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Trinity
Interstellare Bräute Programm: Ascension Saga Band 1, Bücher 1-3
Grace Goodwin

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Interstellare Bräute® Programm
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Inhalt
Willkommensgeschenk!
Interstellare Bräute® Programm
Ascension-Saga: 1
Interstellare Bräute Programm: Ascension-Saga
Prequel
Königin Celene, Planet Alera, siebenundzwanzig Jahre zuvor
Trinity Jones, Gegenwart, Abfertigungszentrum für interstellare Bräute, Erde
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Ascension Saga: 2
Interstellare Bräute Programm
Prolog
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Ascension - Saga: 3
Interstellare Bräute Programm
Prolog
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Epilog
Willkommensgeschenk!
Interstellare Bräute® Programm
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Über Die Autorin

Ascension-Saga: 1
Copyright © 2020 durch Grace Goodwin
Interstellar Brides® ist ein eingetragenes Markenzeichen
von KSA Publishing Consultants Inc.
Alle Rechte vorbehalten. Dieses Buch darf ohne ausdrückliche schriftliche Erlaubnis des Autors weder ganz noch teilweise in jedweder Form und durch jedwede Mittel elektronisch, digital oder mechanisch reproduziert oder übermittelt werden, einschließlich durch Fotokopie, Aufzeichnung, Scannen oder über jegliche Form von Datenspeicherungs- und -abrufsystem.
Coverdesign: Copyright 2020 durch Grace Goodwin, Autor
Bildnachweis: Deposit Photos: Angela_Harburn, EdwardDerule
Anmerkung des Verlags:
Dieses Buch ist für volljährige Leser geschrieben. Das Buch kann eindeutige sexuelle Inhalte enthalten. In diesem Buch vorkommende sexuelle Aktivitäten sind reine Fantasien, geschrieben für erwachsene Leser, und die Aktivitäten oder Risiken, an denen die fiktiven Figuren im Rahmen der Geschichte teilnehmen, werden vom Autor und vom Verlag weder unterstützt noch ermutigt.
Prequel

Vor siebenundzwanzig Jahren war Königin Celene gezwungen, mit ihrem ungeborenen Kind aus Alera zu fliehen. Erfahre von ihrer Flucht zur Erde im Prequel der Ascension Saga.
Königin Celene, Planet Alera, siebenundzwanzig Jahre zuvor

Die Dunkelheit der Nacht hüllte uns wie eine Decke ein, aber sie war nicht warm. Sie war kalt. Tödlich. Ich stolperte durch die finsteren Gassen, als ob ich eine tödliche Verletzung erlitten hatte.
Das hatte ich auch. Mein Herz schlug zwar immer noch und ich war äußerlich unversehrt, aber ich spürte nichts als Schmerz. Verlust. Und Wut. Eine so grässliche Wut, dass ich stundenlang geschrien hätte, wenn ich auch nur den winzigsten Laut von mir gegeben hätte.
“Kommen Sie, meine Königin. Wir sind fast da.” Der Garde hatte sanft aber entschlossen seinen Arm um meine Taille gelegt. Ich wusste nicht, wie er hieß. Das Familienwappen auf seiner Uniform war mir vertraut und für den Moment reichte das aus. Dieser junge Mann hatte mir das Leben gerettet, gerade als mein Liebster, der König, getötet worden war. Mit jedem unserer Schritte entfernte ich mich weiter von meinem Partner, von meinem Leben als Königin Celene und unserer gemeinsamen Herrschaft über Alera. Alles war plötzlich anders geworden. Der Planet steckte in der Krise und ich wusste, was ich zu tun hatte. Ich würde nicht zulassen, dass sie die friedliche, jahrtausendealte Regierungsform stürzen würden. Ich würde nicht zulassen, dass meine Feinde die Kontrolle übernahmen.
“Die Zitadelle wird von Kriegern bewacht, die Ihnen nicht loyal sind. Sie werden Sie nicht einfach in den letzten sicheren Zufluchtsort des Planeten hereinspazieren lassen. Sie werden Sie entweder auf der Stelle ermorden oder Sie zu den Bastarden zurückbringen, die den König erstochen haben und die Sie ebenfalls töten wollen. Fast hätten sie es geschafft.” Der andere, ältere Garde war ein jahrelanger Freund und seine Worte ließen mich erschaudern. Aber er hatte recht.
Die Verräter würden sich die Kronjuwelen schnappen, die seit Urzeiten vom jeweiligen Oberhaupt des Planeten getragen wurden und sie für ihre eigenen Zwecke einsetzen wollen. Die schwarzen Juwelen um meinen Hals waren ein Attribut meiner Herrschaft und sollten eigentlich an meine Nachfolgerin weitergegeben werden, genau wie es seit Generationen und lange vor Anbeginn unserer Geschichtsschreibung der Fall gewesen war.
Zum ersten Mal in meinem Leben fürchtete ich, dass das königliche Blut in meinen Adern tatsächlich versiegen könnte. Meine Cousins waren alle getestet worden, aber sie waren nicht stark genug, um eine der heiligen Gaben geschenkt zu bekommen. Ich hatte erst kürzlich meinen Partner geheiratet und die Verräter hatten zugeschlagen, noch ehe ich einen Thronerben zur Welt bringen konnte. Ohne eine zukünftige Königin wären mein Volk gezwungen, mit der Tradition zu brechen und einen Herrscher zu wählen, der kein direkter Nachkomme der Ältesten war.
Heute Abend hätten sie es fast geschafft. Alera standen finstere Zeiten bevor und es war klar, dass sie die jahrtausendelange Herrschaft meiner Familienlinie und unserer heiligen Gaben stürzen wollten. Meine Feinde hatten sich schließlich gezeigt. Sie hatten meinen König, meinen Liebsten, getötet. Sie hatten versucht auch mich zu ermorden.
Sie wollten den Thron an sich reißen.
Das konnte ich nicht zulassen. Bis auf den Putschversuch heute Abend herrschte auf Alera Frieden. Und solange ich am Leben war, würde es auch so bleiben. In den falschen Händen aber … ich erschauderte, als ich mir vorstellte, was mit meinem Heimatplaneten geschehen könnte. An das, was eine finstere Seele mit der in der Zitadelle versteckten Technologie anrichten könnte.
Ich hörte laute Schritte und zog meine beiden Garden zurück in die Schatten, als eine Gruppe bewaffneter Söldner an uns vorbei über die offene Straße stürmte. Zweifellos suchten sie nach mir, um mich den Anführern des Aufstands zu überführen. Meine Lebenskraft war es, die es verhinderte, dass sie dieses Ziel auch erreichten.
Es war spät und die meisten Bewohner schliefen bereits tief und fest; sie glaubten, dass morgen ein sorgloser Tag wie jeder andere werden würde. Sie irrten sich, denn im Morgengrauen würden sie vom Tod meines Partners erfahren. “Wir müssen zum anderen Eingang gelangen,” flüsterte ich so leise wie möglich. “Beim Wasser.”
“Meine Königin, dort gibt es keinen Eingang.” Der junge Mann an meiner Seite sprach aus jugendlicher Überzeugung; vielleicht dachte er, dass ich verletzt worden war, dass ich mir beim Angriff den Kopf gestoßen hatte. Aber er irrte sich.
“Doch, es gibt einen,” entgegnete ich. “Vertrau mir.”
Meine Mutter hatte mir von dem Eingang erzählt; das Wissen darüber wurde von Königin zu Königin, von Mutter zu Tochter weitergereicht, und zwar seit die Zitadelle gebaut worden war. Vor Jahrtausenden. Niemand konnte sagen, wann genau die Ältesten die mächtigen Türme errichtet hatten oder woher die heilige Energie stammte, die den königlichen Nachkommen ihre Kräfte verlieh. Eine Sache aber war allgemein bekannt—die Zitadelle schützte sich vor Eindringlingen und erlaubte nur denjenigen mit königlichem Blut den Zugang zum Heiligtum.
Viele andere hatten versucht die Barriere zu durchdringen. Sie alle waren auf der Stelle umgekommen.
Ich hatte den geheimen Eingang seit dem Tag, an dem meine Mutter ihn mir gezeigt hatte nicht genutzt; es war nie nötig gewesen. Bis jetzt.
“Dann werden wir Sie dorthin geleiten, meine Königin.” Mein alter Freund blickte auf mich herunter, sein ernstes Gesicht war halb in Schatten gehüllt. Ich war froh, dass es so finster war, denn so musste ich ihm nicht in die Augen blicken. Ich konnte ihn nicht anblicken. Er war voller Blut. Das Blut des Königs und sein eigenes waren zu einem dunkelroten Cocktail vermischt, der seinen Rücken und seine Flanke besudelt hatte. Er würde einen ReGen-Stab benötigen, um die Nacht zu überleben.
Sollte die Zitadelle, wie er vermutete, streng bewacht werden—und zwar von denen, die mir nicht wohlgesinnt waren—, dann würde womöglich keiner von uns die heutige Nacht überleben.
Aber ich musste es schaffen. Es stand nämlich mehr als nur mein eigenes Leben auf dem Spiel.
Ich nickte ihm zu, richtete mich auf und befreite mich aus dem Griff des jüngeren Garden. Der Schock, mitanzusehen, wie mein Partner vor meinen Augen ermordet wurde, verblasste langsam und wurde von Entschlossenheit ersetzt. Ich würde nicht versagen. Nicht in dieser Sache. Ich musste leben, damit Alera nicht gestürzt werden konnte.
Ich legte meine Hand auf meinen Bauch, auf das ungeborene Leben dort und bedeckte unsere Tochter, die zukünftige Königin, mit der Wärme meiner Handfläche. Sie war noch ganz klein, aber ihr Herz schlug bereits kräftig. Sie würde ein starkes Wesen haben. Einen eisernen Willen. Sie würde sich nicht geschlagen geben, also würde ich mich auch nicht geschlagen geben.
Ich würde sie um jeden Preis beschützen.
“Lasst uns gehen. Bringt mich runter zum Fluss. Ich werde den Rest erledigen.”
“Jawohl, meine Königin. Hier entlang.”
Ich folgte lautlos meinem alten Freund, als er sich wie ein Gespenst von Schatten zu Schatten bewegte. Den jungen Garden hinter mir hatte ich so gut wie vergessen, als die glitzernden Silbertürme der Zitadelle in Sicht kamen. Die altertümliche Struktur war von einer Rasse Unsterblicher errichtet worden, von der seit langem nichts als ein Mythos übriggeblieben war und deren Geheimnisse von Generation zu Generation innerhalb der königlichen Familie weitergegeben wurden.
Die Nachfolgelinie war in den letzten Jahren stark ausgedünnt. Mein Cousin ersten Grades war ein Jahr zuvor bei einem Unfall getötet worden. Seine Tochter hatte ein paar Monate später Selbstmord begangen. Jetzt aber, nach dem Attentat auf mein Leben und dem Ableben meines Partners musste ich mich fragen, ob es denn tatsächlich Selbstmord gewesen war. So sehr es mich auch schmerzte, ich wusste jetzt ohne jeden Zweifel, dass man es auf die königliche Linie abgesehen hatte. Dass irgendjemand uns auslöschen wollte.
Heute Abend hätten sie es fast geschafft, allerdings wusste niemand, dass ich bereits schwanger war. Mit der Thronerbin. Meine Tochter würde meine direkte Nachfolgerin werden. Ich konnte ihren Geist in mir spüren, er war so lebendig, leidenschaftlich und weise, dass ich alles tun würde, um sie zu schützen; selbst, wenn ich dafür meinen Planeten verlassen müsste. Mein Zuhause. Ein stolzes Volk, über das ich herrschen durfte. Sie war das Licht, das diese Welt vor dem Untergang bewahren würde und diese Narren vor ihrer eigenen Dummheit.
Wenn es an der Zeit wäre, würden wir gemeinsam zurückkehren. Ich würde sie unterweisen und darauf vorbereiten, meine Nachfolge anzutreten. Und ihre Tochter nach ihr. Ich glaubte an sie und an die Liebe, die sie gezeugt hatte.
Und wenn mir etwas zustoßen sollte? Sie würde leben und nach Alera zurückkehren, um zu regieren. Sie würde nicht einfach nur zurückkehren und herrschen, sondern sie würde sich rächen. Für alle, die heute gestorben waren, darunter ihr Vater. Dafür würde ich sorgen.
Die Silberwände der Zitadelle funkelten Tag wie Nacht, als ob das Gebäude lebendig war. Vorne, in der Nähe der Treppe des Haupteingangs, erstreckte sich gleich einem Fächer aus grünem Gras, Bäumen und Seidenblüten ein großer Garten. Der Mond schien zu dieser späten Stunde auf die schimmernden, transparenten Blütenblätter der Aleranischen Blumen und sie sahen so schön und friedlich aus, selbst als die Nacht im Rest der Stadt mit Gewalt explodierte.
Mein Partner war tot. Andere Familienmitglieder ebenfalls. Der royale Garde. Sie alle waren tot. Und doch, die Zitadelle stand weiterhin, eine Bastion der Stärke und Zuversicht. Ich musste nur die königliche Halskette verstecken, die so viel Macht in sich trug und mein Baby so weit wegbringen wie möglich. Irgendwohin, wo sie groß und stark werden konnte. Mächtig.
Ich musste zu einem Planeten fliehen, der so klein und unbedeutend war, dass sie gar nicht auf die Idee kommen würden, dort nach uns zu suchen. Sie würden nach mir suchen … und sie würden wissen, dass ich am Leben war. Das Leuchtfeuer der Zitadelle würde ihnen verraten, dass die Königin weiter regierte, selbst von ihrem Versteck aus. Der anhaltende Schein des Zitadellenturms würde Alera verkünden, dass ihre Königin noch lebte.
Ich stolperte über den Saum meines Juwelen-bestickten Kleides und mein treuer Freund fing mich auf und lehnte mich sanft gegen die kühle Silberwand. “Wir sind da, meine Königin, aber ich sehe keinen Eingang.”
Ich nickte und als ich schließlich die notwendige Stärke dafür gefunden hatte, blickte ich ihm in die Augen. Diese Ehre schuldete ich ihm. “Du hast mir und deinem König mit Ehren gedient. Du bist ein edler Krieger und ich bin stolz, dich zu meinen Freunden zu zählen.”
Seine dunklen Augen wurden schwermütig und er blinzelte feste, dann wandte er sich ab, damit ich nicht seine Tränen sah. “Ich habe versagt, Sie enttäuscht. Ich habe den König enttäuscht.”
“Nein.” Ich nahm seine Hand und legte sie auf die leichte Wölbung meines Bauches. “Nein. Er lebt weiter. Unsere Tochter wächst bereits in mir heran. Heute Nacht ist nicht das Ende unserer Familie. Wir leben weiter, solange das Licht des Turms erstrahlt. Und wir werden zurückkehren.”
“Wie kann ich Eure Majestät?” Er fiel vor mir auf die Knie und geriet ins Straucheln, als frisches Blut seine Flanke tränkte. Der jüngere Garde fiel ebenfalls auf die Knie.
“Wie können wir ihnen dienen?”
“Erzählt niemandem, dass ihr mich begleitet habt, dass ihr mich gesehen habt. Erzählt keinem von meinem Kind.” Ich richtete mich so gut wie möglich auf und hielt mein Kinn hoch, selbst als ich Schritte hörte. “Und ihr müsst am Leben bleiben. Haltet durch und helft meiner Tochter, sobald sie zurückkehrt.”
Beide senkten ihre Köpfe und ich nutzte den Moment, um in die Zitadelle zu schlüpfen. Der Eingang war ein unsichtbares Energiefeld; er sah aus wie jeder andere Teil der Wand. Diejenigen mit königlichem Blut in ihren Adern brauchten nur einen Schritt zu tun, um die Barriere zu durchschreiten und ins Innere Heiligtum zu gelangen.
Draußen hörte ich Klingen aufeinander schlagen und Gebrüll. Todesschreie. Aber ich wagte es nicht mich umzudrehen. Wenn der Feind bereits da war, würden mir nur Minuten bleiben, um die Halskette zu verstecken und zu entkommen, ehe einer meiner verräterischen Cousins die Barriere durchbrechen würde.
Als die Edelsteine sicher versteckt und ohne meine Anweisung nicht mehr auffindbar waren, blickte ich ein letztes Mal zu den heiligen Turmspitzen auf. Mehrere Stufen heiliger Steine, die mit Edelmetall verziert waren. Die Zitadelle war auf unerklärbare, wundersame Weise—die besten Wissenschaftler des Planeten hatten seit Jahren versucht herauszufinden, wie die Energie des Gemäuers mich und alle anderen Königinnen vor mir auserkoren hatte—mit meiner Lebenskraft verbunden und solange ich lebte, würde mein Turm weiter erstrahlen; ganz egal, wo ich mich aufhielt. Solange die Lebenskraft durch meinen Körper floss, waren die Steine und ich auf Quantenebene miteinander verbunden.
Ich trat aus dem geheimen Raum heraus und blickte auf. Mein Turm, also der Beweis, dass ich am Leben war, war hell erleuchtet. Alle Türme waren meilenweit zu sehen, ihr Licht war seit Jahrtausenden ein Zeichen königlicher Stärke und Macht. Zu Anfang, als die königliche Blutlinie noch stark war, erstrahlten noch alle neun Türme. Eine unzerstörbare Thronfolgelinie.
Im Laufe der Zeit aber hatte sich das geändert. Es gab weniger Geburten. Kriege. Und jetzt? Jetzt war nur noch ich übriggeblieben. Aber solange die Lichtsäule des Turmes in den Himmel ragte, würde niemand meinen Thron an sich reißen. Der Turm log nicht. Sein meilenweit sichtbares Licht würde erst mit meinem letzten Atemzug erlöschen. Keiner meiner Cousins war von der geheimnisvollen Intelligenz der altertümlichen Steinstruktur als würdig erachtet worden.
Aber ich zweifelte nicht an der Lebenskraft und an dem Feuer, das meine Tochter in sich tragen würde. Bei ihrer Rückkehr würde ich sie hierher bringen, ihr Blut auf den heiligen Stein tröpfeln lassen und sie in die Arme schließen, sobald ihr Turm vor den Augen aller erstrahlen würde.
Jetzt aber musste ich von hier verschwinden und abwarten. Mich so unauffällig wie möglich machen, bis es für meine Tochter an der Zeit war zurückzukehren. Ich würde den Planeten inkognito verlassen müssen und nicht als Königin. Also zog ich meine Juwelen-bestickten Roben aus und ließ sie zu Boden fallen. Das schlichte Unterkleid und ein Schal würden mir erlauben, unbemerkt zu entkommen.
Wer auch immer die königliche Familie stürzen wollte, heute Nacht würden sie nicht triumphieren. Und die Lichtsäule des Turms würde meine Feinde beständig quälen, und zwar bis ich meine Familie rächen könnte. Bis meine Tochter den Thron übernehmen würde.
Wieder brach es mir das Herz, ich biss den Kiefer zusammen und zog meine Schultern zurück, als ich zum letzten Mal das Licht des Turms betrachtete. Ich würde nicht hier sein, um mein Volk anzuführen, aber sie würden wissen, dass ich sie nicht verlassen hatte und auf meine Rückkehr warten.
Ich blickte ein letztes Mal auf das Versteck der königlichen Halskette. Die heiligen Edelsteine würden sicher sein, und zwar bis meine Tochter zurückkehren würde.
Ich schluckte meine Tränen runter, machte mich zum geheimen Ausgang auf und verschwand.
Trinity Jones, Gegenwart, Abfertigungszentrum für interstellare Bräute, Erde

Der Wagen schlitterte und die beiden linken Reifen hoben vom Asphalt ab, als ich rasend schnell in die Kurve bog. Meine Fähigkeiten im Autorennen machten allerdings keinen Unterschied, denn der schwarze Geländewagen hinter uns wurde nicht einmal langsamer.
“Ich brauche mehr Fahrunterricht,” fauchte ich und umklammerte das Lenkrad.
Ich war aufs College gegangen, hatte Jura studiert und die Grundlagen der Selbstverteidigung gelernt, aber nichts davon hatte Stuntfahren beinhaltet. Mutter hätte wohl darauf bestehen sollen, als ich sechzehn geworden war.
“Meine Güte, Trin, du wirst uns noch alle umbringen.” Meine mittlere Schwester Faith—sie war ganze acht Minuten älter als ihr Zwilling—schimpfte vom Rücksitz aus, ihre weißen Knöchel klammerten sich im Todesgriff an den Vordersitz und das war das einzige, was sie davon abhielt, aus dem Auto geschleudert zu werden.
“Halt einfach an, damit ich diese Arschlöcher abknallen kann. Dann können wir nach Alera gehen.” Und diese genervte Stimme gehörte meiner kleinsten Schwester Destiny, sie saß auf dem Beifahrersitz und streichelte ihre Knarre wie ein Schoßhündchen. Ich befürchtete schon längst nicht mehr, dass sie mich aus Versehen erschießen könnte; sie war viel zu geschickt. Sie sah zwar wie die Entspanntere meiner beiden Zwillingsschwestern aus, hatte aber seit ihrem vierten Lebensjahr nichts anderes getan, als zu jagen, zu stalken und zu töten. Ihr lila Haar und ihre riesigen, unschuldigen, babyblauen Augen waren eine totale Täuschung für jeden Mann, der gedacht hatte, dass er sie durchschaut hatte.
Nicht, dass sie vielen Typen eine Chance gegeben hätte. Wir alle hatten Beziehungen gehabt. Wir waren keine unschuldigen, abgeschotteten Jungfrauen. Wir waren Prinzessinnen. Nicht, dass irgendjemand darüber Bescheid wusste. Und es war auch nicht gerade so, dass wir es bis vor wenigen Stunden selber geglaubt hätten. Es gab zu viele Disney-Prinzessinnen, als dass wir wirklich geglaubt hätten, dass wir echte Royals von einem anderen Planeten waren.
Von einem verfluchten anderen Planeten.
“Schieß ihnen doch einfach in die Reifen. So wie sie es im Film immer machen.” Faith grinste wie wahnsinnig; sie liebte Abenteuer. Im Gegensatz zu Destiny sah Faith vollkommen unschuldig aus. Wie die Unschuld in Person. Langes, goldbraunes Haar. Warme, dunkle Augen. Sie sah wie das liebenswürdigste Mädel des Planeten aus. Und sobald es um Tiere ging, dann stimmte das auch. Sie schleppte jede kranke Kreatur in einem Umkreis von zehn Meilen mit nach Hause, Schlangen miteingeschlossen. Aber mit Leuten? Autsch. Eher weniger. Als Zwillinge hätten sie sich eigentlich ähnlicher sein müssen, aber sie waren eher wie Geschwister und ihre Persönlichkeiten waren genauso verschieden wie ihr Look.
“Wehe,” warnte ich und blickte weiter geradeaus auf die Straße. “Wir sind fast da. Ich kann schon den Parkplatz sehen.”
“Ich werde sie nicht verfehlen, Trin. Lass mich schießen.” Destiny beäugte bereits den Geländewagen, die Straße, die Winkel.
“Nein. Ich glaube gerne, dass du treffen wirst.” Ich warf einen Blick in den Rückspiegel. “Sie fahren zu schnell. Die dumme Karre wird sich wahrscheinlich überschlagen und einer dieser armen Bastarde wird heute Abend nicht mehr zu seiner Familie heimkehren. Nein. Für sie ist es nur ein Job.”
Mit einem tiefen Seufzen, das ich schon hunderte Male gehört hatte, lehnte Destiny sich in ihren Sitz zurück. “Na schön, Frau Diplomatin. Übrigens, sie jagen uns.”
Faith drehte sich um und winkte den Sonnenbrillentragenden Men-in-Black in dem Wagen hinter uns zu. Ich musste grinsen, als der Fahrer den Kiefer verkrampfte. “Hör auf die Alien-Jäger zu ärgern.”
“Spaßbremse.”
“Hippie,” feuerte ich zurück.
“Und der Freak hat’s geschafft!” Destiny stieß einen Siegesschrei aus, als wir mit quietschenden Reifen auf den Parkplatz des Bräutezentrums einbogen. Wir waren aber keine Bräute. Wir kamen nicht, um getestet und einem außerirdischen Partner zugeteilt zu werden. Wir waren die Außerirdischen. Also irgendwie jedenfalls. Laut unserer Mutter war ich zu hundert Prozent ein Alien. Aber meine nervigen Schwestern waren es nur zur Hälfte.
Wir waren also keine Bräute. Und ins Militär würden wir auch nicht eintreten. In der Einrichtung wurden sowohl Bräute als auch Krieger für die Koalitionsflotte abgefertigt, aber auf keinen Fall wollte ich mich irgendeinem Soldaten hier erklären. Wir waren in gewisser Weise zwar weibliche Soldaten, aber ich hatte jetzt keine Zeit um mich mit einem Typen herumzuschlagen, sollte einer von denen gerade Dienst haben. Und den Warnungen unserer Mutter zufolge musste bei mir die Aleranische Gluthitze eingesetzt haben—das war eine lange Geschichte—, also war es im Moment nicht gerade die beste Idee einem Mann gegenüberzutreten.
Kurz gesagt, sollte ich einen Mann sehen, der mir gefiel, dann würde ich ihn aggressiv besteigen wollen und hinterher total enttäuscht, unbefriedigt und noch aufgebrachter als sowieso schon dastehen. Bei meinen Schwestern? Nun, das war noch nicht ganz klar. Aber mein Körper war gerade dabei mich in den Wahnsinn zu treiben und kein einziger Mann hatte mir bisher zugesagt.
Mutter hatte darauf gepocht, dass ich die heilige Energie eines Aleranischen Mannes brauchte, um meine Triebe zu befriedigen, aber das hatte ich ihr auch nicht wirklich geglaubt. Zumindest nicht, bis ich versucht hatte meinen Hunger mit einem meiner scharfen Arbeitskollegen zu stillen. Ein gewaltiger Fehler.
Ich hatte ihn geküsst und hätte schwören können, sein Mund hatte wie ein Aschenbecher geschmeckt. Und dabei war er Nichtraucher.
Außerdem war er bloß nach ein bisschen Knutschen zusammengeklappt und hatte für vier Stunden geschlafen. Ich hatte die ganze Zeit über ihn gewacht und war sichergegangen, dass er noch atmete. Und dann hatte ich mich damit abgefunden, dass ich nie mehr auf dem Planeten Erde Sex haben würde. Da ich jetzt diese Gluthitze stillen musste, brauchte ich einen Alien-Mann; einen, den meine Küsse nicht gleich auslaugen und umbringen würden.
Verdammt unpraktisch. Also musste ich schleunigst nach Alera oder ich würde sterben. Und wir mussten unsere Mutter retten. Wir mussten den Planeten verlassen. Jetzt sofort.
Aber erst mussten wir an dem riesigen Alien vorbeikommen—er war tatsächlicher größer als Mutters Volkswagen—, der den Eingang bewachte. Mit quietschenden Reifen brachte ich Mutters Käfer genau vor ihm zum Halten. Er hatte die Arme vor der Brust verschränkt und machte finstere Miene. Er schrie regelrecht nach einer Kreuzung aus Alphatypen und Titanen—einem heißen Alien-Typen über den Weg zu laufen hatte mir gerade noch gefehlt, egal wie groß er war oder wie gut er aussah. Blöde Alien-Hormone.
“Heiliger Bimbam.” Destiny war total baff. “Ist das ein Atlane? Ich habe gehört, dass sie groß sind, aber—”
“Alle Achtung. Trinity, vielleicht kann er ja dein Problem beheben.” Faith winkte vom Rücksitz aus und hatte ein strahlendes Lächeln auf dem Gesicht.
“Auf keinen Fall,” konterte ich. “Vergiss es. Wir müssen da rein und jemanden dazu bringen, uns nach Alera zu transportieren. Sofort. Mir bleibt keine Zeit, um mein Problem zu beheben.” Ich war alles andere als froh über diesen Schlamassel und ich würde kein Risiko eingehen. Er war zwar echt prächtig, aber er war kein Aleraner. Ich fürchtete, dass ich ihn erledigen könnte, ganz egal wie groß und stark er aussah.
“Und wir wollen unseren besonderen Freunden hier auch kein Schauspiel liefern,” fügte Faith hinzu. “Lasst uns gehen!”
Als der Geländewagen fünf Minuten zuvor versucht hatte uns den Weg abzuschneiden, hatten wir beschlossen, im Bräutezentrum Zuflucht zu suchen. Das war unsere beste Chance. Den ersten Alien-Schmacko, der mir über den Weg lief zu besteigen gehörte aber nicht dazu. “Sieht nicht so aus, als ob er sich einfach von uns überrollen lassen wird.”
“Wehe du krümmst diesem Prachtstück von einem Alien auch nur ein Haar,” schimpfte Faith. Sie seufzte … übertrieben. “Verdammt. Ich glaube, ich brauche einen Atlanen.”
“Oh nein. Du gehst doch nicht auch in Hitze, oder?” Destiny war todernst. Und ich war besorgt. Sie waren nur drei Jahre jünger als ich, aber Mutter hatte mich seit ich zweiundzwanzig wurde, mit Adleraugen beobachtet und geschlussfolgert, dass ich ein Spätzünder war, weil keine Aleranischen Männer da waren um meinen Motor zu befeuern.
Aber die Zwillinge waren halb menschlich, also wer würde schon wissen, was mit ihnen los war? “Faith?” sprach ich.
Sie verdrehte nur die Augen. “Nein, meine Mumu steht nicht in Flammen. Mir geht’s gut.”
Destiny runzelte die Stirn.
“Im Ernst. Ich würde euch nichts vormachen. Nicht jetzt.” Über die Schulter blickte sie sich zu unseren Freunden um und grinste. “Sieht aus, als ob sie sich auch nicht sicher sind, was der große böse Alien tun wird.”
“Sie werden nicht ewig hier warten. Wir müssen aussteigen,” sprach ich. “Lasst uns zum Eingang rennen.”
Als ob sie mich gehört hatten, öffneten die Männer hinter uns die Wagentüren und stiegen aus; sie gingen hinter den Türen in Deckung. Der Gigant vor uns machte zwei Schritte vorwärts und blickte skeptisch, als er die beiden Männer aussteigen sah. Ich sah, wie das Duo sich einen Blick zuwarf und scheinbar überlegte, ob sie sich unseretwegen mit einem riesengroßen, fiesen Alien anlegen sollten.
“Wer sind die überhaupt und warum sind sie hinter uns her?” sprach ich.
“Ich kann sie kurz und klein schlagen,” erwiderte Destiny entschlossen. “Du brauchst es nur zu sagen.”
Ich schüttelte den Kopf. “Nein. Wir müssen von der Erde verschwinden. Das ist das Klügste im Moment.”
Ich blickte durch die Windschutzscheibe und entdeckte zwei weitere Krieger, die hinter dem Atlanen auf uns zukamen. Verstärkung. Wie es aussah, gab es unseretwegen bereits Zulauf.
“Los!” Mir blieb keine Zeit, um mir Gedanken zu machen, ob meine Schwestern nun zuhörten oder nicht. Unsere Mutter war verschwunden. Nein, nicht verschwunden. Sie war entführt worden. Und wir würden sie zurückbekommen.
Ich schnappte mir meinen Rucksack, öffnete die Fahrertür und stürzte so schnell ich konnte auf den Giganten zu. Destiny war natürlich schneller als ich und brüllte aus vollem Halse “Asyl!” als sie an mir vorbeistürmte. Ich rannte und war leicht außer Atem, als ich ihn schließlich erreichte, allerdings mehr vom Adrenalin als der Entfernung wegen. Faith aber …
“Verdammt, Faith! Komm schon oder ich werde dich eigenhändig erschießen.” Destiny stand zwischen zwei massigen Giganten und ich stand hinter dem ersten Alien, der unseren Wagen gestoppt hatte. Faith dagegen beeilte sich kaum, sie schwang ihre Tasche in die Luft und verspottete die Regierungs- oder Militäragenten—oder was auch immer zur Hölle sie waren—hinter ihr. Sie hätten sie schnappen können. Mühelos. Und sie wusste es. Aber sie mochte schon immer ein gutes Katz- und Mausspiel und sie wusste, dass diese Typen sich wegen der heißen Aliens hier nicht mit uns anlegen würden.
“Komme schon.” Sie lächelte. Strahlend. Der Gigant neben mir warf ihr einen aufmerksamen Blick zu. Mit einem Grinsen tätschelte sie ihm im Vorbeigehen den Bizeps, ihr Kopf allerdings reichte ihm nicht einmal bis zur Schulter. “Danke, mein Großer.”
“Ist mir ein Vergnügen, meine Dame.” Er verbeugte sich sogar leicht.
Die Agenten kamen herbeigelaufen, hielten aber vor unserem offenen Wagen an und spähten ins Innere. Vielleicht erhofften sie sich eine entschlüsselte Nachricht über das Alien-Raumschiff, das heute Morgen vor unserem Haus gelandet war. Wahnsinn, oder? Aber alles, was sie finden würden, waren verschwitzte Sportklamotten und ein paar Minz-Kaugummis, die Mutter im Getränkehalter aufbewahrte.
Sie verpissten sich aber trotzdem nicht. Wir waren jetzt sicher; die Aliens würden nicht zulassen, dass diese Typen uns in irgendein schwarzes Loch verschleppen würden, also stellte ich mich ihnen gegenüber und verschränkte die Arme.
“Bitte, Miss Jones. Wir wollen Ihnen und Ihren Schwestern nur ein paar Fragen stellen.” Der ältere Agent nahm tatsächlich seine Sonnenbrille ab. Er sah um die fünfzig aus, sein Blick war hart, aber nicht bösartig. Er sah wie ein Krieger aus. Eine andere Art Krieger wie die Giganten, die das Koalitionsgebäude bewachten, aber dennoch ein Kämpfer. Eine Art Erdenkrieger. CIA, NSA, oder irgendeine andere Organisation …
“Ich bedaure,” entgegnete ich. “Wie ich Ihnen bereit am Telefon gesagt habe, können wir Ihnen keine Fragen beantworten.”
Er zog ein kleines Aufnahmegerät aus seiner Tasche und legte es auf die Motorhaube. Bestimmt machten sie Video- und Tonaufnahmen von uns. “Und ihr Vater? Was ist mit ihm? Wo ist er?”
“Lass gefälligst die Finger von meinem Vater, du Mistkerl.” Destiny machte zwei Schritte vorwärts, aber der Krieger neben ihr legte eine massive Hand auf ihre Schulter und hielt sie zurück. Sie blickte vollkommen unerschrocken zu ihm auf und riss sich wieder los. Aber sie blieb, wo sie war. Gott sei Dank. Ich wollte nicht, dass man sie wegen Mordes anklagen würde, sollte sie eines Tages zurück nach Hause kommen wollen. Danach.
“Unser Vater ist sicher. Und wir werden uns um das Problem kümmern. Sie haben mein Wort, Herr … ” Ich bezweifelte, dass er mir einen Namen geben würde. Aber das tat er. Sozusagen jedenfalls.
“Agent Smith.”
“Smith, hm? Richtig.”
“Und ihr Name ist Trinity Jones.”
“So steht es auf meiner Geburtsurkunde.”
“Natürlich. Aber wir wissen bereits, dass Ihr Vater nicht Adam Jones heißt. Sein richtiger Name lautet …” Er blickte in ein altmodisches Notizbüchlein. “Sein echter Name ist Baxter Adam Buchanan, geboren in Boston. Und Ihre Mutter …” Wieder blickte er in sein Notizheft. “Hm. Seltsam. Über Ihre Mutter gibt es überhaupt keine gesicherten Aufzeichnungen. Könnten Sie mir das bitte erklären, Miss Jones? Oder warum wir heute Morgen bei Ihrem Haus ein außerirdisches Raumschiff aufgespürt haben?”
Sie kannten Dads richtigen Namen? Scheiße. In kürzester Zeit hatten sie bereits mehr herausgefunden, als ich gedacht hätte. Nicht, dass das jetzt eine Rolle spielte. Wir mussten schleunigst von diesem Planeten verschwinden und meine Mutter finden. Sicher, es hörte sich lächerlich an … die Erde verlassen zu müssen, aber die Realität hatte bewiesen, dass wir keine Disney-Prinzessinnen waren.
“Nein, kann ich nicht.” Ich trat an den großen Alien neben mir heran und reckte den Hals nach oben, um ihn anzublicken. Wäre er verärgert oder einfach nur gemein gewesen, dann hätte er uns zehnmal mehr Angst eingejagt als die Men-in-Black, die uns eben verfolgt hatten. Aber er war keines von beiden. Er wirkte neugierig—und bereit zu töten, um mich zu verteidigen, was mich zum ersten Mal seit Stunden wirklich beruhigte. Seitdem diese Ungetüme unser Haus gestürmt und unsere Mutter kreischend aus dem Bett gezerrt hatten. War das wirklich erst heute Morgen gewesen?
“Ich muss Aufseherin Egara sehen,” erklärte ich ihm. “Es ist ein Notfall.”
Er war zwar attraktiv, aber mein Verlangen war nur so lala. Klar, ich wollte einen Mann—oder heftige, heiße Alien-Orgasmen—, aber er war nicht derjenige, der sie mir bescheren würde. Ich sah kein Interesse in seinem Blick. Keine Hitze, nur Pflichtbewusstsein. Und obwohl mit der Aleranischen Gluthitze mein Bedürfnis nach Sex mit jedem Tag erstarkte, so würde nicht jeder dicke Schwanz die Sache für mich besiegeln. Nein, ich brauchte einen Aleranischen Schwanz. Jemand, der groß und stark genug war, um mich zu überleben.
Innerlich verdrehte ich die Augen. Ich hatte keine Zeit, um mich blind der Lust hinzugeben.
Der Alien verbeugte sich leicht und riss mich aus meinen Gedanken. “Selbstverständlich, meine Dame.” Er streckte den Arm aus und zeigte mir den Weg ins Gebäude, Agent Smith und dessen Gehilfen ignorierte er dabei völlig und die anderen beiden Wachen blieben im Hintergrund, bis meine Schwestern zu mir gestoßen waren. Aber Smith war noch nicht fertig.
“Ich werde an Antworten kommen, Miss Jones,” rief er mir nach. “Wenn nicht von Ihnen, dann von Ihrem Vater.”
Er wollte mir drohen, also drehte ich mich um, damit er den Zorn in meinen Augen zu spüren bekam. “Sie werden Ihre Antworten kriegen. Ich werde zurückkehren, Agent Smith. Und wenn es soweit ist und Sie meinem Vater auch nur ein Haar gekrümmt haben, dann werde ich Sie eigenhändig umbringen.”
“Nicht, wenn ich ihn zuerst finde.” Destiny zog ihre Pistole aus einer versteckten Tasche ihrer Lederhose, aber der Riese an ihrer Seite nahm sie ihr einfach weg; wie einem Baby, dem man den Lolli mopste. Sie grinste ihn einfach nur an; ohne jedes Bedauern. “Tut mir leid.”
“Erdenfrauen,” sprach er und steckte die Waffe weit, weit weg von meiner blutrünstigen Schwester. Normalerweise war sie gar nicht so drauf. Eigentlich war sie ein echter Softie. Aber nachdem wir heute Morgen Mutters Schreie gehört hatten, waren wir alle wie ausgewechselt.
Seit Jahren hatte Mutter uns von ihrer Heimatwelt erzählt, von den Ältesten, die ihrem Volk geholfen hatten und ihren Ahnen eine königliche Halskette aus magischen Steinen überreicht hatten, um die Herrschaft unserer Blutlinie zu unterstützen. Von der Zitadelle, die nur die Mitglieder der Königsfamilie betreten konnten. Von dem Putschversuch, der sie zur Flucht gezwungen hatte, vom Tod meines biologischen Vaters, dem König. Wie sie auf der Erde gelandet war und Adam getroffen und sich in ihn verliebt hatte. Ihn geheiratet hatte. Wie schließlich Faith und Destiny das Licht der Welt erblickt hatten. Aber ihre Töchter—also wir drei—hatten niemals wirklich hierher auf die Erde gehört. Das hatte sie uns eingebläut, seit wir zu sprechen gelernt hatten. Tatsächlich hatte sie darauf bestanden, dass wir Aleranisch von ihr lernten. Wir sprachen es nicht perfekt und wer weiß, was dort in den vergangenen siebenundzwanzig Jahren alles abgelaufen war, aber wir hatten so viel wie möglich von ihr gelernt. Sie hatte gesagt, dass es irgendwann an der Zeit sein würde, um nach Alera zurückzukehren. Und jetzt war es soweit, ob es uns gefiel oder nicht.
Wir waren Royals. Wir entstammten einer altertümlichen Aleranischen Blutlinie. Wir waren Prinzessinnen. Mutter war nicht von ein paar stümperhaften Einbrechern gekidnappt worden. Das Raumschiff in unserem Vorgarten war der Beweis. Sie war von jemandem auf Alera entführt worden, ihrer Heimat.
Warum ausgerechnet jetzt? Bei ihrer Flucht war sie bereits mit mir schwanger gewesen … also vor siebenundzwanzig Jahren. Das war ziemlich lange für eine Königin im Exil.
Wir hatten zwar unser gesamtes Leben auf der Erde verbracht, aber jetzt wurde es Zeit, dass wir zurückkehrten. Die Bewohner von Alera konnten sich auf etwas gefasst machen, wenn die Jones-Schwestern eintrudeln würden, um ihre Mutter zu finden, um ihre Königin zu retten.
Es war Zeit, zu unserem Heimatplaneten zurückzukehren und ein paar Leuten ordentlich in den Arsch zu treten.
1

Trinity Jones, Abfertigungszentrum für Interstellare Bräute, Miami
“Von wegen nur wie Ohrlochstechen,” brummte meine Schwester Destiny. Dann tätschelte sie die Stelle, an der ihr soeben die NPU eingepflanzt worden war, und zwar mit der fettesten Nadel, die ich je gesehen hatte. “Das hat verdammt wehgetan.”
Sie fing an auf und ab zu schreiten, als ob sie so dem Schmerz davonlaufen könne. Ihr schulterlanges, lila Haar schwang hin und her, als sie durch den Raum tigerte.
“Hör auf rumzuheulen. Ich war als Erste dran.” Ich hatte nicht die Absicht meiner Schwester zu zeigen, wie nervös ich war. Als Älteste musste ich mit gutem Beispiel vorangehen. Egal, wie beängstigend die letzten vierundzwanzig Stunden auch gewesen sein mochten, ich vermutete, dass die nächsten vierundzwanzig Stunden noch viel schlimmer werden würden. “Nach diesen ganzen Wirbelsäulentattoos”—die Zeichnungen waren kunstvoll, feminin und wirklich schön, aber das würde ich ihr gegenüber niemals zugeben—"müsstest du dich doch längst an Nadeln gewöhnt haben.”
Destiny verdrehte die Augen und rieb sich immer noch die Stelle hinter ihrem Ohr. “Das war keine normale Nadel. Das war eine Stricknadel mit der sie uns kleine Kugeln ins Hirn geschossen haben.”
Aufseherin Egara, die offizielle Vertreterin der Koalitionsflotte im Bräutezentrum kam zwar selber von der Erde, sie schien heute aber nicht besonders gut gelaunt zu sein. “Meine Damen, die NPU geht nicht in ihr Gehirn. Die Nanotechnologie gräbt sich in ihren Innenohrknochen und überträgt modifizierte Geräusche direkt in den Cochlea-Nerv. Und sie werden sehr dankbar dafür sein, weil sie damit jeden im Weltall verstehen können.” Sie verkörperte kühle Effizienz in Person. Ihre Uniform saß tadellos, ihr dunkles Haar war gepflegt, sie war umgänglich und doch ernsthaft. Und dieses Anatomie-Geschwafel? War nicht so meine Sache, meine Schwester Faith aber nickte enthusiastisch.
Streberin. Seit sie laufen konnte, hatte Faith verletzte Tiere und sogar Insekten mit nach Hause gebracht. Und sie hatte ein sanftmütiges Wesen, das weder Destiny noch ich unser eigen nennen konnten. Ich liebte Ordnung. Gesetze. Tradition. Faith plante nie im Voraus. Und Destiny? Nun, meine kleine Schwester vermöbelte gerne Bösewichte und stellte sicher, dass die Dinge nicht ins Stocken gerieten. Zusammen waren wir unschlagbar. Ich hoffte nur, dass wir stark genug waren, um die nächsten Wochen zu überleben. Nein, die nächsten Jahre. Wir würden zu einem Planeten aufbrechen, den keine von uns je betreten hatte. Und wir würden Feinde jagen, die keine von uns je gesehen hatte.
Diese ganze Angelegenheit war ein Riesenschlamassel und ich wünschte mir, dass ich zwei Jahre zuvor auf Mutter gehört hätte; als sie meinte, dass wir nach Alera zurückkehren sollten. Aber ich war mitten im Jurastudium und zu beschäftigt gewesen. Ich war immer viel zu beschäftigt gewesen.
Jetzt war sie tot, und ich war schuld.
“Hör auf rumzuheulen oder du wirst Faith Angst einjagen,” sagte ich zu ihr. Die Injektion hatte wehgetan, aber da ich als Erste dran gewesen war, hatte ich die Zähne zusammengebissen und angesichts des stechenden Schmerzes keinen Ton von mir gegeben. Eine Betäubungscreme oder Anästhesie wäre aber wirklich nicht schlecht gewesen.
“Nur weil ich mich wie ein Mädchen anziehe, heißt das nicht, dass ich weniger drauf habe als ihr beide.” Meine kleine Schwester Faith war acht Minuten älter als ihre Zwillingsschwester. Beide waren fast drei Jahre jünger als ich, und ich war siebenundzwanzig. Sie waren meine Halbschwestern, aber ihr menschlicher Vater war nicht der Grund, warum wir jetzt hier waren—bereit, in eine unbekannte Welt aufzubrechen.
Faith atmete tief durch, als Aufseherin Egara das teuflische Instrument für sie vorbereitete. Es war wie eine Ohrlochpistole, allerdings mit einer Nadel wie für eine Fruchtwasseruntersuchung oder um einen Alien zu durchlöchern statt kleinen Mädchen im Schmuckwarengeschäft im Einkaufszentrum Ohrstecker ins Ohrläppchen zu schießen.
“Werd bloß nicht ohnmächtig. Ich kann dich nicht auffangen, mir tut es immer noch voll weh,” warnte Destiny.
“Jetzt mach nicht so ein Drama,” entgegnete Faith zu Destiny, die immer noch ihre Hand an jener Stelle hielt, wo jetzt die NPU saß. Aufseherin Egara trat an sie heran und Faith schwang ihr langes braunes Haar über die andere Schulter und legte die Stelle frei, die für die Injektion gebraucht wurde. “Aufseherin, unsere Mutter hat uns die Aleranische Sprache beigebracht. Ich verstehe nicht ganz, warum das hier notwendig ist.”
Das Pfeifen der Druckluft ließ mich zusammenzucken, genau wie Faith, als die Nadel mit der NPU ihre Haut durchbohrte. “Es gibt über zweihundertsechzig Welten mit tausenden Sprachen. Die meisten davon sind nicht so wie die Erde; sie sind sehr viel weiter fortgeschritten und nehmen Reisende von anderen Planeten bei sich auf.”
Mit anderen Worten, die Erde war ein primitiver, rückständiger und unbedeutender Ort im Universum. Mutter hatte uns berichtet, wie sie nach einem Planeten abseits der großen Politik und der interstellaren Koalition gesucht hatte, um sich zu verstecken und sich genau deshalb für die Erde entschieden hatte. In fast dreißig Jahren war niemand auf die Idee gekommen, hier nach ihr zu suchen. Bis ich es vermasselt hatte und einige Tage zuvor mit Aufseherin Egara telefoniert hatte. Ich wollte ein paar Informationen über Alera und die wahnwitzige Aleranische Gluthitze einholen, vor der meine Mutter mich immer gewarnt hatte.
Mein Körper ließ mich zusehends im Stich und ich wurde immer verzweifelter. Ein beknackter Fehltritt, den ich nicht noch einmal machen würde. Ein törichter Anruf genügte und binnen zwei Tagen waren sie zu unserer Mutter gekommen.
Mutter. Verdammt. Sie war irgendwo da draußen. Das kleine Raumschiff in unserem Vorgarten hatte mir Hoffnung gemacht, dass sie noch am Leben war. Am helllichten Tag waren sie in unser Haus eingebrochen, als meine Schwestern und ich auf der Arbeit waren. Vater hatte auf der Couch gelegen und geschlafen. Später, als wir uns das Video von der Überwachungskamera angeschaut hatten, mussten wir mitansehen, wie sie ihn mit einer Art Elektroschockpistole betäubt hatten. Die Aliens waren gelandet, hatten unseren Vater außer Gefecht gesetzt, unsere Mutter mit einer Art Blitzpistole beschossen und ihren reglosen Körper nach draußen zu ihrem Raumschiff geschafft.
Sie war bewusstlos, als sie gekidnappt wurde. Auf dem Video war kein Blut zu sehen, was aber nicht heißen musste, dass sie noch lebte.
Ehrlich gesagt hatte ich eher das Gefühl, dass wer auch immer sie entführt hatte, sie töten wollte, sollte das, was Mutter uns über das Licht der heiligen Turmspitzen auf Alera erzählt hatte, wahr sein.
Alera. Unsere Mutter hatte uns seit wir denken konnten von diesem Planeten erzählt. Aber wir sind wie ganz normale Kinder aufgewachsen. Vater hatte mich offiziell adoptiert, als ich zwei war. Mutter hatte ihn geheiratet und dann die Zwillinge bekommen. Wir alle gingen zur Schule. Der übliche Kram, Schulprojekte, Abschlussball, Abitur. Ich hatte Jura studiert, wie unser Vater. Faith war Biologin geworden, mit einem merkwürdigen akademischen Titel und arbeitete beim Forstdienst. Und Destiny? Nun, Destiny war unsere Kampfspezialistin. Wir alle waren seit wir klein waren in Kampfsport unterrichtet worden, aber Destiny brauchte das Kämpfen wie die Luft zum atmen. Sie liebte es. Und sie war verdammt gut. Sie leitete ein Dojo und unterrichtete dort sechs Tage in der Woche. Sie war dermaßen durchtrainiert, ihr zuzusehen war wie einem wilden Tiger zuzusehen, sie war leichtfüßig, aber unheimlich angsteinflößend.
Es sei denn, unser Zuhause war ohne unser Wissen Drehort für einen Science-Fiction Film geworden, hatten die Aleraner schließlich doch unsere Mutter abgeholt. Die bösen Aleraner. Nachdem unsere Mutter jahrelang über ihren Heimatplaneten gesprochen hatte—unseren Planeten—wusste ich, dass wir die Guten waren.
Und jetzt hatten sie sie. Warum? Ich wusste es absolut nicht, aber ich würde nicht auf der Erde bleiben und Däumchen drehen. Wir waren ihre Töchter. Wir mussten sie finden.
Ich wusste, was sie sagen würde. Ich war angeblich eine Thronerbin. Es war meine Pflicht nach Alera zu gehen und meinen rechtmäßigen Platz einzunehmen. Punkt. Keine Suche. Keine Rettungsaktion. Sie würde uns alle ausschimpfen und darauf beharren, dass Aleras Zukunft wichtiger war als alles andere.
Nein. Nicht für mich. Nicht für meine Schwestern.
Vater würde hier auf der Erde bleiben und wir würden ihn kontaktieren. Die Aleraner wussten nichts von unserer Existenz, von mir und meinen Schwestern. Ich hatte nie verstanden, warum Mutter keine Familienfotos an den Wänden wollte, keine Klassenfotos. Unsere Kinderzimmer hatten immer wie Gästezimmer ausgesehen. Hübsch eingerichtet, aber unpersönlich. Wir ließen keine Kleider herumliegen. Oder Schuhe. Auf den Regalen im Bad gab es weder Zahnbürsten noch Make-up.
Unser Haus sah aus wie eine Pension. Ein Ferienhaus. Immer.
In meiner Kindheit hasste ich diese Pedanterie. Aber jetzt konnte ich es nachvollziehen. Sie hatten sie gekidnappt und nicht nach uns gesucht. Sie wussten nicht, dass sie Kinder hatte. Töchter.
Erben.
Aber wenn die Aleraner sie geschnappt hatten, und darin waren wir uns alle einig—ich, meine Schwestern, Aufseherin Egara und sogar Prime Nial, der Regent von Prillon Prime und der Kolonie—, dann mussten wir sie auf Alera aufspüren. Warum würden sie auf der Erde bleiben? Sie kannten den Planeten nicht. Auf der Erde zu bleiben wäre nicht zu ihrem Vorteil. Selbst wenn sie sie umgebracht hatten, würden sie nach Alera zurückkehren und ihre Belohnung einkassieren.
“Funktioniert das auch bei Tieren? Stellt euch vor, wie fantastisch das wäre. Die Symbiose des Universums wäre … perfekt,” erklärte Faith und neigte den Kopf zur Seite, damit die Aufseherin leichter an die Wunde herankam und sie mit Alkohol betupfen konnte.
Destiny lief weiter hin und her, sie war ein Nervenbündel. “Symbiose? Ernsthaft? Vielleicht foltern sie unsere Mutter in diesem Moment und du willst mit Tieren reden? Glaubst du, dass die Bösen irgendetwas mit Symbiose am Hut haben? Zum Teufel, wissen die überhaupt, was das bedeutet?”
“Nein.” Faith grinste unverfroren. “Aber Trinity weiß es bestimmt.” Faith blickte zu mir rüber und fasste sich an den Kopf. Sie fing an, auf Aleranisch zu sprechen. “Mit ihrer super-sexy-lasziven Gluthitze wird sie mit einem heißen Alien-Schwerenöter eine heftige Symbiose eingehen, sobald wir auf Alera sind.”
Ich verdrehte die Augen, als Destiny mit den Augenbrauen wackelte und grinste. “Oh ja. Eine heiße, schwitzige Symbiose. Wahrscheinlich mehr als einmal.”
“Ich verstehe Sie,” sprach Aufseherin Egara. “Und ich habe Prime Nial über die bevorstehende Ankunft von Trinitys Aleranischer Glut in Kenntnis gesetzt.“
Ich seufzte und wurde rot im Gesicht. Schließlich musste nicht jeder im Universum mitbekommen, dass meine Muschi dauerfeucht war und ununterbrochen nach einem riesigen Schwanz gierte. Dass ich ein notgeiles Flittchen wurde und mich ständig danach sehnte, ordentlich durchgenommen zu werden. Die Typen auf der Erde taugten allerdings nichts. Das hatte ich schon versucht. Nach zehn Minuten Rummachen war mein Date auf der Couch kollabiert, bewusstlos. Ich war wie ein verdammter Sexvampir. Ich fürchtete, dass ich ihn umgebracht hatte und war länger geblieben, nur um über seinen Atem zu wachen. Das Erlebnis hatte mich zu Tode erschreckt und am nächsten Morgen hatte ich sofort beim Zentrum für interstellare Bräute angerufen.
Und dabei Mutters Aufenthaltsort preisgegeben. Meinetwegen war sie entführt worden. Gefoltert. Verdammt, vielleicht war sie bereits tot.
“Nicht doch, Trin. Ich weiß, was du denkst. Es ist nicht deine Schuld.” Faith schüttelte den Kopf und schenkte mir ihre mütterlichste Miene.
“Auf gewisse Weise schon, Faith.”
“Vergiss es, Trin. Es ist rein biologisch, und sonst nichts. Vielleicht hätten wir uns einfach besser um dich kümmern müssen. Es gibt hier bestimmt ein paar knackige Aliens, die nichts gegen einen Quickie einzuwenden hätten.”
“Ich brauche keinen Quickie. Danke trotzdem.” Nein. Ein Quickie würde mir nicht genügen. Ich brauchte einen großen Aleranischen Typen, der mich gegen die Wand nagelte und durchfickte. Feste. Ordentlich feste. Stundenlang.
Himmel, meine Muschiwände flimmerten und wollten gefüllt werden. Der Drang nach Vereinigung wurde immer heftiger, aber ich biss die Zähne zusammen—und andere Stellen—und ignorierte ihn. Wieder einmal.
“Und Prime Nial hat mir versichert, dass ein Beamter für alle Gelegenheiten im Transportzentrum auf Sie warten wird,” erklärte die Aufseherin. “Über Alera ist mir nicht viel bekannt, aber mir wurde versichert, dass der Mann ihre Glut lindern wird.” Sie lächelte verhalten.
“Soll das ein Witz sein,” sprach Destiny und blickte zu mir rüber. “Wusstest du davon? Das hört sich an wie eine männliche Prostituierte.”
Aufseherin Egara schüttelte den Kopf. “Eher wie ein Escort-Boy, obwohl es auf der Erde nichts wirklich Vergleichbares gibt.”
Ich war sicher, dass man im Raum nebenan mein Seufzen hören konnte. “Ja. Mutter hat mir davon erzählt. Sie sind sehr selten und extrem teuer.” Unmittelbar nach meiner Ankunft mit einem Fremden schlafen? Das sah mir so gar nicht ähnlich, aber mein Körper verlangte das Gegenteil. Ich war dermaßen aufgegeilt, dass mir keine andere Wahl blieb.
“Moment mal,” sprach Destiny und hob ihre Hand, die fette Nadel war jetzt vergessen. “Aufseherin, Sie sprechen Aleranisch. Wie ist das möglich? Wie können Sie uns verstehen? Ich meine, Sie sind von der Erde. Sie sind auf der Erde.”
Aufseherin Egara drehte sich um und legte die NPU-Pistole ab. “Ich wurde als Braut getestet, mir wurde eine NPU implantiert und ich wurde mit Prillon Prime gematcht. Ich hatte zwei Partner, beide sind im Krieg gestorben. Nachdem ich mich gegen ein neues Match entschieden hatte, bin ich zur Erde gekommen, um anderen Bräuten dabei zu helfen ihre Partner zu finden.” Sie drehte sich wieder um und blickte jede von uns an, dann fasste sie sich hinters Ohr. “Und Sie drei? Ich muss zugeben, Sie sind definitiv eine Überraschung.”
“Tut mir leid.” Ich war schon immer die Diplomatin unter uns, aber ich musste es sagen. Wie furchtbar. Zwei Partner zu verlieren musste vernichtend gewesen sein.
Sie lächelte resigniert. “Das war vor langer Zeit. Und jetzt müssen Sie sich beeilen.”
“Oh ja, eine Aleranische Prinzessin, versteckt auf der Erde und bereit den Thron für sich zu beanspruchen,” kommentierte Faith. Sie hatte bemerkt, wie die Aufseherin das Thema wechselte, weil sie weder Mitleid noch Erinnerungen an ihre toten Partner heraufbeschwören wollte. “Trin, dein Leben ist wie eine Liebeskomödie.”
“Außer, dass Mutter entführt wurde und ich meinen Körper nicht mehr unter Kontrolle habe,” konterte ich. “Eher ein Fantasy-Epos.” Ich dachte daran, wie mir das Blut in den Adern gefroren war, als wir uns das Überwachungsvideo angeschaut und ihren wütenden Schrei gehört hatten, kurz bevor sie auf sie gefeuert hatten und mir drehte sich der Magen um. Wie sie auf dem Küchenboden zusammengebrochen war. Wie sie wie eine nasse Spaghettinudel zusammengesackt war.
Auf dem Weg nach unten war sie mit dem Kopf gegen den Tresen geknallt. Und ich wusste nicht, ob es ein perverser Auswuchs der Gluthitze war oder nur mein angeborener Zorn, aber irgendjemand würde dafür bezahlen. Ich war normalerweise nicht gewalttätig, aber es gab Ausnahmen. Und diese Aleranische Hitze war nicht nur unangenehm, sie brachte mich regelrecht zur Weißglut. Ich war gezwungen zu ficken oder ich würde verrückt werden?
Was für schrägen biologischen Gegebenheiten unterlagen diese dämlichen Aliens bloß?
“Prime Nial wird Sie nicht persönlich empfangen, er ist auf Prillon Prime, drei Sektoren von Alera entfernt, aber er wird Ihnen ein Schutzkontingent zur Verfügung stellen und Ihren Aleranischen Mann für alle Gelegenheiten entsenden, um Sie zu begrüßen.”
“Es ist hart über diese Sache mit der Glut nachzudenken, wenn meine Mutter vermisst wird,” erklärte ich. Ich rieb über meine Jeans und bemerkte, dass ich mir morgens wahllos etwas übergezogen hatte und mir nicht einmal die Haare gekämmt hatte, als wir überstürzt zum Bräutezentrum geeilt waren. Auf keinen Fall würde dieser Mann mich ins Bett bekommen wollen, wenn ich so ungepflegt aussah. Ich zupfte ein meinem T-Shirt und stellte fest, dass es verkehrt herum war. Verflucht.
“Deine Gluthitze hat vor ein paar Wochen begonnen. Es hätte dich so oder so überkommen, mit oder ohne Mutter,” sprach Destiny. “Überleg doch, wärest du auf Alera gewesen, dann hätte dieses Hitze-Ding nicht auf sich warten lassen, bis du siebenundzwanzig bist.” Sie wedelte mit der Hand herum, als sie das Hitze-Ding erwähnte. Natürlich war es für sie ein Leichtes, die Sache zu verharmlosen, schließlich war sie noch nicht von ihrer Gluthitze überkommen worden. Auf sie wartete kein Wildfremder, um ihr das Hirn rauszuvögeln und so zu verhindern, dass sie verrückt wurde. “Ich meine, wenn es bei dir mit zweiundzwanzig losgegangen wäre, so wie Mutter immer gesagt hatte, dann hättest du niemals mit Aiden Dugen geschlafen.”
Aiden Dugen. Ich musste lachen. Im Nachhinein war man immer schlauer. Meinen College-Freund hätte ich mir sicher sparen können. Was seinen Schwanz anging, so wäre er niemals als heißer Alien-Schmacko durchgegangen. Zum Teufel, nichts aber auch gar nichts an ihm war schmackhaft.
“Oh ja. Aber der große Atlane am Eingang ist bestimmt behängt wie ein Hengst,” verlautete Faith und fächelte sich Luft zu. “Wenn ich gewusst hätte, dass Aliens dermaßen heiß sind, dann hätte ich mich vielleicht freiwillig als interstellare Braut gemeldet.”
“Wenn wir auf Alera bleiben, dann wirst du irgendwann einen Alien heiraten,” sagte Destiny. “Ich denke, das zählt.”
“Nun, ihr seid nur zur Hälfte Aleranisch und wir wissen nicht, ob diese blöde Gluthitze euch ebenfalls heimsuchen wird. Ich hoffe nicht. Letzte Woche habe ich fast meinen Arbeitskollegen umgebracht und dabei habe ich ihn nur geküsst,” ermahnte ich die beiden.
“Der Atlane am Eingang kann zur Bestie werden,” sprach die Aufseherin. “Auch wenn es sich verführerisch sexy anhört, kann ich Ihnen nicht erlauben einen noblen Krieger mal eben zu verführen und dann nach Alera zu verschwinden. Er wird sehr viel mehr verlangen, als Sie ihm geben wollen. Er ist mehr als nur ein dicker Schwanz zum Reiten. Sie würden Paarungshandschellen angelegt bekommen und eine klobige Bestie, die den Rest ihres Lebens wie besessen von Ihnen sein wird. Das wäre für keinen von Ihnen fair, wenn Sie nur kurz Ihre Gluthitze lindern wollen.”
Einen Augenblick lang starrte ich die Aufseherin an, ich war total baff, weil sie den Ausdruck dicker Schwanz zum Reiten in den Mund genommen hatte. Und einen noblen Krieger mal eben verführen? “Ich würde nie so rücksichtslos sein, mit keinem Mann. Alien hin oder her.”
“Gut.” Die Aufseherin zog die Augenbrauen hoch und kniff die Lippen zusammen. Faiths Herumgescherze hatte ihr eindeutig missfallen.
“Und wie krass herrisch der aussieht. Dieser Atlane sieht aus wie der totale Alphatyp. Wahrscheinlich ist er viel zu dominant,” fügte Faith hinzu, und zwar mit einem Seufzen, dass sich verdächtig sehnsüchtig anhörte. Sie klemmte ihr dunkles Haar hinters Ohr und verzog leicht das Gesicht, als sie die Einstichstelle ihrer NPU befühlte. “Selbst mit einem dicken Schwanz zum Reiten.”
Sie blickte zu Aufseherin Egara und bekam ein Lächeln geschenkt.
“Ich werde nicht mal schnell mit einem Atlanischen Wächter ficken, nur weil meine Genitalien sich nach dem Inhalt seiner Hose verzehren,” erklärte ich lachend, allerdings musste ich mich winden, als ich mir vorstellte, was genau er in dieser Uniformhose verpackt hatte. Keine Frau im Umkreis von zehn Metern hätte die Beule übersehen können.
“Na schön. Dann wird es eben der Aleranische Mann. Während du es mit dem Zuchthengst treibst, werden wir uns ein bisschen umhören.” Destiny schwang den Arm um Faiths Schultern und beide nickten.
“Genau,” erklärte Faith grinsend. “Ich will nicht deine Lustschreie mit anhören. Sonst werde ich noch eifersüchtig.”
Ich hatte nicht vor, es mit der Aleransichen Version eines Gigolos zu treiben und in Orgasmen zu schwelgen—während meine Schwestern nach unserer Mutter suchten. Das war lächerlich. Seit sechs Wochen war ich geil und willig. Ich würde es einfach … ignorieren. Wie bisher. Oder ich könnte es mir selbst besorgen. Es war ja nicht so, als ob ich nicht einen Vibrator im Nachttisch liegen hatte. Auf Alera müsste man ja wohl auch einen besorgen können, zusammen mit einer ganzen Packung Batterien.
Die Sache in eigene Hände zu nehmen hatte geholfen … eine Zeit lang. Neuerdings milderte es zwar die Spannung, schien aber meinen Drang, diese schwelende Sehnsucht nur noch zu verschlimmern.
“Aufseherin.” Eine Frau mit derselben grauen und purpurroten Uniform trat ein. “Die Koordinaten für Alera sind bereit; der Transport kann beginnen.”
Ich blickte zu meinen Schwestern. Es war soweit. Wir würden die Erde verlassen und ins Weltall reisen. Auf einen anderen Planeten.
Gütiger Gott. Meine Mutter über Alera reden zu hören war eine Sache. Aleranisch zu reden. In der Schule hatten wir es als Geheimsprache verwendet und niemand wusste auch nur ansatzweise, was wir redeten. Alles was unsere Mutter uns erzählt hatte, hörte sich wie Märchen an. Ein Spiel. Spaß.
Aber jetzt war es echt. Wirklich, wirklich echt.
“Heilige Scheiße,” sprach Destiny.
“Oh ja, heilige Scheiße,” bekräftige Faith, als wir Aufseherin Egara durch einen langen Korridor folgten.
Der Transportraum sah aus wie in einer Folge von Star Trek. Eine Frau in Uniform stand hinter einem Tisch voller Steuerknöpfe und Displays. Vor ihr befand sich eine Plattform mit Stufen. Ansonsten war der Raum leer.
Ein Wummern ertönte, unter unseren Füßen vibrierte es. Ich blickte auf meine alten Turnschuhe, Faiths Sandalen und Destinys schwarze Springerstiefel. Ich fragte mich, ob ich vorher noch schnell mein T-Shirt richtig rum anziehen sollte.
Scheiße. Wozu der Aufwand? Laut Aufseherin Egara würde mir irgendein Mann für alle Gelegenheiten nach unserer Ankunft sowieso die Kleider vom Leib reißen. Igitt. Einfach … zum Kotzen. Mir war klar, dass ich nicht nein sagen konnte, ohne durchzudrehen. Zum Teufel, ich war ziemlich verdammt sicher, dass ich es nicht soweit kommen lassen würde.
Destiny nahm meine Hand. Faith die andere. Wir blickten uns an, stiegen die Stufen hoch und wandten uns um.
Wir standen auf der Transportfläche, dem Tor zu einer anderen Welt. Alera.
“Viel Glück bei der Suche nach ihrer Mutter,” sprach Aufseherin Egara. Sie stand aufrecht, ihre Hände waren gefaltet und sie erwähnte weder unser Erbe noch die Tatsache, dass unsere Mutter die Königin war. Nur zwei Leute kannten die Wahrheit—die Aufseherin und Prime Nial. Und so sollte es auch bleiben. Zumindest im Augenblick. “Bitte, passen sie auf sich auf und halten sie mich auf dem Laufenden. Ich drücke ihnen die Daumen.”
“Danke sehr,” antwortete ich, meine Schwestern nickten.
Sie blickte zur Technikerin und nickte. Das Wummern wurde immer lauter, die Vibrationen immer heftiger. Die Nackenhaare standen mir zu Berge. Meine Schwester zerquetschte fast meine Hand. Wir würden es durchziehen. Gemeinsam. Jetzt. Wir würden Mutter finden … lebendig. Ihre Entführer würden die Sache bereuen. Wir würden diesen Schlamassel wieder geradebiegen. Königin Celene wieder dorthin bringen, wo sie hingehörte. Auf den Thron von Alera.
Die Jones-Schwestern waren auf dem Weg nach Alera. Die Alien-Kidnapper hatten keine Ahnung, was sie sich eingebrockt hatten.
“Ihr Transport beginnt in drei, zwei, eins …”
Die Stimme der Aufseherin erlosch. Beißende Kälte presste gegen mein Fleisch, wie eintausend gefrorene Nadelspitzen und die NPU-Spritze erschien mir plötzlich nur noch halb so schlimm.
2

Captain Leoron Turaya, Planet Alera, am Rande der Hauptstadt Mytikas
Ich stand auf dem äußersten Wehrturm der Stadt. Der Himmel war schwarz, nur die Sterne leuchteten. Kein Mondlicht, die Dunkelheit fühlte sich an wie ein Omen.
“Es ist spät, Captain. Ich bin dran.” Gadiel war jung, er war kaum aus dem Training entlassen worden, aber er stand stramm und war bereit mich von der Nachtwache abzulösen. Sein Blick versprühte Stolz und Aufgeregtheit, ein Blick, den ich früher selbst im Spiegel gesehen hatte. Das war bevor ich der Koalitionsflotte beigetreten war und fast zehn Jahre lang in einem unvorstellbaren Alptraum gekämpft hatte. Ich hatte die Hive gesehen, wusste, was sie tun würden, sollten sie je die friedlichen Planeten innerhalb der Schutzzone der Koalitionsflotte erreichen.
Nach zehn Jahren hatte mein Vater mich nach Hause gerufen. Er meinte, ich könne auch auf Alera dienen. Ich hätte weitere zehn Jahre im Krieg gekämpft, aber meine Eltern hofften immer noch, ich würde irgendwann der Gluthitze einer Frau erliegen, dass ich—oder mein Schwanz—eine Partnerin wählen und ihnen Enkelkinder schenken würde.
Im Laufe meines Lebens hatte ich unzählige Frauen getroffen, in allen Ecken des Universums, und nichts hatte sich je bei mir geregt. Mein Körper gehörte mir allein. Und um ehrlich zu sein hatte ich nicht die Absicht das zu ändern. Von einer einzigen Frau wie besessen zu sein? Ich hatte gesehen, wie mächtige Aleranische Krieger der Glut erlagen, wie sie zu nichts anderem als liebestrunkenen Idioten wurden. Nur, weil ihr Schwanz sich—endlich—für die Richtige aufgestellt hatte. Von einer Frau an den Eiern herumgeführt zu werden war nicht das, was mir persönlich vorschwebte. Von etwas anderem getrieben zu werden als der Ehre, meinen Planeten zu verteidigen? Nein, danke.
Ich würde Soldat bleiben, ein Wächter, ein Hüter des Lebens. Ein Aleranischer Junggeselle. Unberührt von den Launen einer Frau.
“Sir?” Gadiel trat unbehaglich hin und her und ich bemerkte, dass ich in die Ferne gestarrt hatte, ins Nichts. Nein. Nicht ins Nichts. Auf die Turmspitze. Den verfluchten Turm der Königin und seinen gleißenden Lichtstrahl, das einzige Licht in der Dunkelheit.
“Na schön,” entgegnete ich und wandte mich um. “Möge das Licht dir den Weg weisen.”
“Und dir ebenfalls.”
Ich nickte und überließ ihm seiner Pflicht. Die Stadt war friedlich, im Moment jedenfalls. Der letzte Einmarsch einer abtrünnigen Familie hatte wenige Wochen zuvor in einem Blutbad geendet. Der brüchige Frieden würde nicht anhalten. Die royale Blutlinie war geschwächt, kein Mitglied der Königsfamilie war stark genug, um der Rolle gerecht zu werden. Seitdem die Königin vor über zwanzig Jahren verschwunden war, musste die Hauptstadt ununterbrochen die Angriffe machthungriger Familien ertragen. Diese Familien glaubten, ihr Reichtum und ihre Armeen würden ihnen die Untergebenheit der Bevölkerung zusichern.
Sie lagen falsch. Solange der Turm der Königin hell erleuchtete, würden die royalen Garden ihren Thron verteidigen, sodass sie eines Tages zurückkehren und ihren Platz unter ihrem Volke einnehmen könnte. Ich glaubte nicht mehr daran, denn ich erinnerte mich kaum noch an die Zeit vor ihrem Verschwinden, aber ich würde kämpfen, bis das Licht im Turm erloschen war. Wenn es soweit war, würde ich für die Bewohner meiner Stadt kämpfen und eine Familie wählen, die den Titel auch verdiente. Es würde viel Blut fließen, denn im Moment verfügten drei Familien über den Reichtum und die Macht, um eventuell den Thron zu erklimmen. Der Tag, an dem das Licht im Turm erlosch, würde der erste Tag eines sehr langen, sehr brutalen Krieges werden.
Die Treppe war stockfinster, aber ich schritt ohne Mühe ihre schattigen Stufen hinunter. Ich musste nicht zählen, denn seit meiner Rückkehr aus dem Krieg gegen die Hive hatte ich hunderte Male diese Treppe erklommen.
Wie es aussah, würde mein ganzes Leben dem Kampf, dem Blutvergießen gewidmet sein.
Dann sollte es auch so sein. Bei den Göttern, was war ich nur für ein Grübler. Ich brauchte ein Aleranisches Bier, ein heißes Bad und mein Bett. Und zwar in dieser Reihenfolge.
Ich verließ den Wachturm und verlangsamte meine Schritte. Ich verspürte keine Eile in mein Quartier zurückzukehren. Unter mir, umgeben von sich windenden Gassen und aneinandergereihten Steinhäusern erstrahlte die royale Zitadelle, im Zentrum der Stadt. Der seltsame Turm dort stand länger, als unsere Zivilisation zurückdenken konnte, er war von einer altertümlichen Rasse außerirdischer Wanderer errichtet worden, die unserem primitiven Planeten zwei Gaben hinterlassen hatte—die Zitadelle und diejenigen, die ihr außerirdisches Blut in sich trugen.
Die Zitadelle war der Hoffnungsschimmer Aleras und gleichzeitig eine bittere Erinnerung daran, dass unser Volk verlassen wurde, als ich noch ein Kind war. Ich erinnerte mich kaum an den Tag, als der König tot aufgefunden und die Königin vermisst wurde. Mein Vater, ein früherer Captain der Stadtwache glaubte weiterhin felsenfest, dass die royale Blutlinie weiterlebte, dass seine geliebte Königin zurückkehren und uns vom Chaos des endlosen Bürgerkriegs befreien würde.
Das Licht leuchtete in den Himmel, also war Königin Celene noch am Leben.
Aber wo?
Und warum war sie nicht zurückgekehrt?
Die jüngere Generation hatte die Hoffnung bereits aufgegeben. Krieg war unvermeidbar, egal, wie sehr die Priester ihn auch verhindern wollten. Ich wollte nichts damit zu tun haben. Die reichen Narren würden sich um eine Rolle streiten, der sie niemals gerecht werden konnten. Es würde keine Thronbesteigungszeremonie geben, keine neue Königin, nicht, solange das Licht des Turms über Mytikas leuchtete. Der Stadt der Königin Celene.
Plötzlich surrte die NPU hinter meinem Ohr mit einer eintreffenden Nachricht; als ob mein Grübeln die Aufmerksamkeit der Schicksalsgötter persönlich heraufbeschworen hatte.
“Prime Nial von Prillon Prime.” Eine knappe, professionelle Stimme ertönte in meinem Ohr; sie bat nicht um Erlaubnis, sondern kündigte meinen Gesprächspartner an.
Ich erstarrte. “Prime Nial?”
Die Nacht war nicht kalt, aber ein Schauer des Entsetzens huschte über meinen Rücken, als ich auf die Worte des mächtigsten Mannes im Universum wartete. Götter, warum kontaktierte er mich? Jetzt?
Prime Nial regierte nicht nur Prillon Prime, sondern die gesamte interstellare Koalition und deren Flotte. Die Streitkräfte der Koalition, die sich aus mehr als zweihundertfünfzig Planeten zusammensetzten, unterstanden seiner Befehlsmacht im Krieg gegen die Hive.
Er hatte sagenhafte Verantwortung und Macht, und er wollte mich sprechen.
Ich schuldete ihm mein Leben. Das Blut gefror mir in den Adern. Warum rief er mich an? Was wollte er von mir, ein derartig mächtiger Mann? Womit konnte ein einfacher Soldat ihm nur behilflich sein? Ich war auf Alera nichts anderes als eine Schachfigur. Ein Bauer. Im Großen und Ganzen war ich nichts weiter als ein winziges Insekt.
“Prime Nial? Hier spricht Captain Leoron Turaya. Wie kann ich Ihnen behilflich sein?” Meine Stimme schnitt durch die Nacht.
“Leo? Hörst du mich?” Die Stimme des Primes klang tiefer als in meiner Erinnerung und eine gedämpfte Frauenstimme drang aus dem Hintergrund aus den Tiefen des Weltalls zu mir durch.
“Er soll sich beeilen. Ich traue diesen Leuten nicht,” sagte sie. Wem vertraute sie nicht? Was war nur los?
“Ja, Sir. Was kann ich für Sie tun?” Wie zum Teufel kam es, dass er mich direkt über meine NPU anrief? Die neuronale Prozessionseinheit gehörte zur Standardausrüstung der Koalitionsflotte und die meisten Diplomaten der einzelnen Planeten entschieden sich ebenfalls für das Implantat. Der Universaldolmetscher erleichterte die Kommunikation unter den verschiedenen Rassen, aber ich hatte keine Ahnung, dass die Flotte auch quer durch die Galaxie Gespräche durchstellen konnte. Vom Boden auf ein Raumschiff? Ja. Aber von Prillon Prime direkt in meinen Schädel?
“Leo, ich habe eine wichtige, extrem heikle Aufgabe für dich. Bist du allein?”
Ich lief langsam im Kreis herum und prüfte meine Umgebung. Ich befand mich auf einem Berghang am Fuße des Wachturms, mitten in der Nacht. Jede normale Person auf dieser Seite des Planeten schlief zu dieser Zeit. Abgesehen von Gadiel über mir, aber er war zu weit entfernt, um mich zu hören. “Ja, Prime Nial. Ich bin vollkommen allein. Womit kann ich Ihnen dienen?”
Er räusperte sich und ich biss die Zähne zusammen. Ich kannte Nial aus meiner Dienstzeit. Er hatte mir das Leben gerettet und ich hatte ihm bedingungslose Treue geschworen, sollte er mich irgendwann brauchen. “Leo, du musst mich nicht als Prime anreden.”
Darauf zog sich mein Mundwinkel nach oben. Er mochte zwar der Prime sein, aber er hatte immer gesagt er wäre ein einfacher Prillonischer Krieger, der die Koalition vor den Hive schützt, genau wie alle anderen auch.
“Na schön, Nial,” entgegnete ich und bemühte mich trotzdem, so ehrerbietig wie möglich zu klingen. “Ich habe nicht vergessen, dass ich dir mein Leben schulde. Was immer du von mir verlangst, ich werde es tun.”
Sein Seufzen tat mir im Kopf weh. “In der nächsten Stunde werde ich drei Frauen nach Mytikas transportieren. Ich sende dir die genauen Koordinaten.”
Der Transportcomputer übermittelte mir die Koordinaten und ich erkannte die Transportstation. “Das ist am anderen Ende der Stadt.”
“Kannst du rechtzeitig dort sein?”
Ich blickte über die leeren Straßen der Stadt. Mytikas war eine weitläufige Metropole, die in einem Tal zwischen zwei Bergketten ausgebreitet lag. “Ja. Es könnte knapp werden, aber in einer Stunde werde ich dort sein.” Ich würde bergabwärts laufen und ein paar Gesetze brechen müssen, sobald ich in meinem E-Sprinter saß, aber das Gefährt war schnell. Ich würde es schaffen.
“Den Göttern sei dank.” Er klang erleichtert.
“Wird er es schaffen? Sie werden Hilfe benötigen. Und ich hasse die Vorstellung, dass sie mutterseelenallein auf einem fremden Planeten ankommen.” Die Frauenstimmer wurde lauter, sie war hell, aber nicht unterwürfig. Es war eine Stimme, die es gewohnt war Befehle zu erteilen.
“Ja, Liebes,” sprach Nial. “Leo wird sie in Empfang nehmen.” So einen Ton hatte ich noch nie von ihm gehört und fast erkannte ich seine Stimme nicht mehr wieder. Er klang … zärtlich. Ein Wort, das ich niemals mit dem gigantischen Prillonischen Krieger assoziiert hätte.
“Gott sei Dank,” die Frauenstimme sprach weiter. “Besonders mit Trinitys Problemchen.”
“Ich gratuliere zu deiner Verpartnerung, Nial,” sprach ich. Er hatte sie Liebes genannt, was mir verraten hatte, mit wem genau der neue Prime da redete. Nämlich mit Lady Jessica Deston, seiner Partnerin. Ich ging davon aus, dass sein zweiter Mann ganz in der Nähe sein musste. Und von welchem Problem war da die Rede?
“Danke,” entgegnete er. “Wie hast du davon erfahren? Alera ist weit weg von Prillon Prime.”
Ich musste lachen. “Jeder in der Galaxie hat davon gehört, du Schuft. Hättest du es geheim halten wollen, dann hättest du die hübsche Dame nicht zusammen mit Ander in der Kampfarena erobern sollen, vor einer interplanetaren Live-Übertragung.” Ich hatte zugesehen, wie die beiden Prillonen gemeinsam ihre Frau für sich beansprucht hatten. Es war heilig und erotisch gewesen und Jessica gehörte ohne jeden Zweifel zu Nial und Ander. Ich hatte mich für meinen Kumpel gefreut, aber ich hatte nichts gespürt, als ich der Zeremonie zugesehen hatte. Die Frau war ihnen übers Programm für interstellare Bräute zugeteilt worden, eine bemerkenswerte Frau von der Erde, die sehr eindrucksvoll auf ihre Partner angesprochen hatte, als diese sie genommen hatten. Ich war froh, dass Nial sein privates Glück gefunden hatte, aber mein Körper war genauso wie immer geblieben, schlapp und schlafend.
Während ein Prillone über ein Halsband mit seiner Partnerin und seinem zweiten Mann verbunden war und mit ihnen jede Regung, Emotion und jeden Sinneseindruck teilte, verfügten die Aleraner nicht über eine solche Verbindung. Eine Partnerin zu finden war nicht leicht, besonders, da nur die einzig Richtige uns erwecken konnte. Und nur sie. Mein Schwanz würde sich erst erheben, wenn sie vor mir stand. Sicher, manchmal spürte ich einen Anflug von Verlangen, dann würde ich voller Vorfreude auf ihre enge Muschi meinen Schwanz streicheln, aber es würde keine Vollendung, keine Erfüllung für mich geben, bis ich zwischen ihren Schenkeln vergraben wäre. Erst dann würde ich zum ersten Mal kommen.
Ich wusste, wie man eine Frau fickte—theoretisch—ich hatte es aber noch nicht getan. Abgesehen von Verpartnerungszeremonien wie die von Prime Nial besuchten alle Männer auf Alera speziellen Unterricht dafür. Denn obwohl es Jahrzehnte dauern konnte, bis unsere Schwänze für die Richtige erwachten, so war es doch unerlässlich, dass wir unsere Frau befriedigen konnten, wenn es endlich so weit war. Sobald ein Schwanz erwacht war, beherrschte er den Mann und er würde ihn dazu drängen, seine Partnerin hart und oft zu ficken. Nicht in der Lage zu sein, die eigene Partnerin zu beglücken war eine große Schande und eines jeden Mannes größte Furcht.
Bis mein Körper erwachen würde, lebte ich einzig für die Pflicht. Nicht fürs Vergnügen.
“Ja,” antwortete Nial. “Wie hätte ich auch widerstehen können?” Sein Lachen entlockte mir ein Grinsen und er war offensichtlich überglücklich mit seiner Partnerin. Als Prillone hatte er zwar keinen schlafenden Schwanz wie die alleinstehenden Aleraner, aber ich wollte nicht bezweifeln, dass sich beim Anblick seiner ausgewählten Partnerin sein Schwanz aufgerichtet hatte und bis heute nicht mehr abgeschwollen war.
“Entschuldige, Nial, aber wer ist Trinity? Und was ist das Problem?”
“Oh, ja.” Er räusperte sich. “Wie gesagt, ich sende drei Frauen nach Alera. Sie müssen unter allen Umständen beschützt werden. Hast du verstanden? Alle verfügbaren Mittel, jeder Freund, jede Waffe muss für diese Frauen von der Erde aufgewendet werden. Sie müssen beschützt werden, egal, was es kostet.”
Mein Verstand raste. Frauen von der Erde? Auf Alera? Unter der persönlichen Aufsicht von Prime Nial?
“Es ist mir eine Ehre,” sprach ich. “Du hast mein Wort. Aber ich verstehe das nicht. Wer sind sie? Und warum kommen Erdenfrauen hierher?”
Die Erde war ein rückständiger Planet und noch kein vollwertiges Mitglied der interstellaren Koalition. Sie waren Mitglied auf Probezeit und man hätte sie für mindestens ein weiteres Jahrhundert in Ruhe gelassen, wären die Hive nicht so nahe an die Erde herangerückt. Meines Wissens nach gab es noch nicht einmal Erdenfrauen, die übers Programm für interstellare Bräute nach Alera entsendet worden waren.
Nials Partnerin musste mitgehört haben, denn sie beantwortete meine Frage. “Sie sind von der Erde, Leo, was bedeutet, dass sie zu mir gehören. Mein Volk. Sie müssen beschützt werden. Okay?”
Ich antwortete im selben Erden-Jargon. “Okay. Sie haben ebenfalls mein Wort. Ich werde sie beschützen, und zwar mit meinem Leben.”
“Gott sei Dank.” Da, schon wieder. Sie dankte einem männlichen Gott, obwohl jeder Gelehrte wusste, dass der Schöpfer weiblich war. Seltsame Kreaturen, diese Erdlinge. “Und jetzt zu Trinitys Problem. Sie hat eine Art Paarungsfieber, wie ein Atlane, aber nicht ganz. Auf der Erde hätte sie beinahe einen armen Typen erledigt, ihn ausgesaugt, verstehst du?”
Wovon zum Teufel redete die Frau? Wie konnte eine zierliche, sanfte, liebliche Frau einen Mann zu Tode saugen? Wollte Jessica damit etwa sagen, diese Trinity hatte auf der Erde zu feste an einem Schwanz gelutscht? Waren die Erdenmänner derartige Schwächlinge, dass sie an etwas extrem Angenehmen verrecken würden? War diese Erdenfrau einfach zu gut darin? Ich befühlte meinen Schwanz in meiner Hose und fragte mich, wie es sich wohl anfühlte, von einem heißen, feuchten Mund genommen zu werden.
“Nein. Verstehe ich nicht,” entgegnete ich, denn ich war total perplex. Mein Schwanz rührte sich bei der Vorstellung zwar nicht, aber ich war neugierig.
Nial redete dazwischen. “Trinity hat die Aleranische Gluthitze. Frag mich nicht, wie eine Erdenfrau in diese Verfassung kommt, denn ich kann es dir nicht erklären. Erdenmänner haben nicht genug Kraft, um ihre Lust zu befriedigen ohne dabei draufzugehen, also habe ich Lord Jax bauftragt, ein paar Garden vorbeizuschicken, und einen—wie nannte er das nochmal?“
“Einen Mann für alle Gelegenheiten,” antwortete seine Partnerin. “Jemanden, mit dem sie Sex haben kann, damit sie ein bisschen runterkommt. Der soll sich besser gut anstellen, Nial. Dieser Mann hat hoffentlich das Geschick eines Profistrippers und ein Gehänge wie ein Hengst, denn ich kann sie nicht einfach wie eine Trophäe irgendeinem Alien-Freak überreichen, der sie gar nicht verdient hat.”
Meine Augenbrauen flogen schockiert nach oben. Ich hatte keine Ahnung, was ein Profistripper sein sollte oder ob Hengste große Schwänze hatten. Ich musste davon ausgehen, dass sie groß waren. Meiner war groß, er kuschelte sich an meinen Innenschenkel, in meiner Uniformhose. Und er war noch nicht einmal steif. Brauchte eine Erdenfrau mehr als das, um befriedigt zu werden? Ihre Soldaten in den ReCon-Teams waren nicht besonders groß. Vielleicht hatten ihre Frauen eine eigenartige Anatomie, die dazu gemacht war, extrem gut bestückte Männer in Empfang zu nehmen.
Nein. Ich hatte Erdenkrieger von der ReCon in der Dusche gesehen und war von ihren Schwänzen alles andere als beeindruckt gewesen—meistens jedenfalls. Aleraner waren sehr, sehr viel besser ausgestattet.
Es war nichts Ungewöhnliches, den Dienst eines Mannes für alle Gelegenheiten in Anspruch zu nehmen. Ältere Männer, die ihre Partnerin verloren hatten, konnten ihn trotzdem hochkriegen und mit Frauen unserer Spezies schlafen. Unter den wohlhabenden Familien war es durchaus üblich, dass wenn bei einer Tochter die Gluthitze einsetzte und diese noch nicht bereit war einen Partner zu suchen, sie die Dienste eines solchen Mannes nutzte.
Sie waren kein Schnäppchen, aber wie ich hörte, waren die Frauen mit den Männern immer sehr zufrieden. Tatsächlich waren Männer für alle Gelegenheiten bei den royalen Familien so hoch angesehen, dass verwitwete Männer sich gerne den noblen Häusern zur Verfügung stellten und im Gegenzug für ihre Leistungen allen erdenklichen Komfort und Schutz genossen.
Qualifizierte Männer waren selten. Und teuer. Und normalerweise standen sie nicht einfach so zur Verfügung, um auf Kommando eine Alien-Frau zu ficken.
Wer waren diese drei Frauen?
“Leo? Hörst du mich?”
“Ja.”
“Kannst du zum Transportzentrum fahren? Lord Jax schickt den Mann und fünf seiner persönlichen Garden, um sie in Empfang zu nehmen. Ihre Ankunft muss geheim bleiben. Niemand darf erfahren, wer sie sind oder woher sie kommen.”
Ich wusste, dass sie von der Erde kamen, aber ich hatte keine Ahnung, wer diese Frauen waren. Das würde also kein Problem werden. “Verstanden. Weiß Lord Jax, dass du mich kontaktiert hast?”
Nial lachte wieder und am liebsten hätte ich ihm auf die Schulter geklopft, genau wie früher. “Natürlich nicht. Ich kenne ihn, aber seine Familie kenne ich nicht. Seine Garden kenne ich nicht. Ich traue ihnen nicht, nicht so, wie ich dir vertraue. Ich vertraue niemandem in dieser Angelegenheit, niemandem außer dir. Du musst die Frauen beschützen. Stell sicher, dass Trinity ihre Gluthitze in den Griff bekommt und dann hilf den Frauen mit was auch immer sie auf Alera suchen. Hilf ihnen. Und stell keine Fragen.”
“Du hast mein Wort.”
“Du musst ihr Leben beschützen.”
“Jemand will sie töten?”
“Ja. Und ich will nicht, dass man sie findet. Das ist alles, was du wissen musst.”
Seltsam. Aber ich war Soldat und ich war es gewohnt Befehle auszuführen. Ich würde nicht rumdiskutieren oder Fragen stellen, schon gar nicht, wenn der Anführer der Galaxie mich um einen persönlichen Gefallen bat. “In einer Stunde werde ich an der Transportstation sein.”
“Hey, Leo?” Jessicas Stimme klang jetzt anders, sie war tiefer geworden, schwül. “Wenn du sie siehst, werden sie dir nicht glauben, deshalb verwenden wir Trinitys Lieblingsspeise als Codewort. Erdbeereis. Alles klar? Du sagst das Codewort und sie werden wissen, dass ich dich geschickt habe.”
“Ja, werte Dame.”
“Gut,” sprach Nial. “Leo, noch eine Sache. Sollte Lord Jax mich hintergehen, dann töte ihn.”
Verflixt. Die Jax-Dynastie war extrem wohlhabend und mächtig, und der Prime auf Prillon hatte mir soeben gestattet, ihren geliebten Sohn zu ermorden. Wer waren diese Erdlinge? Und wer hatte es auf sie abgesehen? Auf Alera?
Was irrelevant war. Ich sollte sie beschützen und das würde ich. “Verstanden.”
“Danke. Eine Stunde.” Das merkwürdige Surren in meinem Kopf verstummte, was blieb, war das behagliche Zirpen der Nachtinsekten und das Hämmern meines eigenen Pulsschlags in meinen Ohren. Drei Frauen von der Erde, von denen eine schleunigst gefickt werden musste. Nicht meine übliche Nachtwache, aber ich war bereit. Ich rückte meinen Schwanz in der Hose zurecht. Stopp, ich würde das nicht bewerkstelligen, der Mann für alle Gelegenheiten würde es tun.
3

Trinity, Planet Alera, Mytikas-City, Transportstation
Ich taumelte über die Transportfläche, als die Kälte aus meinen Knochen wich. Der stechende Schmerz meiner erwachenden Glieder bewirkte, dass ich mich zu einem Bündel zusammenrollen und weinen wollte. Ich blickte kurz zu Faith und Destiny und sah, dass sie dieselben elenden Schmerzen erlitten.
“Alles in Ordnung?” fragte ich.
Sie nickten. Sie schüttelten ihre Arme aus und ließen die Köpfe kreisen, um ihre Nackenmuskulatur aufzulockern.
Der Transportraum sah genauso aus wie auf der Erde, aber genau wie Dorothy in Der Zauberer von Oz waren wir in einer gänzlich anderen Welt. Die Aleranischen Männer vor uns sahen nicht gerade wie Zwerge aus. Sie waren groß. Nicht so groß wie der Atlane im Bräutezentrum auf der Erde, aber jeder Holzfäller wäre wohl blass vor Neid geworden.
Sechs Aleranische Männer warfen uns grimmige Blicke zu.
“Willkommen auf Alera,” sprach einer von ihnen.
Himmel, Alera. Wir waren wirklich hier. Ich blickte mich um. Eine Wand. Keine irdische Wand. Es würde kein Zurück mehr geben, schließlich waren wir Lichtjahre von der Erde entfernt. Keine Zeitzonen, sondern eine ganze Galaxie trennte uns jetzt vom Leben, wie wir es bisher kannten. Wir waren in unserer eigenen Science-Fiction-Saga angekommen, und ich war keine Prinzessin Leia. Ich biss meine Lippe, denn es war leicht überwältigend.
Alera.
Der Transport musste mich gefühlsduselig gemacht haben, denn ich war den Tränen nahe. Was für eine verfluchte Scheiße. Diesen Morgen wollte ich noch arbeiten gehen und jetzt befanden wir uns auf Alera, auf der Suche nach unserer Mutter. Und das war noch nicht alles. Alle in diesem Raum Anwesenden erwarteten von mir, dass ich noch heute Abend mit einem Fremden ficken würde. Jetzt gleich. Einem Alien. Einem Mann, den ich nie kennengelernt hatte und den ich vielleicht nie wieder sehen würde.
Von wegen romantisch … Ich war zwar keine Jungfrau mehr, aber das musste nicht heißen, dass ich mal eben mit Wildfremden fickte. Ich hatte noch nie ein One-Night-Stand gehabt, belangloser Sex behagte mir nicht. Keine Kumpels mit gewissen Vorzügen. Wäre mein Körper nicht auf hundertachtzig aufgeheizt, dann würde ich den Gigolo—nein, den Mann für alle Gelegenheiten—zum Teufel jagen und mich auf meine Mutter konzentrieren.
Und dieser Mann? Jener Typ, mit dem ich mich so schnell wie nur menschlich möglich nackig machen und in die Horizontale begeben sollte? Es war ziemlich offensichtlich, wer er war. Die anderen fünf trugen identische Uniformen und standen einen Schritt hinter ihm. Der Mann infrage war gutaussehend, muskulös und mindestens zwanzig Jahre älter als ich. Er sah aus wie fünfzig, mit dunklem Haar und silbernen Strähnen an den Schläfen. Er hatte einen adretten Anzug an. Marineblau. Seine Schultern waren breit und sein Blick wohlwollend. Das würde helfen. Gott sei Dank war diese Gluthitze eine einmalige Sache. Etwa so, wie von einem außerirdischen Stecher entjungfert zu werden. Sobald die Gluthitze vorüber war, würde ich normal weiterleben können. Mir ein neues Zuhause aufbauen. Ich würde es überleben. Solange ich nicht vor Scham verrecken würde.
“Verehrte Damen, ich bin Cassander, von der Familie Jax. Es ist mir ein Vergnügen Ihnen zu dienen.” Der Mann verneigte sich und streckte die Arme aus, um uns die Garden vorzustellen. “Diese edlen Krieger sind treue Diener der Familie Jax. Wir stehen ihnen zur Verfügung.”
Seine Stimme war tief. Selbstbewusst. Ruhig.
Vielleicht würde eine Nummer mit ihm ablaufen wie ein Besuch beim Gynäkologen. Effizient. Unaufgeregt. Schnell.
Vorbei.
Wenn ich diesem Mann auf der Straße begegnet wäre, dann hätte ich wohl bemerkt, wie großartig er sich gehalten hatte. Er war groß, genau wie die Garden hinter ihm, aber um einiges älter. Ein Silberfuchs, wie meine Mutter gesagt hätte.
Die Garden waren allerdings jünger. Ihre dunklen Uniformen umzeichneten jede Kurve, jeden Muskelstrang und … andere Dinge. Rasch wandte ich den Blick ab und bemerkte, wie Destiny mich beobachtete.
“Schade, dass du es nicht mit einem der Garden treiben kannst. Heilige Sexbombe.”
“Halt die Klappe.” Meine Antwort war pathetisch. Wie im Kindergarten. Leider fiel mir nichts Besseres darauf ein.
“Lass sie in Ruhe. Trinity soll es hinter sich bringen, damit wir uns Wichtigerem zuwenden können.” Faith verschränkte die Arme, sie stieg von der Plattform und näherte sich einem der Garden an. “Ich nehme an, wir werden nicht hier in dieser Transportstation verweilen.”
“Natürlich nicht. Wir haben ihnen eine Unterkunft für die Nacht besorgt. Wir werden Sie bewachen, bis Herr Cassander nicht mehr gebraucht wird.” Der Mann verneigte sich leicht, aber eher als Zeichen des Respekts einer Dame gegenüber als Zeichen bedingungslosen Gehorsams. Meine Schultern entspannten sich leicht. Gut. Diese Männer waren hier, sie folgten ihren Befehlen und sie hatten keine Ahnung, wer wir waren. Prime Nial hatte Wort gehalten.
Ich bezweifelte, dass wir wie Prinzessinnen aussahen. Mein verdammtes Shirt war immer noch verkehrt herum. Ich musste mich fragen, ob Cassander überhaupt auf mich stand. Würde er überhaupt mit mir schlafen wollen? Wann hatte ich mir das letzte Mal die Beine rasiert?
Stopp. Was? “Bis er nicht mehr gebraucht wird?”
Ich blickte zu ihm rüber und ertappte ihn, wie er mich mit den Augen auszuziehen schien. Das professionelle Interesse in seinen Augen von vorhin hatte sich zu etwas anderem gewandelt. Etwas, was mir im Moment völlig egal war. Lust. Begierde. Ich war eine beliebige Schlampe und sein Job war es, mein Loch zu füllen.
Na toll. Einfach nur toll.
“Es kommt auf die Frau drauf an, werte Dame,” erläuterte Cassander. “Einige benötigen zwei Tage meiner Zuwendungen. Andere sogar vier. Nur du wirst wissen, wann alle deine Bedürfnisse befriedigt wurden. Ich verspreche, ich werde alle deine Wünsche erfüllen.”
Würg. Mein Wunsch war es, möglichst schnell von diesem Typen wegzukommen.
“Gütiger Gott, Trin. Vier Tage? Wir haben keine Zeit.” Destiny klang abgebrüht wie immer. Leider hatte sie recht. Oder zum Glück, denn wenn ich es mit diesem Typen treiben müsste, dann würde ich es so schnell wie möglich hinter mich bringen … in einer Stunde. Nicht vier verdammten Tagen.
“Was passiert, wenn ich mich nach einem Tag davonmache, selbst, wenn ich nicht vollkommen—befriedigt wurde? Was passiert dann?”
Er wirkte schockiert, als ob er diese Frage zum ersten Mal hörte. Was? Alle anderen wollten offensichtlich tagelang im Bett verschwinden und endlos Sex haben. Ich aber nicht.
Scheiße. So gesehen hörte es sich gar nicht so krank an. Welche Frau würde denn nicht ohne Unterlass gefickt werden wollen …, und zwar immer wieder? Dieser Mann war ausschließlich anwesend, um mich auf alle erdenklichen Weisen zu befriedigen. Was bedeutete, dass er alle meine Wünsche erfüllen würde. Mir geben würde, was immer ich wollte.
Ich würde einfach die Augen zumachen und so tun, als wollte ich tatsächlich … von ihm angefasst werden. Als ob er meine Gedanken lesen konnte—und beleidigt war—richtete er sich auf und plusterte die Brust raus. Toll. Selbst Männer für alle Gelegenheiten hatten empfindliche Egos. “Wenn du früher gehst, wird die Erleichterung nur vorübergehend sein. Kurz danach wird dein jetziger Zustand dich erneut überkommen,” sprach er voller Überzeugung.
“Wie lange danach?” Wenn mir ein paar Wochen blieben, dann konnten wir unsere Mutter aufspüren und unsere Zukunft in Angriff nehmen. Vielleicht würde ich sogar einen Mann finden, den ich tatsächlich mochte und mit dem ich es treiben wollte, um die Gluthitze zu beenden.
“Binnen Stunden, wie mir berichtet wurde.” Er neigte den Kopf zur Seite und plötzlich kam er mir vor wie ein Zuhälter. Offensichtlich hatte er in seiner Aufgabe noch nie versagt. Seine Kundinnen hatte er wohl immer befriedigt. Permanent. “Ich werde mich bestens um dich kümmern. Du hast mein Wort.”
Verflucht. Ich konnte nur hoffen, dass ein einziger Tag mit ihm reichen würde. Aber ich vermutete, dass es wohl eher vier Tage dauern würde. “Dann lass uns gehen.”
Ich wirkte wohl nicht besonders begeistert—genauso fühlte ich mich auch—, denn Faith reckte die Hand aus und pfiff mich zurück. “Warte.”
“Was?” fragte ich, schließlich wollte ich es hinter mich bringen, damit wir endlich unsere Mutter suchen konnten.
“Du musst nicht mit ihm gehen. Himmel, das ist doch lächerlich. Warum würdest du mit einem Typen schlafen, wenn du nicht auf ihn stehst? Das ist … schräg. Es ist falsch. Hier stehen noch fünf andere Typen. Der Zweite sieht süß aus.”
Die Garden warfen sich fragende Blicke zu, wahrscheinlich wollten sie herausfinden, wer von ihnen ‘der Zweite’ war.
“Sie hat recht, Trin,” bekräftigte Destiny. “Es ist wie deine Entjungferung. Das macht man nicht einfach so nebenbei.”
Ich verdrehte die Augen, dann lehnte ich mich an Faith heran. Destiny trat näher, sodass wir einen Kreis bildeten. “Stell dir vor du nimmst deinen Vibrator und du bist kurz davor, du bist wirklich kurz vorm Kommen. Du bist direkt an der Schwelle … und die Batterie gibt auf.”
Destiny machte ein witzig schmachtendes Geräusch. Wir wohnten zwar alle noch Zuhause, aber wir waren allesamt erwachsen. Wir hatten Vibratoren und Freunde und Sex und ein echtes Leben.
“Genau so geht es mir. Die ganze Zeit.”
Faith biss ihre Lippe und warf mir einen mitleidsvollen Blick zu. “Dann such dir einen aus. Sechs Typen sind hier. Einer davon müsste doch deiner hysterischen Mumu zusagen.”
Darauf musste ich lachen. Ich strich Faith über den Kopf und wir drehten uns gemeinsam um und starrten auf die Männer. Alle sechs. Der ältere Mann war verlockend, aber nicht verlockend genug. Destiny hatte recht. Der zweite Wächter war wirklich heiß.
Cassander wirkte jetzt verärgert, als ob wir ihn nicht nur beleidigt hatten, sondern auch noch vollkommen bescheuert waren. “Bei allem Respekt, werte Damen, die Garden werden nicht imstande sein, sie so zu bedienen, wie es sich gehört. Nur ein Mann, der die Richtige für sich bereits getroffen hat, dessen Lanze von seiner einzig wahren Partnerin erweckt wurde, kann eine Frau beglücken. Männer meiner Sorte haben ihre Partnerinnen verloren. Meine Frau ist vor zwei Jahren in einem tragischen Unfall ums Leben gekommen. Ich bin der einzige hier, dessen Körper erwacht und voll funktionsfähig ist. Keiner dieser Garden hat eine Partnerin. Und Aleranische Männer schlafen nicht mit anderen Frauen, solange ihre Partnerin noch am Leben ist. Ich werde nicht zulassen, dass sie einen anderen Mann um diesen Gefallen bitten und so seine Partnerin entehren. Ich bin zwar nur ein einfacher Diener, aber meine Aufgabe ist heilig und sie wird auf ganz Alera geschätzt und geachtet.”
Na toll. Wir waren seit zwei Minuten hier und hatten bereits alle anwesenden Aleraner beleidigt.
“Verzeihung, Cassander. Es war nicht unsere Absicht, dich oder die Garden zu beleidigen. Ich würde niemals einen Krieger darum bitten, seine Partnerin zu entehren. Nie.” Ich blickte zu den Garden. Faith und Destiny ebenfalls. Diese großen, knackigen Jungs, allesamt in unserem Alter, hatten noch nie Sex gehabt? Ihre Schwänze waren noch nicht aufgewacht? Mutter hatte diesen Umstand erwähnt, ihn erklärt, aber ich hatte ihr nicht geglaubt. Ich meine, auf der Erde waren alle Jungs über vierzehn geil wie Sau. Sie dachten von morgens bis abends an nichts anderes als Sex und wie sie in ein weibliches Höschen kamen.
Und diese fünf Garden waren noch nie erregt gewesen? Sie hatten noch nie Sex gehabt? Keinen Orgasmus?
“Heilige Scheiße,” flüsterte Destiny. “Ein Planet voller heißer Jungmänner. Die Fantasie einer jeden Frau.”
“Dann muss eben er hinhalten, Trin,” flüsterte Faith. “Mach einfach die Augen zu und denk an Justin Timberlake.”
Ich musste lachen. Faith war immer noch von ihrem Lieblingspopstar besessen. Ich beschloss, das Beste aus der kniffeligen Situation zu machen und ging auf Cassander zu; der verneigte sich und küsste meine Handfläche. Sein Kuss war warm. Angenehm. Die einfache Berührung bewirkte keine Wunder, aber ich brauchte keinen Lustrausch. Oder wahre Liebe. Ich musste nur diese außerirdische Gluthitze loswerden—so schnell wie möglich—, damit wir die Kidnapper aufspüren und Mutter retten konnten.
Abgesehen davon würden wir uns nicht hier im Transportraum die Kleider vom Leib reißen, also hatte ich wenigstens ein bisschen Zeit, um meine Vagina einzustimmen. Sie würde sich mit dem Plan abfinden müssen. Ich hatte keine Zeit, um auf diesem Planeten einen Partner für mich zu suchen. Jede Minute, die verstrich, war eine Minute länger, in der Mutter in tödlicher Gefahr schwebte.

Leo
Ich erreichte das Transportzentrum zehn Minuten früher, aber ich schreckte zurück, als ich fünf Garden der Jax-Dynastie durch den Seiteneingang eintreten sah. Unter ihnen befand sich ein Mann für alle Gelegenheiten, den ich wiedererkannte. Cassander von Jax war bei den Damen sehr populär. Genau genommen hatte ich Geschichten von frustrierten Männern gehört, deren neue Partnerinnen sich beklagten, weil Cassander ein besserer Liebhaber war.
Sicher, er hatte zwanzig Jahre mit seiner Partnerin verbracht, bevor diese gestorben war. Ich konnte mir nur ausmalen, welches Können und welche Fertigkeiten er dem weiblichen Körper und seinen Gelüsten gegenüber er an den Tag legen musste. Er wusste genau, wie er sie anfassen musste, wie er sie unterwürfig machte, damit sie jeden seiner Wünsche, jedes seiner Bedürfnisse erfüllte.
Sollte ich je die Richtige für mich finden, so hatte ich keinen Zweifel, dass ich sie umfassend befriedigen würde. Ihre Lustschreie würden meine Obsession werden. Wie ein Meister würde ich ihren Körper bedienen, ich würde jede Regung und jeden Atemzug studieren, bis ich zu ihrem Gebieter wurde und sie nach meinen Berührungen bettelte. Bis sie sich danach sehnte. Bis sie ohne mich keine Erleichterung finden würde.
Ein eigenartiger Duft stieg mir in die Nase und plötzlich fing mein Schwanz an zu zucken.
Mein Schwanz regte sich. Von ganz allein. Was zum Teufel?
Nur eines zarten Dufts wegen, nämlich dem Duft einer durchscheinenden Aleranischen Blume, die so üppig in den Zitadellengärten, in denen ich als Kind gespielt hatte, wuchs. Irre.
Ich war schon seit Jahren nicht mehr in die Zitadelle gegangen und der liebliche Duft hätte mich nicht anregen dürfen. Noch länger war es her, seit ich töricht genug gewesen war und meine Nase im Zentrum der seidigen Blütenblätter vergraben und ihren Duft eingesogen hatte. Als die Königin hier lebte und regierte, spielte ich im Garten, während mein Vater sich mit den anderen Garden absprach. Die Zitadelle aber war weit entfernt und auf meiner Fahrt vom Wachturm war ich auch nicht an den heiligen Gärten vorbeigekommen. Vielleicht wehte der Wind den Duft bis zu mir, versteckt in der Dunkelheit, ein spöttisches Phantom glücklicherer Tage.
Eigenartig. Jahrelang hatte ich nicht mehr an diese langen, hellen Tage zurückgedacht. Aber der Blütenduft verweilte, als ob er einen eigenen Willen hatte und sich an meinen Körper heftete. Um meinen Schwanz anzustacheln? Es war ein Duft, keine Frau. Vielleicht sollte ich mal zum Arzt gehen.
“Hör auf zu träumen und beweg dich, Soldat.” Mit gedämpfter Stimme raunte ich mir den Befehl zu. Drei Frauen befanden sich in diesem Gebäude und ich hatte Prime Nial versprochen, sie zu beschützen. Ich wusste nicht, wer sie waren, oder warum sie ausgerechnet von der Erde kamen. Aber diese Fragen waren irrelevant. Ich brauchte nicht ihre Namen zu kennen, um für sie zu sterben. Das war der Schwur eines jeden Kriegers. Für Unschuldige zu sterben, die er oder sie niemals gekannt hatte. Sie zu beschützen, weil sie jemanden brauchten, der stärker, der beflissener war als sie, um sie zu verteidigen.
Als ich die schattige Straße verlassen und ins Gebäude eintreten wollte, geriet ich ins Stocken. Drei Schatten schlichen über das Dach.
Killer.
Momente später waren sie wieder verschwunden, verschluckt von der Dunkelheit, als ob sie nie da gewesen wären. Phantome. Aber ich hatte sie gesehen. Ich wusste, dass sie echt waren.
Wusste, dass sie auf der Jagd waren.
Es bestand kein Zweifel daran, warum sie hier waren. Warum sie getarnt und lautlos übers Dach huschten.
Die Erdenfrauen.
Wer waren die drei? Und woher kamen die Killer? Wohl nicht im Auftrag von Lord Thordis Jax? Nach allem, was ich gehört hatte, war er ein anständiger, ehrenwerter Mann. Aber seine Familie war vielleicht nicht so anständig. Oder waren die Auftragskiller diesen Frauen von der Erde gefolgt? Von Prillon Prime? Nials Partnerin, Lady Deston, hatte so geklungen, als ob die Frauen ihr persönlich am Herzen lagen. Vielleicht hatte, wer auch immer diesen Damen nachstellte, es auf Prime Nial, seinen Sekundanten und ihre Partnerin abgesehen. Warum aber waren die Frauen dann auf Alera und nicht auf Prillon?
“Wo steckt ihr Mistkerle?” Meine Stimme war so leise, ich konnte kaum meine eigenen Worte hören, als ich die Dächer und Gebäude nach Bewegungen absuchte. Ich war kein ausgebildeter Killer, aber ich war sehr, sehr gut im Töten. Und Wache halten. Abwarten. Ich war auf der Jagd.
Die Tür ging auf und ein Fahrzeug fuhr vor. Ein großer E-Sprinter kam zum Stehen und ich sah, wie zwei Garden das Transportzentrum verließen und Fahrzeug und Fahrer überprüften, bevor sie die drei Frauen, den Begleiter und die restlichen Garden einsteigen ließen. Das Shuttle war groß und schnell, wie ein Blitz raste es an mir vorbei, während ich meinen Tracker in die Luft schleuderte. Die kleine, autonome Drohne würde ihnen unbemerkt hinterher fliegen und mir jeden Haltepunkt und jedes Ziel am Computer anzeigen. Mit ihren Koordinaten würde ich ihnen mühelos folgen können.
Ich rannte zu meinem eigenen Sprinter und fuhr ihnen nach, dann allerdings erblickte ich eine zweite Drohne, die dem Shuttle folgte und musste die Stirn runzeln. Lord Jaxs Gefährt war sehr viel schneller als meines. Sehr viel teurer. Mein Soldatenlohn erlaubte solche Extravaganzen nicht und solange mein E-Sprinter mich von A nach B brachte, war mir das auch egal. Ich war nicht verschwenderisch. Je nach Zielort würde ich allerdings direkt hinter ihnen bleiben, oder zwanzig Minuten später eintreffen.
Die Killer jedoch würden wohl den besten Sprinter fahren, den man mit Geld kaufen konnte. Sie würden ihre Beute beobachten und herausfinden, wohin sie unterwegs waren. Ihnen nachstellen. Angreifen. Töten.
Scheiße. Ich schaltete mein Komm-Gerät an und kontaktierte Thordis Jax. Sein tränensäckiger Assistent beantwortete den Anruf.
“Hallo? Es ist mitten in der Nacht, Sir. Wer sind Sie und warum rufen Sie an?”
“Ich muss mit Lord Thordis Jax sprechen. Ein Notfall.” Ich blickte von den Drohnen aufs Heck des Sprinters mit den Erdenfrauen.
“Nein, ist es nicht. Lord Jax schläft gerade und ich versichere Ihnen, was immer das für ein Notfall ist, er kann bis zu angemessener Stunde warten.”
“Hören sie zu,” konterte ich mit tiefer Stimme. “Wecken Sie ihn auf. Sagen Sie ihm, seine Ehrengäste werden von Killern verfolgt.”
“Wer sind Sie?” wollte er wissen, anstatt mich ernst zu nehmen.
“Das ist egal. Wecken Sie ihn verdammt nochmal und übermitteln ie ihm die Nachricht.”
Der alte Herr schnaufte, rieb sich die Augen und ich tippte aufs Komm-Gerät, um das Gespräch zu beenden. Was für ein Idiot. Mir blieb keine Zeit für Diskussionen und ich hatte nicht vor, ihm meinen Namen zu sagen. Besonders da ich nicht wusste, ob dieser scheinbar unbedarfte alte Diener den Feinden von Prime Nial eventuell Informationen zuspielte. Prime Nial hatte selbst gesagt, dass er niemandem vertraute.
Ich war auf mich allein gestellt.
Das Killerkommando würde mich zu ihrem Ziel führen. Der Sprinter mit den Erdenfrauen war seit zehn Minuten außer Sicht. Auf meinem Bildschirm konnte ich sehen, wie sie sich immer weiter entfernten. Verdammt nochmal.
Die Killer würden nicht lange warten. Sie würden ihren Auftrag ausführen, schnell und gnadenlos, und dann in die Nacht verschwinden. Ich konnte nur hoffen, dass ich es schaffen würde, bevor sie alle Garden ausgeschaltet hatten.
4

Trinity, Penthouse ‘Grande’ im Summit-Gebäudekomplex, Mytikas
Cassander war nicht nur ein Gigolo, sondern auch ein Touristenführer. Auf der Fahrt hatte er uns alles Mögliche über Mytikas berichtet, der Hauptstadt, in der wir uns befanden. Sie erinnerte mich an New York oder Hongkong. Weitläufig. Überladen. Ich hätte gedacht, wir befänden uns auf der Erde, hätte unser Gefährt nicht wie ein futuristisches Ei aus einem Buck-Rogers-Comic ausgesehen.
Dasselbe galt für unser Hotel. Es war protzig, wie ein Ritz. Oben gab es sogar ein Penthouse. Geld und Status schien nicht nur auf der Erde den Unterschied zu machen. Wir befanden uns in einer Suite, mit Ausblicken wie in Las Vegas. Nichts als Lichter und Hochhäuser. Ich wusste absolut nicht, wie spät es war, aber es war dunkel draußen. Ich war kein bisschen müde, aber das musste wohl am Adrenalin liegen. Daran, und an meinem konstanten, unersättlichen Hunger nach männlichen Händen. Ich kam mir vor wie ein Junkie auf der Suche nach dem nächsten Schuss. Sex war praktisch das einzige, woran ich denken konnte. Mein Körper schmerzte tatsächlich.
Nach ein paar Orgasmen würde ich mich vielleicht besser fühlen und direkt zusammenklappen.
“Lord Jax hat euch drei Schlafzimmer zur Verfügung gestellt,” sprach Cassander und deutete auf die Türen im Hauptzimmer der Suite. Der Raum war elegant eingerichtet, mit sanften Beige- und Bronzetönen und schrie nur so nach Luxus und Reichtum. Oh ja, Lord Jax hatte es definitiv drauf. Die Wände waren mit Kunstwerken gepflastert; abstrakte Malereien, die sich an Aleras Landschaften orientierten, aber sie hätten ebenso gut den Grand Canyon darstellen können. Bis auf die automatischen, Star Trek-mäßigen Schiebetüren sah die Suite ganz behaglich aus … und normal. Als ob Alera und die Erde gar nicht so verschieden wären. “Die Garden bleiben hier und sorgen für eure Sicherheit, während wir … beschäftigt sein werden. Jede von euch hat ein eigenes Zimmer, meine Damen. Trinity und ich werden dieses hier nehmen.”
Cassander war Mann genug, um meine Hand zu nehmen und mich Richtung Schlafgemach zu führen. Sein Griff war sanft, warm, aber er beruhigte mich nicht, sondern machte mich nur nervöser. Oh ja, ein Gigolo, der meine Aleranische Gluthitze lindern würde. Soooo anders als auf der Erde.
Faith kam vom Fenster zu mir rüber gelaufen, nachdem sie den Ausblick genossen hatte. “Ich werde einen Sessel an deine Tür stellen. Wenn du irgendetwas brauchst, dann … bin ich zu Ohren.”
Sie wurde rot und ich ebenfalls. Sie würde mitanhören, wie ihre Schwester Sex mit einem Fremden hatte. Ich zog eine Grimasse und Cassander bemerkte mein Unbehagen.
“Du hast vor mir nichts zu befürchten. Das verspreche ich, meine Dame. Ich werde dir nichts als Vergnügen bereiten.” Seine Fingerspitzen fuhren in einer verführerisch gemeinten Geste die Innenseite meines Handgelenks entlang. Stattdessen aber war ich irritiert. Meinem Körper gefiel die Geste, mit unerwartetem Interesse bebte er plötzlich auf. Ich aber? Das Hin und Her in meinem Kopf? Ich war wütend, verunsichert, ich hasse diesen Scheiß hatte definitiv die Oberhand gewonnen.
Ich blickte zu Faith und sie biss ihre Lippe. Ich war nicht sicher, ob sie ein höfliches Lächeln hervorbringen oder sich das Kotzen verkneifen musste.
“Hat dieses Ding echte Kugeln oder einen Laserstrahl oder was? Und wo kann ich eines bekommen?” fragte Destiny. Faith und ich wandten uns zu unserer neugierigen—und skrupellosen—Schwester um, als die gerade einem der Wachleute die Space-Pistole aus dem Hüftholster zog.
“Ähm … Vorsicht damit,” warnte der Mann. Es war der zweite Garde, der heiße Schmacko. Der attraktivste unter ihnen, denn keiner war von ihnen war hässlich.
Destiny kniff die Augen zusammen, ihre lilafarbene Mähne fiel über ihren Rücken. Wie ein Dummy, der noch nie eine Waffe in der Hand gehalten hatte, wirbelte sie mit der Pistole herum. “Willst du damit sagen, dass jemand verletzt werden könnte?”
Der Wachmann würde ganz weiß im Gesicht und griff nach der Waffe.
Destiny gab nach und zielte mit dem Lauf auf den Boden. “Immer mit der Ruhe, Soldat. Ich habe nur Spaß gemacht.” Geschickt fuchtelte sie mit der Waffe herum. “Betäubungsmodus. Faszinierend.”
Faith rollte mit den Augen. “Sie wird stundenlang beschäftigt sein.” Faiths Blick wanderte über die Uniformen der Garden, sie musterte ihr Waffenaufgebot, Messer, Pistolen und merkwürdige Gerätschaften, die Destiny wohl mit größtem Interesse auseinandernehmen würde. Gäbe es so etwas wie einen Doktortitel in Waffenkunde, dann hätte sie ihn wohl an der Schlafzimmerwand hängen. Ich konnte mir bestens eine silbrig glänzende Plakette vorstellen, die von lila Bettzeug und lila angestrichenen Wänden umgeben in ihrem Zimmer thronte.
“Die Wachen kriegen gleich einen Herzinfarkt,” mahnte ich.
“Vergiss sie einfach. Vergiss uns oder was hier draußen läuft. Mach einfach … dein Ding.” Faith zog mich von Cassander weg und umarmte mich. Ihre Lippen ruhten an meinem Ohr und ihre Stimme war so leise, dass niemand sonst sie hören konnte. “Ich weiß, du hasst es. Tut mir leid. Aber wir müssen Mutter finden und du musst überleben, damit du uns helfen kannst. Okay? Wir bleiben hier. Wir halten zu dir. Das weißt du. Wir passen auf dich auf.”
Heftige Tränen. Die konnte ich jetzt so gar nicht gebrauchen. “Danke.”
Faith nickte und wandte sich von mir ab, sie nahm ihre neue Position im Sessel ein und bewachte den Flur, der zur Fickhöhle führte. Gütiger Himmel. Würde ich das wirklich durchziehen? Blieb mir eine andere Wahl? Jede Sekunde seit unserer Ankunft hatte meine Gluthitze nur verschlimmert. Ich wusste nicht, ob der Alien der Grund dafür war, oder die Luft oder was auch immer, aber meine Hitze hatte sich von einem seichten Brodeln in einen qualmenden Vulkan verwandelt. Ich konnte nicht mehr klar denken. Konnte kaum atmen. Ich war kein kleines Kind; ich konnte mich zusammenreißen, aber ich fühlte mich einfach erbärmlich. Miserabel. Aufgegeilt. Meine Haut war so empfindlich, dass Faiths Umarmung sie regelrecht zum Glühen brachte.
Verdammter Mist.
Ich blickte zu Cassander und streckte ihm die Hand aus, und zwar mit dem Enthusiasmus eines Schwerverbrechers, der sich einem Sondereinsatzkommando stellte.
“Wir sind hier, Trin. Gleich nebenan.” versicherte Faith mir ein weiteres Mal.
“Okay.”
Cassander entgegnete nichts und nahm mit einem sanften Ruck meine Hand. Ich gab nach und ließ mich ins Schlafzimmer führen. Ein großes Bett, alles klar. Es war riesig. Weiße Decken. Wulstige, kuschelweiche Kissen. Ich kam mir vor wie ein jungfräuliches Blutopfer, als er die Tür hinter uns schloss. Verriegelte.
“Wein, werte Dame?” fragte er, lief zu einem Tisch rüber und schenkte eine dunkle Flüssigkeit in zwei Gläser ein.
“Kann nicht schaden,” sprach ich mit einem Seufzen und hielt ihm die Hand aus. Ich nahm einen Schluck. Fruchtige Säure explodierte auf meiner Zunge. Es waren keine gegorenen Weintrauben, sondern etwas anderes. Aber es schmeckte gut und ich brauchte jetzt etwas flüssigen Mut. Ich musste mich locker machen.
Ich nahm einen weiteren Schluck, während Cassander sein Sakko abstreifte. Darunter trug er ein weißes, eng anliegendes Hemd. Als ob es das Normalste auf der Welt war, knöpfte er sich das Hemd auf und ließ es über seine Schultern gleiten. Er bestand aus reinster Muskelmasse. Schritt Eins seiner Verführungskünste: Wein. Schritt Zwei: Striptease.
Und ich war immer noch nicht angetörnt. Scheiße. Ich hatte immer noch keine Lust auf ihn, also hoffte ich, dass er ein paar Sextoys im Aufgebot hatte, vielleicht im Nachttisch versteckt, oder zumindest eine wirklich sündhafte Zunge. Ich spülte einen weiteren Schluck Wein runter und starrte auf die definierten Muskelpakete unter seiner Haut. Er war extrem gut gebaut. Ordentliche Arme. Ein wirklich ansehnlicher Rücken. So, wie meine Muschi pulsierte und meine Brüste spannten, hätte ich mich längst auf ihn werfen sollen. Ich hätte mich nackig machen, mich aufs Bett legen und die Augen schließen sollen, damit dieser Mann seine Wunder an mir vollführen konnte.
Er drehte sich um, Weinglas in der Hand, und schenkte mir einen verständnisvollen Blick. Wohlwollen, und Lust. Was war ich nur für ihn? Ein weiteres Kreuzchen auf seiner Strichliste? Seht nur, der berühmte Mann für alle Gelegenheiten, der die zukünftige Königin ficken darf? Er wusste das natürlich nicht, aber ich wusste es. Und die Sache behagte mir nicht.
Ich blickte aufs Bett und stellte mir vor, wie er in mich reinrammelte, während ich mich am Kopfende festhielt. Oder … den Kopf unters Kopfkissen steckte? Die Augen zukniff? Das Licht ausmachte?
Ich stellte mein Weinglas auf dem Nachttisch ab und schüttelte den Kopf. Nein, das würde nichts werden. Auf gar keinen Fall würde ich diesem Typen gestatten mich durchzuficken, egal, wie geschickt seine Zunge war. Vier Tage Vorspiel würden nötig werden, um meinen Verstand genauso auf Sex einzustimmen wie meinen Körper. Und selbst dann, bei der Vorstellung, wie er ächzend uns schwitzend in mich hineinpumpte, musste ich fast reihern. Nein. Gelegenheitssex war nicht meine Sache. Noch nie. Mein blöder Alien-Leib würde sich also zusammenreißen und eine Weile auch so klarkommen müssen.
Sicher, meine Muschi sehnte sich nach einem dicken Schwanz. Aber, sie hatte nicht das Kommando und sie würde etwas mehr Urteilsvermögen an den Tag legen müssen, als ein außerirdischer Prostituierter. Mumu würde sich einfach eine Runde entspannen müssen, verdammt nochmal.
“Cassander, ich bin sicher, dass du deinen Job wirklich großartig machst. Du bist echt ein Hengst, aber ich kann’s einfach nicht. Ich werde dir gerne ein tolles Feedback hinterlassen, aber manchmal muss ein Mädel einfach nein sagen.”
Er war völlig entsetzt. Schockiert. Als ob ich ihm eine mit der Betäubungspistole verpasst hätte. Hatte er noch nie einen Korb bekommen? Gott, sein Ego musste gigantische Dimensionen haben.
“Aber, verehrte Dame—”
Sein Handgelenk piepte. Er blickte auf das Gerät und wurde noch aufgebrachter.
“Was ist los?” fragte ich, als er besorgt auf sein Handgelenk starrte.
“Es gibt eine, ähm … Bedrohung. Ein Warnruf.”
Ich erstarrte, das Herz schlug mir bis zur Kehle. Er wollte mich vielleicht durchficken, aber jetzt war er derjenige, der sich auf Alera auskannte. Er hatte ein Hangelenksdingbums, das ihm Nachrichten sendete, wie diese extravaganten Armbandcomputer auf der Erde. Wenn er sagte, dass wir in Gefahr waren, dann glaubte ich ihm auch. Ich war die Fremde hier und ich musste ihm vertrauen, zumindest in dieser Sache.
“Lass uns rübergehen zu den Garden.” Er reichte mir den Arm und ließ mir den Vortritt. “Ich muss es ihnen sagen.” Ich ging Richtung Tür, hatte aber kaum zwei Schritte gemacht, als die Fensterscheibe plötzlich zersplitterte. Ich riss die Schultern hoch und ging neben der Tür in Deckung, meine Hände flogen instinktiv an meinen Kopf. Eine dunkle Gestalt schwang herein. Kopf bis Fuß in Schwarz gekleidet. Wie bei Mission Impossible hing er an einem Drahtseil.
Heilige Scheiße.
“Lauf, meine Da—“ Cassander wurde an der Brust getroffen und sackte zusammen, bevor er den Satz beenden konnte, während ich an der Tür herumfuchtelte. Der zweite Schuss schlug über meinem Scheitel in der Tür ein und ich kroch auf allen vieren in den Flur, während Cassander hinter mir nur so brüllte. Ich hörte Gerangel. Einen weiteren Schuss. Ich warf die Tür zu und schrie nach meinen Schwestern.
“Wir werden angegriffen! Lauft!”
Ich erblickte Faith, wie sie sich hinter ihrem Sessel duckte, neben ihr auf dem Boden lag ein toter Wachmann. Destiny schrie unanständige Zoten von irgendwo, ich konnte sie nicht sehen.
“Faith? Was machst du?”
Faith blickte zu mir, ihre Augen waren angsterfüllt. “Du weißt, dass ich nicht töten kann.”
Ich krabbelte an sie heran, als mehrere Schüsse im Wohnzimmer niedergingen. Das explodierende Glas ließ Faith zusammenzucken und sie lugte um die Ecke herum. “Aua. Das war ein schöner Tisch.”
“Im Ernst?” Ich zerrte sie aus dem Weg, um selber einen Blick um die Ecke zu erhaschen. Einer der Garden war noch am Leben. Einer. Aber er war verletzt. Schwer. Um seinen Kopf herum hatte sich auf dem edlen, beigefarbenen Teppich eine Blutlache gebildet, aber er atmete noch. Und meine Schwester Destiny blutete ebenfalls, sie tigerte durch den Salon und suchte nach einer Gelegenheit, um einen der Angreifer auszuschalten. Es handelte sich nicht um den Typen, der durchs Schlafzimmerfenster eingestiegen war, also musste es mehr als einen geben. Sie machte einen Satz vorwärts, packte seine Hände und bewegte sich so schnell, dass ich ihr nicht folgen konnte.
Faith lugte hinter dem Sessel hervor. “Himmel, unsere Schwester macht mir Angst.”
“Sei still und geh in Deckung.” Ich hatte den anderen Angreifer im Schlafzimmer noch nicht vergessen. Und ich wusste nicht, ob Cassander tot oder lebendig war.
“Was? Spinnst du?”
“Im Schlafzimmer ist noch einer,” fauchte ich. Ich drängte sie vorwärts und entnahm dem toten Wachmann auf dem Boden die Waffe, als wir auf der anderen Seite des Sessels in Stellung gingen. “Du behältst Destiny im Auge. Ich bewache den Flur.”
Stirnrunzelnd inspizierte ich die Waffe in meinen Händen. Mit Handfeuerwaffen kannte ich mich zwar ein bisschen aus—Destiny hatte uns einige Male mit auf den Schießplatz genommen—, aber die Waffe war mit nichts auf der Erde vergleichbar. Scheiße.
Die Schlafzimmertür flog auf und ich stieß Faith beiseite.
“Trin!”
“Beweg dich!”
Der Angreifer hatte seine Maske verloren und ich konnte sein Gesicht erkennen. Er hatte dunkles Haar und leuchtend grüne Augen. Auf der Stirn hatte er einen tiefen Schnitt davongetragen—Daumen hoch für Cassander—, aber ich wünschte, er wäre weiterhin vermummt geblieben, denn jetzt konnte ich seine Augen sehen, den grimmigen Ausdruck seiner geschwungenen Lippen, und ich erblickte nichts als tödliche Entschlossenheit. Ich hatte sein Gesicht gesehen und das bedeutete, dass er uns nicht verschonen würde, weil wir ihn sonst identifizieren könnten. Ich hatte genug Krimis gesehen und wusste, wie es lief.
Ich zückte meine Pistole und zielte auf den Killer. Er verengte den Blick, kam aber weiter auf mich zu. Ich drückte den Abzug oder was immer das sein sollte. Nichts. Scheiße. Wie funktionierte das Teil?
“Erschieß ihn!” Das kam von Destiny. Keine Ahnung, woher sie wusste, dass ich einem Killer gegenüberstand. Sie hatte wohl auch hinten Augen im Kopf.
“Ich kann nicht feuern!”
Destiny kassierte einen Schlag in der Magengegend ein, als sie sich mir zuwandte. Sie schlug zurück, feste, sie wirbelte herum und packte ihren Kontrahenten am Kiefer. “Oben entsichern, nicht an der Seite. Oranges Licht.”
Ich befolgte ihre knappe Anleitung, oder versuchte es zumindest, und drückte das orange leuchtende Licht. Das Licht wurde hellgrün. Ich hob die Pistole, aber es war zu spät. Er türmte sich über uns auf und zückte ein sehr, sehr langes Messer aus der Scheide an seinem Oberschenkel. Ich fing an zu schreien.
“Erschieß ihn!” brüllte Faith und warf einen Stuhl auf den Typen, um uns etwas Zeit zu verschaffen.
Ich feuerte. Ein Lichtblitz, oder ein Laser, oder was auch immer, schoss aus der Pistole. Mitten in seine Brust. Er lächelte nur.
Ich feuerte erneut. Noch einmal.
Er wirkte fast schon amüsiert. Entweder war die Knarre irgendwie falsch eingestellt oder er trug eine Kevlarweste für Aliens.
Scheiße.
Mit einem lauten Knall explodierte plötzlich die Eingangstür und meine Ohren schrillten vor Schmerz. Ich kniff die Augen zusammen, wusste aber, dass der Angreifer direkt vor mir war. Ich konnte ihm nicht entwischen. Faith ging auf die Knie und schützte ihren Kopf.
Der Killer wandte sich von mir ab und schaute Richtung Tür und auf einmal war jegliche Heiterkeit in ihm verflogen. Ich mochte ihm nichts anhaben können, wer auch immer gerade die Eingangstür in die Luft gejagt hatte allerdings schon.
5

Leo
“Erschieß ihn!” Hinter der Tür war eine Frauenstimme zu hören, gefolgt von mehreren Schüssen.
Ich wartete nicht länger und stellte den Sprengsatz an der Tür auf drei Sekunden. Ich hechtete zur Seite, schloss die Augen und zählte, mit gezückter Waffe.
Drei. Zwei. Eins. Drei verdammt lange Sekunden.
Die Explosion erschütterte den Flur, die Lichter über mir flackerten, sie erloschen kurz, sprangen aber wieder an, als ich die Suite stürmte.
Ich blickte mich um.
Eine Frau—mit merkwürdigen Haaren—kämpfte gegen einen der Killer.
Ein zweiter Killer lag tot auf dem Boden, umgeben von vier toten Garden. Gut und Böse waren leicht auseinander zu halten; die Garden trugen identische, familiäre Uniformen, die Killer waren ganz in Schwarz. Ihre Gesichter waren vermummt.
Ein weiterer Wachmann, wie es aussah der einzig Überlebende, kauerte auf dem Boden und versuchte nach seiner Waffe zu greifen, die Blutlache um ihn herum ließ aber vermuten, dass er höchstwahrscheinlich ohnmächtig werden würde, bevor er sie erreichte.
Die anderen beiden Frauen befanden sich am hinteren Ende des Raumes, sie kauerten hinter einem Sessel, eine von ihnen feuerte auf einen dritten Mörder.
Er riss den Kopf zu mir herum und war sich offensichtlich sicher, dass das Pistolenfeuer der Frau ihm nichts anhaben konnte. Unsere Blicke trafen sich.
Ich kannte dieses Gesicht. Er kniff die Augen zusammen, forderte mich heraus. Mistkerl. Prime Nial sollte recht behalten. Ich bezweifelte, dass er damit gerechnet hatte, dass die Frauen so kurz nach ihrer Ankunft bereits in Gefahr waren, und schon gar nicht mit dieser Sorte von Bösewichten. Kaum eine Stunde war seit ihrem Transport vergangen. Diese Frauen hatten irgendeine Macht inne, etwas, für das andere mächtige Leute bereit waren über Leichen zu gehen.
“Runter!” Ich rief den Frauen zu und hoffte, dass sie auf mich hörten. Ich zückte meine Waffe. Er trug eine Schutzpanzerung, aber das würde mich nicht davon abhalten, ihn mit einem präzisen Kopfschuss zu töten. Ich runzelte die Stirn, als der Killer kehrtmachte, losrannte und in einem Flur verschwand, wo sich ein Schlafzimmer befinden musste.
Ich war sicher, dass der Mann für alle Gelegenheiten dort lag. Tot. Hatten sie die Gluthitze der einen Frau schon gestillt? Ich bezweifelte es, schließlich war alles sehr schnell gegangen. Sie hatten kaum Zeit gehabt sich auszuziehen, geschweige denn eine Gluthitze wegzuficken.
Die beiden Frauen neben dem Sessel ignorierten meinen Befehl und standen auf, sobald der Angreifer aus dem Raum war. Sie wandten sich der dritten Frau zu, die immer noch in einen Nahkampf verwickelt war.
Verdammt. Zwei waren scheinbar in Sicherheit, aber die dritte steckte ihn Schwierigkeiten.
“Verpass ihm einen Tritt. Weg von dir!” Ich brüllte und stürzte auf sie zu. Der Killer war viel größer als sie und ich es überraschte mich, dass sie ihm so lange die Stirn geboten hatte.
Sie erhörte mich und verpasste dem Killer einen festen, schnellten Tritt in die Magengegend und sprang zurück, außer Reichweite. Sie ging bewusst aus der Bahn. Ich hob meine Waffe und zielte.
“Nicht töten!” Eine Frau neben dem Sessel kreischte dazwischen, aber ich ignorierte sie. Dieses Killerkommando war zu gefährlich, um ihn am Leben zu lassen. Er musste sterben. Einer von ihnen war bereits entwischt. Ich würde nicht noch einen davonkommen lassen.
Er war gepanzert, wie ich vermutet hatte. Ich feuerte trotzdem auf seine Brust und stoppte ihn vorübergehend. Das war alles, was ich brauchte, um ihm einen sauberen Kopfschuss zu verpassen.
Er fiel um wie ein Stein. Leblos. Die Frau, mit der er gerungen hatte, trat vorwärts, die Arme gebeugt und von sich gestreckt, die Hände zu engen Fäusten geballt, als ob sie bereit für den nächsten Schlagabtausch war und mit ihren schweren schwarzen Stiefeln trat sie gegen seine Flanke, nur um sicherzugehen, dass ich ihn erledigt hatte.
“Er ist tot. Ganz sicher,” sprach ich und stellte mich neben sie.
Sie wandte sich um und blickte zu mir auf. Ihr lila Haar wirbelte umher. Ihre Augen waren hellblau und vollkommen furchtlos. Ihre Pupillen waren geweitet, allerdings eher vom Kampfgetümmel als vor Schrecken. Sie war klein. Ihre merkwürdige Kleidung versteckte weder ihre Kurven, noch ihr Geschlecht. Und sie hatte eben einen der gefährlichsten Attentäter auf dem Planeten in Schach gehalten.
Erdenfrauen waren scheinbar tapfer. Waghalsig. Erbittert. Aber warum waren sie hier? Jetzt? Und warum hatte es jemand auf sie abgesehen?
“Wer bist du und was willst du hier?” Eine Stimme überrollte mich wie die lodernde Hitze eines Feuers und mein Schwanz zuckte. Schon wieder. Genau wie zuvor. Nein, er zuckte nicht nur, sondern er wurde dicker. Und länger.
Schockiert wandte ich mich den beiden Frauen neben dem Sessel zu. Eine hatte langes, braunes Haar und große, dunkle Augen. Sie sah freundlich aus. Sanft. Zu nett, um solch autoritäre Töne anzuschlagen.
Mein Blick wanderte zur anderen.
Heilige. Scheiße.
Augenblicklich verneigte ich mich vor der prächtigsten Frau, die ich je gesehen hatte, aber ich ließ sie nicht aus den Augen. Ich konnte nicht wegschauen, selbst wenn ich wollte. Eine seidige, goldene Woge umrahmte ihren Kopf und ihre Schultern und ich wollte einfach nur ihr Haar berühren. Ihre satten, blauen Augen starrten mich an und schienen jede meiner Bewegungen zu verfolgen. Ihre Lippen waren hellrosa und ich wollte sie einfach nur kosten, sie um meinen Schwanz herum spüren.
Meine Finger zuckten unwillkürlich, ich räusperte mich und überspielte das laute Stöhnen, dass sich gleich einer Explosion in mir anbahnte, als mein Schwanz dabei war sich vollständig aufzurichten. Plötzlich presste er gegen meinen Schritt und meine Uniformhose fühlte sich auf einmal viel zu klein für mich an. Ich war knochenhart, lang und dick. Und nun? Götter, es war, als ob mir ein dickes Rohr am Innenschenkel wuchs. Ich hatte keine Ahnung, wie steif er noch werden würde.
Zum ersten Mal in meinem Leben war ich erregt. Ich wollte, nein musste ihr näherkommen. Ich wollte sie ausziehen und hören, wie sie vor Lust meinen Namen herausbrüllte.
Ein einziger Satz von ihr genügte und ich wusste es. Sie war für mich bestimmt. Diese zauberhafte Kreatur, die mich mit gezückter Pistole anstarrte, war die Richtige. Meine Partnerin.
Verflucht.
Meine tiefe Überzeugung für immer als einsamer Soldat zu leben war wie weggeblasen. Insgeheim lachte ich über meine Unwissenheit. Ich würde nie wieder allein sein, denn ich würde diese Frau nie mehr aus den Augen lassen. Oder aus meinen Händen.
Ihre Kleidung betonte ihre Kurven. Enge blaue Hosen, gebraucht und ausgeblichen, als ob sie keinen Materiegenerator hatte und dieses Paar wieder und wieder übergestreift hatte. Ein ärmelloses Shirt. Sie war groß und schlank, aber trotzdem mit üppigen Kurven ausgestattet, mit Rundungen an allen richtigen Stellen. Rundungen zum Fummeln und Lecken, Zupacken und sogar Arsch versohlen.
Und fast wäre sie von ein paar verfickten Auftragskillern ermordet worden. Ich sah Rot und wollte den Typen wieder und wieder abknallen, wollte dem flüchtigen Killer nachstellen.
Mein Beschützerinstinkt erwachte wie ein lärmendes Monster, die Überbleibsel des Angriffs, die Leichen auf dem Boden, das Blut, die Bedrohung für meine Partnerin nahmen jetzt eine Färbung an, die ich Momente zuvor nicht verspürt hatte.
Mir.
Vor Zorn wie vor Lust zitternd fiel ich auf mein Knie und verneigte mich vor jener Frau, der ich den Rest meines Lebens widmen würde. “Ich bin Captain Leoron Turaya. Prime Nial hat mich beauftragt dich zu beschützen und dir zu helfen. Ich bedaure, dass ich so spät eingetroffen bin. Geht es dir gut?”
“Prime Nial hat dich geschickt? Wie lautet das Codewort?” fragte meine Partnerin mit hochgezogener Augenbraue. Sie war nicht bereit ihre Waffe zu senken. Ich konnte es ihr nicht verübeln, denn es war klug von ihr, dass sie misstrauisch blieb. Sie konnte niemandem trauen. Niemandem außer mir, aber das hatte sie noch nicht verstanden.
Ich blickte zu ihr auf. Verwirrt. Codewort? Ich dachte nach und dann fiel es mir wieder ein. Prime Nials Partnerin, Jessica, hatte gesagt, dass Trinitys Lieblingsspeise als Geheimcode diente. Jetzt verstand ich. “Erdbeereis.”
Keine Ahnung, was ich eben gesagt hatte, es war ein merkwürdiger Erdenbegriff, aber alle drei Frauen entspannten sich sichtlich. Meine Partnerin senkte ihre Waffe und ich sah, dass ihre Hände zitterten. Das ging gar nicht. Ich wollte sie glücklich sehen, zufrieden. Ich wollte sie in die Arme schließen und trösten, aber sie war hier nicht sicher. Keine von ihnen war hier sicher. Die Angreifer waren geflohen, aber sie würden zurückkommen. Diese Killer ließen keinen Job unvollendet. Wenn die drei hier tot genauso viel wert waren, wie ich vermutete, dann würde der nächste Übergriff noch gewiefter ausfallen. Und brutaler.
Nur über meine Leiche. Ich war hin- und hergerissen. Ich musste sie beschützen und verteidigen, kämpfte aber gleichzeitig mit dem Drang aufzustehen, zu ihr rüber zu laufen und die Richtige in meine Arme zu heben und sie gegen die nächste Wand zu pressen. Ich wollte meinen Mund auf ihren legen, mit den Fingern ihre merkwürdigen Hosen öffnen, ihre Mitte suchen und sie heiß und nass vorfinden. In ihr versinken. Endlich.
Mein Schwanz verstand nichts von drohendem Unheil, mein Körper wollte Action, selbst wenn meine Partnerin in Gefahr war. Der Drang würde nicht nachlassen, genauso wenig wie der Umfang meines harten Schwanzes, nicht, bis ich in ihr abgespritzt hatte. Bis sie meinen Namen schrie. Nicht einmal, nicht zweimal, sondern viele, viele Male.
Der Krieger in mir brach hervor, er rang mit meinem primitiven Sexinstinkt, nachdem dieser einen Moment lang die Kontrolle übernommen hatte. Der Krieger gewann. Für den Moment. “Ihr seid hier nicht sicher.”
“Ach was.” Die Frau mit der lila Mähne trat gegen den Leichnam zu ihren Füßen, dann bückte sie sich und zog ihm die Weste aus. Versiert prüfte sie jede Tasche und jedes Fach, jedes Versteck, in dem der Mörder nützliche Ausrüstung verstaut haben könnte. Dann blickte sie zu den anderen beiden hoch.
“Helft dem Wachmann. Ich kümmere mich um Waffen und Ausrüstung. Los!” Sie wedelte mit ihrer Knarre herum, als ob sie der Boss war und die anderen beiden wegtreten sollten.
Die brünette Frau lief zum verletzten Wachmann und schnappte sich eine kleine Decke und ein Kissen von einem der Sessel. Ich dachte, sie wollte ihn zudecken, stattdessen aber nahm sie sein Messer und schnitt die Decke in Bandagen. Sie ging auf die Knie und legte ihm einen provisorischen Verband um den Kopf, um die Blutung zu stoppen. Geschickt versorgte sie seine übrigen Verletzungen, dann schob sie ihm das Kissen unter den Kopf und blickte auf. “Gibt es hier einen Notruf? Du weißt schon, Sanitäter oder irgendjemand, der ihn versorgen kann? Einen Arzt? Hallo?”
Ich hörte ihre Worte, verstand aber nicht sofort, dass sie mit mir redete. Ich war viel zu sehr auf die Richtige fixiert, auf die Wölbung ihrer Wangenknochen, die Tönung ihrer Lippen, den Schwung ihres Nasenrückens. Ich schüttelte mich aus meiner schwanzgesteuerten Trance und nickte, dann zog ich den ReGen-Stift von meinem Gürtel und stellte ihn an, sodass das blaue Heillicht erleuchtete. Der Stift war zu klein, um die Wunden des Mannes vollständig zu versorgen, aber er würde die Blutung stoppen, bis er in einen ReGen-Tank kam. Es war besser als nichts—und alles, was ich hatte. “Ja. Nimm aber erstmal den Stift und wedel ihn eine Minute über seinen Kopf. Das wird ihn am Leben halten, bis Hilfe hier ist.”
Stirnrunzelnd beäugte sie erst das Gerät, dann wedelte sie den Stift über dem Kopf des Mannes hin und her, genau, wie ich es ihr aufgetragen hatte.
“Wir sollten schleunigst hier verschwinden. Der entwischte Killer wird sich nicht lange verstecken. Er ist ein Killer. Ihr seid hier nicht sicher.”
“Wir brauchen bis morgen früh ein Versteck.” sprach die Brünette.
“Ich weiß. Ich bringe euch an einen sicheren Ort. Keine öffentlichen Plätze mehr. Niemand darf mitbekommen, dass ihr hier seid.”
“Ein großes ‘Amen’ darauf.” Die lilahaarige Frau machte sich an ihrem dritten Leichnam zu schaffen und stopfte die Waffen in eine Decke, die sie zu einer Tragetasche umfunktioniert hatte. Sie plünderte Lord Jaxs Garden und die Killer gleichermaßen, nichts konnte ihr entgehen. Ganz schön verbissen, dieses Mädel.
Ich richtete mich auf; ich wollte meiner Partnerin näherkommen. Ein Schritt vorwärts und unsere Blicke trafen sich. Hielten. Das Gemetzel um uns herum schien nicht länger zu existieren. Es gab keinen Anflug von Gefahr, keinen Auftragsmörder, der jederzeit zurückkommen könnte, um seinen Job zu beenden.
Einen klitzekleinen Moment lang gab es nur sie. Mich. Uns.
Mein Schwanz pochte und hämmerte. Meine Eier zogen sich zusammen und ich spürte, wie mir der Vorsaft aus der Eichel sickerte. Ja, er war tatsächlich erwacht. Mein Schwanz wollte diese Frau und er wollte sie jetzt.
Ich musste sie hier rausschaffen. Sobald sie außer Gefahr war, würde ich dem eifrigen Bolzen grünes Licht geben.
Sie neigte den Kopf zur Seite und leckte sich die Lippen; sie schaute mich an, als ob ihr Verlangen genauso heftig war wie meines. Ihre Wangen leuchteten, ihre Augen waren weit aufgerissen, suchend. Sie wanderten. Vielleicht war ich mit einer sinnlichen Partnerin gesegnet, einer Frau, die mich genauso begierig ficken wollte, wie ich sie. Mir war völlig egal, wer sie war oder von welchem Planeten sie stammte. Sie gehörte mir.
“Wer bist du?” fragte sie, und zwar nicht mit einem herrischen Tonfall, sondern voller Wunder.
Ich wusste genau, wie sie sich fühlte.
Бесплатный фрагмент закончился.
