Читать книгу: «Das verschwundene Schiff»

Шрифт:

Geri Schnell

Das verschwundene Schiff

Eine spannende Entführungsgeschichte

Dieses ebook wurde erstellt bei

Inhaltsverzeichnis

Titel

Einleitung

Reisevorbereitungen

Die Gäste

Südwärts

Die Frau vom Oberdeck

Die Lokalredaktion

Rea

Südfrankreich

Harte Zeiten

Die Suche nach dem Geisterschiff

Bedrückte Stimmung

Die grosse Story

Entführt

Spurlos verschwunden

Der Nebel

Taxis

Der Kampf ums Schiff

Staatsgewalt

Wir sinken

Alles in Aufregung

Verhandlungen

Die politische Kiese

Alle sitzen im gleichen Schiff

Die Anklagen

Die Aufklärung

Aufgegeben

Der Aufstand

Von Insel zu Insel

Nasse Füsse

Das Wasserflugzeug

Das Kriegsschiff

Epilog

Impressum neobooks

Einleitung

Das verschwundene Schiff

von

Geri Schnell

Die in diesem Buch geschilderten Ereignisse sind frei erfunden. Alle erwähnten Personen und Handlungsorte sind zufällig ausgewählt und haben keinen direkten Zusammenhang mit den geschilderten Ereignissen. Auch in welcher Zeit die Handlung abläuft, ist offen.

Normalerweise muss ich nachdem ich die Geschichte geschrieben habe, beim Ddurchlesen die erotischen Stellen etwas zurücknehmen und weniger direkt schildern, also jugendfrei gestallten. Bei diesem Buch habe ich darauf verzichtet und in Kauf genommen, dass es erst ab 18 Jahren freigegeben ist. Zu Gunsten der Erotik, habe ich die Philosophische Gedanken reduziert und mich auf Spannung beschränkt. So ist eine sehr spannende und teilweise erotische Geschichte entstanden, welche sehr spannend zu lesen ist.

Reisevorbereitungen

Das Taxi hält im Hafenviertel von Genua. Reto ist gespannt was ihn hier erwartet. Vor drei Wochen hatte er sich auf eine Annonce im Internet gemeldet. Ein Job während den Semesterferien, ist genau das Richtige für ihn. Sein neuer Chef sucht einen sprachgewandten jungen Mann, mit etwas Erfahrung in der Reisebranche. Es wird darauf hingewiesen, dass man etwas Diskretion erwartet, das heisst, er darf seinen Angehörigen nicht mitteilen, wie und wo er den Sommer verbringen wird. Da er sich nach der Scheidung seiner Eltern, völlig von der Familie losgesagt hat, ist dies kein Problem. Seit einem halben Jahr ist er Solo, es gibt keine Freundin, welche ihn kontrolliert und seine Studienfreunde verschwanden augenblicklich nach der letzten Vorlesung, also muss er sich sowieso allein durchschlagen.

Wie vom Taxifahrer angekündigt, findet er die Bar in einer engen Seitengasse im Hafenviertel. Sie macht nicht den seriösesten Eindruck, doch um diese Tageszeit, wird man sich dort schon eine Cola bestellen können, ohne dass man von einer Hure belästigt wird. Er tritt an die Bar und bestellt sich eine Cola.

«Ich bin Reto», erkläre er dem Mann hinter der Bar.

«Bene!», brummt der Barmann. Reto ist nicht sicher, ob er ihn verstanden hat. Ohne Kommentar stellt er das Cola auf die Theke, dann kümmert er sich wieder um die Spülmaschine. Ungeduldig schaut Reto sich im Lokal um, er ist der einzige Gast, vom neuen Chef ist nichts zu sehen. Reto kontrolliert seine Uhr, er ist noch zehn Minuten zu früh, also noch kein Grund nervös zu werden. Ausserdem hat er seinen Vorschuss und die Reisekosten bereits erhalten, sollte es mit dem Job nichts werden, wird er sich noch etwas in Genua umsehen und danach wieder heimreisen.

Nach zehn Minuten ist Reto immer noch der einzige Gast. Es ist sehr heiss und stickig. Er leerte die Colaflasche und deutet dem Barmann an, dass er zahlen will, es ist besser wenn er draussen an der frischen Luft wartet. Die Bar hat nur einen Eingang, er kann seinen Chef nicht verfehlen.

Statt die Rechnung zu bringen, schiebt ihm der Barmann einen Briefumschlag zu. Mit grosser Handschrift steht Reto drauf.

Er bedankt sich und verlässt die Bar, denn unter dem Namen stand in Deutsch: Nicht in der Bar öffnen! Das fängt ja gut an, sein neuer Chef ist ein Geheimniskrämer.

In einem kleinen Park setze er sich auf eine Bank und öffnet den Brief. Nebst fünfhundert Euro in kleinen Scheinen findet er eine Adresse und einen Hinweis, sich ein Taxi zu nehmen, welches ihn an die entsprechende Adresse bringen wird.

Eine Stunde später steht er vor einem Geschäftshaus. Mit Schrecken liest er die Aufschrift auf dem Firmenschild. Es ist eine Reinigungsfirma. Reto sieht sich schon die ganzen Ferien Fussböden schruppen, das darf doch nicht wahr sein, auf so etwas Dummes kann nur er hereinfallen. Er bezahlt das Taxi und tritt ein. Ein Mann sitzt hinter einem altmodischen Bürotisch. Wieder stellt Reto sich vor.

«Bene!», der Mann steht auf und winkt ihm zu, er soll ihm folgen. In einer Garderobe erhält er einen weissen einteiligen Arbeiteranzug. Wenigstens ist er weiss, es kann sich also nicht um eine schmutzige Arbeit handeln, doch so richtig beruhigt ist er noch nicht. Es wird nichts gesprochen, auch wenn sein Italienisch eigentlich recht gut ist, stellte er keine Fragen. Der Zusatz im Inserat mit der Diskretion fällt ihm wieder ein, er beschliesst abzuwarten.

Eine halbe Stunde später sitzt er auf dem Beifahrersitz des Firmenwagens und fährt in Richtung Hafen, wie Reto an den Wegweisern erkennen kann. Der Zöllner am Hafeneingang winkt sie vorbei und die Fahrt geht weiter den Pier entlang, vorbei an riesigen Schiffen. Er soll wohl Schiffe reinigen, es sieht ganz nach Knochenarbeit aus, hoffentlich ist es ein Luxusliner, wenn möglich mit hübschen Hostessen, dann wäre es noch erträglich.

Tatsächlich, der Firmenwagen verlangsamt vor einem eleganten Schiff das Tempo und fährt direkt über eine Rampe in den Laderraum des Schiffs. Vergeblich versucht er den Namen des Schiffs herauszufinden. Alles geht so schnell, er kann den Bug des Schiffes nicht erkennen. Es dürfte sich tatsächlich um ein Kreuzfahrtschiff handeln.

Der Fahrer stellt den Lieferwagen auf einen ihm zugewiesenen Parkplatz unter Deck. Mit einem Handzeichen zeigt er Reto an, auszusteigen. Er nimmt seinen Rucksack vom Rücksitz und verabschiedet sich vom Fahrer. Bei einer Türe entdeckt er einen Mann welcher ihm zuwinkt: «Ich bin Gino und bin für den Empfang der Mitarbeiter zuständig, willkommen an Bord.»

«Danke, ich bin Reto», entgegnet er und folgt Gino, welcher sich auf den Weg durch die endlosen Gänge des Schiffs macht.

«Ich weiss, du wurdest angemeldet, wir reden uns hier nur mit Vornamen an, dies gilt dann auch für unsere Gäste, egal, wie vornehm sie daherkommen.»

Nachdem sie drei Etagen aufgestiegen sind, stehen sie vor einer verschlossenen Tür. Sein Begleiter drückt auf die Klingel und kurz darauf öffnet sich die Tür.

«Jetzt musst du noch die Sicherheitsschleuse passieren, wenn du etwas zu verbergen hast, renne jetzt besser schnell weg, die finden alles. Waffen, Drogen, Computer, Kameras und Handys sind verboten, aber das haben sie dir ja sicher schon vorher mitgeteilt.»

«Ja ich weiss, ausser einigen Kleidungstücken habe ich nichts bei mir.»

«Gut, dann überlasse ich dich jetzt der Sicherheitsabteilung, viel Spass und bleibe cool!»

Jetzt öffnet sich die Tür und ein Koloss von einem Mann steht vor ihm: «Ich bin Reto», stelle er sich vor.

«Gut – tritt ein», ruhig schliesst er die Türe und deutet mit einer Handbewegung an, ihm zu folgen.

Sie betreten einen fensterlosen Raum in welchem, ausser einem Tisch und zwei Stühlen, keine weiteren Möbelstücke zu finden sind. Er legt den Rucksack auf den Tisch und wartet auf die weiteren Anweisungen.

«Vorsichtig ausziehen», kommandiert der Koloss, «nicht zu hastig, ich will immer deine Hände sehen.»

Reto ziehe sich eben das Hemd aus, als die Türe geöffnet wird. Eine Frau mit langen braunen Haaren und langen schlanken Beinen, betritt den Untersuchungsraum. Mit einem kritischen Blick mustert sie ihn mit ihren braunen Augen. Sie wirkt sehr sympathisch und Reto erinnert sich an den Rat von Gino, bleibe cool, es ist wirklich nicht einfach cool zu bleiben, denn ihre forschenden Augen musterten ihn von oben bis unten.

Als er nur noch mit der Unterhose bekleidet dasteht, meint der Koloss, «los, zier dich nicht, alles ausziehen.»

Vorsichtig umrundet ihn der Koloss und beginnt wenig später mit Abtasten. Erstaunlich, dass dieser Koloss so sanfte Hände hat. Nach dem ersten Abtasten widmet er sich Retos Kleidern, danach kommt der Rucksack an die Reihe, Stück für Stück wird ausgepackt und genauestens untersucht. Noch immer steht Reto nackt in der Mitte des Raums und beobachtet skeptisch die Durchsuchung.

«Ist er sauber?»

«Ja, kein Problem, du kannst ihn mitnehmen.»

Reto befürchtete schon, dass sie ihn nackt mitnehmen will, doch dann erklärt sie mit sanfter Stimme: «Reto, du kannst deine eigenen Sachen anziehen, der Overall bleibt hier.»

Es ist ein komisches Gefühl, wenn man sich unter den Augen einer fremden Frau anziehen muss, er muss es sich verkneifen, eine Show abzuziehen. Schliesslich ist er wieder angezogen und der Rucksack gepackt. Sie verlassen den peinlichen Raum.

Reto folgt der langbeinigen zum Personalbüro, wie an der Türe zu lesen ist.

Eveline, wie die Langbeinige heisst, setzt sich hinter den Schreibtisch und lächelt ihn freundlich an.

«Du bist also Reto», schaut sie ihn fragend an.

«Ja», bestätigt er, während sie seinen Namen in den Computer eintippt, «ah - hier ist es.»

Sie schaut auf den Bildschirm.

«Kabine 744, alle weiteren Informationen findest du auf dem Computer in deinem Zimmer. Ich wünsche dir einen schönen Aufenthalt auf dem Schiff.»

Mit einem kleinen Schiffsplan bewaffnet, mache er sich auf die Suche nach seiner Kabine. Der Weg ist mit schwarzem Filzstift eingezeichnet, so dass er seine Kabine schnell findet. Auf dem Weg durch die Gänge, ist ihm niemand begegnet. Die Kabinentür ist offen und er tritt ein. Die Kabine 744 ist eine luxuriös ausgestattete Kabine. Das BPullauge zeigt auf die vom Pier abgewandte Seite und bietet eine schöne Aussicht über das Hafenbecken von Genua.

Inzwischen ist Reto sehr müde. Er schmeisst den Rucksack in den riesigen Schrank und wendet sich dem Computer zu. Das Passwort hatte er bereits per Post erhalten. Gespannt erwartet er die Startseite. Diese ist sehr nüchtern und schlicht aufgebaut, eine reine Infoseite.

Unter nächster Termin steht: Nachtessen gegen 20 Uhr, dies findet im Esssaal Nummer 3 in lockerer Freizeitkleidung statt.

Er wählt noch die drei Gänge des Menüs aus. Ausser dem Hinweis, dass morgen weitere Informationen auf dem Computer zu finden sind, gibt es keine Links oder Programme, welche man anklicken könnte. Mit Surfen im Internet ist also nichts.

Es ist erst fünf Uhr nachmittags, er hat noch Zeit für eine erfrischende Dusche und anschliessend macht er noch ein kleines Nickerchen. Seine Gedanken kreisen um den ersten Tag in seinem Ferienjob. Irgendwie hat er sich den Ferienjob anders vorgestellt, alles wirkt so kalt. Einzig Eveline war ein Aufsteller, doch Reto befürchtet, dass er dem Koloss in die Quere kommen könnte. Vermutlich haben die etwas miteinander. Es ist auch noch zu früh, sicher gibt es noch andere Frauen auf dem Schiff, warum sollte man sich gleich in die Erstbeste vergucken, nur weil sie einem interessiert beim anziehenAnziehen zugeschaute hat. Zugegeben, ihr Blick liess in seinem Köper Wallungen aufkommen, welche er nur mit grösster Konzentration unterdrücken konnte. Nun, wenigstens ist das Zimmer sehr komfortabel. Es hätte ja auch eine kleine Sechserkoje mit Etagenbetten sein können, auch die Speisekarte macht einen sehr guten Eindruck. Wenn erst die Gäste an Bord sind, wird hier sicher noch etwas los sein. Danach nickte er ein und nur danke dem eingestellten Wecker erwachte er rechtzeitig fürs Nachtessen.

Mit dem Plänchen finde er den Esssaal 3 problemlos. Es ist nur ein Tisch gedeckt. Dort sitzen bereits einige junge Leute. Er beurteile kurz die Lage und setzt sich auf den ersten freien Platz. Seine Tischnachbarin ist blond, er schätze sie auf etwas über zwanzig. Auf seine fragende Geste, nickt sie freundlich und deutet an, dass der Stuhl noch frei ist.

«Hallo, ich bin Leslie», stellt sie sich vor.

«Sehr erfreut, Reto aus Bern», stelle er sich ebenfalls vor.

«Bist du auch heute eingetroffen?»

«Ja, heute Nachmittag, ich bin noch ziemlich geschafft von der langen Anreise.»

«Ich komme aus Schweden. Ich verbrachte aber noch einige Tage in Mailand, so hatte ich heute keine lange Anreise».

«Leslie ist ein ungewöhnlicher Name für eine Schwedin, oder hat das inzwischen in Schweden geändert?»

«Nein, meine Mutter ist Engländerin.»

«Oh Entschuldigung», Reto hat die andern am Tisch glatt vergessen.

Der Reihe nach begrüsst er die andern am Tisch. Alle sind sicher unter dreissig, es sind nur noch drei Männer anwesend, sonst sitzen neun hübsche Frauen am Tisch. Bald entwickelt sich ein ungezwungenes Gespräch. Die Sicherheitsüberprüfung ist das Hauptthema. Wie ihm erging es allen, jeder, respektive jede musste sich ganz ausziehen. Für einige Mädchen war das ein Problem, während es Damen gab, welche den Strip vor dem Mordskerl genossen. Alle hatte der Koloss mächtig beeindruckt. Der Koloss und Eveline gehören nicht zu dieser Tischgemeinschaft.

Im Verlauf des Abends stellt Reto fest, dass es den meisten Tischgenossen wie ihm ergeht, noch weiss niemand genau, um was es bei diesem Ferienjob genau geht. Die meisten sind wie er Studenten, welche die Semesterferien nutzen, um leichtes Geld zu verdienen. Leslie ist da eine Ausnahme, sie war arbeitslos, als sie sich für diesen Job bewarb.

Um halb elf Uhr werden sie gebeten, den Speisesaal zu verlassen, später, wenn die Gäste auf dem Schiff sind, werde natürlich ein Abendprogramm geboten, doch heute ist nichts geplant. Alle haben morgen einen strengen Tag, welcher bereits um acht Uhr früh beginnt.

Unter leichtem Protest einiger Damen ziehen sie sich in die Kabinen zurück.

«Bis morgen», verabschiedet sich eine nach dem andern. Die Namen kann sich Reto noch nicht alle merken, dazu ist er zu müde und unkonzentriert. Als er in den Gang zu seiner Kabine abbiege, folgt ihm nur noch Rea, eine rassige zierliche Frau. Sie dürfte etwas jünger sein als die andern Frauen am Tisch, sie trägt ihre schwarzen schulterlangen Haare offen, die Augenfarbe ist im Gang nicht zu erkennen, aber sie müssten eigentlich braun sein, zu diesem Typ Frau passen nur braune Augen. Am Tisch sass sie weiter weg und er konnte sich nicht mit ihr unterhalten, sie fiel ihm aber dadurch auf, dass sie auf Teufel komm raus mit ihrem Tischnachbar flirtete, dieser liess sich jedoch nicht im gewünschten Umfang auf ihre Annäherungsversuche ein, warum, weiss Reto nicht. Immerhin konnte sich Reto ihren Namen merken, da am Tisch einige Male über sie getuschelt wurde.

«Bis morgen Rea», verabschiede er sich vor seiner Türe und tritt ein.

«Bonne nuit Reto», flüstert sie und streicht ihm mit ihrer Hand sanft über die Wange.

In der Kabine muss er noch einige Zeit an Rea's Abschied denken, doch danach konzentriere er sich auf das Einräumen seiner Wäsche. Diese Kabine wird für einige Zeit sein Zuhause sein und er will sie einigermassen zweckmässig einrichten. Danach ziehte er sich aus und verschwindet unter der Dusche.

Reto hat sich eben eingeseift, als es an der Kabinentüre klopft. Er spült noch etwas Schaum ab und wickelt sich in ein Badetuch und geht an die Türe. Wer mag das sein?

Er öffne einen Spalt breit. Rea steht in einem Hauch von nichts vor der Türe.

«Hei, - ich kann nicht schlafen, können wir uns noch etwas unterhalte?»

«Komm rein», er öffnet die Türe soweit, dass sie eintreten kann, «wie du siehst, bin ich noch unter der Dusche, ich bin aber gleich fertig.»

Er hängt das Badetuch wieder auf die Stange und verschwindet in der Dusche, als Reto die Türe schliessen will, meint Rea trocken, «lass die Türe offen, du hast doch nichts zu verbergen, - oder?»

Das zweite Mal an diesem Tag kommte er sich blossgestellt vor, doch diesmal ist es wesentlich angenehmer. Er seift sich nochmals ein und versucht die Anwesenheit von Rea zu vergessen.

«Reto, du musst wissen, ich komme direkt aus einem strengen Mädcheninternat, mit Männern habe ich keinerlei Erfahrung, genau genommen weiss ich nicht einmal, wie sie aussehen. Als ich dann heute Nachmittag die längste Zeit nackt vor einem Mann stehen musste, geriet mein Körper ganz schön in Wallungen. - Ich weiss auch nicht wie lange ich hier bleiben kann, ich bin nämlich abgehauen, meine Eltern wissen nicht, dass ich hier bin, ich habe ihnen erklärt, dass ich einige Tage zu einer Freundin auf eine Irische Insel ziehe. Dort gebe es noch keinen Handyempfang, sie sollen sich schliesslich keine Sorgen machen. Du siehst, ich muss die Zeit gut nutzen.»

Inzwischen hat Reto die Seife abgespült, langsam wird es Zeit, die Dusche zu verlassen.

«Lass mich das machen», haucht sie und beginnt Reto abzutrocknen. Sie geniesst es, sanft über seinen Körper zu streichen. Durch die Berührungen ihres Busens mit seinem nassen Oberkörper, ist ihr Nachthemd durchsichtig geworden. Ihr fester Busen ist deutlich zu sehen. Ihre Augen leuchten, sie sind tatsächlich braun und wunderschön. Ihm wird klar, schlafen kann er diese Nacht nur das absolute Minimum.

Als er am nächsten Mmorgen durch den Wecker geweckt wirderde, ist er allein im Bett. Er muss eingeschlafen sein und Rea ging zurück in ihre eigene Kabine. Keine Ahnung, ob Rea mit ihm zufrieden war, er hat es genossen, wie sie seinen Körper erforschte, doch er war vom ereignisreichen Tag so müde, dass er plötzlich weg war.

Reto muss sich beeilen, wenn er noch rechtzeitig zum Frühstück erscheinen will. Zähneputzen und waschen wird im Rekordtempo erledigt. Die Meisten ausser Rea sind schon da, Reto setzt sich auf den ersten freien Platz und bestellt bei der jungen asiatischen Kellnerin Kaffee. Die übrigen Zutaten gibt es am Buffet. Die Stimmung am Tisch ist noch etwas müde, es scheint, dass auch die Andern richtige Morgenmuffel sind.

Kaum hat er sich gesetzt, kommt auch Rea zum Frühstück. Sie setzt sich nicht neben Reto, sondern nutzt den freien Platz auf der gegenüberliegenden Seite des Tisches. Ausser einem kurzen «Hallo», bleibt die Begrüssung kühl, will sie, dass die Anderen nichts von der letzten Nacht erfahren, für Reto ist das kein Problem, auch ihm ist es recht so. Entscheidend wird sein, ob sie heute Nacht wieder an die Türe klopft.

Im Moment muss er seine Gedanken auf andere Dinge konzentrieren. Schon kurz nach dem Frühstück versammeln sich alle in einem Raum. Ein Instruktor führt sie langsam in ihre neuen Tätigkeiten ein. Es wird ein langweiliger trockener Vormittag. Sie müssen sich mit den Räumlichkeiten des grossen Schiffes vertraut mach. Ihre Aufgabe wird es sein, den zahlenden Gästen das Vergnügungsangebot schmackhaft zu machen.

Geheimnisvoll bleibt allerdings noch das Freizeitangebot der Gäste. Viele Räume sind nur mit Nummern versehen und befinden sich irgendwo im Schiff, man muss schon wissen, wie man zu diesen Räumen gelangt. In diese Räume kann nur jemand gelangen, wenn er von einem Animateurtr hingeführt wird. Was sich hinter den Türen befindet, müssen die Animateure nicht wissen.

Sie werden mit Informationen voll gestopftvollgestopft. Kurz bevor alle gegen das Einschlafen kämpfen, ist es Zeit zum Mittagessen. Das Essen ist wieder ausgezeichnet, auch wenn es diesmal nur aus zwei Gängen mit leichter Kost besteht.

Nach dem Essen haben sie Gelegenheit sich am Pool zu erfrischen. Rea interessiert sich inzwischen mehr für Jan, so dass Reto sich nach einer neuen Partnerin umschauen muss, die ihm den Rücken mit Sonnencreme einschmiert. Da er beim Essen mit Patty ein nettes Gespräch über Rockmusik und Formel eins führen konnte, setzte er sich auch am Pool direkt neben sie. Patty hat eine sympathische Stimme. Sie hat kurze blonde Haare und kommt aus England. Sie scheint etwas älter als die andern Animateurinnen.

Das Eincremen seines Rückens erledigt sie mit viel Gefühl und auch er bearbeite ihren Rücken mit viel Hingabe. Als er sich abwenden will meint sie lakonisch, «He Reto, du bist noch nicht fertig», dabei drehte sie sich auf den Rücken und spritzt schon reichlich Sonnencreme auf ihren Bauch und Busen. Dass das Bikinioberteil auf dem Liegestuhl zurückgeblieben ist, stört sie nicht. Gefühlvoll setzte Reto seine Massage fort. Als ihr ganzer Körper in der Sonne ölig glänzt, rücke er seinen Liegestuhl nahe an den ihren und lege sich auch hin. Ein Blick in die Runde zeigt, dass alle Frauen oben blank gezogen haben. Reto muss schon sagen, der Personalchef muss ein Frauenkenner sein, alle können ihre Figur ohne Komplexe präsentieren.

Nach dem ermüdenden Vormittag ist man nicht in Stimmung für grosse Gespräche, auch Reto döst bald vor sich hin. Zum Glück weckt ihn Patty nach einiger Zeit, sonst hätte er sich einen Sonnenbrand geholt.

«Bitte wenden», meint sie schmunzelnd, «du brauchst ja deinen Bauch nicht zu verstecken».

Tatsächlich war es höchste Zeit, in einem Spiegel stelle er fest, dass der Rücken schon leicht rosa schimmert.

«Was möchtest du trinken? Ich gebe einen aus.»

«Gute Idee, ich nehme Cola mit viel Eis.»

Das mit dem Ausgeben ist etwas übertrieben, die Getränke sind für alle kostenlos. Wenigstens die alkoholfreien und am Nachmittag dürfen sie noch keine stärkeren Sachen trinken, das stand schon im Vertag, ist aber für Reto kein Problem.

Bis zum Nachtessen kann er sich noch etwas ausruhen. Der Tag war noch anstrengend. Das erste Mal hat Reto Zeit, etwas über die Ereignisse der letzten Zeit nachzudenken. Der Empfang auf dem Schiff war ja ausserordentlich kühl und unpersönlich, die Kontrolle war sogar entwürdigend. Nach dem Sicherheitscheck, war es eigentlich sehr angenehm. Alle Leute die er danach traf, waren sehr aufgestellt und verbreiten eine angenehme Atmosphäre. Retos einziges Problem wird sein, neben welches Mädchen er sich niederlassen soll. Was ist mit Rea, wird sie wieder auf seine Kabine kommen? Vermutlich nicht, den Jan liegt im Moment in einer besseren Position. Man wird sehen, vielleicht ist Jan auch nur ein Ablenkungsmanöver und wenn sie wieder allein in ihrer Kabine ist, verspürt sie vielleicht wieder Lust, - na ja, man wird es sehen, die Nacht mit Rea war sehr aufregend und es ärgert ihn, dass er zu müde war, sonst hätte er es noch besser geniessen könne. Vielleicht bahnt sich ja etwas mit Patty an, sie ist enorm sexy, mit ihr könnte er sicher auch viel Spass haben. Auch Leslie wäre ein Abenteuer wert, ausserdem sind noch weitere Damen an Bord, welche er bis jetzt noch nicht näher kennen lernen konnte, nur nichts überstürzen, er hat noch viel Zeit, er beschliesst, etwas später zum Nachtessen zu gehen, dann sieht er, welcher Platz noch frei ist.

Die Plätze neben Rea sind wie erwartet bereits belegt, auf der einen Seite sitzt Jan, welcher immer noch intensiv den Kavalier spielt, auch Leslie ist bereits vergeben, aber Patty hat ihm zugezwinkert und auf den noch freien Stuhl gedeutet.

Das Essen ist wieder ausgezeichnet. Die Zeit vergeht schnell, ohne dass man sich privat allzu viel erzählen kann. Die Stimmung ist sehr locker und heiter. Auch heute müssen sie sehr früh den Esssaal verlassen. Noch ist auf dem Schiff nichts los, das wird sich hoffentlich Morgen ändern, dann sollten die ersten Gäste eintreffen.

Auf dem Weg zur Kabine wird noch lange in den Gängen diskutiert. Reto überlegt noch, ob er Patty auf seine Kabine einladen soll, doch dann verabschiedet sie sich und verschwindet, noch bevor er ihre Kabinennummer ausfindig machen konnte.

Reto zieht sich in seine Kabine zurück, er kann endlich eine Nacht durchschlafen, Rea verbringt diese Nacht offensichtlich bei Jan.

Die Gäste

Der nächste Morgen verläuft nochmals nach dem bekannten Programm. Es gibt eine kurze Information über das aktuelle Angebot auf dem Schiff. Danach muss jeder mehrere Anzüge anprobieren. Es sind keine einheitlichen Uniformen, sondern sehr geschmackvoll ausgewählt Freizeitkleider, die sicher nicht aus einem Warenhaus stamment. Jeder Anzugstiel hat seine Nummer, die am Computer bekannt gegeben wird, wenn dieser Anzug gewünscht ist. Ab zehn Uhr können sie sich wieder am Pool entspannen. Gegen 14 Uhr werden die ersten Gäste erwartet, dann wird es sicher mit der Ruhe vorbei sein. Ab diesem Zeitpunkt müssen sie in ihren Kabinen auf Abruf bereit sein. Wenn seine Dienste benötigt werden, klingelt das Telefon, danach wird der Auftrag auf dem Computer angezeigt.

Zu seiner Überraschung bleibt es den ganzen Nachmittag ruhig, seine Dienste werden noch nicht benötigt. So verpasst er den spannenden Moment, als die ersten Gäste ankommen.

Kurz vor acht Uhr abends beginnt das Schiff leicht zu vibrieren. Es gibt auch einige ruckartige Bewegungen und ein leichtes Schlingern. Durch das BPullauge stellt Reto fest, dass sie ablegen. Es geht los, er macht sich etwas Sorgen, dass er seekrank wird. Das Schiff ist recht gross und dürfte stabil im Wasser liegen, er hofft, seine Sorgen sind unbegründet. Interessiert beobachte er, wie die Schlepper das riesige Schiff vom Pier wegziehen. Langsam gleiten sie an der Hafenmole vorbei aufs offene Meer. Die Schlepper kehren zurück zum Hafen und die Motoren erzeugen nochmals starke Vibrationen. Das Schiff nimmt Fahrt auf, die in der Abendsonne glänzende Stadt Genua wird immer kleiner und ist schliesslich nur noch ein schmaler Streifen am Horizont.

Jetzt klingelt das Telefon. Reto schaut auf dem Computer nach, ah – kein neuer Job, es ist nur Zeit zum Nachtessen. Anzug Nummer drei, ist angesagt. Diesmal wird ihm ein Tisch zugeteilt. Reto hat noch Zeit, um sich zu duschen und fein zu rasieren. Nach einer halben Stunde erkennt er sich im Spiegel kaum wieder, er ist ein richtiges Herrensöhnchen geworden, wer hätte das gedacht, aber eben, - Kleider machen Leute, das gilt auch heute noch.

Reto betritt den Esssaal und ist gespannt auf seine Tischnachbarn. Sind es Gäste oder seine AnimatorfreundeAnimator Freunde. Als er sich seinem Tisch nähert, ist der noch leer. Er holt sich am Buffet einen Tomatenjus und setze sich hin. Es dauert nicht lange und ein Herr ist offensichtlich auch an gleichen Tisch eingeteilt. Er wählt einen Martini und setzt sich, «ich bin Burt», begrüsst er Reto, «tolles Schiff.»

«Ja, es wird einiges geboten. Ich bin jetzt schon gespannt, wie viel Übergewicht ich nach der Reise herumschleppen muss.»

Es entwickelt sich ein nichts sagendes lockeres Gespräch. Burt ist Amerikaner, so viel verrät sein breites Englisch, doch sonst ist nichts privates zu erfahren. Auch Reto bleibt bei unpersönlichen Themen. Die andern Tischgenossen, die nach und nach eintreffen, sind ebenfalls nicht sehr mMitteilsam. Ihr Privatleben ist kein Thema. So bleibt Reto nichts anderes übrig, als sich auf Grund von Äusserlichkeiten ein Bild der andern Gäste zu machen. Vom Alter her sind die meisten zwischen fünfunddreissig und sechzig. Die drei Herren sehen aus wie Bankbeamte, die zwei Damen, welche er eher der oberen Altersklasse zuordnet, klassiert er in die Kategorie, frustrierte Ehefrauen reicher Männer.

An ihrem Tisch sind noch drei Plätze frei, auch die Nachbartische sind nicht voll besetzt. An jedem Tisch sitzt jeweils einer aus der Gruppe der Animateure. Nach den Anweisungen müssen sie sich nicht als Besatzungsmitglieder zu erkennen geben. Sie treten wie normale Gäste auf. Wozu das gut sein soll, - Reto weiss es nicht?

Mit den andern Animateuren mischt er sich unter die Gäste. Es gibt einige Tische, an welchen Frauen unter sich sind, noch ist man sich fremd. Reto wagt es, eine der Frauen zum tanzenTanzen aufzufordern. Die erste Partnerin ist relativ gross und sicher schon über vierzig. Zum Walzertanzen, die ideale Wahl, denn junge Frauen haben mit dem Walzer meistens Probleme. Die blonde Vierzigerin wird zu Wachs in seinen Händen, problemlos geht sie alle Figuren mit, es macht richtig Spass und sie applaudiert nach dem ersten Stück begeistert. Leider ist der Walzer bei den anderen Gästen nicht besonders beliebt, so dass die Band den Stiel ändert. Dies veranlasst die Dame, sich wieder hinzusetzen.

Gegen ein Uhr nachts verlangsamt das Schiff plötzlich seine Fahrt und hält nach etwa einer halben Stunde auf hoher See an. Viele Gäste verlassen den Saal, um auf Deck nachzuschauen, was los ist. Auch Reto mischt sich unter die Neugierigen. Nun informiert eine Stimme über Lautsprecher, dass das Schiff noch einige Gäste aufnimmt. In der Dunkelheit kann man einige kleinere Boote erkennen, welche sich dem Schiff nähern und abwechslungsweise am ausgefahrenen Steg anlegen. So gelangen nochmals Gäste an Bord. Etwas seltsam, so eine Seereise anzutreten, doch Reto wundert sich über nichts mehr, Hauptsache, es geht allen gut.

Als das Schiff wieder Fahrt aufnimmt, hat Reto genug gesehen und geht in seine Kabine zurück. Er ist vom Abend enttäuscht, das Gganze wirkt viel zu steif, doch wenigstens den Walzer mit der blonden Dame bucht er als Erfolg ab, mal abwarten, was der morgige Tag bringt.

In der Nacht nimmt das Schiff noch drei Mal Passagiere auf. Jedes Mal erwacht Reto kurz, schläft aber sofort wieder ein. Trotzdem fühlt er sich am Morgen schlecht ausgeschlafen. Beim Frühstück muss man jetzt kurz anstehen, um am Buffet die Zutaten zusammenzusuchen. Es sind gestern Nacht auch weitere Animateure, mit Booten aufs Schiff gekommen.

Reto lernt einige neue Leute kennen, es bleibt wie schon gestern bei oberflächlichen Gesprächen. Doch langsam gewöhnte er sich an den Smalltalk. Die Stopps in der letzten Nacht und der schöne Sonnenaufgang, welchen er leider verpasst hat, sind die bevorzugten Themen. Man redet sich nur mit Vornamen an, trotzdem ist die Stimmung noch etwas steif. Laut seinem Computer hat er sich ab 10 Uhr am Pool einzufinden.

Der Arbeitstag beginnt diesmal etwas lockerer. Sie müssen sich als Schaustars bewähren. Playback Show ist angesagt. Scot, der Chefanimateur, ein drahtiger Engländer, hat offensichtlich grosse Erfahrung, mit einem kritischen Blick mustert er die jeweiligen Kandidaten oder Kandidatinnen und schlägt nach kurzem Überlegen zwei bis drei Künstler vor, die sie doubeln könnten, dann kann der Kandidat entscheiden, welcher ihm besser liegt. Ist der Interpret bestimmt kann noch zwischen drei seiner Titeln ausgewählt werden, welche sie dann auf einer Bühne präsentieren dürfen.

Reto darf zwischen Peter Kraus, Shakin Stevens und Bryan Adams wählen. Er entscheide sich für Sommer of 69 vom Bryan. Es dauert nicht lange und er hat den Song gut drauf. Eigentlich ist er kein Showstar, aber der Rhythmus fährt voll ein, er kann sich gut mit dem Song identifizieren.

Die Trainingseinheit vergeht schnell, in drei Räumen wird geübt. In seiner Gruppe tritt noch Leslie als Kylie Minogue mit Locomotion und Alfonso als Wolfgang Petri mit Wahnsinn auf. Vor allem Alfonso, ein grosser schlaksiger Deutscher, hat noch einige Probleme mit dem Song, er stolpert etwas hilflos auf der Bühne. Da Alfons immer wieder üben muss, bringt Reto der Song langsam zum Wahnsinn. Leslie ist dagegen eine Augenweide, in ihrem kurzen Mini bringt sie ihre langen Beine gut zur Geltung. Auch sie muss nicht lange üben, sie hat viel Talent und bewegt sich automatisch im Takt. Wenn Alfonso über das Parkett stolpert, schauen Leslie und Reto amüsiert zu. Schliesslich schickt sie der Choreograph in die Kabine, er macht mit Alfonso allein weiter.

Reto kann sich auf dem Weg in die Kabine noch etwas mit Leslie unterhalten. Sie will im August mit dem Jurastudium in GötteburgGöteborg beginnen. Das Abi hat sie schon zwei Jahre in der Tasche, konnte sich aber nicht für ein Studienfach entscheiden und jobbte ein Jahr lang in Saisonstellen als Kellnerin.

Am Nachmittag erhält Reto seinen ersten Auftrag, also doch, er ist nicht nur zum Vergnügen hier. Der Job ist einfach, Reto muss Pierre, ein Franzose etwas über fünfzig Jahre alt, am oberen Pool abholen und ins Fitnesscenter bringen. Reto zieht sich die Shorts über die Badehose, streift ein T-Shirt über und durchquerte das Schiff. Am oberen Pool liegen die älteren Semester, welche es gerne ruhig haben. Man braucht einen Ausweis, damit man hier eintreten darf. Den Leuten hier wird ein spezielles Programm geboten. Als Reto vorbeischaut, um den Herrn abzuholen, schwimmt ein Team von Synchronschwimmerinnen im Wasser und zeigt, zu klassischer Musik ihr Programm. Seinen Kunden findet Reto wie vereinbart, an der Bar.

«Hallo, ich bin Reto, wer ist Pierre», frage er in französischer Sprache.

«Das bin ich, ich möchte etwas für die Fitness tun, kannst du mich hinbringen?»

«Ja, es ist nicht weit, man muss nur wissen wo es lang geht, kein Problem.»

Der Franzose ist der erste der vom Schiff so richtig begeistert ist, er ist vom Stiel angetan und will jetzt noch etwas gegen sein leichtes Bäuchlein unternehmen, welches er dabei liebevoll streichelt. Sicher haben ihn die jungen Damen des Wasserballetts dazu angespornt, er wird sich insgeheim Hoffnungen machen, eine davon zu vernaschen.

An einer Türe, welche wie eine normale Kabine aussieht bleibe Reto stehen, hier muss es sein. Er gibt auf einer Tastatur den entsprechenden Code ein. Nach einer kurzen Wartezeit öffnet sich die Türe und eine chinesische Dame im seidigen Bademantel öffnet die Türe. Der Bademantel kann ihre aufregende Figur nicht verbergen.

«Ah, Pierre, - willkommen, bitte tritt ein.»

Zu Reto gewandnt, bedankt sich die Dame, «danke Reto, das war’s schon, wir kümmern uns jetzt um Pierre, er wird allein zurückfinden.»

Reto geht zurück an den hinteren Pool, die meisten Mädchen tanzen oben ohne und gehen bei den Jungs auf Tuchfühlung. Eine Gruppe von Mädchen bildet einen Kreis und versucht Reto und andere Jungs ins Wasser zu werfen. Alle wehren sich so gut sie können, doch die Mädchen setzten alle Tricks ein, die eine wackelt mit ihren schönen Brüsten direkt vor Retos Nase rum. Es ist Zeit, dass er sich ergibt. Gemeinsam fallen sie, unter Applaus des Publikums, ins Wasser.

Den Rest des Nachmittags verbringt Reto bei einer Gruppe von jungen Frauen. Wie Reto in Erfahrung bringen konnte, haben alle diese Traumreise in einer Disco bei einem Tanzwettbewerb gewonnen. Eine Gratiskreuzfahrt, das hebt die Stimmung. Dazu bekommen sie noch einen Ausweis, welcher ihnen gestattet, die Bar kostenlos zu plündern. Als Gegenleistung werden sie die Animateure bei gewissen Aufgaben unterstützen. Nun geniessen sie die Fahrt in vollen Zügen. Vier der Mädchen stammen aus Köln, ebenso viele aus Frankfurt und unverkennbar an der grossen Oberweite und den dem urchigen Dialekt, aus München.

Am späteren Nachmittag gibt es am mittleren Pool die Begrüssungsshow. Die Animateure verkleiden sich in die Showstars. Inzwischen ist die Begrüssungsshow angelaufen, die meisten Auftritte gelingen perfekt. Der Auftritt von Alfonso wird zur Lachnummer erster Klasse, das Publikum krümmt sich vor Llachen. Retos Auftritt gelingt gut, das Publikum geht voll mit und ist begeistert. Die Stimmung am Pool ist ausgezeichnet.

So langsam kommt auch unter den Gästen Ferienstimmung auf. Nach den Auftritten spielt eine Band zum Tanz auf. Auch die Bars und das Spielkasino sind jetzt geöffnet.

Vor dem Nachtessen gibt es nochmals Arbeit. Reto muss eine Frau zur Massage zu bringen. Bei der Bar vom Oberdeck findet er Clementine sofort. Sie spricht ihn an: «Du bist sicher Reto», fragt sie und setzt ein charmantes Lächeln auf, «willst du noch einen Drink?»

«Ja gerne, aber nur eine Cola, bei der Hitze lieber ohne Alkohol.»

«Oh, einer aus der seriösen Fraktion», stellt sie in kaum verständlichem Dialekt fest.

Es dauert einige Zeit bis er den Dialekt einordnen kann, aber es ist klar, sie muss aus Österreich stammen, vermutlich neeine echte Wienerin. Doch getreu dem Motto, die Privatsphäre zu wahren, behält er diese Erkenntnis für sich. Für seinen Job braucht er keine genaueren Angaben.

Reto steigt auf den Barhocker. Nun ist es ihm etwas wohler, die schlanke Frau ist sicher grösser als ein Meter achtzig und er ist sich etwas klein vorgekommen. Nun ist der Unterschied ausgeglichen und es bleibt nur noch der Altersunterschied, sie ist mit Sicherheit über fünfzig.

Sie schwärmt etwas über die frische Meeresluft und wie gut ihr die tut. An ihrer Hand vermisse Reto einen Ehering, doch sie trägt dafür einen sündhaft teuren Diamantring. Nebenan unterhalten sich zwei beleibte Herren über Geld. Sie tragen, was die genannten Beträge angeht, recht dick auf. Der schlanken Lady können sie damit nicht imponieren, sie interessiert sich mehr für die Schönheiten der Natur.

Nach einer halben Stunde macht Reto sie diskret darauf aufmerksam, dass sie den Termin beim Masseur einhalten muss, sonst ist er anderweitig vergeben. Sie entschuldigt sich, «ach, hätte ich beinahe vergessen, war nett mit dir zu plaudern.»

Der asiatische Masseur lässt sich nicht anmerken, dass sie mit gut zehn Minuten Verspätung erscheint. Mit einem Lächeln bittet er sie einzutreten.

«Vorsicht, die Türen im Schiff sind nicht für uns gebaut, bitte Kopf einziehen.»

Das Uns, bezieht sich nur auf die Körpergrösse, nicht auf das Gewicht, er wiegt sicher hundert Kilo mit schön geformten Muskeln, ein richtiger Adonis. Ich bin sicher, die Lady wird Reto schnell vergessen und sich genussvoll vom Muskelprotz durchkneten lassen. Ähnlich wie seine Kollegin im Fitnesscenter trägt er einen seidigen Bademantel, welcher allerdings vorne nicht geschlossen ist. Darunter trägt er nur noch eine sehr enge Badehose.

Als Reto endlich wieder beim Pool eintrifft, ist die Party mehr oder weniger gelaufen. Die Discoqueens sind bereits in ihren Kabinen und bereiten sich aufs Nachtessen und eine lange Nacht vor. Reto zieht sich ebenfalls in seine Kabine zurück. Ein Nickerchen vor den Abendveranstaltungen, wird sicher gut tun. Unweigerlich macht er sich Gedanken über die verschiedenen Leute auf dem Schiff. Auf dem Oberdeck trifft sich offensichtlich eine ganz illustre Gesellschaft, mittleren Alters. Im Bereich des mittleren Pools geht die Post richtig ab, hier feiern viele junge, aufgestellte Leute, er vermutet, dass die Discoqueens aus Deutschland nicht die einzigen sind, welche diese Reise gewonnen haben. Mit einem normalen Studentenbudget ist eine solche Reise nicht zu bezahlen. Es fällt auch auf, dass ausschliesslich schöne interessante Leute in diesem Bereich anzutreffen sind. In den unteren Decks scheint sich das arbeitende Personal meistens Asiaten aufzuhalten. Vom Masseur, der Dame aus dem Sicherheitsdienst, der Betreuerin des Fitnesscenters und den Kellnern ist der ganze Tag nie etwas zu sehen. Auch der Koloss des Sicherheitsdienstes ist nie auf dem Deck anzutreffen und der würde sicher auffallen.

Reto ist gespannt, welche Hafenstadt sie als nächstes anlaufen. Seine Kenntnisse in Navigation sind nicht besonders gut, vermutlich durchqueren sie das Mittelmeer nach Wwesten und müssten bald den Atlantik erreichen. Vielleicht, ist der Süden Spaniens das erste Reiseziel, allerdings deutet noch nichts auf einen Stopp hin. Auf dem Computer ist nun das Abendprogramm angezeigt. Anzug fünf, dieser ist eher sportlich, legerer und steht ihm recht gut. Nach dem Essen ist angekündigt, dass die Animateure noch einen Auftritt als Showstar bestreiten. Diesmal treten sie im Obergeschoss vor der erlauchten Herrschaften auf, das wird sicher eine trockene Angelegenheit. Die Snobs und Bryan Adams, dass ihnen der gefällt, kann sich Reto nicht vorstellen.

Beim Abendessen wird Reto heute an einem andern Tisch eingeteilt. Die vier Damen sind Mitglieder einer Fasnachtsclique klicke aus Belgien, sie wurden eingeladen unter der Bedingung, dass sie zwei bis drei Auftritte als Funkenmariechen vorführen, das ist recht wenig Aarbeit, wenn man an die schöne Reise denkt. Auf jeden Fall geniessen die Belgierinnen das süsse Nichtstun. Das einzige Problem mit dem sie kämpfen, ist der starke Sonnenbrand, welche die meisten eingefangen haben. Auch mit dem Aufstehen hapert es. Keine der Frauen ist nüchtern, Reto weiss nicht, wie sie jetzt noch die Abenddisco überstehen werden.

Nun ihm kann’s egal sein, vor seinem Auftritt, will er eh nichts unternehmen. Er steht an der Bar und beobachte die Leute. Am anderen Ende der Bar sitzt Rea locker auf einem Barhocker, sie hat sich bereits wieder einen neuen Lover geangelt, Rea hat wirklich ein enormes Nachholbedürfnis, wenn das nur gut geht. Auf dem Dancefloor sorgen heute Abend die Iren für Stimmung. Eine irische Fußballmannschaft hat den Flor in Beschlag genommen. Jede Frau die sich in ihre Nähe wagt, wird in die Mitte gezerrt und hin und her geschubst. Den mutigen Damen macht es nichts aus, die Meisten lassen sich freiwillig einfangen.

Ein halbe Stunde vor Beginn des Abendprogramms trifft sich die Showtruppe in der Garderobe. Scot, der Choreograf, verteilt die Kleidung, die Kostüme sind generell knapper bemessen, ein Bryan Adams würde nie so auf die Bühne steigen. Reto ist das egal, solange er noch seine Hose tragen darf. Auch die weiblichen Interpretinnen werden in sexy Outfits gesteckt. Zu meiner Überraschung sind auch die Kölner Discogirls dabei und tragen nicht mehr, als heute Nachmittag am Pool. So langsam begreife ich das Prinzip der Kreuzfahrt, alles für die VIPs, lautet das Motto.

Inzwischen ist die Show angelaufen. In der kleinen Garderobe bekommt man die Stimmung draussen im Saal gut mit. Die anfänglich steife Atmosphäre wird langsam locker. Reto muss früh raus. Er erntet einen anerkennenden Applaus, doch der ganz grosse Auftritt war es nicht. Auch in der Garderobe steigt die Stimmung, die halbnackten Mädchen kommen einem dauernd in die Quere, es lässt sicht nicht vermeiden, dass man sich körperlich näher kommt. Zur Belustigung der Damen, hat Alfonso damit ein Problem, in seiner Hose, die ebenfalls sehr eng bemessen ist, gibt es eindeutig ein Platzproblem. Die Girls tragen das Iihrige dazu bei, dass er sich nicht beruhigen kann.

Genau jetzt, wo die Ausbuchtung am grössten ist, schickt ihn Scot auf die Bühne. Dort wird er mit grosser Begeisterung empfangen. Dass er bei seinem Wahnsinn nie den vorgegebenen Takt trifft, stört niemand. Die älteren Damen sind ihm echt auf die Pelle gerückt, die Hose ist bereits zerrissen und hätte er nicht den letzten Stofffetzen noch mit der Hand gehalten, er wäre ganz nackt in die Garderobe zurückgekehrt.

Die nun folgenden Akteure werden auch mit immer spärlicher Bekleidung auf die Bühne geschickt und kommen mit stark ramponierten Stofffetzen zurück. Die Mitwirkenden sind gut ausgewählt, keiner hat ein Problem damit, nur ein Kölnerin protestierte energisch, als ihr eine alte Dame an die Wäsche wollte, auf Damen steht sie gar nicht, wo es doch so viel interessante Männer im Saal hat.

Nach einer Stunde ist die Show eigentlich beendet, die VIPs lassen es sich nicht nehmen, alle Akteure zu einem Drink an die Bar einzuladen. Mit Champagner wird auf die gute Show angestossen. Jetzt beginnt eine Band zu spielen. Softklassik ist angesagt. Als die Musik einen Walzer gespielt, fordert Clementine Reto zum tanzenTanzen auf.

Sie trägt ein sehr feines Abendkleid. Vom Gürtel aus gehen zwei schmale Träger bis zu ihren Hals. Die beiden Träger, höchsten drei Zentimeter breit, haben eigentlich die Aufgabe ihren Busen vor neugierigen Blicken zu schützen, eine Aufgabe, der sie in keiner Weise gewachsen sind. Reto bleibt nichts anderes übrig, als seine Hände um ihre nackte Taille zu legen. Ihre Haut ist zart und sie gehorcht jedem seiner Befehle. Nach der fulminanten Schlussdrehung verbeugt sie sich tief, jetzt kann auch Reto einen Blick riskieren und sie geniesst es bewundert zu werden. Schliesslich hat die Musik ein Einsehen und macht eine Pause. Er begleite Clementine noch an ihren Platz und gehe zurück an die Bar.

«Das war nicht schlecht», meint der Barmann, «aber das war’s für dich, wir benötigen dich hier nicht mehr, du kannst zurück aufs untere Deck, deine Show ist zu Ende.»

Ein fragender Blick zu seiner Tanzpartnerin sagt Reto, dass jetzt die älteren Herren an der Reihe sind, er musste sie nur etwas in Stimmung bringen, jetzt ernten die gleichaltrigen. Ihm soll’s recht sein, das ist sowieso nicht sein Umgang.

Gemeinsam mit den Discoqueens und Alfonso verlassen sie die Bar. Jenny und Yvonne hängen sich bei Reto ein, eng umschlungen suchen sie eine Kabine, so knapp bekleidet können sie nicht auf der Party am mittleren Pool erscheinen, schnell ist man sich einig, Jenny spendiert noch einen Drink in ihrer Kabine. Ariane und Ronda kümmern sich um Alfonso, er hat etwas viel Champagner getrunken und ausserdem muss seine lädierte Hose vor neugierigen Blicken geschützt werden.

Südwärts

Am nächsten Morgen verpasste Reto beinahe das Frühstück. Es wurde gestern noch sehr späht. Die Mädchen waren so aufgedreht, dass an Schlafen nicht zu denken war. Nach dem ersten Schluck Kaffee, nimmt er langsam seine Umwelt war. Es fällt ihm auf, dass der Seegang, im Vergleich zum Vorabend, deutlich stärker spürbar ist. Seine Ahnung scheint sich zu bestätigen, sie haben in der Nacht die Strasse von Gibraltar passiert und kreuzen nun im Atlantik. Die wenigsten Gäste machen sich Gedanken über den Kurs, doch Reto möchte gerne wissen, wohin die Reise geht. Nach seinen Schätzungen sind sie auf Südwestkurs.

Heute teile er den Tisch mit einer spanischen Flamencotruppe. Er verstehte Spanisch, doch lange nicht so gut wie englisch, deutsch oder französischFranzösisch. So bekommt er von seinen Tischnachbarn nicht viel mit, er fühlt sich auch noch zu müde, um der Unterhaltung zu folgen.

Auf dem Computer ist das neue Tagesprogramm aufgelistet. Heute gibt es einiges zu tun. Ab elf Uhr muss eine neue Show eingeübt werden. Noch vorher gibt es drei Kurzeinsätze für die Gästen, zwei Mal bringt er sie in die Massage und einmal Fitness. Auch bei denen vom Oberdeck ging es letzte Nacht recht turbulent zu. Wenigstens schliesst Reto das aus zwei aufgeschnappten Bemerkungen. Clementine konnte anscheinend ihre exhibitionistische Neigung voll ausleben. Dabei blieb sie nicht die einzige Dame, welche sich zur Show stellte.

Um elf Uhr treffen sich sechzehn junger Leute in einem kleinen Saal. Diesmal sind nicht nur Animateure in der Gruppe, zu Retos Freude, sind auch die Discoqueens aus Bayern und Köln mit von der Party. Etwas verlegen begrüsst er Jenny, wie sind ihre Gefühle nach der gestrigen Nacht? Seine Befürchtungen sind umsonst, sie meldet keinerlei Besitzansprüche an. Auch sonst hat sie die Nacht gut verkraftet. Sie macht sich keine Gedanken darüber, ob sie sich an der Party, zu sehr hat gehen lassen. Man ist nur einmal jJung und soll das Leben geniessen, ist ihr Motto für diese Kreuzfahrt. Auch ihre drei Freundinnen sind mit der gleichen Gelassenheit dabei.

Jetzt übernimmt Scot, welcher schon die Playbackshow organisiert hat, das Kommando. Mit einem Rock n Roll fordert er alle zum Eintanzen auf. Als guter Beobachter hat er bemerkt, dass die meisten noch nicht voll da sind. Er tanzt vor und schon bald ist die ganze Gruppe auf zack. Die Musik fährt ein und vertreibt die Müdigkeit.

Nach rund zehn Minuten sind alle schweissgebadet aber topp fit. Die Müdigkeit ist wie weggeblasen. Sie setzen sich im Kreis um den Chefanimateur. Nachdem sie sich etwas erholt haben, erklärt er, was er heute vorhat: «Ich habe hier Zettel, jeder zieht jetzt einen, darauf steht, welche Rolle er dann spielen muss. Ihr werdet gleich sehen wie das geht, es ist ganz einfach.»

Gespannt faltet Reto den Zettel auf. Tarzan steht drauf. Er soll wohl Tarzan spielen. Jetzt wartet er gespannt, was sonst noch zur Auswahl steht. Nun, als Tarzan fühlt er sich wirklich nicht, eher wie ein Spargeltarzan. Gespannt schielt er auf den Zettel seiner bayrischen Nachbarin. Sie muss als Cleopatra auftreten. Auf der andern Seite sitzt Judy, eine dunkelhaarige Französin, «und was hast du gezogen?»

«Ich, - Monika Lewinsky, ist das nicht die mit Billy Clinton?»

«Ja», entgegne Philipp, der Assistent von Scot, mit einem leichten Schmunzeln, «das ist die mit der Zigarre.»

«So was mache ich aber nicht», entgegnet sie entrüstet.

«Ist jemand mit seinem Zettel nicht zufrieden», fragt Scot.

Jetzt meldet sich Judy, «ja ich!»

«Du kannst gehen, - Philipp bringt dich nach draussen, du bekommst eine neue Aufgabe für heute Abend.»

Die beiden verlassen zusammen den Saal. Scot denkt kurz nach, dann fragt er: «Will eine von Casanovas Gespielinnen tauschen? Ich wäre sehr froh, sonst fällt die Nummer ins Wasser.»

«Wer spielt den Clinton», fragt eine Blonde.

«Das bin ich», meldet sich Bennie, ein grosser irischer Fussballspieler, in gebrochenem Deutsch, er ist eine stattliche Erscheinung und hat unter den Damen sicher eine Verehrerin.

«Gut», meldet sich Ronda, «ich übernehme das.»

Nun beginnt das Training. Reto erhält mit Leslie, der blonden Schwedin, die ideale Jean zugeteilt.

«Wir üben nur trocken, die richtige Show steigt erst heute Abend, dann bekommt ihr auch die passenden Outfits.»

Die Regieanweisungen von Scot sind eindeutig, er erwartet mehr, als dass Tarzan nur der Jean nachrennt, es muss schon etwas zur Sache gehen.

«Wir treten heute nicht in einem Kinderclub auf, die Gäste stellen hohe Ansprüche», er untermauert seine Aussage mit einer eindeutigen Geste.

Reto studiert mit Leslie noch eine Stunden lang das Drehbuch. Leslie scheint mit der Rolle keine Probleme zu haben, wie es bei Reto vor Publikum klappt, weiss er noch nicht, auf jeden Fall macht ihn der Auftritt nervös.

Den Nachmittag verbringen alle am Pool, das Wetter ist sehr schön und es ist trotz eines frischen Windes, sehr heiss. Wie schon gestern ist die Stimmung sehr locker. Viele junge Mädchen tanzen im Pool. Leslie ist nicht am Pool, deshalb schliesst sich Reto den deutschen Girls aus Bayern und Köln an, auch sie fiebern angespannt dem heutigen Abend entgegen. Lilo und Hanna, spielen die Gespielinnen von Casanova, Yvonne wird es als Hauptdarstellerin in Geschichte einer O, auch nicht einfach haben. Ariane hat es als Zofe von Cleopatra, am einfachsten.

Im Verlauf des Nachmittags sind noch drei kleine Aufträge auszuführen. Eine ältere Dame will zur Massage und zwei Herren haben das Bedürfnis für Fitness, die Aufträge sind schnell erledigt, das Trinkgeld für die Botengänge ist leicht verdientes Geld. Das erste Mal ist Reto froh um diese Jobs, es lenkt etwas ab. Beim Nachtessen sucht Reto am Buffet unbewusst nach Eiersalat, als er es bemerkt ist es schon zu spät, «hast du das nötig», fragt Ariane und wirft einen fragenden Blick auf seine Hose.

«Man kann ja nie wissen, sicher ist sicher», entgegnet er, «vielleicht muss ich noch Cäsar aushelfen, da will ich mich nicht blamieren».

«O. K. dann also noch Selleriesalat oben drauf, das soll auch gut sein!»

«Wieso kennst du dich da aus?»

«Sowas lernt man, wenn man einen älteren Freund hatte», antwortet sie schlagfertig, «aber das ist jetzt vorbei.»

So harmlos die Unterhaltung schien, Reto macht sie noch nervöser. Er ist erleichtert, als es endlich in die Garderobe geht. Das Kostüm ist kaum als solches zu bezeichnen, dann geht es endlich los, sie müssen als erste raus. Jean sitzt an einem künstlichen See und kämmt sich die langen blonden Haare, Tarzans Urschrei aus dem Lautsprecher erschreckt sie. Mit einem Satz springt Reto auf die Bühne. Jean will sofort flüchten, bleibt wenig später wie angewurzelt stehen und betrachtet ihn verwundert. Er schleicht um sie herum, immer näher, die Augen nur auf ihre tolle Figur gerichtet.

Jean beugt sich leicht vor, ihr Busen fällt dabei beinahe aus den zu einem BH zusammengeknoteten Blättern. Nochmals stösst Tarzan einen lauten Schrei aus und trommeltle mit den Fäusten wie ein Gorilla auf seine Brust, wirklich, bei Retos Figur keine sehr eindrückliche Drohgebärde. Die Wirkung auf Jean ist anders als erwartet, statt dass sie Angst bekommt, wirkt sie jetzt interessiert, sie streckt ihre Hand aus und will ihn betasten. Zweimal zuckte er zurück, dann gehte er selber in die Offensive und greift nach den Blättern. Sie weicht zurück mit dem Ergebnis, dass Tarzan die Blätter in der Hand hält und Jeans toller Busen unverhüllt betrachtet werden kann. Der darauf folgende Ringkampf führt dazu, dass beide ihre letzten Kleidungsstücke verlieren. Jetzt ist Jean nicht mehr zu halten, ihre Hände tasten seinen Körper ab. Der Eiersalat beginnt zu wirken. Auch Retos Hände gleiten forschend über Jeans Körper und nach einigen fragenden Blicken, was man mit dem Sellerie gestärktem Ding anstellen könnte, finden sie schliesslich die richtige Stelle, wo es hinpasst.

Nun hat der Regisseur ein Einsehen mit den beiden und lässt den Vorhang fallen, der Applaus ist stürmisch, das Publikum ist zufrieden.

«Ihr zieht eure Kostüme wieder an und setzt euch an die Bar», ordnet Scot an «ich rufe euch dann, wenn die Show vorbei ist.»

Es dauert nicht lange und Leslie alias Jean, wird an der Bar von älteren Männern umringt. Reto wird der enge Kontakt zu den Herren unangenehm, er weicht nach rechts aus, dort sind zwei Damen über vierzig in ein intensives Gespräch verwickelt. Sie deuten an, dass seine Anwesenheit in keiner Weise stört, lassen sich aber nicht in ihrem Gespräch unterbrechen.

Reto versucht dem Gespräch zu folgen, sicher sind sie in irgendwelchem Klatsch und Tratsch vertieft. Während die dunkelhaarige, welche jetzt direkt neben ihm sitzt, weiter von grossen Summen und gebundenem Kapital redet, tastet ihre Hand ganz unauffällig Retos Bein entlang.

Claire, so heisst die Frau mit den zarten Händen, kommt aus Genf und hat einiges im Kopf. Sie bombardiert ihre Gesprächspartnerin mit Zahlen. Nur langsam versteht Reto um was es geht. Sie ist der Meinung, dass die Wirtschaft grössere Summen investieren könnte, wenn man statt des alteingesessenen Systems, dass am fünfundzwanzigsten jedes Monats Zahltag ist, zu einem gestaffeltes Zahlungssystem übergehen sollte.

«Das geht doch nicht, - stelle dir vor, wie die Arbeiter sich beschweren würden, wenn sie den Zahltag immer an einem anderen Tagen bekommen würden, die machen da nie mit.»

«Natürlich muss das gerecht gehandhabt werden», erklärt sie, «wer am zehnten Zahltag hat, muss seine Rechnungen auch erst am sechzehnten Tag des Monats begleichen. Dagegen müssen die welche am sechzehnten Zahltag haben, ihre Rechnungen erst am einundzwanzigsten begleichen. Ich denke, dass man mit vier Gruppen auskommen würde. Die Gruppen könnten zum Beispiel in der Schweiz, nach den ersten drei Ziffern der AHV-Nummern gruppiert werden, bis Nummer zweihundertfünfzig hat am ersten Zahltag, die folgenden bis fünfhundert haben am siebten Tag ihr Geld auf dem Konto. Wer also in der zweiten Gruppe zugeteilt ist, muss seine Rechnungen bis zum einundzwanzigsten Tag begleich, es haben also alle die gleichen Bedingungen.»

«Ja, und wozu das alles?»

«Das habe ich dir doch vorhin erklärt», jetzt wird sie etwas ungeduldig, «der Geldfluss wird geglättet, die Firmen müssen nicht auf einmal so grosse Beträge bereitstellen, um damit die Löhne zu bezahlen. Die Lohnsumme wird nur noch ein viertel betragen, das hHeisst, es kann mehr Geld investiert werden. Das leuchtet doch ein, - oder?»

Das Oder war auch an Reto gerichtet, der nickt zustimmend, «siehst du, er hat auch etwas im Kopf.»

«Bist du sicher, dass er es begriffen hat, fragt die blonde Dame, «der tut doch nur so.»

«Vielleicht hast du recht, er ist etwas schwer von Begriff, manchmal muss man etwas nachhelfen», sie schaut ihn vorwurfsvoll an, und fragt: «Wie ist das jetzt genau?»

Dabei nimmt sie seine Hand und legt sie zwischen ihre Schenkel, wobei sie den Rock noch etwas hochzieht.

«Nun», beginnt Reto etwas verlegen und tastet sich mit dem Finger weiter vor, «also, nach dem alten System ist kurz vor dem fünfundzwanzigsten alles Geld auf der Bank, die Bank kann es aber nicht investieren, man weiss ja, dass am sechsundzwanzigsten der grösste Teil wieder abfliesst.»

«Siehst du, er hat es doch begriffen», meint Claire, wobei er vermutet, dass sie mehr seine Fingerfertigkeit meint, als seine Erklärung, «mach schön weiter.»

«Jetzt findet man das Geld wieder auf den Arbeiterkonten der Bank», erkläre er weiter und bemüht sich gleichzeitig, tiefer einzudringen, «wieder kann die Bank nicht viel mit dem Geld anfangen, den jetzt wandert es langsam wieder ab und verlagert sich in die Kassen der Kaufhäuser, welche dann ihrerseits die Rechnungen bei den Firmen begleichen. Im Laufe eines Monats wird viel Geld auf Konten verschoben, ohne dass es Zeit hat, richtig zu arbeiten.»

«Na also», sie stöhnt mehr, als sie spricht, «ein geschicktes Bürschchen.»

«Durch den rotierenden Zahltag müsste die Banken weniger flüssige Mittel bereitstellen, könnten also mehr investieren. Das gleich gilt für die Firmen. Allerdings funktioniert es nur dann, wenn die Zahlungstermine der Rechnungen entsprechend angepasst werden, ich denke, das würde auch die Bearbeitungsspitzen in den Buchhaltungen etwas abbauen, eine sehr vernünftige Idee, gratuliere.»

Nun bebt Claire richtig unter seiner heftiger werdenden Massage. An einem Gespräch auf hohem Niveau ist sie nicht mehr interessiert. Lakonisch fragt sie ihre Freundin, «wie war das eigentlich mit deinem Kerl in Kuba?»

Nun erklärt ihre Freundin detailliert die Vorzüge das grossen Kubaners auf. Die Erklärung ist so ausführlich, dass sie jedes Mal erbebte.

Inzwischen ist der nächste Showblock angesagt. Cleopatra verführt den Cäsar nach allen Regeln der Kunst und benutzt dazu auch ihre Dienstmädchen, welche tüchtig mithelfen müssen. Gleichzeitig ist Claire so erregt, dass sie am ganzen Körper zittert.

«Was hast du», fragt ihre Nachbarin, «verträgst du das Essen nicht? Hast du Bauchschmerzen?»

«Nur einen kleinen Krampf, es ist gleich vorbei, danach fühle ich mich wieder ausgezeichnet.»

Sie öffnet ihre Handtasche und hält Reto einen hundert Euroschein hin, «da, das ist für die perfekte Zusammenfassung meiner Erklärung, doch jetzt wollen wir die Show allein geniessen.»

Reto verabschiedete sich und stecke den Euroschein in seiner Hose. Er sucht die Toiletten auf, seine Finger brauchen dringend eine Reinigung. Als Reto mit sauberen Händen zurück an die Bar kommt, beschäftigt sich auf der Bühne Casanova mit seiner ersten Geliebten. Er setze sich diesmal neben Cäsar und beobachte die Vorführung seines Kollegen. Dabei hält er sich aus Gesprächen heraus. Es reicht, die Männer an der Bar zu beobachten. Es handelt sich mehrheitlich um ältere Herren, er schätze, dass mit dem Verkauf von Viagrahtabletten ein guter Umsatz erzielt werden könnte.

Einige haben junge Mädchen neben sich, welche ich nachmittags bereits auf dem unteren Deck am Pool gesehen habe. Andere sitzen in kleinen Gruppen zusammen und diskutieren, wobei mal über die Darbietungen von Casanova diskutiert wird, mal geschäftliche Themen erörtert werden. Es scheint schon eine sehr elitäre Gesellschaft hier vertreten zu sein. Einige Gesichter kommen Reto bekannt vor, allerdings sind es nicht Leute die jeder kennt, es sind die Leute die im Hintergrund wirken, Leute aus der zweiten Reihe, es sind die Leute, welche die Entscheidungen vorbereiten.

Der Barmann schiebt Reto einen Zettel hin. Er wird aufgefordert, sich in der Garderobe zu melden. Auch Cäsar und seine Kollegen müssen zurück in die Garderobe.

«Ihr könnt euch jetzt zurückziehen», erklärt Scot, «für heute habt ihr Feierabend».

Grete, eine der Discoqueens aus Bayern, lädt die Gruppe noch in ihre Kabine ein, sie will noch nicht schlafen.

«Ich bin etwas enttäuscht», erkläre Reto, «zu gerne hätte ich noch beobachtet, was im Büro des amerikanischen Präsidenten so abläuft.»

Sie diskutieren über die illustereillustre Gesellschaft auf dem Oberdeck. Casanova ist sicher, dass der eine Herr Abgeordneter im Europaparlament ist. Nur sein Name kommt ihm nicht mehr in den Sinn, er ist sicher aus Belgien, das hört man an seinem Akzent. Grete ist sicher, dass der eine Herr bei einem Schmiergeldskandal eine Rolle spielte, aber wie das war, kann sie auch nicht mehr genau sagen. Zu reden gibt auch die Tatsache, dass das Schiff noch keinen Hafen angelaufen hat. Man will unter sich sein. Seit sie an Bord sind, gibt es keinen Kontakt mehr zur Aussenwelt und das scheint nicht nur auf dem Unterendeck so zu sein, sondern auch bei den noble Herrschaften. Das finde Reto etwas sonderbar, in diesen Kreisen ist doch dauernd ein geschäftliches Gespräch zu führen, wie haben sich diese Leute wohl organisiert. Irgendwie müssen doch ihre Geschäfte weiterlaufen, sie können doch nicht einfach eine Pause einlegen. Nun, das ist ihr Problem, aber seltsam ist es schon. Rund eine Stunde später löst sich die kleine Party auf, jeder geht in seine Kabine.

Kurz bevor Reto sich hinlegen will, summte das Telefon. Die Tage an Bord werden immer anstrengender. Er schaut auf dem Computer nach, er hat tatsächlich um diese Zeit noch einen Job zu erledigen, an der Bar muss er Kenneth, einen irischen Unternehmer, abholen. Der hat offensichtlich noch Lust auf eine Spezialbehandlung. So wird der Raum beschrieben, in den Reto ihn bringen muss.

Er betritt die Bar und sucht nach Kenneth. Die Beleuchtung ist noch düsterer als vorher und er kann das vereinbarte Zeichen nicht sofort erkennen. Auf der Bühne läuft wieder eine Show, allerdings sind keine Darsteller aus der AnimateurgruppeAnimateur Gruppe beteiligt. Die Bühne ist nur schwach beleuchtet und man kann nur erkennen, dass eine SM-Szene geboten wird. Ein Mädchen ist so verschnürt, dass sie sich nicht bewegen kann. Fünf Männer in Lederkleidung mit offenem Schritt, stehen um sie herum und betasten das Mädchen. Sie windet sich und versucht sich den Berührungen zu entziehen, allerdings ist sie so verschnürt, dass sie keine Möglichkeiten hat, sich gegen die Männer zu wehren.

«Du suchst sicher mich», meldet sich nun der lange Ire bei Reto, «komm, bring mich hier weg, nur zuschauen macht kein Spass.»

Reto ist es recht so, das ist gar nicht seine Welt, wie können sich Frauen nur für so etwas hergeben. Sie verlassen die Bar. Die Gänge sind verlassen, der Ire ist bester Stimmung, offensichtlich hat er schon einiges getrunken.

«Die Kleine hat sich ganz schön gewehrt», meint er belustigt, «aber sie hatte keine Chance, nun muss sie einiges einstecken, die Lewinsky spielen wäre sicher einfacher gewesen, nun, das hat sie jetzt davon.»

«Was heisst das, - Lewinsky spielen?»

«Nun, sie war sich zu fein dazu, jetzt kann sie es mit fünfen oder noch mehr aufnehmen, so kann sie Hemmungen abbauen.»

Nun wird Reto langsam klar, dass muss Judy die Französin sein. Am liebsten wäre er umgekehrt und hätte sie dort rausgeholt. Doch das würde nicht so einfach sein, die werden sicher keine Spielverderber akzeptieren, da muss man schon etwas vorsichtiger agieren.

Er ist erleichtert, als der Iren endlich in der besagten Kabine abliefert ist. Eine Dame im Lederkostüm öffnet die Türe, hoffentlich besorgt sie es dem Glatzkopf, sie sieht eher wie eine Domina aus, als nach einer Sklavin und so hat sie Kenneth auch empfangen, er wird hoffentlich seine Ttracht Prügel einstecken.

Das Schiff wird Reto immer unheimlicher, auf was hat er sich da eingelassen? So ein bisschen Erotik, das geht ja noch, doch was die mit Judy anstellen, das geht zu weit.

Er entfernte sich von der Kabine. Immer wieder ertappte er sich dabei, dass er umkehren möchte, um zu beobachten, ob noch andere Leute in die Kabine gebracht werden. Aber es ist es zu gefährlich? Wenn die Gänge mit Kameras überwacht werden, was dann? Nun was sie in diesem Fall mit ihm anstellen würden, das lässt sich sehr einfach ausrechnen, sie hätten ein Opfer mehr für ihre SM-Spiele. Darauf hat er nun gar keine Lust und sucht den kürzesten Weg zu seiner Kabine. Unterwegs beobachtet er die Wände und Türen. Kameras sind keine zu erkennen, aber die Türen scheinen überwacht zu werden, an jeder Türe gibt es Sensoren, die melden der Zentrale zumindest, ob sie offen oder zu ist. Reicht das aus, das Schiff zu überwachen? Jetzt gibt es noch drei Türen bis zu seiner Kabine, er will noch einen kleinen Test veranstalten, wie reagieren sie auf Ereignisse und wenn ja, wie schnell?

Er lässt seinen Geldbeutel so fallen, dass alles Kleingeld im Gang verstreut wird, nun beginnt er es einzusammeln. Langsam füllt sich der Geldbeutel wieder, ohne dass jemand auftaucht, hat er sie überschätzt, bildet er sich das mit der Überwachung nur ein? Er steckt eben das vermeintlich letzte Geldstück ein, als ein Kleiderschrank von einem Mann im Gang erscheint.

«Hast du ein Problem?»

«Jetzt nicht mehr, meine Geldbörse ist mir heruntergefallen, ich denk, dass ich das Meiste wieder eingesammelt habe, es fehlen höchstens noch ein paar Cents, das ist nicht so wichtig, die Putzfrau wird sich freuen.»

«Da ist noch ein Fünfziger!», freut sich der Riese und reicht es Reto.

«Danke», entgegnet der und macht sich auf den Weg in seine Kabine.

Sie sind zwar nicht die Schnellsten, doch dafür sind sie sehr furchteinflössend. Die scheinen noch mehr von diesen Supermännern an Bord zu haben, nur eigenartig, dass man sie nie an Deck sieht. Wo verbringen sie den Tag? Wer sind sie und wer ist ihr Chef? Sie machen mir nicht den Eindruck, als ob sie sich selber organisieren würden, die werden manipuliert, doch von wem?

Nun muss er sich schnell in seine Kabine zurückziehen, sonst gerät er noch unter Verdacht, die Nummer mit dem Geldbeutel wurde ihm abgenommen, doch jetzt darf er nicht mehr auffallen.

Im Zimmer schaut er sich unauffällig um und sucht nach Kameras und Mikrofonen. Er kann nichts finden. Immer wieder muss er an Judy denken, er kommt sich als Feigling vor, doch dann muss er sich eingestehen, dass es nicht klug währe, wenn er jetzt schon etwas unternehme würde. Man muss seinen Gegner zuerst kennen, erst dann darf man etwas gegen ihn unternehmen.

Zurzeit geht seine Vermutung dahin, dass sich die reichen und einflussreichen Damen und Herren auf dem Oberdeck diese Reise ausgedacht haben, um ausgiebig ihre sexuellen Perversionen auszuleben. Die Meisten auf den unteren Decks wurden durch Gratistickets oder mit guten Jobs auf das Schiff gelockt. Wenn Reto den Kurs des Schiffes richtig einschätzte, so kreuzt es jetzt weit draussen im Atlantik, irgendwo zwischen Afrika und Südamerika. Sicher weit weg von Handyantennen und den wichtigsten Schifffahrtsrouten.

Was haben diese Leute mit einem Schiff vor? Denken sie, dass sie alles kontrollieren können? Irgendwann wird sich der Widerstand formieren und dann wird es schwierig, die Kontrolle zu behalten. Soll man jetzt schon damit anfangen? Ist Reto der Einzige der gemerkt hat, was hier los ist? Soll er sich nach Leuten umsehen, welche sich ebenfalls gegen das Oberdeck stellen? Ein gefährliches Unternehmen, es muss schon gut geplant werden, deshalb wird er heute noch nichts unternehmen. Morgen wird er gespannt die Augen offen halten. Vielleicht fällt ihm ein Schwachpunkt auf oder er kann jemand finden, welcher ihn beim Widerstand unterstützt.

Die Frau vom Oberdeck

Am nächsten Morgen beobachtet Reto alle Leute an Bord aus einer anderen Sicht. Es geht ihm nicht mehr darum, wer sich am besten amüsiert und welches Mädchen eine tolle Figur hat. Jetzt achtet er darauf, welche Person beim Aufbau eines Widerstands gegen die Leute vom Oberdeck, nützlich sein könnte. Eben so viele Gedanken machte er sich darüber, wer ein Spitzel sein könnte, vor wem muss man sich in Acht nehmen?

Nach dem Frühstück hat er noch keine Entscheidung getroffen, weder hat Reto jemand gefunden mit dem er über seine Befürchtungen sprechen könnte, noch hat er Personen als Spitzel identifizieren können. Vor dem Mittagessen muss er aufs Oberdeck, der Computer meldet einen Auftrag für ihn.

Ein einen älteren Herrn möchte in die Sauna. Auf dem Oberdeck hat er den Herrn schon längst erspäht, doch er stellti sich etwas dämlich an, so hat er Zeit, das Geschehen auf dem Oberdeck noch etwas länger zu beobachten.

«Leistest du mir noch etwas Gesellschaft», fragt eine weibliche Stimme.

Er erkennt die Stimme der Dame. Als er sich umdreht erkennt er Claire, die Lady an der Bar von gestern Abend.

«Geht das», fragt Reto, «ich muss einen Herrn in die Sauna führen.»

«Dann kommst du nachher wieder zurück, ich werde an der Bar warten.»

Schnell liefert er den Herrn in der Sauna ab.

Als Reto wieder hochsteigt, erwartet ihn Claire bereits auf der Treppe: «Komm, wir gehen auf meine Kabine, da sind wir ungestört, keine Angst, ich werde dich nicht verführen, ich will nur mit jemand normalem reden.»

Die Gedanken jagen Reto durch den Kopf, werden sie dabei beobachtet? Handelt es sich um eine Falle? Muss ihn die Lady ausspionieren? Nun, ist ja nichts dabei, die Dame ist vom Oberdeck und gehört zur herrschenden Klasse. Vielleicht kann er so etwas mehr erfahren, er macht ja nur seinen Job, schliesslich ist es seine Aufgabe, der gehobenen Gesellschaft, ihre Wünsche zu erfüllen, für Reto kein Risiko, wenn jemand in Schwierigkeiten bekommt, ist es Claire selber.

Er folgt ihr die zwei Treppen hoch und einen langen Gang entlang. Wau, das nennt man Luxus. Das Appartement ist sehr gross und ist in drei Räume aufgeteilt, welche durch Vorhänge abgetrennt werden können. An der Schiffsaussenwand hat die Kabine einen Balkon. Der ist allerdings klein geraten, zu jeder Kabine gibt es nur wenig Aussenfläche. Auf diesem Balkon haben nur zwei Liegestühle und ein kleiner Tisch für einen Drink Pplatz.

Aus der Zimmerbar bringt sie zwei Drinks, er will eigentlich ablehnen, doch es zeigt sich, dass die schön servierten Drinks keinen Alkohol enthalten, sondern nur verschiedene Fruchtsäfte mit Eis. Der Saft ist sehr erfrischend. Sie prosten sich zu, dann machen sie es sich auf den Liegestühlen gemütlich. Reto trägt nur eine knappe Badehose und sie einen noch knapperen Bikini. Die leichte Brise des Fahrtwinds sorgt für ein angenehmes Klima, auch wenn die Stühle im Schatten stehen, ist es draussen sehr heiss.

Claire ist sehr schlank und hat einen kleinen festen Busen, dass sie in südlichen Gefilden unterwegs sind, sieht man nicht, sie ist noch sehr bleich.

«Ich vertrage die Sonne sehr schlecht», erklärt sie entschuldigend. Vermutlich ist ihr aufgefallen, dass er sich über ihre weisse Haut wunderte. Nun beginnt sie, ihr Leben zu erzählen, Reto hört nur interessiert zu, ohne sie zu unterbrechen.

«Meine Mutter war Schauspielerin und Fotomodell. Ich war das Ergebnis eines Liebesfilms, in welchem meine Mutter mitwirkte, noch bevor das Happy End im Kasten war, war meine Mutter schwanger. Es reichte eben noch, den Film fertig zu drehen, danach musste sie eine lange Babypause einschalten. Mein Vater, leider wie meine Mutter nur mit einer Nebenrolle bedacht, verschwand in Richtung Hollywood, wo er sich eine grosse Kariere erhoffte, aus der dann allerdings nie etwas wurde.

Natürlich machten die Grosseltern zuerst ein Drama aus der Schwangerschaft, doch als ich da war, wurden sie die wichtigsten Bezugspersonen für mich, sie schlüpften in die Rolle der Eltern. Meine Mutter kämpfte sich als Schauspielerin zurück und bekam immer bessere Rollen. Wenigstens drehte sie jetzt ihre Filme, ohne ein Souvenir mit nach Hause zu bringen, in dieser Beziehung hatte sie etwas dazugelernt.»

«Als ich bereits vier Jahre alt war», fährt sie fort, «stellte sie mir ihre grosse Liebe vor. Ein zugegeben recht gut gebauter Mann aus der Chefetage einer Bank. Wir zogen von der Provinz nach Genf in die Stadt. Nun musste ich mich an die neuen Eltern gewöhnen, eine Umstellung die mir und auch meiner Mutter schwer zu schaffen machte. So ruhig wie bei den Grosseltern ging es nicht mehr zu und her. Es gab oft Streit um Kleinigkeiten. Dabei war Geld ausreichend vorhanden, das Einfamilienhaus war sehr schön und hatte für Genfer Verhältnisse, einen schönen Garten. Alles hätte so schön sein können, wenn nur die Eifersucht meiner Mutter und der Jähzorn meines Stiefvaters nicht gewesen währe. Sie traute ihm nicht und er sah in jedem Mann einen Nebenbuhler und wenn er eine Situation nicht im Griff hatte, spielt er seine Muskelkraft aus und setzte seine Argumente mit gezielten Schlägen durch.

Ich war rund zehn Jahre alt, als es mit ihm anfing. Er schlug mich öfter, denn ich provozierte ihn gerne. Die Schläge machten mich scharf, ich war erregt. Die Schläge waren natürlich nicht hart, es durften ja keine Spuren zurückbleiben. Nach der Bestrafung fühlte ich mich erleichtert.

Als sich meinen Brustwarzen langsam dunkler färbten und sich unter dem Hemd deutlich abhoben, änderte sich das Verhältnis zum Stiefvater. So kam er zum Beispiel ins Badezimmer wenn ich am Bbaden war und schrubbte mir den Rücken, doch es blieb nicht nur beim Rücken. Da meine Mutter in mir immer mehr eine Rivalin sah, wurde das Verhältnis zu ihr immer schlechter und der Stiefvater hatte leichtes Spiel.

Nach einiger Zeit kannte ich alle Tricks, wie man einem Manne Freude bereiten konnte. Ich weiss nicht mehr ob es mir gefallen hat, Joel war damals die einzige Person zu der ich ein gutes Verhältnis hatte, wenn ich komischer Weise auch die Schläge vermisste, denn die blieben jetzt aus. Meine Mutter hasste mich immer mehr, je mehr Busen ich bekam. Bald wurde klar, so konnte es nicht weiter gehen. Joel konnte sich in seiner Position keinen Skandal leisten, in den Schweizer Banken ist Moral noch eine gefragte Eigenschaft. Also einigte man sich darauf, dass ich die Pubertät besser in einem strengen Internat verbringen soll.

Ängstlich erwartete ich den ersten Schultag im Internat. Ich bekam ein Zimmer, welches ich mit drei anderen Mädchen teilte. Die drei hatten noch nie einen nackten Mann gesehen und hatten im Vergleich zu mir, keine Ahnung, dafür waren sie umso neugieriger. Diese Neugier nutzte ich schamlos aus. Ich übernahm die Chefrolle im Zimmer, die drei wurden zu meinen Sklavinnen. Ich lernte schnell wie man sie zu allerlei törichten Spielen missbrauchen konnte und hatte meinen Spass daran.

Ich schmuggelte einen Vibrator in das Zimmer und vermietete ihn gegen Gefälligkeiten. Während sie mit dem Ding spielten, erzählte ich ihnen heisse Geschichten über die heissen ÄffährenAffären mit einem erfundenen Liebhaber. Sie waren fasziniert und es kam ihnen sofort. Ich wurde eine wahre Meisterin im Eerzählen von wilden erotischen Geschichten.

Das ging zwei Jahre gut, doch dann habe ich bei einer neuen Zimmerkollegin etwas übertrieben. Sie hat mich schliesslich beim Rektor verpfiffen und ich flog von der Schule. Mit einem Trick schaffte ich es, dass ich mich verdrücken konnte, bevor mein Stiefvater mich in Empfang nehmen konnte. Nun stand ich auf der Strasse und musste mich selber durchbringen. Per Autostopp trampte ich an die französische Riviera. Schon auf der Fahrt durchs Rhonetal verdiente ich mir mein erstes Geld, indem ich dem Fahrer richtig einheizte, das war ihm eine grössere Note wert.»

«Sie haben ihm einen geblasen?»

«Und wie!», erklärte sie, «er hatte einen super Orgasmus und ich hatte endlich etwas im leeren Magen! Mit dem Geld kaufte ich mir die passenden Kleider und machte mich auf, die Männer im Sturm zu erobern. Niemand hätte mich als Minderjährig erkannt, einzig wenn ich mich auszog, kam mein jugendlicher Körper zum Vorschein. Ich spezialisierte mich auf ältere Männer, dabei ging ich meistens an Samstagen auf die Jagd und eroberte mir Neuankömmlinge, bei denen ich dann eine ganze Woche oder noch länger bleiben konnte. So fviel ich nicht auf und hatte immer eine Bleibe, wenn auch immer in einer andern Wohnung.»

«Hast du mit ihnen gevögelt?»

«Was denkst du», meinte sie, «das gehörte dazu, machte mir auch Spass. Als der Herbst kam, wurde es schwieriger, eine Bleibe zu finden. In gewissen Kreisen hat sich mein Talent herumgesprochen und ich begann in einem Nachtklub, etwas ausserhalb von Monaco fest zu arbeiten. Ich war für zwei Typen zuständig. Die welche etwas Jugendliches wollten, und solche, die gerne bestraft und erniedrigt wurden. Beide Typen warfen recht gute Erträge ab. So brauchte ich meistens nur ein bis zweimal die Woche zu arbeiten.

Als es wieder wärmer wurde, beschloss ich mich nach Spanien abzusetzen. Die Bordellbesitzerin wurde langsam zu besitzergreifend und geldgierig. Ich wollte mich aber nicht ausnutzen lassen. Ich hatte etwas auf die Seite gelegt und da niemand damit gerechnet hatte, dass ich abhauen könnte, verschwand ich an einem meiner freien Tage nach Spanien. Dort mietete ich mir in Marbella eine sehr teure Zweizimmerwohnung für den ganzen Sommer. Es wurde ein gutes Geschäft, am Ende der Saison hatte ich ein beträchtliches Vermögen erarbeitet.

Ich holte das Abitur nach und begann in Paris mit dem Wirtschaftsstudium. Zu arbeiten brauchte ich nicht, denn ich lebte bescheiden und das Geld war so angelegt, dass ich davon leben konnte. Nach dem Studium fand ich eine Stelle bei einer Privatbank in Genf. Schnell arbeitete ich mich hoch, alles lief gut, meine Mutter lebte jetzt in Zürich, ich habe sie und meinen Stiefvater nie mehr gesehen. Eigentlich verlief mein Leben jetzt geordnet und normal. Nur mit Männern wollte es nicht klappen. Nun, ich hatte ja meine Arbeit und die machte ich inzwischen so gut, dass ich immer weiter aufstieg. Ab und zu besuchte ich Klubs für Lesben, doch auch das war nicht nach meinem Geschmack, mit küssen und streicheln lief bei mir nichts mehr.»

Reto wollte etwas sagen, lies es aber bleiben.

«Dann hatte ich die Gelegenheit, aus einer Konkursmasse eine schlossähnliche Liegenschaft in Frankreich zu kaufen,» fährt sie fort, «jetzt verbrachte ich die Wochenende in meiner Residenz, meistens allein oder mit befreundeten Paaren, wir konnten reiten oder durch die Wälder wandern. Im Keller war eine Sauna eingerichtet und einige Kellergewölbe waren früher offensichtlich für spezielle Partys genutzt worden. Als ich einmal ein Wochenende allein auf meinem Schloss, wie ich es nannte, verweilte, kamen meine alten Neigungen in mir hoch, ich kam zum Schluss, dass sich die Räume wesentlich besser nutzen liessen, als nur für Sauna und Partys. Von einem Handwerker liess ich einige Umbauten vornehmen und in einschlägigen Zeitungen suchte ich entsprechendes Personal für die Wochenenden.

Ich stellte fünf Kerle für Wochenendeinsätze ein, so richtige Mannsbilder mit Muskelbergen oder sonst riesig bestückt. Dazu stellte ich noch eine dralle Köchin und eine Haushälterin ein, welche die Aufgabe hatten, das Schloss sauber zu halten und die nächste Party kulinarisch vorzubereiten. Jetzt war ich bereit, die erste Party steigen zu lassen.

In einschlägigen Zeitschriften suchte ich Gäste und es dauerte nicht lange und jede zweite Woche stieg eine extreme Party. Dank meinen fünf Kerlen, waren auch viele Frauen unter den Gästen, welche allein anreisten. Sie suchten Abwechslung zu ihrem tristen Ehealltag, oder hatten keine Partner mehr. Ich kann dir sagen, da ging manchmal ganz schön die Post ab.»

«Das kann ich mir gut vorstellen», meint Rico, «schon beim zuhörenZuhören werde ich scharf.»

«Jetzt konnte ich meine Neigungen voll ausleben. Mir gefiel nichts so gut, wie ein vollbusiges junges Mädchen so richtig zu beherrschen. Ich bin nämlich enorm eifersüchtig auf solche grossen Brüste, meine blieben einfach zu klein, wenn auch sehr stramm und durch die dunkle Brustwarze durchaus reizvoll. Einige ältere Männer brachten zu den Partys solche Mädchen mit und ich hatte dann die Aufgabe, sie für die Männer vorzubereiten.

Du siehst, ich bin mir einiges gewöhnt, doch was hier gestern ablief, dass war auch für mich nicht mehr begreifbar. Wie die mit Judy, ich glaube so hiess das Mädchen, umgegangen sind, das war jenseits meiner Grenzen. Ich hoffe nur, dass das Mädchen die Tortur überlebt hat.»

Reto stellt erstmals eine Zwischenfrage.

«Du meinst», warf er ein, «Judy, - die Französin?»

«Genau die!»

«Die sollte Monika Lewinsky mit Bill spielen und hat sich geweigert.»

«Jetzt verstehe ich die Aufmachung der Bestrafung. Sie musste einiges schlucken, erst als sie sich übergeben musste, liessen sie von ihr ab.»

«Wo ist sie jetzt?»

«Keine Ahnung, sie haben sie weggetragen, es war furchtbar, sie hat geschrienen, aber niemand hat ihr geholfen, ich kann das nicht verstehen, wir sind doch Menschen und keine Tiere.»

«Eben darum», entgegnet Reto, «Menschen können sehr grausam sein.»

«Ich habe Aangst!», meint sie mit Entsetzen im Gesicht.

«Wir sollten etwas unternehmen, nur was, vielleicht müssen wir uns zusammentun, ich meine einige vom Oberdeck und die von Unterdeck.»

«Leichter gesagt als getan, ich kenne die vom Oberdeck zu wenig, ich kann nicht sagen, wer zu den Drahtziehern gehört, irgendwie habe ich das Gefühl, dass sich nur abartig veranlagte Männer auf dem Oberdeck aufhalten. Wie ich zu der Ehre kam, dass auch ich eine Gratiskreuzfahrt gewonnen habe, das ist mir schleierhaft und unheimlich.»

«Du hast die Kreuzfahrt auch gewonnen?»

«Ja, bei einer Tombola an einem Wohltätigkeitsball, warum?»

«Unten haben ebenfalls viele Mädchen die Kreuzfahrt gewonnen, die andern wurden mit Ferienjob angelockt, wie ich zum Beispiel. Wer finanziert das alles, wenn niemand etwas für die Reise bezahlt?»

«Ich weiss es nicht, aber ich kann mir einiges vorstellen, wie man selbst eine solche Kreuzfahrt gewinnbringend finanzieren kann, da gibt es viele Möglichkeiten, nur weiss ich noch nicht, welche hier angewendet wird.»

Claire steht auf und holt frische Drinks, sie ist schon eine bemerkenswerte Frau. Da erzählt sie Reto während beinahe zwei Stunden detailliert ihr Leben, dabei brennt ihr die Geschichte mit Judy unter den Nägeln. Warum hat sie Reto alles erzählt? Hat sie ihn beobachtet wie er auf die jeweilige Geschichte reagiert hat? Sehr geschickt, so konnte sie genau beobachten, was für ihn normal ist und was er abartig findet. Offensichtlich hat er richtig reagiert, sonst hätte sie ihm nicht in die Geschichte von letzter Nacht eingeweiht.

«Realistisch betrachtet», fährt sie fort, als sie mit den beiden Drinks zurückkommt, «haben wir schlechte Karten. Wir sind weit draussen im Südatlantik, weit weg von irgendwelchen Schifffahrtsrouten. Wir können mit niemandem ausserhalb des Schiffs in Kontakt treten. Wir sind auf uns allein gestellt.»

«Das schon, aber es sind sicher gegen dreihundert Leute mit an Bord, alle können sie nicht kontrollieren», hält Reto dagegen, «wir müssen uns wehren.»

«Sicher, aber wie willst du herausfinden, wer zu denen gehört und wer nicht? Ich habe gesehen, wie die mit Judy umgesprungen sind, die haben keine Skrupel, wenn du ihnen nicht passt, bist du dran, mich würde es nicht verwundern, wenn sie Judy am Schluss einfach über Bord geworfen haben.»

«Das ist doch sehr riskant, dann müssten sie mit einer Mordanklage rechnen».

«Mensch, ich habe dich für klüger gehalten! Wer weiss ob du an Bord dieses Schiffes bist? Von mir weiss es jedenfalls niemand, die Verschiffung verlief so geheimnisvoll, da gibt es keine offizielle Passagierliste.»

«Du hast recht Claire», das erste Mal nennt Reto sie beim Vornamen, «ich habe niemanden informiert, keiner weiss wo ich die Ferien verbringe, es gibt auch niemand der das interessieren würde und das trifft sicher noch auf einige Leute an Bord zu.»

«Siehst du Reto, so heisst du doch, wir sind in die Falle getappt und die wenigsten Passagiere an Bord haben dies bis jetzt bemerkt. - Also, hast du einen Plan?»

«Bis jetzt nicht, ich habe nur beschlossen, die Augen offen zu halten und mich zu informieren. Wenn du das von Judy nicht erzählt hättest, so wäre ich nie auf diese Diskussion eingegangen.»

«Siehst du Reto, so naiv bist du, - wer sagt dir, dass du mir vertrauen kannst?»

«Nun, ich hoffe, meine Menschenkenntnisse haben mich nicht im Stich gelassen, Claire, ich kann mich nicht so irren.»

«Nun, wer sagt dir, dass ich dir nicht nur eine Geschichte erzählt habe?»

«So etwas kann man doch nicht erfinden, wenn man es nicht erlebt hat, das geht doch gar nicht.»

«Bist du sicher und wenn alles noch viel schlimmer war?»

«Jetzt machst du mich aber unsicher, ich sehe, die Leute vom Oberdeck sind uns gewöhnlichen Menschen überlegen, ich denke, wir haben nur eine Möglichkeit, wir müssen gehorchen.»

«He Reto! - jetzt habe ich dich aber falsch eingeschätzt, du sollst nicht resignieren, du musst kämpfen, aber bitte mit Verstand.»

«Dann stimmt deine Geschichte also doch?»

«Spielt das eine Rolle, ändert es etwas an der Situation in der wir sind? Ich denke nicht, du kannst meine Story glauben oder nicht, wir müssen zusammenhalten und mit Verstand unsere Kräfte mobilisieren, doch wir dürfen nur behutsam vorgehen. Einen Gegner zu unterschätzen ist gefährlich, wenn man zu früh losschlägt, hat man unter Umständen schon verloren.»

«Nun, wie sollen wir gegen sie vorgehen?»

Jetzt wird Claire nachdenklich: «Wir dürfen noch nichts unternehmen, zuerst müssen wir mehr über die Hintermänner herausfinden. Es bleibt uns nichts anderes übrig als die Ahnungslosen zu spielen und nach ihrer Pfeife tanzen. Wir brauchen unbedingt noch mehr Informationen und die erhält man am bBesten, wenn man sich unauffällig und willig zeigt.»

«Ich habe mich bis jetzt so verhalten, wie sie es erwarten. Ich denke nicht, dass sie mich schon verdächtigen, vermutlich halten sie mich für unbedeutend», bemerkt Reto.

«Das schon, aber auf dem Unterdeck kann man das Spiel nicht gewinnen, die Fäden werden auf dem Oberdeck gezogen. Du bist weg, wenn es so richtig zur Sache geht, aber ich denke, wir können das ändern. - Kannst du Schmerzen ertragen?»

«Keine Ahnung – wieso?»

Die Lokalredaktion

Lustlos schlürft Andrea an der kühlen Cola. Es ist wieder so ein heisser Sommernachmittag und man sucht überall nach einer Nachricht, mit welcher man einige Spalten im Lokalteil füllen kann. Nur in Ansbach ist zurzeit nicht viel los, die meisten Leute sind weggefahren, die Vereine haben Sommerpause, keine Generalversammlung, keine Feiern, einfach nichts, was ein paar Zeilen hergeben würde.

«Hast du etwas», fragt sie ihren Chef, welcher die Polizeirapporte durchgeht.

«Nein, nichts womit sich etwas anfangen lässt, wir werden etwas aus unsern Notreserven bringen müssen, ein Bericht über das örtliche Museum. Das kostet uns einige Euros für den Verfasser, aber er wird mir dankbar sein, ich schulde ihm schon lange einen Gefallen.»

«Ich kann’s nicht ändern, in unserm Städtchen herrscht tote Hose, alles ist ausgeflogen!»

«Fast alle, da hat eine Studentin aus dem Nachbardorf, einen Freund als vermisst gemeldet», korrigiert der Chef, «drei Tage kein E-Mail und man wird schon für tot erklärt! Soweit sind wir schon, wenigstens konnte der Polizist einen Rapport schreiben, er hat es besser als wir.»

«Wie heisst den die Studentin, kenne ich sie?»

«Diana K. steht in der Mitteilung, wieso?»

«Ich kenne eine Diana K., wenn du nichts dagegen hast, werde ich ihr einen Besuch abstatten, so grundlos gehen junge Mädchen nicht zur Polizei, vielleicht entsteht eine rührende Story daraus.»

«Ah, du willst mich alleine lassen! Ich merke es schon, fünf Minuten ausfragen und anschliessend ins Schwimmbad abhauen, sehr schlau, hätte ich dir nicht zugetraut, aber hier verpasst du heute nichts. Los, geh schon, ich schaffe es schon allein!»

«Danke, ich werde zumindest einen kurzen Bericht schreiben, auch wenn wir ihn nicht veröffentlichen können, einfach so als Übung.»

«Einverstanden, einen schönen Nachmittag und iss ein Eis für mich.»

Zehn Minuten später ist Andrea mit ihrem Roller unterwegs. Diana K. das kann nur die blonde Diana Klein sein, eigentlich ein vernünftiges Mädchen. Sie hat eben das Abitur abgeschlossen und wird im Herbst mit einem Studium beginnen. Wenn ich richtig informiert bin, jobbt sie gelegentlich im Biergarten als Serviererin. Andrea ist gespannt, was die sich für einen Freund angelacht hat, die ist sonst immer mit ihren Klassenkameradinnen unterwegs.

Eine halbe Stunde später klingelt sie bei den Kleins, die Mutter öffnet die Tür. Ihre Tochter ist natürlich im Schwimmbad, der Chef hat sie wieder mal durchschaut, jetzt muss sie doch noch ins Schwimmbad. Zum Glück hat sie den Bikini immer dabei. Sie überlegt kurz, ob sie den Eintritt auf Spesen buchen kann, lässt es dann doch sein und bezahlt ohne einen Beleg zu verlangen.

Die Liegewiese ist gut besucht. Unter einem Baum findet sie ein wenig Schatten, dann ist sie soweit, dass sie sich eine kurze Erfrischung gönnen kann. Das mit dem Interview hat noch Zeit, zuerst wird eine Länge geschwommen.

Nach einem kühlen Bad mit anschliessender Dusche, sieht die Welt schon besser aus. Während sie sich mit dem Badetuch die langen schwarzen Haare trocknet, schaut sie sich auf der Liegewiese um. Noch hat sie die Gesuchte nicht gefunden, langsam überquert sie die Wiese und beobachtet die Leute welche sich an den Tischen vor dem Kiosk niedergelassen haben. Auch hier ist die Gesuchte nicht. Also nochmals quer über die Liegewiese, diesmal betrachtet sie die faul herumliegenden Frauen genauer. Schliesslich findet sie die Gesuchte, abseits im Schatten eines Baumes.

Sie beschliesst, dass sie sich nicht als Reporterin zu erkennen gibt, Diana kennt sie nur flüchtig, vermutlich weiss sie nicht, dass sie zurzeit ein Praktikum bei der Lokalzeitung macht.

«Hallo Diana, dich habe ich schon lange nicht mehr gesehen, kann ich mich zu dir setzen?»

«Ah, du bist es, ich hätte dich beinahe nicht erkannt», sagt sie und Andrea merkt ihr an, dass sie nach ihrem Namen sucht, «ja du kannst dich setzen, ich bin nicht gerne allein, - Andrea», jetzt ist ihr der Name doch noch eingefallen.

Andrea breitet das Badetuch aus und macht es sich gemütlich, sie will herausfinden, ob Diana von selber auf den verschwundenen Freund zu sprechen kommt. Nach einem kurzen Gespräch übers Wetter und dass man es heute nur im Bad aushalten kann, beginnt Diana von selbst mit ihrem Problem.

«Entschuldige wenn ich heute nicht in besonders guter Stimmung bin, ich mache mir Sorgen.»

«Du und Sorgen? - Was ist den los, so mitten im Hochsommer hat eine junge Frau doch keine Sorgen», stellt Andrea fest.

«Doch, die habe ich! Vielleicht sind sie unbegründet, aber ich muss dauernd daran denken.»

«An was?»

«Seit drei Tagen habe ich von Alfonso nichts mehr gehört», erzählt Diana mit trauriger Mine.

«Alfonso, wer ist denn das?»

«Alfonso kenne ich vom Abi, er ist in der gleichen Klasse und wir machten ab und zu die Aufgaben zusammen, er kann gewisse Zusammenhänge in der Politik und Wirtschaft so gut erklären.»

«So, kann er», stelle sie etwas ironisch fest, «scheint ein kluger Kerl zu sein, - kenne ich ihn?»

«Nein, er kommt nicht aus dieser Gegend und du musst gar nicht so mitleidvoll dreinschauen, ich bin nicht in ihn verliebt, es ist nur seltsam, dass er sich plötzlich nicht mehr meldet. Eigentlich ist er ein richtiger SMS- Freak, sonst kriege ich mindestens drei SMS pro Tag und jetzt nichts mehr.»

«Dann ist es ja gut, wenn du nicht verliebt bist, ist es sicher nicht so schlimm, er wird sich inzwischen verliebt haben und es gibt Frauen, die mögen es nicht, wenn ihr Freund Handynummern von andern Frauen gespeichert haben, - wäre doch möglich? – oder!», versucht Andrea zu trösten.

«Du brauchst mich nicht zu trösten», erklärt Diana jetzt energisch, «ich bin wirklich nicht verliebt und dass er eine Freundin gefunden hat, halte ich für unmöglich, er ist nicht gerade ein Traummann, eher etwas tollpatschig.»

«Schon viele Tollpatsche haben Freundinnen gefunden, ich kenne mehrere davon.»

«Du bist genau wie der Polizist heute morgenheute Morgen, auch der hat mich nur ausgelacht, aber ich weiss es, etwas stimmt nicht, Alfonso verschwindet nicht einfach so, ohne sich abzumelden.»

Das Gespräch dreht sich jetzt immer mehr um Alfonso und warum es unmöglich ist, dass er sich nicht mehr meldet. Alle Versuche von Andrea, Diana eine irgendwie plausible Erklärung abzugeben, scheitern. Sie lässt sich nichts einreden. Ein Typ wie Alfonso braucht echte Gründe, dass er sich nicht mehr meldet, das steht für Diana fest.

«Wie lautete sein letztes SMS», fragt Andrea.

«Hallo Di, ich bin in Frankreich bei Narbonne, ich bin gespannt auf morgen, ich kann noch nichts sagen, morgen weiss ich mehr, bis bald!»

«Was bedeutet das? morgen weiss ich mehr!», fragt Andrea, «hat er schon vorher Andeutungen gemacht?»

«Ich denke die Fahrt nach Südfrankreich hatte er geplant, irgendetwas Geheimnisvolles, aber genaues hat er nicht erzählt, ich hatte das Gefühl, dass er mich damit überraschen wollte. Es muss etwas sein, das ich ihm nicht zutrauen würde, irgendetwas verrücktes.»

«Weisst du, wie er nach Südfrankreich gereist ist, machte er Autostopp oder reiste er mit dem eigenen Auto, oder mit dem Zug?»

«Es könnte durchaus sein, dass er per Anhalter unterwegs war, er hat kein eigenes Auto, in die Schule kam er mit dem Fahrrad».

«Ich muss zugeben, es ist etwas geheimnisvoll, aber ich würde mir deshalb keine Sorgen machen, vielleicht hat sein Handy nur keinen Empfang, oder er konnte es nicht mehr aufladen, er hat den Code vergessen oder vielleicht wurde es ihm einfach gestohlen, also, ich würde mich deshalb nicht verrückt machen, es gibt sicher eine einfache Erklärung.»

«Ich hoffe du hast Recht, es bleibt mir nichts anderes übrig, ich muss einfach warten.»

«Ich jobbe momentan beim Ansbacher Tagblatt, vielleicht kann ich mal die Berichte der französischen Polizei durchstöbern, zumindest könnte man so erfahren, ob es Unfälle mit T… - Verletzten gegeben hat, alle grösseren Vorkommnisse sind dort erwähnt.»

«Habt ihr da Zugriff?»

«Ja natürlich, aber nur zu den offiziellen Meldungen», zum Glück ist sie nicht misstrauisch geworden, beinahe hätte sie Tote statt Verletzte gesagt, im letzten Moment konnte sie sich noch korrigieren, zum Glück hat es Diana nicht gemerkt.

«Wann kannst du dort nachschauen?», Diana lässt nicht locker.

«Wir können nachher noch kurz vorbeischauen, oder ich rufe den Chef übers Handy an.»

«Nein, nicht übers Handy, ich möchte dabei sein.»

«Gut, ich will vorher noch einmal ins Wasser, im Büro ist es sehr heiss, für mich eilt es nicht, wenn mir mein Chef schon in einem Anfall von Mitleid den Nachmittag freigegeben hat, kann ich nicht eine Stunde später schon wieder dort auftauchen, sonst meint er noch, ich vermisse ihn!»

«Gut, gehen wir schwimmen.»

Am späteren Nachmittag fahren sie zusammen mit dem Roller ins Büro. Der Chef hat tatsächlich das Gefühl, dass sie Sehnsucht nach ihm hat. Er ist auch begeistert von Diana.

«Kannst du helfen, die Berichte der französischen Polizei zu durchsuchen», fragt Andrea, «ich brauche zu lange, bis ich alles verstehe.»

Das war natürlich genau das richtige für den Chef, zu beiden Seiten ein junges Mädchen, welches gebannt auf den Bildschirm starrt. Nun ist aus dem trockenen Bürotag, doch noch eine aufregende Sache geworden. Er schaffte es, immer neue Meldungen auf den Bildschirm zu zaubern.

Schliesslich resigniert auch Diana, es gibt einfach keinen Hinweis, keine Meldung über zeltende Deutsche oder andere junge Männer betreffende Nachrichten.

«Kommt ihr mit in den Biergarten, ich gebe einen aus! Zu schreiben gibt es heute sowieso nichts. Der Bericht übers Museum ist schon fest eingeplant, da kommt nichts mehr dazu.»

Im Biergarten prosten sie sich zu, «für euch bin ich der Karl!», erklärt er in guter Stimmung und erwartet von beiden Mädchen einen Kuss.

«Diana, aber Freunde nennen mich Di, - prost!»

Auch Andrea gibt Karl den Kuss auf die Wange und nimmt einen Schluck aus dem Glas. Karl leert seinen grossen Krug schon zur Hälfte. Auch Di nippt nur am Glas und stellt es wieder hin. Anschliessend erklärt sie Karl noch, was es mit Alfonso auf sich hat.

«Also ich denke, du machst dir zu viele Sorgen, es wird eine ganz normale Erklärung geben. Ich verspreche dir, ich werde die nächsten Tage alle Polizeirapporte genau studieren, wenn ich eine interessante Meldung finde, werde ich mich melden.»

Danach war das Thema Alfonso fürs Erste erledigt. Man wendet sich dem Alltag zu, das heisst warum man arbeiten muss, wenn alle andern im Süden in den Ferien sind. Die Welt ist einfach ungerecht, da kann man nichts machen, ist die einheitlich Meinung am Tisch.

«Du Di, wo war Alfonso als er sich zuletzt gemeldet hatte», fragt Karl, das Thema konnte doch noch nicht abgeschlossen werden.

«In Narbonne, das ist in Südfrankreich.»

«Ich weiss wo das ist», entgegnet er etwas ungehalten, schliesslich ist Geografie seine Stärke, «ich habe da eine andere Idee, wie wäre es, wenn ihr zwei nach Südfrankreich fährt und euch ein bisschen umschaut?»

«Also mit der Idee könnte ich mich sofort anfreunden», erklärt Andrea, «aber leider bin ich auf das Geld angewiesen, das Studium dauert noch lange.»

«Du müsstest mir einfach jeden Tag etwas brauchbares für die Zeitung schreiben, zum Beispiel ein Interview mit einem Touristen, ein paar Fotos und einen kurzen Bericht über eine Sehenswürdigkeit, so unter dem Motto, Ferienzeit könnten wir eine kleine Serie starten. Was meint ihr, schafft ihr so was?»

Die beiden Mädchen schauen sich fragend an, hat der Chef schon zuviel getrunken? Andrea ist verunsichert, «ja, aber wie ist es mit den Spesen, so eine Reise kostet Geld.»

«Ich denke für die Kosten eines Campingplatzes könnten wir aufkommen und etwas zu essen wird auch nicht zu teuer. Ich denke, das würde ich hinkriegen.»

«Aber wir müssen doch Alfonso suchen!», meint Di, «zudem muss ich abends bedienen, auch ich brauche das Geld.»

«Halt, halt, ihr wollt mich ausnehmen, so geht das nicht!», wehrt sich Karl, «den Lohn für eine Serviertochter kann ich nicht auch noch drauflegen, aber pro Spalte gibt es noch eine Prämie und auch für jedes gute Foto, du kannst doch fotografieren? Ich brauch jeden Tag zumindest ein Bild von Andrea, aber über Alfonso wird erst berichtet, wenn ihr etwas Konkretes herausgefunden habt, im Vordergrund stehen die Sehenswürdigkeiten.»

«Ja und wie kommen wir da hin?», fragt Di.

«Kannst du Autofahren?»

«Ja, den Ausweis habe ich seit einem Jahr, so jung bin ich auch nicht mehr!»

«Gut, dann muss ich schnell telefonieren.»

Nach einem Anruf bei der Versicherung ist auch das Transportproblem gelöst, eine Vollkaskoversicherung auf den Kleinwagen seiner Frau kann abgeschlossen werden, auch der temporäre Halterwechsel ist kein Problem, das Gürkli, wie seine Frau den kleinen Wagen wegen seiner grünen Farbe nennt, kann für die Ferienfahrt benutzt werden.

Rea

Nachdem Reto die Kabine von Claire verlassen hat, legt er sich bis zum Mittagessen in seiner Kabine aufs Bett und versucht etwas zu schlafen. Die Bemerkung von Claire geht ihm nicht aus dem Kopf. Was meint sie damit, kannst du Schmerz ertragen?

Er war so überrascht ob dieser Frage, dass er glatt vergessen hat, sie mit einem klaren Nein zu beantworten. Aber Claire liess ihm auch keine Zeit dazu, da hat er sich wirklich auf eine aussergewöhnliche Frau eingelassen, auch wenn vermutlich nicht alles stimmt was sie erzählt hat, so ist sie doch Besonders.

Nach dem Mittagessen steigt am Pool bereits wieder eine Party. Die Münchnerinnen denken schon wieder ans Feiern und Abtanzen. Gut, die wissen nicht was Judy letzte Nacht aushalten musste. Reto wird sich hüten, es jemandem zu erzählen. Er will ihnen die Party nicht verderben, ausserdem kann er keinem trauen, noch ist nicht klar, wer alles als Spitzel angestellt ist.

Erfolglos hält er nach Judy Ausschau, er kann sie nirgends entdecken. Schmort sie in irgendeiner Kabine, wird sie gefangen gehalten, oder traut sie sich einfach nicht mehr unter die Leute.

Reto ist froh, dass der Nachmittag bald gelaufen ist. Die drei Einsätze auf dem Oberdeck dauern nicht lange. Nun kann er sich vor dem Abendprogramm noch etwas erholen. Zu seiner Verwunderung hat er Claire am oberen Pool nicht gesehen. Sie hat vermutlich den Nachmittag in ihrer Kabine verbracht.

Bereits gegen fünf Uhr erscheint auf dem Computer das heutige Abendprogramm. Anzug eins, dazu die Bemerkung Sommernachtsball mit Galadiner! Beginn bereits um acht Uhr, es wird also pick fein heute Abend.

Bis der Anzug eins hergerichtet ist, dauert es etwas länger. Um viertel vor acht ist Reto bereit, herausgeputzt wie ein Königspinguin mache er sich auf zum Oberdeck.

Auf dem Weg zum Ballsaal wird er von Scot abgefangen, der gibt ihm noch ein paar Anweisungen. Daraus kann er den Schluss ziehen, dass er sich die Einladung fürs Galadiner mit dem Walzer tanzen verdient hat, er soll die Damen in dieser Hinsicht nicht enttäuschen. Aus einer kurzen Zwischenbemerkung entnimmt er, dass auch das Intermezzo mit Claire an der Bar dazu beigetragen hat, dass er heute in der erlauchten Gesellschaft dinieren darf. Dann übergibt ihm Scot noch eine Einladungskarte, die braucht es heute, um überhaupt in den Saal zu kommen. Heute sind nur wenige Animateure eingeladen.

Reto stelle sich in die kurze Schlange, welche sich vor dem Eingang zum Ballsaal gebildet hat. Der Stuart führt jeden Gast persönlich an seinen Platz, vornehm zieht er den Stuhl zurück und lässt die Gäste absitzen, das braucht etwas Zeit, die andern Gäste warten geduldig.

Nun ist Reto an der Reihe, ihm wird die gleiche Aufmerksamkeit zuteil, wie den andern Gästen, er fühlt sich als einer von Ihnen.

«Bittschön der Herr», erklärt der ChefstuartChef Stuart, offensichtlich ein Österreicher, «das ist Clementine, sie kennen sie ja schon, die Dame gegenüber heisst Mira, sie werden sie noch kennen lernen. Ich wünsche einen schönen Abend.»

Reto begrüsse die beiden Damen mit einem Handkuss und setze sich. Es beginnt ein lockeres Gespräch. Mira ist eine italienische Schauspielerin, sie spielt nur selten in Filmen mit, sie ist mehr auf Schauspielbühnen zuhause und spielt dort grosse Rollen. Leider kennt sich Reto da nicht aus und die zwei Beispiele welche sie aufzählte, sagen ihm nichts, er lässt es sich aber nicht anmerken. Mira spricht italienisch und das in einem solchen Tempo, dass Reto Mühe hat, alles zu verstehen. Dass er Mira doch noch beachtet, hat sie ihren wunderschönen braunen Augen und dem umwerfenden Ausschnitt zu verdanken. Wenn er nach links schaut, hat er den Eindruck, dass Sophia Loren, in ihren besten Jahren, neben ihm sitzt.

Am gleichen Tisch wird noch eines der seltenen Ehepaare platziert. Sie sind Spanier, dazu kommt noch der kleine Gino, er kann sich jetzt um Mira kümmern. Reto freut sich schon auf das Bild, welches das Paar abgeben wird, sollten sie zusammen tanzen, Gino wird keine Chance haben, ihr in die Augen zu sehen. Ihr Busen wird genau auf seiner Augenhöhe liegen.

Inzwischen ist der Saal gut gefüllt, es kommen nur noch vereinzelte Nachzügler, welche sich offensichtlich verspätet haben. Es wird immer noch Aperitif serviert. Die Band spielt sanfte Musik und die Kellner beginnen mit dem Servieren der Vorspeise. Es gibt kleine Häppchen Hummer garniert mit etwas Kaviar, alles sieht sehr schön aus, nur gegen den Hunger ist es nichts. Der Weisswein ist sicher sündhaft teuer. Reto versucht sich zurückzuhalten und genehmigt sich öfter ein Schluck Mineralwasser.

Während die Teller der Vorspeise weggeräumt werden, spielt die Band einen ersten Walzer. Clementine will auf keinen Fall darauf verzichten. Elegant führt Reto sie übers Parkett, es gibt genügend Platz, es sind nur drei Paare auf der Tanzfläche. So kann man den Walzer richtig geniessen.

Der nächste Gang wird serviert. Diesmal ist es ein feiner Fisch an einer dezenten Sauce. Dazu gibt es erlesene Salate. Es schmeckt wirklich hervorragend. Während Mira beim Gespräch mit Gino öfters in Gelächter ausbricht, ist Retos Unterhaltung mit Clementine etwas ruhiger. Sie bemühen sich, auch das Ehepaar in das Gespräch einzubeziehen. Dazu muss auf Französisch umgestellt werden, was anderseits Clementine einige Probleme bereitet. Reto muss oft übersetzen und erklären, wenn sie etwas nicht genau verstanden hat. Nun von grosser Bedeutung ist es nicht, die Gespräche enthalten keinen grossen Tiefgang. Das Ehepaar repräsentiert den spanischen Adel, so viel haben sie inzwischen herausgefunden, doch was sie genau machen, bleibt unklar. Es wird nur über Wohltätigkeitsbälle und ähnliche Anlässe berichtet.

Nach einem Tango, einem Fox und einem Englischwalzer ist der grosse Moment gekommen, mit viel Pomp wir das Chateaubriand serviert. In den verdunkelten Saal werden die brennenden Plateaus getragen. Das zarte Fleisch schmeckt hervorragend. Wie es sich gehört, wird beim Essen nicht viel geredet. Reto nutze die Gelegenheit, sich im Saal umzuschauen. Der Überschuss an älteren Herren wird durch wesentlich jüngere Damen von Unterdeck ausgeglichen, diese Damen sind auf die verschiedenen Tische verteilt. Sie tragen feinste Abendgarderobe, ein wahrer Augenschmaus.

Nach dem Hauptgang ist wieder die Band gefordert. Sie spielt nochmals einen Wienerwalzer, den Reto mit Clementine geniesst. Als sich die Paare wieder an die Tische begeben, übernimmt ein älterer Herr das Mikrofon.

«Ich bin Benny und werde euch durch den heutigen Abend führen, es wird sicher noch die eine oder andere Überraschung geben, aber ich denke, ich kann auf euch alle zählen, nach so einem guten Essen werden jetzt einige von euch gefordert, ich werde gleich beginnen», eine Bikinischönheit geht auf ihn zu und hält ihm ein kleines Säckchen hin.

«Ich werde jetzt ein Namen aus der Gästeliste ziehen, diese Person wird ihnen etwas aus seinem Leben erzählen! Bitte nicht erzählen, wie sie die Steuerrechnung immer bezahlt haben, so gibt es keine Belohnung. Wir sind hier unter uns, wir wollen etwas lernen, wie man sich Vorteile erschaffen kann. Nur mit solchen Geschichten kann man eine tolle Belohnung erwarten.»

Er zieht eine Nummer aus dem Sack und schaut, welche Nummer er gezogen hat.

«Wir beginnen mit Kay vom Tisch Nummer fünf!», er fordert das Publikum zu Applaus auf, «Kay wird jetzt eine Geschichte aus seinem Leben erzählen, je offener und delikater die Geschichte ist, um so spannender wird seine Belohnung ausfallen, also los, die Bühne gehört Kay!»

Nun beginnt Kay, ein gross gewachsener Engländer, aus seinem Leben zu erzählen. Stolz erzählt er, wie er schon während seinem Praktikum in einer Grossfirma in London, zwei Millionen Pfund auf sein Konto abzweigen konnte, ohne dass es jemand gemerkt hatte, zumindest nicht, solange er in der Firma arbeitete. Später erfuhr er aus der Zeitung, dass der Buchhalter wegen Veruntreuung von eben dieser Summe, zu mehreren Monaten Haft verurteilt wurde, obwohl er standhaft seine Unschuld beteuerte. Seine Unterschrift auf den irrtümlich geleisteten Zahlungen, liess sich nicht aus der Welt schaffen. Noch heute geht die Polizei davon aus, dass er sich das Geld auf ein sicheres Konto abgezweigt hatte und beobachtet argwöhnisch seinen Zahlungsverkehr. Dies weiss ich von meiner zuverlässigen Informationsquelle bei der Polizei. Mit dem Geld legte Kay den Grundstein zu seinem kleinen Imperium, welches ihm vier Hotels, drei Puffs und einige dubiose Kneipen im Milieu eingebracht haben. Wie viele Lokale es zurzeit sind, weiss er selber nicht so genau, das ändert ständig. «Eines ist aber sicher, es kommt eine Menge Kohle rein», schliesst Kay seinen Vortrag.

Sein breites Grinsen bestätigt seine unsympathische Geschichte.

«Nicht besonders sympathisch, dieser Herr», meint Clementine.

Mit einem kurzen Kopfnicken bestätige Reto ihre Meinung, er will aber eine grössere Diskussion vermeiden, die bringt nichts. Trotzdem ist er erfreut, dass Clementine noch ein gesundes Verständnis für die Gerechtigkeit hat.

«Wir sind der Meinung, dass Kay für seine offene Schilderung eine tolle Belohnung verdient hat, doch die wird er erst nach dem Dessert geniessen. Ich wünsche viel Vergnügen bei einem reichlichen Dessertbuffet, bitte bedient euch.»

Während nun der Run auf das Buffet beginnt, spielt die Band leichte Unterhaltungsmusik. Reto lässt den ersten Ansturm vorbeigehen, bevor er sich an der nun kürzeren Kolonne anstellt. Er hat sich eben eingereiht, als sich Claire direkt hinter ihm anstellt.

«Recht interessante Gesellschaft», meint sie flüsternd, so dass es, ausser Reto niemand verstehen konnte.

«Soll ich dich einmal zum Tanz auffordern», frage er.

«Nein, lass das, wir dürfen nicht auffallen, ausserdem ist es gegenüber deiner Tischdame eine Provokation, ich werde dich im Verlauf des Abends noch brauchen. Es wird dich jemand abholen.»

«Gut, wenn es keine Provokation gegen meine Tischnachbarin ist, bin ich einverstanden.»

«Das werden wir schon gut hinkriegen, keine Angst!»

Während er das Dessert geniesst, wird die Zeit durch eine nichts sagenden Unterhaltung mit dem spanischen Adel überbrückt. Dann übernimmt wieder Benny die Kontrolle über das Geschehen.

«So, wir zieh die nächste Nummer», wieder tippelt eine knapp bekleidete Schönheit zum Moderator hin und der zieht einen Zettel aus dem hingestreckten Sack.

«Diesmal ist es René, - René vom Tisch neun.»

Die Wahl wird mit einem Applaus bedacht und alle Augen richten sich auf den älteren Herrn, welcher jetzt vom Tisch neun aufsteht. René ist eins fünfundsiebzig gross und in seiner dichten dunklen Haarpracht ist noch kein graues Haar auszumachen, der Herr, auch wenn er eindeutig über Fünfzig ist, hat sich gut gehalten. Man ist gespannt, was er zu bieten hat.

«Hallo, ich bin René aus Belgien. Ich vertrete mein Land im EU-Parlament. Bis ich soweit war, gab es einige Hürden zu nehmen, das kann ich ihnen versichern.»

Nun erzählt er Anekdoten seiner politischen Karriere, zuerst das Übliche, bis zu den regionalen Ämtern reichte es, sich zu engagieren, doch für höhere Funktionen genügt das nicht mehr. Man braucht Unterstützung und dies finanziell und durch Parteien, welche sich solche Unterstützungen gerne teure bezahlen lassen. Meine Chance kam, als eine Grossmetzgerei sich eine neue Fabrik bauen wollte. Dieses Projekt stiess bei vielen Anwohnern auf Widerstand, ein solches Industrieunternehmen ist bekanntlich mit erheblichen Geruchsbelästigungen verbunden. Meine Aufgabe bestand nun darin, die Hauptpersonen des Widerstands zu ermitteln und geeignete Massnahmen einzuleiten. Aus diesem Grunde schloss ich mich als Regionalpolitiker, dem gegnerischen Komitee an.

Nach einiger Zeit hatte ich drei Männer ausgemacht, die waren die treibenden Kräfte, wenn die ausgeschaltet sind, dann wird es wesentlich leichter. Nach einer Versammlung bot ich den Herren an, bei einem guten Freund den Abend noch etwas locker ausklingen zu lassen. Ich brachte die drei Männer in eine Villae etwa dreissig Kilometer entfernt, wir fuhren in meinem Auto, so dass sie keine Möglichkeit mehr hatten, selber zu entscheiden, wann der Abend zu Eende gehen soll.

In der kleinen Villa war ein privater Club untergebracht, in welchem nur exklusive Leute verkehren. Beim Betreten erhielt jeder von mir eine Karte, die zur freien Konsumation ermächtigt. Allerdings steht sehr klein gedruckten, dass es sich nur auf Getränke, nicht aber auf den Verkehr mit Damen bezieht. Wie ich erwartet hatte, wurde von keinem der Männer dieses Kleingedruckte gelesen.

Nun übernahmen hübsche willige Damen den Rest. Sie flirteten mit den Herren und bald verzogen sie sich auf die hinteren Räume, dort wurde ein Swingerclub betrieben. Um in diese Region zu gelangen, braucht man allerdings die Begleitung von Damen, sonst ist diese Region tabu. Es waren noch allein stehende Damen im Lokal, welche sich bereiterklärten, die Herren zu begleiten, ich versicherte den drei, dass sie echt etwas verpassen würden, wenn sie da nicht hingehen, ich erwarte noch eine Freundin und werde etwas später nachkommen. Natürlich machte ich mich anschliessend sofort aus dem Staub.

Drei Tage später erhielt ich vom ersten einen Anruf, er bat mich um Hilfe, wenn seine Frau die grosse Summe auf der Kreditkartenabrechnung bemerkt, weiss er nicht was geschieht, vermutlich würde es zur Scheidung führen. Natürlich zeigte ich mich hilfsbereit, ich verschaffte ihm Kontakte zu einer Agentur, welche solche Probleme lösen konnte. Nach vier Tagen waren auch die andern Männer dieser Agentur verpflichtet, welche für ihre Diskretion ihre Bedingungen stellte. Nun war ich raus, im Verband konnte ich mich weiter für die Umweltschützer einsetzen, doch die andern drei Herren überstimmten mich, ich hatte keine Chance, sie beschlossen den Einspruch so einzureichen, dass er nach rechtlichen Kriterien scheitern musste. Jedenfalls wurde die Grossmetzgerei gebaut und ich hatte einen potenten Wahlkampfhelfer im Rücken, so war die Wahl kein Problem, sogar die Grünen unterstützen meine Kandidatur, auch wenn ich nicht mehr auf ihrer Liste stand, da ich nach dem Scheitern des Rekurses erbost meinen Rücktritt aus der Partei gab.

«Danke René», meldet sich jetzt Benny, «wir unterbrechen hier, ehe du uns noch einen Mord gestehst, wir wollen noch andere zu Wort kommen lassen. Du wirst deine Belohnung bekommen, wir wissen schon, was dir gefällt, lass dich überraschen.»

«Auch nicht sehr sympathisch», flüstertet Reto Clementine zu, sie ist wieder gleicher Meinung. Danach setzen sie sich an die Bar. Nun erkennt Reto auch den Vorteil, den der lange Schlitz in ihrem Rock bietet. Sie sitzt jetzt so, dass er mit seiner Hand ausreichend platzPlatz zum Agieren hat. Sie will unbedingt testen, ob sie so genau so cool bleibt, wie Claire. Nun, für ihn ist es diesmal einfacher, erstens ist die Unterhaltung bedeutend einfacher und zweitens muss er sich nur um sie kümmern, seine Hosen sind zu eng geschnitten und haben vorneforme keinen Schlitz.

Das einseitige Spiel kann beginnen und es gefällt ihr, allerdings kann sie sich nicht so gut verstellen, die Leute an der Bar bemerken, was los ist. Ungeniert schauen sie zu, was Clementine noch zusätzlich erregt.

«Du entschuldigst, ich muss kurz raus», flüstert sie Reto zu, «und du solltest dir auch die Finger waschen, danke, es war toll.»

Augenblicklich verschwindet sie in der Toilette und auch Reto befolgt ihren Rat und sucht eine Gelegenheit, seine Hände zu waschen.

Als er aus dem Waschraum zurückkommt, bittet ihn ein Herr, ihm zu folgen. Er führt ihn in die Garderobe, wo man ihn am Vortag auf die Show vorbereitet hatte. Es sind schon einige hübsche Frauen anwesend, welche sich in ihre engen Lederklamotten zwängen. Scot hat wieder die Regie. Auch Reto erhält ein Lederkostüm, eine sehr gewagtes Design, überall sind Reissverschlüsse, das kann ja heiter werden, er macht sich echt Sorgen, wie hiess gestern die letzte Frage von Claire? Kannst du Schmerzen ertragen? warum hat er nicht sofort mit einem klaren Nein geantwortet? Je länger er warten muss, umso nervöser wird er, am liebsten würde er sofort abhauen.

Endlich scheint es loszugehen, die ersten Damen verlassen die Garderobe, sie sehen beängstigend aus, obwohl, ihre Figuren echt klasse sind, doch mit der Lederkleidung hat Reto schon etwas Probleme. Inzwischen schwitzt er in dem engen Zeug und es juckt überall.

Es sind schon beinahe alle Darsteller draussen, nur Scot ist noch geblieben, «so und jetzt zu dir, nun bekommst du noch der Rest des Outfits.»

Von hinten stülpt er ihm eine Lederkappe über den Kopf und bei Reto wird es dunkel. Kurze darauf sind auch noch seine Hände gefesselt, er hört, wie sich die Türe öffnet.

«Ist er fertig?», fragt eine Frauenstimme.

«Ja, - ihr könnt ihn mitnehmen, er ist ganz friedlich.»

Reto wird unter den Armen gepackt. Die beiden Kerle tragen ihn aus der Garderobe auf die Bühne. Sie werden mit Applaus empfangen. Reto spürt, wie sie ihn an einen Pfosten oder etwas Ähnliches festbinden. Auf jeden Fall kann er sich nicht mehr bewegen. Mit derie Lederkappe kann er auch nur schlecht hören, was um ihn herum vorgeht. Er ist nicht ins Geschehen integriert, er muss abwarten. Ab und zu glaubt er, das Knallen einer Peitsche zu hören. Dann ist es wieder still.

Endlich fühlt er eine Hand am Lederkleid, jemand öffnet einen Reissverschluss. Weitere Reissverschlüsse werden geöffnet. Reto ist leicht erregt. Er hört Applaus, dem Publikum scheint es zu gefallen. Doch dann ist auch diese Verbindung zur Aussenwelt beeinträchtigt. Jemand stülpt ihm einen Kopfhörer über die Maske, jetzt höre er nur noch Geräusche aus einem Pornofilm.

Reto ist gespannt, wie geht es weiter? Plötzlich fühlt Reto eine Zungenspitze, welche sich, kaum spürbar, mit seinem Aufständischen beschäftigt. Es geht los, die Erregung nimmt weiter zu, Retos Schwanz wird tief in einen Mund gesogen. Der Rhythmus wird gesteigert, jetzt will er sich nicht mehr zurückhalten. An der Kappe wird ein Reisverschluss geöffnet, nun kann er wieder sehen. Ein Blick nach unten zeigt ihm, wer sich da bemüht hat. Es ist Kay, Retos Schwanz ist seine Belohnung.

Reto schämt sich. Nun wird Kay von Claire mit der Peitsche traktiert, es scheint ihm zu gefallen.

Reto wird befreit und darf unter grossen Applaus zurück in die Garderobe. Nach einer Dusche geht es ihm wieder besser, er darf sich anziehen und wird an der Bar zu einem Drink eingeladen. Kay hat seine Belohnung erhalten, jetzt ist noch René an Reihe.

Auf der Bühne werden die Vorbereitungen getroffen. Als der Vorhang aufgeht, sind zwei junge Frauen an einem Pfahl festgebunden. Die eine ist Grete, die andere Klara. Beide haben grosse Busen, dies scheint das Kriterium für diese Show zu sein. Jetzt betritt Claire die Bühne, voll im Leder mit Peitsche und hohen spitzigen Stiefeln. Sie geht auf die beiden Festgebundenen zu und beginnt mit dem Peitschenknauf über ihre Brüste zu fahren.

«Seit ihr bereit, wollt ihr der Meisterin gehorchen?»

Die Antwort wartet sie nicht ab, es interessiert sie nicht. Jetzt betritt René zaghaft die Bühne, er darf Claires Sklave sein. Gehorsam kniet er neben sie nieder und wartet auf ihre Befehle.

«Immer das gleiche mit den Männern, sie brauchen eine Herrscherin», Clementine hat sich, ohne dass Reto es bemerkt hatte, neben ihn gesetzt, «übrigens, nochmals vielen Danke.»

«Schon recht, hat mir besser gefallen, als mein Einsatz auf der Bühne.»

«Das überrascht mich, es hat so ausgesehen, als ob es dir Spass gemacht hat!»

«Ich habe ja nicht gemerkt, dass sich da ein Mann an mir zu schaffen macht.»

«Spielt das eine Rolle?»

«Weiss nicht, bei mir eigentlich schon.»

Nun erzählt sie von ihren Erfahrungen in Swingerclubs in Wien.

«Bevor sie ihre politische Kariere startete, ist sie mit ihrem damaligen Freund öfters hingegangen. Dort lernte sie viele einflussreiche Leute kennen. Die meisten Politiker habe ich zuerst nackt gesehen, denn damals interessierte ich mich nicht für Politik und kannte die Männer gar nicht, aber ich spielte gerne mit ihnen.»

Auf der Bühne geht inzwischen die Show weiter. Auch wenn Claire hart zulangt, Grete scheint es gut auszuhalten. Inzwischen darf auch René seine Perversionen ausleben, allerdings gut kontrolliert von Claire.

«Nach einiger Zeit lernte ich einen Tiroler Geschäftsmann kennen, der mich heiraten wollte. Also verschwand ich aus dem lebenslustigen Wien in die Provinz, - sag mal, interessiert es dich überhaupt, du starrst nur auf die Bühne», sie stösst Reto an, «typisch Mann!»

«Entschuldige, ich bin etwas schockiert, wie sie mit Grete umgehen.»

«Na und, das hat sie nun von ihren grossen Titten.»

Auch Clementine scheint auf den grossen Busen eifersüchtig zu sein. Nun widme er sich wieder vermehrt ihren Schilderungen. Obwohl es ihn nicht besonders interessierte, wie sie als reiche WittfrauWitt Frau mit einem neuen Namen in die Wiener Gesellschaft zurückkehrte und sich in der Politik langsam hocharbeitete. Inzwischen ist sie in der Wiener Stadtregierung für die Kultur und das Bildungswesen zuständig. Das ist ein tolles Amt, man kann so viele Leute beschenken und diese müssen einem für immer dankbar sein.

«Ist doch super, oder, - und alles mit fremdem Geld!»

Da muss Reto ihr Recht geben, sicher werden einige Leute alles tun, um sie bei Laune zu halten. Auf der Bühne wird jetzt ein Mädchen von 4 Kerlen in einem Art Drahtkäfig auf die Bühne getragen. Eine Lederkappe verbirgt ihr Gesicht. Sie kann sich im engen Käfig nicht bewegen. Es muss sehr unbequem sein.

«Was soll denn das», meint jetzt Clementine, «das darf doch nicht wahr sein! Die Sklaven erheben sich gegen ihre Herrin, so was ist gegen die Spielregeln!»

Tatsächlich, auf der Bühne nehmen zwei Kerle Claire in ihre Mitte und tragen sie protestierend weg. Wenig später erscheinen die zwei ohne Claire wieder auf der Bühne.

«Schade, ihr, hättetn ihrsie es geben sollen», Clementine ist leicht enttäuscht, sie ist eindeutig nicht gut auf Claire zu sprechen. Eifersucht lässt sich nur schwer verbergen. Warum ist sie so schlecht auf Claire zu sprechen, ist es etwa wegen Reto? Auf der Bühne kümmern sich jetzt die drei Männer um das Mädchen. Auch Clementine ist jetzt auf die Bühne fixiert. Der Käfig ist eine raffinierte Konstruktion. Je nachdem auf welche Seite man den Käfig stellt, haben die Männer Zugriff auf eine der Öffnungen des Mädchens. Das Mädchen hat den Kopf nach unten, dadurch können zwei gleichzeitig von hinten eindringen. Es muss eine extrem schmerzhafte Stellung sein. Die Drähte des Käfigs schneiden in der Schulterpartie tief ein und das Blut wird in den Kopf gedrückt. Das Publikum ist mehrheitlich schockiert, so etwas haben die wenigsten erwartet. Jetzt ist auch klar, warum sie Claire von der Bühne entfernt haben, so was hätte sie nie zugelassen.

Nun beteiligt sich auch René am Martyrium des Mädchens. Mit einer Peitsche schlägt er auf ihren Rücken, das arme Ding kann nicht einmal zusammenzucken, aber René kennt kein Erbarmen. Inzwischen wird der Käfig gedreht, jetzt muss sie abwechslungsweise drei Männer mit dem Mund erregen. Da diese Stellung weniger schmerzhaft ist, zieht es das Mädchen richtigerweise vor, die Kerle auf diese Art zu bedienen. Sie hat begriffen, dass man sie sonst in noch weit unbequemere Lagen bringen könnte, sie muss gehorchen, das ist im Moment für sie das Beste.

Reto schaut sich an der Bar um, offensichtlich ist er der Einzige der sich ob der Darbietung aufregt. Wie kann man nur so brutal sein? Neugierig beobachtet er Clementine, ihr scheint es zu gefallen. Wie kann eine Frau dabei zusehen, wie ein junges Mädchen so gequält wird.

Jetzt ist noch René an der Reihe, auch er lässt seinen, eher Kleinen, tief in ihren Mund eintauchen. Er hat Probleme zu kommen, das Publikum feuert ihn an.

«Ja, - ja!»

Nun ist er soweit. Ohne ihn herauszuziehen drückt er ab. René ist zufrieden und zieht sich zurück, das Martyrium des Mädchens ist jetzt hoffentlich vorbei. Tatsächlich, zwei Kerle gehen zum Käfig und befreien das Mädchen. Direkt vor René wird die Kappe hochgezogen.

«Vater? – Du!»

«Rea? – Du!»

Gleichzeitig erkennen sich die Zwei. Es ist von hier aus nicht zu erkennen, wer von den Zweien mehr schockiert war. René möchte im Boden versinken. Rea bricht in Tränen aus, ihr eigener Vater hat sie so gequält, das ist nur schwer zu verstehen. Reto wundert sich, wer hat da im Hintergrund die Fäden gezogen? Es wird immer unheimlicher, wie kann man nur auf solche Ideen kommen? Es empfiehlt sich aufzupassen, sie kennen keine Skrupel. Während René sein Gesicht in seinen Händen verbirgt, wird Rea von den vier Kerlen von der Bühne geführt. Das Publikum pfeift jetzt René aus, na endlich wenigsten einige anständige Leute scheint es im Publikum doch zu geben.

«Kommst du mit», es ist Grete, welche Reto am Ärmel zupft, «wir sollen das arme Mädchen zurück aufs Unterdeck mitnehmen.»

«Ich komme sofort!», mit einer Geste verabschiede er sich von Clementine, die auch keine Lust mehr hat, die Unterhaltung fortzusetzen.

In der Garderobe finde sie Rea zusammengekauert in einer Ecke. Sie musste sich übergeben und jetzt weint sie in sich hinein und sie flüstert ein kaum verständliches Wort, Reto glaubt Vater zu hören, ist sich aber nicht sicher.

«Komm Rea, wir bringen dich hier raus.»

Grete reicht ihr einen Bademantel, dann helfen sie ihr auf und stützen sie. Apathisch lässt sie sich wegführen. Immer wieder müssen sie sie anspornen.

«Wir sind gleich in deiner Kabine», meint Grete.

In ihrer Kabine erhält sie zuerst eine Cola. Grete hat inzwischen bereits die Dusche laufen lassen. Mit vereinten Kräften gelingt es, Rea unter die Dusche zu stellen. Das heisse Wasser tut ihr gut, wenigstens äusserlich werden die Spuren abgewaschen. Wenn das in ihrem Innern nur auch so leicht ginge. Das wird aber noch einige Zeit dauern, wenn sie es überhaupt je verkraften kann.

Nach der Dusch legen sich alle aufs Bett. Sie nehmen Rea in die Mitte, sanft streichelt Grete ihr über die nassen Haare. Reto liegt auf dem Rücken und starrt an die Decke. Er hat zwei grosse Probleme, da ist Rea, wie kommt sie aus der Sache raus, aber auch um Claire macht er sich Sorgen, was machen sie mit ihr? Gehörte dies zur Show und sie wurde hinter der Bühne wieder freigelassen? oder haben sie Claire gefangen genommen? Hat sie sich verdächtig gemacht? Ist etwa Clementine so mächtig, dass sie ihre Eifersucht ungehindert an Claire ausleben kann?

Die Angelegenheit mit Claire kann er nicht beeinflussen, mit Rea ist er gefordert. Grete und er müssen ihr helfen, aber wie? Wer sind die Gegner? Ist ihr Vater Opfer oder Organisator? Er denkt das Entsetzen in seinem Gesicht deutet eher darauf hin, dass auch er ein Opfer der Hintermänner ist. Diese Aktion war so gemein geplant, das ist kaum noch zu überbieten. Diese Hintermänner sind extrem gefährlich und gerissen. Die können doch nicht ein ganzes Schiff unter Kontrolle halten? Alle spielen ihre Rollen, keiner bricht aus. Reto ist überzeugt, dass die meisten Leute an Bord noch nicht einmal gemerkt haben, was sie da für ein Geschenk bekommen haben.

Endlich ist Rea eingeschlafen. Als Reto merkt, dass Grete noch wach ist, flüsterte er ihr zu: «Komm mit ins Bad, wir sollten uns kurz besprechen.»

Vorsichtig stehen sie auf. Rea schläft weiter.

«Was sollen wir jetzt mit ihr machen?», fragt Grete.

«Wir müssen verhindern, dass sie nochmals missbraucht werden kann. Gut, vielleicht hat sie ihre Rolle bereits zu Ende gespielt, doch ich würde mich nicht darauf verlassen, wenn sie zum Beispiel ihren Vater erpressen wollen, könnte sie nochmals benutzt werden.»

«Wir sollten sie verstecken!»

«Das denke ich auch, doch was ist, wenn sie gesucht wird, ich habe keine Lust mehr auf ihre abartigen Spiele.»

«Davon habe ich auch genug, nein, das möchte ich nie mehr erleben.»

«Was meinst du, können wir mit einem Rettungsboot abhauen?»

«Das würde ich nicht wagen, der Atlantik ist riesengross und wir sind mit Sicherheit weit weg von Schiffsrouten.»

Бесплатный фрагмент закончился.

990,92 ₽
Возрастное ограничение:
0+
Объем:
350 стр. 1 иллюстрация
ISBN:
9783750211322
Издатель:
Правообладатель:
Bookwire
Формат скачивания:

Похожие книги