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Felice Stevens

Frankie – unvergesslich

Man Up Storys 3

Aus dem Englischen von Elena Knybel

Impressum

© dead soft verlag, Mettingen 2022

http://www.deadsoft.de

© the author

Titel der Originalausgabe „Frankie – unforgettable“, Juni 2018

Übersetzung: Elena Knybel

Cover: Irene Repp

http://www.daylinart.webnode.com

Bildrechte:

© George Mayer – shutterstock.com

1. Auflage

ISBN 978-3-96089-498-8

ISBN 978-3-96089-499-5 (epub)

Inhalt:

Frankie

Niemand versteht, warum ich ihn liebe. Warum ich ihn brauche. Warum ich ihn zurückgenommen habe. Das muss auch niemand. Ich weiß es. Trotz des Kummers und Herzschmerzes, kann ich unter seine Haut sehen. Und ich bin jetzt ein anderer. Nicht mehr ‚Flirty Frankie‘. Ich war lange genug der ‚King of the Club‘. Meine Träume haben sich verändert, genau wie ich. Ich bin stärker. Ich glaube an mich. Und ich bin definitiv klüger als vor einem Jahr.

Jetzt ist er damit an der Reihe, mir zu zeigen, was für ein Mann er wirklich ist. Sich zu beweisen. Ich habe ihn immer geliebt. Doch das ist nicht genug. Ich muss lernen, ihm zu vertrauen.

Aaron

Keine weiteren Ausreden. Keine weiteren Chancen. Ich muss das in Ordnung bringen oder ich werde ihn wirklich verlieren. Ich muss es tun. Niemand außer ihm hat je an mich geglaubt. Niemand außer ihm hat mich je gewollt. Ich kann ihn nicht enttäuschen. Ich werde es nicht. Ich kann mich selbst nicht enttäuschen. Ich versuche es, aber es ist so verdammt schwer. Egal, was sie mir entgegenwerfen, ich bin stärker. Und ich werde es schaffen. Ich bin auf dem Weg. Mit Frankie an meiner Seite. Ich kann die Zukunft sehen. Ich habe eine Zukunft. Uns. Gemeinsam. Für immer.

Widmung

All denen, die glauben, sie würden nie eine zweite Chance bekommen. Gebt nicht auf.

Danksagungen

Mein Dank gilt allen voran, wie immer Keren Reed. Du scheinst zu wissen, was ich versuche zu sagen, ohne fragen zu müssen. An Hope und Jess, ich schätze euch mehr, als ihr wissen könnt. Danke, dass du immer für die Dinge auf den letzten Drücker da bist, Dianne. Ich könnte und wollte dies nicht ohne dich tun.

An all die Leser, die gehofft hatten, dass Frankie sein Happy End bekommen würde, ich hoffe, euch gefällt diese Geschichte.

In dieser Geschichte wird sexuelle Gewalt erwähnt. Die eigentliche Handlung wird jedoch nicht beschrieben.

„Ich schwöre, Frankie. Ich schwöre, dass es diesmal anders wird.“

Kapitel 1

FRANKIE

„Immer noch kein Glück?“

Ich stellte eine Tasse Kaffee vor Aaron und lehnte mich ihm gegenüber an den kleinen Küchentresen. Er war heute eher zu mir herübergekommen, um meinen Computer zu benutzen, und suchte schon seit Stunden nach einem Job. Als Aaron aus dem Gefängnis entlassen worden war, hatte er wieder bei mir einziehen wollen. Doch ich hatte Nein gesagt. In den letzten Monaten hatte ich ihn öfter hier übernachten lassen, als allein zu schlafen, doch er hatte noch immer seine eigene Wohnung. Ich war vorsichtig.

„Nein. Scheiße, ich kann nicht mal mehr klar sehen. Ich brauche eine Pause.“ Er rieb sich die Augen, nahm einen Schluck und stieß einen Seufzer aus. „Danke, Babe. Genau das habe ich gebraucht.“

Das Kosewort ließ einen warmen Schauer durch mich hindurchströmen. In unseren gemeinsamen Therapiesitzungen hatten Aaron und ich darüber gesprochen, wie ungern er Zuneigung zeigte und wie ich mich dadurch fühlte. Seitdem er zurück war, hatte er sich Mühe gegeben. Das mochte wenig erscheinen, doch für mich bedeutete es, dass er zuhörte und meine Gefühle ernst nahm.

Ich setzte mein hoffnungsvollstes Gesicht für ihn auf. „Es wird sich schon was ergeben. Was ist mit diesem neuen Supermarkt, der letzte Woche am Cross Bay Boulevard aufgemacht hat?“

Seine Miene verfinsterte sich. „Die sagen, sie hätten nichts frei. Aber sie haben immer noch das Schild im Fenster, weißt du?“

Ich verstand. Und es beunruhigte mich. Aaron war schon seit Monaten wieder aus dem Gefängnis raus und hatte immer noch nichts gefunden. Und auch wenn ich sah, wie sehr er sich bemühte, an seiner Aggressionsbewältigung zu arbeiten, so war ich doch besorgt, dass er einen Rückfall haben könnte und wir wieder in derselben hässlichen Situation landen würden wie letztes Jahr.

„Soll ich Austin bitten, Rhoades zu fragen? Er hat so viele Geschäfte, ich wette, er könnte was für dich finden.“

„Nein“, schnappte er wütend. „Dein Freund hasst mich. Ich brauche keinen Gefallen von ihm. Ich werde das selbst schaffen.“

„Okay, okay. War ja nur ein Vorschlag.“

Er erhob sich, umrundete den Tresen, kam auf mich zu und, Gott steh mir bei, ich konnte das unfreiwillige Stolpern meines Herzens nicht unterdrücken. Ich hasste es, ihn niedergeschlagen und traurig zu sehen.

„Ich weiß.“ Er streckte seine Hand aus und umfasste mein Kinn, seine Handfläche rau und warm an meinem Gesicht. Ich wünschte, jeder dieser Zweifler könnte diese zarten Momente zwischen uns sehen, statt sich nur an den alten Aaron zu erinnern. „Ich mache dir keine Vorwürfe. Meine Probleme sind meine eigene Schuld.“

Ich legte meine Arme um ihn und zog ihn näher an mich heran. „Wir hatten beide unrecht. Aber jetzt können wir es besser machen. Ich möchte ihnen allen die Person zeigen, als die ich dich in Erinnerung habe, von damals, als wir uns das erste Mal getroffen haben. Klug, lustig und sexy.“

Er umfasste meinen Hintern und zog mich so dicht an sich, dass ich die harte Wölbung seiner Erektion an meinem Bauch spüren konnte. „Sexy, hm? Ich bin nur für dich sexy … Das weißt du, oder?“

„Mmhmmm.“ Er hatte mich im Handumdrehen so weit.

„Was ist mit dir? Bist du auch nur für mich sexy? Oder hat dich einer dieser Anzugträger flachgelegt? Hast du in letzter Zeit irgendwelche Schwänze gelutscht?“

Ein eiskalter Schock durchfuhr mich und meine Erektion erschlaffte, während Ärger mich durchströmte. „Was?“ Ich stieß ihn von mir, mit offenem Mund und schlagendem Herzen. „Wie bitte? Was zur Hölle meinst du damit? Glaubst du, ich bin eine Hure? Dass ich meinen Arsch an diese Typen im Club verkaufe?“

„Nein.“ Er senkte seinen finsteren Blick zu Boden, dann hob er ihn wieder, um meinen zu treffen. „Ich weiß nicht. Ich höre halt Dinge … fieses Zeug darüber, was in diesen Hinterzimmern so abgeht.“ Er rieb sich das Kinn. „Und ich habe gesehen, wie du flirtest.“

„Ach, fick dich.“ Ärger und Schmerz durchströmten mich und mein Geduldsfaden riss. „Ja, ich gebe Privatvorführungen. Habe ich je einem Typen im Hinterzimmer einen runtergeholt? Scheiße ja, wenn das Trinkgeld gestimmt hat. Ich werde dich nicht anlügen. Ja, ich habe mich auch von ihnen küssen und berühren lassen. Aber seit dir hatte ich mit niemandem Sex. Verdammte Scheiße, Aaron. Ich hatte noch nicht mal ein Date, seit wir uns getrennt haben.“

Frustriert stürmte ich an ihm vorbei aus der Küche und warf die Schlafzimmertür hinter mir zu. Ich stand in der Mitte des Raumes und versuchte, die Tränen zurückzuhalten.

„Frankie, komm schon.“ Aaron klopfte an die Tür. „Jetzt hab dich nicht so. Komm wieder raus.“

Es lag mir auf der Zunge, ihm zu sagen, dass er sich ficken und verschwinden sollte. Dann realisierte ich, dass es bisher immer so zwischen uns gelaufen war: streiten, schreien, nicht zuhören, immer weiter, bis es außer Kontrolle geriet. Anders als zuvor war Aaron nicht in das Zimmer gestürmt und hatte gefordert, dass ich mit ihm rede. Er respektierte meinen Rückzugsort. Nun musste ich erwachsen werden und aufhören, mich wie ein Kind zu benehmen.

Ich öffnete die Tür, vor der ein unglücklich aussehender Aaron wartete, doch ich hatte keine Angst, dass er auf Konfrontationskurs gehen oder mich anschreien würde.

„Tut mir leid. Ich hätte nicht abhauen sollen. So löst man keine Probleme.“

„Mir tut es auch leid. Ich hätte diesen Mist nicht zu dir sagen sollen. Du hattest jedes Recht zu tun, was auch immer du wolltest, während ich weg war. Das hast du immer noch.“ Er schnitt eine Grimasse. „Der Gedanke daran, dass dich jemand anderes berührt – macht mich verrückt. Das ist alles.“

Ich deutete auf das Sofa. „Setzen wir uns.“ Ohne auf seine Antwort zu warten, durchquerte ich den Raum und setzte mich. Die Arme verschränkt und im Schneidersitz zeigte meine Körpersprache hoffentlich, dass ich nicht auf Kuscheln oder Küssen aus war. Wortlos folgte Aaron meinem Beispiel und nahm mir gegenüber Platz.

„Nachdem du gegangen warst, habe ich versucht, dich zu vergessen, und das Tanzen gab mir diese Möglichkeit. Ich konnte mich in der Musik verlieren und in den Männern, die mich bezahlten. Und um ehrlich zu sein, gefiel mir die Aufmerksamkeit. Nach all den Gelegenheiten, während derer du mir gesagt hast, ich sei nichts Besonderes, fühlte es sich gut an. Und ich war wütend genug, um ein paar blöde Sachen zu machen – Dinge, auf die ich nicht allzu stolz bin.“

„Gibst du mir die Schuld?“ Seine Stirn legte sich in Falten, seine Lippen verzogen sich zu einem schmalen Strich.

„Habe ich das gesagt?“, entgegnete ich, ohne den Blick von ihm abzuwenden. Vor zwei Jahren wäre ich voller Entschuldigungen gewesen und hätte seinen Zorn gefürchtet. Doch die Dinge hatten sich seitdem geändert. Ich hatte mich verändert und Aaron wusste das.

Er blinzelte. „Ähm, nein.“

„Gut. Also, ich stehe zu meinen Fehlern. Das ist es doch, was wir tun sollen?“ Auf sein Nicken hin fuhr ich fort. „Ja, ich habe mich von Typen anfassen lassen. Und vielleicht bin ich manchmal zu weit gegangen, aber nicht, seit wir uns ausgesprochen haben. Seit wir entschieden haben, dem hier … uns … noch eine Chance zu geben. Ich wünsche mir, dass das funktioniert.“

„Das wünsche ich mir auch. Ich versuche es, aber du weißt doch, wie ich aufgewachsen bin. Streiten statt Reden war normal für uns. Ich werde Zeit brauchen, um diese Angewohnheit loszuwerden.“

Aaron war meistens sehr verschlossen, wenn es um seine Kindheit ging, doch er hatte mir anvertraut, dass er von Gewalt umgeben aufgewachsen war. Brüllen und Schreien waren normal für ihn, waren alles, was er kannte. Als wir anfingen zu daten, hatte er seinen Ärger meistens gut verborgen gehalten. Wir hatten spaßige und schöne Zeiten wie jedes andere Paar, bis er seinen Job verlor. Die Monate vergingen, ohne dass er Arbeit fand, und dieses Versagen weckte eine Wut in Aaron, die er nicht kontrollieren konnte. Sie wurde zu einem Monster, das ihn verschlang, und er ließ sie an mir aus, bis letztendlich alles in die Luft ging.

„Das verstehe ich. Und ich respektiere deinen Wunsch, deine Vergangenheit in der Vergangenheit zu lassen, aber du musst damit rechnen, dass die Leute dich verurteilen werden.“

„Ich weiß.“ Er erhob sich und stellte sich vor mich. „Darf ich mich neben dich setzen?“

Auf mein Nicken hin gesellte er sich zu mir und legte mir einen Arm um meine Schultern. „Ich weiß, dass ich Mist gebaut habe, Babe. Und ich muss an mir arbeiten. Ich brauche eine Chance, es wieder gut zu machen, es besser zu machen. Wenn du willst, dann werde ich auf die Knie gehen, um sicherzustellen, dass du verstehst, wie sehr ich dich zurückhaben möchte.“

„Ich brauche keine großen Gesten. Ich brauche das Alltägliche. Mich nicht fühlen, als würde ich dich stören, wenn ich dir von meinem Tag erzählen will. Oder als wären meine Bedürfnisse nicht so wichtig wie deine.“

„Ich weiß. Und ich verspreche, ich werde mir mehr Mühe geben.“

„Ich möchte nicht, dass du es versuchen musst. Ich möchte, dass es selbstverständlich ist.“

„Das wird es. Das verspreche ich.“ Er sprang auf. „Ich werde uns einen Drink holen und dann kannst du mir von dem neuen Projekt erzählen, an dem du arbeitest.“

Ich beobachtete, wie er aus der Küche ging, und bewunderte seinen knackigen Hintern. Für mich hatte Aaron den schönsten Arsch, der je eine Jeans geziert hatte.

„Willst du Wasser?“ Als er sich vorbeugte, um die Flaschen herauszuholen, die in meinem Kühlschrank lagerten, klingelte sein Telefon. Sein Gesicht hellte sich auf, er rannte zu dem Tisch, auf dem sein Telefon lag, und schnappte es sich.

„Hallo?“

Durch die Art, wie er auf seiner Unterlippe kaute und die Hand in den Nacken legte, wusste ich, dass es bei dem Anruf um einen Job gehen musste. Ich hielt den Atem an und lauschte.

„Ja. Ja, ich kann im Laufe des Tages vorbeikommen. Sicher. Kein Problem. Danke.“ Er legte auf und stieß ein „Whoop!“ aus.

„Ja! Das Gartencenter im Terminal Markt hat angerufen. Sie wollen, dass ich heute vorbeikomme.“

Der Brooklyn Terminal Markt war das größte Gartencenter im Bezirk, und da ich Aarons Liebe für das Hegen und Pflegen von Pflanzen kannte, wusste ich, dass der Job perfekt für ihn sein würde. Ich sprang auf, um ihn zu drücken. „Das ist großartig.“

Er zog mich an sich heran und wirbelte mich umher. „Ich werde duschen und mich anziehen. Ich weiß, es ist zwanglos und so, aber ich will nicht schlampig wirken, weißt du?“ Er ließ seine Arme um mich geschlungen und ich legte den Kopf an seine Brust.

„Das würdest du nie. Aber ich verstehe schon. Du hast so viel Zeug hier, dass ich dir helfen kann, was zum Anziehen auszusuchen, wenn du willst. Und eine Dusche zu nehmen. Ich bin echt gut darin, Rücken zu schrubben.“

Er umfasste meinen Hintern und ich seufzte, als ich fühlte, wie er hart wurde. Etwas, worüber ich mir nie Sorgen gemacht hatte, war, wie sehr Aaron mich wollte. Er konnte in Sekunden von Null auf Hundert gehen, wenn es um Sex ging. Und danach zu urteilen, wie er rhythmisch seine Hüfte gegen mich bewegte, schätzte ich, dass wir schon bei achtzig waren.

„Das würde mir gefallen. Mir gefällt alles, was du mit mir machst.“ Er behielt die wiegende Bewegung seiner Hüften bei, und ich rieb mich an ihm. Ich wusste, wie sehr er es mochte, wenn ich das tat. Ich sank auf die Knie und zog seine Jogginghose herunter. Sein harter Schwanz presste sich gegen meine Lippen und er stöhnte.

Erregt davon, wie sehr er mich wollte, nahm ich ihn in meinen Mund und genoss seinen salzigen Geschmack.

„Fuck ja. Leck mich. Genau so.“ Seine Hände legten sich auf meinen Kopf und drückten. Ich würgte ein wenig, erholte mich und wirbelte meine Zunge um seinen Schaft und zurück zu der flachen glatten Eichel, leckend und saugend.

„Ahh, fuck. Ja. Härter.“

Ich zog meine Zähne über die Unterseite seines Schwanzes und hörte ihn vor Schmerz und Lust zischen. Das wiederholte ich, bis er stöhnte und sich kaum noch auf den Beinen halten konnte. Er packte meine Schultern und stieß tiefer in meinen Mund, ein Zeichen seines Körpers, dass er gleich kommen würde. Ich wechselte zu dem festen Saugen, das er liebte, und drückte seine Hoden, während ich ihn so tief in mir aufnahm wie möglich.

„Heilige Scheiße, ja. Oh Gott, oh fuck. Ja.“ Die Muskeln seiner Oberschenkel spannten sich an, sein Schwanz schwoll, pulsierte und schoss einen Strahl Samen meine Kehle hinunter. Aaron vergrub seine Hände in meinem Haar und seufzte. „Fuck, Frankie. Niemand lutscht Schwänze wie du.“

Anspannung durchströmte mich und ich ließ ihn aus meinem Mund gleiten. Bevor ich sprach, wischte ich mir über die Lippen. Ich hasste es, dass meine Finger zitterten. „Oh, hattest du so viele Vergleiche?“

Ein unlesbarer Ausdruck kroch in seine dunklen Augen und er bückte sich, um seine Hose hochzuziehen, bevor er antwortete. „Mein, äh, also, drinnen … Du weißt schon. Shit happens.“

Ich schluckte Schmerz und Ärger und nickte. „Ja. Sicher. Ich weiß. Kein Problem.“ Ich holte zitternd Luft und lächelte gezwungen. Bis ich sicher war, dass Aaron sich verändert hatte und ich darauf vertrauen konnte, dass er mich nicht mehr verletzen würde, sollten wir es ruhig angehen. Ich konnte ihm nicht vorwerfen, dass er im Knast Sex hatte, während ich anderen einen runterholte und mich für Geld von Kerlen berühren ließ. Wir beide waren getestet worden, als wir begonnen hatten, uns wieder zu treffen, um sicherzustellen, dass wir einen sauberen Neuanfang hatten. Keine Geheimnisse mehr und keine Lügen. „Vielleicht sollten wir ein paar Regeln aufstellen? Wenn wir einen Neuanfang wagen wollen?“

Die Falte zwischen seinen Augenbrauen vertiefte sich. „Regeln? Wie zum Beispiel? Wir haben noch nie irgendwelche Regeln für irgendetwas gebraucht.“

„Tja“, sagte ich trocken. „Und schau, wie gut das für uns gelaufen ist.“

Er warf seine Hände in die Luft und ballte sie zu Fäusten. Ich hasste es, zugeben zu müssen, dass die Geste mein Herz schneller schlagen ließ. Würde dies der Tag sein, an dem er ausrastete und wir wieder beim Schreien und den Vorwürfen landen würden?

„Über die Scheiße kann ich jetzt nicht nachdenken. Ich geh duschen und mache mich bereit, mir diesen Job zu angeln.“

Ohne auf eine Antwort oder Meinung von mir zu warten, ging er ins Schlafzimmer und nach wenigen Minuten hörte ich die Dusche anspringen. Wütend überlegte ich, ihm zu folgen. Dann beruhigte ich mich und beschloss, ihm Freiraum zu geben und ihn nicht kurz vor seinem Bewerbungsgespräch unter Druck zu setzen. Sobald er sich eingewöhnt hatte und begann, Geld zu verdienen, würde er sich besser fühlen. Ich holte mir einen Schluck Wasser und ein paar der Chocolate Chip Cookies, die uns meine Mutter vom Sonntagsessen mitgegeben hatte, aus der Küche.

„Frankie?“, hörte ich Aaron aus dem Schlafzimmer nach mir rufen. Mit einem Seufzen ging ich zu ihm, den Cookie noch immer in meiner Hand. Nackt stand er vor dem Bett.

„Sollte ich ein T-Shirt oder ein Hemd anziehen?“

Auf dem Cookie kauend deutete ich auf das T-Shirt. „Schlicht, schwarzes T-Shirt und Jeans. Ist ja kein Bürojob. Sie erwarten nicht, dass du dich herausputzt.“

„Ja, da hast du recht. Ich benehme mich blöd und bin nervös wegen diesem Scheiß.“ Er stieg in seine Boxershorts und zog die Jeans an. Bevor er das T-Shirt aufhob, nahm er meine Hand. „Tut mir leid. Ich hätte dich vorhin nicht anblaffen sollen. Ich hatte unrecht. Ich will nicht darüber streiten. Ich will über gar nichts streiten.“

„Mir tut es auch leid. Ich denke, wir werden von vorne anfangen müssen. Als wäre das eine ganz neue Beziehung.“

Er nickte düster. „Ich glaube, das ist eine gute Möglichkeit, das anzugehen. Wie einen Neustart?“

„Ja, so ähnlich.“

Seine Augen verdunkelten sich und er zog die Brauen zusammen. „Ich sage nicht, dass wir vergessen sollten, was ich getan habe und wie ich mich benommen habe. Das weiß ich. Ich habe noch hart an mir zu arbeiten. Aber ich will mir diesen Job angeln, okay? Wenn ich den habe, kann ich mich darauf konzentrieren, an unserer Beziehung zu arbeiten. Kann ich mir dein Auto leihen?“

Fragen, statt fordern, das war eine neue Art des Umgangs für Aaron. Eine, die mir Hoffnung gab, dass er sich würde ändern können. „Ja, na klar kannst du. Und du wirst sie umhauen. Jetzt zieh dich an und wenn du zurückkommst, werde ich das Essen fertig haben, bevor ich in den Club gehe.“

Er küsste mich. „Wie ein richtiges Pärchen.“

Ich beobachtete das Spiel seiner starken Rückenmuskeln, als er sein T-Shirt über den Kopf zog. Niemand verstand, warum wir zusammen waren – nicht meine Eltern und ganz sicher nicht Austin, von dem ich wusste, dass er, obwohl wir uns vertragen hatten, Aaron noch immer nicht vertraute. Wie sollten Menschen eine zweite Chance bekommen, wenn niemand zuerst an sie glaubte?

„Ja. Wie ein richtiges Pärchen. Dann werde ich dir mal nicht weiter im Weg rumstehen. Ich muss noch an den Schnitten für den Unterricht arbeiten.“

Ich ließ ihn zurück und ging ins Wohnzimmer, wo ich meine Materialien auf dem kleinen Klapptisch ausgebreitet hatte, der mir sowohl als Esstisch als auch als Arbeitstisch diente. Meine Nähmaschine stand daneben und ich hatte die Teile eines glänzenden schwarzen Vinyltrenchcoats auf dem Tisch ausgebreitet. Ich musste bis Montag fertig werden, also hatte ich den heutigen Tag, bevor ich im Man Up tanzen würde, und morgen, bis zum Abendessen mit meinen Eltern.

Zehn Minuten später kam Aaron aus dem Schlafzimmer. Er sah umwerfend aus in seinem schwarzen T-Shirt und den dunklen Jeans. Er trug seine schwarzen Doc Martens, und seine verspiegelte Sonnenbrille war in sein kurzes, dickes, lockiges Haar hochgeschoben.

„Verdammt. Du siehst total heiß aus.“

Er ließ ein halbes Lächeln aufblitzen. „Ich habe keine Ahnung, warum ich so nervös bin. Ich mein, ich weiß alles über Pflanzen und den ganzen Scheiß.“

Ich steckte meine Hand aus. „Komm her, dann gebe ich dir einen Kuss als Glücksbringer.“

„Danke, Babe. Ich werde dich anrufen und dich wissen lassen, wie es gelaufen ist.“

„Du schaffst das.“

Sein Kuss war sanft und süß. Dann war er fort und nur der holzige Duft seines Aftershaves leistete mir für den Rest des Nachmittags Gesellschaft. Er musste diesen Job bekommen. Er musste.

Kapitel 2

AARON

Ich umklammerte das Lenkrad, während ich den Belt Parkway entlang fuhr, vorsichtig darauf bedacht, mich an das Tempolimit zu halten. Das Letzte, was ich brauchte, war, von den Bullen angehalten zu werden, besonders mit meinen Vorstrafen. Ich blinkte, verließ die Stadtautobahn und entspannte mich.

Das geöffnete Fenster ließ die Geräusche und Gerüche der Stadt zu mir herein, doch nachdem ich für fast ein Jahr eingesperrt gewesen war, roch es wie das verdammte Paradies. Drinnen hatte es nur den Gestank nach Pisse, Desinfektionsmittel und Angst gegeben. Ich holte tief Luft, drehte das Radio lauter und grinste, als ich den energetischen Chart Hit hörte. Frankie liebte diesen Scheiß. Ich erinnerte mich, wie ich nach Hause gekommen war und er nur für sich zu Britney oder Beyoncé tanzte und dabei wundervoll und sexy aussah.

Frankie … Ich stand vor der grünen Ampel, in Gedanken nicht da, wo ich sein sollte − dabei mich auf diesen Job vorzubereiten − sondern dachte stattdessen an seine großen braunen Augen und sein weiches, volles Haar. Gott, sein Mund fühlte sich so gut an. Selbst jetzt konnte ich ihn noch schmecken, und mein Schwanz schmerzte von dem schnellen Blowjob. Ich hatte so viel wiedergutzumachen, doch ich war mir unsicher, ob er mir noch vertraute oder daran glaubte, dass ich mich verändert hatte. Das Beängstigende war, dass ich mir selbst nicht sicher war.

Jemand hupte hinter mir und riss mich aus meinen Gedanken. „Schon gut. Immer mit der Ruhe, Mann“, murmelte ich, während ich Gas gab. Das Auto hinter mir beschleunigte und überholte mich.

„Pass doch auf, du Arschloch“, brüllte der Idiot und schoss mit quietschenden Reifen davon. Ich zeigte ihm den Mittelfinger. Mein Griff um das Lenkrad wurde noch fester.

Oh Mann, was zur Hölle treibe ich hier nur?

Noch vor einem Jahr wäre ich ihm nachgejagt, zum Verkehrsrowdy geworden. Ich schüttelte meinen Kopf. Scheiß drauf. Ich würde nicht alles für so einen Loser riskieren. Ich war vernünftig und ich hatte eine Mission. Erst den Job, dann Frankies Vertrauen.

Ich fuhr über den Rockaway Parkway zur Forster Avenue und sah den Brooklyn Terminal Markt vor mir aufragen, geschäftig und voller Trucks, die Obst, Gemüse und Pflanzen auf und ab luden. Ein großes Schild mit der Aufschrift ESPOSITO UND SÖHNE begrüßte mich, als ich um die Ecke kam und mir einen Parkplatz suchte. Ich stellte den Motor ab, stieg aus dem Auto und schmiss die Tür hinter mir zu.

„Ey du, Vorsicht. Wir müssen hier durch“, bellte eine laute Stimme in mein Ohr, und als ich mich umdrehte, sah ich drei stämmige Typen, die immergrüne Büsche schleppten. Ich ging ihnen aus dem Weg.

„Entschuldigung. Ich bin hier, um Vincent zu treffen?“

„Drinnen, ganz hinten“, antwortete einer. Er deutete mit dem Kopf nach links.

„Danke“, sagte ich und ging in die angedeutete Richtung, während ich Männern auswich, die Anweisungen hin und her riefen und noch mehr Blumen und Pflanzen herumtrugen. Die fieberhafte Geschäftigkeit dieses Ortes gefiel mir. Ich mochte es, beschäftigt zu sein. Ich wollte diesen Job so sehr, dass mir von der Angst, die durch meinen Körper floss, schwindelig und übel war. Ich holte tief Luft, zögerte eine Sekunde und klopfte dann an die kleine Tür mit dem dreckigen halbdurchsichtigen Fenster.

„Ja?“, rief eine Stimme, die so heiser klang, als wäre ihr Besitzer ein Kettenraucher.

Ich öffnete die Tür und sah einen kleinen Mann um die sechzig mit wettergegerbter Haut und schütterem grauen Haar, das unter einem abgetragenen Tweed Hut hervorlugte.

„Ähm, ich bin Aaron? Aaron Cooke? Wir haben vorhin über den Job gesprochen?“ Ich hasste, wie hoch und zaghaft meine Stimme klang.

„Oh, ja, ja, komm rein und mach die Tür hinter dir zu.“ Vincent winkte mich zu sich und deutete auf den Stuhl. „Setz dich.“

Seinen Anweisungen folgend schob ich den kleinen harten Stuhl vor seinen Schreibtisch und starrte ihm forschend ins Gesicht.

„Okay, gut. Ich mag Männer, die mir in die Augen sehen können. Arbeitest du gerne mit Pflanzen und Blumen?“

„Ja, das habe ich schon mein ganzes Leben lang gemacht. Wir hatten einen Garten und ich habe damals Gemüse und Blumen angebaut.“

Vincent nickte beifällig. „Gut. Muss ich dir den Mist nichʼ beibringen. Ich hass es, Leute auszubilden, die von nix ne Ahnung haben.“ Er kniff die Augen zusammen. „Verheiratet?“

Meine Muskeln verspannten sich. „Nein.“

„Gut. Also meckert niemand über Spätschichten. Freundin?“ Auf mein Kopfschütteln hin rülpste er und rieb sich den Bauch. „Ja, kann ich dir nichʼ vorwerfen. Wie alt bist du denn? Achtundzwanzig? Neunundzwanzig?“

„Ja, ähm, ich meine achtundzwanzig.“

„Da hast du noch genug Zeit, um dich niederzulassen. Kinder?“

„Nein. Nur ich.“ Himmel, diese scheiß Fragen zerrten an meinen Nerven. Auch wenn er wusste, dass er mich nicht über meine Festnahme ausfragen konnte, gab es eine Menge subtile Wege, mich wissen zu lassen, dass er Bescheid wusste.

„Okay.“ Er kritzelte ein paar Sätze auf ein Blatt Papier. „Nimm das und gibs meiner Tochter Marie da draußen. Sie hat nen Freund, also komm mir nicht auf dumme Gedanken.“ Er lachte leise vor sich hin und ich zwang mich, mit einzustimmen. „Sie wird dir dein Schließfach zeigen und den Papierkram mit dir machen. Du kriegst Hundert die Woche und wirst für jeden Dollar arbeiten. Du wirst um acht Uhr morgens beginnen und aufhören, wenn ich sage, dass du gehʼn kannst. Hier gibt es keine Einhörner, also jammer nichʼ über die Bezahlung.“

„Kein Problem.“ Er hatte keine Ahnung, wie verzweifelt ich war. Für mich war das ein Vermögen. „Ich bin bereit.“

„Gut. Lennie!“, rief Vincent. Nach einem Moment kam ein großer, gut aussehender Typ in das Büro, dessen Arme über und über mit Tattoos bedeckt waren.

„Ja, Paps, was gibts?“

„Das hier isʼ Aaron. Hab ihn grad eingestellt. Wenn er sein Zeug Marie gegeben hat, führ ihn rum und zeig ihm alles.“

„Gut.“

„Aaron, hör auf Lennie. Er hat das Sagen.“

Das war es. Einfach so war ich eingestellt und Erleichterung durchflutete mich so stark, dass ich mich schwach fühlte. „Danke. Ich werde mein Bestes geben. Was immer Sie brauchen.“

„Ja, klar. Geh mit Lennie.“

Ich verließ das Büro, die Papiere fest umklammert und hoffend, dass ich sie nicht vollschwitzen würde. Lennie führte mich zu einer jungen Frau um die fünfundzwanzig, mit dickem schwarzen Haar, das sie in weichen Wellen auf ihrem Kopf drapiert hatte, und dem Gesicht voller Make-up. Ich kannte ihren Typ Mensch aus dem Ort, an dem ich aufgewachsen war. Ihnen würde nicht mal im Traum einfallen, einkaufen zu gehen, ohne sich herauszuputzen. Doch ihr Lächeln war freundlich und sie musterte mich mit offensichtlichem Interesse.

„Hi. Ich bin Marie.“

„Hör auf zu flirten, Marie. Paps hat ihn gerade angestellt. Er muss seinen Papierkram erledigen.“

„Ach, sei still.“ Sie rollte mit den Augen und ich musste mir ein Grinsen verkneifen. Eine Welle der Traurigkeit traf mich kurz darauf, als Carmelas und Jasmines Gesichter vor mir auftauchten. Ich fragte mich, wo sie wohl waren. Ich hatte sie nicht mehr gesehen, seit die vom Jugendamt sie mitgenommen und in eine Pflegefamilie gesteckt hatten.

Marie lächelte mich an. Sie deutete auf einen Stuhl. „Ich bin doch bloß nett. Außerdem habe ich einen Freund, Dominic. Setzt euch. Das wird nur eine Minute dauern. Siehst nicht so aus, als wärst du beschäftigt, Lennie, oder hast du was Besseres zu tun?“

„Oh, Mann“, murmelte Lennie mir leise zu. „Sag nichts. Sie wird dich mit ihrer besten Freundin Regina verkuppelt und verheiratet haben, bevor du überhaupt weißt, wie dir geschieht.“

„Gina ist nett. Nur ein bisschen schüchtern.“

Ich füllte die Formulare aus und hielt meinen Kopf gesenkt, in der Hoffnung, mich aus der Schussbahn halten zu können. „Hast du eine Freundin, Aaron?“

„Nein.“ Ich kritzelte meine Adresse auf ein weiteres Formular.

„Datest du jemanden ernsthaft?“

„Im Moment nicht.“ Ich biss mir auf die Wange und hasste die Tatsache, dass ich Frankie geheim halten musste. Doch in dieser Machoatmosphäre hatte ich nicht das Gefühl, dass sie es gut aufnehmen würden, wenn ich ihnen erzählte, dass ich auf Schwänze stand.

„Lass ihn in Frieden. Der arme Kerl ist hier, um zu arbeiten, nicht um sich zu verloben.“

Ich lächelte Lennie dankbar an. „Hier.“ Ich reichte Marie die Papiere. „Ich habe alles ausgefüllt.“

Marie überflog meine Antworten, bemerkte meine Adresse und ihre großen braunen Augen leuchteten auf. „Oh, du wohnst ja gar nicht weit weg von uns. Vielleicht magst du ja mal zum Sonntagsessen vorbeikommen.“

„Tu es nicht. Das ist eine Falle“, sagte Lennie und ergriff meine Schulter. „Sie wird all ihre Freundinnen einladen, und du wirst den ganzen Abend umzingelt sein. Lass uns dein Schließfach suchen und dann kann es losgehen. Wir haben gerade erst eine Lieferung Pinsel reinbekommen, die etikettiert, ausgezeichnet und in die Regale sortiert werden müssen. Dann will Paps, dass wir die Blumenstiegen nach Farbe sortieren.“

„Ich bin bereit.“ Ich sprang aus dem kleinen Stuhl, froh darüber, Maries Befragung endlich hinter mir lassen zu können. „Danke und schön Sie kennenzulernen. Bis später dann.“

„Ebenfalls. Und hören Sie nicht auf ihn. Was soll schon schlimm daran sein, den Abend umgeben von hübschen Frauen zu verbringen? Wir sehen uns.“

Noch immer den Kopf schüttelnd wartete Lennie, bis ich ihn eingeholt hatte. „Sie wird nicht aufhören, bis du ihr ausdrücklich sagst, dass du nicht interessiert bist. Vielleicht solltest du eine Freundin erfinden.“

Er hatte ja keine Vorstellung. Ich gab ihm ein dünnes Lächeln und nickte. „Äh, ja.“

„Ich mein, ihre Freundinnen sind süß und so, aber die haben nur das Heiraten im Sinn. Wir sind noch jung, wenn du verstehst, was ich meine?“ Er zwinkerte und stieß mir kumpelhaft in die Seite. „Wir haben noch so viel Zeit, uns auszutoben, bevor wir uns Haus, Hund und Hof zulegen.“

„Stimmt schon.“ Ich hatte beschlossen, dass es besser war, möglichst wenig über mein Privatleben zu erzählen.

„Hier ist dein Schließfach. Schmeiß dein Zeug einfach rein. Da drüben ist ein Kühlschrank, in den du dein Essen packen kannst. Du solltest dir was mitbringen. Hier gibt es nichts Vernünftiges.“ Er beugte sich vor und beobachtete mich dabei, wie ich meine Jacke und mein Portemonnaie verstaute. „Und wo hast du bisher so gearbeitet?“

Ich wollte nicht über alles lügen, was in meinem Leben vorging und beschloss, dass Lennie mit meiner Verhaftung vermutlich besser umhergehen konnte, als damit, dass ich schwul war. Außerdem konnte man heutzutage alles googeln.

„Ich, äh, war ein paar Monate im Gefängnis. Körperverletzung.“

Wie erwartet wirkte Lennie unbeeindruckt. „Ach, echt? Mein bester Freund sitzt wegen Autodiebstahl. Sollte eigentlich nur ein Scherz sein, weißt du? Aber dann hatte er einen Unfall, hat jemanden angefahren und dann war es wohl nicht mehr so witzig. Er wird in zwei Monaten wieder draußen sein. Was hast du angestellt?“ Er kniff die Augen zusammen. „Du hast nicht deine Freundin oder deine Mutter verprügelt, oder so was?“

„Oh, nein, niemals. Eine Kneipenschlägerei. Ich war wütend über etwas und habe es an der nächstbesten Person ausgelassen. Er war zur falschen Zeit am falschen Ort.“ Kein Grund, ihm von Frankie zu erzählen.

„Okay. Dann erinnere mich daran, dich niemals aufzuregen. Wir haben alle schon mal Mist gebaut.“ Er klopfte mir auf den Rücken. „Lass uns mit diesen Büschen anfangen, bevor Paps zu rufen anfängt.“

Ich lächelte ihn an, erleichtert darüber, dass mein dunkles Geheimnis niemanden zu kümmern schien. „Ich bin bereit. Zeig mir den Weg.“

Um sieben Uhr abends war ich schmutzig, verschwitzt und brauchte unbedingt eine Dusche. Ich wischte den gröbsten Schweiß von meiner Stirn und atmete zufällig meinen Geruch ein. „Igitt. Ich stinke.“

„Du hast dich heute gut angestellt.“ Lennie gab mir einen freundschaftlichen Schubs, während er an mir vorbei zu seinem Schließfach ging. „Und Paps gefällt dein Vorschlag, die Pflanzen danach zu sortieren, wie viel Licht sie brauchen. Dadurch sind wir ein paar losgeworden, von denen wir befürchtet hatten, wir müssten sie wegwerfen.“

Ich lächelte Lennie an, dankbar für das Lob. „Danke. Es schien logisch, weißt du? Alles an einem Ort kaufen zu können.“

„Ja.“ Er zog sein fleckiges T-Shirt aus und ein sauberes an. „Ich kann es nicht erwarten, nach Hause unter die Dusche zu kommen, und dann mit den Jungs auf einen Drink auszugehen.“ Lennie stopfte das T-Shirt in seine Sporttasche und warf die Schließfachtür zu. „Hast du irgendwelche Pläne? Magst du mitkommen?“

Mein erster Impuls war, Nein zu sagen. Das ging mir irgendwie zu schnell und ich wollte nach Hause gehen und Frankie alles über meinen ersten Tag erzählen. Außerdem hatte ich geschworen, nicht mehr zu trinken. Ich bin keiner von diesen fröhlichen Betrunkenen. Wenn ich betrunken bin, erinnere ich mich an den hässlichen, schlechten Scheiß und werde wütend. Doch Frankie arbeitete heute Nacht und würde vor eins nicht zurück sein. Von mir wurde nicht erwartet, zu Hause zu sitzen und mir einen runter zu holen, oder?

„Ja, das wäre cool. Wo wollt ihr hin? In die Stadt?“

„Scheiße nein. Ich bezahl doch keine zwanzig Lappen für Drinks, nur um so ne hochnäsige Zicke zu treffen, die der Meinung ist, ich würde nicht genug verdienen. Wir gehen in einen Pub in der Nähe meines Apartments in Brooklyn. Gib mir deine Nummer, dann schicke ich dir die Adresse.“

Ich unterdrückte ein Lächeln, schloss meine Schließfachtür und sagte Lennie meine Nummer, der sie mit seinen rauen Fingern vorsichtig in sein Telefon tippte. Wenn sie wüssten, wie viel man in dem Club bezahlte, in dem Frankie arbeitete. Als er mir damals erzählte, dass man vierhundert Dollar die Flasche zahlte, hatte ich fast mein Essen ausgespuckt.

„Klingt nach einem Plan. Ich werde heimgehen und treffe euch dann später.“

Wir verabschiedeten uns und ich ging zu meinem Auto. Die Sonne ging in einem feurigen Rot unter und obwohl ich von Mülltonnen und leeren Kisten umgeben war, war es ein wunderschöner Moment für mich. Mein Telefon klingelte und ich sah, dass es Frankie war. Ich wollte hier draußen nicht mit ihm reden, also huschte ich zu meinem Auto und stieg ein.

„Hey. Ich bin gerade erst fertig geworden.“

„Wie lief es? Ich hatte gehofft, dass du vielleicht zwischendurch eine Chance hättest, mir eine Nachricht zu schicken. Ich habe den ganzen Nachmittag hier gesessen und an dich gedacht.“

Es lag mir auf der Zunge, ihn anzufahren und zu sagen, er solle die Leine von meinem Hals nehmen. Doch das hätte Frankie verletzt, und als ich eine Sekunde darüber nachdachte, verstand ich, dass er das nur wissen wollte, weil ihm etwas an mir lag. Nicht, weil er mir nicht vertraute. Außerdem war das mein altes Ich. Der Aaron, der sich nicht die Zeit nahm, darüber nachzudenken, was Frankie wirklich wollte. Der Aaron, der nur nahm und niemals gab.

„Tut mir leid, Babe. Es lief wirklich gut. Ich habe mir den Arsch aufgerissen, aber sie mögen mich. Ich glaube, das wird funktionieren.“

„Ich wusste, du kannst das. Ich bin so stolz auf dich. Außerdem liebst du es, mit Pflanzen zu arbeiten. Win-Win also. Bist du auf dem Heimweg?“

Auch wenn ich eine eigene Bleibe hatte, so war es doch eine winzige, hässliche Einzimmerwohnung, in der man sich mit den Kakerlaken um den wenigen Platz streiten musste.

„Ja. Ich werde duschen und mich waschen. Ich stinke.“

„Mmm, ich wünschte, ich könnte da sein und dir beim Rücken waschen helfen und bei … anderen Sachen. Aber ich werde mich vor dem Tanzen mit Austin zum Essen treffen. Er will mir Bilder von der Obdachlosenunterkunft zeigen, an der er arbeitet. Er hat mir davon erzählt und es klingt wahnsinnig toll.“

„Garantiert“, sagte ich leichthin. Ich wusste, dass Austin mich immer noch hasste und nur darauf wartete, dass ich es mit Frankie vermasselte. Austins Freund Rhoades war immerhin nett und schien mir gegenüber keine Vorurteile zu haben. Das gefiel mir. Rhoades ließ sich nicht von seinem Freund vorschreiben, wen er zu mögen hatte und wen nicht. „Muss schön sein, unbegrenzt Geld zu haben.“

„Du weißt doch, dass ich das alles nicht brauche, solange du und ich zusammen sind, wo auch immer wir sein mögen. Geld ist nicht alles. Nicht wahr?“

Wenn er so etwas sagte, dann fühlte ich mich wichtig. So als könnte ich meine alte Haut abwerfen und in eine neue hineinwachsen, jemand werden, bei dem es anderen gleich ist, wer er einst war und woher er kam.

„Gut. Du und ich gegen den Rest der Welt.“ Ich wusste, dass Frankie hoffte, ich würde ‚Ich liebe dich‘ sagen, wie ich es zuvor schon getan hatte. Doch diesmal wollte ich es nicht versauen. Ich wollte, dass es etwas bedeutete.

„Ich seh dich dann später. Ich werde nicht länger bleiben, also sollte ich so um halb zwei zu Hause sein.“

„Ich werde noch mit ein paar Leuten von der Arbeit rumhängen, aber ich werde zu Hause sein, wenn du kommst.“

„Ich zähle darauf.“

***

Ich schaffte es in unter dreißig Minuten zu Frankies Wohnung, doch er war schon weg. Die Dusche fühlte sich himmlisch an. Ich beobachtete das dreckige Wasser dabei, wie es durch den Abfluss verschwand, und fühlte mich zufrieden mit meinem Tag voll ehrlicher Arbeit. Ich zog mir ein langärmliches Shirt und Jeans an und rieb ein wenig Gel in mein handtuchtrockenes Haar.

Die Sachen, an denen er gearbeitet hatte, lagen noch immer auf dem Tisch, doch ich konnte ihm nicht böse deswegen sein. Das hier war seine Wohnung, und er hatte keinen anderen Arbeitsplatz. Also aß ich das Sandwich, das er mir übrig gelassen hatte, saß auf dem Sofa und wünschte mir, ich könnte ein Bier trinken.

Mein Telefon klingelte und ich sah, dass es eine Nachricht von Lennie war.

Wir sind hier. Heißt ‚Pints bei Pʼs‘. Wir werden gegen 20.30 Uhr da sein.

Ok, schickte ich zurück. Werde da sein.

Ich hatte gerade zugestimmt, meinen Abend mit einer Horde Heterotypen zu verbringen, die gerne tranken. Das konnte interessant werden, oder sehr, sehr schiefgehen.

Kapitel 3

FRANKIE

„Ich kann nicht glauben, wie viel Knete wir heute gemacht haben. Hab noch nie so viel auf einem Haufen gesehen. Wir sollten öfter zusammen tanzen.“ Nackt und tropfnass von der Dusche sammelte ich meinen Anteil des heutigen Trinkgeldes ein, wedelte mit den Scheinen vor Corts Gesicht und tänzelte um ihn herum. Alle außer Cort lachten.

„Ja. Na ja, da James niemanden eingestellt hat, um ihn zu ersetzen, seit Austin weg ist, müssen wir mit einer Person weniger teilen.“ Er ließ sich in seinen Stuhl fallen. „Ich vermisse ihn trotzdem. Ohne ihn ist es einfach nicht dasselbe.“

Ich wusste, dass Austin und Cort sich nahestanden, und schwor mir, freundlicher zu dem gut gebauten Cowboy, zu sein. Er war wirklich süß.

„Wie wäre es, wenn wir an unserem nächsten freien Tag alle zusammen ins Kino gehen oder so? Ich bin mir sicher, Austin würde sich freuen. Sollen wir was organisieren?“

Seine Miene hellte sich auf. „Ja. Das wäre sicher lustig. Ich hatte gedacht, es wäre hier einfacher, jemanden zu finden, aber das ist echt nicht der Fall. Die Leute sind weniger freundlich. Jedes Mal wenn ich versuche, jemanden anzusprechen, gucken sie mich komisch an.“

„Ach, guck nicht so traurig, Honey.“ Ich küsste ihn auf seine stoppelige Wange. „Du wirst schon jemand Nettes treffen. Den Richtigen zu finden, dauert seine Zeit.“

Niedergeschlagenheit vertrieb die übliche Fröhlichkeit aus seinen Augen. „Ich versuche es. Ich gehe zu den Lesungen im Buchladen bei mir um die Ecke und bleibe dann immer noch auf Kaffee und Kuchen. Aber niemand will mir Gesellschaft leisten. Immer haben es alle so eilig, wieder wegzukommen. Der Einzige, der bleibt, ist dieser Typ, der immer da rumhängt und alle Kräcker und allen Käse und Kuchen isst, die rumstehen. Ich glaube, er ist obdachlos.“

„Warum?“ Ich wickelte ein Handtuch um meinen Kopf, um das tropfende Wasser aufzufangen.

Cort runzelte die Stirn. „Weil er jedes Mal dieselben schäbigen Klamotten anhat, wenn ich ihn sehe. Und wenn er denkt, dass niemand hinguckt, steckt er sich noch mehr Essen in seine Taschen.“

„Du bist echt ein Softie. Ich wette, wenn du ihn das nächste Mal triffst, bringst du ihm was zu essen mit.“

Mit rotem Kopf starrte er mich an. „Wie auch immer. Ich glaube halt daran, Leuten zu helfen, denen es nicht so gut geht wie mir. Wenn mich das zu einem Softie macht, dann stehe ich dazu. Außerdem bin ich nicht hier, um über mich zu reden. Wie geht es dir so? Immer noch mit deinem Ex zusammen?“

„Er ist ja wohl kaum ein Ex, wenn Frankie wieder mit ihm zusammen ist.“

Ich war überrascht von Tristans Einwurf, ignorierte seinen Kommentar jedoch trotzdem. Sein halb amüsierter, leicht abfälliger Ton gefiel mir nicht. „Wir arbeiten an uns. Schritt für Schritt.“

„Glaubst du, das wird klappen? Ich mache mir Sorgen um dich.“ Das beschützerische Funkeln in Corts Augen kam von seinen Gesprächen mit Austin.

„Ich weiß, dass es das wird. Wir nehmen jeden Tag, wie er kommt.“

Doch während ich mich abtrocknete und meine Klamotten anzog, fühlte ich mich weniger sicher. Abgesehen von unserem Telefonat nach seinem Feierabend hatte Aaron mich im Laufe des Abends weder angerufen noch mir eine Nachricht geschrieben. Ich hasste es, ihm nicht zu vertrauen, doch ein kleiner Teil von mir wunderte sich. War er mit den Typen von der Arbeit weggegangen? Hatte er getrunken? Wäre Austin hier gewesen, dann hätte er meine Unsicherheit vermutlich gespürt und sie weiter befeuert.

Ich schob meine negativen Gedanken beiseite, holte mein Telefon raus und Erleichterung durchströmte mich, als ich eine Nachricht von Aaron sah.

War mit den Jungs unterwegs und bin gerade erst nach Hause gekommen. Werd auf dich warten. Du fehlst mir.

Mein Herz machte einen Salto. Und wie er sich geändert hatte. So etwas hätte Aaron vorher nie gesagt.

„War er das?“, Cort deutete auf mein Telefon.

„Ja.“

„Dachte ich mir. Dein Gesicht ist ganz weich und rot geworden. Muss schön sein, jemanden zu haben, der auf einen wartet. Vielleicht sollte ich mal ein paar Datingportale ausprobieren.“

„Gute Idee. Such ein paar süße Kerle aus und ich, du und Austin werden sie zusammen abchecken.“ Ich umarmte ihn kurz. „Hier. Ich habe es nicht vergessen. Ich werde Austin morgen anrufen und dann werden wir alle zusammen ausgehen. Versprochen. Ich muss los. Ich brauche eine ganze Weile mit dem Zug bis nach Hause.“ Ich warf ihm ein Küsschen zu und winkte den anderen, dann machte ich mich auf den Weg.

Meine Vorhersage erwies sich als korrekt und es war fast halb drei, als ich endlich meine Haustür aufschloss. Ich bemühte mich, leise zu sein, da ich mir sicher war, dass Aaron nach einem harten Arbeitstag nicht so lange aufgeblieben war.

„Frankie?“, begrüßte mich seine vom Schlaf raue Stimme aus dem Wohnzimmer, als ich die Tür hinter mir schloss. Aaron lag ausgestreckt auf dem Sofa, shirtlos und in einem alten Paar Trainingshosen. Er blinzelte verschlafen. Ich ließ meine Schlüssel in die kleine Schale auf dem Tisch nahe der Tür fallen und warf meine Jacke auf einen Stuhl.

„Hi.“

Ich hockte mich neben ihn, küsste ihn auf seine kratzige Wange und konnte nicht aufhören, mich an ihm zu reiben. Gott, er roch so gut. Der Hauch seines Aftershaves und seine warme Haut trafen mich tief und erinnerten mich an all die Dinge, die ich vermisst hatte, während er fort gewesen war. Ich hatte ein paar seiner Shirts behalten und in ihnen geschlafen, um etwas von ihm zu haben, an dem ich mich festhalten konnte. Der Duft verflog letztendlich, doch die Einsamkeit blieb. Die Leute sagten mir immer, ich würde jemand Neues finden, doch ich konnte mich nicht dazu bringen weiterzugehen, ohne zu sehen, ob es da vielleicht noch etwas zwischen uns gab, das sich zu retten lohnte.

„Du hättest nicht warten müssen. Ich weiß doch, dass du müde bist.“

„Schon okay.“ Gähnend setzte er sich auf und rieb seine Augen. „Ich wollte dich sehen.“ Er klopfte auf den Platz neben sich. „Komm her und setz dich.“

Ich kuschelte mich neben seinen warmen Körper und legte meinen Kopf an seine Schulter. Aaron fuhr mit den Fingern durch mein Haar und für einen Moment verweilten wir so. „Mmh. Das ist schön. Hattest du Spaß mit den Jungs von der Arbeit?“

„Es war okay. Sie haben die halbe Nacht damit verbracht, Mädels an der Bar aufzureißen. Das Übliche. Aber man kann mit ihnen auskommen.“

„Wissen sie Bescheid?“

„Worüber? Dass ich im Gefängnis war, oder dass ich schwul bin?“

„Der Teil mit dem Schwulsein. Ich kann mir vorstellen, dass du ihnen nicht am ersten Tag erzählen wolltest, dass du gesessen hast.“

„Um ehrlich zu sein, das habe ich. Ich habe es Lennie, dem Sohn des Besitzers, gegenüber erwähnt, weil er es eh hätte herausfinden können. Er hat kein Problem damit. Ich dachte, es gibt eher keinen Grund, ihnen auf die Nase zu binden, dass ich schwul bin, weißt du?“

„Ja. Da hast du wohl recht.“ Ich seufzte, als er begann, mit seiner Nase an meinem Kinn entlang zu streichen. Und als er begann an meinem Hals zu saugen, vergaß ich ganz, worüber wir gerade geredet hatten. „Mmm.“ Die rauen Stoppeln seines Kinns kratzten über meine Haut und ich genoss das Geräusch seines unsteten Atems.

Er presste sich an mich und in meinem Inneren breitete sich ein Feuer aus, als ich seinen harten Schwanz an meinem Bauch spürte. Ein Schauer überlief mich. Ich sehnte mich so danach, mit ihm zu schlafen.

„Ich bin noch nicht bereit.“ Mein Körper stimmte dem nicht zu, als Aaron sich an mir rieb und ich wusste, dass er spürte, wie mein Schwanz steif wurde.

„Ich weiß. Ich möchte dich nur berühren.“

Er strich mir über den Rücken und ich fragte mich, ob er mich bedrängen würde.

Mir wurde das Herz schwer. „Dich zu wollen ist der einfache Teil. Ich begehre dich immer. Aber diesmal sollte es um mehr als nur Sex für uns gehen. Darüber haben wir schon gesprochen, erinnerst du dich?“

Bitte hör mir zu.

Ein lautes Seufzen entfuhr Aaron. „I-ich weiß. Ich habe mich mitreißen lassen. Dich wieder zu berühren … Da passiert mir das häufiger. Du bist so verdammt schön und heiß. Ich versuche es. Ich schwöre, ich will von vorne anfangen und es diesmal richtig machen. Ich schwöre, ich werde es besser machen.“

Mein klopfendes Herz beruhigte sich. Diese Worte. Ich wartete seit Jahren darauf, sie zu hören. „Aber du verstehst, warum ich warten will, oder?“

„Ja, ich schätze schon. Ich meine, ich verstehe es. Ich muss mich vor dir beweisen … Dir zeigen, dass ich mich geändert habe.“

„Wir beide.“ Ich wand mich, um ihm näher zu sein. „Es geht nicht nur um dich. Ich habe mich auch verändert. Ich habe gelernt, für mich einzustehen. Mein Kopf muss zu meinem Körper aufholen. Erinnerst du dich, dass Dr. Morrell sagte, wir müssen mehr über unsere Probleme reden und sie nicht hinter Sex verstecken?“ Ich strich über seine Wange. „Aber nur, weil wir keinen Sex haben werden, heißt das nicht, dass wir nicht ein wenig miteinander spielen können.“ Ich stand auf, glitt aus meinen Leggins und dem Jockstrap und genoss, wie sein Atem aussetzte und seine Augen glasig wurden, als er sah, wie ich über meinen aufgerichteten Schwanz strich. „Zieh dich aus.“ Ich zog mein Kapuzenshirt aus, stand nackt vor ihm und beobachtete, wie seine Lider schwer wurden vor Lust.

„Verdammt, bist du herrisch geworden.“ Mit einem Lächeln zog Aaron seine Trainingshose runter und trat sie weg. Ich bewunderte seine zarte Haut und das Spiel seiner Muskeln.

„Ach?“ Ich setzte mich mit gespreizten Beinen auf seinen Schoß, sodass unsere Schwänze einander berührten. Die Rauheit seiner behaarten Oberschenkel rieb gegen meine glatten. Er liebte es, wenn ich meinen Körper wachste. Ich stöhnte, als er seine Hände über meine Brust gleiten ließ und dann meinen Hintern umfasste. „Ich wette, es gefällt dir.“

Er umfasste mich und ließ seine Hände in langsamen, quälenden Bewegungen an meinen Schwanz auf- und abgleiten. Sein Daumen glitt über die Feuchtigkeit an meiner Eichel. „Es gefällt mir. Mir gefällt alles an dir. So weich und zart.“ Seine freie Hand strich über mein Gesäß. „Dein Geruch.“ Er zog mich an seine Brust, grub seine Nase in die Vertiefung zwischen meinen Schlüsselbeinknochen und atmete tief ein. „Und Geschmack.“ Er strich mit seinem Finger über meinen Schwanz, bis etwas von dem glitzernden Vorsaft daran haften blieb, ließ ihn in seinen Mund gleiten und saugte daran. „Mmh. Süß. Wie Bonbons.“

Ich konnte die Sehnsucht und Erregung nicht länger ertragen.

„Fuck.“ Ich presste meinen Mund an seinen und drückte ihn auf das Sofa, bis ich auf ihm lag. Unsere Zungen kämpften und tanzten, während ich mich rhythmisch an ihm rieb. „All diese Monate, in denen du weg warst“, hauchte ich in sein Ohr. „Manchmal habe ich mich so einsam gefühlt, dass ich nicht wusste, was ich tun sollte. Ich wollte dich immer noch so sehr und konnte mit niemandem zusammen sein. Du bist der einzige Mann, in dem ich jemals sein wollte. Du bist der einzige Mann, den ich jemals in mich hineingelassen habe. Also habe ich das gemacht, während du fort warst.“ Ich leckte meine Finger und spreizte meine Beine. „Schau zu.“ Aaron umfasste seinen Schwanz und begann, sich zu streicheln, ohne mich aus den Augen zu lassen. Ich tauchte einen feuchten Finger in mein Loch, dann zwei, stieß hinein, zog sie wieder hervor, erst schnell, dann langsamer, tiefer und gelegentlich meine Prostata berührend. Ich bewegte meine Hand immer schneller und die Schwielen an meinen Fingern erzeugten die lustvollen Schmerzen, nach denen ich mich sehnte.

„Fuck. Oh, mein Gott.“ Mein Schwanz schwoll an, ein Rauschen erfüllte meine Ohren und die Welt verschwamm vor meinen Augen. Meine Schenkel umklammerten meine Finger und meine gesamte Existenz fokussierte sich auf das pulsierende, treibende Bedürfnis, genommen zu werden.

Ich kam und stöhnte vor Leidenschaft, während auch Aaron kam und sein klebriger Samen sich über seinen Bauch und seine Brust ausbreitete. Wir lagen gemeinsam auf dem Sofa, keuchend und nach Luft schnappend. Von meinem Orgasmus noch schwach und zittrig ließ ich meine Finger aus meinem Körper gleiten. Als mein Blick wieder klarer wurde, war Aarons entspanntes Grinsen das Erste, was ich sah.

„Fuck, bist du heiß, wenn du kommst.“

„Mmh. Du bist auch ziemlich unglaublich.“ Ich betrachtete unsere Schweinerei, zog eine Grimasse und stand auf. „Willst du eine Dusche?“

„Ja, wäre wohl besser, was? Ich brauche Schlaf. Muss um acht zurück auf Arbeit sein.“ Er erhob sich vom Sofa und ging mir voraus ins Badezimmer. Ich beäugte seinen nackten Körper und runzelte die Stirn, als ich eine Narbe an seiner Seite sah, fast verborgen von seiner Achselhöhle. Sie war mir bisher noch nie aufgefallen.

„Hey.“ Ich berührte ihn und er zuckte zusammen. „Tut mir leid. Ich wollte dich nicht erschrecken.“

„N-nein. Hast du nicht.“

Doch, das hatte ich. Sein Atem kam in kurzen Stößen und er zitterte. Zitterte. Aaron hatte niemals Angst.

„Okay. Ich wollte dich nur nach der Narbe an deiner Seite fragen. Wie ist das passiert?“

„Hab drinnen was abbekommen. Musste genäht werden.“

Das war es. Keine weitere Erklärung. Er war bereits vorgegangen, hatte die Dusche angestellt und damit die Unterhaltung beendet. Das war der Aaron, den ich kannte. Und nicht mochte.

„Okay.“

Doch das war es nicht und mir war klar, dass wir wieder darüber reden würden. Aber nicht, wenn wir beide müde waren und er früh raus musste, um zu seinem neuen Job zu kommen. Ich gesellte mich zu ihm und wir wuschen uns, ohne ein Wort zu sagen. Keine sexy Massagen oder Küsse. Nachdem wir uns abgetrocknet hatten, kletterten wir ins Bett, er löschte das Licht und wandte mir den Rücken zu.

„Gute Nacht.“

Aaron vergrub sich unter der Decke und schon nach wenigen Minuten war sein Atem ruhig und gleichmäßig geworden. Was war es, das er mir nicht erzählen wollte?

***

„Ich kann es immer noch nicht fassen, dass du jetzt hier wohnst.“ Der frisch gepresste Orangensaft, den Austin mir gegeben hatte, schmeckte fruchtig und erfrischend.

„Ich auch nicht.“ Er nahm einen Bagel aus dem Toaster, reichte ihn mir und nahm sich selbst einen. „Manchmal schrecke ich nachts hoch und kann mich nicht erinnern, wo ich bin. Es war schon eine ziemliche Veränderung.“

„Das glaube ich gerne. Und Rhoades hat kein Problem damit, dass du Zeit brauchst, oder?“

Austins Lächeln sagte mir alles. Er hatte bisher selten gelächelt.

„Ja. Es war eine Umstellung für uns beide, aber bisher läuft es großartig.“

„Freut mich für euch. Du hast es verdient.“ Ich strich Frischkäse auf meinen Bagel und nahm einen Bissen.

„Und … bei dir? Wie läuft es?“

Ich wusste, dass er mit mir über Aaron reden wollte, doch weil Austin ihm die Vergangenheit immer noch übel nahm, hielt ich mich zurück.

„Mir geht es gut. Ich tanze und arbeite an meinen Modedesigns. Oh, und ich besuche ein paar Businesskurse.“

Ein guter Freund spürt immer, wenn du etwas vor ihm verbergen willst, und Austin stellte mich zur Rede. „Frankie, Mann, komm schon. Du kannst mit mir reden.“ Austin legte seinen Bagel ab. „Wie läuft es mit Aaron? Du redest nie über ihn, wenn wir uns treffen. Hat er einen Job gefunden? Kommt ihr beiden miteinander zurecht? Was ist los?“

Die Stille hallte zwischen uns, als unsere Blicke aufeinanderprallten.

„Ja, hat er tatsächlich.“ Ich hob mein Kinn. „Er hat bei einem Gartengroßmarkt im Brooklyn Terminal Market angefangen. Er hatte einen tollen ersten Tag.“

„Gut. Freut mich, dass er endlich was gefunden hat.“

„Das ist nicht nur irgendwas. Aaron hat schon immer gerne mit Pflanzen gearbeitet. Er liebt es, Sachen anzubauen. Ich weiß, er wird großartig darin sein. Wenn die Leute ihm eine Chance geben.“

„Okay, ich weiß, was du sagen willst. Und ich versuche es.“

„Ja? Und wie?“ Müde und noch immer angespannt wegen Aarons Verhalten in der letzten Nacht, fauchte ich ihn an. „Das ist Bullshit und das weißt du auch. Wir haben dich und Rhoades gefragt, ob wir was zusammen machen wollen, und du hast immer eine Ausrede, warum es gerade nicht passt. Jedes Mal, wenn wir uns treffen, bist du zu beschäftigt.“ Frustriert schob ich mich von der Kücheninsel ab und wanderte ruhelos auf und ab. „Wie gibst du ihm damit eine Chance?“

Ehrlichkeit, das war etwas, dass es zwischen Austin und mir immer gegeben hatte.

„Okay.“ Er fuhr sich mit den Fingern durch sein Haar. „Vielleicht hast du recht.“

„Vielleicht?“

„Frankie, verdammt.“ Ich wartete, bis er mir in die Augen sah. „Gut. Du hast recht. Tue ich nicht.“

Austin zu einem Geständnis zu bringen, fühlte sich unbefriedigend an.

„Warum? Warum kannst du es nicht gut sein lassen und meinem Urteilsvermögen vertrauen?“

„Ich weiß nicht“, rief Austin. „Du kennst mich. Ich vertraue nicht einfach so. Wenn ich dich also sagen höre, wie toll doch alles ist, dann frage ich mich, was du mir nicht erzählst. Und mein Verstand führt mich an unschöne Orte.“

Wir standen uns gegenüber, Austin mit rotem Gesicht und ich zitternd.

„Weil es nichts Schlimmes zu erzählen gibt. Ich bin glücklich. Ich glaube, diesmal wird es funktionieren. Willst du wissen warum?“ Er nickte und ich fuhr fort. „Weil wir diesmal nicht nur miteinander reden, wir hören einander auch zu. Aaron hört mir zu und lässt mich nicht abblitzen. Und seit wir wieder zusammen sind, hatten wir keinen Sex. Also ich meine, hin und wieder einen Blasen und so, aber nicht … Du weißt schon. Ich habe ihm gesagt, nicht bevor ich nicht bereit bin.“

„Und er ist damit einverstanden?“, fragte Austin skeptisch und ein bisschen zögernd, seine Stirn in Falten gelegt.

„Ja, das ist er. Er gibt sich solche Mühe, das Richtige zu tun, aber du willst es einfach nicht wahrhaben. Du bist mein bester Freund, und es ist wichtig für mich, dass du ihm eine Chance gibst.“

Ich liebte Austins grimmige Loyalität, doch jetzt war es an ihm, mir zuzuhören. Also stand ich da, unwillig zurückzustecken, nagelte ihn mit meinem Blick fest und bat ihn zu verstehen. Letztendlich nickte er.

„Tut mir leid. Ich verspreche, ich werde dir ein besserer Freund sein und versuchen, ihm eine Chance zu geben.“

„Gut. Das ist alles, worum ich dich bitte.“ Meine Unterhaltung mit Cort kam mir in den Sinn. „Oh, da fällt mir ein … Wie wäre es, wenn wir was organisieren und Cort mitnehmen? Er ist ziemlich down, seit du nicht mehr tanzt. Ich weiß, dass er wirklich gerne jemanden kennenlernen möchte. Er hat gesagt, er würde ein paar Datingseiten ausprobieren.“

„Shit. Ich habe in letzter Zeit wohl wirklich in meiner eigenen kleinen Welt gelebt.“ Austin biss sich auf die Lippe und schüttelte den Kopf. „Ich wollte nicht, dass er sich fühlt, als hätte ich ihn vergessen.“

„Na ja“, neckte ich ihn und stieß ihn mit dem Ellenbogen an. „Diese ganze heiße Liebe mit Mister Sexy Pants, da kann das schon mal vorkommen.“

Austin errötete und knuffte mich in die Seite. „Hör auf damit. Ich fühle mich echt schlecht wegen Cort. Er ist hier ganz allein. Das Letzte, was ich von ihm gehört habe, ist, dass er sich mit einem obdachlosen Typen im Buchladen in der Nähe seines Apartments unterhalten hat. Da treibt er sich oft rum. Lass uns gleich anrufen und uns zum Essen und vielleicht einem Film treffen.“

„Ja, von dem Typen hat er mir auch erzählt. Klingt gut. Ich habe meine Kursarbeit schon erledigt.“

Austin drückte die Schnellwahl auf seinem Telefon und stellte auf Mithören. Corts Stimme füllte das Zimmer. „Austin? Bist du es wirklich?“

„Ja. Ich sitze hier mit Frankie und wir haben über Essen und einen Film nachgedacht. Willst du dich anschließen?“

„Und ob.“ Er konnte seine Freude kaum verbergen. Ich sah Austin an und flüsterte: „Siehst du?“

Austin gab mir ein ‚Daumen hoch‘ und fuhr fort. „Großartig. Frankie und ich essen immer in dem Diner am Union Square an der Ecke Vierte und Achtzehnte. Wenn du damit einverstanden bist, können wir danach zum Kino gehen und schauen, was gerade läuft.“

„Das ist mir ziemlich egal. Ich will nur was mit euch unternehmen, Jungs. Wir drei.“

„Du kannst dich auf uns verlassen. Treffen wir uns um eins? Ist das okay?“

„Ja. Bis dann.“

Austin legte auf. „Danke, dass du mir in den Hintern getreten hast. Ich war so beschäftigt mit dem Obdachlosenheim und den anderen Apartments, an denen ich gerade arbeite, dass ich vergessen habe, wo ich hergekommen bin.“

Ich küsste ihn auf die Wange. „Ach nee. Du bist ein wenig vom Weg abgekommen und ich bin hier, um dich zurückzubringen. Und jetzt zeig mal, woran du so arbeitest.“

„Erzähl mir doch erst mal mehr über dich und Aaron. Was für einen Job hat er denn da genau? Ich wusste gar nicht, dass er gerne gärtnert.“

Wir verließen die Küche und gingen in den Wohnraum, um uns auf das Sofa zu setzen. Ich zog meine Füße unter mich.

„Ja. Seit er ein Kind war, hat er mir erzählt. Ich weiß nicht viel über seine Familie. Er redet nicht gerne darüber. Ich glaube, sein Vater hat ihn geschlagen. Aber ich bin nicht sicher. Aber er meinte immer, wenn es ‚zu viel‘“ − ich malte Anführungszeichen in die Luft − „wurde, ging er in den Garten, um zu graben und die Samen zu pflanzen, die er mit dem Geld gekauft hatte, das er im Winter beim Schneeschippen verdient hatte. Er hat sich Zeitungen über das Gärtnern und so gekauft und sie nachts im Bett gelesen.“

„Wow.“ Austin wirbelte das Band seines Hoodies um seinen Finger. „Das hätte ich nie gedacht.“

„Das tun die wenigsten. Sie glauben, er sieht so hart aus, er kann sich nicht für Blumen und schönes Zeug interessieren. Aber er ist ganz anders, wenn er mit Pflanzen arbeitet. Ich glaube, ich habe ihn nie so glücklich gesehen, wie bei den Gelegenheiten, wenn er meiner Mutter im Garten geholfen hat. Und ich möchte ihn immer so sehen.“

„Du liebst ihn wirklich, nicht wahr?“

Mir wurde heiß unter seinem forschenden Blick. „Ja. Das tue ich.“

Es dauerte einen Moment, doch zu meiner Überraschung umarmte Austin mich fest und flüsterte. „Tut mir leid. Ich liebe dich und ich wünsche dir, dass du glücklich bist. Aber bis heute habe ich nicht wirklich verstanden, wie viel er dir wirklich bedeutet. Und das ist meine Schuld, weil ich dir nicht richtig zugehört habe. Ich habe mich nur an Chris erinnert und wie er mich behandelt hat, und habe gedacht, Aaron wäre genauso.“

„Er hat mich nie geschlagen, so wie Chris dich. Ich wünsche mir nur, dass die Leute ihm eine Chance geben. Du ganz besonders.“

„Ich verspreche, ich werde mich bemühen, es besser zu machen.“

„Hast du es jetzt begriffen?“, fragte ich und umklammerte seine Schultern. „Hörst du mir zu?“

„Das tue ich.“

Doch während wir unser Frühstück aufräumten und Austin mir zeigte, wie er mit der Obdachlosenunterkunft vorankam, an der er arbeitete, wanderten meine Gedanken immer wieder zu der Narbe an Aarons Seite und seinem ausweichenden Verhalten zurück.

Kapitel 4

AARON

„Hey, Aaron, komm her und hilf mir, das zu tragen“, rief Lennie mir zu, damit ich ihm mit dem Topf half, in dem ein riesiger Fliederstrauch wuchs. Topf, Erde und der Strauch mochten zusammen fast siebzig Kilo wiegen.

„Scheiße, ist das schwer.“

Er grunzte seine Zustimmung und gemeinsam wuchteten wir ihn zu dem Truck, der auf dem Parkplatz wartete. Ein Mann stand neben der offenen Heckklappe. Darinnen standen schon wenigstens zehn Stiegen voller Blumen sowie mehrere Azaleen und Rhododendren in verschiedenen Schattierungen von Pink und Lila.

„Danke. Ich glaube, das ist der Letzte, oder?“

„Jupp.“ Lennie wischte sich mit dem Arm über die Stirn. „Wir sind fertig.“

Ein zweiter Mann kam zu uns und als er seine Brieftasche hervorholte, sah ich einen Ehering aufblitzen. Ich warf dem anderen Mann einen Blick zu. Jap. Ein passender Ring an seinem Finger. Verheiratete schwule Pärchen zu sehen, gab mir immer ein warmes Gefühl. Ich hoffte, dass Frankie und ich eines Tages auch dahin kommen würden.

„Danke schön. Wir sind erst letzten Monat in unser neues Haus gezogen und freuen uns schon so darauf, den Garten herzurichten. Die hier werden das Ganze perfekt machen.“

Lennie sagte nichts und ich bemühte mich, die Stille zu füllen. „Sie haben eine großartige Wahl getroffen. All diese Büsche wachsen sehr gut bei wenig Pflegeaufwand. Stellen Sie nur sicher, dass sie genug Wasser bekommen, und passen sie auf, wenn der Rhododendron schwarze Flecken bekommt.“

„Danke für den Ratschlag. Wir freuen uns wirklich darüber. Es ist so schwer, alles im Auge zu behalten. Ich glaube, ich werde mir ein Buch besorgen und alles aufschreiben, wenn ich sie einpflanze.“

„Gute Idee.“

Sie lächelten mir zu und ich erwiderte die Geste. Lennies Ellenbogen traf mich hart in die Seite.

„Wir müssen weiter, Aaron. Können die anderen Kunden nicht warten lassen. Wir werden das jetzt für Sie aufladen.“

Einer der Männer gab jedem von uns einen Zwanziger. „Vielen Dank für Ihre Hilfe. Wir wissen das wirklich zu schätzen.“ Lennie nickte und stopfte den Geldschein in seine Tasche.

Ich winkte ihnen nach. „Danke und auf Wiedersehen“, rief ich. Lennie und ich hievten die Sträucher auf die Ladefläche und banden sie mit Seilen fest, um sicherzugehen, dass sie unterwegs nicht hin und her rollen würden. Danach ging ich zum Seitenfenster, gab ihnen ein Daumen hoch und die beiden fuhren davon.

Lennie und ich gingen zurück in den Gartenbereich. Leute schlenderten umher, doch niemand sah aus, als bräuchte er Hilfe. Gegen vier Uhr wurde es normalerweise ruhiger und wir würden bald beginnen, die Blumen zurück hinter die Tore zu tragen, die wir jede Nacht verschlossen. Nach einer Woche hatte ich mich ihrer Routine ziemlich gut angepasst und mich an das Kommen und Gehen der Kunden gewöhnt.

Lennie tippte mir auf die Schulter. „Willste nen Kaffee?“

Marie hielt jederzeit eine frische Kanne im Büro für uns bereit.

„Ja, gern.“

Ich folgte ihm nach drinnen und wartete, während er unsere Tassen zurechtmachte. „Ich raffe es immer noch nicht“, sagte er, während er Zucker in unsere Tassen löffelte. „Es ist seltsam.“

„Was begreifst du nicht? Danke.“ Ich nahm einen Schluck.

„Dieses ganze Schwulending.“

Ich bemühte mich, meinen Gesichtsausdruck neutral zu halten, und antwortete mit einem einfachen, „Oh, wirklich?“

Er zuckte mit den Schultern und lehnte sich mit der Hüfte gegen den Schreibtisch. Marie tippte weiter an ihrem PC und machte die monatliche Inventur.

„Ich mein ja nur. Wenn die Typen ficken wollen, dann sollen sie es doch nicht so zur Schau stellen. Warum muss ich mir die Scheiße angucken?“

Tief ein- und ausatmen.

„Hast du zwei Typen beim Ficken gesehen?“

„Nein! Was zur Hölle?“ Lennie hustete und stellte seine Tasse ab. „Ich meine die Typen, denen wir geholfen haben. Die waren doch offensichtlich … schwul halt. Ich will nicht wissen, was die in ihrem Bett treiben.“

„Dann frag nicht“, gab ich zurück. „Sie sind verheiratet. Ich habe ihre Ringe gesehen. Sie haben nichts getan, was ein Heteropärchen nicht auch tun würde. Was kümmert es dich, was sie zu Hause tun?“

Lennie runzelte die Stirn und nahm seinen Kaffee. Marie hatte ihre Aufgabe beendet und drehte ihren Stuhl, um mitzuhören.

„Ich denke nicht gerne daran, dass Kerle meinen Schwanz lutschen wollen.“

„Ihh, Lennie, sei nicht so ekelig.“ Marie kicherte.

Fuck. Ich mochte diesen Job sehr und wollte ihn nicht aufgeben müssen.

„Hat dich einer von ihnen angemacht? Gesagt, dass sie Sex mit dir wollen? Ich habe nichts dergleichen gehört. Ich meine, betrachte es doch mal so: Willst du mit jeder Frau ins Bett gehen, die du siehst? Nein. Glaubst du, jede Frau will dich? Das bezweifle ich. Nicht jeder, den du triffst, will dir an die Wäsche, egal ob schwul oder hetero.“

Das schien ihn zum Schweigen zu bringen, und wir tranken unseren Kaffee schweigend aus. Die ganze Unterhaltung hatte mich den Rest des Nachmittags über nervös und reizbar werden lassen. Und als Lennie mich nach Feierabend fragte, ob ich mit seinen Kumpels abhängen wollte, lehnte ich ab.

„Ich kann nicht. Hab andere Pläne. Ein andermal?“

„Ja, klar.“ Ein Muskel zuckte an seinem Kiefer. „Du bist angepisst. Wegen dem Schwulending?“

Der Wunsch, reinen Tisch zu machen, rang mit praktischem Denken. Ich kannte Lennie noch nicht so gut, und nach unserer Unterhaltung am Nachmittag fühlte ich mich nicht eben sicher. Etwas sagte mir, dass ich noch warten sollte, bevor ich die Wahrheit offenbarte.

„Ne.“ Ich lächelte ihn gewinnend an und hoffte, dabei überzeugend auszusehen. „Ernsthaft. Ich hab was mit den Jungs aus meiner Gegend vor. Frag mich definitiv wieder, ja?“

Ohne auf eine Antwort zu warten, winkte ich ihm, öffnete meine Autotür und schloss sie hinter mir. Die Reifen quietschten und spuckten Split, als ich den Motor anwarf und losfuhr.

Während ich durch die Stadt fuhr, wanderten meine Gedanken zu diesen zwei Typen, die ihr „glücklich bis ans Ende“ in ihrem neuen Haus lebten und dann weiter zu Frankie und mir, wie wir versuchten, unsere Beziehung zu sortieren, während seine Eltern und Freunde gegen uns waren. Ein harter Knoten bildete sich in meinem Magen.

„Woher hast du denn die Narbe?“

Das Quietschen von Bremsen und lautes Hupen rissen mich aus meiner Trance. „Fuck.“ Ich war bei Rot über die Ampel gefahren. Schnell sah ich mich um, ob irgendwelche Cops in der Nähe waren. Mein Herz pochte so heftig, dass mir schwindelig wurde. Ich musste aufpassen und für die nächsten paar Blocks konzentrierte ich mich nur auf den Verkehr und blendete alle anderen Gedanken aus. Während ich an einer roten Ampel wartete, blinkte mir ein Schild auf der gegenüberliegenden Straßenseite entgegen. Ich wünschte mir nichts sehnlicher als ein Bier. Kühl, weich und ein wenig herb. Verdammt. Nichts hatte mir früher so gut geschmeckt wie ein gut gekühltes Bier nach einem langen Arbeitstag.

Doch in dem Wissen, wie ich mich verhielt, wenn ich getrunken hatte − gemein, beleidigend und herablassend gegenüber Frankie − hatte ich geschworen, nie wieder zu trinken, nachdem ich aus dem Gefängnis gekommen war. Und bisher hatte ich mein Versprechen gehalten.

„Nein.“ Ich schlug gegen das Lenkrad. „Konzentriere dich. Behalt das Ziel im Auge.“ Die Ampel schaltete auf Grün und so vorsichtig wie möglich, darauf bedacht, mich an die Geschwindigkeitsregeln zu halten, gelangte ich ohne weitere Zwischenfälle nach Hause.

Frankie war nicht daheim, da er mal wieder mit Austin, Cort und ihrem anderen Tanzfreund in der Stadt essen war. Sie hatten sich versprochen, sich einmal in der Woche zu treffen, um sich nicht aus den Augen zu verlieren. Es machte Sinn, dass er heute, wo er am Abend tanzen würde, mit ihnen in der Stadt war. Ich hatte nie wirklich Freunde gehabt und musste gestehen, dass ich ein wenig eifersüchtig auf ihre kleine Clique war.

Nachdem ich geduscht und ein Sandwich gegessen hatte, streckte ich mich auf dem Sofa aus. Nach fast einem Jahr im Gefängnis würde jeder ein wenig Ruhe und Privatsphäre genießen und solange ich drinnen war, hatte ich mir nichts sehnlicher gewünscht als genau das: herumzuliegen, fernzusehen und zu tun, was ich wollte, statt was man mir befahl. Nicht vierundzwanzig Stunden am Tag unter Beobachtung zu stehen, hatte schon etwas für sich. Und doch fühlte ich mich aus irgendeinem Grund ruhelos und drehte mich auf die andere Seite. Ich vermisste Frankie. Seit dem Moment vor vier Jahren, als ich ihn dabei beobachtet hatte, wie er ganz von der Welt entrückt zu der Musik seiner Kopfhörer tanzte, während er seine Wäsche im Waschsalon zusammenlegte, hatte ich ihn nicht mehr aus meinem Kopf bekommen können.

„Als hättest du mich verzaubert, oder so.“

„Ha ha, ich bin zwar schon öfter Prinzessin genannt worden, aber noch nie eine Hexe.“

Wir waren zwei Wochen lang miteinander ausgegangen, bevor wir zum ersten Mal Sex hatten und ich ihm endlich gestanden hatte, wie angezogen ich mich von ihm fühlte.

„Was würdest du davon halten, wenn ich dich Mein nennen würde?“ Ich hatte meinen Atem angehalten, während ich beobachtete, wie sich seine Augen vor Überraschung weiteten.

„Wie meinst du das?“

Die späte Nachmittagssonne hatte sich über unsere verschwitzten nackten Körper ergossen. Im Laufe des Tages waren wir am Strand spazieren gegangen und hatten Pizza im Spumoni Gardens gegessen. Müde von der Wärme und dem Essen waren wir dann zu Frankie gegangen, um ein Nickerchen zu halten. Als ich erwachte, lag Frankie eingekuschelt in meinen Armen.

„Bitte“, flüsterte ich und küsste Frankies lange Wimpern und seinen vollen Mund. „Ich will dich so sehr. Ich brauche dich.“

„Wirklich?“

Ich nickte. „Hier.“ Ich nahm seine Hand und führte sie zu meiner Erektion. „Fuck. Du brauchst mich nur zu berühren und schon bin ich bereit. Nur du.“

Sein Griff wurde fester. „Nur ich. Wenn wir zusammen sein wollen, dann muss es exklusiv sein.“

„Oh ja.“ Ich stöhnte, als er begann mich zu streicheln. „Nur du.“ Ich stieg aus meinen Shorts und er blies mir einen.

Seit diesem Tag war Frankie wie ein Fieber in meinem Blut, und ich konnte nicht von ihm lassen. Frankie wurde ein Teil von mir.

Ich hatte es so vermasselt.

Ich hatte den süßesten, attraktivsten, liebevollsten Menschen der Welt genommen und sein Vertrauen missbraucht, um zu beweisen, dass ich ein Mann war. Die Art Mann, die ich mir geschworen hatte, nie zu werden. Während meiner Zeit im Knast hatte ich die Geschichten von Menschen mit einem Hintergrund, wie meinem gelesen − Gewalt, Drogen, Verlassen werden − und verstanden, dass wir alle Schwierigkeiten hatten, weil das alles war, was wir kannten. Wir wurden in diesem Kreislauf aus Hoffnungslosigkeit und Hass groß, bemerkten sogar, dass das, was wir taten, falsch war, doch ohne Hilfe konnten wir uns nicht befreien.

Es war acht und ich wusste, dass Frankie gegen halb zehn anfangen würde zu tanzen. Er dachte, ich wolle ihn nicht tanzen sehen, weil ich auf die anderen Männer eifersüchtig war, die ihn berührten. Das gefiel mir zwar nicht, aber es war nicht ganz das Problem. Mir gefiel zu wissen, dass es ihm nichts bedeutete, was auch immer er dort tat. Dass er mein war. Vielleicht sollte er das wissen.

Mit dem Kopf voller Pläne sprang ich vom Sofa auf, zog mich um und machte mich auf den Weg in die Stadt.

***

„Sie werden keinen Ärger machen, oder?“ Der stämmige Türsteher starrte mich an, doch ich ließ mich nicht einschüchtern und erwiderte seinen Blick.

„Ich bin nur hier, um Frankie tanzen zu sehen. Ich kann mich zurückhalten, keine Sorge.“

„Oh, ich bin nicht besorgt.“ Seine weißen Zähne blitzten auf. „Ich habe überhaupt keine Sorgen.“ Er gab mir meinen Führerschein zurück. „Gehen Sie rein.“

Ich konnte dem Mann keine Vorwürfe machen und es fühlte sich gut an zu wissen, dass Frankie Leute um sich hatte, die auf ihn aufpassten. Britneys ‚Toxic‘ schallte durch den Raum und es dauerte einen Moment, bis sich meine Augen an die Dunkelheit gewöhnt hatten. Dann sah ich ihn. Zu Hause lief Frankie manchmal nackt umher, mit nichts als der Krone auf seinem Kopf. Und manchmal schnappte ich ihn mir und witzelte darüber „sein Zepter zu lutschen.“ Doch hier wirkte er mysteriös und machtvoll. Das Licht erhellte ihn wie eine Aura und die seidige purpurne Robe wallte um seinen Körper. Ich stand im Schatten und beobachtete, wie Frankie sich durch die Menge bewegte. Sie in seinen Bann zog. Jeden Einzelnen. Er tänzelte durch die Grapscher, die nur auf eine Gelegenheit warteten.

„Er hat sie alle um den Finger gewickelt.“

Ich drehte mich um und fand mich einem großen Mann mit stechendem Blick gegenüber. Der Besitzer, James. Er redete nicht viel, doch von Frankie wusste ich, dass er auf die Jungs achtgab und nur das war mir wichtig.

„Ja, so ist er.“

„Oh?“ Er hob eine Braue. „Und Sie? Hat er Sie auch in seinen Bann gezogen?“

Ich zögerte und beobachtete, wie Frankie zu einer Gruppe Männer hinüber tanzte, die irgendetwas feierten. Ein Mann klopfte sich auf den Schoß und Frankie beugte sich vor und flüsterte ihm etwas ins Ohr. In Anbetracht der Röte, die dem Mann ins Gesicht stieg, wusste ich, dass Frankie vorgeschlagen hatte, für einen privaten Tanz in eines der Hinterzimmer zu gehen. Und es störte mich nicht. Eine Privatvorführung bedeutete mehr Geld für Frankie.

„Wie könnte ich nicht? Schauen Sie ihn doch an.“ Der Mann schüttelte bedauernd den Kopf, doch Frankie setzte sich auf seinen Schoß und seine Freunde toasteten ihnen zu.

„Das ist nur Show. Ich hoffe, das verstehen Sie.“

„Ja. Ich weiß. Er und ich … das ist kompliziert. Aber ich weiß, dass es ihm nichts bedeutet. Dass es nur eine Vorführung ist.“

Ein leises Lachen entkam James’ Lippen. „Wenn dem nicht so wäre, hätte ich den Laden längst zumachen müssen. Die meisten dieser Männer sind aus Langeweile hier. Sie suchen nach einer Fantasie und gehen dann zurück in ihre Alltagswelt mit Liebhabern, mit denen sie schon zu viele Jahre zusammengelebt haben, als dass sie ihnen noch ein Abenteuer bieten könnten.“ Er nippte an seinem Drink und beobachtete die Bühne, wo Frankies Freund Cort in arschlosen Cowboy-Chaps einen der Besucher mit einem Lasso einfing und dann begann, für ihn zu tanzen. Das Klatschen und die Rufe machten es schwer, etwas zu verstehen und ich lehnte mich näher zu James, um ihm zu antworten.

„Ich war noch nie gelangweilt von Frankie. Ich liebe ihn, seit ich ihn das erste Mal gesehen habe.“

„Nein, das tun Sie nicht.“ James stellte sein Glas auf den Tresen und lehnte sich dagegen. „Sie begehren ihn. Begehren ist leicht. Es braucht nicht mehr als einen harten Schwanz.“

Diese groben Worte passten nicht zu dem elegant gekleideten Mann vor mir und als ich ihn überrascht anstarrte, lächelte er.

„Haben meine Worte Sie schockiert? Das sollten sie nicht. Sie wissen, dass ich die Wahrheit sage. Man muss jemanden kennen, um ihn zu lieben. Ansonsten geht es nur um Sex.“ Er deutete auf die Menge. „Und das verkaufe ich ihnen. Sex. Eine Fantasie. Aber fragen Sie sich selbst. Kennen Sie Frankie wirklich? Sie sind fast ein Jahr lang weg gewesen. Er ist nicht mehr derselbe Mann, den Sie zurückgelassen haben.“

Eine Mischung aus Ärger und Scham durchflutete mich und ich wollte James widersprechen, ihm sagen, dass er einen Scheiß über uns wusste.

„Frankie und ich kennen uns seit vier Jahren. Wir haben eine Vergangenheit.“

„Und wie ist es ihm in dieser Vergangenheit ergangen? Waren Sie gut zu ihm? Haben Sie ihn und Ihre Beziehung zu schätzen gewusst?“ James strich seine Krawatte glatt und nahm sein Getränk wieder in die Hand. „Vertrauen muss man sich verdienen. Nicht erzwingen. Denken Sie darüber nach“, sagte er und ging davon.

Erst der Typ an der Tür, jetzt James. Vielleicht war es doch keine so gute Idee gewesen, hierher zu kommen.

„Ich weiß, was Sie denken.“ Der Barkeeper lehnte sich gegen den Tresen, um ihn trocken zu wischen. „Was zur Hölle weiß der Kerl schon über mein Leben, nicht wahr?“

„Öhm, ja.“ Pfeifen und Klatschen lenkten meine Aufmerksamkeit zur Bühne, wo Frankie jetzt, da er seinen Tanz für den Kunden beendet hatte, mit seinem Auftritt an der Reihe war. Er stand da, mit nichts als seiner Krone, dem Cape und einem Jock bekleidet, und wand sich um einen großen maskierten Mann. Geld regnete auf sie herab und beide begannen schneller zu tanzen. Ich war beeindruckt von ihrer Choreografie. Ich hatte Frankie schon lange nicht mehr tanzen sehen, und er hatte gelernt, seinen Körper zu benutzen, um seine wohlgeformten Muskeln zu betonen.

„Er kennt sich aus, vertrauen Sie mir. Es ist James wichtig, über die Männer, die für ihn arbeiten, herauszufinden, was er kann.“

„Er wird mir keine Chance geben. Ich kenne diese Typen. Er ist wie Frankies Freund Austin. Alle warten nur darauf, dass ich es wieder versaue.“

Der Barkeeper stützte seine kräftigen Unterarme auf den Tresen. „Zuerst mal, was wollen Sie trinken?“

„Ähm, nichts, Mineralwasser.“

Er warf mir einen nachdenklichen Blick zu und füllte das Glas auf. „José.“ Er streckte mir seine Hand entgegen.

Ein bisschen überrascht schüttelte ich sie nach kurzem Zögern. „Aaron.“

„Ja, ich weiß.“ Er grinste mich an und ging nahtlos zum ‚Du‘ über. „Weißt du, ich habe Neuigkeiten für dich, Aaron. Ich sag es dir ja nur ungern, aber du bist nicht der Mittelpunkt der Welt für jeden hier.“

Ich blinzelte. „Hä?“

„Es bist nicht du, um den wir uns alle Sorgen machen. Sondern Frankie. Niemand wartet darauf, dass du es versaust. Wir wollen nur sichergehen, dass es Frankie gut geht.“

Ich fühlte mich doof und hasste das Gefühl. Bevor ich weg gewesen war, hätte ich einen Streit mit ihm angezettelt und wäre vermutlich rausgeflogen. Aber das war damals. Im Gefängnis zu sein, hatte mich eines gelehrt: Ich würde nie wieder etwas tun, was mich dorthin zurückbringen könnte. Die Therapie hatte mich gelehrt, meinen Kopf einzuschalten, bevor ich meine Fäuste benutze.

Würde es immer so sein? Dass ich mich wieder und wieder würde beweisen müssen, egal wohin ich ging?

Die Performance war zu Ende und ich beobachtete, wie Frankie und sein Partner ihr Trinkgeld einsammelten. Dann posierten sie für Fotos, und Frankie hörte nicht einen Moment lang auf zu lächeln. Egal wie müde er war, als Showman wusste er, dass er die Performance aufrechterhalten musste. Nur ich bekam den echten Frankie zu Gesicht.

Der große maskierte Mann wirkte ernster, und ob nun Teil seiner Rolle oder nicht, sein Lächeln schien eher schmerzvoll denn natürlich. Ich fragte mich, was seine Maske verbarg. Was auch immer er tat, es wirkte. Die Leute mochten das Mysteriöse und standen Schlange für Fotos mit ihm.

„Frankie wird gleich herkommen und mir sein Trinkgeld geben.“

Wie um José recht zu geben, begannen Frankie und der andere Mann, sich einen Weg durch die Menge zu bahnen, immer wieder innehaltend, um sich zu unterhalten und den Leuten, die ihnen zuwinkten, Küsschen zuzuwerfen. Als Frankie mich erblickte, kam er sofort herübergerannt und umarmte mich. Es störte mich nicht, dass seine Haut verschwitzt und ölig war. Sobald er seine Arme um mich geschlungen hatte, konnte ich zum ersten Mal in dieser Nacht frei atmen.

„Was machst du denn hier?“ Er schob die Krone zurück und wischte seine Locken aus dem Gesicht. „Ich dachte, du wolltest nicht herkommen und mich hier sehen.“

„Ich mag es immer, dich zu sehen.“ Ich drückte ihn in Hüfthöhe. „Mir ist langweilig geworden, und ich wollte meinen Freund sehen.“

Auf diese Worte hin überzogen sich Frankies Wangen mit einer leichten Röte. Als der andere Tänzer José sein Trinkgeld gab, sagte er: „Wie süß. Frankie, du weißt ja immer noch, wie man errötet.“

Auch Frankie überreichte sein Geld, legte den Kopf schief und klimperte mit den Wimpern. „Ich erröte nicht, Tristan. Ich strahle, Baby.“

José gab Frankie einen Margarita und Frankie trank ihn mit einem Seufzen. „Ah, lecker.“ Er wand sich und schmiegte sich näher an mich. „Hübsch hier. Ich bin froh, dass du gekommen bist.“

„Ich auch.“ Ich nippte an meinem Mineralwasser und sah Frankies Augen auf meinem Glas ruhen. Er verspannte sich und ich fauchte, „Das ist nur Wasser, Mann. Ich habe dir doch gesagt, ich trinke nicht. Ich bin doch nicht blöd, weißt du.“ Ich biss die Zähne zusammen.

„Ich hab doch gar nichts gesagt.“

Frankie entfernte sich einen Schritt von mir. José runzelte die Stirn und schüttelte seinen Kopf.

Verdammt.

„Ich hätte das nicht sagen sollen.“ Ich berührte Frankie an der Schulter. „Tut mir leid. Wirklich.“

Frankie wusste, wie hässlich es werden konnte, wenn ich trank. Er legte seinen Kopf zurück an meine Brust und ich konnte der Versuchung nicht widerstehen, ihn auf die Wange zu küssen. Sie war warm und glatt und es kostete mich all meine Selbstbeherrschung, um nicht seinen Mund mit meinem zu bedecken und jedem zu zeigen, zu wem er gehörte. Doch dann erinnerte ich mich daran, dass ich nicht das Recht dazu hatte. Das musste ich mir erst wieder verdienen, und ihn zu bedrängen, und sei es nur mit einem Kuss, würde das Vertrauen zerstören, das wir gerade dabei waren wieder aufzubauen. Vielleicht hatte sein Boss James doch recht.

Also hielt ich ihn, fuhr fort, seinen Hals zu liebkosen, und lauschte dem Puls, der unter meinen Lippen raste.

„Danke, dass du gekommen bist, um mir zuzusehen“, flüsterte er in mein Ohr. „Das bedeutet mir viel. Und mir tut es auch leid.“

„Was denn?“

Frankie stellte seinen angefangenen Drink zurück auf die Theke. „Ich sollte in deiner Gegenwart nicht so viel trinken. Ich werde es langsamer angehen lassen.“

„Du bist wundervoll. Danke. Ich will dich unterstützen. Ich weiß, das habe ich früher nicht getan und das war falsch. Du bist wirklich gut darin.“ Ich hob meinen Kopf, um Tristan mit einzubeziehen. „Der Tanz, den ihr zwei da hingelegt habt, war echt cool.“

Tristan nickte, wandte sich dann so schlagartig um, dass sein schwarzes Cape hinter ihm flatterte, und schlenderte davon, um sich einer Gruppe älterer Männer anzuschließen, die den Kellner herüberwinkten, um ihre Gläser auffüllen zu lassen. Er begann zu tanzen, rieb sich an einem Mann, der seine Hüften ergriff und ihn drängte, weiter zu machen.

„Was ist seine Geschichte?“ Ich stupste Frankie an.

„Keine Ahnung. Er redet nicht wirklich viel mit uns. Bleibt mehr für sich.“ Er drehte sich zu mir um und ich hielt ihn zwischen meinen Armen gefangen. „Ich muss wieder zurück, sonst kriege ich Ärger mit James.“

„Mmmh. Okay. Wie wäre es mit einem Kuss, um mich über Wasser zu halten, bis du fertig bist?“

„Wirst du bis zum Schluss bleiben?“

Eigentlich wollte ich seine Lippen nur leicht streifen, doch ich konnte nicht widerstehen und vertiefte den Kuss, bis wir aneinanderhingen, unsere Münder und Zungen für unsere Herzen sprechend, bis mir schwindelig wurde. Mein Herz pochte und als ich mich wieder beisammen hatte und wir uns trennten, umhüllte uns der Klang von Lachen und Beifallsrufen.

„Ähm, ja. Wenn du das möchtest.“

Ich hatte Frankie seit unserem ersten gemeinsamen Weihnachten nicht mehr so glücklich gesehen. „Ich möchte. Aber erst mal muss ich los.“ Er setzte das Lächeln, das, wie ich nun wusste, nur für die Menge bestimmt war, wieder auf, tanzte davon und war bald inmitten einer Gruppe von Mittdreißigern, die, den Flaschen auf ihrem Tisch nach zu urteilen, Geld loszuwerden hatten. Zugegebenermaßen brannte es in meinem Magen, als ich sah, wie diese Männer Frankies Arsch betatschten und ihn begrapschten. Als er einen von ihnen küsste und sich auf seinem Schoß wand, brauchte ich eine Abkühlung und verließ den Club, um draußen auf und ab zu wandern und die Abendluft mein erhitztes Gemüt kühlen zu lassen. Ich dachte, ich hätte mich im Griff, doch offenbar hatte ich falschgelegen.

„Aaron?“ Frankie stand fröstelnd vor mir, nackt bis auf ein paar dünne Shorts, ein purpurnes Cape und ein paar Stiefel.

„Mir geht’s gut. Geh wieder rein.“ Ich lehnte mich gegen die dreckige Ziegelsteinmauer und beobachtete, wie der Verkehr an uns vorbei zog.

„Nicht, bis ich nicht rausgefunden habe, warum du aus dem Club gelaufen bist, wie von der Tarantel gestochen.“ Er stand so nah vor mir, dass ich keine Wahl hatte, als ihm ins Gesicht zu sehen.

Ich wollte ihn anfahren, mich in Ruhe zu lassen, doch wohin würde das führen? Genau dorthin, wo wir vor einem Jahr gestanden hatten. Und Frankie gegenüber wäre es ungerecht, nachdem ich ihm gesagt hatte, es würde mich nicht stören. Doch es in unserem Apartment zu sagen, war etwas ganz anderes, als es im Club live zu sehen.

„Ich habe gesehen, wie der Typ dich berührt und geküsst hat … und du hast mitgemacht. Ich weiß, es ist nur gespielt, aber es direkt vor mir zu sehen?“ Ich schluckte schwer. „Das ist irgendwie schwierig.“

Die Anspannung wich aus Frankies Gesicht. „Tut mir leid. Und vielleicht hast du recht und wir sollten darüber reden. Aber könntest du für heute Nacht einfach wieder mit reinkommen?“ Er legte seine Arme um mich. „Mir frieren die Eier ab, das heißt weniger Trinkgeld.“

„Ja. Sorry. Ich hätte nicht einfach so wegrennen sollen.“ Es war ja nicht so, als hätte er dem Kerl einen runtergeholt oder einen geblasen. Himmel, es gab Kerle, die drehten Pornos und hatten Partner. Wer war ich, mich darüber zu beschweren, wenn jemand in einem Stripclub ein bisschen grabbelte? „Ich bin bereit. Lass uns zurückgehen.“

Bevor wir wieder hineingingen, gab ich Frankie einen Kuss. „Ich werde dir nicht noch mehr Ärger machen. Ich bin froh, dass du meine Seite sehen kannst.“

„Das liegt daran, dass deine Seite direkt neben mir ist.“

Für die nächsten zwei Stunden saß ich, abgesehen von ein paar Toilettengängen wegen all des Wassers, das ich trank, an der Bar und sah Frankie bei seiner Performance zu. Er stand mit Anmut und Stolz dazu, wer er war. Frankie blühte auf im Rampenlicht. Er liebte das Publikum und seine Fans liebten ihn, wie der Haufen Scheine zu seinen Füßen bewies. Der Mann, der auf mich angewiesen war, um Entscheidungen zu treffen und ihm sagte, was zu tun sei, war verschwunden. Frankie hatte sich verändert.

Die Lichter gingen an und die Musik wurde leiser. Überrascht bemerkte ich, dass es Zeit war zu gehen. Ich schob dem Barkeeper einen Zwanziger zu. „Ist das genug?“ Ich hatte drei Mineralwasser getrunken und war dann zu stillem Wasser gewechselt.

Er schob das Geld zurück. „Geht auf mich.“

„Nein, Mann,“ versuchte ich ihn zu überzeugen, doch als das zu nichts führte, nahm ich einen Fünfer und legte ihn vor mich. „Nimm wenigstens das, für alles, was du für mich getan hast.“

José steckte das Geld ein und legte seinen Kopf schief. „Was habe ich denn getan?“

„Du hast zugehört. Mir den Kopf geradegerückt. Mich wie einen Menschen und nicht wie einen Kriminellen behandelt.“

„Weißt du, niemand von uns ist perfekt. Wir bauen alle mal Scheiße. Aber man sollte draus lernen.“

Hector, der stämmige Türsteher vom Eingang ging an mir vorbei, beugte sich vor und gab José einen Kuss auf die Lippen. „Können wir bald gehen?“

„Ich muss noch das Geld zählen und James geben. Gib mir noch zwanzig Minuten.“

Whoa. Das hatte ich nicht kommen sehen. Ich hatte nicht gewusst, dass die beiden schwul waren. Aber wer wusste dieser Tage schon irgendetwas?

Hectors braune ernste Augen bohrten sich in meine. „Du hast dich heute Abend gut geschlagen. Mach weiter so.“

Sein Ton brachte mein Blut zum Kochen, doch es war nicht mehr, als ich verdient hatte. Ich war ins Gefängnis gegangen, nachdem ich jemand bei einer Kneipenschlägerei verprügelt hatte, weil ich meinen Frust über Frankie an einem Fremden ausgelassen hatte.

Frankie kam herübergehüpft, nach seinem Lieblingsaftershave riechend, sein Haar in dunklen feuchten Locken. Ich liebte es, ihn so zu sehen, sein Gesicht frisch und sauber, befreit von all dem Make-up, das er auf der Bühne trug.

„Ich bin bereit. Bist du gefahren?“

„Ja.“ Ich erhob mich, steif vom Sitzen und streckte meinen Rücken. „Ich stehe eine Straße weiter.“ Ich hob zwei Finger an die Stirn und salutierte, um mich von José zu verabschieden. „Danke für alles, Mann.“

„Hoffe, es hat geholfen.“

Frankie und ich verließen den Club, mein Arm um seine Schulter gelegt. „Mir gefällt der Gedanke nicht, dass du so spät nachts alleine nach Hause gehst, also werde ich dich von jetzt an abholen.“

Statt mein Angebot anzunehmen, blieb Frankie still an meiner Seite, während wir darauf warteten, dass der Parkwächter mein Auto brachte. Als wir eingestiegen waren und uns angeschnallt hatten, legte er seinen Kopf schief. „Was glaubst du, habe ich getan, während du im Gefängnis warst?“

„Hä?“ Ich konzentrierte mich auf den Verkehr und achtete nicht zu sehr auf das, was Frankie sagte. „Ich kann nicht glauben, dass unter der Woche so viele Leute noch so spät nachts unterwegs sind.“

„Ich sagte, was glaubst du, habe ich getan, während du im Gefängnis warst? Wie glaubst du, bin ich nach Hause gekommen?“

„Oh.“ Ich hielt an einer roten Ampel. „Ähm … Ich weiß nicht.“

„Ich habe den Zug genommen. Jede einzelne Nacht. Alleine. Ich bin nicht erst mit dem Auto in die Stadt gegurkt. Ich wäre eh zu müde gewesen, um so spät noch nach Hause zu fahren.“

„Na ja, jetzt müsstest du es nicht mehr. Ich bin hier.“ Ich lächelte ihn an, doch er antwortete mit einem Stirnrunzeln.

„Darum geht es gar nicht. Ich weiß das Angebot zu schätzen, aber du kannst nicht immer so lange aufbleiben. Du hast jetzt einen Job und musst früh raus. Ich bin es gewohnt.“

„Aber …“

„Nein“, sagte Frankie, mit einem störrischen Ausdruck, den ich noch nie zuvor an ihm gesehen hatte. „Du musst dich daran gewöhnen, dass ich jetzt anders bin. Unabhängig. Wesentlich mehr, als bevor du weg warst. Ich bin nicht mehr der „gib-jederzeit-nach“, „was-immer-du-möchtest“-Typ. Ich habe im Lauf des letzten Jahres gelernt, für mich selbst einzustehen.“

„Oh, verstehe.“ Ein Teil dessen, was ich an Frankie liebte, war, wie sehr er auf mich angewiesen war. Nun musste ich mich weiterentwickeln und lernen, ihn für seine Reife und Stärke zu lieben.

„Ist das ein Problem?“, sagte er in herausforderndem Tonfall. Ich versuchte, so beruhigend wie möglich zu lächeln.

„Nein, natürlich nicht. Wir müssen uns beide erst wieder aneinander gewöhnen. Du hast dich verändert, genauso wie ich.“

„Ja. Das weiß ich.“

Ich ließ diese Bemerkung fürs Erste stehen. Ich wusste, dass Frankie mehr mit mir über meine Zeit im Gefängnis reden wollte, doch ich konnte nicht. Noch nicht. Falls überhaupt jemals.

Kapitel 5

FRANKIE

Wir erwachten um sieben, beide noch immer in dieser seltsamen Stimmung, in der uns die unbeendete Diskussion zurückgelassen hatte, als wir zu Bett gegangen waren. Als ich zu ihm in die Küche kam, hatte Aaron bereits Kaffee gemacht und geduscht.

„Ich habe meine Zähne geputzt, also gib mir einen Kuss“, sagte ich und beugte mich vor. „Wie hast du geschlafen?“ Ich kannte die Antwort. Furchtbar. Seit er nach Hause gekommen war, wachte Aaron mehrmals in der Nacht auf. Ich glaubte, er hatte keine ruhige Nacht mehr gehabt, seit wir wieder zusammen waren.

„Ganz okay.“ Die Berührung seines Mundes fühlte sich oberflächlich an und er wandte sich ab, um sein Portemonnaie in seine Hosentasche zu stecken.

„Lüg nicht. Du hast beschissen geschlafen.“

Seine Rückenmuskulatur spannte sich an. „Ich muss jetzt los zur Arbeit. Lass gut sein.“

„Ich habe doch gar nichts gemacht. Ich versuche, über etwas zu reden, das mir aufgefallen ist.“ Ich hasste das Gefühl, dass wir wieder in unsere alten Gewohnheiten des Streitens und Abblockens verfielen. „Ich dachte, wir hätten uns darauf geeinigt, mehr miteinander zu reden.“

Aron atmete geräuschvoll aus und sah mich an. „Ich … ich möchte jetzt keine großen Diskussionen anfangen, weil ich wirklich zur Arbeit muss. Aber es tut mir leid. Ich wollte dich nicht abwürgen.“ Er streckte seine Hand aus. „Lass es mich wieder gut machen. Komm her.“

Ich erlaubte mir, mich an seine Brust ziehen zu lassen, und Aaron küsste mich auf den Kopf und hielt mich fest. „Bitte glaube mir, dass ich es versuche. Es wird nur seine Zeit brauchen.“

Er hatte recht. Warum bedrängte ich ihn so? Wir hatten alle Zeit der Welt. „Mir tut es auch leid. Geh zur Arbeit und zeig es ihnen. Ich wollte nicht so früh am Morgen mit so etwas anfangen. Ich habe heute Unterricht. Und dann werde ich wahrscheinlich schauen, ob Austin Hilfe mit dem Obdachlosenheim braucht.“

„Er hängt sich da wirklich rein, hm?“ Aaron schlüpfte in seine Jacke. „Rhoades ist nett, aber es hilft bestimmt, dass er Geld hat.“

Ich schüttelte meinen Kopf und verteidigte meinen besten Freund. „Nee. So ist das nicht. Du kennst Austin nicht, aber er stammt aus einer reichen Familie und ist abgehauen, weil sein Vater ein Arsch war. So was ist ihm egal. Es hat Monate gedauert, bis Rhoades Austin davon überzeugen konnte, ihm zu trauen.“

„Egal, ob reich oder arm, es ist schön, Geld zu haben.“ Aaron küsste mich, seine Lippen weich und warm und ich vergaß Austin und alles andere. Diesen Effekt hatte Aaron von Anfang an auf mich gehabt. Totaler, völliger Verlust meines freien Willens, sobald er mich berührte. „Ich sehe dich dann zum Abendessen.“

Er verließ die Wohnung und ich berührte meine Lippen. „Ja. Bis dann.“ Wieder einmal hatte Aaron das Gesprächsthema geschickt von sich abgelenkt. Verstörende Gedanken erfüllten meinen Kopf, als ich mein Müsli aß, und verfolgten mich, während ich mich anzog. Warum wollte er nie über sich selbst sprechen? Ich verließ mein Apartment und meine Gedanken drehten sich noch immer im Kreis, einer Antwort kein Stück näher als vorhin.

Die Zugfahrt in die Stadt half wenig, um die Parade schmerzhafter Bilder in meinem Kopf zu unterbrechen. Aaron behauptete, er hätte die meiste Zeit im Gefängnis damit zugebracht, in der Bibliothek zu lesen und zu trainieren. Doch ich sah die Schatten in seinen Augen und das Lächeln, das zu schnell wieder verschwand. Und ich fragte mich, was er mir nicht sagen wollte. Und warum.

Bedränge ihn nicht.

Das war die Antwort meiner Mutter, wenn ich sie fragte, was ich ihrer Meinung nach tun sollte. Ich wusste, dass sie noch immer nicht ganz glücklich darüber war, dass ich und Aaron wieder zusammen waren, doch sie verstand meine Beweggründe und unterstützte mich. Ich schrieb ihr eine Nachricht, als der Zug an der Broadway Junction hielt und ich Empfang hatte.

Aaron will immer noch nicht mit mir reden. Was soll ich machen?

Sie antwortete sofort. Es ist noch nicht so lange her. Nerv ihn nicht. Er wird sich schon öffnen.

Es ist fast zwei Monate her.

Es hat sechzehn Jahre gedauert, bis du dich mir und Dad anvertraut hast.

Ihre Sicht der Dinge verschlug mir den Atem. Diese Antwort war das Licht in der Dunkelheit, das ich benötigt hatte. Aaron würde sich mir anvertrauen, wenn der richtige Zeitpunkt gekommen war.

Danke.

Ich schickte ihr eine Reihe bunter Herzchen-Emojis und sie antwortete mit einem Smiley. Unsere Unterhaltung hob meine Laune für den Rest der Zugfahrt beträchtlich, sodass ich meiner Freundin Vivi ein breites Lächeln schenkte, als ich in den Unterricht kam.

„Hey, Baby.“ Ich gab ihr einen Kuss. „Lass mal sehen, was du heute trägst.“

Sie stand auf und drehte sich im Kreis, sodass ihr geblümter Rock sich um sie bauschte. Vivi war besessen von den Fünfzigern, liebte es, Tellerröcke mit Petticoats zu tragen und ihre eigenen Unipullover dazu zu nähen. Sie trug wie immer einen knalligen Lippenstift und ihr glänzendes schwarzes Haar in einem hohen Pferdeschwanz.

„Süße, du siehst aus wie eine Cheerleaderin, die nach dem Spiel auf den Quarterback wartet. Und woher hast du diese Petticoats?“ Ich befühlte den steifen Tüll. „Die sehen authentisch aus.“

„Das sind sie auch.“ Ihre dunklen Augen leuchteten. „Sie haben meiner Großmutter gehört. Sie hat alle aufgehoben und versprochen sie mir zu schicken.“ Wir setzten uns an unsere Arbeitsplätze und winkten den anderen zu, die in das Zimmer geschlendert kamen.

Ich hatte Fotos von Vivis zierlicher chinesischer Großmutter gesehen. Vivi hatte mir erzählt, wie hart sie im Familienbetrieb in Kalifornien gearbeitet hatte, um ihren vier Kindern eine gute Ausbildung und ein besseres Leben zu ermöglichen. Vivis Mutter war an die Medical School in Stanford gegangen und arbeitete in der medizinischen Fakultät der Universität von Kalifornien in LA als Genforscherin. Sie hatte einen weißen Mann geheiratet und Vivi während ihres Studiums bekommen und war trotzdem Jahrgangsbeste geworden. Abgesehen von ihrer Statur war Vivi ein Ebenbild ihrer Mutter.

„Irgendwie kann ich mir nicht vorstellen, wie deine Großmutter in Tellerröcken zum Tanz gegangen ist. Auf keinem der Bilder, die du mir gezeigt hast, habe ich sie je lächeln sehen.“

„Sie hasst es, fotografiert zu werden. Außerdem hat sie immer gearbeitet, um meiner Mutter das Beste von allem bieten zu können. Irgendwann zeige ich dir mal die mit meinem Großvater. Sie waren so süß zusammen.“

Während der folgenden Stunde wandten wir unsere Aufmerksamkeit unseren Projekten zu. Diese Saison lag unser Fokus auf Mänteln und Jacketts und neben dem glänzenden, schwarzen Vinylmantel, an dem ich zu Hause arbeitete, nähte ich während des Unterrichts an einem Trenchcoat aus Wolle mit einem herausnehmbaren Futter aus Kunstpelz.

„Ohh. Das ist ja so weich.“ Vivi kam herüber und ließ ihre Finger durch das Stück Fell gleiten. „Das fühlt sich so echt an. Wo hast du das denn her?“

„Ich glaube, das war ein kleiner Shop an der Neununddreißigsten oder Vierzigsten. Ich schau mal nach der Karte, dann können wir beide hingehen, wenn du Zeit hast.“

„Ugh.“ Sie verzog das Gesicht. „Die nächsten paar Wochen muss ich Doppelschichten arbeiten. Aber frag mich danach nochmal?“ Ihr Blick ruhte auf dem Stoff. „Der ist so toll. Würde sich bestimmt super als Weste machen, oder so.“

„Kein Problem.“

Vivi arbeitete als Kellnerin im Stitches, einem Restaurant, das den Mitarbeitern erlaubte, ihre selbstentworfene Kleidung zu tragen und wöchentliche Modenschauen abhielt. Als Vivi dort zum zweiten Mal ihre Klamotten gezeigt hatte, war sie von mehreren jungen Designern angesprochen worden, die mit ihr arbeiten wollten. Sie drängte mich, das Tanzen im Man Up aufzugeben und dort zu arbeiten, um gesehen zu werden. Doch ich wollte nicht als Bedienung arbeiten, selbst wenn das bedeutete, dass meine Designs beachtet wurden.

Der Unterricht endete und danach hatte ich Business und Marketing. Anfangs hatte ich keine Ahnung, warum ich an einer Schule für Design Businesskurse besuchen sollte, doch je mehr ich lernte, desto mehr interessierte ich mich für die wirtschaftliche Seite und entdeckte ein neues Interessengebiet, von dem ich vorher gar nicht gewusst hatte, das es existierte.

„Lassen Sie niemals jemand anderen kontrollieren, was Sie erschaffen haben“, hatte mein Professor gesagt. „Sie dürfen nicht so sehr im Designprozess versinken, dass Sie jemand anderem die Verantwortung für Ihre Finanzen oder Ihre Designs überlassen. Die inneren Rädchen Ihres Unternehmens sind genauso wichtig, wie der äußere Glanz. Sie sind klug, Frankie. Nach dem zu urteilen was ich von Ihnen im Unterricht und Ihren schriftlichen Arbeiten gesehen habe, haben Sie ebenso ein Händchen für Marketing und die geschäftliche Seite, wie auch das modische Gespür, das für diese Branche notwendig ist.“

Diese Worte verfolgten mich den gesamten Heimweg über, und ich dachte darüber nach, was er gesagt hatte. In den letzten sechs Monaten hatte ich meinen Eltern geholfen zu entscheiden, was sie mit den Auszahlungen ihrer Privatrente machen sollten. Ihr Geld nur auf ihrem Bankkonto zu haben, wo es ihnen fast nichts einbrachte, empfand ich nicht nur als besorgniserregend, es machte mich verrückt. Wenn meine Eltern nur bereit wären, ein klein wenig etwas zu riskieren, dann könnten sie mehr Geld haben. Doch sie waren nicht risikofreudig.

„Ihr solltet mich wirklich helfen lassen. Wie wäre es, wenn ihr mir etwas von Dads Rente gebt und ich das Geld investiere.“

„Ich mag den Aktienmarkt nicht. Das ist wie Glücksspiel.“

Hoffnungslos. Ich entschied, dass wenn mein Trinkgeld hoch genug ausfiel, ich von meinem Geld nehmen würde, was ich konnte, und es für sie anlegen würde. Sie hatten immer zu mir gestanden und mich bei allem unterstützt, was ich tat. Es war das Mindeste, was ich tun konnte.

Eine Nachricht von Austin erschien. Er war mit etwas bezüglich des Bodenbelags beschäftigt, aber wir könnten uns zum Abendessen treffen, wenn ich wollte.

Sorry. Esse mit Aaron. Später? Komm zum Club.

Ich frag Rhoades und melde mich dann nochmal.

Schon lustig, wie das Leben uns in so unterschiedliche Richtungen geführt hatte. Austin war es immer wichtig gewesen, dass er nach niemandes Pfeife tanzen musste, aber nun musste er seinen Liebsten fragen, ob er zum Club kommen würde.

Und hier bist du selbst, wieder mit Aaron zusammen, nachdem du dir geschworen hattest, dass das niemals passieren würde.

Ich musste dieser verfluchten inneren Stimme recht geben. Schließlich kannte sie mich am besten.

Mein Telefon machte „ping“. Es war Austin.

Wir werden da sein. Kann es kaum erwarten, euch zu sehen.

Hier auch.

„Wollen wir was essen gehen?“ Ich sammelte mein Zeug zusammen und stopfte es in die süße Tasche, die ich gemacht hatte. Sie war weiß und fluffig und mit einem Gewirr schwarzer Vinylstreifen verziert. Vivi hatte eine rote und Austin eine schwarze.

„Ich kann nicht.“ Sie zögerte. „Ich habe ein Date.“

„Was?“ In gespielter Empörung ließ ich meine Tasche fallen und stemmte die Hände auf die Hüften „Und du hast nichts gesagt. Wer ist er?“

Sie biss sich auf die Lippe. „Ähm, sie. Eine andere Kellnerin vom Stitches.“

Wie, was? Eine Frau? Vivi hatte ein Date mit einer Frau?

„Warte mal. Bist du nicht letzten Monat noch mit diesem dominikanischen Typen ausgegangen? Ist was passiert?“

„Er hat mich betrogen − das ist passiert.“ Ihre Augen funkelten. „Also habe ich den Arsch rausgeschmissen. Margo und ich sind einen trinken gegangen und ich habe ihr die Geschichte erzählt und sie meinte, ich sollte mich nicht mit so einem Scheiß rumärgern. Und irgendwie hat es klick gemacht.“ Dem hübschen roten Farbton, der ihre Wangen überzog, nach zu urteilen, hatte es mehr als nur geklickt. Wow. Ich hatte Margo schon ein paar Mal getroffen. Sie war eine große beeindruckende nigerianische Frau mit wunderschönen Wangenknochen, die Model werden wollte und kleinere Erfolge bei örtlichen Designern hatte.

„Süße, sei, wer du bist. Was auch immer dich glücklich macht. Ob du nun auf Kerle, Frauen oder beides stehst, für mich ist das alles in Ordnung.“

„Ich liebe dich, Frankie.“ Sie warf ihre Arme um mich und umarmte mich fest.

„Warum so emotional? Dachtest du, ich hätte ein Problem damit?“

Sie zuckte mit den Schultern, was ihren Pferdeschwanz wie ein Metronom schwingen ließ. „Ich weiß nicht …“

„Was auch immer dich glücklich macht, ohne dich zu verletzen.“ Ich legte meine Hände auf ihre Schultern und küsste ihre Wangen. „Das Leben ist zu kurz, um zu bedauern, was hätte sein können.“

***

Später am Abend gingen mir diese Worte durch den Kopf, als ich vor dem Büro unseres Therapeuten auf Aaron wartete. Mit Aaron zusammen zu sein, war keine so leichtfertige Entscheidung gewesen, wie die Leute dachten. Ich hatte mit mir gerungen, doch am Ende hatte ich nicht mit den „Vielleichts“ und „Was-wäre-wenns“ leben können. Ich hatte das Risiko eingehen müssen.

Um fünf nach sieben sah ich Aaron in meinem Auto auf der gegenüberliegenden Straßenseite parken. Die Ärztin hatte zugestimmt, unseren Termin wegen Aarons neuer Arbeitszeiten in die Abendstunden zu legen.

„Hi.“

„Hallo. Wie war die Arbeit?“

„Okay.“ Er senkte seinen Kopf und küsste mich, sein Mund klebrig und süß schmeckend.

„Mmm, was hast du denn gegessen? Du schmeckst lecker.“ Ich hielt ihn an seinem Hemdkragen und beugte mich vor, um weiter an seinen Lippen zu nippen und zu saugen.

„Hör auf damit“, sagte er und wand sich aus meinem Griff. „Marie aus dem Büro hat Erdbeerkuchen gemacht und mir ein Stück gegeben.“

„Oh?“ Ich hakte mich bei ihm unter und wir gingen in das Gebäude. Ich drückte auf den Buzzer, um uns reinzulassen. „Vielleicht mag sie dich ja.“

„Sei nicht albern. Sie hat einen Freund.“

Er schob die Tür auf und hielt sie für mich. „Auch wenn sie versucht, mich mit ihren Freundinnen zu verkuppeln.“

Ich blieb vor der Tür des Büros stehen. „Du hast einen festen Freund, also vergiss es.“

Sein Kiefer spannte sich an und er öffnete die Tür zum Büro. „Lass uns reingehen.“

„Hallo ihr zwei. Dr. Morrell wird in ein paar Minuten soweit sein. Sie muss nur noch ein paar Notizen beenden.“ Die Sprechstundenhilfe lächelte uns zu und wandte sich wieder ihrem Computerbildschirm zu.

„Danke“, sagte ich und setzte mich. Aaron nahm neben mir Platz und ich setzte unsere Unterhaltung fort. „Hast du ihnen immer noch nicht gesagt, dass du schwul bist?“

Aaron schüttelte seinen Kopf und wirkte, als wäre er gerne irgendwo anders. „Ähm, nein. Das ist kein Ort, um schwul zu sein.“

„Ich wusste gar nicht, dass es Orte zum Schwulsein oder Nichtschwulsein gibt. Ich bin immer ich selbst. Überall.“

„Du hattest immer die Möglichkeit“, schoss er zurück. Er sah müde und niedergeschlagen aus. „Ich hatte diese Möglichkeit nicht, da wo ich aufgewachsen bin, und kann es auch jetzt nicht. Noch nicht.“

„Frankie? Aaron?“ Dr. Morrell stand vor uns. „Sollen wir das in meinem Büro weiterdiskutieren?“

Die leise Präzision ihrer Stimme ließ Scham in mir aufsteigen. „Tut mir leid.“ Ich hatte kein Bedürfnis danach, mein Privatleben im Wartezimmer zu erörtern. „Ja. Wir sind bereit.“ Ich erhob mich, folgte ihr in ihr kleines Büro und setzte mich, während sie die Tür hinter uns schloss.

„Also“, sagte sie und lächelte uns beide von hinter ihrem Schreibtisch aus an. „Erzähl mir von deinem Job, Aaron. Ich habe gehört, wie du Frankie erzählt hast, dass sie noch nicht wissen, dass du schwul bist. Hast du Angst? Ist das der Grund? Haben sie irgendwas gesagt?“

Die Ellenbogen auf seine Knie gestützt, warf Aaron mir einen unsicheren, beunruhigenden Blick zu. „Ach, ich weiß nicht, ob Angst das richtige Wort ist. Aber ja, sie haben halt Zeug gesagt.“

„Wie zum Beispiel?“ Sie hob ihre Augenbrauen und lehnte sich vor.

„Na, ähm, wie gestern. Dieses schwule Pärchen kam herein und Lennie meinte, er versteht nicht, warum Schwule heiraten wollen − er nannte es das schwule Ding. Und dann hat er sich darüber aufgeregt, dass sie anderen ihre Lebensweise aufdrängen würden.“

„Und wie hast du dich dabei gefühlt?“

„Angepisst. Genervt. Verletzt.“ Aaron kratzte sich am Kopf. „Ich weiß nicht. Ich hab ihm die Meinung gesagt. Irgendwie.“

„Hast du?“, konnte ich mir nicht verkneifen einzuwerfen. „Davon hast mir ja gar nichts erzählt. Was hast du gesagt? Hab ihr gestritten?“

„Nicht wirklich. Aber ich habe ihn gefragt, ob er denn mit jeder Frau schlafen will, die er sieht, und dass nicht jede Person mit ihm schlafen will. Er soll nicht denken, dass es nur darum geht.“

„Ich habe das Gefühl, du gibst uns hier die kinderfreundliche Version.“ Dr. Morrells Augen funkelten hinter ihren schwarz gerahmten Brillengläsern.

„Hm, na ja, vielleicht.“ Aaron grinste sie verlegen an. „Aber deswegen habe ich noch nichts gesagt. Es war leichter zuzugeben, dass ich im Knast gewesen bin. Das konnten sie verstehen.“

„Macho-Arschlöcher“, murmelte ich.

„Du glaubst also, Aaron hätte es ihnen trotzdem erzählen sollen, Frankie?“

„Ich mag es nicht zu verbergen, wer ich bin.“

„Das musst du ja auch nicht. Du arbeitest in einem Schwulenstripclub. Und du studierst Modedesign. Du meintest, fast alle Männer, mit denen du etwas zu tun hast, sind schwul. Diese Möglichkeit hatte ich nie.“ Aarons Stimme wurde lauter und sein Gesicht rötete sich vor Ärger. „Ich habe bisher nur auf dem Bau oder im Autobereich gearbeitet.“

„Glaubst du, dass es in diesen Branchen keine schwulen Männer gibt?“, fragte Dr. Morrell.

„Wenn es sie gibt, dann spricht niemand darüber. Das Einzige, worüber Lennie redet, ist so viele Mädels flachzulegen, wie er kann. Das und Baseball.“

„Also, Frankie. Kannst du verstehen, warum das ein Problem für Aaron ist? Vielleicht braucht er ein wenig Zeit, um sich damit zu arrangieren, und wartet auf den richtigen Moment, um es seinen Kollegen zu erzählen.“

„Was, wenn diesen Moment nicht gibt?“

„Aber sollte das nicht seine Wahl sein? Oder bist du der Meinung, Aaron sollte ihnen jetzt sofort sagen, dass er schwul ist?“

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9783960894995
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