Читать книгу: «Was historische Karten uns erzählen»

Шрифт:

Gerhard Frick

Was historische Karten uns erzählen

Kleiner Atlas zur Weltgeschichte

Alle Rechte vorbehalten

Nachdruck in jeder Form sowie die Wiedergabe

durch Fernsehen, Rundfunk, Film, Bild- und Tonträger,

die Speicherung und Verbreitung in elektronischen Medien

oder Benutzung für Vorträge, auch auszugsweise, nur

mit ausdrücklicher und schriftlicher Genehmigung des Verlags

E-Book 2013 der 2., vollständig überarbeiteten Auflage des «Atlas des Geldes» Juni 2011

© Conzett Verlag by Sunflower Foundation, Zürich

Umschlagbilder und Karten: Dagmar Pommerening, Berlin

ISBN 978-3-03760-025-2

www.conzettverlag.ch

www.sunflower.ch

eBook-Herstellung und Auslieferung:

Brockhaus Commission, Kornwestheim

www.brocom.de

Inhalt

Vorwort des Herausgebers

Altertum

Frühe Reiche in Mesopotamien

Assyrien

Neubabylonien (chaldäisches Reich)

Das Perserreich von 525 bis 331 v. Chr.

Ägäis und kretisch-mykenische Kultur um 2000 bis 1400 v. Chr.

Die griechische Kolonisation

Die Perserkriege

Die Feldzüge Alexanders des Grossen

Das Alexanderreich

Kelten (Gallier, Galater)

Roms Unterwerfung Italiens

Hannibals Tollkühnheit und Roms Standhaftigkeit im Zweiten Punischen Krieg

Roms Aufstieg zur Weltmacht

Adoptivkaiser und Ende der Reichsexpansion

Stabilität des Bestehenden

Diokletians Tetrarchie (Viererherrschaft)

Unaufhaltsamer Zerfall des Reiches

Asiatische Anstösse zur germanischen Völkerwanderung

Völkerwanderungswirrwarr

Mittelalter

Das Frankenreich König Chlodwigs

Fazit der Völkerwanderung

Justinians Versuch, das Rad der Geschichte zurückzudrehen

Die Ausbreitung des Islams

Die islamische Welt heute

Das Frankenreich der Karolinger

Byzanz 565, 1025, 1265 und 1355

Ottos I. Kaiserreich

Die Weltlage vor dem Jahre 1000

Die Kreuzzüge

Das Hohenstaufenreich von 1152 bis 1250

Europa zur Zeit Kaiser Friedrichs II

Das Spätmittelalter zur Zeit Karls IV

Die Mongolenreiche

Das Osmanische Reich

Italien zur Zeit der Renaissance

Die zentrale Verkehrslage Italiens vor den Entdeckungen

Habsburger Herrschaftsgebiete am Ende des Mittelalters

Neuzeit

Europa im 16. Jahrhundert

Mayakultur und Aztekenreich

Die iberische Kolonisierung Amerikas

Verschiedene Weisen der Kolonisierung Amerikas

Die 13 Neuenglandstaaten und die Gründung der USA

Das Wachstum der USA an Land

Asien im 16. und 17. Jahrhundert

Das Handelsnetz der Holländer

Holländischer Kolonialismus

Die anglo-holländischen Kriege von 1652 bis 1673

Asien im 18. Jahrhundert

Europa in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts

Der Spanische Erbfolgekrieg

Die osteuropäische Mission Habsburg-Österreichs

Die Ausbreitung des Maria-Theresien-Talers

Das Ausdehnungsgebiet des spanischen Pesos

Die Industrialisierung Englands im 18. und 19. Jahrhundert

Das napoleonische Reich

Europa nach dem Wiener Kongress

Die Einwanderung in die USA im 19. Jahrhundert

Der Sezessionskrieg zwischen Union und Konföderation

Die maritime Expansion Amerikas von 1865 bis 1917

Das britische Empire vor 1900

Die Ausbreitung des englischen Pfundes

Eisenbahnnetze und industrielle Revolutionen

Die Lateinische Münzunion

Das Einflussgebiet der Lateinischen Münzunion um 1900

Europa 1914

Die Ausbreitung des US-Dollars

Europas Nachkriegsepoche von 1945 bis 1989

Europa und grosse Wirtschaftsräume zu Beginn des 21. Jahrhunderts

Vorwort des Herausgebers

Geografische Karten haben auf den ersten Blick nur wenig mit Münzen und Geldscheinen gemein. Doch sind diese Gebrauchsobjekte beredte Zeugen der Geschichte, sie künden von Entstehung, Blüte und Zerfall von Reichen, von den politischen und gesellschaftlichen Verhältnissen ihrer Zeit. Karten machen ausserdem sichtbar, wie Grenzen sich im Laufe der Zeit verändern, sei es durch Kriege oder durch gesellschaftliche, demografische und klimatische Entwicklungen. So wie sich die historische Entwicklungen auch im Aufstieg und Niedergang von Währungen spiegeln.

Raum und Zeit sind die Dimensionen, in denen sich die Geschichte der Menschheit abspielt. Der geografische Raum beeinflusst Charakter und Handeln seiner Bewohner oft entscheidend. Wer zum Beispiel Griechenland auf einer Landkarte betrachtet, begreift sehr gut, dass die griechische Welt mit ihren zahllosen Inseln und Halbinseln und den von schroffen Gebirgen voneinander getrennten Tälern in der Antike zur Bildung von Kleinstaaten prädestiniert war. Auch dass die Ägäis zur Seefahrt lockte und damit Weltoffenheit, Handel und die Verbreitung griechischer Kultur förderte, wird durch den Blick auf die Karte klar.

Karten – wie Münzen – sind für den historisch Interessierten aber nicht immer einfach zu lesen. Denn der dazugehörende geschichtliche Zusammenhang muss meist erst mühsam nachgeschlagen werden. Deshalb ist in dieser Publikation jeder Karte ein historischer Kommentar beigesellt, der wichtige politische und kulturelle Entwicklungen und Ereignisse der jeweiligen Zeit beschreibt. Die Bilder und Texte vermitteln so einen rasch zugänglichen Überblick über die Geschichte des Abendlandes – von der Gründung der frühen Reiche in Mesopotamien bis zur Europäischen Währungsunion.

Mit Dr. Gerhard Frick, Historiker und Autor einer vielgerühmten «Weltgeschichte in Zusammenhängen», zeichnet ein ausgewiesener Fachmann für die historischen Kommentare verantwortlich. Fundiertes Wissen, gepaart mit einem sicheren Verständnis für historische Sinnzusammenhänge, erlaubt es ihm, mit wenigen Sätzen pointierte Aussagen zu machen. Dabei zeigt er immer wieder auf, wie Welten (auch Geisteswelten) sich aufeinander zu oder voneinander weg entwickelt und in geografischen Gebilden niedergeschlagen haben. Die Fokussierung auf die grösseren Zusammenhänge bringt es dabei mit sich, dass in diesem Band die «Haupt- und Staatsaktionen» mehr Raum finden als die alltägliche Welt der Leute von einst. Denn gerade bei der Expansion und beim Zerfall von Staaten haben sie – darunter auch die in der heutigen Geschichtsschreibung unbeliebten Kriege – eine massgebliche Rolle gespielt.

Jürg Conzett

MoneyMuseum

www.moneymuseum.com

Altertum


Frühe Reiche in Mesopotamien

Die sicherlich nicht vom Menschen verursachte Klimaerwärmung nach der letzten Eiszeit, um 10000 v. Chr., bewirkte, dass die Nomaden aus den Gebieten, die Wüste wurden, zum Wasser drängten – aus der Sahara zum Nil und aus der arabischen Halbinsel zu Euphrat und Tigris. Die dort sich verdichtende Bevölkerung erlaubte Arbeitsteilung, sodass künstliche Bewässerung möglich wurde, dank der die grosse Zahl von Menschen ernährt werden konnte. Dabei hatten sich – wohl notwendigerweise – staatliche Ordnungen (Monarchien) etabliert. Die Arbeitsteilung erlaubte auch höhere Kultur: Die Sumerer (um 3000 v. Chr.) hatten schon früh Schöpfräder und den Gewölbebau erfunden; schliesslich hinterliessen sie unter vielem anderem das Gilgamesch-Epos mit der Sintflutsage sowie die immer noch übliche Zeiteinteilung (zu 24 Stunden, 60 Minuten etc.) und die Siebentagewoche mit ihren ebenfalls bis heute perennierenden Götternamen.

In dem von Meeren, Wüsten und Gebirgen umgrenzten Land mochte Sargon I., König von Akkad, um 2230 v. Chr. glauben, die Welt zu beherrschen, als er sich rühmen konnte, «vom oberen bis zum unteren Meer» (vom Mittelmeer bis zum Persischen Golf) keinen Feind mehr zu haben. – Erwähnenswerter: Der babylonische König Hammurabi liess um 1700 v. Chr. die älteste erhaltene Gesetzessammlung aufschreiben, die weit mehr Weisheit überlieferte, als ihr von Moses übernommenes und allbekannt gewordenes Prinzip «Auge um Auge, Zahn um Zahn» erwarten lässt. – Assyrer und Perser haben dann aber vor allem die Idee der Weltherrschaft über das Zweistromland hinaus expandiert.


Assyrien

Die Assyrer boten ein erstes Beispiel dafür, wie das Zusammengehörigkeitsgefühl auf Grund gemeinsamer Abstammung (Nationalismus) mit Pseudoreligion vertuscht und überhöht werden kann, sodass scheinbar nicht mehr bloss das egoistische Machtstreben der Völker Geschichte macht, sondern eine angeblich höhere Gewalt. Die Assyrer glaubten, im Auftrag ihres Gottes Assur die Welt erobern zu müssen, und das mit unerhörter Grausamkeit; Gefangene wurden geschunden – im Namen Assurs wurde ihnen bei lebendigem Leib die Haut abgezogen. Vor diesem Gott galt das Abschlachten ganzer Völkerschaften als Ruhm.

Und doch haben diese Assyrer eine Bildhauerei von grandioser Erhabenheit kreiert – imposante geflügelte Stier- und Löwenfiguren mit Menschenkopf wachten vor den Palästen. Mit solchen Werken wurden sogar die babylonischen Lehrmeister übertroffen, die militärisch zwar von den Assyrern besiegt, aber trotzdem den neuen Herren die von den Sumerern geerbte Kultur auch wieder zu vererben vermochten.

Sanherib, der um 700 v. Chr. Babylon dem Erdboden gleichgemacht und Ninive gegründet hatte, verleugnete seinen Vater, um sich als Nachkomme des sumerischen Helden Gilgamesch auszugeben. Sein Enkel Assurbanipal hinterliess eine Bibliothek von 22000 Tontafeln, darunter Werke über Astronomie und Mathematik sowie eine Fassung eben jenes ältesten Epos, das Gilgameschs vergebliche Suche nach dem ewigen Leben erzählt.


Neubabylonien (chaldäisches Reich)

Wie die Assyrer Babylon zerstörten, so zerstörten um 700 v. Chr. Chaldäer und Meder Ninive und das assyrische Reich, worauf Babylon um 600 v. Chr. wiederaufgebaut und sogar zur grössten Stadt des Altertums wurde (2 Millionen Einwohner, Rom nur anderthalb). König Nebukadnezar machte die Stadt zur anscheinend uneinnehmbaren Festung mit doppelt geführten, je 8 Meter dicken Mauern und vielen Türmen. Dem Gott Marduk erbaute er den 91 Meter hohen Stufentempel, den «Turm von Babel», seiner Gattin den Palast mit den stellenweise über die Flachdachkante herab-«hängenden Gärten» und sich selbst den Bau, dessen glasierte farbige Ziegel weit über das Land hin leuchteten.

Doch 20 Jahre nach Nebukadnezars Tod, 539 v. Chr., öffneten die Mardukpriester dem persischen Weltreichgründer Kyros die Tore der vermeintlich uneinnehmbaren Stadt, weil der letzte König von Babylon seinen Lieblingsgott Sin (den Mond) über Marduk (die Sonne) gestellt hatte. Der Sohn des letzten Königs Belsazar starb im Verteidigungskampf. – Der Fall Babylons beendete die Babylonische Gefangenschaft der Juden, die 587 v. Chr. bei der Einnahme und Plünderung Jerusalems Widerstand geleistet hatten und deportiert worden waren. Begreiflicherweise hat die Bibel von dieser Zeit äusserst negative Bilder überliefert: Nebukadnezar als wahnsinniger Tyrann und seine Residenz als Inbegriff der sündigen Grossstadt, der «grossen Hure Babylon». Zutreffend schrieb jedenfalls der Prediger Salomo: «Ein jegliches hat seine Zeit (…). Steine zerstreuen und Steine sammeln (…). Es ist alles eitel.»


Das Perserreich von 525 bis 331 v. Chr.

Ein bei der damaligen Verkehrstechnik erstaunliches Grossreich schufen die Perser, die ihr um 2000 v. Chr. erwandertes Hochland zur Unterscheidung von der semitischen Umgebung Aryana, «Land der Arier» (der Vornehmen), nannten. Daran erinnert heute noch der Name Iran. Anfangs den Medern untertan, erhoben sich die Perser unter Kyros und wandelten das medische Reich in ein persisches um, erweiterten es und vereinigten dank der religiösen Toleranz des Grosskönigs die verschiedensten Völker in einer grossen Ordnung. In den Provinzen wurden Satrapen (Statthalter) eingesetzt, die ihren Verwaltungsbezirk selbständig, aber verantwortlich regierten; sie wurden von geheimen Agenten, «den Augen und Ohren des Grosskönigs» kontrolliert.

Feuersignale als eine Art von Telegrafie, vor allem aber vorzügliche Strassen dienten dem Zusammenhalt des Reiches. Auf der Königsstrasse verkehrte die erste regelmässige Post der Weltgeschichte, freilich nur im Dienste der Herrschaft.


Ägäis und kretisch-mykenische Kultur um 2000 bis 1400 v. Chr.

Die erste europäische Hochkultur verdankte ihre Genese der Ausstrahlung des Morgenlandes: «Ex oriente lux.» Das kommt auch in der Sage zum Ausdruck, nach der Zeus in Stiergestalt die phönizische Königstochter Europa nach Kreta und somit in die nach ihr benannte Welt entführte, wo sie seinen Sohn Minos gebar. Tatsächlich bezeugt die kretische, auch minoisch genannte Kultur eine Stiergottheit. Ein Altar erinnert an Stierhörner; und Wandmalereien im prachtvollen labyrinthartig angelegten Palast von Knossos zeigen Jünglinge und Mädchen, die über einen Stier springen. Es ist aber nicht eine urtümlich primitive, sondern augenscheinlich eine späte, lange verfeinerte Kultur, was die Darstellungen der hocheleganten, mit Metallgürteln eng geschnürten Gesellschaft – bartlos die Herren, oben ohne die Damen – aus dem 2. vorchristlichen Jahrtausend vermitteln. Und tatsächlich standen die Kreter um 1500 v. Chr. nach einer fünf Jahrhunderte dauernden Entwicklung vor dem Ende ihrer Zeit. Um 1400 v. Chr. zerstörten die einwandernden griechischen Achäer die kretischen Städte.

Aber wie so oft wurden die militärisch siegreichen Barbaren kulturell ihrerseits besiegt. Die Achäer ahmten die kretische Architektur, freilich vergröbert, nach und bauten auf der Peloponnes nun selber Städte mit wuchtigen Burgen aus mächtigen Steinquadern («Kyklopenmauern»), so Tiryns und, besonders zu erwähnen, Mykene, das für diese minoische Nachfolgekultur namengebend wurde. Homers «Ilias» nennt Agamemnon, den König von Mykene, als Anführer im Trojanischen Krieg. Tatsächlich wurde Troja auch einmal von Achäern erobert.


Die griechische Kolonisation

Von 800 bis 500 v. Chr. entstanden viele griechische Pflanzstädte vom Schwarzen Meer über manche Strecken der Mittelmeerküsten bis nach Spanien. Viele erinnern heute noch mit ihrem Namen an den griechischen Ursprung: Byzanz (älterer Name von Istanbul) an Byzantion, Rhodos, immer noch gleichnamig, an Rhodos, Syrakus an Syrakusai, Agrigent an Akragas, Marseille an Massalia, Neapel an Neapolis, Tarent an Taras, Reggio an Rhegion. Unteritalien wurde zu «Grossgriechenland». Bis zu ihrem Erstarken blieben die Tochterstädte von ihren Mutterstädten in Griechenland abhängig. Danach aber entwickelten sie sich selbständig und verbreiteten damit in Europa die Idee der freien Polis, wie sie in Griechenland beispielgebend entwickelt worden war.

Von den Phöniziern, die die südliche Mittelmeerküste stellenweise – ebenfalls bis zur Iberischen Halbinsel – kolonisierten, wirkte nicht ebenso viel Zukunftsträchtigkeit nach, abgesehen von Karthago, das aber schon 146 v. Chr. zerstört wurde.


Die Perserkriege

Schlachtenszenen und Kriegsverläufe sind heutiger Geschichtsschreibung nicht mehr genehm, oft mit Recht. Die Zurückhaltung darf aber keineswegs die Perserkriege betreffen, weil diese nun einmal einzigartig weichenstellend die Zukunft bestimmten und wohl sogar notwendig waren, damit Europa, das physisch ein ausgefranster Zipfel der asiatischen Landmasse wäre, – den geographischen Definitionen zum Trotz – ein besonderer Kontinent werden konnte. Das bedeutete damals beispielsweise, dass man sich in dem werdenden Europa nicht bäuchlings auf den Boden legen wollte, wie es in dem ungeheuer grossen Perserreich geboten war, wenn einem der Grosskönig eine Audienz gewährte. – Wenn übrigens ein Begriff so allgemein bekannt ist wie der Marathonlauf, dann muss es erlaubt sein, an jene Schlacht zu erinnern, wo 490 v. Chr. ein kleines Heer dank Intelligenz über ein weit grösseres, besser bewaffnetes triumphierte und wo der Siegesbote, um Athen von Angst zu befreien, sein Leben einsetzte. – Es gibt ein historisches Gebot der Dankbarkeit für die rettenden und opferbereiten Taten früherer Geschlechter.

Verdankenswert und erstaunlich ist auch heute noch der geniale Plan des Themistokles, der 480 v. Chr. die Athener dazu brachte, ihre Stadt der Eroberung und Zerstörung durch das persische Landheer preiszugeben und alles Heil auf den Schiffen zu suchen, für Frauen und Kinder auf der Insel Salamis. Denn der dortige, entscheidende Sieg konnte nur in dem engen Sund erhofft werden, wo die Überlegenheit der kleinen und wendigen Schiffe der Griechen über die schwerfällig grossen der Perser zur Geltung kam.


Die Feldzüge Alexanders des Grossen

Fast unglaublich mutet es an, dass Alexander, als König des kleinen Makedoniens und unerwünschter Feldherr der Griechen, das riesige Perserreich zu erobern vermochte, indem er in den aussichtslos scheinenden Schlachten von Issos (333 v. Chr.), Arbela und Gaugamela (331 v. Chr.) dank unerhört überraschender Taktik siegte und dank der gewaltigen Marschleistung seiner Makedonen (oft 60 Kilometer pro Tag) den Grosskönig Darius III. in nützlicher Frist bis nach Sogdiana (Usbekistan, auf der Karte mit Samarkand angedeutet) und bis in die Gebirge von Baktrien (Afghanistan) verfolgen und beerben konnte.

327 bis 325 v. Chr. unternahm der wissbegierige Schüler des Aristoteles, begleitet von Gelehrten, einen Indienzug, um die östlichen und südöstlichen Grenzen der bewohnten Welt zu suchen. Eine Meuterei des doch endlich eroberungssatten Heeres zwang ihn zur Rückkehr, die aber doch noch dazu dienen sollte, durch eigens gebaute Schiffe einen allfälligen Seeweg von Indien nach Mesopotamien zu erkunden. Die Flotte unter dem Kommandanten Nearchos fand schliesslich den schmalen Zugang zum Persischen Golf und war gerettet, während vom Landheer in der Wüste Gedrosia (Pura, Belutschistan) viele verdursteten. Alexander soll dort die letzte Flasche Wasser, die ihm gebracht wurde, vor aller Augen ausgeschüttet haben.


Das Alexanderreich

Ein verwegenes Unternehmen war es, das Perserreich zu erobern; ein anderes und fast noch schwierigeres war es, dieses Reich mit völlig landesfremden makedonischen Offizieren zu verwalten. Deren Selbstbewusstsein widerstrebte anfänglich dem schlechterdings notwendigen Befehl Alexanders, persische Frauen zu heiraten und sich von den ehemaligen Satrapen beraten zulassen. Mit diesem trotz heftigem Widerstand durchgesetzten Entgegenkommen zugunsten der Besiegten wurde – wie noch oft, aber gar nicht immer in der Geschichte – die Fremdheit der Sieger gemildert, die Ordnung einigermassen gewahrt, und deren kulturelle Vorzüge wurden den neuen Herren auferlegt.

Doch damit nicht genug, wollte Alexander nach der Durchdringung des damals bekannten Ostens auch den damaligen Westen erobern. Die einst im mesopotamischen Akkad aufgetauchte Idee der Weltherrschaft erschien im Bereich des Möglichen; denn wo sollte dem einzigartig erfolgreichen Draufgänger entscheidender Widerstand entgegentreten? Rom beherrschte noch nicht einmal Italien und war in peinliche Kämpfe mit dem tapferen Bergvolk der Samniten verstrickt. Der äusserst gefährliche zusätzliche Kampf blieb der Stadt, die später Alexanders Vision weitgehend verwirklichen sollte, erspart; denn Alexander starb 323 v. Chr., 33-jährig, nicht in einer Schlacht, sondern an einem Fieber (wie die Ärzte in Unkenntnis der eigentlichen Krankheit den Tod mit dem Symptom erklärten) in Babylon, der bereits bestimmten Hauptstadt des geplanten griechisch-makedonischen Weltreichs.


Kelten (Gallier, Galater)

Die Kelten (lat. celtae und galli, davon dt. Gallier und frz. gaulois) waren Völker einer indogermanischen Sprachgruppe, die ihr Kerngebiet im westlichen Mitteleuropa hatten und ihren wichtigsten Beitrag an die Kulturgeschichte schon in der Prähistorie – in der Bronze- und in der Eisenzeit – erbrachten (in Mitteleuropa 2000–1200 v. Chr. und nach 1200 v. Chr.). An der Umstellung von Bronze- auf Eisenwerkzeuge und -waffen beteiligten sich die handwerklich geschickten Kelten massgebend; und mit dem Salzabbau, der besonders in den Bergwerken von Hallstatt florierte, ermöglichten sie die Konservierung und damit den überregionalen Transport verderblicher Nahrung. Die Ausgrabungen bei Heuneburg bezeugen Handelsbeziehungen bis zum Mittelmeer.

Namentlich in der jüngeren Eisenzeit nach 500 v. Chr. (auch La-Tène-Zeit genannt, nach dem Fundort eines riesigen Waffenlagers) rückten die Kelten zu kriegerischen Wanderzügen aus, die im Westen bis nach Spanien führten, wo ein keltiberischer Bevölkerungsteil entstand, und im Osten bis nach Kleinasien, wo ein Stadtteil Konstantinopels und ein Brief des Apostels Paulus an die Galater erinnert. Vielfach war der Süden das Ziel. Rom wurde noch 387 v. Chr. vom keltischen Fürsten Brennus gedemütigt und geplündert. Die Poebene wurde Gallia cisalpina. Die keltischen Helvetier gelangten 107 v. Chr. bis an die Garonne, 58 v. Chr. wurden sie allerdings von Caesar heimgeschickt, der danach ganz Gallien eroberte, das bald darauf die Sprache Roms annahm. Keltisch überlebte in Irland (Gälisch), in Berggebieten Schottlands, in Wales (Walisisch) und in der Bretagne.


Roms Unterwerfung Italiens

Rom, nur eine von mehreren latinischen Städten, verstand es im 3. Jahrhundert v. Chr., die ganze italienische Halbinsel an sich zu binden. Nach erfolgreichen militärischen Aktionen siedelte es jeweils im Gebiet der besiegten Feinde seine besitzlosen Jungbürger an, die dann ihre Bürgerkolonie im eigenen Interesse und mit Roms Hilfe verteidigten und so dessen Macht, Sprache und Kultur verbreiteten. Zudem wusste Rom die vielen verschiedenen Völker Italiens nach dem Prinzip «Divide et impera!» (Teile und herrsche!) gegeneinander auszuspielen, indem es mit jedem – freiwillig oder gezwungenermassen – bündnisbereiten Partner einen besonderen, bilateralen Vertrag schloss und somit ein multilaterales Bündnis, in welchem Rom keine Sonderstellung gehabt hätte, verhinderte.

Zum Zusammenhalt des Staatsgebildes dienten wie in Persien die Strassen, vornehmlich die Via Appia, die schliesslich bis Brindisi führte, und die Via Flaminia nach Pesaro. Die Poebene gehörte noch nicht zu Italien.


Hannibals Tollkühnheit und Roms Standhaftigkeit im Zweiten Punischen Krieg

Man mag sich wundern, in einer kulturell orientierten Folge von Kartenbesprechungen einen Feldzug beachtet zu finden, der scheinbar nur kriegsgeschichtliches Interesse auf sich zieht. Es ging aber bei Hannibals Feldzug von Spanien (218 v. Chr.) über die Pyrenäen und über die noch fast unbekannten, gefahrvollen Alpen ins Pogebiet keineswegs nur um Macht. Und auch, als der punische Feldherr nach dem verlustreichen Alpenübergang mit dem bereits auf 20000 Fusssoldaten, 6000 Reiter und wenige Elefanten zusammengeschmolzenen Heer in genialen Schlachten die grossen Armeen Roms besiegte und 16 Jahre lang ohne Nachschub die italienische Halbinsel verwüstete, ging es sehr wohl um Kultur. Denn die Frage war gestellt, ob die noch primitiven Entwicklungsgebiete am westlichen Mittelmeer vom nördlichen oder vom südlichen Ufer her erschlossen würden. Auch ohne Werturteil lässt sich sagen, dass die Weltgeschichte jedenfalls anders verlaufen wäre, wenn die damalige Zukunft nicht von Rom mit seinem nüchternen politischen und juristischen Ordnungssinn bestimmt worden wäre, sondern von Karthago mit seiner phönizischen Kultur, die sich von Exzessen, beispielsweise vom Menschenopfer für Baal und Moloch, noch nicht deutlich distanziert hatte.

Latein, um 500 v. Chr. die Sprache eines winzigen Gebietes von etwa 800 Quadratkilometern, wäre nicht die Mutter der vielen romanischen Sprachen in aller Welt geworden. Viele Folgen sind nicht auszudenken. In dieser Perspektive – hinsichtlich unserer vertrauten Welt – ist den Römern und ihren Bundesgenossen wohl heute noch für die unvorstellbar gewordene Tapferkeit zu danken.

Nach der beispiellosen Schlacht von Cannae (216 v. Chr.) – über 70000 Römer wurden an einem einzigen Tag in lähmend enger Umfassung hilflos abgeschlachtet – weigerte sich der Senat, den karthagischen Friedensunterhändler auch nur zu empfangen. Das römische Wertbewusstsein hielt stand, bis endlich, 202 v. Chr., die letzte Schlacht und damit der Krieg doch noch gewonnen wurde.


Бесплатный фрагмент закончился.

178,42 ₽
Возрастное ограничение:
0+
Объем:
111 стр. 69 иллюстраций
ISBN:
9783037600252
Издатель:
Правообладатель:
Bookwire
Формат скачивания:

Похожие книги