Kuba in den

US-Medien publiziert wird, erreichen das Federal Bureau of Narcotics und das State Departement,

dass Lucianos Dauervisum gestrichen wird. Obwohl Batista 1944 offiziell zurücktreten musste, ist

er immer noch der faktische Machthaber der Insel und wird auch in seinem Exil in Miami

geschmiert.

Zusammen mit Luciano wurde auch Francesco Paolo Coppola aus Detroit nach Italien

ausgeschafft. Dreifinger-Franco hatte sich bei einem Banküberfall zwei im Tresor eingeklemmte

Finger abgeschnitten, um der Polizei zu entgehen. Coppola und Nicola Gentile, der FBN und FBI-

Informant war, beliefern die US-Army in Sizilien mit Drogen, die als "Medikamente" deklariert

werden. Von 1946 an verschifft Coppola Heroin nach Detroit, von wo es mithilfe der Teamsters

(Local 985 unter John Priziola und Raffaele Quasarano) auch nach New York transportiert wird.

Am Handel beteiligt ist der Mafiaboss Luciano Liggio, dem Coppola später zur Flucht verhilft, und

Lucky Luciano. Coppola steht hinter dem Massaker vom 1 . Mai 1947 in Sizilien, bei dem 8

Personen getötet und 33 verwundet werden. 1948 werden auf der Insel 498 Personen, fast alles

Linke, ermordet.

Im April 1947 reist Lucky Luciano nach Palermo, wo angeblich kurz darauf 47 Leute ermordet

werden, da er sich Reklamationen wegen schlechten und ungenügenden Lieferungen aus Sizilien

habe anhören müssen. Der zuständige CIA-Agent für Luciano in Italien ist Mario Brod, der 1960-61

an den gemeinsamen Castro-Mordprojekten von CIA und Mafia beteiligt ist.

Luciano beteiligt sich, wie Genovese, am Schwarzmarkt in Neapel. Luciano und Vito Genovese

stellen 1947 Anträge zur Aufnahme in die Christdemokratische Partei Italiens. Aber nur Genovese

wird Mitglied der Partei, dank den geschickten Verhandlungen des CIA-Agenten Henry Tasca. Seit

den mit $50 bis 60 Mio. geschmierten Wahlen von 1946 verfügt die DC unter Aleide De Gasperi

über die absolute Mehrheit.

Als Luciano in Sizilien grosse Zuhälterringe wie in den USA aufbauen will, sind die lokalen Mafiosi

entsetzt, denken sie doch vor allem an ihre unberührten und für die Ehe bestimmten Töchter.

Luciano muss Don Calogero Vizzini versprechen, dass die Prostituierten ohne Ausnahme

Ausländerinnen sein werden.

Bugsy Siegel übernimmt die Trans-American, ein konkurrierendes Kabelnetz, das gegründet

wurde, um Ragen unter Druck zu setzen. Siegels Weigerung, die beiden Netze zusammenzulegen

und seine Hinterziehungen beim Flamingo führen zu seiner Ermordung am 20.6.47. Siegel hatte

mit dem Bau des Flamingo in Las Vegas einen Boom ausgelöst. Nevada, besonders hart von der

Depression getroffen, beschloss 1931 , das Glücksspiel zu legalisieren, weshalb es bereits

Luxushotels und einige Spielkasinos, vor allem in Reno, gab, die ordentlich Umsatz machten. Doch

Siegels Flamingo in Las Vegas soll alles übertreffen. Anfangs mit Baukosten von $1 ,5 Mio.

veranschlagt, fand Meyer Lansky Gefallen und steuerte Geld bei. Der Bau begann im Dezember

1945, verteuerte sich aber auf $6,5 Mio, worauf ihm Lansky den Geldhahn zudrehte. Um zu Geld

zu kommen, verschuldet Siegel sich überall. Am 26.12.46 fällt die Eröffnung des Flamingos ins

Wasser, da die Flugzeuge wegen dem starken Regen nicht fliegen können. Bugsy möbelt das

Casino noch weiter auf und öffnet es im März 1947 erneut, wobei die Spieler Gewinne und das

Flamingo Verluste einfahren. Erst im Mai wendet sich das Blatt: Siegel macht $300'000

Reingewinn, und die anderen Gangster schmieden ebenfalls Baupläne.

Dann kommt heraus, dass Siegels Geliebte Virginia Hill dank ihrer Bankvollmacht $2 Mio. aus dem

Flamingo-Baufond abzweigte und auf einem Schweizer Nummernkonto deponierte. Virginia

begann ihre Karriere mit einem Buchmacher der Capone Gang und hatte Beziehungen mit den

Fischetti Brüdern, Anthony Accardo, Frank Nitti, Carlos Marcello und Joe Adonis, bevor Bugsy sie

heimlich heiratete. Als das Gerücht kursiert, Siegel wolle sich wegen seinen Schulden mit seiner

Geliebten und einer halben Million nach Europa absetzen, ordnet Luciano seine Ermordung an.

Nur 20 Minuten nach dem Mord übernehmen die drei Juden MoTse "Little Moey" Sedway, Morris

Rosen und Gustav "Gus" Greenbaum, letzterer ein Veteran Capones, das einträgliche Flamingo.

Meyer Lansky wird von 1960-67 allein aus dem Flamingo $36 Mio. abziehen.

Las Vegas wird wie Miami als frei Zone definiert. Obwohl Meyer Lanksy eine Schlüsselrolle in der

Etablierung von Las Vegas spielt, ist er von den Italienern abhängig, wie auch Doc Stacher oder

Moe Dalitz, der von Cleveland nach Las Vegas zieht, 1950 das Desert Inn, das Sands und das

Fremont baut und neben Johnny Roselli eine der Hauptrollen dort spielt. Siegels Ermordung führt

zu einem kurzen Krieg zwischen Siegels Leutnant Mickey Cohen und John Roselli, wobei der

neugewählte Polizeichef William Parker Roselli hilft, Cohen gefügig zu machen. 1948 baut Lansky

das Thunderbird. 1952 entsteht eine Reihe von italienischen Casinos wie das Sahara (Mafia von

Oregon), das Dunes (Raymond Patriarca von Rhode Island, der mit Carlos Marcello

zusammenarbeitet) oder das Tropicana (Lansky, Costello und Kastei). Die Mafia von Chicago ist

beteiligt am Riviera, dem Stardust, dem Landmark, dem Four Queens, dem Aladdin, dem Circus

Circus und dem Caesar's Palace. Die von der Mafia kontrollierte Lastwagengewerkschaft Teamster

hat Geld im Dunes investiert und leiht Hank Greenspun, dem Herausgeber der Las Vegas Sun,

$250'000 für den Bau eines Golfplatzes. Nevada ist der einzige Staat bis 1976, als New Jersey

(Atlantic City) dazukommt, in dem Geldspiele und Prostitution legal sind. In den 60er Jahre wird

Howard Hughes ein Casino nach dem anderen in Las Vegas aufkaufen.

Die Mafia von Chicago weitet das Spielgeschäft auf Iowa, Kansas, Indiana, Michigan und Dallas

aus. Um in Dallas einzusteigen, schickt Boss Tony Accardo Pat Manno, Paul Jones und Jack

Nappi zum Sheriff von Dallas, Steve Guthrie. Sie offerieren ihm und Leutnant George Butler ein

Jahreseinkommen von $150'000 und versprechen, keine Drogen, sondern nur das Glücksspiel in

die Stadt zu bringen. Aber Guthrie nimmt die Gespräche auf Band auf, und die drei werden der

Korruption angeklagt.

Paul Roland Jones wurde 1940 von Gouverneur Ratner begnadigt, nachdem er 1931 wegen

Zeugenermordung zu lebenslänglich verurteilt wurde. Er startete 1942 Spielgeschäfte in Dallas im

Namen der Fischetti-Brüder, eröffnete ein Casino in Mexico City und organisierte politische

"Arrangements" mit mexikanischen Politikern. Vertreter des nach dem Krieg vermutlich

bedeutendsten Drogensyndikates in Mexico sind Harold "Happy" Meltzer und John Ormento. Der

Gründer des Direccion Federal de Seguridad, Captain Rafael Chavarri, arbeitet mit dem

Drogenhändler Jorge Moreno Chauvet zusammen, der Drogen von der Luciano-Organisation in

Europa bezieht.

Mit Jones sowie John und Maurice Melton steigt Jack Ruby in den Heroinhandel ein. Am 27.8.47

wird einer von Jones Männern mit 24 Kilogramm Opium an der Grenze verhaftet, und Jones sitzt

bis 1952 im Gefängnis. Im Gerichtsverfahren wegen Drogenhandels gegen Paul Roland Jones und

Maurice Melton muss Ruby zwar aussagen, wird aber nicht angeklagt, weil er wahrscheinlich ein

FBN-Informant ist. Auch im Bestechungsprozess wird Ruby von George Butler geschützt.

Ruby wurde 191 1 als Jacob Rubenstein in Chicago als Sohn polnischer Juden geboren, wo er

schon als 1 1 jähriger die Schule verliess und sich der Jugendgang von Dave "Yiddles" Miller

anschloss. Wegen seiner Aggressivität war er bald als "Sparky" bekannt, und 1926 begann er,

Aufträge für Frank Nitti, Jake Arvey und AI Capone zu erledigen. Seit Mitte der 20er Jahre

akzeptierte das Syndikat Juden in seinen Reihen, beeinflusst von der Zusammenarbeit von

Luciano mit Lansky. 1934 zog Rubenstein mit seiner Schwester Eva nach San Francisco, um für

Frankie Goldstein, Eugene Shriber und "Bones" Remer in Spielhöllen und auf dem Pferderenntrack

von Santa Anita, welches der Gouverneur über Artie Samish dank den Zuwendungen Rosellis

legalisierte, zu arbeiten.

John Roselli war Annenbergs Vertreter in Los Angeles, wo er mit Jack Dragna die Macht in der

Unterwelt übernahm. Chicago stieg durch Jake Guzik und Paul Roland Jones in den

Sportinformationsdienst ein. Moe Annenberg hatte die Continental Press in den 20er Jahren mit

seinem Leutnant Jim Ragen aufgebaut und bis 1940, als er wegen Steuerhinterziehung ins

Gefängnis muss, geleitet. Parallel zu den Informationen über Pferderennen liefen über sein

Nationwide News Service, bekannt als "the Trust", Resultate für die illegalen Wetten. Drei von vier

gewetteten Dollars wurden über die 15'000 illegalen "Bookies" in 223 Städten in 39 Staaten

abgewickelt, die die Resultate unmittelbar nach den Rennen per Telephon und Telegraph

zugestellt bekamen. Annenberg besass faktisch das Monopol und verdiente bis $6 Mio. pro Jahr,

von denen er eine Schutz-Provision an Frank Nitti ablieferte.

Da Jim Ragen auf Rat des Journalisten Drew Pearson das FBI einschaltet, um sich gegen die

Übernahme des Sportdienstes durch die Mafia von Chicago zu wehren, eliminieren Dave Yaras,

Lenny Patrick und Willie Block mithilfe von Gussie Alex und Strongy Ferraro den uneinsichtigen

Nachfolger. Die bisherigen konkurrierenden Bosse der Spielgeschäfte, Herbert Noble und Benny

"Cowboy" Binion, werden durch Chicago-Mobster abgelöst: Noble fliegt mit einer Bombe in die Luft,

worauf Binion es vorzieht, sich ins ruhigere Las Vegas abzusetzen. Als neuer Chef des FBN von

Chicago kümmert sich George White um die ,Aufklärung' von Ragens Ermordung, wobei er sich mit

dem FBN-Informanten Rubenstein trifft. Der übernommene Pferderenn-Nachrichtendienst spielt

eine Schlüsselrolle für den Aufbau eines kriminellen Netzes in der Region. Der junge

Konressabgeordnete Richard Nixon schützt Rubenstein vor den 1947 einsetzenden Hearings,

indem er behauptet, dass Rubenstein für das House of Un-American Activities Committee arbeite.

Rubenstein kürzt danach seinen Namen und zieht nach Dallas, wo sei Freund Yaras

Spielautomaten stehen hat.

1939 kam Jack Ruby nach Chicago zurück, und Paul Dorfman organisierte Ruby einen Job als

Finanzsekretär in der Chicago Waste Handler's Union. Am 8.12.39 erschoss der Gewerkschaftler

John Martin in Rubys Präsenz den Anwalt Leon Cooke, da dieser sich gegen den Einfluss der

Mafia wehrte. John Martin behauptete, er habe aus Notwehr gehandelt. Es ist gut möglich, dass

Ruby den widerspenstigen Cooke ermordete. Jedenfalls übernahm Paul Dorfman die

Gewerkschaftsleitung und arbeitet mit Anthony Accardo und ab 1949 mit Jimmy Hoffa zusammen.

Dorfmans Sohn Allen wird zusammen mit Robert "Barney" Baker Hoffas engster Mitarbeiter.

Mehrere Jahre später untersucht der Privatdetektiv Bob Mullenix die Gewerkschaftsübernahme

und die Finanztransaktionen von Dorfman und Ruby. Er kommt 1962 bei einem Autounfall ums

Leben.

Eva Rubenstein ist während Rubys Militärdienst 1943-46 bei der Air Force nach Dallas gezogen

und hat sich dort mit Paul Roland Jones angefreundet. Nach der Verurteilung von Jones, Manno

und Nappi ist Jack Ruby, der den Nachtklub Silver Spur eröffnet, Verbindungsmann Chicagos in

Dallas. Schon früh steht Ruby auf gutem Fuss mit Richtern und Politikern in Dallas, die er schmiert.

Da es Chicago nicht gelingt, die Kontrolle der Stadt zu erlangen, fühlt sich Ruby exiliert und im

Stich gelassen. Bis 1952 verschafft sich Carlos Marcello die Kontrolle der Unterwelt von Dallas,

und Ruby arbeitet mit den Leuten aus New Orleans zusammen: Russell Douglas Matthews, Ralph

Paul, Joe und Sam Campisi, Joe Civello, Jack Todd und Lewis McWillis, den Ruby bewundert.

An der Mafia-Konferenz vom 5.5.1947 im "Black Diamond" in New Orleans macht sich Carlos

Marcello zum Nachfolger des ausgewiesenen Sam "Silver Dollar" Carolla. An der Sitzung dabei

sind Frank Todaro, Joseph Capro, Tom Rizzuto, Frank Lambardino, Nick Grifazzi, Anthony Carolla,

Joseph Poretto, Nofio Pecora und alle 7 Marcellos, die sich mit Drohungen gegen die Ansprüche

von Anthony Carolla als Nachfolger seines Vaters durchsetzen. Der neue Boss von Louisiana

macht "Willswood Tavern" auf seinem Landbesitz, in dessen Sumpf zahlreiche Leichen

verschwinden, zum Hauptquartier.

Marcello, der kaum lesen und schreiben kann, verdankt seinen Aufstieg Frank Costello und seinen

Fähigkeiten beim Schmieren und Geldeintreiben. Seit der Eröffnung des Spielkasino "Beverly

Country Club" in New Orleans am 4.12.45, das Frank Costello, Meyer Lansky, Phil Kastei, A.

G. "Freddie" Rickerfor und Carlos Marcello gehört, ist Marcello Teil des inneren Zirkels der Mafia.

Nach der Deportation Frank Coppolas wurde Marcello Manager des Kasinos. Mit dem Bau einer

Villa demonstriert der 38jährige, dass er es geschafft hat. Er kontrolliert die Vollstreckungsbehörde

und die politische Maschinerie des Kreises Jefferson und wird trotz einiger grausamer Mordfälle nie

angeklagt. Marcello kümmert sich ebenfalls um den Aufbau eines Pferderenninformationsdienstes

in Louisiana nach dem Muster Annenbergs. 1948 gewinnt Marcello mit Joseph Poretto die

Kontrolle über den Southern News and Publishing Co, den grössten Rennsport-Informationsdienst.

Quellen : Davis (1994): 71,118-121, Groden/Livingstone: 129f.295.41 3, Behr: 171-175, Scott

(1993): 142,151-161,169,175,326,353, Chotjewitz: 15-20, Gregory/Speriglio: 210, Best :6,22,41,

Tages-Anzeiger 28.4.1982, Konkret Nr.7/1973: 50, Raith:123, Marrs: 269, Weberman (27): 1-13,

Fox: 102, Griffith (1996): 6, Knorr (1992a): 45, Pease (1995), Anson: 230-238, Sylwester: 1-3,

Davis (1988): 47-58, 527f.

1947 Der Kalte Krieg top.

Noch ehe der Zweite Weltkrieg zu Ende ging, wurde durch den Einsatz britischer Truppen die

soziale Revolution in Griechenland verhindert. Winston Churchill ging im August 1944 den einzigen

englisch-deutschen Deal im Krieg ein, der den Deutschen den freien Abzug erlaubte, um seinen

Freund König George II. wieder an die Macht zu bringen. Mit Stalin ging Churchill dafür den Deal

Rumänien gegen ein monarchistisches Griechenland ein. Nach der Ausrufung des Generalstreiks

metzeln die Engländer die ehemaligen Verbündeten nieder. Auch die USA unterstützen die

Bekämpfung der Widerstandsorganisationen E.A.M, EDES und EKKA mit dem Ziel, die Monarchie

wiedereinzuführen. Nach dem erzwungenen Waffenstillstand werden 100'000 Partisanen

umgebracht und König Georg II kehrt zurück, worauf der Bürgerkrieg erneut ausbricht.

Bald darauf folgen andere geheime militärische Aktionen, auch gegen die Sowjetunion. Die

Partisanenbewegungen in den baltischen Ländern und der Ukraine werden vom Oberkommando

der US-Streitkräfte mit Geld, Waffen und Ausrüstung unterstützt. Partisanen werden in den Westen

geschleust, für Funk und Sabotage ausgebildet und zurückgeschickt. Obwohl immer wieder

Kuriere, Saboteure und Leiter der Organisation der ukrainischen Nationalisten verhaftet werden,

gelingt es dem KGB erst Mitte der 60er Jahre, die Bewegung zu zerschlagen.

In Ungarn beispielsweise wird die antikommunistische Partei der kleinen Landwirte, die zunächst

noch Regierungspartei und stärkste Kraft im Land ist, unterstützt.

In Polen werden antirussische Partisanen unterstützt, die jüdische Überlebende der Nazi-

Vernichtungslager ermorden. Die "Bewegung für Freiheit und Unabhängigkeit" (WIN) gilt bald

einmal als die einzige noch funktionierende Widerstandsgruppe, und die CIA schickt Waffen, Gold

in Millionenhöhe, Ausrüstung und Agenten. Erst als die Polen 1952 die Aktion abbrechen, merkt

die CIA, dass der polnische Geheimdienst die WIN seit 1947 kontrolliert und die CIA an der Nase

herumgeführt hat.

Im Iran kommt die Aggressivität der USA zum ersten Mal offen zum Ausdruck. Die drei

Grossmächte besetzten den Iran, dessen Regierung mit den Nazis kokettierte, um die

kriegswichtigen Öllieferungen nach Russland sicherzustellen. Nach dem Krieg sollten alle Mächte

gleichzeitig abziehen, aber Russland schürte im Norden einen Konflikt gegen die Zentralregierung,

setzte dann eine eigene "autonome" Regierung ein und Hess sich die Ölverwertungsrechte

übertragen. Damit konnte Russland die beschädigten Ölfelder im Kaukasus kompensieren. Unter

dem Druck des Sicherheitsrates muss sich die Sowjetunion allerdings dann aus dem Iran

zurückziehen, und die Amerikaner ziehen ein, mit Dollars, Zivil-und Militärberatern, um den Status

Quo aufrechtzuerhalten.

FBI-Chef J. Edgar Hoover spielt das "rote Problem" hoch, was den Republikanern, die mit der

Losung "Schlagt die Kommunisten" antreten, im November 1946 das erste Mal seit 28 Jahren die

Mehrheit im Kongress verschafft. Der demokratische Präsident Harry Truman versucht deshalb,

die Republikaner rechts zu überholen und forciert innen- wie aussenpolitisch den Kampf gegen den

internationalen Kommunismus.

Als die Briten den USA am 24.2.47 mitteilten, dass sie ihr Kolonialimperium nicht mehr halten

können, den Bürgerkrieg gegen die Kommunisten in Griechenland und die Hilfslieferungen an die

Türkei nicht mehr finanzieren können, springt Truman in die Bresche springen und verkündet am

12.3.47 seine Doktrin, die eine Politik der Unnachgiebigkeit gegenüber der UdSSR einleitet. Aber

der Kongress zeigt sich bei $400 Mio. -Finanzhilfe für Griechenland und die Türkei sperrig, weshalb

zuerst die Bevölkerung mobilisiert werden muss. Mithilfe einer grossangelegten Verschwörungs-

und Verleumdungskampagne beweisen Hoover, John Cronin von der National Catholic Weifare

Conference und Generalstaatsanwalt Tom Clark der bestürzten Öffentlichkeit, dass die USA die

kommunistische Weltverschwörung bereits im eigenen Land haben.

Am 22.3.47 verabschiedet Truman die Executice Order 9835, um die "Infiltration der Regierung mit

illoyalen Personen" aufzudecken. Innenpolitisch bedeutet die folgende McCarthy-Phobie die

Loyalitätsüberprüfung von 2,5 Mio. Regierungsbeamten, 3 Mio. Angehörigen der Streitkräfte und 3

Mio. Beschäftigten in der Rüstungsindustrie, die im Schatten der Akten des FBI leben. 500

Menschen verlieren ihre Jobs wegen "zweifelhafter Loyalität."

Aussenpolitisch besteht die einzige Möglichkeit, diese Gefahr des sowjetischen Kommunismus zu

bannen, in der Unterstützung Europas, heisst Marshall-Plan, kostet $15 Mia. und sichert die

Vorherrschaft der USA. Für die Verteilung der Gelder verantwortlich ist "Europa-Botschafter"

Avereil Harriman, der bei allen strategischen Entscheidungen der anglo-amerikanischen Allianz

mitredet.

Verteidigungsminister James Forrestal widersetzt sich der eingeschlagenen Politik, wird am

28.3.49 in einem Militärflugzeug nach Jupiter Island in Florida gebracht, wo Bush, Payson, Dillon

und Carpenter ihre Wohnsitze haben. Forrestal wird von Robert Lovett und einem Militärpsychiater

in die Mangel genommen. Im Walter Reed Army Hospital in Washington erhält er eine Insulin-

Schocktherapie und wird am 22.5. in der Klinik tot aufgefunden, was noch vor der dann

geheimgehaltenen Untersuchung als Suizid interpretiert wird.

Natürlich hat der Marshall-Plan auch wirtschaftliche Motive: Die Produktion ist nach dem

Kriegsende um 30% gesunken, und es gibt bereits 8 Millionen arbeitslose Amerikaner. Um den

Export anzukurbeln, schlug Unterstaatssekretär Clayton vor, Europa mit Krediten und

Wirtschaftshilfe zu öffnen. Zuerst erhalten England $3,75 Mia. und Frankreich $650 Mio. Kredite,

und bereits im Frühjahr 1946 steigen die US-Exporte von $4 Mia. auf $15 Mia. Durch die

Subventionen und Kredite des Marshall-Planes werden die Wirtschaftsadern eines grossen Teils

der Welt an die USA angeschlossen und geöffnet. 75% des globalen Anlagekapitals und 66% der

Industriekapazität konzentrieren sich in den USA, der Rest verteilt sich auf die anderen 95% der

bewohnten Erdoberfläche.

Damit ergibt sich eine nicht zu unterschätzende politische Macht, da durch das Abdrehen des

Geld- oder Güterstroms jederzeit ein Land destabilisiert werden kann. Deutschland, Italien und

Japan werden ,redemokratisiert', im Gegensatz zur 3. Welt, wo sich die USA fast ausnahmslos

hinter die ärgsten Diktatoren stellen.

Die Containment-Strategie verspricht doppelt vorteilhaft zu sein, indem sie den Westen stärkt und

die kriegszerstörte Sowjetunion zu Gegenmassnahmen zwingt und weiter schwächt. Stalin hatte

mit seiner Deklaration des "Sozialimus in einem Land" in den 20er Jahren die marxistisch-

leninistische These der Weltrevolution aufgegeben. In der Zwischenkriegszeit wies er die

Kommunistischen Parteien immer wieder an, sich an konservative und monarchistische

Gruppierungen zu halten und verurteilte sogar revolutionäre Tendenzen. Er nahm auch nach dem

Krieg an, die Ostblockländer würden kapitalistisch bleiben und hatte keine Absicht, ihnen

kommunistische Regierungen aufzuzwingen. Die besetzten Gebiete wollte Stalin auspressen:

Ungarn, Bulgarien, Rumänien, Finnland und Ostdeutschland müssen hohe Reparationen zahlen.

Stalin war sogar mit der Wiederführung der Monarchie in Jugoslawien einverstanden, wie in

Griechenland, und bekämpft die revolutionäre Politik Josip Titos.

Erst die Truman-Doktrin und die wirtschaftspolitische Offensive durch den Marshall-Plan lässt

Stalin aufschrecken und handeln: Zwischen dem 10. Juli und 26. August 1947 schliesst die

Sowjetunion Handelsverträge mit Bulgarien, der Tschechoslowakei, Ungarn, Jugoslawien, Polen

und Rumänien, unterstützt die Revolution in der Tschechoslowakei im Februar 1948, der im

Westen als Staatsstreich dargestellt wird. Stalin säubert die Regierungen in Osteuropa von

nationalistischen Politikern, diszipliniert sein neues Herrschaftsgebiet mittels Terror und

Schauprozessen und bricht im Juni 1948 mit dem einzigen unabhängigen Regierungschef Tito.

Um sich die dringend benötigte amerikanische Hilfe zu sichern, zog Josip Tito die Unterstützung

griechischen Rebellen zurück und verweigerte den Griechen die Benutzung der jugoslawischen

Hoheitsgebiete, womit er deren Aufstand wirksam beendet. Die USA finanzieren die Entwicklung

und Unabhängigkeit Jugoslawiens mit einem Kredit von mehr als $1 Mia, obwohl Tito seine

kommunistischen Ideen und Praktiken nie aufgegeben hat. Die CIA unterstützt die

antikommunistischen Kräfte im griechischen Bürgerkrieg, die Widerstandsbewegung in der Ukraine

von 1949-53, den Sturzversuch von Enver Hoxha 1950 in Albanien und die polnische Freiheits-

und Unabhängigkeitsbewegung 1950-52. Die Blockade Berlins vom Juni 1948 bis im Mai 1949

liefert dem Westen die Bestätigung der angeblich inhärenten Aggressivität der Sowjetunion.

Die Massnahmen zur wirtschaftlichen und politischen Integration der osteuropäischen Länder

laufen parallel mit militärischen Massnahmen: Die Russen stellen ein Blitzprogramm zum Bau von

Atombomben, Abfangjägern und der Reorganisation der Armee auf die Beine. Die nun einsetzende

Wiederaufrüstung lähmt den wirtschaftlichen Aufbau und führt zu den Revolten von 1956. Dank der

enormen Überproduktion der USA und dem Marshall-Plan entgeht Westeuropa weitgehend den

Entbehrungen der Remilitarisierung. Trotzdem zahlt auch die westliche Welt einen hohen Preis für

den Kalten Krieg.

Griechenland erhält von 1946-58 $1,59 Mia. Wirtschaftshilfe und $1,24 Mia. Militärhilfe, wovon

weitgehend die privilegierten Klassen profitieren. Die Türkei erhält $1,16 Mia. Wirtschaftshilfe und

$2 Mia. Militärhilfe, womit sie ein Heer von 500'000 Mann aufrechterhalten, aber die dringend

benötigten Strassen-, Schul- und Bewässerungsprojekte nicht bauen. Griechenland, die Türkei,

Südvietnam, Südkorea (ohne die Kriegskosten) und Taiwan erhalten Waffenlieferungen im Wert

von $7.9 Mia, womit fast 2 Mio. Soldaten kampfbereit gemacht werden. Die Amerikaner haben seit

dem 2. Weltkrieg Truppen in den Vietnam, die 1953 verstärkt und als .Berater' bezeichnet werden.

Tschang Kai-scheks Armee von 600'000 Mann ist bei einer Bevölkerung von 10 Mio. ebenfalls eine

Art Besatzungsarmee im eigenen Land.

Quellen : Horowitz: 7-84,179-182, Chotjewitz: 15-20, Matthias, Theoharis/Cox: 277ff, Epstein: 14-

19, Schulz: 165,173, CIA-Info: 13, Summers (1993): 158-169, Best: 28, Brussell (1983): 6,

Manthoulis, Ascherson 1,2, Avineri: 66, Frölich, Afterbach 5, Tarpley/Chaitkin: 54.

1947 Die Gründung der CIA top

FBI-Chef J. Edgar Hoover versuchte am Ende des Krieges, das OSS in das FBI zu integrieren, um

auch den Auslandgeheimdienst unter sich zu haben. Er organisierte eine Pressekampagne gegen

die noch geheimen Pläne Donovans, eine Central Intelligence Authority zu gründen, allerdings

ohne Erfolg. Hoovers SIS-Abteilung wie auch das OSS wurden im September 1945 durch

Präsident Truman aufgelöst. Ein Teil der Agenten wechselte in die Strategie Services Unit des

Kriegsdepartements, einige Analysten wechselten ins Aussenministerium, und die Wissenschaftler

wollten wieder lehren und forschen.

Insgesamt arbeiteten während des Zweiten Weltkriegs 75'000-100'000 Agenten in den US-

Geheimdiensten. Das OSS beschäftigte bei Kriegsende 13'000 Mann, 16'000 waren bei der

Funkabhör-Abteilung und 14'500 bei der Briefkontrolle. Dazu kamen die Dienste der Truppen, der

Kommandos und der Spionageabwehr. Meist drängten Angehörige der Oberschicht in den

ungefährlichen und vornehmen "Oh So Social"-Dienst, wobei aber nur etwa die Hälfte der Agenten

als qualifiziert galten und Korruption weit verbreitet war.

Am 22.1.46 unterzeichnet Truman eine Direktive zur Gründung eines neuen Geheimdienstes, der

National Intelligence Authority, dessen operativer Arm die Central Intelligence Group sein soll. Die

Veteranen des OSS arbeiten daraufhin im Office of Special Operations innerhalb der CIG weiter.

Auf der Grundlage des National Security Act wird im September 1947 das Pentagon geschaffen,

das Armee, Flugwaffe und Marine vereint. Während dem Kalten Krieg wächst das Pentagon zu

einem Koloss, der 3 Millionen Angestellt und 2 Millionen Berufssoldaten umfasst und ein Budget in

der Höhe des französischen Staatshaushalts erhält. Vier Millionen Amerikaner arbeiten in der

Rüstungsindustrie, die weitere 10'000 Zulieferfirmen beschäftigt.

Zudem wird das National Security Council gegründet, und aus OSO und CIG wird die Central

Intelligence Agency aus der Taufe gehoben. Die CIA soll keine Feldoperationen durchführen,

sondern sich, unabhängig von den militärischen Geheimdiensten und des FBI, auf

Nachrichtenauswertung konzentrieren. Aber bereits im Gründungsjahr werden die Mittel für die CIA

von $47 auf $70 Mio. erhöht und im Juni 1948 autorisiert Präsident Truman "Propaganda,

wirtschaftliche Kriegsführung, vorbeugende direkte Aktionen einschliesslich Sabotage, Zerstörung

und Massnahmen der Evakuierung; Subversion gegen feindliche Staaten einschliesslich der

Unterstützung von Partisanen und Flüchtlingsgruppen für die Befreiung sowie Unterstützung

einheimischer antikommunistischer Kräfte der freien Welt." Kontrolliert wird die CIA durch das

National Security Council und untersteht somit direkt dem Präsidenten.

Hoover verweigert die Zusammenarbeit mit der CIA. Der Chef der CIA-Gegenspionage James

Jesus Angleton ist wie Meyer Lansky im Besitz von kompromittierenden Photos Hoovers, die ihn

bei homosexuellen Aktivitäten zeigen. Offenbar bekam er sie von der Naval Intelligence, die mit der

Mafia beim Hafenschutz, bei Einbrüchen und Drogenexperimenten zusammenarbeite.

Hoovers Kampf mit Vertretern der CIA ist mehr als nur ein persönliches Machtspiel: Es geht um

verschiedene Visionen, wie die USA expandieren soll. Die globalistische Fraktion, zu der die

Ölmultis und die CIA gehören, steht gegen die von Hoover untertsützte nationalistische Gruppe,

die sich auf die Kontrolle des Hinterhofs beschränken will. Hoover führt die "unlabeled blind

memos" ein, wenn er dem Weissen Haus Geheiminformationen zukommen lässt, damit die Quelle

nicht festgestellt werden kann.

Obwohl die Kommunistische Partei der USA nur 80'000 Mitglieder hat (0,053% der Bevölkerung),

von denen etwa 25'000 Industriearbeiter sind, schürt Hoover die Kommunismusangst und erreicht,

dass alle neuen Staatsangestellten auf ihre Loyalität überprüft werden. Hinter dem Angriff des

"House of Un-American Activities Committee" auf Hollywood steht ebenfalls Hoover, dessen

Agenten im Untersuchungsteam unter der Leitung von Ex-FBI-Agent Allen Smith dabei sind. Die

Angriffe des HUAC auf die Filmindustrie wegen kommunistischer Unterwanderung bricht die Macht

der jüdischen Filmmogule endgültig. Die Mitarbeiter der Filmindustrie und andere Künstler und

Schriftsteller werden in den nächsten sieben Jahren am Telephon abgehört, ihre Post wird geöffnet

und man klagt sie oft wegen Lächerlichkeiten an. FBI-Spitzel Ronald Reagan profiliert sich als

Denunziant für das HUAC in Hollywood besonders. Der Präsident der Screen Actors Guild

schliesst 1952 ein Spezialabkommen mit der Music Corporation of America MCA, die das Monopol

über die Buchungen der Künstler und damit über die Unterhaltungsindustrie besitzt. Die 1924 von

Jules Stein gegründete Music Corporation of America ist heute ein $2 Mia.-Imperium und besitzt

die Universal Pictures und Universal Television, Buch- und Musikverlage, Plattenfirmen,

Transportfirmen, Videoverleihs, eine Sparkasse, Grundbesitz, Kabelnetzfirmen und mehr.

Im Komitee hat Hoover andere Verbündete gefunden: die Repräsentanten Karl Mundt und Richard

Nixon, der sich 1937 als junger Jurist beim FBI als Agent beworben hatte, aber wegen seinem

Einbruch in das Dekanat der Jura-Fakultät abgelehnt wurde. Hoover spannt Nixon ein und schiebt

ihm über Priester John Cronin und die FBI-Mitarbeiter Ed Hummer, Louis Nichols und Lou Russell

Dokumente und Informationen zu. Nixon besuchte bereits 1936 die Anwaltsfirmen von William

Donovan und von John Foster Dulles und kann während dem Krieg Nazidokumente von Allen

Dulles prüfen. Die Dulles-Brüder, die während dem ganzen Krieg Beziehungen mit einflussreichen

Nazis unterhielten, unterstützten Nixons Wahlkampf und lassen ihm über Thomas Dewey

Geheimdienstmaterial über den angeblichen Kommunisten Alger Hiss zukommen. Mit dem Fall

Hiss versuchen die Republikaner, den Demokraten Truman wegen Nachlässigkeit gegenüber dem

Kommunismus zu diffamieren. Das 1938 einberufene HUAC unter J. Parnell Thomas, der wegen

Steuerhinterziehung verurteilt wird, beginnt 1947 mit der Kommunistenjagd, die unter Joseph

McCarthy Tausende von Amerikanern ihre Stelle kostet.

Quellen : Horowitz: 269f, Schulz: 57,69-71,201-204, CIA-Info: 13, Summers (1993): 245ff, (2000):

62-66, Theoharis/Cox: 273-314, Frölich, Moldea: 2-7, Uesseler/Saupe: 30-37, Laurent: 22.

1947 CIA und Kriegsverbrecher top

Angesichts des sich abzeichnenden Konflikts mit der UdSSR rekrutieren die Geheimdienste OSS/

CIG/CIA und das Pentagon ehemalige Nazis und Nazikollaborateure. Von 1945-55 stellt das

Pentagon 765 Wissenschaftler, Ingenieure und Techniker Nazideutschlands ein, von denen die

Mehrzahl der NSDAP oder der SS angehörten wie General Walter Dornberger, Arthur Rudolph,

Wernher von Braun, Emil Augsburg oder Herbert Axster. Von den 150'OOu Kriegsverbrechern

werden lediglich 50'000 verurteilt, und vermutlich sind fast "lO'OOO Kriegsverbrecher vom

Geheimdienst angestellt und meist in die USA gebracht worden, um sie aufgrund ihres

Antikommunismus und ihrer Kenntnisse gegen die Sowjetunion einzusetzen.

Der erste CIA-Chef Allen Dulles verhinderte bereits 1945 mit der Operation SUNRISE, dass

führende Nazis den Russen in die Hände fielen. SS-General Karl Wolff, Dulles, Donovan und Pater

Felix Morlion organisieren die Flucht der Nazis mithilfe der Katholischen Kirche. Felix Morlion baute

den vatikanischen Geheimdienst Pro Deo in Lissabon auf. Mit dem Kriegseintritt kam Morlion mit

der Unterstützung von OSS-Chef William Donovan in die USA und gründete das "American

Council for International Promotion of Democracy Under God" in New York. Im selben Gebäude an

der 60th Street befindet sich das Büro von William Taub, der als Mittelsmann von Richard Nixon,

Howard Hughes, Aristoteles Onassis und Jimmy Hoffa fungiert und dessen Name bei der

Watergate-Affäre auftaucht. Taub ist ein Vertrauter von Kardinal Alfredo Ottaviania, der die Gabe

Mussolinis von $89 Mio. an den Vatikan arrangierte, um die "Neutralität" der Kirche zu garantieren.

Die Spende ging auf ein Spezialkonto der Vatikan-Bank, für das Michele Sindona nach dem Krieg

verantwortlich ist. Nach der Befreiung Italiens 1944 zog Morlion und das Pro Deo nach Rom. Papst

Pius XII. zeichnete Donovan mit dem Grossen Kreuz des St. Sylvester-Ordens, Reinhard Gehlen

und James Jesus Angleton mit dem Malta-Orden aus.

Die Katholische Kirche arbeitete schon lange mit den Faschisten zusammen und half Mussolini

und Hitler, ihre Macht zu etablieren. Seit Papst Pius IX. mithilfe der Franzosen den Kirchenstaat

1850 zurückeroberte, war die Kirche wieder autokratisch und strikt antisemitisch. Obwohl die

meisten Staaten Europas die Judenemanzipation durchgesetzt hatten, Hess der im Jahr 2000 von

Johannes Paul II. seliggesprochene Pius IX. die Mauern des Judenghettos wieder hochziehen,

hielt die Juden mit Steuerauflagen in Armut und setzte den Talmud auf den Index der verbotenen

Bücher. Pius Hess sich als "Vice-Gott der Menschheit", "lebendiges Ebenbild Gottes" oder "König

der Könige" verehren. Durch Zwang und Manipulation führte das Erste Vatikanische Konzil 1870

das Doppeldogma vom Universalprimat und der Unfehlbarkeit des Papstes ein, womit der Papst

alle Entscheidungen allein fällen kann.

In Italien schlössen der Advokat Francesco Pacelli und der Kardinal Eugenio Pacelli, (der spätere

Papst Pius XII.) mit Benito Mussolini am 1 1 .2.29 die Lateranverträge ab, welche der Kirche die

staatlichen Hoheitsrechte, Territorien, Reichtümer und die Erziehungshoheit zurückgeben. Diese

Verträge und das Konkordat mit Hitler von 1933, das unter anderen die Kirchensteuer brachte,

bilden die Grundlage des katholischen Finanzimperiums des 20. Jahrhunderts. Die Verträge

werden nach dem Krieg in die italienische Verfassung und ins Bonner Grundgesetz übernommen.

1958 wird der Gesamtbesitz des Vatikans an Kapitalbeteiligungen auf DM 50 Mia. geschätzt.

Karl Wolff, der die Idee zur Diaspora seiner Kollegen mithilfe des Vatikans hatte, ist verantwortlich

für die Ermordung von 300'000 Juden in Treblinka. 1983 ist er mit alten SS-Kumpanen wie Gert

Heidemann auf einem Tom mit der Yacht von Hermann Görings Wittwe. Melvin Belli ist nicht nur

der Anwalt von Emmy Göring, sondern auch von Jack Ruby und Schauspieler Errol Flynn, der mit

Gestapo-Agent Hermann Friedrick Erban kollaborierte und ein Freund von Ronald Reagan ist.

Tausende von Nazis können dank der Operation INTERMARIUM des Vatikans, abgesegnet von

Papst Pius XII. und gemanagt von Giovanni Montini, dem späteren Paul VI, und der Operation

RATLINES des britischen Geheimdienstes nach Nord- oder Südamerika entkommen. Dazu

gehören Adolf Eichmann, der Organisator der Judentransporte in die Vernichtungslager, Franz

Stangl, der Kommandant von Treblinka, SS-General Walter Rauff, der Erfinder der mobilen

Gaskammern, Josef Mengele, als Auschwitz-Arzt an Menschenexperimenten und am Tod von

400'000 Menschen beteiligt, oder die Ustaschaführer Ante Pavelic und Andrija Artukovic, die

zusammen die Ermordung von 400'000-750'000 Serben und Juden organisiert hatten. Artukovic ist

gleichzeitig britischer Agent, und entkommt im November 1946 in die Schweiz, von wo er über

Irland nach Los Angeles flieht. Pavelic organisierte bereits vor dem Krieg Bombenattentate und die

Ermordung des jugoslawischen Königs Alexander vom 9.10.34 in Marseille, wonach er bei

Mussolini Unterschlupf fand. Nach der Eroberung Jugoslawiens durch Hitler übernahm Pavelic die

Macht, errichtete Konzentrationslager, in denen unter der Leitung von Vjekoslav Luburic 350'000

Menschen ermordet wurden. Pavelic säuberte Kroatien von 80% der jugoslawischen Juden und

bekehrte die orthodoxen Serben zwangsweise zum Katholizimus. 299 serbisch-orthodoxe Kirchen

wurden ausgeraubt und geschleift. Erzbischof Alois Stepinac arbeitet in allen Bereichen mit den

Schlächtern zusammen, und der Papst gewährt Pavelic zwei Privataudienzen. Pavelic und seine

Getreuen fliehen nach dem Zusammenbruch ins britische Österreich, wo der britische

Geheimdienst ihn beschützt. Im April 1946 flieht er als katholischer Priester verkleidet nach Italien,

wo er sich dank Priester Krunoslav Draganovic im Vatikan versteckt. Die CIG/CIA arbeitet mit

Draganovic zusammen, der selbst als Kriegsverbrecher gesucht wird. Draganovic ist der Vertreter

des Roten Kreuzes und kann für die Ustascha-Mitglieder Pässe ausstellen lassen, womit Pavelic

als ungarischer Flüchtling Pablo Aranjas im Herbst dank Prater Petranivoc von Genua nach

Buenos Aires ausreisen kann. Der argentinische Präsident Juan Peron, der 35'000 Visas für

Ustaschas ausstellen Hess, die ihm gegen die Kommunisten helfen sollen, beruft Pavelic zu seinem

Sicherheitsberater.

Den Russen gelingt mit der Anheuerung von Kim Philby die Penetration in die Operation

RATLINES. Auch der zaristische Prinz Anton Turkul, mit dessen faschistischem Spionagenetz die

CIA zusammenarbeitet, ist ein Doppelagent. Dank dem Schutz der CIA, dem Pentagon und von

George F. Kennan vom State Departement entgehen Verbrecher wie Klaus Barbie, Otto von

Bolschwing, Alois Brunner, Gustav Hilger, Vilis Hazners, Heinrich Herwarth, Mykola Lebed, Franz

Six, Pavlo Shandruk oder Otto Skorzeny einer Verurteilung und bilden in den USA eine Art "Viertes

Reich". Kennan konsultiert regelmässig seinen Freund Gustav Hilger, bevor er Präsident Truman

Vorschläge zur West-Ost-Politik unterbreitet, eine Funktion, die Hilger bereits Ribbentrop und Hitler

gegenüber einnahm. "Es war unbedingt notwendig, dass wir jeden Schweinehund verwendeten,

Hauptsache, er war Antikommunist", meinte CIA-Geheimoperationsleiter Harry Rositzke. Kennan,

ener der einflussreichsten Diplomaten, schreibt in einen Memorandum 1948: "Wir besitzen etwa

50% des Reichtums der Welt, aber nur 6,3% ihrer Bevölkerung [...] In einer solchen Situation

müssen wir das Ziel von Neid und Erbitterung sein. Unsere wahre Aufgabe für die nächsten Zeiten

wird darin bestehen, ein Netzwerk von Beziehungen zu entwerfen, die uns erlauben werden, die

Position der Ungleichheit aufrecht zu erhalten, ohne dass die nationale Sicherheit dabei Schaden

nimmt. Um dies erfolgreich zu tun, müssen wir uns von Sentimentalitäten uns Wunschträumen

verabschieden [...]: unrealistische Ziele wie Menschenrechte, die Verbesserung des

Lebensstandards oder Demokratisierung."

Der ehemalige SS-Major Otto Skorzeny arbeitet mit der CIA zusammen und erhält von Dr. Fritz

Thyssen und Dr. Gustav Krupp Geld, um Todesschwadronen aufzubauen: die "Todesengel" in

Bolivien, "die Antikommunistische Allianz" in Argentinien und, zusammen mit Stephano delle

Chiaie, die "Guerilla von Christus dem König" in Spanien. Skorzeny wird 1947 von den

Amerikanern freigelassen und zieht nach Madrid, wo er die International Fascista gründet, bei der

ehemalige SS-Angehörige, französische OAS-Terroristen und Geheimpolizisten der

portugiesischen PDID arbeiten.

Die Geheimpolizei in Los Angeles unterhält eine Abteilung mit demselben Kürzel: die Public

Disorder Intelligence Division sammelt mithilfe eines computerisierten Dossiersystems der Western

Goals von Larry McDonald Geheimdaten der Bürger. McDonald ist einer der Führer der John Birch

Society, und Western Goals Filialleiter in Deutschland Eugene Wigner versorgt Gehlens BND mit

Geheimdaten. Zu den Verwaltungsräten von Western Goals gehören die Kalten Krieger Edward

Teller, der Vater der Wasserstoffbombe, Admiral Thomas Moorer und der ehemalige

Luftwaffenpilot Dr. Hans Senholt. Skorzeny ist verantwortlich für die Paladin-Söldner, die unter dem

Cover der M.C. Inc. arbeiten. Geschäftsführer dieser Import-Exportfirma in Madrid ist Dr. Gerhard

Hartmut von Schubert, der zuvor im Propagandaministerium für Goebbels arbeitete.

Skorzenys Operationszentrum befindet sich im selben Gebäude in Albufera wie der spanische

Geheimdienst SCOE von Colonel Eduardo Blanco. Auch die CIA hat Büroräume in diesem Haus.

Skorzeny ist ein Freund des faschistischen Finanzmannes Prinz Justo Valerio Borghese, der von

James Jesus Angleton vor der Exekution durch die italienische Resistance gerettet wurde, und von

Jose Lopez Rega, der grauen Eminenz hinter Juan Peron. Die Freigabe der Konten von Hitler-

Sekretär Martin Bormann, der sich nach Paraguay absetzte, und der an Krebs gestorbenen Evita

Peron, die unter ihrem Namen auf 40 Schweizerkonten $100 Mio. in Geld und $40 Mio. in

Diamanten angelegt hatte, führt 1953 zu einem Kampf um die Gelder und zu den Ermordungen

von Evitas Bruder Juan Duarte, von Schacht-Assistent Heinrich Dorge und von Nazi-Banker Rudolf

Feude. Hjalmar Schacht ist Skorzenys Schwiegervater.

Der bekannteste der geretteten Nazis dürfte Generalleutnant Reinhard Gehlen sein. Seit 1920

Mitglied der Reichswehr, wurde er unter Hitler 1942 als Chef des Generalsstabs, Abteilung Fremde

Heere Ost, der höchste Geheimdienstoffizier an der Ostfront und damit mitverantwortlich für der

Tod Hunderttausender. Im März 1945 hatten er und seine Offiziere ihr umfangreiches

Spionagematerial über die Sowjetunion und die sowjetische Armee auf Mikrofilm aufgenommen

und diese auf einsamen Wiesen in den bayrischen und österreichischen Alpen vergraben. Im

August wird Gehlen in einer US-Uniform, während die Russen den Kriegsverbrecher suchen, in die

USA geflogen und von OSS-Chef William Donovan persönlich verhört. Gehlen verhandelt mit

führenden Geheimdienstlern wie Allen Dulles und J. Edgar Hoover und entgeht dank seinem

Material einer Verurteilung als Kriegsverbrecher. Die Aquirierung durch die CIA erfolgt so geheim,

dass der militärische Geheimdienst Counter Intelligence Corps ihn offiziell bis 1949 sucht. "Er steht

auf unserer Seite", erklärt Dulles, "und nur darauf kommt es an".

Die USA bezahlen im ersten Jahrzehnt nach dem Krieg $200 Mio. für die Fortsetzung der

Spionage- und Subversionstätigkeit von Hitlers ehemaligen Geheimdienstchef, obwohl Hitler selbst

das Versagen des deutschen Geheimdienstes gegenüber der Sowjetunion eingestanden hatte.

Gehlen setzt meist ehemalige Geheimdienstexperten der SS, des SD und der Wehrmacht ein, um

seine Organisation mit 4000 Mitarbeitern aufzubauen. 1947, als Millionen zurückkehrender

Kriegsgefangener verhört werden, wechselt die ,Org' von Taunus nach Pullach bei München, wo

sie von einer deutschen Sondereinheit bewacht wird. Gehlen fördert die im US-Geheimdienst

bereits vorhandene Antikommunismus-Paranoia und liefert Falschinformationen über die

angebliche soziale, politische und wirtschaftliche Fragilität und militärische Potenz Russlands, die

den Kalten Krieg massgeblich verschärfen und beinahe zum Dritten Weltkrieg führen. Allen Dulles

benutzt Gehlen zur Legitimation der Remilitarisierung, denn er kennt aufgrund eigener Quellen den

desolaten Zustand Russlands. Nichts so General Lucius Clay, der sich von der bevorstehenden

russischen Welteroberung überzeugen lässt, wie die meisten Amerikaner. Aussenminister John

Foster Dulles: "Um den Menschen die Last erträglich zu machen, müssen wir eine emotionale

Atmosphäre schaffen, die ähnlich ist wie das Gefühl des Kriegszustandes. Wir müssen das

Phantom einer äusseren Gefahr schaffen." Die Hysterie überzeugt schliesslich, und die

Rüstungsindustrie kann ihre Auftragsbücher wieder füllen.

Obwohl immer noch der CIA unterstellt, arbeitet die Gehlen-Organisation ab 1951 auch für die

Bundesregierung. 1953 ist die Gehlen-Organisation am Sturz Mossadeghs im Iran beteiligt. 1954

wird der Chef des westdeutschen Geheimdienstes Otto John mit einer Verleumdungskampagne

der CIA gestürzt und Gehlen wird offizieller Chef des von den USA mit $6 Mio. finanzierten

Geheimdienstes BND. Der BND wird innerhalb kurzer Zeit der grösste Nachrichtendienst in Europa

und ist zuständig für die DDR, die CSSR und Polen. Beim BND öffnen beispielsweise 250

Geheimdienstler jährlich 1,6 Millionen Briefe aus und in diese Länder. Gehlens Vertreter in den

USA ist ab 1954 der SS-Offizier Otto Albrecht von Bolschwing, der Eichmanns Chef war und

gleichzeitig mit Dulles OSS-Abteilung zusammenarbeitete. Eimer Bobst von der Warner-Lambert

Pharmaceutical, der Richard Nixons politische Karriere ermöglicht, wird ein Vertrauter von

Boschwings, der 1960 für die Kampagne Nixons arbeitet. 1960 wird Karl Adolf Eichmann vom

Mossad entführt und 1962 in Israel hingerichtet. 1969 ist von Bolschwing an der kalifornischen

Hightechfirma TCI und deren geheimen Rüstungsaufträgen des Pentagon beteiligt. Von

Bolschwing pflegt mit Ronald Reagans Sekretärin Helene van Damme, die während der

Präsidentschaft ihres Bosses Botschafterin in Österreich wird, eine enge Freundschaft. Auch SS-

Sturmbannführer Alois Brunner, der als Mitarbeiter von Adolf Eichmann am Tode von 128'000

Juden mitverantwortlich war, arbeitet als Dr. Georg Fischer in Syrien für die Organisation Gehlen

und den syrischen Geheimdienst.

Neben der Gehlen-Organisation werden von den USA andere Organisationen wie die "Tostoj-

Stiftung", die "Union der Bischöfe der Orthodoxen Kirche ausserhalb Russlands" oder die

aggressive "Kampfgruppe gegen die Unmenschlichkeit" aufgebaut und über das Counter

Intelligence Corps der US-Armee, die CIA, die Ford Foundation, das Rote Kreuz, die US-

Gewerkschaften und die Caritas finanziert und gesteuert. Nachdem die "Kampfgruppe gegen die

Unmenschlichkeit" KgU 1951 von Greuelpropaganda zu aktiver Sabotage in Ostdeutschland

wechselt, wird die Unterstützung zurückgefahren, obwohl Willy Brandt 1952 bereit ist, die Leitung

zu übernehmen. 1954 wird die Fianzierung eingestellt, und Ende der 50er Jahre löst sich die KgU

auf. Eine ähnliche Organisation ist der von der CIA gegründete "Untersuchungsausschuss der

freiheitlichen Juristen in der Sowjetzone". Auch die von den grösseren Parteien errichteten

Ostbüros, von denen das der SPD wirkliche Bedeutung erlangt, betreiben Propaganda, Spionage

und Sabotage, um einen Aufstand im sowjetischen Teil auszulösen. Zudem wird der von den

Deutschen finanzierte Spionagering der Falange in Lateinamerika und die Saibatsu-Organisation in

Japan in den Dienst der USA genommen. Man verwendet sie wegen ihrer Erfahrung für

Propaganda und psychologische Kriegsführung, braucht sie in Laboratorien oder bildet sie als

Guerillakämpfer aus, die nach einem Atomangriff auf die UdSSR eingesetzt werden sollen.

Finanziert werden diese Aktionen durch beschlagnahmte Nazivermögen, die wiederum meistens

von enteigneten Juden oder aus Kriegsbeute stammen.

Quellen : Simpson: 21-59, Köhler: 34f, Horowitz: 269f, Schulz: 57,69-71,201-204, CIA-Info: 13,

Scott, Arons/Loftus, Bradley, Deschner (1962): 524-528, 563-569, (1965): 17-50,97-259, (1968),

Meier: 2, Uesseler/Saupe: 30-37, Theoharis/Cox: 277ff, Kilian (2001 f), Best: 26, Pilger: 49,

Summers (1993): 154-157, Brussell (1983): 1-8, Konkret 8/1964, Ranelagh/Trehame: 1, Loftus,

Aarons/Vicary, Herman: 36f, Avineri: 66, Levin, Lapham (2004), Hübner/Sperlich, Schoch: 5, Karel

(2003).

1948 CIA in Italien top.

Die CIA hat in Italien ihre ersten Erfolge, da es Frank Wisner und seinem Team gelingt, den

Einfluss der Kommunisten bei den ersten italienischen Nachkriegswahlen 1948 einzudämmen.

Statt der prognostizierten Mehrheit von 51% kommt der kommunistisch-sozialistische Block nur auf

30% der Stimmen. $10 Mio. wurden an Parteien und Kandidaten vergeben und anonyme

Broschüren verteilt, in denen kommunistische Kandidaten als Feinde der Kirche oder wegen ihres

Sexuallebens angegriffen wurden. Propaganda, Wählereinschüchterungen durch die Mafia und die

Drohung des amerikanischen Aussenministers George Marshall, sofort jede Hilfe zu stoppen,

würden die Linken gewählt, bringen den Christdemokraten eine satte 53%-Mehrheit. Während den

Wahlen liegen amerikanische und britische Kriegsschiffe in den italienischen Häfen vor Anker.

Von 1948 bis 1968 zahlt die CIA durchschnittlich $30 Mio. pro Jahr an bürgerliche und

sozialdemokratische Politiker Italiens wie Gulio Andreotti, Giuseppe Saragat oder den

christdemokratischen Gewerkschaftsführer Vito Scalia. In Zusammenarbeit mit der CIA wird in

Italien der militärische Geheimdienst Sifar aufgebaut, der Akten über 157'000 prominente Politiker,

Bischöfe, Journalisten, Gewerkschaftsführer, Industrielle, Künstler und Offiziere führen wird.

In Sizilien funktioniert die Zusammenarbeit zwischen Staat und organisierter Unterwelt unter

Calogero Vizzini, und ab 1954 unter Giuseppe Genco Russo, ausgezeichnet. Die absolute

Mehrheit der Democrazia Cristiana ist gesichert, mit dem Erzbischof von Palermo und der lokalen

Polizei versteht man sich, während Sozialisten und Kommunisten häufig nicht alt werden. Russo

selbst wird ins Provinzkomitee der DC gewählt, etwas später wird er Mitglied des Sizilianischen

Parlaments, und ab 1960 ist er Bürgermeister von Mussomeli. Schon vorher löst er die engagierten

Bauerngenossenschaften auf und gründet eigene, unter seiner Kontrolle stehende

Bauernverbände, womit er die Verteilung des Landes an die Bauern weitgehend verhindern kann.

Dankesgelder der von der Enteignung bedrohten Landbarone und die Verfügungsgewalt der

Verbandskassen von 57'OOu Bauern verbessern seine Einnahmen, die unter anderem aus

Weiterverpachtung von grossen Ländereien an arme Bauern zu horrenden Zinsen und den

Entwicklungsgeldern für den Süden bestehen. Von 1947 bis 1971 fliessen 830 Mia. Lire für

Wohnungs- und Strassenbau, Staudämme und Wasserleitungen nach Sizilien, und von 1972 bis

1976 weitere 630 Mia. Die Aufträge dazu holen sich fast ausschliesslich mafiose Firmen, wobei die

Gelder dann, meistens ohne brauchbare Resultate, versickern.

Der Erfolg in Italien ist der Beginn der systematischen Einmischung der CIA in andere Länder.

1948 intervenieren die USA auch in Costa Rica mit Hilfe der nicaraguanischen Nationalgarde

Somozas, und erste Militärberater werden nach El Salvador geschickt. 1949 wird der Central

Intelligence Act angenommen, der der CIA absolute Geheimhaltung von Funktionen, Namen und

Anzahl der Angestellten sowie der Aufgaben, Gehälter und Finanzierung garantiert.

Frank Wisner, Dulles ehemaliger Assistent, baut nach seinem Erfolg ein Agentennetzwerk in

Osteuropa auf und gründet 1949 das Radio Free Europe. Unter Allen Dulles arbeitet er an der

Albanien-Invasion, bei der aber alle Exilalbaner, die im April 1950 von Griechenland ins Land

einfallen, unmittelbar verhaftet werden. Bis 1953 versuchen die USA und Grossbritannien erfolglos,

die kommunistische Regierung zu stürzen und eine neue Pro-Westliche Regierung einzusetzen,

die hauptsächlich aus Monarchisten und Faschismussympathisanten bestanden hätte.

Bereits jetzt wird Kim Philby verdächtigt, Informationen weitergeleitet zu haben. Der Sohn des

britischen Agenten Harry St. John Philby wurde während seinem Studium in Cambridge Marxist

und trat 1940 in den Secret Intelligence Service ein und steigt 1944 zum Leiter der Spionage-

Abwehr auf. Kim instruierte James Angleton, wie man Nazispione zu Doppelagenten aufbauen

kann, die Falschmeldungen nach Berlin schicken. Im folgenden Jahr offerierte ein hoher KGB-

Offizier auf der britischen Botschaft in Istanbul, zwei British Foreign Office-Diplomaten und einen

Gegenspionageagenten, die für die Sowjetunion arbeiten, gegen Geld zu identifizieren. Philby flog

in die Türkei, worauf ein russisches Militärflugzeug einen Verhafteten von Istanbul ausfliegt und der

Agent nicht mehr gefunden werden kann. 1949 wird Philby britischer Verbindungsagent in

Washington mit Zugang zu Geheimdokumenten, trifft sich regelmässig mit dem Chef der

Gegenspionage der CIA und hilft dem FBI, Spione zu enttarnen. 1951 fliehen die beiden britischen

KGB-Doppelspione Guy Burgess und Donald Maclean, die Zugang zum Hauptquartier der Atomic

Energy Commission haben, in die UdSSR. Philby muss daraufhin nach London zurückkehren,

wobei viele britische Geheimdienstagenten vermuten, dass er ein Opfer der McCarthy-Hysterie sei.

Erst als er sich 1963 selbst in die UdSSR absetzt, wird wirklich klar, dass er als sowjetischer

Doppelagent gearbeitet hat.

Quellen : Horowitz: 76, Raith: 20ff.57.88, Schulz: 82,164, Best: 27f, Meurice.

1948 Die CIA und die Gewerkschaften top

Dave Dubinsky von der International Ladies Garment Workers' Union sponsert den

Gewerkschaftsführer Jay Lovestone, der das AFL Free Trade Union Committee aufbaut. Über

diese Organisation laufen James Jesus Angletons Kontakte zur Mafia (z.B. von New York) und

werden Gelder verschoben (z.B. zu den korsischen Gangs in Marseille). Angleton startete 1943

beim OSS und wurde nach Rom abgeordnet, wo er Helms und Dulles kennenlernte. Angletons

Einheit entdeckte die Geheimpost von Hitler und Moussolini. Als Stationschef in Rom ist Angleton

zusammen mit Raymond Rocca an der Operation gegen die Kommunisten in Italien beteiligt, wobei

er mit Harry Anslingers Topagenten George White und Charles Siragusa zusammenarbeitet.

Mithilfe von neuen Identitätspapieren ermöglicht er vielen Nazis zur Flucht aus den

Gefangenenlagern. 1948 tritt Angleton der CIA bei, wird Direktor der Gegenspionage und legt

Dossiers über eigene Mitarbeiter an, um seine Macht zu sichern.

Der ehemalige Kommunist Jay Lovestone benutzt die Gewerkschaft American Federation of Labor

als Deckmantel für CIA-Programme. Vor allem beim Aufbau der deutschen antikommunistischen

Gewerkschaften spielt Lovestone eine entscheidende Rolle, nachdem er die

Konkurrenzgewerkschaft CIO in die AFL integrieren kann. Dank den grossen finanziellen

Ressourcen kann Lovestone Kongresse und Hilfsprogramme in Deutschland durchführen, bezahlt

deutsche Politiker der Christ- und Sozialdemokraten und Gewerkschafter wie Fritz Heine, Willy

Richter, Ernst Reuter, Willy Brandt oder Carlo Schmidt.

Lovestone und sein Mitarbeiter Irving Brown haben auch enge Beziehungen zu den Pressehäusern

und bezahlen einige wie den Universum-Verlag, die den American Way of Life propagieren.

Lovestone gibt anfangs $200'000, aber schon nach kurzer Zeit über $ 1 Mio. pro Jahr für die CIA

aus. Auch der Chef des Dachverbandes der Gewerkschaften Victor Reuther unterstützt die

deutschen Gewerkschaften, aber nicht im Auftrag der CIA, abgesehen von einem Scheck von

Thomas Braden über $50'000, womit ihn die CIA zu erpressen versucht.

Quellen : Scott (1993): 195, Weberman (6): 3, Drugwar (1): 2, Schröder, Konkret Nr.8/1973, Levin.

1948 Howard Hughes und die Politik top

Howard Hughes wurde aufgrund seines schweren Flugzeug-Unfalls codein- und morphinsüchtig

und bleibt es bis zu seinem Tod. 1947 verschwand Hughes zweimal, um seinem neuen Schwärm

Jean Peters nach Mexico zu folgen und um einer Senatsvorladung zu entgehen. Seit 1946 stellen

die Republikaner nach 16 Jahren wieder die Mehrheit im Kongress. Ein Senatskomitee unter Ralph

Owen Brewster begann, die Kriegskorruption zu untersuchen. Hughes schmierte Roosevelt über

dessen Sohn Elliott und Truman persönlich, unterhielt hohe Militärs mit Prostituierten und kassierte

$40 Mio, ohne auch nur ein einziges Flugzeug zu liefern. Um das Senate War Investigating

Committee zu bremsen, stellte Hughes den Kolumnisten Drew Pearson und seinen Assistenten

Jack Anderson ein, um eine Schmutzkampagne über den Vorsitzenden zu starten. Engagierte

Detektive beschäftigten sich mit Senator Brewsters Beteiligungen an der Pan American Airways,

die über Steuererleichterungen und Regierungsfranchisen marktführend geworden ist und dank

Brewster die Exklusivrechte für Überseeflüge erhalten hat. Pan Am ist die Hauptkonkurrentin der

Trans World Airways, an der Hughes seit 1939 massgeblich beteiligt ist. Im August 1947 stellte er

sich dem Senatsausschuss und sah erstmals die FBI-Reporte der vierjährigen Abhörung seiner

Telefone und Hotelsuiten, wobei auch seine Geliebten beschattet wurden. Auch Brewster bezahlte

einen Polizeileutnant, Joseph W. W. Shimon, der Hughes Hotelzimmer in Washington verwanzte

und sein Telefon anzapfte. Hughes schlug zurück, indem die Schindler Detective Ageny Brewsters

Zimmer im Mayflower Hotel verwanzte und herausfand, dass Brewster auf allen Pan Am-Flügen

gratis fliegt und seine Ferien von der Airline bezahlen lässt. Die Untersuchung gegen Hughes

wurde daraufhin fallengelassen.

Kurz darauf "entstehen" etwa hundert "Hughes for Presidenf-Clubs in allen grösseren Städten,

und Hughes wird zum Hauptlieferanten von Elektronik für die Air Force. Im November 1947 flog

Hughes das erste und letzte Mal eine Meile weit seine hölzerne Herkules (Spruce Goose), deren

Entwicklung den Staat $22 Mio. und seine Hughes Tool Company $50 Mio. gekostet hatte.

Im Mai 1948 kauft er die RKO, das drittgrösste Filmstudio hinter MGM und Twentieth Century Fox,

und bietet Brewster einen Job als Schauspieler an, für $300 pro Woche, weil er kein Anfänger sei.

1952 unterstützt Hughes grosszügig die Senatskampagne des Gegners, worauf Brewster seinen

Sitz verliert. RKO läuft schlecht, weshalb Hughes seine Aktien im September 1952 abstossen will.

Aber nach einem Bericht des Wall Street Journals, wonach die 5 Käufer mit der Mafia verhängt

seien, abgebrochen wird.

Als das House on Un-American Activities Committee seine Untersuchungen in Hollywood

durchführt, zeigt sich Hughes sehr kooperativ. Die Büros werden verwanzt und Drehbuchautor

Paul Jarrico, der sich weigert, vor dem Ausschuss auszusagen, wird gefeuert, was Hughes das

Lob von Nixon einbringt. Hughes kommt einem daraufhin geplanten Streik der Screen Writer's

Guild zuvor, indem er gleich hundert Angestellte entlässt. Zudem verbietet er die Präsentation des

Films Limelight in seinen Kinos, weil sich Charles Chaplin ebenfalls die Aussagen verweigerte.

RKO schreibt unter seiner Führung bis zum Verkauf 1955 $24 Mio. Verluste, auch wegen seinen

permanenten Interventionen bei den Filmen. Hughes verlangt von seinem Umfeld absolute

Loyalität, vor allem von den meist grossbusigen Schauspielerinnen, die er als seinen Besitz

betrachtet.

Obwohl er ab 1947 mit Jean Peters zusammenlebt, führt er seine Eroberungen weiter und hat

Affären mit Tanzstar Cyd Charisse, dem Sopranostar Kathryn Grayson oder Starlett Terry Moore,

die ein Kind von ihm bekommt, das aber nach 12 Stunden stirbt. Im März 1952 veranlasst Hughes,

dass Terry sich nach 15 Monaten Ehe von Glenn Davis scheiden lässt, worauf der Footballstar den

Milliardär spitalreif schlägt. Hughes lässt nicht nur seine Geliebten, sondern auch seine Freunde,

Feinde, Angestellten oder irgendwelche Frauen, die ihm aufgefallen sind, von seiner Geheimpolizei

beschatten. Mit einem Jahresetat von $2 Mio. führt Jeff Chouinard mit seinen Privatdetektive von

1950 bis 1954 über 100 Untersuchungen über Frauen wie Miss Italien Gina Lollobrigado, Susan

Hayward, Elisabeth Taylor, Mitzi Gaynor, Barbara Payton, Anita Ekberg oder Zizi Jeanmaire durch,

die Hughes erlauben, die Tagesabläufe und jedes Telefongespräch jeder einzeln zu verfolgen.

Sein Spionagesystem funktioniert so perfekt, dass er vor Jane Greer weiss, dass sie schwanger

ist. Je älter Hughes wird, desto häufiger konzentriert er sich auf sehr junge Mädchen wie die

15jährige Sally Bliss. Dutzende von Möchtegernstars werden in sein RKO-Programm

aufgenommen, wobei sie Gesangs-, Drama- und Fotokurse bekommen, aber wie Gefangene

gehalten und permanent überwacht werden. Laut Confidential Magazine umfasst sein modernes

Harem 164 Mädchen, und er benutzt die Wohnung von Walter Kane am Sunset Boulevard für

Sexstunden. Einer empörten Mutter, die ihre 15jährige Tochter mit Hughes erwischt, zahlt er

beinahe $1 Mio, um einen Prozess zu verhindern.

Aus Angst vor feindlichen Lauschangriffen hält er seine Geschäftssitzungen im fahrenden Wagen

ab. Hughes engagiert Frank William Gay, den Assistenten seiner Sekretärin Nadine Henley, als

Geschäftsführer und Carl Byoir Associates als PR-Agentur seiner Firmen. Während dem Krieg

vertrat Byoir Nazi-Banker und -Industrielle wie Ernest Schmitz von I.G.Farben oder Friedrich Flick,

der dank John McCIoy freigesprochen wird. Flicks Sohn investiert $400'000 in die W. R. Grace

Company von J. Peter Grace, der Nazi-Offiziere in Bolivien unterstützt. George DeMohrenschildt

ist ein Partner von Firmengründer William Grace.

Hughes begann 1946 seine Zahlungen für Richard Nixon, der als jüngster Abgeordneter im

Education and Labor Committee und im House of Un-American Activities Committee Einsitz nimmt.

Nixon profitiert vom Ärger der Ölfirmen über Jerry Voorhis und wird von Standard Oil, Richfield Oil

und Signal Oil als Gegenkandidat finanziert und dank Kyle Palmer von der Los Angeles Times,

Union- und Tribüne- Besitzer Jim Copley und Herbert Klein von der Alhamba Post-Advocate

aufgebaut.

Verantwortlich für Nixons Dreckkampagne ist Murray Chotiner, der führende Mafiabosse wie Marco

Reginelli vor dem Gericht vertritt. Chotiner erhielt sein Anwaltspatent mit 19 Jahren, arbeitete mit

23 an der Präsidentschaftskampagne von Herbert Hoover und leitete mit 33 die Kampagne von

Earl Warren für den Gouverneursitz in Kalifornien. Entsprechend seinem Credo "Politik ist Krieg"

setzt er jedes Mittel ein. 1946 vermittelt er ein Treffen von Mafiaboss Mickey Cohen mit dem in

seinem Territorium kandidierenden Nixon, der $5000 Wahlkampfunterstützung bekommt. Nixons

Beziehungen zu Mobstern gehen bald über Miami hinaus und laufen auch über Bebe Rebozo,

George Smathers, Bobby Baker, Dana Smith oder Richard Danner.

Das zweite Standbein von Hughes in der Politik ist Lyndon Baines Johnson. Alles in allem erhält

Johnson von Hughes ab 1948 etwa $1 Mio. Schmiergelder. Auch die Baulöwen George und

Herman Brown unterstützen Johnson für seinen Senatswahlkampf, den er 1948 dank der

Manipulation des mächtigen George Parr gewinnt. Brown & Root avancieren dank Johnsons

Staatsaufträgen während seiner Präsidentschaft zur weltgrössten Baufirma. Verschiedene

Verfahren und Untersuchungen gegen Johnson werden politisch oder mit Morden verhindert.

Johnson und sein Schützling John Connally haben beide Büros in Fort Worth, wo sie mit Gamblern

wie W. C. Kirkwood in Kontakt kommen, die mit der Mafia und den Ölbaronen liiert sind. In

Kirkwoods "The Four Deuces Club" treffen sich H. L. Hunt, Clint Murchison, Amon Carter, Johnson,

Connally und Sam Rayburn zum Pokern. Johnson lässt sich in seinem Büro von Jack Halfen, der

Gelder von Frank Costello, Vito Genovese, Carlos Marcello, Jimmy Hoffa und ähnlichen Figuren

bringt, finanzieren, und selbst als Vizepräsident nimmt Johnson dort noch Schmiergelder entgegen.

Quellen : Marrs: 292, Scott (1993): 235,(2000):60, Drosnin, Best: 49f, Brussell (1983): 10f,

Summers (2000): 41-57,151 ,495f, Brown/Broeske: 225-274,281 ff,288.

Oktober 1948 Truman und die Mafia top

Paul Ricca und seine Komplizen werden unter dem Protest der Öffentlichkeit auf Bewährung

freigelassen. Die immer noch von Chicago kontrollierten Gewerkschaften in Hollywood erzwangen

mit Streiks und Sabotage, dass die Studios Harry S. Truman $5 Mio. zahlten, und das Syndikat

versprach Truman die Unterstützung für die Wahl. Auf Anweisung verhinderte der demokratische

Politiker Jake Arvey mit seiner Kandidatur eine Nomination von Estes Kefauver.

Hoover unterstützte den republikanischen Präsidentschaftskandidaten und ehemaligen Mafiajäger

Thomas Dewey mit geheimen Informationen über Truman und arbeitete somit gegen seinen Chef.

Dewey, der zum Alkoholmillionär Lewis Rosenstiel eine lange Bekanntschaft unterhält, schlug sich

auf die Seite von Lucky Luciano und Meyer Lansky, die ihn unterstützen. Auch von Howard

Hughes erhielt Dewey $25'000.

Doch Truman wird am 3.1 1 .48 mithilfe eines Wahlbetrugs der Mafia von Chicago entgegen allen

Wahlumfragen wiedergewählt. Justizminister Tom Clark, mit dem sich Murray Humphrey mehrmals

getroffen hatte, um den Deal einzufädeln, wird kurz darauf von Truman zum Bundesrichter ernannt.

Quellen : Giancana: 226,248,253f, Summers (1993): 169ff, (2000): 128f,1 51 ,498, CSP:8.

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Mafia, Geheimdienste und Politik der USA

Teil 3 (1949 bis 1955)

Dieser Teil der Chronik behandelt die Etablierung der verdeckten Operationen der CIA

(Putsch, Propaganda, Drogen- und Waffenhandel, Geheimkriege, PsyOps, Mord) und die

Kooperation von Mafia, Nixon und den Faschisten.

Die zentralen Themen und Personen sind:

Reorganisation des Drogenhandels , French Connection, die Korsische Mafia und die CIA,

Revolution in China , Mao Zedong, der Opiumhandel, Der Rüstungswettkampf , Atombomben

und die Gründung der NATO, Kommunistenhysterie von Hoover, McCarthy, Nixon und

Kennedy, das HUAC und die Volks-Überwachung, Korea-Krieg mit Napalm und biologische

Waffen, Harriman und die Eugenik, CIA in Mexiko : E. Howard Hunt, Frank Wisner, William F.

Buckley und das Office of Policy Coordination, Mafia-Untersuchungen von Kefauver, CIA-

Programme zur Verhaltenskontrolle , ARTICHOKE, MK/ULTRA, LSD, Humanexperimente und

Mordtechniken, Biowaffen , NK/NAOMI, Grossexperimente, Batista und die Mafia auf Kuba ,

Nixon, Lansky, Faschisten im Wahlkampf, Eisenhower, Hoover und die Ölbarone , John F.

Kennedy und Jacqueline Bouvier , Die CIA unter Allen W. Dulles : Medienkontrolle,

Propaganda, USIA, Neonazis, kirchliche Organisationen, akademische Institutionen,

Jugendverbände, verdeckte Operationen, Geheimkriege, Kooperation mit anderen

Geheimdiensten, Polizeischulen, Sturz von Mossadegh im Iran durch Schah Mohammed

Resa Pahlewi mit Hilfe von Dulles und Helms, Onassis und Aramco , Stavros Niarchos und

Robert Maheu, Vietnamkrieg , Edward G. Lansdale, Ho Chi Minh, Ngo Dinh Diem und der

Opiumhandel, Sturz von Arbenz in Guatemala , United Fruit und die Dulles Brüder,

Ermordung von Remon in Panama , Frank Sturgis, E. Howard Hunt und das U-2-Projekt.

Der Text umfasst ca. 29 Seiten.

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1949 Die Reorganisation des Drogenhandels

Meyer Lansky unternimmt eine fast einjährige Europareise, die ihn zu Lucky Luciano in Rom und

zu John Pullman in Zürich führt. Für die nächsten zehn Jahre steht Lansky mit einem Dutzend

Schweizer Banken in Geschäftsverbindung. Dann beschliesst er, unabhängig zu werden und kauft

die Genfer "Exchange & Investment Bank" auf und ordnet das komplexe Finanzwesen der

Organisation neu. Lansky gilt als Begründer der internationalen Geldwäscherei. Nach einem

Besuch beim König von St.Pauli in Hamburg, "Onkel Joe", reist er über Amsterdam und Brüssel

nach Marseille, um den Drogenhandel mit der "Union Corse" neu zu regeln. Luciano hatte früher

die kalabresische Mafia in seinen Drogenhandel miteinbezogen, und ein Cousin von Luciano

gründete 1948 mit Calogero Vizzini eine Zuckerfabrik in Palermo, in der Heroin hergestellt wird.

Kurz vor dem Tod Vizzinis 1954 veröffentlicht die Zeitschrift "Avanti" die Funktion der Zuckerfabrik

und erzwingt damit die Stilllegung, wobei die Heroinproduktion in Marseilles inzwischen voll

angelaufen ist.

Das "französische Shanghai" wurde in den 20er Jahren von Frangois Spirito und Paul

Buonaventure Carbone aufgebaut. Ihre Hauptleistungen bestanden in der Politisierung der

Unterwelt und der Organisation einer monopolistischen Bordellkette. 1931 wurde das Heroin in

Europa verboten und damit erfolgte ihr Engagement im Drogengeschäft. Mit dem spanischen

Bürgerkrieg kam dem Einstieg ins Waffengeschäft, wobei die Mafiosi zu den Hauptlieferanten

Francos gehörten. Auch unter der Okkupation der Nazis änderte sich in Marseille nichts an der

Struktur der Mafia. Die Gangster verrieten der Gestapo Widerstandkämpfer, womit sie sich für die

Nazis unentbehrlich machten. Carbone flog 1943 mit einer Truppe Gestapo-Offiziere in einem Zug

in die Luft, den die Resistance sprengte. Spirito flüchtete 1944 zu seinem Freund Franco und kam

1947 nach New York zu Meyer Lansky.

Nach dem Krieg zerfiel die Resistance in eine kommunistische und eine antikommunistische

Fraktion, was zu heftigen Auseinandersetzungen führt. 1947 streikten 3 Millionen Arbeiter, was die

französische Wirtschaft lahmlegte. In der Sozialistischen Partei Gaston Defferres, die sich mit 1947

der neugegründeten Partei de Gaulles verbündete, um die Kommunisten aus der Rathauskoalition

zu werfen, wurden die Brüder Antoine und Barthelemy Guerini von der korsischen Mafia die

starken Männer. Antoine verfügt über gute Beziehungen zu den britischen und amerikanischen

Geheimdiensten. Um die von den Kommunisten organisierten Streiks in Marseille zu brechen,

schloss die CIA am 15.1 1 .47 mit der korsischen Mafia einen Pakt. Gegen Geld und Waffen wurde

die Streikbewegung mit einigen Morden gebrochen. Die Gefahr einer KP-Machtübernahme löst die

CIA mit der jährlichen Unterstützung von $ 1 Mio. an die Sozialistische Partei, die im Gegenzug

eine Konkurrenzgewerkschaft zu den Kommunisten aufbaut und sich nicht gegen die

Niederschlagung von Streiks wehrt. Die Guerinis organisieren die Spaltung der Arbeiterbewegung

und die Einsetzung von Terror-Kommandos der Union Corse, die die Kommunisten blutig

niedermetzeln.

Nachdem die USA zuerst die Vietminh unterstützten, schicken sie 1950 Waffen für Frankreichs

Kolonialkrieg gegen Ho Chi Minh in Vietnam über Marseille, was im Februar bei den

Hafenarbeitern Streiks auslöst. CIA-Agent Tom Braden lässt den Guerinis persönlich $15'000

zukommen, und einen Monat später sind die Streiks niedergeprügelt und die Gewerkschaftsführer

ermordet. In der Gegenrichtung der Waffen wird Heroin transportiert. Die "French Connection"

verarbeitet 8 Tonnen Heroin pro Jahr. Die französischen Geheimdienst SDECE, SAC und das

Deuxieme Bureau decken den Handel, da sie einen Teil ihrer Geheimdienstaktivitäten daraus

finanzieren können. Die Verflechtung von Mafia, Parteipolitik und Geheimdienst ist ein System

gegenseitiger Abhängigkeit: Als Entschädigung für den Kampf gegen die Kommunisten muss man

der Unterwelt spezifische Freiheiten zugestehen, und diese Verbindung bedeutet Profit und

Erpressbarkeit. Die Koalition in Frankreich funktioniert fast zwei Jahrzehnte lang perfekt, denn

obwohl Marseille das grösste Heroinlabor der Welt ist, kann man in Frankreich kaum ein Gramm

des Stoffs kaufen. In den USA ist 1951 die Zahl der Heroinsüchtigen auf 60'000 angestiegen.

Heroin findet man bis Ende der 60er Jahre allerdings nur in den schwarzen Slums der Städte.

Paul Helliwell organisiert 1950 den Kauf der auf Drogenhandel spezialisierten General Chennaults

Airline, die dann in Civil Air Transport umgetauft wird. US-General Ciaire Chennault stellte sich

bereits 1937 als Luftwaffen-Berater in den Dienst Tschiang Kai-scheks. Die Piloten seiner Flying

Tigers, die China und Burma gegen die Japaner verteidigten, wurden von der US-Armee rekrutiert,

von der OSS finanziert, und bekämpften Maos Truppen. Mit dem Kriegeintritt der USA gegen

Japan wurde Chennault Chef der OSS-Operationen in China. Zu seinen Agenten gehörte Captain

John Birch, der bei einer Strassensperrenkontrolle von jugendlichen Bauern erschossen und zum

Märtyrer und Symbol des Kampfes gegen den Kommunismus wird. Ein weiterer OSS-Agent war E.

Howard Hunt, dessen Teams Brücken und Nachschubwege der Japaner in die Luft jagten und die

Kollaborateure mit Gold und Opium bezahlten. Nach dem Kampf gegen die Japaner folgt der

Kampf gegen die Kommunisten, finanziert mit Opium. Helliwell, Agent des Office of Policy

Coordination, ist auch an der Gründung der Castle Bank auf den Bahamas dabei, wo sowohl

Drogenprofite gewaschen wie die Geheimfonds der CIA verwaltet werden. Die Nugan Hand Bank

of Australia, die World Finance Corporation (WFC) und die Bank of Credit and Commerce

International (BCCI) erfüllen denselben Zweck.

Quellen : Behr: 175-179, Scott (1993): 165f, 351, Potter: 3f, Drugwar (1): 3, Best: 6,25ff, Ansom:

293, Konkret Nr.1 3/1 971, Nr.7+8/1 973, Summers (2000): 518.

Novemver 1949 Chinesische Revolution top

Mao Zedong ruft am 10.1 1 .49 in China die Volksrepublik aus. Während des ganzen Krieges hatte

Stalin die bürgerliche Kuo-min-tang unterstützt, die das Kriegsmaterial in ihrem Kampf gegen die

Kommunisten einsetzten. Stalin war überzeugt, dass die Revolution in agrarischen China keine

Chance habe. Nach dem Krieg plünderten die Russen die Mandschurei, Chinas industrielles

Kernland, so dass es zu Proteststürmen kam. Die Amerikaner sind nicht in der Lage zu begreifen,

wie die chinesische Revolution zustande kam, wofür die Mitarbeiter der China-Abteilung des

Aussenministeriums verantwortlich gemacht und entlassen werden. Washington pumpte nach dem

Krieg Milliarden von Dollar nach China, um die Machtübernahme der Kommunisten zu verhindern.

Während des dreijährigen Bürgerkriegs nach 1945 gewährte die USA Tschiang Kai-schek ("Cash

my check") die doppelte Militär- und Wirtschaftshilfe, die es der KMT in den acht Jahren des

Krieges gegen Japan bezahlte.

Die USA verweigern der neuen Regierung von Mao Zedong die Anerkennung und bezeichnen sie

als illegal. Trotz dem Versprechen, sich nicht in den Bürgerkrieg einzumischen, stationieren sie die

7. Flotte zwischen dem Festland und Taiwan, helfen der besiegten Armee von Tschiang Kai-schek

wieder auf die Beine und schliessen China vom internationalen Handel und der UNO aus. Die CIA

unter Ray Cline forciert die Landwirtschaft Taiwans und organisiert Sabotageaktionen auf dem

Festland, indem sie bis in die 60er Jahre Viermannteams mit Fallschirmen absetzt, die alle

verschwinden. Riesige Radioanlagen in Okinawa und Taiwan senden ihre Propaganda mit einer

solchen Stärke, dass sie selbst die Radios von Shanghai und Peking übertönen. Von 1951 bis

1954 unterstützt die CIA Guerillasteams, die Angriffe von den besetzten strategischen Pazifik-

Stützpunkte der Japaner in die Volksrepublik fliegen. Eine beachtliche Armee von 12'OOu Mann

(Shan-National Armee und die 93. KMT-Armee), die vor Mao nach Burma geflohen sind oder von

Taiwan in das burmesisch-chinesische Grenzland geflogen wurden, unternehmen im April 1951

und August 1952 Vorstösse in die Volksrepublik, unterstützt von nichtmarkierten CIA-Flugzeugen.

KMT-General Li Mi und seine 5000 Banditen organisieren den Drogenhandel im goldenen Dreieck,

mit deren Erlösen der Inselstaat Taiwan aufgebaut wird.

Kurz vor seinem Amtsantritt als Premierminister 1947 wurde General Aung San, der die föderative

Verfassung für ein nachkoloniales Burma schrieb, umgebracht. Aufgrund der KMT-Söldner und

Maos harter Reaktion geriet Burma in einen Bürgerkrieg, den alle Armeen ausser die Kachins, die

Edelsteine haben, mit Opium finanzieren. Der Armeechef Ne Win legalisiert den Opiumhandel für

alle, die mit seiner Ka Kwe Ye kämpfen. Khun Sa, der mit der KMT und der CIA zusammen

arbeitet, schliesst sich KKY an und erhält das Recht, alle staatlich kontrollierten Strassen für den

Opiumtransport zu nutzen. Ein Teil der 12'000 Krieger in Burma lebt nach kurzer Zeit als Banditen

oder vom Opiumhandel, den sie mit thailändischen Generälen oder der CIA selbst aufziehen.

Während Banditen auf dem Landweg hohe Abgaben für den Drogentransport erheben, fliegt die

CIA das Opium billiger nach Bangkok. Zu diesem Zweck gründet Helliwell die Sea Supply

Corporation, und die CIA übernimmt die Civil Air Transport, die Militärmaterial zu den Truppen und

Opium vom Goldenen Dreieck nach Taiwan und Thailand transportiert. Helliwell tritt 1950 der CIA

bei und stellt die CIA-Deckfirma dem Angleton-Vertrauten John Hart zur Verfügung, der mit 76

Agenten thailändische Polizisten trainiert.

Die bekanntesten Opiumbarone sind Chang Chi-fu, Li Wen-huan, Hsu-shui und Khun Sa, der als

seine Hauptkunden Richard Armitage, Theodore Shackley und Thomas Clines nennt. Anfang der

60er Jahre ist das Goldene Dreieck die grösste Opiumproduktionsregion der Welt. Nach langen

Verhandlungen mit der burmesischen Regierung werden 1953 90% der Truppe nach Taiwan

zurückgebracht. Die restlichen 10% bleiben im Opiumhandel tätig, bis sie 1961 von

Regierungstruppen nach Laos und von dort nach Nordthailand getrieben, wo sie sich etablieren.

Die CIA schickt einige dieser KMT-Leute mit dem beginnenden Krieg in Vietnam als Agenten nach

China.

Trotz der wirtschaftlichen Rückständigkeit und der Bekämpfung durch die USA schafft es Mao

Zedong, das riesige Land zu konsolidieren und China vom Opium zu säubern. Obwohl im Reich

der Mitte seit 1729 verboten, führten die Engländer das Opium 1772 mithilfe der Unterwelt von

Kanton, den Chiu-Chaus, als Zahlungsmittel ein. Die Untertanen in Indien konnten das Opium billig

produzieren, womit wertvolles Silber gespart werden konnte. Nach der Niederlage im Opiumkrieg

(1839-42) wurde der chinesische Kaiser gezwungen, nicht mehr gegen den Opiumhandel

vorzugehen. Wurden um 1815 noch 340, und 1839 noch 1841 Tonnen Opium importiert, stiegen

die Lieferungen der Britisch East Indian Company 1880 auf 6500 Tonnen. China zählte 20

Millionen Süchtige, und der Kaiser musste die Bewilligung zur Eigenproduktion geben. 22'000

Tonnen wurden um die Jahrhundertwende hergestellt, und verhungernde Süchtige gehörten zum

normalen Strassenbild. Das Reich zerfiel unter dem Einfluss der Briten, und 191 1 kam es zur

Revolution, und der Kaiser musste ein Jahr später abdanken. Kurz darauf begannen verschiedene

Generäle, die Macht an sich zu reissen und sich gegenseitig zu bekriegen. Diese Kriege

finanzierten die Warlords mit Rauschgift, wobei Briten, Deutsche und Franzosen kräftig

mitmischten.

Mit der Machtübernahme Maos flüchtet die Mehrzahl der Drogenhändler in das seit dem

Opiumkrieg britische Hongkong, wo noch 1970 mindestens 15 Heroinraffinerien betrieben werden.

In den südlichsten Provinzen Chinas wird allerdings bis 1955 Opium produziert und unter Aufsicht

der KMT exportiert. Der Hauptanteil kommt aber aus Burma und wird nach wie vor unter KMT-

Bewachung nach Bangkok und von dort in die USA transportiert. Die Zahl der Süchtigen in den

USA steigt in den 60er Jahren von 65'000 auf über 500'000. Die burmesischen Militärs werden mit

dem Handel reich und können sich und ihr System, von CIA und DEA als Block gegen China

unterstützt, bis heute an der Macht halten. 1996 produziert Asien laut UNO Heroin für $63 Mia,

wovon über die Hälfte aus Burma stammt.

Der Grossteil des Drogengeldes wird über die australische Nugan-Hand Bank gewaschen, zu

deren Netz viele hohe Militärs und Geheimdienstoffiziere gehören. Präsident ist der pensionierte U.

S. Admiral Earl F. Yates, Rechtsberater ist der ehemalige CIA-Direktor William Colby, und im

Verwaltungsrat sitzen der ehemalige stellvertretende CIA-Direktor Walter McDonald, der National

Security Council-Berater Guy Parker und Andrew Lowe, einer grössten Heroinschmuggler

Australiens. Die Gewinnbeteiligung erlaubt der CIA auch die geheime Finanzierung anderer

verdeckter Aktionen.

Quellen : Horowitz: 93-100, Behr: 151-164, Schulz: 173,330, CIA-Info: 7,13, Potter: 3f, Gritz,

Drugwar (4): 1-4, Best: 65, Amendt, Hamilton-Paterson (1971): 148, Konkret Nr.13/1971, Cortesi,

Kappstein: 33-35, Von Dohnanyi (2001h).

1950 Der Beginn des Rüstungswettkampfs top

Die USA beginnen mit der Aufrüstung, um gegenüber der Sowjetunion eine Situation der Stärke zu

schaffen. Nachdem 1945 noch $81 ,2 Mia. für den Krieg ausgegeben wurde, sanken diese

Ausgaben auf $13 Mia. im Jahre 1950, wobei sie immer noch ein Drittel des Gesamtbudgets

ausmachen. Nach der von Truman im April 1950 gebilligten Strategie steigen die Militärausgaben

1951 auf $22,4 Mia. und auf $43,9 Mia. im Etatjahr 1952. Bis 1955 vervierfacht sich das US-

Verteidigungsbudget, und die Wiederbewaffnung Deutschlands ist im vollen Gang.

1949 wurde die NATO gegründet, zuerst noch nicht mit der Absicht, diese als Machtfaktor gegen

Russland zu brauchen, sondern um die USA und Westeuropa aneinander zu binden. Die USA

rechnen nie wirklich mit einer Aggression der UdSSR in Westeuropa, sondern die NATO soll dazu

dienen, Russland Bedingungen diktieren zu können. Die Russen zündeten im September 1949 ihre

erste Atombombe, und die USA, die bereits über 245 Atombomben verfügen, nahmen Pläne für die

Wasserstoffbombe in Angriff. Die USA ignorieren die Chancen zu Friedensverhandlungen und

untergraben alle diplomatischen Vorschläge der Sowjetunion zur Beilegung des Wettrüstens,

angefangen bei der Frage der Kontrolle der Atombombe 1945 über die Möglichkeiten nach dem

Tod Stalins im März 1953 bis zu den Abrüstungsbemühungen Chruschtschows von 1955-1960.

1960 besitzen die USA 15468 Atombomben, die UdSSR 1060. Für die USA bleibt eine friedliche

Koexistenz mit einer gleichwertigen, kommunistischen Macht unvorstellbar, denn schliesslich geht

es um viel Geld. Bis Ende des Jahrhunderts werden 13 Trillionen Dollar an Bundesgeldern in den

.militärisch-industriellen Komplex' fliessen.

Die mächtige Militärindustrie, für die 10% der Arbeitnehmer arbeiten, propagiert Mythen über die

Bösartigkeit der Kommunisten. Gleichzeitig erfolgen die US-Atombombenversuche dort, wo

Menschen leben, die sich nicht wehren (können). Von 1 943 bis 1 958 testeten die USA für $20 Mia.

über 100 Atom- und Wasserstoffbomben auf den Marshall- und Bikini-Inseln, deren Bewohner als

Versuchskaninchen gebraucht werden. Etwa 2000 Menschen, die ihre Inselchen gutmütig für

"Frieden und Fortschritt" zur Verfügung stellten, werden radioaktiv verseucht. Die meisten leiden an

Schilddrüsentumoren und Krebs, viele erblinden, Miss- und Totgeburten häufen sich. Die AEC

nutzt die "einzigartige Forschungsmöglichkeit", das Leben der Insulaner auf einem "der am meisten

kontaminierten Gebiete der Welt" zu erforschen, ohne dass die Bewohner entschädigt werden.

"Wenn einer hier auch nur ein Wort von der Sache herauslässt, wird er vor Sonnenaufgang

erschossen", bedankt sich Operationsleiter Maynard Nuex. Die Inseln Runit wird zubetoniert und

für 24'000 Jahre, die Halbwertszeit des Plutoniums, für unbetretbar erklärt. Nur ist der atomare

Grabhügel nach einigen Jahren bereits leck.

Auch viele der amerikanischen Soldaten werden verstrahlt und steben an Krebs. Von 1951 bis

1963 detoniert durchschnittlich eine Atombombe pro Monat über Nevada, weshalb heute die

Leukämiehäufigkeit bei Kindern in Utah um 780% über dem Landesmittel liegt. Bis 1960 besitzen

die USA einen Atombombenvorrat von 30'000 Megatonnen, was 10 Tonnen TNT pro Erdbewohner

entspricht, und Zehntausende von Transport- und Abschussmöglichkeiten.

Quellen : Horowitz: 227-327, Reason: 88-97, Geo 1 1/93: 96f, Müller-Borchert, Afterbach 5, Lapham

(2004), Moore (2001).

1950 Kommunistenhysterie top

Max Lowenthal, ein Freund Roosevelts, schreibt ein Buch über das FBI, wovon Hoover, obwohl

Lowenthals Telephon seit längerem abgehört wird, erst kurz vor der Publikation erfährt. Bei

Lowenthal wird daraufhin eingebrochen. FBI-Agenten klappern die Buchläden ab, was

zeitaufwendig und teuer ist, und versuchen, die Buchhändler zu überzeugen, das Buch nicht zu

verkaufen. George Dondero startet eine Schmutzkampagne im Kongress und behauptet,

Lowenthal habe Beziehungen zu Kommunisten, weshalb dieser vom House of Un-American

Activities Committee verhört wird.

Joseph McCarthy, Senator und Vorsitzender des Subcommittee on Investigation, kommt mit seinen

Anschuldigungen gegen angebliche Kommunisten in die Presse. Seine Hearings kann McCarthy

nur dank dem Material seines Freundes Hoover, der ihn seit 1947 unterstützt, durchführen. Hoover

und Colonel John V. Grombach, der seine Geheimdienstaktivitäten 1947 an die CIA abtreten

musste und diese danach in Rosenstiels "Universal Service Corporation" kaschiert weiterführt,

benutzen McCarthy, um vermeintliche Linke wie William Bundy innerhalb der CIA oder John

Service im Aussenministerium zu attackieren. Die Dokumente werden so präpariert, dass die

Herkunft nicht ersichtlich ist. Auch Alfred Kohlberg und der Geheimdienstchef in Japan, General

Charles Willoughby, versorgen den Senator mit Material, und William Buckley, Frank

Seusenbrenner und Walter Harnisfeger unterstützen ihn. Letztere sind explizite Bewunderer Adolf

Hitlers und besuchten das Dritte Reich regelmässig. McCarthy selbst stand hinter der Freilassung

und Freisprechung von Kriegsverbrechern, die nach dem Krieg im KZ Dachau eingesperrt waren,

wie die Generäle Fritz Kraemer, Sepp Dietrick oder Hermann Priess, die am Malmedy-Massaker

beteiligt waren.

Die Jagd auf kritische Intellektuelle begründet McCarthy mit einer Verschwörungstheorie, die an

Eindeutigkeit nicht zu überbieten ist: "Die aktuelle Lage der USA kann bloss das Resultat einer

grossen Verschwörung sein, einer Verschwörung von solchen immensen Ausmassen, dass sie alle

vorherigen Projekte dieser Art in der Geschichte in den Schatten stellt. Eine Verschwörung von

solch finsterer Schmach, dass, wenn sie schliesslich aufgedeckt sein wird, ihre Prinzipien für

immer den Fluch aller ehrlichen Menschen verdienen werden."

McCarthy ernennt Robert Morris zum Chefberater des Senate Internal Security Subcommittee.

Morris war ein ONI-Gegenspionageagent, der für Russland und psychologische Kriegsführung

zuständig war. Nach dem Tod McCarthys zieht Morris nach Dallas, wo er Richter und Präsident der

Universität wird. Richard Nixon arbeitet mit McCarthy zusammen und erlangt dank den HUAC-

Hearings nationale Bekanntheit. 1950 tritt Nixon gegen Helen Gahagan Douglas für den Senat an,

wobei neun der zwölf Zeitungen in Californien dank William Randolph Hearst den Republikaner

unterstützen. Mafiaboss Mickey Cohen sammelt im Auftrag Meyer Lanskys an einem Mafiatreffen

$75'000, was heute SFr. 1,15 Mio. entspricht, für Nixons Rennen in den Senat, wonach Cohen

über Leute wie den Alkohollobbyisten Art Samish seine Finanzierung Nixons weiter führt.

Insgesamt kostet der Wahlkampf weit über $1 Mio, die vom Ölbusiness, der Grossindustrie, den

Banken und Grossgrundbesitzern kommt. Murray Chotiner startet eine Verleumdungskampagne

wie 1 946, wobei falsche Douglas-Propaganda produziert und in den zwei Tagen vor der Wahl

angeblich eine halbe Million anonymer Telefonanrufe an Wähler durchgeführt werden, die Douglas

als Jüdin und Kommunistin denunzieren.

Auf Initiative seines Vaters drückt John Kennedy Nixon einen Umschlag mit Geld in die Hand für

dessen Wahl mit, was er später als den "grössten, verdammten Fehler seines Lebens" bezeichnet.

Vermutlich ging es darum, mit der Schwächung von Douglas seine eigenen Aussichten zu stärken.

Kennedy und Nixon lernten sich 1947 an der Cocktailparty für neue Kongressabgeordnete kennen

und verstehen sich so gut, dass JFK ihm die Telefonnummern von drei jungen Frauen in Paris auf

seine erste Europareise mitgab. Im Gegensatz zu Kennedy, der seinen Konkurrenten für einen

Opportunisten hält und eine gespaltene Persönlichkeit "diagnostiziert", bewundert Nixon JFK und

bricht in Tränen aus, als er 1954 im Spital erfährt, dass ihm die letzte Ölung verabreicht worden

sei. Beim Wahlkampf von 1960 bricht seine Bewunderung in ebenso heftigen Hass um.

Legislative Arbeit hat für Nixon ebenfalls keine Prorität, sondern er reist im Lande herum und hält

1951 49 Reden, um seine Popularität, die er durch das HUAC erreichte, zu steigern. Hoover nutzt

viele Kanäle für seine antikommunistische Propaganda: Neben einem Dutzend Kongresskomitees

sind dies Vereinigungen wie die National Catholic Weifare Conference (Generalsekretär Howard

Carroll, Vizedirektor Pater John Cronin), die US Chamber of Commerce (Vorsitzender Francis

Matthews) oder die American Bar Association (Vorsitz Austin Canfield). Einige von McCarthys

Untersuchungsbeamte sind ehemalige FBI-Agenten. Auch John Kennedy sitzt zeitweilig in

McCarthys berüchtigtem Ausschuss, und Robert Kennedy schnüffelt im Auftrag von McCarthys

rechter Hand, dem Homosexuellen Roy Cohn, nach Homosexuellen im Aussenministerium. Cohn

arbeitet eng mit Louis B. Nichols vom FBI zusammen, und Hoover bestraft seine Agenten Donald

Jones, Russell Sullivan und Jack Knox mit Versetzungen, weil sie den New Yorker Staatsanwalt

Robert Morgenthau in einem Verfahren gegen Cohn unterstützten.

Der McCarthyismus ist nur die hässliche Spitze des antikommunistischen Kreuzzuges der Truman-

Administration, wobei die amerikanischen Sozialwissenschaften es sich dann einfach machen, die

gesamte Demagogie mit den Ekzessen des Senators zu identifizieren. Aber die

Kommunistenhysterie von McCarthy, der behauptet, 205 Mitglieder der Kommunistischen Partei

würden im Aussenministerium arbeiten, erlaubt FBI-Direktor Hoover die breitangelegte

Überwachung der Bevölkerung: Allein 1952 werden 6,6 Mio. Bürger überprüft. Loyal itätsschwüre

werden nicht nur von Regierungsangestellten, sondern auch von Lehrern, Schauspielern und

Akademiker verlangt. In den 50er und 60er Jahren werden an über 50 Universtitäten und Colleges

die Professoren vom FBI überwacht. Besonders genau observiert werden Medienstars wie Albert

Einstein, der sich gegen den Bau der Wasserstoffbombe ausgesprochen hat und sich mit Opfern

der McCarthy-Hysterie soliodarisiert. Die FBI-Akte über den Freidenken und Pazifisten, der zu

Unrecht verdächtigt wird, den Sowjets Geheimnisse zum Bau der Atombombe verraten zu haben,

umfasst bei seinem Tod 1800 Seiten.

1950 wird der Internal Security Act erlassen, das die Vorbeugehaft von Oppositionellen im

Krisenfall vorsieht. Das FBI legte bereits 1939 ohne jede Rechtsgrundlage solche Listen an, die in

den 50er Jahren 200'000 Namen enthalten. Hoover behauptet, es gäbe "628

kryptokommunistische Organisationen". Die American Communist Party dient Hoover als

monströses Schreckgespenst, um sich Geld vom Kongress zu sichern. Die Mitgliederzahlen

werden allerdings geheimgehalten (1956 sind es 20'000, 1971 nur noch 2800, wobei viele der

Mitglieder FBI-Spitzel sind, die die Partei mitfinanzieren und vermutlich überhaupt weiterexistieren

lassen).

Prominenteste Opfer des HUAC werden der State Departement-Beamte Alger Hiss, der in einem

Verleumdungsprozess mittels gefälschten "Beweisen" zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt wird,

worauf Nixon eine vierstündige Siegesrede im Parlament hält, sowie Julius und Ethel Rosenberg,

die im Sommer 1950 verhaftet werden, weil sie gegen Ende des 2. Weltkriegs Informationen über

die Atombombe an die UdSSR weitergegeben haben sollen. Aufgrund gefälschter Beweise durch

das FBI verurteilt sie das Gericht im März 1951 zum Tode, was am 19.6.53 trotz internationaler

Proteste vollstreckt wird.

Im Sommer 1953 wird der Kommunistenjäger für Hoover wegen seinem unvorsichtigen Vorgehen

und seinen Alkoholproblemen zu heiss, und als McCarthy im Oktober einen FBI-Agenten in sein

Komitee beruft, setzt Hoover einen Schlusspunkt. Auch Vizepräsident Nixon distanziert sich auf

Druck Eisenhowers daraufhin von seinem Mentor. Am 2.12.54 wird McCarthy vom Senat mit 67

gegen 22 Stimmen gerügt. John Kennedy ist der einzige Demokrat, der in dieser Frage nicht seine

Stimme abgibt. Er ist glücklicherweise im Spital und hat eine Entschuldigung, um den Freund der

Familie zu schonen. McCarthy wird nach seinem Fall schwer depressiv, seine Morphinsucht

verstärkt sich massiv, und er stirbt am 2.5.57 nur 48jährig. 1967 werden die HUAC-Dokumente für

weitere 50 Jahre versiegelt.

Quellen : Scott (1993): 212, Theoharis/Cox: 318, Posener: 88, Weberman (25): 15-17, Todd,

Schulz: 101, Torbitt: 1 0, Summers (1 993): 1 75-1 92, (2000): 61 ,66-87,1 1 6,1 35,200fr, Brussell

(1983): 12, Ascherson 2, Avineri: 66, Frölich, Scheffer: 22, Ege/Ast.

Juni 1950 Korea-Krieg top.

1945 wurde Korea gemäss den Abmachungen der Sowjetunion und den USA besetzt, wobei die

USA die Demarkationslinie am 38. Breitengrad vorschlugen. Nach vierzigjähriger Besetzung durch

Japan gab es eine starke koreanische Widerstandsbewegung, die die Kontrolle über das Land

hätte übernehmen können. Den USA passten die beabsichtigte Bodenreform allerdings nicht, und

aus den Befreiern wurden die neuen Unterdrücker. Während die Marionette der Amerikaner,

Syngman Rhee, der sich auf die Grossgrundbesitzer stützte, das Volk im Süden unterdrückte,

führte die sowjetische Marionette, Kim Il-Sung, die nötige Bodenreform durch, worauf sich die

Lebensqualität der Bevölkerung im Norden verbesserte.

Rhee erlitt am 30. Mai 1950 eine entscheidende Wahlniederlage und provozierte danach den

Einmarsch der Nordvietnamesen. Eigentlich handelt es sich in Korea um einen Bürgerkrieg mit

Beteiligung der Grossmächte. In Abwesenheit der Sowjetunion mandatiert der UNO-Sicherheitsrat

eine Allianz unter amerikanischer Führung, womit die UNO eine Partei im Kalten Krieg Partei wird.

Unter Befehl von Douglas MacArthur wird die nordkoreanische Offensive von den UNO-Truppen

zurückgeschlagen, wobei die US-Armee südkoreanische Zivilisten, die sie kommunistischer

Sympathien verdächtigt, gnadenlos massakriert.

In Nordkorea setzen die USA weit mehr Napalm ein als später in Vietnam. Napalm wurde 1942 an

der Harvard-Universität entwickelt und bereits im Krieg gegen Japan als Brandbombe eingesetzt.

Zwischen Juni und Oktober 1950 werfen die B-29-Bomber 3,28 Mio. Liter Napalm ab, und der

Presse gaukelt man vor, es handle sich um eine Präzisionswaffe.

Am 30. September erreichen die UN-Truppen den 38. Breitengrad und dringen entgegen dem

UNO-Mandat nach Nordkorea ein, um dessen Armee zu vernichten. Anfang November gibt

MacArthur den Befehl, alle Kommunikations- und Versorgungseinrichtungen, alle Fabriken, Städte

und Dörfer des Nordens zu zerstören. Das Borbardement soll an der Grenze zur Manduschrei

beginnen und Richtung Süden fortgeführt werden. Am 8.1 1 . wird die Stadt Sinuiju mit 550 Tonnen

Brandbomben aus 79 B-29 ausradiert. Eine Woche später wird Hoeryong mit Napalm restlos

niedergebrannt, und bis zum 25.1 1 . stehen weite Teile der Nordwestregion unter Flammen. Die

Truppen überschreiten am 24.1 1 . den Jalu-Fluss, was den Kriegseintritt Chinas provoziert.

Deshalb lässt MacArthur die Haupstadt Pjöngyang am 14. und 15.12. mit Napalm und

Sprengbomben mit Verzögerungszündern angreifen und komplett niederbrennen. Wenn die

Chinesen sich den Städten nähern, wenn diese (wie Uijongbu oder Wonju) abgefackelt.

Gleichzeitig versuchen die Amerikaner, mit neuentwickelten 12'000 Pfund-Bomben

("Tarzanbomben") Kim II Sung in seinem Tiefbunker zu ermorden. Die USA experimentieren mit

weiteren neuen Waffen in Nordkorea: bakteriologischen Kampfstoffen. Die US-Flugzeuge werfen

mit Toxinen bedeckte Bäume, Sojastengel und Truthahnfedern und Kartonschachteln mit

infiszierten lebendigen Insekten, verfaulten Fischen und verwesendem Schweinefleisch, Fröschen

und Nagetieren ab. Mit Pest verseuchte Flöhe und Scharen von Wanderheuschrecken, Insekten

und Spinnen als Milzbrandträger tauchen mitten im Winter auf, nachdem die CIA zusammen mit

der Air Force beschlossen hat, biologische Waffen zu testen. Mit dem Einsatz biologischer Waffen

gegen Nordkorea und die chinesischen Truppen verletzen die USA das Genfer Protokoll von 1925.

Trotzdem lässt sich der Anmarsch der Chinesen nicht aufhalten. Am 30.1 1 . droht Präsident

Truman mit dem Einsatz von Atomwaffen. Die USA besitzen bereits 450 Atombomben, während

die Sowjetunion erst 25 Bomben hat, weshalb man sich keine Sorgen macht. Aber es fehlen

genügend grosse Ziele in Nordvietnam. Trotzdem legt MacArthur am 26.12. eine Liste mit 26

Atombombenzielen vor, und er wollte acht weitere auf die "Invasionstruppen" und ihre

Luftwaffenstützpunkte werfen. Er legt den 10.3.51 als atomaren "D-Day" fest, worauf die Sowjets

200 Bomber in die Mandschrei verlegen, von wo sie nicht nur Korea, sondern auch die US-Basen

in Japan erreichen können. Am 6.4. erhält General Omar Bradley von Truman die Zustimmung für

die Verlagerung der Atombomben zum Einsatz gegen Ziele in China und Nordkorea, worauf die 9.

Bombergruppe nach Guam verlegt wird.

MacArthur wird aber nicht wegen dem geplanten Atombombeneinsatz oder den Kriegsverbrechen

am 10.4.51 aus dem Dienst entlassen, sondern weil er für Robert Lovett, George C. Marshall,

William Avereil Harriman und Dean Acheson zu unabhängig ist. Lovett wird Verteidigungsminister,

Harriman Direktor der Mutual Security Agency und damit Chef der anglo-amerikanischen

Militärallianz. Harrimans Interesse deckt sich mit denen der Brüder Dulles und gilt der Organisation

von verdeckten Operationen und psychologischer Kriegsführung, wozu er 1951 das Psychological

Strategy Board gründet. An die Spitze beruft er Bush-Freund Gordon Gray, der Sponsor der

Sterilisationen in North Carolina. Während dem Krieg änderte die Sterilization League of America

ihren Namen in "Birthright, Inc.", aber nicht ihr Ziel der Verhinderung des Bevölkerungswachstums

von Nichtweissen. Gordon Gray, Sohn von R. J. Reynolds Tobacco-Besitzers Bowman Gray,

gründete eine Medizinschule mit Eugenik-Zentrum in Winston-Salem, wo Dr. Claude Nash

Herndon und Dr. Clarence Gamble mehrere hundert Kinder aus North-Carolina mit einem

Intelligenzquotient unter 70 sterilisieren. Da Gray das Winston-Salem Journal, die Twin City

Sentinel und die Radiostation WSJS besitzt, haben die Experimente eine gute Presse.

Rockefeller-Foundation-Präsident John Foster Dulles und John D. Rockefeiler III. gründen 1952

das Population Council zur Wachstumskontrolle. Erster Präsident wird Frederick Osborne, der

langjährige Sekretär der American Eugenics Society, die ab 1953 von Nash Herndon präsidiert

wird. 1972 heisst die Liga "Association for Voluntary Surgical Contraception" und führt umter dem

Deckmantel der Entwicklungshilfe Sterilisationen durch. 1988 zahlt die Agency for International

Development unter Bush $80 Mio. für Sterilisationsprogramme in 58 Ländern Afrikas,

Lateinamerikas und Asiens, wobei 2 Millionen Sterilisationen durchgeführt werden. Drew Parsons

enthüllt die Verbindung des für den Senat kandidierenden Prescott Bush zur

Sterilisationsorganisation, worauf dieser knapp verliert.

Im Juni 1951 zieht der Vereinigte Generalsstab den Einsatz von Atombomben, diesmal als

taktische Gefechtswaffen, erneut in Betracht. Unter dem Druck Eisenhowers, die Atombombe

einzusetzen, ziehen sich Chinesen wieder aus Südkorea an die Demarkationslinie zurück. Täglich

lassen die B-29 800 Tonnen Napalm auf die Bevölkerung nieder, deren Überlebende in Höhlen

und Erdlöchern hausen müssen. Das Verteidigungsministerium schickt deshalb Samuel Cohen

nach Korea, um eine Methode zu entwickeln, wie man den Feind ohne Zerstörung des Infrastruktur

vernichten könnte. Cohen wird der Vater der Neutronenbombe.

1952 wird die 5000 Mann starke Spezialruppe Green Berets für die unkonventionelle

Kriegsführung, Terrorbekämpfung und die Ausbildung fremder Truppen gegründet. Sie werden

nach Korea vor allem in Vietnam und bei der Niederschlagung der kommunistischen

Guerillabewegungen in Lateinamerika eine zentrale Rolle spielen.

Beim Rückzug wenden die USA die Taktik der verbrannten Erde an. Im Frühling 1953, nachdem

die Bauern den Reis eingepflanzt haben, bombardiert die US-Luftwaffe die riesigen Staudämme

von Kusong und Toksan in Nordkorea. Die Landwirtschaft, der einzige noch funktionierende

Bereich, wird damit zerstört. Die ausgelöste Flutwelle reisst ganze Dörfer mit, und die Hauptstadt

steht unter Wasser. In 200'000 Arbeitstagen wird das Wasserreservoir nach dem Krieg mühsam

wieder aufgebaut.

Am 27.7.53 wird in Panmujom nach zweijährigen Verhandlungen ein Waffenstillstand geschlossen,

das wieder den 38. Breitengrad zur Grenze bestimmt. Schon vorher haben die Amerikaner

aufgehört, Bomberangriffe zu fliegen, weil alles restlos zerstört war, wobei auch auf die

Südkoreaner keinerlei Rücksicht genommen wurde. Zwischen 1950 und 1953 kommen in Korea 3-

4 Millionen Menschen um, mindestens 1,3 Mio. Südkoreaner, 1 Mio. Chinesen, 500'000

Nordkoreaner und 54'000 Amerikaner (5,72 Mio. Amerikaner kämpften im Korealkrieg). Zwei Drittel

der Toten sind Zivilisten, und mehrere Millionen Koreaner flohen. 18 der 22 grössten Städte sind

mindestens zur Hälfte zerstört, Pyöngyang zu 75%, die Industriestädte Hamhung und Hungnam zu

80%, Sinajnuzu 100%.

Diktator Syngman Rhee kann sich mithilfe seines Polizeiapparates bis im Februar 1960 an der

Macht halten. Im Dezember 1992 wird mit Kim Young Sam erstmals seit Rhee wieder ein Zivilist

zum Präsidenten gewählt. Noch im Jahre 2000 sind 37'000 US-Soldaten in Südorea stationiert und

8100 Gls gelten immer noch als vermisst. Als ob kein Napalm- und Biowaffenkrieg, keine

Massaker an Zivilisten und keine sinnlosen Zerstörungen der United Sadists of America gegeben

hätte, bezeichnet George Warlord Bush 2002 Nordkorea als Schurkenstaat, weil es an der

Entwicklung der Atombombe arbeite.

Quellen : Horowitz: 100-128, Staub: 2, Endicott, Best: 67, Tarpley/Chaitkin: 43-46,55ff, Karel

(2004), Cummings (2004).

Dezember 1950 Die CIA in Mexiko top

E. Howard Hunt übernimmt die CIA-Station von Lateinamerika in Mexico City. Ehemalige FBI-

Agenten in Mexico wie Winston MacKinley Scott, William King Harvey und Raymod Leddy

wechselten zur CIA, nachdem sie die Dokumente verbrannten, damit sie der Konkurrenz Hoovers

nicht in die Hände fielen. Hoover baute während dem 2. Weltkrieg das Special Intelligence Service-

Spionagenetzwerk in Lateinamerika mit Basis in Mexico auf.

Die geheime Finanzierung zum Ausbau der CIA-Station kommt von der International Organizations

Division, eine Abteilung des Office of Policy Coordination, das über ein Bugdet von $100 Mio. für

verdeckte Operationen verfügt. Hunts Aufgabe in Mexiko ist, Antikommunisten zu unterstützen, vor

allem in Bezug auf die Führungsrollen in Gewerkschaften und Studentenorganisationen.

Everette Howard Hunt, dessen Vater ein Freund des OSS-Gründers William J. Donovan ist,

studierte englische Literatur und Journalismus und wurde an der Yale Drama School

aufgenommen. Nach einem Jahr bei der Navy arbeitete er für die Time im Südpazifik. 1944 begann

er beim OSS und kooperierte mit Lawrence Houston, Walter Kuzmuk und Ciaire Chennault für Paul

Helliwell in China. Hunt arbeitete 1948 als Wirtschaftsattache in Paris mit Richard Bisseil, OPC-

Direktor Frank Wisner und William Avereil Harriman. 1949 trat Hunt dem Office of Policy

Coordination der CIA bei und heiratete Dorothy Wetzel.

Frank Wisner wurde im 2. Weltkrieg von William Donovan rekrutiert und in den Balkan geschickt.

Seine Operationen dort gelten als vorbildliche Modelle für psychologische Kriegsführung. Wisner

nahm im April 1945 im Auftrag von Dulles Kontakt mit Reinhard Gehlen auf, um ihn anzuwerben.

Nach seinem Einsatz in Italien und dem Aufbau eines Agentennetzes in Osteuropa wurde er 1948

zum Direktor des Office of Policy Coordination ernannt, das 1952 offiziell mit der CIA fusioniert.

Dabei rekrutiert er ausländische Studenten, infiltriert Gewerkschaften und kümmert sich um die

Propaganda-Instrumente, um die "Wahrnehmung gegenüber dem Kommunismus zu verändern".

Über James Burnham lernte Hunt William F. Buckley Jr. kennen und holte ihn in die CIA. Buckley

Sr. besitzt die Pantipec Oil in Mexico, deren Wert auf $110 Mio. geschätzt wird. William F. Buckley

Jr. dient von 1950 bis 1954 bei der CIA in Japan und Mexico, danach gibt er die The National

Review heraus und hilft beim Aufbau des "American Committee to Aid the Katanga Freedom

Fighters", die im Kongo gegen Patrice Lumumba kämpfen. Zusammen mit Douglas Caddy gründet

Buckley 1960 die "Young Americans for Freedom", deren Mitglieder wie Tom Charles Huston für

die CIA und Howard Hughes arbeiten. Im Verwaltungsrat der YAF sitzen Scharfmacher wie die

Senatoren Strom Thurmond, John Tower und Barry Goldwater, Ronald Reagan, Professor Lev

Dobriansky, General Charles Willoughby, General Mark Clark, John Wayne und Robert Morris.

Buckley ist ein Freund von Cord Meyer, der die United World Federalists gründet, bei denen Ruth

Forbes Paine ein aktives Mitglied ist.

James Burnham war zusammen mit George Lyman Paine eine leitende Figur der United World

Federalists. Als Undercoveragent diente er sich in der trotskistischen Bewegung hoch, um sie zu

manipulieren oder zu spalten. Burham wurde danach Chef der verdeckten Aktionen bei der CIA.

Leon Trotsky wurde im mexikanischen Exil im August 1940 von Ramon Mercador, einem Agenten

der Geheimpolizei, umgebracht. Burnham beriet bereits 1942 das OSS und das OPC bei

Mordoperationen in Algier und unterstützt Howard Hunt, der Agenten in die mexikanische Trotsky-

Bewegung infiltriert.

Das National Security Council erlaubt 1950 mit dem Beschluss NSC-68, dieselben Methoden

anzuwenden wie die UdSSR, womit Geheimdienstaktionen gemeint sind, die die Ermordung von

Regimekritikern miteinschliessen. Die CIA-Station in Mexico beschäftigt allein sieben Agenten zur

Registratur von Personen öffentlichen Interesses in Mexico. Ein Ingenieur baut in der

Telephongesellschaft ein umfangreiches Abhörsystem auf, das nicht nur den Telephonverkehr

einiger Botschaften, sondern auch der mexikanischen Politiker bis hin zum Präsidenten aufnimmt.

Auch in Parteibüros und Buchläden werden Abhöreinrichtungen installiert. Daneben knüpft die CIA

ein Netz von Verbindungen zu Regierung, Staatsapparat, Armee, Parteien, Gewerkschaften,

Massenmedien und Kirchen. Diese Kontakte erhalten oft Geld oder werden unter Druck gesetzt,

damit sie kooperieren. Die New Yorker Bank Deak und Company spezialisiert sich auf die diskrete

Überweisungen von Bestechungsgeldern von Geheimdiensten und Waffenhändlern. Aber auch

gemeinnützige Stiftungen eignen sich für Geldtransaktionen. Nahezu die Hälfte der Gelder, die von

US-Stiftungen im Ausland ausgegeben werden, stammen von der CIA.

Quellen : Bartholomew (2): 13f ,(4): 2, Weberman (6): 3-8, Powers: 54, Schulz: 158f, Mason: 1f,

Brussell (1983): 12-15, Schröder, Kappstein: 33.

1951 Mafia-Untersuchungen top.

Der Senats-Ausschuss unter dem Voritz von Estes Kefauver untersucht erstmals die

Mafiaverbrechen auf nationaler Ebene. J. Edgar Hoover versuchte, das Kefauver-Komitee zu

verhindern und sammelte "Dreckmaterial" über den Senator. Hoover untersagt seinen Beamten

jede Kooperation mit dem Ausschuss und verbietet ihnen sogar, das Wort Mafia zu brauchen. Er

verweigert, selbst nachdem zwei Augenzeugen umgebracht werden, jeden Begleitschutz für die

Aussagewilligen. Das FBI hat keine Abteilung zur Bekämpfung des organisierten Verbrechens, da

Hoover behauptet, es gebe kein nationales Verbrechersyndikat. Werden Zeugen zu Mafia-

Verbrechen oder beschuldigte Mafiosi vernommen, lässt der FBI-Direktor die Protokolle unter

fehlleitenden Begriffen archivieren.

Am 25.1.51 muss Carlos Marcello vor dem Ausschuss aussagen. Er benutzt 152 Mal den 5.

Zusatzartikel, der Aussageverweigerung erlaubt, wenn man sich damit selbst belasten würde.

Wegen Missachtung des Kongresses wird Carlos deshalb zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt, was

ein Berufungsgericht aber aufhebt.

1953 kommt es zum ersten Ausweisungsbefehl gegen Marcello, was zu einem jahrzehntelange

Rechtsstreit führt, der Marcello insgesamt $1Mio. kostet. Nach dem Ausweisungsbefehl wechselt

Carlos Marcello 1 953 sein Hauptquartier. Am Ausgang des "Town & Country-Motel", das er mit

Nofio Pecora und Joseph Poretto leitet, hängt ein Schild mit der Aufschrift: "Drei können ein

Geheimnis bewahren, wenn zwei tot sind".

Untersuchungsrichter Aaron Kohn kommt nach New Orleans und bildet die Metropolitan Crime

Commission of New Orleans zur Bekämpfung der Marcello-Organisation. Am Beginn seiner Arbeit

muss Kohn feststellen, dass alle lokalen Akten über Marcello vernichtet worden sind. Aber seine

Komission kann einen Teil der Korruption aufdecken und mindestens drei Morde auf Marcello

zurückführen. Kohn zufolge verdient Marcello sein Geld mit allen Arten von Glückspielen, Drogen,

Prostitution, Handel mit gestohlenen Waren aus Raub, Einbrüchen und Diebstahl. Die Profite

investiert er in legale Firmen: Motels und Restaurants, Banken und Finanzfirmen,

Spirituosenvertriebe, im Schiffsbau, in Taxi- und Busbetrieben, Rundfahrtlinien, Tankstellen,

Wäscheverleihfirmen, Souvenirgeschäfte, Schallplattenvertriebe, Elektrogeschäfte und eine

Tomatenkonservenfabrik. Die US-Marine ist der Hauptkunde von Marcellos Pelican Tomato

Company. Diese bildet seine Legitimation als einfachen Tomatenverkäufer, an der auch der für

Marcello zuständige FBI-Beamte Regis Kennedy festhält. 1957 und 1958 kommt es dann zu zwei

Anklagejurys, bei denen mehrere hochrangige Polizeibeamte wegen Korruption angeklagt werden.

Jack Ruby ist ein Informant des Kefauver-Komitees und kann erreichen, dass Dallas von einer

Untersuchung wegen Mafiaaktivitäten und Polizeikorruption verschont wird. Joe Kennedy wird in

Zeugenaussagen des Bootleggings belastet, erscheint aber nicht im Index der Verhöre. Die im

Fernsehen direkt übertragenen Hearings machen die Mobster berühmt, womit die Geschäfte

schwieriger werden. Im Zentrum der öffentlichen Verhöre stehen vor allem die Unterwelt von New

York und Frank Costello, weshalb Vito Genovese ihn und sein Umfeld ausschalten will. Costellos

will seinen "Ruf" verteidigen und beantwortet bis zu einem gewissen Punkt die Fragen des

Ausschusses, wodurch er nationale Berühmheit erlangt.

Frank Costello und Albert Anastasia verbünden sich: Costello braucht Anastasia aufgrund der

Konkurrenz, die Genovese innerhalb der Luciano-Familie auslöst. Nach der Rückkehr aus dem

neunjährigen Exil in Italien hat Genovese die Führung der Familie wieder übernommen, aber nicht

ohne dass es zu Missstimmungen kam. Anastasia andererseits hat sich schon lange von seinem

Boss Vincent Mangano distanziert, der mit seinem Bruder Philipp nur kassiert, was Anastasia und

Tony aus dem Hafen herauspressen. Wegen seiner Allianz mit Costello muss Anastasia

befürchten, dass Vincent Mangano ihn beseitigen will. Am 19.4.51 wird Phil Mangano tot im

Sumpfgebiet bei Sheepshead Bay gefunden und Vincent Mangano verschwindet spurlos. Mit der

Unterstützung Costellos wird Anastasia am nächsten Treffen der Bosse in Manhattan zum Chef

der Mangano-Familie erklärt. Frank Scalise und Joe Adonis werden seine Unterbosse und Carlo

Gambino sein Berater. Mit ihnen übernimmmt Anastasia die Kontrolle über die 300 Docks und

40'000 Arbeiter des Hafens, dem Umschlagplatz der Mehrheit der Importe in die USA. Diese fast

grenzenlosen Möglichkeiten zum Geldverdienen, auch mit dem Schmuggel, und sein Bündnis mit

Costello machen Anastasia zum mächtigsten Boss in New York in den nächsten Jahren.

In den 40er Jahren arbeitete Joe Adonis intensiv mit Willie Moretti in den Spielcasinos von New

Jersey und Brooklyn. Moretti, der Boss von New Jersey, leidet an Syphilis, weshalb Vito Genovese

die meisten Syndikatsmitglieder von dessen Gefährlichkeit überzeugen kann. Der Allierte von

Costello und Förderer von Frank Sinatra wird am 4.10.51 in einem Restaurant ermordet. Damit

verstärkt Genovese seine Position gegenüber Anastasia und strebt danach, der Boss der Bosse zu

werden. Allerdings ist auch er für die Syndikatsmitglieder nicht ungefährlich. Nachdem er seiner

Frau an einer Party zwei Zähne ausgeschlagen und eine andere Frau, die sich einmischte,

ebenfalls geschlagen hat, erzählt seine Frau während der Scheidungsverhandlung, wie Genovese

sein Geld verdient. Aber die Justiz interessiert sich mehr für Costello, der im Sommer 1952 für 18

Monate ins Gefängnis wandert wegen Missachtung des Gesetzes vor dem Kefauver-Ausschuss.

Quellen : Meurice, Davis (1988): 64-80, Weberman (6), (27): 17, Pease (1995), Summers (1993):

228-231, Cran,, Davis (1994): 62ff,72, Giancana: 307, Best: 6,8, Scott (1993): 129ff,189ff, 217ff,

Sylwester.

1951 CIA-Programme zur Verhaltenskontrolle top.

Die CIA startet das Projekt ARTICHOKE unter Leitung von Morse Allen, dessen Versuche das Ziel

haben, Leute mittels Hypnose zu unfreiwilligen Killern zu machen. Programmierte Mörder könnten

laut Memobericht missliebige Politiker beseitigen und würden nach vollbrachter Tat in

Polizeigewahrsam genommen und ausgeschaltet. Untersuchungen an verurteilten Mördern sollen

herausfinden, ob diese "besondere organische Eigenschaften" haben. Dieses Programm ist eine

Fortsetzung der Humanexperimente der nationalsozialistischen Wissenschaftlern, von denen

sieben in Nürnberg zum Tod verurteilt wurden, und deren Arbeiten statt in ein Archiv an die CIA

gingen. Dieses Wissen verschaffte den amerikanischen Wissenschaftlern einen Vorsprung auf

dem Gebiet der Verhaltensmanipulation.

Schon während dem Krieg experimentierte das OSS mit Marihuana-Derivaten, um eine

Wahrheitsdroge zu finden. Die CIA nahm die Verhaltens-modifikationsversuche zunächst unter den

Namen BLUEBIRD wieder auf, um eigene Mitarbeiter zu konditionieren, damit sie im Falle einer

Enttarnung keine Geheimnisse verraten und nicht "umprogrammiert" werden können, wobei

verschiedene Drogen, Schlafmaschinen, Lügendetektoren und Hypnosetechniken gestestet und

eingesetzt wurden. Das im August 1951 in ARTICHOKE umbenannte Programm untersteht dem

Office of Security, einer Abteilung der Technical Service Division, die Waffen, falsche Dokumente,

Tarnungen und Codes produziert. Das OS führt Akten über 300'000 US-Bürger, mit einem

Hauptinteresse für sexuelle Orientierungen und Präferenzen.

Mitte 1953 startet Aliens Stellvertreter Dr. Sydney Gottlieb das Projekt MK/ULTRA, das

Verhaltenskontrolle und Ermordungsstrategien mittels Drogen, Elektroschocks und chemischen,

biologischen und radioaktiven Materialien weiter ausbaut. Gottlieb promovierte an der Technischen

Universität von Kalifornien in Chemie und übernahm im Alter von 33 Jahren die Chemical Division

des TSD der CIA. Er gewann schnell die Achtung seiner Kollegen und von Richard Helms, weil er

sich nicht vor heiklen Aufgaben drückte, wozu beispielsweise verrückte Vergiftungspläne gegen

Abdul Karim Kassem und Fidel Castro gehören. Durch MK/ULTRA werden Medikamente zur

Willens- und Bewusstseinssteuerung wie das Bulbacapin gefunden, sowie eine tödliche Droge, die

keine Spuren hinterlässt.

Die ausgedehntesten Experimente werden mit dem 1943 entdeckten LSD gemacht, von dem 1953

für $240'000 Proben an verschiedene Universitäten und Labors für zum Teil gefährliche Tests

geschickt wird. Es werden Kollegen und Leute "von zweifelhafter Loyalität, verdächtige Agenten

oder Spitzel, Subjekte mit Geheimwissen" ausgewählt, die zu ahnungslosen Versuchskaninchen

werden. Gottlieb engagierte den Zauberkünstler John Mulholland, der den CIA-Agenten beibringen

soll, wie man unbemerkt Drogen in Drinks kippt.

Der tödliche Sturz von CIA-Mitarbeiter Dr. Frank Olson hat nichts mit einem Selbstversuch der CIA

zu tun, wie lange behauptet. Olson kannte die Foltermethoden und Gehirnwäscheversuche mit

Drogen, die die CIA mit vermuteten Spionen und Kriegsgefangenen durchführte und wusste um

den Einsatz von Biowaffen wie Anthrax im Koreakrieg. Alle beteiligten Soldaten und Piloten wurden

gezwungen, ihre Aussagen bezüglich des Biowaffeneinsatzes zu widerrufen und Stillschweigen zu

schwören. Da Olson Informationen weitergab, bringt ihn die CIA um, indem er betäubt und dann

aus dem Fenster gestürzt wird. Seine Familie erfährt erst 1975 aus einem Zeitungsbericht über die

Rockefeller-Kommission, dass es kein Selbstmord war. Donald Rumsfeld und Richard Cheney

überreden Präsident Gerald Ford, sich bei der Familie zu entschuldigen und den Mord als Unfall

nach einem LSD-Selbstversuch darzustellen, um eine weitergehende Untersuchung zu verhindern.

Hingegen gehören Prostituierte mit Kundschaft in San Francisco und New York, wo George White

in Appartementen Beobachtungsposten einrichtet, zu den 5000 Personen, an denen Halluzinogene

ausprobiert werden. Whites Assistent Ira Feldman betätigt sich als Zuhälter, wobei die Frauen mit

Gutscheinen, die sie beispielsweise bei einer Verhaftung einsetzen können, und Heroinsüchtige

mit Heroin für die Teilnahme an Experimenten belohnt werden. Die Tonbänder und Fotos der

Safehouses dienen gleichzeitig dazu, Erpressungsmaterial zu beschaffen, so dass sich die

Testopfer nicht wehren können. Jahre später schreibt White in einem persönlichen Brief an

Gottlieb: "Ich war ein höchst unbedeutender Missionar, ein Ketzer praktisch. Aber ich habe aus

ganzem Herzen in den Weinbergen geackert, weil es Spass, Spass und nochmals Spass machte.

Mit dem Segen des Allerhöchsten lügen, töten, betrügen, stehlen, vergewaltigen und plündern - wo

sonst hätte ein echter Amerikaner das tun können?"

George White ist neben Garland Williams und Charles Siragusa einer der Topbeamten des Federal

Bureau of Narcotics von Harry Anslinger und dient als Schnittstelle von Drogenhändlern und

Geheimdienstagenten zwecks antikommunistischer Aktionen. Im 2. Weltkrieg war White Offizier

der Gegenspionageabteilung X-2 des OSS und an der Operation UNDERWORLD beteiligt, die den

Hafen New Yorks sicherte, die Invasion in Sizilien erleichterte und Luciano aus dem Gefängnis

brachte. White und Siragusa waren an den antikommunistischen CIA-Aktionen 1948 in Italien und

der Unterstützung der Hip Sing Tong-Mafia in Hong Kong beteiligt, welche schon in den 30er

Jahren im Drogenhandel war und mit der Kuo-min-tang zusammenarbeitet. FBN-Agent Garland

Williams verschaffte dem Mobverbündeten Satiris "Sonny" Fassoulis 1949 einen Job bei der

Commerce International China als Zuständiger für militärischen Nachschub und Berater von

Tschiang Kai-Schek in Taiwan. Fassoulis Name taucht in mehreren grossen Finanzskandalen in

den USA auf.

White verabreichte bereits vor dem Krieg konzentriertes Marihuana an Ahnungslose, unter

anderem auch an August Del Gracio, einem Vertrauten von Lucky Luciano. 1966 gelingt es dem

israelischen Geheimdienst, Cannabis synthetisch herzustellen, das die US-Armee 1967 zur

Kriegsverwendung weiterentwickelt.

Es gebe nur einen "operativ realistischen" Weg, Drogen zu testen, erklärt CIA-Direktor Richard

Helms später, "das Experiment an ahnungslosen Menschen". Viele der Drogenuntersuchungen

werden aber nicht in den CIA-Labors und -Safehouses selbst durchgeführt, sondern über

Stiftungen und Direktaufträge an 88 Experten vergeben. 86 Universitäten und Colleges (z.B:

University of Illinois, University of Minnesota,) und viele Spitäler (z.B: Mount Sinai Hospital, Boston

Psychopatic Hospital, Valley Forge General Hospital, Detroit Psychopatic Clinic, Mayo Clinic,

National Institue of Health, wo Krebskranke für Tests gebraucht werden) experimentieren mit. In

Montreal beispielsweise testet der Psychiater Ewen Cameron langjährige und mehrstufige

Bewusstseinsmanipulationsprogramme (MK/ULTRA Subprojekt 68) mit massiven Elektroschocks,

Dauerbeschallungen in Isolationszellen, dem nervenlähmenden Curare, Schlafmitteln und LSD an

ahnungslosen Patientinnen. Der Londoner Arzt Dr. Sergeant experimentiert im Auftrag der CIA mit

Schlafkuren und Elektroschock zur Verhaltensprogrammierung an depressiven Patientinnen.

Arzneimittelproduzenten und Gefängnisse in den USA (z.B. im kalifornischen Folsom-Gefängnis, in

Vacaville und in Springfield), aber auch in Lateinamerika und Südostasien machen mit. Der

Pharmakologe Dr. Carl Pfeiffer führt LSD-Versuche für die CIA in den Gefängnissen Atlanta und

Bordentown, New Jersey durch. Allein das Gesundheitsministerium gibt von 1 954 bis 1 968 $7,5

Mio. für 2500 LSD-Versuche in den Gefängnissen aus. Zudem wird LSD zwischen 1953 und 1973

an 745 Armee-Angehörigen ausprobiert, oft ohne deren Wissen. Eines der bekanntesten

Drogenversuchsopfer der Armee ist der Profi-Tennisspieler Harold Blauer. Alle Beteiligten halten

sich an die auferlegte Schweigepflicht.

Ende der 60er Jahre verliert die CIA das Interesse am LSD, das 1966 verboten wird, weil es

zuwenig verlässliche Geständnisse hervorbringt, und testet vermehrt mit Opiaten und BZ

(=Quinuclidinyl Benzilat ist 100 Mal stärker als LSD). General Lloyd Feilenz und Solomon Snyder

entwickeln Pläne, BZ im Kriegsfalle in die Trinkwasserversorgung des feindlichen Landes zu

kippen, wozu in Dugway Proving Ground in Utah 50 Tonnen der Droge gelagert werden.

Bei der Versetzung Helms als Botschafter nach Teheran 1973 vernichtet Gottlieb alle

verbleibenden Dokumente über MK/ULTRA, das aus 149 Unterprojekten bestanden hat. Eines

davon ist CHATTER, das eine Wahrheitsdroge für Verhöre und Agentenrekrutierung sucht, wobei

beispielsweise Scopolamin, Mescalin oder Anabasis Aphylla eingesetzt werden. Fester Bestandteil

des Programms, bei dem der Psychiater Dr. Edgar Schein eine zentrale Rolle spielt, sind die

Versuche mit dem Wahrheitsserum Sodium Penthotal, das kombiniert mit anderen Medikamenten

beispielsweise Todesängste hervorrufen soll. Schein fordert 1961 die systematische Gehirnwäsche

bei Strafgefangenen, da sie das Recht auf eine eigene Persönlichkeit durch die Straftat verwirkt

hätten.

Die Fernsteuerung von Menschen und das Erlangen von Informationen in Verhören wird mit

Elektroschocks, Bestrahlungen, Ultraschall, Psychochirurgie, auch an Geisteskranken, versucht.

Mit der Forschung über hypnotische Suggestion wurde Dr. George Estabrooks bereits nach Pearl

Harbor beauftragt. In den 50er Jahren wird an der Kombination von Hypnose und Drogen

weitergeforscht, was als besonders erfolgreich angesehen wird.

1962 bombardieren die Sowjets die US-Botschaft in Moskau mit Mikrowellen, die Auswirkungen

auf das Zentralnervensystem haben können. Die CIA verheimlicht diese Bestrahlung trotz

Entdeckung, vermutlich weil sie selbst solche Untersuchungen an der Universität von Illinois

durchführt. Auch das Office of Naval Intelligence finanziert Forschungen wie die des

Neurophysiologen Jose Delgado über die elektronische Manipulation des Hirns.

In der CIA-Forschungsabteilung werden 1300 Wissenschaftler beschäftigt, die spurenlose Gifte

und geräuschlose Pistolen entwickeln sowie Provokations-, Sabotage- und Mordkommandos

ausbilden. Hauptaufgabe des Office of Special Operations unter Oberst Boris T. Pash ist die

Beseitigung von Doppelagenten, aber es werden auch missliebige Politiker umgebracht, wie der

linke griechische Abgeordnete Lambrakis. Pash war bei der Army Intelligence der Chef der ALSOS

Mission, die versuchte, deutsche Wissenschaftler zu "fangen", um die vermutete deutsche

Atombombe in den USA fertigzustellen. Nach dem Krieg half er Nazi-Wissenschaftlern, in die USA

zu kommen.

Die CIA erarbeitet ein 22seitiges Manual mit dem Titel "A Study of Assassination", das

verschiedene Mordtechniken, angemessene Waffen und Vertuschungstechniken wie Tarnungen

als Unfälle erklärt. Laut diesem Handbuch dürfen Mordaufträge nie schriftlich erfolgen und nicht in

die Akten aufgenommen werden. In einem Spezialprogramm wird versucht, 40 Kinder (ab 6jährig)

zu Killern zu programmieren: sie lernen verschiedene Mordtechniken, erhalten

Scharfschützentraining und eine Gehirnwäsche. Zur Mordabteilung grhören General Robert

Cushman, John Richardson, John Baker, Milton Buffington, Tracy Barnes sowie E. Howard Hunt.

Viele der Mordpläne werden aber nicht ausgeführt oder scheitern, wie den gegen den chinesischen

Premierminister Tschou En-lai, der 1955 vergiftet werden soll, oder derjenige gegen den

Journalisten Jack Anderson, dem man das Lenkrad seines Wagens mit LSD besprühen will.

Quellen : Callahan: 97, Scott (1993): 172f, Weber: 28-50,57-68, Schulz: 155ff, CIA-Info: 5f,13,

Kirchmann, Marks, Ege (1984): 161-167, Powers: 238ff, Amendt, Albrecht/Schäfer, Koch/Beck.

1952 Biowaffen top.

Parallel zu MK/ULTRA läuft NK/NAOMI, ein gemeinsames Projekt der Technical Services Division

der CIA und der Special Operations Division der U.S. Armee in Fort Detrick in Maryland, wo 600

Wissenschaftler ab 1952 während 18 Jahren biologische Waffen entwickeln und testen. Dabei

werden Giftpfeile, Gifttabletten oder biologische Waffen gegen Getreide und Tiere entwickelt.

Insgesamt gibt es in dieser Zeit über 200 Freiluftexperimente mit biologischen Waffen.

Schon 1930 bekam der I.G.Farben-Chemiker Gerhard Schrader von seinem Chef Otto Bayer den

Auftrag, Insektizide als Kampfstoffe zu entwickeln. 1937 produzierte er das Nervengas Tabun,

1939 das Sarin und 1944 das Soman, die zuerst an Affen und später an KZ-Häftlingen in

Ausschwitz ausprobiert wurden. 1945 blieb Schrader als wissenschaftlicher Direktor des

Laboratoriums für Pflanzenschutz bei Bayer Leverkusen an seinem Arbeitsplatz.

Weiter als die Nazis bei den chemischen Massenvernichtungswaffen waren ihre japanischen

Verbündeten, die bei ihrem Überfall auf China 1941 Kugelbomben mit bakteriologischen und

chemischen Kampfstoffen in der Mandschurei erprobten. Um die Forschungen der Japaner, die

biologische Waffen an Gefangenen zuerst testeten, zu übernehmen, integrierten die USA die

Kriegsverbrecher als Zivilberater in ihrer Sondereinheit 406. Der Kriegsverbrecher Nobosuke Kishi,

Minister für Waffen und Munition in Tojos Kriegskabinett, wird 1957 Japans Ministerpräsident. Die

CIA finanziert und fördert die Ein-Parteien-Herrschaft Japans, wodurch die .Kolonie' einfacher

kontrolliert werden kann.

Zusammen mit den Kanadiern experimentieren die Wissenschaftler mit Fliegen, Flöhen, Moskitos

und Zecken, um die Keime zu verbreiten. Die Kanadier entwickelten eine 225-Kilo-Bombe, die

200'000 Fliegen transportieren soll. 1952 bestellt die Air Force 23'900 M-33-Streubomben, die je

108 Aerosolbomben mit biologischen Toxinen enthalten, und die Navy entwickelt eine biologische

Mine für den Einsatz von U-Booten aus.

Zwischen 1949 und 1968 werden 26 Operationen in verschiedenen Städten und Landstrichen mit

Nervengiften durchgeführt. Ende September 1950 brach in San Francisco eine

Lungenentzündungsepidemie aus, die die Ärztewelt vor ein Rätsel stellte. Die Marine und die CIA,

die die 800'000 Einwohner als Testpersonen für die Bakterien Bazillus Globigii und Serratia

Mercescens verwendeten, schwiegen. Edward Nevin starb an den Folgen dieser Sprühaktion.

Vergleichbare Breitentests werden 1954/55 mit Keuchhusten-Bazillen (Hemophilus pertussis) in

Florida und im Februar 1956 in New York, wo bei der Operation BIG CITY Bazillen über den

Auspuff eines Autos verteilt werden. Unter dem Codenamen WHITECOAT werden von 1955 bis

1977 153 streng geheime Experimente mit Q-Fieber, Milzbrand, Hasenpest, Bauchtyphus oder

Hirnhautentzündung mit Vorliebe an freiwilligen Adventisten ausprobiert, da diese keinen Alkohol

trinken und nicht rauchen. Die Kirchenleitung rekrutiert dafür 2200 junge Männer.

Quellen : CIA-Info: 5,11,14, Potter, DDAH, Cole, Brandt, Kohn/Meinke: 46, Best: 92-95, Narco,

Groden/Livingstone: 350, Tarpley/Chaitkin: 185-209, CNPC: 18, O'Shaughnessy, Schulz: 106,166-

168,198, Weber: 52-55, Dezalay, Endicott, DiEugenio (1997): 2,20, Schneider, Kienzlen, Pepper:

217.

Mai 1952 Batista und die Mafia auf Kuba top

Fulgencio Batista übernimmt am 10.5.52 zum 2. Mal die Macht auf Kuba in einem unblutigen

Putsch. Meyer Lansky bezahlte dem Präsidenten Carlos Prio Socarras $250'000, damit der

exilierte Batista die Bewilligung zur Rückkehr bekam. Kurz vor den Wahlen stürzt Batista den

gewählten Staatspräsidenten, der sich nicht wehrt.

Als Lansky 1953 aus dem Gefängnis entlassen wird, investiert er grosse Summen in Kuba und

zieht 1954 auf die Insel. Lansky und der Diktator stehen sich laut einem Anwalt Lanskys "sehr

nahe, wie Brüder". 1955 erlaubt Batista die Glücksspiele in jedem Nachtklub oder Hotel, das mehr

als $1 Mio. Wert hat und befreit sie von allen Steuern, wofür er die Hälfte der Gewinne der

Spielautomaten einkassiert. Kuba entwickelt sich zum Zentrum des Glückspiels und der

Prostitution für amerikanische Touristen, Spieler, Investoren, Spekulanten und Freier.

In den nächsten vier Jahren investieren die Mobster insgesammt $50 Mio. in Havanna. Lansky

baut das einundzwanzigstöckige Riviera Hotel mit Swimming Pool und eiförmigem Kasino, besitzt

Anteile am Sevilla Biltmore, am Tropicana Casino und am Havanna Hilton. Moe Dalitz von

Cleveland übernimmt das Hotel Nacional, wo Lanskys Bruder Jake die Geschäfte führt. Lanskys

Freund Charlie "the Blade" Tourine besitzt das Capri. Das $24 Mio. teure Havanna Hilton leitet

Eddie Levinson aus Las Vegas. Santos Trafficante gehört das Sans Souci und Anteile am Capri,

Hilton und Commodoro. Lucky Luciano hat ebenfalls Anteile am Sans Souci und am Riviera. Auch

Sam Giancana und Johnny Roselli von Chicago sowie Salvatore Granello und James Plumeri von

der Lucchese-Familie haben auf Kuba investiert.

Santos Trafficante kontrolliert den Drogenhandel auf Kuba und in Florida, er besitzt ein Büro im

Teamster Local 320 in Miami, das Dave Yaras und Barney Baker in den 50er Jahren mitaufbauen.

Als Trafficante Sr. stirbt, übernimmt sein gleichnamiger Sohn die Geschäfte und gilt allgemein als

der offizielle Boss auf Kuba.

Kuba ist eine Art Halbkolonie der USA, wirtschaftlich und politisch völlig abhängig von den USA. Es

hatte sich sogar das Interventionsrecht des Grossen Bruders in die Verfassung schreiben lassen

müssen. Die CIA baut Batistas Geheimdienst BRAC auf, der sich auf die Folterung von

Gefangenen spezialisiert. Die USA üben nach der Revolution Castros grossen Druck aus, um die

Freilassung der gefangenen BRAC-Folterer durchzusetzen.

Quellen : Marrs: 169, Davis (1994): 129, Schulz: 175, Best: 32, Olgiatti, Anson: 306-308.

1952 Nixon, Lansky, Faschisten top

Obwohl Richard Nixon dem kalifornischen Gouverneur Earl Warren seine Unterstützung für die

Präsidentschaft versprach, schwenkt "Tricky Dick" nach der Zusicherung von Thomas Dewey für

eine eigene Präsidentschaft um und intrigiert mit Murray Chotiner für General Dwight D.

Eisenhower. Der stramme Antikommunist wird auf dem republikanischen Parteitag zum Erstaunen

aller zum Running Mate Eisenhowers ernannt.

Unterstützt wird Nixon dabei von Prescott Bush, der Vater des späteren Präsidenten. Der

überraschende Tod des 48jährigen Senators James O'Brien McMahon am 28.7.52 erlaubt es

Bush, im Fahrwasser des Kriegshelden Eisenhower problemlos in den Senat gewählt zu werden.

McMahon war von 1935 bis 1939 stellvertretender Justizminister und dürfte über die Nazigeschäfte

von Bush informiert gewesen sein. Der optimale Zeitpunkt seines Todes und die Möglichkeit, dass

McMahon seine Karriere hätte zerstören können, lassen auf Mord schliessen.

Nixon und Eisenhower treten im Wahlkampf als Reinemacher gegen die korruptionsgeschüttelten

Demokraten unter Harry Truman auf, bis die Presse berichtet, Nixon hätte $18'000

Wahlkampfgelder von konservativen Geschäftsleuten in die eigene Tasche gesteckt. Nixon

behauptet, die Kommunisten steckten hinter dieser "Verleumdung" und kann seine Haut mit einer

populistischen Rede im Fernsehen (, Checkers Speech') retten, in der sich als armen Schlucker

darstellt. Dank dem Wahlkampfstrategen Murray Chotiner wird Nixon aber mindestens von 27

Grossfirmen und Millionären finanziert, die wissen, dass Nixon macht, was sie von ihm verlangen,

wie es bei den Aktionen gegen Onassis offensichtlich wird.

Von 1952 bis 1956 vertritt Murray Chotiner mit seinem Bruder Jake Mafiosi in 221 Buchmacher-

Prozessen. Nixon arbeitete in den 40er Jahren als Anwalt für Meyer Lansky, der sein

Wahlkampffinanzmanager Dana Smith sehr gut kennt. Lansky und Nixon treffen sich anfangs der

50er Jahre auf Kuba, wo Nixon als passionierter Spieler bekannt ist. Nixon ist öfters auf der Insel

als gerngesehener Gast bei Batista und verleiht ihm 1955 als Vizepräsident die Ehrenmedaille.

An einem Abend im März 1952 verspielt Nixon im Sans Souci $4200, was offenbar das Casino

übernehmen soll, weshalb es zu einem Streit kommt. Nixon, Bebe Rebozo, Smith und Richard

Danner kennen jedoch Norman Rothman, der das Sans Souci für die Mannarino-Brüder leitet, die

mit Santos Trafficante zusammenarbeiten.

Bebe Rebozo, der an Lanskys illegalen Spielcasinos in Haiandale bei Fort Lauderdale und im

Osten von Miami beteiligt ist, und Nixon investieren gemeinsam in Kuba, beispielsweise ins Coral

Gables Motel. Lanskys Kontakte zu Nixon laufen auch über George Smathers, und über "Jimmy"

Alo, Lanskys rechte Hand und Manager des Hotel Nacional, laufen die Gelder für Nixons

Wahlkampf. Nixon benützt die Kommunistenhysterie, um den demokratischen Kandidaten Adlai

Stevenson, den Sam Giancana finanziert, zu attackieren.

Von den $100'000 Schmiergeldern, die Nixon vom rumänischen Geschäftsmann Nikolae Malaxa

für seinen Einsatz, damit dieser in den USA bleiben kann, erfährt die Öffentlichkeit dank der CIA

nichts. Malaxa unterstützte Hermann Göring, geschattete im 2. Weltkrieg mit Alfred Göring, gehörte

zum Gestapo-Netzwerk von Otto von Bolschwing und finanzierte die "Iran Guard", die mit der

Auslandgeheimdienstabteilung des SS zusammenarbeitete und in Bukarest 7000 Juden

umbrachte. Nach dem Krieg schlug er sich auf die Seite der Kommunisten und wurde mit der

Rückgabe seines von der Partei eingezogenen Vermögens von $2,4 Mio. (nach anderen Quellen

$200 Mio.) belohnt, womit er sich mithilfe von OSS/CIA-Agent Frank Wisner in die USA absetzte.

Die Anwaltskanzlei Sullivan & Cromwell der Brüder Dulles organisierte seine Immigration in die

USA.

Der spätere Aussenminister John Foster Dulles vertrat als Anwalt die Interessen des 3. Reiches.

Vizeaussenminister Adolph Berle vertrat Malaxa vor den Immigrationskomitee, und die Kanzlei

Bewley, Knoop and Nixon konnte 1951 seine Niederlassung durchsetzen, da die von Malaxa

gegründete Pipeline-Firma Western Tube nationale Sicherheitsinteressen wahrnehme. Die Firma

produzierte keine einzige Röhre, aber ihr Präsident Herman L. Perry, unterstützt Nixon seit 1946.

Das INS versucht seit einiger Zeit, Malaxa auszuweisen und kam deshalb über die Führer der

Exilrumänen zu Beweisen der Schmiergeldzahlungen. CIA-Chef Walter Bedell Smith, der im Krieg

bei Eisenhower diente, kann den Skandal verhindern. 1952 zieht Malaxa nach Argentinien und wird

mit Juan Peron und Otto Skorzeny gesehen.

Der Rassist Nixon hat auch andere Drähte zu Faschisten: Sein Mitarbeiter Lynn Nofziger finanziert

die American Nazi Party, FBI-Agent G. Gordon Liddy organisiert die Projektion von Nazi-

Propagandafilmen, Viorel Trifia gehörte zu Otto von Bolschwings Gestapo. Nixon, ein

ausgesprochener Antisemit, ernennt den Nazi-Kriegsverbrecher Laszlo Pasztor zum Mitglied des

Republican Nationalities Council. Nixon ist auch mit Kurt-Georg Kiesinger befreundet, der NSDAP-

Mitglied war, für Ribbentrop und Goebbels arbeitete und von 1966-69 als CDU-Bundeskanzler

amtet. 1974 vergleicht sich Nixon selbst mit Hitler, als er sagt, er wolle, dass Bill Simon sein Alfred

Speer sei. Der Prediger Billy Graham, der seit den 50er Jahren praktisch alle Präsidenten berät,

meint zu Nixon, man müsse die Herrschaft der Juden über die Medien brechen, sonst sei das Land

verloren. Die antsemitischen Prediger Frank Graham, Billys Sohn, Pat Robertson und Jerry Falwell

von Moral Majority, der den Teufel 1999 als jüdisch und männlich beschreibt, wechseln nach dem

Attentat vom 1 1 .9.2001 schnell auf einen antiislamischen Kurs.

Quellen : Behr: 171,178, Davis (1988): 275,314,359, Hersh: 157, Giancana: 31 6f, Bartholomew:

54f, Weberman (6): 1f, Groden/Livingstone: 418, Summers (1993): 201 ff, (2000): 41-57,106-

135,178f, 353ff, Tarpley/Chaitkin: 58, Warde (2002b), Birnbaum.

1952 Eisenhower, Hoover und die Ölbarone top.

J. Edgar Hoover interessiert sich vor allem für die Seitensprünge von Dwight D. Eisenhower,

unterstützt ihn aber politisch. Kay Summerby, Eisenhowers Chauffeurin und Liebhaberin während

des 2. Weltkriegs schrieb 1948 das Buch "Eisenhower was my Boss", das Hoover aus den

Buchläden verschwinden lässt. Adlai Stevenson wird von Donald Surine, McCarthys

Verbindungsmann zu Hoover, im Fernsehen attackiert und als Homosexuellen und

Kommunistenfreund diffamiert.

Die Ölbarone finanzieren ebenfalls Eisenhowers Wahlkampf. Eine der ersten Amtshandlungen

Eisenhowers besteht im Stopp der Grand Jury-Untersuchung des internationalen Petroleumkartells

wegen "Staatssicherheitsgründen". Die Ölmultis werden für ihre Wahl-Unterstützung während

seiner ersten Amtsperiode mit 60 Lizenzen aus Bundesreserven belohnt. In den 55

vorhergehenden Jahren wurden insgesamt nur 16 Lizenzen erteilt.

Hoover betrachtet Clint Murchison und Sid Richardson als seine besten Freunde. Murchison

finanziert Lincoln Rockwell, der Führer der amerikanischen Nazi-Partei. 20% der Murchison Oil

Lease Company gehören der Genovese-Familie, Handridge Oil teilt Murchison mit der Mafia von

Las Vegas. Auch mit der International Brotherhood of Teamsters Union laufen Deals, und Clint

Murchison jr. unterhält Geschäftsbeziehungen mit Carlos Marcello.

Hoovers Assistent Thomas Webb wechselt auf Rat Hoovers nach siebzehn Jahren Dienst beim

FBI zu Murchison und schmiert für ihn zusammen mit Bobby Baker Politiker, vor allem Johnson.

Von 1953 bis zu seinem Tod ist Hoover zusammen mit seinem Liebhaber Clyde Tolson jeden

Sommer während mindestens einem Monat Gast im Murchisons Hotel La Jolle, ohne je eine

Rechnung zu bezahlen. Auch Myer Schine finanziert Hoovers Ferien, und dank Börseninsidertips

mit den Ölmultis kassieren der Direktor und der Vizedirektor Börsengewinne. Tolson besitzt bei

seinem Tod Aktien im Wert von mindestens $750'000. Obwohl die Einkünfte aus Hoovers Büchern

offiziell an eine Stiftung gehen, steckt der FBI-Direktor 90% davon in die eigene Tasche und die

seiner Ghostwriter.

Eisenhower holt nach seiner Wahl Nelson Rockefeiler, der die New Deal-Programme wegwischen

soll. Über Oveta Culp Hobby und Gouverneur William P. Hobby lernte Rockefeiler einflussreiche

Texaner kennen wie George und Herman Brown, den Versicherungskönig Gus Wortham, "Mr.

Houston" Jesse Jones, oder den Gründer der Vinson & Elkins und First City Bank in Houston,

Richter James Elkins. Verteidigungsminister wird Charles Wilson von der General Motors, der das

Land mit Higways überziehen, mit der Begründung: "Was gut ist für GM, ist gut für Amerika". Seit

1930 hat GM dafür gesorgt, dass 100 Tramsysteme in 45 Städten aufgegeben wurden.

Quellen : Summers (1993): 180-191,233, Best: 85, Kangas: 3, Brussell (1983): 7f,22, Theoharis/

Fox: 356-375, Staub (2002g), Snell.

1952 John F. Kennedy und Jacqueline Bouvier top

John F. Kennedy wird gegen den siegessicheren Henry Cabot Lodge in den Senat gewählt.

Nachdem 1949 das Cortison entdeckt wurde, verbesserte sich sein Gesundheitszustand

entscheidend, und er wurde politisch aktiv. Statt der nötigen 2500 Nominierungsunterschriften Hess

Kennedy über 260'000 sammeln und anschliessend allen Unterzeichem einen Dankesbrief

schicken. JFK setzte vor allem auf die Stimmen der Frauen, für die Teegesellschaften organisiert

wurden. Wiederum wurde 900'000 Mal die achtseitige Kriegsheldengeschichte verteilt, mit

Kennedys Foto auf dem Umschlag. Viel Propaganda verbreitete auch die Boston Post, die kurz vor

dem Ruin von Kennedy ein $500'000-Darlehen bekam. Die perfekte Kampagne, die $250'000

kostete, managte Joe, der seine alten Kontakte in Boston reaktivierte.

Nachdem die Frauen ihre Stimmen für JFK abgegeben haben, heiratet er am 12.9.1953 Jacqueline

Bouvier, die er 1951 in Washington kennengelernt hatte. Arthur Krock, dem Joe Kennedy seit

einiger Zeit wegen einer Frau für Jack in den Ohren lag, organisierte ein Treffen mit der

Journalistin. Aber Jack interessierte sich zunächst nicht für Jackie, und sie verlobte sich im

Sommer mit John Husted, obwohl dieser nicht zu den ganz Reichen gehört. Beim zweiten Versuch,

die beiden zu verkuppeln, klappte es dann, wenn er ihr auch nur selten anrief und keine Karten,

Blumen oder gar Liebesbriefe schickte. Da JFK sich nicht zur Ehe entscheiden kann, entzieht sie

sich ihm und geht als Korrespondentin nach London. Im Verlauf eines transatlantischen

Telephongesprächs wird im Mai 1953 die Heirat vereinbart, obwohl Jacks Freund Lern Billings am

Inaugurationsball Eisenhowers Jackie zur Seite nahm und ihr von Jacks Frauengeschichten

erzählte. Sie will den emotional unreifen 36jährigen, weil die Kennedys wirklich Geld haben.

Die Heirat bedeutet den Eintritt der irischen Katholiken in die herrschende WASP-Oberschicht, die

aus 60 Familien besteht, wofür Joe Kennedy sein Leben lang gekämpft hat. Obwohl der

aristokratische Stammbaum der Bouvier-Auchincloss eine Erfindung von Jackies Schwiegervater

war, hat die Mutter zunächst Bedenken, weil die Tochter unter ihrem Stand heiratet. Der Vater

"Black Jack" Bouvier hasst Joe Kennedy, weil dessen Börsenreform ihm finanziell das Genick

gebrochen hatte. Und Jackie hat Bedenken, weil die Kennedys "so bourgeois" sind. Aber ihre

Familie ist verschuldet, während Kennedys Privatvermögen auf $400 Mio. geschätzt wird. Kardinal

Richard Cushing traut das Paar, das sich einig ist, dass die Ehe zum äusserlichen Erfolg und zum

Kinderkriegen nötig ist. Jackie wird die Rolle der Präsidentengattin und Mutter perfekt spielen und

Jack auf den Wahlkampagnen begleiten, auf denen sie viele Stimmen einbringt.

Da Frauen für Jack entweder Hausfrauen oder Huren sind, hält er sich mit George Smathers eine

Hotelsuite. Dabei passt Jackie trotzdem nicht in sein Bild, weil sie explizit keine Hausfrau sein will.

Aber sie inszeniert diese Rolle zumindest am Anfang, um den Sprung ins Weisse Haus zu

schaffen. JFK stellt sein "Familienleben" schamlos zur Schau, lädt Journalisten und Fotographen

zu sich nach Hause ein und sorgt dafür, dass das Traumpaar regelmässig auf den Frontseiten der

Magazine erscheint. JFK hat gelernt, dass Publicity das Wichtigste ist und wie man die Medien für

sich nutzt. Privat kennen sich die beiden kaum und sind wie zwei Eisberge, aber politisch sind sie

ein perfektes Paar. JFK ist zu emotionaler Bindung nicht fähig und kann, obwohl er bei Männern

wie Frauen starke Gefühle wecken kann, selbst weder Liebe zeigen noch geben. Als er gegen

Ende seines Lebens gefragt wird, ob er je einen Menschen geliebt habe, starrt eine eine Weile aus

dem Autofenster und verneint dann. JFK ist ein Profiteur, der Dienst, Loyalität und Zustimmung

fordert, aber Kritik und Widerspruch nicht duldet. Im Oktober 1955 und im August 1956 erfolgen

zwei Fehlgeburten, bevor im November 1957 Caroline und 1961 John jr. geboren werden. Wenige

Tage nach der Geburt stirbt Patrick im August 1963. Diese Schwierigkeiten haben vermutlich mit

seiner Geschlechtskrankheit zu tun.

Quellen : Posener: 13-45,58-69, Kessler (1997), Collier/Horowitz: 215-259.

Die CIA unter Allen W. Dulles top.

Allen Welsh Dulles, der als Chefagent des OSS in Bern innerhalb kurzer Zeit ein Agentennetz über

ganz West- und halb Osteuropa aufgezogen hatte, wird neuer CIA-Direktor der Regierung

Eisenhower, und sein Bruder John Foster Dulles wird Aussenminister. Von 1937 bis 1943 war

Allen Dulles Direktor der Schroeder Bank, die Hitler finanzierte. Deshalb hat er zeitlebens beste

Beziehungen zur Wall Street und zum Zirkel von Morgan, Rothschild, Hambros, Baring und

Eugene Meyer. Seit 1942 stand Dulles in Kontakt zu SS-General Karl Wolff und arbeitete mit bei

der Operation BERNHARD, einem Geldwasch- und -fälschungsprogramm mit Wolff und dem

Mailänder Gestapo-Chef Walter Rauff, der für den Tod von 100'000 Juden verantwortlich ist. 1943

führte Dulles in der Schweiz mit dem SS-Offizier Prinz Hohenlohe Verhandlungen, um eine totale

Niederlage Deutschlands zu verhindern. Dabei hatte Dulles auch Kontakt mit Hitlers Stellvertreter

Martin Bormann, der in Paraguay das neues Nazi-Netzwerk "die Spinne" aufbaut.

Dulles begann im Dezember 1942 eine professionelle und amouröse Beziehung mit Mary Bancroft,

die eine lebenslange Freundin von George Lyman und Ruth Forbes Paine ist. Bancroft war Dulles

primärer Kontakt mit der Gruppe "20. Juli", die ein Attentat gegen Hitler plante. Verbindungsmann

Hans Bernd Gisevius, Mitglied der Organisation von Militärgeheimdienstchef Admiral Wilhelm

Canaris, dessen Untergebener Hans Oster die Aktion koordinierte, ging Anfang Juli 1944 nach

Deutschland, um den Coup vorzubereiten. Im Sommer 1944 ging die Bombe hoch, die Hitler nur

knapp verfehlte. Wäre Hitler getötet worden, hätte ein sofortiger Waffenstillstand mit den

Westmächten stattgefunden, um gemeinsam gegen Russland weiterzukämpfen. Die Briten, deren

Agent Kim Philby die Codes der Deutschen knacken konnte, widersetzten sich vehement einem

solchen Deal. Canaris, der den Mord an Rosa Luxemburg, die Unterstützung der IRA, von

Francisco Franco, die faschistische Freiwilligenarmee CONDOR, aber auch die Rettung von Juden

aus Deutschland organisert hatte, wurde entlarvt, und SS- und Gestapochef Heinrich Himmler

übernahm dessen Funktion. Auch Himmler schickte Agenten zu Dulles, um einen Sparatfrieden

und den gemeinsamen Krieg gegen Russland zu verhandeln.

Nach dem fehlgeschlagenen Anschlag konnte sich Gisevius mit falschen Papieren in die USA

absetzen, wo er bei Dulles Freund Tom Braden unterkam und bei Dresser arbeitete. Der Vater des

zukünftigen CIA-Direktors und Präsidenten, Prescott Bush, ist Verwaltungsrat bei Dresser. Der

Chef der Dresser ist Henry Neil Mallon, der die Ölequippement-Firma und deren Tochterfirma

IDECO seinem Freund Dulles als Cover für verdeckte Aktionen der CIA zur Verfügung stellt.

Seinem Sohn George Bush vermachte Prescott über Ray Kravis, der J. Paul Getty und Joe

Kennedy bei Steuerhinterziehungen hilft, einen Job. Aber dieser begann bei Dresser Industries, die

Harriman gehört. Danach stieg er mit John Overbey und Kapital von Jimmy Gammeil, Eugene

Meyer und seinem Vater in den skrupellosen Handel von Grundstücken mit vermuteten Ölquellen

ein.

George Bush stellt seine 1953 mit den Liedkte-Brüdern gegründete Zapata Oil und die 1954

gegründete Zapata Offshore der CIA als Basis für Kuba-Angriffe zur Verfügung. Der Manager

Wayne H. Dean bei Zapata, die mit Gulf, Standard Oil of California und Royal Dutch Shell handelt,

ist ein Freund von DeMohrenschildt. Auch Prescott "profiliert" sich als Senator ausschliesslich im

Bereich der verdeckten Inland-Operationen der CIA, die er über die H. Smith Richardson

Foundation des Vick Chemical-Besitzers Richardson finanziert (beispielsweise die MK/ULTRA-

Experimente im Bridgewater Hospital in Massachusetts). Mit seiner Ernennung in das Senate

Armed Services Committee 1956 steigt er in den Kreis der Entscheidungsträger auf. Auch sein

Freund Gordon Gray wird 1958 als Chef des National Security Council in die Machtzentrale

berufen.

Eisenhower stellt sich nicht gegen die verdeckten Operationen von Harriman, Dulles und Bush,

wenn er sich im Falle des Scheiterns oder einer Veröffentlichung absichern kann. Gray, Dulles,

Robert Lovett, C. Douglas Dillon, Jock Whitney und Prescott Bush sind wesentlich an der Stärkung

des CIA-Machtblocks des President's Foreign Intelligence Advisory Board beteiligt.

Dulles startet Anfang der 50er Jahre das CIA-Programm MOCKINGBIRD, um die Medien zu

kontrollieren. Der .ehemalige' CIA-Agent Generoso Pope gründet 1952 die American Media Inc.,

die Boulevard-Blätter wie Sun oder the National Enquirer herausgibt. Frank Wisner und sein

Assistent Richard Helms rekrutieren 400 Journalisten, zum Beispiel Harrison Salisbury, Drew

Pearson, Eugene Methvin, Sulzberger, Rowland Evan, Robert Novak oder Joseph und Stewart

Alsop. Phil Graham arbeitet eng mit Wisner und Helms zusammen an der Operation

MOCKINGBIRD, weshalb die Washington Post zum einem wichtigen Sprachrohr in Washington

wird, schnell wächst und die Times-Herald und das WTO-Radio übernimmt. Mediengesellschaften

wie CBS, ABC, NBC, Hearst, Reader's Digest, Time, Life-Time, New York Times, New York Harald

Tribüne, Look, Houston Post, New Leader und die Agenturen AP, UPI, Reuter, Forum World

Features, International Communication Agency, die Nachfolgeorganisation der USIA, EFEC in

Spanien und Latin in Chile arbeiten mit der CIA zusammen. Nach Angaben der Zentralstelle für

Nationale Sicherheit kontrolliert die CIA um 1980 230 Nachrichtenagenturen. Der Rekord mit 23 als

Journalisten eingestellte CIA- und FBI-Agenten hält Copley Press. Die meisten Medien legen der

CIA zuerst die Berichte vor, wenn sie etwas über die CIA enthalten, und verschweigen

Informationen, die die CIA stören könnten.

Eigentliche Propagandasender der CIA sind Radio Free Europe in München, Radio Free Asia,

Radio Swan, Radio Liberty, Voice of America, das 822 Wochenstunden in 38 Sprachen sendet,

und RIAS. Letzteres trägt mit seinen Aufrufen zum Generalstreik entscheidend dazu bei, dass aus

der Demonstration der Bauarbeiter Ostberlins am 16.6.53 eine das ganze Land erfassende

Rebellion entsteht. 1949 gründete die CIA das National Committee for a Free Europe und das

Committee for the Liberation of Peoples of Russia, um Radiostationen aufzubauen. Radio Liberty

sendet in 14 Sprachen in die UdSSR. Radio Free Europe verliert mit dem Aufstand in Ungarn

1956, wo die CIA militärische und finanzielle Hilfe für die Widerstandsbewegung leistet, seine

Glaubwürdigkeit. Aufgrund der Radiozusicherungen von Frank Wisner warten die Rebellen, die

Budapest eingenommen haben, vergeblich auf die Unterstützung durch die Amerikaner, bis sie von

den sowjetischen Panzern überrollt werden. 200'000 Ungarn fliehen nach Österreich, bevor die

russischen Truppen die Grenzen dichtmachen. 1980 betreibt die CIA 101 Sender mit eiern

Jahresetat von $85 Mio. und 2196 Beschäftigten. Angeblich hören 80 Mio. Menschen im Ostblock

diese Sendungen regelmässig. Zudem werden Bandaufzeichnungen meist kostenlos an 4000

Radiostationen in der Dritten Welt geliefert.

"Bis zum heutigen Tag gibt es so etwas wie eine unabhängige Presse in der Weltgeschichte nicht.

Sie wissen es und ich weiß es. Es gibt niemanden unter Ihnen, der es wagt, seine ehrliche

Meinung zu schreiben, und wenn er es tut, weiß er im Voraus, dass sie nicht im Druck erscheint.

Ich werde jede Woche dafür bezahlt, meine ehrliche Meinung aus der Zeitung herauszuhalten, bei

der ich angestellt bin. Andere von Ihnen werden ähnlich bezahlt für ähnliche Dinge, und jeder von

Ihnen, der so dumm wäre, seine ehrliche Meinung zu schreiben, stünde sofort auf der Straße und

müsste sich nach einem neuen Job umsehen. Wenn ich meine ehrliche Meinung in einer Ausgabe

meiner Zeitung veröffentlichen würde, wäre ich meine Stellung innerhalb von 24 Stunden los. Es ist

das Geschäft der Journalisten, die Wahrheit zu zerstören, unumwunden zu lügen, zu pervertieren,

zu verleumden, die Füße des Mammon zu lecken und das Land zu verkaufen für ihr tägliches Brot.

Sie wissen es und ich weiß, was es für eine Verrücktheit ist, auf eine unabhängige Presse

anzustoßen. Wir sind die Werkzeuge und Vasallen der reichen Männer hinter der Szene. Wir sind

die Hampelmänner, sie ziehen die Strippen und wir tanzen. Unsere Talente, unser Fähigkeiten und

unser ganzes Leben sind Eigentum anderer Menschen. Wir sind intellektuelle Prostituierte". Das

Statement von John Swinton, dem Doyen der amerikanischen Presse und einstigen

Redaktionsleiter der "New York Times", vor dem vornehmen New Yorker Presseclub im Jahr 1880

hat nach wie vor Gültigkeit, besonders auch nach 1 1 .9.2001 .

Auch die Unterhaltungsindustrie Hollywoods trägt entscheidend zur US-Propaganda und

Mythologisierung von FBI und CIA bei. Kritische Reportagen und Bücher werden mit öffentlichen

Kampagnen und Drohungen verhindert oder diffamiert. Die CIA entwickelt sich ausserdem zu

einem der grösster der Verleger der Welt. Von 1947 bis 1967 lässt sie über 1000 Bücher

schreiben, deren Gesamtauflage durchschnittlich bei 10 Mio. pro Jahr liegt. Da ihr diese Tätigkeit

1967 verboten wird, publiziert sie in den folgenden Jahren mindestens 250 Bücher im Ausland.

Mitte der 70er Jahre schreiben noch immere mehrere Hundert Akademiker als CIA-Autoren in den

USA und übersetzen entsprechende Literatur. Der CIA ist zu verdanken, dass T.S.Eliot auf

Russisch und Machiavellis "II Principe" auf Suaheli gelesen werden kann.

Im Ausland finanziert die CIA Medienorganisationen wie das Internationale Presse-Institut, die

Internationale Journalistenkonferenz in Genf, den Internationalen Journalistenverband in Brüssel,

den Westberliner Verein zur Förderung der Publizistik in den Entwicklungsländern, das Asian

Student Press Bureau oder den nationalen Studentenpresserat Indiens und Zeitschriften wie die

englischen Socialist Commentary, Encounter, Survey und Campaign, das Forum in Österreich, Der

Monat von Melvin Lasky und Die Welt in Deutschland und Le Combat und Preuves in Frankreich.

Auch im Ausland hat die CIA Hunderte von Journalisten, darunter Ernst Kux von der Neuen

Zürcher Zeitung, Robert Moss vom Daily Telegraph, Gerhard Löwenthal vom ZDF, und sogar 21

Geistliche unter Vertrag.

1952 lief die CIA-Operation POCKETBOOK in Deutschland unter Leitung von Frank Wisner und

Thomas Braden an, eine Kultur-, Polit- und Gewerkschaftsoffensive zur Amerikanisierung

Deutschlands. Für die Propaganda ist die United States Information Agency (USIA) zuständig, die

die Amerikanerhäuser in allen Städten gründet, wo Bibliotheken eingerichtet und Konzerte,

Ausstellungen, Filme, Lesungen und Diskussionen organisiert werden. Der Erfolg der Propaganda

wird von Meinungsforschern wie Leo Crespi wissenschaftlich erforscht und ausgewertet. John

McCIoy, ehemaliger Berater Mussolinis, wurde 1949 Hochkommissar der neu gegründeten

Bundesrepublik, mit dem Auftrag, die Teilung Deutschlands aufrechtzuerhalten und die neue

Kolonie Amerikas in das Westbündnis zu integrieren.

Anfang der 50er Jahre baut die CIA rechtsextreme Guerillas wie die League of Young Germans

auf, um die SPD zu unterwandern. Die Neonazis werden ausgebildet, bewaffnet und bezahlt, um

im Falle einer russischen Invasion oder einer Rebellion mögliche sozialdemokratische und

sozialistische Kollaborateure zu ermorden, über die Listen geführt werden. Auch für die

Unterwanderung antiamerikanischer Gruppierungen werden Untergrundgruppen gegründet. Tom

Braden übernimmt 1954 die International Organizations Division der OPC und leitet mit seinem

Assistenten Cord Meyer verdeckte Operationen.

Auch kirchliche Organisationen arbeiten für die CIA, wie der souveräne Malteserorden SMO, der

50'000 Nazis mit Pässen und Geld zur Flucht verhalf und später eine Art Bindeglied zwischen CIA

und Vatikan ist. Auch die Opus Dei, aus deren Reihen Papst Karol Wojtyla kommt, kooperiert mit

der CIA. Auf Anordnung von Gerald Ford infiltriert die CIA die christliche Missionsarbeit in

Lateinamerika, so dass 1976 allein in Bolivien 1 1 Agenten als Geistliche getarnt werden. Ein

Jahrzehnt früher sollen sich unter Vertrag stehende Missionare an der Jagd auf Che Guevara

beteiligt haben. Die Christian and Missionary Alliance missioniert in Laos die Bergstämme, aus

denen die Söldner für die CIA rekrutiert werden, wogegen die katholische Kirche nichts

einzuwenden hat. Konsequenterweise streicht der Senat im Juni 1980 das Verbot, Missionare und

anderes kirchliches Personal als Agenten zu verwenden.

Die CIA beschäftigt 1953 15'000 Angestellte, die ausländischen Agenten und Vertragsangestellten

nicht mitgerechnet. Sie steht mit Professoren an Hunderten von akademischen Institutionen in

Verbindung und gibt Studien in Auftrag, wie das European Non-State Actors Project von Professor

Richard Mansbach der Universität in New Brunswick, New Jersey, über europäische

Oppositionsgruppen, die der CIA Ansatzpunkte für Interventionen wie Spaltungsversuche oder

finanzielle Unterstützung liefern. Zudem halten die Professoren nach geeigneten Studenten für die

Rekrutierung des CIA-Nachwuchs Ausschau. Man wird von der CIA fast ausschliesslich auf

Empfehlung rekrutiert. 5000 Akademiker erhalten Zuschüsse oder Forschungsaufträge für die

Rekrutierung der ausländischer Studenten, die systematisch überprüft werden.

Aber auch die eigenen Studenten und Arbeiter werden überwacht: 1958 wird bekannt, dass für 13

Mio. Arbeitsstellen Sicherheitsüberprüfungen vorgenommen wurden. Das entspricht jedem fünften

Arbeitsplatz. Auch in US-Firmen im Ausland hat die CIA Hunderte von CIA-Agenten eingeschleust.

Zur entsprechenden Stellenvermittlung unterhält man ein eigenes Verbindungsbüro. 50'000 US-

Bürger und 700'000 ausländische Informanten führt die CIA in ihren Archiven, die für sie im

Ausland arbeiten.

Zusätzlich zum riesigen Budget gründet die CIA eigene Firmen, die als Deckmantel für verdeckte

Aktionen und zusätzliche Geldquellen dienen. Diese "Fronts" umfassen Luftfahrtsgesellschaften,

Import-Export-Firmen, High-Tech-Unternehmen, Werbeagenturen und Stiftungen, aus denen

Gelder an kooperationswillige akademische, gewerkschaftliche, kulturelle und politische

Organisationen und Jugendverbände verschoben werden. Dazu gehören die National Students

Association, die International Students Conference, der International University Exchange Fund,

das Institute for the Study of Conflict, der Congress for Cultural Freedom von Melvin Lasky, zu dem

Arthur Koestler, Ignazio Silone, Benedetto Croce, Manes Sperber, John Dewey und Karl Jaspers

gehören, die Mankind Research Unlimited, das Institute of Political Education, das Foreign Policy

Research Institute der Universität von Pennsylvania, das Center for International Studies am

Massachusetts Institute of Technology, die Asia Foundation, die American Society of African

Culture, das Gambia National Youth Council, die American Friends of Middle East, die International

Development Foundation, das Otto Suhr Institut an der Freien Universität Berlin, die deutsche

Vereinigung Freiheitlicher Juristen, die Internationale Juristenkommission, die Konferenz für die

Atlantische Gemeinschaft, der Internationale Bund Freier Gewerkschaften, die American

Federation of Labor, die Inter-American Regional Labor Organization (über die bis Mitte der 70er

Jahre 250'OOu Funktionäre in Lateinamerika ausgebildet werden), die grösste türkische

Gewerkschaft Türk-Is, die uruguaische Gewerkschaft CSU, das American Institute for Free Labor

Development, das Internationale Institut für Marktforschung, die Synode der russisch-orthodoxen

Kirche, der Nationalrat der Kirchen, die Internationale Union Junger Christlicher Demokraten, der

christliche Verein junger Mädchen, die Weltjugendversammlung, das Internationale Jugendzentrum

in New Dehli, das Institut für Internationale Arbeitsforschung, das Internationale Sekretariat der Pax

Romana, der Berliner Verein zur Förderung der Bildungshilfe in Entwicklungsländer oder die

International Union of Socialist Youth. Mindestens 24 Stiftungen wie die M.A. Anderson

Foundation, den Kaplan Fund, die Baird Foundation, den Brown Fund, den Price Fund, den

Monroe Fund, die Ford Foundation, die Independence Foundation oder die Pan-America Stiftung

an der Universtät von Miami arbeiten für die CIA.

1953 laufen in 48 Ländern verdeckte Operationen, die aus Propaganda, paramilitärischen und

politischen Aktionen bestehen und zwei Drittel der gesamten Ausgaben verschlingen. Die CIA

entwickelt sich damit zu einer paramilitärischen Macht, die ohne Wissen des Kongesses

Geheimkriege führt. Frank Wisner lässt Armeen aus ungarischen, rumänischen, bulgarischen und

ukrainischen Flüchtlingen aufstellen und geheime Flugplätze in Griechenland, Japan, England und

Deutschland bauen, von wo aus Agenten mit Fallschirmen nach Georgien, Sibirien, Belorussland

und in die Ukraine geflogen werden, aber von denen man meist nichts mehr hört. Von 1961 bis

1975 werden 900 grosse und einige tausend kleine solcher Programme durchgeführt. Die Arbeit

der Geheimdienste im Ausland ist die Fortsetzung der Aussenpolitik mit anderen Mitteln, nach den

Gesetzen des Krieges.

Dabei arbeitet die CIA mit dem südafrikanischen BOSS, dem israelischen Mossad, dem

chilenischen DINA und dem deutschen BND, der 1950 aufgebaut wurde, zusammen. Nirgends hat

die CIA so viele Agenten wie in der BRD, wo sich allein in Westberlin 48 CIA-Büros befinden.

Zusammen mit den französischen und britischen sollen sich um die 20'000 Agenten im Westteil der

Stadt betätigen. Rund 10% der Briefpost in Berlin wird aussortiert und als sogenannte

Amtszimmerpost von der CIA geöffnet. Um die Identität der Überwachten vor den Postbeamten

geheim zu halten, wird die Post ganzer Häuser abgezweigt. $25 Mio. kostet der Tunnel nach

Ostberlin, dank dem Telephonleitungen angezapft werden. Der Agent, der die Transkripts

verwaltet, arbeitet auch für das KBG. In Deutschland wird eine Geheimarmee mit 5000 Söldnern

von amerikanischen Offizieren trainiert. Ebenfalls 1950 wird der Verfassungsschutz, 1956 der

Militärische Abschirmdienst der Bundeswehr, beide mit vielen ehemaligen Nazis im Korps und an

der Spitze, gegründet.

Aber auch die Wirtschaftsverbände errichten 1954 mit der "Gemeinschaft zum Schutz der

deutschen Wirtschaft" einen Geheimdienst, der zusammen mit dem Verfassungsschutz schwarze

Listen anlegt. Schon früh beginnt der BND, neben Informationen über Linke auch Material über

Politiker zu sammeln und möglichst gute Verbindungen zu Parteien, Verbänden, Organisationen

und Unternehmen zu schaffen.

Die CIA baut ausländische Geheimdienste manchmal selbst auf, wie den südkoreanischen KCIA,

den griechischen KYP, den iranischen Savak oder den Geheimdienst Venezuelas. Auch der BND

hilft mit, den israelischen und ägyptischen Geheimdienst zu schaffen und rüstet die Geheimdienste

von Saudi-Arabien, Indonesien und Zaire aus. Der BND ist stark im internationalen Waffenhandel,

beispielsweise nach Pakistan, Indien, Nigeria, Südafrika, Griechenland, dem damaligen Rhodesien

und China, engagiert, an Sabotage- und Umsturzaktionen wie in Guinea und im Sudan beteiligt

und unterstützt über Organisationen wie die Konrad-Adenauer-Stiftung und die Hanns-Seidel-

Stiftung politische Parteien, Gewerkschaften, Massenmedien und militärische Organisationen in El

Salvador, Guatemala, Venezuela, Ecuador, Peru, Chile, Italien, Portugal, Spanien, Mozambik oder

Namibia. Schon bald ist der BND von Korruption durchzogen: Gehlen setzt 16 seiner Verwandten

auf teilweise hohe Posten im BND, Erpressungen und Unterschlagungen sind an der

Tagesordnung. Aber der BND bezahlt um die 120 Journalisten, beispielsweise von Spiegel, ZDF

oder Quick, die für gute Öffentlichkeitsarbeit sorgen. Das Chalet in Bayern, in das sich Gehlen

1968 zurückzieht, ist ein Gechenk von Dulles.

Zwischen 1950 und 1968 bilden die USA 287'000 ausländische Soldaten und Hunderttausende

von Polizisten aus. In der 1946 gegründeten Militärakademie "School of the Americas" in Panama

bilden die USA jährlich Tausende von Soldaten und Geheimdienstagenten für Lateinamerika aus.

Dabei ist die Schule vor allem eine Fassade für spezielle und verdeckte Operationen. In Argeninien

beispielsweise kostet der schmutzige Krieg der US-trainierten "Sicherheitskräfte" gegen die eigene

Bevölkerung 30'000 Menschenleben. 1984 wird diese Kaderschule der Todesschwadronen nach

Fort Benning in Georgia verlegt, wo bis 1990 53'000 Offiziere aus 18 lateinamerikanischen Ländern

trainiert werden. Zu den Absolventen gehören 39 Kabinettsmitglieder, 10 Staatsoberhäupter, von

denen, wie beispielsweise der panamaische Diktator Manuel Noriega, kein einziger vom Volk

gewählt wurde, und rund 100 Stabschef (wie der honduranische General Gustavo Alvarez

Martinez, der auch die Elimination der Kinder von "Rebellen" anordnete). Auch der spätere

Präsidentschaftskandidat El Salvadors Roberto D'Aubuisson, der in Absprache mit der US-

Botschaft Erzbischof Oscar Romero umbrachte, oder die Hälfte des kolumbianischen Offizierstabs,

von denen 250 als grausame Killer verdächtigt werden (einer davon soll über 100 Zivilisten mit

einer Kettensäge massakriert haben) wurden in Fort Benning geschult. Es gibt kaum ein Massaker

oder eine systematische Folter in Lateinamerika, an dem nicht Abgänger der School of the

Americas beteiligt sind. Zu den Lehrmitteln gehört das von der CIA 1965 erarbeitete

Folterhandbuch der Operation PROJECT EX, das Bestechung, Entführung und Aufspürung

politischer Gegner vermittelt. Jährlich bilden die USA an der Police Academy in Washington über

500 ausländische Polizeioffiziere aus, zu deren Lehrplan Foltermethoden gehören. Diese sind das

zentrale Lernziel im Programm des "Office of Public Safety", das Eisenhower für

lateinamerikanische Polizisten 1957 mit dem passenden Namen gegründet hat.

Quellen : Callahan: 70, Marrs: 183, Schulz: 69, 101, 136-1 84,205-21 0,21 8ff,242-257, Zanetti,

Bollinger, Gremliza (1978a,b), Ege (1984), Mader: 561, Weberman (9): Uff, Höfling: 249-254,

Richter, CIA-Info: 2f,6f,13, Trento/Roman, Best: 25-28,97, Konkret Nr.29/71 : 9, Nr.12/72: 14f,

Nr.5/83: 10f, Mason: 1f, Brussell (1983): 3f,7,19f, Sam Smith: 1, Bruce/Luft, Ranelagh/Treharne: 1,

Prouty (1973): 244-265, Meurice, Ascherson 3, Schröder, Herman: 36, Tarpley/Chaitkin: 40,58-

61,101-114, Knopp/Deick, Avineri: 66, Mehio, Labidi, Bröckers, Kupferberg.

1953 Sturz von Mohammed Mossadegh top

Schah Mohammed Resa Pahlewi kam 1941 als Nachfolger seines faschistischen Vaters auf den

Thron, der 1934 Persien in Anlehnung an die arischen "Aryan" in Iran umtaufte. 1945 hatten die

Russen die nordpersische Provinz Asarbeidschan unter ihre Kontrolle gebracht, mussten sich dann

aber aufgrund des Drucks der USA aus Persien zurückziehen. Da die Anglo-Iranian Oil Company,

die in Grossbritannien mehr Steuern zahlen musste als im Iran, sich weigerte, faire

Vereinbarungen einzugehen, verstaatlichte der neugewählte iranische Ministerpräsident

Mohammed Mossadegh auf Verlangen des iranischen Parlaments die Gesellschaft 1951.

Persisches Erdöl wurde daraufhin im Westen boykottiert, und das US-State Departement vereitelte

jede Vermittlung. Nachdem die Briten die USA um Hilfe gebeten haben, verlangt der Nationale

Sicherheitsrat vom Iran, dass die 1951 verstaatlichten Ölförderungsanlagen wieder zurückgeben

müsse.

Am 25.6.53 beschlossen Allen und John Foster Dulles die Operation AJAX, die über das United

States Army Mission Headquarter und die Botschaft in Teheran organisert wird. Seit 1942 wurde

das paramilitärische Gendarmeriekorps mithilfe dieser Mission unter General Norman Schwarzkopf

aufgestellt und ausgebildet. CIA-Agent Kermit Roosevelt, der Enkel des früheren Präsidenten, leitet

die Operation. Richard Helms sorgt für das Verschwinden von Mossadegh-Unterstützern, bezahlt

6500 Demonstranten gegen den iranischen Ministerpräsidenten und organisiert den Strassenterror,

was die CIA $10 Mio. kostet, worauf der Schah Mossadegh am 12.8.53 für abgesetzt erklärt, aber

selbst nach Rom fliehen muss, wo er sich mit Dulles trifft. Die kaiserliche Garde und das

Gendarmeriekorps führen daraufhin den Putsch aus. Der faschistische General Fazlollah Zahedi

wird vom Schah und der CIA ausgewählt, um die Macht zu übernehmen. Am 24.8. kehrt Pahlewi

zurück, und Zahedi wird Premierminister.

Die Führer der Nationalisten wandern ins Gefängnis, die Kommunisten aufs Schaffott, und die

Parteien werden verboten. US-Präsident Eisenhower schickt dem Iran $45 Mio. Soforthilfe. Obwohl

die Dulles-Brüder mehrere Geschäftsverbindungen mit der nach der Verstaatlichung von Anglo-

Iranian Oil Company in British Petroleum umbenannten Firma haben, verlieren die Engländer ihr

persisches Ölmonopol infolge des Staatstreichs, und die Quellen werden einem Vier-Länder-

Konsortium unterstellt, an dem sich die USA 40% sichern. Die USA sind die neue .Schutzmacht'.

Auf Initiative von Herbert Hoover jr. kann sich das Ölkartell von Exxon, Shell, Gulf, BP, Socal und

Texaco die Kontrolle über das iranische Öl sichern, obwohl die Verstaatlichung offiziell nicht

rückgängig gemacht wird. Mit dem Argument der nationalen Sicherheit wurden schon die vom

Justizministerium ausgearbeitete Antitrustklage gegen die "Sieben Schwestern" von Harry Truman

am 5.1 .53, kurz vor seinem Auszug aus dem Weissen Haus, abgeblockt, womit deren Macht

ungebrochen blieb. Gleichzeitig warnte Truman aber vor der "Gestapo-CIA", die er geschaffen

hatte.

Richard Helms Karriere nimmt nach dem Putsch einen steilen Aufstieg, indem er zum Chef des

neugegründeten Office of Strategie Operations ernannt wird. Kermit Roosevelt wird Vizepräsident

der Gulf Oil, die stark von der neuen Situation im Iran profitiert. 1960 richtet die Gulf ein Konto bei

einer Bank auf Nassau ein, über das Millionen an Politiker fliessen. Beispielsweise erhält der

sükoreanische Diktator Chung Hee Park 1966 $1 Mio, und 1970 $3,2 Mio, sein Ministerpräsident

Kim Jong Pin $500'000 und das Verteidigungsministerium $2,5 Mio.

Mossadegh stirbt kurz nach seiner Freilassung nach frei Jahren Gefängnis, auf Initiative von

Helms. Noch 1953 besucht Vizepräsident Nixon den neuen Diktator und bezeichnet den Schah als

"persönlichen Freund". Die neue iranische Regierung ist so korrupt, dass die Staatskasse ständig

leer ist, und fast die gesamte US-Hilfe von $500 Mio. pro Jahr in der Finanzierung der Armee

versickert. Die USA verkaufen dem Schah für $17 Mia. modernstes Kriegsgerät und bewaffnen auf

dessen Wunsch die Kurden, wofür Nixon mit Geschenken und Wahlkampagnenfinanzierung

belohnt wird.

Die persische Geheimpolizei Savak ist eine der brutalsten der Welt, und trotz massiver Folter hat

der Schah Mühe, sich an der Macht zu halten. Während der Herrschaft des Schahs werden

durchschnittlich 1500 Menschen pro Monat verhaftet und gefoltert, und bis 1974 sitzen 25'000

Dissidente in den Gefängnissen. Der frühere CIA-Beamte Jesse J. Leaf gab öffentlich zu, dass die

CIA die Folterer der Savak in Seminarprogrammen ausgebildet habe. Aber auch der israelische

Mossad erteilte dem Savak Nachhilfeunterricht.

Quellen : Epstein: 19f, Bartholomew (1): 26, Horowitz: 172-176, Schulz: 97,329, Giancana: 538,

CIA-Info: 13, Potter: 1f, Best: 29, Brussell (1983): 11, Ranelagh/Trehame: 3, Levin, Summers

(2000): 163f, Karel (2003).

1954 Onassis und die Aramco top

Aristoteles Onassis gefährdet das seit 1 933 bestehende Transportmonopol des Ölkartells Aramco.

1953 baute Onassis seine Macht aus, indem die Kontrolle der Societe des Bains de Mer in Monaco

übernahm und damit eigentlicher Herrscher über das Steuerparadies wurde. Diese

Machtübernahme und der Erwerb der Liberty-Ships werden Gegenstand einer geheimen FBI-

Untersuchung, bei der sein Vermögen auf $200 Mio. geschätzt wird.

Die Schiffsbaurestriktionen für Deutschland wurden 1951 aufgehoben, worauf Hitlers ehemaliger

Reichsbankchef Hjalmar Schacht und Onassis planten, die deutsche und japanische Kriegsflotte

wiederaufzubauen.

Onassis bestellt für $100 Mio. 30 Grosstanker in Hamburg und Kiel, womit er das Monopol der

"Sieben Schwestern" brechen will. Nach dem Tod von Ibn Saud 1953 begannen Spyridon

Catapodis und Hjalmar Schacht mit Finanzminister Scheich Abdullah AI Suleiman AI Hamdan über

ein Projekt einer saudischen Tankerflotte mit Beteiligung von Onassis zu verhandeln. Onassis

offerierte dem saudischen König, eine Flotte zu bauen, die unter saudischer Flagge fahren und die

Macht des Kartells einschränken würde. Anfang 1954 schliesst Onassis das noch geheime

Djaddah-Abkommen mit Suleiman: Onassis stellt 500'000 Tonnen seiner Tankerflotte für den

Aufbau der Saudi Arabian Maritime Company zur Verfügung. Suleiman bekommt für seine

Unterschrift unter das Abkommen, das noch von neuen König Saud ratifiziert werden muss,

$100'000, mit Aussicht auf weitere $250'000 Provision.

Onassis Schwager und Konkurrent Stavros Niarchos, der sehr enge Beziehungen zur CIA hat,

bekommt von den noch geheimen Verträgen Wind und engagiert am 15.2.54 den seit einer Woche

bei der CIA mit monatlich $500 auf der Lohnliste stehenden Robert Aime Maheu, der Onassis

Vertrag mit den Saudis verhindern sollte. Maheu studierte Wirtschaft am Holy Cross College of

Massachusetts und wurde wegen seiner Französischkenntnisse vom FBI rekrutiert, obwohl er beim

Aufnahmetest durchfiel. Er arbeitete in den 40er Jahren zusammen mit Guy Banister beim FBI in

Chicago und im 2.Weltkrieg als Gegenspion für das FBI. 1947 verliess er Hoovers Apparat und

gründete eine Fabrik für Dosencreme, die Bankrott ging. Während mehrerer Jahre leistete er

Sicherheitsarbeit für die Small Business Administration. Maheu erhält 1954 die Cover Security

Approval der CIA und gründet 1955 seine Detektivagentur Robert A. Maheu Associates, die sich in

den Büroräumen von CIA-Anwalt Edward Bennett Williams befindet. Die CIA setzt Maheu bei

"unmöglichen Missionen", die dementierbar bleiben müssen, ein (angeblich sollen seine Erfolge die

TV-Serie "Mission: Impossible" inspiriert haben).

Dank Maheu wird Vertragsprojekt zwischen Onassis und den Saudis in einer von der CIA

gegründeten römischen Zeitung veröffentlicht. Zudem organisiert er die Abhörung in den

Wohnungen und Büros von Onassis, zusammen mit den Detektiven Lou Russell und Horace

Schmahl, die bereits bei der Fälschung von Beweisen gegen Alger Hiss dabei waren. Maheu

schaltet Militär- und Wirtschaftsanalytiker, Richard Nixon und den Sicherheitsrat ein, worauf das

Aussenministerium beginnt, Druck auf Saudi-Arabien auszuüben. Vizepräsident Nixon meint, dass

man diesen "Hurensohn", falls man ihn töten müsse, nicht in den Vereinigten Staaten umbringen

solle. In der Maheu and King Associates Inc. arbeitet sein Partner Bob King, ebenfalls ehemaliger

FBI-Agent, Gegenspionagespezialist, Freund von Bebe Rebozo und Nixons Wahlkampagnerhelfer

1956 und 1960, Lobbyist und Berater während seiner ganzen Vizepräsidentschaft.

Maheu organisiert mithilfe der CIA einen Streik in der Hamburger Werft, wo der erste Tanker für die

neue SAMCO-Flotte gebaut wird. Das Schiff wird allerdings trotzdem ausgeliefert. Der nächste

Schlag Maheus konzentriert sich auf den illegalen Walfang von Onassis Schiffen vor der Küste

Perus. Das US-Justizdepartement konfisziert Onassis Schiffe, da er wegen krimineller

Verschwörung zur Schädigung des US-Staates vor einem Geschworenengericht erscheinen

müsste. Um die Situation zu klären, geht Onassis in die USA und wird im New Yorker "Colony

Restaurant" verhaftet, allerdings kurz darauf wieder freigelassen. Dann wird Onassis von seinem

früheren Teilhaber Catapodis in Frankreich auf Entschädigung verklagt, weil er Hunderttausende

Pfund Sterling Bestechungsgelder an die Araber verteilt habe, um den Vertrag unter Dach zu

bringen. Der Prozess wird schiesslich abgeblockt.

Am 1 8.5.54 erfolgt die Ratifikation des Vertrags durch König Saud. Das Kartell reagiert mit

kurzfristigen Annulationen von bestehenden Verträgen und der Verweigerung der Lade- und

Löschzugänge, weshalb Onassis Tanker untätig in den Häfen liegen. Er versucht deshalb, mit

britischen Firmen zu geschaffen, was ihm nach einigen Public-Relation-Anstrengungen auch in

kleinem Umfang gelingt. Maheu ist im Oktober in Saudi-Arabien. Kurz darauf wird Suleiman

abgesetzt und der Vertrag von König Saud mit den Worten "Die Zukunft verwischt die

Vergangenheit" rückgängig gemacht. Onassis sieht ein, dass er keine Chance hat, den Vertrag

gegen das Kartell durchzusetzen.

Peru beschlagnahmt im November 1954 aufgrund von Maheus Bemühungen 5 Onassis-Schiffe

und steckt die 400 Matrosen wegen illegalem Walfang in peruanischen Gewässern ins Gefängnis.

Aufgrund seiner aussergewöhnlichen Versicherungen bei Loyds kassiert Onassis $15 Mio. für

diese Beschlagnahmung und $30'000 für jeden Tag, an dem seine Flotte still liegt, wogegen die

$2,9 Mio. Busse, die er bezahlen muss, ein Pappenstiel ist. Im Fall der US-Anklagen muss Onassis

$7 Mio. Busse bezahlen und seine United States Petroleum Carriers umstrukturieren. Auch

Norwegen beschlagnahmt im Januar 1955 eine Ladung von 6300 Tonnen Walfett. In Rotterdam

wird ein Waljagdschiff von Onassis blockiert. Seine Flotte wird international boykottiert und die

Banken werden nervös. Onassis beschliesst, aus dem Walgeschäft auszusteigen und kann seine

Fang- und Verarbeitungsschiffe für $8,5 Mio. an die Kyokuyo Hogei Kaisha in Japan verkaufen.

Die Suez-Krise im Oktober 1956 rettet Onassis vor dem Ruin. Da über die Hälfte seiner stark mit

Hypotheken belasteten Flotte arbeitslos ist, kann Onassis als einziger Reeder sofort auf die

Tankernachfrage, die durch die Kapumschiffung entsteht, antworten und verdient an jeder

Ölladung nach Europa $2 Mio. In weniger als 6 Monaten, der Kanal wird im April 1957 wieder

eröffnet, verdient er $80 Mio. Onassis kauft für $2 Mio. die nationale griechische

Luftfahrtgesellschaft TAE, die er in Olympic Airways umtauft. Es gelingt ihm, von der Regierung

Konstantin Karamanlis einzigartige Konzessionen wie den garantierten Mindestgewinn und ein

absolutes Streikverbot zu erhalten, wofür er drei neue Düsenflugzeuge kauft.

Auch Niarchos kann der griechischen Regierung einen Vertrag für den Bau einer wichtigen

Schiffswerft in Skaramanga abringen. Onassis verliert 1959 nach einer Serie von Manövern des

Königshauses von Monaco die Kontrolle über die SBM. Auch im Öltankergeschäft herrscht eine

grosse Rezession, und seine Fluggesellschaft ist ebenfalls kein blühendes Unternehmen. Aber er

besitzt insgesamt 70 Firmen, die von einer guten Führungsgruppe geleitet werden. Zu diesem Stab

gehören Johnny Meyer, Costa Gratsos, Thomas R. Lincoln, Nicolas Cokkinis, Roberto Arias und

Nigel Neilson. Onassis kauft sich die Insel Skorpios im Ionischen Meer.

Auch E. Howard Hunt arbeitet gegen Ende der 50er Jahre für Nixon, den er seit 1952 kennt, gegen

Onassis. Wie Kennedy lebt Onassis seine Sexualität mit Prostituierten aus, vorwiegend mit

Mädchen von Madame Claude, während Maria Callas die Rolle der Hausfrau übernimmt.

Quellen : Epstein: 20-23, Evans, Groden/Livingstone: 191, Best: 45,52f, Glaser (1972), Brussell

(1983): 8, Morgenthaler, Summers (2000): 141,153f,195f,504.

1954 Vietnamkrieg top

Die CIA schickt General Edward G. Lansdale von den Philippinen nach Vietnam, um die

militärische Intervention der USA vorzubereiten. Nach dem spanisch-amerikanischen Krieg 1898

waren die Philippinen amerikanischer Besitz und die USA unterdrückten die Arbeiter- und

Bauernbewegungen auf dem Inselreich. Gegen die japanische Besetzung bildete sich 1942 die

kommunistische Widerstandsbewegung der Huksbalahups. 1946 wurde das Land formell

unabhängig, aber die USA stellten militärisch ihre Kontrolle wieder her. 1953 gelang der CIA die

Niederwerfung der Huks mittels Ermordungen und Propaganda, der Absetzung von Präsident

Quirino und der Einsetzung von Ramon Magsaysay.

1954 finanzieren die USA bereits 78% der Kriegskosten der Franzosen, die Vietnam seit 1867

besetzt halten. Bis 1945 unterstützten die USA Ho Chi Minh, der mit richtigem Namen Nguyen Sinh

Cung, aber auch Nguyen Tat Thanh, Nguyen Va Ba und Nguyen Ai Quoc hiess.

Ho Chi Minh ist mit Trotsky und Stalin befreundet, arbeitete für die Komintern und gründete 1930

die KP Vietnams in Hong Kong, wo er, an Tuberkulose erkrankt, offiziell für tot erklärt wurde, weil

die Franzosen die Briten wegen seiner Auslieferung unter Druck setzten. Ab 1938 arbeitete er mit

Mao, kehrte 1941 heimlich in das von Japan besezte Vietnam zurück und gründete die

Widerstandsorganisation Viet Minh. Auf der Suche nach Unterstützung wurde er von Tschiang Kai-

schek in China verhaftet und konnte fliehen. Nachdem er vom OSS zuerst abgewiesen wurde,

erreichte er über General Chennault die Bereitstellung von Waffen und Ausbildungstrainer der

USA, weil seine Viet Minh die stärkste Kraft gegen die Japaner war. Als Mitglied des

amerikanischen Geheimdienstes OSS (Decknamen "Lucius") sprang er hinter den japanischen

Linien ab und koordinierte den Kampf. 1945 gab die Widerstandsbewegung unter seiner Leitung

eine nach dem amerikanischen Vorbild verfasste Unabhängigkeitserklärung herausgegeben, und

der Kaiser Bao Dai legte sein Amt nieder.

Nach dem Ende des Kriegs bot Ho Chi Minh den USA freien Marktzugang und die Errichtung einer

Militärbasis in Vietnam an. Aber die Amerikaner Hessen Ho Chi Minh, fallen, obwohl dieser

Präsident Truman in sechs Briefen um Unterstützung für den Aufbau eines demokratischen

Staates innerhalb einer französischen Union bat. Stattdessen verkauften die USA den Franzosen

Militärausrüstung im Wert von $160 Mio. für ihren Kampf gegen den Viet Minh. Frankreich besetzte

alle wichtigen Städte, hatte aber keine Chance, das Land zu kontrollieren. Frankreich wollte den

Süden der ehemaligen Kolonie, wo das Gros der französischen Kapitalinvestitionen konzentriert

war, vom Rest der Republik abtrennen, und setzte dort 1949 den Kaiser Bao Dai wieder an die

Spitze einer Marionettenregierung. Ho Chi Minh wandte sich nun an die UdSSR und China, die ihn

unterstützten. Trotz amerikanischer Finanz- und Militärhilfe (Eisenhower begründete die

Einmischung der USA mit der Dominotheorie und erhöht die US-Unterstützung von $400 Mio. auf

$785 Mio, wofür die Franzosen der Wiederbewaffnung Deutschlands zustimmen) konnten sich die

Franzosen gegen die nationale Befreiungsarmee nicht durchsetzen.

Nach der französischen Niederlage am 8.5.54 bei Dien Bien Phu sieht der am 21 .7.54

ausgehandelte Waffenstillstand, der aufgrund von amerikanischen Interventions- und

Atombombendrohungen zustande kommt, die provisorische Teilung am 17. Breitengrad und freie

Wahlen innerhalb von zwei Jahren zwecks Wiedervereinigung des Landes vor. Vizepräsident

Nixon ist der erste amerikanische Politiker, der sich, schon vor der französischen Niederlage, für

den Einsatz von US-Truppen aussprach, und Generalstabschef Arthur Radford plante die

Operation VULTURE, die den Einsatz von drei taktischen Nuklearbomben zur Hilfe Frankreichs

vorsah. Auf Anordnung von Dulles wird der Katholik Ngo Dinh Diem von Kaiser Bao Dai am

16.6.54 im Süden des buddhistischen Landes eingesetzt. Eine Million Vietnamesen, 80% davon

Katholiken, ziehen in den Süden, und drei Millionen aus dem Süden in den kommunistischen

Norden unter Ho Chi Minh.

Obwohl ihre Armee besiegt ist, beginnen die Franzosen eine aggressive opiumfinanzierte

Terrorkampagne gegen den antifranzösischen Diem. Zwischen der CIA und dem französischen

Geheimdienst kommt es zu einem Geheimkrieg um die Kontrolle des Drogenhandels: Frankreich

unterstützt den Kaiser Bao Dai in Südvietnam über Colonel Roger Trinquier, der schon die

Provinzen der Meo kommandiert hat. Vor dem Krieg machte der monopolisierte Handel mit Opium

15% der Kolonialeinnahmen der Franzosen aus. Wegen den Transportschwierigkeiten des Opuims

aus der Türkei und dem Iran während des 2. Weltkriegs setzten die Franzosen die Meo und Yao

für die Opium-Produktion, die um 800% stieg, ein. Captain Antoine Savani vom militärischen

Geheimdienst Deuxieme Bureau organisierte mithilfe der Mixed Airborne Commando Group den

Opiumtransport der französischen Luftwaffe nach Saigon. Dort befindet sich die Binh Xuyen-Gang,

die das Opium in Geld umsetzt. Das Deuxieme Bureau, die Mixed Airborne Commando Group und

der Kaiser erhalten alle einen festen Prozentanteil des Gewinnes. Diese vietnamesische Mafia

betreibt in Saigon zwei Opiumraffinerien und kontrolliert alle, das heisst hunderte von

Opiumhöhlen, das Grand Monde, das profitabelste Casino der Welt, und die Hall of Mirrors, ein

Bordell mit 1200 Prostituierten. Ein Teil des Opiums wird von Savani zur korsischen Mafia nach

Marseille exportiert. Zur Krönung der Korruption setzt der Kaiser den Binh Xuyen-Boss Le Van

"Bay" Vien nach einer Bezahlung von $1 ,25 Mio. als Polizeichef Saigons ein.

Nachdem sich Diem die Kontrolle über die Armee gesichert hat, stellt er sich im Januar 1955

gegen die Mafia, indem er die Lizenz des Grand Monde nicht mehr erneuert. Edward G. Lansdale

kauft mit $12 Mio. die Unterstützung der Sekten von Cao Dai und Hao Hao, die gleichzeitig

politische und militärische Organisationen sind, und die Armee ARVN von Colonel Van Minh, die

zusammen mit der regulären Armee im April 1955 die Binh Xuyen-Gang von Le Van Vien in

blutigen Strassenkämpfen in Saigon besiegt. Im Mai 1955 fährt der US-Aussenminister John

Foster Dulles zu Verhandlungen nach Paris, worauf Kaiser Bao Dai nach einem

Pseudoreferendum abgesetzt wird. Obwohl die amerikanischen Berater Diem empfehlen, 60%

wäre glaubwürdiger, gibt Diem bekannt, dass 98,2% der Wahlgänger für ihn gestimmt hätten. In

Saigon übertrifft er sogar die späteren Wahlergebnisse Ho Chi Minhs, die meistens mit 99,1%

angegeben werden: 605'OOu Stimmen sollen für Diem eingelegt worden sein, bei 405'000

eingeschriebenen Wählern.

Lansdale arbeitet mit Lucien Conein zusammen, der schon während dem Krieg paramilitärische

OSS-Operationen in Vietnam geleitet hatte. Gegen den Norden beginnt eine Serie von CIA-

Programmen, die von psychologischer Kriegsführung (Falschmeldungen über Vergewaltigungen,

Überfälle chinesischer Truppen, Massaker an Katholiken und anderen Vietminhgreuel, negative

astrologische Prophezeiungen für den Norden) bis zu Sabotage (Benzinzusätze zerstören die

Busse in Hanoi) reichen.

Diem schafft ein Parlament, das aber nichts zu sagen hat. Die Macht halten er, sein Bruder Ngo

Dinh Nhu und dessen Frau "Madame Nhu". Diem suspendiert die für 1956 ausgehandelten Wahlen

zur Wiedervereinigung, da der militärische Geheimdienst ermittelte, dass 80% der Vietnamesen Ho

Chi Minh unterstützen. Im gleichen Jahr gründet Nhu seine eigene Gestapo, die Personalist Labor

Revolutionary Party (Can Lao). Auch seine Frau hat mit der "Woman's Solidarity" einen eigenen

Geheimdienst. Dank ihr werden Verhütung, Schönheitswettbewerbe, Boxen, sentimentale Lieder,

Tanzen (auch privat), Prostitution (die mit der Ankunft der US-Soldaten boomt) und Scheidung

verboten. Für alle Publikationen wird die Zensur eingeführt. Der autokratische Diem kann seine

Macht mithilfe der Amerikaner, die bis 1959 jährlich $250 Mio. zahlen, und einer Leibgarde aus

Filipinos innerhalb von drei Jahren konsolidieren, indem er mit unglaublicher Brutalität jegliche

Opposition, auch die der Buddhisten, vernichtet. Da Diem die Franzosen und Chinesen vertreibt,

bricht der Handel zusammen. Diem muss einen neuen Verwaltungsapparat aufbauen, wozu er fast

ausschliesslich Katholiken einsetzt. Die USA bezahlen die vietnamesische Armee zu 100%, was

80% der südvietnamesischen Regierungsausgaben entspricht. Über die Staatsuniversität von

Michigan werden für $25 Mio. die Verwaltungsbeamten und die Polizisten ausgebildet, die die

Vietminh-Mitglieder jagen und vernichten. Deren Rektor Hannah ist bezeichnenderweise der

Vorsitzende der US-Kommission für Menschenrechte. Die vom Vietminh durchgeführte

Bodenreform wird rückgängig gemacht.

Nachdem die Opiumhöhlen 1955 mit grosser Publizität geschlossen werden, führen die USA die

Praxis der Franzosen fort. Die drei Fluggesellschaften der CIA (Air America, Continental Air

Service und Lao Development Air Service) heissen beim Volksmund schon bald "Air Opium". Sie

fliegen zwischen Taiwan und dem Goldenen Dreieck und transportieren Waffen und Opium. Ab

1958 dealen Ngo Dinh Nhu, seine Frau und der Oberst der Luftwaffe Nguyen Cao Ky mit den Meo

unter Vang Pao und den chinesischen Syndikaten in Saigon, wo bereits wieder Hunderte von

Opiumlokalen existieren. Auch die Union Corse ist am Handel beteiligt: Als Gegenleistung für die

Unterdrückung der Kommunisten fliegt die Air Laos Commercial von Bonaventure Francisci Heroin

aus Laos ein, wobei General Nhu 15% von diesen Profiten kassiert. Im Gegensatz zu Captain

Savani wird Nhu selbst opiumsüchtig. Diems Familie transferiert Vermögen auf schweizer,

brasilianische, englische, französische und deutsche Banken.

Die rücksichtslosen "Sicherheitsprogramme" laufen auch nach der Versetzung von Lansdale 1962

weiter und werden als PHOENIX-Programm bekannt. Die politische Unterdrückung, die

Umsiedlungen der Landbevölkerung und die offensichtliche Korruption bringt jedoch mehr

Oppositionelle hervor als das Regime unterdrücken kann. Bis 1960 kontrolliert die National

Liberation Front etwa die Hälfte des Landes im Süden.

Quellen : Behr: 191-195, Groden/Livingstone: 442,467, Horowitz: 132-141, Schulz: 171f, Kangas: 4,

CIA-Info: 13, Drugwar (1): 3f, Best: 57-64, Abramovici/ Decornoy: 1, Ansom: 294f, Dehnhardt,

Wronkow: 6, Konkret Nr.13/1971, Nr.9/1973, Kappstein, Holzkamp: 13, Summers (2000): 164ff,

Pepper: 8ff.

1954 Sturz von Jacobo Arbenz Guzman top

Oberst Carlos Castillo Armas fällt von Honduras mit 450 Mann in Guatemala ein, um die 1950

verfassungsmässig gewählte Regierung des Sozialdemokraten Jacobo Arbenz Guzman zu

stürzen. Unterstützt werden Castillo Armas und Miguel Ydigoras Fuentes von 6 CIA-Flugzeugen,

die von US-Piloten geflogen werden, und von Diktator Anastasio Somoza, der den Rebellen eine

nicaraguanische Insel als Operationsbasis zur Verfügung stellte.

Arbenz hatte ein Reformprogramm nach dem Vorbild Mexikos entworfen, die ohnehin schwache

kommunistische Partei legalisiert und mit 4 Ministem an der Regierung beteiligt. Um die

feudalisitischen Strukturen zu durchbrechen (3% der Bevölkerung besitzen 70% des Bodens),

forcierte Arbenz die Agrarreform 1953 und enteignete 162'000 Hektar brachliegendes Land der

United Fruit Company, das er laut dem von der Besitzerin selbst deklarierten Steuerwert von 1952

mit $600'000 entschädigen wollte. Im April 1953 verlangte die US-Regierung $16 Mio.

Entschädigung. Das Anwaltsbüro von Aussenminister John Foster Dulles, Aktionär der United

Fruit, hatte in den 30er Jahren die Verträge der United Fruit mit Guatemala geschrieben, die den

Konzern fakisch von den Steuern befreiten. Der Vize-Aussenminister für Inneramerikanische

Angelegenheiten, John Moors Cabot, ist einer der Hauptaktionäre, der Chef des NSC, Robert

Cutler, besitzt ebenfalls Aktien der Früchte-Firma. CIA-Direktor Allen Dulles war vorher Präsident

der United Fruit, und sein Vorgänger bei der CIA, Walter Bedell Smith, bekommt nächstens den

Job als Vizepräsident des Konzerns. Der erste Ehemann von Dulles Liebhaberin Mary Bancroft,

Sherwin Badger, arbeitete ebenfalls bei United Fruit.

Eisenhower und Nixon bewilligten $20 Mio. für die Beseitigung von Arbenz, nachdem der

Spezialberater Eisenhowers, Nelson Rockefeiler, und der Anwalt der United Fruit, Emest Cuneo,

Druck gemacht hatten. Der CIA-Agent John Peurefoy wird als US-Botschafter nach Guatemala

geschickt, um den Putsch vorzubereiten, indem er die Militärs rekrutiert, und E. Howard Hunt wird

Political Action Officer. Hunt stiess kurz zuvor zur Mord-Abteilung der CIA (Office of Special

Operations, Program Branch 7), die von Boris Pash geleitet wird und Angleton und Harvey

untersteht. Seitens der CIA sind Frank Wisner, Richard Bisseil, Tracy Barnes, David Atlee Phillips,

Henry Hekscher, Burch O'Neill und John Dothoty an der Vorbereitung des Putsches und den

Propagandaaktionen beteiligt. Die CIA-Operation PW/SUCCES mobilisiert Exilguatemalteken zum

Kampf. Eine "Entsorgungsliste" von 55 Guatemalteken mit vermuteter kommunistischer Gesinnung

wird aufgestellt und Mörder werden ausgebildet, ohne dass diese Morde dann ausgeführt werden.

Die Katholische Kirche hilft im Wallfahrtsort Esquipulas mit, den Widerstand gegen Arbenz

aufzubauen.

Die Mafia beteiligt sich ebenfalls am Putsch, der nicht einmal $5 Mio. kostet. Die Verbindung zur

Mafia läuft über Antonio Valladares, ein Anwalt des Mafiabosses Carlos Marcello, und Maurice B.

Gatlin. Dank Vizepräsident Richard Nixon begann eine breit angelegte Kooperation zwischen

Mafia, FBI, CIA und Howard Hughes, der wie die texanischen Ölmilliardäre Nixon finanziert. Bob

Maheu, Johnny Roselli, Guy Banister, Murray Humphreys sind die Verbindungsmänner. Der

Umsturz hilft Marcello, die Kontrolle des Drogenhandels in Guatemala zu erreichen. Es ist

wahrscheinlich, dass Marcello, der die Hafengewerkschaften kontrolliert, und die United Fruit in

Bezug auf Marihuanaanbau auf United Fruit-Plantagen in Guatemala und den Transport in die USA

zusammenarbeiten. In Guatemala City ist das Spielgeschäft in den Händen von Ted Lewin, einem

Vertreter von Lansky.

Johnny Roselli und John Martino arbeiten ebenfalls in Guatemala, allerdings auf der Seite der

Standard Fruit & Shipment, die keine eigenen Plantagen besitzt. Martino, ein Verwandter von

Angelo Bruno, arbeitet für Santos Trafficante und wird in Kuba Vertrauter von Estaban Ventura,

dem zweithöchsten Kommandanten von Batistas Geheimpolizei.

Die 3 Jagdflugzeuge und die 3 B-26 Bomber fliegen zahlreiche Einsätze gegen die ungeschützten

Städte. Die guatemaltekische Armee beschränkt sich auf die übertriebene Darstellung der

feindlichen Kräfte. Die von Radio Voice of Liberation verbreitete Nachricht, Arbenz erhalte Waffen

aus der Tschechoslowakei, erlaubt den USA, 50 Tonnen Gewehre an die Rebellen zu liefern. Mit

der eroberten Lufthoheit beginnt der Guerillakrieg. Innerhalb der CIA kommt es zu Spannungen,

weil die Feldagenten oft die Direktiven der Zentrale ignorieren. Bekannt wird das Beispiel von "Rip"

Robertson, der auf Drängen von Somoza eine Bombe auf ein vermeintlich tschechisches, aber in

Wirklichkeit britischen Frachtschiff werfen Hess, worauf die CIA $1 ,4 Mio Schadenersatz zahlen

muss.

Arbenz verhängt den Notstand, und die guatemaltekische Geheimpolizei beginnt, Verdächtige zu

vehaften. Die winzige Rebellenarmee marschiert 6 Meilen ins Land, worauf Arbenz die

Sowjetunion um militärische Hilfe bittet, was Eisenhower mit einer Blockade verhindet. Der US-

Botschafter und der päpstliche Nuntius vermitteln zwischen den Armeen. Nach zehn Tagen tritt der

international isolierte Arbenz zurück und flieht in die mexikanische Botschaft, und Putschführer

Castillo Armas wird im Fluzeug des US-Botschafters nach Guatemala City geflogen.

Die neue Junta von Castillo setzt die Agrarreform ausser Kraft, entzieht den 70% Analphabeten

das Wahlrecht, gibt den enteigneten Boden an die United Fruit zurück, schafft die Besteuerung

aller Zinsen, Dividenden und Gewinne von ausländischen Investoren ab und lockert die

Erdölgesetze. Die Gewerkschaftsfunktionäre werden ihren Posten enthoben, 9000 Kommunisten

werden meist jahrelang verhaftet, und Tausende von Bauern und Arbeitern werden aus Rache von

Grossgrundbesitzern und Unternehmern umgebracht. Der folgende jahrzehntelange Bürgerkrieg in

Guatemala fordert über "lOO'OOO Menschenleben. Von den $900 Mio. US-Wirtschaftshilfe versickert

der grosse Teil im korrupten Netz der Diktaturen.

Da die neue Regierung nur der United Fruit loyal ist, wird Castillo am 26.7.57 von Romeo Vasquez

Sanchez, einem angeblich kommunistischen Mitglied der Palastwache, ermordet. Nach einem

Putsch wird General Miguel Ydigoras Fuentes neuer Präsident, der 1960 der CIA gestattet,

Guatemala als Stützpunkt der kubanischen Invasionstruppen zu benutzen. Dafür stellt die CIA

Fuentes Militärmaterial, das B-26 Bomber umfasst, zur Bekämpfung der Rebellen zur Verfügung.

1959 soll Fuentes von Bobby Willis im Auftrag der Mafia von Chicago umgebracht werden. Willis

flieht und wird an der Grenze verhaftet, wobei er den Namen Martin Borman, Hitlers Sekretär und

hingerichteter Kriegsverbrecher, benutzt. Arbenz wird am 27.6.71 tot in seiner Badewanne in

Mexico City gefunden.

Johnny Rosellis Armeekontakt Enrique Trinidad Oliva wird Chef der Geheimpolizei. Oliva stellt in

den 70er Jahren die berüchtigten Todesschwadronen auf die Beine, die verantwortlich für die

40'000 "Verschwundenen" sind. Geleitet werden die privaten Schwadronen vom Umsturzveteranen

Mario Sandoval Alarcon, dessen CIA-Verbindungsagent John Martino ist. Roselli beliefert die

Rebellenbanden mit Munition und Geld, die von Zeit zu Zeit United Fruit-Anlagen attackieren, und

gleichzeitig beliefert er die Geheimpolizei mit Informationen über die Rebellen. Die Rebellen

werden später in Mexico trainiert, unter anderem von Albert Sicilia Falcon, und eignen sich

bestens, um Waffen- und Heroingeschäfte laufen zu lassen.

Quellen : Scott (1 993): 1 1 0, Horowitz: 1 50-1 71 , Weberman (6): 1 1 -1 7, (27): 60, Giancana: 343,

Schulz: 173f, Sylwester: 14, CIA-Info: 8f,13f, Potter: 2, Best: 29-31, O'Shaughnessy, Levin,

Summers (2000): 174f, Karel (2003).

1955 Ermordung von Jose Antonio Remon top

An einem Treffen der Special Group 54-12, geleitet von Vizepräsident Richard Nixon, wird am

Neujahrsmorgen die Ermordung des Präsidenten Jose Antonio Remon von Panama festgelegt, der

mit Reformen begonnen hatte und die nationalistischen Forderungen der Übergabe des

gewinnbringenden Kanals unterstützt. Panama wurde wegen dem Kanal auf Druck der USA 1903

von Kolumbien abgespaltet. Die Special Group koordiniert die Aktionen der CIA und der

militärischen Geheimdienste. Ihr gehören neben Nixon Alexander Haig, E. Howard Hunt, Frank

Sturgis, Robert Cushman und Marion Cooper an. Am nächsten Tag wird Remon mit

Maschinengewehren erschossen.

Frank Anthony Fiorini, der eigentlich katholischer Priester hatte werden wollen, trat 1942 mit 17

Jahren den Marines bei und diente als Scharfschütze bei der Elitetruppe First Marine Raider

Battalion im pazifischen Dschungel gegen die Japaner. 1945 wurde er wegen Psychoneurose und

Schlaflosigkeit ins Sun Valley Naval Center eingeliefert. Nach seiner Entlassung zog er nach Miami

und heiratete die Prostituierte Nora "Betty" Odell Thompson. Sie zogen nach Norfolk, Virginia, wo

er als Polizist, Barkeeper und in Nachtklubs arbeitete. Zugleich trat er der United States Naval

Reserve bei verpflichtete sich erneut bei den Marines, obwohl er inzwischen einen eigenen

Nachtklub besass. Er diente 1950 in Heidelberg und Berlin und landete bei der Army Security

Agency. Wegen einer Affäre mit einer ungarischen Schauspielerin, die auch eine Affäre mit seinem

Vorgesetzten General Lucius Clay hatte, verliess er die Armee. In Miami gewinnt er Kontakt zu

Exilkubanern und zu E. Howard Hunt. 1952 stellte er einen Antrag zur Änderung seines Namens

und heisst seit 1953 nach seinem Stiefvater Sturgis. Am 20.9.54 wurde Betty von der Prostituierten

Lyghia Buckwater erschossen.

E. Howard Hunt geht nach der Aktion gegen Remon nach Tokyo und arbeitet 1956 mit Bisseil am

U-2-Projekt. 1954 schlug Edwin Land von der Polaroid Company Allen Dulles vor, spezielle

Phototechniken zu entwickeln, um Luftaufnahmen aus grosser Höhe zu machen, was Eisenhower

bewilligt. Mit Kelly Johnson von Lockheed wird ein Flugzeug entwickelt, das so hoch fliegt, dass es

nicht abgeschossen werden kann. Die Bilder des ersten U-2-Fluges im Frühjahr 1956 sind so gut,

dass man die Automarken auf dem Parkplatz des Kremeis erkennen kann. Die Sowjets halten ihr

Wissen um die U-2-Flüge geheim, weil nicht in der Lage sind, die Maschinen abzuschiessen.

1957 wird Hunt Station Chief in Montevideo, Uruguay, und arbeitet an Umsturzplänen gegen

Präsident Benito Nardone, der mit kommunistischen Ländern Handelsverträge geschlossen hatte.

Quellen : Hersh: 186, Weberman (6): 2,8,17-68, (7): 6, CIA-Info: 13, Best: 31, Groden/Livingstone:

31 5f.

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Mafia, Geheimdienste und Politik der USA

Teil 4 (1956 bis 1960)

Dieser Teil der Chronik behandelt die Unterstützung der Mafia für Kennedy und Nixon, die

Revolution in Kuba und die Interventionen der CIA.

Die zentralen Themen und Personen sind:

Hoovers FBI-Programme gegen Linke, Schwarze, Indianer und Pazifisten.

Terrorkommandos der CIA, Mafiaboss Sam Giancana und Frank Sinatra, Giancana und

Kennedy , Suez-Krise , Nasser, Israel, die Atombombe und der Islamismus, Hughes und

Nixon , Robert Kennedv gegen die Teamster-Gewerkschaft im McCIellan-Komitee, James

Hoffa und die Mafia, Mafiakrieg in New York und das Apalachin-Meeting, Lewis Rosenstiel ,

Meyer Lansky, Roy Cohn, und Lyndon Johnson, Präsidentschaftskampagnen von John

Kennedy und Richard Nixon, US-Interventionen in Indonesien (Achmed Sukarno),

Kambodscha (Norodom Sihanouk), Tibet (Dalai Lama), Libanon, Jordanien, Irak (Abdul

Karim Kassem, Saddam Hussein), Castros Revolution auf Kuba , CIA und Mafia,

Waffenschmuggel, Casinos und Drogen, Machtkämpfe auf Kuba , Mordpläne gegen Castro ,

Marita Lorenz, Frank Sturgis und E. Howard Hunt, Kennedys Wahlkampf , Sam Giancana,

Frank Sinatra, Judith Campbell und Lyndon B. Johnson, Lee Harvev Oswald in der

Sowjetunion, Marilyn Monroe und John Kennedy, Aktionspläne gegen Kuba , Kennedys

Wahl , Ermordungen von Patrice Lumumba im Kongo und von Dag Hammarskjöld.

Der Text umfasst ca. 36 Seiten.

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1956 FBI-Programme

FBI-Direktor J. Edgar Hoover startet mit der Einwilligung Präsident Eisenhowers das Communist

Intelligence Program, das die Kommunisten und andere Gruppen zu diskreditieren versucht.

Insgesamt gehören zu COINTELPRO bis 1971 über 2000 verdeckte Operationen, die von

Infiltration und Unterwanderung über psychologische Kriegsführung mit gefälschten

Veröffentlichungen und Diskreditierungen bis zu direkter Gewalt, Einschüchterung und inszenierten

Anschlägen reichen. Ein Fünftel der COINTELPRO-Aktionen sind Medien-"lnformationen", die

Personen und Organisationen diffamieren. In einem von 1956 bis 1971 laufenden speziellen

Medienprogramm sind etwa 400 Journalisten eingebunden, die für das FBI arbeiten. 40% des

Programms besteht aus Störaktionen wie dem Versenden von anonymen, gefälschten und fiktiven

Materialen, um Meinungsverschiedenheiten, Desorganisation und Frustrationen innerhalb der

Gruppen zu schaffen. Terroristische "White Hate"-Gruppen wie etwa der Ku Klux Klan werden

geduldet und gefördert, so lange sie gegen Ziele wie die "Black Panthers" vorgehen. Auch

Morddrohungen erweisen sich als effektiv. Aufgrund zugespielter Akten veröffentlichen die Medien

einen winzigen Teil der Operationen, die nie restlos aufgeklärt werden, weil das FBI verspricht,

derlei nicht wieder zu tun.

Gegen die Socialist Workers Party und die Young Socialist Alliance werden zwischen 1960 und

1976 1331 Spitzel angesetzt, von denen etwa 300 als Mitglieder der Organisationen aufgenommen

werden. In der Kommunistischen Partei soll in den 50er Jahren jedes sechste Mitglied ein Spitzel

gewesen sein. Die eigentliche Zersetzungarbeit wird aber von eingeschleusten Provokateuren

übernommen, die beispielsweise Mitglieder zu kriminellen Handlungen anstiften. Das FBI selbst

schreckt vor kriminellen Handlungen nicht zurück: In das Hauptquartier der SWP wird

beispielsweise zwischen 1960 und 1966 mindestens 92 Mal eingebrochen (im Schnitt alle drei

Wochen), um Mitgliederlisten, Korrespondenz, Informationsmaterial und Akten zu fotographieren.

Andere Programme laufen ab 1965 gegen die Schwarzenbewegung, 1968 gegen die Neue Linke,

von 1972 bis 1976 gegen die American Indian Movement, von 1976 bis 1985 gegen die

puertorikanischen Nationalisten sowie gegen die Friedensbewegungen. Das FBI gibt eigene

Publikationen wie die Armageddon News heraus, die sich gegen den Einfluss der Sozialisten in der

Friedensbewegung stellt. Bei der Washington Peace Mobilization, das Demonstrationen gegen den

Vietnamkrieg vorbereitet, sind von 32 Teilnehmern 9 FBI-Agenten. Von den 30 Mitgliedern der

Washington Black Liberation Front sind es sogar 14.

Überwacht werden in den USA über 1000 politische Organisationen - alles, was politisch nicht

etabliert ist. Von 1960 bis 1974 führt das FBI 500'000 Untersuchungen gegen subversive

Bestrebungen durch und startet im Rahmen von COINTELPRO zwischen 1956 und 1971 gegen 5

Organisationen 2370 Aktionen. FBI-Agenten, die sonst bei kleinsten "moralischen Verfehlungen"

gefeuert werden, erhalten die dienstliche Anweisung, mit Ehefrauen von Ku-Kux-Klan-Mitgliedem

zu schlafen, um Eheprobleme zu schaffen.

Das FBI organisiert gleichzeitig selbst rechtsradikale Terrorgruppen, um sie gegen die Linken

einzusetzen, und schützt andere Nazi-Gruppen vor Strafverfolgung. Das FBI deckt beispielsweise

Angriffe der National Caucus of Labor Committees in New York und der faschistischen Legion of

Justice in Chicago auf Versammlungen der Socialist Worker Party. Es wird sogar so etwas wie

eine nationale Terrorgruppe aus Polizei-und FBI-Agenten aufgebaut.

Auch die CIA organisiert rechtsradikale Terrorbanden in Deutschland und in Südamerika. In

Uruguay erhält der Polizei- und Geheimdienstchef Otero den Auftrag zur Bildung von

Todesschwadronen vom "Landwirtschaftsattache der US-Botschaft" Dan Mitrone, der bereits

Terrorgruppen in Brasilien und der Dominikanischen Republik auf die Beine gestellt hat. Innerhalb

der türkischen Armee baut die CIA eine Anti-Guerilla-Abteilung auf, unter deren Schutz und

Anleitung die "Grauen Wölfe" operieren. Anfang der 70er Jahre schult die CIA libysche

Terrorkommandos. 1956 versucht die CIA, die Regierung von Ghazzi in Syrien, das eine

Föderation mit Ägypten anstrebt, zu stürzen, was aber angesichts der Angriffe von Israel,

Grossbritannien und Frankreich auf Ägypten im Oktober und November 1956 aufgegeben wird.

Quellen : Scott (1993): 191f,309,380-397, Schulz: 94,100-116,170,310, Schröder, Zanetti, Roth:

41 f, CIA-Info: 13.

1956 Sam Giancana top

Sam Giancana, geboren am 24.5.1908, wird Mafiaboss von Chicago. Salvatore Giancana gehörte

bereits mit 12 Jahren der Strassengang "the 42" in Chicago an und eiferte Colosimo, Esposito,

Torrio und Capone nach, die Macht, Geld und Frauen hatten. Nach einem Aufenthalt in einem

Erziehungsheim lebte er bereits mit 10 Jahren auf der Strasse, weil sein Vater den

widerspenstigen Jungen jeden Tag schlug, ihn an die Eiche im Garten band und peitschte. Seine

Mutter starb an einer Fehlgeburt, als er knapp zweijährig war. Meistens schlief er in verlassenen

Autos und stahl Nahrung und Kleider. Nachdem er sich der Gang von Joey Colaro angeschlossen

hatte, kamen organisierte Diebstähle von Autos, dann Bombenattentate und Mordaufträge dazu.

"Moony" wurde zum besten Fahrer der Gang und verschaffte sich durch seine Brutalität Respekt in

seiner neuen Familie, neben der nichts zählte. 1923 begann er als Transporteur für Diamond Joe

Esposito und zeitweise auch für Joe Kennedy zu arbeiten. Über seinen Job als Chauffeur von

McGurn kam er in die Chefetage der Mafia von Chicago und machte sich einen Namen als

verwegener Fahrer und guter Schütze. Ab 1924 arbeitete er auch für AI Capone als Killer auf

Bezahlung. Im Januar 1925 brachten Sam Giancana und Leonard Gianda den Nachfolger

Colosimos, Johnny Torrio, mittels Schussverletzungen dazu, seinen Platz AI Capone zu

überlassen und die Stadt zu verlassen. Kurz darauf wurde Moony wegen Autodiebstahl verurteilt.

Nach seiner Freilassung setzte er sich zuhause gegenüber seinem Vater als Familienoberhaupt

durch. Mit 18 erfolgte eine erste Mordanklage, da der Besitzer des Überfallenen Ladens nach einer

Schiesserei starb. Nachdem er gegen $25'000 Kaution, die Esposito ihm sponserte, freikam, wurde

der einzige Zeuge der Anklage, Alex Burba, ermordet. Im November 1927 organisierte Moony

mithilfe eines anonymen Telephonanrufs an die Polizei, dass Joey Colaro niedergestreckt wurde.

Er übernahm die Führung der "42", zu der Leonard Caifano, Gianda, Fiore Buccieri, Willie

Daddano, Sam DeStefano, Phil Alderisio, Chuckie Nicoletti und die Brüder Chuck und Butch

English gehörten. Am 3.10.28 brachte Giancana im Auftrag Capones seinen Förderer Diamond

Joe Esposito um, womit es sich eine bessere Stellung innerhalb der Capone-Organisation

verschaffte. Mit 20 soll er bereits 20 Morde ausgeführt haben.

Am 23.9.33 heiratete Giancana Angeline DeTolve, nachdem er ihren Verlobten umgebracht hatte.

Seine Geliebte Marie Fanelli will er für Sex, Ange als Mutter seiner Kinder. 1932 wurde Giancana

der Fahrer von Paul Ricca, der nach der Verhaftung AI Capones die Leitung des Syndikats von

Chicago übernahm. Sein ehemaliger Vorgesetzter McGurn war innerhalb der Organisation in

Ungnade gefallen und wurde am 13.2.36 umgebracht. Giancana bewunderte Ricca für seine

Intelligenz und Kaltblütigkeit, seinen Charme und seine Beziehungen zu Politikern und Frauen.

1937 baute sich Moony im Patch sein eigenes Imperium auf. Über 50 Kriminelle arbeiteten für ihn

und erledigten Autodiebstähle, Einbrüche, illegale Alkoholproduktion, Erpressungen, Wucherei,

Glückspiele und trieben Geld ein. Die Polizei entdeckte am 17.1 .39 die klandestine Destillerie von

Garden Prairie, worauf Giancana wegen Alkoholschwarzbrennerei zu vier Jahren Gefängnis

verurteilt wurde.

Giancana schaltete sich, nachdem er kurz vor Weihnachten 1942 aus dem Gefängnis entlassen

wurde, dank seinem Zellengenossen Eddie Jones ins schwarze Lotterienetz ein. Um die Lotterien

in den Quartieren der Schwarzen in den Griff zu bekommen, Hess er Eddie Jones vier Jahre später

kidnappen und zwang ihn aufzugeben. Seiner Meinung nach gehört es sich für einen Schwarzen

nicht, soviel Geld zu machen. Jones durfte sich nach Mexico zurückziehen und "Moony" half mit

Schlägern und Bomben nach, das ganze Spielnetz zu übernehmen. Leonard Caifano leitete dann

für Giancana die nun von Weissen kontrollierten Lotterien. Gleichzeitig kaufte er Spielautomaten,

die von Chuckie English überwacht wurden, und er profitierte, wie Gambino auch, von den

Kriegsrationierungen, indem er mit gestohlenen Marken handelte.

Kurz nach dem 2. Weltkrieg wurde Giancana zum stellvertretenden Boss ernannt. Er ist häufig in

Las Vegas und Hollywood, hat engen Kontakt mit Frank Sinatra und Sammy Davis. Sinatra ist der

offizielle Besitzer des Casinos Cal Neva, das eigentlich Giancana gehört. Das Chicago-Syndikat

kontrolliert die Filmgewerkschaften, kann Produzenten und Studios erpressen. Über den Einfluss

auf James Riddle Hoffa eröffnen die Gewerkschaften den Zugang zur Macht in Washington.

Zudem ist Giancana dauernd in Kuba, wo alles erlaubt ist, was im spiessigen Amerika der 50er

Jahren verboten ist. Giancana beginnt, Harry Stonehill auf den Philippinen (gestohlene) Zigaretten

zu liefern. Stonehill unterhält Kontakte zum späteren Diktator Ferdinand Marcos, zur katholischen

Diözese, zum philippinischen Prokonsul, zu CIA-Mitarbeiter General Edward Lansdale und zu

General Douglas MacArthur.

In einem Casino von Moe Dalitz in Las Vegas lernt Giancana Phyllis McGuire kennen, die in

diesem Casino eine Spielschuld von $100'000 angehäuft hat. Die Sängerin wurde auch mit Elvis

Presley gesehen, aber nachdem Giancana ihr Versprach, sich um die Schuld zu kümmern, gibt sie

ihm den Vorzug. Dalitz muss sich den Verlust ans Bein streichen. Die Presse ist hingerissen: die

Schöne und das Biest. Dadurch gerät auch seine Rolle als Boss von Chicago vermehrt in die

Presse. Der eifersüchtige Giancana reist McGuire überall hin nach, um sie zu kontrollieren, aber er

ist unfähig, seinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen. Er kauft dafür teure Geschenke, wenn sie nicht

wie meistens aus Diebesbeute stammen. Der 48jährige Boss, der Wert auf altmodische

Umgangsformen legt, wurde schon 60 Mal verhaftet wegen Beihilfe zu Verbrechen, Einbruch,

tätlichem Angriff, Diebstahl, versuchtem Totschlag, Waffenbesitz, Bombenüberfall, Glückspiel und

Mord. Bis 1960 hat er etwa 200 Morde auf dem Gewissen, viele davon ausgeführt von seinen

Henkern "Mad Sam" DeStefano, Fifi Buccieri und Willie Daddano. DeStefano bearbeitet

beispielsweise seine Opfer in seiner Folterkammer vorwiegend mit Eispickeln. Giancana herrscht

über ein Kader von ungefähr 1000 Gangstern, die ihrerseits Befehle an gegen 50'000 Einbrecher,

Entführer, Fälscher, Erpresser, Drogenhändler, Kredithaie und Mörder ausgeben. Die

Jahreseinnahmen dieses Grossunternehmens betragen schätzungsweise $2 Mia. Mittels Gewalt

und Korruption kontrolliert Giancana Polizisten, Richter und Politiker, die öfters an seinen Partys zu

Gast sind.

Quellen : Hersh: 46ff, Giancana: 20-370, Olgiatti, Best: 1 0f ,37, Lewens/Wall.

1956 Giancana und Kennedy top

Joe Kennedy tritt mithilfe des Bürgermeisters von Chicago, Richard Daley, in Kontakt zu Sam

Giancana, und lässt ihm mitteilen, er habe einen Fehler begangen und befände sich in

Schwierigkeiten. Kennedy bittet Giancana, ihn an der Ostküste zu treffen, was dieser kategorisch

ablehnt. Kennedy habe seit Jahren ein Büro in Chicago und ihm gehöre seit 1945 das Merchandise

Mart, also würde man sich in Chicago treffen, oder gar nicht.

In einer Suite des Ambassador East bittet Kennedy den Mafiaboss drei Tage später um Hilfe, da

Frank Costello ihn umbringen lassen wolle. Obwohl Kennedy dank der Mafia reich geworden war,

weigert er sich zunehmend, Gegenleistungenzu bringen und distanziert sich von seinen alten

Komplizen. Im Streitfall sollte Kennedy seinen Namen für ein Immobiliengeschäft Costellos leihen,

aber er hat Angst, damit die politische Karriere seines Sohnes zu gefährden. Kennedy hat seine

Kontakte mit der Mafia nie aufgegeben: mit Johnny Roselli spielt er von Zeit zu Zeit Golf, mit Meyer

Lansky trifft er sich 1957 in Kuba, kurz darauf mit "Smiling Gus" Battaglia und Joe Bonanno.

Kennedy verspricht Giancana die Loyalität seines Sohnes, falls er Präsident werden sollte.

Giancana geht auf diesen Vertrag ein und annulliert das Todesurteil Kennedys.

Der Parteitag der Demokraten im Juli 1956 bedeutet einen Wendepunkt in der Karriere von John

Kennedy, weil er mit einem Schlag berühmt wird, obwohl er bei seiner Kandidatur um die

Vizepräsidentschaft in Chicago gegen Estes Kefauver verliert. Gleich danach fliegt er mit Bruder

Teddy, aber ohne seine schwangere Frau Jackie nach Cannes für ein Segelturn mit George

Smathers und verschiedenen Frauen. Am 23.8. muss sie notfallmässig ins Spital eingeliefert

werden und erleidet eine Totgeburt, woran sie beinahe stirbt. Die Familie kann Jack, der in London

bei Marilyn Monroe ist, nicht erreichen. Als die Ärzte ihm am 26.8. am Telefon versichern, dass sie

ausser Lebensgefahr sei, will er seine angebliche Kreuzfahrt fortsetzen. Erst zwei Tage später

fliegt JFK zurück, weshalb Jackie sich scheiden lassen will. Joe Kennedy offeriert ihr $1 Mio, damit

sie sich nicht scheiden lässt, und verspricht ihr, dass sie fortan mehr Raum und Zeit ausserhalb der

Kennedy-Familie bekomme, um ihr eigenes Leben zu leben.

Joe Kennedy hat eine Mauer zwischen seinem Familienleben und seinem Geschäftsleben gebaut.

Zuhause wird über Business nicht gesprochen; die Söhne sind naiv in Geldfragen und kennen die

Hintergründe seines Reichtums nicht. Da das Kennedy-Büro in New York alle Rechnungen der

Söhne bezahlt, werden die Kinder vom Vater auch finanziell kontrolliert. Im Hintergrund zieht er die

Fäden ihrer Karrieren. Joe sieht nicht vor, dass seine für Politikerkarrieren getrimmten Söhne seine

Firmen übernehmen, das kommt eher für die Schwiegersöhne in Frage.

Joe Kennedy wird, vermutlich als Resultat seiner Einschmeichelung bei Hoover, von Eisenhower in

das President's Board of Consultants on Foreign Intelligence Activities berufen. Der FBI-Check

unterschlägt Kennedys Rolle als Alkoholschmuggler und beschönigt diejenige als Botschafter.

Kennedy sorgt für Unruhe, als er bei einem Besuch der CIA-Station in Rom die Namen der

geheimen Undercoveragenten in der italienischen Regierung und im Vatikan verlangt - und

bekommt. Vermutlich informiert er anschliessend Hoover über die CIA-Aktionen. Jedenfalls

gewinnt Kennedy in den sechs Monaten im Amt Kontakte zur Geheimdienstwelt. Wahrscheinlich

versichert Kennedy Hoover, dass er trotz seines Alters das FBI weiterführen könne bei der Wahl

seines Sohnes zum Präsidenten.

Quellen : Wolfe: 298, Posener: 14,75-78, Davis (1994): 94, Giancana: 214-222, Collier/Horowitz:

260-269, Best: 13, Summers (1993): 260-264,268f, Olgiatti, Obenhause.

Juli 1956 Suez-Krise top.

Gamar Abdel Nasser verstaatlicht den Suezkanal, die Lebensader der westlichen Ölversorgung,

worauf die CIA ein Attentat auf den ägyptischen Präsidenten plant. Ursprünglich wurde Nasser von

der CIA unterstützt. Anfang der 50er Jahre wurde die morsche feudale Herrschaft des unfähigen

Königs Faruk zum Risiko für die Stabilität im Nahen Osten. Die CIA, wahrscheinlich Kermit

Roosevelt, nahm Kontakt zu den "freien Offizieren" um General Nagib auf, um den Königssturz zu

planen. 1952 musste der König abdanken. Nasser Hess mit dem Geld der Amerikaner einen

Fernsehturm in Kairo bauen, den man den CIA-Tower nennt. Da er jedoch von seiner blockfreie

Politik nicht abrückte, Hess die CIA ihn fallen. Auch der saudische Geheimdienst gibt $3 Mio. aus,

um Nasser ermorden zu lassen.

Israel greift drei Monate später mit Unterstützung der USA und Frankreich Ägypten an und dringt

auf der Halbinsel Sinai gegen den Suzkanal vor. Es liefert damit Frankreich und England den

verabredeten Vorwand, zum "Schutz der freien Schifffahrt" in Ägypten zu landen und Kairo,

Alexandria und Port Said zu bombardieren. Frankreich liefert Israel im Gegenzug das Material zum

Bau der Atombombe, die unter der Verantwortung des späteren Friedensnobelpreisträgers Shimon

Perez gebaut wird. (1967, 1973 und 1991 werden die Atomköpfe zum Abschuss montiert. Am

22.9.1979 testet Israel die Atombombe mithilfe von Südafrika. Bis ins Jahr 2000 produziert Israel

um die 200 Sprengköpfe). Die Kriegsdrohung der Sowjetunion führt zum Rückzug der Engländer

und Franzosen, aber der Kanal ist durch versenkte Schiffe bis im April 1957 blockiert. Die Briten

verlieren damit ihre Vorherrschaft im Nahen Osten.

Nach der Krise beginnen die USA mit der Unterstützung islamistischer Bewegungen, um die

panarabische Bewegung Nassers zu unterlaufen. Der beim Volk äusserst beliebte Nasser bleibt,

unterstützt von der Sowjetunion, bis zu seinem Tod 1970 im Amt. In den 90er Jahren erodieren die

sozialen Errungenschaften Nassers durch die Privatisierungen unter Mubarak, während sich

gleichzeitig die wirtschaftliche und militärische Abhängigkeit von den USA massiv vergrössert.

Quellen : Epstein: 20-23, Evans, Best: 45,52f, Schröder, CIA-Info: 13, Schulz: 156,169, Avineri: 66,

Mehio, Labidi.

1956 Hughes und Nixon top

Dwight D. Eisenhower und Richard Nixon werden im November wiedergewählt. Eisenhower hielt

Nixon weitgehend ausserhalb der Regierungsgeschäfte und vermied so weit möglich jeden

persönlichen Kontakt mit dem Vizepräsidenten, den er für "unreif" und gefährlich hält. Er lässt alle

Sitzungen und Gespräche mit Nixon heimlich aufnehmen, um sich abzusichern, und Nixon

bekommt sein Desinteresse und seine Verachtung zu spüren. Eigentlich hatte Nixon die Nase voll

und versprach seiner Frau, aus der Politik auszusteigen, als Eisenhower im September 1955 einen

Herzinfarkt erlitt. Die Aussicht auf die Nachfolge Hess Nixon weitermachen und weiterhin die

Erniedrigungen hinnehmen. Aber Eisenhower wollte ihn rauswerfen, wozu Murray Chotiners

Beziehungen zur Mafia in der Washington Post veröffentlicht wurden. Christian Herter war der

Gegenkandidat, mit dem Harold Stassen versuchte, Nixon zu stürzen ("Dump Nixon Movement").

Im Auftrag von Howard Hughes schleuste Robert A. Maheu einen Undercovermann bei Stassen

ein, dessen Aktion erfolgreich sabotiert werden konnte. Offenbar wurde Eisenhower mit bei

Stassen platzierten Informationen dann erpresst, Nixon zu behalten. Chotiners Name tauchte nicht

mehr auf, und Nixon stürzte sich mit den von Pater Cronin geschriebenen Reden in den von

Howard Hughes mitfinanzierten Wahlkampf. Nixon wurde dem Milliardär von Adela Rogers St.

John in den 40er Jahren vorgestellt. 1988 behauptet er, er hätte Hughes nie getroffen. Hughes

schmiert nicht nur Nixon seit 1946, sondern auch andere Familienmitglieder, und benutzt das

Pseudonym Mr. Thomas, wenn er den Vizepräsidenten anruft.

Howard Hughes setzte sich nach Las Vegas ab und zog dort während drei Jahren von einer

Hotelsuite zur anderen, bis er 1953 in einem 5 Zimmer-Bungalow des Desert Inn blieb, begleitet

von einer fast endlosen Folge von One-Night-Stands. Als Jean Peters am 29.5.54 den Ölhändler

Stuart Cramer III heiratete, setzte fasste Maheu den ersten Job von Hughes, um möglichst viel

Dreck über Cramer aufzudecken. Maheu fand heraus, dass der reiche Texaner über die Lockheed

mit der CIA verhängt ist. Nach kurzer Zeit verlässt Peters Cramer, der 1959 Terry Moore heiratet.

Hughes verspricht aber auch Kathryn Grayson, Susan Hayward, Yvonne Shubert die Heirat und

organisiert 1956 eine parallele Sylvesternacht mit Peters, Hayward und Shubert. Maheu

beschattete in der Folge Dutzende von Starletts Hollywoods, die Hughes als seinen Besitz ansah.

Im weiteren überprüfte er die Loyalität von Angestellten und fand Abhöranlagen in den Büros.

Das IRS untersuchte Maheu im Gegenzug, weil die Steuerprüfer entdeckten, dass er seine

Rechnungen an die Hughes Tool Company kodiert verfasste. Maheu hat in Las Vegas

Geschäftskontakte mit der Mafia und trifft sich mit John Roselli, schmiert FBI-Beamte und Politiker

in Washington, um an Militäraufträge für Hughes zu kommen. Die Hughes Aircraft konzentrierte

sich schon früh auf Militärelektronik und entwickelte mit der Falcon die erste Radarsuchrakete.

Auch die CIA gehört mit Aufträgen von insgesamt $7 Mia. zu den Grosskunden der Firma, die 1953

dank dem Koreakrieg, dem Bau von Spionagesatelliten und guten Wissenschaftlern nach 18

Jahren erstmals schwarze Zahlen schreiben und einen Gewinn von $5,3 Mio. erzielen konnte.

Allerdings entstanden Probleme, weil Kaderleute auch in Aktien ausbezahlt werden wollten, um

Steuern zu umgehen, und Hughes auf dem Alleinbesitz bestand. Zudem setzte ihn die Luftwaffe

nach FBI-Berichten, wonach er nicht mehr in der Lage sei, die Waffenfabrik zu führen, unter Druck.

Im Dezember 1953 gründete er das Howard Hughes Medical Institute als wohltätige Stiftung, und

überschrieb die Patente und Aktien seiner Firmen der steuerfreien Stiftung. Nur ein Prozent der $3,

6 Mio. Gewinn von 1954 floss tatächlich in medizinische Forschung. Ende 1955 entschied das

Steueramt, dass der steuerfreie Status nicht angebracht sei, ändert aber völlig überraschend seine

Meinung im März 1957, obwohl ein entsprechendes Gesuch zuvor zweimal abgeleht worden war.

Nachdem Hughes am 20.8.55 erfolglos versuchte, FBI-Direktor Hoover zu schmieren, zahlte er im

Dezember Vizepräsident Nixon $205'000, was einem heutigen Betrag von über $1 ,25 Mio.

entspricht. Einen Monat danach kauft sich Nixon eine 16-Zimmer-Villa für $75'000. Als der Deal

auffliegt, wird behauptet, Hughes habe Donald Nixon einen Kredit für seine defizitäre

"Nixonburgers"-Kette gewährt, die aber nur zwei Wochen nach dem angeblichen Kredit Konkurs

geht. Da die Hughes Medical Alleinbesitzerin der Hughes Aircraft ist, über die Hughes alle

möglichen Geschäfte abwickelt, wird dank Nixon sein ganzes Wirtschaftsimperium praktisch

steuerfrei. Er selbst versteuert ein Einkommen von nicht einmal $20'000.

Einen Monat nach der Zahlung erlaubt das Civil Aeronautic Boards der TWA die Aufnahme eines

riesigen Kredits, erteilt ihr Lizenzen zu neuen In- und Auslandrouten und eine Flugpreiserhöhung.

Hughes hat seit 1939 laufend Aktien der Trans World Airways gekauft, mit der Idee, seine eigenen

Flugzeuge der TWA zu verkaufen, und besitzt 78% der Firma. 1 956 versuchte er, der TWA 63 zu

entwickelnde Jets der Hughes Aircraft zu verscherbeln. Um gegenüber der Konkurrenz nicht in

Rückstand zu geraten, bestellte er aber in einer überstürzten Aktion für $487 Mio. 188 Boeing 707

und 30 Convair 880, was die Finanzmöglichkeiten der Fluglinie bei weitem übersteigt. Anstatt

weitere Finanzierungen mit den Banken zu verhandeln, verschwindet Hughes nach der heimlichen

Hochzeit mit Jean Peters am 12.1 .57 von der Bildfläche, weil seine absolute Kontrolle über die

TWA beschränkt worden wäre. Sein Entschluss zur Heirat mit der Schauspielerin erfolgt aus Angst,

wegen seiner fortschreitenden Neurosyphilis in einer Klinik zu landen, wozu die Ehefrau die

Einwillligung erteilen müsste. Die in der Presse kursierenden Spekulationen über die Heirat tut

Hughes gegenüber der 17jährigen Shubert als Gerüchte ab und verspricht ihr die Heirat, bis sie

schwanger wird. Als sich Shubert 1959 aus dem goldenen Käfig löst und sich ihr neuer Freund

Johnny Rand bei einem Unfall offenbar selbst erschiesst, gratuliert Hughes, Maheu sei besser, als

er gedacht hätte. Hughes verbarrikadiert sich im Dezember 1957 im Filmprojektionsraum eines

Produzenten in Hollywood, wo er nackt Filme schaut und telefoniert. Nach drei Monaten informiert

er seine Frau, er sei krank und werde in einem medizinischen Zentrum behandelt.

Finanzinvestoren setzen einen ehemaligen FBI-Agenten und eine Horde von Detektiven ein, um

ihm eine Gerichtsvorladung zu überbringen, worauf Maheu mit einigen CIA-Agenten eine

"Gegenspionageaktion" organisiert. Viele falsche Tips werden den Detektiven gegeben und ein

Doppelgänger von Hughes wird engagiert, um sie zu irritieren. Es gibt daraufhin Vermutungen,

dass Hughes gekidnappt worden sei, um sein Imperium zu übernehmen. Tatsächlich ist Maheu

nach der Intrige der Bediensteten, alles Mormonen, gegen Noah Dietrich und dessen Weggang der

letzte Aussenkontakt. Der Chef der Mormonentruppe, Frank William Gay, überwacht im Hauptsitz

der Hughes Productions in Hollywood die Koordination der Geschäfte, die Kommunikation mit den

Geschäftspartnern und die Klassifikation der Dokumente in "secret", "confidential" oder "restricted".

Schliesslich zieht Hughes nach vier Monaten zurück in das Beverly Hills Hotel, umgeben von

seinem Stab aus Mormonen, die seine Phobie vor Bakterien und Staub noch fördern. Auf

Anweisung von Hughes wird ein Manual mit detaillierten Anweisungen und religiösen Referenzen

geschrieben, wie seine Helfer beispielsweise einkaufen oder eine Büchse öffnen müssen. Alle

Gegenstände, mit denen Hughes in Berührung kommt, müssen desinfisziert und mit Kleenex

überreicht werden.

Nachdem Hughes die Miss Universe-Wahlen im Fernsehen gesehen hat und vor allem von Miss

Belgien angetan ist, weist Hughes Chouinard und Maheu an, einige der Mädchen in die USA zu

importieren. 6 oder 7 werden unter dem Cover einer Filmgesellschaft eingeflogen, in Appartements

einquartiert und mit dem üblichen Programm versorgt. Bis auf Carolyne Lecerf verlassen aufgrund

der Überwachung alle wieder die USA innerhalb einer Woche, und die Mutter der Miss Belgien,

deren Briefe abgefangen werden, schaltet die belgische Botschaft und diese das FBI ein. Nachdem

sie in einem Interview von der Tortur ihrer Gefangenschaft erzählte, kehrt sie nach einem halben

Jahr zurück, ohne ein versprochenes Treffen mit dem Milliardär.

Quellen : Drosnin, Giancana: 341, Best: 50-53,84, Brown/Broeske: 275-322, Summers (2000):

134,145-159.

1957 Robert Kennedy gegen die Teamster-Gewerkschaft top

Kurz nachdem im "Hotel des Palmes" in Palermo die Spitzen der sizilianischen und

amerikanischen Mafia zusammengekommen waren, um ein Abkommen über die Koordination im

Drogengeschäft zu schliessen, kommt es zur ersten grossen Kongressuntersuchung gegen die

Geschäfte der Mafia in den USA. An Weihnachten 1956 hatten Joe und Robert Kennedy ihren

schlimmsten Streit, weil Bobby als Rechtsberater im McCIellan-Ausschuss zur Untersuchung der

Gewerkschaften und ihrer Verbindungen zum Organisierten Verbrechen mitarbeiten will, was sein

Vater ihm verbietet. Bisher immer folgsam, zurückgezogen und strenggläubig, verheiratet und

Vater von 5 Kindern, trotzt der 33jährige das erste Mal dem Willen seines Vaters, der sogar seinen

Freund Richter William O. Douglas von obersten Gerichtshof einschaltet, um Bobby von der

Mitarbeit abzuhalten.

Nach seinem Studium begann Bobby 1951 für die Internal Security Division des Justizministeriums

nach sowjetischen Spionen zu suchen und sammelte in der Kommission von McCarthy als

Kommunistenjäger weitere Erfahrungen. John McCIellan wurde der neue Vorsitzende des Senate

Investigations Subcommittee, das zunächst weiter gegen Kommunisten aktiv ist, bis die Tranport-

Gewerkschaft 1956 zum Thema wurden. Mit 1,7 Mio. Mitgliedern sind die Brotherhood of

Teamsters die grösste, reichste und aggressivste Gewerkschaft, die das Land jederzeit lahmlegen

könnte.

Am 30.1 .57 wird der Senatsausschuss unter Vorsitz von Senator John L. McCIellan geschaffen,

und für die nächsten 30 Monate werden sich RFK, Chef-Rechtsberater der Kommission und

treibende Kraft der Untersuchung, und auch JFK als Mobjäger profilieren. Bobby findet heraus,

dass Teamster-Präsident Dave Beck mit Geldern der Gewerkschaft ein Haus baute, und es nach

zwei Jahren der Gewerkschaft für $163'000 wieder verkaufte. Im Mittelpunkt steht der $370'000-

Diebstahl des Gewerkschaftsführers aus der Teamster-Pensionskassen und Steuerhinterziehung,

für welche dieser 1957 ins Gefängnis geht, aber von Gerald Ford 1975 vollumfänglich rehabilitiert

wird. Auch dessen Nachfolger Jimmy Hoffa (Präsident von 1957-71) sowie Joey Glimco von

Chicago werden unter die Lupe genommen.

James Riddle Hoffa wurde 1913 geboren und zog mit seiner Mutter nach dem Tod des Vaters

1920 nach Detroit. Nachdem er bereits mit 19 Jahren seinen ersten Sieg in der

Gewerkschaftsbewegung davontrug, kam Hoffa anfangs der 30er Jahre über seine Geliebte Sylvia

Pagano, die mit Frank Coppola ein Verhältnis hatte und die Mutter von Chuck O'Brien ist, in

Kontakt mit dem Organisierten Verbrechen, das über die Jahre zu einer unverzichtbaren Basis

seiner Karriere an die Spitze der Teamsters wird. Hoffa assoziiert sich mit Coppola und Santo

Perrone, der im Gegensatz zu anderen Firmenerpressern zuerst die Bomben zündet und danach

das Geld verlangt. 1936 wegen Mobaktivitäten bei den Docks gefeuert, stellte ihn die

Transportgewerkschaft als Organisator ein. 1941 kam es in Detroit zu einem Machtkampf zwischen

dem Congress of Industrial Organizations und den AFL Teamsters, für die sich Hoffa als mit Ketten

bewaffneter Schläger profilierte, zusammen mit seinem späteren Bodyguard Rolland McMaster. Mit

Hilfe des Justizministeriums gelang es ihm auch, die linke Konkurrenzgewerkschaft CIO in

Minneapolis zu besiegen.

Über Perrone begann Hoffas Verbindung mit Paul Dorfman, Präsident der mafiadominierten Waste

Handlers Union Chicagos seit der Ermordung seines Vorgängers 1939, bei der Jack Ruby eine

Rolle spielte. 1949 schuf Hoffa die Michigan Conference of Teamsters Weifare Fund, und Vater

und Sohn Dorfman gründeten die Union Casualty Agency für die Geldtransaktionen. Diese Kassen

entwickelten sich zu einer eigentlichen Mafia-Bank. Hoffa schützt Deals der Gangster, die die

Gewerkschaft als Deckmantel benutzen können. Die Mobster sorgen im Gegenzug mit effizienten

Methoden dafür, dass die Arbeiter den Befehlen folgen, wie bei den Wäschefahrern von Teamsters

Local 285 mit Morris Dalitz. Wenn eine Firma den Schutz von Hoffas Gewerkschaft ablehnt, zündet

Frank Kierdorf eine Bombe. Zudem stellt Hoffa Gelder der Pensionskassen zur Verfügung, die

vorwiegend in Las Vegas und Grundstückhandel investiert werden.

Vermutlich ist es Hoffa, der die Mafiosi Russell Bufalino, Salvatore Granello, John LaRocca,

Gabriel Mannarino und James Plumeri überzeugt, mit der CIA zu kooperieren. Diese Mobster sind

alle mit den Teamstern verknüpft, haben Kasinoinvestitionen in Havanna und sind in den

Drogenhandel verwickelt. Die Kommission findet auch heraus, dass Hoffa eng mit Tony "Ducks"

Corallo und Johnny Dioguardi zusammenarbeitet, die New Yorks Flughafen für Tommy Lucchese

ausbeuten. Dank Paul Dorfman wurde "Dio" Dioguardi Direktor der New York United Auto Workers

Union, AFL. Ein Journalist der Hearst begann, über Dioguardis Verflechtungen zu schreiben und

erblindete, weil ihm Säure ins Gesicht gespritzt wurde. Nachdem der Säureattentäter erfahren

hatte, dass sein Opfer eine bedeutende Person war, verlangte er statt $500 plötzlich $50'000,

worauf er vier Kugeln in den Hinterkopf erhielt. Die Aufklärung von Dioguardis Fall musste

aufgegeben werden, weil alle potenziellen Augenzeugen es vorzogen zu schweigen.

Nach der Übernahme des Präsidiums stellt Hoffa Robert Maheu an, der mit dem Teamster-und

CIA-Anwalt Edward Bennett Williams das Büro teilt. Über Williams lernte Maheu seinen Freund

Johnny Roselli kennen. Ebenfalls 1957 gründet Hoffa mithilfe von McMaster und David Yaras das

Teamsters Local 320 in Miami, in dem Santos Trafficante ein Büro bezieht. Im Jahr darauf

übernehmen die Teamster die Kontrolle der Miami National Bank. Der gewalttätige McMaster ist

auch der Verbindungsmann zu Genoveses Mafiafamilie in New York. Genoveses Capo Anthony

Provenzano ist der Chef des New Jersey Local 560 und wird 1959 zum Präsidenten des 100'000

Mitglieder zählenden New Jersey Joint Council 73 gewählt, womit er 10% aller Teamsters

kontrolliert. "Tony Pro" bekämpft in erster Linie Gewerkschaftsreformer, von den viele umgebracht

werden. Hoffa macht ihn zum Vizepräsidenten der International Teamsters. Hoffas Macht wird von

der McCIellan-Kommission als gefährlich für das ganze Land eingeschätzt.

Insgesamt arbeiten über 100 Anwälte an dieser Untersuchung mit, 1500 Zeugen werden befragt in

über 500 öffentlichen Hearings, die 20'432 Protokollseiten füllen. Während den Untersuchungen in

den verschiedenen Städten befreundet sich RFK mit Polizeichef William Parker und Captain James

Hamilton, in dessen LAPD Intelligence Division er sein Büro in Los Angeles einrichtet. Eisenhower

unterstützt die McCIellan-Kommission nicht, aber er behindert sie wenigstens nicht, wie das bei der

Kefauver-Untersuchung durch Roosevelt der Fall war. Hoffa versucht, den Anwalt John Cheasty

als Spion in der Kommission zu kaufen, der in Absprache mit Bobby beschliesst, als Doppelagent

zu funktionieren. Hoffa übergibt Cheasty $200'000 unter FBI-Beobachtung, und trotzdem verliert

RFK den Bestechungsprozess gegen Hoffas Anwalt Edward Bennett Williams. RFK will seine

Niederlage rächen und erklärt "diesen Hurensohn Jimmy Hoffa" zum wichtigsten Feind, als er das

Justizministerium übernimmt.

Mafiabosse wie Carlos Marcello und Sam Giancana, die mit Hoffa zuammenarbeiten, werden von

der McCIellan-Kommission befragt. Anwalt Aaron Kohn informiert RFK ausführlich über seine

Untersuchungsergebnisse über Marcello und sagt vor dem Ausschuss auch gegen ihn aus. Beim

Verhör am 24.3.59 verweigert Marcello die Aussage auf alle Fragen von RFK und der Senatoren.

Giancana benutzt vor dem McCIellan-Ausschuss 34 Mal den 5. Zusatzartikel. Robert Kennedy

macht ihn während des Verhörs lächerlich, was in der Presse Aufmerksamkeit erregt. Trotz den

Ermittlungen seiner Söhne lässt Joe Kennedy über Murray Humphreys Giancana mitteilen, er habe

die Situation im Griff. JFK sagt einmal während der Hearings: "Wir haben nur eine Regel hier:

Wenn sie Gauner sind, verwunden wir sie nicht, wir bringen sie um." Und RFK meint: "Wenn wir

das Organisierte Verbrechen nicht auf nationaler Ebene mit ihnen ebenbürtigen Waffen und

Techniken angreifen, werden sie uns zerstören." Giancana fühlt sich von Joe Kennedy verraten,

obwohl dieser sagt, es handle sich nur um ein politisches Spiel, was Humphreys und Sinatra

offenbar glauben.

Zudem hat Giancana andere Schwierigkeiten: Leon Marcus, ein korrupter Bankier, wird am 31 .3.57

wegen Veruntreuung von Geldern seiner Southmoor-Bank in Chicago angeklagt. Um einen

Freispruch zu erzwingen, will er Giancana mithilfe kompromittierender Dokumente mithineinziehen

und erpressen. Sal Moretti, ehemaliger Polizist und Soldat von Lieutnant Willie Patate, soll Marcus

erschiessen und die belastenden Unterlagen entwenden. Er macht jedoch den Fehler, die

belastende Quittung über eine Zahlung von $100'000 im Zusammenhang mit dem Motel

Thunderbolt zu vergessen. Willie Patate foltert Moretti daraufhin grausamst zu Tode, was jedoch

trotz der Publizität nicht zu einer Anklage führt. Giancana wird daraufhin aber wegen 67

Glückspielvergehen im Wagon Wheel angeklagt, die ins Jahr 1951 zurückgehen.

Giancana kauft 1958 mit Geldern der Pensions- und Gewerkschaftskassen der Teamsters das

Stardust auf. Gus Greenbaum, der von den $15 Mio. Gewinn des Flamingos in Las Vegas $9 Mio.

für sich abzweigt, um zu spielen, und seine Frau werden im Dezember 1958 auf Befehl Giancanas

und Lanskys zu Tode gefoltert. Las Vegas ist eine der einträglichsten Quellen geworden und bleibt

es bis Ende der 70er Jahre. Insgesamt verdient Giancana $4 Mio. monatlich, steuerfrei.

Murray Chotiner, der für Earl Warren und Richard Nixon arbeitet, muss wegen seiner Mafiaklienten

aussagen. Er verteidigte zusammen mit seinem Bruder Jack 249 Mafialeute vor Gericht, was

Richard Nixon nicht hindern wird, ihn zu seinem Spezialberater zu ernennen. Carmine Bellino

deckte 1956 einen Korruptionsfall bei Uniform-Aufträgen auf, in den Chotiner verwickelt ist. Dieser

versucht alles, um nicht vor dem Komitee aussagen zu müssen, und wird schliesslich von Joe

McCarthy gedeckt. Auch Jack Ruby hätte eigentlich vor dem Kongress aussagen sollen, aber

Vizepräsident Nixon kann dies verhindern, indem er gegenüber dem FBI aussagt, Ruby arbeite für

ihn unter seinem richtigen Namen. Laut neuen FBI-Dokumenten arbeitete Ruby seit 1947 als "spy

& hit man" tatsächlich für Nixon. Ruby wird in einem FBI-Bericht von 1956 im Zusammenhang mit

Drogenschmuggel zwischen Mexico, Texas und dem Osten erwähnt. Ruby schmuggelt Drogen mit

James Breen, lebt von Zuhälterei und Glückspielen, die er mit Harry Hall betreibt. Ruby ist mit

mehreren Polizisten wie Leutnant Ellis Joseph und sogar mit Dallas-Polizeichef Jesse Curry

befreundet. Bis 1958 haben die Mobster von Dallas die American Guild of Variety Artists (AGVA),

die neben den Schauspielern auch die Stripperinnen vertritt, unter ihrer Kontrolle, um zu

verhindern, dass es erneut zu Verurteilungen wie der von Rubys Geschäftspartner Joe Bonds 1954

wegen "Weisser Sklaverei" kommt. James Henry Dolan, ein Vertrauter von Marcello, Pecora, Ruby

und Tafficante, wird an die Spitze der AGVA gesetzt.

Quellen : Giancana: 227-229,238-240,273, Davis (1988): 81-86,406, (1994): 110, Marrs: 171f, NZZ

Folio Nr.9/1991 : 15, Weberman (27): Uff, Hersh: 134, Scott (1993): 233, Pease (1995), Sylwester:

3-7, Kangas: 3, Best: 11-14,41, Groden/Livingstone: 31 7f, Summers (2000): 51 ff, Collier/Horowitz:

269-293, Anson: 314-321, Carey/Olgiatti.

1957 Mafiakrieg in New York top

Albert Anastasia, seit 1951 Chef der Mangano-Familie, wird im Coiffeursalon des Sheraton Hotel

am 25.10.57 auf Befehl von Joseph Profaci erschossen. Anastasia war der reichste der Bosse New

Yorks, wobei seine Geldgier und der völlig unnötige, durch Frederico Tenuto ausgeführte Mord an

Arnold Schuster die anderen Bosse glauben Hess, Anastasia verliere den Verstand. Schusters

Aussagen führten zur Verhaftung des Bankräubers Willie Sutton, worauf Schuster von den

Zeitungen zu einem Helden stilisiert wurde. Anastasia setzte sich im Zusammenhang mit dem

neuen Havanna Hilton auch in Konkurrenz zu Lansky und bot Trafficante an, mit ihm Lanskys

Geschäfte zu übernehmen. Zudem kursierten Gerüchte, Anastasia verkaufe die Mitgliedschaft zur

Cosa Nostra für jeweils $50'000.

1956 wurde Anastasias Unterboss Joe Adonis vom INS nach Italien abgeschoben. Kurz danach

berief Vito Genovese ein Meeting der Kommission ein und erklärte, Frank Costello müsse

neutralisiert werden. Genovese begann nach der Freilassung Costellos aus dem Gefängnis am

29.10.53 gegen den Anastasia-Verbündeten zu plotten, indem er Costellos Publizität kritisierte.

Costello wurde aus der Kommission ausgeschlossen, wonach ihm Meyer Lansky als

Entschädigung ein Teil des Tropicana Casinos abtrat. Während Costello im Gefängnis sass,

ermittelten die Behörden weiter gegen ihn und konnten wegen einer Zahlung von $4888 seiner

Frau einen neuen Prozess wegen Vertuschung seines Einkommens gegen ihn aufziehen, weshalb

er zu weiteren fünf Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Da der Anwalt Edward Bennett Williams

beweisen kann, dass die Verurteilung nur durch illegale Abhörung erreicht werden konnte, wird

Costello 1957 wieder auf freien Fuss gesetzt. Costello führt daraufhin trotz seinem Ausschluss

seine Geschäfte weiter, weshalb Genovese ohne Warnung zuschlägt: Der Schütze Vincent

Gigante verletzt ihn am 2.5.57 aber lediglich und lässt sich zudem von der Polizei erwischen. Da

Costello aussagt, er habe Gigante noch nie gesehen, kommt dieser allerdings wieder frei. Die

Polizei entdeckt bei Costello $800 Bargeld und eine Quittung von $651'254, die Einnahmen des

Casinos Tropicana in Las Vegas vom 27. April, wofür er zu weiteren vier Jahren Zuchthaus

verurteilt wird. Anastasia verbarrikadiert sich danach in seinem Landhaus, worauf sein Underboss

Frank Scalise von Jimmy Squillante erschossen wird.

Anastasia erklärt daraufhin, er werde die Schüsse auf Costello und Scalise rächen. Genovese

kann Carlo Gambino, den verbleibenden Leutnant von Anastasia, nun überzeugen, dass Anastasia

für die Mafia gefährlich werde. Genovese versichert Gambino seine Unterstützung in der

Kommission, worauf dieser Joe Profaci einschaltet. Dieser gibt den Kontrakt an die wildesten

seiner Killer weiter: die Brüder Crazy Joe, Louie und Kid the Blast Gallo, die Anastasia umbringen,

nachdem dieser noch am Vortag mit Trafficante gegessen hat, um über die vermeintliche

Übernahme eines Casino zu diskutieren.

Nahezu 100 Mafiosi und Verbündete aus 15 Staaten treffen sich am 14.10.57 auf Einladung von

Vito Genovese auf dem Landgut von Joseph Barbera bei Apalachin. Angeblich wollte Genovese

das Treffen zuerst in Chicago durchführen, ging dann aber auf den Vorschlag des Mafiabosses von

Buffalo, Stefano Magaddino, ein. Die Mobster trafen sich seit 1931 alle 5 Jahre, das letzte Mal

1956 ebenfalls bei Barbera, wo Joe Zerilli und Angelo Bruno in die Kommission aufgenommen

wurden, die aus 9 Mitgliedern besteht. Aber die auftretenden Probleme erfordern eine

vorgezogenes Treffen: Die Bosse wollen die Rivalitäten in den New Yorker Familien, die nach 20

stabilen Jahren auftraten, beenden und verlangen eine Erklärung für die Attentate gegen Costello,

Scalise und Anastasia. Der 2. Punkt betrifft die Mitgliedschaftsbedingungen: Die von Anastasia

eingekauften Mitglieder sollen wieder ausgeschlossen werden. 3. Einige Mafiabosse wollen nicht

ins Drogengeschäft einsteigen, das sie als unmoralisch oder als zu gefährlich beurteilen. Am

1 .7.57 wurde der Narcotic Control Act in Kraft gesetzt, der Drogenhandel zu einem

Bundesvergehen macht, was die Strafverfolgung vereinfacht. Als 4. Punkt stehen

Gewerkschaftsprobleme in New York und Pennsylvania auf der Traktandenliste. Der 5. und für Vito

Genovese wichtigste Punkt ist, sich zum Boss der Bosse krönen zu lassen.

Aus New York kommen Vito Genovese, Tommy Lucchese, Joe Bonanno, Carmine Galante,

Joseph Magliocco, Carlo Gambino, Carmine Lombardozzi, Joseph Profaci und John Bonaventre.

Aus New Jersey sind Gerardo Catena, Joseph Ida und Frank Majuri dabei. Frank de Simone aus

Kalifornien, Joseph Civello aus Dallas, James Colletti aus Colorado, John Scalish aus Cleveland,

John Montana aus Buffalo, Santo Trafficante jr. aus Havanna, Anthony Magaddino aus Niagara

Falls, Russell Bufalino aus Pittston (Pennsylvania), der Bruder des Bosses von New Orleans,

Joseph Marcello, und Sam Giancana aus Chicago sind ebenfalls dabei. Von den

Konferenzteilnehmern haben 22 mit Gewerkschaften zu tun. Dazu gehören James La Duca, der

Chef der Hotel- und Restaurant-Gewerkschaft in Buffalo, John Scalish und Louis "Babe" Triscaro

von den Teamsters und 4 Vertreter der New Yorker Bauarbeitergewerkschaft.

Der 5. Punkt kann wegen dem Erscheinen der Polizei nicht mehr in Angriff genommen werden.

Laut Barbera reduzierte er kurz zuvor seine Schmiergeldzahlungen, weil ihm die Polizei zu gierig

geworden sei, weshalb sie ihm Ärger machen wollen. Laut Sergent Edgar D. Crosswell, der den

Einsatz leitet, wird das Mafiatreffen entdeckt, weil Joseph Barbera jr. in einem lokalen Motel

Reservationen für unbekannte Gäste machte, was er zufällig hörte. Zudem seien die vielen

schwarzen Limousinen mit ausserstaatlichen Nummerschildern aufgefallen.

Die Polizisten schreiben die Autonummern auf und errichten eine Strassensperre, um die Besucher

zu überprüfen. 58 der Flüchtenden, die zusammen $300'000 Bargeld auf sich tragen, identifiziert

werden. Sam Giancana und Carmine "the Cigar" Galante können durch den Wald entkommen.

Interessanterweise fehlen Carlos Marcello, Frank Costello und Meyer Lansky am Treffen, und

Giancana und Galante laufen nicht in die Falle. Vermutlich hat Costello, den Genovese

umzubringen versucht hatte, mit einem Tip an die New York State Police die Machtübernahme

Genovese sabotiert, wenn auch zum hohen Preis, dass das Meeting die Aufmerksamkeit von

Justizdepartement und Öffentlichkeit auf sich zieht.

Gleich nach dem dem Fiasko beruft Vito Genovese ein Meeting der New Yorker Familien ein, um

die hängigen Punkte zu bereinigen: Der Drogenhandel wird wegen dem neuen Narcotics Control

Act verboten. Jedes Mitglied, das beim Drogenhandel erwischt wird, soll sofort umgebracht

werden. Die neuen Mitglieder, die für ihre Initiation bezahlt haben, werden ausgeschlossen.

Bedrohen unabhängige Gewerkschaften die Interessen der kontrollierten Arbeiter, werden die

Führer gewarnt und bei Nichtreagieren exekutiert. Carlo Gambino wird von Genovese zum neuen

Oberhaupt der Mangano-Familie gekrönt und in die Kommission aufgenomen. Don Carlo ernennt

Joe Biondo, sein Bruder Paul Gambino und sein Cousin Paul Castellano zu seinen Underbossen

und Joe Riccobono zu seinem Berater. Gambino lässt die Anastasia-Loyalen "Johnny Roberts"

Robilotto und Armand "Tommy" Rava erschiessen und beginnt, seinen Förderer zu ruinen.

Obwohl Genovese den Drogenhandel verboten hat, nimmt er sich selbst von diesem Verbot aus.

Gambino, Giancana und Lansky beschliessen, den machthungrigen Genovese damit

auszuschalten. Gambino offeriert dem puerto-ricanischen Kriminellen Nelson Cantellops, der für

Giancana und Lansky arbeitete und wegen Drogenhandels im Gefängnis von Sing Sing sitzt,

$100'000 für seine Aussagen gegen Genovese. Das FBN von New York lässt sich darauf ein,

Cantellops die Reststrafe zu erlassen, wenn dieser vor Gericht aussagt. Genovese und 24 seiner

Leute, darunter Carmine Galante und Joseph Valachi, werden 1958 wegen Verstössen gegen das

neue Drogengesetz verhaftet. Aufgrund der Aussagen des Starzeugen Cantellops über grosse

Drogendeals werden alle Angeklagten verurteilt. Genovese, zu 15 Jahren Gefängnis verdonnert,

stirbt 10 Jahre später in Haft. Galante landet im Lewisberg Penitentiary in gleichen Zellenblock wie

Jimmy Hoffa, wo er Vincente Teresa verspricht, er werde Carlo Gambino mitten auf den Times

Square scheissen lassen.

Das Apalachin-Treffen der Mafia beweist dem McCIellan-Ausschuss, dass ein nationales

Verbrecher-Syndikat existiert. Diese Bestätigung ist für J. Edgar Hoover äusserst peinlich, hat er

doch immer behauptet, es gebe keine interstaatlich tätige Mafia, und sich über Kefauver, Kennedy

und McCIellan lustig gemacht. Da es offensichtlich nicht nur lokal aktive Gangster gibt, kann er die

Zuständigkeit des FBI nicht mehr bestreiten. Am 27.1 1 .57 startet er das Programm TOP

HOODLUM gegen das organisierte Verbrechen und benutzt den Begriff LCN (La Cosa Nostra von

Maranzano), um den Eindruck zu erwecken, er sei besser informiert als alle anderen. LCN tönt weit

weniger gefährlich als "Organisiertes Verbrechen" oder "Mafia". Die Mobster bezeichnen ihre

Organisation oft anders: "the Office" in New England, "the Arm" in Buffalo oder "the Outfit" in

Chicago.

Während zwei Jahren sammelt das FBI nun Informationen über das organisierte Verbrechen. Der

von Vizedirektor William Sullivan und seinem Assistenten Charles Peck geschriebene Report wird

in 25 nummerierten Exemplaren gedruckt und an Spitzenbeamte verteilt. Nachdem Hoover sein

Exemplar gelesen hat, ordnet er den Rückzug aller Kopien an und lässt sie vernichten. Zudem

behindert er massiv die Arbeit der Special Group on Organized Crime, geleitet von Richard Ogilvie

und Milton Wessel, welche auf Initiative Eisenhowers als Reaktion auf das Apalachin-Treffen

gebildet wird. Schliesslich werden 27 Teilnehmer des Treffens wegen Behinderung der Justiz

angeklagt und 20 verurteilt.

Quellen : Meurice, Davis (1994): 70-96, Delorme: 63-68,1 17f,1 47-1 53, Giancana: 244-247, Best: 8f,

Summers (1993): 246f, Cran, Holenstein: 53, Bartholomew: 59.

1957 Lewis Rosenstiel top

Louis B. Nichols wechselt vom FBI zu Lewis Solon Rosenstiel, Costello-Verbündeter aus dem

Alkoholgeschäft mit Beziehungen zu Meyer Lansky, Angelo Bruno und Hoover, der ab und zu in

Rosenstiels Flugzeug fliegt. Rosenstiel kaufte 25'000 Exemplare von Hoovers Buch "Masters of

Deceit" und verschenkte sie an Schulen, zahlt in den 60er Jahren mehr als $1 Mio. an die J. Edgar

Hoover Foundation, zu der auch nahmhafte Mafiosi beisteuern, und begleicht Hoovers

Wetteinsätze an Pferderennen. Als Gegenleistung hilft Hoover bei verhafteten Verbündeten.

Rosenstiel entwickelt sich zum wichtigsten Verbindungsmann zwischen Hoover und Lansky.

Rosenstiel ist bisexuell und hat ein Verhältnis mit Roy Cohn, dem ehemaligen Assistenten Joe

McCarthys. Die beiden organisieren seit 1 948 Sexparties für Hoover, der sich als Frau verkleidet

mit jungen Männern im Plaza Hotel oder in Rosenstiels Haus, in dem Zimmer abgehört werden

können, trifft.

Mithilfe von Nichols und Cohn schmiert Rosenstiel Lyndon Johnson und den Vorsitzenden der

Justizkommission Emanuel Celler und macht Druck auf den Kongress, der daraufhin die geplante

Steuer auf gelagerten Alkohol aufhebt. Vermutlich hätte er ohne diese Einsparung von $40-50 Mio.

Konkurs gemacht. Rosenstiel finanziert ebenfalls Alfred Kohlbergs American Jewish League

Against Communism.

Johnson ist ein gemeinsamer Freund von Edwin Weisl, dem Rechtsberater des Senate Space

Committee, und von General John B. Medaris, dem Chef des Army Space Programms. Medaris

arbeitet mit Wernher von Braun und gehört mit Roy Cohn und Mafiaboss Joe Bonanno zur Spitze

der Lionel Corporation, die 90% ihres Umsatzes mit Elektronik für Raumfahrt und Rüstung macht.

Medaris ist zudem Direktor einer Bodenspekulationsfirma von Bobby Baker und George Smathers.

Von Braun wird nach dem Sputnick-Schock zu einem Rocket-Star der Technokraten, wozu ein Film

gedreht wird, der seine Nazivergangenheit und das V2-Raketenprogramm auf sein

Technikinteresse reduziert. Bonanno ist während Jahren ein persönlicher Informant Hoovers und

arbeitet eng mit Louis Mortimer Bloomfield und der Bank of World Commerce zusammen. Die

BWC gehört der Allied Empire, den Gamblern Irving Devine, Clifford Jones, Edward Levinson, M.A.

Riddle, B.E. Seigelbaum, der Sav-Way Investment Company und dem Präsidenten John Pullman.

Devine, Seigelbaum und Pullman arbeiten mit dem Schweizer Sylvain Ferdmann, um Gelder für

Meyer Lanksy zu waschen, unter anderem bei der Schweizerischen Kreditanstalt (heute CS).

Ferdmann gründet die Atlas Bank auf den Bahamas für die SKAndalbank.

Quellen : Summers (1993): 247-259, Scott (1993): 211, Cran, Torbitt: 10-13, Hübner/Sperling.

1958 Präsidentschaftskampagnen top

Seit zwei Jahren arbeitet Joe Kennedy daran, die Präsidentschaftskampagne von Jack

vorzubereiten, indem er alte Kontakte des Roosevelt -Wahlkampfs von 1932 reaktivierte und viele

wichtige Demokraten einzeln auf seine Seite brachte. John Kennedy wurde mit 73,6% der Stimmen

als Senator wiedergewählt, mithilfe von Mafia-Leuten, die andere Kandidaten einschleuste. Mit

diesem Ergebnis ist JFK eindeutiger Präsidentschaftskandidat, und Frank Sinatra ist das wichtigste

Bindeglied der Mafia zur Unterstützung der Wiederwahl. Zahlreiche Journalisten werden von Joe

angeheuert, um Artikel und Bücher über die Kennedys zu schreiben. Kennedy selbst lässt

Tausende von Exemplaren des Buches "Profiles in Courage" von 1956 kaufen, um es auf der

Bestsellerliste zu halten. Joe gibt Millionen für Jack aus, dem ein schwieriger Kampf bevorsteht: er

ist zu jung, katholisch, und die Reputation des Vaters schadet ihm, obwohl Joe sich nicht mehr in

der Öffentlichkeit zeigt.

Bei seinen Privatbesuchen in Havanna bekommt Jack Schwierigkeiten, weil er, neben den

Bordellbesuchen, mit der Frau des italienischen Botschafters eine Affäre hat, weshalb der

kubanische Geheimdienst einschreitet. Er hat auch eine Affäre mit seiner Sekretärin Pamela

Turnure, die in der Wohnung oberhalb ihrer Vermieterin Florence M. Kater wohnt. Kater ist entsetzt

über die nächtlichen Besuche und beginnt, gegen den unmoralischen Senator zu kämpfen. Obwohl

Pamela in der Nähe eine neue Wohnung nimmt, photographiert ihn Kater beim Verlassen des

Hauses nachts um drei und schickt das Photo mit Begleitschreiben an 50 prominente Verleger,

Kolumnisten und Politiker in Washington und New York. Auch das FBI bekommt ein Exemplar,

worauf Hoover die Beziehung überwachen lässt. Der ehemalige Staatsanwalt James Mclnerney

versucht Kater zu überzeugen, dass sie ihre Aktionen einstellen soll und droht, ihr Mann werde

seine Stelle verlieren. Angeblich hätte sie das getan, wenn die Familie bereit gewesen wäre, ihr ein

Bild von Amedeo Modigliani zu kaufen. Als die Nomination erfolgt, verstärkt Kater ihre Mission, und

JFK ist sich kaum bewusst, mit wieviel Glück er einem Skandal entkommt. JFK verlässt sich auf

seine Fähigkeit, in der Öffentlichkeit ein gutes Bild von sich abgeben können. Er betreibt eine

Strategie des permanenten Wahlkampfes, weshalb die ersten Worte von Tochter Caroline

"Flugzeug", "Auf Wiedersehen" und die Namen der wichtigsten Bundesstaaten der Vorwahlen sind.

Auch Richard Nixon will sich für die Präsidentschaftswahlen profilieren und unternimmt eine

Lateinamerikatour, die ihn fast das Leben kostet. In Uruguay wird er als Kriegstreiber, Imperialist

und Diktatorenfreund beschimpft, in Peru wird er mit Steinen beworfen, und in Venezuela kann die

Armee nur knapp verhindern, dass sein durch eine Blockade gestoppte Wagen umgeworfen und

angezündet wird. Der alamierte Eisenhower schickt mit der Operation POOR RICHARD 1000

Marines, Fallschirmspringer, sechs Zerstörer, ein Kreuzer und ein Flugzeug nach Venezuela, die

dann aber nicht benötigt werden. CIA-Stationschef Jacob Esterline hatte dem Vizepräsidenten

dringend von diesem Besuch abgeraten. In den USA stellt sich Nixon als unerschrockener Kämpfer

gegen die lateinamerikanischen Kommunisten dar.

Quellen : Hersh: 107, Posener: 78f, Fox: 331, Davis (1984): 185f, Gregory/Speriglio: 264, Best: 19,

Summers (1993): 305, (2000): 166-171, Collier/Horowitz: 283-293, Cran, Lewens/Wall.

1958 US-Interventionen top

In über 40 Ländern stellen die US-Geheimdienste paramilitärische Streitkräfte auf, allerdings nicht

immer erfolgreich. Bis Mitte der 70er Jahre werden Waffen und Munition für $152 Mio. an Guerillas

abgegeben, die nie einen Schuss abgeben. Es gibt manchen Fehlschlag wie in Südjemen, wo die

CIA 1974 die progressive Regierung mit dem Aufbau einer Rebellenarmee in Saudi Arabien

bekämpfen will.

In Indonesien organisiert die CIA auf Initiative von Frank Wisner und Nixon 1958 von Singapur aus

die paramilitärische Unterstützung für 42'000 Rebellen auf den Philippinen für den Aufstand in

Indonesien, da Achmed Sukarno den Kommunisten einen wachsenden Einfluss einräumt und sich

China annähert. Das Material wird mit der Civil Air Transport nach Indonesien gebracht. Selbst

schwere B-26 Bomber der CAT mit Besatzung und Panzer werden den Rebellen für den Aufstand

zur Verfügung gestellt. Nachdem eine Kirche bombardiert und der CIA-Pilot verhaftet wird, stoppt

Dulles den Einsatz der CAT. Obwohl sofort Waffen im Wert von $1 Mio. und 18 Tonnen Reis

Auslandhilfe als Entschädigung nach Indonesien geschickt werden, bleibt der Pilot vier Jahre lang

in Gefangenschaft. Der Aufstand wird nach vier Monaten niedergeschlagen, und die Regierung gibt

die Zahl der Opfer mit 3000 an.

Daraufhin soll Sukarno erpresst werden. Robert Maheu will die Schwäche des indonesischen

Präsidenten für Frauen ausnützen, wozu Johnny Roselli Marilyn Monroe engagiert. Im Januar und

im Juni 1959 kommt es zu Treffen, ebenso im April 1961, als Sukarno Los Angeles besucht.

Marilyn macht bei der Köderung Sukarnos freiwillig mit, weil ihr der Kontakt mit den Mächtigen der

Welt schmeichelt. Im September 1959 organisiert Frank Sinatra, der als Zermonienmeister der Fox

fungierte, eine Einladung Marilyns zu einem Dinner mit Nikita Chruschtschow, mit derselben

Absicht. Aber MM beschreibt den sowjetischen Machthaber als fetten, hässlichen und knurrenden

Mann mit Warzen im Gesicht und ist froh, ihn nicht küssen zu müssen.

Um Sukarno weiter unter Druck setzen zu können, lässt die CIA den Pornofilm Happy Days mit

einem Schauspieler drehen, der ihm ähnlich sieht. Maheu ist Make-up- und Kameramann und

Direktor des Filmes, der Sukarno im Bett mit einer blonden KGB-Spionin zeigen soll. Erst im

Oktober 1965 gelingt der Putsch gegen Sukarno durch Hadji Mohamed Suharto, dem ein

Massaker an einer halbe Million Kommunisten folgt.

Die CIA unterstützt in einigen asiatischen Ländern Oppositionsbewegungen wie die Khmer Serei in

Kambodscha gegen Norodom Sihanouk, den die CIA 1959 zu ermorden versucht. Hinter der

Entschlossenheit der USA, die "Unabhängigkeit" der Staaten in Indochina zu wahren, steht der

langfristige Plan, eine Eindämmungspolitik gegen das kommunistische China zu entfalten. In China

wie in der Sowjetunion bleiben Infiltrationsversuche praktisch immer erfolglos, so dass die CIA sich

auf Dissidenteninformationen verlassen muss.

Die CIA organisiert die Rebellion in Tibet, das 1949 von den chinesischen Truppen besetzt und

1951 in den chinesischen Staatsverband eingegliedert wurde. Obwohl China 1956 einen

Ausschuss unter Vorsitz des Dalai Lama und seinem Stellvertreter Pantschen Lama zur

Vorbereitung einer autonomen Verwaltung einsetzte, unterstützte die CIA den bewaffneten

Widerstand des Khamba-Stammes, und es gelang ihr, einen Aufstand zu organisieren, der von

Flugzeugen der Civil Air Tansport unterstützt wird. Der Aufstand wird niedergeschlagen, was im

März 1959 zur Flucht des Dalai Lama und 70'000 Tibetanern führt. Von 1957 bis 1960 werden

16'000 Krieger des Khampa-Stammes von der CIA ausgebildet, davon 2000 in den USA, die bis

1974 Vorstösse aus den umliegenden Ländern nach Tibet hinein unternehmen, manchmal

unterstützt von CIA-Söldnern und Flugzeugen. Der Codeame des Programms, das für die USA im

wesentlichen eine Störaktion Chinas ist und nicht die Unabhängigkeit Tibets anstrebt, lautet ST/

CIRCUS. Ab 1960 baut die CIA eine Tibeterarmee in Mustang auf, die bis 1969 unterstützt wird.

Zur Absicherung dieser Aktionen übernimmt die CIA ab 1962 auch die Ausbildung der indischen

Grenzpolizei. Verteidigungsminister Tom Gates arbeitet mit Dulles, der Tibet anfänglich mit Ungarn

verwechselt, am Projekt mit. Der Verbindungsagent der CIA zum Pentagon von 1950 bis 1971 ist

Frank Hand, der eine zentrale Rolle spielt, weil der Zugang zum Pentagon eine der

entscheidenden Machtfragen ist. Am 9.9.65 wird Tibet zur autonomen Region Chinas erklärt, aber

die Bemühungen der chinesischen Führung um Konsens mit dem Dalai Lama wechseln seitdem

mit Phasen brutaler Unterdrückung der Tibetaner bis hin zur Zerstörung der Klöster.

Amerikanische und englische Marineinfanteristen landen am 15.7.58 im Libanon und in Jordanien,

begleitet von einer grossen US-Kriegsflotte vor Beirut. Gründe für die Landung sind der Putsch im

Irak vom 14.7., wobei der prowestliche Nuri as-Said ermordet wird, und der Bürgerkrieg im

Libanon, der die Herrschaft von Staatspräsident C. Chamoun gefährdet. Chamoun hatte mit

Unterstützung der CIA ein Jahr zuvor die Wahlen verschoben, um seine Macht zu sichern, wobei

er die Opposition aus dem Parlament ausschloss. Die von Chamoun erlassenen Gesetze führten

am 12.5.58 zu einem bewaffneten Aufstand in Beirut und stürzten das Land in einen Bürgerkrieg.

Chamoun appellierte an die USA, "das Land" zu schützen, wogegen verschiedene

Rebellenorganisationen ihren Widerstand aufnahmen. Die Truppen in Jordanien sollen den von

Nasser geplanten Zusammenschluss Ägyptens und Syriens zur Vereinigten Arabischen Republik

verhindern.

Im Irak übernimmt General Abdul Kahm Kassem in einem blutigen Putsch die Macht, was die USA

zuerst durch eine militärische Intervention verhindern wollen. Da die USA keine Verbündeten im

Land haben, müssen sie diesen Plan fallenlassen. Kassem schafft die Monarchie ab, nimmt die

diplomatischen Beziehungen zur Sowjetunion wieder auf, hebt das Verbot der Kommunistischen

Partei auf und unterdrückt prowestliche Parteien. 1959 verlässt der Irak den Bagdad-Pakt

(CENTO), das ungerechte Verteidigungsabkommen zur Sicherung des Öls zwischen der Türkei,

dem Irak, Grossbritannien, Persien, Pakistan und den USA aus dem Jahr 1955.

Die CIA versucht daraufhin, Kassem von aussen zu neutralisieren. Ein vergiftetes Taschentuch

wird ihm von der CIA-Station in New Dehli zugeschickt, ohne dass man erfährt, wer das Glück hat,

das Paket zu öffnen. Die CIA engagiert Killer, zu denen auch Saddam Hussein gehört, um Kassem

auf offener Strasse ermorden zu lassen. Nach dem Misserfolg kann Saddam nach Kairo ins Exil

fliehen, wo er der Führer der Baath-Studentengruppe wird und regelmässig mit der CIA in Kontakt

ist. Nicht ohne Grund kursiert in der arabischen Welt das Gerücht, Saddam sei ein CIA-Agent. Laut

James Akins, der zwischen 1961 und 1965 politischer Barater an der US-Botschaft in Bagdad ist,

lassen die USA den Baathisten viel Geld un Waffen zukommen. Kassem wird am 8.2.63 durch ein

Überfallkommando in Bagdad exekutiert, nachdem er kurz zuvor die Gründung einer nationalen

Ölgesellschaft verkündet hat und ihm das US-State Departement mit Sanktionen gedroht hat, falls

er seine Pläne nicht ändere. Interessanterweise kommt die erste Erklärung der neuen Regierung,

dass sie an einer Verstaatlichung der Erdölindustrie nicht interessiert sei, nicht aus Bagdad,

sondern aus Washington.

Der neue Staatspräsident Abdul Salem Aref, der mithilfe der CIA die Macht übernimmt, verzichtet

auf die Ansprüche Iraks auf Kuweit. Nach dem Putsch setzt eine Welle der Verfolgung gegen

Kommunisten und Demokraten ein. Die CIA übergibt den Kommandos der Baath-Partei Listen mit

verdächtigen Kommunisten, worauf mindestens 800 Personen umgebracht werden. Saddam kehrt

sofort aus dem Exil zurück und leitet die Folterungen und Ermordungen. Die Gefangenen werden

mit Wasser vollgepumpt und mit Stromschlägen bearbeitet, und man bricht ihnen die Knochen.

Zum gemensamen Feind gehören auch die Kurden, weshalb die USA der irakischen Armee

kostenlos 5000 Bomben, davon 1000 Napalmbomben, liefern, um kurdische Dörfer

niederzubrennen.

Innerhalb der Baath-Partei erlangt der fanatische Antikommunist Saddam Hussein, ein Bewunderer

von Adolf Hitler, eine dominierende Position. Eine Erhebung gegen den nun regierenden Bruder

Abdul Rahman Aref am 17.7.68 bringt den rechten Flügel der Baath-Partei von Sajid Hasan an die

Macht, der den Kurden 1970 eine gewisse Autonomie zugesteht. Saddam Hussein orientiert sich

nun an Josef Stalins Machtssystem, weshalb die CIA nun die Freiheitspartei von Mulla Mustafa al

Barzani mit Geld und Waffen unterstützt. Nachdem sich die Baath-Partei und die KP 1973 zur

Nationalen Fortschrittsfront zusammenschliessen und die ausländischen Ölgesellschaften zu

verstaatlichen beginnen, heizt die CIA den Kurdenkonflikt erneut an, um das irakische Regime zu

schwächen. $16 Mio. werden ausgegeben, aber der Aufstand bricht zusammen und

Hunderttausende müssen fliehen.

Quellen : Hersh: 434f, Horowitz: 176-179,402, Schulz:1 73,331, Sarin/Sonam, Gremliza (1978b),

Kilian (1998), Paringaux: 22f, CIA-Info: 14f, Brandt, Best: 31, Prouty (1973): 378f, (1975), Dean,

Werning, Bourrier, Ali (2002), Jabar, Gresh (2003), Despratx/Lando.

1959 Kubanische Revolution top.

Fidel Ruiz Castro übernimmt am Neujahrstag die Macht in Kuba, nachdem Batista panikartig und

unerwartet mit einem Flugzeug voller Koffern mit Geld in die Dominikanische Republik geflohen ist.

Castro studierte Recht in Havanna und galt immer als Rebell, der in zahlreiche Schiessereien

verwickelt war. 1950 trat er der radikalen, aber antikommunistischen Ortodoxo-Partei bei und

kandidierte 1952 für das Abgeordnetenhaus. Die guten Chancen der Partei wurden durch den

Militärputsch Batistas zunichte gemacht. Am 26.7.53 griff Castro mit 131 Männern die Moncada

Festung in Santiago de Cuba an und landete im Gefängnis. Nach seiner Freilassung 1955 setzte

er sich nach Mexico ab und baute mit Ernesto Guevara eine Guerillatruppe auf. Im November

kehren die 38 Männer auf der Granma zurück, wobei die meisten verhaftet werden. Castro, sein

Bruder Raul und Che Guevara konnten sich in die Berge durchschlagen und eine neue Guerilla

aufbauen. Dank einem Interview in der New York Times wurde Castro international bekannt, und

ab 1957 erhielt die wachsende Armee grössere Waffenlieferungen.

In Miami lernte Frank Sturgis 1956 Fidel Castro und den ehemaligen kubanischen Präsidenten

Carlos Prio Socarras kennen, der Castro unterstützt, weil dieser ihm die erneute Präsidentschaft

nach dem Sturz Batistas verspricht. In Houston trafen sich Castro und Prio mit John DeMenil von

der Schlumberger-Waffenschmiede, ebenfalls um Waffen zu erhalten. 1956 wurde Sturgis

zusammen mit Jose Martinez Machados, Enio Leyva Fuentes, Manuel Carbowell Duque, Orlando

Ventura Reyes, Pedro Luis Diaz Lanz, Manuel Hernadez Turro, Gustavo Arcos Dercles, Jose

Alberto Mendez, Isaldo E. Rodriguez Lopez, Armando Franco Maynez, und Roberto Willarte beim

Waffenschmuggel in Mexico verhaftet, aber nach zwei Wochen bereits wieder freigelassen. Seine

zweite Frau Juanita K. Terrell, deren Familie mit den Phos befreundet ist, verliess er 1957 nach

zehn Monaten Ehe, um in Kuba zu kämpfen. Sturgis schmuggelte dann Waffen der INTERARMCO

von Samuel Cummings, der 1954 in Guatemala mit der CIA zusammenarbeitete, nach Santiago,

brachte Männer und Material in Booten und einer B-25 nach Kuba. Dort unterstützt er Castro

zusammen mit Clark Wollan vom US-Konsulat, dem US-Militärattache Colonel Nichols und Major

Robert Van Hörn, den Brüdern Jose Joachim "Sam", Louis und Sergio Sanjennes, Pedro Diaz

Lanz, Roland Martinez, Luis Conte Aguero, Cresentio Perez, Celia Sanchez, Robert DuBois,

Richard Lauchli, Bernard Barker und E. Howard Hunt. Viele der geschmuggelten Gewehre sind 6.5

Mannlicher-Carcano, dem Typ, mit dem Oswald angeblich Kennedy erschiessen wird. Am 24.7.58

wird Sturgis wegen illegalen Besitz von grossen Mengen Waffen und Kriegsmunition angeklagt,

aber die Klage wird fallengelassen.

Die CIA unterstützt sowohl Castro wie auch Batista. Sturgis kennt den Pressechef der US-

Botschaft Paul Bethel und US-Militärattache Sam Kail, der Batistas Truppen trainiert. 1956 baute

die CIA das "Büro de Represion Actividades Communistas" (BRAC), die politische Polizeitruppe

Batistas, mit auf. Bethel hat Kontakt mit Oswalds Marinefreund Gerry Patrick Hemming und mit

CIA-Undercoveragenten David Atlee Phillips, der von 1955 bis 1957 in Kuba und dem Libanon

stationiert war. Bereits 1957 schlug der amerikanische Botschafter in Kuba dem Diktator vor, dass

ein CIA-Agent Castro umbringen solle. Stattdessen schickte Batista im Mai 1958 10'000 Soldaten

in die Sierra, die gegen die 300 Guerilleros kläglich versagten. Castro verlor 27 Männer und

übergab dem Roten Kreuz 433 Gefangene.

Wegen der öffentlichen Unhaltbarkeit der Diktatur Batistas tritt offiziell ein Waffenembargo gegen

Kuba in Kraft, doch wird die amerikanische Militärmission nicht zurückgezogen, und auch die Briten

liefern Batista weiterhin Waffen. Ende 1958 kommt es zu einem Konflikt, als Castros Truppen

einige Marines der Guantanamo Bay, die sich im Urlaub befinden, gefangennehmen. Die Soldaten

kommen gegen ein geheim bezahltes Lösegeld wieder frei, worauf der Kommandant der Marines,

Admiral Burke, Castros Truppen durch eine Racheaktion auslöschen will, was Aussenminister

John Foster Dulles verhindert.

Nicht nur die CIA, auch die Mafia unterstützt sowohl den Diktator wie die Rebellen unter Fidel

Castro, um für den Fall einer Revolution gewappnet zu sein. Lewis McWillie, der Leiter des

Tropicana, Jack Ruby, Frank Sturgis, Gerry Patrick Hemmming, E. Howard Hunt, James McCord,

Norman "Ronghouse" Rothman und Johnny Roselli schmuggeln Waffen über Mexiko nach Kuba,

mit Schiffen und Flugzeugen der CIA. Die beteiligten Piloten sind Donald Edward Browder, Clifton

Bowers und David Ferrie. James Walter McCord war nach dem Krieg FBI-Agent und wechselte

1951 zur Office of Security-Abteilung der CIA. Er arbeitet an Gegenspionage-Operationen mit

Angleton. Donald Browder wird später bei Waffenschiebereien nach Haiti dabei sein, zusammen

mit dem DeMohrenschildt-Geschäftspartner Clemard Charles und I. Irving Davidson. Davidson,

Jimmy Hoffa und William Presser sind ebenfalls am Waffendeal mit Kuba beteiligt. Rothman wird

später im Zusammenhang mit einer Grossbetrügerei mit Sam Mannarino und Giuseppe Cotroni

freigesprochen, weil er politisch geschützt wird. Sam und Gabriel Mannarino von Pittsburg

schmuggeln zusammen mit Vitos Sohn Michael Genovese, Robert Ray McKeown, Harry Hall und

Jack Ruby 1959 Jeeps nach Kuba, um Trafficante aus dem Gefängnis zu holen. Weiter beteiligt

am Waffentransport sind Joe Marrs, der Besitzer der Marrs Aircraft, Efren Pichardo, der ehemalige

Polizeichef von Haile, Leslie Lewis und der ehemalige Dallas-Polizist James Woodard.

Finanziert werden die Waffen der International Armament Corporation mit den Drogen, die über

Kuba in die USA geschmuggelt werden, und von derem Gewinn die CIA 10% auf ihre

Geheimfonds in der Schweiz, Italien, Panama oder auf den Bahamas abzweigt. Neben Kuba wird

das Heroin aus Sizilien und Marseille auch über Mexiko und Montreal, wo Giuseppe Cotroni

Mafiaboss ist, verschoben. Eine Verbindungslinie zwischen der sizilianischen Mafia um Santo

Sorge und amerikanischen Mafia ist die Ölfirma Rimrock Tidelands, die als Cover für Zahlungen

dient.

Eine Reihe von Batistas Generälen und auch der Armeechef General Cantillo verhandelten

heimlich mit Castro und ergeben sich mehr oder weniger kampflos. Da Castro ihnen aber nicht

traut, gehören sie zu den 600 Exekutierten der Revolution. Castro verkündet die Bildung einer

neuen Regierung mit Präsident Manuel Urrutia Lleo. Der Geist der kubanischen Revolution ist

demokratisch und antikommunistisch: Es gibt keine Kommunisten in der Regierung oder in

wichtigen Ämtern, und die Kommunisten erleiden bei den Gewerkschaftswahlen vom März 1959

schwere Verluste. Castro verpflichtet sich auf die Verfassung von 1940, die Kuba eng an die USA

bindet. Castro muss sich mit den katastrophalen Folgen jahrzehntelanger Korruption

auseinandersetzen und formuliert neben der Demokratisierung und Freiheitsgarantie sechs

Schwerpunkte: Bodenreform, Wohnungsbau, Steuerreform, Industrialisierung und Bekämpfung der

Arbeitslosigkeit, Volksgesundheit und Schulwesen.

Im April 1959 geht Castro in die USA und bittet um eine Anleihe, die ihm verwehrt wird. Seit einem

halben Jahrhundert kontrolliert die Chase Manhattan Bank die Kredite für Kuba, wobei

Bankpräsident David Rockefeiler auch Präsident der Zuckerfirma Punta Allegre ist, der

zweitgrössten Produzentin von Kubas wichtigstem Exportgut. Zucker macht 66% des

Nationaleinkommens und 80% der Gesamtexporte aus. Castro zeigt sich nicht interessiert, als

Nixon ihm eröffnet, dass er Kommunisten in seiner Regierung habe, woraus Vizepräsident Nixon

schliesst, dass "Castro entweder unglaublich naiv gegenüber dem Kommunismus oder unter

kommunistischer Kontrolle sei". Obwohl Nixon am Fernsehen die Zusammenarbeit mit Castro

verspricht, verschiebt er jegliche Hilfe. Privat bezeichnet er Castro als "Dorn in unserer Seite". Um

den bestehenden Kapitalverlust zu kompensieren, verstaatlicht Castro einige Unternehmen. Die

US-Regierung reagiert feindselig darauf, weil sie die amerikanischen Wirtschaftsinteressen bedroht

sieht: US-Firmen kontrollieren 90% der kubanischen Versorgungsbetriebe, der Bergwerke und

Viehfarmen, 100% der Ölraffinerien und 40% der Zuckerindustrie.

Wütige Bürger stürmten während der Revolution die Casinos, als Castro in Havanna einzieht. 1958

arbeiteten 27'000 Angestellte in den Spielkasinos und 1 1 '500 Prostituierte in den Bordellen, und

eine der ersten Aktionen Castros ist deren Schliessung. Castro lässt Santos Trafficante, obwohl

Castro auch von ihm finanziert wurde, und Jake Lansky verhaften, wogegen die US-Botschaft

offiziell protestiert. Nachdem Jake Lansky aus dem Gefängnis entlassen wird, flieht er mit seinem

Bruder Meyer Lansky nach Florida. Dafür öffnet Castro am 1 .3.59 die Casinos wieder und ernennt

Frank Sturgis zum Glücksspielminister. Nach der Revolution wird Sturgis zum Chef des

Geheimdienstes und der Militärpolizei der kubanischen Luftwaffe ernannt, und Pedro Diaz Lanz

wird Kommandant der kubanischen Luftwaffe. Sturgis, dessen CIA-Kontakt über das Konsulat läuft,

arbeitet bei der Kontrolle der Kasinos, die er von Pastorita Munas übernimmt, mit Commandante

Riccardo Lohe zusammen, der ebenfalls ein CIA-Agent ist. Dabei lernt er Charles Tourine, Mike

McLaney und Stretch Rubin kennen, der für Norman Rothman arbeitet. Rothmans Partner ist

General Clio Chivano, ein Schwager von Batista. Castro will die Tätigkeiten der Casinos limitieren

und genau kontrollieren, aber sie laufen wegen dem Einbruch des Tourismus schlecht.

Die breite Anti-Batista-Bewegung bricht kurz nach der Revolution auseinander und

Fraktionskämpfe zwischen den prokommunistischen und den US-freundlichen Aktivisten

entstehen. Bereits nach sechs Wochen werden die Ermordungen von Fidel und Raul Castro und

Che Guevara diskutiert, wobei Sturgis mitten drin steckt. Im Namen von Meyer Lansky offeriert

Charlie Tourine Sturgis $1 Mio. für die Ermordung Castros, aber Sturgis zögert, weil die CIA das

grüne Licht nicht gibt. Er diskutiert die Ermordung mit Trafficante, Tourine und Roselli, wobei er

plant, ein Kommandantentreffen in seiner Air Force Basis zu organisieren und dabei Castro und

seine Führungscrew in einem Kreuzfeuer erschiessen zu lassen. Sturgis bricht ins Hauptquartier

der Armee ein, um Dokumente zu fotographieren und zu entwenden, die er Colonel Nichols

weitergibt. Zudem bricht er bei der chilenischen Botschhaft in Havanna ein. Im Auftrag von Sam

Kail von der US-Botschaft versucht er, Armeechef Camillo Cienfuegos und Polizeichef Almejera

auf seine Seite zu bringen. Im Februar und März werden bereits zwei US-Bürger verhaftet, die

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9783754172797
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