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Lieblingsplätze Oberfranken
Friederike Schmöe
Impressum
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Sofern nicht im Folgenden gelistet, stammen alle Bilder von Friederike Schmöe:
ThermeNatur (Bad Rodach) 36; Levi-Strauss-Museum (Buttenheim) 98; Matthias Schulz (Effeltrich) 112; Michael Stumpf 140; Klaus Beer 144, 188; Deutsches Porzellanmuseum (Hohenberg an der Eger) 146; Luisenburg Festspiele, Bessermann (Wunsiedel) 150; Susanne Tomis-Nedvidek (Bad Berneck) 158; Deutsches Dampflokomotiv-Museum, Reinhard Feldrapp (Neuenmarkt) 166
Alle Seitenangaben in diesem Buch beziehen sich auf die Seitenzahlen der gedruckten Ausgabe.
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1., überarbeitete Neuauflage 2021
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Im Ehnried 5, 88605 Meßkirch
Telefon 0 75 75/20 95-0
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Alle Rechte vorbehalten
Lektorat/Redaktion: Anja Kästle
Herstellung: Julia Franze
E-Book: Mirjam Hecht
Umschlaggestaltung: Susanne Lutz
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© VRD – stock.adobe.com; © SimpLine – stock.adobe.com; © Bojanovic78 – stock.adobe.com; © natbasil – stock.adobe.com; © EH Grafik –
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stock.adobe.com; © mohamed_hassan – pixabay.com; © Katrin Lahmer;
© Benjamin Arnold
Kartendesign: Matthias Schatz
ISBN 978-3-8392-6376-1
Inhalt
Impressum
Für Träumer, Monarchisten und Outdoorcracks
Vorwort: Quer durch Oberfranken
Coburg und oberes Maintal
1 Die fränkische Krone
Coburg: Veste Coburg
2 So monarchisch wie freisinnig
Coburg: Schlossplatz
3 Atlaszeder und Tulpenbaum
Coburg: Spaziergang durch den Hofgarten
4 Hallo, Pralinenschachtel!
Coburg: Rund um den Marktplatz
5 Gebt dem Leben Farbe!
Coburg: Café M
6 Architektur und Wohnen um 1900
Coburg: Ein Villenspaziergang
7 Very British
Coburg: Schloss Callenberg
8 Ein königliches Zuhause
Rödental: Schloss Rosenau
Die Coburger – die besseren Bayern?
Das Haus Sachsen-Coburg
9 Schafe sind nicht nur zum Zählen da!
Ahorn: Alte Schäferei
10 Heilung aus den Tiefen der Erde
Bad Rodach: »ThermeNatur«
11 Grüß Gott, Mitteltalter!
Seßlach: Spaziergang durch die Altstadt
12 Die Nase im Wind
Itzgrund: Radtour durch den Itzgrund
13 Bier wie Bernstein
Rattelsdorf: Brauerei Fischer
14 Astronomie am Wegesrand
Unnersdorf: Planetenweg und Kloster Banz
15 Geniestreich am Obermain
Bad Staffelstein: Basilika Vierzehnheiligen
16 Zauberhafter Gottesgarten
Bad Staffelstein: Wanderung auf den Staffelberg
17 Die Lande um den Main zu Ihren Füßen
Ebensfeld: Rundweg Veitsberg
18 Barockissimo im Kleinstformat
Zapfendorf: Valentinikapelle in Unterleiterbach
Bamberg, Forchheim und fränkische Schweiz
19 Symbol des Fränkischen Roms
Bamberg: Der Kaiserdom
20 Orte, die Geschichte atmen
Bamberg: Domberg
21 Ruhe im Trubel
Bamberg: Spaziergang zum Kloster St. Michael
22 Bienenleben und Wasserspaß
Bamberg: ERBA-Park
Das Fränkische Rom
Mediterranes Bamberg
23 Das dunkelgrüne Herz der Stadt
Bamberg: Stadtpark Hain
24 Bambergs höchster Gipfel
Bamberg: Spaziergang zur Altenburg
25 Jeder Laune ihr Bier
Bamberg: Mahr’s Bräu
26 Kunst und Kneipen, Hand in Hand
Bamberg: Unterwegs im Stadtgebiet Sand
27 Ein Glück für Leib und Seele
Bamberg: Sandkerwa im Stadtgebiet Sand
28 Besuch bei »Mobbl«
Bamberg: Naturkundemuseum
29 Da braut sich was zusammen!
Bamberg: Brauhaus Zum Sternla
30 Die Raketenbasis hat ausgedient
Scheßlitz: Schönstatt-Zentrum Marienberg bei Dörrnwasserlos
31 Setzen, essen, trinken!
Stadelhofen: Hübner Bräu in Steinfeld
32 Ein Kirchlein auf dem Felsen
Scheßlitz: Wallfahrtskirche Gügel bei Zeckendorf
33 Chillen am Fuß der Fränkischen Alb
Litzendorf: Brauerei Hönig in Tiefenellern
34 Ein barockes Juwel
Pommersfelden: Schloss Weißenstein
35 Zwischen Himmel und Erde
Pommersfelden: Kellerhaus
36 Gebraut mit Sonnenkraft
Viereth-Trunstadt: Brauerei-Gasthof Kundmüller in Weiher
37 Krönungsort der Karolinger
Forchheim: Spaziergang durch die Altstadt
38 Relikt eines alten Traums
Eggolsheim: Schleuse 94
39 Beinkleid aus Franken
Buttenheim: Levi Strauss Museum
Rauchig – eisig – süffig
Oberfranken – Bierfranken
40 Eine Ritterburg wie im Bilderbuch
Ahorntal: Burg Rabenstein
41 Für Wallfahrer und Kunstgenießer
Gößweinstein: Basilika Gößweinstein
42 Unaufgeregt und authentisch
Obertrubach: Ortskern
43 »Na, was kriegt ihr?«
Leutenbach: Brauerei Alt in Dietzhof
44 Der Zauber von Sankt Nikolaus
Pinzberg: Pfarrkirche Sankt Nikolaus
45 Zum Fest gehen Frau und Mann in Tracht
Effeltrich: Spaziergang durch den Ortskern
46 Geschichte auf Berg- und Talfahrt
Gräfenberg: Spaziergang vom Marktplatz zur Dreifaltigkeitskirche
47 Oberfrankens älteste Brauerei
Weißenohe: Klosterbrauerei Weißenohe
Bayreuth, Hof und Fichtelgebirge
48 Grün und intim
Bayreuth: Hofgarten und Wagner-Grab
49 Die High Society von einst
Bayreuth: Stadtfriedhof
Klänge für Genießer
Oberfrankens musikalische Highlights
50 Kosmopolit und Exzentriker
Bayreuth: Franz-Liszt-Museum
51 Ein Zuhause für Faune und Satyrn
Bayreuth: Eremitage
52 Auf nach Afrika!
Bayreuth: Forsthaus Kamerun
53 Naturtheater und Götterwinkel
Wonsees: Felsengarten Sanspareil
54 Einmal quer durchs Paradies
Königsfeld: Das Paradiestal
55 In Hof ganz oben
Hof: Theresienstein
56 Pracht und Understatement in einem
Hof: St. Michaeliskirche
57 Wiedersehen in Entenhausen!
Schwarzenbach an der Saale: Erika-Fuchs-Haus
58 »Little Berlin«
Töpen: Ehemalige innerdeutsche Grenze in Mödlareuth
59 Einmal um die ganze Welt
Oberkotzau: Fernwehpark »Signs of Fame«
60 Dem Weißen Gold auf der Spur
Hohenberg an der Eger: Auf der Porzellanstraße im Fichtelgebirge
61 Gießen, Brennen, Glasieren
Selb: Porzellanikon
62 Die Königin lädt zum Drama
Wunsiedel: Luisenburg-Festspiele Wunsiedel
Viel Raum für Sportskanonen
Sportlich durch Oberfranken
63 Ski, Rodel und Fantasie gut
Bischofsgrün: Bergerlebnis Ochsenkopf
64 Giersch, Bärwurz und Hirschholunder
Bischofsgrün: Gasthof Deutscher Adler
65 Naturwunder unter Tage
Bad Berneck: Kristallgrotte Bad Berneck
Kulmbach, Kronach und Frankenwald
66 Die heimliche Weltstadt des Bieres
Kulmbach: Stadt zwischen Starkbier und Zinnfiguren
67 Die Entdeckung der bierologischen Freiheit
Kulmbach Kommunbräu
68 Es wallet, siedet, brauset und zischt
Neuenmarkt: Deutsches Dampflokomotiv Museum
69 Hochkarätige Eisenbahnhistorie
Marktschorgast: Bahnstrecke »Schiefe Ebene«
70 Die heimliche Kolonie der Künstler
Thurnau: Pfad der Kunsthandwerker
71 Eine Reise mit der Zeitmaschine
Kronach: Spaziergang durch die Altstadt
72 Wehrhaft und unverwüstlich
Kronach: Festung Rosenberg
Frankens Sprache, Frankens Charme
Fränkisch
73 Neugeborene Biertradition
Kronach: Brauerei »’s Antla«
74 Kommt, lasst uns schmausen!
Kronach: Kaiserhofbräu
75 Nordland-Feeling in Oberfranken
Steinwiesen: Ködeltalsperre
76 »Leuchtturm des Westens«
Ludwigsstadt: Wanderung zur Thüringer Warte bei Lauenstein
77 Fantastische und fantasievolle Köstlichkeiten
Ludwigsstadt: Burg Lauenstein
Karte
Für Träumer, Monarchisten und Outdoorcracks
Vorwort: Quer durch Oberfranken
Wie – Sie möchten nach Oberfranken reisen? Im Ernst? Na gut, Sie haben’s nicht anders gewollt. Aber sagen Sie nachher nicht, ich hätte Sie nicht gewarnt. Was spricht dafür, in diesen abgelegenen Landstrich vorzudringen? Wo es ländlich-sittlich zuzugehen scheint? Was gibt es zu sehen und zu erleben in diesem grünen, amöbenartigen Gebilde, das durchströmt wird von ein paar mäandernden Flüssen, das ansonsten aber ziemlich gebirgig ist und hochdeutsch sprechende Landsleute mitunter vor echte Probleme stellt? Kurzum: Wer will schon nach Oberfranken?
Okay, ich sehe, Sie lassen sich nicht abwimmeln. Na dann, auf geht’s! Öffnen wir gemeinsam Herz und Sinn für die Genussregion Oberfranken. Genuss gibt es hier reichlich, Genießer auch, kulturell, kulinarisch und »bierologisch« gesehen. Ein weiterer Pluspunkt: Globalisiert ist hier noch nicht viel, zu entdecken gibt es also genug, und zwar auf eigene Faust, mit Spaß an Umwegen. Offenherzige, Horizontgeweitete, seid willkommen! Wandert nach Herzenslust, erforscht Grotten und Höhlen, erobert Burgen, lasst euch auf Flößen über Stromschnellen treiben oder setzt euch in ein Café und träumt in den Tag. Das alles kann man hier machen. Lesen und Musik von Rang genießen übrigens auch. Sie werden noch erfahren, wie und wo.
Mein Name ist Friederike Schmöe, ich freue mich, dass Sie das Buch noch nicht wieder zugeschlagen haben und mich vielmehr als Ihre Lotsin mit an Bord nehmen. Beginnen wir in Coburg. Meiner Geburtstadt. Der Krone Frankens. Wenn man so will. Hier geht es herzoglich zu, immerhin haben die Coburger durch clevere Heiratspolitik auf allen möglichen Thronen Europas Fuß gefasst. Davon zeugen heute noch viele große und kleine Schlösser sowie das blaublütige Selbstbewusstsein einer pittoresken Kleinstadt.
Weiter geht’s durch das Obere Maintal nach Bamberg. Das Fränkische Rom! Hier wird es kirchlich, aber keine Sorge! Bamberg besitzt dank seiner vielen Studenten eine nennenswerte Subkultur, außerdem eine extreme Brauereidichte. Irgendwie mediterran lebt es sich hier, an den Ufern von Main und Regnitz, mit zahlreichen Cafés und Festen das ganze Jahr hindurch. Waren Sie schon einmal auf einer richtigen fränkischen Kirchweih? Dann los! Es ist nie zu spät!
Auf keinen Fall sollten Sie die Fränkische Schweiz verpassen. Der Schlupfwinkel des deutschen Gemüts, so schrieb Jean Paul – ein Muss für Romantiker mit Naturfaible. Natürlich auch für Kletterer und Wandergesellen. Weiter pirschen wir uns gegen den Uhrzeigersinn Richtung Bayreuth vor. Richtig: die Wagnerstadt! Musikcracks aufgepasst, nicht nur Wagner war hier eine große Nummer, sondern auch sein Schwiegervater, Franz Liszt, und überhaupt kann man in Bayreuth in Musik nur so schwelgen. Übrigens auch in Hof, »in Bayern ganz oben«. Die Stadt im Dreiländereck Bayern-Sachsen-Böhmen wird leider allzu oft abgestempelt als »Bayerisch Sibirien«. Von wegen: Für kulturelle Highlights sorgen hier unter anderem die Internationalen Hofer Filmtage, das Hofer Theater und die Hofer Symphoniker. Natürlich ist Hof auch ein wunderbarer Startpunkt für alle, die das grüne Fichtelgebirge durchstreifen oder im Winter auf schneesicheren Loipen dahingleiten wollen. Der Kreis schließt sich in Kulmbach und Kronach. Beides malerische Städtchen mit ehrfurchtgebietenden Burgen. Viele Künstler finden und fanden hier Inspiration. Mag sein, dass es Ihnen genauso geht. Warum also nicht einen Skizzenblock im Rucksack haben?
Zum Schluss noch ein Tipp für Outdoorfans: Sparen Sie Zeit und Geld und reisen Sie in den Frankenwald anstatt nach Norwegen! Das oberfränkische Naturerlebnis steht dem skandinavischen in nichts nach. Berg und Tal, Schlucht und Gebirgsbach, dazu viel Geschichte und allüberall eine Gastwirtschaft, die Hausmacherbrotzeiten serviert und einen Gerstensaft aus den Rohstoffen der Region braut, nicht massenkompatibel, sondern nahrhaft.
Sie sehen schon: Es spricht alles dafür, nach Oberfranken zu fahren.
Coburg und oberes Maintal

1 Die fränkische Krone
Coburg: Veste Coburg
Sie ist eine der größten Burgenanlagen Deutschlands. Ihre heutige Ausdehnung hatte sie bereits im 13. Jahrhundert. Wie eine Krone sitzt sie auf ihrem Bergkegel, sodass man ihr die Uneinnehmbarkeit schon von Weitem ansieht. Tatsächlich wurde die Veste Coburg nie militärisch erobert. 1632 zog Wallenstein unverrichteter Kriegsdinge wieder ab. Drei Jahre später nahmen die Kaiserlichen die Festung nach fünfmonatiger Belagerung ein – wie es heißt, gelang ihnen dieser Coup durch eine List.
Die Veste ist ein Ensemble der Superlative. Hier gibt es Mittelalter, Religionsgeschichte und Kunst im Überfluss. Die Sammlungen zeigen Glas, Kutschen, Schlitten, Intarsien, Waffen, Rüstungen und Kupferstiche. Selbst in den Burghöfen entdecke ich immer wieder etwas Neues – den kleinen steinernen Drachen bei der Lutherkapelle habe ich erst vor Kurzem erspäht.
Beginnen Sie Ihre Tour zur Veste am Parkplatz auf der Brandensteinsebene. Er liegt höher als die Burg selbst. Gehen Sie ein paar Schritte Richtung Flugplatz: Von hier haben Sie eindeutig das schönste Fotomotiv vor sich. Wandern Sie jetzt zur Veste hinunter. Über die ehemalige Zugbrücke kommend, blicken Sie direkt ins Burgenmaul. Bedrohlich lauert das Fallgitter mit seinen scharfen Zähnen unter dem Gewölbe. Sie tauchen beim Fürstenbau wieder aus der Dunkelheit auf. Bei jedem Besuch steige ich zuerst zur Hohen Bastei hinauf, vorbei an dem Satyr, der an der Steinwand hockt. Ich stelle mir oft vor, wie Martin Luther 1530 hinter den trutzigen Mauern Schutz suchte. Er blieb ein paar Monate, arbeitete an seiner Bibelübersetzung und verfasste den Coburger Psalter. Sein Zimmer wirkt wie eine Dichterstube, doch eher mönchisch als heimelig.
Von der Bastei blickt man weit in den Thüringer Wald und ins Fichtelgebirge. Lauschiger ist die Bärenbastei, die man über den zweiten Innenhof erreicht. Hier sitze ich auf der Wiese und schließe die Augen. Ich höre Hufgetrappel – es nähern sich Reiter. Pfeile sirren. Hören Sie es auch?
Die Hohe Bastei und der Innenhof zwischen Fürstenbau und Bulgarenturm ist Schauplatz eines winterlichen Krimishowdowns: Schockstarre, Meßkirch, Gmeiner 2007.

1
Veste Coburg
96450 Coburg
09561 8790
www.veste-coburg.de
2 So monarchisch wie freisinnig
Coburg: Schlossplatz
Jedes Jahr im Juli wandelt sich der Schlossplatz für ein paar Tage zur Gourmet-Meile: Steaks, Shrimps, Hummer, Prosecco, Bismarckheringe, Sturm’s Pilsener – mannigfaltige Leckereien finden ihren Platz in den Ständen auf dem Coburger Schlossplatzfest und in den Mägen der Besucher. So appetitanregend Nordbayerns größte Feinschmecker-Party auch ist: Ich mag den Schlossplatz am liebsten so frei und offen und herzoglich, wie er sich im städtischen Alltag zeigt.
Er ist einer der bemerkenswertesten Plätze in Bayern, monarchisch und irgendwie englisch – was in Coburg kein Wunder ist, immerhin reicht der Arm der blaublütigen Verwandtschaft weit ins britische Empire. Unter Herzog Ernst I. bekam der Schlossplatz als Vorhof von Schloss Ehrenburg sein heutiges Gesicht. Deshalb steht sein Denkmal im Rondell in der Mitte. Das Schloss können Sie besichtigen. Dabei werden Sie auch ins Schlafzimmer von Queen Victoria geführt und bekommen in einem Mahagoni-Schrank neben ihrem Bett eines der ersten Wasserklosetts auf dem Kontinent gezeigt.
Gegenüber liegt das Landestheater. Mit seiner Guckkastenbühne und dem herrlichen Spiegelsaal auch innen ein Schmuckstück. Neben dem Theater befindet sich das Palais Edinburgh, benannt nach Herzog Alfred von Edinburgh, der es mit seiner Familie Ende des 19. Jahrhunderts einige Jahre bewohnte. Die Arkaden begrenzen den Platz nach Osten. Wenn Sie die Treppen hinaufsteigen, erleben Sie den Schlossplatz aus neuer Perspektive. Fotografen lieben den Blick! Grazil ragt der Turm der Morizkirche hinter dem Schloss auf. Für Nachtaufnahmen-Cracks ein fotografisches Muss! Die neugotische Reithalle ein paar Meter weiter südlich geht auf Herzog Ernst II. zurück. Heute ist hier das Theater mit modernen, gewagten und speziellen Stücken beheimatet. Goldig und oft übersehen: die neugotische Wettersäule am nordwestlichen Ende des Schlossplatzes. Bestaunen Sie auch die Bürgerhäuser in der angrenzenden Grafenstraße – sie sind es wert!
Mit einem Coffee to go in der Abenddämmerung auf einer Bank unter den Arkaden Platz nehmen, die Glocken von St. Augustin läuten hören – und einfach schauen!

2
Glanzstück am Schlossplatz:
Palais Edinburgh
Schlossplatz 5/5 a
96450 Coburg
Schlossplatz mit Schloss Ehrenburg
Schlossplatz 1
96450 Coburg
09561 808832
www.schloesser-coburg.de
3 Atlaszeder und Tulpenbaum
Coburg: Spaziergang durch den Hofgarten
Zwischen Schlossplatz und Veste erstreckt sich der Hofgarten, anfangs noch recht flach, dann bald steil ansteigend. Mitte des 19. Jahrhunderts zum Landschaftspark umgestaltet, wartet der Hofgarten mit stillen Winkeln, altem Baumbestand und vielen Spielplätzen auf. Im Sommer ist Relaxen, Ballspielen und Jonglieren auf den Wiesen angesagt. Im Winter flitzen die Mutigen auf Schlitten oder Skiern durchs Veilchental.
Gerade erst wurde gemäht. Es riecht nach Gras, ein Duft, der schon auf den Arkaden oberhalb des Schlossplatzes nicht zu ignorieren ist. Ein kurzer Blick zurück – hier präsentiert sich der Schlossplatz in voller Schönheit. Doch jetzt heißt es: raus aus der Stadt! Vorbei am Standbild von Herzog Ernst II., hoch zu Ross. Auf ihn geht die heutige Anlage des Hofgartens zurück. Lupfen wir kurz den Hut.
Lieblingsplatz im Lieblingsplatz: der kleine Rosengarten. Schmucke Beete, zierliche Brünnlein. An der Mauer lehnt lässig Gott Pan mit Flöte. Am östlichen Ende hat sich der Kunstverein Coburg niedergelassen. Ein Typ mit rausgewachsener Punkfrisur übt mit dem Devilstick. Weiter geht’s!
Im Veilchental wird es steil. Hier hat man einen der schönsten Veste-Blicke der Stadt. Verpassen Sie nicht das kleine Mausoleum von Herzog Franz Friedrich Anton von Sachsen-Coburg-Saalfeld und seiner Frau Auguste Caroline Sophie. Das Moos am Sockel und die tief hängenden Zweige der Bäume drum herum vermitteln den Eindruck, die Natur hole sich das Monument mit den beiden Sphinxen bereits zurück.
Schon auf dem Gipfel? Dann bitte einmal die Veste umrunden. Jetzt geht es an dem kleinen Wachhäuschen vorbei die Treppen wieder in den Hofgarten hinunter. Sie passieren das Naturkundemuseum. Wer die Augen offen hält, entdeckt Bäume, deren Namen er noch nie gehört hat: Atlas-Zeder, Japanischer Schnurbaum, Tulpenbaum. Gehen Sie die letzten Meter zurück in die Stadt parallel zur Festungsstraße – hier gibt es herrliche Villen zu bewundern.
Wie wäre es mit dem Besuch einer Ausstellung im Kunstverein Coburg? Themen: Zeitgenössisches und Emailkunst. Ein Lieblingsplatz, der inspiriert!

3
Panstatue im Rosengarten des Hofgartens
96450 Coburg
Weitere Informationen: Kunstverein Coburg e. V.
Park 4a
96450 Coburg
09561 25808
www.kunstverein-coburg.de
4 Hallo, Pralinenschachtel!
Coburg: Rund um den Marktplatz
Es hat gar nichts Magisches, obwohl es so klingt: Den Coburger Marktplatz erreichen Sie über sieben Gassen. Sofort fällt der Blick auf das Zentrum des Platzes: das Prinz-Albert-Monument, das den Gemahl der Königin Victoria darstellt. Gelassen blickt er auf das Rathaus an der Südseite des Marktes und stört sich weder an den Tauben, die auf seinem Kopf ausruhen, noch an den Rauchschwaden aus den Bratwurstbuden.
Mein Lieblingsspaziergang durch die Pralinenschachtel des Coburger Zentrums beginnt am Ketschentor (einem der drei noch erhaltenen Stadttore). Auf dem Weg zum Marktplatz kommt man an etlichen Fachwerkbauten vorbei, auch am Münzmeisterhaus, einem gotischen Fachwerkhaus mit schönen Laubenbögen.
Zwischen all den bunten Fassaden und Giebeln gibt es keinen Grund, sich zu beeilen. Jedes Haus will bestaunt werden. Die Gebäude Markt 1–18 stehen unter Denkmalschutz. In alten Zeiten führte hier die Handelsstraße von Nürnberg nach Erfurt (Süd-Nord) entlang, außerdem die von Prag nach Frankfurt (Ost-West). Sie kreuzen sich mitten auf dem Markt, der im 15. Jahrhundert angelegt wurde. Besonders gern mag ich das Stadthaus mit seinen bunten, reich dekorierten Erkern und den hoch aufragenden Zwerchhäusern.
Auch die Gassen und Gässchen um den Markt bieten Genuss fürs Auge, etwa die gut 300 Jahre alten Fachwerkfassaden in der Kirchgasse. Von hier schlendern Sie weiter zum Kirchhof. Werfen Sie einen Blick auf und in die Morizkirche, die älteste Kirche Coburgs, die mit ihren zwei unterschiedlichen Türmen ein markantes Bild abgibt. Schon 1310 wurde der Bau begonnen, doch erst mehr als 200 Jahre später abgeschlossen. Luther hat hier mehrfach gepredigt. Im 18. Jahrhundert wurde der Innenraum barockisiert, die einst gotischen Charakteristika sind weitgehend verschwunden. Das Konterfei von St. Mauritius, dem Schutzpatron der Stadt, ist übrigens auch auf den Kanaldeckeln wiederzufinden.
Zurück geht es in wenigen Minuten zum Markt und in die breite Spitalgasse, wo Sie geruhsam in Buchhandlungen stöbern können.
Stärken Sie sich im Miles and More, wo im 17. Jahrhundert die altehrwürdige Herrenstube beheimatet war. Im Sommer auch in der kleinen Hofnische unter freiem Himmel.

4
Rathaus am Marktplatz
96450 Coburg
Tourismus Coburg
Herrngasse 4
96450 Coburg
09561 898000
www.coburg-tourist.de
5 Gebt dem Leben Farbe!
Coburg: Café M
Wann immer ich in Coburg bin, mache ich gern einen Abstecher ins Café M. Beim Blick in einen riesengroßen (wirklich riesengroßen) Bottich Milchkaffee (hier stimmen die Größenverhältnisse auch aus Sicht eines Kaffeejunkies) und beim Knuspern einer Schoko-Kaffeebohne verliert sich die Zeit draußen. So, wie Mascha Kaléko schreibt: »Die Zeit steht still. Wir sind es, die vergehen.« In diesem Sinne: sitzen, beobachten, träumen.
Mag ja sein, dass man unversehens in eine Diskussion über Kunst hineingerät. Denn im Café M stellen regelmäßig verschiedene Künstler ihre Werke aus. Themen und Machart wechseln, doch Kunst an sich ist stets präsent, schwingt durch den Raum, gibt ihm Rhythmus und Dynamik. Und streut zugleich eine Prise Humor mit ein. Denn es gibt schon genug Ödnis im Leben. Nehmen wir es also nicht ganz so ernst.
Neben den vielen Stammgästen findet sich auch immer jemand Neues zum Schwätzen. Das Publikum ist gemischt, Theaterleute, Studenten, Professoren, Schüler, Plaudertaschen und Genießer. Eine Frau mit Laptop, die ihr Büro kurzfristig ins M verlegt hat. Womöglich eine Autorin.
Man betritt das Café von der Judengasse aus. Im Sommer sitzt es sich auch schön draußen mit Blick auf das Stadttor. Auf der ersten Ebene befindet sich die Theke, das bunte Regal mit den vielen Kaffeesorten, die linke Wand tiefgelb, die rechte leuchtend rot. Die großen Tafeln hinter der Theke, auf denen die aktuellen Spezialitäten beworben werden, sind selbst kleine Kunstwerke: Schokofondue soll es geben; der Schriftzug ist klein im Vergleich zu dem mit Kreide gemalten Fonduetopf mit einer brennenden Kerze darunter. Der Appetit lässt nicht lange auf sich warten.
Dann geht es ein paar Stufen hinauf. Hier sitzt es sich ein wenig intimer. Ein guter Platz zum Lesen und Nachdenken. Und im Innenhof, den manche Gäste erst entdecken, wenn sie die Toiletten aufsuchen, lässt sich ein prima Kurzurlaub einlegen. Apropos Toiletten: Auch hier gibt’s viel Farbe. Denn Farbe beißt nicht. Sie versüßt das Leben.
Das Café M ist der ideale Startpunkt für einen Stadtbummel. Schlendern Sie zum Marktplatz, es sind nur wenige Schritte, und von dort in die vielen Gässchen mit ihren kleinen Geschäften.

5
Café M
Judengasse 8
96450 Coburg
09561 795133
www.cafem-coburg.de
6 Architektur und Wohnen um 1900
Coburg: Ein Villenspaziergang
Wenn Sie über die Frankenbrücke kommend ins Coburger Zentrum fahren oder gehen, sehen Sie gegenüber am Hang ein paar Giebel aus dem Grün aufragen. Sie gehören zu einer Reihe von Villen, die (über den Daumen gepeilt) in der Zeit von 1850 bis 1910 gebaut wurden und sich von der Alexandrinenstraße über die Obere Anlage, Marienstraße und den Glockenberg erstrecken. Der Weg ist steil, doch die Anstrengung lohnt!
Beginnen Sie Ihren Spaziergang an der südlichen Alexandrinen-straße gegenüber dem Rosengarten. Einige der klassizierenden Villen liegen zurückgesetzt am Hang. In Nummer 13 lebte Johann Strauß für eine Weile, übrigens seit seiner Heirat mit Adele Deutsch 1887 Coburger Bürger. Ein Juwel ist die Villa mit der wunderschönen Glasveranda (Hausnummer 11). Die nördliche Alexandrinenstraße wartet mit dem einzigen Gebäude Coburgs auf, das in floraler Jugendstilornamentik gestaltet wurde. Das Sonnenemblem auf der Fassade gab der Villa ihren Namen: Sonnenhaus. Auf ihren Architekten Carl Otto Leheis gehen mehrere Villen im Umkreis zurück.
Der Weg führt über die Obere Anlage (hier blicken Sie auf die frühere südöstliche Stadtbefestigung) in die Marienstraße. Wieder viel Jugendstil und Fachwerk. Mein Lieblingshaus ist die Nummer 1 mit ihrem Eckturm, den vielen Giebeln und der seitlichen Veranda – ein bisschen Schloss, ein bisschen Villa Kunterbunt. Spazieren Sie den Glockenberg hinauf. Der Name leitet sich ab von der herzoglichen Glockengießerei, die Herzog Johann Casimir Ende des 16. Jahrhunderts einrichtete. Deren Gebäulichkeiten wurden 1879 abgerissen. Heute steht an ihrer Stelle (Hausnummer 7) ein Satteldachbau, in dem das Bayerische Forst- und Domänenamt Coburg seinen Sitz hat. Man erkennt das Haus mit den an der Dachkante angebrachten Polygonaltürmen, den Maßwerkfenstern und dem Balkon auf vier Säulen über dem Eingang sofort als Vertreter der Coburger Neugotik. Besonders pittoresk mit ihrem in hellem Blaugrau gehaltenen Fachwerk ist die Villa Glockenberg 6a (die Fassade steht zur Marienstraße).
Stilechtes Übernachten in Villennähe ist in der Hotelpension Bärenturm angesagt. Der Turm ist Teil der alten Stadtbefestigung und beherbergte einst zwei Bären.

6
Villenspaziergang
Startpunkt: Rosengarten an der Alexandrinenstraße
96450 Coburg
Hotelpension Bärenturm
Untere Anlage 2
96450 Coburg
09561 318401
www.baerenturm-hotelpension.de
7 Very British
Coburg: Schloss Callenberg
Ein traumhaftes Stück Natur ist der Callenberger Forst nordwestlich von Coburg mit seinen uralten Bäumen. Das auf einem Bergkegel thronende Schloss sehen Sie schon von der Straße aus, die Coburg mit dem Stadtteil Beiersdorf verbindet. Vom Parkplatz führt der Fußweg in wenigen Minuten die letzten Meter hinauf zum Schloss. Die erste Mauer, die Sie passieren, beeindruckt durch die Baumstämme, die ihr zu entwachsen scheinen – oder greifen die Mauersteine nach den Wurzeln?
Erstmals im 12. Jahrhundert erwähnt, hat Schloss Callenberg erst seit etwa 200 Jahren sein heutiges Aussehen: Im englisch-neugotischen Stil signalisiert es die Affinität des Herzogshauses Sachsen-Coburg und Gotha zu England. Schloss und Grund gehören auch heute noch der Herzogsfamilie. Callenberg war nie ein Repräsentationsbau, sondern ein privater Lebensraum. Wenn Sie eine Führung mitmachen, erfahren Sie mehr über die Historie der Coburger und ihre Verzweigung in den europäischen Monarchien. Zum Beispiel, dass der letzte regierende Herzog von Coburg, Carl Eduard, der hier auf Callenberg lebte, der Großvater des heutigen schwedischen Königs Carl XVI. Gustaf ist.
Eine Besichtigung lohnt schon allein, um die herrliche Anlage zu entdecken. Ein traumschöner Ort zu jeder Jahreszeit ist der Rosengarten. Außerdem ist das Deutsche Schützenmuseum im Schloss untergebracht. Es finden Konzerte, Gottesdienste und wechselnde Kunstausstellungen statt.
Genießen Sie im Anschluss an die Schlosstour den Blick auf die Veste Coburg und über die Senningshöhe bis nach Thüringen.
Haben Sie den Ökonomiehof beim Aufstieg links liegen sehen? Das Ensemble entstand unter Herzog Ernst I. als Verwaltungs- und Herbergszentrum des Kammergutes Callenberg. Direkt unterhalb lädt eine große Wiese zum Picknicken ein. Am Parkplatz wartet ein 20 Meter hoher Riesenmammutbaum auf Sie: Diese Bäume stammen eigentlich aus Kalifornien, sie werden, so heißt es, 3.000 Jahre alt. Einen zweiten finden Sie übrigens auf der Veste Coburg.
Etwas weiter westlich baute Ernst II. eine Musterfarm nach englischem Vorbild, in der heute Teile der Rudolf-Steiner-Schule untergebracht sind. Werfen Sie einen Blick darauf!

7
Schloss Callenberg
Callenberg 1
96450 Coburg
09561 55150
www.schloss-callenberg.de

Fachwerkhäuser im Coburger Zentrum
8 Ein königliches Zuhause
Rödental: Schloss Rosenau
Das ultimative Schloss-Feeling bekommen Sie in der Rosenau – und nur dort. So möchte man leben, meint man, kaum hat man das Auto am Parkplatz abgestellt und das Handy im Handschuhfach vergessen. Der Landschaftspark mit seinen weiten Durchblicken auf das Schloss nimmt den Besucher sofort gefangen und versetzt ihn in milde Zufriedenheit. So traumverloren kann das Leben sein!
Königin Victoria von England, deren Mann, der Coburger Prinz Albert, auf Schloss Rosenau geboren worden war, schrieb voller Nostalgie: »Wäre ich nicht das, was ich bin, hätte ich hier mein wirkliches Zuhause.« Kein Wunder! Auf der Rosenau lässt nicht nur blaues Blut die Seele baumeln.
Im Kern handelt es sich um einen mittelalterlichen Rittersitz, doch Herzog Ernst I. von Sachsen-Coburg-Saalfeld ließ ihn neugotisch umgestalten. Das Schloss kann besichtigt werden – überwältigend ist der Marmorsaal, wo einst die Hofbälle stattfanden. Anschließend erfrischt ein Spaziergang durch den weitläufigen Park, dessen Planer übrigens nicht bekannt ist. Erhalten sind noch eine Grotte mit Wasserfall, Wirtschaftsgebäude, Teehaus und Orangerie. Außerdem die Turniersäule (folgen Sie den Wegweisern zur Sonnenuhr); sie erinnert an die Ritterturniere, die Ernst I. in diesem Schlosspark abhielt. Umrunden Sie einmal den Schwanenteich, lassen Sie sich auf einer der historischen Steinbänke nieder. Hier stellt sich heitere Gelassenheit von selbst ein, ganz ohne Wellnessprogramm. Besonders beschaulich ist es am Schalenbrunnen direkt vor dem Schloss; oft hört man hier Aussprüche wie: »Toll, so ein Wochenendschloss!« Von der Terrasse führen Treppen zur Itz hinunter (der Zugang ist an der Längsseite des Schlosses, ein bisschen versteckt). Wenn Ihre Fantasie noch mehr Anregungen braucht (was ich eigentlich nicht für realistisch halte) – statten Sie doch dem Europäischen Museum für modernes Glas gleich beim Parkplatz einen Besuch ab!
Brauchen Sie jetzt etwas Bodenständiges? Ein süffiges Bier? Probieren Sie den Fuhrmannstrunk im Braugasthof Grosch mitten in Rödental.

8
Schloss Rosenau
Rosenau 1
96472 Rödental
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Braugasthof Grosch
Oeslauer Straße 115
96472 Rödental
09563 7500
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Die Coburger – die besseren Bayern?
Das Haus Sachsen-Coburg
Okay, ein bisschen provokativ ist das schon gemeint. Denn die (Alt-)Bayern würden die Coburger kaum als Bayern bezeichnen; wenn schon nicht als Preußen (was wahrscheinlich ist), dann als Franken. Doch so richtige Franken sind sie auch nicht, wie der Coburger Dialekt verrät – sind sie nun Bayern oder nicht?
Womöglich sind sie die überzeugteren Bayern. Denn die Bürger des ehemaligen Herzogtums Sachsen-Coburg (seit 1826 Sachsen-Coburg und Gotha) entschieden sich 1919 in einer Volksabstimmung für den Anschluss Coburgs an Bayern – und nicht an Thüringen, was historisch gesehen naheliegend gewesen wäre. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Konsequenz dieser Entscheidung sichtbar: Bayern fiel in die amerikanische Besatzungszone und spätere Bundesrepublik, Thüringen dagegen in die sowjetische Zone und spätere DDR. Bis 1990 war Coburg an drei Seiten durch eine undurchdringliche Grenze von seinem angestammten Hinterland abgeschnitten.
Zuvor war Coburg ein ernestinisches Herzogtum gewesen. Das kleine Fürstenhaus mischte sich im 19. Jahrhundert durch seine clevere Heiratspolitik unter die großen Monarchien Europas: Königin Victoria von England etwa heiratete den Coburger Prinzen Albert. Dieser studierte britisches Staatsrecht und wurde zum Berater seiner Frau. Offiziell zum Prinzgemahl ernannt, ist der Coburger Albert der Erfinder der Weltausstellung. Auf ihn gehen Pläne für erste Arbeiterwohnungen in England zurück. Weitere verwandtschaftliche Bande bestehen mit Belgien, Portugal, Rumänien, Bulgarien und Schweden.
Zum Ende des Ersten Weltkriegs dankte Herzog Carl Eduard ab. Doch das Herzogliche sieht man der Stadt auf Schritt und Tritt an. Ab und zu kommen königliche Gäste aus anderen Teilen Europas. Dann gehört ein Spaziergang über den Marktplatz und ein Bratwurstsnack zum Besuchsprogramm.
Überhaupt – die Coburger Bratwurst! Die hellblauen Rauchschwaden über den Buden weisen den Hungrigen den Weg. Diese Bratwurst ist anders als die anderen: Sie ist gröber, länger, im Teig sind rohe Eier (Sondergenehmigung!), und gebraten wird sie auf einem Rost über offenem Feuer aus Kiefernzapfen. Diese Zubereitung verleiht den 31 Zentimeter langen Würsten ihren typischen Geschmack. Außerdem wird die Semmel nicht in horizontaler, sondern in vertikaler Richtung aufgeschnitten.
Augenblick: 31 Zentimeter?
Wenn Sie gerade in Ihre Bratwurst beißen – werfen Sie einen Blick auf den Giebel des Rathauses. Dort oben balanciert der Coburger Stadtheilige, St. Moriz, besser bekannt als »Bratwurstmännla«. Der Marschallstab in seiner Hand gibt das rechte Bratwurstmaß vor. Über Jahrzehnte hinweg konnte seine Länge nicht exakt festgestellt werden. Man schätzte sie auf 35 bis 40 Zentimeter. Als 1982 die Coburger Feuerwehr eine neue Drehleiter vorführte, wurde nachgemessen: 31 Zentimeter!
Eine andere sehr beliebte Spezialität der Stadt sind die in alle Welt exportierten Coburger Schmätzchen. Sie sind klein, rund und schmecken nach Honig und ein klein bisschen nach Weihnachten. Die Hofbäckerei Feyler in der Rosengasse bäckt die Lebkuchentaler nach Originalrezept. Die Goldschmätzchen erhalten nach dem Backen einen Guss aus Schokolade und werden gekrönt mit einem Tupfer echten Blattgoldes.
Coburg war seit der Reformation über viele Jahrhunderte hinweg eine so gut wie ausschließlich protestantische Stadt. Hier nahm Martin Luther 1530, unter Reichsacht stehend, Zuflucht. Er blieb fünf Monate auf der Veste Coburg. Einige Szenen in Eric Tills Film Luther mit Joseph Fiennes in der Hauptrolle wurden auch dort gedreht. Einen fiktiven Mordfall, der sich während Luthers Aufenthalt auf der Veste Coburg zutrug, schildert Dohlenhatz, Gmeiner, Meßkirch 2017.
Einen wunderbaren literarischen Einblick in die späten herzöglichen Jahre Coburgs gibt Uwe Timms 2002 erschienener Roman Der Mann auf dem Hochrad. In dieser so ironisch wie feinfühlig erzählten Geschichte um Franz Schröter, der Hochrad fahren lernt und die kleine Stadt mit dieser Pioniertat völlig durcheinanderbringt, spiegeln sich der Fortschrittsglaube der damaligen Zeit, aber auch die provinzielle Kleinkariertheit des späten 19. Jahrhunderts.
9 Schafe sind nicht nur zum Zählen da!
Ahorn: Alte Schäferei
Zunächst weist nur ein unscheinbares Schild an der B 303 von Coburg nach Schweinfurt auf das Gerätemuseum hin. Wer es nicht unbedingt gezielt anfährt, ist auch schon vorbeigerauscht. Die Fachwerk-Scheunen verschwimmen beinahe mit dem tiefgrünen Wald im Hintergrund, und wenn das Gras hoch steht, sieht man allenfalls die Dachziegel. Wer jedoch abbiegt, der hat einen unglaublich erholsamen Lieblingsplatz entdeckt.
Die weitläufige Anlage, ab 1713 errichtet, beeindruckt einfach. Macht es die Nähe zu Wald und Wiese, dass das Museum so gar nicht wie ein Museum wirkt, so untouristisch und authentisch, zum Atemschöpfen eben? Der Alten Schäferei ist nichts Überkandideltes eigen. Hier gibt es viel Holz, viel Stein und viel Grün.
Das Ensemble am Fuß des Hühnerberges war die ehemalige Gutsschäferei des Ahorner Schlosses. Im seinerzeitigen Herzogtum Coburg gab es mehr als zwei Dutzend solcher Schäfereien. Ein weißes Plastikschaf streckt zur Begrüßung neugierig die Schnauze aus dem Museum. Die Gerätesammlung ist außerordentlich umfangreich, man veranstaltet Sonderausstellungen und Aktionen, die Volkskunde erlebbar machen wollen. Die Spinngruppe etwa tradiert alte Arbeitstechniken des Spinnens und Webens.
Ruhig und verträumt lässt sich ein Spaziergang durch das Ensemble an. Schafstall, Doppelscheune, Schäferwohnhaus, Brunnenhaus und Backofen – hier präsentiert sich als selbstverständlich, was dem Besucher aus dem 21. Jahrhundert fast schon altertümlich vorkommt, aber viel von ausgefeilter Handarbeit und verlässlicher Erzeugung heimischer Produkte erzählt.
Schlendern Sie am kleinen Kräutergarten vorbei in den Biergarten der Schäferstuben. Wie wäre es mit einem kalten Radler und Brot mit weißem Käse (Quark, angemacht mit Schnittlauch, serviert mit ein wenig Gurke, Zwiebel und Tomate)? Oder lacht das Schmalzbrot Sie an? Bei schlechtem Wetter sind Sie in der urigen Wirtsstube gut aufgehoben; am besten gleich neben dem Kachelofen.
Das Ahorner Schloss liegt in Sichtweite! Ein Spaziergang bietet sich an; vielleicht haben Sie Glück und können einen Blick in die Schlosskirche werfen.

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Alte Schäferei – Gerätemuseum des Coburger Landes
Alte Schäferei 2
96482 Ahorn
09561 1304
www.geraetemuseum-ahorn.de
Schäferstuben
Alte Schäferei 2
96482 Ahorn
09561 28939
www.gasthaus-schaefer-stuben.de
10 Heilung aus den Tiefen der Erde
Bad Rodach: »ThermeNatur«
Dass sie auf einer heißen Quelle sitzen, ahnten die Rodacher bereits, bevor 1972 die Bohrung nach der Heilquelle begann. War im Winter der ganze Ort mit seinen umgebenden Hügeln tief verschneit, blieb die weiße Pracht auf dem Schleichersberg einfach nicht liegen. Der Verdacht lag nahe, dass auch Rodach wie das nahe Bad Colberg auf einem heißen Wassertopf sitzt. Auf dem Grundstück der früheren Waldarbeiterin Ida Schleicher, die der Stadt Rodach zwei Hektar Land überließ und im Gegenzug eine Leibrente sowie ein Wohnhaus im Ort erhielt, befindet sich heute die ThermeNatur. Seit 1988 sind sogar zwei Thermalquellen erschlossen, eine aus 652 Metern, die andere aus mehr als 1.000 Metern Tiefe. Das warme Wasser hilft bei Gelenkerkrankungen und Abnutzungserscheinungen der Wirbelsäule, lindert Beschwerden bei Weichteilrheumatismus und Hauterkrankungen und ist auch angezeigt nach Operationen am Bewegungsapparat.
Aktivität im warmen Wasser ist natürlich nicht nur Kranken vorbehalten, sondern entspannt alle Gäste, die dem Druck des Alltags für ein paar Stunden entkommen wollen. Spaß macht das Schwimmen in den Bewegungsbecken, von denen eines in der Therme, das andere außen liegt. Auch an kalten Wintertagen kann man durch eine Schleuse in den Außenbereich schwimmen, ohne das Wasser zu verlassen. Einmal schwerelos schweben? Das geht im angenehmen 35 Grad warmen Strömungskanal beinahe so gut wie im Weltall.
Wer mit einer Schwitzkur etwas Gutes für seine Gesundheit tun möchte, durchstreift am besten die Saunalandschaft Erdfeuer mit ihren fünf Saunen; eine ganz besondere Atmosphäre strahlt die runde, in die Erde eingelassene Erdhügelsauna mit dem verglasten Kamin in der Mitte aus. In der Vita-Bar im Saunabereich erfrischen Säfte und kleine Snacks nach einem anstrengenden Badetag. Für den größeren Hunger steht das Thermen-Restaurant bereit mit seinem herrlichen Panoramablick auf die Langen Berge.
Bei Vollmond auf dem Rücken treibend in den Himmel blinzeln und dabei eine Luna-Bowle schlürfen. Wer mag, leiht eine Luftmatratze für den komfortablen Blick in den Himmel aus.

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ThermeNatur Bad Rodach
Thermalbadstraße 18
96476 Bad Rodach
09564 92320
www.therme-natur.de
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