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Mafia - Allmacht einer Holding
Die Mafia ist weltweit allgegenwärtig. Da sie vor allem unterirdisch tätig ist, wissen nicht viele Menschen welche Gruppen es gibt und wie viel sie mit ihren Geschäften verdienen. In diesem Blog lesen Sie über die Top 5 der größten Mafia-Gruppen in der Welt. Sie werden erstaunt sein, wie groß und umfangreich die Gruppierungen sind und wie viel Geld sie verdienen.
Die Grundlagen der Mafia sind auf der italienischen Insel Sizilien zu finden und kamen zum ersten Mal ins Gerede im 19en Jahrhundert. Durch die Verschiebung der Mafia zwischen 1880 und dem Start der ersten Welt Krieg in die Vereinigten Staaten, sind dort immer noch große Gruppen von Mafiosi aktiv. Ihre Vertraulichkeit wird garantiert durch die Weitergabe des sogenannten "Code des Schweigens" (Omertà).
Wenn Sie an die Mafia denken, denken Sie möglicherweise an blutige Gefechte in den Straßen eines Vororts, an Drogenhandel, Waffenbesitz, Casinos und verrauchten Bereichen. Teilweise ist dies richtig, aber weitgehend spielt die Mafia sich unterirdisch ab. Erpressung und Gewalt spielen eine große Rolle in der Mafia, aber vor allem spielt sich alles in der Unsichtbarkeit ab.
Um Ihnen eine Idee zu geben über was sich alles unterirdisch abspielt, haben wir die fünf größten Mafia-Gruppen einmal aufgelistet
1. Solntsevskaya Bratva
Diese organisierte kriminelle Gruppierung stammt aus Russland und besteht aus zehn separate Gruppen, die eigenständig tätig sein. Der Rat trifft sich regelmäßig für Versammlungen unter dem Namen "festliche Aktivitäten" in verschiedenen Teilen der Welt. Diese Gruppierung besteht insgesamt aus ca. 9000 Mitgliedern und ist vor allem in dem Drogen- und Menschenhandel tätig. Die russische Unterwelt handelt vor allem in Heroin aus Afghanistan.
Das Aufkommen der organisierten Kriminalität in Russland und den Nachfolgestaaten der UdSSR ist eng mit der sowjetischen Gefängnis- und Lagerkultur verbunden. Ende der 1920er stieg in der Sowjetunion aufgrund aufkommender Massenrepressionen die Zahl der politischen Häftlinge in den Gefängnissen und Lagern stark an, wo die Inhaftierten mehr oder weniger sich selbst überlassen wurden. Dies führte zur Ausbildung einer Hierarchie und Gruppenordnung, an deren Spitze professionelle Verbrecher standen und die bei Bedarf mit radikalen und brutalen Methoden durchgesetzt wurde. Weil die politischen Häftlinge als potentielle Unruhestifter galten, begannen die Sicherheitsdienste mit den professionellen Verbrechern zusammenzuarbeiten, damit diese im Lager Ordnung und Disziplin sicherstellten. Im Gaunerjargon gab es eine eigene Bezeichnung für die professionellen Verbrecher: Blatnyje bzw. Blatnoj . Als Gegenleistung erhielten die Blatnyje Privilegien. Dies war lange Zeit ein stilles Übereinkommen zwischen Kriminellen und Lagerleitungen. Schließlich wurde in einem Dekret schriftlich die Erlaubnis fixiert, die gewöhnlichen Verbrecher im Kampf gegen die als „Volksfeinde“ stigmatisierten politischen Häftlinge einzusetzen. Die Autoritäten unter den professionellen Verbrechern begannen, sich selbst als „Diebe im Gesetz“ („wory w zakone“) zu bezeichnen. So schufen sie die kriminelle Elite der Sowjetunion und entwickelten einen Verbrecherkodex, zu dessen wichtigsten Prinzipien die Nichteinmischung in Politik und Wirtschaft sowie die Absage an eine legale Arbeitstätigkeit gehörten. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs versuchte Stalin, die erstarkten kriminellen Eliten in ihrem Einfluss zu schwächen, was aber nur zu Unruhen und Aufständen in den Lagern führte. Dies zwang den sowjetischen Staat, die Zusammenarbeit mit den Verbrechern weiterzuführen. Die kriminellen Autoritäten in den Lagern gewannen an Macht und verfügten über gute Kontakte zur Außenwelt. Ihre wichtigsten Einnahmequellen waren Schmuggel von Edelmetallen und Kunstgegenständen, Erpressung von Untergrundunternehmen, Betäubungsmittelhandel und Raub von Erzeugnissen der Staatsbetriebe
Die ersten Anzeichen des organisierten Verbrechens in der Sowjetunion zeigten sich 1958–59 unter Nikita Sergejewitsch Chruschtschow. Nach heutigen Maßstäben betrug damals der durchschnittliche jährliche Verlust durch Wirtschaftsverbrechen nur etwa 2 Millionen Rubel. In den 1970er Jahren wurde die Mafia dann zum sozialen Phänomen. Diejenigen, die sich früher wegen ihrer legalen Millionen genierten, begannen dieses Geld ganz offen in ausländische Automarken, Diamantencolliers und Villen zu investieren. Immer mehr Gelder aus dem Staatsetat wanderten in private Hände. Methoden gab es dabei viele. Die wichtigste war die Schaffung von Untergrundwerkstätten (russ. zech), sogar Untergrundfabriken, über die eine Verlagerung der natürlichen Ressourcen des Staates erfolgte. Damit einhergehend tauchten die sogenannten Zechowiki auf – Kriminelle „mit weißem Kragen“ bzw. Wirtschaftsverbrecher. Und als Reaktion auf das Erscheinen der Schattenwirtschaft konnte eine plötzliche Aktivierung von professionellen Verbrechern neuer Art, den Nachfolgern der „Diebe im Gesetz“ aus der Stalinära, beobachtet werden. Konzepte für die „Arbeit“ mit den neuartigen Verbrechern wurden von einem „Dieb im Gesetz“ namens Tscherkassow ausgearbeitet. Die Konzepte lauteten: erstens, nimm von demjenigen, der etwas hat; zweitens, nimm nicht alles, denn die Geduld eines Menschen hat ein Ende; drittens, organisiere dir für jedes Verbrechen einen Mitarbeiter der Strafverfolgungsbehörde. Eben diese Prinzipien beherzigte die Verbrecherorganisation von Gennadi Aleksandrowitsch Karkow (Deckname: Mongol), als sie Anfang der 1970er Jahre in Moskau ihre kriminellen Aktivitäten aufnahm. Nach einhelliger Meinung der sowjetischen Kriminologen begann mit Karkows Organisation die Formierung der sowjetischen Mafia. Lediglich in der Usbekischen SSR begann dieser Prozess etwas früher (1967–68)
Auch die kriminelle Welt unterlag Veränderungen: Den ethnischen Russen, die weiterhin Wert auf Traditionen der „Diebe im Gesetz“ legten, standen zunehmend Gruppierungen aus dem Kaukasus gegenüber, die nach politischem und wirtschaftlichem Einfluss sowie einer Minimalisierung der Diebesregeln strebten. Dies verursachte eine Spaltung der vormals geschlossenen kriminellen Gemeinschaft. Der Zerfall des sowjetischen Staates und seiner Strukturen, die Ausrufung neuer Nationalstaaten sowie die wirtschaftlich schlechte Lage zu Beginn der 1990er Jahre trugen zum Entstehen neuer krimineller Gruppierungen bei. Nach dem Zerfall der Sowjetunion wurde auf Jelzins Anweisung die KGB-Belegschaft um rund 100.000 Personen reduziert. Mit ihrem Insiderwissen und ihren Kontakten waren die entlassenen Mitarbeiter für die Verbrecherwelt in hohem Maße attraktiv. So entstand in Russland das heutige organisierte Verbrechen aus den Strukturen der Diebe im Gesetz, aus ehemaligen KGB-Agenten und vielen korrupten Beamten und Verwaltern staatlichen Eigentums.
Die Ausweitung der OK in Russland nach der Auflösung der Sowjetunion zu Beginn der 1990er Jahre stand einerseits im Zusammenhang mit dem gleichzeitigen wirtschaftlichen Niedergang und zum anderen mit sich bietenden Möglichkeiten der Privatisierung von Kollektiveigentum aus staatlichem oder Volksvermögen. Die sich verändernde Ökonomie, Schattenwirtschaft und Korruption im Zerfallsprozess der Sowjetunion bot Gelegenheit, mittels neuer halblegaler bis verbrecherischer Zusammenschlüsse Kapital in Oligarchenhänden zu akkumulieren. Verzweifelte Arbeitslose begannen in großer Zahl für das Verbrechen zu arbeiten, so konnte sich die Mafia ausbreiten. Nach offiziellen Schätzungen arbeiten um die 100.000 Menschen direkt für die Mafia, die Zahl indirekt abhängig in mafiotische Machenschaften Verstrickter ist unbekannt. Viele Bosse und wichtige Mitglieder der russischen Mafia rekrutierten sich aus dem Offizierskorps der sowjetischen Streitkräfte und des KGB, deren Mitglieder nach dem Ende des Kalten Krieges mit der Reduzierung der Streitkräfte ihre Posten verloren. Die Banden warben auch viele Sportler wie Boxer und Kampfsportler an, denen sie im Racketeering und als Personenschützer finanzielle Perspektiven bieten konnten. Große Teile der Geschäfte laufen über Drogen- und illegalen Waffenhandel sowie Erpressung.
Bei der Festnahme des berüchtigten Mafiabosses Wjatscheslaw Kirillowitsch Iwankow wurden dessen handschriftliche Notizen sichergestellt, in denen der Begriff „Familie der elf“ (russ. „Семья одиннадцати“) auftauchte. Nach Meinung des russischen Beamten Juri Gogolew vom Regionalamt für den Kampf gegen die organisierte Kriminalität zählen zu dieser „Familie“ solche Mafiagrößen wie Sergei Bojzow (Deckname: Bojez), Aslan Raschidowitsch Usojan (Deckname: ded Chasan, deduschka), Dschamal Chatschidze (Deckname: Dschamal), Jewgeni Wasin (Deckname: Batja, Dschem), Alimzhan Tursunowitsch Tochtachunow (Deckname: Taiwantschik), Zacharij Knjazewitsch Kalaschow (Deckname: Schakro-molodoj), Datiko Zichelaschwili (Deckname: Dato Taschkentskij), Salim Abduwalijew (Deckname: Salim). Unter der Kontrolle der „Familie“ befindet sich ein riesiges Territorium zwischen Region Primorje und Zentralrussland. Gogolew ist zudem überzeugt, dass die kriminellen Anführer in praktisch jeder Region direkten Zugang zu der jeweiligen Oblastverwaltung besitzen.
1994 erwirtschaftete die russische Mafia rund 150 Milliarden Dollar. Sie kontrollierte zu diesem Zeitpunkt ein Drittel der russischen Banken, 40 % der Industrieunternehmen und 80 % der Joint-Venture-Unternehmen. Zudem existierten damals 5.700 russländische Mafiagruppierungen, die mehr als 100.000 Menschen zählten. Etwa 3 Millionen Menschen zogen einen finanziellen Profit aus den Mafiamachenschaften.Der russische Präsident Boris Jelzin äußerte schon im Februar 1993, dass die OK zur direkten Bedrohung der strategischen Interessen und der nationalen Sicherheit Russlands geworden war. 1994 sagte CIA-Chef James Woolsey vor dem US-Kongress aus, die OK bedrohe die demokratische Reform in Russland. Im Mai 1996 gingen der CIA-Chef John M. Deutch und der FBI-Direktor Louis Freeh einen Schritt weiter und warnten den Kongress, dass die russische OK und Korruption das politische System Russlands zunehmend unterwanderten und begannen, für die USA eine Bedrohung darzustellen.
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts vollzog sich eine signifikante Änderung. Um die russische Mafia wurde es sichtlich ruhiger, ungeachtet der Behauptungen, die OK würde nach der Weltfinanzkrise von 2008 weiterwachsen. Auch die Rolle der traditionellen kriminellen Gruppierungen mit den „Dieben im Gesetz“ an der Spitze verlor allmählich an Bedeutung. Zugleich verlagerten andere Mafiagruppierungen ihre Tätigkeit in die legale Wirtschaft. Nach Einschätzung des russischen Innenministeriums sind die kriminellen Organisationen aus der GUS in die bedeutendsten Wirtschafts- und Industriestrukturen vorgedrungen, kontrollieren sogar die Industrie ganzer Regionen. Nach Angaben des früheren Justizministers Wladimir Ustinow stellt die OK eine wahre Bedrohung für die innere Sicherheit Russlands dar. Neben den klassischen Tätigkeitsfeldern wie Drogen- und Waffenhandel engagieren sich die kriminellen Strukturen zunehmend im Handel mit natürlichen Ressourcen sowie im Banken- und Finanzbereich. Zu den besonders ertragreichen Deliktfeldern zählen auch Schmuggel, Steuerhinterziehung und Mehrwertsteuerbetrug. Haupteinnahmequelle bleiben weiterhin Staatsgelder, für deren Veruntreuung es zahlreiche Möglichkeiten gibt, wie z. B. der Zugang zu russischen Energie- und Metallressourcen, die zu niedrigen Inlandspreisen erworben und unter Umgehung der Ausfuhrbestimmungen ins Ausland erheblich teurer weiterverkauft werden. Die auf illegale Weise erworbenen Mittel werden unter Vorgabe legaler Geschäftstätigkeit über Briefkastengesellschaften im Ausland gewaschen.
Einige große kriminelle Organisationen sind länderübergreifend aktiv und drängen zunehmend in legale Wirtschaftsstrukturen. Sie verfügen häufig über eigene Sicherheitsdienste und technisch ausgefeilte Überwachungsmethoden, so dass zur Informationsbeschaffung zum Teil richtige nachrichtendienstliche Operationen oder Observationen durchgeführt werden. Angehörige der OK sind häufig gut ausgebildet, politisch informiert, verfügen über enge Verbindungen zu den Machtstrukturen ihres Herkunftslandes und über ausgeklügelte Kommunikationsnetzwerke. Für Staaten mit hohem Lebensstandard stellen die russischen Mafiaorganisationen angesichts der vorhandenen immensen Finanzmittel eine erhebliche Bedrohung dar, denn mit Hilfe von Erpressung und Korruption unterwandern sie nicht nur die Wirtschaft, sondern sind sogar in der Lage, rechtsstaatliche Institutionen zu infiltrieren.
Die Interpol beobachtet noch heute (Stand 2020) im Rahmen des Projekts „Millenium“ die postsowjetische OK. Das Projekt soll durch gegenseitigen Austausch von Ermittlungsinformationen die Interpol-Mitgliedsstaaten unterstützen, Menschen und Unternehmen, die hinter der transnationalen eurasischen OK stehen, zu identifizieren
Der Schweizer Nachrichtendienst „Dienst für Analyse und Prävention“ (DAP) veröffentlichte 2007 einen strategischen Analysebericht zum Thema „Organisierte Kriminalität und Nachrichtendienst aus der GUS“, aus dem hervorgeht, dass es Hinweise gibt auf enge Verbindungen der Vertreter der OK aus den Ländern der GUS zu Nachrichtendiensten dieser Staaten. Die deutschen Nachrichtendienste bezeichnen diese Verflechtungen als „symbiotische Beziehungen“ zwischen OK und Nachrichtendiensten.
So sollen viele Vertreter der OK vom FSB und anderen Staatsorganen gedeckt werden. Bis 2007 wurde noch keine Führungsfigur der russischen Mafiaszene in Russland zur Verantwortung gezogen, was dafür spricht, dass die Anführer der kriminellen Gruppierungen hohe Protektion genießen. Umgekehrt stellen ehemalige KGB- oder FSB-Agenten, von denen viele wichtige Posten in Banken, Sicherheitsfirmen oder sonstigen großen Unternehmen bekleiden, ihr Insiderwissen, ihre Erfahrungen und ihr Beziehungsnetz der OK zur Verfügung. Darüber hinaus ist aufgrund geringer Entlohnung und weitverbreiteter Korruption bei den Nachrichtendienstlern eine hohe Bereitschaft vorhanden, für Erpressungen nachrichtendienstliches Material an politische oder wirtschaftliche Interessengruppen zu verkaufen. Verschiedene ausländische Nachrichtendienste vertreten die Ansicht, dass nicht nur einzelne oder ehemalige Geheimdienstangehörige in kriminelle Machenschaften eingebunden sind, sondern nachrichtendienstliche Institutionen an einer systematischen Zusammenarbeit mit der OK interessiert sind. Motive einer Zusammenarbeit sind für die Nachrichtendienste die Ausnutzung bereits bestehender internationaler Unternehmens- und Beziehungsnetze der OK für eigene Zwecke, die Kontrolle wirtschaftlicher Aktivitäten – vor allem jene der OK – und hohe Einkünfte aus Dienstleistungen, die für die OK erbracht werden, oder Einkünfte auf Grundlage der Erpressung der OK. Motive seitens der OK sind Schutz vor Polizeiaktionen und Strafverfolgung, Informationsbeschaffung über Konkurrenten, vereinfachte Reiseformalitäten, Aufpolierung des Images von OK-Angehörigen und Aufstieg in wirtschaftliche Schlüsselpositionen durch nachrichtendienstliche Kontakte.
Beim Zerfall der Sowjetunion wurde bereits spekuliert, dass der KGB große Summen des Staats- und Parteivermögens über private Firmen ins Ausland geschleust hatte, um damit politische Aktivitäten finanzieren zu können. Ein Teil dieser Gelder wurde aber auch für private Geschäftsaktivitäten abgezweigt. Hinter diesen Prozessen standen häufig Individuen, die bereits Erfahrungen im Außenhandel hatten und deshalb Beziehungen und Unternehmensstrukturen im Ausland besaßen. Dazu gehörten unter anderem Sowjetbürger, die in den 1970er Jahren aufgrund ihrer ethnischen oder religiösen Zugehörigkeit die UdSSR verlassen durften. Ein prominentes Beispiel dazu sind die Firmen Nordex von Grigori Emmanuilowitsch Lutschanski und Seabeco Group von Boris Iosifowitsch Birschtein. Lutschanski, geboren 1945, Sohn einer lettisch-jüdischen Familie, soll vom KGB zum Aufbau eines internationalen Firmengeflechts rekrutiert worden sein. Er gründete das Unternehmen Nordex mit Hauptsitz in Wien und Tochtergesellschaften auf der ganzen Welt, das offiziell mit Rohstoffen aus der GUS handelte. Doch da die Firma wiederholt mit Korruption, Unterschlagung, Geldwäscherei und Waffenhandel in Verbindung gebracht wurde, war ein Ausbau der geschäftlichen Tätigkeiten nicht mehr möglich. Boris Birschtein (bzw. Birstein, manchmal Birnstein), geboren 1947, war ebenfalls Sohn einer lettisch-jüdischen Familie und Direktor einer Textilfabrik in Vilnius. Er war ehemaliges KGB-Mitglied und stand in Kontakt mit russischen und israelischen Nachrichtendiensten. Er emigrierte 1979 nach Israel, wo er umgehend begann, das internationale Firmengeflecht Seabeco Group aufzubauen, welches mit Öl, Gold, Diamanten und chemischen Produkten handelte. Eine Zweigstelle der Seabeco war von 1992 bis 1999 in der Schweiz registriert. Auch Birschtein war sehr gut vernetzt sowohl mit der kriminellen Welt als auch mit den politischen Strukturen der Nachfolgestaaten der Sowjetunion. Zu seinem Freundes- und Bekanntenkreis gehörten der Moskauer Bürgermeister Juri Michailowitsch Luschkow, die ukrainischen Präsidenten Leonid Krawtschuk und Leonid Kutschma sowie der moldawische Präsident Mircea Ion Snegur. Seine Firma Seabeco Group wurde der Geldwäscherei, der Veruntreuung von Geld aus Kirgisien, undurchsichtigen Finanzgeschäfte über die Firma Nordex, Unterschlagung von Hilfsgeldern und Durchführung von Auftragsmorden verdächtigt. Weder bei Nordex noch Seabeco konnte je der KGB (oder seine Nachfolgeorganisationen) als Drahtzieher der illegalen Finanzoperationen nachgewiesen werden. Mögliche Beweise befinden sich bei denjenigen Stellen, die kein Interesse an einer Aufarbeitung der Geschehnisse haben. Allerdings sprechen die weitverzweigten politischen Kontakte, die Lutschanski und Birschtein auf höchster Ebene pflegten, und der durch den Handel mit staatlichen Ressourcen schnell erworbene Reichtum dafür, dass sie ohne Wissen und Zustimmung der staatlichen Machtorgane kaum hätten agieren können.
Alexander Wassiljewitsch Korschakow, der ehemalige KGB-Offizier und Leibgardechef von Boris Nikolajewitsch Jelzin, hatte ebenfalls mit der russischen Unterwelt zusammengearbeitet. Korschakow, unter dessen Kommando rund 90.000 Soldaten des Sicherheitsdienstes standen, lieh in den 1990er Jahren seine Untergebenen zur Eintreibung von Schutzgeldern an die Mafia aus.
2. Yamaguchi-Gumi
Dies ist die größte bekannte Mafia-Gruppe in der Welt und kommt aus Japan. Ihr Name ist bekannt durch ihre Tätigkeit in dem Drogenhandel, der größer ist als irgendwo. Die Gruppierung besteht aus mehreren sogenannten Yakuza-Gruppen und entstand hunderte von Jahren her. Diese Gruppe verfügt über eine umfangreiche Hierarchie und zahlreiche Mitglieder. Alle Mitglieder sind durch die Ehe miteinander verbunden. Alle Beziehungen mit Familienmitgliedern außerhalb der Gruppierung müssen durchbrochen werden.
Der Yamaguchi-Gumi ist die größte Yakuza-Familie und macht mit mehr als 8.900 Mitgliedern 30% aller Yakuza in Japan aus. Von seinem Hauptsitz in Kobe aus leitet es kriminelle Aktivitäten in ganz Japan. Es ist auch an Operationen in Asien und den Vereinigten Staaten beteiligt. Shinobu Tsukasa , auch bekannt als Kenichi Shinoda, ist der aktuelle Oyabun des Yamaguchi-Gumi. Er verfolgt eine expansive Politik und hat seine Aktivitäten in Tokio (das traditionell nicht das Territorium der Yamaguchi-Gumi war) verstärkt. Die Familie Yamaguchi ist so erfolgreich, dass ihr Name in vielen Teilen Asiens außerhalb Japans zum Synonym für japanisches organisiertes Verbrechen geworden ist. Viele chinesische oder koreanische Personen, die den Namen "Yakuza" nicht kennen, würden den Namen "Yamaguchi-gumi" kennen, der häufig in Gangsterfilmen dargestellt wird.
Der Sumiyoshi-kai ist die zweitgrößte Yakuza-Familie mit geschätzten 4.500 Mitgliedern. Sumiyoshi-kai ist eine Konföderation kleinerer Yakuza-Gruppen. Sein aktueller Kopf (会長 kai-cho) ist Isao Seki. Strukturell unterscheidet sich Sumiyoshi-kai von seinem Hauptkonkurrenten, dem Yamaguchi-gumi , darin, dass es wie eine Föderation funktioniert . Die Befehlskette ist entspannter und ihre Führung wird auf mehrere andere Mitglieder verteilt.
Der Inagawa-kai ist mit rund 3.400 Mitgliedern die drittgrößte Yakuza-Familie in Japan. Das Unternehmen hat seinen Sitz in der Region Tokio-Yokohama und war eine der ersten Yakuza-Familien, die ihre Aktivitäten außerhalb Japans ausgeweitet hat.
Yakuza gelten als halb legitime Organisationen. Unmittelbar nach dem Erdbeben in Kobe 1995 mobilisierte sich beispielsweise der Yamaguchi-gumi , dessen Hauptsitz sich in Kobe befindet , um Katastrophenhilfe (einschließlich des Einsatzes eines Hubschraubers) zu leisten, und dies wurde von den Medien im Gegensatz zu den weit verbreiteten Berichten berichtet viel langsamere Reaktion der japanischen Regierung. Die Yakuza wiederholten ihre Hilfe nach dem Erdbeben und dem Tsunami in Tōhoku 2011 , wobei Gruppen ihre Büros für Flüchtlinge öffneten und Dutzende von Lastwagen mit Vorräten in die betroffenen Gebiete schickten .Aus diesem Grund betrachten viele Yakuza ihr Einkommen und ihre Hektik ( Shinogi ) als Erhebung einer feudalen Steuer.
Die Yakuza und ihre angegliederten Banden kontrollieren den Drogenhandel in Japan, insbesondere Methamphetamin . Während viele Yakuza-Syndikate, insbesondere die Yamaguchi-gumi , ihren Mitgliedern offiziell den Drogenhandel verbieten , sind einige andere Yakuza-Syndikate, insbesondere die Dojin-kai , stark daran beteiligt. Es ist bekannt, dass einige Yakuza-Gruppen sich intensiv mit Menschenhandel befassen . Die Philippinen zum Beispiel sind eine Quelle junger Frauen. Yakuza bringt Mädchen aus verarmten Dörfern dazu, nach Japan zu kommen, wo ihnen respektable Jobs mit guten Löhnen versprochen werden. Stattdessen werden sie gezwungen, Sexarbeiterinnen und Stripperinnen zu werden. Die Gassen und Straßen von Shinjuku sind ein beliebter moderner Treffpunkt in Tokio Yakuza. Yakuza üben häufig eine einzigartige Form der japanischen Erpressung aus, die als sōkaiya bekannt ist . Im Wesentlichen handelt es sich hierbei um eine spezielle Form des Schutzschlägers .
Anstatt kleine Unternehmen zu belästigen, belästigen die Yakuza eine Hauptversammlung eines größeren Unternehmens. Sie erschrecken den normalen Aktionär einfach mit der Anwesenheit von Yakuza-Mitarbeitern, die das Recht erhalten, an der Versammlung teilzunehmen, indem sie einen kleinen Aktienkauf tätigen. Yakuza ist über Jiageya auch mit dem japanischen Immobilienmarkt und dem Bankwesen verbunden . Jiageya hat sich darauf spezialisiert, Inhaber kleiner Immobilien zum Verkauf ihrer Immobilien zu bewegen, damit Immobilienunternehmen viel größere Entwicklungspläne durchführen können. Japans Blasenwirtschaft der 1980er Jahre wird häufig auf Immobilienspekulationen von Bankentöchtern zurückgeführt. Nach dem Zusammenbruch der japanischen Immobilienblase wurde ein Manager einer großen Bank in Nagoya ermordet, und es gab viele Spekulationen über die indirekte Verbindung des Bankensektors mit der japanischen Unterwelt.
Yakuza nehmen oft an lokalen Festivals wie Sanja Matsuri teil, wo sie oft mit dem Schrein durch die Straßen fahren und stolz ihre aufwändigen Tätowierungen zeigen. Es ist bekannt, dass Yakuza große Investitionen in legitime Mainstream-Unternehmen tätigt. 1989 kaufte Susumu Ishii, der Oyabun der Inagawa-kai , Aktien der Tokyo Kyuko Electric Railway im Wert von 255 Millionen US-Dollar . Die japanische Securities and Exchange Surveillance Commission hat Kenntnis von mehr als 50 börsennotierten Unternehmen mit Verbindungen zur organisierten Kriminalität. Im März 2008 beschloss die Osaka Securities Exchange , alle börsennotierten Unternehmen zu überprüfen und diejenigen mit Yakuza-Verbindungen auszuschließen. Diebstahl wird grundsätzlich nicht als legitime Tätigkeit von Yakuza anerkannt. Dies steht im Einklang mit der Idee, dass ihre Aktivitäten halboffen sind; Diebstahl wäre per Definition eine verdeckte Aktivität. Noch wichtiger ist, dass eine solche Handlung von der Gemeinschaft als Übertretung angesehen wird.
Außerdem führt Yakuza den eigentlichen Geschäftsbetrieb normalerweise nicht selbst durch. Kerngeschäftsaktivitäten wie Merchandising, Kredithai oder die Verwaltung von Glücksspielhäusern werden in der Regel von Nicht-Yakuza-Mitgliedern verwaltet, die für ihre Aktivitäten Schutzgebühren zahlen. Es gibt viele Hinweise darauf, dass Yakuza an der internationalen Kriminalität beteiligt ist. Es gibt viele tätowierte Yakuza-Mitglieder, die in verschiedenen asiatischen Gefängnissen wegen Verbrechen wie Drogenhandel und Waffenschmuggel inhaftiert sind. 1997 wurde ein verifiziertes Yakuza-Mitglied beim Schmuggel von 4 Kilogramm Heroin nach Kanada erwischt . Aufgrund ihrer Geschichte als legitime feudale Organisation und ihrer Verbindung zum politischen System Japans durch die Uyoku Dantai (rechtsextreme politische Gruppen) sind Yakuza ein Teil des japanischen Establishments. Sechs Fanmagazine berichten über ihre Aktivitäten.
Das Engagement von Yakuza in der Politik funktioniert ähnlich wie das einer Lobbygruppe, wobei sie diejenigen unterstützen, die an ihren Meinungen oder Überzeugungen teilhaben. Eine Studie ergab, dass jeder zehnte Erwachsene unter 40 Jahren der Meinung war, dass die Yakuza existieren dürfen. In den 1980er Jahren geriet in Fukuoka ein Yakuza-Krieg außer Kontrolle und Zivilisten wurden verletzt. Es war ein großer Konflikt zwischen den Yamaguchi-Gumi und Dojin-Kai , der als Yama-Michi-Krieg bezeichnet wurde . Die Polizei trat ein und zwang die Yakuza-Chefs auf beiden Seiten, öffentlich einen Waffenstillstand zu erklären. Zu verschiedenen Zeiten haben Menschen in japanischen Städten Anti-Yakuza-Kampagnen mit gemischtem und vielfältigem Erfolg gestartet. Im März 1995 verabschiedete die japanische Regierung das Gesetz zur Verhinderung rechtswidriger Aktivitäten von Mitgliedern der kriminellen Bande , das das traditionelle Erpressen erheblich erschwerte. Ab 2009 begann die japanische Polizei unter der Führung von Agenturchef Takaharu Ando , gegen die Banden vorzugehen. Kodo-kai- Chef Kiyoshi Takayama wurde Ende 2010 festgenommen. Im Dezember 2010 verhaftete die Polizei Yamaguchi-gumis mutmaßlichen Anführer Nummer drei, Tadashi Irie .
Laut den Medien haben lokale Regierungen und Bauunternehmen begonnen, Yakuza-Aktivitäten oder die Beteiligung an ihren Gemeinden oder Bauprojekten zu meiden oder zu verbieten, was durch strengere Gesetze und Gesetze gegen Yakuza gefördert wird. Die Polizei ist jedoch behindert, weil Japan kein Äquivalent zu Verhandlungen , Zeugenschutz oder dem US-amerikanischen Gesetz über von Racketeern beeinflusste und korrupte Organisationen hat .
In den Jahren 2010 und 2011 wurden in Osaka und Tokio Gesetze erlassen, um den Einfluss der Yakuza zu bekämpfen, indem es für jedes Unternehmen illegal wurde, Geschäfte mit den Yakuza zu machen. Yakuzas Hilfe bei der Tōhoku-Katastrophe Nach dem Erdbeben und dem Tsunami in Tōhoku am 11. März 2011 schickten die Yakuza Hunderte von Lastwagen mit Lebensmitteln, Wasser, Decken und Sanitärzubehör, um den Menschen in den betroffenen Gebieten der Naturkatastrophe zu helfen. CNN México sagte, dass die Yakuza zwar durch Erpressung und andere gewalttätige Methoden operieren, sich aber "schnell und leise bewegten, um den Bedürftigsten Hilfe zu leisten". Solche Aktionen der Yakuza sind das Ergebnis ihres Wissens darüber, wie es ist, "für sich selbst zu sorgen", ohne staatliche Hilfe oder Unterstützung durch die Gemeinschaft, da sie auch als "Ausgestoßene" und "Aussteiger aus der Gesellschaft" gelten.
Darüber hinaus schätzt der Ehrenkodex der Yakuza ( Ninkyo ) Berichten zufolge Gerechtigkeit und Pflicht über alles und verbietet es anderen, leiden zu dürfen. Vereinigte Staaten Die Aktivitäten von Yakuza in den Vereinigten Staaten sind größtenteils auf Hawaii beschränkt , aber sie haben ihre Präsenz in anderen Teilen des Landes bekannt gemacht, insbesondere in Los Angeles und der San Francisco Bay Area sowie in Seattle , Las Vegas , Arizona , Virginia , Chicago und New York City . Die Yakuza sollen Hawaii als Zwischenstation zwischen Japan und dem amerikanischen Festland nutzen, Methamphetamin ins Land schmuggeln und Schusswaffen zurück nach Japan schmuggeln. Sie passen leicht in die lokale Bevölkerung, da viele Touristen aus Japan und anderen asiatischen Ländern die Inseln regelmäßig besuchen und es eine große Bevölkerung von Bewohnern gibt, die ganz oder teilweise japanischer Abstammung sind. Sie arbeiten auch mit lokalen Banden zusammen und leiten japanische Touristen zu Spielstuben und Bordellen. In Kalifornien haben die Yakuza Allianzen mit lokalen koreanischen Banden sowie chinesischen Triaden geschlossen . Sie verbündeten sich mit vietnamesischen Banden, um sie als Muskeln zu nutzen, da sie das Potenzial hatten, bei Bedarf extrem gewalttätig zu werden.
Die Yakuza erkannten ihr Potenzial nach den ständigen Schießereien in vietnamesischen Cafés und Einbrüchen bei Hausinvasionen in den 1980er und frühen 1990er Jahren. In New York City scheinen sie Findergebühren von russischen, irischen und italienischen Gangmitgliedern und Geschäftsleuten zu erheben, um japanische Touristen zu legalen und illegalen Glücksspieleinrichtungen zu führen. In den USA hergestellte Handfeuerwaffen machen einen großen Anteil (33%) der in Japan beschlagnahmten Handfeuerwaffen aus, gefolgt von China (16%) und den Philippinen (10%). 1990 konnte ein Revolver vom Kaliber 38 von Smith & Wesson , der in den USA 275 US-Dollar kostete, in Tokio für bis zu 4.000 US-Dollar verkauft werden. Bis 1997 würde es aufgrund der zunehmenden Verbreitung von Waffen in Japan in den 1990er Jahren für nur 500 US-Dollar verkauft. Das FBI vermutet, dass die Yakuza verschiedene Operationen durchführen, um Geld in den USA zu waschen Im Jahr 2001 veranlasste der Vertreter des FBI in Tokio, dass Tadamasa Goto , der Leiter der Gruppe Goto-gumi , eine Lebertransplantation im UCLA Medical Center in den USA erhielt, um Informationen über die Operationen von Yamaguchi-gumi in den USA zu erhalten. Dies geschah ohne vorherige Konsultation der NPA . Der Journalist, der den Deal aufgedeckt hatte, erhielt Drohungen von Goto und erhielt Polizeischutz in den USA und in Japan. Ostasien außerhalb Japans
Die Yakuza sind seit den 1960er Jahren in Südostasien beschäftigt. Sie arbeiten dort an der Entwicklung des Sextourismus und des Drogenhandels. Dies ist der Bereich, in dem sie heute noch am aktivsten sind. Neben ihrer Präsenz in südostasiatischen Ländern wie Thailand , den Philippinen und Vietnam sind Yakuza-Gruppen auch in Südkorea , China , Taiwan und auf den Pazifikinseln (hauptsächlich Hawaii ) tätig. Yakuza-Gruppen sind auch in Nordkorea präsent; 2009 wurde Yakuza-Mitglied Yoshiaki Sawada aus Nordkorea entlassen, nachdem er fünf Jahre im Land verbracht hatte, weil er versucht hatte, einen nordkoreanischen Beamten zu bestechen und Drogen zu schmuggeln
3. Camorra
Diese Mafia-Gruppierung stammt ursprünglich aus Italien und entstand in den Gefängnissen. Entlassene Gefangene führen die Aktivitäten anderer Gefangenen weiter. Viele Mafiosi sind im Laufe der Jahre in die USA gezogen, aber durch die strenge Gesetzgebung dort sind die Mafia-Gruppen abgeschwächt. In Italien ist die Organisation stark geblieben, weil die italienische Regierung ihr die Hand über dem Kopf gehalten hat. Trotz der Versuche von Journalisten, Bürgern und Regierungsbeamten ist es immer noch nicht gelungen um Maffia und die Regierung in Italien zu trennen. Die Camorra ist die erfolgreichste Mafia-Gruppe in diesem Land. Sie entstand im 19. Jahrhundert in Neapel. Sie erzeugt Geld in erster Linie von sexueller Ausbeutung, Handel mit Waffen, Drogen, gefälschte Produkte und Glücksspiele
Als Camorra, auch bekannt als Bella Società Riformata, Società dell’Umirtà, Onorata Società oder Il Sistema, werden organisierte kriminelle italienische Familienclans in Neapel und der Region Kampanien bezeichnet. Die Camorra ist eine der ältesten und größten kriminellen Organisationen in Italien und besteht seit dem 16. Jahrhundert. Im Gegensatz zur sizilianischen Cosa Nostra und der kalabrischen ’Ndrangheta mit ihrem überwiegend ländlichen Operationsfeld agiert die Camorra vorwiegend von Neapel und dem Umland aus. Die Camorra besteht aus autonomen Clans und ist daher auch nicht wie die Cosa Nostra vertikal, sondern horizontal organisiert. Zulauf erhält die Camorra vor allem aufgrund der – besonders unter Jugendlichen – hohen Arbeitslosigkeit. Sie bietet ihnen (statistisch nicht erfasste) Arbeit an; überhaupt ist die Schattenwirtschaft eine bedeutende ökonomische Kraft der Stadt.
Die Ursprünge der Camorra sind bis heute nicht ganz klar. Man nahm bisher an, dass sie seit dem 16. Jahrhundert als direkter Nachkomme einer spanischen Geheimgesellschaft namens „Garduña“ zurückreichen, welche im Jahr 1417 gegründet wurde. Jüngste historische Forschungen in Spanien legen jedoch nahe, dass die Garduña nie wirklich existierte und nur auf einem fiktiven Buch aus dem 19. Jahrhundert basieren würde.
Die Herkunft des Wortes „Camorra“ ist unklar, es gibt jedoch zahlreiche Theorien. Die erste offizielle Verwendung des Wortes soll aus dem Jahre 1735 stammen, als eine königliche Verfügung die Einrichtung von acht Spielhöllen in Neapel zuließ. In dem besagten offiziellen Dokument ist die Rede von Camorra avanti palazzo, damit meinte man eine Spielhölle in der Nähe eines Palasts.Daher ist das Wort nahezu zweifellos eine Mischung aus „Capo“ (Chef) und einem neapolitanischen Straßenspiel namens „Morra“.
Die Camorra operiert in der gesamten Europäischen Union mit Drogenhandel, Waffenhandel, Produktpiraterie von Luxusgütern, illegaler Müllentsorgung und Schutzgelderpressung.[10] Mit Hilfe von Korruption und Erpressung erlangte sie Großaufträge im Baugewerbe.Weiterhin investiert die Camorra in hohem Maße in die Herstellung von Designermode und Zement. Schutzgelder werden in camorrakontrollierten Betrieben gewaschen und legal in den europäischen Großstädten reinvestiert.
Wie die Cosa Nostra, ’Ndrangheta und andere Gruppierungen der Organisierten Kriminalität hat auch die Camorra längst ihre regionale Herrschaftszone verlassen und ihre Verbrechen auf andere Länder der EU und darüber hinaus ausgeweitet. Roberto Saviano hält kriminelle Organisationen sogar für den Inbegriff von Internationalismus, da diese Syndikate mit modernsten Mitteln operieren und sich überdies untereinander verheiraten wie einst der europäische Hochadel. Als Beispiele führt er an:
„Im schottischen Aberdeen investiert der Clan La Torre in den Tourismus.“
„Francesco Schiavone, genannt ‚Cicciariello‘, wurde in Polen verhaftet und investierte auch in Rumänien.“
„Vincenzo Mazzarella wurde in Paris verhaftet, wo er mit den afrikanischen Kartellen mit Diamanten handelte.“
„In Nizza gibt es Investitionen in Immobilien.“
Die kampanische Kleinstadt Castel Volturno in der Provinz Caserta bei Neapel soll ausländischen Clans „komplett überlassen“ worden sein, nämlich „Clans aus Lagos und Benin City“, zum Zwecke des Kokainhandels und für den Transit von Prostituierten nach ganz Europa.
Die deutsche Hafenstadt Rostock spiele 2008 eine Schlüsselrolle im internationalen Kokainhandel. Die Camorra baue für den Kokainschmuggel speziell konstruierte Schiffe mit doppelten Wänden. Das Kokain sei nur über eine komplette Schiffsdemontage zugänglich, doch die enorme Gewinnspanne beim Kokainhandel erlaube den Verlust eines ganzen Handelsschiffes.
In vielen deutschen Großstädten (Stuttgart, Leipzig, München, Frankfurt am Main) hätten alle Clans der Camorra ihre Vertretungen; vor allem in der ehemaligen DDR seien bestimmte Wirtschaftsbereiche wie Tourismus, Bauindustrie, Transportwesen und Textilindustrie unterwandert.
Der deutsche Geheimdienst (vermutlich: BfV) soll ebenfalls schon von Camorra-Informanten infiltriert sein.
Saviano sieht die Unternehmen an der Costa del Sol mittlerweile weitgehend unter der Kontrolle der Camorristi des Casalesi Clans. Dort werde neben dem Rauschgifthandel (Kokain) vor allem Geldwäsche über das Baugewerbe betrieben.Die Camorristi nennen die Costa del Sol bereits „costa nostra“ (= unsere Küste). Saviano führt die Ignoranz spanischer Politiker gegenüber der Camorra zurück auf „eine stillschweigende Übereinkunft, nach der die Kriminellen aus Neapel ihre Geschäfte machen dürfen, solange sie keine militärischen Aktionen provozieren
Saviano folgert aus dieser bislang ungestörten Expansion: „Für die Camorra ist die Welt eine Art Brettspiel, wo einzelne Familien bestimmte Gebiete einfach in Besitz nehmen.“ Nur eine Kooperation auf europäischer Ebene könnte der organisierten Wirtschaftskriminalität noch Einhalt gebieten. Ein erster notwendiger Schritt dazu sei die Einführung der „Mafia als Straftatbestand“ in der EU, der 2007 ausschließlich in Italien Geltung hatte.
Nach einer Untersuchung von Confesercenti, dem zweitgrößten italienischen Handels- und Unternehmerverband, vom 22. Oktober 2007 im Corriere della Sera, werden in Neapel die Fischerei, die Milchproduktion, der Kaffeehandel und 2.500 Bäckereien nahezu vollständig von der Camorra kontrolliert.
Sie ist in zig verschiedene grössere und kleinere Clans aufgeteilt.Zu den dominierenden Clans gehört die sogenannte Alleanza di Secondigliano, die vor allem von den Clans Licciardi, Di Lauro und Contini-Bosti repräsentiert wird.
Die Camorra existierte in den USA schon zwischen der Mitte des 19. Jahrhunderts und Anfang des 20. Jahrhunderts. Sie wetteiferte in einem Krieg gegen die sizilianisch-stämmige Mafia bzw. der späteren amerikanischen Cosa Nostra, welchen sie jedoch verlor und so schließlich unter der neuen Führung des Sizilianers Salvatore D’Aquila mit der frühen amerikanischen Cosa Nostra verschmolz, was heute als Vorläufer des später als „Gambino-Familie“ klassifizierten Clans gilt.
Antonio La Torre aus Aberdeen (Schottland) war der dortige lokale „Don“ der Camorra. Er ist der Bruder von Camorra-Chef Augusto La Torre des La Torre Clans, welcher in Mondragone (Kampanien) seine Basis hatte. Der La Torre Clan war Hunderte Millionen Euro schwer. Antonio betrieb mehrere legitime Geschäfte in Aberdeen, während sein Bruder Augusto dort illegale Geschäfte führte. Er wurde später in Schottland verurteilt und wartet auf seine Auslieferung nach Italien. Augusto wurde im Januar 2003 schließlich zum Pentito und gestand mehr als 40 Morde. Seinem Beispiel folgten später viele seiner Männer
In Deutschland ist die Camorra seit den 1980er Jahren verstärkt aktiv. Regionale Brennpunkte liegen in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Hessen und Bayern. Laut Bundeskriminalamt hielten sich zuletzt 88 mutmaßliche Mitglieder der Organisation aus dem Raum Neapel in Deutschland auf. Am häufigsten waren Mitglieder der Clans Licciardi, Moccia, Cava und Ascione vertreten
Beispielsweise unterhielten die Corleonesi von der Cosa Nostra, besonders unter dem berüchtigten Boss Salvatore „Totò“ Riina, traditionell enge Verbindungen zur Camorra-Dependance in Baden-Baden. Diese, aus Giugliano in Campania stammend, soll unter ihrem Anführer Sabatino Ciccarelli den Kokainhandel in Deutschland organisiert haben.
Im Jahr 2009 wurden nach großangelegten Razzien in Deutschland und Italien neun Mafiosi der Camorra aus Neapel in Karlsruhe festgenommen. In Offenbach wurde eine gesamte Lagerhalle voll Mafia-Gut sichergestellt. Den verhafteten Beschuldigten wurde vorgeworfen, banden- und gewerbsmäßig betrogen zu haben.
Im Jahr 2010 wurden in Hamburg 5 Angehörige des Camorra-Clans Rinaldi festgenommen.Auch hier wurde wieder gewerbs- und bandenmäßiger Betrug in großem Stil vorgeworfen.
4. Ndrangheta
Auch diese Mafia-Bande entstand in Italien, nämlich in der Region Kalabrien. Sie ist die größte Mafia-Organisation des Landes hinter der Camorra. Die Ndrangheta-Mitglieder sind hauptsächlich im Kokainhandel tätig und unterhalten enge Verbindungen mit Südamerika. Sie versorgen insbesondere den transatlantischen Teil der Welt mit den notwendigen Drogen. Später fing diese Gruppierung auch an sich mit dem Drogenhandel in Amerika zu bemühen und hat sie einige italienische Mafia-Familien mit der Ausweitung ihres Handels geholfen.
Die ’Ndrangheta [(n)ˈdraŋɡeta] ist die Vereinigung der kalabrischen Mafia, deren Aktionsradius ganz Europa, Nord- und Südamerika sowie Russland und Australien umfasst. Mit geschätzten 54 Milliarden Euro Jahresumsatz (2013) gilt die ’Ndrangheta seit Mitte der 1990er Jahre als mächtigste Mafia-Organisation Europas. Wichtigste Einnahmequellen sind der Drogenhandel und die illegale Müllentsorgung, insbesondere von Giftmüll. Sie kontrolliert weite Teile des Kokainhandels in Europa.
Die Wurzeln der ’Ndrangheta reichen zurück bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts. Damals hieß sie Picciotteria und gedieh in ländlichen Gebieten. Man vermutet, dass sie aus Briganten und Rebellen in den Gemeinden Platì und San Luca entstand. Das Einkommen bestritt man vornehmlich aus Erpressungen und Entführungen. Die Herkunft des Namens ist nicht ganz geklärt. Er könnte aus dem in Teilen Kalabriens gesprochenen griechisch-kalabrischen Dialekt stammen und verwandt sein mit griechisch ἀνδραγαθία andragathía „Heldentum, Tugend“ oder ἀνδράγαθος andrágathos „helden-, tugendhaft“, zusammengesetzt aus ἀνήρ anḗr (Genitiv ἀνδρός andrós) „Mann“ und ἀγαθός agathós „gut“. Die Auslassung von Anfangsvokalen ist in süditalienischen Dialekten ein häufiges Phänomen. Erstmals gebrauchte der kalabrische Schriftsteller Corrado Alvaro das Wort 'Ndrangheta vor einer breiteren Öffentlichkeit im September 1955 im Corriere della Sera. In einer konfiszierten Mafia-Villa in Reggio Calabria widmet sich das Museo della ’ndrangheta der Dokumentation und Erforschung der ’Ndrangheta.
Nach Erkenntnissen europäischer Drogenermittler stellt die ’Ndrangheta die bedeutendsten Gruppen im europäischen Kokain-Handel, noch vor den kolumbianischen Drogenkartellen. Die Dominanz der ’Ndrangheta ist vor allem darauf zurückzuführen, dass es ihr gelang, Teile des Geschäfts an sich zu reißen, als die sizilianische Cosa Nostra in den 1990er Jahren unter Druck geriet.
Laut einem Bericht der Anti-Mafia-Kommission aus dem Jahr 2014 liegt die Stärke der ’Ndrangheta sowohl in ihrer ökonomischen Macht als auch in ihrem starken Einfluss auf die Politik. Beim Drogenhandel hat die ’Ndrangheta keine Gegner: Sie kooperiert mit den südamerikanischen Kartellen und arbeitet oft in enger Verbindung mit amerikanischen Mafia-Clans oder der amerikanischen Cosa Nostra. Die „Operation New Bridge“ enthüllte beispielsweise die Verbindung zwischen dem Ursino Clan aus Marina di Gioiosa Ionica und der Gambino-Familie aus New York City.
Weitere wesentliche Ertragsquellen sind Waffenhandel, Geldwäsche und Erpressungen. Sie gilt als das wirtschaftlich stärkste Syndikat und setzte im Jahr 2013 vermutlich rund 53 Milliarden Euro um, das sind etwa 2,7 Prozent des italienischen Bruttoinlandsprodukts.Der Drogenhandel stellt dabei die größte Einnahmequelle dar, an zweiter Stelle folgt illegale Müllentsorgung. Geringere Bedeutung haben heutzutage noch Schutzgelderpressung, illegales Glücksspiel, Menschenhandel, Prostitution und Markenfälschung.
Durch Auswanderer hat die ’Ndrangheta „Zweigstellen“ in Europa, Südamerika, Russland, den USA, Kanada und Australien. Die Organisation ist mit 400 Führungsfiguren in 30 Ländern aktiv. Insgesamt sind weltweit rund 60.000 Menschen in die Aktivitäten der 'Ndrangheta verwickelt. Besonders betroffen sind Deutschland und die Benelux-Staaten.
Die als Mafiamorde von Duisburg bekannt gewordenen Verbrechen vom August 2007, bei denen sechs Italiener getötet wurden, erregten Medieninteresse. Es waren die ersten Morde dieses Ausmaßes, die die ’Ndrangheta im Ausland verübt hatte. In einem Spiegel-Interview vom 19. August 2008 sprach ein Pate allerdings davon, dass es sich bei den Morden um keine Fehde handelte, sondern eine Abspaltung innerhalb der Gesellschaft verhindert werden sollte. Um Nicola Di Girolamo, der ’Ndrangheta treu zu Diensten, bei der Wahl 2008 in den römischen Senat zu hieven, hatte sich die kalabrische Mafia-Organisation vornehmlich in Stuttgart von Italienern Blanko-Wahlzettel beschafft und zugunsten des angeblichen Auslandsitalieners Di Girolamo gefälscht. Ein Zentrum der ’Ndrangheta in Deutschland ist die Gastronomie in Erfurt, deren Hauptakteure aus dem Dorf San Luca stammen .Auch im Raum Stuttgart und in Nordhessen sind Clans aus Kalabrien aktiv, wie etwa die Polizeioperation "Stige" gezeigt hat. In Nordrhein-Westfalen verfügt die ’Ndrangheta über Stützpunkte für den internationalen Rauschgifthandel.
Im Gegensatz zur Cosa Nostra ist die ’Ndrangheta horizontal strukturiert und zählt aktuell vermutlich etwa 60.000 Mitglieder, sie umfasst etwa 90 Clans oder Cosche (benannt nach dem sizilianischen Wort für die Artischocke, die als Symbol für den Zusammenhalt stehen soll) wie die Familie Tegano. Im Vergleich zur Cosa Nostra basiert die Mitgliedschaft in der ’Ndrangheta aber weit stärker auf Blutsverwandtschaft. Die einzelnen Mitglieder nennen sich ’ndrinu und der Clan selbst ’ndrina. Will sich eine ’Ndrina ausdehnen, muss eine ihrer Frauen in eine andere Familie einheiraten – dies geschieht auch gegen den Willen der Frau. Schließen sich mehrere ’Ndrine (plural für ’Ndrina) zusammen, so werden diese als Locale bezeichnet.
Die Gliederung erfolgt innerhalb der Struktur.
Capo Provincia: koordiniert die Locali, bewacht die Traditionen und löst interne Konflikte.
Capobastone: steht an der Spitze einer ’Ndrina und entscheidet über Leben und Tod eines Mitglieds.
Contabile: verwaltet die Finanzen der ’Ndrina.
Capo Crimine: plant und koordiniert.
’Ndrinu ist ein einfaches Mitglied. Im Volksmund auch ’Ndranghetisti genannt.
Der Blutsverwandtschaft ist ein größerer Zusammenhalt zu verdanken: Bislang sind 157 Kronzeugen aus der Organisation ausgestiegen (zum Vergleich: In Sizilien waren es etwa 390). Eine neue Untersuchung, bekannt als „Operation Crimine“, endete im Juli 2010 mit der Verhaftung von 305 ’Ndranghetisti. Nach den Worten von Staatsanwalt Piero Grasso, Italiens Antimafiachef, ist die ’Ndrangheta extrem „hierarchisch, vereinigt und pyramidal“ und nicht nur klanbasiert aufgebaut.
Das Zentrum der Organisation liegt nach wie vor in Kalabrien in der Metropolitanstadt Reggio Calabria und der Provinz Crotone. Ähnlich wie in Sizilien die Kleinstadt Corleone gibt es in Kalabrien ein Dorf, das als Hochburg der ’Ndrangheta bezeichnet wird: Platì am Fuße des Gebirges Aspromonte. Das Dorf soll unterirdische Gänge und Kammern mit getarnten oder versteckten Türen haben, die den Mitgliedern des Clans ein Verschwinden bei Gefahr ermöglichen.
In der Gegend um Lecco, eine Stadt im Norden Mailands in der reichen Lombardei, ist es der Polizei im Mai des Jahres 2014 gelungen, heimlich den Initiationsritus der ’Ndrangheta bei einem Abendessen in einem Restaurant zu filmen.
Die Begrüßungsformel lautete: “Buon vespero e santa sera ai santisti.” (deutsch: „Ein gutes Abendessen und eine gesegnete Nacht an unsere heiligen Brüder.“) Santisti ist eine Hierarchiebezeichnung der ’Ndrangheta. Anschließend werden die italienischen Nationalhelden Garibaldi, Mazzini und La Marmora aufgerufen. Der Vorsitzende führt weiter: „In Demut nehme ich an der heiligen Gesellschaft teil. Sprecht mir nach: ,Ich schwöre, alles abzustreiten. Bis zur siebten Generation. […] Um die Ehre meiner weisen Brüder zu bewahren. Unter dem Licht der Sterne und der Schönheit des Mondes forme ich die heilige Kette.“ Am Ende werden erneut die drei Nationalhelden angerufen. Die neu Aufgenommenen müssen versprechen, dass sie sich bei schweren Verfehlungen entweder mit Gift umbringen oder sich erschießen werden. „Nicht die Menschen urteilen über euch, sondern ihr selbst. Ihr müsst immer eine Kugel für euch übrig haben“.
Die Schwüre unterscheiden sich von Clan zu Clan, aber geschworen wird stets auf das gleiche.
Nach diesen Regeln soll die ’Ndrangheta funktionieren:
Umiltà – Demut gegenüber Anderen („Ehrenwerten“ und der Bevölkerung)
Fedeltà – Uneingeschränkte Treue, deren Bruch mit dem Tod bestraft wird
Politica – Geheimsprache zwischen den „Ehrenwerten“, bei der die Wahrheit zu sagen das oberste Gebot ist
Falsa Politica – Sprache gegenüber Polizisten und Verrätern, die nie die Wahrheit erfahren dürfen
La Carta – Alle wichtigen Ereignisse werden aufgeschrieben
Il Lapis – Der Boss ist verpflichtet, eine geheime Chronik zu führen
Il Coltello – (wörtlich: Das Messer) Die Interessen der Organisation stehen an erster Stelle und werden mit Androhung des Todes beschützt
Die Anwendung der Prinzipien bedeutet Efferatezza (deutsch „Grausamkeit“) gegenüber den Betroffenen, da deren Menschenrechte missachtet werden.
5. Sinaloa-Kartell
Ursprünglich in Mexiko entstanden, unterhielt das Kartell später auch enge Beziehungen mit Lateinamerika und den Vereinigten Staaten. Sinaloa ist das größte Drogenkartell, das Mexikos jemals gekannt hat. Von allen Drogen, die einst in Amerika konsumiert wurden, kommt durchschnittlich 60% von dem Sinaloa-Kartell. Das Kartell verdient etwa $ 3 Milliarden pro Jahr mit diesem Geschäft. Als der Anführer einer Mafia-Gruppe verhaftet wird, äußeren die Mitglieder ihre Frustration in der Regel in blutigen Massakern. Also wird entschieden, wer der Nachfolger ist. Das Sinaloa-Kartell bleibt davon aber verschont und löst solche Sachen auf friedlichere Weise.
Als Sinaloa-Kartell (spanisch Cártel de Sinaloa) bekannt ist die mexikanische Verbrecherorganisation, die Geschäften im Drogenhandel, der Geldwäsche und dem Menschenhandel nachgeht. Das Kartell hat seine Basis in Culiacán, Sinaloa, agiert aber in mehr als 20 mexikanischen Bundesstaaten. Das Kartell ist auch unter den Bezeichnungen Guzmán-Loera-Organisation und Pazifik-Kartell bekannt. Das Kartell wurde auch „Federación“ genannt. Diese „Federación“ löste sich aber mit der Abspaltung der Gebrüder Beltrán Leyva vom Sinaloa-Kartell auf.
Das Sinaloa-Kartell soll 2010 in etlichen lateinamerikanischen Staaten aktiv gewesen sein. Es soll auf die Unterstützung von mexikanischen Behörden auf kommunaler, regionaler und Bundesebene zählen können.
Die United States Intelligence Community bezeichnete 2010 das Sinaloa-Kartell als „die mächtigste Organisation im Drogenhandel weltweit“.[2] Laut dem United States Attorney General ist das Sinaloa-Kartell verantwortlich für den Import und den Vertrieb von über 200 Tonnen Kokain zwischen 1990 und 2008.
Zu Beginn der 2010er Jahre gewann das Verbrechersyndikat aus Sinaloa zunehmend an Einfluss und wird mittlerweile wieder als das mächtigste Kartell Mexikos gehandelt
Der Drogenhandel in Mexiko professionalisierte sich im Laufe der 1980er Jahre. Während früher überwiegend kolumbianische Kartelle, wie das Cali-Kartell und das Medellín-Kartell, dafür sorgten, dass Kokain, Marihuana und Heroin in die USA gelangten, begann sich in den 1980er Jahren ein Kartell mit seiner Basis in Guadalajara, Jalisco, zu bilden. Der ehemalige Polizeibeamte Miguel Ángel Félix Gallardo gründete gemeinsam mit seinen Partnern Ernesto Fonseca Carrillo und Rafael Caro Quintero das Guadalajara-Kartell, welches in seiner Hochblüte in den 1980ern den gesamten Kokainhandel in Mexiko beherrschte.
Gallardo entwickelte Mitte der 1980er ein neues Vertriebsmodell für Kokain, verzichtete dadurch aber auf große Teile seiner Macht. Er unterteilte sein Einflussgebiet in sechs neue Bezirke.
Zu diesem Zeitpunkt war das Guadalajara-Kartell das wohl einflussreichste und mächtigste Drogenkartell in der Geschichte Mexikos.Doch nachdem Miguel Angel Felix Gallardo 1989 verhaftet wurde, entbrannten Kompetenzstreitigkeiten. Da sich jeder der fünf verbliebenen Drogenbosse erhöhten Einfluss sichern wollte, zerbrach letztlich die Federación, und es entstanden mehrere kleine Gruppierungen, die stellenweise bis heute existieren: Sinaloa-Kartell, Golf-Kartell, Tijuana-Kartell, Juárez-Kartell.
Anfang der 1990er entwickelte sich dann das Sinaloa-Kartell, trotz zahlreicher Gefechte mit den verfeindeten Kartellen, zum einflussreichsten Kartell Mexikos. Dies änderte sich, als die Kämpfe intensiver wurden. Besonders die Schmuggelroute über Tijuana nach Kalifornien wurde heftig umkämpft. Es kam vermehrt zu Auseinandersetzungen mit den Arellano-Felix-Brüdern vom Tijuana-Kartell. So entging El Chapo oft nur knapp Attentaten, die auf das Tijuana-Kartell zurückzuführen waren. Immer seltener hielt er sich über längere Zeit an ein und demselben Ort auf. Er nutzte überwiegend Hotelzimmer, blieb oft nur zwei Nächte, um nicht gefunden zu werden. Seine Flucht endete 1993 in Guatemala, wo er gefangen genommen und anschließend in das Hochsicherheitsgefängnis Puente Grande in Jalisco gebracht wurde.
Infolgedessen war das Sinaloa-Kartell sichtlich geschwächt, auch wenn El Chapo die Geschicke aus der Gefängniszelle fortführen konnte. Nach seinem legendären Ausbruch 2001 fand das Sinaloa-Kartell zu alter Stärke zurück. Besonders während der Amtszeit von Felipe Calderón (2006–2012) wuchs die Macht des Kartells stark an. In der jüngeren Vergangenheit wird es wieder als stärkstes Kartell Mexikos bezeichnet. Während andere Kartelle, besonders das Golf-Kartell und die Los Zetas, brutale Auseinandersetzungen mit den mexikanischen Streitkräften hatten, blieb das Kartell aus Sinaloa weitestgehend verschont. Dies führte zur Vermutung einer geheimen Zusammenarbeitsvereinbarung zwischen Präsident Felipe Calderón und den Führern des Sinaloa-Kartells. Auch der US-amerikanischen Drug Enforcement Administration wurde eine Kooperation mit dem Kartell unterstellt.
Am 30. Juli 2010 wurde Ignacio „Nacho“ Coronel, einer der drei Anführer des Kartells, von mexikanischen Militärangehörigen getötet. Es war der größte Erfolg der mexikanischen Armee im Kampf gegen das Sinaloa-Kartell seit Beginn des Drogenkrieges.
Am 25. September 2010 wurde mit Margarito Soto Reyes der mutmaßliche Nachfolger von Ignacio Coronel von der Polizei verhaftet.
Am 26. Mai 2011 lieferten sich Angehörige des Sinaloa-Kartells, laut Regierungsangaben, in Ruiz auf der Hauptstraße von Tepic nach Mazatlán mit Mitgliedern der Zetas ein einstündiges Feuergefecht aus fahrenden Autos heraus, bei dem 29 Personen, teilweise mit Kampfanzügen und Schutzwesten bekleidet, getötet wurden. Die Polizei konfiszierte 14 Fahrzeuge, darunter zwei gepanzerte, und zusätzlich Gewehre, Munition und Handgranaten.
Am 22. Februar 2014 wurde El Chapo verhaftet. Als Nachfolger galt nun sein langjähriger Vertrauter Ismael „El Mayo“ Zambada. Eine Woche nach der Festnahme Guzmáns demonstrierten mehrere Tausend Anhänger landesweit für die Freilassung des ehemaligen Anführers des Sinaloa-Kartells. Am 11. Juli 2015 brach El Chapo jedoch zum zweiten Mal aus dem Gefängnis aus.Nach sechsmonatiger Flucht wurde er am 8. Januar 2016 von mexikanischen Marineinfanteristen in Los Mochis, zusammen mit seinem Sicherheitschef, Jorge Iván Gastélum Ávila (alias „El Cholo“), verhaftet und am 19. Januar 2017 an die USA überstellt.
Als mutmaßlicher neuer Kartellführer und Nachfolger El Chapos etablierte sich in einem Machtkampf 2016/17 zunächst Dámaso López Núñez, genannt „El Licenciado“ („Der Akademiker“), ein langjähriger Weggefährte und Berater El Chapos, der im Mai 2017 vom mexikanischen Militär festgenommen wurde. Einige Sicherheitsexperten vermuten, er stecke hinter der Entführung der Söhne von El Chapo im August 2016 und sei mit dem Kartell Jalisco Nueva Generación (CJNG) verbündet, um sich gegen das Lager der Familie Guzmán durchzusetzen, das ihn nicht akzeptierte. Bereits seit 2015 soll das Kartell zwischen Anhängern und Gegnern der Familie El Chapos gespalten sein. Seit Jahresbeginn bis Mai 2017 forderten Auseinandersetzungen zwischen der Fraktion von El Licenciado und seinem Sohn „Mini Lic“ auf der einen und dem Bruder und den Söhnen von El Chapo auf der anderen Seite vor allem an der Pazifikküste Mexikos über 140 Menschenleben.
Nun haben sie einen Kleinen Einblick in die Organisationen erhalten.
Italien ist eins der acht mächtigsten Länder der Welt (G8) und Gründungsmitglied der Europäischen Union. Ihr größtes Unternehmen kontrolliert 14,6 Prozent des Bruttoinlandsproduktes - und heißt Mafia.
In den 1970er und 1980er Jahren verging kaum ein Tag, an dem die italienische Presse nicht über die Mafia berichten musste. Mal ging es um die blutigen Kämpfe zwischen den Clans, mal um den Drogen- und Rüstungshandel, mal um die Zusammenarbeit mit „umgelenkten Teilen“ der Geheimdienste und das enge Verhältnis zu korrupten Politikern. Die Liste der Berichte über die Morde an unbequemen Richtern, Journalisten oder Politikern ist lang.
Giuseppe Impastato war ein junger Idealist, der in Cinisi bei Palermo lebte. Er widersetze sich seiner eigenen Familie, weil sie von Mafiosi verseucht war: Der Vater war einer von ihnen. Über einen selbstfinanzierten freien Radiosender berichte Impastato über die Machenschaften der Mafiosi in der Region. Während des Wahlkampfes zu den sizilianischen Kommunalwahlen 1978 setze die Mafia dem jungen Widerstand ein Ende. Beim Warten an einem Bahnübergang wurde Impastato aus seinem Wagen gezerrt, mit einem Stein erschlagen und an die Schienen gefesselt. Anschließend deponierte man einen Sprengsatz neben ihm und zündete diesen fern. Wenig später wurde ein Brief veröffentlicht, der die Tatsache bekräftigen sollte, dass es sich bei der Explosion um einen Selbstmord gehandelt hatte. Impastato wurde 30 Jahre alt.
Ein Jahr später wurden der leitende Polizeibeamte Boris Giuliano und der Ermittlungsrichter Cesare Terranova in Palermo erschossen.
Der ehemalige Präsident der Region Sizilien, Piersanti Mattarella, wurde am 6. Januar 1980 ermordet: Er hatte die Verstrickung zwischen Mafia und Politik (involviert waren auch eigene Parteikollegen) öffentlich verurteilt.
Der General der Carabinieri, Carlo Alberto dalla Chiesa, und seine Frau wurden am 3. September 1982 von der Mafia ermordet. 1983 wurde der Staatsanwalt Rocco Chinnici umgebracht. Er war der Begründer des Antimafia-Pools von Palermo.
Der sizilianische Unternehmer Libero Grassi wurde 1991 getötet, weil er sich öffentlich gegen die Schutzgelderpressungen der Mafia gewehrt hatte. Ein Jahr später wurden die zwei populären Anti-Mafia-Richter samt Eskorte in die Luft gejagt: erst Giovanni Falcone; zwei Monate später sein Freund und Kollege Paolo Borsellino. Ein Jahr nach diesem Anschlag nahm die Polizei einen der Attentäter, Santino di Matteo, fest. Di Matteo begann mit der Justiz zu kooperieren und wurde in staatliches Schutzprogramm für Mafiaaussteiger (Pentiti) aufgenommen. Die Rache der Mafia ließ nicht lange auf sich nicht warten. Sie entführte den zwölfjährigen Giuseppe di Matteo, Sohn von Santino. Nach zwei Jahren Gefangenschaft wurde das Kind erdrosselt. Um die Spuren der Gewalttat zu verwischen, wurde sein Körper in einem Fass Säure aufgelöst.
Vor allem das letzte Beispiel gibt einen Einblick ins Selbstverständnis der Mafia. Sie ist „ein totalitäres System – bestimmt von der Verachtung für das menschliche Leben […] Mafiakultur bedeutet, dass der Einzelne nicht existiert und dass alle Interessen der Mafia untergeordnet sind. Dass es keine Werte gibt, an die man glaubt. Dass ‚Ehre’ und ‚Familie’ nur hohle Floskeln sind, weil stets nur eines zählt: das Weiterbestehen der Mafia. Und dass die Mafia, um dieses Ziel zu erreichen, jeden Einzelnen mit einem ‚Über-Ich’ ausstattet, mit dem Bewusstsein, zu einem auserlesenen Volk zu gehören,“ schreibt die Mafia-Expertin Petra Reski in ihrem neuen Buch „Von Kamen nach Corleone“.
Nur der Cosa Nostra sollen mehr als 5.000 Menschen zum Opfer gefallen sein . Die Tatsache, dass auch viele Polizisten und Richter zu ihnen gehören, zeigt, dass die italienische Justiz in all den Jahren nicht untätig geblieben ist. In dem legendären Maxiprozess war es Giovanni Falcone und Paolo Borselino gelungen, 360 Mafiabosse zu insgesamt 2665 Jahren Haft zu verurteilen [Reski 2010:103]. Als die berüchtigten Paten Totò Riina und Bernardo Provenzano festgenommen wurden, zeigte das italienische Fernsehen zwei alte mitgenommene Männer in Handschellen, die eher einfältigen Schafhirten als mächtigen, brutalen Herrschern ähnelten. Ein trügerisches Bild. Zur Cosa Nostra (so heißt die Mafia in der Region Sizilien), Ndrangeda (Kalabrien), Camorra (Kampanien) und Sacra Corona Unita (Apulien) gehören insgesamt 629 Clans, die auf einer Armee von 20.200 Mitgliedern und fast 220.000 Unterstützern („fiancheggiatori“) zählen . Nur beim Clan Sarno in Neapel stehen 5.000 Personen unter dem Befehl eines Mafia-Bosses . Der Kampf der Justiz gegen die Mafia gleicht dem Kampf gegen einen Tumor: „Mafiosi wachsen nach wie Tumorzellen,“ sagt Nicola Gratteri, leitende Oberstaatsanwalt im kalabrischen Reggio Calabria [Reski 2010:55].
Während früher die sizilianische Cosa Nostra als mächtigste Mafia-Organisation galt, hat in den letzten zwei Jahrzehnten die kalabrische ’Ndrangheta eine steile Karriere hingelegt. „Nach den Morden an den beiden Staatsanwälten Giovanni Falcone und Paolo Borsellino waren die Scheinwerfer des öffentlichen Interesses fast ausschließlich auf Sizilien gerichtet,“ und im Schatten der Cosa Nostra konnte die `Ndrangheta fast unbemerkt wachsen. „Aus den bäuerlichen Clans, die einander Schafe raubten, war die reichste Mafiaorganisation Italiens geworden, mit einem geschätzten jährlichen Geschäftsumsatz von 45 Milliarden Euro“ [Reski 2010:87].
Die Mafia ist die größte italienische Holding, mit einem jährlichen Gesamtumsatz von 135 Milliarden Euro und einem Nettogewinn von 70 Milliarden Euro [4]. Im Oktober 2009 berichtete die englische The Guardian [5], dass die Mafia 14,6 Prozent des Bruttoinlandsproduktes Italiens kontrolliert, das heißt eines Landes, das zu der Gruppe der acht mächtigsten Nationen der Welt gehört (G8).
Die Aktivitäten der Mafia liegen nicht nur in Waffen- und Kokainhandel, Betrug und Fälschung, Mord und Erpressung. Die Mafia braucht auch das legale Geschäft (z.B. Restaurants und Pizzerien), unter anderem um ihr Geld zu waschen. „In Italien gaben die Antimafiafahnder im Sommer 2010 bekannt, dass heute mindestens 5.000 Restaurants Geldwaschanlagen der Mafia sind, in Großstädten wie Rom und Mailand soll sogar jedes fünfte Restaurant der Mafia gehören“ [Reski 2010:111].
Die Mafia mischt auch im Baugeschäft und Finanzhandel kräftig mit.
In Italien pflegt die Mafia seit mehr als einem halben Jahrhundert enge Kontakte zur Politik. Der sizilianische Staatsanwalt und oberste Mafia-Jäger Piero Grasso beschreibt dieses Verhältnis so: „Mafia und Politik verhalten sich zueinander wie der Fisch und das Wasser: Es gibt kein Wasser ohne Fische und keine Fische ohne Wasser. Manchmal habe ich den Eindruck, dass die Politik eher Lust auf die Mafia hat und sich davon nicht wirklich befreien will.“
Die Mafia kontrolliert viele Wählerstimmen und war in Italien immer wieder Teil der Regierung. Mehrere Mafiaaussteiger wie Tommaso Buscetta berichteten vor den Richtern über die Treffen zwischen Giulio Andreotti und den Mafiabossen. Andreotti war 21mal Minister, 7mal Regierungschef, ewiger Strippenzieher der Democrazia Cristiana (DC) und zählt Henry Kissinger und Helmut Kohl zu seinen engen Freunden .
Seit 2010 ist endgültig bewiesen, dass auch Silvio Berlusconi seit Jahrzehnten enge Kontakte zur Mafia pflegt [8]. Der Mediator ist seine rechte Hand Marcello Dell’Utri.
Dell’Utri war leitender Manager von Berlusconi’s Holding Fininvest, Mitbegründet von Berlusconi’s Partei Forza Italia im Jahr 1993, von 1999 bis 2004 Europäischer Abgeordneter in den Reihen des Europäischen Volkspartei (PPE), heute Mitglied des italienischen Senats. Dell’Utri wurde 2004 zu einer Gefängnisstrafe von neuen Jahren verurteilt, wegen externer Beteiligung an einer mafiösen Vereinigung. Im Juni 2010 hat das Berufungsgericht von Palermo die Verurteilung bestätigt, die Gefängnisstrafe jedoch auf sieben Jahre herabgesetzt.
© Davide Brocchi, 15.12.2010
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Was Geheimdienste damit zu tun haben und wie sich so manches verändert hat beschreibt Alfred McCoy in einem seiner gut recherchierten Bücher :
Mit Drogenkriegen Politik betreiben – das gehört seit 50 Jahren zur Strategie der CIA, so Alfred W. McCoy in „Die CIA und das Heroin“. Und er kann es belegen. Was als Abwehrkampf gegen Kommunismus und Terrorismus gedacht war, hatte – und hat – dramatische Folgen.
Ganz gleich, ob in Südostasien, am Hindukusch oder in Südamerika, ob in den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts oder in der Gegenwart: Die Drogenkriege der CIA laufen stets nach ein und demselben Muster ab. Lediglich das Feindbild hat sich geändert.
Über Jahrzehnte versuchte die Central Intelligence Agency die Ausbreitung des Kommunismus mit der Geheimwaffe Heroin einzudämmen, nun ist der islamistische Terrorismus als „Staatsfeind Nummer Eins“ in den Fokus gerückt.
Alfred McCoy kann seine Kernthese, ihre Ursachen und ihre Folgen, anhand zahlreicher Beispiele belegen. Das Muster der CIA-Aktionen funktionierte und funktioniert demnach überall so wie in Asien:
In Birma, Laos und Afghanistan sorgte eine gesteigerte Opiumproduktion für die entscheidende Unterstützung der Geheimoperationen. Als die Stammesgesellschaften für die CIA-Geheimkriege mobilisiert wurden, mussten sie Arbeitskräfte vom Subsistenzlandbau abziehen und sie in den Krieg umlenken. Dadurch sank die Lebensmittelproduktion. Um sich dennoch ausreichend versorgen zu können, waren diese Gesellschaften nun auf die vergleichsweise guten Erlöse aus dem marktorientierten und zudem nicht so arbeitsintensiven Mohnanbau angewiesen. Aus Sicht der CIA ersparten ihr die Erlöse aus dem Drogenverkauf hohe, vielleicht sogar unbezahlbar hohe Kosten.
Die Folgen sind stets verheerend: Aus den von der CIA protegierten lokalen Kriegsherrn werden Drogenproduzenten, die an ihrem Geschäftsmodell auch dann noch festhalten, wenn die CIA ihre Dienste nicht mehr benötigt. So entstand in der Mitte des letzten Jahrhunderts mit maßgeblicher Unterstützung des US-Geheimdiensts das so genannte „Goldene Dreieck“ in der Region Laos-Thailand-Birma. Dort wurde im Überfluss hochwertiges Heroin hergestellt, das zunächst buchstäblich tonnenweise von den GIs im Vietnamkrieg konsumiert wurde – und später dann den amerikanischen Markt überflutete.
Die Zahl der Rauschgiftabhängigen wuchs dramatisch an
Aber nicht nur Millionen von US-Bürgern wurden auf diese Weise zu Drogenopfern, die Produkte der riesigen Mohnanbaugebiete fanden überall auf der Welt ihre Abnehmer. Somit führte die fahrlässige Drogenpolitik der CIA ungewollt zu einem dramatischen Anstieg der Zahl von Rauschgiftabhängigen auf allen Kontinenten, während zugleich ganze Regionen und Staaten dauerhaft destabilisiert wurden.
Denn die Bemühungen der USA – und auch das zeigt McCoy in seinem Buch –, die aus dem Ruder gelaufene Heroinproduktion nach dem Abschluss der verdeckten militärischen Operationen zu unterbinden, schlagen in der Regel fehl: Die lokalen Drogenkartelle sind meist mächtig genug sich zu widersetzen, etwa durch eine flexible Verlagerung der Anbaugebiete oder durch Bestechung der korrupten Politiker in ihrer Heimat. So verharrt die Verbreitung von Drogen auf hohem Niveau, mit weltweiten katastrophalen Konsequenzen:
Während der 1990er Jahre speiste die stark steigende afghanische Opiumernte einen internationalen Schmuggel, der Zentralasien, Russland und Europa zu einem riesigen illegalen Markt für Waffen, Drogen und Geldwäsche verknüpfte: Die Drogen flossen aus Afghanistan Richtung Westen nach Europa; Waffen und Geld strömten nach Osten zurück (…) Wo immer dieser unsichtbare Handel Etappe machte, um das Rauschgift zu verarbeiten, zu verpacken oder zu tauschen, verästelte sich das illegale Geschäft rasch und förderte Korruption, Massensucht und HIV-Infektionen. Durch die Alchemie des Kapitalismus entstanden allenthalben Mafiaorganisationen, bewaffnete ethnische Separatisten und eine Kultur der Kriminalität.
Alfred McCoys Buch „Die CIA und das Heroin“, das in den USA erstmals 1972 erschien, gilt längst als Klassiker, der jetzt aktualisiert in deutscher Übersetzung vorliegt. Vor über vierzig Jahren wäre es der CIA beinahe gelungen, eine Veröffentlichung des Buches zu verhindern. Inzwischen ist McCoy ein hoch angesehener Hochschullehrer, der mehrfach als Experte in staatlichen Untersuchungskommissionen zur Verstrickung der CIA in den internationalen Drogenhandel befragt wurde.
Meine einstmals umstrittene These über die Komplizenschaft der CIA im Drogenhandel, die sich aus ihrer engen Zusammenarbeit mit mächtigen Drogenbaronen ergibt, wird von den eigenen Quellen des Geheimdienstes und, wichtiger noch, von der Geschichte selbst untermauert.
Die Alleingänge der CIA sabotierten die US-Außenpolitik
An mehreren Stellen weist der Autor zudem nach, wie sehr sich die CIA mit ihrer Drogenpolitik in Alleingänge verstrickte, die die offizielle Washingtoner Agenda sabotierten:
Indem sie geflissentlich den Drogenhandel ihrer geheimen Bundesgenossen übersah, verletzte die CIA das US-Geheimdienstgesetz und spätere Regierungsdirektiven, die von ihr Informationen zur Unterstützung der Drogenkriege verlangten.
Alfred McCoy beschreibt äußerst detailliert, anschaulich und kenntnisreich die fatalen Irrtümer der CIA-Drogenpolitik. Bei der Lektüre begegnen dem Leser berühmt-berüchtigte Stichworte wie „Medellin-Kartell“, „Iran-Contra-Affäre“ oder „French Connection“, um nur einige zu nennen. In ausführlichen Exkursen, etwa unter dem Titel „Eine kleine Geschichte des Heroins“ liefert der Autor zahllose vertiefende Informationen über sein akademisches Lebensthema, das ihn seit gut einem halben Jahrhundert nicht loslässt. Es ist sein bleibendes Verdienst, dass er diese dunkle Seite einer völlig verfehlten amerikanischen Geheimdienst-Politik ausleuchtet.
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• 1956-1960
• 1963-11/1963
• 11/63-6/1964
• 7/1964-9/1968
• 10/68-8/1974
• 9/1974-8/1980
• 9/1980-9/1988
• 10/88-9/2000
• 10/00-9/2001
• 10/2001-2006
Diese Chronik behandelt die Geschichte des Organisierten Verbrechens und der
Geheimdienste in den USA sowie deren Einflüsse auf die Politik.
Schwerpunkte bilden:
-die Präsidentschaften von John F. Kennedy, Richard Nixon, George Bush sen. und jun;
-die Ermordungen von John und Robert Kennedy, Marilyn Monroe und Martin Luther King;
-die Mafia in Chicago, Louisiana und New York;
-die Aktivitäten von CIA, FBI, NSA, Secret Service und der Militärgeheimdienste;
-die Kriege gegen Korea, Kuba, Vietnam, den Irak und Afghanistan;
-der 1 1 .September 2001 und der amerikanische Staatsterrorismus.
Zudem gibt es viele weitere Informationen zu relevanten, zeitlich angeordneten
Ereignissen.
Zu Beginn der jeweiligen Abschnitte sind die Stichworte und
Personen angegeben, die behandelt werden und mit den Links schnell gefunden
werden können.
Quellen
I Für eine vertiefte Beschäftigung mit dem jeweiligen Ereignis, Akteur oder Land habe
IlTheaterstück-l ich ^' e verwenc| eten Quellen angegeben und in einem
Expose
Kontakt:
zusammengefasst.
Diese Chronik ist die Zusammenfassung meiner Recherchen für das Theaterstück
, die ich weitergeführt und aktualisiert habe.
Last update 22. Februar 2006
Mafia, Geheimdienste und Politik der USA
Home
1:1865-1
Die wichtigsten Themen der einzelnen Abschnitte sind:
Die Entstehung und Konsolidierung der Mafia sowie die
Karrieren von J. Edgar Hoover, Prescott Bush und Joe Kennedy.
Die Kooperation von Armee, Geheimdienste, Industrie, Mafia,
Faschisten und Vatikan im 2. Weltkrieg und danach.
9:7/64-9/68
10:10/68-8/7 '
1 1 :9/74-8/8(
12:9/80-9/8?
13:10/88-9/0(
14:10/00-9/0 -
15:1 0/01 -20(
Quellen
.eaterstück:
Kontakt:
Mafia, Nixon und den Faschisten.
Die Mafia-Unterstützung für Kennedy und Nixon, die Revolution
in Kuba und die Interventionen der CIA.
Das erste Jahr der Präsidentschaft Kennedys: Aussenpolitik,
Geheimdienste, Mafia und Frauen.
Die Ermordung von Marilyn Monroe und die Kuba-Krise.
Kennedys Konfrontationspolitik und die Entstehung einer
Gegenallianz.
Die Ermordung von John F. Kennedy und die Ermittlungen der
Warren-Kommission.
Der Vietnamkrieg, der Garrison-Prozess und die Ermordungen
von Martin Luther King und Robert Kennedy.
Die Präsidentschaft von Richard Nixon: Vietnamkrieg, Putsch
in Chile und Watergate.
Die Aktionen der CIA in Italien, Kambodscha, Indonesien, Iran,
Afghanistan, Nicaragua und Irak unter Ford und Carter.
Der Iran-Contra- und der Sparkassenskandal während der
Reagan/Bush-Regierung.
Die Präsidentschaften von George Bush und Bill Clinton mit
der Panama-Invasion und dem Golfkrieg.
George W. Bush und das Terror- Attentat vom 1 1 . September
2001.
Die Folgen von 9-1 1 : Anthrax, Patriot Act, die Kriege gegen
Afghanistan und den Irak.
Mafia, Geheimdienste und Politik der USA
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Übersieh
Einleitung:
1865-1938
1939-1948
1949-1955
1956-1960
Zum Text
Die einzelnen Ereignisse und Biographien dieser Chronik sind
unterschiedlich genau dargestellt, weil ich im Rahmen meiner
Recherchen für das Theaterstück primär die
Hintergründe für Präsident Kennedys Ermordung verstehen wollte. Ich
habe jedoch auch andere wichtige Ereignisse und spätere
Entwicklungen (vor allem die Präsidentschaften von Nixon und Bush
sen. und jun.) in diese Chronik miteinbezogen. Der Text, eine
komprimierte Zusammenstellung von Fakten, Personen und ihren
Verbindungen, ist in 15 Abschnitte unterteilt.
1963-11/1
11/63-6/196'
7/1 964-9/1 9(
10/68-8/197'
9/1974-8/19?
9/1980-9/19?
10/88-9/200 (
10/00-9/20(
10/2001- 200
Quellen
.eaterstück:
Kontakt:
Methodologische Grundsätze
Staaten und Institutionen sind soziale Konstrukte. Wörter wie
"Regierung", "CIA" oder "Mafia" verweisen auf kollektive Illusionen, die
für die Koordination menschlichen Verhaltens handlungsrelevant sind.
Die Konstruktionen in den Köpfen werden durch Handlungen zu Fakten
(Faktum = Gemachtes). Wir haben keine andere Wahl, als am
Selbstverständnis der Akteure anzusetzen und diese Konstruktionen
ebenfalls zu verwenden, um das Funktionieren von Politik, Gesellschaft
oder Wirtschaft rekonstruieren zu können. Die begrifflichen Traditionen
erleichtern die historische Analyse, beinhalten aber die Gefahr der
alltagstheoretischen Selbstverständlichkeit. Denn "Staatsschutz",
"nationale Sicherheitsinteressen" oder "Gesetze" sind im Wesentlichen
Legitimationsformeln, um bestehende Macht- und
Herrschaftsverhältnisse aufrecht zu erhalten.
Da die Geheimdienste und die Mafia keine schriftlichen Quellen
hinterlassen oder diese meist nur ungenügend zugänglich sind, bleibt
die Historiographie ihrer Aktivitäten und Wirkungen ein delikates
Unterfangen. Die mangelnden 'Beweise' müssen durch mehrschichtige
Rekonstruktionen, systematische Vergleiche und detailierte
Fallanalysen kompensiert werden, entsprechend der
kriminalpolizeilichen Doktrin Ciceros: "Cui bono?"
Trotzdem bleiben Rekonstruktionen wie diese Chronik anfällig für die
Diffamierung als "Verschwörungstheorien." Jede Theorie und jede
Geschichtsschreibung muss die Komplexität der Ereignisse und
Zusammenhänge auf die wichtigen Faktoren reduzieren und mit
Generalisierungen arbeiten. Es gibt keine Person oder politische
Gruppe, die die Welt beherrschen könnte, sondern nur unzählige
Akteure, die jedoch gruppenspezifische Interessen verfolgen. Von ihren
Überzeugungen und Intentionen muss jede historische Analyse
ausgehen und diese in Bezug auf die Kontexte rekonstruieren, indem
sie nach den Möglichkeiten, Bedingungen und Effekte der
Handlungsfelder fragt. Politik ist das Feld der institutionalisierten
Machtkämpfe, bei dem die inoffiziellen Kampfmittel nicht ausgeblendet
werden dürfen.
Politische Einschätzungen
Die politische Struktur der der USA lässt sich am besten als
Faschismus charakterisieren, weil die Grosskonzerne, die
Geheimdienste, die Armee, die beiden Parteien und kriminelle
Organisationen personell und institutionell eng miteinander verflochten
sind und sich die Macht teilen. Demokratische Entscheidungen gibt es
in den USA noch weitgehend auf der lokalen Ebene, während die
Einzelstaaten und die Bundesregierung von einem plutokratischen Filz
korporativer Eliten beherrscht werden. Die Verflechtungen von
Industrie, Militär, Polizei, Medien, Regierung, Mafia und der
Geheimdienste lassen 'die Demokratie' zu einer Fassade verkommen.
Dies funktioniert in den USA besonders gut, weil die grosse Mehrheit
der Amerikaner über ein geringes politisches Bewusstsein verfügt, das
mit einer starken Religiosität gekoppelt ist und deshalb sehr einfach
manipuliert und kontrolliert werden kann. Kein anderes westliches Land
definiert sich so stark über den Verweis auf Gott und glaubt, dessen
Werk im auserwählten Land zu verwirklichen. Deshalb ist die
Religiosität gekoppelt mit einem Patriotismus, der mit dem Mythos der
Gründerväter und einer 'sakralen' Verfassung identifiziert wird und
immer noch als Primärtugend gilt, eine Tragödie. Die Verehrung der
Flagge bleibt ebenso unhinterfragt wie die Verdrängung die Geschichte
der Verklavung der Afroamerikaner und der Genozid der Ureinwohner
(es gibt in Washington D.C. ein Holocaust-Denkmal, aber keines für
Sklaven).
Ebenso unbekannt bleibt meist die Bedeutung der 'underground'-
Organisationen. Geheimdienste sind Manipulations- und
Unterdrückungsapparate, die jeder Idee von Demokratie
widersprechen, da sie weitgehend unkontrolliert und unter Ausschluss
von Öffentlichkeit arbeiten. Aufgrund der Möglichkeiten zur
Mittelbeschaffung und -anwendung in einem rechtsfreien Raum ist das
Kriminalitäts- und Gewaltpotenzial der Geheimdienste zwangsläufig
hoch, und die Assoziation mit (anderen) kriminellen Organisationen
naheliegend. Geheimdienste und Mafiaorganisationen sind die grössten
Bedrohungen eines friedlichen und vernünftigen Zusammenlebens der
Menschen, sowohl auf regionaler wie globaler Ebene. Der wirksamste
Schutz der Bürger vor den klandestinen Organisationen ist die
Veröffentlichung der Geheimnisse und die Einforderung demokratischer
Kontrollen. Nicht nur auf politischer, sondern auch auch wirtschaftlicher
Ebene.
lic. phil. Richard Kohler
Mafia, Geheimdienste und Politik der USA
Teil 1 (1865 bis 1938)
Dieser Teil der Chronik behandelt die Entstehung, Immigration und Konsolidierung der
Mafia, die US-Politik in Lateinamerika und die Aktivitäten von J. Edgar Hoover, Prescott
Bush, Joe Kennedy und Franklin D. Roosevelt.
Die zentralen Themen und Personen sind:
Entstehung der Mafia , Ermordung von Abraham Lincoln , Gründung des Secret Service,
Immigration der Mafia , Lateinamerika-Politik der USA , Monroe-Doktrin, Krieg gegen
Spanien, Interventionen in Kuba, Honduras, Nicaragua, Panama und Guatemala, Erster
Weltkrieg , Kooperation von Prescott Bush, Avereil Harriman und George Herbert Walker,
Prohibition , Konsolidierung der Mafia, Die Karriere von Joseph Kennedv , Partner Frank
Costello, J. Edgar Hoover beim FBI , AI Capone in Chicago , Flucht der Mafia aus Sizilien,
Börsenkrise 1929 , Die Mafia in New York : Lucky Luciano, Meyer Lansky, Benny Siegel, Joe
Masseria, Castellammare-Krieg, Salvatore Maranzano, Amerikanisierung der Mafia, Murder
Ine, Albert Anastasia, Roosevelt und Kennedv , Das Kartell der Erdölgesellschaften , John D.
Rockefeiler, Aristoteles Onassis, Das Attentat auf Roosevelt , Aufhebung der Prohibition ,
Glückspielgeschäft, Gewerkschaften, Heroinhandel, Meyer Lansky, Upton Sinclair , Die
Mafiakarriere von Carlos Marcello , Mafiaverfolgung , Hoover, die Nazis und die Mafia ,
Botschafter Kennedv in England .
Der Text umfasst ca. 24 Seiten.
Home Vorwärts zu Teil 2
1865: Die Entstehung der Mafia
Nach 1812 wurde der Feudalismus in Sizilien nach und nach gesetzlich abgeschafft. Da die
Landadeligen und Feudalherren die Bauern nicht mehr zur Arbeit zwingen konnten, verpachteten
sie ihre Latifundien an skrupellose Dorfhonoratioren, die die Bauern notfalls mit Schlägertruppen
auf die Felder treiben. Gegen die Franzosen entstand eine Untergrundbewegung in Form einer
Geheimgesellschaft, die mit dem Slogan "Morte Alla Francia Italia Anela!" Aufstände anzettelt.
Mithilfe der Bauern können die Truppen Garibaldis 1860 die Bourbonen stürzen und Sizilien wird
ein Teil des Königreiches Italien. Aber statt der ersehnten Freiheit von den parasitären
Landbesitzern folgen nach der Proklamation des italienischen Nationalstaates die Truppen und
Polizisten der Bourgoisie aus dem Norden und beuten den Süden wie eine Kolonie aus. Politisch
bleibt jedoch ein Vakuum, in dem lokale Herrscher sich durchsetzen können. 1865 schliessen sich
die sizilianischen Grossgrundbesitzer zu einer grossen Geheimgesellschaft, der "onorata societä",
zusammen. Mitglieder dieser "Ehrenwerten Gesellschaft" erobern die Kontrolle der
Stadtregierungen und des Managements der Fabriken. Um 1900 gibt es im westlichen Drittel der
Insel kaum eine Ecke, die sich dem Einfluss der Mafia entzieht. Der Begriff "Mafia" wird 1865 das
erste Mal von einer Strafverfolgungsbehörde für Gruppen von kleinen Hehlern und Organisatoren
von Verbrechen verwendet. Bald darauf wird er nur noch auf kriminelle Vereinigungen bezogen,
die von einem Boss geleitet werden und über Klientel-Beziehungen ihre Umwelt beherrschen.
Diese Mafiosi mit ihren Schlägertruppen hatten nie die Absicht, die Bauern und Kleingewerbe
gegen Unterdrücker zu verteidigen, sondern sie wollten sie selbst ausbeuten. Das insulare
Misstrauen gegen die italienische Staatsautorität hat allerdings zu einem gewissen Schutz
mafioser Geschäfte durch manche Bevölkerungsgruppen geführt. Obwohl es einen capo di tutti
capi gibt, um 1900 ist dies Don Vito Cascio Ferro, der bei Interessenkonflikten und Streitigkeiten
oberste Autorität geniesst, bleiben die Mafiosi lokale Herrscher.
Während es in Sizilien nie eine einheitliche Organisation mit Zentralleitung gibt, hat sich in Neapel
ein uniformes, straff hierarchisierstes Stadt-Gangstertum entwickelt. Im Unterschied zur Mafia
besetzen Camorra-Bosse keine hohen politischen Positionen und können jederzeit ausgewechselt
werden. Bei der Mafia steht die Familie im Vordergrund; dagegen rekrutiert die 'ndrangheta in
Kalabrien ihre Mitglieder aus den untersten Schichten, die gegenüber Sozialrevolutionären Ideen
viel aufgeschlossener sind. Ihre kriminellen Tätigkeiten liegen im Agrarsektor
(Schutzgelderpressung für Plantagen, Beherrschung der grünen Märkte) und im politischen
Bereich (Wahlstimmenbeschaffung und Einschüchterung von Gegnern) und haben durchaus auch
gewerkschaftliche Aspekte. Der Widerstand des von Fremdherrschaft gezeichneteten Südens
gegen die Zentralregierung und die damit verbundene Schwäche der staatlichen Institutionen
eröffnen jenes Machtvakuum, in dem das Briganten-Gangstertum und die organisierte Kriminalität
entstehen kann.
Quellen : Raith: 48-82, Davis (1994): 20-22, Best: 2.
April 1869: Ermordung von Abraham Lincoln top.
Präsident Abraham Lincoln wird vom 21jährigen Schauspieler John Wilkes Booth, einem angeblich
verrückten Einzeltäter, am 16.4.1865 ermordet. Gleichzeitig mit Lincoln werden zwei seiner
Kabinettsmitglieder an verschiedenen Orten in Washington ermordet. Die Motive des Täters und
der Tathergang bleiben im Dunkeln, wichtige Beweismaterialien verschwinden, und Booth wird
später im Gefängnis umgebracht. Diese Ermordung im typischen Mafiastil ist wie eine Vorlage für
das Kennedy-Attentat.
Im gleichen Jahr wird der Secret Service zur Verfolgung von Falschgeldherstellern gegründet,
weshalb er dem Finanzministerium untersteht. Obwohl schon am 10.1.1835 ein bewaffneter Angriff
auf Präsident Andrew Jackson missglückte, wird erst 1881, nach dem Anschlag auf Präsident
James A. Garfield, eine Polizeibewachung des Weissen Hauses organisiert. Secret Service-
Agenten übernehmen Begleitschutzaufgaben, als Präsident Grover Cleveland 1884
Morddrohungen erhält. Und erst nach der Ermordung von Präsident William McKinley am 6.9.1901
verfügt der Kongress einen Vollzeitschutz durch den Secret Service. Nach einem Mordversuch an
Harry S. Truman 1951 wird der Begleitschutz auch auf Familienangehörige und den
Vizepräsidenten ausgedehnt.
Quellen : Scott (1993): 295, Marrs: 240f.
1869: Immigration in die USA top
Während dem 19. und 20. Jahrhundert emmigrieren über eine Million Sizilianer in die USA. Die
italienischen und sizilianischen Einwanderer haben das organisierte Verbrechen nicht als erste in
die USA gebracht. Es gibt bereits irische und jüdische Gangster, die sich organisieren. Die Iren
haben kein Sprachproblem und alliieren sich mit den Politikern, für die sie Wähler einschüchtern
oder gegnerische Wahlveranstaltungen stören.
Die Sizilianer spezialisieren sich zuerst auf die Erpressung ihrer Landsleute und auf
Falschgeldherstellung. In Louisiana formieren sich 1869 vier von der italienischen Polizei aus
Palermo ausgewiesene Banditen zu einem Bund, den sie "Stoppagherra Society" nennen und der
eine Art Kolonie der sizilianischen Mafia darstellt. Kurz nach dem Bürgerkrieg organisiert der Sohn
eines sizilianischen Einwanderers, Joseph Macheca, die erste Familie in New Orleans, die
mehrheitlich im Hafen aktiv ist. Der sizilianische Mafioso Giuseppe Esposito flüchtet nach der
Ermordung seines Bosses De Leoni nach New Orleans und versucht als "Radzo" den Lokalboss
Tony Labruzzo zu entmachten. Dieser schaltet die Polizisten Mike und David Hennessy ein, worauf
Esposito verhaftet und nach Italien abgeschoben wird. Labruzzo wird daraufhin von Giuliano
Ardotta umgebracht, und auch Mike Hennessy wird erschossen. Ende der 80er Jahre entwickelt
sich die Organisation zur ersten voll organisierten Verbrecherfamilie in den USA. An ihrer Spitze
stehen als Nachfolger Machecas die Brüder Charles und Tony Matranza, die mit etwa 300
Mitgliedern den French Market für die Standard Fruit Company kontrollieren und die Werften und
Kais der gegnerischen Provenzanos ebenfalls unterjochen wollen. David Hennessy, alliiert mit den
neapolitanischen Provenzanos, schaltet sich in den entstehenden Krieg ein und wird am
15.10.1890 umgebracht. 19 Mitglieder der Matranza-Bande werden angeklagt, aber dank
Todesdrohungen und Bestechungen freigesprochen. Die erzürnte Bevölkerung stürmt unter der
Führung von William S. Parkinson das Gefängnis und lyncht 1 1 der Mobster. Nachfolger der
Matranzas wird Sam "Silver Dollar" Carolla, der die Kontrolle der Territorien der Provenzanos
sichert.
Zwischen 1890 und 1920 kommen insgesamt mehr als 18 Millionen neue Bürger in die Vereinigten
Staaten, darunter sehr viele Kinder, die durch öffentliche Bildung integriert werden müssen. Als das
Stück des jüdischen Autors Israel Zangwill The Melting Pot 1908 in Washington Premiere hat,
befinden sich die Vereinigten Staaten mitten in der grössten Einwanderungswelle, die das Land je
erlebt hat. Die Metapher des "Schmelztiegels" verweist nicht einfach auf Ideologie, wenn man die
Institutionen der Integration betrachtet, also die Schulen und öffentlichen Bildungseinrichtungen.
Das Ziel der sozialen und kulturellen "Verschmelzung" kann nur mit einer integrativen Schulung
erreicht werden, die mit grossem Mittelaufwand angestrebt wird. Alle Einwanderergruppen bringen
kriminelle Organisationen hervor. Beispielsweise sind die Banden von Jesse Woodson James in
den Südstaaten Anglo-Saxen.
In Pennsylvania formen Stefano LaTorre und Santo Volpe "The Men of Montedoro", da um die
hundert Familien aus diesem sizilianischen Ort stammen. Ihr Einfluss auf die Kohleminenarbeiter
führt zur ersten Kontrolle einer Gewerkschaft, der United Mine Workers.
In Chicago werden nach sozialistischen Agitationen auf dem Haymarket und einer Verschwörung
des Managements vier Gewerkschaftsführer zum Tod verurteilt und am 1 .5.86 gehängt. Dieser Tag
wird seither jedes Jahr als Gewerkschaftstag begangen. Ende des Jahrhunderts entstehen die
irische Organisation unter Charles Dion O'Bannion und sizilianische und italienische Gangs wie die
"Camoras", die "Secret Hands" oder die "Mysterious Hands", die ihre Landsleute terrorisieren und
erpressen. Die bekannteste Gang wird die sizilianische "Black Hands". Deren Chef ist ab 1905
Diamond Joe Esposito, der dank seiner Korruptionstaktik und seinen Beziehungen zur Politik zum
Boss aufsteigt. Der zweite wichtige Mann ist Big Jim Colosimo, der seine Karriere bei einer
Puffmutter begann und nun die Prostitution kontrolliert. Die zunehmende Konkurrenz der Gangs
führt zu Kämpfen und erfordert immer wieder Verstärkung: Esposito lässt die Genna-Brüder aus
Sizilien kommen, Colosimo wird Johnny Torrio aus New York holen, und die lokalen Gangs von
jungen Kriminellen werden rekrutiert.
Die sizilianischen Immigranten in New York lassen sich mehrheitlich in Harlem, die
neapolitanischen vor allem auf der Lower East Side nieder. Die Sizilianer Ignazio Lupo Saietta und
Giuseppe Morello rekrutieren aus diesen Quartieren die Mitglieder ihrer Gang, die um die
Jahrhundertwende die grösste der Stadt sein wird. Auch hier gibt es eine "Black Hand", in die sich
der Polizeileutnant Joseph Petrosino infiltrieren kann. Als er die Polizeiarbeit gegen die Mafia mit
italienischen Fahndern koordinieren will, wird er in Sizilien angeblich von Don Vito Cascio Ferro
persönlich ermordet. Bekannt sind auch die "Five Points" und die "James Street Gang" von Johnny
Torrio, dem Neffen von Colosimo. Die Politik von New York City wird durch die Tammany Hall, ein
ämterverteilender Wahlapparat der Demokratischen Partei, beherrscht. Irische und dann auch
jüdische Gangster schmieren die Politiker der Tammany Hall, stellen ihnen die Wahlhelfer und
Schläger zur Verfügung, damit sie von Polizei und Justiz in Ruhe gelassen werden. Nach
bewaffneten Strassenschlachten im August 1903 zwischen der 1200 Mann starken jüdischen Gang
von Monk Eastman mit rivalisierenden Gangs greifen die Behörden ein, allerdings nicht, um die
Gangs zu eliminieren, sondern nur, um einen Waffenstillstand zu vermitteln.
Quellen : Davis (1988): 20-28, Delorme: 17-33, Giancana: 28ff, Marrs: 157, Best.
1898: Lateinamerika-Politik der USA top.
Bereits am 2.12.1823 verkündete Präsident James Monroe die nach ihm bekannte Doktrin, die den
Europäern jeglichen Einfluss in den amerikanischen Kontinenten verbietet. Die Briten wollen das
bröckelnde Kolonialreich der Spanier beerben, was die USA zu verhindern verstehen. 1824 erfolgt
eine militärische Intervention der USA in Puerto Rico, 1831 in Argentinien, und 1845 und 1847 in
Mexico, worauf die USA die Hälfte des Territoriums annektieren. Nach dem Ende des Bürgerkriegs
proklamierte Präsident Ulysses Grant seinen Glauben an die "offenkundige Bestimmung" der USA,
den gesamten Kontinent unter ihre Vorherrschaft zu bringen. Zur "Verteidigung der Demokratie"
werden laufend Unabhängigkeits-Bewegungen abgeklemmt.
Meist wird der amerikanische Imperialismus religiös legitimiert: Schon im Krieg gegen die
Mexikaner in den 1840er Jahre wurde mit Rekurs auf die Prädestinationslehre behauptet, Gott
selbst habe die Pferde und Kanonen der Vereinigten Staaten gesegnet. 1859 verteidigte Horace
Greeley die Massaker an den Prärieindianern mit derselben Logik: "Diese Leute müssen
aussterben - es kann ihnen niemand helfen. Gott hat die Erde denen gegeben, die sie sich
Untertan machen und sie zu kultivieren verstehen; es wäre vermessen, sich seinem gerechten
Auftrag zu widersetzen."
Die Depression im Winter 1893/94 brachte grosse Arbeitslosigkeit, gewalttätige Streiks in den
Stahlwerken von Pennsylvania und den Kohlebergwerken von West Virginia. Der Aufruhr zwang
die Oligarchen an der Ostküste, etwas zu finden, um den "Eiter aus dem anarchistischen,
sozialistischen und populistischen Furunkel zu ziehen", wie ein Banker aus Philadelphia sich
ausdrückt. Präsident William McKinley setzt auf die Idee eines amerikanischen Empire: Seit 1895
führte Jose Marti den zweiten Unabhängigkeitskrieg in Kuba, und McKinley nahm die Explosion
des Panzerkreuzers USS Maine im Hafen von Havanna zum Anlass, Spanien den Krieg zu
erklären. McKinley untergrub alle Versuche der Spanier zu verhandeln. Die Pressezaren Joseph
Pulitzer von World und William Randolph Hearst vom New York Journal behaupteten mehrere
Wochen lang, die Spanier hätten eine Mine gelegt. Die USA erobern Puerto Rico und unterstellen
es bis zur formalen Annektion von 1952 einem US-Gouverneur. Beim Feldzug auf den Philippinen
massakrieren die Marines 200'uOO Einwohner.
Albert Beveridge, republikanischer Senator aus Indiana, meint 1901 : "Wir werden nicht klein
beigeben im Auftrag, unserer Rasse, unter Gottes Wille weltweit als Treuhänderin der Zivilisation
zu wirken, und wir werden mit unserem Werk weitermachen, ohne wie Sklaven, die zu ihrer Arbeit
gepeitscht werden, unseren Schmerz herauszuschreien, sondern mit Dankbarkeit für ein
Unternehmen, das unserer Kraft würdig ist, mit Daknbarkeit gegenüber dem allmächtigen Gott,
dass er uns als sein auserwähltes Volk bezeichnet hat, das fortan seine Heilung der Welt anführen
darf."
191 1 kommt eine Untersuchungskommission zum Schluss, ein Explosionsunglück im
Maschinenraum habe den Untergang des Schiffes und den Tod von 260 Seeleuten ausgelöst. Die
USA dirigieren die Innenpolitik und intervenieren bei Widerstand militärisch: 1906, 1912 und 1917,
wonach bis 1934 eine US-Militärverwaltung besteht.
Wegen der Kontrolle der Häfen und der Hafengewerkschaften arbeiten die Import- und
Exportfirmen, vor allem wenn sie mit schnellverderblichen Gütern handeln, mit der Mafia
zusammen. In der Revolution von 191 1 in Honduras spielt die Mafia von New Orleans eine
führende Rolle. Dabei werden die europäischen Banken und Investoren zurückgedrängt, und die
US-Bananenfirmen bekommen freie Hand. Samuel Zemurray von der Cuyamel Banana Company,
die später zur United Fruit gehört, finanziert den in einem Bordell von New Orleans geplanten
Coup. Bereits 1903 und 1905 haben die USA die "Ordnung wiederhergestellt" und 1919 und 1924
erfolgen erneute militärische Interventionen.
Die Kooperation von US-Firmen, dem Militär, der Mafia und lokalen Herrschern bewährt sich in
ganz Lateinamerika: Nach einer ersten Intervention 1853 machte sich der Amerikaner William
Walker 1855 dank seiner Söldnerarmee zum Präsidenten von Nicaragua. 1857 und 1860
intervenieren die US-Marines erneut in Nicaragua. 1909 stürzten die Marines Präsident Zelaya und
die USA besetzten das Land, wobei die Mafia ihre Zusammenarbeit mit den US-Firmen
institutionalisiert. Nach der Intervention von 1912 wurde Adolfo Diaz an die Macht gesetzt, der den
Amerikanern die Kontrolle des Finanzsystems Nicaraguas und den Bau einer Militärgarnison bei
Managua erlaubte, wo die Marines bis 1925 blieben. 1914 erfolgte der Bryan-Chamorro-Vertrag,
der den USA das exklusive Recht auf den Bau eines geplanten Kanals sicherte. Nachdem der US-
Schützling Emiliano Chamorro sich an die Macht geputscht hat, greifen die Marines gegen die
Unabhängigkeitsarmee von Augusto Cesar Sandino 1927 erneut ein und bauen die berüchtigte
Nationalgarde auf, an deren Spitze Anastasia Somozo 1932 die Macht übernimmt.
1903 erweiterte Theodore Roosevelt die Monroe-Doktrin, indem die USA die Funktion der
"Weltpolizei" übernehmen müsse bei einem "Fehlverhalten" eines Staates. Da Kolumbien sich
weigerte, die Nutzungsrechte des geplanten Kanals in der Provinz Panama den Amerikanern für
hundert Jahre zu überlassen, erzwangen die USA 1903 die Gebietsabtrennung. Eine Invasion in
der kolumbianischen Provinz war bereits 1860 erfolgt, und 1926 erhielt Panama faktisch den
Status eines Bundesstaates. Präsident William Taft prophezeit 1912: "Die gesamte Hemisphäre
wird uns gehören, da sie uns kraft der Überlegenheit unserer Rasse moralisch eigentlich schon
jetzt gehört". In den nächsten 25 Jahren folgen 12 weitere Interventionen und 8 Invasionen. 1915
wird die Republik Haiti erstickt: Unter William B. Caperton landet ein Korps in Port-au-Prince und
zwingt das Land, wie schon im Falle der Dominikanischen Republik 1907, die Militär-, Zivil- und
Finanzverwaltung sowie das Zoll- und Steuersystem in die Hände der Amerikaner zu übergeben.
1921 wird mit einer US-Intervention Präsident Herrera in Guatemala gestürzt, der sich gegen die
Expansionspläne der United Fruit stellt. 1923 werden Pläne für eine Föderalistische Republik von
Guatemala, Honduras und El Salvador vereitelt. General Smedley D. Butler schreibt am 21.8.31 in
der New York Times: "Ich half 1903, Honduras für die amerikanischen Fruchtfirmen zu öffnen. Ich
half 1914 Mexico, und speziell Tampico, die Ölinteressen zu sichern. Ich half, aus Haiti und Kuba
einen netten Platz zu machen, wo die Jungs von der National City Bank Geld verdienen können.
Ich half ein halbes Dutzend zentralamerikanischen Republiken für die Wall Street weichzukopfen.
Ich half 1909-1912, Nicaragua für die internationale Bank Brown Brothers zu säubern. Ich öffnete
die Dominikanische Republik 1916 für die amerikanischen Zuckerfirmen. In China beschützte ich
Standard Oil. Rückblickend denke ich, dass ich AI Capone einige Tipps hätte geben können. Er
betrieb seine Erpressungsgeschäfte in 3 Distrikten, ich arbeitete in drei Kontinenten." 1927
behauptet der amerikanische Botschafter in Paris, Myron Herrick: "Die Vereinigten Staaten gieren
nicht nach Land. [...] Wer uns imperialistische Absichten unterstellt, kennt die Fakten nicht oder ist
unaufrichtig." Nachdem die USA in ganz Lateinamerika totalitäre Militärregimes installiert haben,
verkündet Präsident Franklin Roosevelt 1934 die "Politik der gutnachbarschaftlichen Beziehungen".
Quellen : Delorme: 17-33, CIA-Info: 15f, Davis (1988): 20-28, Best, Lemoine (2003), Ramonet
(2003b), Lapham.
1917: Erster Weltkrieg top
Der Untergang des Passagierdampfers Lusitania vor der Südküste Englands im Mai 1915 liefert
Woodrow Wilson den Vorwand, gegen Deutschland in den Krieg zu ziehen. Die Presse heizt die
Stimmung an, indem behauptet wird, belgische Nonnen würden von den Deutschen über
glühenden Kohlen geröstet.
Der erste Weltkrieg eröffnet ungeahnte Verdienstmöglichkeiten für Börsenspekulanten wie J. P.
Morgan oder Edward H. Harriman, der 1898 mit Krediten von William Rockefeiler, Otto Kahn,
Jacob Schiff und Felix Warburg die Kontrolle der Union Pacific Railroad übernommen hatte. Der
Bruder von John D. Rockefeiler besitzt die National City Bank (später City Bank), die die
Waffenindustrie für den Krieg reorganisierte. Percy A. Rockefeiler übernahm die Kontrolle der
Remington Arms Company, die die USA, England und Russland mit Maschinengewehren,
automatischen Pistolen und Munition beliefert. Trotz dem Kriegseintritt der USA wegen dem
Business und der Absicht, die Weltmachtstellung der Engländer zu übernehmen, präsentiert
Wilson seine "Vierzehn Punkte" auf der Friedenskonferenz in Versailles mit der Begründung:
"Amerika hat das unendliche Privileg, seine Bestimmung zu erfüllen und die Welt zu retten".
Prescotts Vater Samuel P. Bush, Präsident der Buckeye Steel Castings, wird 1918 dank Harriman
direkt dem Direktor der staatlichen Waffenbeschaffung unterstellt und nützt diese Position für die
Rüstungsfirma Remington. 1934 beschäftigt sich ein Untersuchungsausschuss des Senats mit den
Machenschaften des als ,Merchant of Death' bezeichneten Waffendealers im 1 . Weltkrieg. Zudem
ist Samuel Bush Präsident der Federal Reserve Bank von Cleveland und Berater des Präsidenten
Herbert Hoover.
Zusammen mit seinem Freund E. Roland Harriman wurde Prescott Bush 1916 in die rassistische
Yale-Geheimgesellschaft Skull & Bones aufgenommen. Der exklusivste von rund einem Dutzend
Geheimbünden der Ivy-League nimmt jedes Jahr nur 15 Mitglieder auf. Zur Ivy-League gehören
acht Eliteuniversitäten im Nordosten der USA: Brown University, Columbia University, Cornell
University, Darmouth College, Harvard, Princeton, University of Pennsylvania und Yale (Ivy Plus
unfasst noch das Massachussetts Institut of Technology und die Stanford University). Den Zugang
zu diesen Universitäten gelingt fast nur nach dem Besuch teurer Privatschulen wie der Phillips
Academy (die die Bushs besuchten), der Jegacy' (der Vater und der Grossvater haben bereits an
dieser Uni studiert) und der Spendenzahlung. Harvard ist mit einem Fond von $22 Mia. die reichste
Universität, gefolgt von Princeton und Yale mit je etwa der Hälfte. Die S&B wurde 1832 gegründet
und umfasst heute 800 Mitglieder. In Harvard ist es der Porcellian Club und in Princeton der Ivy-
Club, die das Old-Boy-Network und damit das rigide Klassensystem der USA reproduzieren. Die
Mitglieder dieser Aristokratie schanzen sich die obersten Stellen im Staat (in den Gerichten, im
Kongress, der CIA und der Regierung) und in der Wirtschaft (in den Anwaltskanzleien und den
Konzernen) zu.
George Herbert Walker baut 1919 die Privatbank W.A. Harriman & Co mit auf, an der unter
anderem Percy Rockefeiler als Direktor mitbeteiligt ist. Avereil Harriman bekommt nach
monatelangem Taktieren unter nie veröffentlichten Konditionen die von den USA am Ende des
ersten Weltkriegs konfiszierten Dampfschiffe der Hamburg-Amerika-Linie, was ihm das Monopol
für die nächsten 20 Jahre sichert. Die W.A. Harriman fusioniert mit der Privatbank Morton & Co.
und verschafft sich 1922 über die Warburg-Bank den Zugang zur deutschen Schwerindustrie und
zu russischen Ölkonzessionen. 1921 heiratet Prescott Bush Walkers Tochter Dorothy und wird
1926 Vizepräsident der W.A. Harriman Bank. Als Geschäftsführer der Union Banking Corp. und der
Hamburg-Amerika-Linie wird Bonesman Bush einer der wichtigsten Unterstützer der Nazis.
Nach der Fusion mit dem Bankhaus Brown Brothers 1931 wird die Brown Brothers Harriman zur
grössten und politisch einflussreichsten Privatbank Amerikas, und Avereil Harriman berät in
Sachen Finanzen insgesamt 6 US-Präsidenten. Er finanziert als Partner von Prescott Bush über
die Union Banking nicht nur die Nazis, sondern mit seiner Garanty Trust Company auch die
Aufrüstung der Sowjetunion.
Quellen : Tarpley/Chaitkin: 13-20, Ploppa, Bröckers, Birnbaum, Lapham (2004), Fantasia (2004),
Laurent: 18.
1920: Prohibition top
Während der Prohibition (16.1.20-5.12.33) entwickeln sich die Gangs zu eigentlichen
Industrieimperien-Besitzer. Bereits vor dem ersten Weltkrieg führte einige Staaten wie Kansas
aufgrund religiöser und feministischer Lobbygruppen das Alkoholverbot ein. Der Krieg verstärkte
den Alkoholismus, was die Einführung des nationalen Verbots von Herstellung, Vertrieb und
Verkauf alkoholischer Getränke erleichterte. Die jüdischen Mobster (Dutch Schultz mit der Firma
Seagrams und Jack "Legs" Diamond) sind die ersten im Alkoholschwarzbrennen und -schmuggeln.
Jüdischen Ursprungs sind auch die Bronfman-Brothers in Kanada sowie Arnold Rothstein und
Mannie Kessler in New York. Die Iren steigen ebenfalls von Anfang an ins Bootlegging ein: Big Bill
Dwyer in New York, Steve Wallace, Dan Carroll und Joe Kennedy in Boston, Tommy McGinley in
Cleveland, Tommy Banks in Minneapolis und Charles O'Bannion in Chicago.
Nach den Juden und Iren entdecken die italienischen Gangs, die viel gewalttätiger sind und sich oft
gegenseitig bekämpfen (z.B. Sizilianer gegen Neapolitaner), den Markt. Allerdings arbeiten Juden
und Italiener auch manchmal zusammen. Die italienische Mafia, die bisher vor allem die
Prostitution und die Geldspiele beherrschte, wird erst durch den Alkoholschmuggel eine
bedeutende Macht.
Um Diamond Joe Esposito nicht in die Quere zu kommen, bleibt Big Jim Colosimo in Chicago beim
Prostitutionsgeschäft. Sein Neffe Johnny Torrio holt 1919 AI Capone aus New York, und sie
versuchen zu zweit, Colosimo von den Vorteilen des Alkoholschmuggels zu überzeugen. Da er
nicht einschwenkt, wird er am 11. Mai 1920 von Frankie Yale umgebracht. Danach baut John
Torrio ein weiteres Alkoholkartell in Chicago auf. Während drei Jahren kann Torrio den Frieden
aufrechterhalten, indem er die anderen Gangführer überzeugt, dass ohne Bandenkriege mehr Geld
zu verdienen ist. 1923 wollen verschiedene Gangs ihre Territorien erweitern, und neue sizilianische
Immigranten kommen in Chicago an, die die Unione Siciliana unterwandern, um am
Alkoholgeschäft mitzuverdienen. In den 20er Jahren ereignen sich 500 Mafiamorde in Chicago,
fast alle ohne eine Verurteilungen der Täter.
Die Machtstellung von Diamond Joe Esposito ist gesichert, weil er den für die Alkoholproduktion
notwendigen Zuckerimport kontrolliert, angeblich eine von Präsident John Calvin Coolidge
persönlich ausgestellte Lizenz. Esposito erzählt von mehreren Treffen mit Coolidge, für den er im
Gegenzug bei den Wahlen Stimmen organisiert. Der Boss demonstriert seine Macht, indem er von
den Italienern verlangt, mit den hübschesten Bräuten vor der Hochzeitsnacht zu schlafen. Trotz
dieser Entwürdigung wird ihm während den 20 Jahren seiner Herrschaft keine Jungfrau verweigert.
Johnny Torrio, AI Capone, Jake Guzik, Paul Ricca, Murray Humphreys, Frank Nitti, Jack McGurn
und Tony Accardo kamen alle aufgrund von Espositos politischen Beziehungen von New York
nach Chicago und arbeiten für ihn. Die sechs Genna-Brüder leiten die illegalen Destillerien im
Patch und schmieren über 400 Polizisten. Aufkommende Konkurrenten im Alkoholgeschäft werden
mit Bomben bekämpft, wofür Gangs wie die "42" angestellt werden. Allein 1925 werden über 100
Bombenattentate verübt. Der wildeste der Aufsteiger ist AI Capone, der 1928 im Alter von 29
Jahren das höchste Privateinkommen in den USA erzielt: $105 Mio.
In New York City wird die Korruption durch die Vormachtstellung der Tammany Hall besonders
gefördert. Es gibt zwei dominierende kriminelle Organisation: Die jüdische um Arthur Rothstein mit
Arnold "Dutch Schultz" Flegelheimer und James J. Hines. Und die italienische Organisation um
Albert C. Marinelli mit Joe Masseria, der Mitte der 20er Jahre zum dominanten Alkoholdealer in
New York aufsteigt und ein riesiges Vermögen anhäuft. Carlo Gambino, Joe Adonis und Albert
Anastasia arbeiten für "the Chinese", wie der vulgäre Masseria wegen seinen dicken Backen und
schmalen Augen von seinen Feinden genannt wird. Bereits ein Jahr nach Einführung des
Alkoholverbots bestehen in New York 5000 Spekeasies, deren Zahl bis 1927 auf 40'000 ansteigt.
Der 1920 zum Präsidenten gewählte Warren Harding, selbst ein Alkoholiker, wird wegen seiner
sexuellen Beziehungen erpresst, die grossen Schmuggler zu schützen.
Die unpopuläre Prohibition macht die Gangster zu Helden und salonfähigen Geschäftsherren und
festigt die Beziehungen zwischen Gangstern mit der amerikanischen Politik, da Polizisten, Richter
und Staatsbeamte durch die enormen Profite grosszüzig bestochen werden können. Laut dem
Chicagoer Polizeichef Charles Fitzmorris sind 60% der Polizisten im Alkoholgeschäft tätig. Von den
jährlich bis zu 4000 wegen illegaler Glückspiele Angeklagten werden durchschnittlich lediglich 175
vor Gericht gestellt.
Aufgrund der Bandenkriege und des wachsenden Drucks der Behörden verlegen die Gangs ihre
Hauptsitze in die umliegenden Vororten. Eine Bewegung weg von den traditionellen Zentren zu
besser kontrollierbaren Gemeinden entsteht. Aber die Gangster versuchen in allen Städten, die
Ämterverteilung zu beeinflussen. Politiker, die oft nur mit entsprechenden Stimmenkäufen gewählt
werden, bleiben für Skandale am exponiertesten und lassen deshalb den Mobster den benötigten
Freiraum. Journalisten, Richter, Justizbeamte, Polizisten und FBI-Beamte haben nichts zu
fürchten, da sie in den Augen der Mafia nur ihren Job tun. Wenn sie sich schmieren lassen, wird
allerdings Loyalität erwartet. Auch normale Bürger haben nichts zu befürchten, es sei denn, sie
haben Spielkredite von Loan Sharks aufgenommen, die sie nicht zurückzahlen können. Gefährlich
leben hingegen Informanten und Zeugen, die bei Prozessen aussagen.
Dutch Schultz baut sein Number Racket-Imperium auf und verdient vorwiegend an den armen
Schwarzen. Das einfache Spiel besteht darin, dass der Spieler eine Zahl zwischen und 999
wählt, bei der richtigen Zahl aber höchstens 600 Mal den Einsatz ausbezahlt bekommt. Da viele
spielen, setzt Dutch Schultz $80'000 pro Tag um. Dazu kommen die Pferderennwetten, wofür
Dutch Schultz das Mathematikgenie Otto Berman als Spielbankexperte anstellt. Mit der Zeit
beginnt jedoch die italienische Mafia, Geldspiele und Wetten zu kontrollieren, wobei die Juden die
"Banken" und "Buchhaltungen" weiterbetreiben und die Runners meist Schwarze sind. Die
Kontrolleure kassieren 35% der Einnahmen, wenn sie die Polizei schmieren, sonst 30% und die
"Bank" übernimmt die Schmiergelder. Der Kontrolleur bezahlt seinerseits 20 bis 25% seiner
Einnahmen an die Runners. Diese ziehen bei einem Gewinner aber auch einen Teil für sich ab. In
New York werden die Profite aus dem illegalen Spielgeschäft auf $500 Mio. geschätzt. Die
Mobster, die die Number-Rackets kontrollieren, sind zudem die grössten "Loan sharks": für 20%
Zins pro Woche leihen sie denen Geld, die sonst keines mehr bekommen, und ihre Methoden der
Wiedereintreibung sind effizient.
Quellen : Giancana: 30ff, 178, Lacey: 59, Best: 9, Davis(1993): 30-36, Delorme: 39, 77-83, Geffen,
Behr (2002).
1920: Joe Kennedys Karriere top
Joseph Patrick Kennedy steigt in den Alkoholschmuggel ein und verdient damit das Kapital, um an
der Börse im grossen Massstab zu investieren. Sein Vater, Patrick Joseph Kennedy, der Sohn des
1848 aus Dunganastown in Irland eingewanderten Patrick Kennedy, wurde 1885 nur 27jährig
Abgeordneter von East Boston im Repräsentantenhaus. Er begann seinen sozialen Aufstieg dank
seinem blühenden Alkoholgeschäft. Da er im "Hinterhof von Boston" äusserst populär war, wurde
er dreimal zum Senator gewählt, Mitglied des Zentralkomitees und später Vorsitzender des
Strategieausschusses der Demokratischen Partei. Trotz dieses Aufstiegs blieb Patrick Joseph
Kennedy letztlich nur ein Lokalpolitiker, weshalb er seinen 1888 geborenen Sohn Joseph Patrick
an die aristokratische Harvard schickte.
Obwohl Joe ein Star im Baseball war, blieb er aufgrund seiner irisch-katholischen Herkunft von
vielen Aktivitäten des Campus ausgeschlossen. Er setzte sich zum Ziel, mit 30 Millionär zu sein,
damit er "auf diese protestantischen Bastarde pissen" könne. Nach dem Harvardabschluss bekam
Joe Kennedy dank dem politischen Einfluss seines Vaters einen Posten als staatlicher Bankrevisor
mit einem Jahresgehalt von $1500. Da es Joe gelang, die kleine Columbia Trust Company, an der
sein Vater wesentlich mitbeteiligt war, vor einer Übernahme zu retten, wofür er sich mit $45'000
persönlich verschuldete, wurde er vom Aufsichtsrat mit nur 26 zum jüngsten Bankpräsidenten der
USA befördert.
1914 heiratete er Rose Fitzgerald, die Tochter des eben rausgeworfenen Bürgermeisters von
Boston. Mit vielen gewagten Einsätzen in legalen und anderen Geschäften entstand der
Grundstock von Kennedys Vermögen. Um den Aktivdienst zu vermeiden, stieg Kennedy 1917 als
stellvertretender Manager der Bethlehem Steel in der riesigen Fore River Werft, wo Zerstörer
gebaut werden, ein. Daneben kaufte er sich eine Vertriebskonzession der Universal Pictures.
John F. Fitzgerald gewinnt am 5.1 1 .1918 die Wahl zum Repräsentanten von Boston gegen den
ebenfalls demokratischen Konkurrenten Peter F. Tague. "Honey Fitz" Fitzgerald forderte Tague
heraus, da dieser sich nicht an einem einträglichen Grundstückhandel mit dem Fore River
Shipyard, wo sein Schwiegersohn Joe Kennedy im Management tätig ist, beteiligen wollte. Seine
Wahlkampforganisatoren, zu denen Joe Kennedy gehört, rekrutieren italienische Immigranten und
Profiboxer, die Tague-Wähler mittels Drohungen und Schlägen umstimmen. Ein Drittel der
ungültigen Stimmen kommen von Personen, die nicht im Bezirk leben, andere Stimmen lauten auf
Namen von Kriegsgefallenen oder noch in Europa stationierten Soldaten. Am meisten falsche
Stimmen kommen aus dem Prostituiertenmilieu. Am 24.10.19 wird Fitzgerald nach achtmonatiger
Untersuchung wegen Wahlbetrugs aus dem Repräsentantenhaus ausgeschlossen. 1942 schickt
Joe Kennedy den dann 79-jährigen nochmals ins Rennen, um den populären New Deal
Demokraten Joseph E. Casey, einer von Roosevelts Favoriten und daher möglichen Konkurrenten
seines Sohnes Joe Jr. zu schwächen. Der Republikaner Henry Cabot Lodge Jr. gewinnt dann
zwar, aber die Kennedys haben gelernt, wie man mit viel Geld und geschickter Propaganda auch
einen sehr guten Kandidaten ausschalten kann. 1920 steigt Kennedy bei der Massachusetts
Electric ein und zieht nach New York an die Wall Street.
Nach dem Krieg arbeitet Joe Kennedy als Leiter der Aktienabteilung des Maklerhauses Hayden,
Stone and Company und macht dank Insiderinformationen mit Börsenspekulationen so viel Geld,
dass er sich für seine sechsköpfige Familie ein neues Zwölfzimmerhaus in Brookline und einen
neuen Rolls-Royce kaufen kann. Wieviel und wie Kennedy Geld verdient, bleibt sein Geheimnis,
auch seiner Familie gegenüber, die gelernt hat, niemals Fragen darüber zu stellen.
Joe Kennedy, dessen Vater schon Alkohol importierte, benutzt medizinische Erlaubnispapiere für
den Import von kanadischem Whiskey, wovon er 200'000 Kisten ins Land geschmuggelt haben
soll. Damit wird er zu einem Konkurrenten der Mafiosi, zu denen er zwangsläufig auch
partnerschaftliche Kontakte unterhält. Anfangs schifft Kennedy englischen Scotch und Gin an die
12-Meilen Grenze, wo Frank Costellos Leute den Alkohol übernehmen, weshalb Costello später
behauptet, er habe Kennedy reich gemacht. Kennedy arbeitet während Jahren auch mit Owny
Madden zusammen und mietet Leute von Murder, Ine, um mit den Gewerkschaften fertig zu
werden. Weil Kennedy auf dem Gebiet der jüdischen Purple Gang in Detroit ohne Erlaubnis
geschmuggelten Rum verkauft, will diese seinen Kopf. Kennedy geht nach Chicago und bittet
Diamond Joe Esposito um Unterstützung. Da ihm dieser das Leben rettet, bleibt er in der Schuld
der Mafia von Chicago. Die Gewinne aus dem Alkoholschmuggel investiert Kennedy meist an der
Börse und beteiligt sich an einer Kinokette. Er gibt seine Stelle bei Hayden, Stone and Company
1923 auf und eröffnet sein eigenes Büro in Boston: "Joseph P. Kennedy, Bankier". Für seine bisher
sieben Kinder und seine Frau Rose gründet Kennedy Treuhandfonds, womit er ihnen eine
wirtschaftliche Unabhängigkeit für politische Karrieren ermöglicht. Sie sollten schliesslich über je
$10 Mio. verfügen können.
Nachdem er, offenbar auch mit Geldern der Mafia Chicagos, die Kontrolle der "Film Booking Office
of America" erringt, zieht Kennedy 1925 nach Hollywood. Hollywood ist seit 1912 von jüdischen
Flüchtlingen aus Osteuropa (Samuel Goldman, Louis B. Mayer, Karl Lemmle, William Fox, Adolph
Zukor, Harry Cohn und die Brüder Jack und Harry Warner) aufgebaut worden, die wie niemand
sonst den American Way of Life definieren. Im Bedürfnis nach Assimilation schufen die
Aussenseiter eine idealisierte Welt, bei der das Böse immer vom guten Helden besiegt wird. Mayer
verschob seinen Geburtstag auf den 4. Juli und feierte ihn jeweils mit grossem Pomp und
hunderten von illustren Gästen. Auch die meisten berühmten Schauspielerinnen wie Kirk Douglas,
Paul Newman, Lili Palmer Clark Gable, Tony Curtis oder Judy Holliday sind jüdischer Herkunft und
werden zum Inbegriff der amerikanischen Kultur. Trotzdem werden Juden bis in die 30er Jahre
nicht in die Klubs der Reichen aufgenommen, und die gesellschaftliche Anerkennung bleibt den
,Superamerikanern' versagt.
Während die Familie in New York wohnt, vergnügt sich Joe Kennedy mit Jean Harlow, Anita Page
und Greta Garbo und versucht sich als Filmproduzent von Lowbudgetfilmen. Seine wichtigste
Geschäftspartnerin und Liebhaberin ist Gloria Swanson, die ihm einen Sohn (Joseph) zur Welt
bringt. Kennedy übernimmt faktisch die Kontrolle über ihr Leben, startet die Gloria Productions und
versucht vergeblich, von der Katholischen Kirche einen Dispens zu erhalten, der das
Zusammenleben erlaubt hätte. Rose setzt sich häufig nach Europa ab und kompensiert ihre
Frustration mit Einkäufen. Besonders der junge Jack leidet unter den dauernden Absenzen seiner
Eltern. Mit Käufen und Verkäufen von Filmgesellschaften bereichert sich Kennedy um geschätzte
$5 Mio. in Hollywood.
Quellen : Hersh: 35-43, Best: 16ff, Kessler (1997), Collier/Horowitz: 7-54, Giancana: 73, 214, Wolfe:
125ff, Jacobovici, Drugwar (1): 6, Geffen, Amara, Gabler.
1924: J. Edgar Hoover und das Bureau of Investigation top
John Edgar Hoover wird im Mai 1924 vorläufiger Chef des Bureau of Investigation, ernannt vom
Generalstaatsanwalt Harlan Fiske Stone.
Hoover übernahm 1918 24jährig die General Intelligence Division, mit dem Auftrag, die
subversiven Umtriebe zu studieren. Das Bureau of Investigation wurde 1909 vom rassistischen und
schwachsinnigen Präsidenten Theodore Roosevelt gegründet, der seine Karriere als
Polizeikommissär in New York begann. Charles Bonaparte, dem Grossneffen Napoleons, ging mit
9 Agenten gegen die Arbeiter-Bewegung vor. Die Syndikalismus-Bewegung mobilisierte 4 Mio.
Streikenden in 2665 Streiks in einem Jahr. Zur Bekämpfung der Gewerkschaften wurden
Bürgervereine und Freiwilligenverbände wie die American Protective League gegründet und von
der Industrie finanziert. Innenminister A. Mitchell Palmer Hess am 2.1.19 ganze Stadtviertel
abriegeln und durchsuchen, um Linke zu finden. Hoover beurteilte die vorgenommenen Razzien,
Verhaftungen, Verurteilungen und Ausweisungen als "zu lasch". In seinem Eifer umging er die
Grundrechte im Kampf gegen die Anarchisten und Kommunisten, indem er diese ohne
Gerichtsurteile ausschaffen Hess (am 21 .12.19 249 Personen und am 2.1 .20 556). Das Vorgehen
Hoovers kostete Palmer seine Karriere, im Gegensatz zu Hoover, der zu seiner Verteidigung
begann, nicht nur Informationen über Radikale und Schwarze zu sammeln, sondern auch über
gewählte Politiker, Richter und Wissenschaftler. Im Jahre 1920 verhaftete die Polizei 4000
"subversive Elemente" in 33 Städten. Bekannt wurden die beiden Anarchisten Nicola Sacco und
Bartolomeo Vanzetti, die dem Rachewillen der Politiker und der Polizei zum Opfer fielen. Die
Mafiosi Joe und Butsey Morelli aus Providence, Rhode Island, waren für die den Anarchisten
zugeschobenen Überfälle und Morde verantwortlich.
Am 22.8.21 wurde Hoover von Justizminister Harry Daugherty zum Vizedirektor des Bureau of
Investigation, das bereits Dossiers über 500'000 Personen besitzt, ernannt.
Stone verbietet dem neuen Bundespolizeichef Untersuchungen in politischen Prozessen und
ordnet eine Reform der Abteilung an. Deshalb säubert Hoover das korrupte Netz seiner 657
Agenten, baut eine Elitetruppe auf und führt eine autoritäre Hierarchie ein. Die Agenten des streng
presbyterianisch erzogenen Juristen dürfen nicht trinken, keine Schnurrbarte tragen, werden bei
Ehebruch sofort gefeuert, permanent kontrolliert und in Akten erfasst. Die Repression der linken
Arbeitervertretungen, die Verurteilungen und Rückschaffungen von Kommunisten und Anarchisten
und das neue Einwanderungsgesetz lassen die Zahl der Einwanderer ab 1924 stark zurückgehen.
Der Johnson-Reed Immigration Act kommt aufgrund der , Beweise' der Intelligenzforscher
zustande, wonach Schwarze, arme Weisse und Süd- und Osteuropäer, wobei vor allem die
jüdischen Einwanderer gemeint sind, geistig minderwertig und kriminalitätsgefährdet seien.
Hoover und seine Agenten legen trotz des Verbots nicht nur über Linke, Bürgerrechtler und
Kriminelle, sondern auch über Politiker Dossiers an. Am 25.3.25 eröffnet Hoover sein "Obscene
File". Seine Macht beruht auf diesen - zum Teil intimen - privaten Daten, mit denen er die Politiker
erpressen kann. Kein Präsident wagt es, Hoover zu entlassen. Sein Stellvertreter William Sullivan
bezeichnet Hoover als den grössten Erpresser aller Zeiten. Dank diesen Unterlagen bleibt Hoover
bis zu seinem Tod 1972 Direktor des FBI und überlebt acht Präsidenten und 16 Justizminister. Er
ist den Präsidenten allerdings auch gefällig: Auf Wunsch von Roosevelt, Truman, Johnson und
Nixon lässt er deren Gegner überwachen.
1925 wird zur Stärkung des umstrittenen FBI die private National Crime Commission geschaffen,
allerdings nicht um den Alkoholschmuggel und das Gangstertum zu bekämpfen, sondern um die
Macht der Polizei im Kampf gegen die Gewerkschaften zu stärken. Die Gründungsversammlung
findet bezeichnenderweise in den Räumen der United States Steel Corporation statt.
1928 erklärt der Oberste Gerichtshof das Abhören von Telefongesprächen für verfassungsmässig.
Am 2.4.28 stellt Hoover seinen Lebenspartner Clyde Tolson ein, der Guy Hottel mitbringt. Die
beiden werden seine Vertrauensmänner an der Spitze des Federal Bureau of Investigation.
Nebenbei ist Hoover zugleich Direktor einer Versicherungsgesellschaft.
Quellen : Davis (1984), Fox: 65, Theoharis/Cox: 21-88, 159, Schulz: 41, Todd, Summers (1993),
Tarpley/Chaitkin: 536f,
1925: AI Capone in Chicago top
Benito Mussolini besuchte 1924 das erste Mal Sizilien, und schickt kurz darauf mehrere
Infanterieregimente nach Sizilien. Der Präfekt Cesare Mori baute ein System von Spitzeln auf und
konnte 1926 die Macht der Mafia brechen, indem er mit Folter und Erpressung die 1 1'000
Verhafteten zum Reden brachte. Selbst die beiden mächtigsten Bosse Don Calo Vizzini und Genco
Russo kamen ins Gefängis. Mussolini löste damit eine Mafiosi-Fluchtwelle, wozu Stefano und
Antonio Magaddino, Salvatore Maranzano, Joe Bonanno, Mike Coppola, Joe Profaci und Joe
Magliocco gehörten, ins Paradies der Prohibition aus. Bis Mitte des Jahrhunderts emigrieren
insgesamt über 5 Mio. Italiener in die USA, die die lokale Struktur der bisherigen Mafia in den USA
verändern.
In Chicago unterwanderten die Neuankömmlinge aus Sizilien die Unione Siciliana, eine 1895
gegründete Genossenschaft für gegenseitige Hilfe, und benutzten sie als Front für kriminelle
Aktivitäten. Michele Merlo, einer der Bosse Chicagos, starb am 8.1 1 .24 an Krebs. Die Mafia hatte
im folgenden Mühe, sich zu behaupten. In internen Kämpfen werden sechs führende Mafiosi
umgebracht: Angelo Genna und Sam Samoots Amatuna (1925), Antonio Lombardo (1928),
Pasquale Lolordo (1929), Giuseppe Aiello (1930) und Agostine Loverdo (1931).
Neben den verschiedenen Mafia-Familien und dem Syndikat von Torrio mit Alfonso Capone gibt es
die irische North Side Gang, die ebenfalls im Alkoholgeschäft tätig ist. Ihr Chef, Charles Dion
O'Bannion, wurde am 1 0.1 1 .24 in seinem Blumenladen, in dem AI Capone für $1 0'OOO rote Rosen
und Johnny Torrio für $10'000 Chrysanthemen für das Begräbnis von Merlo bestellt hatten,
ermordet. O'Bannion soll selbst für den Mord von 24 Personen verantwortlich gewesen sein. Zum
Konflikt kam es, weil seine Männer mehrere Lastwagen mit Alkohol der Genna-Brüder entführten.
Nachfolger O'Bannions wurden Frank Gusenberg und George "Bugs" Moran. Sowohl die Gennas
wie auch die Aiellos gehören im Gegensatz zu Torrio der Unione Siciliana an.
Im Januar 1925 wollen der 17jährige Sam Giancana und Leonard Gianola Johnny Torrio im Auftrag
AI Capones umbringen, verletzen ihn aber nur. Capone erträgt es nicht, dass Torrio sich weigert,
den Kuchen zu teilen. Torrio verlässt daraufhin die Stadt mit seinen angehäuften $40 Mio. und
überlässt Capone seinen Platz. Dieser schaltet nun systematisch alle Konkurrenten aus: Giancana
wird im Mai 1925 erneut engagiert, um die Gennas auszuschalten: Nachdem Angelo, Mike und
Tony Genna umgekommen sind, flüchten die restlichen drei Brüder. Giancana bringt am 3.10.28
auch seinen Mentor und Beschützer Diamond Joe Esposito um. Am 8.1 .29 wird Pasqualino
Lolordo von Joe Aiello und den Brüdern Frank und Pete Gusenberg ermordet. AI Capone, der im
Laufe seiner Karriere 215 Morde angeordnet haben soll, organisiert das Management des
Verbrecherkartells, das mithilfe der geschmierten Kooperation von Politikern, Polizei und
Justizbeamten $60-250 Mio. Umsatz erwirtschaftet. Der populäre Capone gibt der Bevölkerung,
was sie will: Alkohol, Sex und Spiele, und zusammen mit Paul Ricca führt er die politischen
Beziehungen Espositos weiter. Das Syndikat AI Capones ist mit der Lolordo-Familie verbündet, die
mit der Aiello-Familie in Konflikt steht.
Am 14.2.29 wird die irische North Side Gang mit einem siebenfachen Mord ausgeschaltet. Die
Mörder fahren am Valentinstag in einem Polizeiauto und in Uniform beim Treffpunkt vor und
erschiessen die nichtsahnenden Anwesenden. Capone steht hinter der Ermordung von Frank und
Pete Gusenberg, Jack May, AI Weinshank und Adam Heyer. Bugs Moran, eigentliches Ziel des
Anschlags, und seine Leibwächter Willie Marks und Ted Newsberry überleben, weil sie verspätet
zum Treffpunkt erscheinen. Moran zweigte Capones Alkohol ab und verkaufte ihn an eigene
Kunden. Moran verliert trotz dem fehlgeschlagenen Attentat seine Machtbasis und zieht sich aus
dem Alkoholgeschäft zurück.
Damit besitzen AI Capone und und Don Giuseppe Aiello, der am 23.10.30 im Auftrag von Pasquale
Prestigiocomi ermordet wird, das Alkoholmonopol in Chicago.
Aber AI Capones Berühmtheit als .scarface' ist den anderen Mafiosi ein Dorn im Auge, weil es das
Geschäft gefährdet. Mafia-Bosse von verschiedenen Familien und Städten treffen sich im Mai 1929
in Atlanta City und teilen die Territorien den einzelnen Familien zu. Aufgrund der Prohibition
systematisierte sich die Kooperation zwischen den Schmugglern der einzelnen Staaten, wobei die
grossen Bosse des Nordwestens den Ton angeben. Dazu gehören AI Capone, Joe Adonis, Lepke
Buchalter, Moe Dalitz, Johnny Torrio, Lucky Luciano, Frank Costello, Charlie Solomon, Waxey
Gordon, Longy Zwillman, das Reinfeld Syndikat, Meyer Lansky und Bugsy Siegel. In
Nebengesprächen wird beschlossen, dass der publizitätssüchtige AI Capone, der die Plätze von
Torrio und Esposito und damit die Macht in Chicago übernommen hatte, gehen muss. Auf dem
Nachhauseweg von Atlanta wird Capone wegen unerlaubtem Waffenbesitz verhaftet und zu einem
Jahr Gefängnis verurteilt. Kaum entlassen, kommt AI Capone wegen Steuerhinterziehung erneut
für 1 1 Jahre ins Gefängnis.
Paul Ricca übernimmt den Vorsitz in Chicago. Ricca hiess Paul DeLucia, bis er 1920 in die USA
flüchtete. Er wurde 17jährig wegen Mordes verurteilt und brachte unmittelbar nach seiner
Entlassung den Zeugen, der ihn ins Gefängnis gebracht hatte, um. In den USA arbeitete er dann in
der Zentrale von Esposito, dem Cafe Bella Napoli, woher er seinen Übernamen "the Waiter" hat.
Die Medien sind überzeugt, dass Frank "the Enforcer" Nitti der Nachfolger von "Scarface" sei, was
Ricca, Humphreys und Jake Guzik, der für die Finanzen zuständig ist, ziemlich freie Hand lässt.
Tatsächlich plante Nitti zusammen mit Capones Cousin Rocco Fischetti die Kontrolle der
Organisation zu übernehmen, aber Ricca hat die Rückendeckung des Syndikats. 1939 wird
Capone entlassen, stirbt aber kurz darauf an Syphilis, die er sich bei einer seiner minderjährigen
Prostituierten zugezogen hatte.
Quellen : Bradley, Raith: 72f, Delorme: 87ff, 133-145, Giancana: 30-34, 67, Best: 4,10, Behr (2002),
Olgiatti, Drugwar (1): 1f.
Oktober 1929: Börsenkrise top
Drei Monate vor dem Börsen-Crash 1929 stösst Joe Kennedy alle Aktien ab, wie Michel C. Bouvier
auch. Er gehört damit zusammen mit Industriellen wie William Crapo Durant von der General
Motors und John Davison Rockefeiler zu den Auslösern des "Schwarzen Freitags". Kennedy wird
wie Bernard Baruch oder Jean Paul Getty dank dem Börsencrash zum Multimillionär, weil er
sichere Aktien wie beispielsweise von General Electric kauft, die von $391 auf $10 gefallen sind.
Die Folgen sind eine zehnjährige Depression mit Millionen von Arbeitslosen, Bürgerkriegszustände
und Aufstände in den USA, die mit Truppen niedergeknüppelt werden. Aufgrund der
internationalen Kreditsysteme ist die ganze Welt vom Zusammenbruch betroffen. Allein in den
Industrieländern sind 1930 bereits 35 Mio. Menschen ohne Arbeit. Vor allem in Deutschland
bewirkt die politische Radikalisierung aufgrund der Arbeitslosigkeit von 40% den Nährboden für
den Erfolg des Nationalsozialismus und den 2. Weltkrieg.
Quellen : Martin: 81 f, Best: 16ff, Kessler (1997), Collier/Horowitz: 35-54, Hillesheim, Cash 5.1.96.
1931 : Die Mafia in New York top
Charlie Luciano, Benjamin Siegel und Meyer Lansky hatten sich schon vor der Prohibition
kennengelernt und schlössen ihre italienische und jüdische Bande zum Kampf gegen die irischen
Gruppen zusammen. Charlie Luciano, als Neunjähriger 1906 von Sizilien eingewandert, machte
seine ersten Erfahrungen mit sogenannten Schutz-Rackets. Er nutzte als 18jähriger die grosse
Zahl der Rauschgiftsüchtigen in der Gegend um die East Tenth Street, indem er sich eine halbe
Flasche Opium kaufte und deren Inhalt in kleinen Mengen weiterverkaufte. Beim Verkauf seiner
dritten Flasche wurde er erwischt und zu 8 Monaten Erziehungsanstalt verurteilt. Als er 5 Jahre
später wegen Heroinhandels verhaftet wird, entgeht er dem Gefängnis, weil er die Beamten zu
einem Drogenlager an der Mulberry Street führt, worauf mehrere seiner Konkurrenten von der
Bildfläche verschwinden.
Meyer Lansky wurde 1902 in Grodno (Polen) als Meyer Suchowljansky geboren und kam 1912 in
die USA. Seine ersten Erfahrungen machte Meyer mit Craps-Spielen an Strassenecken an der
Lower East Side in Manhattan. Er verdingte sich als Wachtposten, Einbrecher und Schläger für
Gewerkschaften, die Streikbrecher verprügeln und Maschinen und Waren sabotieren Hessen.
Bereits im Alter von 16 Jahren versuchte er vergeblich, Zuhälter zweier Prostituierten zu werden.
Angezogen durch die neue phantastische Einkommensquelle mit Alkoholschwarzhandel gab
Lansky seinen Job als Automechaniker für immer auf. Seine bürgerliche Fassade bleibt jedoch ein
Auto- und Lastwagenverleih. Lansky organisierte mit Benny Siegel, Sohn von eingewanderten
russischen Juden, den Alkoholtransport und stellte Freunde wie Moe Sedway oder Red Levine als
Überwacher und Fahrer ein. Siegel ist ein geschickter Autodieb und wird wegen seiner
Furchtlosigkeit Bugsy genannt.
Lansky wurde Geschäftspartner des unverfrorenen Fat AI Levy und Schützling des Archetypen für
das organisierte Verbrechen in Amerika, Arnold Rothstein. Der weltmännische und charmante
Rothstein traf nur separate Absprachen, so dass niemand, der auffliegt, sein Imperium durch
Geschwätzigkeit in Gefahr bringen kann. Als erster Jude erlangte er bedeutenden Einfluss in den
rauchgeschwängerten Hinterzimmern der Tammany Hall und wurde zum , König' der
Alkoholschmuggler. Arnold Rothstein erhielt am 4.1 1 .28 beim Park Central Hotel Kugeln in den
Bauch, nachdem in Cleveland das erste bekannte Mafia-Meeting im Hotel Statler stattfand, an dem
27 Mafiosi aus dem Osten, dem Süden und dem Mittleren Westen der USA teilnahmen. "The
Brain" starb zwei Tage später im Krankenhaus, nachdem er sich bis zuletzt geweigert hatte, der
Polizei auch nur den kleinsten Hinweis auf Täter oder Motiv zu geben.
Luciano versuchte, Meyer zu erpressen und lernte ihn so kennen. Nun koordinierten Luciano,
Lansky und Siegel den Alkoholschmuggel und verkauften in ihren Speakeasies den selben
Alkohol. Später kamen die Neapolitaner Frank Costello (Francesco Castiglia) und Vito Genovese
zum Team dazu. Luciano beanspruchte schon früh die Führung der Gang und plante mit Siegel die
Diebstähle, Entführungen, den Transport und Verkauf von Alkohol. Der diplomatische Costello
spezialisierte sich auf das Schmieren von Polizisten, und Lansky kümmerte sich um die Finanzen.
Der brutale Genovese, der oft eigene Wege geht, galt als der Schläger der Gang. Bis Mitte der
20er Jahre kontrollierte Lucianos Gang mehrere Destillerien, eine Lastwagenflotte, um Alkohol von
Kanada nach New York zu bringen, Lagerhäuser, ein Entführer-Team für die Alkohollieferungen
der konkurrenzierenden Schmuggler sowie Dutzende von Speakeasies. Insgesamt beschäftigte die
Gang etwa 100 Personen und soll $4 Mio. pro Jahr verdient haben, was sich Luciano, Lansky,
Siegel und Costello untereinander aufteilten. Joe Masseria bemerkte den erstaunlichen Aufstieg
von Lucianos Gang und begann, Luciano zu umwerben, damit dieser sich seiner Organisation
anschliesst.
In New York tobte Ende der 20er Jahre der "Castellammare-Krieg": In Brooklyn leben Hunderte
von Sizilianern aus Castellammare, westlich von Palermo, die durch ihre Herkunft eine Art Clan
bilden. Salvatore Maranzano wurde vom sizilianischen Capo di tutti capi Don Vito Cascio Ferro in
die USA gesandt, mit dem Auftrag, die amerikanische Mafia unter sizilianische Kontrolle zu
bringen. Maranzano wurde zum Führer des Castellammare-Clans und begann, Joe Masserias
Macht zu untergraben, indem er dessen Alkohollieferungen entführen Hess und die Speakeasies
zwang, seinen Alkohol zu verkaufen. 1928 verlangte Masseria Tribut und Hess prompt einen Mann
von Maranzanos Clan umbringen, als dieser sich weigerte zu zahlen. Es folgten Morde an weiteren
Castellammarese in anderen Städten, worauf Maranzano seine Angriffe auf Masserias
Alkoholgeschäfte intensivierte. Masseria war der Situatinon je länger je weniger gewachsen, bis er
schliesslich die Ermordung aller Castellammerese anordnete, worauf ein eigentlicher Krieg
ausbrach, da Maranzano durch seine 400 Männer zurückschlagen Hess. Nach einem Jahr hat
Masseria bereits 50 seiner Männer verloren. Zu dieser Zeit beginnt die Gang von Luciano als Teil
von Masserias Organisation mit Anastasia und Gambino zusammenzuarbeiten. Diese Allianzen
sind allerdings nicht stabil: Masserias Schützling Carlo Gambino wechselt zu Maranzanos
Organisation, zu der aufsteigende Kräfte wie Joe Profaci, Joe Bonanno und die Magaddinos
gehören, als er das Gefühl hat, Masseria werde unterliegen.
Luciano weigerte sich, die Seite zu wechseln, und wurde deshalb am 16.10.29 von Maranzanos
Männern in eine Falle gelockt und so geschlagen, dass sein Gesicht für immer entstellt bleibt. Sie
hängten ihn an den Daumen an einen Baum und bearbeiteten ihn mit Rasierklingen und
brennenden Zigaretten bis zur Bewusstlosigkeit, schlitzten ihm die Kehle auf und warfen ihn in ein
Lagerhaus. Nur durch Zufall wurde er gefunden und überlebte, Jucky', wenn auch mit bleibenden
Schäden. Zu diesem Zeitpunkt hatte er 17 Haftstrafen hinter sich.
1931 wechselten Luciano und Genovese aber ebenfalls die Seite. Luciano trifft Masseria am
15.4.31 im Restaurant Nuova Villa Tammarano auf Coney Island zum Lunch. Als Luciano auf die
Toilette geht, stürzen Genovese, Anastasia, Siegel und Adonis herein und erschiessen Masseria.
Salvatore Maranzano ist nun der mächtigste Boss im Land und beruft im Mai ein Meeting aller
Familien des Landes in einer grossen Banketthalle in der Bronx ein, zu dem 400 Männer
erscheinen. Er erklärt sich zum Boss der Bosse und verkündet eine neue Organisationsstruktur,
wobei er den Begriff "Cosa Nostra" braucht. Maranzano ist der gebildetste aller Bosse: er spricht
sechs Sprachen, ist ein guter Rhetoriker und ein grosser Verehrer Cäsars, den er auf Lateinisch
liest, und lebt nach den Maximen von Macchiavelli. Maranzano führt die militärische Organisation
der Mafia ein: La Cosa Nostra wird in 24 Familien eingeteilt und von je einem "Capo" regiert. Dem
Boss steht ein "Sotocapo" (Stellvertreter) zur Seite. Sie befehlen mehrere
"Caporegime" (Leutnants), die für die "button men" (Soldaten) verantwortlich sind. Eine strenge
Befehls- und Kommunikationshierarchie soll die Disziplin und Effizienz der Organisation
garantieren. Gleichzeitig verstärkt Maranzano mit dem Obligatorium von Katholizismus und
italienischer Nationalität die traditionellen Werte und verlangt unbedingte Einhaltung der Omertä.
New York wird in 5 Familien aufteilt: Die Maranzano-Familie in Brooklyn mit Joe Bonanno als
Stellvertreter. Eine zweite in Brooklyn mit Maranzanos gutem Freund Joe Profaci als Boss und mit
Joe Colombo als Sotocapo. Eine dritte in Brooklyn mit Vincent Mangano, dem Herrscher über die
Werft, mit Anastasia als Unterboss und Adonis, Gambino und Scalise als Leutnants. Der
extrovertierte Adonis heisst eigentlich Doto, hat aber seinen Namen in Hommage an seine
Schönheit gewechselt. Im Gegensatz zum ruhigen und eleganten Gambino, der vorwiegend für
das Alkoholgeschäft zuständig ist, gilt sein Vorgesetzter Anastasia als blutdürstig und jähzornig.
Manganos Bruder Philip steigt in der International Longshoremen's Association auf, und Anastasia
macht für Mangano viel Geld, indem er die Schiffsgesellschaften und -besitzer, Hafenarbeiter und
Kapitäne erpresst. Mit der Kontrolle des Hafens lassen sich auch grosse Gewinne mit Schmuggel
von Alkohol und Drogen machen. Anstelle von Masseria steht jetzt Lucky Luciano, zu dem Costello
und Genovese gehören, an der Spitze der vierten Organisation. Luciano übernimmt Masserias
Lotterie-Rackets und ist Maranzanos Kronprinz. Anstelle der bisherigen Reina-Gang wird eine
fünfte Familie geschaffen, die von Tommy Lucchese geführt wird und zu der Frank Scalise gehört.
Im ganzen Land zählt die Cosa Nostra 4000-5000 Mitglieder und hat 30-40'000 Verbündeten.
Maranzano weiss, dass er seine eroberte Macht gegen die ambitionierten Jungen verteidigen muss
und plant, AI Capone, Frank Costello, Joe Adonis, Vito Genovese und Lucky Luciano umbringen zu
lassen. Luciano hält nichts von den traditionellen Werten eines Maranzano, ihm geht es ums
Geldmachen, weshalb er Lansky und Siegel mit der Cosa Nostra assoziiert haben will. Maranzano
setzt den jungen irischen Killer Vincent "Mad Dog" Coli auf Luciano und Genovese an und teilt
seine Pläne unvorsichtigerweise seinen Verbündeten mit, von denen einer Luciano warnt. Luciano
kommt ihm zuvor, indem er ihm am 10.9.31 vier Killer der Siegel-Lansky-Gang in Uniformen von
Steuerbeamten in sein Büro schickt. Danach sichert sich Luciano die Macht, indem er die
Säuberung der alten Garde anordnet: 60 Maranzano-Loyalisten werden umgebracht. Damit ist der
Versuch fehlgeschlagen, die US-Mafia von Sizilien aus zu kontrollieren.
Unter dem Pseudonym Charles Ross organisiert Luciano eine .Friedenskonferenz' im Waldorf-
Astoria, in dem er residiert. Dabei vollzieht sich die endgültige Amerikanisierung der Mafia: Eine
Kommission von zwölf Bossen unter Leitung von Vincent Mangano (Präsident), mit Lucky Luciano,
Joe Profaci, Joseph Colombo, Frank Milano und anderen, soll demokratisch Aktionen und
Streitigkeiten regeln. Allerdings hat diese Kommission keine zentralistische Struktur, sondern dient
der Abgrenzung von Territorien, und die 24 Familien bleiben autonom. Miami bleibt eine offene
Stadt, wo alle Geschäfte betreiben können. Die Einteilung Maranzanos lässt Luciano bestehen,
aber er fügt jedem Boss einen "Consigliere" (Berater) bei. Auch in der Unterwelt herrscht nun das
marktwirtschaftliche Prinzip des Laissez faire, wobei Geschäftsinteressen im Vordergrund stehen
und nicht mehr formale soziale Strukturen wie Familien- und Nationalzugehörigkeit. Allerdings
stabilisiert das ethnische Bewusstsein die Unterwelt dahingehend, dass Aufgabenteilung und
Kompetenzenverteilung sich entsprechend der Herkunft durchsetzt: Die Iren sind für
Politikerbestechung zuständig und stark in den Gewerkschaftserpressungen vertreten. Nach
eigenen Angaben haben Luciano und Costello 1932 die Tammany Hall, die politische
Schaltzentrale New Yorks, in der Hand. Die Juden, die nie zum innersten Kreis gehören, sind in
Spielgeschäften und Finanzangelegenheiten favorisiert, und die Italiener übernehmen Gewaltakte
und beanspruchen die Führung. Luciano ist damit der erste moderne Mafiaboss, beraten von
Meyer Lansky.
Nach dem Modell der Gang von Siegel und Lansky (The Bug and Meyer Mob) stellt Luciano die
später so benannte Murder, Incorporated auf die Beine, die in den 30er und 40er Jahren in New
York und New Jersey Mord auf Bestellung ausführt. Hauptziel ist, dass keine Verbindung zwischen
Auftraggeber und Opfer hergestellt werden kann, da die Auftraggeber die Täter nicht kennen.
Deshalb werden oft professionelle Killer aus anderen Staaten angeheuert, um einen Auftrag zu
erledigen. Albert Anastasia kontrolliert die von Louis "Lepke" Buchalter und Jacob "Gurrah" Shapiro
geführte, eigenständige Organisation. Beide hatten mit Erpressungen bei den Hafenarbeitern und
in der Bekleidungsindustrie begonnen. Die jüdischen und italienischen Mörder verdienen $200 in
der Woche, müssen aber immer verfügbar sein. Das Hauptquartier ist ein immer geöffneter
Süssigkeitsladen in Brooklyn, das "Midnight Rose's". Anastasia hat durch die Kontrolle der Murder
Inc. und des Hafens eine unglaublich starke Machtposition innerhalb der Mafia und wird Ende der
30er "Mad Hatter", "Earthquake" und "Lord High Executioner" genannt. Man schätzt die Zahl der
ausgeführten Ermordungen der Murder Inc. auf mindestens 400-500, vielleicht aber auch viel
mehr. Mitilfe seines Bruder Anthony "Tough Tony" Anastasio, der Vizepräsident der International
Longshoremen, aber nie offizielles Mitglied der Cosa Nostra wird, kontrolliert Anastasia effizient
den Hafen von Brooklyn.
Quellen : Delorme: 12-15, 57-68, Davis (1994): 34-58, Drugwar (1): 6, Best: 4f, Konkret Nr.7/1973:
49f, Behr: 111-119, Amendt: 28, Lacey: 55-64, Anson: 306f.
1932: Roosevelt und Kennedy top
Franklin Delano Roosevelt wird mit der Unterstützung der Mafia, die über Joe Schenk Millionen in
die Wahlkampagne fliessen Hess, zum Präsidenten gewählt. 1937 soll Ricca, unterdessen offizieller
Boss von Chicago, sogar im Weissen Haus empfangen worden sein. Joe Kennedy arbeitete im
Wahlkampfausschuss, spannte den Herausgeber William Randolph Hearst für die Nomination ein
und zahlte beinahe $100'000 an Roosevelts Wahl, ohne dann aber einen Job in der Regierung zu
bekommen. Dafür wird Kennedy von Roosevelt als Vorsitzender der "Securities and Exchange
Commission", der staatlichen Kommission zur Börsenüberwachung, eingesetzt. Dem erstaunten
Publikum erklärt Roosevelt: "Diebe fangen Diebe am besten." Kennedy führt, nachdem er selbst
mit Spekulationen viel Geld verdient hat, harte Bestimmungen ein und erzwingt die Offenlegung
der Handelsgeschäfte der Makler. Dank der Erfolge dieser Stabilisierungspolitik wird Kennedy zum
Vertrauten Roosevelts.
Zudem kann er sich bei einer Reise mit Roosevelts Sohn nach England die Konzessionen von
Gordon's Gin und Dewars- und Haig-Whiskeys sichern und gründet "Somerset Importers". Ihm
gehört ein Teil einer Pferderennbahn Hialeah, was neben seiner Spielleidenschaft die Kontakte zu
Mobstern aufrechterhält. Die Aufhebung der Prohibition führt zu einem vehementen Kampf mit der
Mafia, die sich ebenfalls Konzessionen sichern will. Eine besondere Feindschaft verbindet
Kennedy mit Meyer Lansky und Joseph "Doc" Stacher, nachdem diese 1927 eine ganze Ladung
irischen Whiskey entführten, wobei elf Männer getötet wurden. Kennedy glaubte zuerst, Zwillman
hätte ihn bestohlen. Da er nicht nur den Alkohol verlor, sondern die Wittwen und Angehörigen
entschädigen musste, kostete ihn dies ein Vermögen. Kennedys Firma und Costellos Firma
"Alliance Distributors" sind Mitte der 30er Jahre erbitterte Konkurrenten, nachdem es einen Streit
zwischen ihnen gegeben hat.
Quellen : Davis(1988): 39, Kessler (1997), Best: 18, Collier/Horowitz: 73-85.
1933: Das Kartell der Erdölgesellschaften top
Die sieben bedeutendsten Ölgesellschaften Exxon, Mobil Oil, Texaco, Gulf Oil, Standard Oil of
California, Anglo-Persian Oil Company und Royal Dutch-Shell unterzeichnen ein kartellähnliches
Abkommen zur Ausbeutung der arabischen Ölfelder.
Bisher wurde das meiste Öl in den USA gefördert und von John D. Rockefellers Standard Oil
Company raffiniert. Diese wurde 191 1 aufgrund von Antitrustverfügungen in Standard Oil of New
Jersey (=Exxon), Standard Oil of New York (=Mobil Oil), Standard Oil of California, Standard Oil of
Ohio, Standard Oil of Indiana und Marathon Oil aufgeteilt. Noch 1920 wurden zwei Drittel des Öls
in den USA gefördert, aber die übrigen Weltmächte zogen Konsequenzen aus dem ersten
Weltkrieg und versuchten, an die Ölvorräte im Nahen Osten heranzukommen. Vor allem die
Engländer hatten sich mit einer 60jährigen Konzession im Iran den zweiten Platz im Ölgeschäft
gesichert. Zudem standen den Europäern die politisch unsicheren russischen Ölfelder von Baku,
die mit dem Kapital der Nobels und Rothschilds erschlossen wurden, und die Einrichtungen der
Royal Dutch Company in Niederländisch-Ostindien zur Verfügung.
Im Juli 1928 wurde die vor dem Krieg gegründete Turkish Petroleum Company unter den
Amerikanern (Exxon, Gulf und Mobil bekamen 23.75%), den Briten (Anglo-Persian und Royal
Dutch-Shell 47,5%) und Franzosen (Compagnie Frangaise des Petroles 23,75%) aufgeteilt. Der
Besitzer Calouste Sarkis Gulbenkian behielt 5% der Aktien, womit die weitere Konkurrenz
ausgeschlossen werden konnte. Im September 1928 wurden von Henri Deterding (Royal Dutch-
Shell), Walter Teagle (Standard Oil of New Jersey) und John Cadman (Anglo-Persian) auch die
Aufteilung der Märkte festgelegt.
1933 wurde auch Gulf Oil ins das Kartell miteinbezogen und Kuwait aufgeteilt. Allerdings hatte sich
die Standard Oil of California bereits Saudi-Arabien unter den Nagel gerissen, indem Harry St.
John Philby mit König Ibn Saud eine Konzession aushandelte. Aber die Standard Oil of California
kann sich auf den abgesprochenen Märkten nicht durchsetzen, weshalb 1933 Aramco (Arabian-
American Oil Company) gegründet wird, die sich zum grössten Erdölproduzenten entwickeln wird.
Während der Depression sinkt der Ölpreis auf 10 Cents pro Barrel, und die Aramco muss
versuchen, da die Bohrtürme in Texas und Mexico förmlich aus dem Boden schiessen, die
Förderung anderswo radikal zu unterbinden. 1935 wird über Harry St. John Philby ein neues
Abkommen zwischen König Ibn Saud und der Aramco geschlossen, das ihr die Produktions- und
Transportrechte bis ins Jahr 2000 garantiert.
Rockefeiler lässt das saudische Öl von Aristoteles Sokrates Onassis transportieren, der 1930 die
ersten sechs Tanker kaufte und den ersten Grosstanker Ariston bauen lässt. Onassis wurde 1906
in Smyrna (Türkei) geboren. Sein Vater war ein wohlhabender Tabakhändler und Leiter der Börse
bis zum 1. Weltkrieg, der das Vermögen seiner Familie zunichte machte. Onassis floh 1922 vor
den grauenhaften ethnischen Säuberungen der Türken, die Karatass besetzten, nach
Griechenland und kaufte mit dem geretteten Geld seinen inhaftierten Vater frei. 1923 wanderte er
mit $250 nach Argeninien aus. In Buenos Aires arbeitete er in einer Telefongesellschaft, handelte
mit türkischem Tabak und Opium, kreierte er eine eigene Zigarettenmarke für Frauen und
schmuggelte Alkohol in die USA.
Nachdem die griechische Regierung die Anhebung der Zollsteuer um 1000% beschlossen hat,
reiste Onassis 1928 nach Griechenland, wo er seinen Kontakt zu Minister Michalakopoulas
aufbaute, um eine Ausnahmeregelung für ihn zu erwirken. Onassis wurde kurz darauf griechischer
Vizekonsul, erhielt die griechisch-argentinische Doppelnationalität, arbeitete im
Devisenschwarzmarkt und hatte mit Spionage zu tun. 1932 wurde ein Versicherungsbetrug für eine
angeblich gesunkene Fracht, an dem Onassis beteiligt war, unterdrückt, indem die Dossiers
verschwinden.
Quellen : Marrs: 276, Epstein: 6-14, Best: 53, Evans, Morgenthaler.
Februar 1933: Das Attentat auf Roosevelt top
Der Bürgermeister von Chicago, Anton Cermak, ist mit Roosevelt an einer Veranstaltung in Miami.
Cermak wurde dank seinem Versprechen, mit AI Capones Organisation in Chicago aufzuräumen,
zum Bürgermeister gewählt. Der Krieg Cermaks gegen die Capone-Organisation nützt vor allem
dem Konkurrenten Teddy Newberry. Nach einem Mordversuch an Frank Nitti Hess Ricca Newberry
umbringen, und Cermak, der um sein Leben fürchtete, flüchtete nach Florida.
Ricca engagierte Joe Zangara, den Esposito fünf Jahre früher aus Sizilien holen Hess und nach
Florida setzte, um den Zuckerimport aus Kuba zu überwachen. Zangara war Eliteschütze der
italienischen Armee und ist aufgrund seiner Spielleidenschaft stark verschuldet. Giuseppe Zangara
feuert am 15.2.33 angeblich fünf Schüsse auf den Präsidenten, ohne ihn allerdings zu treffen.
Sechs Leute werden in der Schiesserei getroffen, darunter Cermak. Zangara hat eine .32 Pistole,
Cermak wird mit einer .45 getroffen und stirbt drei Wochen später. In der Nähe von Zangara steht
ein zweiter unbemerkter Killer. Die Untersuchung ergibt, dass Zangara ein Einzeltäter mit
psychotischen Problemen sei, der unter chronischen Magenbeschwerden leidet, für die er die
herrschende Klasse verantwortlich mache. Zangara wird verurteilt und auf dem elektrischen Stuhl
hingerichtet.
Quellen : Callahan: 146, Giancana: 63f .
Dezember 1933: Die Aufhebung der Prohibition top
Mit der Aufhebung der Prohibition muss sich die Mafia neue Geldquellen erschliessen. Meyer
Lansky, Moe Dalitz, Sam Tucker und andere gründen die Molaska Corporation, die illegale
Schnapshersteller mit Rohstoffen beliefern. Da mit der Legalisierung eine hohe Alkoholsteuer
eingeführt wird, geht der illegale Schmuggel weiter, wobei die Gewinnmargen massiv zurückgehen.
Auch andere Schmuggler wie Sam Bronfman (Seagram), Lewis S. Rosenstiel (Schenley Distillers),
Joe Reinfeld, Longy Zwillman und Doc Stacher (Browne Vintners), Joe Linsey (Whitehall
Distributers) oder Joe Fusco der Capone-Gang (Gold Seal Liquors) legalisieren ihre Geschäfte,
zumindest zum Teil. Praktisch alle Alkoholfirmen sind ehemalige Schmuggler. Die meisten suchen
sich erträglichere Einnahmequellen und nehmen ihre kriminellen Aktivitäten vor der Prohibition
wieder auf.
In den Aussenbezirken der Städte blühen die "Carpet Joints", eine Kombination von Flüsterkneipe
und Spielkasino, die ebenfalls Schmiergeldzahlungen an die lokalen Polizeibeamten und Politiker
erfordern. Die "Ricks", die von 1933 an diese Teppichschuppen betreiben, sind die ehemaligen
Flüsterkneipenbesitzer. Meyer Lansky konzentriert sich auf das Glückspielgeschäft, hauptsächlich
in Saratoga, wo er zusammen mit Frank Castello und Joe Adonis das Piping Rock Casino aufbaut.
Auf dieser Basis etabliert er sich als Nachfolger von Arnold Rothstein und wird eine Art Bankier der
Unterwelt, Experte in Geldwäscherei, Finanzmanipulationen und Buchmacherei.
Paul Ricca versucht an einer Geheimkonferenz im Hotel Bismarck in Chicago, Lucky Luciano,
Rocco Fischetti, Harry Ducket und Sylvester Agoglia zu überzeugen, die Gewerkschaften unter
Kontrolle zu bringen. Murray Humphreys hatte die Idee, nicht nur politische Macht der
Arbeitnehmer-Organisationen zu sichern, sondern sich an den vollen Gewerkschaftskassen zu
bereichern. Die Kontrolle der Arbeiter und die Öffnung der Gewerkschaftskassen wird mit
Intimidation erreicht, was Sam Giancana, Willie Bioff und Johnny Roselli übernehmen.
Die Mafia von Chicago nistet sich über Joe Kennedy in Hollywood ein. Roselli überwacht die
Aktivitäten in Kalifornien, zusammen mit Bugsy Siegel, Mickey Cohen und Frank Costello. George
Browne und Willie Bioff werden an die Spitze der Kinogewerkschaft International Alliance of
Theatrical Stage Employees gesetzt. Die Gangster konzentrieren ihre Investitionen als gute
Kapitalisten in Bereichen, in denen die Gewerkschaften eher schwach sind. Verhängnisvoll für die
Arbeiter ist die Übernahme der Kontrolle der Hafenarbeiter (Longshoremen) unter Joseph Patrick
Ryan (Präsident von 1927-53) und der Lastwagenfahrer (Brotherhood of Teamsters) unter Daniel
Tobin (1907-52).
Im New Yorker Hafen koordinieren die verschiedenen Gangster die Kontrolle durch die Gründung
der Varick Enterprises Ine, die den Umschlag des Hafens überprüft, Abgaben einzieht und verteilt.
Der starke Mann hinter Ryan ist William J.McCormick. Neben den Hafen- und
Transportgewerkschaften können sich die Mafiosi vor allem bei den Laborers (Baugewerbe) und im
Gastgewerbe einnisten. Für ihre Schläger, die sie gegen Arbeiterforderungen und Streiks
einsetzen, kassieren sie anfänglich von den Firmenbesitzern. Mit der Kontrolle der
Gewerkschaftsspitzen kassieren sie auch einen Teil der Gewerkschaftsabgaben der Arbeiter.
Manchmal übernehmen die Mobster die Firmen auch gleich selbst.
Besonders übel geht es in der Textilindustrie New Yorks zu, wo die Gewerkschaften Lepke
Buchalter und Gurrah Shapiro anheuern, die die Streikbrecher erfolgreich bekämpfen und sich
gewaltsam in den Besitz einiger Kleiderfirmen bringen. Nach der Depression und dem
Verschwinden der Kommunisten in der McCarthy-Hysterie und der Arbeitskämpfe bleiben die
Mobster als Parasiten trotzdem in ihren Machtpositionen.
Lucky Luciano konzentriert sich auf sogenannte Dienstleistungs-Rackets: Buchmacherei,
Prostitution und Drogenhandel. Mit dem Ende der Prohibition gewinnt der Heroinhandel an
Bedeutung und verspricht noch höhere Gewinne als der Alkoholschmuggel. Nach der Erfindung
der Injektionsspritze 1864 wurde das 1803 entdeckte Morphin als Wundermittel für kranke und
gesunde Soldaten verwendet. Die Firma Bayer brachte 1898 das Heroin als Hustenmittel auf den
Markt und warb mit dessen "Fähigkeit, Morphinsüchtige schnellstens zu heilen". Dann löste der
Erste Weltkrieg eine eigentliche Suchtepidemie aus, worauf die meisten Staaten versuchten, mit
Vorschriften und Verboten dagegen anzukämpfen. In Deutschland wurde Heroin zwar 1921
verschreibungspflichtig, aber erst seit 1958 ist es nicht mehr als Medikament erhältlich und wird
durch Valium und Librium ersetzt. In den USA wurde das Heroin 1924 verboten, worauf einige
Paten ins Geschäft einstiegen. Die meisten Mafiosi waren jedoch gegen den unmoralischen
Drogenhandel.
Lucianos geniale Idee ist die Verbindung von Heroin und Prostitution: süchtige Dirnen sind willige
Arbeitskräfte und erlauben einen doppelten Gewinn. Wenn sie in den Bordellen Heroin an die
Freier weiterverkaufen, sogar einen dreifachen. Vier Jahren später kontrolliert Lucky Luciano 200
Bordelle mit 1800 Prostituierten und macht damit $10 Mio. Gewinn jährlich.
Meyer Lansky reist 1935 ins britische Shanghai und organisiert den Heroinhandel mit
"Pockennarbe" Huang, dem Chef der "Grünen", und Chang Hsiao-Iin, dem Chef der "Roten". Die
Gang der "Grünen" arbeitete mit den Franzosen zusammen und besorgte für sie Rauschgift- und
Geheimdienstgeschäfte, die "Roten" kollaborierten mit dem britischen Geheimdienst. 1927
zerschlugen die Gangs zusammen mit Tschiang Kai-schek den Generalstreik der
Arbeiterbewegung gegen die ausländischen Wirtschaftsmächte und gegen die Generalität. Das
Massaker an den vormals verbündeten Kommunisten dauerte einige Monate. Tschiang Kai-schek
verwandelte das Opiumverbot in ein Staatsmonopol, das allerdings Ende 1928 wieder aufgehoben
wurde, da sich in der Illegalität grössere Geschäfte machen lassen. Die Huangs kontrollieren
seither den Osten, die Changs den Westen Chinas. Für Meyer Lansky liefert Chang ab 1935
Heroin aus seinen Raffinerien, während Huang den Transport in die USA kontrolliert.
Um nicht von einer Lieferorganisation abhänging zu sein, baut Meyer Lansky eine zweite
Heroinkette auf. Da die Mafia in Sizilien von Mussolini bekämpft und unterdrückt wird, kommt diese
als Handelspartner nicht in Frage. Fündig wird Meyer Lansky in Istanbul: Die Brüder Eliopoulos
kaufen türkisches Opium auf und transportieren es - teilweise schon zu Morphin verarbeitet - nach
Marseille. Dort beherrschen die beiden Bosse Paul Bonnaventure Carbone und Francois Spirito die
aus Korsen rekrutierte Unterwelt. Der Umsatz deren Heroinraffinerie vergrössert sich dank der
Zusammenarbeit mit Meyer Lansky um das Dreissigfache. Ein wichtiger Mann wird zudem der
Finanzmakler John Pullman, der dafür sorgt, dass die nötigen Bankgeschäfte von nun an mit
Schweizer Diskretion erledigt werden. Meyer Lansky steigt 1936 in Hallandale ins
Glückspielgeschäft ein, das Julian "Potatoes" Kaufman dort auf die Beine gestellt hat. Florida
entwickelt sich zum Paradies für Glückspieler.
Meyer Lansky übersiedelt 1938 für drei Jahre nach Kuba. Fulgencio Batista, seit 1933 nach einem
Putsch an der Macht, und Meyer Lansky schliessen einen Vertrag: Lansky zahlt Batista $3 Mio. pro
Jahr und bekommt dafür nach die Rechte für das Glückspielgeschäft auf der Insel, womit der
Einzug der Mafia und des Glückspiel- und Freiertourismus in der Karibik beginnt.
Der Waffenhändler Rolando "El Tigre" Masferrer überzeugte Batista, sich mit Meyer Lansky zu
assoziieren. Der kubanische Senator schützt die Mobinteressen mit seiner Privatarmee und baut
eine langjährige Freundschaft mit den Trafficantes auf, die auch nach Castros Machtübernahme
anhält. Der seit 1933 die Politik dominierende Feldwebel Fulgencio Batista stellte die Glückspiele
im Januar 1937 unter militärische Kontrolle und wollte die Einnahmen aus diesem Geschäft
erhöhen. Dazu stellte er Lou Smith, ein erfolgreicher Betreiber von Rennanlagen aus New
England, an, der Frank Erikson und Lansky nach Kuba holte. Meyer Lansky, der seit 5 Jahren
Spielkonzessionen hat, baut sein Imperium auf der Insel aus: er kauft fünf Hotels, pachtet und kauft
verschiedene Spielkasinos und pachtet im Namen von Rockefellers Chase Manhattan Bank die
Rennbahn von Havanna. Nach der Wahl Batistas zum Präsidenten verlässt Meyer Lansky 1940
Kuba und setzt Santos Trafficante Sr. als seinen Stellvertreter ein, den die US-Drogenbehörde
zukünftig für den Koordinator der Drogengeschäfte hält. Aufgrund der schlechten Wirtschaftslage
verliert Batista die auf Druck der Amerikaner durchgeführten Wahlen 1944 und geht für 8 Jahre ins
Exil nach Florida.
Quellen : Geffen, Giancana: 69-72, Fox: 210, Olgiatti, Best: 6f, 32, Moldea: 4f, Behr: 160-170, 174f,
Lacey, Drugwar (1): 3, Amendt: 28, Anson: 306f, Bartholomew (4): 18.
1934: Upton Sinclair top
Der Journalist und Schriftsteller Upton Sinclair gewinnt die demokratischen Vorwahlen in
Kalifornien haushoch, mit mehr Stimmen als alle anderen Kandidaten zusammen. Sinclair
praktiziert einen investigativen Journalismus: Sein Roman Der Dschungel von 1906, in dem er die
Ausbeutung der Arbeiter in Chicago schilderte, erreichte Millionenauflage. Er produzierte einen
Film von Sergej Eisenstein, verteidigte Sacco und Vanzetti und war eine sozialistische
Berühmtheit. Er versprach im Wahlkampf, die durch die Wirtschaftkrise grassierende Armut
abzuschaffen, indem er die leerstehenden Fabriken von den Besitzern pachten und die Leitung
den Arbeitern übergeben und eine neue Steuer für Filmstudios einführen würde. Alle 700
Zeitungen in den USA starten daraufhin eine Verleumdungskampagne, die von den
Grossbrauereien, Southern Pacific, Standard Oil und der Elektrizitätsfirma PG&E finanziert wird, in
der Sinclair als Antichrist und kommunistischer Agitator dargestellt wird. Die Kinos zeigen Kurzfilme
der Firma Whitaker & Baxter, in denen seine Anhänger als zerlumpte Galgenvögel dargestellt
werden, die von einer Revolution sowjetischer Art träumen. Sinclair verliert die Wahl knapp und
verlässt 1966 Kalifornien, als Ronald Reagan Gouverneur wird.
Quellen : Halimi/Wacquant
1935: Die Mafia-Karriere von Carlos Marcello top.
Calogero Minacore wurde 1910 in Ravunsa Sizilien geboren. Der Vater musste, da er den gleichen
Namen hatte wie einer der Aufseher auf der Zuckerpflanzung, auf der er arbeitete, für sich und
seine Familie einen neuen Namen suchen. Seine Eltern Hessen sich in den USA einbürgern, was
für Sohn Carlos versäumt wurde. 1928 verübte Marcello sein erstes Verbrechen: ein $7000-
Bankraub mit drei minderjährigen Komplizen. Er wurde von seinem Bruder verraten, aber eine
Anklage gegen ihn und seine Komplizen wurde fallengelassen. Nach einem weiteren bewaffneten
Raubüberfall wurde er erneut verhaftet und zu 9-12 Jahren Gefängnis verurteilt, die er am 28.5.30
antrat. Nach 4 Jahren Gefängnis wurde er vorzeitig entlassen, nachdem ihm Gouverneur O. K.
Allen auf Druck korrupter Beamte, die von Marcellos Vater gratis mit Gemüse beliefert wurden,
Straferlass gewährte. Marcello übernahm die Bar .Brauner Bomber' in Gretna, wo er Drogen an
junge Schwarze verkaufte.
25jährig tritt er dank Frank Todaro der Mafia von Louisiana bei und heiratet 1936 dessen Tochter
Jacqueline. Kurz darauf gründet er mit seinem Bruder Vincent die Spielautomatenfirma "Jefferson
Music Company". Frank Costello kommt nach New Orleans, nachdem Bürgermeister Fiorello La
Guardia in New York seine Spielkästen öffentlich mit einer Axt zertrümmerte. Bürgermeister und
Senator Huey B. Long empfängt Costellos Spielmaschinen mit offenen Armen, weil er damit, so die
Begründung, staatliche Wohltätigkeitsprogramme finanzieren möchte. Long wurde 1928
Gouverneur, machte sich mit publizitätswirksamen Massnahmen einen Namen und befreundete
sich als Senator im New Yorker Jet-set mit Costello. Vom ersten Jahresgewinn der
neugegründeten Pelican Novelty Company von $800'000 gehen monatlich $20'000 an Long und
$600 werden an Wittwen und Waisen ausbezahlt. Carlos Marcello wird Frank Costellos Partner:
Marcello kann 250 der 1000 Spielautomaten Costellos verwalten und zwei Drittel der Einnahmen
davon einstecken. Um das verbotene Spielgeschäft zu sichern, schmiert er den Polizeichef
Beauregard Miller. Mit Waffengewalt werden überall seine Automaten installiert und Marcello
erwirbt sich den Ruf eines unnachgiebigen Eintreibers.
Die Mafia von New Orleans unter Sam Carolla ist, da es keine rivalisierende Banden gibt, die
einzige nicht straff hierarchisch organisierte im ganzen Land. Die bis anhin isolierte Mafia von
Louisiana wird nun Teil des nationalen Syndikats, und Costello, Carolla und Finanzfachmann
Meyer Lansky beschliessen, in New Orleans ein Unterwelt-Kommunikationszentrum zu errichten,
während Crescent City zum Finanzzentrum wird. Long setzt sich für die Interessen des Mob ein
und wird dafür geschmiert. Meyer Lansky schreibt Finanzgeschichte, als er für Long ein
Nummernkonto in der Schweiz eröffnet. Allerdings wird Long 1935 im Zusammenhang mit seinen
Präsidentschaftsambitionen gierig; er verlangt über $3 Mio. Schmiergelder pro Jahr. Seymour
Weiss, Verwaltungsrat der Standard Fruit, dealt mit Costello und Rosenstiel und ist der
Schmiergeldzahler von Long. Roosevelt setzt das IRS auf Long und Weiss an, nachdem Long
Präsidentsschaftsabsichten äusserte, und Long wird daraufhin eliminiert. Offiziell wurde Long von
einem verrückten Arzt erschossen, der dann selbst sofort umgebracht wird. Vermutlich ist Guy
Molony, der in in Zentralamerika mehrere Revolutionen für die Bananenfirmen mitorganisiert hat,
der Mörder Longs. New Orleans Bürgermeister T. Semmes Walmsley hatte den früheren
Polizeichef Molony kurz vorher zurückgebracht. Molony baute beim Zusammenbruch der
Bananenwirtschaft in den 30er Jahren einen erfolgreichen Drogenhandel mit der honduranischen
Staats-Airline TACA auf und wird später durch die CIA geschützt. Seine Konkurrenten im
Heroinhandel, zu denen Marcellos Kollege Nofio Pecora gehören, fliegen auf.
Die Früchtefirmen sind schon seit langem mit der Mafia liiert. Weil ihre Produkte verderblich sind,
können sie leicht mittels Streiks erpresst werden. Um die Gewerkschaften zu kontrollieren,
engagierten die erfolgreichen Firmen Mobsters: in New Orleans arbeitete United Fruit bereits mit
dem Boss Joe Machecha zusammen. Aus den sizilianischen Vaccaro Brothers entstand Standard
Fruit & Shipment. Seymour Weiss von der Standard Fruit kooperiert mit Frank Costello, und der
Enkel von Lucca Vaccaro, Blaise d'Antoni, geschattet mit Paul Frankie Carbo von der Lucchese-
Familie. Mit Longs Mord kann eine ganze Serie von Korruptionsaufdeckungen verhindert werden.
1940 wird allerdings fast der gesamte Hafen von New Orleans angeklagt wegen Erpressung und
Betrug, inklusive Earl Long, Hueys Bruder und Nachfolger.
Carlos Marcello verkauft im März 1938 einem FBI-Agenten 23 Pfund Marihuana, wird verhaftet und
zu einem Jahr Gefängnis und $76'830 Busse verurteilt. Er wird jedoch mit einer Busse von nur
$400 nach 9 Monaten, erneut dank O.K. Allen, freigelassen. Nach der Begnadigung 1935 gibt es
gegen Marcello Anklagen wegen Überfälle und Raub, Steuerhinterziehung, Überfälle mit
Tötungsabsicht eines Polizisten und eines Reporters und Drogenhandels, aber keine kommt je vor
Gericht. Dazu kommen die meist sehr grausamen Morde, denen Marcello verdächtigt, aber
niemals angeklagt wird.
Quellen : Giancana: 64f, Davis(1988): 29-41, Best: 7.
Mafiaverfolgung top
Thomas E. Dewey wird von Bürgermeister Foriello La Guardia zum Sonderankläger von New York
ernannt. La Guardia wurde 1932 gewählt, nachdem sein Vorgänger Jimmy Walker wegen
Schmiergeldern zurücktreten musste, und versucht nun ernsthaft, das Glückspielgeschäft, die
Korruption und die Macht der Tammany Hall zu brechen. Dewey fordert die Bevölkerung über das
Radio zur Mithilfe auf, und im ersten Monat melden sich bei ihm 3000 Informanten. Seine
Verfolgung der Mobster, die ihnen als "the Big Heat" in Erinnerung bleibt, startet mit Dutch Schultz
und seinen Number-Rackets. Schultz, wegen Steuerhinterziehung angeklagt, bittet das Syndikat,
Dewey umzubringen. Aber das Risiko wird als zu gross eingestuft. Am 23.10.35 wird Dutch Schultz
zusammen mit seinem Bankier Otto Berman und seinen Leibwächtern Lulu Rosenkrantz und
Abraham "Abe" Landau im Palace Chop House in Newark, New Jersey, von Charly "the Bug"
Workman und Emmanuel "Mendy" Weiss umgebracht.
Dewey ermittelt danach gegen Lucky Luciano und sein Prostitutionsunternehmen, das diesem $12
Mio. jährlich einbringt. Luciano war unangenehm aufgefallen, weil er die Schauspielerin Thelma
Todd zu Tode prügeln Hess. Da die Angestellten des Paramount-Studios und die Kriminalpolizei
von Santa Monica die Beweise verschwinden Hessen, wurde der Tod als tödlicher Selbstunfall
klassiert. Dewey lässt 68 Zeugen, davon 40 Prostituierte, im Prozess auftreten. Luciano, der sich
bei seinen Dirnen siebenmal mit Tripper und mit Syphilis angesteckt hatte, wird 1936 zu 30 bis 50
Jahre Haft verurteilt, nachdem 3 Prostituierte gegen ihn aussagten. Das einzige Beweismaterial
gegen Luciano kommt von der heroinsüchtigen Strassenhure "Cokey" Flo Brown, die ihre
Geschichte nach mehreren Tagen im Gefängnis ohne Drogen erzählte.
Über Vito Genovese kann Luciano sein Unternehmen von der Zelle in Dannemora aus weiterleiten.
1932 verliebte sich Genovese in eine verheiratete Frau, die er zwölf Tage nach dem Tod ihres
erwürgten Ehemannes heiratete. Nach den Flitterwochen tätigte Genovese ein
Erpressungsgeschäft mit Fernand "the Shadow" Boccia im Spielgeschäft. Anstatt die $150'000 zu
teilen, setzte er zwei Killer auf Boccia an und bezahlte dann den einen der beiden, um seinen
Kollegen zu ermorden. Aber dieser überlebte und ging zur Polizei. 1938 flieht Genovese nach
Italien, um einer Verhaftung durch Dewey wegen dem Mord an Boccia von 1934 zu entgehen, und
Frank Costello ersetzt Genovese.
1936 wird Lepke Buchalter angeklagt, Heroin im Wert von $10 Mio. von Shanghai und Hong Kong
in die USA geschmuggelt zu haben. Anastasia versteckt Buchalter, auf dessen Kopf eine
Belohnung von $1 Mio. ausgeschrieben wird, muss aber immer wieder Zeugen bestechen, weil
Buchalter weiterhin für die Murder Inc. und an Schutzerpressungen von Firmen arbeitet. Lucky
Luciano entscheidet im August 1939 im Gefängnis, Buchalter zu opfern, um dem Sonderermittler
Thomas Dewey den Wind aus den Segeln zu nehmen. Der Kopf der Murder Inc. wird über Meyer
Lansky angewiesen, sich Hoover zu ergeben. Costello trifft sich auf Vermittlung von Lewis
Rosenstiel mit Hoover, der Buchalter am 24.8.39 mit grosser Publizität festnimmt. Dewey und die
Polizei von New York fühlen sich ausgetrickst, da Hoover hinter ihrem Rücken arbeitet und ausser
Prestigeerfolg absahnen nichts zum "Big Heat" beiträgt. Lansky, der Lucianos Drogenhandel und
die Geldtransaktionen weiterführt, gewährt den Rosenstiels daraufhin unbeschränkte Spielkredite
im Hotel Nacional in Havanna. Er profitiert besonders von diesem Deal, lässt ihn doch nicht nur
Hoover, sondern auch Anslinger in Ruhe. Obwohl er in den Berichten von FBN und FBI oft figuriert,
wird er, abgesehen von einer kurzen Periode, in der Robert Kennedy versucht, Licht in die Casinos
von Las Vegas zu bringen, nie abgehört oder genauer unter die Lupe genommen. Als Lansky
schliesslich angezeigt wird, steckt das IRS dahinter.
Da Abraham Reles und Allie Tannenbaum 1940 wegen Immunitätszusicherung zu singen
beginnen, kommen Workman und Weiss wegen dem Mord an Dutch Schultz im Gefängnis. Dank
den Aussagen kann die Polizei 40 Morde der Murder Inc. aufklären, ohne aber einen
Zusammenhang zur Mafia beweisen zu können. "Abe Kid Twist" Reles, dessen Spezialität Mord
mit Eispickeln war, wird am 1 2.1 1 .41 , obwohl unter Polizeischutz stehend, aus dem Fenster des
sechsten Stocks des Half Moon-Hotels geworfen. Er hätte kurz darauf gegen Anastasia aussagen
sollen. Joe Adonis rühmt sich, den Staatsanwalt, der die Untersuchung von Reles Tod nach nicht
mal einem Tag einstellt und Anastasias Namen vom Fahndungsregister streicht, im Griff zu haben.
Zusätzlich zu den ergiebigen Schutzgelderpressungen steigt Adonis in den Zigarettenmarkt ein.
Tausende von Verkaufsmaschinen werden installiert und oft mit gestohlenen Zigarretten von
Lastwagenlieferungen der Konkurrenz gefüllt. Buchalter und Weiss landen 1944 auf dem
elektrischen Stuhl. Buchalter ist der einzige bedeutende Mafiosi der amerikanischen Geschichte,
der legal hingerichtet wird. Shapiro, wegen Mord zu lebenslänglich verurteilt, stirbt im Gefängnis.
Damit verliert die Murders Inc. an Bedeutung, und die jüdischen Namen werden seltener.
Auch Bugsy Siegel wird wegen Mord an Harry Greenbaum, einem Gangster aus dem Umkreis von
Lepke Buchalter, der Siegel verpfiffen hat, verhaftet. In der Zelle, mit allen VIP-Privilegien
ausgestattet, entwickelt er den Plan, dem Dreamland Kuba ein zweites in Las Vegas
entgegenzustellen, weil Nevada 1931 das Glückspiel legalisierte. Dank seinem Jugendfreund und
Bierschmuggler George Raft ist Siegel nach Hollywood gekommen und hat dort sowohl
Filmproduzenten wie auch Schauspielerinnen, die auf ihre grosse Karriere hofften, erpresst. Die
$500'000, die er pro Jahr so erwirtschaftete, investierte er weitgehend in den Drogen- und
Mädchenhandel. Mithilfe seines Verteidigers Jerry Geisler und dem rätselhaften Tod einiger
Zeugen kommt Siegel bald wieder frei und macht sich daran, in Las Vegas ein luxuriöses Hotel mit
integriertem Casino aufzubauen. Der spätere Schauspieler Raft arbeitet in Lanskys Casinos in
Havanna und London.
Quellen : Davis (1994): 59, Delorme: 60, 115ff, Best: 5-8, 19, Summers (1993): 238f, Lacey: 110,
Knorr (1992a): 45.
1937: Hoover, die Nazis und die Mafia top
J. Edgar Hoover bekämpfte bisher die Prostitution und die Erpressungsgeschäfte der Mafia, aber
nicht die verbotenen Wetten der Pferderennbahnen, die nach dem Ende der Prohibition das meiste
Geld einbringen. Hoover liebt die Pferdewetten.
Im Juli 1933 konnte Hoover nur mit viel Lobbying, indem er diffamierende Informationen über
andere Kandidaten streute, und Mord (oder Glück) seine Stelle behalten: Der ihm feindlich
gesinnte Staatsanwalt Thomas Walsh starb zwei Tage vor Amtsantritt als Justizminister an einem
Infarkt. Der neue Justizminister Homer Cummings startete einen Anti-Gangster-Kriegszug,
zusammen mit einer vom Journalisten Henry Suydam geleiteten, breit angelegten PR-Kampagne.
Die Erfolge der Jagd auf Einzelgänger-Banditen wie "Machine Gun" Kelly, "Baby Face" Nelson
oder John Dillinger wurden vor allem Hoover zugeschrieben, der Louis B. Nichols als Leiter der
Crime Records Division für die Public Relation einstellte. Mit der Förderung der G-Man-
Unterhaltungskultur (Filme, Groschenhefte, Comics) kann sich Hoover zum Volkshelden stilisieren.
Er baute eine Zentralkartei für Fingerabdrücke und eine Nationale Polizeiakademie auf und stellte
die FBI-Akten den Polizeidienststellen zur Verfügung, worauf sich die Beziehungen zu den lokalen
Ordnungshütern etwas verbesserte.
Während sich die Mafia als "Organisation" etabliert, gibt Hoover deren Bekämpfung 1937 ziemlich
abrupt auf und behauptet, es gebe keine nationale Verbrecherorganisation. Laut Boss Carmine
Lambordazzi hat die Mafia Hoover in der Tasche. Hoover fährt gelegentlich nach Manhattan und
trifft Frank Costello. Der Mafiosi hatte Hoover in den frühen 30er Jahren auf der 5th Avenue in New
York angesprochen und ihn seither "kultiviert". Hoover und Costello sind Freunde und treffen sich
in Washington, im Central Park, in der Lobby des Waldorf-Astoria, an den Pferderennen oder bei
einem gemeinsamen Freund. Hoover mag es nicht, mit einem monatlichen Geldcouvert geschmiert
zu werden, weshalb Costello Pferderennen manipulieren lässt, um Hoover bei der Stange zu
halten. Frank Erikson, der grösste und mächtigste Buchmacher, informiert Costello über ein
bevorstehendes abgekartetes Rennen, der dann den Chronisten Walter Winchell benachrichtigt,
welcher wiederum Hoover ins Bild setzt. Der FBI-Direktor kann so selbst entscheiden, wieviel er
gewinnen will. Er selbst setzt immer nur die legalen $2, aber einer seiner Agenten oder Clyde
Tolson setzen grosse Summen, im Schnitt $200, und gewinnen immer. Hoover lässt sich auch in
Mafiakreisen sehen wie im Stork Club von Sherman Billingsley in New York, in Joe's Stone Crab
Restaurant von Jesse Weiss in Miami oder bei Del Webb, Casinobesitzer in Las Vegas, der ihn
gratis einquartiert.
Hoover hat Kontakt mit Ed Levinson, John Drew, Ray Ryan, Art Samish, Dub McCanahan, einem
Marcello-Partner, Johnny Roselli oder Irving Davidson. Die Mafia hilft Hoover, solange es nicht um
ihr eigenes Geschäft geht, dafür lässt Hoover die Mobster in Ruhe. Als Costello in den frühen 50er
Jahren von einem fleissigen FBI-Agenten überwacht wird, versetzt Hoover diesen nach einem
Telephonanruf Costellos nach Alaska. Dasselbe passiert einem anderen FBI-Agenten, der Lansky
bewacht und nach Georgia versetzt wird. Costello ist der wichtiste Kontaktmann der Mafia mit der
Oberwelt in den 40er und 50er Jahren, bis er von Gigante angeschossen wird. Danach zieht er
sich dann eine Art Halbpension zurück, wobei er immer noch Deals arrangiert und Streit zwischen
Mobstern schlichtet.
Der Journalist Walter Winchell, Hoovers Freund, kennt auch Owney "the Killer" Madden, Meyer
Lansky, der in New York im selben Haus wohnt, und Joe Kennedy persönlich. Als Kennedy 1933
eine Affäre hatte mit dem Broadway Showgirl Evelyn Crowell, der Wittwe des New Yorker Gansters
Larry Fay, und im New York Journal-American darüber berichtet wurde, besuchte Kennedy
Winchell. Die beiden befreundeten sich, die Story konnte unterdrückt werden und Kennedy wurde
zu einer der Schlüsselquellen für seine Boulevardgeschichten.
Meyer Lansky ist im Besitz von kompromittierenden Photos, auf denen Hoover gut erkennbar
seinem Freund Clyde Tolson einen bläst. Lansky schmiert auch Nahestehende Hoovers und
bekommt sogar FBI-Reports von den FBI-Agenten, die ihn "überwachen" sollen. Der Stillhaltepakt
dauert bis zum Tode Hoovers. Manchmal behindert Hoover aktiv und bewusst ein Vorgehen gegen
die Mafia, zum Beispiel als der Pferderennservicebesitzer James Ragen dem FBI über seine
neuen Konkurrenten alles berichtet, was er weiss. Das FBI startet zwar eine Operation, verweigert
Ragen aber Begleitschutz. Nachdem dieser von Lenny Patrick und Dave Yaras auf Befehl von
Jake Guzik umgebracht wird, weist Hoover seine Agenten an, die Untersuchung abzubrechen.
Der FBI-Direktor, der Homosexuelle in der Öffentlichkeit als pervers bezeichnet, hat auch
fetischistische und pädophile Tendenzen. Er verkleidet sich bei Sexparties als Frau, und die
Sittenpolizei von New Orleans verhaftete ihn Ende der 20er Jahre einmal mit einem minderjährigen
Strichjungen. Da Henry G. C. Corcoran damals intervenierte und eine Strafverfolgung verhinderte,
kann sich dieser im Gegenzug illegale Geschäfte erlauben, ohne mit Strafverfolgung rechnen zu
müssen. Der Ex-Agent Guy Hottel erzählt, wenn er betrunken ist, von Sex-Parties ohne Mädchen
bei Hoover, weshalb Hoover ihn jeweils in Polizeigewahrsam nehmen lässt. Da Hottel aber zuviel
weiss, entlässt Hoover ihn nicht. Hoover lässt jedes Gerücht über seine eigene Homosexualität
unterdrücken und seine Agenten während 23 Jahren gegen die "homosexuals right groups"
vorgehen, um davon abzulenken. Offenbar macht Hoover das Risiko der möglichen Entdeckung
seiner Homosexualität paranoid. Hoover befindet sich von 1941-71 in psychiatrischer Behandlung,
und oft verhält er sich sehr brutal gegenüber Homosexuellen (wie gegen Sumner Welles) und
benutzt Gerüchte angeblicher Homosexualität als politische Waffe (wie gegen Adlai Stevenson).
Hoover besteht darauf, beschlagnahmtes pornographisches Material selbst zu sichten.
Fords rechte Hand Harry Bennett trifft sich als Informant mit J. Edgar Hoover. Bennett ist der
Verbindungsmann zu ehester LaMare, Boss des Detroiter Mafia, der eine Privatarmee gegen
Gewerkschaftsaktivitäten aufgebaute, womit Henry Ford keine Gewerkschaftsprobleme mehr hat.
Im Gegenzug erhalten Gangster wie Joe Tocco, Leo Cellura, Joe Adonis, Tony D'Anna
Beteiligungen bei Ford. Bennett versorgt Hoover mit Informationen über Linke, wobei sich später
herausstellt, dass viele Namen vom lokalen Faschistenführer Gerald Smith stammen.
1934 erhielt Hoover von Roosevelt den geheimen Auftrag, die Nazis und deren Sympathisanten zu
überwachen, wobei alle anderen Aktivitäten gegen Radikale ausdrücklich verboten bleiben. Aber
Hoover arbeitet eng mit der 1923 in Berlin gegründeten Interpol zusammen, in der Heinrich
Himmler, Reinhard Heydrich, Arthur Nebe und andere fanatische Nazis aktiv sind. Auch nach dem
Überfall der Tschechoslowakei und dem Fall Frankreichs tauscht Hoover noch immer
Fahndungslisten mit Interpol aus. Erst drei Tage vor Pearl Harbor stoppt er die Zusammenarbeit.
Nach dem Krieg verlegt Interpol seinen Sitz nach Paris, ernennt Hoover zu Vizepräsidenten und
weigert sich hartnäckig, Nazi-Kriegsverbrecher zu suchen. In den 70er Jahren wird der ehemalige
SS-Offizier Paul Dickopf Präsident der Interpol.
Am 24.8.36 ersuchte ihn Roosevelt wiederum geheim, neben den Faschisten auch die
Kommunisten zu überwachen, was Hoover schon lange machte. Wegen Spionage- und
Sabotagegefahr bewilligte Roosevelt $150'000. Die Abteilung für Spionage heisst Division Five, die
bereits seit 1919 existieren soll, aber erst zu diesem Zeitpunkt offiziell wurde.
Nach einer cleveren Intrige seitens Hoovers beschliesst Roosevelt am 26.6.39, dem FBI die
Leitung bei Spionage- und Sabotagefällen zu übertragen, und nicht der Military Intelligence
Division oder dem Office of Naval Intelligence. Das FBI expandiert von 898 Agenten 1940 auf 4886
Agenten 1945. Hoover eröffnet am 2.9.39 eine präventive Notverhaftungsliste "aller Feinde der
USA". Justizminister Briddle verbietet diese Auflistung als sinnlos, wonach sie Hoover unter
"Security Matter" geheim weiterführt. Eine weitere geheime Archivierung veranlasst Hoover mit
Informationen, die durch illegale Aktionen des FBI wie Einbrüche bei politischen Organisationen,
um beispielsweise Mitgliederlisten zu stehlen, zustande kommen. Obwohl offiziell seit 1934 durch
den Kongress verboten, hat Hoover das Telephonabhören permanent eingesetzt. Am 21 .5.41
legitimiert Roosevelt das geheime Abhören von Subversiven. Roosevelt beauftragt Hoover auch,
Informationen über seine Gegner bei der nächsten Präsidentenwahl zu sammeln.
Alle Präsidenten seit Roosevelt benutzen Hoovers Wanzen auch für eigene politische Zwecke, was
Hoovers Position sichert. Hoover sichert seine Macht auch durch die Mitgliedschaft in vielen
Organisationen: American Bar Association, Boy Scouts, United States Chambres of Commerce,
Kiwanis International, Knights of Columbus, Optimists International, Rotary International, Veterans
of Foreign Wars u.a.m. Am meisten bringt ihm die American Legion, die dem Justizminister
Jackson im Juni 1940 vorschlägt, er solle 1 1'000 Posten der Legion erlauben, die das Land in
Bezug auf "subversive Aktivitäten" flächendeckend überwachen würden. Jackson lehnt ab, aber
Hoover kann es so drehen, dass die Legionäre als Informanten die FBI-Büros kontaktieren können.
Obwohl über die Legion bis im Oktober 1943 60'000 Informanten rekrutiert werden, kommen wenig
Brauchbares über diese Kanäle. Aber sie eröffnen Hoover einen breiten Kontakt mit konservativen
Medienschaffenden und Abgeordneten. Zudem baut Hoover über seinen Freund Carl Mclntire die
Cover-Institution American Council of Christian Churches auf.
Quellen : Theoharis/Cox: 119, 187, 237, Schulz: 82,181, Davis (1988): 237, 267f, Davis (1994): 103-
107, Todd, Brussell: 5f, Summers (1993): 43-91, 91-129, 225-245, Cran, Lacey: 89, Hersh: 48,
Giancana: 247f,
Dezember 1937: Botschafter Kennedy in England top
Joe Kennedy wird, obwohl er über keinen politischen Background verfügt, als Dank für die
Unterstützung von Roosevelts Wiederwahl zum Botschafter in England ernannt. Die beiden Jahre
vorher beschäftigte Kennedy sich mit der Reorganisation der Firmen RKO, Paramount und Hearst
Corporation und schrieb zusammen mit dem Journalisten Arthur Krock das Buch l'm for Roosevelt.
Krock ist der Leiter des New York Times-Büros in Washington und wird von Kennedy mit bezahlten
Ferien, teuren Geschenken und Frauen versorgt.
Nach dem Wahlsieg Roosevelts wurde Kennedy, der eigentlich auf das Finanzministerium hoffte,
zum Direktor der maroden Obersten Handelsschifffahrtsbehörde berufen, ein Job zweiter Klasse,
aus dem Kennedy das Beste macht. Kennedy verbringt Monate mit Lobbying für eine
angemessene Stellung und beackert James Roosevelt. 1933 begleitete der Präsidentensohn
Kennedy nach England, als es um die Neuorganisation und Legalisierung von Alkoholimporten
ging, wobei Joe die Schwächen Roosevelts für Frauen und Reichtum gezielt auszunützen
verstand. Als dann der Botschafter in London unerwartet neu zu besetzen ist, ist Roosevelt froh,
dass er den aufsässigen Kennedy, der ihm gefährlich werden könnte, abschieben kann.
Als Botschafter versagt Kennedy auf der ganzen Linie, vor allem wegen seiner Fehleinschätzungen
der politischen Situation. Er glaubt, dass England weder den Willen noch die Waffen zur
Verteidigung gegenüber Deutschland habe. Bei Ausbruch des Krieges bezeichnet er Hitler als
Genie und empfielt seiner Regierung, ein Arrangement mit dem Führer zu suchen, damit die
Vereinigten Staaten nicht in den Krieg hineingezogen werden. Antisemitische Äusserungen, seine
politische Ignoranz der europäischen Lage und die Feigheit, sich während der Bombenangriffe auf
dem Land in Sicherheit zu bringen, machen ihn bei Winston Churchill und allen Diplomaten
äusserst unbeliebt. Über John J. Burns spekuliert der Botschafter trotz Businessverbot weiterhin an
der Wallstreet und missbraucht dringend benötigten Frachtraum für den Whiskey seiner Somerset
Importers. Da England nur mithilfe der USA eine Chance gegen Hitler hat, wird Kennedy für
Churchill zum Sicherheitsrisiko. Der Botschafter wird vom MI-5 abgehört und beschattet, wobei klar
wird, dass Kennedy über eine reiche Engländerin in Kontakt mit dem Führer der britischen
Faschistenbewegung, Sir Oswald Mosley, getreten ist. Kennedy trifft sich im Geheimen am 9.5.39
trotz dem expliziten Verbot Roosevelts mit Dr. Helmut Wohltat, dem Vertreter Görings, zur
Besprechung gegenseitiger Konzessionen. Mit seiner Indiskretion bringt Kennedy die Anti-Hitler-
Verschwörergruppe um die Generäle Ludwig Beck und Franz Halder in Lebensgefahr, indem er
deren Absichten und Namen an einer Pressekonferenz bekanntgibt. Kennedy will ein Attentat
Hitlers verhindern, weil die Sowjetunion für ihn gefährlicher ist als Nazi-Deutschland.
Hauptinteressen Kennedys sind allerdings seine eigenen Präsidentsschaftspläne und die
Wahlkampfstrategie für die demokratische Nomination von 1940. Roosevelt isoliert Kennedy in
London, indem alle wichtigen Verhandlungen und Entscheidungen über persönliche Vertreter wie
William Donovan und den amerikanischen Botschafter in Paris laufen lässt und selbst in direktem,
aber geheimen Kontakt zu Churchill steht. Kennedy versucht daraufhin, Roosevelt zu erpressen,
indem er diesen Geheimkontakt, der über die Amerikanische Botschaft läuft, an die Presse
verraten würde, falls der Präsident ihn nicht zurückrufe. Kennedy hatte den Codespezialisten Tyler
Kent angewiesen, von allen aussergewöhnlichen Telegrammen Kopien zu machen und diese aus
der Botschaft zu schmuggeln. So stellt er sich ein Dossier der geheimen Roosevelt-Churchill-
Telegramme zusammen, das er in die USA schiffen lässt, um Roosevelt damit politisch
auszuschalten. Im Frühjahr 1940 schlägt die britische Gegenspionage-Abteilung nach
achtmonatiger Bewachung zu und entdeckt in Kents Wohnunng 1500 dekodierte Kopien. Kennedy
lässt Kent fallen, indem er dessen diplomatische Immunität aufhebt - Kent verbringt die Kriegsjahre
nach einem geheimen Prozess in einem britischen Gefängnis - und kann so verhindern, dass die
amerikanische Öffentlichkeit etwas erfährt.
Am 26.10.40 kehrt Kennedy in die USA zurück und trifft sich, zehn Tage vor der Nomination, mit
Roosevelt. Roosevelt kann Kennedy nicht einfach fallenlassen, denn er will sich widerrechtlich ein
drittes Mal wählen lassen und braucht jede Unterstützung. Da Roosevelt Kennedy vor allem nicht
als Konkurrent für die Präsidentschaft will, macht er ihm Hoffnungen auf einen Ministerstuhl,
verspricht seine Unterstützung für die Kandidatur seines Sohnes Joe Jr. zum Gouverneur von
Massachusetts und droht mit einer alten Steuerhinterziehung. Nach der erneuten Wahl Roosevelts
bekommen die beiden jedoch Streit, da Kennedy die Aussenpolitik in einem Interview kritisiert und
damit seine eigene Politkarriere sabotiert. Kennedy, dessen Vermögen unterdessen auf $250 Mio.
angewachsen ist, setzt nun alle seine politische Hoffnung auf seinen ältesten Sohn Joe Jr.
Quellen : Kessler (1997), Hersh: 61 ff, Best: 18, Collier/Horowitz: 84-137.
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Mafia, Geheimdienste und Politik der USA
Teil 2 (1939 bis 1948)
Dieser Teil der Chronik behandelt die Zusammenarbeit der amerikanischen Armee,
Geheimdienste, Politiker und Industriellen mit der Mafia, den Nationalsozialisten und der
Katholischen Kirche während dem 2. Weltkrieg und in den Jahren danach.
Die zentralen Themen und Personen sind:
Zweiter Weltkrieg , US-Firmen und die Nazis , IBM, Ford, GM, Onassis, Karriere von Howard
Hughes , Angriff auf Pearl Harbor , Gründung des OSS und J. Edgar Hoover, US-Finanzierung
Hitlers durch Prescott Bush, Avereil Harriman, Fritz Thyssen, Friedrich Flick, Montagu
Collet Norman und Warburg. Ölhandel, Rockefeiler, I.G.Farben, William Stamps Farish,
Eugenik und George Bush, Kooperation von Mafia und Militär , Coca-Cola, USA und
Frankreich , Charles de Gaulle, Mafia, Roosevelt und Hollywood , Italien-Invasion , Rückkehr
der Mafia, Hoover und Kennedv , Politikerbespitzelung, Bretton Woods , Gründung des
Internationalen Währungsfonds und der Weltbank, Dollar, Saudisches Öl, UNO und Harry S.
Truman , Niederlage Japans , Atombomben, biologische Waffen, John F. Kennedys Einstieg
in die Politik , Reorganisation der Mafia , Heroin-Schmuggel, Las Vegas, Der Kalte Krieg , die
Unterstützung der Partisanenbewegungen, der Antikommunismus, der Marshall-Plan, die
Containment-Strategie, Josip Tito in Jugoslawien, Gründung der CIA , Hoover, das HUAC,
Reagan und Nixon, CIA und Kriegsverbrecher , Allen Dulles, George F. Kennan und der
Vatikan retten Faschisten wie Ante Pavelic, Otto Skorzeny, Reinhard Gehlen oder Otto
Albrecht von Bolschwing, CIA in Italien , CIA und Gewerkschaften , Howard Hughes und
Nixon, Chotiner und Johnson, Truman und die Mafia .
Der Text umfasst ca. 30 Seiten.
Home Zurück zu Teil 1 Vorwärts zu Teil 3
1939 Zweiter Weltkrieg
Der Heroinhandel bricht während des Zweiten Weltkrieges beinahe zusammen. Die Brüder
Eliopoulos ziehen sich in den ersten Kriegstagen aus dem Handel zurück, und die Unterwelt von
Marseille kollaboriert mit den Nazis. Als Japan Shanghai besetzt, versiegt der schon zuvor
verminderte Heroinnachschub vollends. Meyer Lansky reist nach Mexiko und organisiert dort den
Mohnanbau in den Bergen, der jedoch nur minderwertiges Heroin liefert. Auch eine zweite
Verbindung, über die Heroin aus der I.G. -Farben-Produktion nach Kuba geliefert wird, bricht 1943
ab. 1938 ist das Heroin noch zu 28% rein verkauft worden, 1941 nur noch zu 3%, obwohl der Preis
sich verzwölffachte. 1945 kostet das Heroin das 70fache von 1938, und die Zahl der Süchtigen hat
sich von 300'uOO auf 20'000 vermindert.
Für die Mafia eröffnen sich mit dem 2. Weltkrieg aber andere Einnahmequellen. Die amerikanische
Regierung verfügt Kriegsrationierungen und Preiskontrollen, was zur sofortigen Entstehung von
Schwarzmärkten führt. Dank der Kontrolle über die Häfen von Brooklyn und Manhattan können die
Mobster auch genügend Waren für den Schwarzmarkt abzweigen. Die Mafia handelt mit Fleisch,
Zucker, Speiseöl, Autos, Pneus und Nylon und verkauft rationiertes Benzin. Das Office of Price
Administration errechnet, dass jeden Tag 2,5 Mio. Gallonen Benzin (1 Gallone = 3,785 Liter) illegal
verkauft werden. Am lukrativsten ist der Verkauf von gefälschten Rationierungsmarken, vor allem
für Benzin, die nicht einmal alle gefälscht werden müssen. Sie kommen von korrupten Beamten
des OPA, wo Richard M. Nixon und Charles Gregory Rebozo arbeiten. Vor allem Carlo Gambino
hat sich diesen Handel unter den Nagel gerissen und kauft sich Hunderttausende von Marken von
korrupten OPA-Beamten und macht laut Valachis Aussagen bis zu $1 Mio. pro Deal. Nixons
ethische Qualifikationen als Anwalt wurden schon bei dessen ersten Prozess von Richter Alfred
Paonessa ernsthaft in Frage gestellt. Rebozo gründet mit 23 eine Auto-Service Station und
verdient am illegalen Handel mit gebrauchten Pneus und anderen Secondhandgeschäften so viel
Geld, dass er nach dem Krieg eine Wäschereikette kaufen und in die Bodenspekulation einsteigen
kann.
Quellen : Delorme: 83-85, Weberman (6), Best: 85, Summers (2000): 29-34,102,495.
1939 US-Firmen und die Nazis top
Aber nicht nur die Mafia, auch andere Firmen und Grossinvestoren verdienen am Krieg. IBM-Chef
Thomas J. Watson lieferte seinem Freund Adolf Hitler die Hollerith-Lochkartenmaschinen, womit
die erste Volkszählung im Dritten Reich durchgeführt wurde. Dank diesen Personendaten können
die Konzentrationslager, Gettos, Judendeportationen und deren Vernichtung effizient organisiert
werden. Die auf den Armen tätowierten KZ-Häftingsnummem entsprechen den
Personenkennziffern der IBM-Maschinen, die Haftgrund, Gesundheitszustand, Nationalität, Beruf,
Art der Lagerstrafen und schliesslich die Todesart auf den Lochkarten festhalten. Da auch die
gesamten Wirtschafts- und Rüstungsdaten mit den Hollerrith-Maschinen verrechnet werden,
besteht die Gefahr der Enteignung und Verstaatlichung der Tochter Dehomag, was Watson mit der
Einsetzung eines Treuhänders verhindern kann. Als Präsident der Handelskammer und Berater
Roosevelts sprach sich Watson stets gegen die Isolation Deutschlands aus und kooperierte bis
1940 direkt und danach indirekt mit allen Regierungsstellen des NS-Regimes. Die europäischen
Interessen von IBM während dem Krieg vertritt Werner Lier, ein Hauptmann der Schweizer Armee
in Genf. 1942 hält IBM 94% der Munitions Manufacturing Corporation, die Kanonen und
Flugzeugmotorteile produziert und IBM $200 Mio. einbringt. Nach dem Krieg erhält Watson nicht
nur die "Computer"-Maschinen zurück, sondern auch die Gewinne der Tochterfirma Dehomag.
Watson wird Vetrauter und Golfpartner von Eisenhower und sitzt von 1952 bis 1962 als Senator
von Connecticut
Nur etwa 60'000 der Hunderttausenden jüdischen Flüchtlige, die ein Visumsgesuch stellen,
gelangen aus Europa in die USA. Viele der Abgewiesenen schicken Geld voraus, da Mittellose
sowieso keine Chance haben, weshalb Milliarden von Dollars an Flüchtlingsgelder in die USA
strömen und von den Behörden als Vermögen der "enemy aliens" eingefroren werden. Nach der
Krieg beschlagnahmt die US-Regierung $900 Mio. (der heutige Wert ist rund 10 Mal höher) auf
diesen Bankkonten und entschädigt damit die deutschen Tochterfirmen amerikanischer
Unternehmen wie General Motors mit $16,4 Mio. oder Ford mit $785'000, obwohl Henry Ford
Hitlers Wahlkampf mitfinanzierte. Ford ist ein radikaler Antisemit, dessen Ansichten Hitler
beeinflussten, und geht mit eigenen Werkpolizisten gegen Gewerkschafter vor. Beide Firmen
beschäftigen Zwangsarbeiter und sind Bestandteil von Hitlers Kriegsmaschinerie: 1942 stammt ein
Drittel der 350'000 produzierten Lastwagen aus Ford-Fabriken. Seit 1929 gehört Opel zu 100% der
GM und bildet mit 100'000 produzierten Opel Blitz-Lastern das Rückgrat der Reichwehr. Während
dem Krieg baut Opel etwa die Hälfte der Antriebssysteme für die JU-88-Bomber. Obwohl Carl Luer
am 25.1 1 .42 die Verwaltung in Rüsselheim für die Nazis übernimmt, werden die wesentlichen
Entscheidungen weiterhin in Detroit gefällt. 1943 entwickelt, prodiziert und montiert Opel die
Motoren für das erste Düsenflugzeug Messerschmitt 262, während Gemeral Motors die US-
Luftwaffe aufrüstet. Für die Schäden an den Tochterfabriken in Deutschland, Österreich, Polen und
China durch die Bombardierungen der Alliierten erhält GM 1967 Steuervergünstigungen von $33
Mio. Die Fabriken von Ford und IBM werden bei den Bombardierungen der USA offensichtlich
geschont.
Opel erziehlt dank den Zwangsarbeitern hohe Kriegsgewinne, ohne einen Cent an den
Zwangsarbeiterfonds der amerikanischen Handelskammer zu zahlen. Insgesamt werden 10
Millionen Verschleppte aus 26 Nationen im Dritten Reich zur Arbeit gezwungen (davon 3 Mio.
Russen, 1,2 Mio. Polen und 1,2 Mio. Franzosen). Ohne diese Sklaven wären die Landwirtschaft
und die Kriegsindustrie nicht in der Lage, die Produktion aufrecht zu erhalten.
Auch die Tochterfirmen von schweizerischen Unternehmen wie Georg Fischer, Maggi, BBC, oder
Alusuisse profitieren von den Gratisarbeitern. 1944 schliessen sich Hunderte von Firmen dem SS-
Proramm "Vernichtung durch Arbeit" und rekrutieren die Zwangsarbeiter vor allem aus den
Konzentrationslagern, womit sie ihre Nachkriegs-Konkurrenzfähigkeit markant verbessern.
Aristoteles Onassis verkauft an beide Seiten Öl und Waffen und vermietet seine Schiffe, wofür die
Allierten $250'000 pro Jahr zahlen. Interessanterweise verliert er als einziger während des ganzen
Krieges kein einziges Schiff und keinen einzigen Matrosen, während beispielsweise von den 450
griechischen im Krieg eingesetzten Frachtschiffen 360 sinken. An die Japaner, die einen
grausamen Eroberungskrieg in Asien führen, verkauft Onassis Schiffe, die er durch neue aus
Südamerika ersetzt. Ab dem November 1942 wird Onassis vom FBI wegen seinen Beziehungen
mit Faschisten wie Fritz Mandl, Juan Peron, Alfred Krupp oder Hjalmar Schacht überwacht. Als
Hollywoodplayboy hat er eine Affäre mit Gloria Swanson, mit der Kennedy ein langdauerndes
Verhältnis hatte.
Nach dem Krieg beschliesst der amerikanische Kongress den Verkauf der nicht mehr benötigten
Kriegsfrachter "Liberty ships" für $550'000 pro Stück. Da Onassis nicht zur kaufautorisierten
griechischen Reederunion gehört, ist er von der einmaligen Gelegenheit ausgeschlossen. Er
umgeht die Bestimmung mithilfe des Anwalts Burke Marshall und der neu geschaffenen
Scheinfirma "United States Petroleum Carriers Ine", die 4 T2-Tanker kaufen kann. Er schliesst
zudem Kohletransportverträge mit 1 6 "Liberty ships", die er gar nicht hat, ab. Dasselbe macht er
mit Öltankern, die noch gar nicht gebaut sind. Mit der Metropolitan Life Insurance Company handelt
er einen Investitionsvertrag über $40 Mio. für eine neue Supertankergeneration aus. Die vier
"Liberty"-Schiffe aus den US-Kriegsbeständen werden für die Waljagd eingesetzt, in die Onassis,
unter Umgehung der Jagdgesetze, einsteigt. Die erste Walexpedition bringt ihm $4,2 Mio, weshalb
es nicht kümmert, dass beispielsweise 69% der Pottwale, die er vor der Küste Perus erlegen lässt,
nach den Bestimmungen zu klein sind. 1950 schliesst Onassis einen Vertrag mit Lars Anderson für
den Walfang in der Antarktis und in Argentinien. Anderson gehörte zur norwegischen
Nazikollaborationsgruppe Vidkum Quisling. Ebenfalls 1950 wird ein Geheimabkommen zwischen
dem Aussenministerium und den sieben Ölmultis geschlossen, dass alle Tantiemen für die
arabischen Nationen steuerfrei sind. Onassis gewinnt den Konkurrenzkampf um Tina Livanos
gegen bereits verheirateten Stavros Niarchos, der sich mit der älternen Schwester zufrieden geben
muss.
Über Sasha de Seversky lernt Onassis während dem Krieg den Nobelgangster Johnny Meyer
kennen. Meyer arbeitet für Howard Hughes, für den er dank seinen ausgezeichneten Beziehungen
in Washington Rüstungsaufträge und Mädchen organisiert.
Quellen : Morgenthaler Piechowiak, Evans, Glaser, Best: 47-49, Morgenthaler, Schweitzer, Levis,
Brussell (1983), Haar, Kindhauser, Schröder/Schroeder. Laurent: 13-17.
1939 Karriere von Howard Hughes top
Howard Robard Hughes erbte 1924 mit 19 Jahren die Ölfirma seines Vaters, der mit Ölboom 1901
nach Houston zog und und eine Bohrmaschine erfand, die seinen Reichtum begründete. Obwohl
noch minderjährig, konnte er den Richter von seinen Kompetenzen überzeugen und brauchte dann
die gesamten Firmenreserven von $325'000, um die weiteren Erben auszuzahlen. Noch 1950
beherrscht die Hughes Tool Company 85% des Ölbohrmarktes, was seine enormen Ausgaben
weitgehend deckte. Während eine normale Familie mit $4000 pro Jahr lebte, gab er in den ersten
beiden Jahren $100'000 für Autos und $550'000 für die Entwicklung eines Prototyps mit
Düsenantrieb, $20'000 für Kleider und Schmuck, $20'000 für Hotel- und Unterhaltungskosten und
$25'000 für einen persönlichen Telex für die Verbindung nach Wall Street aus und verlor $4 Mio. in
Investitionen. Bis zur Krise von 1929 setzte er an der Börse $8 Mio. in den Sand. Hughes zog 1925
nach Hollywood, wo er eine Karriere als Schauspieler, Regisseur, Pilot und Flugzeugbauer
startete. Nach einem ersten Fehlschlag, den $80'000 teuren und nie veröffentlichten "Swell Hogan"
gewann "Two Arabian Nights" (1928) einen Preis. Für seinen Flieger-Film "Hell's Angels" (1930)
kaufte er für über $500'000 mehr als 40 Kampfflugzeuge des Ersten Weltkriegs, womit er die
grösste private Flugwaffe der Welt besass. Drei Piloten und ein Mechaniker (und er beinahe)
kamen bei den Dreharbeiten ums Leben für den Film, der $4,2 Mio. kostete (wovon nur $2,7 Mio.
eingespielt wurden), und Jean Harlow zum Star machte. In den 30er Jahren baute er im Rahmen
einer Kinokette das Texas Theater in Dallas, in dem Lee Harvey Oswald verhaftet wird.
"Scarface" (1932) und "The Outlaw" (1941) über Billy the Kid mit den gewagten Aufnahmen von
Jane Russells Brüsten galten als "pornographisch". Von 1925 bis 1929 war er verheiratet mit Ella
Rice, der Tochter des Standard Oil-Vorsitzenden William Stamps Farish, dem Hauptkunden der
Hughes Tool. Gleichzeitig führte er ein Playboyleben mit zum Teil ernsthaften Affären mit Katherine
Hepburn, Joan Crawford, Constance Bennett, Marian Marsh, Madge Bellamy, Ginger Rogers, Ida
Lupino, Billie Dove, Bette Davis, Loretta Young, Olivia de Havilland, Brenda Frazier, Yvonne
Shubert, Lana Turner, Jane Greer, Nancy Carroll, Linda Darneil, Gene Tierney, Marilyn Monroe,
Gail Ganley, Sallilee Conlon, Phyllis Applegate, Joyce Taylor, Barbara Hutton, Dorothy Jordan,
Timmie Lansing und vielen anderen Starletts. Hughes holt sich die Syphilis, von der er trotz
radikalen Kuren nicht geheilt wird. Einige der Mädchen beschaffen ihm William Randolph Hearst jr.
und Cary Grant. Seine Geliebten lässt er von Detektiven überwachen, verzichtet aber deshalb
selbst nicht auf beinahe tägliche Seitensprünge. Bei Ava Gardner entlarven die von Detektiv Frank
Angell und seinem Team von Spezialisten gesetzten Wanzen ihr Verhältnis mit Mickey Rooney,
worauf Hughes ihre Wohnung stürmt. Beim folgenden Streit wirft ihm Ava eine Bronzeglocke an
den Kopf, so dass er hospitalisiert werden muss. Den meisten, oft noch sehr jungen Mädchen wie
der 15jährigen Faith Domergue, schenkt er teuren Schmuck und kiloweise Blumen, beeindruckt sie
mit seinen Flugzeugen und verspricht die Heirat, damit sie mit ihm ins Bett steigen. Bei seiner
Affäre mit Rita Hayworth wird diese von zwei Detektivteams im Auftrag von Ehemann Orson
Welles und Columbia-Boss Harry Cohn beschattet. Rita wird schwanger von Hughes und lässt
abtreiben.
Der beinahe taube Hughes flog als Kopilot Charles W. Howard bei der American Airways, bis der
Schwindel bemerkt wurde. Um das schnellste Flugzeug zu bauen, gründete er die Hughes Aircraft
Company und stellte in den 30er Jahren mehrere Flugrekorde auf. Offenbar gab es mehrere
Sabotageversuche bei seinen Geschwindigkeitsrekorden.
Mit Beginn der Depression musste Hughes, der monatlich Hunderttausende ausgab, die Hughes
Tool verpfänden und seine Ausgaben auf $250'000 pro Jahr reduzieren. Zusammen mit Noah
Dietrich baute er daraufhin die Firma neu auf, stellte 200 Wissenschafter und Sanierer Fred Ayers
ein, die die Gewinne von $6 Mio. 1935 auf $13 Mio. 1937 und $22 Mio. 1941 steigern können.
Zudem geht er gnadenlos gegen Konkurrenten vor und beteiligt sich offenbar an Mafiageschäften,
da zu seinen regelmässigen Gästen Lucky Luciano und Bugsy Siegel gehören.
1939 kauft Hughes 200'000 Aktien der Trans World Airlines, was einem Anteil von 21% entspricht,
den er durch permanente Käufe bis Ende 1940 auf 78% steigert. Bei Lockheed bestellt Hughes
geheim 40 der eigens entwickelten Constellation für $18 Mio. Gleichzeitig hofft Hughes vergebens,
Militärflugzeuge für den Zweiten Weltkrieg bauen zu können. Henry J. Kaiser, der die Liberty Ships
produziert, verschafft ihm einen Auftrag über $18 Mio. für die Entwicklung und Produktion von
Grossraumwasserflugzeugen (Spruce Goose) innerhalb eines Jahres, was ihm nicht gelingt. Um
zu besseren Aufträgen zu kommen, engagiert Hughes Johnny Meyer, in dessen Nachtklub hohe
Militärs und der Präsidentensohn Colonel Elliott Roosevelt verkehrt, den er mit der Schauspielerin
Faye Emerson verkuppelte. Meyer zahlt die Hotel- und Nachtklubrechnungen der geladenen
Militärs, die vom FBI observierten 3 Galas mit engagierten Mädchen und das Hochzeitsfest der
beiden, worauf Hughes dank Roosevelt den Auftrag für 98 XF-1 1 -Aufklärungsflugzeuge für $43
Mio. erhält. Aber aufgrund seines autokratischen Perfektionismus wird kein Wasserflugzeug und
kein Aufklärer bis zum Kriegsende fertiggestellt. Der zunehmend irre Hughes stürzt auf dem
Testflug mit der vollgeladenen Constellation im April 1943 beinahe ab, weil er zwei Motoren
abstellt, und einen Monat später mit seinem Wasserflugzeug ins Wasser, wobei zwei Mitarbeiter
sterben. Nachdem er im Oktober 1944 einen Teil seiner Dokumente verbrannte, organisiert er in
seinem Verfolgungswahn eine dreimonatige bizarre Flucht durch verschiedene Staaten. In
Louisiana wird "der Landstreicher" verhaftet, und in Fort Lauderdale verbrennt er seine Kleider.
Das FBI verwanzt selbst das Telephon seines Hotelzimmers in Vancouver, wo er auf der Jagd auf
Yvonne De Carlo dank seiner Treibstoff-Privilegien des Kriegsministeriums hingeflogen ist. Um
eine Verbreitung dieser Beziehung zu verhindern, lässt Hughes den Medienleuten sehr teuren
schottischen Whiskey zukommen. Im Juli 1946 fliegt er trotz Warnungen allein den ersten Testflug
mit dem XF-1 1 -Prototypen in ein Villa in Beverly Hills und verletzt sich so sehr, dass keiner der
Ärzte glaubt, dass er überleben werde.
Quellen : Drosnin, Best: 47-49, Brown/Broeske: 4-224, 256f, 394-399.
1941 Angriff auf Pearl Harbor top
Vier Monate vor Pearl Harbor informiert der deutsch-englische Doppelagent Dusan Popov Hoover
über die bevorstehende Attacke der Japaner. Obwohl das MI-6 Popov nach New York schickt,
reagiert Hoover unkooperativ mit Vorwürfen über dessen Lebensstil. Der britische MI-6 übermittelt
Hoover noch andere Informationen über die japanischen Vorbereitungen und Pläne. Am 25.1 1 .41
notiert US-Verteidigungsminister Henry Stimson nach einer Unterhaltung mit Präsident Roosevelt
über die Japaner in sein Tagebuch: "Die Frage war, wie man sie in eine Position manövrieren
könnte, in der sie den ersten Schuss abgeben würden, ohne dass uns allzuviel passiert... es war
wünschenswert, sicherzustellen, dass die Japaner dies wären, [die den ersten Schuss abgeben],
so dass niemand auch nur den geringsten Zweifel haben könnte, wer der Aggressor war." Schon
1932 und 1938 war der Stützpunkt zweimal bei Marineübungen "überfallen" worden - einmal von
152 Flugzeugen - und jedes Mal war die Verteidigung völlig überfordert.
Bis 1895 waren die HawaT-lnseln ein selbständiges Königreich, das 1898 wegen seiner
strategischen Bedeutung im spanisch-amerikanischen Krieg von den USA annektiert und erst 1959
regulärer Bundesstaat wurde. Als Roosevelt befielt, die Flotte von der Westküste dorthin zu
verlegen, protestiert der amtierende Admiral Richardson dagegen und weigert sich schliesslich
sogar, den Befehl auszuführen. Er wird durch Admiral Kimmel ersetzt - den man nach dem
japanischen Angriff wegen Nachlässigkeit vor einen Untersuchungsausschuss bringt. Er wird
freigesprochen, als bekanntwird, dass man ihm 188 entschlüsselte japanische Nachrichte
vorenthalten hat, aus denen der bevorstehenden Angriff samt Datum und Uhrzeit hervorging. Die
Amerikaner hatten sämtliche Codes der japanischen Seite entschlüsselt und können den
militärischen und politischen Funkverkehr verfolgen. Auch holländische und russische
Nachrichtendienste haben vor einem bevorstehenden Angriff gewarnt. Roosevelt provozierte den
Angriff, um in den Krieg eintreten zu können, denn sonst ist der Kongress nicht zu einem solchen
Schritt zu bewegen.
Nach dem Pearl Harbour-Angriff am 7.12.41 gründet Roosevelt das Office of Coordinator of
Information, das ihm direkt untersteht und setzt seinen ehemaligen Klassenkamaraden William
Donovan als dessen Direktor ein. Im Juni 1942 wird daraus das Office of Strategie Services mit
erweiterten Kompetenzen. "Wild Bill" Donovan, Wallstreet-Anwalt, Millionär und Republikaner stellt
die unterschiedlichsten Leute ein, wie die späteren Vertreter der Neuen Linken Norman O. Brown
und Herbert Marcuse, Liberale wie Arthur M. Schlesinger, Jr. und selbst Kommunisten, die im
Spanischen Bürgerkrieg in der Abraham Lincoln Brigade gekämpft hatten. Hoover verlangt, dass
die Kommunisten gefeuert werden, worauf Donovan meint, er würde selbst Stalin einstellen, um
Hitler zu bekämpfen. Allein 2000 Wissenschaftler arbeiten in Washington als Analytiker für das
OSS. Aber auch viele von Donovans konservativen Geschäftspartnern arbeiten für das OSS, die
auf dem Höhepunkt 13'000 Mitarbeiter umfasst, ohne die Informanten.
Die unterschiedlichen Positionen führen schon bald zu Grabenkämpfen, insbesondere wegen der
Unterstützung von linken oder rechten Partisanengruppen in Frankreich, Jugoslawien, China oder
Italien. Der bekannteste Fall ist derjenige von OSS-Major Holohan, dessen Team eine
Partisanengruppe in den italienischen Alpen infiltrierte. Holohan wird vermutlich von seinem
Kollegen Aldo leardi wegen den politischen Differenzen ermordet. 1956 erreichen der CIA-Anwalt
Edward Bennett Williams und und sein Freund Robert Maheu einen Freispruch leardis. Das OSS
unterstützt die katholischen Partisanen, zu denen alle wichtigen Nachkriegspolitiker der DC wie
Giulio Andreotti, Enrico Mattei oder Aldo Moro gehören, um die Machtergreifung der
kommunistischen Partisanen nach dem Zusammenbruch des Faschismus zu verhindern. In
Jugoslawien unterstützt das OSS sowohl die kroatischen Partisanen von Tito, der in den 30er
Jahren für die Komintern arbeitete, wie auch die serbischen Tschetniks des royalistischen
Mihailovic. Wegen dem Druck Churchills wird die Unterstützung der Tschetniks 1944 aufgegeben.
Das OSS arbeitet eng mit dem britischen Geheimdienst zusammen, dessen Agenten versuchen,
die Amerikaner für den Erhalt des britischen Imperiums einzusetzen. Donovans
Geheimdienstagenten brechen in die Botschaften von deutschfreundlichen Regierungen ein, um
die Entschlüsselungscodes zu klauen. Schon bald nach Gründung richtet das OSS eine
Gewerkschaftsabteilung unter Arthur J. Goldberg ein, die Verbindungen zu amerikanischen und
europäischen Gewerkschaften aufbaut, was sich als äusserst wertvoll erweisen soll. Über diese
Verbindungen gelingt es der CIA nach dem Krieg, die Gewerkschaften in Europa von den
Kommunisten zu säubern: in Italien über die Koalition der christlichen Gewerkschaften; in
Frankreich, wo Charles de Gaulle eine Machtübernahme der Kommunisten bei der Befreiung von
Paris verhindern kann, indem das OSS den Waffennachschub verzögert und die kommunistische
Resistance ausblutet, und über die Spaltung der Force Ouvriere; in Westdeutschland über den
Wiederaufbau der antikommunistischen Einheitsgewerkschaft. In Österreich wird über die Bau- und
Holzarbeitergewerkschaften sogar eine geheime paramilitärische Organisation aufgebaut und
finanziert.
Der FBI-Direktor J. Edgar Hoover überwacht das OSS und sabotiert dessen Arbeit aus Eifersucht.
Während einem Einbruch in die Spanische Botschaft in Washington fahren zwei FBI-Autos mit
heulenden Sirenen vor und die OSS-Agenten werden von der alarmierten Polizei verhaftet. Aber
Roosevelt unternimmt weder etwas gegen Hoover noch gegen Donovan. Hoover, der bis zu
seinem 43 Jahr bei seiner Mutter wohnt, waltet nach dem Kriegseintritt der USA als Medien-Zensor
und macht die Zeitungen mundtot. 1942 werden auf Hoovers Initiative 120'000 Amerikaner
japanischer Herkunft in Konzentrationslager interniert. Im Herbst 1944 schlägt Donovan dem
Präsidenten vor, das dem Generalstab unterstellte OSS in einen eigenen Geheimdienst
umzuwandeln, was Hoover sofort an die Öffentlichkeit bringt, um die Idee zu sabotieren. Auch
General Douglas MacArthur, der dem OSS jede Operation im Pazifik verboten hat, wehrt sich
gegen einen Central Intelligence Service.
Hoover hasst die First Lady, Eleanor Roosevelt, da sie politisch aktiv, liberal und den Schwarzen
gegenüber aufgeschlossen ist. Der FBI-Chef lässt ihr Privatleben akribisch ausspionieren, so dass
ihre im Geheimarchiv untergebrachte Fiche 449 Seiten umfasst. Im Januar 1942 brechen FBI-
Agenten in New York im Hauptquartier des American Youth Congress ein, dessen Leiter, Joseph
Lash, ein vermuteter Liebhaber der First Lady ist, und photographieren dessen Korrespondenz.
Lash wird aufgrund dieses weitergegebenen Materials abgelehnt, als er sich um eine Stelle bei der
Navy bewirbt. Mit gleichem Ziel bricht das FBI im Dezember im Büro des International Student
Service ein. Auch das Army Counter-Intelligence Corps überwacht die First Lady: es verwanzt
1943 das Blackstone Hotel in Chicago, in dem Lash und Roosevelt absteigen und geben das
Material Roosevelt weiter. Lash wird daraufhin in den Pazifik geschickt. Hoover ist ebenfalls im
Besitz dieser Infos.
Hoover startet auch eine Kampagne wegen angeblicher Homosexualität gegen Vizeaussenminister
Sumner Welles, worauf Roosevelt seinen Freund entlassen muss und plant, Hoover nach dem
Krieg abzusetzen.
Mit Hoover arbeitet auch Francis Spellman, der nach der Nomination seines Freundes Eugenio
Pacelli zum Papst Pius XII. 1939 zum Erzbischof von New York ernannt wurde. Spellman
durchreist als Geistlicher problemlos die Kriegszonen und amtet als Geheimagent für Roosevelt.
Nach dem Krieg unterstützt Spellman seine Freunde Roy Cohn und Joe McCarthy bei der
Kommunistenjagd, wird einer der zentralen Figuren im Machtgefüge New Yorks, nimmt an
Pentagon-Sitzungen teil, diskutiert Militärstrategien mit dem Generalstab, sammelt Informationen
für die CIA und das Aussenministerium und geschattet mit Joe Kennedy und John Reynolds.
Quellen : Summers (1993): 125-150, Theoharis/Cox: 200-255, Schulz: 53,161,325, Best: 24ff, Cran,
Collier/Horowitz: 149, 308, Chotjewitz: 15-20, Cooney, Todd, Pletschinger/Bredenbrock, Chomsky
(2001), Bröckers, Bülow (2003): 246f.
US-Finanzierung Hitlers top.
Im Gegensatz zum Warenhandel laufen die Finanztransaktionen zwischen Deutschland und den
USA nach der Besetzung Europas durch Deutschland praktisch unverändert weiter. Prescott Bush
handelte mit der deutschen Luftwaffe und betrieb andere Geschäfte mit den Nazis, so dass 1942
Firmen, an den er beteiligt ist, wegen "Handel mit dem Feind" eingezogen werden: die Union
Banking Corporation, die Holland-American Trading Corporation, die Seamless Steel Equipment
Corporation, die Hamburg-Amerika Line/Hapag-Lloyd und die Silesian-American Corporation.
Fritz Thyssen, der Adolf Hitler seit 1923 finanziert, und W. Avereil Harriman beschlossen 1922,
gemeinsam die Union Banking Corporation aufzuziehen, was 1924 geschah. Zusammen mit dem
Wall Street Banker Clarence Dillon und der Beteiligung von Friedrich Flick gründeten sie 1926 die
Vereinigte Stahlwerke/German Steel Trust, die die SA (Sturm-Abteilung) und SS (Schutz-Staffel)
finanzierten. Dass die deutsche SS Totenkopf und Knochenkreuz der "Skull & Bones" in ihr
Ordenssymbol übernahm, wird Bush und seinem Partner Harriman, die beide 1913 initiiert wurden,
gefallen haben. Sowohl Thyssens wie Flicks Bankgeschäfte fliessen über die von Bush geführte
Union Banking. Dillons riesige Spekulationspyramide U.S. & International Securities Corp. (USIS)
betrog Aktionäre um Hunderte von Millionen und trug wesentlich zum Börsenkrach bei. Harriman
traf sich 1927 auch mit Benito Mussolini.
Die Fusion zu Brown Brothers Harriman 1931, der nun grössten und politisch einflussreichsten
Privatbank der USA, eröffnete über Thatcher Brown die Beziehungen zum Direktor der Bank of
England, Montagu Collet Norman, einer der wichtigsten Hitler-Unterstützer im englischen Filz.
Auch Sir Henri Deterding, Vorsitzender der weitgehend der britischen Königsfamilie gehörenden
Royal Dutch finanziert Hitler. Ohne die Gelder von Thyssen (über seine Bank voor Handel en
Scheepvaart) und von Harrimans Hamburg-Amerika Line (als Teil der American Ship and
Commerce Corp.) wäre Hitler 1933 nicht an die Macht gekommen. Dank Norman, Harriman und
Bush konnte eine Übernahme des nach dem Börsenkrach bankrotten deutschen
Stahlkonglomerats durch die katholische Zentrumspartei verhindert und die Kontrolle durch
Thyssen gesichert werden.
Mitbeteiligt an der Finanzierung der teuren Wahlpropaganda mit Harriman und Bush war Hjalmar
Schacht und Baron Kurt von Schroeder, Direktor der Thyssen-Hütten mit engen Beziehungen zu
den Dulles-Brüdern. Schroeder ist SS-Brigadeführer und gehört als Bankier der Stein Bank zu den
Geldgebern Himmlers. Schroeders und Montagu Normans Protege Hjalmar Schacht wurde Hitlers
Financier. Baron Rudolph von Schroeder ist Vizepräsident und Direktor der Hamburg-Amerika
Line, die mit ihren Finanzierungen die von der Regierung 1932 beschlossene Auflösung von Hitlers
Privatarmee von 300'000 bis 400'000 Mann verhindern konnte. Hitlers SA, mit Waffen aus
amerikanischer Produktion ausgestattet, zerschlug die Opposition daraufhin nachhaltig.
Samuel Pryor, Gründungsmitglied der Union Banking und der American Ship and Commerce, ist
Vorsitzender der Remington Arms, die ein Sprenstoff-Kartell mit der I.G. Farben einging, wonach
über Holland grosse Mengen an Waffen nach Deutschland geliefert wurden. An ähnlichen
Waffenlieferungen zwischen Du Pont und I.G.Farben war auch Walter S. Carpenter, ein weiterer
Freund von Bush, beteiligt. Obwohl diese Deals mit den Nazis dann wie bei Bush unterbunden
wurden, blieb Carpenter am Manhattan Project zum Bau der ersten Atombombe involviert und
präsidierte Du Pont von 1948 bis 1962.
Ebenfalls beteiligt an der Hamburg-Amerika Line und späteren Hapag-Lloyd war der berühmte
Jude und Hitler-Unterstützer Max Warburg. Frederick M. Warburg, einer der Direktoren von
Harrimans Eisenbahnnetz, kontrolliert das American-Jewish Committee, das sich von 1933 bis zum
Kriegsbeginn gegen einen Boykott Nazi-Deutschlands einsetzte. Dank einem Vertrag, der von
Hjalmar Schacht, John Foster Dulles, Max Warburg und Kurt von Schroeder geschrieben wurde,
liefen ab Mai 1933 alle deutschen Exporte in die USA über die Harriman International. Mit der
Unterstützung von Prescott Bush und Felix Warburg von der Kuhn Loeb and Co. organisierte der
spätere Aussenminister John Foster Dulles während den 30er Jahren die
Schuldenrestrukturierungen für deutsche Firmen und ermöglichte damit die Umstellung auf die
Rüstungsproduktion, wofür die beiden enorme Summen kassierten. US-Investoren unterstützen die
Nazis nicht heimlich, sondern so offen, dass der US-Botschafter in Deutschland, William E. Dodd,
1937 einem Reporter der "New York Times" mitteilt: "A clique of U.S. industrialists is hell-bent to
bring a fascist State to supplant our democratic government and is working closely with the fascist
regime in Germany and Italy. I have had plenty of opportunity in my post in Berlin to witness how
dose some of our American ruling families are to the Nazi regime...."
Polens grösstes Industriekonglomerat, die Upper Silesian Coal and Steel Company, wird von
Friedrich Flick und der Harriman Fifteen Corporation über die Silesian-American Corporation
kontrolliert, bei der auch Persott Bush im Verwaltungsrat sitzt. Die polnische Regierung verlangte
1934, dass Bush, Harriman und ihre Nazipartner wenigstens die normalen Steuern zahlen. Der
Konflikt wurde im September 1939 mit dem Überfall Hitlers auf Polen gelöst, wobei ironischerweise
die russischen Panzer, die den Osten Polens besetzten, mit dem Öl von Harriman/Walker/Bush-
Konzessionen fuhren. In einer der polnischen Minen von Bushs Firma werden Zwangsarbeiter
eingesetzt.
Der Ölhandel bleibt während dem Krieg erstaunlich intakt. Rockefellers Standard Oil of New Jersey
beliefert Deutschland auch im Krieg, und der Vertreter von Standard Oil in Deutschland, Emil
Helfferich, repräsentiert zugleich die Hapag-Lloyd. William Stamps Farish organisierte das Kartell
von Standard Oil of New Jersey, der späteren Exxon, mit der I.G.Farben, die seit 1940 mit
Zwangsarbeitern in Auschwitz produziert. Walter Teagle von Standard Oil arbeitet eng mit
Hermann Schmitz von I.G.Farben zusammen, und die Amerikaner, auch Texaco, liefern den
Deutschen Benzin, Motorenöle und Diesel für die Flugzeuge, Panzer und U-Boote. Dank dem
deutsch-amerikanischen Geheimabkommen werden die Anlagen der I.G.Farben für die Herstellung
von sythetischem Benzin aus Kohle finanziert, und die von KZ-Häftlingen betriebene Anlage in
Oberschlesien hilft, die Folgen des alliierten Embargos abzuschwächen. Die Freundschaft und
Zusammenarbeit von Humble Oil-Gründer Farish und Prescott Bush begann 1929, als Harriman
die Dresser Industries kaufte, deren Direktor Bush wird. Bush und Farish schmieren SS-Chef
Heinrich Himmler über Emil Helfferich, Kurt von Schroeder und Karl Lindemann,
Verwaltungsratsmitglied der Hamburg-Amerika-Line, bis 1944.
Harriman, Rockefeiler und Bush organisierten und bezahlten Eugenik-Kongresse mit Nazi-
Ideologen wie Dr. Ernst Rüdin oder Alfred Plötz in den USA. Auf Initiative von Rüdin wurden
250'000 Blinde, Taube und Alkoholiker sterilisiert, wozu sie eine Generation von Ärzten
ausbildeten. Seit Kriegsbeginn werden Behinderte und "Degenerierte" meist umgebracht. Dillon,
Farish und sein Freund Hermann Schmitz, der Vorsitzende der I.G.Farben, bezahlen den Werber
Ivy Lee, der Pro-Nazi-Propaganda in den USA betreibt.
Farish lässt den Nazis Patente ("Auschwitzpatente") zukommen, die er der US-Militärindustrie
vorenthält. Auf Initiative von Verteidigungsminister Henry L. Stimson stoppt Roosevelt im April
1942 die Senatskommission, die Kartellallianzen von deutschen und amerikanischen Firmen
untersucht. Obwohl Farishs Rolle als Kriegsunterstützer der Nazis publik wird, bleibt die Farish-
Bush-Verbindung die finanzielle und politische Basis für die Karriere von George Bush. Prescott
Bush wird, obwohl rechtlich für die Bankoperationen mit den Nazis verantwortlich, in den
Beschlagnahmungs-Verfügungen nicht erwähnt.
General William H. Draper Jr. arbeitete bei Dillon Read & Co, wo er die Konten von Fritz Thyssen
verwaltete und die German Credit and Investment Corp. bis im November 1943 leitete, und Hitler
unterstützte. Er finanzierte zusammen mit Harriman, Rockefeiler und Prescott Bush bereits 1932
den Internationalen Eugenik-Kongress in New York und ist Gründer und Präsident des Population
Crisis Committee. Nach dem Krieg wird Draper, selbst 15 Jahre lang an den übelsten Nazi-
Geschäften beteiligt, zum Chef der Wirtschaftsabteilung der US-Kontrollkommission ernannt und
leitet die "Entflechtung" der faschistischen Korporationskartelle. Dabei bestimmt er, wer sein
Business behalten und wer vor Kriegsgericht gestellt wird, und kann nicht nur seine eigenen Profite
mit den Nazis, sondern auch beispielsweise die von Harriman und Bush geheimhalten. Draper
arbeitet später mit Avereil Harriman für die NATO, ist Berater Eisenhowers und Johnsons und
fördert Bushs Karriere.
Nach seinem dubiosen Abschuss im Pazifik, wobei seine beiden Kollegen ums Leben kommen,
studiert Veteran George Bush an der Yale und wird Mitglied der Russell Trust Association. Die
Geheimgesellschaft wurde 1833 von William Huntington Russell gegründet, dessen Russell and
Company die grösste und durch Opiumhandel reichste kriminelle Organisation (mit Partnern wie
John Murray Forbes, Joseph Coolidge, Warren Delano, Jr. oder Russell Sturgis) in den USA war,
und verwendet das Piratenemblem der , Skull and Bones'. Eine lange Reihe von einflussreichen
Leuten gehörte zu den S&B wie Präsident William Howard Taft, Gifford Pinchot, Robert Lovett,
Richard M. Bisseil, McGeorge Bundy oder Henry L. Stimson. Stimson, initiiert 1888, ist bis zu
seinem Tod 1950 Minister unter 7 Präsidenten. Als Kriegsminister Roosevelts ist "The Colonel"
einer der Architekten des 2. Weltkriegs und des anschliessenden Kalten Kriegs. Die Ideologie der
S&B-Brüder geht nicht nur von einer Überlegenheit der weissen Rasse aus, sondern auch von
ihrem Recht, als elitäre Ritter dieser Rasse die Geschicke der Menschheit zu kontrollieren.
Quellen : Tarpley/Chaitkin: 21-44,74-100, Ploppa, Schröder/Schroeder, Karel (2003, 2004).
1942 Kooperation von Mafia und Militär top
Seit dem Kriegseintritt am 1 1 .12.41 haben die USA vor ihrer Ostküste 272 Handelsschiffe durch
deutsche U-Boote verloren, ohne dass ein einziger Gegenangriff erfolgreich gewesen wäre.
Kollaboration, Sabotageakte und Spionage im New Yorker Hafen machen die Marine machtlos.
Sowohl die Navy wie auch die Polizei sind sich bewusst, wer die Häfen kontrolliert und vermuten,
dass die Mobster auch hinter den Sabotageanschlägen stecken. Agenten der Naval Intelligence
durchsuchen deshalb die Häfen nach Deutschen und Italienern, die für die Deutschen arbeiten. Die
Ermittlungsabteilung des amerikanischen Marinenachrichtendienstes B-3 unter Charles Redcliffe
Haffenden stösst bei ihren Nachforschungen auf unerwarteten Widerstand der Docker und Fischer
und sucht deshalb Hilfe von Insidern.
Über Murray I. Gurfein wird Kontakt zu Joseph Lanza, dem Chef der Ortsgruppe der United
Seafood Workers, hergestellt. Da gegen "Socks" Lanza solides Beweismaterial vorhanden ist, um
sieben Anklagen wegen Erpressung und Konspiration durchziehen zu können, zeigt sich Lanza
kooperativ und schlägt vor, den inhaftierten Luciano einzuschalten. Die Anastasia-Brüder
beschliessen, die Freilassung von Lucky Luciano zu erpressen und versenken am 9.2.42 die
Normandie, ein französischer Luxusdampfer, der zu einem Truppentransporter umfunktioniert
worden war, im New Yorker Hafen. Über Lucianos Anwalt Moses Polakoff und Meyer Lansky
laufen Haffendens Kontakte mit Luciano, der am 12.5.42 nach Comstock ins Great Meadow
Gefängnis verlegt wird. Polakoff machte eine verblüffende Karriere als Richter, Staatsanwalt, Chef
der Kriminalabteilung und Mitglied der Oberstaatsanwaltschaft in New York und arbeitet seit 1935
für Luciano. Der unbestrittene Boss bekommt als Gegenleistung für seine Garantie, dass keine
Sabotageakte mehr vorkommen, das Recht auf freien Besuchskontakt mit der Aussenwelt, was
ihm die Leitung seines Imperiums ermöglicht.
Auch Meyer Lansky, der schon vor dem Krieg nationalsozialistische Demonstranten verprügeln
Hess, setzt sich für das B-3 ein, indem er unter anderen Vincent Alo als Informant über die
Hafensicherheit und Johnny "Cockeye" Dünn als Beschaffer von Gewerkschaftsausweisen für das
B-3 heranzieht. Lansky trifft sich zweimal mit Anwalt Murray Gurfein, der Assistent von OSS-Chef
Donovan wird. Am 27.7.42 können acht deutsche Geheimagenten mit Sprengstoff für geplante
Sabatogeakte verhaftet werden. Die Erfolge der deutschen U-Boote können erheblich
eingeschränkt werden, was aber auch auf neue Konvoi-Massnahmen zurückzuführen ist. Anfang
1943 ist der New Yorker Hafen die grösste Nachschubbasis für den Krieg in Europa.
Winston Churchill setzt sich mit dem Plan bei den Allierten durch, zunächst in Italien zu landen,
worauf das OSS seine Aktivitäten dort forciert. Earl Brennan vom Secret Intelligence verfügt über
gute Beziehungen zum Vatikan und hat Kontakte zu Mussolinis Geheimpolizei und zu Mafiabossen
im Exil. Das päpstliche Aussenministerium unter Giovanni Battista Montini, dem späteren Papst
Paul VI, offeriert dem amerikanischen Geheimdienst eine Karte mit den wichtigsten italienischen
Kriegsbetrieben. Brennan besetzt seine Abteilung fast ausschliesslich mit Sizilianern und stützt
sich auf vier in den USA bestehende Italienerorganisationen: 1 . Die 1904 gegründete
ultrakonservative Emigrantenvereinigung "Sons of Italy" mit 500'000 Mitgliedern, mit deren Hilfe
das "Amerikanische Komitee für die Demokratie in Italien" gegründet wird und das den
Machtwechsel in Italien ideologisch vorbereiten soll. 2. Die "Mazzini-Gesellschaft", in der fast alle
italienischen Antifaschisten organisiert sind. Zu ihrer Spitze gehören Max Ascoli, der erste
Aussenminister nach dem Faschismus, Carlo Sforza, der Gründer der Christdemokratischen
Partei, Don Luigi Sturzo, der erste Botschafter in Washington nach dem Krieg, Alberto Tarchiani,
erster Präsident der Republikanischen Partei Italiens, oder die OSS-Agenten Randolfo Pancciardi
und Serafino Romualdi, die graue Eminenz der Gesellschaft. 3. Die italo-amerikanische
Gewerkschaft, das Arbeitsfeld Romualdis. Nach seiner Rückkehr nach Italien 1945 beteiligt er sich
massgeblich an der Spaltung der italienischen Gewerkschaftsbewegung. 4. Die Mafia, die die
Eroberung Italiens tatkräftig unterstützt. Im B-3 von Haffenden wird ein Kartenzimmer eingerichtet,
und Italiener und Sizilianer helfen, detaillierte Karten zu erstellen.
Coca-Cola-Boss Robert Woodruff schickt mit der Armee 248 Firmenvertreter auf die
Schlachtfelder, die dafür sorgen, dass die Soldaten jederzeit mit der schwarzen Brause versorgt
werden. Die US-Armee verleiht den Repräsentanten den pseudomilitärischen Rang als
uniformierte technische Beobachter und stellt Flugzeuge und Schiffe für den Transport des
Getränks zur Verfügung. Auf allen Kontinenten werden Abfüllanlagen eingerichtet, häufig auf
Regierungskosten. Bis Kriegsende konsumieren 11 Mio. Soldaten 10 Mia. Flaschen Coke und
verbreiten das Getränk, das seit 1929 kein Coca-Extrakt mehr enthält, in den eroberten Ländern.
Das Coca-Cola-Emblem ersetzt das Hakenkreuz und wird mit Freiheit assoziiert. Deshalb kann
The Economist den Coca-Cola-Index erfinden: Je mehr Coke in einem Land getrunken wird, desto
freier, gesünder, wohllhabender und gebildeter seien die Bürger. Es ist nicht bekannt, wieviel Geld
die englische Zeitschrift dafür von der Softdrinkfirma aus Atlanta erhielt.
Quellen : Davis (1994): 59-61, Behr: 171, Bradley, Chotjewitz: 1 5-20:1 5ff, Potter: 3, Drugwar (1): 1,
Best: 6, Ansom: 291 f, Callahan:129, Konkret Nr.7/1973: 49f, Bröckers, Pendergrast.
1942 USA und Frankreich top
Washington plant, nicht nur Deutschland, Italien und Japan, sondern auch Frankreich unter die
Protektoratsverwaltung der American Military Government of Occupied Territories (AMGOT) zu
stellen, um zu verhindern, dass Frankreich wieder als Störenfried auftreten könnte wie 1918/19, als
es sich gegen die amerikanische Deutschlandpolitik wehrte. Zudem würde Frankreich sein an
Rohstoffen und strategischen Stützpunkten reiches Empire nicht freiwillig öffnen, was die USA für
ihre Waren und ihr Kapital seit 1899 fordern. Deshalb bekämpft Washington Charles de Gaulle, vor
allem seit sich die Resistance unter seinem Namen vereinigte, und toleriert das Vichy-Regime, das
es für fügsamer hält als eine von der breiten Bevölkerung getragene Regierung.
Seit Dezember 1 940, ein Jahr vor dem Kriegseintritt, bereitet der Sonderbeauftragte Robert
Murphy die Eroberung Nordafrikas vor. Murphy gewinnt Admiral Frangois Darlan, der von Februar
1941 bis April 1942 an der Spitze des Vichy-Regimes stand, als Verbündeten. Drei Tage nach der
Landung der Amerikaner in Nordafrika lässt Petains Stellvertreter Darlan am 10.1 1 . alle
Kampfhandlungen auf Seiten Nazi-Deutschlands einstellen, worauf die Deutschen am nächsten
Tag Südfrankreich besetzen. Am 22.1 1 . lässt General Mark W. Clark den gewendeten Admiral ein
geheimes Abkommen unterschreiben, das Frankreich zu einem Vassallenstaat mit
Kapitulationsauflagen erklärt und den Allierten die Kontrolle der Häfen, Befestigungsanlagen,
Waffenlager und Kommunikations-einrichtungen und das Recht auf Beschlagnahmungen gestattet.
Andere Bereiche wie Verwaltung, öffentliche Ordnung, Wirtschaft und Zensur sollten "gemischten
Ausschüssen" übertragen werden. Am 27.1 1 . versenkte sich die französische Flotte vor Toulon
selbst.
Die Gaullisten sind an der Ermordung von Darlan am 24.12.42 beteiligt. Danach wendet sich
Washington an General Henri Giraud, der einflussreiche Figuren aus Wirtschaft und Politik hinter
sich hatte. Da er aber mit de Gaulle auf guten Fuss steht, präferieren die Amerikaner Pierre
Pucheu, die Symbolfigur des Vichy-Regimes: Industrie- und Innenminister unter Darlan, Vertreter
der Banken und der Schwerindustrie, Sponsor und Politiker der rechtsextremen Parti Populaire
Frangais, Befürworter der Kollaboration mit den Nazis und treibende Kraft der antikommunistischen
Repression. Giraud und de Gaulle schalten Pucheu aus: er wird zum Tod verurteilt und im März
1944 in Algier hingerichtet.
Das am 3.6.43 von de Gaulle gegründete Comite Frangais de Liberation Nationale kann dank
einem Freundschaftsvertrag mit Moskau verhindern, dass der Dollar in den befreiten Gebieten
eingeführt und die provisorische Regierung der französischen Republik von der Amerikanern und
Briten am 23.10.44 anerkannt werden muss. Obwohl Frankreich in Jalta nichts zu sagen hat, sorgt
Stalin dafür, dass es nicht zum Protektorat degradiert wird.
Quellen: Lacroix-Riz .
1943 Mafia, Roosevelt und Hollywood top
Die Polizei stellt Paul Ricca, Frank Nitti, Phil d'Andrea, Louis Campagna, Frank Maritote, Johnny
Roselli und Charlie Gioe im März 1943 unter Anklage. Drei Jahre zuvor untersuchte die Polizei die
Gewerkschaft von Willie Bioff und entlarvte die Korruption in Hollywood. Bioff und George Browne
wurden wegen Erpressung verurteilt, wonach Sydney Korshak zur Verbindung zwischen
Kinoindustrie und der Mafia von Chicago wird.
Auch ihr Komplize Joe Schenck, Produzent bei der Twentieth Century Fox, wurde verurteilt, weil er
die jährlichen $400'000 Kommission, die Chicago ihm bezahlte, nicht versteuerte. Schenck
steuerte über den Postminister Farley $500'000 an die Wahlkampagne Roosevelts bei, wofür
dieser den Boss der Bekleidungsgewerkschaft, Sydney Hillman, zu seinem Berater für
Arbeitsprobleme ernannte.
Zudem ernennt Roosevelt 1944 Harry Truman, den Giancana als "unseren Mann" bezeichnet, zum
US-Vizepräsidenten und zum Präsidenten des Democratic National Committee. Truman erfüllt im
wesentlichen Rpräsentationspflichten und stellt Roosevelts Machtanspruch nicht in Frage.
Hollywood bringt viel zu viel Geld ein, als dass Chicago sich zurückziehen würde. Johnny Roselli,
der Konzernchefs wie Harry Cohn von Columbia, Harry Warner von Warner Bros, oder Louis B.
Mayer von MGM in der Tasche hat, führte die Geschäfte in Hollywood weiter.
Obwohl anfangs die Verbindung zu Chicago nicht nachgewiesen werden konnte, erfolgt im März
1943 die Anklage wegen Erpressung von über $ 1 Mio. von verschiedenen Studios. Der Mafiaboss
Cjhicagos Paul Ricca verlangt von Frank Nitti, der in der Öffentlichkeit als Padrone gilt, die
Verantwortung für alle zu übernehmen. Aber Nitti bringt sich um, und Paul Ricca und Johnny
Roselli werden zu mehreren Jahren Gefängnis verurteilt.
Ricca ernennt Tony Accardo zum Stellvertreter, Murrey Humphreys und Jake Guzik zu dessen
Berater. Im April entführt Accardos Chauffeur Sam Giancana seinen Mentor und Freund Jake
Guzik, der Financier der Chicagoer Mafia, und stellt ihn vor die Alternative: $200'000 oder eine
Kugel. Guzik fügt sich, ebenso wie die anderen der Organisation, die vom Bioff-Browne-Prozess
absorbiert sind. Um seine Stellung zu sichern, integriert Accardo neue Köpfe in die Organisation:
Gussie Alex, Eddie Vogel und Ross Prio, und arrangiert sich mit den ehemaligen Capone-Beratem
Abe Pritzker, Art Greene und Jake Arvey. "Big Tuna" Accardo, der fähigste Mobster von Chicago,
dehnt die Einflusssphäre in den Mittleren Westen aus: Des Moines, St.Louis und Dallas.
Quellen : Giancana: 187ff, Jacobovici, Best: 10, Olgiatti, Karel (1), Moldea: 4f.
1943 Italien-Invasion top.
Über Joseph Colucci unterstützt der sizilianische Pate Calogero Vizzini die Sizilien-Invasion der US-
Armee. Der Capo di tutti capi schaltet die Nummer Zwei der Insel, Genco Russo, ein, der Pächter
des grossen Gutes ist, auf dem die deutsche Herman Göring-Division ihr Hauptquartier
aufgeschlagen hat. Russos Männer treiben alle Küstenverteidigungspläne der italienischen Armee
auf und erreichen, dass zwei Drittel der dort stationierten Soldaten während der Invasion
desertieren.
Am 10.7.43 beginnt die amerikanische Invasion Westsiziliens unter General George Smith Patton.
Im Gegensatz zur britischen Invasion unter General Montgomery im Ostteil der Insel verläuft die
amerikanische unproblematisch. Sizilien wird innerhalb von 35 Tagen befreit, und die "politischen"
Gefangenen werden freigelassen.
Charles Poletti, einflussreiches Mitglied der Mazzini-Gesellschaft, wird amerikanischer
Militärgouverneur des Allied Military Government in Palermo. Luciano bezeichnet den ehemaligen
Gouverneur von New York als guten Freund. Am 24.7.43 wird Don Calo Vizzini zum Bürgermeister
von Villalba ernannt, und 95% der eingesetzten Bürgermeister sind Mafiosi oder Vertrauensleute
der Mafia. Bereits nach zwei Monaten hat sich die Macht der Mafia etabliert. 1944 schliessen sich
unter der Führung von Enrico Cuccia die bisherigen Herzstücke der italienischen Finanzwelt (die
Banca Commerciale Italiana, der Credito Italiano und die vatikannahe Banco di Roma) zur
Mediobanca zusammen, die zusammen mit dem Fiat-Konzern von Gianni Agnelli und dem Pirelli-
Konzern von Carlo De Benedetti die italienische Industrie bis zum Ende des Jahrhunderts
beherrschen wird. Im Gegensatz zum industrialisierten Norden bleibt das Mezzogiorno von
Grossgrundbesitz, Mafia und Armut beherrscht. Der im Zuge der Weltwirtschaftkrise 1929
entstandene .Staatskapitalismus' Mussolinis setzt sich fort, indem neben dem 1933 gegründeten
IRI, das den Bankensektor und 40% der Aktiengesellschaften kontrolliert, nach dem 2. Weltkrieg
die Enel und die ENI gegründet werden, womit der Staat 50% des Industriekapitals kontrolliert.
Nach dem Zusammenbruch des Faschismus entsteht auf der Insel eine starke kommunistische
Bewegung, hauptsächlich unter den Bauern. Die USA beschliessen, die Kommunisten mithilfe der
Mafia zu bekämpfen, unterstützt von der Kirche und den Grossgrundbesitzern. Der Geheimdienst
OSS steht über den Rechtsanwalt Vito Guarazi in Kontakt zur Mafia, die die wichtigste
Informationsquelle für den US-Geheimdienst ist. Im September 1944 kommt es zu einer ersten
Mordwelle, und am 1 .5.47 erreicht der Terror seinen Höhepunkt, als ein eigentliches Massaker bei
einer Feier in Portella stattfindet. Von 1944 bis 1949 werden über 500 sozialistische oder
kommunistische Aktivisten umgebracht, womit diese Gefahr radikal gebannt ist.
Vito Genovese wechselt die Front und stellt sich US-Armee, die soeben Neapel erobert hat, zur
Verfügung. Wegen einer Mordanklage aus den USA geflüchtet und seit 1939 in Neapel, knüpfte er
Kontakte zu hohen Faschisten wie Galeazzo Ciano, Hermann Göring oder Benito Mussolini und
unterstützte sie, indem er beispielsweise $250'000 für den Bau des Generalquartiers der
Faschistischen Partei beisteuerte. 1942 noch hatte er dem Duce zuliebe den Herausgeber einer
anitfaschistischen Italienerzeitung in New York ermorden lassen, um seine Allianz mit den
Faschisten zu stärken. Carmine Galante der Bonanno-Familie steuerte den Wagen beim Boccia-
Attentat, konnte allerdings, obwohl unter Bewachung stehend, nicht verfolgt werden, da die
Polizeidetektive während dem Krieg keine Autos zur Verfügung haben.
Charles Poletti setzt Genovese als Berater und Übersetzer des Allied Military Government ein,
wobei er vor allem für Rekrutierung von antikommunistischen Politikern zuständig ist. Genovese
organisiert den Schwarzmarkt mithilfe amerikanischer Lastwagen, die liefern und gleichzeitig
Verkaufsraum bilden, und er ist der Verbindungsmann zwischen US-Hauptquartier der Armee und
der Zivilverwaltung. Genovese ist auch im Hafen tätig, und man munkelt sogar von einem
verkauften US-Zerstörer. Wegen den Aktivitäten auf dem Schwarzmarkt wird er von der Criminal
Investigation Division der Armee festgenommen und wegen der hängigen Mordanklage, trotz des
Widerstands der amerikanischen Autoritäten, die ebenfalls in Schwarzmarktaffären verwickelt sind,
in die USA zurückgebracht und vor Gericht gestellt. Da der Hauptzeuge des Boccia-Mordes, Pete
Latempa, im Januar 1945 im Gefängnis vergiftet wird, und die Aussage des zweiten Zeugen,
Ernest "the Hawk" Rupolo, für eine Verurteilung nicht genügt, kommt Genovese 1946 frei. Rupolo
wird im August 1964 mit einbetonierten Füssen in der Jamaica Bay versenkt.
Frank Costello hatte in New York genügend Tammany-Leute in der Tasche, um den politischen
Apparat der Stadt zu kontrollieren. Costello hat als Stellvertreter Genoveses seine Macht
konsolidiert und wurde der politische Repräsentant der Mafia in der Oberwelt. Als "Premierminister
der Unterwelt" sieht man ihn in Begleitung von Spitzenpolitikern, führenden Bankern, höheren
Polizeibeamten und Richtern. Zudem hat er sich mit Anastasia verbündet, der mit seinem Boss
Vincent Mangano je länger je mehr Schwierigkeiten hat. Als Genovese seine Familie in New York
wieder übernimmt, behält Costello eine einträgliche Lotteriebank Genoveses für sich, worauf es zu
Feindseligkeiten kommt.
Priorität der USA hat nach der Eroberung die Entmachtung der Kommunisten, die bei Kriegsende
zwischen 100'000 und 200'000 Partisanen unter Waffen haben. Dazu arbeitet Serafino Romunaldi
an der Spaltung der PSIUP, der sozialistischen Partei unter Pietro Nenni, was mithilfe des Führers
der sozialdemokratischen Fraktion, Giuseppe Saragat, und zwei Sozialisten im Exil, Modigliano
und Silone, gelingt. Die USA erreichen mit Unterstützung der Sozialdemokraten drei Zielsetzungen:
1 . Die Ausschaltung der früher im Mittelmeerraum starken Briten in militärischer und
wirtschaftlicher Hinsicht.
2. Die Einigung der politischen Mitte.
3. Die Spaltung und Schwächung der Gewerkschaften und der Kommunisten.
Als politische Kraft bieten sich zunehmend die Christdemokraten an, die vom Vatikan und der
Mafia stark favorisiert werden. Damit beginnt eine Allianz der Geheimdienste, der Mafia und des
Vatikan mit den Christdemokraten und dem sozialdemokratischen Flügel der Sozialisten, die fast
50 Jahre lang funktioniert. Die USA verhindern konsequent die Säuberung des italienischen
Staatsapparates von den Faschisten und sabotieren die Strafverfolgung von Unternehmern, die
vom Faschismus profitierten und ihn unterstützten. Obwohl mit etwa 2000 Prozessen wegen der
Ermordung von 15'000 italienischen Zivilisten und Partisanen gerechnet wurde, finden bis 1965 nur
13 Verfahren mit 25 Angeklagten statt. Alle anderen hängigen Fälle werden am 14.1 .60 archiviert.
Kein einziger italienischer Kriegsverbrecher wird verurteilt, andere wie der SS-Scherge Eugen
Dollmann arbeitete nach dem Krieg nicht nur für die CIA, sondern auch für den italienischen
Geheimdienst. 1946 reorganisieren sich die Faschisten in der Movimento Sociale Italiano, die 1995
in die Alleanza Nazionale umbenannt und 2001 zusammen mit Berlusconi wieder an die Regierung
gelangt.
Quellen : Raith: 20, Chotjewitz: 15-20, Bradley, Delorme: 87-99,105-109, Drugwar (1): 1f, Meurice,
Konkret Nr.7/1973: 50, Musso. Davis (1994): 62f, Delorme: Potter: 3, Best: 7f, Ansom: 292f,
Bradley, Horowitz: 52ff, Simpson, Giancana:253f, Schulz: 55,70, Pilger: 46ff, Schweitzer: 6f,
Ascherson 1 , Karel.
1943 Hoover und Kennedy top.
Mit der Hilfe von Hugh Clegg des House Appropriations Committee startet Hoover 1943 ein
wirksames Kongress-Lobbying-Programm, mit dem er die Operationen anderer Agenturen
überwachen und sein eigenes Budget beeinflussen kann. Hoover ordnet drei FBI-Beamte als
permanente Assistenten für Clegg ab, und von 1943 bis 1970 dienen 28 FBI-Agenten dem
Vorsitzenden des Budget-Komitees, John Rooney. Rooney wird von Hoover geschützt, da er von
der Mafia geschmiert wird. Laut einem FBI-Report erhält er allein 1 967 $1 OO'OOO.
Hoover legt "Zusammenfassungen" über Abgeordnete an und behauptet deshalb, er führe keine
"Akten" über Politiker. Hoover begann damit schon in den 20er Jahren und verfeinerte seine
Technik im Laufe der Zeit. Im "Official and Confidential"-Archiv werden 1973 833 Dossiers von
Senatoren und 722 von Repräsentanten entdeckt. Ein Teil der Fichen ist dann aber schon
vernichtet oder versteckt worden. Seit 1945 wird über jeden Oberrichter, deren Wahl Hoover oft
entscheidend beeinflusst, eine Fiche geführt. Die Transkripts der Telephonüberwachungen dieser
Richter umfassen allein 20'000 Seiten. Dank diesen Unterlagen kann Hoover beispielsweise ein
Hearing vor dem "Subcommittee on Invasion on Privacy" unter Vorsitz von Senator Edward
Vaughan Long mit Erpressung verhindern. Obwohl Long die Untersuchung über die Missachtung
der Freiheitsrechte durch das FBI einstellt, zerstört eine Kampagne im Life Magazine, die
behauptet, er habe von Morris Shenker von der Teamsters Union Schmiergelder angenommen, ein
Jahr darauf seine politische Karriere. Auch über Cornelius E. Gallagher, der sich Hoovers
Forderung, Robert Kennedy vor dieses Subcommittee zu bringen, widersetzt, wird von Sandy
Smith im Life Magazine behauptet, er habe Beziehungen zur Mafia. Die erfundenen Beweise
bekam Smith von Cartha DeLoach. Das FBI bricht bei Gallagher ein und hört sein Telephon ab.
Joe Kennedy, der Hoover seit den 20er Jahren kennt, arbeitet hart daran, ihm den Honig um den
Mund zu schmieren. So spendet er grosse Summen an die J. Edgar Hoover Foundation und
meldet sich im September 1943 als Special Service Contact für das FBI. Obwohl dieses Programm
nach dem Krieg ausläuft, setzt Hoover ihn 1950 wieder ein, und ab 1951 ordnet er sogar 4 Agenten
als persönliche Hilfe Kennedys ab. Das FBI wird insgesamt 343 Akten über Kennedy-Fälle anlegen.
John F. Kennedy, dem sein Vater wegen seiner Rückenprobleme einen Büroplatz beim ONI in
Washington organisierte, hat seit 1941 eine Affäre mit der Journalistin und ehemaligen Miss
Dänemark Inga Arvad. Hoover lässt seit 1939 Material über JFK sammeln, interessiert sich laut
DeLoach für die Fiche aber erst, als Kennedy Präsidentschaftskandidat wird. Die schöne "Inga-
Binga" steht unter Spionageverdacht, weil sie mit Rudolf Hess befreundet ist, Himmler und
Goebbels kennt, an Görings Hochzeit teilnahm und nach der Trauung den Führer interviewte, als
sie während der Olympiade 1936 in Deutschland war. Hoover gab Informationen über das
Verhältnis an Walter Winchell weiter, was dieser in seiner Kolumne publizierte. Um die Karriere
seines Sohnes zu retten, organisierte Joe Kennedy dessen Versetzung nach Charleston in South
Carolina. JFK traf sich jedoch weiter mit seiner Geliebten, beobachtet vom FBI, worauf Hoover den
Vater telefonisch warnte. Inga Arvad erwartete ein Kind von JFK, aber sie heiratete 1942 sechs
Monate vor der Geburt den Schauspieler Tim McCoy.
JFK wurde 1942 in den Krieg in den Südpazifik geschickt. In der Blackett-Meerenge wird das von
JFK kommandierte Torpedoboot PT-109 durch Nachlässigkeit in eine Flottenaktion verwickelt,
wobei ein japanischer Zerstörer das Boot entzweischneidet, der einzige Unfall dieser Art während
des 2. Weltkrieges. JFK kann sich und seinen verwundeten ersten Maschinisten Patrick McMahon
retten, indem er vier Stunden lang mit dem Verletzten auf dem Rücken zur nächsten Insel
schwimmt. Bei der Rettungsaktion der übriggebliebenen Besatzung sind Leit Erickson von der
Associated Press und Fran Hewlitt von der Universal Press dabei. Die Story erscheint am 20.8.43
auf der Titelseite der New York Times, und ein Artikel von John Hersey wird im New Yorker
publiziert, womit JFK zum offiziellen Kriegshelden erkoren wird. Sein Vater überredet den
Chefredaktor des Reader's Digest, Paul Palmer, die Story in gereinigter Fassung, ohne Erwähnung
der Nachlässigkeit zu veröffentlichen. Diese Kriegsheldengeschichte wird später im
Zusammenhang mit den Wahlkampagnen immer wieder nachgedruckt. Die Rettungsaktion
schwächt JFK so stark, dass er mehrere Monate braucht, um sich zu erholen. JFK durchlebte alle
möglichen Kinderkrankheiten und hatte keine Chance, neben seinem älteren Bruder zu bestehen,
weshalb er sich darauf verlegte, den Clown zu spielen.
Joe Kennedy jr. ist sportlich und fleissig, überall beliebt, bewundert und das Lieblingskind der
Eltern. Der Konkurrenzkampf der beiden ältesten Brüder bezieht sich meist auf sexuelle
Eroberungen. Aber ein Jahr nach Johns Unfall kommt Joe jr, der als Ältester für die politische
Karriere vorgesehen war, beim Versuch, seinen Bruder als Kriegsheld noch zu übertreffen, ums
Leben. Er hat sich für eine gefährliche Mission als Pilot von fliegenden Bomben gemeldet und
Störungen des Zündsystems nicht ernst genommen. Da sein Bomber mit 1 1 Tonnen TNT
vollgestopft war, um die deutsche Flugabwehr ferngesteuert auszuschalten, setzt er sein Leben
und das seines Kopiloten Wilford Willy leichtsinnig aufs Spiel. Auch die Schwester Kathleen kommt
am 13.5.48 bei einem Flugzeugunfall ums Leben.
Quellen : Summers (1993): 195ff, Theoharis/Cox: 269-273, Posener: 54ff, Davis (1984), Wolfe:
153ff, Gregory/Speriglio: 240, Best: 18f, Collier/Horowitz: 140-164, Hersh:82-86
1944 Bretton Woods top.
Auf Einladung Roosevelts treffen sich in Bretton Woods 44 allierte Staaten, um über ein
internationales Währungssystem zu beraten. Das abgewirtschaftete Grossbritannien wehrt sich
vergeblich gegen die Herrschaftsansprüche der USA. Mit dem Internationalen Währungsfonds und
der Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (Weltbank) werden zwei Institutionen geschaffen, über
die die USA ihre finanzpolitischen Interessen global durchsetzen können. Aufgrund des
Quotenprinzips und einem festgelegten Mehrheitsprinzip von 85% kann kein Entscheid des IWF
gegen die USA gefällt werden. Die Stimmrechte betragen 1981 20% für die USA, 25% für die neun
Staaten der damaligen EG, 36% für die 121 Entwicklungsländer und 4% für Japan.
Die Erhaltung der Währungskonvertibilität über Kredite und Stützungsaktionen ist die zentrale und
illusionäre Aufgabe der IWF, wofür ein System der festen Wechselkurse definiert wird. Der
ursprüngliche Zweck, nicht nur einen freien, sondern dank dem Abbau der Zollschranken, der
Stabiliserung der Rohstoffpreise und dem Transfer von Wissen und Technologie in die Dritte Welt
auch einen fairen Handel zu ermöglichen, wird bald verdrängt.
Mit seinen harten Kreditbedingungen (Abbau der Sozialleistungen, Steuererhöhungen, Einführung
von Verbrauchssteuern, Reallohnsenkungen durch Lohnfixierung, Kürzungen oder Streichungen
der Subventionen, die zur Verschärfung der sozialen Differenzen führen) werden die
Entwicklungsländer ausgebeutet und in Abhängigkeit gehalten. Da sich die Privatbanken bei ihrer
Kreditvergabe von den Entscheidungen des IWF lenken lassen, haben die Entwicklungsländer
keine anderen Finanzquellen.
Die USA nutzen diese Möglichkeit, um ihre politischen Interessen durchzusetzen. Mit der
endgültigen Verdrängung des Pfund Sterlings durch den Dollar als internationales Zahlungsmittel
und Reservewährung, wozu die USA seit 1934 einen Goldstandard von $35 pro Unze Feingold
garantieren, setzen sich die USA an den Geldhahn. Die USA kaufen von 1934 bis 1945 im Wert
von $16 Mia. systematisch Gold auf, davon für $753 Mio. aus Deutschland, Italien und Japan.
Nach der Besetzung von Frankreich, Belgien und Holland versuchten die Briten vergeblich, die
Amerikaner von Goldkauf aus Deutschland abzuhalten. Auch nach dem Einmarsch bemächtigen
sich die USA des Raubgoldes, beispielsweise das Gold in der Merkers-Salzmine im Wert von RM
400 Mio. In Deutschland ziehen die USA $343 Mia. an Geld, Gold und Wertpapieren ein.
Die USA können damit als einziges Land der kapitalistischen Welt ihre internationalen
Zahlungsverpflichtungen selbst produzieren. Bedingt durch das Fehlen internationaler
Kontrollinstanzen können die USA so viele Dollars drucken, wie sie brauchen. Die skrupellose
Ausnützung dieses Privilegs, vor allem zur Finanzierung des Vietnamkriegs, führt dazu, dass das
Vertrauen in den Dollar nach zwei Jahrzehnten abnimmt und die Goldreserven der USA von $24,4
Mia. auf $11,1 Mia. 1 970 schrumpfen.
Quellen : Kolloch: 32-60,111-124,146-149, Schweitzer: 6f.
1945 Saudisches Öl, UNO und Truman top
Franklin D. Roosevelt trifft sich zwei Monate vor seinem Tod mit dem arabischen König Abdel-Aziz
Ibn Saud an Bord der USS Murphy und sichert mittels Darlehen die amerikanische Vorherrschaft
über das arabische Öl. Der Krieg zehrte in bedrohlichem Ausmass an den amerikanischen
Ölvorräten, weshalb Washington 1943 Geologen auf die arabische Halbinsel entsandte, um nach
Öl zu suchen. Was sie entdeckten, stellte alles in den Schatten, was man bisher kannte. Die
grossen Ölfelder im Irak und Iran hatten sich Grossbritannien und Frankreich bereits im Abkommen
von San Remo 1920 unter den Nagel gerissen. 1928 mussten die Briten und Franzosen bereits US-
Firmen in die Iraq Petroleum aufnehmen, ohne die Kontrolle zu verlieren, aber 1948 können sich
die Amerikaner durchsetzen und mit König Saud und dem Schah von Persien exklusive
Schürfrechte vereinbaren.
Die arabischen Reserven werden 1945 auf 100 Mia. Barrel geschätzt (heute auf 262 Mia., was
einem Viertel aller Vorkommen entspricht). Seit diesem Fund ist die Sicherung der Ölressourcen
eines der wichtigsten Ziele der US-Aussenpolitik, das mit geheimen Umsturzkomplotten,
wirtschaftlichem, diplomatischem und finanziellem Druck und blutigen Kriegen durchgesetzt wird.
In der Oper von San Francisco beschliessen Vertreter von 51 Länder im April 1945 die Gründung
der UNO nach den Prinzipien der Gleichheit der Nationen, damit diese in Frieden und guter
Nachbarschaftlichkeit zusammenleben. Roosevelt hatte darauf insistiert, dass die Konferenz in den
USA stattfindet, um die Delegierten besser ausspionieren zu können. Sämtliche Telegramme zu
den jeweiligen Regierungen werden abgefangen und dekodiert. Die Überwachung erlaubt den USA
beispielsweise, die Teilung Palästinas 1948 durchzusetzen, indem Liberia, Haiti und die
Philippinen am Vorabend des Entscheids gezwungen werden, die Position zu wechseln. 800'000
Palästinenser werden vertrieben.
Die US-Armee führt die antisemitische Politik in den Konzentrationslagern weiter und misshandelt
die jüdischen Überlebenden: "Es sieht so aus, als ob wir die Juden so behandeln wie die Nazis, nur
dass wir sie nicht umbringen", stellt Kommissär Earl Harrison in seinem Bericht fest. Die USA
beschlagnahmen nicht nur Gelder aus Konten der jüdischen Opfer, sondern auch Grundstücke in
den USA, Patente, Copyrights und Kunstwerke im Wert von $5 Mia, die die SS den Holocaust-
Opfern gestohlen hatte.
Harry S. Truman wird am 14.4.45 Nachfolger Roosevelts. Der Protege von Tom Pendergast, der
ihn 1934 in den Senat schickte, wird von der Mafia finanziert. Pendergast hatte seine Herrschaft in
Kansas City mit der Kooperation mit der lokalen Mafia zementiert, und Roosevelt und Truman
wurden auch von der Mafia Chicagos unterstützt. Auch Howard Hughes begab sich 1944
persönlich ins Biltmore Hotel in Los Angeles, um Truman einen Umschlag mit Geld zu überreichen.
Roosevelt bezog seinen Vizepräsidenten in keiner Weise in die Politik mit ein, nicht einmal nach
Jalta suchte er das Gespräch. Mit Truman und seinem neuen Aussenminister James F. Byrnes
beginnt der Kalte Krieg.
Die Amerikaner brauchen die Russen nach dem Zusammenbruch des Krieges in Europa nicht
mehr als Verbündete gegen Deutschland. Truman erklärte im Juli 1941 :"Wenn wir sehen, dass
Deutschland den Krieg gewinnt, sollten wir Russland helfen, und wenn Russland gewinnt, sollten
wir Deutschland helfen und die Deutschen auf diese Weise so viele wie möglich umbringen
lassen..."
Quellen : Horowitz: 52ff, Giancana: 253f, Summers (2000): 151, Schulz: 55, 70, Best: 26, Pilger:
46ff, Schweitzer: 6f, Bradley, Ascherson 1, Chotjewitz:1 5-20:1 9, Karel (1), von Dohnanyi (2001 d),
Pons (2001), Hager, Johnson, Portenier/McNaught, Gehrig, Brändle.
1945 Kapitulation Japan top
Um der Sowjetunion auf dem japanischen Kriegsschauplatz zuvorzukommen, setzen Truman und
Byrnes die Atombombe ein, die ihnen das strategische Monopol verschafft. Die Atombomben in
Hiroshima und Nagasaki sind mehr als nur "ein Experiment mit überragendem Erfolg", wie Truman
am 7.8.45 nach der ersten Bombe mit 80'000 Toten frohlockt. 1944 wiesen Spezialagenten mit der
Operation ALSOS zweifelsfrei nach, dass Deutschland keine Atomwaffen baute, obwohl Hahn
1938 die Spaltung von Uran gelang und Heisenberg an der Weiterentwicklung arbeitete. Im
Frühling 1945 transportierte die U-234 neben dem ersten, zerlegten Düsenjäger rund 65 Kg
Uranoxid nach Japan, ergab sich dann aber bei Kriegsende mit Deutschland den Amerikanern.
Das deutsche Uran wurde ironischerweise für die amerikanische Bombe verwendet und explodiert
in Japan. Japan hatte bereits mehrfach seine Kapitulation angeboten, als die Atombomben
engesetzt werden. Die Entwicklung der Atombombe kostete $2 Mia. und sichert den Vorsprung
über die durch den Krieg völlig zerstörte Sowjetunion. Zudem halten die USA nun mit Deutschland
die stärkste europäische Macht und mit Japan das stärkste Land in Asien besetzt.
Auch in Japan benutzen Armee und Geheimdienst das Organisierte Verbrechen, um die Linke zu
bekämpfen. Major-General Charles Willoughby engagiert die drogenhandelnden Yakuza-Gangs,
um Streiks zu brechen und Demonstrationen zu verhindern. Willoughby wurde als Adolph Charles
Weidenbach in Heidelberg geboren, diente als Militärattache in Ecuador, bekam von Mussolini den
Saints Maurizio und Lazzaro-Orden, unterstützte Generalissimo Franco, wurde Generalsekretär
der Falange und MacArthurs Geheimdienstchef im Pazifik.
Douglas MacArthur, der die protestierenden Veteranen des 1 . Weltkrieg vor dem Kapitol
erschiessen Hess, hatte sein Quartier vor dem Krieg auf den Philippinen, wo die Spanier noch
immer die Wirtschaft dominieren. Einer seiner Offiziere im Krieg war der Faschist Andres Soriano,
ein Fluglinien-, Minen- und Brauereibesitzer, der zu den Hauptsponsoren Francos zählte. 1952
lobbyiert Willoughby beim Kongress für eine Finanzhilfe über $100 Mio. für Francisco Franco. Der
spanische General gewann 1939 dank der militärischen Unterstützung Nazi-Deutschlands und des
faschistischen Italiens den dreijährigen .Bürgerkrieg' und Hess danach mindestens 150'000
Anarchisten, Kommunisten und Republikaner hinrichten.
Willoughby übt harte Zensur in Japan und diffamiert kritische Korrespondenten als Kommunisten,
eine Taktik, die McCarthy übernimmt. Er schützt japanische Kriegsverbrecher und gewährt den
Forschern, die bei Menschenversuchen mit biologischen Waffen 3000 Kriegsgefangene
umbrachten, Immunität gegen die Herausgabe der Materialien und Berichte. Zwischen 1936 und
1945 experimentierte die Einheit 731 der japanischen Armee unter General Shiro Ishii mit
bakeriologischen Kampfstoffen und Vivisektionen. Da Erreger wie Pest und Anthrax beispielsweise
über Flugzeuge freigesetzt werden, kommen um 250'000 Chinesen ums Leben. In der Region von
Nankin wurden zu Versuchszwecken mit Brunnenvergiftungen Epidemien ausgelöst. Nankin
erlebte bereits bei der Eroberung 1937 ein unglaubliches Massaker, bei dem zwischen 150'000
und 300'000 Zivilisten abgeschlachtet wurden und die Stadt abbrannte. Die Japaner schleppten
200'000 Frauen, vor allem aus Korea, in die Bordelle der japanischen Militärs.
Nachdem Truman im Juli 1945 noch erklärte, die USA verzichteten auf Gebietsannektierungen,
beugt er sich kurz darauf den Protesten der Heeres- und Marineführungen, die die eroberten
strategischen Stützpunkte als ihr ausschliessliches Eigentum betrachten. Bis 1949 erheben die
USA Anspruch auf über 400 Flotten- und Luftstützpunkte in der ganzen Welt, 91 davon in Japan.
John Foster Dulles gibt den Demokratisierungsplan auf und zwingt 1949 den Japanern den
Friedensvertrag auf, der die Zahlung von 9% des japanischen Budgets an die "Schutzmacht"
beinhaltet, was im Jahre 2000 einer Summe von $500 Mia. entspricht. Dafür erhält Japan
zusammen mit Südkorea einen erleichterten Zugang zur US-Wirtschaft, was eine beispielslose
Hochkonjunktur ermöglicht. Die Macht wird für über 60 Jahre in der Liberal Demokratischen Partei
konzentriert und von den USA geschützt.
Quellen : von Dohnanyi (2001 d), Pons (2001), Hager, Johnson, Portenier/McNaught, Gehrig,
Brändle, Horowitz: 52ff, Simpson, Pilger: 46ff, Schweitzer: 6f, Bradley, Ascherson 1, Chotjewitz:15-
20, Karel.
1946 John F. Kennedys Einstieg in die Politik top
Joe Kennedy hatte nach dem Tod seines ältesten Sohn lange Zeit sehr gelitten, und John F.
Kennedy fühlt sich verpflichtet, die Enttäuschung seines Vaters wettzumachen, obwohl er nicht
über die Disposition und Kompetenzen seines Bruders verfügt und er eigentlich lieber Schriftsteller
oder Journalist werden würde. Aber JFK wird genau die Anweisungen seines Vaters befolgen, und
auf ihm lasten die ganzen Hoffnungen und Ambitionen auf das Präsidentenamt, das sein Vater
nicht erreicht hatte. JFK lernt, ein Doppelleben zu führen: nach aussen der charmante und
sportliche Politiker versteckt er perfekt seine gesundheitlichen Probleme und seine in der
Öffentlichkeit nicht akzeptierten Neigungen.
Da Joe Kennedy befürchtet, der Schnapshandel könne dem Image und damit der Karriere seiner
Söhne schaden, verkauft er Somerset Importers an Longy Zwillman und Joe Reinfeld und die 17%-
Beteiligung des Hialeah-Tracks für $8 Mio. und zieht sich aus dem öffentlichen Leben zurück.
Trotzdem bleibt er Stammgast in Costellos Colonial Inn in Miami Beach. 1945 hat Kennedy das
höchste Gebäude der Welt, das Merchandise Mart in Chicago, gekauft, an dessen Speakeasies er
während der Prohibition beteiligt war. Zudem unternimmt er einen Versuch, das Suffolk Downs
Race Track zu einem Bruchteil seines Wertes zu übernehmen, was ihm trotz Drohungen,
Schmierzahlungen und Justizkorruption nicht gelingt. In New York ist Joe Kennedy ist zusammen
mit John J. Reynolds in den Immobilienhandel eingestiegen, sein vierter Sektor nach den
Spirituosen, Filmen und Wertpapieren. An den Liegenschaften verdient Kennedy zwischen 1942
und 1960 weit über $100 Mio, muss sich aber dafür vielen Klagen wegen Ausbeutung stellen.
Die Kennedys und die Fitzgeralds unterstützen die Wahl des ihnen verhassten James Michael
Curley zum Bürgermeister von Boston, weil damit dessen Sitz im Repräsentantenhaus für den 1 1 .
Bezirk frei wird. Curley gewinnt, und JFK kandidiert für den Platz. Um sich die Wahl zu sichern,
schmieren die Kennedys den schärfsten Gegner, Joseph Russo, damit sein Name zweimal auf der
Kandidatenliste erscheint und somit seine Wähler irritiert werden. Dank der Unterstützung seines
Verwandten Joseph L. Kane (der seit 40 Jahren in den Hinterzimmern von Boston operiert und
weiss, wem man wieviel zahlen muss), des alten Fitzgerald (der JFK den Senioren näherbringt)
und der Verteilung von 100'000 Kriegsheldenbroschüren wird JFK in den Kongress gewählt,
obwohl seine sehr vagen politischen Ansichten in der Presse scharf kritisiert werden. Erfolgreich
waren auch die persönlichen Einladungen von Wählerinnen zu einem Hotelempfang kurz vor der
Wahl. Gutes Aussehen, eine loyale, effiziente Organisation und harte Wahlkampagne und vor
allem das Geld des Vaters bringen JFK nach Washington.
Die Kongressarbeit überlässt JFK weitgehend seinem Assistenten Ted Reardon und profiliert sich,
wenn er nicht zu sehr an seinen Krankheiten leidet, als Playboy. JFK verheimlicht seine
Gesundheitsprobleme aus Scham, weil sie für ihn Zeichen einer Verweiblichung und
Verweichlichung darstellen, für die er sich ablehnt. Die Eroberung von Frauen erlaubt ihm, seine
körperliche Insuffizienz zu ertragen. Bereits als 17jähriger zog er sich einen chronischen
Dickdarmkatarrh zu, möglicherweise als Folge von Stress im Elternhaus. Die schmerzhaften
Behandlungen schlagen alle fehl. Aufgrund eines verkürzten Beins und verschiedener Sportunfälle
im College hat JFK immer wieder akute Rückenschmerzen, die durch seinen Militäreinsatz noch
verschärft wurden. Zwei Operationen 1944 und 1954 bleiben erfolglos. JFK leidet zudem an einer
schweren Form der Addison-Krankheit, die aber erst 1947 diagnostiziert wird. Nach der
Entdeckung des Cortisons 1937 verbesserte sich sein Zustand, aber da er, unfreiwillig als
Versuchskaninchen dienend, zuviel Cortison bekommt, schwächt dies sein Knochenbau. Viermal
war er dem Tode so nahe, dass ihm die letzte Ölung verabreicht wurde.
Die Erfahrung der Todesnähe lässt ihn hedonistisch werden: "Lebe jeden Tag so, als ob es dein
letzter Tag auf Erden wäre!" Das bedeutet, möglichst viel zu erleben, vor allem mit Frauen. Schon
sein Vater hatte das Ziel, "möglichst viele Frauen flachzulegen". Jacks promiskutives
Sexualverhalten basiert auch auf seiner Angst vor Homosexualität, die sich in der zwanghaften
Eroberung eines blossen Sexualobjekts negieren lässt. "Mit einer Frau bin ich erst dann fertig,
wenn ich sie auf drei Arten gehabt habe", meint er als Präsident. JFK leidet während über 20
Jahren, da er sich trotz starker Antibiotika immer wieder neu infisziert, an der erst Ende der 60er
Jahre formell diagnostizierten Geschlechtskrankheit Gonorrhoe. Die chronischen Harnweg- und
Prostata-Entzündungen führen zu einer graviernden Nebennierenerkrankung, was sich in
Fieberschüben, Abszessen, Durchfall, Schlaflosigkeit und Angstzuständen äussert.
JFK heiratet Anfang 1947 Durie Malcolm bei einem Friedensrichter, weil sie sonst nicht mit ihm
schläft. Malcolms zweite Scheidung wurde im Januar 1947 vollzogen. Als Joe von der Heirat
erfährt, verbietet er seinem Sohn diese Beziehung und ordnet an, die Heirat rückgängig zu
machen. Sein Freund Charles Spalding entfernt im Gerichtsgebäude von Palm Beach mithilfe
eines befreundeten Anwalts alle Heiratsdokumente. Geschieden wird die Ehe nie. Am 1 1.7.47
heiratet Durie Malcolm Thomas Shevlin.
Quellen : Hersh: 2,5,1 3ff,41 ff, 326-340, Posener: 56f,69-74, Summers (1993): 292, Best: 19, Collier/
Horowitz: 167-214, Niederberger (2002e).
1946 Reorganisation der Mafia top.
Lucky Luciano wurde, nachdem der Staatsanwalt Thomas Dewey $90'000 erhielt, mit über 1 00
anderen Mafiosi wegen nationaler Verdienste aus der Haft entlassen und am 9.2.46 als
italienischer Staatsbürger in seinen Geburtsort nach Sizilien deportiert. Danach nimmt Luciano die
unterbrochenen Kontakte wieder auf und organisiert den Heroin-Schmuggel von neuem: Im
Libanon lässt Sami El Khoury türkisches und persisches Opium aufkaufen und in einem Vorort von
Beirut zu Morphin verarbeiten. Dieses wird in Palermo, wo im Winter 1946/47 drei Labors in die
Luft fliegen, und im Pharmakonzem Schiaparelli in Mailand raffiniert. Über Kanada oder Kuba
kommt der Stoff in die USA, wobei die Verteilnetze an der von Luciano im Oktober 1946
einberufenen Mafiakonferenz festgelegt werden. Diskussionsthemen sind neben der Organisation
des Drogenhandels die Aufteilung der Spielcasinos auf Kuba, Anastasias Geldgier und der Fall
Bugsy Siegel.
Anwesend im Hotel Nacional in Havanna sind die Bosse und Unterbosse von 16 Mafia-Familien,
darunter Vito Genovese, Joe Adonis, Albert Anastasia, Frank Costello, Tommy Lucchese, Joe
Bonanno, Willie Moretti, Joe Profaci, Tony Accardo, Sam Giancana und Santos Trafficante. Zudem
werden 18 Gewerkschaftsbosse und über 100 Anwälte vom FBN registriert. Meyer Lansky ist als
nichtstimmberechtigter Verbündeter ebenfalls anwesend.
Rocco Fischetti, einer der Neffen AI Capones, reist mit Frank Sinatra an und überbringt Luciano $2
Mio. in bar aus dessen Geschäftsbeteiligungen. Sinatra, der auch geschäftliche Beziehungen mit
den Fischettis unterhält, behauptet später, er hätte nie etwas mit der Mafia zu tun gehabt, obschon
die italienische Polizei bei Luciano ein goldenes Zigarettenetui mit der Aufschrift findet: "Für
meinen Kollegen Lucky, von seinem Freund Frank Sinatra." Als Lucianos Präsenz auf Kuba in den
US-Medien publiziert wird, erreichen das Federal Bureau of Narcotics und das State Departement,
dass Lucianos Dauervisum gestrichen wird. Obwohl Batista 1944 offiziell zurücktreten musste, ist
er immer noch der faktische Machthaber der Insel und wird auch in seinem Exil in Miami
geschmiert.
Zusammen mit Luciano wurde auch Francesco Paolo Coppola aus Detroit nach Italien
ausgeschafft. Dreifinger-Franco hatte sich bei einem Banküberfall zwei im Tresor eingeklemmte
Finger abgeschnitten, um der Polizei zu entgehen. Coppola und Nicola Gentile, der FBN und FBI-
Informant war, beliefern die US-Army in Sizilien mit Drogen, die als "Medikamente" deklariert
werden. Von 1946 an verschifft Coppola Heroin nach Detroit, von wo es mithilfe der Teamsters
(Local 985 unter John Priziola und Raffaele Quasarano) auch nach New York transportiert wird.
Am Handel beteiligt ist der Mafiaboss Luciano Liggio, dem Coppola später zur Flucht verhilft, und
Lucky Luciano. Coppola steht hinter dem Massaker vom 1 . Mai 1947 in Sizilien, bei dem 8
Personen getötet und 33 verwundet werden. 1948 werden auf der Insel 498 Personen, fast alles
Linke, ermordet.
Im April 1947 reist Lucky Luciano nach Palermo, wo angeblich kurz darauf 47 Leute ermordet
werden, da er sich Reklamationen wegen schlechten und ungenügenden Lieferungen aus Sizilien
habe anhören müssen. Der zuständige CIA-Agent für Luciano in Italien ist Mario Brod, der 1960-61
an den gemeinsamen Castro-Mordprojekten von CIA und Mafia beteiligt ist.
Luciano beteiligt sich, wie Genovese, am Schwarzmarkt in Neapel. Luciano und Vito Genovese
stellen 1947 Anträge zur Aufnahme in die Christdemokratische Partei Italiens. Aber nur Genovese
wird Mitglied der Partei, dank den geschickten Verhandlungen des CIA-Agenten Henry Tasca. Seit
den mit $50 bis 60 Mio. geschmierten Wahlen von 1946 verfügt die DC unter Aleide De Gasperi
über die absolute Mehrheit.
Als Luciano in Sizilien grosse Zuhälterringe wie in den USA aufbauen will, sind die lokalen Mafiosi
entsetzt, denken sie doch vor allem an ihre unberührten und für die Ehe bestimmten Töchter.
Luciano muss Don Calogero Vizzini versprechen, dass die Prostituierten ohne Ausnahme
Ausländerinnen sein werden.
Bugsy Siegel übernimmt die Trans-American, ein konkurrierendes Kabelnetz, das gegründet
wurde, um Ragen unter Druck zu setzen. Siegels Weigerung, die beiden Netze zusammenzulegen
und seine Hinterziehungen beim Flamingo führen zu seiner Ermordung am 20.6.47. Siegel hatte
mit dem Bau des Flamingo in Las Vegas einen Boom ausgelöst. Nevada, besonders hart von der
Depression getroffen, beschloss 1931 , das Glücksspiel zu legalisieren, weshalb es bereits
Luxushotels und einige Spielkasinos, vor allem in Reno, gab, die ordentlich Umsatz machten. Doch
Siegels Flamingo in Las Vegas soll alles übertreffen. Anfangs mit Baukosten von $1 ,5 Mio.
veranschlagt, fand Meyer Lansky Gefallen und steuerte Geld bei. Der Bau begann im Dezember
1945, verteuerte sich aber auf $6,5 Mio, worauf ihm Lansky den Geldhahn zudrehte. Um zu Geld
zu kommen, verschuldet Siegel sich überall. Am 26.12.46 fällt die Eröffnung des Flamingos ins
Wasser, da die Flugzeuge wegen dem starken Regen nicht fliegen können. Bugsy möbelt das
Casino noch weiter auf und öffnet es im März 1947 erneut, wobei die Spieler Gewinne und das
Flamingo Verluste einfahren. Erst im Mai wendet sich das Blatt: Siegel macht $300'000
Reingewinn, und die anderen Gangster schmieden ebenfalls Baupläne.
Dann kommt heraus, dass Siegels Geliebte Virginia Hill dank ihrer Bankvollmacht $2 Mio. aus dem
Flamingo-Baufond abzweigte und auf einem Schweizer Nummernkonto deponierte. Virginia
begann ihre Karriere mit einem Buchmacher der Capone Gang und hatte Beziehungen mit den
Fischetti Brüdern, Anthony Accardo, Frank Nitti, Carlos Marcello und Joe Adonis, bevor Bugsy sie
heimlich heiratete. Als das Gerücht kursiert, Siegel wolle sich wegen seinen Schulden mit seiner
Geliebten und einer halben Million nach Europa absetzen, ordnet Luciano seine Ermordung an.
Nur 20 Minuten nach dem Mord übernehmen die drei Juden MoTse "Little Moey" Sedway, Morris
Rosen und Gustav "Gus" Greenbaum, letzterer ein Veteran Capones, das einträgliche Flamingo.
Meyer Lansky wird von 1960-67 allein aus dem Flamingo $36 Mio. abziehen.
Las Vegas wird wie Miami als frei Zone definiert. Obwohl Meyer Lanksy eine Schlüsselrolle in der
Etablierung von Las Vegas spielt, ist er von den Italienern abhängig, wie auch Doc Stacher oder
Moe Dalitz, der von Cleveland nach Las Vegas zieht, 1950 das Desert Inn, das Sands und das
Fremont baut und neben Johnny Roselli eine der Hauptrollen dort spielt. Siegels Ermordung führt
zu einem kurzen Krieg zwischen Siegels Leutnant Mickey Cohen und John Roselli, wobei der
neugewählte Polizeichef William Parker Roselli hilft, Cohen gefügig zu machen. 1948 baut Lansky
das Thunderbird. 1952 entsteht eine Reihe von italienischen Casinos wie das Sahara (Mafia von
Oregon), das Dunes (Raymond Patriarca von Rhode Island, der mit Carlos Marcello
zusammenarbeitet) oder das Tropicana (Lansky, Costello und Kastei). Die Mafia von Chicago ist
beteiligt am Riviera, dem Stardust, dem Landmark, dem Four Queens, dem Aladdin, dem Circus
Circus und dem Caesar's Palace. Die von der Mafia kontrollierte Lastwagengewerkschaft Teamster
hat Geld im Dunes investiert und leiht Hank Greenspun, dem Herausgeber der Las Vegas Sun,
$250'000 für den Bau eines Golfplatzes. Nevada ist der einzige Staat bis 1976, als New Jersey
(Atlantic City) dazukommt, in dem Geldspiele und Prostitution legal sind. In den 60er Jahre wird
Howard Hughes ein Casino nach dem anderen in Las Vegas aufkaufen.
Die Mafia von Chicago weitet das Spielgeschäft auf Iowa, Kansas, Indiana, Michigan und Dallas
aus. Um in Dallas einzusteigen, schickt Boss Tony Accardo Pat Manno, Paul Jones und Jack
Nappi zum Sheriff von Dallas, Steve Guthrie. Sie offerieren ihm und Leutnant George Butler ein
Jahreseinkommen von $150'000 und versprechen, keine Drogen, sondern nur das Glücksspiel in
die Stadt zu bringen. Aber Guthrie nimmt die Gespräche auf Band auf, und die drei werden der
Korruption angeklagt.
Paul Roland Jones wurde 1940 von Gouverneur Ratner begnadigt, nachdem er 1931 wegen
Zeugenermordung zu lebenslänglich verurteilt wurde. Er startete 1942 Spielgeschäfte in Dallas im
Namen der Fischetti-Brüder, eröffnete ein Casino in Mexico City und organisierte politische
"Arrangements" mit mexikanischen Politikern. Vertreter des nach dem Krieg vermutlich
bedeutendsten Drogensyndikates in Mexico sind Harold "Happy" Meltzer und John Ormento. Der
Gründer des Direccion Federal de Seguridad, Captain Rafael Chavarri, arbeitet mit dem
Drogenhändler Jorge Moreno Chauvet zusammen, der Drogen von der Luciano-Organisation in
Europa bezieht.
Mit Jones sowie John und Maurice Melton steigt Jack Ruby in den Heroinhandel ein. Am 27.8.47
wird einer von Jones Männern mit 24 Kilogramm Opium an der Grenze verhaftet, und Jones sitzt
bis 1952 im Gefängnis. Im Gerichtsverfahren wegen Drogenhandels gegen Paul Roland Jones und
Maurice Melton muss Ruby zwar aussagen, wird aber nicht angeklagt, weil er wahrscheinlich ein
FBN-Informant ist. Auch im Bestechungsprozess wird Ruby von George Butler geschützt.
Ruby wurde 191 1 als Jacob Rubenstein in Chicago als Sohn polnischer Juden geboren, wo er
schon als 1 1 jähriger die Schule verliess und sich der Jugendgang von Dave "Yiddles" Miller
anschloss. Wegen seiner Aggressivität war er bald als "Sparky" bekannt, und 1926 begann er,
Aufträge für Frank Nitti, Jake Arvey und AI Capone zu erledigen. Seit Mitte der 20er Jahre
akzeptierte das Syndikat Juden in seinen Reihen, beeinflusst von der Zusammenarbeit von
Luciano mit Lansky. 1934 zog Rubenstein mit seiner Schwester Eva nach San Francisco, um für
Frankie Goldstein, Eugene Shriber und "Bones" Remer in Spielhöllen und auf dem Pferderenntrack
von Santa Anita, welches der Gouverneur über Artie Samish dank den Zuwendungen Rosellis
legalisierte, zu arbeiten.
John Roselli war Annenbergs Vertreter in Los Angeles, wo er mit Jack Dragna die Macht in der
Unterwelt übernahm. Chicago stieg durch Jake Guzik und Paul Roland Jones in den
Sportinformationsdienst ein. Moe Annenberg hatte die Continental Press in den 20er Jahren mit
seinem Leutnant Jim Ragen aufgebaut und bis 1940, als er wegen Steuerhinterziehung ins
Gefängnis muss, geleitet. Parallel zu den Informationen über Pferderennen liefen über sein
Nationwide News Service, bekannt als "the Trust", Resultate für die illegalen Wetten. Drei von vier
gewetteten Dollars wurden über die 15'000 illegalen "Bookies" in 223 Städten in 39 Staaten
abgewickelt, die die Resultate unmittelbar nach den Rennen per Telephon und Telegraph
zugestellt bekamen. Annenberg besass faktisch das Monopol und verdiente bis $6 Mio. pro Jahr,
von denen er eine Schutz-Provision an Frank Nitti ablieferte.
Da Jim Ragen auf Rat des Journalisten Drew Pearson das FBI einschaltet, um sich gegen die
Übernahme des Sportdienstes durch die Mafia von Chicago zu wehren, eliminieren Dave Yaras,
Lenny Patrick und Willie Block mithilfe von Gussie Alex und Strongy Ferraro den uneinsichtigen
Nachfolger. Die bisherigen konkurrierenden Bosse der Spielgeschäfte, Herbert Noble und Benny
"Cowboy" Binion, werden durch Chicago-Mobster abgelöst: Noble fliegt mit einer Bombe in die Luft,
worauf Binion es vorzieht, sich ins ruhigere Las Vegas abzusetzen. Als neuer Chef des FBN von
Chicago kümmert sich George White um die ,Aufklärung' von Ragens Ermordung, wobei er sich mit
dem FBN-Informanten Rubenstein trifft. Der übernommene Pferderenn-Nachrichtendienst spielt
eine Schlüsselrolle für den Aufbau eines kriminellen Netzes in der Region. Der junge
Konressabgeordnete Richard Nixon schützt Rubenstein vor den 1947 einsetzenden Hearings,
indem er behauptet, dass Rubenstein für das House of Un-American Activities Committee arbeite.
Rubenstein kürzt danach seinen Namen und zieht nach Dallas, wo sei Freund Yaras
Spielautomaten stehen hat.
1939 kam Jack Ruby nach Chicago zurück, und Paul Dorfman organisierte Ruby einen Job als
Finanzsekretär in der Chicago Waste Handler's Union. Am 8.12.39 erschoss der Gewerkschaftler
John Martin in Rubys Präsenz den Anwalt Leon Cooke, da dieser sich gegen den Einfluss der
Mafia wehrte. John Martin behauptete, er habe aus Notwehr gehandelt. Es ist gut möglich, dass
Ruby den widerspenstigen Cooke ermordete. Jedenfalls übernahm Paul Dorfman die
Gewerkschaftsleitung und arbeitet mit Anthony Accardo und ab 1949 mit Jimmy Hoffa zusammen.
Dorfmans Sohn Allen wird zusammen mit Robert "Barney" Baker Hoffas engster Mitarbeiter.
Mehrere Jahre später untersucht der Privatdetektiv Bob Mullenix die Gewerkschaftsübernahme
und die Finanztransaktionen von Dorfman und Ruby. Er kommt 1962 bei einem Autounfall ums
Leben.
Eva Rubenstein ist während Rubys Militärdienst 1943-46 bei der Air Force nach Dallas gezogen
und hat sich dort mit Paul Roland Jones angefreundet. Nach der Verurteilung von Jones, Manno
und Nappi ist Jack Ruby, der den Nachtklub Silver Spur eröffnet, Verbindungsmann Chicagos in
Dallas. Schon früh steht Ruby auf gutem Fuss mit Richtern und Politikern in Dallas, die er schmiert.
Da es Chicago nicht gelingt, die Kontrolle der Stadt zu erlangen, fühlt sich Ruby exiliert und im
Stich gelassen. Bis 1952 verschafft sich Carlos Marcello die Kontrolle der Unterwelt von Dallas,
und Ruby arbeitet mit den Leuten aus New Orleans zusammen: Russell Douglas Matthews, Ralph
Paul, Joe und Sam Campisi, Joe Civello, Jack Todd und Lewis McWillis, den Ruby bewundert.
An der Mafia-Konferenz vom 5.5.1947 im "Black Diamond" in New Orleans macht sich Carlos
Marcello zum Nachfolger des ausgewiesenen Sam "Silver Dollar" Carolla. An der Sitzung dabei
sind Frank Todaro, Joseph Capro, Tom Rizzuto, Frank Lambardino, Nick Grifazzi, Anthony Carolla,
Joseph Poretto, Nofio Pecora und alle 7 Marcellos, die sich mit Drohungen gegen die Ansprüche
von Anthony Carolla als Nachfolger seines Vaters durchsetzen. Der neue Boss von Louisiana
macht "Willswood Tavern" auf seinem Landbesitz, in dessen Sumpf zahlreiche Leichen
verschwinden, zum Hauptquartier.
Marcello, der kaum lesen und schreiben kann, verdankt seinen Aufstieg Frank Costello und seinen
Fähigkeiten beim Schmieren und Geldeintreiben. Seit der Eröffnung des Spielkasino "Beverly
Country Club" in New Orleans am 4.12.45, das Frank Costello, Meyer Lansky, Phil Kastei, A.
G. "Freddie" Rickerfor und Carlos Marcello gehört, ist Marcello Teil des inneren Zirkels der Mafia.
Nach der Deportation Frank Coppolas wurde Marcello Manager des Kasinos. Mit dem Bau einer
Villa demonstriert der 38jährige, dass er es geschafft hat. Er kontrolliert die Vollstreckungsbehörde
und die politische Maschinerie des Kreises Jefferson und wird trotz einiger grausamer Mordfälle nie
angeklagt. Marcello kümmert sich ebenfalls um den Aufbau eines Pferderenninformationsdienstes
in Louisiana nach dem Muster Annenbergs. 1948 gewinnt Marcello mit Joseph Poretto die
Kontrolle über den Southern News and Publishing Co, den grössten Rennsport-Informationsdienst.
Quellen : Davis (1994): 71,118-121, Groden/Livingstone: 129f.295.41 3, Behr: 171-175, Scott
(1993): 142,151-161,169,175,326,353, Chotjewitz: 15-20, Gregory/Speriglio: 210, Best :6,22,41,
Tages-Anzeiger 28.4.1982, Konkret Nr.7/1973: 50, Raith:123, Marrs: 269, Weberman (27): 1-13,
Fox: 102, Griffith (1996): 6, Knorr (1992a): 45, Pease (1995), Anson: 230-238, Sylwester: 1-3,
Davis (1988): 47-58, 527f.
1947 Der Kalte Krieg top.
Noch ehe der Zweite Weltkrieg zu Ende ging, wurde durch den Einsatz britischer Truppen die
soziale Revolution in Griechenland verhindert. Winston Churchill ging im August 1944 den einzigen
englisch-deutschen Deal im Krieg ein, der den Deutschen den freien Abzug erlaubte, um seinen
Freund König George II. wieder an die Macht zu bringen. Mit Stalin ging Churchill dafür den Deal
Rumänien gegen ein monarchistisches Griechenland ein. Nach der Ausrufung des Generalstreiks
metzeln die Engländer die ehemaligen Verbündeten nieder. Auch die USA unterstützen die
Bekämpfung der Widerstandsorganisationen E.A.M, EDES und EKKA mit dem Ziel, die Monarchie
wiedereinzuführen. Nach dem erzwungenen Waffenstillstand werden 100'000 Partisanen
umgebracht und König Georg II kehrt zurück, worauf der Bürgerkrieg erneut ausbricht.
Bald darauf folgen andere geheime militärische Aktionen, auch gegen die Sowjetunion. Die
Partisanenbewegungen in den baltischen Ländern und der Ukraine werden vom Oberkommando
der US-Streitkräfte mit Geld, Waffen und Ausrüstung unterstützt. Partisanen werden in den Westen
geschleust, für Funk und Sabotage ausgebildet und zurückgeschickt. Obwohl immer wieder
Kuriere, Saboteure und Leiter der Organisation der ukrainischen Nationalisten verhaftet werden,
gelingt es dem KGB erst Mitte der 60er Jahre, die Bewegung zu zerschlagen.
In Ungarn beispielsweise wird die antikommunistische Partei der kleinen Landwirte, die zunächst
noch Regierungspartei und stärkste Kraft im Land ist, unterstützt.
In Polen werden antirussische Partisanen unterstützt, die jüdische Überlebende der Nazi-
Vernichtungslager ermorden. Die "Bewegung für Freiheit und Unabhängigkeit" (WIN) gilt bald
einmal als die einzige noch funktionierende Widerstandsgruppe, und die CIA schickt Waffen, Gold
in Millionenhöhe, Ausrüstung und Agenten. Erst als die Polen 1952 die Aktion abbrechen, merkt
die CIA, dass der polnische Geheimdienst die WIN seit 1947 kontrolliert und die CIA an der Nase
herumgeführt hat.
Im Iran kommt die Aggressivität der USA zum ersten Mal offen zum Ausdruck. Die drei
Grossmächte besetzten den Iran, dessen Regierung mit den Nazis kokettierte, um die
kriegswichtigen Öllieferungen nach Russland sicherzustellen. Nach dem Krieg sollten alle Mächte
gleichzeitig abziehen, aber Russland schürte im Norden einen Konflikt gegen die Zentralregierung,
setzte dann eine eigene "autonome" Regierung ein und Hess sich die Ölverwertungsrechte
übertragen. Damit konnte Russland die beschädigten Ölfelder im Kaukasus kompensieren. Unter
dem Druck des Sicherheitsrates muss sich die Sowjetunion allerdings dann aus dem Iran
zurückziehen, und die Amerikaner ziehen ein, mit Dollars, Zivil-und Militärberatern, um den Status
Quo aufrechtzuerhalten.
FBI-Chef J. Edgar Hoover spielt das "rote Problem" hoch, was den Republikanern, die mit der
Losung "Schlagt die Kommunisten" antreten, im November 1946 das erste Mal seit 28 Jahren die
Mehrheit im Kongress verschafft. Der demokratische Präsident Harry Truman versucht deshalb,
die Republikaner rechts zu überholen und forciert innen- wie aussenpolitisch den Kampf gegen den
internationalen Kommunismus.
Als die Briten den USA am 24.2.47 mitteilten, dass sie ihr Kolonialimperium nicht mehr halten
können, den Bürgerkrieg gegen die Kommunisten in Griechenland und die Hilfslieferungen an die
Türkei nicht mehr finanzieren können, springt Truman in die Bresche springen und verkündet am
12.3.47 seine Doktrin, die eine Politik der Unnachgiebigkeit gegenüber der UdSSR einleitet. Aber
der Kongress zeigt sich bei $400 Mio. -Finanzhilfe für Griechenland und die Türkei sperrig, weshalb
zuerst die Bevölkerung mobilisiert werden muss. Mithilfe einer grossangelegten Verschwörungs-
und Verleumdungskampagne beweisen Hoover, John Cronin von der National Catholic Weifare
Conference und Generalstaatsanwalt Tom Clark der bestürzten Öffentlichkeit, dass die USA die
kommunistische Weltverschwörung bereits im eigenen Land haben.
Am 22.3.47 verabschiedet Truman die Executice Order 9835, um die "Infiltration der Regierung mit
illoyalen Personen" aufzudecken. Innenpolitisch bedeutet die folgende McCarthy-Phobie die
Loyalitätsüberprüfung von 2,5 Mio. Regierungsbeamten, 3 Mio. Angehörigen der Streitkräfte und 3
Mio. Beschäftigten in der Rüstungsindustrie, die im Schatten der Akten des FBI leben. 500
Menschen verlieren ihre Jobs wegen "zweifelhafter Loyalität."
Aussenpolitisch besteht die einzige Möglichkeit, diese Gefahr des sowjetischen Kommunismus zu
bannen, in der Unterstützung Europas, heisst Marshall-Plan, kostet $15 Mia. und sichert die
Vorherrschaft der USA. Für die Verteilung der Gelder verantwortlich ist "Europa-Botschafter"
Avereil Harriman, der bei allen strategischen Entscheidungen der anglo-amerikanischen Allianz
mitredet.
Verteidigungsminister James Forrestal widersetzt sich der eingeschlagenen Politik, wird am
28.3.49 in einem Militärflugzeug nach Jupiter Island in Florida gebracht, wo Bush, Payson, Dillon
und Carpenter ihre Wohnsitze haben. Forrestal wird von Robert Lovett und einem Militärpsychiater
in die Mangel genommen. Im Walter Reed Army Hospital in Washington erhält er eine Insulin-
Schocktherapie und wird am 22.5. in der Klinik tot aufgefunden, was noch vor der dann
geheimgehaltenen Untersuchung als Suizid interpretiert wird.
Natürlich hat der Marshall-Plan auch wirtschaftliche Motive: Die Produktion ist nach dem
Kriegsende um 30% gesunken, und es gibt bereits 8 Millionen arbeitslose Amerikaner. Um den
Export anzukurbeln, schlug Unterstaatssekretär Clayton vor, Europa mit Krediten und
Wirtschaftshilfe zu öffnen. Zuerst erhalten England $3,75 Mia. und Frankreich $650 Mio. Kredite,
und bereits im Frühjahr 1946 steigen die US-Exporte von $4 Mia. auf $15 Mia. Durch die
Subventionen und Kredite des Marshall-Planes werden die Wirtschaftsadern eines grossen Teils
der Welt an die USA angeschlossen und geöffnet. 75% des globalen Anlagekapitals und 66% der
Industriekapazität konzentrieren sich in den USA, der Rest verteilt sich auf die anderen 95% der
bewohnten Erdoberfläche.
Damit ergibt sich eine nicht zu unterschätzende politische Macht, da durch das Abdrehen des
Geld- oder Güterstroms jederzeit ein Land destabilisiert werden kann. Deutschland, Italien und
Japan werden ,redemokratisiert', im Gegensatz zur 3. Welt, wo sich die USA fast ausnahmslos
hinter die ärgsten Diktatoren stellen.
Die Containment-Strategie verspricht doppelt vorteilhaft zu sein, indem sie den Westen stärkt und
die kriegszerstörte Sowjetunion zu Gegenmassnahmen zwingt und weiter schwächt. Stalin hatte
mit seiner Deklaration des "Sozialimus in einem Land" in den 20er Jahren die marxistisch-
leninistische These der Weltrevolution aufgegeben. In der Zwischenkriegszeit wies er die
Kommunistischen Parteien immer wieder an, sich an konservative und monarchistische
Gruppierungen zu halten und verurteilte sogar revolutionäre Tendenzen. Er nahm auch nach dem
Krieg an, die Ostblockländer würden kapitalistisch bleiben und hatte keine Absicht, ihnen
kommunistische Regierungen aufzuzwingen. Die besetzten Gebiete wollte Stalin auspressen:
Ungarn, Bulgarien, Rumänien, Finnland und Ostdeutschland müssen hohe Reparationen zahlen.
Stalin war sogar mit der Wiederführung der Monarchie in Jugoslawien einverstanden, wie in
Griechenland, und bekämpft die revolutionäre Politik Josip Titos.
Erst die Truman-Doktrin und die wirtschaftspolitische Offensive durch den Marshall-Plan lässt
Stalin aufschrecken und handeln: Zwischen dem 10. Juli und 26. August 1947 schliesst die
Sowjetunion Handelsverträge mit Bulgarien, der Tschechoslowakei, Ungarn, Jugoslawien, Polen
und Rumänien, unterstützt die Revolution in der Tschechoslowakei im Februar 1948, der im
Westen als Staatsstreich dargestellt wird. Stalin säubert die Regierungen in Osteuropa von
nationalistischen Politikern, diszipliniert sein neues Herrschaftsgebiet mittels Terror und
Schauprozessen und bricht im Juni 1948 mit dem einzigen unabhängigen Regierungschef Tito.
Um sich die dringend benötigte amerikanische Hilfe zu sichern, zog Josip Tito die Unterstützung
griechischen Rebellen zurück und verweigerte den Griechen die Benutzung der jugoslawischen
Hoheitsgebiete, womit er deren Aufstand wirksam beendet. Die USA finanzieren die Entwicklung
und Unabhängigkeit Jugoslawiens mit einem Kredit von mehr als $1 Mia, obwohl Tito seine
kommunistischen Ideen und Praktiken nie aufgegeben hat. Die CIA unterstützt die
antikommunistischen Kräfte im griechischen Bürgerkrieg, die Widerstandsbewegung in der Ukraine
von 1949-53, den Sturzversuch von Enver Hoxha 1950 in Albanien und die polnische Freiheits-
und Unabhängigkeitsbewegung 1950-52. Die Blockade Berlins vom Juni 1948 bis im Mai 1949
liefert dem Westen die Bestätigung der angeblich inhärenten Aggressivität der Sowjetunion.
Die Massnahmen zur wirtschaftlichen und politischen Integration der osteuropäischen Länder
laufen parallel mit militärischen Massnahmen: Die Russen stellen ein Blitzprogramm zum Bau von
Atombomben, Abfangjägern und der Reorganisation der Armee auf die Beine. Die nun einsetzende
Wiederaufrüstung lähmt den wirtschaftlichen Aufbau und führt zu den Revolten von 1956. Dank der
enormen Überproduktion der USA und dem Marshall-Plan entgeht Westeuropa weitgehend den
Entbehrungen der Remilitarisierung. Trotzdem zahlt auch die westliche Welt einen hohen Preis für
den Kalten Krieg.
Griechenland erhält von 1946-58 $1,59 Mia. Wirtschaftshilfe und $1,24 Mia. Militärhilfe, wovon
weitgehend die privilegierten Klassen profitieren. Die Türkei erhält $1,16 Mia. Wirtschaftshilfe und
$2 Mia. Militärhilfe, womit sie ein Heer von 500'000 Mann aufrechterhalten, aber die dringend
benötigten Strassen-, Schul- und Bewässerungsprojekte nicht bauen. Griechenland, die Türkei,
Südvietnam, Südkorea (ohne die Kriegskosten) und Taiwan erhalten Waffenlieferungen im Wert
von $7.9 Mia, womit fast 2 Mio. Soldaten kampfbereit gemacht werden. Die Amerikaner haben seit
dem 2. Weltkrieg Truppen in den Vietnam, die 1953 verstärkt und als .Berater' bezeichnet werden.
Tschang Kai-scheks Armee von 600'000 Mann ist bei einer Bevölkerung von 10 Mio. ebenfalls eine
Art Besatzungsarmee im eigenen Land.
Quellen : Horowitz: 7-84,179-182, Chotjewitz: 15-20, Matthias, Theoharis/Cox: 277ff, Epstein: 14-
19, Schulz: 165,173, CIA-Info: 13, Summers (1993): 158-169, Best: 28, Brussell (1983): 6,
Manthoulis, Ascherson 1,2, Avineri: 66, Frölich, Afterbach 5, Tarpley/Chaitkin: 54.
1947 Die Gründung der CIA top
FBI-Chef J. Edgar Hoover versuchte am Ende des Krieges, das OSS in das FBI zu integrieren, um
auch den Auslandgeheimdienst unter sich zu haben. Er organisierte eine Pressekampagne gegen
die noch geheimen Pläne Donovans, eine Central Intelligence Authority zu gründen, allerdings
ohne Erfolg. Hoovers SIS-Abteilung wie auch das OSS wurden im September 1945 durch
Präsident Truman aufgelöst. Ein Teil der Agenten wechselte in die Strategie Services Unit des
Kriegsdepartements, einige Analysten wechselten ins Aussenministerium, und die Wissenschaftler
wollten wieder lehren und forschen.
Insgesamt arbeiteten während des Zweiten Weltkriegs 75'000-100'000 Agenten in den US-
Geheimdiensten. Das OSS beschäftigte bei Kriegsende 13'000 Mann, 16'000 waren bei der
Funkabhör-Abteilung und 14'500 bei der Briefkontrolle. Dazu kamen die Dienste der Truppen, der
Kommandos und der Spionageabwehr. Meist drängten Angehörige der Oberschicht in den
ungefährlichen und vornehmen "Oh So Social"-Dienst, wobei aber nur etwa die Hälfte der Agenten
als qualifiziert galten und Korruption weit verbreitet war.
Am 22.1.46 unterzeichnet Truman eine Direktive zur Gründung eines neuen Geheimdienstes, der
National Intelligence Authority, dessen operativer Arm die Central Intelligence Group sein soll. Die
Veteranen des OSS arbeiten daraufhin im Office of Special Operations innerhalb der CIG weiter.
Auf der Grundlage des National Security Act wird im September 1947 das Pentagon geschaffen,
das Armee, Flugwaffe und Marine vereint. Während dem Kalten Krieg wächst das Pentagon zu
einem Koloss, der 3 Millionen Angestellt und 2 Millionen Berufssoldaten umfasst und ein Budget in
der Höhe des französischen Staatshaushalts erhält. Vier Millionen Amerikaner arbeiten in der
Rüstungsindustrie, die weitere 10'000 Zulieferfirmen beschäftigt.
Zudem wird das National Security Council gegründet, und aus OSO und CIG wird die Central
Intelligence Agency aus der Taufe gehoben. Die CIA soll keine Feldoperationen durchführen,
sondern sich, unabhängig von den militärischen Geheimdiensten und des FBI, auf
Nachrichtenauswertung konzentrieren. Aber bereits im Gründungsjahr werden die Mittel für die CIA
von $47 auf $70 Mio. erhöht und im Juni 1948 autorisiert Präsident Truman "Propaganda,
wirtschaftliche Kriegsführung, vorbeugende direkte Aktionen einschliesslich Sabotage, Zerstörung
und Massnahmen der Evakuierung; Subversion gegen feindliche Staaten einschliesslich der
Unterstützung von Partisanen und Flüchtlingsgruppen für die Befreiung sowie Unterstützung
einheimischer antikommunistischer Kräfte der freien Welt." Kontrolliert wird die CIA durch das
National Security Council und untersteht somit direkt dem Präsidenten.
Hoover verweigert die Zusammenarbeit mit der CIA. Der Chef der CIA-Gegenspionage James
Jesus Angleton ist wie Meyer Lansky im Besitz von kompromittierenden Photos Hoovers, die ihn
bei homosexuellen Aktivitäten zeigen. Offenbar bekam er sie von der Naval Intelligence, die mit der
Mafia beim Hafenschutz, bei Einbrüchen und Drogenexperimenten zusammenarbeite.
Hoovers Kampf mit Vertretern der CIA ist mehr als nur ein persönliches Machtspiel: Es geht um
verschiedene Visionen, wie die USA expandieren soll. Die globalistische Fraktion, zu der die
Ölmultis und die CIA gehören, steht gegen die von Hoover untertsützte nationalistische Gruppe,
die sich auf die Kontrolle des Hinterhofs beschränken will. Hoover führt die "unlabeled blind
memos" ein, wenn er dem Weissen Haus Geheiminformationen zukommen lässt, damit die Quelle
nicht festgestellt werden kann.
Obwohl die Kommunistische Partei der USA nur 80'000 Mitglieder hat (0,053% der Bevölkerung),
von denen etwa 25'000 Industriearbeiter sind, schürt Hoover die Kommunismusangst und erreicht,
dass alle neuen Staatsangestellten auf ihre Loyalität überprüft werden. Hinter dem Angriff des
"House of Un-American Activities Committee" auf Hollywood steht ebenfalls Hoover, dessen
Agenten im Untersuchungsteam unter der Leitung von Ex-FBI-Agent Allen Smith dabei sind. Die
Angriffe des HUAC auf die Filmindustrie wegen kommunistischer Unterwanderung bricht die Macht
der jüdischen Filmmogule endgültig. Die Mitarbeiter der Filmindustrie und andere Künstler und
Schriftsteller werden in den nächsten sieben Jahren am Telephon abgehört, ihre Post wird geöffnet
und man klagt sie oft wegen Lächerlichkeiten an. FBI-Spitzel Ronald Reagan profiliert sich als
Denunziant für das HUAC in Hollywood besonders. Der Präsident der Screen Actors Guild
schliesst 1952 ein Spezialabkommen mit der Music Corporation of America MCA, die das Monopol
über die Buchungen der Künstler und damit über die Unterhaltungsindustrie besitzt. Die 1924 von
Jules Stein gegründete Music Corporation of America ist heute ein $2 Mia.-Imperium und besitzt
die Universal Pictures und Universal Television, Buch- und Musikverlage, Plattenfirmen,
Transportfirmen, Videoverleihs, eine Sparkasse, Grundbesitz, Kabelnetzfirmen und mehr.
Im Komitee hat Hoover andere Verbündete gefunden: die Repräsentanten Karl Mundt und Richard
Nixon, der sich 1937 als junger Jurist beim FBI als Agent beworben hatte, aber wegen seinem
Einbruch in das Dekanat der Jura-Fakultät abgelehnt wurde. Hoover spannt Nixon ein und schiebt
ihm über Priester John Cronin und die FBI-Mitarbeiter Ed Hummer, Louis Nichols und Lou Russell
Dokumente und Informationen zu. Nixon besuchte bereits 1936 die Anwaltsfirmen von William
Donovan und von John Foster Dulles und kann während dem Krieg Nazidokumente von Allen
Dulles prüfen. Die Dulles-Brüder, die während dem ganzen Krieg Beziehungen mit einflussreichen
Nazis unterhielten, unterstützten Nixons Wahlkampf und lassen ihm über Thomas Dewey
Geheimdienstmaterial über den angeblichen Kommunisten Alger Hiss zukommen. Mit dem Fall
Hiss versuchen die Republikaner, den Demokraten Truman wegen Nachlässigkeit gegenüber dem
Kommunismus zu diffamieren. Das 1938 einberufene HUAC unter J. Parnell Thomas, der wegen
Steuerhinterziehung verurteilt wird, beginnt 1947 mit der Kommunistenjagd, die unter Joseph
McCarthy Tausende von Amerikanern ihre Stelle kostet.
Quellen : Horowitz: 269f, Schulz: 57,69-71,201-204, CIA-Info: 13, Summers (1993): 245ff, (2000):
62-66, Theoharis/Cox: 273-314, Frölich, Moldea: 2-7, Uesseler/Saupe: 30-37, Laurent: 22.
1947 CIA und Kriegsverbrecher top
Angesichts des sich abzeichnenden Konflikts mit der UdSSR rekrutieren die Geheimdienste OSS/
CIG/CIA und das Pentagon ehemalige Nazis und Nazikollaborateure. Von 1945-55 stellt das
Pentagon 765 Wissenschaftler, Ingenieure und Techniker Nazideutschlands ein, von denen die
Mehrzahl der NSDAP oder der SS angehörten wie General Walter Dornberger, Arthur Rudolph,
Wernher von Braun, Emil Augsburg oder Herbert Axster. Von den 150'OOu Kriegsverbrechern
werden lediglich 50'000 verurteilt, und vermutlich sind fast "lO'OOO Kriegsverbrecher vom
Geheimdienst angestellt und meist in die USA gebracht worden, um sie aufgrund ihres
Antikommunismus und ihrer Kenntnisse gegen die Sowjetunion einzusetzen.
Der erste CIA-Chef Allen Dulles verhinderte bereits 1945 mit der Operation SUNRISE, dass
führende Nazis den Russen in die Hände fielen. SS-General Karl Wolff, Dulles, Donovan und Pater
Felix Morlion organisieren die Flucht der Nazis mithilfe der Katholischen Kirche. Felix Morlion baute
den vatikanischen Geheimdienst Pro Deo in Lissabon auf. Mit dem Kriegseintritt kam Morlion mit
der Unterstützung von OSS-Chef William Donovan in die USA und gründete das "American
Council for International Promotion of Democracy Under God" in New York. Im selben Gebäude an
der 60th Street befindet sich das Büro von William Taub, der als Mittelsmann von Richard Nixon,
Howard Hughes, Aristoteles Onassis und Jimmy Hoffa fungiert und dessen Name bei der
Watergate-Affäre auftaucht. Taub ist ein Vertrauter von Kardinal Alfredo Ottaviania, der die Gabe
Mussolinis von $89 Mio. an den Vatikan arrangierte, um die "Neutralität" der Kirche zu garantieren.
Die Spende ging auf ein Spezialkonto der Vatikan-Bank, für das Michele Sindona nach dem Krieg
verantwortlich ist. Nach der Befreiung Italiens 1944 zog Morlion und das Pro Deo nach Rom. Papst
Pius XII. zeichnete Donovan mit dem Grossen Kreuz des St. Sylvester-Ordens, Reinhard Gehlen
und James Jesus Angleton mit dem Malta-Orden aus.
Die Katholische Kirche arbeitete schon lange mit den Faschisten zusammen und half Mussolini
und Hitler, ihre Macht zu etablieren. Seit Papst Pius IX. mithilfe der Franzosen den Kirchenstaat
1850 zurückeroberte, war die Kirche wieder autokratisch und strikt antisemitisch. Obwohl die
meisten Staaten Europas die Judenemanzipation durchgesetzt hatten, Hess der im Jahr 2000 von
Johannes Paul II. seliggesprochene Pius IX. die Mauern des Judenghettos wieder hochziehen,
hielt die Juden mit Steuerauflagen in Armut und setzte den Talmud auf den Index der verbotenen
Bücher. Pius Hess sich als "Vice-Gott der Menschheit", "lebendiges Ebenbild Gottes" oder "König
der Könige" verehren. Durch Zwang und Manipulation führte das Erste Vatikanische Konzil 1870
das Doppeldogma vom Universalprimat und der Unfehlbarkeit des Papstes ein, womit der Papst
alle Entscheidungen allein fällen kann.
In Italien schlössen der Advokat Francesco Pacelli und der Kardinal Eugenio Pacelli, (der spätere
Papst Pius XII.) mit Benito Mussolini am 1 1 .2.29 die Lateranverträge ab, welche der Kirche die
staatlichen Hoheitsrechte, Territorien, Reichtümer und die Erziehungshoheit zurückgeben. Diese
Verträge und das Konkordat mit Hitler von 1933, das unter anderen die Kirchensteuer brachte,
bilden die Grundlage des katholischen Finanzimperiums des 20. Jahrhunderts. Die Verträge
werden nach dem Krieg in die italienische Verfassung und ins Bonner Grundgesetz übernommen.
1958 wird der Gesamtbesitz des Vatikans an Kapitalbeteiligungen auf DM 50 Mia. geschätzt.
Karl Wolff, der die Idee zur Diaspora seiner Kollegen mithilfe des Vatikans hatte, ist verantwortlich
für die Ermordung von 300'000 Juden in Treblinka. 1983 ist er mit alten SS-Kumpanen wie Gert
Heidemann auf einem Tom mit der Yacht von Hermann Görings Wittwe. Melvin Belli ist nicht nur
der Anwalt von Emmy Göring, sondern auch von Jack Ruby und Schauspieler Errol Flynn, der mit
Gestapo-Agent Hermann Friedrick Erban kollaborierte und ein Freund von Ronald Reagan ist.
Tausende von Nazis können dank der Operation INTERMARIUM des Vatikans, abgesegnet von
Papst Pius XII. und gemanagt von Giovanni Montini, dem späteren Paul VI, und der Operation
RATLINES des britischen Geheimdienstes nach Nord- oder Südamerika entkommen. Dazu
gehören Adolf Eichmann, der Organisator der Judentransporte in die Vernichtungslager, Franz
Stangl, der Kommandant von Treblinka, SS-General Walter Rauff, der Erfinder der mobilen
Gaskammern, Josef Mengele, als Auschwitz-Arzt an Menschenexperimenten und am Tod von
400'000 Menschen beteiligt, oder die Ustaschaführer Ante Pavelic und Andrija Artukovic, die
zusammen die Ermordung von 400'000-750'000 Serben und Juden organisiert hatten. Artukovic ist
gleichzeitig britischer Agent, und entkommt im November 1946 in die Schweiz, von wo er über
Irland nach Los Angeles flieht. Pavelic organisierte bereits vor dem Krieg Bombenattentate und die
Ermordung des jugoslawischen Königs Alexander vom 9.10.34 in Marseille, wonach er bei
Mussolini Unterschlupf fand. Nach der Eroberung Jugoslawiens durch Hitler übernahm Pavelic die
Macht, errichtete Konzentrationslager, in denen unter der Leitung von Vjekoslav Luburic 350'000
Menschen ermordet wurden. Pavelic säuberte Kroatien von 80% der jugoslawischen Juden und
bekehrte die orthodoxen Serben zwangsweise zum Katholizimus. 299 serbisch-orthodoxe Kirchen
wurden ausgeraubt und geschleift. Erzbischof Alois Stepinac arbeitet in allen Bereichen mit den
Schlächtern zusammen, und der Papst gewährt Pavelic zwei Privataudienzen. Pavelic und seine
Getreuen fliehen nach dem Zusammenbruch ins britische Österreich, wo der britische
Geheimdienst ihn beschützt. Im April 1946 flieht er als katholischer Priester verkleidet nach Italien,
wo er sich dank Priester Krunoslav Draganovic im Vatikan versteckt. Die CIG/CIA arbeitet mit
Draganovic zusammen, der selbst als Kriegsverbrecher gesucht wird. Draganovic ist der Vertreter
des Roten Kreuzes und kann für die Ustascha-Mitglieder Pässe ausstellen lassen, womit Pavelic
als ungarischer Flüchtling Pablo Aranjas im Herbst dank Prater Petranivoc von Genua nach
Buenos Aires ausreisen kann. Der argentinische Präsident Juan Peron, der 35'000 Visas für
Ustaschas ausstellen Hess, die ihm gegen die Kommunisten helfen sollen, beruft Pavelic zu seinem
Sicherheitsberater.
Den Russen gelingt mit der Anheuerung von Kim Philby die Penetration in die Operation
RATLINES. Auch der zaristische Prinz Anton Turkul, mit dessen faschistischem Spionagenetz die
CIA zusammenarbeitet, ist ein Doppelagent. Dank dem Schutz der CIA, dem Pentagon und von
George F. Kennan vom State Departement entgehen Verbrecher wie Klaus Barbie, Otto von
Bolschwing, Alois Brunner, Gustav Hilger, Vilis Hazners, Heinrich Herwarth, Mykola Lebed, Franz
Six, Pavlo Shandruk oder Otto Skorzeny einer Verurteilung und bilden in den USA eine Art "Viertes
Reich". Kennan konsultiert regelmässig seinen Freund Gustav Hilger, bevor er Präsident Truman
Vorschläge zur West-Ost-Politik unterbreitet, eine Funktion, die Hilger bereits Ribbentrop und Hitler
gegenüber einnahm. "Es war unbedingt notwendig, dass wir jeden Schweinehund verwendeten,
Hauptsache, er war Antikommunist", meinte CIA-Geheimoperationsleiter Harry Rositzke. Kennan,
ener der einflussreichsten Diplomaten, schreibt in einen Memorandum 1948: "Wir besitzen etwa
50% des Reichtums der Welt, aber nur 6,3% ihrer Bevölkerung [...] In einer solchen Situation
müssen wir das Ziel von Neid und Erbitterung sein. Unsere wahre Aufgabe für die nächsten Zeiten
wird darin bestehen, ein Netzwerk von Beziehungen zu entwerfen, die uns erlauben werden, die
Position der Ungleichheit aufrecht zu erhalten, ohne dass die nationale Sicherheit dabei Schaden
nimmt. Um dies erfolgreich zu tun, müssen wir uns von Sentimentalitäten uns Wunschträumen
verabschieden [...]: unrealistische Ziele wie Menschenrechte, die Verbesserung des
Lebensstandards oder Demokratisierung."
Der ehemalige SS-Major Otto Skorzeny arbeitet mit der CIA zusammen und erhält von Dr. Fritz
Thyssen und Dr. Gustav Krupp Geld, um Todesschwadronen aufzubauen: die "Todesengel" in
Bolivien, "die Antikommunistische Allianz" in Argentinien und, zusammen mit Stephano delle
Chiaie, die "Guerilla von Christus dem König" in Spanien. Skorzeny wird 1947 von den
Amerikanern freigelassen und zieht nach Madrid, wo er die International Fascista gründet, bei der
ehemalige SS-Angehörige, französische OAS-Terroristen und Geheimpolizisten der
portugiesischen PDID arbeiten.
Die Geheimpolizei in Los Angeles unterhält eine Abteilung mit demselben Kürzel: die Public
Disorder Intelligence Division sammelt mithilfe eines computerisierten Dossiersystems der Western
Goals von Larry McDonald Geheimdaten der Bürger. McDonald ist einer der Führer der John Birch
Society, und Western Goals Filialleiter in Deutschland Eugene Wigner versorgt Gehlens BND mit
Geheimdaten. Zu den Verwaltungsräten von Western Goals gehören die Kalten Krieger Edward
Teller, der Vater der Wasserstoffbombe, Admiral Thomas Moorer und der ehemalige
Luftwaffenpilot Dr. Hans Senholt. Skorzeny ist verantwortlich für die Paladin-Söldner, die unter dem
Cover der M.C. Inc. arbeiten. Geschäftsführer dieser Import-Exportfirma in Madrid ist Dr. Gerhard
Hartmut von Schubert, der zuvor im Propagandaministerium für Goebbels arbeitete.
Skorzenys Operationszentrum befindet sich im selben Gebäude in Albufera wie der spanische
Geheimdienst SCOE von Colonel Eduardo Blanco. Auch die CIA hat Büroräume in diesem Haus.
Skorzeny ist ein Freund des faschistischen Finanzmannes Prinz Justo Valerio Borghese, der von
James Jesus Angleton vor der Exekution durch die italienische Resistance gerettet wurde, und von
Jose Lopez Rega, der grauen Eminenz hinter Juan Peron. Die Freigabe der Konten von Hitler-
Sekretär Martin Bormann, der sich nach Paraguay absetzte, und der an Krebs gestorbenen Evita
Peron, die unter ihrem Namen auf 40 Schweizerkonten $100 Mio. in Geld und $40 Mio. in
Diamanten angelegt hatte, führt 1953 zu einem Kampf um die Gelder und zu den Ermordungen
von Evitas Bruder Juan Duarte, von Schacht-Assistent Heinrich Dorge und von Nazi-Banker Rudolf
Feude. Hjalmar Schacht ist Skorzenys Schwiegervater.
Der bekannteste der geretteten Nazis dürfte Generalleutnant Reinhard Gehlen sein. Seit 1920
Mitglied der Reichswehr, wurde er unter Hitler 1942 als Chef des Generalsstabs, Abteilung Fremde
Heere Ost, der höchste Geheimdienstoffizier an der Ostfront und damit mitverantwortlich für der
Tod Hunderttausender. Im März 1945 hatten er und seine Offiziere ihr umfangreiches
Spionagematerial über die Sowjetunion und die sowjetische Armee auf Mikrofilm aufgenommen
und diese auf einsamen Wiesen in den bayrischen und österreichischen Alpen vergraben. Im
August wird Gehlen in einer US-Uniform, während die Russen den Kriegsverbrecher suchen, in die
USA geflogen und von OSS-Chef William Donovan persönlich verhört. Gehlen verhandelt mit
führenden Geheimdienstlern wie Allen Dulles und J. Edgar Hoover und entgeht dank seinem
Material einer Verurteilung als Kriegsverbrecher. Die Aquirierung durch die CIA erfolgt so geheim,
dass der militärische Geheimdienst Counter Intelligence Corps ihn offiziell bis 1949 sucht. "Er steht
auf unserer Seite", erklärt Dulles, "und nur darauf kommt es an".
Die USA bezahlen im ersten Jahrzehnt nach dem Krieg $200 Mio. für die Fortsetzung der
Spionage- und Subversionstätigkeit von Hitlers ehemaligen Geheimdienstchef, obwohl Hitler selbst
das Versagen des deutschen Geheimdienstes gegenüber der Sowjetunion eingestanden hatte.
Gehlen setzt meist ehemalige Geheimdienstexperten der SS, des SD und der Wehrmacht ein, um
seine Organisation mit 4000 Mitarbeitern aufzubauen. 1947, als Millionen zurückkehrender
Kriegsgefangener verhört werden, wechselt die ,Org' von Taunus nach Pullach bei München, wo
sie von einer deutschen Sondereinheit bewacht wird. Gehlen fördert die im US-Geheimdienst
bereits vorhandene Antikommunismus-Paranoia und liefert Falschinformationen über die
angebliche soziale, politische und wirtschaftliche Fragilität und militärische Potenz Russlands, die
den Kalten Krieg massgeblich verschärfen und beinahe zum Dritten Weltkrieg führen. Allen Dulles
benutzt Gehlen zur Legitimation der Remilitarisierung, denn er kennt aufgrund eigener Quellen den
desolaten Zustand Russlands. Nichts so General Lucius Clay, der sich von der bevorstehenden
russischen Welteroberung überzeugen lässt, wie die meisten Amerikaner. Aussenminister John
Foster Dulles: "Um den Menschen die Last erträglich zu machen, müssen wir eine emotionale
Atmosphäre schaffen, die ähnlich ist wie das Gefühl des Kriegszustandes. Wir müssen das
Phantom einer äusseren Gefahr schaffen." Die Hysterie überzeugt schliesslich, und die
Rüstungsindustrie kann ihre Auftragsbücher wieder füllen.
Obwohl immer noch der CIA unterstellt, arbeitet die Gehlen-Organisation ab 1951 auch für die
Bundesregierung. 1953 ist die Gehlen-Organisation am Sturz Mossadeghs im Iran beteiligt. 1954
wird der Chef des westdeutschen Geheimdienstes Otto John mit einer Verleumdungskampagne
der CIA gestürzt und Gehlen wird offizieller Chef des von den USA mit $6 Mio. finanzierten
Geheimdienstes BND. Der BND wird innerhalb kurzer Zeit der grösste Nachrichtendienst in Europa
und ist zuständig für die DDR, die CSSR und Polen. Beim BND öffnen beispielsweise 250
Geheimdienstler jährlich 1,6 Millionen Briefe aus und in diese Länder. Gehlens Vertreter in den
USA ist ab 1954 der SS-Offizier Otto Albrecht von Bolschwing, der Eichmanns Chef war und
gleichzeitig mit Dulles OSS-Abteilung zusammenarbeitete. Eimer Bobst von der Warner-Lambert
Pharmaceutical, der Richard Nixons politische Karriere ermöglicht, wird ein Vertrauter von
Boschwings, der 1960 für die Kampagne Nixons arbeitet. 1960 wird Karl Adolf Eichmann vom
Mossad entführt und 1962 in Israel hingerichtet. 1969 ist von Bolschwing an der kalifornischen
Hightechfirma TCI und deren geheimen Rüstungsaufträgen des Pentagon beteiligt. Von
Bolschwing pflegt mit Ronald Reagans Sekretärin Helene van Damme, die während der
Präsidentschaft ihres Bosses Botschafterin in Österreich wird, eine enge Freundschaft. Auch SS-
Sturmbannführer Alois Brunner, der als Mitarbeiter von Adolf Eichmann am Tode von 128'000
Juden mitverantwortlich war, arbeitet als Dr. Georg Fischer in Syrien für die Organisation Gehlen
und den syrischen Geheimdienst.
Neben der Gehlen-Organisation werden von den USA andere Organisationen wie die "Tostoj-
Stiftung", die "Union der Bischöfe der Orthodoxen Kirche ausserhalb Russlands" oder die
aggressive "Kampfgruppe gegen die Unmenschlichkeit" aufgebaut und über das Counter
Intelligence Corps der US-Armee, die CIA, die Ford Foundation, das Rote Kreuz, die US-
Gewerkschaften und die Caritas finanziert und gesteuert. Nachdem die "Kampfgruppe gegen die
Unmenschlichkeit" KgU 1951 von Greuelpropaganda zu aktiver Sabotage in Ostdeutschland
wechselt, wird die Unterstützung zurückgefahren, obwohl Willy Brandt 1952 bereit ist, die Leitung
zu übernehmen. 1954 wird die Fianzierung eingestellt, und Ende der 50er Jahre löst sich die KgU
auf. Eine ähnliche Organisation ist der von der CIA gegründete "Untersuchungsausschuss der
freiheitlichen Juristen in der Sowjetzone". Auch die von den grösseren Parteien errichteten
Ostbüros, von denen das der SPD wirkliche Bedeutung erlangt, betreiben Propaganda, Spionage
und Sabotage, um einen Aufstand im sowjetischen Teil auszulösen. Zudem wird der von den
Deutschen finanzierte Spionagering der Falange in Lateinamerika und die Saibatsu-Organisation in
Japan in den Dienst der USA genommen. Man verwendet sie wegen ihrer Erfahrung für
Propaganda und psychologische Kriegsführung, braucht sie in Laboratorien oder bildet sie als
Guerillakämpfer aus, die nach einem Atomangriff auf die UdSSR eingesetzt werden sollen.
Finanziert werden diese Aktionen durch beschlagnahmte Nazivermögen, die wiederum meistens
von enteigneten Juden oder aus Kriegsbeute stammen.
Quellen : Simpson: 21-59, Köhler: 34f, Horowitz: 269f, Schulz: 57,69-71,201-204, CIA-Info: 13,
Scott, Arons/Loftus, Bradley, Deschner (1962): 524-528, 563-569, (1965): 17-50,97-259, (1968),
Meier: 2, Uesseler/Saupe: 30-37, Theoharis/Cox: 277ff, Kilian (2001 f), Best: 26, Pilger: 49,
Summers (1993): 154-157, Brussell (1983): 1-8, Konkret 8/1964, Ranelagh/Trehame: 1, Loftus,
Aarons/Vicary, Herman: 36f, Avineri: 66, Levin, Lapham (2004), Hübner/Sperlich, Schoch: 5, Karel
(2003).
1948 CIA in Italien top.
Die CIA hat in Italien ihre ersten Erfolge, da es Frank Wisner und seinem Team gelingt, den
Einfluss der Kommunisten bei den ersten italienischen Nachkriegswahlen 1948 einzudämmen.
Statt der prognostizierten Mehrheit von 51% kommt der kommunistisch-sozialistische Block nur auf
30% der Stimmen. $10 Mio. wurden an Parteien und Kandidaten vergeben und anonyme
Broschüren verteilt, in denen kommunistische Kandidaten als Feinde der Kirche oder wegen ihres
Sexuallebens angegriffen wurden. Propaganda, Wählereinschüchterungen durch die Mafia und die
Drohung des amerikanischen Aussenministers George Marshall, sofort jede Hilfe zu stoppen,
würden die Linken gewählt, bringen den Christdemokraten eine satte 53%-Mehrheit. Während den
Wahlen liegen amerikanische und britische Kriegsschiffe in den italienischen Häfen vor Anker.
Von 1948 bis 1968 zahlt die CIA durchschnittlich $30 Mio. pro Jahr an bürgerliche und
sozialdemokratische Politiker Italiens wie Gulio Andreotti, Giuseppe Saragat oder den
christdemokratischen Gewerkschaftsführer Vito Scalia. In Zusammenarbeit mit der CIA wird in
Italien der militärische Geheimdienst Sifar aufgebaut, der Akten über 157'000 prominente Politiker,
Bischöfe, Journalisten, Gewerkschaftsführer, Industrielle, Künstler und Offiziere führen wird.
In Sizilien funktioniert die Zusammenarbeit zwischen Staat und organisierter Unterwelt unter
Calogero Vizzini, und ab 1954 unter Giuseppe Genco Russo, ausgezeichnet. Die absolute
Mehrheit der Democrazia Cristiana ist gesichert, mit dem Erzbischof von Palermo und der lokalen
Polizei versteht man sich, während Sozialisten und Kommunisten häufig nicht alt werden. Russo
selbst wird ins Provinzkomitee der DC gewählt, etwas später wird er Mitglied des Sizilianischen
Parlaments, und ab 1960 ist er Bürgermeister von Mussomeli. Schon vorher löst er die engagierten
Bauerngenossenschaften auf und gründet eigene, unter seiner Kontrolle stehende
Bauernverbände, womit er die Verteilung des Landes an die Bauern weitgehend verhindern kann.
Dankesgelder der von der Enteignung bedrohten Landbarone und die Verfügungsgewalt der
Verbandskassen von 57'OOu Bauern verbessern seine Einnahmen, die unter anderem aus
Weiterverpachtung von grossen Ländereien an arme Bauern zu horrenden Zinsen und den
Entwicklungsgeldern für den Süden bestehen. Von 1947 bis 1971 fliessen 830 Mia. Lire für
Wohnungs- und Strassenbau, Staudämme und Wasserleitungen nach Sizilien, und von 1972 bis
1976 weitere 630 Mia. Die Aufträge dazu holen sich fast ausschliesslich mafiose Firmen, wobei die
Gelder dann, meistens ohne brauchbare Resultate, versickern.
Der Erfolg in Italien ist der Beginn der systematischen Einmischung der CIA in andere Länder.
1948 intervenieren die USA auch in Costa Rica mit Hilfe der nicaraguanischen Nationalgarde
Somozas, und erste Militärberater werden nach El Salvador geschickt. 1949 wird der Central
Intelligence Act angenommen, der der CIA absolute Geheimhaltung von Funktionen, Namen und
Anzahl der Angestellten sowie der Aufgaben, Gehälter und Finanzierung garantiert.
Frank Wisner, Dulles ehemaliger Assistent, baut nach seinem Erfolg ein Agentennetzwerk in
Osteuropa auf und gründet 1949 das Radio Free Europe. Unter Allen Dulles arbeitet er an der
Albanien-Invasion, bei der aber alle Exilalbaner, die im April 1950 von Griechenland ins Land
einfallen, unmittelbar verhaftet werden. Bis 1953 versuchen die USA und Grossbritannien erfolglos,
die kommunistische Regierung zu stürzen und eine neue Pro-Westliche Regierung einzusetzen,
die hauptsächlich aus Monarchisten und Faschismussympathisanten bestanden hätte.
Bereits jetzt wird Kim Philby verdächtigt, Informationen weitergeleitet zu haben. Der Sohn des
britischen Agenten Harry St. John Philby wurde während seinem Studium in Cambridge Marxist
und trat 1940 in den Secret Intelligence Service ein und steigt 1944 zum Leiter der Spionage-
Abwehr auf. Kim instruierte James Angleton, wie man Nazispione zu Doppelagenten aufbauen
kann, die Falschmeldungen nach Berlin schicken. Im folgenden Jahr offerierte ein hoher KGB-
Offizier auf der britischen Botschaft in Istanbul, zwei British Foreign Office-Diplomaten und einen
Gegenspionageagenten, die für die Sowjetunion arbeiten, gegen Geld zu identifizieren. Philby flog
in die Türkei, worauf ein russisches Militärflugzeug einen Verhafteten von Istanbul ausfliegt und der
Agent nicht mehr gefunden werden kann. 1949 wird Philby britischer Verbindungsagent in
Washington mit Zugang zu Geheimdokumenten, trifft sich regelmässig mit dem Chef der
Gegenspionage der CIA und hilft dem FBI, Spione zu enttarnen. 1951 fliehen die beiden britischen
KGB-Doppelspione Guy Burgess und Donald Maclean, die Zugang zum Hauptquartier der Atomic
Energy Commission haben, in die UdSSR. Philby muss daraufhin nach London zurückkehren,
wobei viele britische Geheimdienstagenten vermuten, dass er ein Opfer der McCarthy-Hysterie sei.
Erst als er sich 1963 selbst in die UdSSR absetzt, wird wirklich klar, dass er als sowjetischer
Doppelagent gearbeitet hat.
Quellen : Horowitz: 76, Raith: 20ff.57.88, Schulz: 82,164, Best: 27f, Meurice.
1948 Die CIA und die Gewerkschaften top
Dave Dubinsky von der International Ladies Garment Workers' Union sponsert den
Gewerkschaftsführer Jay Lovestone, der das AFL Free Trade Union Committee aufbaut. Über
diese Organisation laufen James Jesus Angletons Kontakte zur Mafia (z.B. von New York) und
werden Gelder verschoben (z.B. zu den korsischen Gangs in Marseille). Angleton startete 1943
beim OSS und wurde nach Rom abgeordnet, wo er Helms und Dulles kennenlernte. Angletons
Einheit entdeckte die Geheimpost von Hitler und Moussolini. Als Stationschef in Rom ist Angleton
zusammen mit Raymond Rocca an der Operation gegen die Kommunisten in Italien beteiligt, wobei
er mit Harry Anslingers Topagenten George White und Charles Siragusa zusammenarbeitet.
Mithilfe von neuen Identitätspapieren ermöglicht er vielen Nazis zur Flucht aus den
Gefangenenlagern. 1948 tritt Angleton der CIA bei, wird Direktor der Gegenspionage und legt
Dossiers über eigene Mitarbeiter an, um seine Macht zu sichern.
Der ehemalige Kommunist Jay Lovestone benutzt die Gewerkschaft American Federation of Labor
als Deckmantel für CIA-Programme. Vor allem beim Aufbau der deutschen antikommunistischen
Gewerkschaften spielt Lovestone eine entscheidende Rolle, nachdem er die
Konkurrenzgewerkschaft CIO in die AFL integrieren kann. Dank den grossen finanziellen
Ressourcen kann Lovestone Kongresse und Hilfsprogramme in Deutschland durchführen, bezahlt
deutsche Politiker der Christ- und Sozialdemokraten und Gewerkschafter wie Fritz Heine, Willy
Richter, Ernst Reuter, Willy Brandt oder Carlo Schmidt.
Lovestone und sein Mitarbeiter Irving Brown haben auch enge Beziehungen zu den Pressehäusern
und bezahlen einige wie den Universum-Verlag, die den American Way of Life propagieren.
Lovestone gibt anfangs $200'000, aber schon nach kurzer Zeit über $ 1 Mio. pro Jahr für die CIA
aus. Auch der Chef des Dachverbandes der Gewerkschaften Victor Reuther unterstützt die
deutschen Gewerkschaften, aber nicht im Auftrag der CIA, abgesehen von einem Scheck von
Thomas Braden über $50'000, womit ihn die CIA zu erpressen versucht.
Quellen : Scott (1993): 195, Weberman (6): 3, Drugwar (1): 2, Schröder, Konkret Nr.8/1973, Levin.
1948 Howard Hughes und die Politik top
Howard Hughes wurde aufgrund seines schweren Flugzeug-Unfalls codein- und morphinsüchtig
und bleibt es bis zu seinem Tod. 1947 verschwand Hughes zweimal, um seinem neuen Schwärm
Jean Peters nach Mexico zu folgen und um einer Senatsvorladung zu entgehen. Seit 1946 stellen
die Republikaner nach 16 Jahren wieder die Mehrheit im Kongress. Ein Senatskomitee unter Ralph
Owen Brewster begann, die Kriegskorruption zu untersuchen. Hughes schmierte Roosevelt über
dessen Sohn Elliott und Truman persönlich, unterhielt hohe Militärs mit Prostituierten und kassierte
$40 Mio, ohne auch nur ein einziges Flugzeug zu liefern. Um das Senate War Investigating
Committee zu bremsen, stellte Hughes den Kolumnisten Drew Pearson und seinen Assistenten
Jack Anderson ein, um eine Schmutzkampagne über den Vorsitzenden zu starten. Engagierte
Detektive beschäftigten sich mit Senator Brewsters Beteiligungen an der Pan American Airways,
die über Steuererleichterungen und Regierungsfranchisen marktführend geworden ist und dank
Brewster die Exklusivrechte für Überseeflüge erhalten hat. Pan Am ist die Hauptkonkurrentin der
Trans World Airways, an der Hughes seit 1939 massgeblich beteiligt ist. Im August 1947 stellte er
sich dem Senatsausschuss und sah erstmals die FBI-Reporte der vierjährigen Abhörung seiner
Telefone und Hotelsuiten, wobei auch seine Geliebten beschattet wurden. Auch Brewster bezahlte
einen Polizeileutnant, Joseph W. W. Shimon, der Hughes Hotelzimmer in Washington verwanzte
und sein Telefon anzapfte. Hughes schlug zurück, indem die Schindler Detective Ageny Brewsters
Zimmer im Mayflower Hotel verwanzte und herausfand, dass Brewster auf allen Pan Am-Flügen
gratis fliegt und seine Ferien von der Airline bezahlen lässt. Die Untersuchung gegen Hughes
wurde daraufhin fallengelassen.
Kurz darauf "entstehen" etwa hundert "Hughes for Presidenf-Clubs in allen grösseren Städten,
und Hughes wird zum Hauptlieferanten von Elektronik für die Air Force. Im November 1947 flog
Hughes das erste und letzte Mal eine Meile weit seine hölzerne Herkules (Spruce Goose), deren
Entwicklung den Staat $22 Mio. und seine Hughes Tool Company $50 Mio. gekostet hatte.
Im Mai 1948 kauft er die RKO, das drittgrösste Filmstudio hinter MGM und Twentieth Century Fox,
und bietet Brewster einen Job als Schauspieler an, für $300 pro Woche, weil er kein Anfänger sei.
1952 unterstützt Hughes grosszügig die Senatskampagne des Gegners, worauf Brewster seinen
Sitz verliert. RKO läuft schlecht, weshalb Hughes seine Aktien im September 1952 abstossen will.
Aber nach einem Bericht des Wall Street Journals, wonach die 5 Käufer mit der Mafia verhängt
seien, abgebrochen wird.
Als das House on Un-American Activities Committee seine Untersuchungen in Hollywood
durchführt, zeigt sich Hughes sehr kooperativ. Die Büros werden verwanzt und Drehbuchautor
Paul Jarrico, der sich weigert, vor dem Ausschuss auszusagen, wird gefeuert, was Hughes das
Lob von Nixon einbringt. Hughes kommt einem daraufhin geplanten Streik der Screen Writer's
Guild zuvor, indem er gleich hundert Angestellte entlässt. Zudem verbietet er die Präsentation des
Films Limelight in seinen Kinos, weil sich Charles Chaplin ebenfalls die Aussagen verweigerte.
RKO schreibt unter seiner Führung bis zum Verkauf 1955 $24 Mio. Verluste, auch wegen seinen
permanenten Interventionen bei den Filmen. Hughes verlangt von seinem Umfeld absolute
Loyalität, vor allem von den meist grossbusigen Schauspielerinnen, die er als seinen Besitz
betrachtet.
Obwohl er ab 1947 mit Jean Peters zusammenlebt, führt er seine Eroberungen weiter und hat
Affären mit Tanzstar Cyd Charisse, dem Sopranostar Kathryn Grayson oder Starlett Terry Moore,
die ein Kind von ihm bekommt, das aber nach 12 Stunden stirbt. Im März 1952 veranlasst Hughes,
dass Terry sich nach 15 Monaten Ehe von Glenn Davis scheiden lässt, worauf der Footballstar den
Milliardär spitalreif schlägt. Hughes lässt nicht nur seine Geliebten, sondern auch seine Freunde,
Feinde, Angestellten oder irgendwelche Frauen, die ihm aufgefallen sind, von seiner Geheimpolizei
beschatten. Mit einem Jahresetat von $2 Mio. führt Jeff Chouinard mit seinen Privatdetektive von
1950 bis 1954 über 100 Untersuchungen über Frauen wie Miss Italien Gina Lollobrigado, Susan
Hayward, Elisabeth Taylor, Mitzi Gaynor, Barbara Payton, Anita Ekberg oder Zizi Jeanmaire durch,
die Hughes erlauben, die Tagesabläufe und jedes Telefongespräch jeder einzeln zu verfolgen.
Sein Spionagesystem funktioniert so perfekt, dass er vor Jane Greer weiss, dass sie schwanger
ist. Je älter Hughes wird, desto häufiger konzentriert er sich auf sehr junge Mädchen wie die
15jährige Sally Bliss. Dutzende von Möchtegernstars werden in sein RKO-Programm
aufgenommen, wobei sie Gesangs-, Drama- und Fotokurse bekommen, aber wie Gefangene
gehalten und permanent überwacht werden. Laut Confidential Magazine umfasst sein modernes
Harem 164 Mädchen, und er benutzt die Wohnung von Walter Kane am Sunset Boulevard für
Sexstunden. Einer empörten Mutter, die ihre 15jährige Tochter mit Hughes erwischt, zahlt er
beinahe $1 Mio, um einen Prozess zu verhindern.
Aus Angst vor feindlichen Lauschangriffen hält er seine Geschäftssitzungen im fahrenden Wagen
ab. Hughes engagiert Frank William Gay, den Assistenten seiner Sekretärin Nadine Henley, als
Geschäftsführer und Carl Byoir Associates als PR-Agentur seiner Firmen. Während dem Krieg
vertrat Byoir Nazi-Banker und -Industrielle wie Ernest Schmitz von I.G.Farben oder Friedrich Flick,
der dank John McCIoy freigesprochen wird. Flicks Sohn investiert $400'000 in die W. R. Grace
Company von J. Peter Grace, der Nazi-Offiziere in Bolivien unterstützt. George DeMohrenschildt
ist ein Partner von Firmengründer William Grace.
Hughes begann 1946 seine Zahlungen für Richard Nixon, der als jüngster Abgeordneter im
Education and Labor Committee und im House of Un-American Activities Committee Einsitz nimmt.
Nixon profitiert vom Ärger der Ölfirmen über Jerry Voorhis und wird von Standard Oil, Richfield Oil
und Signal Oil als Gegenkandidat finanziert und dank Kyle Palmer von der Los Angeles Times,
Union- und Tribüne- Besitzer Jim Copley und Herbert Klein von der Alhamba Post-Advocate
aufgebaut.
Verantwortlich für Nixons Dreckkampagne ist Murray Chotiner, der führende Mafiabosse wie Marco
Reginelli vor dem Gericht vertritt. Chotiner erhielt sein Anwaltspatent mit 19 Jahren, arbeitete mit
23 an der Präsidentschaftskampagne von Herbert Hoover und leitete mit 33 die Kampagne von
Earl Warren für den Gouverneursitz in Kalifornien. Entsprechend seinem Credo "Politik ist Krieg"
setzt er jedes Mittel ein. 1946 vermittelt er ein Treffen von Mafiaboss Mickey Cohen mit dem in
seinem Territorium kandidierenden Nixon, der $5000 Wahlkampfunterstützung bekommt. Nixons
Beziehungen zu Mobstern gehen bald über Miami hinaus und laufen auch über Bebe Rebozo,
George Smathers, Bobby Baker, Dana Smith oder Richard Danner.
Das zweite Standbein von Hughes in der Politik ist Lyndon Baines Johnson. Alles in allem erhält
Johnson von Hughes ab 1948 etwa $1 Mio. Schmiergelder. Auch die Baulöwen George und
Herman Brown unterstützen Johnson für seinen Senatswahlkampf, den er 1948 dank der
Manipulation des mächtigen George Parr gewinnt. Brown & Root avancieren dank Johnsons
Staatsaufträgen während seiner Präsidentschaft zur weltgrössten Baufirma. Verschiedene
Verfahren und Untersuchungen gegen Johnson werden politisch oder mit Morden verhindert.
Johnson und sein Schützling John Connally haben beide Büros in Fort Worth, wo sie mit Gamblern
wie W. C. Kirkwood in Kontakt kommen, die mit der Mafia und den Ölbaronen liiert sind. In
Kirkwoods "The Four Deuces Club" treffen sich H. L. Hunt, Clint Murchison, Amon Carter, Johnson,
Connally und Sam Rayburn zum Pokern. Johnson lässt sich in seinem Büro von Jack Halfen, der
Gelder von Frank Costello, Vito Genovese, Carlos Marcello, Jimmy Hoffa und ähnlichen Figuren
bringt, finanzieren, und selbst als Vizepräsident nimmt Johnson dort noch Schmiergelder entgegen.
Quellen : Marrs: 292, Scott (1993): 235,(2000):60, Drosnin, Best: 49f, Brussell (1983): 10f,
Summers (2000): 41-57,151 ,495f, Brown/Broeske: 225-274,281 ff,288.
Oktober 1948 Truman und die Mafia top
Paul Ricca und seine Komplizen werden unter dem Protest der Öffentlichkeit auf Bewährung
freigelassen. Die immer noch von Chicago kontrollierten Gewerkschaften in Hollywood erzwangen
mit Streiks und Sabotage, dass die Studios Harry S. Truman $5 Mio. zahlten, und das Syndikat
versprach Truman die Unterstützung für die Wahl. Auf Anweisung verhinderte der demokratische
Politiker Jake Arvey mit seiner Kandidatur eine Nomination von Estes Kefauver.
Hoover unterstützte den republikanischen Präsidentschaftskandidaten und ehemaligen Mafiajäger
Thomas Dewey mit geheimen Informationen über Truman und arbeitete somit gegen seinen Chef.
Dewey, der zum Alkoholmillionär Lewis Rosenstiel eine lange Bekanntschaft unterhält, schlug sich
auf die Seite von Lucky Luciano und Meyer Lansky, die ihn unterstützen. Auch von Howard
Hughes erhielt Dewey $25'000.
Doch Truman wird am 3.1 1 .48 mithilfe eines Wahlbetrugs der Mafia von Chicago entgegen allen
Wahlumfragen wiedergewählt. Justizminister Tom Clark, mit dem sich Murray Humphrey mehrmals
getroffen hatte, um den Deal einzufädeln, wird kurz darauf von Truman zum Bundesrichter ernannt.
Quellen : Giancana: 226,248,253f, Summers (1993): 169ff, (2000): 128f,1 51 ,498, CSP:8.
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Mafia, Geheimdienste und Politik der USA
Teil 3 (1949 bis 1955)
Dieser Teil der Chronik behandelt die Etablierung der verdeckten Operationen der CIA
(Putsch, Propaganda, Drogen- und Waffenhandel, Geheimkriege, PsyOps, Mord) und die
Kooperation von Mafia, Nixon und den Faschisten.
Die zentralen Themen und Personen sind:
Reorganisation des Drogenhandels , French Connection, die Korsische Mafia und die CIA,
Revolution in China , Mao Zedong, der Opiumhandel, Der Rüstungswettkampf , Atombomben
und die Gründung der NATO, Kommunistenhysterie von Hoover, McCarthy, Nixon und
Kennedy, das HUAC und die Volks-Überwachung, Korea-Krieg mit Napalm und biologische
Waffen, Harriman und die Eugenik, CIA in Mexiko : E. Howard Hunt, Frank Wisner, William F.
Buckley und das Office of Policy Coordination, Mafia-Untersuchungen von Kefauver, CIA-
Programme zur Verhaltenskontrolle , ARTICHOKE, MK/ULTRA, LSD, Humanexperimente und
Mordtechniken, Biowaffen , NK/NAOMI, Grossexperimente, Batista und die Mafia auf Kuba ,
Nixon, Lansky, Faschisten im Wahlkampf, Eisenhower, Hoover und die Ölbarone , John F.
Kennedy und Jacqueline Bouvier , Die CIA unter Allen W. Dulles : Medienkontrolle,
Propaganda, USIA, Neonazis, kirchliche Organisationen, akademische Institutionen,
Jugendverbände, verdeckte Operationen, Geheimkriege, Kooperation mit anderen
Geheimdiensten, Polizeischulen, Sturz von Mossadegh im Iran durch Schah Mohammed
Resa Pahlewi mit Hilfe von Dulles und Helms, Onassis und Aramco , Stavros Niarchos und
Robert Maheu, Vietnamkrieg , Edward G. Lansdale, Ho Chi Minh, Ngo Dinh Diem und der
Opiumhandel, Sturz von Arbenz in Guatemala , United Fruit und die Dulles Brüder,
Ermordung von Remon in Panama , Frank Sturgis, E. Howard Hunt und das U-2-Projekt.
Der Text umfasst ca. 29 Seiten.
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1949 Die Reorganisation des Drogenhandels
Meyer Lansky unternimmt eine fast einjährige Europareise, die ihn zu Lucky Luciano in Rom und
zu John Pullman in Zürich führt. Für die nächsten zehn Jahre steht Lansky mit einem Dutzend
Schweizer Banken in Geschäftsverbindung. Dann beschliesst er, unabhängig zu werden und kauft
die Genfer "Exchange & Investment Bank" auf und ordnet das komplexe Finanzwesen der
Organisation neu. Lansky gilt als Begründer der internationalen Geldwäscherei. Nach einem
Besuch beim König von St.Pauli in Hamburg, "Onkel Joe", reist er über Amsterdam und Brüssel
nach Marseille, um den Drogenhandel mit der "Union Corse" neu zu regeln. Luciano hatte früher
die kalabresische Mafia in seinen Drogenhandel miteinbezogen, und ein Cousin von Luciano
gründete 1948 mit Calogero Vizzini eine Zuckerfabrik in Palermo, in der Heroin hergestellt wird.
Kurz vor dem Tod Vizzinis 1954 veröffentlicht die Zeitschrift "Avanti" die Funktion der Zuckerfabrik
und erzwingt damit die Stilllegung, wobei die Heroinproduktion in Marseilles inzwischen voll
angelaufen ist.
Das "französische Shanghai" wurde in den 20er Jahren von Frangois Spirito und Paul
Buonaventure Carbone aufgebaut. Ihre Hauptleistungen bestanden in der Politisierung der
Unterwelt und der Organisation einer monopolistischen Bordellkette. 1931 wurde das Heroin in
Europa verboten und damit erfolgte ihr Engagement im Drogengeschäft. Mit dem spanischen
Bürgerkrieg kam dem Einstieg ins Waffengeschäft, wobei die Mafiosi zu den Hauptlieferanten
Francos gehörten. Auch unter der Okkupation der Nazis änderte sich in Marseille nichts an der
Struktur der Mafia. Die Gangster verrieten der Gestapo Widerstandkämpfer, womit sie sich für die
Nazis unentbehrlich machten. Carbone flog 1943 mit einer Truppe Gestapo-Offiziere in einem Zug
in die Luft, den die Resistance sprengte. Spirito flüchtete 1944 zu seinem Freund Franco und kam
1947 nach New York zu Meyer Lansky.
Nach dem Krieg zerfiel die Resistance in eine kommunistische und eine antikommunistische
Fraktion, was zu heftigen Auseinandersetzungen führt. 1947 streikten 3 Millionen Arbeiter, was die
französische Wirtschaft lahmlegte. In der Sozialistischen Partei Gaston Defferres, die sich mit 1947
der neugegründeten Partei de Gaulles verbündete, um die Kommunisten aus der Rathauskoalition
zu werfen, wurden die Brüder Antoine und Barthelemy Guerini von der korsischen Mafia die
starken Männer. Antoine verfügt über gute Beziehungen zu den britischen und amerikanischen
Geheimdiensten. Um die von den Kommunisten organisierten Streiks in Marseille zu brechen,
schloss die CIA am 15.1 1 .47 mit der korsischen Mafia einen Pakt. Gegen Geld und Waffen wurde
die Streikbewegung mit einigen Morden gebrochen. Die Gefahr einer KP-Machtübernahme löst die
CIA mit der jährlichen Unterstützung von $ 1 Mio. an die Sozialistische Partei, die im Gegenzug
eine Konkurrenzgewerkschaft zu den Kommunisten aufbaut und sich nicht gegen die
Niederschlagung von Streiks wehrt. Die Guerinis organisieren die Spaltung der Arbeiterbewegung
und die Einsetzung von Terror-Kommandos der Union Corse, die die Kommunisten blutig
niedermetzeln.
Nachdem die USA zuerst die Vietminh unterstützten, schicken sie 1950 Waffen für Frankreichs
Kolonialkrieg gegen Ho Chi Minh in Vietnam über Marseille, was im Februar bei den
Hafenarbeitern Streiks auslöst. CIA-Agent Tom Braden lässt den Guerinis persönlich $15'000
zukommen, und einen Monat später sind die Streiks niedergeprügelt und die Gewerkschaftsführer
ermordet. In der Gegenrichtung der Waffen wird Heroin transportiert. Die "French Connection"
verarbeitet 8 Tonnen Heroin pro Jahr. Die französischen Geheimdienst SDECE, SAC und das
Deuxieme Bureau decken den Handel, da sie einen Teil ihrer Geheimdienstaktivitäten daraus
finanzieren können. Die Verflechtung von Mafia, Parteipolitik und Geheimdienst ist ein System
gegenseitiger Abhängigkeit: Als Entschädigung für den Kampf gegen die Kommunisten muss man
der Unterwelt spezifische Freiheiten zugestehen, und diese Verbindung bedeutet Profit und
Erpressbarkeit. Die Koalition in Frankreich funktioniert fast zwei Jahrzehnte lang perfekt, denn
obwohl Marseille das grösste Heroinlabor der Welt ist, kann man in Frankreich kaum ein Gramm
des Stoffs kaufen. In den USA ist 1951 die Zahl der Heroinsüchtigen auf 60'000 angestiegen.
Heroin findet man bis Ende der 60er Jahre allerdings nur in den schwarzen Slums der Städte.
Paul Helliwell organisiert 1950 den Kauf der auf Drogenhandel spezialisierten General Chennaults
Airline, die dann in Civil Air Transport umgetauft wird. US-General Ciaire Chennault stellte sich
bereits 1937 als Luftwaffen-Berater in den Dienst Tschiang Kai-scheks. Die Piloten seiner Flying
Tigers, die China und Burma gegen die Japaner verteidigten, wurden von der US-Armee rekrutiert,
von der OSS finanziert, und bekämpften Maos Truppen. Mit dem Kriegeintritt der USA gegen
Japan wurde Chennault Chef der OSS-Operationen in China. Zu seinen Agenten gehörte Captain
John Birch, der bei einer Strassensperrenkontrolle von jugendlichen Bauern erschossen und zum
Märtyrer und Symbol des Kampfes gegen den Kommunismus wird. Ein weiterer OSS-Agent war E.
Howard Hunt, dessen Teams Brücken und Nachschubwege der Japaner in die Luft jagten und die
Kollaborateure mit Gold und Opium bezahlten. Nach dem Kampf gegen die Japaner folgt der
Kampf gegen die Kommunisten, finanziert mit Opium. Helliwell, Agent des Office of Policy
Coordination, ist auch an der Gründung der Castle Bank auf den Bahamas dabei, wo sowohl
Drogenprofite gewaschen wie die Geheimfonds der CIA verwaltet werden. Die Nugan Hand Bank
of Australia, die World Finance Corporation (WFC) und die Bank of Credit and Commerce
International (BCCI) erfüllen denselben Zweck.
Quellen : Behr: 175-179, Scott (1993): 165f, 351, Potter: 3f, Drugwar (1): 3, Best: 6,25ff, Ansom:
293, Konkret Nr.1 3/1 971, Nr.7+8/1 973, Summers (2000): 518.
Novemver 1949 Chinesische Revolution top
Mao Zedong ruft am 10.1 1 .49 in China die Volksrepublik aus. Während des ganzen Krieges hatte
Stalin die bürgerliche Kuo-min-tang unterstützt, die das Kriegsmaterial in ihrem Kampf gegen die
Kommunisten einsetzten. Stalin war überzeugt, dass die Revolution in agrarischen China keine
Chance habe. Nach dem Krieg plünderten die Russen die Mandschurei, Chinas industrielles
Kernland, so dass es zu Proteststürmen kam. Die Amerikaner sind nicht in der Lage zu begreifen,
wie die chinesische Revolution zustande kam, wofür die Mitarbeiter der China-Abteilung des
Aussenministeriums verantwortlich gemacht und entlassen werden. Washington pumpte nach dem
Krieg Milliarden von Dollar nach China, um die Machtübernahme der Kommunisten zu verhindern.
Während des dreijährigen Bürgerkriegs nach 1945 gewährte die USA Tschiang Kai-schek ("Cash
my check") die doppelte Militär- und Wirtschaftshilfe, die es der KMT in den acht Jahren des
Krieges gegen Japan bezahlte.
Die USA verweigern der neuen Regierung von Mao Zedong die Anerkennung und bezeichnen sie
als illegal. Trotz dem Versprechen, sich nicht in den Bürgerkrieg einzumischen, stationieren sie die
7. Flotte zwischen dem Festland und Taiwan, helfen der besiegten Armee von Tschiang Kai-schek
wieder auf die Beine und schliessen China vom internationalen Handel und der UNO aus. Die CIA
unter Ray Cline forciert die Landwirtschaft Taiwans und organisiert Sabotageaktionen auf dem
Festland, indem sie bis in die 60er Jahre Viermannteams mit Fallschirmen absetzt, die alle
verschwinden. Riesige Radioanlagen in Okinawa und Taiwan senden ihre Propaganda mit einer
solchen Stärke, dass sie selbst die Radios von Shanghai und Peking übertönen. Von 1951 bis
1954 unterstützt die CIA Guerillasteams, die Angriffe von den besetzten strategischen Pazifik-
Stützpunkte der Japaner in die Volksrepublik fliegen. Eine beachtliche Armee von 12'OOu Mann
(Shan-National Armee und die 93. KMT-Armee), die vor Mao nach Burma geflohen sind oder von
Taiwan in das burmesisch-chinesische Grenzland geflogen wurden, unternehmen im April 1951
und August 1952 Vorstösse in die Volksrepublik, unterstützt von nichtmarkierten CIA-Flugzeugen.
KMT-General Li Mi und seine 5000 Banditen organisieren den Drogenhandel im goldenen Dreieck,
mit deren Erlösen der Inselstaat Taiwan aufgebaut wird.
Kurz vor seinem Amtsantritt als Premierminister 1947 wurde General Aung San, der die föderative
Verfassung für ein nachkoloniales Burma schrieb, umgebracht. Aufgrund der KMT-Söldner und
Maos harter Reaktion geriet Burma in einen Bürgerkrieg, den alle Armeen ausser die Kachins, die
Edelsteine haben, mit Opium finanzieren. Der Armeechef Ne Win legalisiert den Opiumhandel für
alle, die mit seiner Ka Kwe Ye kämpfen. Khun Sa, der mit der KMT und der CIA zusammen
arbeitet, schliesst sich KKY an und erhält das Recht, alle staatlich kontrollierten Strassen für den
Opiumtransport zu nutzen. Ein Teil der 12'000 Krieger in Burma lebt nach kurzer Zeit als Banditen
oder vom Opiumhandel, den sie mit thailändischen Generälen oder der CIA selbst aufziehen.
Während Banditen auf dem Landweg hohe Abgaben für den Drogentransport erheben, fliegt die
CIA das Opium billiger nach Bangkok. Zu diesem Zweck gründet Helliwell die Sea Supply
Corporation, und die CIA übernimmt die Civil Air Transport, die Militärmaterial zu den Truppen und
Opium vom Goldenen Dreieck nach Taiwan und Thailand transportiert. Helliwell tritt 1950 der CIA
bei und stellt die CIA-Deckfirma dem Angleton-Vertrauten John Hart zur Verfügung, der mit 76
Agenten thailändische Polizisten trainiert.
Die bekanntesten Opiumbarone sind Chang Chi-fu, Li Wen-huan, Hsu-shui und Khun Sa, der als
seine Hauptkunden Richard Armitage, Theodore Shackley und Thomas Clines nennt. Anfang der
60er Jahre ist das Goldene Dreieck die grösste Opiumproduktionsregion der Welt. Nach langen
Verhandlungen mit der burmesischen Regierung werden 1953 90% der Truppe nach Taiwan
zurückgebracht. Die restlichen 10% bleiben im Opiumhandel tätig, bis sie 1961 von
Regierungstruppen nach Laos und von dort nach Nordthailand getrieben, wo sie sich etablieren.
Die CIA schickt einige dieser KMT-Leute mit dem beginnenden Krieg in Vietnam als Agenten nach
China.
Trotz der wirtschaftlichen Rückständigkeit und der Bekämpfung durch die USA schafft es Mao
Zedong, das riesige Land zu konsolidieren und China vom Opium zu säubern. Obwohl im Reich
der Mitte seit 1729 verboten, führten die Engländer das Opium 1772 mithilfe der Unterwelt von
Kanton, den Chiu-Chaus, als Zahlungsmittel ein. Die Untertanen in Indien konnten das Opium billig
produzieren, womit wertvolles Silber gespart werden konnte. Nach der Niederlage im Opiumkrieg
(1839-42) wurde der chinesische Kaiser gezwungen, nicht mehr gegen den Opiumhandel
vorzugehen. Wurden um 1815 noch 340, und 1839 noch 1841 Tonnen Opium importiert, stiegen
die Lieferungen der Britisch East Indian Company 1880 auf 6500 Tonnen. China zählte 20
Millionen Süchtige, und der Kaiser musste die Bewilligung zur Eigenproduktion geben. 22'000
Tonnen wurden um die Jahrhundertwende hergestellt, und verhungernde Süchtige gehörten zum
normalen Strassenbild. Das Reich zerfiel unter dem Einfluss der Briten, und 191 1 kam es zur
Revolution, und der Kaiser musste ein Jahr später abdanken. Kurz darauf begannen verschiedene
Generäle, die Macht an sich zu reissen und sich gegenseitig zu bekriegen. Diese Kriege
finanzierten die Warlords mit Rauschgift, wobei Briten, Deutsche und Franzosen kräftig
mitmischten.
Mit der Machtübernahme Maos flüchtet die Mehrzahl der Drogenhändler in das seit dem
Opiumkrieg britische Hongkong, wo noch 1970 mindestens 15 Heroinraffinerien betrieben werden.
In den südlichsten Provinzen Chinas wird allerdings bis 1955 Opium produziert und unter Aufsicht
der KMT exportiert. Der Hauptanteil kommt aber aus Burma und wird nach wie vor unter KMT-
Bewachung nach Bangkok und von dort in die USA transportiert. Die Zahl der Süchtigen in den
USA steigt in den 60er Jahren von 65'000 auf über 500'000. Die burmesischen Militärs werden mit
dem Handel reich und können sich und ihr System, von CIA und DEA als Block gegen China
unterstützt, bis heute an der Macht halten. 1996 produziert Asien laut UNO Heroin für $63 Mia,
wovon über die Hälfte aus Burma stammt.
Der Grossteil des Drogengeldes wird über die australische Nugan-Hand Bank gewaschen, zu
deren Netz viele hohe Militärs und Geheimdienstoffiziere gehören. Präsident ist der pensionierte U.
S. Admiral Earl F. Yates, Rechtsberater ist der ehemalige CIA-Direktor William Colby, und im
Verwaltungsrat sitzen der ehemalige stellvertretende CIA-Direktor Walter McDonald, der National
Security Council-Berater Guy Parker und Andrew Lowe, einer grössten Heroinschmuggler
Australiens. Die Gewinnbeteiligung erlaubt der CIA auch die geheime Finanzierung anderer
verdeckter Aktionen.
Quellen : Horowitz: 93-100, Behr: 151-164, Schulz: 173,330, CIA-Info: 7,13, Potter: 3f, Gritz,
Drugwar (4): 1-4, Best: 65, Amendt, Hamilton-Paterson (1971): 148, Konkret Nr.13/1971, Cortesi,
Kappstein: 33-35, Von Dohnanyi (2001h).
1950 Der Beginn des Rüstungswettkampfs top
Die USA beginnen mit der Aufrüstung, um gegenüber der Sowjetunion eine Situation der Stärke zu
schaffen. Nachdem 1945 noch $81 ,2 Mia. für den Krieg ausgegeben wurde, sanken diese
Ausgaben auf $13 Mia. im Jahre 1950, wobei sie immer noch ein Drittel des Gesamtbudgets
ausmachen. Nach der von Truman im April 1950 gebilligten Strategie steigen die Militärausgaben
1951 auf $22,4 Mia. und auf $43,9 Mia. im Etatjahr 1952. Bis 1955 vervierfacht sich das US-
Verteidigungsbudget, und die Wiederbewaffnung Deutschlands ist im vollen Gang.
1949 wurde die NATO gegründet, zuerst noch nicht mit der Absicht, diese als Machtfaktor gegen
Russland zu brauchen, sondern um die USA und Westeuropa aneinander zu binden. Die USA
rechnen nie wirklich mit einer Aggression der UdSSR in Westeuropa, sondern die NATO soll dazu
dienen, Russland Bedingungen diktieren zu können. Die Russen zündeten im September 1949 ihre
erste Atombombe, und die USA, die bereits über 245 Atombomben verfügen, nahmen Pläne für die
Wasserstoffbombe in Angriff. Die USA ignorieren die Chancen zu Friedensverhandlungen und
untergraben alle diplomatischen Vorschläge der Sowjetunion zur Beilegung des Wettrüstens,
angefangen bei der Frage der Kontrolle der Atombombe 1945 über die Möglichkeiten nach dem
Tod Stalins im März 1953 bis zu den Abrüstungsbemühungen Chruschtschows von 1955-1960.
1960 besitzen die USA 15468 Atombomben, die UdSSR 1060. Für die USA bleibt eine friedliche
Koexistenz mit einer gleichwertigen, kommunistischen Macht unvorstellbar, denn schliesslich geht
es um viel Geld. Bis Ende des Jahrhunderts werden 13 Trillionen Dollar an Bundesgeldern in den
.militärisch-industriellen Komplex' fliessen.
Die mächtige Militärindustrie, für die 10% der Arbeitnehmer arbeiten, propagiert Mythen über die
Bösartigkeit der Kommunisten. Gleichzeitig erfolgen die US-Atombombenversuche dort, wo
Menschen leben, die sich nicht wehren (können). Von 1 943 bis 1 958 testeten die USA für $20 Mia.
über 100 Atom- und Wasserstoffbomben auf den Marshall- und Bikini-Inseln, deren Bewohner als
Versuchskaninchen gebraucht werden. Etwa 2000 Menschen, die ihre Inselchen gutmütig für
"Frieden und Fortschritt" zur Verfügung stellten, werden radioaktiv verseucht. Die meisten leiden an
Schilddrüsentumoren und Krebs, viele erblinden, Miss- und Totgeburten häufen sich. Die AEC
nutzt die "einzigartige Forschungsmöglichkeit", das Leben der Insulaner auf einem "der am meisten
kontaminierten Gebiete der Welt" zu erforschen, ohne dass die Bewohner entschädigt werden.
"Wenn einer hier auch nur ein Wort von der Sache herauslässt, wird er vor Sonnenaufgang
erschossen", bedankt sich Operationsleiter Maynard Nuex. Die Inseln Runit wird zubetoniert und
für 24'000 Jahre, die Halbwertszeit des Plutoniums, für unbetretbar erklärt. Nur ist der atomare
Grabhügel nach einigen Jahren bereits leck.
Auch viele der amerikanischen Soldaten werden verstrahlt und steben an Krebs. Von 1951 bis
1963 detoniert durchschnittlich eine Atombombe pro Monat über Nevada, weshalb heute die
Leukämiehäufigkeit bei Kindern in Utah um 780% über dem Landesmittel liegt. Bis 1960 besitzen
die USA einen Atombombenvorrat von 30'000 Megatonnen, was 10 Tonnen TNT pro Erdbewohner
entspricht, und Zehntausende von Transport- und Abschussmöglichkeiten.
Quellen : Horowitz: 227-327, Reason: 88-97, Geo 1 1/93: 96f, Müller-Borchert, Afterbach 5, Lapham
(2004), Moore (2001).
1950 Kommunistenhysterie top
Max Lowenthal, ein Freund Roosevelts, schreibt ein Buch über das FBI, wovon Hoover, obwohl
Lowenthals Telephon seit längerem abgehört wird, erst kurz vor der Publikation erfährt. Bei
Lowenthal wird daraufhin eingebrochen. FBI-Agenten klappern die Buchläden ab, was
zeitaufwendig und teuer ist, und versuchen, die Buchhändler zu überzeugen, das Buch nicht zu
verkaufen. George Dondero startet eine Schmutzkampagne im Kongress und behauptet,
Lowenthal habe Beziehungen zu Kommunisten, weshalb dieser vom House of Un-American
Activities Committee verhört wird.
Joseph McCarthy, Senator und Vorsitzender des Subcommittee on Investigation, kommt mit seinen
Anschuldigungen gegen angebliche Kommunisten in die Presse. Seine Hearings kann McCarthy
nur dank dem Material seines Freundes Hoover, der ihn seit 1947 unterstützt, durchführen. Hoover
und Colonel John V. Grombach, der seine Geheimdienstaktivitäten 1947 an die CIA abtreten
musste und diese danach in Rosenstiels "Universal Service Corporation" kaschiert weiterführt,
benutzen McCarthy, um vermeintliche Linke wie William Bundy innerhalb der CIA oder John
Service im Aussenministerium zu attackieren. Die Dokumente werden so präpariert, dass die
Herkunft nicht ersichtlich ist. Auch Alfred Kohlberg und der Geheimdienstchef in Japan, General
Charles Willoughby, versorgen den Senator mit Material, und William Buckley, Frank
Seusenbrenner und Walter Harnisfeger unterstützen ihn. Letztere sind explizite Bewunderer Adolf
Hitlers und besuchten das Dritte Reich regelmässig. McCarthy selbst stand hinter der Freilassung
und Freisprechung von Kriegsverbrechern, die nach dem Krieg im KZ Dachau eingesperrt waren,
wie die Generäle Fritz Kraemer, Sepp Dietrick oder Hermann Priess, die am Malmedy-Massaker
beteiligt waren.
Die Jagd auf kritische Intellektuelle begründet McCarthy mit einer Verschwörungstheorie, die an
Eindeutigkeit nicht zu überbieten ist: "Die aktuelle Lage der USA kann bloss das Resultat einer
grossen Verschwörung sein, einer Verschwörung von solchen immensen Ausmassen, dass sie alle
vorherigen Projekte dieser Art in der Geschichte in den Schatten stellt. Eine Verschwörung von
solch finsterer Schmach, dass, wenn sie schliesslich aufgedeckt sein wird, ihre Prinzipien für
immer den Fluch aller ehrlichen Menschen verdienen werden."
McCarthy ernennt Robert Morris zum Chefberater des Senate Internal Security Subcommittee.
Morris war ein ONI-Gegenspionageagent, der für Russland und psychologische Kriegsführung
zuständig war. Nach dem Tod McCarthys zieht Morris nach Dallas, wo er Richter und Präsident der
Universität wird. Richard Nixon arbeitet mit McCarthy zusammen und erlangt dank den HUAC-
Hearings nationale Bekanntheit. 1950 tritt Nixon gegen Helen Gahagan Douglas für den Senat an,
wobei neun der zwölf Zeitungen in Californien dank William Randolph Hearst den Republikaner
unterstützen. Mafiaboss Mickey Cohen sammelt im Auftrag Meyer Lanskys an einem Mafiatreffen
$75'000, was heute SFr. 1,15 Mio. entspricht, für Nixons Rennen in den Senat, wonach Cohen
über Leute wie den Alkohollobbyisten Art Samish seine Finanzierung Nixons weiter führt.
Insgesamt kostet der Wahlkampf weit über $1 Mio, die vom Ölbusiness, der Grossindustrie, den
Banken und Grossgrundbesitzern kommt. Murray Chotiner startet eine Verleumdungskampagne
wie 1 946, wobei falsche Douglas-Propaganda produziert und in den zwei Tagen vor der Wahl
angeblich eine halbe Million anonymer Telefonanrufe an Wähler durchgeführt werden, die Douglas
als Jüdin und Kommunistin denunzieren.
Auf Initiative seines Vaters drückt John Kennedy Nixon einen Umschlag mit Geld in die Hand für
dessen Wahl mit, was er später als den "grössten, verdammten Fehler seines Lebens" bezeichnet.
Vermutlich ging es darum, mit der Schwächung von Douglas seine eigenen Aussichten zu stärken.
Kennedy und Nixon lernten sich 1947 an der Cocktailparty für neue Kongressabgeordnete kennen
und verstehen sich so gut, dass JFK ihm die Telefonnummern von drei jungen Frauen in Paris auf
seine erste Europareise mitgab. Im Gegensatz zu Kennedy, der seinen Konkurrenten für einen
Opportunisten hält und eine gespaltene Persönlichkeit "diagnostiziert", bewundert Nixon JFK und
bricht in Tränen aus, als er 1954 im Spital erfährt, dass ihm die letzte Ölung verabreicht worden
sei. Beim Wahlkampf von 1960 bricht seine Bewunderung in ebenso heftigen Hass um.
Legislative Arbeit hat für Nixon ebenfalls keine Prorität, sondern er reist im Lande herum und hält
1951 49 Reden, um seine Popularität, die er durch das HUAC erreichte, zu steigern. Hoover nutzt
viele Kanäle für seine antikommunistische Propaganda: Neben einem Dutzend Kongresskomitees
sind dies Vereinigungen wie die National Catholic Weifare Conference (Generalsekretär Howard
Carroll, Vizedirektor Pater John Cronin), die US Chamber of Commerce (Vorsitzender Francis
Matthews) oder die American Bar Association (Vorsitz Austin Canfield). Einige von McCarthys
Untersuchungsbeamte sind ehemalige FBI-Agenten. Auch John Kennedy sitzt zeitweilig in
McCarthys berüchtigtem Ausschuss, und Robert Kennedy schnüffelt im Auftrag von McCarthys
rechter Hand, dem Homosexuellen Roy Cohn, nach Homosexuellen im Aussenministerium. Cohn
arbeitet eng mit Louis B. Nichols vom FBI zusammen, und Hoover bestraft seine Agenten Donald
Jones, Russell Sullivan und Jack Knox mit Versetzungen, weil sie den New Yorker Staatsanwalt
Robert Morgenthau in einem Verfahren gegen Cohn unterstützten.
Der McCarthyismus ist nur die hässliche Spitze des antikommunistischen Kreuzzuges der Truman-
Administration, wobei die amerikanischen Sozialwissenschaften es sich dann einfach machen, die
gesamte Demagogie mit den Ekzessen des Senators zu identifizieren. Aber die
Kommunistenhysterie von McCarthy, der behauptet, 205 Mitglieder der Kommunistischen Partei
würden im Aussenministerium arbeiten, erlaubt FBI-Direktor Hoover die breitangelegte
Überwachung der Bevölkerung: Allein 1952 werden 6,6 Mio. Bürger überprüft. Loyal itätsschwüre
werden nicht nur von Regierungsangestellten, sondern auch von Lehrern, Schauspielern und
Akademiker verlangt. In den 50er und 60er Jahren werden an über 50 Universtitäten und Colleges
die Professoren vom FBI überwacht. Besonders genau observiert werden Medienstars wie Albert
Einstein, der sich gegen den Bau der Wasserstoffbombe ausgesprochen hat und sich mit Opfern
der McCarthy-Hysterie soliodarisiert. Die FBI-Akte über den Freidenken und Pazifisten, der zu
Unrecht verdächtigt wird, den Sowjets Geheimnisse zum Bau der Atombombe verraten zu haben,
umfasst bei seinem Tod 1800 Seiten.
1950 wird der Internal Security Act erlassen, das die Vorbeugehaft von Oppositionellen im
Krisenfall vorsieht. Das FBI legte bereits 1939 ohne jede Rechtsgrundlage solche Listen an, die in
den 50er Jahren 200'000 Namen enthalten. Hoover behauptet, es gäbe "628
kryptokommunistische Organisationen". Die American Communist Party dient Hoover als
monströses Schreckgespenst, um sich Geld vom Kongress zu sichern. Die Mitgliederzahlen
werden allerdings geheimgehalten (1956 sind es 20'000, 1971 nur noch 2800, wobei viele der
Mitglieder FBI-Spitzel sind, die die Partei mitfinanzieren und vermutlich überhaupt weiterexistieren
lassen).
Prominenteste Opfer des HUAC werden der State Departement-Beamte Alger Hiss, der in einem
Verleumdungsprozess mittels gefälschten "Beweisen" zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt wird,
worauf Nixon eine vierstündige Siegesrede im Parlament hält, sowie Julius und Ethel Rosenberg,
die im Sommer 1950 verhaftet werden, weil sie gegen Ende des 2. Weltkriegs Informationen über
die Atombombe an die UdSSR weitergegeben haben sollen. Aufgrund gefälschter Beweise durch
das FBI verurteilt sie das Gericht im März 1951 zum Tode, was am 19.6.53 trotz internationaler
Proteste vollstreckt wird.
Im Sommer 1953 wird der Kommunistenjäger für Hoover wegen seinem unvorsichtigen Vorgehen
und seinen Alkoholproblemen zu heiss, und als McCarthy im Oktober einen FBI-Agenten in sein
Komitee beruft, setzt Hoover einen Schlusspunkt. Auch Vizepräsident Nixon distanziert sich auf
Druck Eisenhowers daraufhin von seinem Mentor. Am 2.12.54 wird McCarthy vom Senat mit 67
gegen 22 Stimmen gerügt. John Kennedy ist der einzige Demokrat, der in dieser Frage nicht seine
Stimme abgibt. Er ist glücklicherweise im Spital und hat eine Entschuldigung, um den Freund der
Familie zu schonen. McCarthy wird nach seinem Fall schwer depressiv, seine Morphinsucht
verstärkt sich massiv, und er stirbt am 2.5.57 nur 48jährig. 1967 werden die HUAC-Dokumente für
weitere 50 Jahre versiegelt.
Quellen : Scott (1993): 212, Theoharis/Cox: 318, Posener: 88, Weberman (25): 15-17, Todd,
Schulz: 101, Torbitt: 1 0, Summers (1 993): 1 75-1 92, (2000): 61 ,66-87,1 1 6,1 35,200fr, Brussell
(1983): 12, Ascherson 2, Avineri: 66, Frölich, Scheffer: 22, Ege/Ast.
Juni 1950 Korea-Krieg top.
1945 wurde Korea gemäss den Abmachungen der Sowjetunion und den USA besetzt, wobei die
USA die Demarkationslinie am 38. Breitengrad vorschlugen. Nach vierzigjähriger Besetzung durch
Japan gab es eine starke koreanische Widerstandsbewegung, die die Kontrolle über das Land
hätte übernehmen können. Den USA passten die beabsichtigte Bodenreform allerdings nicht, und
aus den Befreiern wurden die neuen Unterdrücker. Während die Marionette der Amerikaner,
Syngman Rhee, der sich auf die Grossgrundbesitzer stützte, das Volk im Süden unterdrückte,
führte die sowjetische Marionette, Kim Il-Sung, die nötige Bodenreform durch, worauf sich die
Lebensqualität der Bevölkerung im Norden verbesserte.
Rhee erlitt am 30. Mai 1950 eine entscheidende Wahlniederlage und provozierte danach den
Einmarsch der Nordvietnamesen. Eigentlich handelt es sich in Korea um einen Bürgerkrieg mit
Beteiligung der Grossmächte. In Abwesenheit der Sowjetunion mandatiert der UNO-Sicherheitsrat
eine Allianz unter amerikanischer Führung, womit die UNO eine Partei im Kalten Krieg Partei wird.
Unter Befehl von Douglas MacArthur wird die nordkoreanische Offensive von den UNO-Truppen
zurückgeschlagen, wobei die US-Armee südkoreanische Zivilisten, die sie kommunistischer
Sympathien verdächtigt, gnadenlos massakriert.
In Nordkorea setzen die USA weit mehr Napalm ein als später in Vietnam. Napalm wurde 1942 an
der Harvard-Universität entwickelt und bereits im Krieg gegen Japan als Brandbombe eingesetzt.
Zwischen Juni und Oktober 1950 werfen die B-29-Bomber 3,28 Mio. Liter Napalm ab, und der
Presse gaukelt man vor, es handle sich um eine Präzisionswaffe.
Am 30. September erreichen die UN-Truppen den 38. Breitengrad und dringen entgegen dem
UNO-Mandat nach Nordkorea ein, um dessen Armee zu vernichten. Anfang November gibt
MacArthur den Befehl, alle Kommunikations- und Versorgungseinrichtungen, alle Fabriken, Städte
und Dörfer des Nordens zu zerstören. Das Borbardement soll an der Grenze zur Manduschrei
beginnen und Richtung Süden fortgeführt werden. Am 8.1 1 . wird die Stadt Sinuiju mit 550 Tonnen
Brandbomben aus 79 B-29 ausradiert. Eine Woche später wird Hoeryong mit Napalm restlos
niedergebrannt, und bis zum 25.1 1 . stehen weite Teile der Nordwestregion unter Flammen. Die
Truppen überschreiten am 24.1 1 . den Jalu-Fluss, was den Kriegseintritt Chinas provoziert.
Deshalb lässt MacArthur die Haupstadt Pjöngyang am 14. und 15.12. mit Napalm und
Sprengbomben mit Verzögerungszündern angreifen und komplett niederbrennen. Wenn die
Chinesen sich den Städten nähern, wenn diese (wie Uijongbu oder Wonju) abgefackelt.
Gleichzeitig versuchen die Amerikaner, mit neuentwickelten 12'000 Pfund-Bomben
("Tarzanbomben") Kim II Sung in seinem Tiefbunker zu ermorden. Die USA experimentieren mit
weiteren neuen Waffen in Nordkorea: bakteriologischen Kampfstoffen. Die US-Flugzeuge werfen
mit Toxinen bedeckte Bäume, Sojastengel und Truthahnfedern und Kartonschachteln mit
infiszierten lebendigen Insekten, verfaulten Fischen und verwesendem Schweinefleisch, Fröschen
und Nagetieren ab. Mit Pest verseuchte Flöhe und Scharen von Wanderheuschrecken, Insekten
und Spinnen als Milzbrandträger tauchen mitten im Winter auf, nachdem die CIA zusammen mit
der Air Force beschlossen hat, biologische Waffen zu testen. Mit dem Einsatz biologischer Waffen
gegen Nordkorea und die chinesischen Truppen verletzen die USA das Genfer Protokoll von 1925.
Trotzdem lässt sich der Anmarsch der Chinesen nicht aufhalten. Am 30.1 1 . droht Präsident
Truman mit dem Einsatz von Atomwaffen. Die USA besitzen bereits 450 Atombomben, während
die Sowjetunion erst 25 Bomben hat, weshalb man sich keine Sorgen macht. Aber es fehlen
genügend grosse Ziele in Nordvietnam. Trotzdem legt MacArthur am 26.12. eine Liste mit 26
Atombombenzielen vor, und er wollte acht weitere auf die "Invasionstruppen" und ihre
Luftwaffenstützpunkte werfen. Er legt den 10.3.51 als atomaren "D-Day" fest, worauf die Sowjets
200 Bomber in die Mandschrei verlegen, von wo sie nicht nur Korea, sondern auch die US-Basen
in Japan erreichen können. Am 6.4. erhält General Omar Bradley von Truman die Zustimmung für
die Verlagerung der Atombomben zum Einsatz gegen Ziele in China und Nordkorea, worauf die 9.
Bombergruppe nach Guam verlegt wird.
MacArthur wird aber nicht wegen dem geplanten Atombombeneinsatz oder den Kriegsverbrechen
am 10.4.51 aus dem Dienst entlassen, sondern weil er für Robert Lovett, George C. Marshall,
William Avereil Harriman und Dean Acheson zu unabhängig ist. Lovett wird Verteidigungsminister,
Harriman Direktor der Mutual Security Agency und damit Chef der anglo-amerikanischen
Militärallianz. Harrimans Interesse deckt sich mit denen der Brüder Dulles und gilt der Organisation
von verdeckten Operationen und psychologischer Kriegsführung, wozu er 1951 das Psychological
Strategy Board gründet. An die Spitze beruft er Bush-Freund Gordon Gray, der Sponsor der
Sterilisationen in North Carolina. Während dem Krieg änderte die Sterilization League of America
ihren Namen in "Birthright, Inc.", aber nicht ihr Ziel der Verhinderung des Bevölkerungswachstums
von Nichtweissen. Gordon Gray, Sohn von R. J. Reynolds Tobacco-Besitzers Bowman Gray,
gründete eine Medizinschule mit Eugenik-Zentrum in Winston-Salem, wo Dr. Claude Nash
Herndon und Dr. Clarence Gamble mehrere hundert Kinder aus North-Carolina mit einem
Intelligenzquotient unter 70 sterilisieren. Da Gray das Winston-Salem Journal, die Twin City
Sentinel und die Radiostation WSJS besitzt, haben die Experimente eine gute Presse.
Rockefeller-Foundation-Präsident John Foster Dulles und John D. Rockefeiler III. gründen 1952
das Population Council zur Wachstumskontrolle. Erster Präsident wird Frederick Osborne, der
langjährige Sekretär der American Eugenics Society, die ab 1953 von Nash Herndon präsidiert
wird. 1972 heisst die Liga "Association for Voluntary Surgical Contraception" und führt umter dem
Deckmantel der Entwicklungshilfe Sterilisationen durch. 1988 zahlt die Agency for International
Development unter Bush $80 Mio. für Sterilisationsprogramme in 58 Ländern Afrikas,
Lateinamerikas und Asiens, wobei 2 Millionen Sterilisationen durchgeführt werden. Drew Parsons
enthüllt die Verbindung des für den Senat kandidierenden Prescott Bush zur
Sterilisationsorganisation, worauf dieser knapp verliert.
Im Juni 1951 zieht der Vereinigte Generalsstab den Einsatz von Atombomben, diesmal als
taktische Gefechtswaffen, erneut in Betracht. Unter dem Druck Eisenhowers, die Atombombe
einzusetzen, ziehen sich Chinesen wieder aus Südkorea an die Demarkationslinie zurück. Täglich
lassen die B-29 800 Tonnen Napalm auf die Bevölkerung nieder, deren Überlebende in Höhlen
und Erdlöchern hausen müssen. Das Verteidigungsministerium schickt deshalb Samuel Cohen
nach Korea, um eine Methode zu entwickeln, wie man den Feind ohne Zerstörung des Infrastruktur
vernichten könnte. Cohen wird der Vater der Neutronenbombe.
1952 wird die 5000 Mann starke Spezialruppe Green Berets für die unkonventionelle
Kriegsführung, Terrorbekämpfung und die Ausbildung fremder Truppen gegründet. Sie werden
nach Korea vor allem in Vietnam und bei der Niederschlagung der kommunistischen
Guerillabewegungen in Lateinamerika eine zentrale Rolle spielen.
Beim Rückzug wenden die USA die Taktik der verbrannten Erde an. Im Frühling 1953, nachdem
die Bauern den Reis eingepflanzt haben, bombardiert die US-Luftwaffe die riesigen Staudämme
von Kusong und Toksan in Nordkorea. Die Landwirtschaft, der einzige noch funktionierende
Bereich, wird damit zerstört. Die ausgelöste Flutwelle reisst ganze Dörfer mit, und die Hauptstadt
steht unter Wasser. In 200'000 Arbeitstagen wird das Wasserreservoir nach dem Krieg mühsam
wieder aufgebaut.
Am 27.7.53 wird in Panmujom nach zweijährigen Verhandlungen ein Waffenstillstand geschlossen,
das wieder den 38. Breitengrad zur Grenze bestimmt. Schon vorher haben die Amerikaner
aufgehört, Bomberangriffe zu fliegen, weil alles restlos zerstört war, wobei auch auf die
Südkoreaner keinerlei Rücksicht genommen wurde. Zwischen 1950 und 1953 kommen in Korea 3-
4 Millionen Menschen um, mindestens 1,3 Mio. Südkoreaner, 1 Mio. Chinesen, 500'000
Nordkoreaner und 54'000 Amerikaner (5,72 Mio. Amerikaner kämpften im Korealkrieg). Zwei Drittel
der Toten sind Zivilisten, und mehrere Millionen Koreaner flohen. 18 der 22 grössten Städte sind
mindestens zur Hälfte zerstört, Pyöngyang zu 75%, die Industriestädte Hamhung und Hungnam zu
80%, Sinajnuzu 100%.
Diktator Syngman Rhee kann sich mithilfe seines Polizeiapparates bis im Februar 1960 an der
Macht halten. Im Dezember 1992 wird mit Kim Young Sam erstmals seit Rhee wieder ein Zivilist
zum Präsidenten gewählt. Noch im Jahre 2000 sind 37'000 US-Soldaten in Südorea stationiert und
8100 Gls gelten immer noch als vermisst. Als ob kein Napalm- und Biowaffenkrieg, keine
Massaker an Zivilisten und keine sinnlosen Zerstörungen der United Sadists of America gegeben
hätte, bezeichnet George Warlord Bush 2002 Nordkorea als Schurkenstaat, weil es an der
Entwicklung der Atombombe arbeite.
Quellen : Horowitz: 100-128, Staub: 2, Endicott, Best: 67, Tarpley/Chaitkin: 43-46,55ff, Karel
(2004), Cummings (2004).
Dezember 1950 Die CIA in Mexiko top
E. Howard Hunt übernimmt die CIA-Station von Lateinamerika in Mexico City. Ehemalige FBI-
Agenten in Mexico wie Winston MacKinley Scott, William King Harvey und Raymod Leddy
wechselten zur CIA, nachdem sie die Dokumente verbrannten, damit sie der Konkurrenz Hoovers
nicht in die Hände fielen. Hoover baute während dem 2. Weltkrieg das Special Intelligence Service-
Spionagenetzwerk in Lateinamerika mit Basis in Mexico auf.
Die geheime Finanzierung zum Ausbau der CIA-Station kommt von der International Organizations
Division, eine Abteilung des Office of Policy Coordination, das über ein Bugdet von $100 Mio. für
verdeckte Operationen verfügt. Hunts Aufgabe in Mexiko ist, Antikommunisten zu unterstützen, vor
allem in Bezug auf die Führungsrollen in Gewerkschaften und Studentenorganisationen.
Everette Howard Hunt, dessen Vater ein Freund des OSS-Gründers William J. Donovan ist,
studierte englische Literatur und Journalismus und wurde an der Yale Drama School
aufgenommen. Nach einem Jahr bei der Navy arbeitete er für die Time im Südpazifik. 1944 begann
er beim OSS und kooperierte mit Lawrence Houston, Walter Kuzmuk und Ciaire Chennault für Paul
Helliwell in China. Hunt arbeitete 1948 als Wirtschaftsattache in Paris mit Richard Bisseil, OPC-
Direktor Frank Wisner und William Avereil Harriman. 1949 trat Hunt dem Office of Policy
Coordination der CIA bei und heiratete Dorothy Wetzel.
Frank Wisner wurde im 2. Weltkrieg von William Donovan rekrutiert und in den Balkan geschickt.
Seine Operationen dort gelten als vorbildliche Modelle für psychologische Kriegsführung. Wisner
nahm im April 1945 im Auftrag von Dulles Kontakt mit Reinhard Gehlen auf, um ihn anzuwerben.
Nach seinem Einsatz in Italien und dem Aufbau eines Agentennetzes in Osteuropa wurde er 1948
zum Direktor des Office of Policy Coordination ernannt, das 1952 offiziell mit der CIA fusioniert.
Dabei rekrutiert er ausländische Studenten, infiltriert Gewerkschaften und kümmert sich um die
Propaganda-Instrumente, um die "Wahrnehmung gegenüber dem Kommunismus zu verändern".
Über James Burnham lernte Hunt William F. Buckley Jr. kennen und holte ihn in die CIA. Buckley
Sr. besitzt die Pantipec Oil in Mexico, deren Wert auf $110 Mio. geschätzt wird. William F. Buckley
Jr. dient von 1950 bis 1954 bei der CIA in Japan und Mexico, danach gibt er die The National
Review heraus und hilft beim Aufbau des "American Committee to Aid the Katanga Freedom
Fighters", die im Kongo gegen Patrice Lumumba kämpfen. Zusammen mit Douglas Caddy gründet
Buckley 1960 die "Young Americans for Freedom", deren Mitglieder wie Tom Charles Huston für
die CIA und Howard Hughes arbeiten. Im Verwaltungsrat der YAF sitzen Scharfmacher wie die
Senatoren Strom Thurmond, John Tower und Barry Goldwater, Ronald Reagan, Professor Lev
Dobriansky, General Charles Willoughby, General Mark Clark, John Wayne und Robert Morris.
Buckley ist ein Freund von Cord Meyer, der die United World Federalists gründet, bei denen Ruth
Forbes Paine ein aktives Mitglied ist.
James Burnham war zusammen mit George Lyman Paine eine leitende Figur der United World
Federalists. Als Undercoveragent diente er sich in der trotskistischen Bewegung hoch, um sie zu
manipulieren oder zu spalten. Burham wurde danach Chef der verdeckten Aktionen bei der CIA.
Leon Trotsky wurde im mexikanischen Exil im August 1940 von Ramon Mercador, einem Agenten
der Geheimpolizei, umgebracht. Burnham beriet bereits 1942 das OSS und das OPC bei
Mordoperationen in Algier und unterstützt Howard Hunt, der Agenten in die mexikanische Trotsky-
Bewegung infiltriert.
Das National Security Council erlaubt 1950 mit dem Beschluss NSC-68, dieselben Methoden
anzuwenden wie die UdSSR, womit Geheimdienstaktionen gemeint sind, die die Ermordung von
Regimekritikern miteinschliessen. Die CIA-Station in Mexico beschäftigt allein sieben Agenten zur
Registratur von Personen öffentlichen Interesses in Mexico. Ein Ingenieur baut in der
Telephongesellschaft ein umfangreiches Abhörsystem auf, das nicht nur den Telephonverkehr
einiger Botschaften, sondern auch der mexikanischen Politiker bis hin zum Präsidenten aufnimmt.
Auch in Parteibüros und Buchläden werden Abhöreinrichtungen installiert. Daneben knüpft die CIA
ein Netz von Verbindungen zu Regierung, Staatsapparat, Armee, Parteien, Gewerkschaften,
Massenmedien und Kirchen. Diese Kontakte erhalten oft Geld oder werden unter Druck gesetzt,
damit sie kooperieren. Die New Yorker Bank Deak und Company spezialisiert sich auf die diskrete
Überweisungen von Bestechungsgeldern von Geheimdiensten und Waffenhändlern. Aber auch
gemeinnützige Stiftungen eignen sich für Geldtransaktionen. Nahezu die Hälfte der Gelder, die von
US-Stiftungen im Ausland ausgegeben werden, stammen von der CIA.
Quellen : Bartholomew (2): 13f ,(4): 2, Weberman (6): 3-8, Powers: 54, Schulz: 158f, Mason: 1f,
Brussell (1983): 12-15, Schröder, Kappstein: 33.
1951 Mafia-Untersuchungen top.
Der Senats-Ausschuss unter dem Voritz von Estes Kefauver untersucht erstmals die
Mafiaverbrechen auf nationaler Ebene. J. Edgar Hoover versuchte, das Kefauver-Komitee zu
verhindern und sammelte "Dreckmaterial" über den Senator. Hoover untersagt seinen Beamten
jede Kooperation mit dem Ausschuss und verbietet ihnen sogar, das Wort Mafia zu brauchen. Er
verweigert, selbst nachdem zwei Augenzeugen umgebracht werden, jeden Begleitschutz für die
Aussagewilligen. Das FBI hat keine Abteilung zur Bekämpfung des organisierten Verbrechens, da
Hoover behauptet, es gebe kein nationales Verbrechersyndikat. Werden Zeugen zu Mafia-
Verbrechen oder beschuldigte Mafiosi vernommen, lässt der FBI-Direktor die Protokolle unter
fehlleitenden Begriffen archivieren.
Am 25.1.51 muss Carlos Marcello vor dem Ausschuss aussagen. Er benutzt 152 Mal den 5.
Zusatzartikel, der Aussageverweigerung erlaubt, wenn man sich damit selbst belasten würde.
Wegen Missachtung des Kongresses wird Carlos deshalb zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt, was
ein Berufungsgericht aber aufhebt.
1953 kommt es zum ersten Ausweisungsbefehl gegen Marcello, was zu einem jahrzehntelange
Rechtsstreit führt, der Marcello insgesamt $1Mio. kostet. Nach dem Ausweisungsbefehl wechselt
Carlos Marcello 1 953 sein Hauptquartier. Am Ausgang des "Town & Country-Motel", das er mit
Nofio Pecora und Joseph Poretto leitet, hängt ein Schild mit der Aufschrift: "Drei können ein
Geheimnis bewahren, wenn zwei tot sind".
Untersuchungsrichter Aaron Kohn kommt nach New Orleans und bildet die Metropolitan Crime
Commission of New Orleans zur Bekämpfung der Marcello-Organisation. Am Beginn seiner Arbeit
muss Kohn feststellen, dass alle lokalen Akten über Marcello vernichtet worden sind. Aber seine
Komission kann einen Teil der Korruption aufdecken und mindestens drei Morde auf Marcello
zurückführen. Kohn zufolge verdient Marcello sein Geld mit allen Arten von Glückspielen, Drogen,
Prostitution, Handel mit gestohlenen Waren aus Raub, Einbrüchen und Diebstahl. Die Profite
investiert er in legale Firmen: Motels und Restaurants, Banken und Finanzfirmen,
Spirituosenvertriebe, im Schiffsbau, in Taxi- und Busbetrieben, Rundfahrtlinien, Tankstellen,
Wäscheverleihfirmen, Souvenirgeschäfte, Schallplattenvertriebe, Elektrogeschäfte und eine
Tomatenkonservenfabrik. Die US-Marine ist der Hauptkunde von Marcellos Pelican Tomato
Company. Diese bildet seine Legitimation als einfachen Tomatenverkäufer, an der auch der für
Marcello zuständige FBI-Beamte Regis Kennedy festhält. 1957 und 1958 kommt es dann zu zwei
Anklagejurys, bei denen mehrere hochrangige Polizeibeamte wegen Korruption angeklagt werden.
Jack Ruby ist ein Informant des Kefauver-Komitees und kann erreichen, dass Dallas von einer
Untersuchung wegen Mafiaaktivitäten und Polizeikorruption verschont wird. Joe Kennedy wird in
Zeugenaussagen des Bootleggings belastet, erscheint aber nicht im Index der Verhöre. Die im
Fernsehen direkt übertragenen Hearings machen die Mobster berühmt, womit die Geschäfte
schwieriger werden. Im Zentrum der öffentlichen Verhöre stehen vor allem die Unterwelt von New
York und Frank Costello, weshalb Vito Genovese ihn und sein Umfeld ausschalten will. Costellos
will seinen "Ruf" verteidigen und beantwortet bis zu einem gewissen Punkt die Fragen des
Ausschusses, wodurch er nationale Berühmheit erlangt.
Frank Costello und Albert Anastasia verbünden sich: Costello braucht Anastasia aufgrund der
Konkurrenz, die Genovese innerhalb der Luciano-Familie auslöst. Nach der Rückkehr aus dem
neunjährigen Exil in Italien hat Genovese die Führung der Familie wieder übernommen, aber nicht
ohne dass es zu Missstimmungen kam. Anastasia andererseits hat sich schon lange von seinem
Boss Vincent Mangano distanziert, der mit seinem Bruder Philipp nur kassiert, was Anastasia und
Tony aus dem Hafen herauspressen. Wegen seiner Allianz mit Costello muss Anastasia
befürchten, dass Vincent Mangano ihn beseitigen will. Am 19.4.51 wird Phil Mangano tot im
Sumpfgebiet bei Sheepshead Bay gefunden und Vincent Mangano verschwindet spurlos. Mit der
Unterstützung Costellos wird Anastasia am nächsten Treffen der Bosse in Manhattan zum Chef
der Mangano-Familie erklärt. Frank Scalise und Joe Adonis werden seine Unterbosse und Carlo
Gambino sein Berater. Mit ihnen übernimmmt Anastasia die Kontrolle über die 300 Docks und
40'000 Arbeiter des Hafens, dem Umschlagplatz der Mehrheit der Importe in die USA. Diese fast
grenzenlosen Möglichkeiten zum Geldverdienen, auch mit dem Schmuggel, und sein Bündnis mit
Costello machen Anastasia zum mächtigsten Boss in New York in den nächsten Jahren.
In den 40er Jahren arbeitete Joe Adonis intensiv mit Willie Moretti in den Spielcasinos von New
Jersey und Brooklyn. Moretti, der Boss von New Jersey, leidet an Syphilis, weshalb Vito Genovese
die meisten Syndikatsmitglieder von dessen Gefährlichkeit überzeugen kann. Der Allierte von
Costello und Förderer von Frank Sinatra wird am 4.10.51 in einem Restaurant ermordet. Damit
verstärkt Genovese seine Position gegenüber Anastasia und strebt danach, der Boss der Bosse zu
werden. Allerdings ist auch er für die Syndikatsmitglieder nicht ungefährlich. Nachdem er seiner
Frau an einer Party zwei Zähne ausgeschlagen und eine andere Frau, die sich einmischte,
ebenfalls geschlagen hat, erzählt seine Frau während der Scheidungsverhandlung, wie Genovese
sein Geld verdient. Aber die Justiz interessiert sich mehr für Costello, der im Sommer 1952 für 18
Monate ins Gefängnis wandert wegen Missachtung des Gesetzes vor dem Kefauver-Ausschuss.
Quellen : Meurice, Davis (1988): 64-80, Weberman (6), (27): 17, Pease (1995), Summers (1993):
228-231, Cran,, Davis (1994): 62ff,72, Giancana: 307, Best: 6,8, Scott (1993): 129ff,189ff, 217ff,
Sylwester.
1951 CIA-Programme zur Verhaltenskontrolle top.
Die CIA startet das Projekt ARTICHOKE unter Leitung von Morse Allen, dessen Versuche das Ziel
haben, Leute mittels Hypnose zu unfreiwilligen Killern zu machen. Programmierte Mörder könnten
laut Memobericht missliebige Politiker beseitigen und würden nach vollbrachter Tat in
Polizeigewahrsam genommen und ausgeschaltet. Untersuchungen an verurteilten Mördern sollen
herausfinden, ob diese "besondere organische Eigenschaften" haben. Dieses Programm ist eine
Fortsetzung der Humanexperimente der nationalsozialistischen Wissenschaftlern, von denen
sieben in Nürnberg zum Tod verurteilt wurden, und deren Arbeiten statt in ein Archiv an die CIA
gingen. Dieses Wissen verschaffte den amerikanischen Wissenschaftlern einen Vorsprung auf
dem Gebiet der Verhaltensmanipulation.
Schon während dem Krieg experimentierte das OSS mit Marihuana-Derivaten, um eine
Wahrheitsdroge zu finden. Die CIA nahm die Verhaltens-modifikationsversuche zunächst unter den
Namen BLUEBIRD wieder auf, um eigene Mitarbeiter zu konditionieren, damit sie im Falle einer
Enttarnung keine Geheimnisse verraten und nicht "umprogrammiert" werden können, wobei
verschiedene Drogen, Schlafmaschinen, Lügendetektoren und Hypnosetechniken gestestet und
eingesetzt wurden. Das im August 1951 in ARTICHOKE umbenannte Programm untersteht dem
Office of Security, einer Abteilung der Technical Service Division, die Waffen, falsche Dokumente,
Tarnungen und Codes produziert. Das OS führt Akten über 300'000 US-Bürger, mit einem
Hauptinteresse für sexuelle Orientierungen und Präferenzen.
Mitte 1953 startet Aliens Stellvertreter Dr. Sydney Gottlieb das Projekt MK/ULTRA, das
Verhaltenskontrolle und Ermordungsstrategien mittels Drogen, Elektroschocks und chemischen,
biologischen und radioaktiven Materialien weiter ausbaut. Gottlieb promovierte an der Technischen
Universität von Kalifornien in Chemie und übernahm im Alter von 33 Jahren die Chemical Division
des TSD der CIA. Er gewann schnell die Achtung seiner Kollegen und von Richard Helms, weil er
sich nicht vor heiklen Aufgaben drückte, wozu beispielsweise verrückte Vergiftungspläne gegen
Abdul Karim Kassem und Fidel Castro gehören. Durch MK/ULTRA werden Medikamente zur
Willens- und Bewusstseinssteuerung wie das Bulbacapin gefunden, sowie eine tödliche Droge, die
keine Spuren hinterlässt.
Die ausgedehntesten Experimente werden mit dem 1943 entdeckten LSD gemacht, von dem 1953
für $240'000 Proben an verschiedene Universitäten und Labors für zum Teil gefährliche Tests
geschickt wird. Es werden Kollegen und Leute "von zweifelhafter Loyalität, verdächtige Agenten
oder Spitzel, Subjekte mit Geheimwissen" ausgewählt, die zu ahnungslosen Versuchskaninchen
werden. Gottlieb engagierte den Zauberkünstler John Mulholland, der den CIA-Agenten beibringen
soll, wie man unbemerkt Drogen in Drinks kippt.
Der tödliche Sturz von CIA-Mitarbeiter Dr. Frank Olson hat nichts mit einem Selbstversuch der CIA
zu tun, wie lange behauptet. Olson kannte die Foltermethoden und Gehirnwäscheversuche mit
Drogen, die die CIA mit vermuteten Spionen und Kriegsgefangenen durchführte und wusste um
den Einsatz von Biowaffen wie Anthrax im Koreakrieg. Alle beteiligten Soldaten und Piloten wurden
gezwungen, ihre Aussagen bezüglich des Biowaffeneinsatzes zu widerrufen und Stillschweigen zu
schwören. Da Olson Informationen weitergab, bringt ihn die CIA um, indem er betäubt und dann
aus dem Fenster gestürzt wird. Seine Familie erfährt erst 1975 aus einem Zeitungsbericht über die
Rockefeller-Kommission, dass es kein Selbstmord war. Donald Rumsfeld und Richard Cheney
überreden Präsident Gerald Ford, sich bei der Familie zu entschuldigen und den Mord als Unfall
nach einem LSD-Selbstversuch darzustellen, um eine weitergehende Untersuchung zu verhindern.
Hingegen gehören Prostituierte mit Kundschaft in San Francisco und New York, wo George White
in Appartementen Beobachtungsposten einrichtet, zu den 5000 Personen, an denen Halluzinogene
ausprobiert werden. Whites Assistent Ira Feldman betätigt sich als Zuhälter, wobei die Frauen mit
Gutscheinen, die sie beispielsweise bei einer Verhaftung einsetzen können, und Heroinsüchtige
mit Heroin für die Teilnahme an Experimenten belohnt werden. Die Tonbänder und Fotos der
Safehouses dienen gleichzeitig dazu, Erpressungsmaterial zu beschaffen, so dass sich die
Testopfer nicht wehren können. Jahre später schreibt White in einem persönlichen Brief an
Gottlieb: "Ich war ein höchst unbedeutender Missionar, ein Ketzer praktisch. Aber ich habe aus
ganzem Herzen in den Weinbergen geackert, weil es Spass, Spass und nochmals Spass machte.
Mit dem Segen des Allerhöchsten lügen, töten, betrügen, stehlen, vergewaltigen und plündern - wo
sonst hätte ein echter Amerikaner das tun können?"
George White ist neben Garland Williams und Charles Siragusa einer der Topbeamten des Federal
Bureau of Narcotics von Harry Anslinger und dient als Schnittstelle von Drogenhändlern und
Geheimdienstagenten zwecks antikommunistischer Aktionen. Im 2. Weltkrieg war White Offizier
der Gegenspionageabteilung X-2 des OSS und an der Operation UNDERWORLD beteiligt, die den
Hafen New Yorks sicherte, die Invasion in Sizilien erleichterte und Luciano aus dem Gefängnis
brachte. White und Siragusa waren an den antikommunistischen CIA-Aktionen 1948 in Italien und
der Unterstützung der Hip Sing Tong-Mafia in Hong Kong beteiligt, welche schon in den 30er
Jahren im Drogenhandel war und mit der Kuo-min-tang zusammenarbeitet. FBN-Agent Garland
Williams verschaffte dem Mobverbündeten Satiris "Sonny" Fassoulis 1949 einen Job bei der
Commerce International China als Zuständiger für militärischen Nachschub und Berater von
Tschiang Kai-Schek in Taiwan. Fassoulis Name taucht in mehreren grossen Finanzskandalen in
den USA auf.
White verabreichte bereits vor dem Krieg konzentriertes Marihuana an Ahnungslose, unter
anderem auch an August Del Gracio, einem Vertrauten von Lucky Luciano. 1966 gelingt es dem
israelischen Geheimdienst, Cannabis synthetisch herzustellen, das die US-Armee 1967 zur
Kriegsverwendung weiterentwickelt.
Es gebe nur einen "operativ realistischen" Weg, Drogen zu testen, erklärt CIA-Direktor Richard
Helms später, "das Experiment an ahnungslosen Menschen". Viele der Drogenuntersuchungen
werden aber nicht in den CIA-Labors und -Safehouses selbst durchgeführt, sondern über
Stiftungen und Direktaufträge an 88 Experten vergeben. 86 Universitäten und Colleges (z.B:
University of Illinois, University of Minnesota,) und viele Spitäler (z.B: Mount Sinai Hospital, Boston
Psychopatic Hospital, Valley Forge General Hospital, Detroit Psychopatic Clinic, Mayo Clinic,
National Institue of Health, wo Krebskranke für Tests gebraucht werden) experimentieren mit. In
Montreal beispielsweise testet der Psychiater Ewen Cameron langjährige und mehrstufige
Bewusstseinsmanipulationsprogramme (MK/ULTRA Subprojekt 68) mit massiven Elektroschocks,
Dauerbeschallungen in Isolationszellen, dem nervenlähmenden Curare, Schlafmitteln und LSD an
ahnungslosen Patientinnen. Der Londoner Arzt Dr. Sergeant experimentiert im Auftrag der CIA mit
Schlafkuren und Elektroschock zur Verhaltensprogrammierung an depressiven Patientinnen.
Arzneimittelproduzenten und Gefängnisse in den USA (z.B. im kalifornischen Folsom-Gefängnis, in
Vacaville und in Springfield), aber auch in Lateinamerika und Südostasien machen mit. Der
Pharmakologe Dr. Carl Pfeiffer führt LSD-Versuche für die CIA in den Gefängnissen Atlanta und
Bordentown, New Jersey durch. Allein das Gesundheitsministerium gibt von 1 954 bis 1 968 $7,5
Mio. für 2500 LSD-Versuche in den Gefängnissen aus. Zudem wird LSD zwischen 1953 und 1973
an 745 Armee-Angehörigen ausprobiert, oft ohne deren Wissen. Eines der bekanntesten
Drogenversuchsopfer der Armee ist der Profi-Tennisspieler Harold Blauer. Alle Beteiligten halten
sich an die auferlegte Schweigepflicht.
Ende der 60er Jahre verliert die CIA das Interesse am LSD, das 1966 verboten wird, weil es
zuwenig verlässliche Geständnisse hervorbringt, und testet vermehrt mit Opiaten und BZ
(=Quinuclidinyl Benzilat ist 100 Mal stärker als LSD). General Lloyd Feilenz und Solomon Snyder
entwickeln Pläne, BZ im Kriegsfalle in die Trinkwasserversorgung des feindlichen Landes zu
kippen, wozu in Dugway Proving Ground in Utah 50 Tonnen der Droge gelagert werden.
Bei der Versetzung Helms als Botschafter nach Teheran 1973 vernichtet Gottlieb alle
verbleibenden Dokumente über MK/ULTRA, das aus 149 Unterprojekten bestanden hat. Eines
davon ist CHATTER, das eine Wahrheitsdroge für Verhöre und Agentenrekrutierung sucht, wobei
beispielsweise Scopolamin, Mescalin oder Anabasis Aphylla eingesetzt werden. Fester Bestandteil
des Programms, bei dem der Psychiater Dr. Edgar Schein eine zentrale Rolle spielt, sind die
Versuche mit dem Wahrheitsserum Sodium Penthotal, das kombiniert mit anderen Medikamenten
beispielsweise Todesängste hervorrufen soll. Schein fordert 1961 die systematische Gehirnwäsche
bei Strafgefangenen, da sie das Recht auf eine eigene Persönlichkeit durch die Straftat verwirkt
hätten.
Die Fernsteuerung von Menschen und das Erlangen von Informationen in Verhören wird mit
Elektroschocks, Bestrahlungen, Ultraschall, Psychochirurgie, auch an Geisteskranken, versucht.
Mit der Forschung über hypnotische Suggestion wurde Dr. George Estabrooks bereits nach Pearl
Harbor beauftragt. In den 50er Jahren wird an der Kombination von Hypnose und Drogen
weitergeforscht, was als besonders erfolgreich angesehen wird.
1962 bombardieren die Sowjets die US-Botschaft in Moskau mit Mikrowellen, die Auswirkungen
auf das Zentralnervensystem haben können. Die CIA verheimlicht diese Bestrahlung trotz
Entdeckung, vermutlich weil sie selbst solche Untersuchungen an der Universität von Illinois
durchführt. Auch das Office of Naval Intelligence finanziert Forschungen wie die des
Neurophysiologen Jose Delgado über die elektronische Manipulation des Hirns.
In der CIA-Forschungsabteilung werden 1300 Wissenschaftler beschäftigt, die spurenlose Gifte
und geräuschlose Pistolen entwickeln sowie Provokations-, Sabotage- und Mordkommandos
ausbilden. Hauptaufgabe des Office of Special Operations unter Oberst Boris T. Pash ist die
Beseitigung von Doppelagenten, aber es werden auch missliebige Politiker umgebracht, wie der
linke griechische Abgeordnete Lambrakis. Pash war bei der Army Intelligence der Chef der ALSOS
Mission, die versuchte, deutsche Wissenschaftler zu "fangen", um die vermutete deutsche
Atombombe in den USA fertigzustellen. Nach dem Krieg half er Nazi-Wissenschaftlern, in die USA
zu kommen.
Die CIA erarbeitet ein 22seitiges Manual mit dem Titel "A Study of Assassination", das
verschiedene Mordtechniken, angemessene Waffen und Vertuschungstechniken wie Tarnungen
als Unfälle erklärt. Laut diesem Handbuch dürfen Mordaufträge nie schriftlich erfolgen und nicht in
die Akten aufgenommen werden. In einem Spezialprogramm wird versucht, 40 Kinder (ab 6jährig)
zu Killern zu programmieren: sie lernen verschiedene Mordtechniken, erhalten
Scharfschützentraining und eine Gehirnwäsche. Zur Mordabteilung grhören General Robert
Cushman, John Richardson, John Baker, Milton Buffington, Tracy Barnes sowie E. Howard Hunt.
Viele der Mordpläne werden aber nicht ausgeführt oder scheitern, wie den gegen den chinesischen
Premierminister Tschou En-lai, der 1955 vergiftet werden soll, oder derjenige gegen den
Journalisten Jack Anderson, dem man das Lenkrad seines Wagens mit LSD besprühen will.
Quellen : Callahan: 97, Scott (1993): 172f, Weber: 28-50,57-68, Schulz: 155ff, CIA-Info: 5f,13,
Kirchmann, Marks, Ege (1984): 161-167, Powers: 238ff, Amendt, Albrecht/Schäfer, Koch/Beck.
1952 Biowaffen top.
Parallel zu MK/ULTRA läuft NK/NAOMI, ein gemeinsames Projekt der Technical Services Division
der CIA und der Special Operations Division der U.S. Armee in Fort Detrick in Maryland, wo 600
Wissenschaftler ab 1952 während 18 Jahren biologische Waffen entwickeln und testen. Dabei
werden Giftpfeile, Gifttabletten oder biologische Waffen gegen Getreide und Tiere entwickelt.
Insgesamt gibt es in dieser Zeit über 200 Freiluftexperimente mit biologischen Waffen.
Schon 1930 bekam der I.G.Farben-Chemiker Gerhard Schrader von seinem Chef Otto Bayer den
Auftrag, Insektizide als Kampfstoffe zu entwickeln. 1937 produzierte er das Nervengas Tabun,
1939 das Sarin und 1944 das Soman, die zuerst an Affen und später an KZ-Häftlingen in
Ausschwitz ausprobiert wurden. 1945 blieb Schrader als wissenschaftlicher Direktor des
Laboratoriums für Pflanzenschutz bei Bayer Leverkusen an seinem Arbeitsplatz.
Weiter als die Nazis bei den chemischen Massenvernichtungswaffen waren ihre japanischen
Verbündeten, die bei ihrem Überfall auf China 1941 Kugelbomben mit bakteriologischen und
chemischen Kampfstoffen in der Mandschurei erprobten. Um die Forschungen der Japaner, die
biologische Waffen an Gefangenen zuerst testeten, zu übernehmen, integrierten die USA die
Kriegsverbrecher als Zivilberater in ihrer Sondereinheit 406. Der Kriegsverbrecher Nobosuke Kishi,
Minister für Waffen und Munition in Tojos Kriegskabinett, wird 1957 Japans Ministerpräsident. Die
CIA finanziert und fördert die Ein-Parteien-Herrschaft Japans, wodurch die .Kolonie' einfacher
kontrolliert werden kann.
Zusammen mit den Kanadiern experimentieren die Wissenschaftler mit Fliegen, Flöhen, Moskitos
und Zecken, um die Keime zu verbreiten. Die Kanadier entwickelten eine 225-Kilo-Bombe, die
200'000 Fliegen transportieren soll. 1952 bestellt die Air Force 23'900 M-33-Streubomben, die je
108 Aerosolbomben mit biologischen Toxinen enthalten, und die Navy entwickelt eine biologische
Mine für den Einsatz von U-Booten aus.
Zwischen 1949 und 1968 werden 26 Operationen in verschiedenen Städten und Landstrichen mit
Nervengiften durchgeführt. Ende September 1950 brach in San Francisco eine
Lungenentzündungsepidemie aus, die die Ärztewelt vor ein Rätsel stellte. Die Marine und die CIA,
die die 800'000 Einwohner als Testpersonen für die Bakterien Bazillus Globigii und Serratia
Mercescens verwendeten, schwiegen. Edward Nevin starb an den Folgen dieser Sprühaktion.
Vergleichbare Breitentests werden 1954/55 mit Keuchhusten-Bazillen (Hemophilus pertussis) in
Florida und im Februar 1956 in New York, wo bei der Operation BIG CITY Bazillen über den
Auspuff eines Autos verteilt werden. Unter dem Codenamen WHITECOAT werden von 1955 bis
1977 153 streng geheime Experimente mit Q-Fieber, Milzbrand, Hasenpest, Bauchtyphus oder
Hirnhautentzündung mit Vorliebe an freiwilligen Adventisten ausprobiert, da diese keinen Alkohol
trinken und nicht rauchen. Die Kirchenleitung rekrutiert dafür 2200 junge Männer.
Quellen : CIA-Info: 5,11,14, Potter, DDAH, Cole, Brandt, Kohn/Meinke: 46, Best: 92-95, Narco,
Groden/Livingstone: 350, Tarpley/Chaitkin: 185-209, CNPC: 18, O'Shaughnessy, Schulz: 106,166-
168,198, Weber: 52-55, Dezalay, Endicott, DiEugenio (1997): 2,20, Schneider, Kienzlen, Pepper:
217.
Mai 1952 Batista und die Mafia auf Kuba top
Fulgencio Batista übernimmt am 10.5.52 zum 2. Mal die Macht auf Kuba in einem unblutigen
Putsch. Meyer Lansky bezahlte dem Präsidenten Carlos Prio Socarras $250'000, damit der
exilierte Batista die Bewilligung zur Rückkehr bekam. Kurz vor den Wahlen stürzt Batista den
gewählten Staatspräsidenten, der sich nicht wehrt.
Als Lansky 1953 aus dem Gefängnis entlassen wird, investiert er grosse Summen in Kuba und
zieht 1954 auf die Insel. Lansky und der Diktator stehen sich laut einem Anwalt Lanskys "sehr
nahe, wie Brüder". 1955 erlaubt Batista die Glücksspiele in jedem Nachtklub oder Hotel, das mehr
als $1 Mio. Wert hat und befreit sie von allen Steuern, wofür er die Hälfte der Gewinne der
Spielautomaten einkassiert. Kuba entwickelt sich zum Zentrum des Glückspiels und der
Prostitution für amerikanische Touristen, Spieler, Investoren, Spekulanten und Freier.
In den nächsten vier Jahren investieren die Mobster insgesammt $50 Mio. in Havanna. Lansky
baut das einundzwanzigstöckige Riviera Hotel mit Swimming Pool und eiförmigem Kasino, besitzt
Anteile am Sevilla Biltmore, am Tropicana Casino und am Havanna Hilton. Moe Dalitz von
Cleveland übernimmt das Hotel Nacional, wo Lanskys Bruder Jake die Geschäfte führt. Lanskys
Freund Charlie "the Blade" Tourine besitzt das Capri. Das $24 Mio. teure Havanna Hilton leitet
Eddie Levinson aus Las Vegas. Santos Trafficante gehört das Sans Souci und Anteile am Capri,
Hilton und Commodoro. Lucky Luciano hat ebenfalls Anteile am Sans Souci und am Riviera. Auch
Sam Giancana und Johnny Roselli von Chicago sowie Salvatore Granello und James Plumeri von
der Lucchese-Familie haben auf Kuba investiert.
Santos Trafficante kontrolliert den Drogenhandel auf Kuba und in Florida, er besitzt ein Büro im
Teamster Local 320 in Miami, das Dave Yaras und Barney Baker in den 50er Jahren mitaufbauen.
Als Trafficante Sr. stirbt, übernimmt sein gleichnamiger Sohn die Geschäfte und gilt allgemein als
der offizielle Boss auf Kuba.
Kuba ist eine Art Halbkolonie der USA, wirtschaftlich und politisch völlig abhängig von den USA. Es
hatte sich sogar das Interventionsrecht des Grossen Bruders in die Verfassung schreiben lassen
müssen. Die CIA baut Batistas Geheimdienst BRAC auf, der sich auf die Folterung von
Gefangenen spezialisiert. Die USA üben nach der Revolution Castros grossen Druck aus, um die
Freilassung der gefangenen BRAC-Folterer durchzusetzen.
Quellen : Marrs: 169, Davis (1994): 129, Schulz: 175, Best: 32, Olgiatti, Anson: 306-308.
1952 Nixon, Lansky, Faschisten top
Obwohl Richard Nixon dem kalifornischen Gouverneur Earl Warren seine Unterstützung für die
Präsidentschaft versprach, schwenkt "Tricky Dick" nach der Zusicherung von Thomas Dewey für
eine eigene Präsidentschaft um und intrigiert mit Murray Chotiner für General Dwight D.
Eisenhower. Der stramme Antikommunist wird auf dem republikanischen Parteitag zum Erstaunen
aller zum Running Mate Eisenhowers ernannt.
Unterstützt wird Nixon dabei von Prescott Bush, der Vater des späteren Präsidenten. Der
überraschende Tod des 48jährigen Senators James O'Brien McMahon am 28.7.52 erlaubt es
Bush, im Fahrwasser des Kriegshelden Eisenhower problemlos in den Senat gewählt zu werden.
McMahon war von 1935 bis 1939 stellvertretender Justizminister und dürfte über die Nazigeschäfte
von Bush informiert gewesen sein. Der optimale Zeitpunkt seines Todes und die Möglichkeit, dass
McMahon seine Karriere hätte zerstören können, lassen auf Mord schliessen.
Nixon und Eisenhower treten im Wahlkampf als Reinemacher gegen die korruptionsgeschüttelten
Demokraten unter Harry Truman auf, bis die Presse berichtet, Nixon hätte $18'000
Wahlkampfgelder von konservativen Geschäftsleuten in die eigene Tasche gesteckt. Nixon
behauptet, die Kommunisten steckten hinter dieser "Verleumdung" und kann seine Haut mit einer
populistischen Rede im Fernsehen (, Checkers Speech') retten, in der sich als armen Schlucker
darstellt. Dank dem Wahlkampfstrategen Murray Chotiner wird Nixon aber mindestens von 27
Grossfirmen und Millionären finanziert, die wissen, dass Nixon macht, was sie von ihm verlangen,
wie es bei den Aktionen gegen Onassis offensichtlich wird.
Von 1952 bis 1956 vertritt Murray Chotiner mit seinem Bruder Jake Mafiosi in 221 Buchmacher-
Prozessen. Nixon arbeitete in den 40er Jahren als Anwalt für Meyer Lansky, der sein
Wahlkampffinanzmanager Dana Smith sehr gut kennt. Lansky und Nixon treffen sich anfangs der
50er Jahre auf Kuba, wo Nixon als passionierter Spieler bekannt ist. Nixon ist öfters auf der Insel
als gerngesehener Gast bei Batista und verleiht ihm 1955 als Vizepräsident die Ehrenmedaille.
An einem Abend im März 1952 verspielt Nixon im Sans Souci $4200, was offenbar das Casino
übernehmen soll, weshalb es zu einem Streit kommt. Nixon, Bebe Rebozo, Smith und Richard
Danner kennen jedoch Norman Rothman, der das Sans Souci für die Mannarino-Brüder leitet, die
mit Santos Trafficante zusammenarbeiten.
Bebe Rebozo, der an Lanskys illegalen Spielcasinos in Haiandale bei Fort Lauderdale und im
Osten von Miami beteiligt ist, und Nixon investieren gemeinsam in Kuba, beispielsweise ins Coral
Gables Motel. Lanskys Kontakte zu Nixon laufen auch über George Smathers, und über "Jimmy"
Alo, Lanskys rechte Hand und Manager des Hotel Nacional, laufen die Gelder für Nixons
Wahlkampf. Nixon benützt die Kommunistenhysterie, um den demokratischen Kandidaten Adlai
Stevenson, den Sam Giancana finanziert, zu attackieren.
Von den $100'000 Schmiergeldern, die Nixon vom rumänischen Geschäftsmann Nikolae Malaxa
für seinen Einsatz, damit dieser in den USA bleiben kann, erfährt die Öffentlichkeit dank der CIA
nichts. Malaxa unterstützte Hermann Göring, geschattete im 2. Weltkrieg mit Alfred Göring, gehörte
zum Gestapo-Netzwerk von Otto von Bolschwing und finanzierte die "Iran Guard", die mit der
Auslandgeheimdienstabteilung des SS zusammenarbeitete und in Bukarest 7000 Juden
umbrachte. Nach dem Krieg schlug er sich auf die Seite der Kommunisten und wurde mit der
Rückgabe seines von der Partei eingezogenen Vermögens von $2,4 Mio. (nach anderen Quellen
$200 Mio.) belohnt, womit er sich mithilfe von OSS/CIA-Agent Frank Wisner in die USA absetzte.
Die Anwaltskanzlei Sullivan & Cromwell der Brüder Dulles organisierte seine Immigration in die
USA.
Der spätere Aussenminister John Foster Dulles vertrat als Anwalt die Interessen des 3. Reiches.
Vizeaussenminister Adolph Berle vertrat Malaxa vor den Immigrationskomitee, und die Kanzlei
Bewley, Knoop and Nixon konnte 1951 seine Niederlassung durchsetzen, da die von Malaxa
gegründete Pipeline-Firma Western Tube nationale Sicherheitsinteressen wahrnehme. Die Firma
produzierte keine einzige Röhre, aber ihr Präsident Herman L. Perry, unterstützt Nixon seit 1946.
Das INS versucht seit einiger Zeit, Malaxa auszuweisen und kam deshalb über die Führer der
Exilrumänen zu Beweisen der Schmiergeldzahlungen. CIA-Chef Walter Bedell Smith, der im Krieg
bei Eisenhower diente, kann den Skandal verhindern. 1952 zieht Malaxa nach Argentinien und wird
mit Juan Peron und Otto Skorzeny gesehen.
Der Rassist Nixon hat auch andere Drähte zu Faschisten: Sein Mitarbeiter Lynn Nofziger finanziert
die American Nazi Party, FBI-Agent G. Gordon Liddy organisiert die Projektion von Nazi-
Propagandafilmen, Viorel Trifia gehörte zu Otto von Bolschwings Gestapo. Nixon, ein
ausgesprochener Antisemit, ernennt den Nazi-Kriegsverbrecher Laszlo Pasztor zum Mitglied des
Republican Nationalities Council. Nixon ist auch mit Kurt-Georg Kiesinger befreundet, der NSDAP-
Mitglied war, für Ribbentrop und Goebbels arbeitete und von 1966-69 als CDU-Bundeskanzler
amtet. 1974 vergleicht sich Nixon selbst mit Hitler, als er sagt, er wolle, dass Bill Simon sein Alfred
Speer sei. Der Prediger Billy Graham, der seit den 50er Jahren praktisch alle Präsidenten berät,
meint zu Nixon, man müsse die Herrschaft der Juden über die Medien brechen, sonst sei das Land
verloren. Die antsemitischen Prediger Frank Graham, Billys Sohn, Pat Robertson und Jerry Falwell
von Moral Majority, der den Teufel 1999 als jüdisch und männlich beschreibt, wechseln nach dem
Attentat vom 1 1 .9.2001 schnell auf einen antiislamischen Kurs.
Quellen : Behr: 171,178, Davis (1988): 275,314,359, Hersh: 157, Giancana: 31 6f, Bartholomew:
54f, Weberman (6): 1f, Groden/Livingstone: 418, Summers (1993): 201 ff, (2000): 41-57,106-
135,178f, 353ff, Tarpley/Chaitkin: 58, Warde (2002b), Birnbaum.
1952 Eisenhower, Hoover und die Ölbarone top.
J. Edgar Hoover interessiert sich vor allem für die Seitensprünge von Dwight D. Eisenhower,
unterstützt ihn aber politisch. Kay Summerby, Eisenhowers Chauffeurin und Liebhaberin während
des 2. Weltkriegs schrieb 1948 das Buch "Eisenhower was my Boss", das Hoover aus den
Buchläden verschwinden lässt. Adlai Stevenson wird von Donald Surine, McCarthys
Verbindungsmann zu Hoover, im Fernsehen attackiert und als Homosexuellen und
Kommunistenfreund diffamiert.
Die Ölbarone finanzieren ebenfalls Eisenhowers Wahlkampf. Eine der ersten Amtshandlungen
Eisenhowers besteht im Stopp der Grand Jury-Untersuchung des internationalen Petroleumkartells
wegen "Staatssicherheitsgründen". Die Ölmultis werden für ihre Wahl-Unterstützung während
seiner ersten Amtsperiode mit 60 Lizenzen aus Bundesreserven belohnt. In den 55
vorhergehenden Jahren wurden insgesamt nur 16 Lizenzen erteilt.
Hoover betrachtet Clint Murchison und Sid Richardson als seine besten Freunde. Murchison
finanziert Lincoln Rockwell, der Führer der amerikanischen Nazi-Partei. 20% der Murchison Oil
Lease Company gehören der Genovese-Familie, Handridge Oil teilt Murchison mit der Mafia von
Las Vegas. Auch mit der International Brotherhood of Teamsters Union laufen Deals, und Clint
Murchison jr. unterhält Geschäftsbeziehungen mit Carlos Marcello.
Hoovers Assistent Thomas Webb wechselt auf Rat Hoovers nach siebzehn Jahren Dienst beim
FBI zu Murchison und schmiert für ihn zusammen mit Bobby Baker Politiker, vor allem Johnson.
Von 1953 bis zu seinem Tod ist Hoover zusammen mit seinem Liebhaber Clyde Tolson jeden
Sommer während mindestens einem Monat Gast im Murchisons Hotel La Jolle, ohne je eine
Rechnung zu bezahlen. Auch Myer Schine finanziert Hoovers Ferien, und dank Börseninsidertips
mit den Ölmultis kassieren der Direktor und der Vizedirektor Börsengewinne. Tolson besitzt bei
seinem Tod Aktien im Wert von mindestens $750'000. Obwohl die Einkünfte aus Hoovers Büchern
offiziell an eine Stiftung gehen, steckt der FBI-Direktor 90% davon in die eigene Tasche und die
seiner Ghostwriter.
Eisenhower holt nach seiner Wahl Nelson Rockefeiler, der die New Deal-Programme wegwischen
soll. Über Oveta Culp Hobby und Gouverneur William P. Hobby lernte Rockefeiler einflussreiche
Texaner kennen wie George und Herman Brown, den Versicherungskönig Gus Wortham, "Mr.
Houston" Jesse Jones, oder den Gründer der Vinson & Elkins und First City Bank in Houston,
Richter James Elkins. Verteidigungsminister wird Charles Wilson von der General Motors, der das
Land mit Higways überziehen, mit der Begründung: "Was gut ist für GM, ist gut für Amerika". Seit
1930 hat GM dafür gesorgt, dass 100 Tramsysteme in 45 Städten aufgegeben wurden.
Quellen : Summers (1993): 180-191,233, Best: 85, Kangas: 3, Brussell (1983): 7f,22, Theoharis/
Fox: 356-375, Staub (2002g), Snell.
1952 John F. Kennedy und Jacqueline Bouvier top
John F. Kennedy wird gegen den siegessicheren Henry Cabot Lodge in den Senat gewählt.
Nachdem 1949 das Cortison entdeckt wurde, verbesserte sich sein Gesundheitszustand
entscheidend, und er wurde politisch aktiv. Statt der nötigen 2500 Nominierungsunterschriften Hess
Kennedy über 260'000 sammeln und anschliessend allen Unterzeichem einen Dankesbrief
schicken. JFK setzte vor allem auf die Stimmen der Frauen, für die Teegesellschaften organisiert
wurden. Wiederum wurde 900'000 Mal die achtseitige Kriegsheldengeschichte verteilt, mit
Kennedys Foto auf dem Umschlag. Viel Propaganda verbreitete auch die Boston Post, die kurz vor
dem Ruin von Kennedy ein $500'000-Darlehen bekam. Die perfekte Kampagne, die $250'000
kostete, managte Joe, der seine alten Kontakte in Boston reaktivierte.
Nachdem die Frauen ihre Stimmen für JFK abgegeben haben, heiratet er am 12.9.1953 Jacqueline
Bouvier, die er 1951 in Washington kennengelernt hatte. Arthur Krock, dem Joe Kennedy seit
einiger Zeit wegen einer Frau für Jack in den Ohren lag, organisierte ein Treffen mit der
Journalistin. Aber Jack interessierte sich zunächst nicht für Jackie, und sie verlobte sich im
Sommer mit John Husted, obwohl dieser nicht zu den ganz Reichen gehört. Beim zweiten Versuch,
die beiden zu verkuppeln, klappte es dann, wenn er ihr auch nur selten anrief und keine Karten,
Blumen oder gar Liebesbriefe schickte. Da JFK sich nicht zur Ehe entscheiden kann, entzieht sie
sich ihm und geht als Korrespondentin nach London. Im Verlauf eines transatlantischen
Telephongesprächs wird im Mai 1953 die Heirat vereinbart, obwohl Jacks Freund Lern Billings am
Inaugurationsball Eisenhowers Jackie zur Seite nahm und ihr von Jacks Frauengeschichten
erzählte. Sie will den emotional unreifen 36jährigen, weil die Kennedys wirklich Geld haben.
Die Heirat bedeutet den Eintritt der irischen Katholiken in die herrschende WASP-Oberschicht, die
aus 60 Familien besteht, wofür Joe Kennedy sein Leben lang gekämpft hat. Obwohl der
aristokratische Stammbaum der Bouvier-Auchincloss eine Erfindung von Jackies Schwiegervater
war, hat die Mutter zunächst Bedenken, weil die Tochter unter ihrem Stand heiratet. Der Vater
"Black Jack" Bouvier hasst Joe Kennedy, weil dessen Börsenreform ihm finanziell das Genick
gebrochen hatte. Und Jackie hat Bedenken, weil die Kennedys "so bourgeois" sind. Aber ihre
Familie ist verschuldet, während Kennedys Privatvermögen auf $400 Mio. geschätzt wird. Kardinal
Richard Cushing traut das Paar, das sich einig ist, dass die Ehe zum äusserlichen Erfolg und zum
Kinderkriegen nötig ist. Jackie wird die Rolle der Präsidentengattin und Mutter perfekt spielen und
Jack auf den Wahlkampagnen begleiten, auf denen sie viele Stimmen einbringt.
Da Frauen für Jack entweder Hausfrauen oder Huren sind, hält er sich mit George Smathers eine
Hotelsuite. Dabei passt Jackie trotzdem nicht in sein Bild, weil sie explizit keine Hausfrau sein will.
Aber sie inszeniert diese Rolle zumindest am Anfang, um den Sprung ins Weisse Haus zu
schaffen. JFK stellt sein "Familienleben" schamlos zur Schau, lädt Journalisten und Fotographen
zu sich nach Hause ein und sorgt dafür, dass das Traumpaar regelmässig auf den Frontseiten der
Magazine erscheint. JFK hat gelernt, dass Publicity das Wichtigste ist und wie man die Medien für
sich nutzt. Privat kennen sich die beiden kaum und sind wie zwei Eisberge, aber politisch sind sie
ein perfektes Paar. JFK ist zu emotionaler Bindung nicht fähig und kann, obwohl er bei Männern
wie Frauen starke Gefühle wecken kann, selbst weder Liebe zeigen noch geben. Als er gegen
Ende seines Lebens gefragt wird, ob er je einen Menschen geliebt habe, starrt eine eine Weile aus
dem Autofenster und verneint dann. JFK ist ein Profiteur, der Dienst, Loyalität und Zustimmung
fordert, aber Kritik und Widerspruch nicht duldet. Im Oktober 1955 und im August 1956 erfolgen
zwei Fehlgeburten, bevor im November 1957 Caroline und 1961 John jr. geboren werden. Wenige
Tage nach der Geburt stirbt Patrick im August 1963. Diese Schwierigkeiten haben vermutlich mit
seiner Geschlechtskrankheit zu tun.
Quellen : Posener: 13-45,58-69, Kessler (1997), Collier/Horowitz: 215-259.
Die CIA unter Allen W. Dulles top.
Allen Welsh Dulles, der als Chefagent des OSS in Bern innerhalb kurzer Zeit ein Agentennetz über
ganz West- und halb Osteuropa aufgezogen hatte, wird neuer CIA-Direktor der Regierung
Eisenhower, und sein Bruder John Foster Dulles wird Aussenminister. Von 1937 bis 1943 war
Allen Dulles Direktor der Schroeder Bank, die Hitler finanzierte. Deshalb hat er zeitlebens beste
Beziehungen zur Wall Street und zum Zirkel von Morgan, Rothschild, Hambros, Baring und
Eugene Meyer. Seit 1942 stand Dulles in Kontakt zu SS-General Karl Wolff und arbeitete mit bei
der Operation BERNHARD, einem Geldwasch- und -fälschungsprogramm mit Wolff und dem
Mailänder Gestapo-Chef Walter Rauff, der für den Tod von 100'000 Juden verantwortlich ist. 1943
führte Dulles in der Schweiz mit dem SS-Offizier Prinz Hohenlohe Verhandlungen, um eine totale
Niederlage Deutschlands zu verhindern. Dabei hatte Dulles auch Kontakt mit Hitlers Stellvertreter
Martin Bormann, der in Paraguay das neues Nazi-Netzwerk "die Spinne" aufbaut.
Dulles begann im Dezember 1942 eine professionelle und amouröse Beziehung mit Mary Bancroft,
die eine lebenslange Freundin von George Lyman und Ruth Forbes Paine ist. Bancroft war Dulles
primärer Kontakt mit der Gruppe "20. Juli", die ein Attentat gegen Hitler plante. Verbindungsmann
Hans Bernd Gisevius, Mitglied der Organisation von Militärgeheimdienstchef Admiral Wilhelm
Canaris, dessen Untergebener Hans Oster die Aktion koordinierte, ging Anfang Juli 1944 nach
Deutschland, um den Coup vorzubereiten. Im Sommer 1944 ging die Bombe hoch, die Hitler nur
knapp verfehlte. Wäre Hitler getötet worden, hätte ein sofortiger Waffenstillstand mit den
Westmächten stattgefunden, um gemeinsam gegen Russland weiterzukämpfen. Die Briten, deren
Agent Kim Philby die Codes der Deutschen knacken konnte, widersetzten sich vehement einem
solchen Deal. Canaris, der den Mord an Rosa Luxemburg, die Unterstützung der IRA, von
Francisco Franco, die faschistische Freiwilligenarmee CONDOR, aber auch die Rettung von Juden
aus Deutschland organisert hatte, wurde entlarvt, und SS- und Gestapochef Heinrich Himmler
übernahm dessen Funktion. Auch Himmler schickte Agenten zu Dulles, um einen Sparatfrieden
und den gemeinsamen Krieg gegen Russland zu verhandeln.
Nach dem fehlgeschlagenen Anschlag konnte sich Gisevius mit falschen Papieren in die USA
absetzen, wo er bei Dulles Freund Tom Braden unterkam und bei Dresser arbeitete. Der Vater des
zukünftigen CIA-Direktors und Präsidenten, Prescott Bush, ist Verwaltungsrat bei Dresser. Der
Chef der Dresser ist Henry Neil Mallon, der die Ölequippement-Firma und deren Tochterfirma
IDECO seinem Freund Dulles als Cover für verdeckte Aktionen der CIA zur Verfügung stellt.
Seinem Sohn George Bush vermachte Prescott über Ray Kravis, der J. Paul Getty und Joe
Kennedy bei Steuerhinterziehungen hilft, einen Job. Aber dieser begann bei Dresser Industries, die
Harriman gehört. Danach stieg er mit John Overbey und Kapital von Jimmy Gammeil, Eugene
Meyer und seinem Vater in den skrupellosen Handel von Grundstücken mit vermuteten Ölquellen
ein.
George Bush stellt seine 1953 mit den Liedkte-Brüdern gegründete Zapata Oil und die 1954
gegründete Zapata Offshore der CIA als Basis für Kuba-Angriffe zur Verfügung. Der Manager
Wayne H. Dean bei Zapata, die mit Gulf, Standard Oil of California und Royal Dutch Shell handelt,
ist ein Freund von DeMohrenschildt. Auch Prescott "profiliert" sich als Senator ausschliesslich im
Bereich der verdeckten Inland-Operationen der CIA, die er über die H. Smith Richardson
Foundation des Vick Chemical-Besitzers Richardson finanziert (beispielsweise die MK/ULTRA-
Experimente im Bridgewater Hospital in Massachusetts). Mit seiner Ernennung in das Senate
Armed Services Committee 1956 steigt er in den Kreis der Entscheidungsträger auf. Auch sein
Freund Gordon Gray wird 1958 als Chef des National Security Council in die Machtzentrale
berufen.
Eisenhower stellt sich nicht gegen die verdeckten Operationen von Harriman, Dulles und Bush,
wenn er sich im Falle des Scheiterns oder einer Veröffentlichung absichern kann. Gray, Dulles,
Robert Lovett, C. Douglas Dillon, Jock Whitney und Prescott Bush sind wesentlich an der Stärkung
des CIA-Machtblocks des President's Foreign Intelligence Advisory Board beteiligt.
Dulles startet Anfang der 50er Jahre das CIA-Programm MOCKINGBIRD, um die Medien zu
kontrollieren. Der .ehemalige' CIA-Agent Generoso Pope gründet 1952 die American Media Inc.,
die Boulevard-Blätter wie Sun oder the National Enquirer herausgibt. Frank Wisner und sein
Assistent Richard Helms rekrutieren 400 Journalisten, zum Beispiel Harrison Salisbury, Drew
Pearson, Eugene Methvin, Sulzberger, Rowland Evan, Robert Novak oder Joseph und Stewart
Alsop. Phil Graham arbeitet eng mit Wisner und Helms zusammen an der Operation
MOCKINGBIRD, weshalb die Washington Post zum einem wichtigen Sprachrohr in Washington
wird, schnell wächst und die Times-Herald und das WTO-Radio übernimmt. Mediengesellschaften
wie CBS, ABC, NBC, Hearst, Reader's Digest, Time, Life-Time, New York Times, New York Harald
Tribüne, Look, Houston Post, New Leader und die Agenturen AP, UPI, Reuter, Forum World
Features, International Communication Agency, die Nachfolgeorganisation der USIA, EFEC in
Spanien und Latin in Chile arbeiten mit der CIA zusammen. Nach Angaben der Zentralstelle für
Nationale Sicherheit kontrolliert die CIA um 1980 230 Nachrichtenagenturen. Der Rekord mit 23 als
Journalisten eingestellte CIA- und FBI-Agenten hält Copley Press. Die meisten Medien legen der
CIA zuerst die Berichte vor, wenn sie etwas über die CIA enthalten, und verschweigen
Informationen, die die CIA stören könnten.
Eigentliche Propagandasender der CIA sind Radio Free Europe in München, Radio Free Asia,
Radio Swan, Radio Liberty, Voice of America, das 822 Wochenstunden in 38 Sprachen sendet,
und RIAS. Letzteres trägt mit seinen Aufrufen zum Generalstreik entscheidend dazu bei, dass aus
der Demonstration der Bauarbeiter Ostberlins am 16.6.53 eine das ganze Land erfassende
Rebellion entsteht. 1949 gründete die CIA das National Committee for a Free Europe und das
Committee for the Liberation of Peoples of Russia, um Radiostationen aufzubauen. Radio Liberty
sendet in 14 Sprachen in die UdSSR. Radio Free Europe verliert mit dem Aufstand in Ungarn
1956, wo die CIA militärische und finanzielle Hilfe für die Widerstandsbewegung leistet, seine
Glaubwürdigkeit. Aufgrund der Radiozusicherungen von Frank Wisner warten die Rebellen, die
Budapest eingenommen haben, vergeblich auf die Unterstützung durch die Amerikaner, bis sie von
den sowjetischen Panzern überrollt werden. 200'000 Ungarn fliehen nach Österreich, bevor die
russischen Truppen die Grenzen dichtmachen. 1980 betreibt die CIA 101 Sender mit eiern
Jahresetat von $85 Mio. und 2196 Beschäftigten. Angeblich hören 80 Mio. Menschen im Ostblock
diese Sendungen regelmässig. Zudem werden Bandaufzeichnungen meist kostenlos an 4000
Radiostationen in der Dritten Welt geliefert.
"Bis zum heutigen Tag gibt es so etwas wie eine unabhängige Presse in der Weltgeschichte nicht.
Sie wissen es und ich weiß es. Es gibt niemanden unter Ihnen, der es wagt, seine ehrliche
Meinung zu schreiben, und wenn er es tut, weiß er im Voraus, dass sie nicht im Druck erscheint.
Ich werde jede Woche dafür bezahlt, meine ehrliche Meinung aus der Zeitung herauszuhalten, bei
der ich angestellt bin. Andere von Ihnen werden ähnlich bezahlt für ähnliche Dinge, und jeder von
Ihnen, der so dumm wäre, seine ehrliche Meinung zu schreiben, stünde sofort auf der Straße und
müsste sich nach einem neuen Job umsehen. Wenn ich meine ehrliche Meinung in einer Ausgabe
meiner Zeitung veröffentlichen würde, wäre ich meine Stellung innerhalb von 24 Stunden los. Es ist
das Geschäft der Journalisten, die Wahrheit zu zerstören, unumwunden zu lügen, zu pervertieren,
zu verleumden, die Füße des Mammon zu lecken und das Land zu verkaufen für ihr tägliches Brot.
Sie wissen es und ich weiß, was es für eine Verrücktheit ist, auf eine unabhängige Presse
anzustoßen. Wir sind die Werkzeuge und Vasallen der reichen Männer hinter der Szene. Wir sind
die Hampelmänner, sie ziehen die Strippen und wir tanzen. Unsere Talente, unser Fähigkeiten und
unser ganzes Leben sind Eigentum anderer Menschen. Wir sind intellektuelle Prostituierte". Das
Statement von John Swinton, dem Doyen der amerikanischen Presse und einstigen
Redaktionsleiter der "New York Times", vor dem vornehmen New Yorker Presseclub im Jahr 1880
hat nach wie vor Gültigkeit, besonders auch nach 1 1 .9.2001 .
Auch die Unterhaltungsindustrie Hollywoods trägt entscheidend zur US-Propaganda und
Mythologisierung von FBI und CIA bei. Kritische Reportagen und Bücher werden mit öffentlichen
Kampagnen und Drohungen verhindert oder diffamiert. Die CIA entwickelt sich ausserdem zu
einem der grösster der Verleger der Welt. Von 1947 bis 1967 lässt sie über 1000 Bücher
schreiben, deren Gesamtauflage durchschnittlich bei 10 Mio. pro Jahr liegt. Da ihr diese Tätigkeit
1967 verboten wird, publiziert sie in den folgenden Jahren mindestens 250 Bücher im Ausland.
Mitte der 70er Jahre schreiben noch immere mehrere Hundert Akademiker als CIA-Autoren in den
USA und übersetzen entsprechende Literatur. Der CIA ist zu verdanken, dass T.S.Eliot auf
Russisch und Machiavellis "II Principe" auf Suaheli gelesen werden kann.
Im Ausland finanziert die CIA Medienorganisationen wie das Internationale Presse-Institut, die
Internationale Journalistenkonferenz in Genf, den Internationalen Journalistenverband in Brüssel,
den Westberliner Verein zur Förderung der Publizistik in den Entwicklungsländern, das Asian
Student Press Bureau oder den nationalen Studentenpresserat Indiens und Zeitschriften wie die
englischen Socialist Commentary, Encounter, Survey und Campaign, das Forum in Österreich, Der
Monat von Melvin Lasky und Die Welt in Deutschland und Le Combat und Preuves in Frankreich.
Auch im Ausland hat die CIA Hunderte von Journalisten, darunter Ernst Kux von der Neuen
Zürcher Zeitung, Robert Moss vom Daily Telegraph, Gerhard Löwenthal vom ZDF, und sogar 21
Geistliche unter Vertrag.
1952 lief die CIA-Operation POCKETBOOK in Deutschland unter Leitung von Frank Wisner und
Thomas Braden an, eine Kultur-, Polit- und Gewerkschaftsoffensive zur Amerikanisierung
Deutschlands. Für die Propaganda ist die United States Information Agency (USIA) zuständig, die
die Amerikanerhäuser in allen Städten gründet, wo Bibliotheken eingerichtet und Konzerte,
Ausstellungen, Filme, Lesungen und Diskussionen organisiert werden. Der Erfolg der Propaganda
wird von Meinungsforschern wie Leo Crespi wissenschaftlich erforscht und ausgewertet. John
McCIoy, ehemaliger Berater Mussolinis, wurde 1949 Hochkommissar der neu gegründeten
Bundesrepublik, mit dem Auftrag, die Teilung Deutschlands aufrechtzuerhalten und die neue
Kolonie Amerikas in das Westbündnis zu integrieren.
Anfang der 50er Jahre baut die CIA rechtsextreme Guerillas wie die League of Young Germans
auf, um die SPD zu unterwandern. Die Neonazis werden ausgebildet, bewaffnet und bezahlt, um
im Falle einer russischen Invasion oder einer Rebellion mögliche sozialdemokratische und
sozialistische Kollaborateure zu ermorden, über die Listen geführt werden. Auch für die
Unterwanderung antiamerikanischer Gruppierungen werden Untergrundgruppen gegründet. Tom
Braden übernimmt 1954 die International Organizations Division der OPC und leitet mit seinem
Assistenten Cord Meyer verdeckte Operationen.
Auch kirchliche Organisationen arbeiten für die CIA, wie der souveräne Malteserorden SMO, der
50'000 Nazis mit Pässen und Geld zur Flucht verhalf und später eine Art Bindeglied zwischen CIA
und Vatikan ist. Auch die Opus Dei, aus deren Reihen Papst Karol Wojtyla kommt, kooperiert mit
der CIA. Auf Anordnung von Gerald Ford infiltriert die CIA die christliche Missionsarbeit in
Lateinamerika, so dass 1976 allein in Bolivien 1 1 Agenten als Geistliche getarnt werden. Ein
Jahrzehnt früher sollen sich unter Vertrag stehende Missionare an der Jagd auf Che Guevara
beteiligt haben. Die Christian and Missionary Alliance missioniert in Laos die Bergstämme, aus
denen die Söldner für die CIA rekrutiert werden, wogegen die katholische Kirche nichts
einzuwenden hat. Konsequenterweise streicht der Senat im Juni 1980 das Verbot, Missionare und
anderes kirchliches Personal als Agenten zu verwenden.
Die CIA beschäftigt 1953 15'000 Angestellte, die ausländischen Agenten und Vertragsangestellten
nicht mitgerechnet. Sie steht mit Professoren an Hunderten von akademischen Institutionen in
Verbindung und gibt Studien in Auftrag, wie das European Non-State Actors Project von Professor
Richard Mansbach der Universität in New Brunswick, New Jersey, über europäische
Oppositionsgruppen, die der CIA Ansatzpunkte für Interventionen wie Spaltungsversuche oder
finanzielle Unterstützung liefern. Zudem halten die Professoren nach geeigneten Studenten für die
Rekrutierung des CIA-Nachwuchs Ausschau. Man wird von der CIA fast ausschliesslich auf
Empfehlung rekrutiert. 5000 Akademiker erhalten Zuschüsse oder Forschungsaufträge für die
Rekrutierung der ausländischer Studenten, die systematisch überprüft werden.
Aber auch die eigenen Studenten und Arbeiter werden überwacht: 1958 wird bekannt, dass für 13
Mio. Arbeitsstellen Sicherheitsüberprüfungen vorgenommen wurden. Das entspricht jedem fünften
Arbeitsplatz. Auch in US-Firmen im Ausland hat die CIA Hunderte von CIA-Agenten eingeschleust.
Zur entsprechenden Stellenvermittlung unterhält man ein eigenes Verbindungsbüro. 50'000 US-
Bürger und 700'000 ausländische Informanten führt die CIA in ihren Archiven, die für sie im
Ausland arbeiten.
Zusätzlich zum riesigen Budget gründet die CIA eigene Firmen, die als Deckmantel für verdeckte
Aktionen und zusätzliche Geldquellen dienen. Diese "Fronts" umfassen Luftfahrtsgesellschaften,
Import-Export-Firmen, High-Tech-Unternehmen, Werbeagenturen und Stiftungen, aus denen
Gelder an kooperationswillige akademische, gewerkschaftliche, kulturelle und politische
Organisationen und Jugendverbände verschoben werden. Dazu gehören die National Students
Association, die International Students Conference, der International University Exchange Fund,
das Institute for the Study of Conflict, der Congress for Cultural Freedom von Melvin Lasky, zu dem
Arthur Koestler, Ignazio Silone, Benedetto Croce, Manes Sperber, John Dewey und Karl Jaspers
gehören, die Mankind Research Unlimited, das Institute of Political Education, das Foreign Policy
Research Institute der Universität von Pennsylvania, das Center for International Studies am
Massachusetts Institute of Technology, die Asia Foundation, die American Society of African
Culture, das Gambia National Youth Council, die American Friends of Middle East, die International
Development Foundation, das Otto Suhr Institut an der Freien Universität Berlin, die deutsche
Vereinigung Freiheitlicher Juristen, die Internationale Juristenkommission, die Konferenz für die
Atlantische Gemeinschaft, der Internationale Bund Freier Gewerkschaften, die American
Federation of Labor, die Inter-American Regional Labor Organization (über die bis Mitte der 70er
Jahre 250'OOu Funktionäre in Lateinamerika ausgebildet werden), die grösste türkische
Gewerkschaft Türk-Is, die uruguaische Gewerkschaft CSU, das American Institute for Free Labor
Development, das Internationale Institut für Marktforschung, die Synode der russisch-orthodoxen
Kirche, der Nationalrat der Kirchen, die Internationale Union Junger Christlicher Demokraten, der
christliche Verein junger Mädchen, die Weltjugendversammlung, das Internationale Jugendzentrum
in New Dehli, das Institut für Internationale Arbeitsforschung, das Internationale Sekretariat der Pax
Romana, der Berliner Verein zur Förderung der Bildungshilfe in Entwicklungsländer oder die
International Union of Socialist Youth. Mindestens 24 Stiftungen wie die M.A. Anderson
Foundation, den Kaplan Fund, die Baird Foundation, den Brown Fund, den Price Fund, den
Monroe Fund, die Ford Foundation, die Independence Foundation oder die Pan-America Stiftung
an der Universtät von Miami arbeiten für die CIA.
1953 laufen in 48 Ländern verdeckte Operationen, die aus Propaganda, paramilitärischen und
politischen Aktionen bestehen und zwei Drittel der gesamten Ausgaben verschlingen. Die CIA
entwickelt sich damit zu einer paramilitärischen Macht, die ohne Wissen des Kongesses
Geheimkriege führt. Frank Wisner lässt Armeen aus ungarischen, rumänischen, bulgarischen und
ukrainischen Flüchtlingen aufstellen und geheime Flugplätze in Griechenland, Japan, England und
Deutschland bauen, von wo aus Agenten mit Fallschirmen nach Georgien, Sibirien, Belorussland
und in die Ukraine geflogen werden, aber von denen man meist nichts mehr hört. Von 1961 bis
1975 werden 900 grosse und einige tausend kleine solcher Programme durchgeführt. Die Arbeit
der Geheimdienste im Ausland ist die Fortsetzung der Aussenpolitik mit anderen Mitteln, nach den
Gesetzen des Krieges.
Dabei arbeitet die CIA mit dem südafrikanischen BOSS, dem israelischen Mossad, dem
chilenischen DINA und dem deutschen BND, der 1950 aufgebaut wurde, zusammen. Nirgends hat
die CIA so viele Agenten wie in der BRD, wo sich allein in Westberlin 48 CIA-Büros befinden.
Zusammen mit den französischen und britischen sollen sich um die 20'000 Agenten im Westteil der
Stadt betätigen. Rund 10% der Briefpost in Berlin wird aussortiert und als sogenannte
Amtszimmerpost von der CIA geöffnet. Um die Identität der Überwachten vor den Postbeamten
geheim zu halten, wird die Post ganzer Häuser abgezweigt. $25 Mio. kostet der Tunnel nach
Ostberlin, dank dem Telephonleitungen angezapft werden. Der Agent, der die Transkripts
verwaltet, arbeitet auch für das KBG. In Deutschland wird eine Geheimarmee mit 5000 Söldnern
von amerikanischen Offizieren trainiert. Ebenfalls 1950 wird der Verfassungsschutz, 1956 der
Militärische Abschirmdienst der Bundeswehr, beide mit vielen ehemaligen Nazis im Korps und an
der Spitze, gegründet.
Aber auch die Wirtschaftsverbände errichten 1954 mit der "Gemeinschaft zum Schutz der
deutschen Wirtschaft" einen Geheimdienst, der zusammen mit dem Verfassungsschutz schwarze
Listen anlegt. Schon früh beginnt der BND, neben Informationen über Linke auch Material über
Politiker zu sammeln und möglichst gute Verbindungen zu Parteien, Verbänden, Organisationen
und Unternehmen zu schaffen.
Die CIA baut ausländische Geheimdienste manchmal selbst auf, wie den südkoreanischen KCIA,
den griechischen KYP, den iranischen Savak oder den Geheimdienst Venezuelas. Auch der BND
hilft mit, den israelischen und ägyptischen Geheimdienst zu schaffen und rüstet die Geheimdienste
von Saudi-Arabien, Indonesien und Zaire aus. Der BND ist stark im internationalen Waffenhandel,
beispielsweise nach Pakistan, Indien, Nigeria, Südafrika, Griechenland, dem damaligen Rhodesien
und China, engagiert, an Sabotage- und Umsturzaktionen wie in Guinea und im Sudan beteiligt
und unterstützt über Organisationen wie die Konrad-Adenauer-Stiftung und die Hanns-Seidel-
Stiftung politische Parteien, Gewerkschaften, Massenmedien und militärische Organisationen in El
Salvador, Guatemala, Venezuela, Ecuador, Peru, Chile, Italien, Portugal, Spanien, Mozambik oder
Namibia. Schon bald ist der BND von Korruption durchzogen: Gehlen setzt 16 seiner Verwandten
auf teilweise hohe Posten im BND, Erpressungen und Unterschlagungen sind an der
Tagesordnung. Aber der BND bezahlt um die 120 Journalisten, beispielsweise von Spiegel, ZDF
oder Quick, die für gute Öffentlichkeitsarbeit sorgen. Das Chalet in Bayern, in das sich Gehlen
1968 zurückzieht, ist ein Gechenk von Dulles.
Zwischen 1950 und 1968 bilden die USA 287'000 ausländische Soldaten und Hunderttausende
von Polizisten aus. In der 1946 gegründeten Militärakademie "School of the Americas" in Panama
bilden die USA jährlich Tausende von Soldaten und Geheimdienstagenten für Lateinamerika aus.
Dabei ist die Schule vor allem eine Fassade für spezielle und verdeckte Operationen. In Argeninien
beispielsweise kostet der schmutzige Krieg der US-trainierten "Sicherheitskräfte" gegen die eigene
Bevölkerung 30'000 Menschenleben. 1984 wird diese Kaderschule der Todesschwadronen nach
Fort Benning in Georgia verlegt, wo bis 1990 53'000 Offiziere aus 18 lateinamerikanischen Ländern
trainiert werden. Zu den Absolventen gehören 39 Kabinettsmitglieder, 10 Staatsoberhäupter, von
denen, wie beispielsweise der panamaische Diktator Manuel Noriega, kein einziger vom Volk
gewählt wurde, und rund 100 Stabschef (wie der honduranische General Gustavo Alvarez
Martinez, der auch die Elimination der Kinder von "Rebellen" anordnete). Auch der spätere
Präsidentschaftskandidat El Salvadors Roberto D'Aubuisson, der in Absprache mit der US-
Botschaft Erzbischof Oscar Romero umbrachte, oder die Hälfte des kolumbianischen Offizierstabs,
von denen 250 als grausame Killer verdächtigt werden (einer davon soll über 100 Zivilisten mit
einer Kettensäge massakriert haben) wurden in Fort Benning geschult. Es gibt kaum ein Massaker
oder eine systematische Folter in Lateinamerika, an dem nicht Abgänger der School of the
Americas beteiligt sind. Zu den Lehrmitteln gehört das von der CIA 1965 erarbeitete
Folterhandbuch der Operation PROJECT EX, das Bestechung, Entführung und Aufspürung
politischer Gegner vermittelt. Jährlich bilden die USA an der Police Academy in Washington über
500 ausländische Polizeioffiziere aus, zu deren Lehrplan Foltermethoden gehören. Diese sind das
zentrale Lernziel im Programm des "Office of Public Safety", das Eisenhower für
lateinamerikanische Polizisten 1957 mit dem passenden Namen gegründet hat.
Quellen : Callahan: 70, Marrs: 183, Schulz: 69, 101, 136-1 84,205-21 0,21 8ff,242-257, Zanetti,
Bollinger, Gremliza (1978a,b), Ege (1984), Mader: 561, Weberman (9): Uff, Höfling: 249-254,
Richter, CIA-Info: 2f,6f,13, Trento/Roman, Best: 25-28,97, Konkret Nr.29/71 : 9, Nr.12/72: 14f,
Nr.5/83: 10f, Mason: 1f, Brussell (1983): 3f,7,19f, Sam Smith: 1, Bruce/Luft, Ranelagh/Treharne: 1,
Prouty (1973): 244-265, Meurice, Ascherson 3, Schröder, Herman: 36, Tarpley/Chaitkin: 40,58-
61,101-114, Knopp/Deick, Avineri: 66, Mehio, Labidi, Bröckers, Kupferberg.
1953 Sturz von Mohammed Mossadegh top
Schah Mohammed Resa Pahlewi kam 1941 als Nachfolger seines faschistischen Vaters auf den
Thron, der 1934 Persien in Anlehnung an die arischen "Aryan" in Iran umtaufte. 1945 hatten die
Russen die nordpersische Provinz Asarbeidschan unter ihre Kontrolle gebracht, mussten sich dann
aber aufgrund des Drucks der USA aus Persien zurückziehen. Da die Anglo-Iranian Oil Company,
die in Grossbritannien mehr Steuern zahlen musste als im Iran, sich weigerte, faire
Vereinbarungen einzugehen, verstaatlichte der neugewählte iranische Ministerpräsident
Mohammed Mossadegh auf Verlangen des iranischen Parlaments die Gesellschaft 1951.
Persisches Erdöl wurde daraufhin im Westen boykottiert, und das US-State Departement vereitelte
jede Vermittlung. Nachdem die Briten die USA um Hilfe gebeten haben, verlangt der Nationale
Sicherheitsrat vom Iran, dass die 1951 verstaatlichten Ölförderungsanlagen wieder zurückgeben
müsse.
Am 25.6.53 beschlossen Allen und John Foster Dulles die Operation AJAX, die über das United
States Army Mission Headquarter und die Botschaft in Teheran organisert wird. Seit 1942 wurde
das paramilitärische Gendarmeriekorps mithilfe dieser Mission unter General Norman Schwarzkopf
aufgestellt und ausgebildet. CIA-Agent Kermit Roosevelt, der Enkel des früheren Präsidenten, leitet
die Operation. Richard Helms sorgt für das Verschwinden von Mossadegh-Unterstützern, bezahlt
6500 Demonstranten gegen den iranischen Ministerpräsidenten und organisiert den Strassenterror,
was die CIA $10 Mio. kostet, worauf der Schah Mossadegh am 12.8.53 für abgesetzt erklärt, aber
selbst nach Rom fliehen muss, wo er sich mit Dulles trifft. Die kaiserliche Garde und das
Gendarmeriekorps führen daraufhin den Putsch aus. Der faschistische General Fazlollah Zahedi
wird vom Schah und der CIA ausgewählt, um die Macht zu übernehmen. Am 24.8. kehrt Pahlewi
zurück, und Zahedi wird Premierminister.
Die Führer der Nationalisten wandern ins Gefängnis, die Kommunisten aufs Schaffott, und die
Parteien werden verboten. US-Präsident Eisenhower schickt dem Iran $45 Mio. Soforthilfe. Obwohl
die Dulles-Brüder mehrere Geschäftsverbindungen mit der nach der Verstaatlichung von Anglo-
Iranian Oil Company in British Petroleum umbenannten Firma haben, verlieren die Engländer ihr
persisches Ölmonopol infolge des Staatstreichs, und die Quellen werden einem Vier-Länder-
Konsortium unterstellt, an dem sich die USA 40% sichern. Die USA sind die neue .Schutzmacht'.
Auf Initiative von Herbert Hoover jr. kann sich das Ölkartell von Exxon, Shell, Gulf, BP, Socal und
Texaco die Kontrolle über das iranische Öl sichern, obwohl die Verstaatlichung offiziell nicht
rückgängig gemacht wird. Mit dem Argument der nationalen Sicherheit wurden schon die vom
Justizministerium ausgearbeitete Antitrustklage gegen die "Sieben Schwestern" von Harry Truman
am 5.1 .53, kurz vor seinem Auszug aus dem Weissen Haus, abgeblockt, womit deren Macht
ungebrochen blieb. Gleichzeitig warnte Truman aber vor der "Gestapo-CIA", die er geschaffen
hatte.
Richard Helms Karriere nimmt nach dem Putsch einen steilen Aufstieg, indem er zum Chef des
neugegründeten Office of Strategie Operations ernannt wird. Kermit Roosevelt wird Vizepräsident
der Gulf Oil, die stark von der neuen Situation im Iran profitiert. 1960 richtet die Gulf ein Konto bei
einer Bank auf Nassau ein, über das Millionen an Politiker fliessen. Beispielsweise erhält der
sükoreanische Diktator Chung Hee Park 1966 $1 Mio, und 1970 $3,2 Mio, sein Ministerpräsident
Kim Jong Pin $500'000 und das Verteidigungsministerium $2,5 Mio.
Mossadegh stirbt kurz nach seiner Freilassung nach frei Jahren Gefängnis, auf Initiative von
Helms. Noch 1953 besucht Vizepräsident Nixon den neuen Diktator und bezeichnet den Schah als
"persönlichen Freund". Die neue iranische Regierung ist so korrupt, dass die Staatskasse ständig
leer ist, und fast die gesamte US-Hilfe von $500 Mio. pro Jahr in der Finanzierung der Armee
versickert. Die USA verkaufen dem Schah für $17 Mia. modernstes Kriegsgerät und bewaffnen auf
dessen Wunsch die Kurden, wofür Nixon mit Geschenken und Wahlkampagnenfinanzierung
belohnt wird.
Die persische Geheimpolizei Savak ist eine der brutalsten der Welt, und trotz massiver Folter hat
der Schah Mühe, sich an der Macht zu halten. Während der Herrschaft des Schahs werden
durchschnittlich 1500 Menschen pro Monat verhaftet und gefoltert, und bis 1974 sitzen 25'000
Dissidente in den Gefängnissen. Der frühere CIA-Beamte Jesse J. Leaf gab öffentlich zu, dass die
CIA die Folterer der Savak in Seminarprogrammen ausgebildet habe. Aber auch der israelische
Mossad erteilte dem Savak Nachhilfeunterricht.
Quellen : Epstein: 19f, Bartholomew (1): 26, Horowitz: 172-176, Schulz: 97,329, Giancana: 538,
CIA-Info: 13, Potter: 1f, Best: 29, Brussell (1983): 11, Ranelagh/Trehame: 3, Levin, Summers
(2000): 163f, Karel (2003).
1954 Onassis und die Aramco top
Aristoteles Onassis gefährdet das seit 1 933 bestehende Transportmonopol des Ölkartells Aramco.
1953 baute Onassis seine Macht aus, indem die Kontrolle der Societe des Bains de Mer in Monaco
übernahm und damit eigentlicher Herrscher über das Steuerparadies wurde. Diese
Machtübernahme und der Erwerb der Liberty-Ships werden Gegenstand einer geheimen FBI-
Untersuchung, bei der sein Vermögen auf $200 Mio. geschätzt wird.
Die Schiffsbaurestriktionen für Deutschland wurden 1951 aufgehoben, worauf Hitlers ehemaliger
Reichsbankchef Hjalmar Schacht und Onassis planten, die deutsche und japanische Kriegsflotte
wiederaufzubauen.
Onassis bestellt für $100 Mio. 30 Grosstanker in Hamburg und Kiel, womit er das Monopol der
"Sieben Schwestern" brechen will. Nach dem Tod von Ibn Saud 1953 begannen Spyridon
Catapodis und Hjalmar Schacht mit Finanzminister Scheich Abdullah AI Suleiman AI Hamdan über
ein Projekt einer saudischen Tankerflotte mit Beteiligung von Onassis zu verhandeln. Onassis
offerierte dem saudischen König, eine Flotte zu bauen, die unter saudischer Flagge fahren und die
Macht des Kartells einschränken würde. Anfang 1954 schliesst Onassis das noch geheime
Djaddah-Abkommen mit Suleiman: Onassis stellt 500'000 Tonnen seiner Tankerflotte für den
Aufbau der Saudi Arabian Maritime Company zur Verfügung. Suleiman bekommt für seine
Unterschrift unter das Abkommen, das noch von neuen König Saud ratifiziert werden muss,
$100'000, mit Aussicht auf weitere $250'000 Provision.
Onassis Schwager und Konkurrent Stavros Niarchos, der sehr enge Beziehungen zur CIA hat,
bekommt von den noch geheimen Verträgen Wind und engagiert am 15.2.54 den seit einer Woche
bei der CIA mit monatlich $500 auf der Lohnliste stehenden Robert Aime Maheu, der Onassis
Vertrag mit den Saudis verhindern sollte. Maheu studierte Wirtschaft am Holy Cross College of
Massachusetts und wurde wegen seiner Französischkenntnisse vom FBI rekrutiert, obwohl er beim
Aufnahmetest durchfiel. Er arbeitete in den 40er Jahren zusammen mit Guy Banister beim FBI in
Chicago und im 2.Weltkrieg als Gegenspion für das FBI. 1947 verliess er Hoovers Apparat und
gründete eine Fabrik für Dosencreme, die Bankrott ging. Während mehrerer Jahre leistete er
Sicherheitsarbeit für die Small Business Administration. Maheu erhält 1954 die Cover Security
Approval der CIA und gründet 1955 seine Detektivagentur Robert A. Maheu Associates, die sich in
den Büroräumen von CIA-Anwalt Edward Bennett Williams befindet. Die CIA setzt Maheu bei
"unmöglichen Missionen", die dementierbar bleiben müssen, ein (angeblich sollen seine Erfolge die
TV-Serie "Mission: Impossible" inspiriert haben).
Dank Maheu wird Vertragsprojekt zwischen Onassis und den Saudis in einer von der CIA
gegründeten römischen Zeitung veröffentlicht. Zudem organisiert er die Abhörung in den
Wohnungen und Büros von Onassis, zusammen mit den Detektiven Lou Russell und Horace
Schmahl, die bereits bei der Fälschung von Beweisen gegen Alger Hiss dabei waren. Maheu
schaltet Militär- und Wirtschaftsanalytiker, Richard Nixon und den Sicherheitsrat ein, worauf das
Aussenministerium beginnt, Druck auf Saudi-Arabien auszuüben. Vizepräsident Nixon meint, dass
man diesen "Hurensohn", falls man ihn töten müsse, nicht in den Vereinigten Staaten umbringen
solle. In der Maheu and King Associates Inc. arbeitet sein Partner Bob King, ebenfalls ehemaliger
FBI-Agent, Gegenspionagespezialist, Freund von Bebe Rebozo und Nixons Wahlkampagnerhelfer
1956 und 1960, Lobbyist und Berater während seiner ganzen Vizepräsidentschaft.
Maheu organisiert mithilfe der CIA einen Streik in der Hamburger Werft, wo der erste Tanker für die
neue SAMCO-Flotte gebaut wird. Das Schiff wird allerdings trotzdem ausgeliefert. Der nächste
Schlag Maheus konzentriert sich auf den illegalen Walfang von Onassis Schiffen vor der Küste
Perus. Das US-Justizdepartement konfisziert Onassis Schiffe, da er wegen krimineller
Verschwörung zur Schädigung des US-Staates vor einem Geschworenengericht erscheinen
müsste. Um die Situation zu klären, geht Onassis in die USA und wird im New Yorker "Colony
Restaurant" verhaftet, allerdings kurz darauf wieder freigelassen. Dann wird Onassis von seinem
früheren Teilhaber Catapodis in Frankreich auf Entschädigung verklagt, weil er Hunderttausende
Pfund Sterling Bestechungsgelder an die Araber verteilt habe, um den Vertrag unter Dach zu
bringen. Der Prozess wird schiesslich abgeblockt.
Am 1 8.5.54 erfolgt die Ratifikation des Vertrags durch König Saud. Das Kartell reagiert mit
kurzfristigen Annulationen von bestehenden Verträgen und der Verweigerung der Lade- und
Löschzugänge, weshalb Onassis Tanker untätig in den Häfen liegen. Er versucht deshalb, mit
britischen Firmen zu geschaffen, was ihm nach einigen Public-Relation-Anstrengungen auch in
kleinem Umfang gelingt. Maheu ist im Oktober in Saudi-Arabien. Kurz darauf wird Suleiman
abgesetzt und der Vertrag von König Saud mit den Worten "Die Zukunft verwischt die
Vergangenheit" rückgängig gemacht. Onassis sieht ein, dass er keine Chance hat, den Vertrag
gegen das Kartell durchzusetzen.
Peru beschlagnahmt im November 1954 aufgrund von Maheus Bemühungen 5 Onassis-Schiffe
und steckt die 400 Matrosen wegen illegalem Walfang in peruanischen Gewässern ins Gefängnis.
Aufgrund seiner aussergewöhnlichen Versicherungen bei Loyds kassiert Onassis $15 Mio. für
diese Beschlagnahmung und $30'000 für jeden Tag, an dem seine Flotte still liegt, wogegen die
$2,9 Mio. Busse, die er bezahlen muss, ein Pappenstiel ist. Im Fall der US-Anklagen muss Onassis
$7 Mio. Busse bezahlen und seine United States Petroleum Carriers umstrukturieren. Auch
Norwegen beschlagnahmt im Januar 1955 eine Ladung von 6300 Tonnen Walfett. In Rotterdam
wird ein Waljagdschiff von Onassis blockiert. Seine Flotte wird international boykottiert und die
Banken werden nervös. Onassis beschliesst, aus dem Walgeschäft auszusteigen und kann seine
Fang- und Verarbeitungsschiffe für $8,5 Mio. an die Kyokuyo Hogei Kaisha in Japan verkaufen.
Die Suez-Krise im Oktober 1956 rettet Onassis vor dem Ruin. Da über die Hälfte seiner stark mit
Hypotheken belasteten Flotte arbeitslos ist, kann Onassis als einziger Reeder sofort auf die
Tankernachfrage, die durch die Kapumschiffung entsteht, antworten und verdient an jeder
Ölladung nach Europa $2 Mio. In weniger als 6 Monaten, der Kanal wird im April 1957 wieder
eröffnet, verdient er $80 Mio. Onassis kauft für $2 Mio. die nationale griechische
Luftfahrtgesellschaft TAE, die er in Olympic Airways umtauft. Es gelingt ihm, von der Regierung
Konstantin Karamanlis einzigartige Konzessionen wie den garantierten Mindestgewinn und ein
absolutes Streikverbot zu erhalten, wofür er drei neue Düsenflugzeuge kauft.
Auch Niarchos kann der griechischen Regierung einen Vertrag für den Bau einer wichtigen
Schiffswerft in Skaramanga abringen. Onassis verliert 1959 nach einer Serie von Manövern des
Königshauses von Monaco die Kontrolle über die SBM. Auch im Öltankergeschäft herrscht eine
grosse Rezession, und seine Fluggesellschaft ist ebenfalls kein blühendes Unternehmen. Aber er
besitzt insgesamt 70 Firmen, die von einer guten Führungsgruppe geleitet werden. Zu diesem Stab
gehören Johnny Meyer, Costa Gratsos, Thomas R. Lincoln, Nicolas Cokkinis, Roberto Arias und
Nigel Neilson. Onassis kauft sich die Insel Skorpios im Ionischen Meer.
Auch E. Howard Hunt arbeitet gegen Ende der 50er Jahre für Nixon, den er seit 1952 kennt, gegen
Onassis. Wie Kennedy lebt Onassis seine Sexualität mit Prostituierten aus, vorwiegend mit
Mädchen von Madame Claude, während Maria Callas die Rolle der Hausfrau übernimmt.
Quellen : Epstein: 20-23, Evans, Groden/Livingstone: 191, Best: 45,52f, Glaser (1972), Brussell
(1983): 8, Morgenthaler, Summers (2000): 141,153f,195f,504.
1954 Vietnamkrieg top
Die CIA schickt General Edward G. Lansdale von den Philippinen nach Vietnam, um die
militärische Intervention der USA vorzubereiten. Nach dem spanisch-amerikanischen Krieg 1898
waren die Philippinen amerikanischer Besitz und die USA unterdrückten die Arbeiter- und
Bauernbewegungen auf dem Inselreich. Gegen die japanische Besetzung bildete sich 1942 die
kommunistische Widerstandsbewegung der Huksbalahups. 1946 wurde das Land formell
unabhängig, aber die USA stellten militärisch ihre Kontrolle wieder her. 1953 gelang der CIA die
Niederwerfung der Huks mittels Ermordungen und Propaganda, der Absetzung von Präsident
Quirino und der Einsetzung von Ramon Magsaysay.
1954 finanzieren die USA bereits 78% der Kriegskosten der Franzosen, die Vietnam seit 1867
besetzt halten. Bis 1945 unterstützten die USA Ho Chi Minh, der mit richtigem Namen Nguyen Sinh
Cung, aber auch Nguyen Tat Thanh, Nguyen Va Ba und Nguyen Ai Quoc hiess.
Ho Chi Minh ist mit Trotsky und Stalin befreundet, arbeitete für die Komintern und gründete 1930
die KP Vietnams in Hong Kong, wo er, an Tuberkulose erkrankt, offiziell für tot erklärt wurde, weil
die Franzosen die Briten wegen seiner Auslieferung unter Druck setzten. Ab 1938 arbeitete er mit
Mao, kehrte 1941 heimlich in das von Japan besezte Vietnam zurück und gründete die
Widerstandsorganisation Viet Minh. Auf der Suche nach Unterstützung wurde er von Tschiang Kai-
schek in China verhaftet und konnte fliehen. Nachdem er vom OSS zuerst abgewiesen wurde,
erreichte er über General Chennault die Bereitstellung von Waffen und Ausbildungstrainer der
USA, weil seine Viet Minh die stärkste Kraft gegen die Japaner war. Als Mitglied des
amerikanischen Geheimdienstes OSS (Decknamen "Lucius") sprang er hinter den japanischen
Linien ab und koordinierte den Kampf. 1945 gab die Widerstandsbewegung unter seiner Leitung
eine nach dem amerikanischen Vorbild verfasste Unabhängigkeitserklärung herausgegeben, und
der Kaiser Bao Dai legte sein Amt nieder.
Nach dem Ende des Kriegs bot Ho Chi Minh den USA freien Marktzugang und die Errichtung einer
Militärbasis in Vietnam an. Aber die Amerikaner Hessen Ho Chi Minh, fallen, obwohl dieser
Präsident Truman in sechs Briefen um Unterstützung für den Aufbau eines demokratischen
Staates innerhalb einer französischen Union bat. Stattdessen verkauften die USA den Franzosen
Militärausrüstung im Wert von $160 Mio. für ihren Kampf gegen den Viet Minh. Frankreich besetzte
alle wichtigen Städte, hatte aber keine Chance, das Land zu kontrollieren. Frankreich wollte den
Süden der ehemaligen Kolonie, wo das Gros der französischen Kapitalinvestitionen konzentriert
war, vom Rest der Republik abtrennen, und setzte dort 1949 den Kaiser Bao Dai wieder an die
Spitze einer Marionettenregierung. Ho Chi Minh wandte sich nun an die UdSSR und China, die ihn
unterstützten. Trotz amerikanischer Finanz- und Militärhilfe (Eisenhower begründete die
Einmischung der USA mit der Dominotheorie und erhöht die US-Unterstützung von $400 Mio. auf
$785 Mio, wofür die Franzosen der Wiederbewaffnung Deutschlands zustimmen) konnten sich die
Franzosen gegen die nationale Befreiungsarmee nicht durchsetzen.
Nach der französischen Niederlage am 8.5.54 bei Dien Bien Phu sieht der am 21 .7.54
ausgehandelte Waffenstillstand, der aufgrund von amerikanischen Interventions- und
Atombombendrohungen zustande kommt, die provisorische Teilung am 17. Breitengrad und freie
Wahlen innerhalb von zwei Jahren zwecks Wiedervereinigung des Landes vor. Vizepräsident
Nixon ist der erste amerikanische Politiker, der sich, schon vor der französischen Niederlage, für
den Einsatz von US-Truppen aussprach, und Generalstabschef Arthur Radford plante die
Operation VULTURE, die den Einsatz von drei taktischen Nuklearbomben zur Hilfe Frankreichs
vorsah. Auf Anordnung von Dulles wird der Katholik Ngo Dinh Diem von Kaiser Bao Dai am
16.6.54 im Süden des buddhistischen Landes eingesetzt. Eine Million Vietnamesen, 80% davon
Katholiken, ziehen in den Süden, und drei Millionen aus dem Süden in den kommunistischen
Norden unter Ho Chi Minh.
Obwohl ihre Armee besiegt ist, beginnen die Franzosen eine aggressive opiumfinanzierte
Terrorkampagne gegen den antifranzösischen Diem. Zwischen der CIA und dem französischen
Geheimdienst kommt es zu einem Geheimkrieg um die Kontrolle des Drogenhandels: Frankreich
unterstützt den Kaiser Bao Dai in Südvietnam über Colonel Roger Trinquier, der schon die
Provinzen der Meo kommandiert hat. Vor dem Krieg machte der monopolisierte Handel mit Opium
15% der Kolonialeinnahmen der Franzosen aus. Wegen den Transportschwierigkeiten des Opuims
aus der Türkei und dem Iran während des 2. Weltkriegs setzten die Franzosen die Meo und Yao
für die Opium-Produktion, die um 800% stieg, ein. Captain Antoine Savani vom militärischen
Geheimdienst Deuxieme Bureau organisierte mithilfe der Mixed Airborne Commando Group den
Opiumtransport der französischen Luftwaffe nach Saigon. Dort befindet sich die Binh Xuyen-Gang,
die das Opium in Geld umsetzt. Das Deuxieme Bureau, die Mixed Airborne Commando Group und
der Kaiser erhalten alle einen festen Prozentanteil des Gewinnes. Diese vietnamesische Mafia
betreibt in Saigon zwei Opiumraffinerien und kontrolliert alle, das heisst hunderte von
Opiumhöhlen, das Grand Monde, das profitabelste Casino der Welt, und die Hall of Mirrors, ein
Bordell mit 1200 Prostituierten. Ein Teil des Opiums wird von Savani zur korsischen Mafia nach
Marseille exportiert. Zur Krönung der Korruption setzt der Kaiser den Binh Xuyen-Boss Le Van
"Bay" Vien nach einer Bezahlung von $1 ,25 Mio. als Polizeichef Saigons ein.
Nachdem sich Diem die Kontrolle über die Armee gesichert hat, stellt er sich im Januar 1955
gegen die Mafia, indem er die Lizenz des Grand Monde nicht mehr erneuert. Edward G. Lansdale
kauft mit $12 Mio. die Unterstützung der Sekten von Cao Dai und Hao Hao, die gleichzeitig
politische und militärische Organisationen sind, und die Armee ARVN von Colonel Van Minh, die
zusammen mit der regulären Armee im April 1955 die Binh Xuyen-Gang von Le Van Vien in
blutigen Strassenkämpfen in Saigon besiegt. Im Mai 1955 fährt der US-Aussenminister John
Foster Dulles zu Verhandlungen nach Paris, worauf Kaiser Bao Dai nach einem
Pseudoreferendum abgesetzt wird. Obwohl die amerikanischen Berater Diem empfehlen, 60%
wäre glaubwürdiger, gibt Diem bekannt, dass 98,2% der Wahlgänger für ihn gestimmt hätten. In
Saigon übertrifft er sogar die späteren Wahlergebnisse Ho Chi Minhs, die meistens mit 99,1%
angegeben werden: 605'OOu Stimmen sollen für Diem eingelegt worden sein, bei 405'000
eingeschriebenen Wählern.
Lansdale arbeitet mit Lucien Conein zusammen, der schon während dem Krieg paramilitärische
OSS-Operationen in Vietnam geleitet hatte. Gegen den Norden beginnt eine Serie von CIA-
Programmen, die von psychologischer Kriegsführung (Falschmeldungen über Vergewaltigungen,
Überfälle chinesischer Truppen, Massaker an Katholiken und anderen Vietminhgreuel, negative
astrologische Prophezeiungen für den Norden) bis zu Sabotage (Benzinzusätze zerstören die
Busse in Hanoi) reichen.
Diem schafft ein Parlament, das aber nichts zu sagen hat. Die Macht halten er, sein Bruder Ngo
Dinh Nhu und dessen Frau "Madame Nhu". Diem suspendiert die für 1956 ausgehandelten Wahlen
zur Wiedervereinigung, da der militärische Geheimdienst ermittelte, dass 80% der Vietnamesen Ho
Chi Minh unterstützen. Im gleichen Jahr gründet Nhu seine eigene Gestapo, die Personalist Labor
Revolutionary Party (Can Lao). Auch seine Frau hat mit der "Woman's Solidarity" einen eigenen
Geheimdienst. Dank ihr werden Verhütung, Schönheitswettbewerbe, Boxen, sentimentale Lieder,
Tanzen (auch privat), Prostitution (die mit der Ankunft der US-Soldaten boomt) und Scheidung
verboten. Für alle Publikationen wird die Zensur eingeführt. Der autokratische Diem kann seine
Macht mithilfe der Amerikaner, die bis 1959 jährlich $250 Mio. zahlen, und einer Leibgarde aus
Filipinos innerhalb von drei Jahren konsolidieren, indem er mit unglaublicher Brutalität jegliche
Opposition, auch die der Buddhisten, vernichtet. Da Diem die Franzosen und Chinesen vertreibt,
bricht der Handel zusammen. Diem muss einen neuen Verwaltungsapparat aufbauen, wozu er fast
ausschliesslich Katholiken einsetzt. Die USA bezahlen die vietnamesische Armee zu 100%, was
80% der südvietnamesischen Regierungsausgaben entspricht. Über die Staatsuniversität von
Michigan werden für $25 Mio. die Verwaltungsbeamten und die Polizisten ausgebildet, die die
Vietminh-Mitglieder jagen und vernichten. Deren Rektor Hannah ist bezeichnenderweise der
Vorsitzende der US-Kommission für Menschenrechte. Die vom Vietminh durchgeführte
Bodenreform wird rückgängig gemacht.
Nachdem die Opiumhöhlen 1955 mit grosser Publizität geschlossen werden, führen die USA die
Praxis der Franzosen fort. Die drei Fluggesellschaften der CIA (Air America, Continental Air
Service und Lao Development Air Service) heissen beim Volksmund schon bald "Air Opium". Sie
fliegen zwischen Taiwan und dem Goldenen Dreieck und transportieren Waffen und Opium. Ab
1958 dealen Ngo Dinh Nhu, seine Frau und der Oberst der Luftwaffe Nguyen Cao Ky mit den Meo
unter Vang Pao und den chinesischen Syndikaten in Saigon, wo bereits wieder Hunderte von
Opiumlokalen existieren. Auch die Union Corse ist am Handel beteiligt: Als Gegenleistung für die
Unterdrückung der Kommunisten fliegt die Air Laos Commercial von Bonaventure Francisci Heroin
aus Laos ein, wobei General Nhu 15% von diesen Profiten kassiert. Im Gegensatz zu Captain
Savani wird Nhu selbst opiumsüchtig. Diems Familie transferiert Vermögen auf schweizer,
brasilianische, englische, französische und deutsche Banken.
Die rücksichtslosen "Sicherheitsprogramme" laufen auch nach der Versetzung von Lansdale 1962
weiter und werden als PHOENIX-Programm bekannt. Die politische Unterdrückung, die
Umsiedlungen der Landbevölkerung und die offensichtliche Korruption bringt jedoch mehr
Oppositionelle hervor als das Regime unterdrücken kann. Bis 1960 kontrolliert die National
Liberation Front etwa die Hälfte des Landes im Süden.
Quellen : Behr: 191-195, Groden/Livingstone: 442,467, Horowitz: 132-141, Schulz: 171f, Kangas: 4,
CIA-Info: 13, Drugwar (1): 3f, Best: 57-64, Abramovici/ Decornoy: 1, Ansom: 294f, Dehnhardt,
Wronkow: 6, Konkret Nr.13/1971, Nr.9/1973, Kappstein, Holzkamp: 13, Summers (2000): 164ff,
Pepper: 8ff.
1954 Sturz von Jacobo Arbenz Guzman top
Oberst Carlos Castillo Armas fällt von Honduras mit 450 Mann in Guatemala ein, um die 1950
verfassungsmässig gewählte Regierung des Sozialdemokraten Jacobo Arbenz Guzman zu
stürzen. Unterstützt werden Castillo Armas und Miguel Ydigoras Fuentes von 6 CIA-Flugzeugen,
die von US-Piloten geflogen werden, und von Diktator Anastasio Somoza, der den Rebellen eine
nicaraguanische Insel als Operationsbasis zur Verfügung stellte.
Arbenz hatte ein Reformprogramm nach dem Vorbild Mexikos entworfen, die ohnehin schwache
kommunistische Partei legalisiert und mit 4 Ministem an der Regierung beteiligt. Um die
feudalisitischen Strukturen zu durchbrechen (3% der Bevölkerung besitzen 70% des Bodens),
forcierte Arbenz die Agrarreform 1953 und enteignete 162'000 Hektar brachliegendes Land der
United Fruit Company, das er laut dem von der Besitzerin selbst deklarierten Steuerwert von 1952
mit $600'000 entschädigen wollte. Im April 1953 verlangte die US-Regierung $16 Mio.
Entschädigung. Das Anwaltsbüro von Aussenminister John Foster Dulles, Aktionär der United
Fruit, hatte in den 30er Jahren die Verträge der United Fruit mit Guatemala geschrieben, die den
Konzern fakisch von den Steuern befreiten. Der Vize-Aussenminister für Inneramerikanische
Angelegenheiten, John Moors Cabot, ist einer der Hauptaktionäre, der Chef des NSC, Robert
Cutler, besitzt ebenfalls Aktien der Früchte-Firma. CIA-Direktor Allen Dulles war vorher Präsident
der United Fruit, und sein Vorgänger bei der CIA, Walter Bedell Smith, bekommt nächstens den
Job als Vizepräsident des Konzerns. Der erste Ehemann von Dulles Liebhaberin Mary Bancroft,
Sherwin Badger, arbeitete ebenfalls bei United Fruit.
Eisenhower und Nixon bewilligten $20 Mio. für die Beseitigung von Arbenz, nachdem der
Spezialberater Eisenhowers, Nelson Rockefeiler, und der Anwalt der United Fruit, Emest Cuneo,
Druck gemacht hatten. Der CIA-Agent John Peurefoy wird als US-Botschafter nach Guatemala
geschickt, um den Putsch vorzubereiten, indem er die Militärs rekrutiert, und E. Howard Hunt wird
Political Action Officer. Hunt stiess kurz zuvor zur Mord-Abteilung der CIA (Office of Special
Operations, Program Branch 7), die von Boris Pash geleitet wird und Angleton und Harvey
untersteht. Seitens der CIA sind Frank Wisner, Richard Bisseil, Tracy Barnes, David Atlee Phillips,
Henry Hekscher, Burch O'Neill und John Dothoty an der Vorbereitung des Putsches und den
Propagandaaktionen beteiligt. Die CIA-Operation PW/SUCCES mobilisiert Exilguatemalteken zum
Kampf. Eine "Entsorgungsliste" von 55 Guatemalteken mit vermuteter kommunistischer Gesinnung
wird aufgestellt und Mörder werden ausgebildet, ohne dass diese Morde dann ausgeführt werden.
Die Katholische Kirche hilft im Wallfahrtsort Esquipulas mit, den Widerstand gegen Arbenz
aufzubauen.
Die Mafia beteiligt sich ebenfalls am Putsch, der nicht einmal $5 Mio. kostet. Die Verbindung zur
Mafia läuft über Antonio Valladares, ein Anwalt des Mafiabosses Carlos Marcello, und Maurice B.
Gatlin. Dank Vizepräsident Richard Nixon begann eine breit angelegte Kooperation zwischen
Mafia, FBI, CIA und Howard Hughes, der wie die texanischen Ölmilliardäre Nixon finanziert. Bob
Maheu, Johnny Roselli, Guy Banister, Murray Humphreys sind die Verbindungsmänner. Der
Umsturz hilft Marcello, die Kontrolle des Drogenhandels in Guatemala zu erreichen. Es ist
wahrscheinlich, dass Marcello, der die Hafengewerkschaften kontrolliert, und die United Fruit in
Bezug auf Marihuanaanbau auf United Fruit-Plantagen in Guatemala und den Transport in die USA
zusammenarbeiten. In Guatemala City ist das Spielgeschäft in den Händen von Ted Lewin, einem
Vertreter von Lansky.
Johnny Roselli und John Martino arbeiten ebenfalls in Guatemala, allerdings auf der Seite der
Standard Fruit & Shipment, die keine eigenen Plantagen besitzt. Martino, ein Verwandter von
Angelo Bruno, arbeitet für Santos Trafficante und wird in Kuba Vertrauter von Estaban Ventura,
dem zweithöchsten Kommandanten von Batistas Geheimpolizei.
Die 3 Jagdflugzeuge und die 3 B-26 Bomber fliegen zahlreiche Einsätze gegen die ungeschützten
Städte. Die guatemaltekische Armee beschränkt sich auf die übertriebene Darstellung der
feindlichen Kräfte. Die von Radio Voice of Liberation verbreitete Nachricht, Arbenz erhalte Waffen
aus der Tschechoslowakei, erlaubt den USA, 50 Tonnen Gewehre an die Rebellen zu liefern. Mit
der eroberten Lufthoheit beginnt der Guerillakrieg. Innerhalb der CIA kommt es zu Spannungen,
weil die Feldagenten oft die Direktiven der Zentrale ignorieren. Bekannt wird das Beispiel von "Rip"
Robertson, der auf Drängen von Somoza eine Bombe auf ein vermeintlich tschechisches, aber in
Wirklichkeit britischen Frachtschiff werfen Hess, worauf die CIA $1 ,4 Mio Schadenersatz zahlen
muss.
Arbenz verhängt den Notstand, und die guatemaltekische Geheimpolizei beginnt, Verdächtige zu
vehaften. Die winzige Rebellenarmee marschiert 6 Meilen ins Land, worauf Arbenz die
Sowjetunion um militärische Hilfe bittet, was Eisenhower mit einer Blockade verhindet. Der US-
Botschafter und der päpstliche Nuntius vermitteln zwischen den Armeen. Nach zehn Tagen tritt der
international isolierte Arbenz zurück und flieht in die mexikanische Botschaft, und Putschführer
Castillo Armas wird im Fluzeug des US-Botschafters nach Guatemala City geflogen.
Die neue Junta von Castillo setzt die Agrarreform ausser Kraft, entzieht den 70% Analphabeten
das Wahlrecht, gibt den enteigneten Boden an die United Fruit zurück, schafft die Besteuerung
aller Zinsen, Dividenden und Gewinne von ausländischen Investoren ab und lockert die
Erdölgesetze. Die Gewerkschaftsfunktionäre werden ihren Posten enthoben, 9000 Kommunisten
werden meist jahrelang verhaftet, und Tausende von Bauern und Arbeitern werden aus Rache von
Grossgrundbesitzern und Unternehmern umgebracht. Der folgende jahrzehntelange Bürgerkrieg in
Guatemala fordert über "lOO'OOO Menschenleben. Von den $900 Mio. US-Wirtschaftshilfe versickert
der grosse Teil im korrupten Netz der Diktaturen.
Da die neue Regierung nur der United Fruit loyal ist, wird Castillo am 26.7.57 von Romeo Vasquez
Sanchez, einem angeblich kommunistischen Mitglied der Palastwache, ermordet. Nach einem
Putsch wird General Miguel Ydigoras Fuentes neuer Präsident, der 1960 der CIA gestattet,
Guatemala als Stützpunkt der kubanischen Invasionstruppen zu benutzen. Dafür stellt die CIA
Fuentes Militärmaterial, das B-26 Bomber umfasst, zur Bekämpfung der Rebellen zur Verfügung.
1959 soll Fuentes von Bobby Willis im Auftrag der Mafia von Chicago umgebracht werden. Willis
flieht und wird an der Grenze verhaftet, wobei er den Namen Martin Borman, Hitlers Sekretär und
hingerichteter Kriegsverbrecher, benutzt. Arbenz wird am 27.6.71 tot in seiner Badewanne in
Mexico City gefunden.
Johnny Rosellis Armeekontakt Enrique Trinidad Oliva wird Chef der Geheimpolizei. Oliva stellt in
den 70er Jahren die berüchtigten Todesschwadronen auf die Beine, die verantwortlich für die
40'000 "Verschwundenen" sind. Geleitet werden die privaten Schwadronen vom Umsturzveteranen
Mario Sandoval Alarcon, dessen CIA-Verbindungsagent John Martino ist. Roselli beliefert die
Rebellenbanden mit Munition und Geld, die von Zeit zu Zeit United Fruit-Anlagen attackieren, und
gleichzeitig beliefert er die Geheimpolizei mit Informationen über die Rebellen. Die Rebellen
werden später in Mexico trainiert, unter anderem von Albert Sicilia Falcon, und eignen sich
bestens, um Waffen- und Heroingeschäfte laufen zu lassen.
Quellen : Scott (1 993): 1 1 0, Horowitz: 1 50-1 71 , Weberman (6): 1 1 -1 7, (27): 60, Giancana: 343,
Schulz: 173f, Sylwester: 14, CIA-Info: 8f,13f, Potter: 2, Best: 29-31, O'Shaughnessy, Levin,
Summers (2000): 174f, Karel (2003).
1955 Ermordung von Jose Antonio Remon top
An einem Treffen der Special Group 54-12, geleitet von Vizepräsident Richard Nixon, wird am
Neujahrsmorgen die Ermordung des Präsidenten Jose Antonio Remon von Panama festgelegt, der
mit Reformen begonnen hatte und die nationalistischen Forderungen der Übergabe des
gewinnbringenden Kanals unterstützt. Panama wurde wegen dem Kanal auf Druck der USA 1903
von Kolumbien abgespaltet. Die Special Group koordiniert die Aktionen der CIA und der
militärischen Geheimdienste. Ihr gehören neben Nixon Alexander Haig, E. Howard Hunt, Frank
Sturgis, Robert Cushman und Marion Cooper an. Am nächsten Tag wird Remon mit
Maschinengewehren erschossen.
Frank Anthony Fiorini, der eigentlich katholischer Priester hatte werden wollen, trat 1942 mit 17
Jahren den Marines bei und diente als Scharfschütze bei der Elitetruppe First Marine Raider
Battalion im pazifischen Dschungel gegen die Japaner. 1945 wurde er wegen Psychoneurose und
Schlaflosigkeit ins Sun Valley Naval Center eingeliefert. Nach seiner Entlassung zog er nach Miami
und heiratete die Prostituierte Nora "Betty" Odell Thompson. Sie zogen nach Norfolk, Virginia, wo
er als Polizist, Barkeeper und in Nachtklubs arbeitete. Zugleich trat er der United States Naval
Reserve bei verpflichtete sich erneut bei den Marines, obwohl er inzwischen einen eigenen
Nachtklub besass. Er diente 1950 in Heidelberg und Berlin und landete bei der Army Security
Agency. Wegen einer Affäre mit einer ungarischen Schauspielerin, die auch eine Affäre mit seinem
Vorgesetzten General Lucius Clay hatte, verliess er die Armee. In Miami gewinnt er Kontakt zu
Exilkubanern und zu E. Howard Hunt. 1952 stellte er einen Antrag zur Änderung seines Namens
und heisst seit 1953 nach seinem Stiefvater Sturgis. Am 20.9.54 wurde Betty von der Prostituierten
Lyghia Buckwater erschossen.
E. Howard Hunt geht nach der Aktion gegen Remon nach Tokyo und arbeitet 1956 mit Bisseil am
U-2-Projekt. 1954 schlug Edwin Land von der Polaroid Company Allen Dulles vor, spezielle
Phototechniken zu entwickeln, um Luftaufnahmen aus grosser Höhe zu machen, was Eisenhower
bewilligt. Mit Kelly Johnson von Lockheed wird ein Flugzeug entwickelt, das so hoch fliegt, dass es
nicht abgeschossen werden kann. Die Bilder des ersten U-2-Fluges im Frühjahr 1956 sind so gut,
dass man die Automarken auf dem Parkplatz des Kremeis erkennen kann. Die Sowjets halten ihr
Wissen um die U-2-Flüge geheim, weil nicht in der Lage sind, die Maschinen abzuschiessen.
1957 wird Hunt Station Chief in Montevideo, Uruguay, und arbeitet an Umsturzplänen gegen
Präsident Benito Nardone, der mit kommunistischen Ländern Handelsverträge geschlossen hatte.
Quellen : Hersh: 186, Weberman (6): 2,8,17-68, (7): 6, CIA-Info: 13, Best: 31, Groden/Livingstone:
31 5f.
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Mafia, Geheimdienste und Politik der USA
Teil 4 (1956 bis 1960)
Dieser Teil der Chronik behandelt die Unterstützung der Mafia für Kennedy und Nixon, die
Revolution in Kuba und die Interventionen der CIA.
Die zentralen Themen und Personen sind:
Hoovers FBI-Programme gegen Linke, Schwarze, Indianer und Pazifisten.
Terrorkommandos der CIA, Mafiaboss Sam Giancana und Frank Sinatra, Giancana und
Kennedy , Suez-Krise , Nasser, Israel, die Atombombe und der Islamismus, Hughes und
Nixon , Robert Kennedv gegen die Teamster-Gewerkschaft im McCIellan-Komitee, James
Hoffa und die Mafia, Mafiakrieg in New York und das Apalachin-Meeting, Lewis Rosenstiel ,
Meyer Lansky, Roy Cohn, und Lyndon Johnson, Präsidentschaftskampagnen von John
Kennedy und Richard Nixon, US-Interventionen in Indonesien (Achmed Sukarno),
Kambodscha (Norodom Sihanouk), Tibet (Dalai Lama), Libanon, Jordanien, Irak (Abdul
Karim Kassem, Saddam Hussein), Castros Revolution auf Kuba , CIA und Mafia,
Waffenschmuggel, Casinos und Drogen, Machtkämpfe auf Kuba , Mordpläne gegen Castro ,
Marita Lorenz, Frank Sturgis und E. Howard Hunt, Kennedys Wahlkampf , Sam Giancana,
Frank Sinatra, Judith Campbell und Lyndon B. Johnson, Lee Harvev Oswald in der
Sowjetunion, Marilyn Monroe und John Kennedy, Aktionspläne gegen Kuba , Kennedys
Wahl , Ermordungen von Patrice Lumumba im Kongo und von Dag Hammarskjöld.
Der Text umfasst ca. 36 Seiten.
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1956 FBI-Programme
FBI-Direktor J. Edgar Hoover startet mit der Einwilligung Präsident Eisenhowers das Communist
Intelligence Program, das die Kommunisten und andere Gruppen zu diskreditieren versucht.
Insgesamt gehören zu COINTELPRO bis 1971 über 2000 verdeckte Operationen, die von
Infiltration und Unterwanderung über psychologische Kriegsführung mit gefälschten
Veröffentlichungen und Diskreditierungen bis zu direkter Gewalt, Einschüchterung und inszenierten
Anschlägen reichen. Ein Fünftel der COINTELPRO-Aktionen sind Medien-"lnformationen", die
Personen und Organisationen diffamieren. In einem von 1956 bis 1971 laufenden speziellen
Medienprogramm sind etwa 400 Journalisten eingebunden, die für das FBI arbeiten. 40% des
Programms besteht aus Störaktionen wie dem Versenden von anonymen, gefälschten und fiktiven
Materialen, um Meinungsverschiedenheiten, Desorganisation und Frustrationen innerhalb der
Gruppen zu schaffen. Terroristische "White Hate"-Gruppen wie etwa der Ku Klux Klan werden
geduldet und gefördert, so lange sie gegen Ziele wie die "Black Panthers" vorgehen. Auch
Morddrohungen erweisen sich als effektiv. Aufgrund zugespielter Akten veröffentlichen die Medien
einen winzigen Teil der Operationen, die nie restlos aufgeklärt werden, weil das FBI verspricht,
derlei nicht wieder zu tun.
Gegen die Socialist Workers Party und die Young Socialist Alliance werden zwischen 1960 und
1976 1331 Spitzel angesetzt, von denen etwa 300 als Mitglieder der Organisationen aufgenommen
werden. In der Kommunistischen Partei soll in den 50er Jahren jedes sechste Mitglied ein Spitzel
gewesen sein. Die eigentliche Zersetzungarbeit wird aber von eingeschleusten Provokateuren
übernommen, die beispielsweise Mitglieder zu kriminellen Handlungen anstiften. Das FBI selbst
schreckt vor kriminellen Handlungen nicht zurück: In das Hauptquartier der SWP wird
beispielsweise zwischen 1960 und 1966 mindestens 92 Mal eingebrochen (im Schnitt alle drei
Wochen), um Mitgliederlisten, Korrespondenz, Informationsmaterial und Akten zu fotographieren.
Andere Programme laufen ab 1965 gegen die Schwarzenbewegung, 1968 gegen die Neue Linke,
von 1972 bis 1976 gegen die American Indian Movement, von 1976 bis 1985 gegen die
puertorikanischen Nationalisten sowie gegen die Friedensbewegungen. Das FBI gibt eigene
Publikationen wie die Armageddon News heraus, die sich gegen den Einfluss der Sozialisten in der
Friedensbewegung stellt. Bei der Washington Peace Mobilization, das Demonstrationen gegen den
Vietnamkrieg vorbereitet, sind von 32 Teilnehmern 9 FBI-Agenten. Von den 30 Mitgliedern der
Washington Black Liberation Front sind es sogar 14.
Überwacht werden in den USA über 1000 politische Organisationen - alles, was politisch nicht
etabliert ist. Von 1960 bis 1974 führt das FBI 500'000 Untersuchungen gegen subversive
Bestrebungen durch und startet im Rahmen von COINTELPRO zwischen 1956 und 1971 gegen 5
Organisationen 2370 Aktionen. FBI-Agenten, die sonst bei kleinsten "moralischen Verfehlungen"
gefeuert werden, erhalten die dienstliche Anweisung, mit Ehefrauen von Ku-Kux-Klan-Mitgliedem
zu schlafen, um Eheprobleme zu schaffen.
Das FBI organisiert gleichzeitig selbst rechtsradikale Terrorgruppen, um sie gegen die Linken
einzusetzen, und schützt andere Nazi-Gruppen vor Strafverfolgung. Das FBI deckt beispielsweise
Angriffe der National Caucus of Labor Committees in New York und der faschistischen Legion of
Justice in Chicago auf Versammlungen der Socialist Worker Party. Es wird sogar so etwas wie
eine nationale Terrorgruppe aus Polizei-und FBI-Agenten aufgebaut.
Auch die CIA organisiert rechtsradikale Terrorbanden in Deutschland und in Südamerika. In
Uruguay erhält der Polizei- und Geheimdienstchef Otero den Auftrag zur Bildung von
Todesschwadronen vom "Landwirtschaftsattache der US-Botschaft" Dan Mitrone, der bereits
Terrorgruppen in Brasilien und der Dominikanischen Republik auf die Beine gestellt hat. Innerhalb
der türkischen Armee baut die CIA eine Anti-Guerilla-Abteilung auf, unter deren Schutz und
Anleitung die "Grauen Wölfe" operieren. Anfang der 70er Jahre schult die CIA libysche
Terrorkommandos. 1956 versucht die CIA, die Regierung von Ghazzi in Syrien, das eine
Föderation mit Ägypten anstrebt, zu stürzen, was aber angesichts der Angriffe von Israel,
Grossbritannien und Frankreich auf Ägypten im Oktober und November 1956 aufgegeben wird.
Quellen : Scott (1993): 191f,309,380-397, Schulz: 94,100-116,170,310, Schröder, Zanetti, Roth:
41 f, CIA-Info: 13.
1956 Sam Giancana top
Sam Giancana, geboren am 24.5.1908, wird Mafiaboss von Chicago. Salvatore Giancana gehörte
bereits mit 12 Jahren der Strassengang "the 42" in Chicago an und eiferte Colosimo, Esposito,
Torrio und Capone nach, die Macht, Geld und Frauen hatten. Nach einem Aufenthalt in einem
Erziehungsheim lebte er bereits mit 10 Jahren auf der Strasse, weil sein Vater den
widerspenstigen Jungen jeden Tag schlug, ihn an die Eiche im Garten band und peitschte. Seine
Mutter starb an einer Fehlgeburt, als er knapp zweijährig war. Meistens schlief er in verlassenen
Autos und stahl Nahrung und Kleider. Nachdem er sich der Gang von Joey Colaro angeschlossen
hatte, kamen organisierte Diebstähle von Autos, dann Bombenattentate und Mordaufträge dazu.
"Moony" wurde zum besten Fahrer der Gang und verschaffte sich durch seine Brutalität Respekt in
seiner neuen Familie, neben der nichts zählte. 1923 begann er als Transporteur für Diamond Joe
Esposito und zeitweise auch für Joe Kennedy zu arbeiten. Über seinen Job als Chauffeur von
McGurn kam er in die Chefetage der Mafia von Chicago und machte sich einen Namen als
verwegener Fahrer und guter Schütze. Ab 1924 arbeitete er auch für AI Capone als Killer auf
Bezahlung. Im Januar 1925 brachten Sam Giancana und Leonard Gianda den Nachfolger
Colosimos, Johnny Torrio, mittels Schussverletzungen dazu, seinen Platz AI Capone zu
überlassen und die Stadt zu verlassen. Kurz darauf wurde Moony wegen Autodiebstahl verurteilt.
Nach seiner Freilassung setzte er sich zuhause gegenüber seinem Vater als Familienoberhaupt
durch. Mit 18 erfolgte eine erste Mordanklage, da der Besitzer des Überfallenen Ladens nach einer
Schiesserei starb. Nachdem er gegen $25'000 Kaution, die Esposito ihm sponserte, freikam, wurde
der einzige Zeuge der Anklage, Alex Burba, ermordet. Im November 1927 organisierte Moony
mithilfe eines anonymen Telephonanrufs an die Polizei, dass Joey Colaro niedergestreckt wurde.
Er übernahm die Führung der "42", zu der Leonard Caifano, Gianda, Fiore Buccieri, Willie
Daddano, Sam DeStefano, Phil Alderisio, Chuckie Nicoletti und die Brüder Chuck und Butch
English gehörten. Am 3.10.28 brachte Giancana im Auftrag Capones seinen Förderer Diamond
Joe Esposito um, womit es sich eine bessere Stellung innerhalb der Capone-Organisation
verschaffte. Mit 20 soll er bereits 20 Morde ausgeführt haben.
Am 23.9.33 heiratete Giancana Angeline DeTolve, nachdem er ihren Verlobten umgebracht hatte.
Seine Geliebte Marie Fanelli will er für Sex, Ange als Mutter seiner Kinder. 1932 wurde Giancana
der Fahrer von Paul Ricca, der nach der Verhaftung AI Capones die Leitung des Syndikats von
Chicago übernahm. Sein ehemaliger Vorgesetzter McGurn war innerhalb der Organisation in
Ungnade gefallen und wurde am 13.2.36 umgebracht. Giancana bewunderte Ricca für seine
Intelligenz und Kaltblütigkeit, seinen Charme und seine Beziehungen zu Politikern und Frauen.
1937 baute sich Moony im Patch sein eigenes Imperium auf. Über 50 Kriminelle arbeiteten für ihn
und erledigten Autodiebstähle, Einbrüche, illegale Alkoholproduktion, Erpressungen, Wucherei,
Glückspiele und trieben Geld ein. Die Polizei entdeckte am 17.1 .39 die klandestine Destillerie von
Garden Prairie, worauf Giancana wegen Alkoholschwarzbrennerei zu vier Jahren Gefängnis
verurteilt wurde.
Giancana schaltete sich, nachdem er kurz vor Weihnachten 1942 aus dem Gefängnis entlassen
wurde, dank seinem Zellengenossen Eddie Jones ins schwarze Lotterienetz ein. Um die Lotterien
in den Quartieren der Schwarzen in den Griff zu bekommen, Hess er Eddie Jones vier Jahre später
kidnappen und zwang ihn aufzugeben. Seiner Meinung nach gehört es sich für einen Schwarzen
nicht, soviel Geld zu machen. Jones durfte sich nach Mexico zurückziehen und "Moony" half mit
Schlägern und Bomben nach, das ganze Spielnetz zu übernehmen. Leonard Caifano leitete dann
für Giancana die nun von Weissen kontrollierten Lotterien. Gleichzeitig kaufte er Spielautomaten,
die von Chuckie English überwacht wurden, und er profitierte, wie Gambino auch, von den
Kriegsrationierungen, indem er mit gestohlenen Marken handelte.
Kurz nach dem 2. Weltkrieg wurde Giancana zum stellvertretenden Boss ernannt. Er ist häufig in
Las Vegas und Hollywood, hat engen Kontakt mit Frank Sinatra und Sammy Davis. Sinatra ist der
offizielle Besitzer des Casinos Cal Neva, das eigentlich Giancana gehört. Das Chicago-Syndikat
kontrolliert die Filmgewerkschaften, kann Produzenten und Studios erpressen. Über den Einfluss
auf James Riddle Hoffa eröffnen die Gewerkschaften den Zugang zur Macht in Washington.
Zudem ist Giancana dauernd in Kuba, wo alles erlaubt ist, was im spiessigen Amerika der 50er
Jahren verboten ist. Giancana beginnt, Harry Stonehill auf den Philippinen (gestohlene) Zigaretten
zu liefern. Stonehill unterhält Kontakte zum späteren Diktator Ferdinand Marcos, zur katholischen
Diözese, zum philippinischen Prokonsul, zu CIA-Mitarbeiter General Edward Lansdale und zu
General Douglas MacArthur.
In einem Casino von Moe Dalitz in Las Vegas lernt Giancana Phyllis McGuire kennen, die in
diesem Casino eine Spielschuld von $100'000 angehäuft hat. Die Sängerin wurde auch mit Elvis
Presley gesehen, aber nachdem Giancana ihr Versprach, sich um die Schuld zu kümmern, gibt sie
ihm den Vorzug. Dalitz muss sich den Verlust ans Bein streichen. Die Presse ist hingerissen: die
Schöne und das Biest. Dadurch gerät auch seine Rolle als Boss von Chicago vermehrt in die
Presse. Der eifersüchtige Giancana reist McGuire überall hin nach, um sie zu kontrollieren, aber er
ist unfähig, seinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen. Er kauft dafür teure Geschenke, wenn sie nicht
wie meistens aus Diebesbeute stammen. Der 48jährige Boss, der Wert auf altmodische
Umgangsformen legt, wurde schon 60 Mal verhaftet wegen Beihilfe zu Verbrechen, Einbruch,
tätlichem Angriff, Diebstahl, versuchtem Totschlag, Waffenbesitz, Bombenüberfall, Glückspiel und
Mord. Bis 1960 hat er etwa 200 Morde auf dem Gewissen, viele davon ausgeführt von seinen
Henkern "Mad Sam" DeStefano, Fifi Buccieri und Willie Daddano. DeStefano bearbeitet
beispielsweise seine Opfer in seiner Folterkammer vorwiegend mit Eispickeln. Giancana herrscht
über ein Kader von ungefähr 1000 Gangstern, die ihrerseits Befehle an gegen 50'000 Einbrecher,
Entführer, Fälscher, Erpresser, Drogenhändler, Kredithaie und Mörder ausgeben. Die
Jahreseinnahmen dieses Grossunternehmens betragen schätzungsweise $2 Mia. Mittels Gewalt
und Korruption kontrolliert Giancana Polizisten, Richter und Politiker, die öfters an seinen Partys zu
Gast sind.
Quellen : Hersh: 46ff, Giancana: 20-370, Olgiatti, Best: 1 0f ,37, Lewens/Wall.
1956 Giancana und Kennedy top
Joe Kennedy tritt mithilfe des Bürgermeisters von Chicago, Richard Daley, in Kontakt zu Sam
Giancana, und lässt ihm mitteilen, er habe einen Fehler begangen und befände sich in
Schwierigkeiten. Kennedy bittet Giancana, ihn an der Ostküste zu treffen, was dieser kategorisch
ablehnt. Kennedy habe seit Jahren ein Büro in Chicago und ihm gehöre seit 1945 das Merchandise
Mart, also würde man sich in Chicago treffen, oder gar nicht.
In einer Suite des Ambassador East bittet Kennedy den Mafiaboss drei Tage später um Hilfe, da
Frank Costello ihn umbringen lassen wolle. Obwohl Kennedy dank der Mafia reich geworden war,
weigert er sich zunehmend, Gegenleistungenzu bringen und distanziert sich von seinen alten
Komplizen. Im Streitfall sollte Kennedy seinen Namen für ein Immobiliengeschäft Costellos leihen,
aber er hat Angst, damit die politische Karriere seines Sohnes zu gefährden. Kennedy hat seine
Kontakte mit der Mafia nie aufgegeben: mit Johnny Roselli spielt er von Zeit zu Zeit Golf, mit Meyer
Lansky trifft er sich 1957 in Kuba, kurz darauf mit "Smiling Gus" Battaglia und Joe Bonanno.
Kennedy verspricht Giancana die Loyalität seines Sohnes, falls er Präsident werden sollte.
Giancana geht auf diesen Vertrag ein und annulliert das Todesurteil Kennedys.
Der Parteitag der Demokraten im Juli 1956 bedeutet einen Wendepunkt in der Karriere von John
Kennedy, weil er mit einem Schlag berühmt wird, obwohl er bei seiner Kandidatur um die
Vizepräsidentschaft in Chicago gegen Estes Kefauver verliert. Gleich danach fliegt er mit Bruder
Teddy, aber ohne seine schwangere Frau Jackie nach Cannes für ein Segelturn mit George
Smathers und verschiedenen Frauen. Am 23.8. muss sie notfallmässig ins Spital eingeliefert
werden und erleidet eine Totgeburt, woran sie beinahe stirbt. Die Familie kann Jack, der in London
bei Marilyn Monroe ist, nicht erreichen. Als die Ärzte ihm am 26.8. am Telefon versichern, dass sie
ausser Lebensgefahr sei, will er seine angebliche Kreuzfahrt fortsetzen. Erst zwei Tage später
fliegt JFK zurück, weshalb Jackie sich scheiden lassen will. Joe Kennedy offeriert ihr $1 Mio, damit
sie sich nicht scheiden lässt, und verspricht ihr, dass sie fortan mehr Raum und Zeit ausserhalb der
Kennedy-Familie bekomme, um ihr eigenes Leben zu leben.
Joe Kennedy hat eine Mauer zwischen seinem Familienleben und seinem Geschäftsleben gebaut.
Zuhause wird über Business nicht gesprochen; die Söhne sind naiv in Geldfragen und kennen die
Hintergründe seines Reichtums nicht. Da das Kennedy-Büro in New York alle Rechnungen der
Söhne bezahlt, werden die Kinder vom Vater auch finanziell kontrolliert. Im Hintergrund zieht er die
Fäden ihrer Karrieren. Joe sieht nicht vor, dass seine für Politikerkarrieren getrimmten Söhne seine
Firmen übernehmen, das kommt eher für die Schwiegersöhne in Frage.
Joe Kennedy wird, vermutlich als Resultat seiner Einschmeichelung bei Hoover, von Eisenhower in
das President's Board of Consultants on Foreign Intelligence Activities berufen. Der FBI-Check
unterschlägt Kennedys Rolle als Alkoholschmuggler und beschönigt diejenige als Botschafter.
Kennedy sorgt für Unruhe, als er bei einem Besuch der CIA-Station in Rom die Namen der
geheimen Undercoveragenten in der italienischen Regierung und im Vatikan verlangt - und
bekommt. Vermutlich informiert er anschliessend Hoover über die CIA-Aktionen. Jedenfalls
gewinnt Kennedy in den sechs Monaten im Amt Kontakte zur Geheimdienstwelt. Wahrscheinlich
versichert Kennedy Hoover, dass er trotz seines Alters das FBI weiterführen könne bei der Wahl
seines Sohnes zum Präsidenten.
Quellen : Wolfe: 298, Posener: 14,75-78, Davis (1994): 94, Giancana: 214-222, Collier/Horowitz:
260-269, Best: 13, Summers (1993): 260-264,268f, Olgiatti, Obenhause.
Juli 1956 Suez-Krise top.
Gamar Abdel Nasser verstaatlicht den Suezkanal, die Lebensader der westlichen Ölversorgung,
worauf die CIA ein Attentat auf den ägyptischen Präsidenten plant. Ursprünglich wurde Nasser von
der CIA unterstützt. Anfang der 50er Jahre wurde die morsche feudale Herrschaft des unfähigen
Königs Faruk zum Risiko für die Stabilität im Nahen Osten. Die CIA, wahrscheinlich Kermit
Roosevelt, nahm Kontakt zu den "freien Offizieren" um General Nagib auf, um den Königssturz zu
planen. 1952 musste der König abdanken. Nasser Hess mit dem Geld der Amerikaner einen
Fernsehturm in Kairo bauen, den man den CIA-Tower nennt. Da er jedoch von seiner blockfreie
Politik nicht abrückte, Hess die CIA ihn fallen. Auch der saudische Geheimdienst gibt $3 Mio. aus,
um Nasser ermorden zu lassen.
Israel greift drei Monate später mit Unterstützung der USA und Frankreich Ägypten an und dringt
auf der Halbinsel Sinai gegen den Suzkanal vor. Es liefert damit Frankreich und England den
verabredeten Vorwand, zum "Schutz der freien Schifffahrt" in Ägypten zu landen und Kairo,
Alexandria und Port Said zu bombardieren. Frankreich liefert Israel im Gegenzug das Material zum
Bau der Atombombe, die unter der Verantwortung des späteren Friedensnobelpreisträgers Shimon
Perez gebaut wird. (1967, 1973 und 1991 werden die Atomköpfe zum Abschuss montiert. Am
22.9.1979 testet Israel die Atombombe mithilfe von Südafrika. Bis ins Jahr 2000 produziert Israel
um die 200 Sprengköpfe). Die Kriegsdrohung der Sowjetunion führt zum Rückzug der Engländer
und Franzosen, aber der Kanal ist durch versenkte Schiffe bis im April 1957 blockiert. Die Briten
verlieren damit ihre Vorherrschaft im Nahen Osten.
Nach der Krise beginnen die USA mit der Unterstützung islamistischer Bewegungen, um die
panarabische Bewegung Nassers zu unterlaufen. Der beim Volk äusserst beliebte Nasser bleibt,
unterstützt von der Sowjetunion, bis zu seinem Tod 1970 im Amt. In den 90er Jahren erodieren die
sozialen Errungenschaften Nassers durch die Privatisierungen unter Mubarak, während sich
gleichzeitig die wirtschaftliche und militärische Abhängigkeit von den USA massiv vergrössert.
Quellen : Epstein: 20-23, Evans, Best: 45,52f, Schröder, CIA-Info: 13, Schulz: 156,169, Avineri: 66,
Mehio, Labidi.
1956 Hughes und Nixon top
Dwight D. Eisenhower und Richard Nixon werden im November wiedergewählt. Eisenhower hielt
Nixon weitgehend ausserhalb der Regierungsgeschäfte und vermied so weit möglich jeden
persönlichen Kontakt mit dem Vizepräsidenten, den er für "unreif" und gefährlich hält. Er lässt alle
Sitzungen und Gespräche mit Nixon heimlich aufnehmen, um sich abzusichern, und Nixon
bekommt sein Desinteresse und seine Verachtung zu spüren. Eigentlich hatte Nixon die Nase voll
und versprach seiner Frau, aus der Politik auszusteigen, als Eisenhower im September 1955 einen
Herzinfarkt erlitt. Die Aussicht auf die Nachfolge Hess Nixon weitermachen und weiterhin die
Erniedrigungen hinnehmen. Aber Eisenhower wollte ihn rauswerfen, wozu Murray Chotiners
Beziehungen zur Mafia in der Washington Post veröffentlicht wurden. Christian Herter war der
Gegenkandidat, mit dem Harold Stassen versuchte, Nixon zu stürzen ("Dump Nixon Movement").
Im Auftrag von Howard Hughes schleuste Robert A. Maheu einen Undercovermann bei Stassen
ein, dessen Aktion erfolgreich sabotiert werden konnte. Offenbar wurde Eisenhower mit bei
Stassen platzierten Informationen dann erpresst, Nixon zu behalten. Chotiners Name tauchte nicht
mehr auf, und Nixon stürzte sich mit den von Pater Cronin geschriebenen Reden in den von
Howard Hughes mitfinanzierten Wahlkampf. Nixon wurde dem Milliardär von Adela Rogers St.
John in den 40er Jahren vorgestellt. 1988 behauptet er, er hätte Hughes nie getroffen. Hughes
schmiert nicht nur Nixon seit 1946, sondern auch andere Familienmitglieder, und benutzt das
Pseudonym Mr. Thomas, wenn er den Vizepräsidenten anruft.
Howard Hughes setzte sich nach Las Vegas ab und zog dort während drei Jahren von einer
Hotelsuite zur anderen, bis er 1953 in einem 5 Zimmer-Bungalow des Desert Inn blieb, begleitet
von einer fast endlosen Folge von One-Night-Stands. Als Jean Peters am 29.5.54 den Ölhändler
Stuart Cramer III heiratete, setzte fasste Maheu den ersten Job von Hughes, um möglichst viel
Dreck über Cramer aufzudecken. Maheu fand heraus, dass der reiche Texaner über die Lockheed
mit der CIA verhängt ist. Nach kurzer Zeit verlässt Peters Cramer, der 1959 Terry Moore heiratet.
Hughes verspricht aber auch Kathryn Grayson, Susan Hayward, Yvonne Shubert die Heirat und
organisiert 1956 eine parallele Sylvesternacht mit Peters, Hayward und Shubert. Maheu
beschattete in der Folge Dutzende von Starletts Hollywoods, die Hughes als seinen Besitz ansah.
Im weiteren überprüfte er die Loyalität von Angestellten und fand Abhöranlagen in den Büros.
Das IRS untersuchte Maheu im Gegenzug, weil die Steuerprüfer entdeckten, dass er seine
Rechnungen an die Hughes Tool Company kodiert verfasste. Maheu hat in Las Vegas
Geschäftskontakte mit der Mafia und trifft sich mit John Roselli, schmiert FBI-Beamte und Politiker
in Washington, um an Militäraufträge für Hughes zu kommen. Die Hughes Aircraft konzentrierte
sich schon früh auf Militärelektronik und entwickelte mit der Falcon die erste Radarsuchrakete.
Auch die CIA gehört mit Aufträgen von insgesamt $7 Mia. zu den Grosskunden der Firma, die 1953
dank dem Koreakrieg, dem Bau von Spionagesatelliten und guten Wissenschaftlern nach 18
Jahren erstmals schwarze Zahlen schreiben und einen Gewinn von $5,3 Mio. erzielen konnte.
Allerdings entstanden Probleme, weil Kaderleute auch in Aktien ausbezahlt werden wollten, um
Steuern zu umgehen, und Hughes auf dem Alleinbesitz bestand. Zudem setzte ihn die Luftwaffe
nach FBI-Berichten, wonach er nicht mehr in der Lage sei, die Waffenfabrik zu führen, unter Druck.
Im Dezember 1953 gründete er das Howard Hughes Medical Institute als wohltätige Stiftung, und
überschrieb die Patente und Aktien seiner Firmen der steuerfreien Stiftung. Nur ein Prozent der $3,
6 Mio. Gewinn von 1954 floss tatächlich in medizinische Forschung. Ende 1955 entschied das
Steueramt, dass der steuerfreie Status nicht angebracht sei, ändert aber völlig überraschend seine
Meinung im März 1957, obwohl ein entsprechendes Gesuch zuvor zweimal abgeleht worden war.
Nachdem Hughes am 20.8.55 erfolglos versuchte, FBI-Direktor Hoover zu schmieren, zahlte er im
Dezember Vizepräsident Nixon $205'000, was einem heutigen Betrag von über $1 ,25 Mio.
entspricht. Einen Monat danach kauft sich Nixon eine 16-Zimmer-Villa für $75'000. Als der Deal
auffliegt, wird behauptet, Hughes habe Donald Nixon einen Kredit für seine defizitäre
"Nixonburgers"-Kette gewährt, die aber nur zwei Wochen nach dem angeblichen Kredit Konkurs
geht. Da die Hughes Medical Alleinbesitzerin der Hughes Aircraft ist, über die Hughes alle
möglichen Geschäfte abwickelt, wird dank Nixon sein ganzes Wirtschaftsimperium praktisch
steuerfrei. Er selbst versteuert ein Einkommen von nicht einmal $20'000.
Einen Monat nach der Zahlung erlaubt das Civil Aeronautic Boards der TWA die Aufnahme eines
riesigen Kredits, erteilt ihr Lizenzen zu neuen In- und Auslandrouten und eine Flugpreiserhöhung.
Hughes hat seit 1939 laufend Aktien der Trans World Airways gekauft, mit der Idee, seine eigenen
Flugzeuge der TWA zu verkaufen, und besitzt 78% der Firma. 1 956 versuchte er, der TWA 63 zu
entwickelnde Jets der Hughes Aircraft zu verscherbeln. Um gegenüber der Konkurrenz nicht in
Rückstand zu geraten, bestellte er aber in einer überstürzten Aktion für $487 Mio. 188 Boeing 707
und 30 Convair 880, was die Finanzmöglichkeiten der Fluglinie bei weitem übersteigt. Anstatt
weitere Finanzierungen mit den Banken zu verhandeln, verschwindet Hughes nach der heimlichen
Hochzeit mit Jean Peters am 12.1 .57 von der Bildfläche, weil seine absolute Kontrolle über die
TWA beschränkt worden wäre. Sein Entschluss zur Heirat mit der Schauspielerin erfolgt aus Angst,
wegen seiner fortschreitenden Neurosyphilis in einer Klinik zu landen, wozu die Ehefrau die
Einwillligung erteilen müsste. Die in der Presse kursierenden Spekulationen über die Heirat tut
Hughes gegenüber der 17jährigen Shubert als Gerüchte ab und verspricht ihr die Heirat, bis sie
schwanger wird. Als sich Shubert 1959 aus dem goldenen Käfig löst und sich ihr neuer Freund
Johnny Rand bei einem Unfall offenbar selbst erschiesst, gratuliert Hughes, Maheu sei besser, als
er gedacht hätte. Hughes verbarrikadiert sich im Dezember 1957 im Filmprojektionsraum eines
Produzenten in Hollywood, wo er nackt Filme schaut und telefoniert. Nach drei Monaten informiert
er seine Frau, er sei krank und werde in einem medizinischen Zentrum behandelt.
Finanzinvestoren setzen einen ehemaligen FBI-Agenten und eine Horde von Detektiven ein, um
ihm eine Gerichtsvorladung zu überbringen, worauf Maheu mit einigen CIA-Agenten eine
"Gegenspionageaktion" organisiert. Viele falsche Tips werden den Detektiven gegeben und ein
Doppelgänger von Hughes wird engagiert, um sie zu irritieren. Es gibt daraufhin Vermutungen,
dass Hughes gekidnappt worden sei, um sein Imperium zu übernehmen. Tatsächlich ist Maheu
nach der Intrige der Bediensteten, alles Mormonen, gegen Noah Dietrich und dessen Weggang der
letzte Aussenkontakt. Der Chef der Mormonentruppe, Frank William Gay, überwacht im Hauptsitz
der Hughes Productions in Hollywood die Koordination der Geschäfte, die Kommunikation mit den
Geschäftspartnern und die Klassifikation der Dokumente in "secret", "confidential" oder "restricted".
Schliesslich zieht Hughes nach vier Monaten zurück in das Beverly Hills Hotel, umgeben von
seinem Stab aus Mormonen, die seine Phobie vor Bakterien und Staub noch fördern. Auf
Anweisung von Hughes wird ein Manual mit detaillierten Anweisungen und religiösen Referenzen
geschrieben, wie seine Helfer beispielsweise einkaufen oder eine Büchse öffnen müssen. Alle
Gegenstände, mit denen Hughes in Berührung kommt, müssen desinfisziert und mit Kleenex
überreicht werden.
Nachdem Hughes die Miss Universe-Wahlen im Fernsehen gesehen hat und vor allem von Miss
Belgien angetan ist, weist Hughes Chouinard und Maheu an, einige der Mädchen in die USA zu
importieren. 6 oder 7 werden unter dem Cover einer Filmgesellschaft eingeflogen, in Appartements
einquartiert und mit dem üblichen Programm versorgt. Bis auf Carolyne Lecerf verlassen aufgrund
der Überwachung alle wieder die USA innerhalb einer Woche, und die Mutter der Miss Belgien,
deren Briefe abgefangen werden, schaltet die belgische Botschaft und diese das FBI ein. Nachdem
sie in einem Interview von der Tortur ihrer Gefangenschaft erzählte, kehrt sie nach einem halben
Jahr zurück, ohne ein versprochenes Treffen mit dem Milliardär.
Quellen : Drosnin, Giancana: 341, Best: 50-53,84, Brown/Broeske: 275-322, Summers (2000):
134,145-159.
1957 Robert Kennedy gegen die Teamster-Gewerkschaft top
Kurz nachdem im "Hotel des Palmes" in Palermo die Spitzen der sizilianischen und
amerikanischen Mafia zusammengekommen waren, um ein Abkommen über die Koordination im
Drogengeschäft zu schliessen, kommt es zur ersten grossen Kongressuntersuchung gegen die
Geschäfte der Mafia in den USA. An Weihnachten 1956 hatten Joe und Robert Kennedy ihren
schlimmsten Streit, weil Bobby als Rechtsberater im McCIellan-Ausschuss zur Untersuchung der
Gewerkschaften und ihrer Verbindungen zum Organisierten Verbrechen mitarbeiten will, was sein
Vater ihm verbietet. Bisher immer folgsam, zurückgezogen und strenggläubig, verheiratet und
Vater von 5 Kindern, trotzt der 33jährige das erste Mal dem Willen seines Vaters, der sogar seinen
Freund Richter William O. Douglas von obersten Gerichtshof einschaltet, um Bobby von der
Mitarbeit abzuhalten.
Nach seinem Studium begann Bobby 1951 für die Internal Security Division des Justizministeriums
nach sowjetischen Spionen zu suchen und sammelte in der Kommission von McCarthy als
Kommunistenjäger weitere Erfahrungen. John McCIellan wurde der neue Vorsitzende des Senate
Investigations Subcommittee, das zunächst weiter gegen Kommunisten aktiv ist, bis die Tranport-
Gewerkschaft 1956 zum Thema wurden. Mit 1,7 Mio. Mitgliedern sind die Brotherhood of
Teamsters die grösste, reichste und aggressivste Gewerkschaft, die das Land jederzeit lahmlegen
könnte.
Am 30.1 .57 wird der Senatsausschuss unter Vorsitz von Senator John L. McCIellan geschaffen,
und für die nächsten 30 Monate werden sich RFK, Chef-Rechtsberater der Kommission und
treibende Kraft der Untersuchung, und auch JFK als Mobjäger profilieren. Bobby findet heraus,
dass Teamster-Präsident Dave Beck mit Geldern der Gewerkschaft ein Haus baute, und es nach
zwei Jahren der Gewerkschaft für $163'000 wieder verkaufte. Im Mittelpunkt steht der $370'000-
Diebstahl des Gewerkschaftsführers aus der Teamster-Pensionskassen und Steuerhinterziehung,
für welche dieser 1957 ins Gefängnis geht, aber von Gerald Ford 1975 vollumfänglich rehabilitiert
wird. Auch dessen Nachfolger Jimmy Hoffa (Präsident von 1957-71) sowie Joey Glimco von
Chicago werden unter die Lupe genommen.
James Riddle Hoffa wurde 1913 geboren und zog mit seiner Mutter nach dem Tod des Vaters
1920 nach Detroit. Nachdem er bereits mit 19 Jahren seinen ersten Sieg in der
Gewerkschaftsbewegung davontrug, kam Hoffa anfangs der 30er Jahre über seine Geliebte Sylvia
Pagano, die mit Frank Coppola ein Verhältnis hatte und die Mutter von Chuck O'Brien ist, in
Kontakt mit dem Organisierten Verbrechen, das über die Jahre zu einer unverzichtbaren Basis
seiner Karriere an die Spitze der Teamsters wird. Hoffa assoziiert sich mit Coppola und Santo
Perrone, der im Gegensatz zu anderen Firmenerpressern zuerst die Bomben zündet und danach
das Geld verlangt. 1936 wegen Mobaktivitäten bei den Docks gefeuert, stellte ihn die
Transportgewerkschaft als Organisator ein. 1941 kam es in Detroit zu einem Machtkampf zwischen
dem Congress of Industrial Organizations und den AFL Teamsters, für die sich Hoffa als mit Ketten
bewaffneter Schläger profilierte, zusammen mit seinem späteren Bodyguard Rolland McMaster. Mit
Hilfe des Justizministeriums gelang es ihm auch, die linke Konkurrenzgewerkschaft CIO in
Minneapolis zu besiegen.
Über Perrone begann Hoffas Verbindung mit Paul Dorfman, Präsident der mafiadominierten Waste
Handlers Union Chicagos seit der Ermordung seines Vorgängers 1939, bei der Jack Ruby eine
Rolle spielte. 1949 schuf Hoffa die Michigan Conference of Teamsters Weifare Fund, und Vater
und Sohn Dorfman gründeten die Union Casualty Agency für die Geldtransaktionen. Diese Kassen
entwickelten sich zu einer eigentlichen Mafia-Bank. Hoffa schützt Deals der Gangster, die die
Gewerkschaft als Deckmantel benutzen können. Die Mobster sorgen im Gegenzug mit effizienten
Methoden dafür, dass die Arbeiter den Befehlen folgen, wie bei den Wäschefahrern von Teamsters
Local 285 mit Morris Dalitz. Wenn eine Firma den Schutz von Hoffas Gewerkschaft ablehnt, zündet
Frank Kierdorf eine Bombe. Zudem stellt Hoffa Gelder der Pensionskassen zur Verfügung, die
vorwiegend in Las Vegas und Grundstückhandel investiert werden.
Vermutlich ist es Hoffa, der die Mafiosi Russell Bufalino, Salvatore Granello, John LaRocca,
Gabriel Mannarino und James Plumeri überzeugt, mit der CIA zu kooperieren. Diese Mobster sind
alle mit den Teamstern verknüpft, haben Kasinoinvestitionen in Havanna und sind in den
Drogenhandel verwickelt. Die Kommission findet auch heraus, dass Hoffa eng mit Tony "Ducks"
Corallo und Johnny Dioguardi zusammenarbeitet, die New Yorks Flughafen für Tommy Lucchese
ausbeuten. Dank Paul Dorfman wurde "Dio" Dioguardi Direktor der New York United Auto Workers
Union, AFL. Ein Journalist der Hearst begann, über Dioguardis Verflechtungen zu schreiben und
erblindete, weil ihm Säure ins Gesicht gespritzt wurde. Nachdem der Säureattentäter erfahren
hatte, dass sein Opfer eine bedeutende Person war, verlangte er statt $500 plötzlich $50'000,
worauf er vier Kugeln in den Hinterkopf erhielt. Die Aufklärung von Dioguardis Fall musste
aufgegeben werden, weil alle potenziellen Augenzeugen es vorzogen zu schweigen.
Nach der Übernahme des Präsidiums stellt Hoffa Robert Maheu an, der mit dem Teamster-und
CIA-Anwalt Edward Bennett Williams das Büro teilt. Über Williams lernte Maheu seinen Freund
Johnny Roselli kennen. Ebenfalls 1957 gründet Hoffa mithilfe von McMaster und David Yaras das
Teamsters Local 320 in Miami, in dem Santos Trafficante ein Büro bezieht. Im Jahr darauf
übernehmen die Teamster die Kontrolle der Miami National Bank. Der gewalttätige McMaster ist
auch der Verbindungsmann zu Genoveses Mafiafamilie in New York. Genoveses Capo Anthony
Provenzano ist der Chef des New Jersey Local 560 und wird 1959 zum Präsidenten des 100'000
Mitglieder zählenden New Jersey Joint Council 73 gewählt, womit er 10% aller Teamsters
kontrolliert. "Tony Pro" bekämpft in erster Linie Gewerkschaftsreformer, von den viele umgebracht
werden. Hoffa macht ihn zum Vizepräsidenten der International Teamsters. Hoffas Macht wird von
der McCIellan-Kommission als gefährlich für das ganze Land eingeschätzt.
Insgesamt arbeiten über 100 Anwälte an dieser Untersuchung mit, 1500 Zeugen werden befragt in
über 500 öffentlichen Hearings, die 20'432 Protokollseiten füllen. Während den Untersuchungen in
den verschiedenen Städten befreundet sich RFK mit Polizeichef William Parker und Captain James
Hamilton, in dessen LAPD Intelligence Division er sein Büro in Los Angeles einrichtet. Eisenhower
unterstützt die McCIellan-Kommission nicht, aber er behindert sie wenigstens nicht, wie das bei der
Kefauver-Untersuchung durch Roosevelt der Fall war. Hoffa versucht, den Anwalt John Cheasty
als Spion in der Kommission zu kaufen, der in Absprache mit Bobby beschliesst, als Doppelagent
zu funktionieren. Hoffa übergibt Cheasty $200'000 unter FBI-Beobachtung, und trotzdem verliert
RFK den Bestechungsprozess gegen Hoffas Anwalt Edward Bennett Williams. RFK will seine
Niederlage rächen und erklärt "diesen Hurensohn Jimmy Hoffa" zum wichtigsten Feind, als er das
Justizministerium übernimmt.
Mafiabosse wie Carlos Marcello und Sam Giancana, die mit Hoffa zuammenarbeiten, werden von
der McCIellan-Kommission befragt. Anwalt Aaron Kohn informiert RFK ausführlich über seine
Untersuchungsergebnisse über Marcello und sagt vor dem Ausschuss auch gegen ihn aus. Beim
Verhör am 24.3.59 verweigert Marcello die Aussage auf alle Fragen von RFK und der Senatoren.
Giancana benutzt vor dem McCIellan-Ausschuss 34 Mal den 5. Zusatzartikel. Robert Kennedy
macht ihn während des Verhörs lächerlich, was in der Presse Aufmerksamkeit erregt. Trotz den
Ermittlungen seiner Söhne lässt Joe Kennedy über Murray Humphreys Giancana mitteilen, er habe
die Situation im Griff. JFK sagt einmal während der Hearings: "Wir haben nur eine Regel hier:
Wenn sie Gauner sind, verwunden wir sie nicht, wir bringen sie um." Und RFK meint: "Wenn wir
das Organisierte Verbrechen nicht auf nationaler Ebene mit ihnen ebenbürtigen Waffen und
Techniken angreifen, werden sie uns zerstören." Giancana fühlt sich von Joe Kennedy verraten,
obwohl dieser sagt, es handle sich nur um ein politisches Spiel, was Humphreys und Sinatra
offenbar glauben.
Zudem hat Giancana andere Schwierigkeiten: Leon Marcus, ein korrupter Bankier, wird am 31 .3.57
wegen Veruntreuung von Geldern seiner Southmoor-Bank in Chicago angeklagt. Um einen
Freispruch zu erzwingen, will er Giancana mithilfe kompromittierender Dokumente mithineinziehen
und erpressen. Sal Moretti, ehemaliger Polizist und Soldat von Lieutnant Willie Patate, soll Marcus
erschiessen und die belastenden Unterlagen entwenden. Er macht jedoch den Fehler, die
belastende Quittung über eine Zahlung von $100'000 im Zusammenhang mit dem Motel
Thunderbolt zu vergessen. Willie Patate foltert Moretti daraufhin grausamst zu Tode, was jedoch
trotz der Publizität nicht zu einer Anklage führt. Giancana wird daraufhin aber wegen 67
Glückspielvergehen im Wagon Wheel angeklagt, die ins Jahr 1951 zurückgehen.
Giancana kauft 1958 mit Geldern der Pensions- und Gewerkschaftskassen der Teamsters das
Stardust auf. Gus Greenbaum, der von den $15 Mio. Gewinn des Flamingos in Las Vegas $9 Mio.
für sich abzweigt, um zu spielen, und seine Frau werden im Dezember 1958 auf Befehl Giancanas
und Lanskys zu Tode gefoltert. Las Vegas ist eine der einträglichsten Quellen geworden und bleibt
es bis Ende der 70er Jahre. Insgesamt verdient Giancana $4 Mio. monatlich, steuerfrei.
Murray Chotiner, der für Earl Warren und Richard Nixon arbeitet, muss wegen seiner Mafiaklienten
aussagen. Er verteidigte zusammen mit seinem Bruder Jack 249 Mafialeute vor Gericht, was
Richard Nixon nicht hindern wird, ihn zu seinem Spezialberater zu ernennen. Carmine Bellino
deckte 1956 einen Korruptionsfall bei Uniform-Aufträgen auf, in den Chotiner verwickelt ist. Dieser
versucht alles, um nicht vor dem Komitee aussagen zu müssen, und wird schliesslich von Joe
McCarthy gedeckt. Auch Jack Ruby hätte eigentlich vor dem Kongress aussagen sollen, aber
Vizepräsident Nixon kann dies verhindern, indem er gegenüber dem FBI aussagt, Ruby arbeite für
ihn unter seinem richtigen Namen. Laut neuen FBI-Dokumenten arbeitete Ruby seit 1947 als "spy
& hit man" tatsächlich für Nixon. Ruby wird in einem FBI-Bericht von 1956 im Zusammenhang mit
Drogenschmuggel zwischen Mexico, Texas und dem Osten erwähnt. Ruby schmuggelt Drogen mit
James Breen, lebt von Zuhälterei und Glückspielen, die er mit Harry Hall betreibt. Ruby ist mit
mehreren Polizisten wie Leutnant Ellis Joseph und sogar mit Dallas-Polizeichef Jesse Curry
befreundet. Bis 1958 haben die Mobster von Dallas die American Guild of Variety Artists (AGVA),
die neben den Schauspielern auch die Stripperinnen vertritt, unter ihrer Kontrolle, um zu
verhindern, dass es erneut zu Verurteilungen wie der von Rubys Geschäftspartner Joe Bonds 1954
wegen "Weisser Sklaverei" kommt. James Henry Dolan, ein Vertrauter von Marcello, Pecora, Ruby
und Tafficante, wird an die Spitze der AGVA gesetzt.
Quellen : Giancana: 227-229,238-240,273, Davis (1988): 81-86,406, (1994): 110, Marrs: 171f, NZZ
Folio Nr.9/1991 : 15, Weberman (27): Uff, Hersh: 134, Scott (1993): 233, Pease (1995), Sylwester:
3-7, Kangas: 3, Best: 11-14,41, Groden/Livingstone: 31 7f, Summers (2000): 51 ff, Collier/Horowitz:
269-293, Anson: 314-321, Carey/Olgiatti.
1957 Mafiakrieg in New York top
Albert Anastasia, seit 1951 Chef der Mangano-Familie, wird im Coiffeursalon des Sheraton Hotel
am 25.10.57 auf Befehl von Joseph Profaci erschossen. Anastasia war der reichste der Bosse New
Yorks, wobei seine Geldgier und der völlig unnötige, durch Frederico Tenuto ausgeführte Mord an
Arnold Schuster die anderen Bosse glauben Hess, Anastasia verliere den Verstand. Schusters
Aussagen führten zur Verhaftung des Bankräubers Willie Sutton, worauf Schuster von den
Zeitungen zu einem Helden stilisiert wurde. Anastasia setzte sich im Zusammenhang mit dem
neuen Havanna Hilton auch in Konkurrenz zu Lansky und bot Trafficante an, mit ihm Lanskys
Geschäfte zu übernehmen. Zudem kursierten Gerüchte, Anastasia verkaufe die Mitgliedschaft zur
Cosa Nostra für jeweils $50'000.
1956 wurde Anastasias Unterboss Joe Adonis vom INS nach Italien abgeschoben. Kurz danach
berief Vito Genovese ein Meeting der Kommission ein und erklärte, Frank Costello müsse
neutralisiert werden. Genovese begann nach der Freilassung Costellos aus dem Gefängnis am
29.10.53 gegen den Anastasia-Verbündeten zu plotten, indem er Costellos Publizität kritisierte.
Costello wurde aus der Kommission ausgeschlossen, wonach ihm Meyer Lansky als
Entschädigung ein Teil des Tropicana Casinos abtrat. Während Costello im Gefängnis sass,
ermittelten die Behörden weiter gegen ihn und konnten wegen einer Zahlung von $4888 seiner
Frau einen neuen Prozess wegen Vertuschung seines Einkommens gegen ihn aufziehen, weshalb
er zu weiteren fünf Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Da der Anwalt Edward Bennett Williams
beweisen kann, dass die Verurteilung nur durch illegale Abhörung erreicht werden konnte, wird
Costello 1957 wieder auf freien Fuss gesetzt. Costello führt daraufhin trotz seinem Ausschluss
seine Geschäfte weiter, weshalb Genovese ohne Warnung zuschlägt: Der Schütze Vincent
Gigante verletzt ihn am 2.5.57 aber lediglich und lässt sich zudem von der Polizei erwischen. Da
Costello aussagt, er habe Gigante noch nie gesehen, kommt dieser allerdings wieder frei. Die
Polizei entdeckt bei Costello $800 Bargeld und eine Quittung von $651'254, die Einnahmen des
Casinos Tropicana in Las Vegas vom 27. April, wofür er zu weiteren vier Jahren Zuchthaus
verurteilt wird. Anastasia verbarrikadiert sich danach in seinem Landhaus, worauf sein Underboss
Frank Scalise von Jimmy Squillante erschossen wird.
Anastasia erklärt daraufhin, er werde die Schüsse auf Costello und Scalise rächen. Genovese
kann Carlo Gambino, den verbleibenden Leutnant von Anastasia, nun überzeugen, dass Anastasia
für die Mafia gefährlich werde. Genovese versichert Gambino seine Unterstützung in der
Kommission, worauf dieser Joe Profaci einschaltet. Dieser gibt den Kontrakt an die wildesten
seiner Killer weiter: die Brüder Crazy Joe, Louie und Kid the Blast Gallo, die Anastasia umbringen,
nachdem dieser noch am Vortag mit Trafficante gegessen hat, um über die vermeintliche
Übernahme eines Casino zu diskutieren.
Nahezu 100 Mafiosi und Verbündete aus 15 Staaten treffen sich am 14.10.57 auf Einladung von
Vito Genovese auf dem Landgut von Joseph Barbera bei Apalachin. Angeblich wollte Genovese
das Treffen zuerst in Chicago durchführen, ging dann aber auf den Vorschlag des Mafiabosses von
Buffalo, Stefano Magaddino, ein. Die Mobster trafen sich seit 1931 alle 5 Jahre, das letzte Mal
1956 ebenfalls bei Barbera, wo Joe Zerilli und Angelo Bruno in die Kommission aufgenommen
wurden, die aus 9 Mitgliedern besteht. Aber die auftretenden Probleme erfordern eine
vorgezogenes Treffen: Die Bosse wollen die Rivalitäten in den New Yorker Familien, die nach 20
stabilen Jahren auftraten, beenden und verlangen eine Erklärung für die Attentate gegen Costello,
Scalise und Anastasia. Der 2. Punkt betrifft die Mitgliedschaftsbedingungen: Die von Anastasia
eingekauften Mitglieder sollen wieder ausgeschlossen werden. 3. Einige Mafiabosse wollen nicht
ins Drogengeschäft einsteigen, das sie als unmoralisch oder als zu gefährlich beurteilen. Am
1 .7.57 wurde der Narcotic Control Act in Kraft gesetzt, der Drogenhandel zu einem
Bundesvergehen macht, was die Strafverfolgung vereinfacht. Als 4. Punkt stehen
Gewerkschaftsprobleme in New York und Pennsylvania auf der Traktandenliste. Der 5. und für Vito
Genovese wichtigste Punkt ist, sich zum Boss der Bosse krönen zu lassen.
Aus New York kommen Vito Genovese, Tommy Lucchese, Joe Bonanno, Carmine Galante,
Joseph Magliocco, Carlo Gambino, Carmine Lombardozzi, Joseph Profaci und John Bonaventre.
Aus New Jersey sind Gerardo Catena, Joseph Ida und Frank Majuri dabei. Frank de Simone aus
Kalifornien, Joseph Civello aus Dallas, James Colletti aus Colorado, John Scalish aus Cleveland,
John Montana aus Buffalo, Santo Trafficante jr. aus Havanna, Anthony Magaddino aus Niagara
Falls, Russell Bufalino aus Pittston (Pennsylvania), der Bruder des Bosses von New Orleans,
Joseph Marcello, und Sam Giancana aus Chicago sind ebenfalls dabei. Von den
Konferenzteilnehmern haben 22 mit Gewerkschaften zu tun. Dazu gehören James La Duca, der
Chef der Hotel- und Restaurant-Gewerkschaft in Buffalo, John Scalish und Louis "Babe" Triscaro
von den Teamsters und 4 Vertreter der New Yorker Bauarbeitergewerkschaft.
Der 5. Punkt kann wegen dem Erscheinen der Polizei nicht mehr in Angriff genommen werden.
Laut Barbera reduzierte er kurz zuvor seine Schmiergeldzahlungen, weil ihm die Polizei zu gierig
geworden sei, weshalb sie ihm Ärger machen wollen. Laut Sergent Edgar D. Crosswell, der den
Einsatz leitet, wird das Mafiatreffen entdeckt, weil Joseph Barbera jr. in einem lokalen Motel
Reservationen für unbekannte Gäste machte, was er zufällig hörte. Zudem seien die vielen
schwarzen Limousinen mit ausserstaatlichen Nummerschildern aufgefallen.
Die Polizisten schreiben die Autonummern auf und errichten eine Strassensperre, um die Besucher
zu überprüfen. 58 der Flüchtenden, die zusammen $300'000 Bargeld auf sich tragen, identifiziert
werden. Sam Giancana und Carmine "the Cigar" Galante können durch den Wald entkommen.
Interessanterweise fehlen Carlos Marcello, Frank Costello und Meyer Lansky am Treffen, und
Giancana und Galante laufen nicht in die Falle. Vermutlich hat Costello, den Genovese
umzubringen versucht hatte, mit einem Tip an die New York State Police die Machtübernahme
Genovese sabotiert, wenn auch zum hohen Preis, dass das Meeting die Aufmerksamkeit von
Justizdepartement und Öffentlichkeit auf sich zieht.
Gleich nach dem dem Fiasko beruft Vito Genovese ein Meeting der New Yorker Familien ein, um
die hängigen Punkte zu bereinigen: Der Drogenhandel wird wegen dem neuen Narcotics Control
Act verboten. Jedes Mitglied, das beim Drogenhandel erwischt wird, soll sofort umgebracht
werden. Die neuen Mitglieder, die für ihre Initiation bezahlt haben, werden ausgeschlossen.
Bedrohen unabhängige Gewerkschaften die Interessen der kontrollierten Arbeiter, werden die
Führer gewarnt und bei Nichtreagieren exekutiert. Carlo Gambino wird von Genovese zum neuen
Oberhaupt der Mangano-Familie gekrönt und in die Kommission aufgenomen. Don Carlo ernennt
Joe Biondo, sein Bruder Paul Gambino und sein Cousin Paul Castellano zu seinen Underbossen
und Joe Riccobono zu seinem Berater. Gambino lässt die Anastasia-Loyalen "Johnny Roberts"
Robilotto und Armand "Tommy" Rava erschiessen und beginnt, seinen Förderer zu ruinen.
Obwohl Genovese den Drogenhandel verboten hat, nimmt er sich selbst von diesem Verbot aus.
Gambino, Giancana und Lansky beschliessen, den machthungrigen Genovese damit
auszuschalten. Gambino offeriert dem puerto-ricanischen Kriminellen Nelson Cantellops, der für
Giancana und Lansky arbeitete und wegen Drogenhandels im Gefängnis von Sing Sing sitzt,
$100'000 für seine Aussagen gegen Genovese. Das FBN von New York lässt sich darauf ein,
Cantellops die Reststrafe zu erlassen, wenn dieser vor Gericht aussagt. Genovese und 24 seiner
Leute, darunter Carmine Galante und Joseph Valachi, werden 1958 wegen Verstössen gegen das
neue Drogengesetz verhaftet. Aufgrund der Aussagen des Starzeugen Cantellops über grosse
Drogendeals werden alle Angeklagten verurteilt. Genovese, zu 15 Jahren Gefängnis verdonnert,
stirbt 10 Jahre später in Haft. Galante landet im Lewisberg Penitentiary in gleichen Zellenblock wie
Jimmy Hoffa, wo er Vincente Teresa verspricht, er werde Carlo Gambino mitten auf den Times
Square scheissen lassen.
Das Apalachin-Treffen der Mafia beweist dem McCIellan-Ausschuss, dass ein nationales
Verbrecher-Syndikat existiert. Diese Bestätigung ist für J. Edgar Hoover äusserst peinlich, hat er
doch immer behauptet, es gebe keine interstaatlich tätige Mafia, und sich über Kefauver, Kennedy
und McCIellan lustig gemacht. Da es offensichtlich nicht nur lokal aktive Gangster gibt, kann er die
Zuständigkeit des FBI nicht mehr bestreiten. Am 27.1 1 .57 startet er das Programm TOP
HOODLUM gegen das organisierte Verbrechen und benutzt den Begriff LCN (La Cosa Nostra von
Maranzano), um den Eindruck zu erwecken, er sei besser informiert als alle anderen. LCN tönt weit
weniger gefährlich als "Organisiertes Verbrechen" oder "Mafia". Die Mobster bezeichnen ihre
Organisation oft anders: "the Office" in New England, "the Arm" in Buffalo oder "the Outfit" in
Chicago.
Während zwei Jahren sammelt das FBI nun Informationen über das organisierte Verbrechen. Der
von Vizedirektor William Sullivan und seinem Assistenten Charles Peck geschriebene Report wird
in 25 nummerierten Exemplaren gedruckt und an Spitzenbeamte verteilt. Nachdem Hoover sein
Exemplar gelesen hat, ordnet er den Rückzug aller Kopien an und lässt sie vernichten. Zudem
behindert er massiv die Arbeit der Special Group on Organized Crime, geleitet von Richard Ogilvie
und Milton Wessel, welche auf Initiative Eisenhowers als Reaktion auf das Apalachin-Treffen
gebildet wird. Schliesslich werden 27 Teilnehmer des Treffens wegen Behinderung der Justiz
angeklagt und 20 verurteilt.
Quellen : Meurice, Davis (1994): 70-96, Delorme: 63-68,1 17f,1 47-1 53, Giancana: 244-247, Best: 8f,
Summers (1993): 246f, Cran, Holenstein: 53, Bartholomew: 59.
1957 Lewis Rosenstiel top
Louis B. Nichols wechselt vom FBI zu Lewis Solon Rosenstiel, Costello-Verbündeter aus dem
Alkoholgeschäft mit Beziehungen zu Meyer Lansky, Angelo Bruno und Hoover, der ab und zu in
Rosenstiels Flugzeug fliegt. Rosenstiel kaufte 25'000 Exemplare von Hoovers Buch "Masters of
Deceit" und verschenkte sie an Schulen, zahlt in den 60er Jahren mehr als $1 Mio. an die J. Edgar
Hoover Foundation, zu der auch nahmhafte Mafiosi beisteuern, und begleicht Hoovers
Wetteinsätze an Pferderennen. Als Gegenleistung hilft Hoover bei verhafteten Verbündeten.
Rosenstiel entwickelt sich zum wichtigsten Verbindungsmann zwischen Hoover und Lansky.
Rosenstiel ist bisexuell und hat ein Verhältnis mit Roy Cohn, dem ehemaligen Assistenten Joe
McCarthys. Die beiden organisieren seit 1 948 Sexparties für Hoover, der sich als Frau verkleidet
mit jungen Männern im Plaza Hotel oder in Rosenstiels Haus, in dem Zimmer abgehört werden
können, trifft.
Mithilfe von Nichols und Cohn schmiert Rosenstiel Lyndon Johnson und den Vorsitzenden der
Justizkommission Emanuel Celler und macht Druck auf den Kongress, der daraufhin die geplante
Steuer auf gelagerten Alkohol aufhebt. Vermutlich hätte er ohne diese Einsparung von $40-50 Mio.
Konkurs gemacht. Rosenstiel finanziert ebenfalls Alfred Kohlbergs American Jewish League
Against Communism.
Johnson ist ein gemeinsamer Freund von Edwin Weisl, dem Rechtsberater des Senate Space
Committee, und von General John B. Medaris, dem Chef des Army Space Programms. Medaris
arbeitet mit Wernher von Braun und gehört mit Roy Cohn und Mafiaboss Joe Bonanno zur Spitze
der Lionel Corporation, die 90% ihres Umsatzes mit Elektronik für Raumfahrt und Rüstung macht.
Medaris ist zudem Direktor einer Bodenspekulationsfirma von Bobby Baker und George Smathers.
Von Braun wird nach dem Sputnick-Schock zu einem Rocket-Star der Technokraten, wozu ein Film
gedreht wird, der seine Nazivergangenheit und das V2-Raketenprogramm auf sein
Technikinteresse reduziert. Bonanno ist während Jahren ein persönlicher Informant Hoovers und
arbeitet eng mit Louis Mortimer Bloomfield und der Bank of World Commerce zusammen. Die
BWC gehört der Allied Empire, den Gamblern Irving Devine, Clifford Jones, Edward Levinson, M.A.
Riddle, B.E. Seigelbaum, der Sav-Way Investment Company und dem Präsidenten John Pullman.
Devine, Seigelbaum und Pullman arbeiten mit dem Schweizer Sylvain Ferdmann, um Gelder für
Meyer Lanksy zu waschen, unter anderem bei der Schweizerischen Kreditanstalt (heute CS).
Ferdmann gründet die Atlas Bank auf den Bahamas für die SKAndalbank.
Quellen : Summers (1993): 247-259, Scott (1993): 211, Cran, Torbitt: 10-13, Hübner/Sperling.
1958 Präsidentschaftskampagnen top
Seit zwei Jahren arbeitet Joe Kennedy daran, die Präsidentschaftskampagne von Jack
vorzubereiten, indem er alte Kontakte des Roosevelt -Wahlkampfs von 1932 reaktivierte und viele
wichtige Demokraten einzeln auf seine Seite brachte. John Kennedy wurde mit 73,6% der Stimmen
als Senator wiedergewählt, mithilfe von Mafia-Leuten, die andere Kandidaten einschleuste. Mit
diesem Ergebnis ist JFK eindeutiger Präsidentschaftskandidat, und Frank Sinatra ist das wichtigste
Bindeglied der Mafia zur Unterstützung der Wiederwahl. Zahlreiche Journalisten werden von Joe
angeheuert, um Artikel und Bücher über die Kennedys zu schreiben. Kennedy selbst lässt
Tausende von Exemplaren des Buches "Profiles in Courage" von 1956 kaufen, um es auf der
Bestsellerliste zu halten. Joe gibt Millionen für Jack aus, dem ein schwieriger Kampf bevorsteht: er
ist zu jung, katholisch, und die Reputation des Vaters schadet ihm, obwohl Joe sich nicht mehr in
der Öffentlichkeit zeigt.
Bei seinen Privatbesuchen in Havanna bekommt Jack Schwierigkeiten, weil er, neben den
Bordellbesuchen, mit der Frau des italienischen Botschafters eine Affäre hat, weshalb der
kubanische Geheimdienst einschreitet. Er hat auch eine Affäre mit seiner Sekretärin Pamela
Turnure, die in der Wohnung oberhalb ihrer Vermieterin Florence M. Kater wohnt. Kater ist entsetzt
über die nächtlichen Besuche und beginnt, gegen den unmoralischen Senator zu kämpfen. Obwohl
Pamela in der Nähe eine neue Wohnung nimmt, photographiert ihn Kater beim Verlassen des
Hauses nachts um drei und schickt das Photo mit Begleitschreiben an 50 prominente Verleger,
Kolumnisten und Politiker in Washington und New York. Auch das FBI bekommt ein Exemplar,
worauf Hoover die Beziehung überwachen lässt. Der ehemalige Staatsanwalt James Mclnerney
versucht Kater zu überzeugen, dass sie ihre Aktionen einstellen soll und droht, ihr Mann werde
seine Stelle verlieren. Angeblich hätte sie das getan, wenn die Familie bereit gewesen wäre, ihr ein
Bild von Amedeo Modigliani zu kaufen. Als die Nomination erfolgt, verstärkt Kater ihre Mission, und
JFK ist sich kaum bewusst, mit wieviel Glück er einem Skandal entkommt. JFK verlässt sich auf
seine Fähigkeit, in der Öffentlichkeit ein gutes Bild von sich abgeben können. Er betreibt eine
Strategie des permanenten Wahlkampfes, weshalb die ersten Worte von Tochter Caroline
"Flugzeug", "Auf Wiedersehen" und die Namen der wichtigsten Bundesstaaten der Vorwahlen sind.
Auch Richard Nixon will sich für die Präsidentschaftswahlen profilieren und unternimmt eine
Lateinamerikatour, die ihn fast das Leben kostet. In Uruguay wird er als Kriegstreiber, Imperialist
und Diktatorenfreund beschimpft, in Peru wird er mit Steinen beworfen, und in Venezuela kann die
Armee nur knapp verhindern, dass sein durch eine Blockade gestoppte Wagen umgeworfen und
angezündet wird. Der alamierte Eisenhower schickt mit der Operation POOR RICHARD 1000
Marines, Fallschirmspringer, sechs Zerstörer, ein Kreuzer und ein Flugzeug nach Venezuela, die
dann aber nicht benötigt werden. CIA-Stationschef Jacob Esterline hatte dem Vizepräsidenten
dringend von diesem Besuch abgeraten. In den USA stellt sich Nixon als unerschrockener Kämpfer
gegen die lateinamerikanischen Kommunisten dar.
Quellen : Hersh: 107, Posener: 78f, Fox: 331, Davis (1984): 185f, Gregory/Speriglio: 264, Best: 19,
Summers (1993): 305, (2000): 166-171, Collier/Horowitz: 283-293, Cran, Lewens/Wall.
1958 US-Interventionen top
In über 40 Ländern stellen die US-Geheimdienste paramilitärische Streitkräfte auf, allerdings nicht
immer erfolgreich. Bis Mitte der 70er Jahre werden Waffen und Munition für $152 Mio. an Guerillas
abgegeben, die nie einen Schuss abgeben. Es gibt manchen Fehlschlag wie in Südjemen, wo die
CIA 1974 die progressive Regierung mit dem Aufbau einer Rebellenarmee in Saudi Arabien
bekämpfen will.
In Indonesien organisiert die CIA auf Initiative von Frank Wisner und Nixon 1958 von Singapur aus
die paramilitärische Unterstützung für 42'000 Rebellen auf den Philippinen für den Aufstand in
Indonesien, da Achmed Sukarno den Kommunisten einen wachsenden Einfluss einräumt und sich
China annähert. Das Material wird mit der Civil Air Transport nach Indonesien gebracht. Selbst
schwere B-26 Bomber der CAT mit Besatzung und Panzer werden den Rebellen für den Aufstand
zur Verfügung gestellt. Nachdem eine Kirche bombardiert und der CIA-Pilot verhaftet wird, stoppt
Dulles den Einsatz der CAT. Obwohl sofort Waffen im Wert von $1 Mio. und 18 Tonnen Reis
Auslandhilfe als Entschädigung nach Indonesien geschickt werden, bleibt der Pilot vier Jahre lang
in Gefangenschaft. Der Aufstand wird nach vier Monaten niedergeschlagen, und die Regierung gibt
die Zahl der Opfer mit 3000 an.
Daraufhin soll Sukarno erpresst werden. Robert Maheu will die Schwäche des indonesischen
Präsidenten für Frauen ausnützen, wozu Johnny Roselli Marilyn Monroe engagiert. Im Januar und
im Juni 1959 kommt es zu Treffen, ebenso im April 1961, als Sukarno Los Angeles besucht.
Marilyn macht bei der Köderung Sukarnos freiwillig mit, weil ihr der Kontakt mit den Mächtigen der
Welt schmeichelt. Im September 1959 organisiert Frank Sinatra, der als Zermonienmeister der Fox
fungierte, eine Einladung Marilyns zu einem Dinner mit Nikita Chruschtschow, mit derselben
Absicht. Aber MM beschreibt den sowjetischen Machthaber als fetten, hässlichen und knurrenden
Mann mit Warzen im Gesicht und ist froh, ihn nicht küssen zu müssen.
Um Sukarno weiter unter Druck setzen zu können, lässt die CIA den Pornofilm Happy Days mit
einem Schauspieler drehen, der ihm ähnlich sieht. Maheu ist Make-up- und Kameramann und
Direktor des Filmes, der Sukarno im Bett mit einer blonden KGB-Spionin zeigen soll. Erst im
Oktober 1965 gelingt der Putsch gegen Sukarno durch Hadji Mohamed Suharto, dem ein
Massaker an einer halbe Million Kommunisten folgt.
Die CIA unterstützt in einigen asiatischen Ländern Oppositionsbewegungen wie die Khmer Serei in
Kambodscha gegen Norodom Sihanouk, den die CIA 1959 zu ermorden versucht. Hinter der
Entschlossenheit der USA, die "Unabhängigkeit" der Staaten in Indochina zu wahren, steht der
langfristige Plan, eine Eindämmungspolitik gegen das kommunistische China zu entfalten. In China
wie in der Sowjetunion bleiben Infiltrationsversuche praktisch immer erfolglos, so dass die CIA sich
auf Dissidenteninformationen verlassen muss.
Die CIA organisiert die Rebellion in Tibet, das 1949 von den chinesischen Truppen besetzt und
1951 in den chinesischen Staatsverband eingegliedert wurde. Obwohl China 1956 einen
Ausschuss unter Vorsitz des Dalai Lama und seinem Stellvertreter Pantschen Lama zur
Vorbereitung einer autonomen Verwaltung einsetzte, unterstützte die CIA den bewaffneten
Widerstand des Khamba-Stammes, und es gelang ihr, einen Aufstand zu organisieren, der von
Flugzeugen der Civil Air Tansport unterstützt wird. Der Aufstand wird niedergeschlagen, was im
März 1959 zur Flucht des Dalai Lama und 70'000 Tibetanern führt. Von 1957 bis 1960 werden
16'000 Krieger des Khampa-Stammes von der CIA ausgebildet, davon 2000 in den USA, die bis
1974 Vorstösse aus den umliegenden Ländern nach Tibet hinein unternehmen, manchmal
unterstützt von CIA-Söldnern und Flugzeugen. Der Codeame des Programms, das für die USA im
wesentlichen eine Störaktion Chinas ist und nicht die Unabhängigkeit Tibets anstrebt, lautet ST/
CIRCUS. Ab 1960 baut die CIA eine Tibeterarmee in Mustang auf, die bis 1969 unterstützt wird.
Zur Absicherung dieser Aktionen übernimmt die CIA ab 1962 auch die Ausbildung der indischen
Grenzpolizei. Verteidigungsminister Tom Gates arbeitet mit Dulles, der Tibet anfänglich mit Ungarn
verwechselt, am Projekt mit. Der Verbindungsagent der CIA zum Pentagon von 1950 bis 1971 ist
Frank Hand, der eine zentrale Rolle spielt, weil der Zugang zum Pentagon eine der
entscheidenden Machtfragen ist. Am 9.9.65 wird Tibet zur autonomen Region Chinas erklärt, aber
die Bemühungen der chinesischen Führung um Konsens mit dem Dalai Lama wechseln seitdem
mit Phasen brutaler Unterdrückung der Tibetaner bis hin zur Zerstörung der Klöster.
Amerikanische und englische Marineinfanteristen landen am 15.7.58 im Libanon und in Jordanien,
begleitet von einer grossen US-Kriegsflotte vor Beirut. Gründe für die Landung sind der Putsch im
Irak vom 14.7., wobei der prowestliche Nuri as-Said ermordet wird, und der Bürgerkrieg im
Libanon, der die Herrschaft von Staatspräsident C. Chamoun gefährdet. Chamoun hatte mit
Unterstützung der CIA ein Jahr zuvor die Wahlen verschoben, um seine Macht zu sichern, wobei
er die Opposition aus dem Parlament ausschloss. Die von Chamoun erlassenen Gesetze führten
am 12.5.58 zu einem bewaffneten Aufstand in Beirut und stürzten das Land in einen Bürgerkrieg.
Chamoun appellierte an die USA, "das Land" zu schützen, wogegen verschiedene
Rebellenorganisationen ihren Widerstand aufnahmen. Die Truppen in Jordanien sollen den von
Nasser geplanten Zusammenschluss Ägyptens und Syriens zur Vereinigten Arabischen Republik
verhindern.
Im Irak übernimmt General Abdul Kahm Kassem in einem blutigen Putsch die Macht, was die USA
zuerst durch eine militärische Intervention verhindern wollen. Da die USA keine Verbündeten im
Land haben, müssen sie diesen Plan fallenlassen. Kassem schafft die Monarchie ab, nimmt die
diplomatischen Beziehungen zur Sowjetunion wieder auf, hebt das Verbot der Kommunistischen
Partei auf und unterdrückt prowestliche Parteien. 1959 verlässt der Irak den Bagdad-Pakt
(CENTO), das ungerechte Verteidigungsabkommen zur Sicherung des Öls zwischen der Türkei,
dem Irak, Grossbritannien, Persien, Pakistan und den USA aus dem Jahr 1955.
Die CIA versucht daraufhin, Kassem von aussen zu neutralisieren. Ein vergiftetes Taschentuch
wird ihm von der CIA-Station in New Dehli zugeschickt, ohne dass man erfährt, wer das Glück hat,
das Paket zu öffnen. Die CIA engagiert Killer, zu denen auch Saddam Hussein gehört, um Kassem
auf offener Strasse ermorden zu lassen. Nach dem Misserfolg kann Saddam nach Kairo ins Exil
fliehen, wo er der Führer der Baath-Studentengruppe wird und regelmässig mit der CIA in Kontakt
ist. Nicht ohne Grund kursiert in der arabischen Welt das Gerücht, Saddam sei ein CIA-Agent. Laut
James Akins, der zwischen 1961 und 1965 politischer Barater an der US-Botschaft in Bagdad ist,
lassen die USA den Baathisten viel Geld un Waffen zukommen. Kassem wird am 8.2.63 durch ein
Überfallkommando in Bagdad exekutiert, nachdem er kurz zuvor die Gründung einer nationalen
Ölgesellschaft verkündet hat und ihm das US-State Departement mit Sanktionen gedroht hat, falls
er seine Pläne nicht ändere. Interessanterweise kommt die erste Erklärung der neuen Regierung,
dass sie an einer Verstaatlichung der Erdölindustrie nicht interessiert sei, nicht aus Bagdad,
sondern aus Washington.
Der neue Staatspräsident Abdul Salem Aref, der mithilfe der CIA die Macht übernimmt, verzichtet
auf die Ansprüche Iraks auf Kuweit. Nach dem Putsch setzt eine Welle der Verfolgung gegen
Kommunisten und Demokraten ein. Die CIA übergibt den Kommandos der Baath-Partei Listen mit
verdächtigen Kommunisten, worauf mindestens 800 Personen umgebracht werden. Saddam kehrt
sofort aus dem Exil zurück und leitet die Folterungen und Ermordungen. Die Gefangenen werden
mit Wasser vollgepumpt und mit Stromschlägen bearbeitet, und man bricht ihnen die Knochen.
Zum gemensamen Feind gehören auch die Kurden, weshalb die USA der irakischen Armee
kostenlos 5000 Bomben, davon 1000 Napalmbomben, liefern, um kurdische Dörfer
niederzubrennen.
Innerhalb der Baath-Partei erlangt der fanatische Antikommunist Saddam Hussein, ein Bewunderer
von Adolf Hitler, eine dominierende Position. Eine Erhebung gegen den nun regierenden Bruder
Abdul Rahman Aref am 17.7.68 bringt den rechten Flügel der Baath-Partei von Sajid Hasan an die
Macht, der den Kurden 1970 eine gewisse Autonomie zugesteht. Saddam Hussein orientiert sich
nun an Josef Stalins Machtssystem, weshalb die CIA nun die Freiheitspartei von Mulla Mustafa al
Barzani mit Geld und Waffen unterstützt. Nachdem sich die Baath-Partei und die KP 1973 zur
Nationalen Fortschrittsfront zusammenschliessen und die ausländischen Ölgesellschaften zu
verstaatlichen beginnen, heizt die CIA den Kurdenkonflikt erneut an, um das irakische Regime zu
schwächen. $16 Mio. werden ausgegeben, aber der Aufstand bricht zusammen und
Hunderttausende müssen fliehen.
Quellen : Hersh: 434f, Horowitz: 176-179,402, Schulz:1 73,331, Sarin/Sonam, Gremliza (1978b),
Kilian (1998), Paringaux: 22f, CIA-Info: 14f, Brandt, Best: 31, Prouty (1973): 378f, (1975), Dean,
Werning, Bourrier, Ali (2002), Jabar, Gresh (2003), Despratx/Lando.
1959 Kubanische Revolution top.
Fidel Ruiz Castro übernimmt am Neujahrstag die Macht in Kuba, nachdem Batista panikartig und
unerwartet mit einem Flugzeug voller Koffern mit Geld in die Dominikanische Republik geflohen ist.
Castro studierte Recht in Havanna und galt immer als Rebell, der in zahlreiche Schiessereien
verwickelt war. 1950 trat er der radikalen, aber antikommunistischen Ortodoxo-Partei bei und
kandidierte 1952 für das Abgeordnetenhaus. Die guten Chancen der Partei wurden durch den
Militärputsch Batistas zunichte gemacht. Am 26.7.53 griff Castro mit 131 Männern die Moncada
Festung in Santiago de Cuba an und landete im Gefängnis. Nach seiner Freilassung 1955 setzte
er sich nach Mexico ab und baute mit Ernesto Guevara eine Guerillatruppe auf. Im November
kehren die 38 Männer auf der Granma zurück, wobei die meisten verhaftet werden. Castro, sein
Bruder Raul und Che Guevara konnten sich in die Berge durchschlagen und eine neue Guerilla
aufbauen. Dank einem Interview in der New York Times wurde Castro international bekannt, und
ab 1957 erhielt die wachsende Armee grössere Waffenlieferungen.
In Miami lernte Frank Sturgis 1956 Fidel Castro und den ehemaligen kubanischen Präsidenten
Carlos Prio Socarras kennen, der Castro unterstützt, weil dieser ihm die erneute Präsidentschaft
nach dem Sturz Batistas verspricht. In Houston trafen sich Castro und Prio mit John DeMenil von
der Schlumberger-Waffenschmiede, ebenfalls um Waffen zu erhalten. 1956 wurde Sturgis
zusammen mit Jose Martinez Machados, Enio Leyva Fuentes, Manuel Carbowell Duque, Orlando
Ventura Reyes, Pedro Luis Diaz Lanz, Manuel Hernadez Turro, Gustavo Arcos Dercles, Jose
Alberto Mendez, Isaldo E. Rodriguez Lopez, Armando Franco Maynez, und Roberto Willarte beim
Waffenschmuggel in Mexico verhaftet, aber nach zwei Wochen bereits wieder freigelassen. Seine
zweite Frau Juanita K. Terrell, deren Familie mit den Phos befreundet ist, verliess er 1957 nach
zehn Monaten Ehe, um in Kuba zu kämpfen. Sturgis schmuggelte dann Waffen der INTERARMCO
von Samuel Cummings, der 1954 in Guatemala mit der CIA zusammenarbeitete, nach Santiago,
brachte Männer und Material in Booten und einer B-25 nach Kuba. Dort unterstützt er Castro
zusammen mit Clark Wollan vom US-Konsulat, dem US-Militärattache Colonel Nichols und Major
Robert Van Hörn, den Brüdern Jose Joachim "Sam", Louis und Sergio Sanjennes, Pedro Diaz
Lanz, Roland Martinez, Luis Conte Aguero, Cresentio Perez, Celia Sanchez, Robert DuBois,
Richard Lauchli, Bernard Barker und E. Howard Hunt. Viele der geschmuggelten Gewehre sind 6.5
Mannlicher-Carcano, dem Typ, mit dem Oswald angeblich Kennedy erschiessen wird. Am 24.7.58
wird Sturgis wegen illegalen Besitz von grossen Mengen Waffen und Kriegsmunition angeklagt,
aber die Klage wird fallengelassen.
Die CIA unterstützt sowohl Castro wie auch Batista. Sturgis kennt den Pressechef der US-
Botschaft Paul Bethel und US-Militärattache Sam Kail, der Batistas Truppen trainiert. 1956 baute
die CIA das "Büro de Represion Actividades Communistas" (BRAC), die politische Polizeitruppe
Batistas, mit auf. Bethel hat Kontakt mit Oswalds Marinefreund Gerry Patrick Hemming und mit
CIA-Undercoveragenten David Atlee Phillips, der von 1955 bis 1957 in Kuba und dem Libanon
stationiert war. Bereits 1957 schlug der amerikanische Botschafter in Kuba dem Diktator vor, dass
ein CIA-Agent Castro umbringen solle. Stattdessen schickte Batista im Mai 1958 10'000 Soldaten
in die Sierra, die gegen die 300 Guerilleros kläglich versagten. Castro verlor 27 Männer und
übergab dem Roten Kreuz 433 Gefangene.
Wegen der öffentlichen Unhaltbarkeit der Diktatur Batistas tritt offiziell ein Waffenembargo gegen
Kuba in Kraft, doch wird die amerikanische Militärmission nicht zurückgezogen, und auch die Briten
liefern Batista weiterhin Waffen. Ende 1958 kommt es zu einem Konflikt, als Castros Truppen
einige Marines der Guantanamo Bay, die sich im Urlaub befinden, gefangennehmen. Die Soldaten
kommen gegen ein geheim bezahltes Lösegeld wieder frei, worauf der Kommandant der Marines,
Admiral Burke, Castros Truppen durch eine Racheaktion auslöschen will, was Aussenminister
John Foster Dulles verhindert.
Nicht nur die CIA, auch die Mafia unterstützt sowohl den Diktator wie die Rebellen unter Fidel
Castro, um für den Fall einer Revolution gewappnet zu sein. Lewis McWillie, der Leiter des
Tropicana, Jack Ruby, Frank Sturgis, Gerry Patrick Hemmming, E. Howard Hunt, James McCord,
Norman "Ronghouse" Rothman und Johnny Roselli schmuggeln Waffen über Mexiko nach Kuba,
mit Schiffen und Flugzeugen der CIA. Die beteiligten Piloten sind Donald Edward Browder, Clifton
Bowers und David Ferrie. James Walter McCord war nach dem Krieg FBI-Agent und wechselte
1951 zur Office of Security-Abteilung der CIA. Er arbeitet an Gegenspionage-Operationen mit
Angleton. Donald Browder wird später bei Waffenschiebereien nach Haiti dabei sein, zusammen
mit dem DeMohrenschildt-Geschäftspartner Clemard Charles und I. Irving Davidson. Davidson,
Jimmy Hoffa und William Presser sind ebenfalls am Waffendeal mit Kuba beteiligt. Rothman wird
später im Zusammenhang mit einer Grossbetrügerei mit Sam Mannarino und Giuseppe Cotroni
freigesprochen, weil er politisch geschützt wird. Sam und Gabriel Mannarino von Pittsburg
schmuggeln zusammen mit Vitos Sohn Michael Genovese, Robert Ray McKeown, Harry Hall und
Jack Ruby 1959 Jeeps nach Kuba, um Trafficante aus dem Gefängnis zu holen. Weiter beteiligt
am Waffentransport sind Joe Marrs, der Besitzer der Marrs Aircraft, Efren Pichardo, der ehemalige
Polizeichef von Haile, Leslie Lewis und der ehemalige Dallas-Polizist James Woodard.
Finanziert werden die Waffen der International Armament Corporation mit den Drogen, die über
Kuba in die USA geschmuggelt werden, und von derem Gewinn die CIA 10% auf ihre
Geheimfonds in der Schweiz, Italien, Panama oder auf den Bahamas abzweigt. Neben Kuba wird
das Heroin aus Sizilien und Marseille auch über Mexiko und Montreal, wo Giuseppe Cotroni
Mafiaboss ist, verschoben. Eine Verbindungslinie zwischen der sizilianischen Mafia um Santo
Sorge und amerikanischen Mafia ist die Ölfirma Rimrock Tidelands, die als Cover für Zahlungen
dient.
Eine Reihe von Batistas Generälen und auch der Armeechef General Cantillo verhandelten
heimlich mit Castro und ergeben sich mehr oder weniger kampflos. Da Castro ihnen aber nicht
traut, gehören sie zu den 600 Exekutierten der Revolution. Castro verkündet die Bildung einer
neuen Regierung mit Präsident Manuel Urrutia Lleo. Der Geist der kubanischen Revolution ist
demokratisch und antikommunistisch: Es gibt keine Kommunisten in der Regierung oder in
wichtigen Ämtern, und die Kommunisten erleiden bei den Gewerkschaftswahlen vom März 1959
schwere Verluste. Castro verpflichtet sich auf die Verfassung von 1940, die Kuba eng an die USA
bindet. Castro muss sich mit den katastrophalen Folgen jahrzehntelanger Korruption
auseinandersetzen und formuliert neben der Demokratisierung und Freiheitsgarantie sechs
Schwerpunkte: Bodenreform, Wohnungsbau, Steuerreform, Industrialisierung und Bekämpfung der
Arbeitslosigkeit, Volksgesundheit und Schulwesen.
Im April 1959 geht Castro in die USA und bittet um eine Anleihe, die ihm verwehrt wird. Seit einem
halben Jahrhundert kontrolliert die Chase Manhattan Bank die Kredite für Kuba, wobei
Bankpräsident David Rockefeiler auch Präsident der Zuckerfirma Punta Allegre ist, der
zweitgrössten Produzentin von Kubas wichtigstem Exportgut. Zucker macht 66% des
Nationaleinkommens und 80% der Gesamtexporte aus. Castro zeigt sich nicht interessiert, als
Nixon ihm eröffnet, dass er Kommunisten in seiner Regierung habe, woraus Vizepräsident Nixon
schliesst, dass "Castro entweder unglaublich naiv gegenüber dem Kommunismus oder unter
kommunistischer Kontrolle sei". Obwohl Nixon am Fernsehen die Zusammenarbeit mit Castro
verspricht, verschiebt er jegliche Hilfe. Privat bezeichnet er Castro als "Dorn in unserer Seite". Um
den bestehenden Kapitalverlust zu kompensieren, verstaatlicht Castro einige Unternehmen. Die
US-Regierung reagiert feindselig darauf, weil sie die amerikanischen Wirtschaftsinteressen bedroht
sieht: US-Firmen kontrollieren 90% der kubanischen Versorgungsbetriebe, der Bergwerke und
Viehfarmen, 100% der Ölraffinerien und 40% der Zuckerindustrie.
Wütige Bürger stürmten während der Revolution die Casinos, als Castro in Havanna einzieht. 1958
arbeiteten 27'000 Angestellte in den Spielkasinos und 1 1 '500 Prostituierte in den Bordellen, und
eine der ersten Aktionen Castros ist deren Schliessung. Castro lässt Santos Trafficante, obwohl
Castro auch von ihm finanziert wurde, und Jake Lansky verhaften, wogegen die US-Botschaft
offiziell protestiert. Nachdem Jake Lansky aus dem Gefängnis entlassen wird, flieht er mit seinem
Bruder Meyer Lansky nach Florida. Dafür öffnet Castro am 1 .3.59 die Casinos wieder und ernennt
Frank Sturgis zum Glücksspielminister. Nach der Revolution wird Sturgis zum Chef des
Geheimdienstes und der Militärpolizei der kubanischen Luftwaffe ernannt, und Pedro Diaz Lanz
wird Kommandant der kubanischen Luftwaffe. Sturgis, dessen CIA-Kontakt über das Konsulat läuft,
arbeitet bei der Kontrolle der Kasinos, die er von Pastorita Munas übernimmt, mit Commandante
Riccardo Lohe zusammen, der ebenfalls ein CIA-Agent ist. Dabei lernt er Charles Tourine, Mike
McLaney und Stretch Rubin kennen, der für Norman Rothman arbeitet. Rothmans Partner ist
General Clio Chivano, ein Schwager von Batista. Castro will die Tätigkeiten der Casinos limitieren
und genau kontrollieren, aber sie laufen wegen dem Einbruch des Tourismus schlecht.
Die breite Anti-Batista-Bewegung bricht kurz nach der Revolution auseinander und
Fraktionskämpfe zwischen den prokommunistischen und den US-freundlichen Aktivisten
entstehen. Bereits nach sechs Wochen werden die Ermordungen von Fidel und Raul Castro und
Che Guevara diskutiert, wobei Sturgis mitten drin steckt. Im Namen von Meyer Lansky offeriert
Charlie Tourine Sturgis $1 Mio. für die Ermordung Castros, aber Sturgis zögert, weil die CIA das
grüne Licht nicht gibt. Er diskutiert die Ermordung mit Trafficante, Tourine und Roselli, wobei er
plant, ein Kommandantentreffen in seiner Air Force Basis zu organisieren und dabei Castro und
seine Führungscrew in einem Kreuzfeuer erschiessen zu lassen. Sturgis bricht ins Hauptquartier
der Armee ein, um Dokumente zu fotographieren und zu entwenden, die er Colonel Nichols
weitergibt. Zudem bricht er bei der chilenischen Botschhaft in Havanna ein. Im Auftrag von Sam
Kail von der US-Botschaft versucht er, Armeechef Camillo Cienfuegos und Polizeichef Almejera
auf seine Seite zu bringen. Im Februar und März werden bereits zwei US-Bürger verhaftet, die
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