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Moderationstraining –
Talken, Streiten, Moderieren – so gelingt die Veranstaltung
von Eckart D. Stratenschulte
Kürschners Politikkontakte
Kürschners Politikkontakte
Moderationstraining von Eckart D. Stratenschulte
ISBN 978-3-95879-007-0
978-3-95879-008-7 (EPUB)
978-3-95879-009-4 (MOBI)
Umschlaggestaltung, Layout: Kim Sen-Gupta, Frankfurt/Main
Satz: Schröder Media GbR, Dernbach
Gesamtherstellung: medienhaus Plump, Rheinbreitbach
Titelfoto: Tobi Grimm, pixelio.de
Anschrift der Redaktion:
Kürschners Politikkontakte
Postfach 1560, 53585 Bad Honnef
E-Mail redaktion@kuerschners.com
Telefon: 02224 3232
Datenbank www.kuerschner.info
1. digitale Auflage: Zeilenwert GmbH 2016
© 2016 by Kürschners Politikkontakte, NDV GmbH & Co KG, Rheinbreitbach Jede Verwertung auch von einzelnen Teilen des Werkes außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne die ausdrückliche Zustimmung des Verlages unzulässig; dies gilt insbesondere für Vervielfältigungen jeder Art und die Einspeicherung und Weiterverarbeitung in digitalen Systemen.
Inhalt
Cover
Titel
Impressum
Moderationstraining, das Buch, der Autor, das Training
Dieses Buch schreibe ich für alle,
10 Goldene Regeln für erfolgreiche Moderation
1. Kapitel
Das Ziel der Veranstaltung
2. Kapitel
Die Vorbereitung
3. Kapitel
Der Raum und die Umgebung
4. Kapitel
Das Publikum
5. Kapitel
Der Beginn
6. Kapitel
Der Verlauf auf dem Podium
7. Kapitel
Der persönliche Stil
8. Kapitel
Die Einbeziehung des Publikums
9. Kapitel
Störungen
10. Kapitel
Schlussrunde
Nachbetrachtung
Die Podiumsdiskussion als Kommunikationsakt
Kürschners Training: Medientraining
Fußnoten
Moderationstraining, das Buch, der Autor, das Training
Das Buch
Es wurde von Eckart D. Stratenschulte geschrieben, klar in 10 Kapitel aufgeteilt, einfach und prägnant formuliert, dem Ganzen sind die „10 Goldenen Regeln für erfolgreiches Moderieren“ vorangestellt. Die Idee war und ist, mit besonderem Blick auf die Moderation im politischen Umfeld Grundwissen zu vermitteln, Theorie und Praxis zu erläutern, Tipps und Erfahrungen weiterzugeben. Wer es gelesen hat, nimmt Manches mit.
Das Buch möchte Sie darüber hinaus sensibilisieren, ja geradezu auffordern, für sich selbst zu überlegen und zu prüfen, ob nicht ein Moderationstraining ein guter vorausschauender Weg ist, sich entweder für den Fall der Fälle vorzubereiten oder aber eigene Erfahrungen zu vertiefen. Der Autor jedenfalls steht mit all’ seiner Erfahrung für ein professionelles Moderationstraining sehr gerne zur Verfügung.
Das Training
Im praktischen Training üben Sie unter Live-Bedingungen den gesamten Ablauf der Moderation einer Diskussionsrunde. Nach einer intensiven Vorbesprechung wird Ihre Moderation analysiert, gecoacht und im Anschluss verbessert. Dabei werden ganz besonders die Wirkungsweisen Ihrer Moderation auf Veranstalter, Panellisten und Publikum beobachtet und ausgewertet. Sie werden mit Intensivszenarien wie Störungen oder verbalen Entgleisungen konfrontiert und erhalten unmittelbar Feedback zu Ihrem Umgang damit was gut bzw. was es zu verbessern gilt. Viele praktische Tipps und Anleitungen ergänzen das professionelle Moderationstraining.
Als Leiter der Europäischen Akademie Berlin, in deren Räumen fast täglich Seminare, Konferenzen, Diskussionsrunden und Symposien stattfinden, kennt sich Eckart D. Stratenschulte mit allen Moderationsformaten bestens aus. Nutzen Sie dieses Wissen für sich und Ihr Team.
Weitere Informationen und Links zur Kontaktaufnahme finden Sie unter stratenschulte-consulting.eu oder kuerschners.com
Nun wünschen wir Ihnen eine interessante Lektüre!
Kürschners Politikkontakte
Berlin, März 2016
Dieses Buch schreibe ich für alle,
die regelmäßig oder vielleicht auch überraschend mit der Aufgabe befasst sind, eine Diskussion zu moderieren. Ich möchte Hilfestellungen geben, damit Sie einen solchen Prozess erfolgreich und stressfrei bewältigen können. Das Buch gibt wertvolle Tipps für Vorbereitung, Durchführung und Nacharbeit einer Diskussionsmoderation.
Täglich werden alleine in Deutschland hunderte von politischen Veranstaltungen durchgeführt, bei denen auf einem Podium mehrere Persönlichkeiten miteinander über ein Thema diskutieren. Um jedoch sicherzustellen, dass etwas dabei herauskommt, damit die Zuhörer verstehen worum es geht, und die Podiumsteilnehmer das Gefühl haben, richtig zu Wort gekommen zu sein, bedarf es einer guten Diskussionsleitung. Wer sich damit beschäftigt, merkt schnell, dass das gar nicht so einfach ist, dass man sich für alle Phasen der Vorbereitung und Durchführung entsprechend vorbereiten und darauf einstellen muss. Moderation ist Handwerk, das man erlernen kann, aber auch erlernen muss. Es ist viel mehr als das Führen einer Rednerliste, und die Moderatorenaufgabe beginnt nicht erst, wenn die Diskussionsteilnehmer sich auf dem Podium versammelt haben. Mag sein, es wird nicht jeder zum Top-Moderator, der mühelos Fernsehdiskussionen bewältigt. Aber das ist auch nicht die Aufgabe, vor der die meisten von uns stehen, wenn es darum geht, eine Veranstaltung zu leiten, bei der zwischen 20 und 100 Menschen sich treffen, um ein Thema zu diskutieren. Das, was man beherrschen sollte, bevor man eine solche Moderation übernimmt, kann man sich aneignen.
Dieser Leitfaden soll also denen helfen, die gelegentlich oder regelmäßig vor der Aufgabe stehen, eine Moderation erfolgreich durchzuführen, und die dabei weder sich selbst dem Nervenzusammenbruch nahebringen noch das Publikum langweilen möchten.
Das vorliegende Buch konzentriert sich auf die Moderation von Diskussionsveranstaltungen. Konflikt- oder Eventmoderation sind etwas anderes und werden hier nicht berücksichtigt, um das Buch überschaubar zu halten. Die Publikation basiert auf der vieljährigen Erfahrung mit Moderationen – mit denen, die ich selbst durchgeführt habe, und mit denen, die ich beobachtet und gelegentlich auch durchlitten habe. Nachfolgend finden Sie daher auch keine wissenschaftliche Abhandlung, sondern einen Erfahrungsbericht. Reißerisch würde man sagen: „Wie es wirklich ist“. Dazu gehört auch die einfache Wahrheit, dass es oftmals anders kommt, als man sich das vorgestellt hat. Veranstaltungen können gestört werden oder aus dem Ruder laufen. Das wird man als Moderator nicht immer verhindern können. Aber je besser man vorbereitet ist, je mehr man um die Risiken weiß, die eine Veranstaltung zum Misserfolg werden lassen können, desto größer ist die Chance, dass all das gar nicht passiert. Und auch aus einer Störung kann man für die Debatte und das Diskussionsklima Gewinn ziehen – man muss nur wissen, wie.
Ein paar grundsätzliche Bemerkungen zum Thema Kommunikation stehen am Schluss des Buches. Auch für Praktiker ist es nicht verkehrt, sich einige Dinge zu vergegenwärtigen, die uns eigentlich klar, aber dennoch nicht immer bewusst sind.
Wer mehr wissen und es selbst ausprobieren will, bevor er auf die Bühne tritt: Ich führe auch Moderationstrainings durch – für Gruppen oder als Betreuung für Einzelne.
Aber vorab noch eine Bemerkung zur Sprache: Deutsch ist ein schönes Idiom, das den Unterschied zwischen den beiden Geschlechtern in fast allen Substantiven kennt. So gibt es – anders als beispielsweise im Englischen – Moderatorinnen und Moderatoren, Zuhörerinnen und Zuhörer, Diskutantinnen und Diskutanten. Frauen und Männer sind gleichberechtigt, das ist eine Grundlage unseres Lebens und unserer Verfassung. Dem sollte man auch sprachlich Ausdruck verleihen. Das ist aber nicht so einfach. Ein Satz wie „Die Moderatorinnen und Moderatoren sollten immer das Interesse der Zuhörerinnen und Zuhörer im Auge behalten.“ ist politisch korrekt, aber sperrig. Seit einiger Zeit wird versucht, die Substantive durch Partizipkonstruktionen zu ersetzen. Wir kennen das schon von den „Studierenden“, die jetzt von „Dozierenden“ unterrichtet und sicher demnächst von Verwaltenden administriert werden. Der langen Rede kurzer Sinn: Dieses Buch richtet sich an Frauen und Männer, an Leserinnen und Leser, an Moderatorinnen und Moderatoren, an Sprecherinnen und Sprecher, an Diskutantinnen und Diskutanten, an Politikerinnen und Politiker, an Professorinnen und Professoren, an Studentinnen und Studenten, an Zuhörerinnen und Zuhörer – aber es greift in den meisten Fällen aus Gründen der Lesbarkeit auf die maskuline Form als Gattungsbegriff zurück.
Wer damit hadert, kann eine Diskussion über den sprachlichen Ausdruck der Gleichberechtigung organisieren – wie er (oder sie) diese Debatte moderieren kann, ist auf den nächsten Seiten zu erfahren.
Ihr

10 Goldene Regeln für erfolgreiche Moderation
1. Seien Sie fair und freundlich, aber versuchen sie nicht, jedermanns Liebling zu werden!
→ 2. KAPITEL
2. Bereiten Sie pro Diskussionsteilnehmer zwei Fragen vor. Es ist besser, eine Frage in petto zu haben und sie nicht zu stellen, als eine stellen zu müssen und nicht vorbereitet zu sein!
→ 2. KAPITEL
3. Seien Sie bereit und flexibel, von Ihrem Plan abzugehen, wenn die Diskussion sich anders entwickelt!
→ 2. KAPITEL
4. Intervenieren Sie bei gravierenden Regelverstößen sofort!
→ 4. KAPITEL
5. Der Moderator ist für die Diskussion die wichtigste Person im Raum, aber lassen Sie das niemanden merken!
→ 4. KAPITEL
6. Der Anfang einer Podiumsdiskussion entscheidet über ihr Gelingen. Ist der Anfang schlecht, bekommt das Ende keiner mehr mit!
→ 5. KAPITEL
7. Seien Sie als Moderator der Anwalt des Publikums. Ihre persönliche Meinung interessiert niemanden!
→ 6. KAPITEL
8. Prüfen Sie sich vor der Übernahme einer Moderationsverpflichtung, ob Sie die nötige Unabhängigkeit für diese Diskussionsleitung besitzen!
→ 6. KAPITEL
9. Ärgern Sie sich nicht über Störungen, sondern nehmen Sie sie souverän als Herausforderung!
→ 9. KAPITEL
10. Verlassen Sie die Veranstaltung nicht sofort nach dem offiziellen Ende, sondern stehen Sie noch für Gespräche zur Verfügung!
→ 10. KAPITEL
1. KAPITEL
Das Ziel der Veranstaltung
Niemand organisiert eine Talk- oder Diskussionsrunde, um „nur mal darüber zu reden“, jeder Veranstalter verfolgt damit eine Absicht. Als Moderator sollte man diese Absicht kennen, andernfalls kann man kräftig daneben tappen.
Bei allen Podiumsdiskussionen gibt es neben den offiziellen Zielen auch inoffizielle. Das ist ja immer so, wenn Menschen miteinander in Kontakt treten. Wenn Kollege A der Kollegin B im Betrieb öffentlich zum Geburtstag gratuliert, will er ihr einen Glückwunsch aussprechen (offizielles Ziel), er will ihr aber vielleicht auch gefallen oder den anderen zeigen, dass er ein besserer Redner ist als die Herren C und D, er will vielleicht demonstrieren, dass er im Team der primus inter pares ist und deshalb die Glückwünsche von ihm übermittelt werden. Das alles sind mögliche inoffizielle Ziele – und die spielen immer eine Rolle, oftmals sogar die entscheidende.
Bei organisierten Diskussionen ist das nicht anders: Eine Partei will ihre Positionen unters Wahlvolk bringen, die Europäische Union will zeigen, was sie Gutes für die Menschen tut, ein Unternehmen möchte auf die segensreiche Wirkung eines neuen Produkts hinweisen (und dieses auch verkaufen), ein Verlag möchte eine Autorin bekannt machen, na und so weiter. So werden Podiumsdiskussionen über ein Sachthema oftmals angesetzt, um einer bestimmten Person, beispielsweise aus der Politik, ein Forum zu bieten. Mag sein, die besagte Person will sich bald in einem Wahlkampf um ein Parlamentsmandat bewerben und sich bekannt machen, mag sein, sie möchte sich in einem innerparteilichen Machtkampf positionieren. Es kann auch darum gehen, einen Ort zu profilieren, indem dort etwas stattfindet – und dabei ist dann ziemlich egal, worum es sich handelt, Hauptsache es zieht Publikum und eventuell die Presse an. Das alles ist völlig legitim.
Als Moderator sollte man diese Ziele aber kennen und einschätzen können, in welchem Spannungsverhältnis das offizielle und das inoffizielle Ziel stehen und was für die Veranstalter wie (ge)-wichtig ist. Leicht erkennbar ist das, wenn eine politische Stiftung eine Podiumsdiskussion zu einem aktuellen Thema anbietet und einer der Podiumsteilnehmer ein Abgeordneter der Partei ist, der die Stiftung politisch verbunden ist. Die Vermutung liegt nahe, dass es der Stiftung nicht (nur) darum geht, ein bestimmtes Thema in die öffentliche Diskussion zu bringen, sondern vielmehr, den Kandidaten zu positionieren. Es kann auch die Absicht der Veranstalter sein, eine bestimmte inhaltliche Position zu bewerben.
Der Moderator hat in der Regel auf die Zielformulierung keinen Einfluss. Er wird vielmehr „eingekauft“, wenn die Veranstaltung mehr oder weniger vollständig geplant ist. Er wird allerdings bei seiner Moderation sowohl die offiziellen als auch die oftmals wichtigeren inoffziellen Ziele im Auge haben müssen, wenn seine Moderation erfolgreich sein soll. Erfolgreich in diesem Sinne ist sie, wenn sowohl das Publikum, das eine bestimmte inhaltliche Erwartung hat, als auch der Veranstalter, der eben mehrere Ziele im Blick hat, das berechtigte Gefühl haben, dass ihren Interessen entsprochen worden ist.
Die Analyse der Ziele beginnt für den Moderator ganz simpel damit, etwas über die Veranstalter herauszufinden. Das ist bei den Parteien oder den politischen Stiftungen sehr einfach, aber auch bei allen anderen Organisationen möglich. Bevor man sich mit ihnen direkt in Kontakt setzt, sollte man die allgemein zugänglichen Quellen anzapfen, was in der Regel eine kleine Internetrecherche bedeutet. Auch ein Herumfragen im Bekannten- und Kollegenkreis kann hilfreich sein: Kennt jemand die Prometheus-Stiftung? Wer steckt dahinter? Wer finanziert sie? Wer sitzt im Vorstand, im Kuratorium, im Beirat? Daraus lassen sich Schlüsse auf die politischen oder materiellen Interessen des Veranstalters ziehen. Hierzu ein – verfremdetes, aber reales – Beispiel: Da widmet sich ein gemeinnütziger Verein der Verbesserung der Wohnverhältnisse in einem Teil Europas. Zu diesem Zweck organisiert er Seminare und Konferenzen. Die Mitglieder sind, der Internetseite des Vereins zufolge, Experten für die Bereiche Wohnungswirtschaft, Technik, Energiewirtschaft und Banken- und Versicherungswesen. Das ist sicherlich verdienstvoll, aber ist es die ganze Wahrheit? Die Internetrecherche zeigt, dass der Verein professionell aufgestellt ist, er verfügt über eine Geschäftsstelle und über Personal. Wer sind die Geldgeber? Abgesehen davon, dass der Verein sich um öffentliche Mittel bewirbt, hat er Unternehmen der Wohnungswirtschaft als Finanziers, die verständlicherweise ihr Know-how in andere Länder verkaufen wollen. Das ist in keiner Weise anrüchig oder unehrenhaft. Wenn dieser Verein jedoch Diskussionsveranstaltungen durchführt, wird er die materiellen Interessen seiner Förderer im Auge haben müssen. Diese Interessen wiederum können unterschiedlicher Natur sein: Mindestens ein Diskutant wird Lösungen vorschlagen, die den Verein tragende Unternehmen „zufälligerweise“ anbieten, oder: Ein Diskutant bzw. seine Firma sollen in der Veranstaltung als besonders kompetent positioniert werden, vielleicht auch: Der Inhalt der Veranstaltung dient nur dazu, die richtigen Leute zusammenzubringen.
Wenn Sie sich vorher kundig machen, vermeiden Sie auch, dass Sie einem obskuren Verein aufsitzen, der vielleicht einen Allerweltsnamen trägt, aber eine Ideologie vertritt, mit der Sie nicht in Verbindung gebracht werden wollen. Nehmen Sie als Beispiel den Titel „Junge Freiheit“. Gegen Jugend und Freiheit kann man ja eigentlich nichts haben. Im konkreten Fall verbirgt sich dahinter jedoch eine Zeitschrift aus dem sehr rechten Spektrum, mit der man nicht in einem Atemzug genannt und für die man nicht als „nützlicher Idiot“ eingespannt werden möchte.
Apropos: Natürlich muss ein Moderator sich nicht mit dem Veranstalter identifizieren oder eine besondere Nähe zu ihm haben. Wer eine Diskussion der SPD moderiert, muss nicht Genosse sein, und wer eine Debatte bei der Sparkasse leitet, darf sein Konto auch bei einer anderen Bank haben. Aber es gibt auch Spinner und Extremisten, die sich gerne mit „bürgerlichen Namen“ schmücken, um sich so salonfähiger zu machen. Daher Vorsicht: Mit dem guten Ruf eines Moderators ist es wie mit dem guten Ruf generell. Er ist schneller zerstört als aufgebaut.
Bevor man also als Moderator „in den Ring“ steigt, sollte man – durchaus auch im Gespräch mit dem Veranstalter – klären:
1. Wer ist der Veranstalter?
Was sind seine generellen Ziele?
Was ist seine „Philosophie“?
Das geht heute im Allgemeinen recht leicht. Meistens gibt es eine Selbstdarstellung auf der Website der Organisation (, ,Über uns“), oftmals auch ein – allerdings immer sehr allgemein formuliertes – Leitbild. Aufschluss geben auch die Veröffentlichungen und die sonstigen, im Netz dokumentierten Ereignisse.
Allerdings sollte man sich nicht allein auf die Angaben des Veranstalters beschränken, sondern seinen Namen in eine Suchmaschine eingeben, wodurch man noch einmal einen anderen Blick erhält. Manchmal ist die Position des Veranstalters auch allgemein bekannt. Nehmen wir ein Beispiel: Wenn die Katholische Kirche eine Diskussion über die Abtreibung organisiert, geht es ihr nicht darum, das Pro und Contra einer Abtreibung aufzulisten, um die Teilnehmerinnen der Diskussion anschließend mit einer „Checkliste“ nach Hause zu schicken, anhand deren sie sich dann für oder gegen eine Abtreibung entscheiden. Die Katholische Kirche positioniert sich sehr stark gegen die Abtreibung. Sie wird also die Diskussion nutzen, gegen Abtreibungen zu argumentieren, um Menschen auch in diese Richtung zu beeinflussen. Wer bereit ist, für die Katholische Kirche die Moderation einer Veranstaltung zum Thema Abtreibung zu übernehmen, sollte sich darüber im Klaren sein.
2. Was ist das offizielle Ziel der Veranstaltung?
Diese Ziele werden oft recht allgemein formuliert. Ziel ist es, Öffentlichkeit oder Zuhörerschaft mit dem Thema XY vertraut zu machen oder das bislang in der öffentlichen Diskussion vernachlässigte Thema XY in den Fokus zu rücken oder auf Aspekte des Themas XY aufmerksam zu machen, die bislang in der öffentlichen Wahrnehmung vernachlässigt wurden – oder ähnliches. Diese Ziele sind nicht unbedingt vorgeschoben, man darf den meisten Veranstaltern glauben, dass sie sie wirklich erreichen wollen. Diese Ziele zu identifizieren ist recht einfach. Der Veranstalter teilt sie im Briefing mit oder sie finden sich in der Veranstaltungsbeschreibung oder -einladung. Der Moderator muss diese Ziele ernst nehmen, denn das sind die Erwartungen, oder vorsichtiger ausgedrückt: auch die Erwartungen, die das Publikum hat, das dieser Veranstaltung beiwohnt. Schwieriger ist der dritte Analyseschritt:
3. Was sind die inoffiziellen Ziele der Veranstaltung?
Wenn Sie von einem Veranstalter, den Sie nicht kennen, als Moderator angefragt werden, sollten Sie sich als erstes, wie bereits beschrieben, über ihn informieren Nach einem ersten Überblick über den Veranstalter sollte man mit diesem über die Ziele der Veranstaltung reden. Manchmal erfährt man nur die offiziellen Ziele: „Wir wollen das Thema Demografie von verschiedenen Seiten beleuchten, wir wollen eine Bestandsaufnahme des Sozialstaats machen etc.“ Wenn der Veranstalter offen ist oder man sich schon ein bisschen kennt, wird er auch über die inoffiziellen Ziele sprechen. In einer normalen bis vertrauensvollen Gesprächsatmosphäre können Sie hier auch nachfragen. Nehmen Sie eine Diskussion zu einem aktuellen politischen Thema, die von einer politischen Stiftung organisiert wird. Auf dem Podium sitzen zwei Wissenschaftlerinnen, ein Journalist und ein Abgeordneter der Partei, der die Stiftung nahesteht. Es ist recht naheliegend, dass es darum geht, diesem eine Plattform zu bieten, sich einer breiteren Öffentlichkeit als kompetenter Fachmann zu präsentieren. Also fragen Sie ruhig: Welche Rolle spielt der Abgeordnete XY? Vielleicht erfahren Sie Erstaunliches, zum Beispiel dass es in Wirklichkeit darum geht, den einflussreichen Abgeordneten zu hofieren, um das Standing der Stiftung zu verbessern.
Dies kann man den Veranstalter durchaus fragen, allerdings kann man sich nicht darauf verlassen, in jedem Fall eine ehrliche und umfassende Antwort zu bekommen. Kehren wir zu dem Beispiel der Katholischen Kirche zurück, die eine Veranstaltung über Abtreibung organisiert. Man muss kein Detektiv sein, um sich klar zu machen, dass das inoffizielle Ziel der Veranstaltung ist, eine Abtreibung als Möglichkeit auszuschalten und alternative Optionen für Frauen oder Paare, die sich mit einem Kind überfordert fühlen, herauszustellen. Das ist aber nicht in jedem Fall so klar wie in diesem Beispiel. Dann muss man den Veranstalter genauer anschauen, im Allgemeinen hilft dabei wiederum das Internet. Wie hat sich der Veranstalter bisher zu der Diskussionsfrage positioniert? Wenn es hier eine klare Stellungnahme gibt (zum Beispiel für oder gegen das transatlantische Handels- und Investitionsabkommen TTIP), kann man davon ausgehen, dass der Veranstalter möchte, dass diese Position sich schlussendlich aus der Diskussion herausmendelt.
In der Regel moderiert man ja Diskussionen mit mehr als einem Gesprächspartner. Bei der Ermittlung der inoffiziellen Ziele hilft auch die Analyse des Podiums. Der Veranstalter wird zur Vertretung seiner Position niemand benennen, der schwach auftritt. Im Umkehrschluss heißt das: Die starken Diskussionsteilnehmer sollen die Erreichung des inoffiziellen Ziels bewerkstelligen. „Stark“ können sie in Bezug auf die Rhetorik, aber auch im Hinblick auf ihre gesellschaftliche oder politische Stellung sein. Umgekehrt kann es allerdings auch darum gehen, einen relativ schwachen Vertreter, der bespielsweise noch recht unbekannt zu einer Wahl antritt, dadurch aufzuwerten, dass er mit Persönlichkeiten diskutiert, die mehr Ansehen als er genießen. Man nennt so etwas „positiven Imagetransfer“. Die Zusammensetzung eines Podiums folgt also einem Plan der Veranstalter. Das ist auch durchaus vernünftig, schließlich will man mit der Debatte auch ein „Diskussionsstück“ aufführen, das einer vorgeplanten Dramaturgie folgt. Dass dann in der konkreten Besetzung auch noch Zufälle hinzutreten, weil einer der Angefragten keine Zeit hat oder kurzfristig ausfällt und ersetzt werden muss, geschieht natürlich immer wieder. Allerdings werden auch die Ersatzkandidaten derselben politischen Logik folgen. Wenn man also ein Podium mit einem CDU-Bundestagsabgeordneten besetzen möchte, der allerdings dann nicht teilnehmen kann, wird man keinen Vertreter der Links-Partei stattdessen einladen, sondern eben ein anderes Bundestagsmitglied, das der CDU angehört.
Die offiziellen und die inoffiziellen Ziele stehen nicht notwendigerweise im Widerspruch zueinander. Sollte das informelle Ziel sein, einen Veranstaltungsort zu popularisieren oder – beispielsweise bei Diskussionen, die die ausländischen Botschaften organisieren – eine Sprecherin oder einen Sprecher aus einem bestimmten Land bekannt zu machen, steht dies nicht unbedingt im Konflikt damit, ein Thema kritisch von allen Seiten zu beleuchten. Der Moderator hat es hier recht einfach. Er kann darauf achten, dass die offiziellen Ziele erreicht werden – und die inoffiziellen erledigen sich von selbst mit. Das ist auch bei Veranstaltungen der Bundeszentrale oder der Landeszentralen für politische Bildung der Fall, deren Aufgabe es ist, zur Meinungsbildung beizutragen und die nicht eine bestimmte Position präferieren. Auch das ist allerdings nicht in allen Fällen so, beispielsweise bei Veranstaltungen, die sich gegen rechtsradikale Strömungen und Parteien richten und bei denen es verständlicherweise nicht darum geht abzuwägen, was gut und was schlecht sei am Neonazitum.
Es gibt also offizielle und inoffizielle Ziele – und die inoffiziellen sind häufig die Triebfeder für die gesamte Veranstaltung. Das ist dann von Bedeutung, wenn die beiden Ziele in Widerspruch zueinander geraten. Hier müssen die Moderatoren sich positionieren. Gibt man jetzt der kritischen Beleuchtung des Themas Vorrang oder der Selbstdarstellung des Abgeordneten XY? So ganz grundsätzlich betrachtet ist die Antwort natürlich klar: Es geht um die Sache und damit um die Verfolgung der offiziellen Ziele. So können Sie als Moderator auftreten – in der Regel allerdings nur einmal. Der Veranstalter und andere, die das beobachten, werden Sie nicht mehr verpflichten. Keiner holt sich einen Moderator ins Haus, der die tatsächlichen Ziele, und das sind in der Regel die inoffiziellen, nicht im Auge hat oder gar konterkariert. Keine Stiftung beschäftigt einen Moderator, der „ihren“ Abgeordneten „in die Pfanne haut“.
Eine Checkliste zur Ermittlung des Veranstaltungsziels finden Sie auf Seite 21.
Auf der anderen Seite möchte man sich als Moderator auch bei einem Veranstalter nicht anbiedern oder gar prostituieren. Abgesehen davon, dass dies für das eigene Ego nicht gut ist, ist das auch geschäftsschädigend. Harmlose und Stichwortgeber sind als Moderatoren nicht gefragt, denn indem sie den Veranstaltern nach dem Mund reden, verlieren sie ihre Glaubwürdigkeit beim Auditorium – und damit wird der tatsächliche Veranstaltungszweck auch nicht erreicht.
Wenn Sie die offiziellen oder inoffiziellen Ziele persönlich strikt ablehnen, sollten Sie die Finger von der Veranstaltung lassen. Wenn Sie aber damit leben können, sollten Sie sich vorher überlegen, wie beide Ziele erreichbar sind. Da diese Ziele oftmals konfligieren – die kritische Debatte versus das gute Aussehen des Abgeordneten XY –, müssen sie eine Kompromisslinie entwickeln. In unserem Beispiel von der Diskussion mit dem Abgeordneten könnte dies beispielsweise sein, dass sie nach einer offenen und kritischen Diskussion des Gegenstandes dem Abgeordneten noch einmal das Wort zu Schlussbemerkungen geben:
Live klingt das so:
Hier sind viele Kritikpunkte an dem Vorhaben geäußert worden. Herr Abgeordneter XY, Sie tragen ja politische Verantwortung, wie können Sie im politischen Prozess diese Punkte aufnehmen.
Damit hat man Herrn XY herausgehoben (er ist derjenige, der politische Verantwortung trägt), das tut ihm schon mal gut, und man gibt ihm Gelegenheit, seine Position noch einmal – und schlussendlich – darzustellen.
Manchmal gibt es auf den Podien auch ein Schwergewicht, dem man von vornherein mehr Raum gewähren muss. Wenn man ein Gespräch mit einer sehr bekannten oder im jeweiligen Kontext besonders wichtigen Persönlichkeit moderiert und zwei oder drei weitere Gäste mit auf dem Podium sitzen, wird jeder akzeptieren, dass die anderen zusammengenommen genauso viel Redezeit haben wie diese Persönlichkeit alleine. Das dürfte auch die Erwartungen des Publikums treffen, das vermutlich vor allem gekommen ist, diese Persönlichkeit zu hören und zu erleben. Der Moderator wird in diesem Fall nach dem Motto des Buches „Farm der Tiere“ verfahren müssen: Alle Podiumsteilnehmer sind gleich, aber einer ist gleicher. Das Leben ist auch hier ein Kompromiss. Wer nicht bereit ist, Kompromisse einzugehen, sollte sich mit Moderationen nicht beschäftigen.
Checkliste zur Ermittlung des Veranstaltungsziels
(mit einem konstruierten Beispiel)
| Die Fragen | Die beispielhaften Antworten |
| Wer ist der Veranstalter? | Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit |
| Welche politische oder weltanschauliche Richtung vertritt der Veranstalter? | liberal |
| Steht der Veranstalter einer politischen Partei oder gesellschaftlichen Gruppe (Kirchen, Gewerkschaften, Arbeitgeber etc.) nahe? | Ja, der FDP |
| Wie ist der Veranstalter strukturiert? Wer finanziert ihn? Wer sitzt im Vorstand, Präsidium, Beirat oder ähnlichen Gremien? | Finanzierung aus öffentlichen Mitteln, die Gremien sind mit FDP-Politikern besetzt |
| Was ist das Thema der Veranstaltung? | „Das Transatlantische Handelsabkommen TTIP – letzte Chance für Europa“ |
| Wie ist der Veranstalter zu diesem Thema positioniert? | Befürwortet den Abschluss des Abkommens mit den USA (TTIP), unterstützt Wirtschafts- und Handelsfreiheit generell |
| Welche anderen Interessen des Veranstalters spielen eine Rolle oder könnten eine Rolle spielen? | Profilierung der nahestehenden Partei FDP im Hinblick auf die Landtags- und Bundestagswahlen |
| Für welche Position steht Redner/in A? | vertritt die Inititative „TTIP never“, lehnt TTIP ab, da er Standardabsenkungen im sozialen und ökologischen Bereich befürchtet |
| Für welche Position steht Redner/in B? | ist Wissenschaftler, wägt die ökonomischen Vorteile gegen die Nachteile für den europäischen Markt ab |
| Für welche Position steht Redner/in C? | Befürwortet TTIP eindeutig, sieht darin die Chance für Europa, den Globalisierungsprozess durch Standardsetzungen mitzubestimmen |
| Ist eine(r) der Redner(innen) erkennbar stärker oder bekannter als die anderen? | Ja, Redner C ist Mitglied des Europäischen Parlaments |
| Falls ja: Für welche Position steht diese(r) Redner(in)? | Befürwortet TTIP (s. o.) |
| Was sind die formulierten Erwartungen des Veranstalters an die Veranstaltung? | Versachlichung der Debatte über TTIP |
| Was sind die Intentionen des Veranstalters? | Profilierung des Kandidaten und seiner Partei Entemotionalisierung der Debatte und Fokussierung auf die positiven ökonomischen Folgen von TTIP |
1. Kapitel kompakt:
– Informieren Sie sich vor Übernahme der Moderationsverpflichtung über den Veranstalter und die Ziele der Veranstaltung.
– Behalten Sie dabei im Auge, dass jede Diskussion offizielle und inoffizielle Ziele verfolgt – und dass die inoffiziellen für die Veranstalter mindestens so wichtig sind wie die offiziellen, dass sie in der Regel sogar der Antrieb sind, die Debatte überhaupt durchzuführen.
– Schauen Sie sich die Zusammensetzung des Podiums an und klären Sie, ob es eine herausgehobene Persönlichkeit gibt, für die eine Sonderrolle während der Diskussion vorgesehen ist.
– Prüfen Sie vor Ihrer verbindlichen Zusage, die Moderation zu übernehmen, ob Sie mit den Zielen und der Konstruktion der Podiumsdiskussion „leben“ können, andernfalls sagen Sie ab.
2. KAPITEL
Die Vorbereitung
Der Moderator muss nicht der Oberexperte für das zu diskutierende Thema sein – und er sollte sich auch nicht so aufführen. Vorbereiten muss er sich allerdings schon. Er sollte sich mit dem Thema, den Podiumsteilnehmern, dem Publikum und dem Veranstaltungsort beschäftigen.
Eine gute Moderation beginnt mit einer umsichtigen Vorbereitung. Der Moderator ist nicht der größte Experte für das zu diskutierende Thema. (Wäre das der Fall, sollte er einer der Diskutanten sein und seine Expertise einbringen.) Weder sollte er sich so gerieren – unerträglich die Moderatoren, die erst einmal eine Viertelstunde lang das Thema explorieren, um zu zeigen, dass sie selbst eigentlich am meisten davon verstehen –, noch sollte er den Anspruch an sich stellen. Allerdings darf der Moderator auch nicht ahnungslos sein, er muss sich in das Thema einarbeiten. Bei der systematischen Erarbeitung kann eine kleine Checkliste hilfreich sein.
1 Wie lautet das Thema?
2 Warum lautet es so? Steckt im Titel schon eine Aussage?
3 Was sind die wichtigsten Inhalte?
4 Welche Kontroversen birgt das Thema?
5 Wie und durch wen ist das Thema im öffentlichen Raum schon diskutiert worden?
Ad 1. Die Frage klingt natürlich sehr banal, ist sie aber leider nicht. Immer wieder gehen Moderatoren in die Diskussion, ohne das Thema genau wahrgenommen zu haben. Sie wissen zwar den Themenbereich, sind aber erstaunt, wenn im Laufe der Diskussion auf den Titel Bezug genommen wird. Nicht selten fängt der Moderator dann an, in seinen Unterlagen zu wühlen – und zum ersten Mal den Titel aufmerksam zur Kenntnis zu nehmen.
Ad 2. Thema und Titel, zu denen ja schließlich das Publikum eingeladen wird, drückt die Haltung der Veranstalter aus und führt auch beim Publikum zu Erwartungen. Sehr oft steht im Titel schon eine Aussage, die man als Moderator beachten sollte. Heißt die Veranstaltung
„Die aktuelle Situation der Europäischen Union“ oder
„Scheitert Europa?“ oder
„Das Scheitern der Europäischen Union“?
Das ist schon ein Unterschied. Während der erste Titel neutral ankündigt, sich mit der EU zu befassen, alarmiert der zweite das Publikum und drückt die Möglichkeit eines Scheiterns der EU aus. Der dritte Titel lässt für Zweifel keinen Raum, er ist eine klare Aussage. Die Erwartungen, die aus den Titeln resultieren, sind unterschiedlich. Der erste Titel verspricht eine Zustandsbeschreibung der EU, der zweite eine Pro- und Contra-Abwägung in Bezug auf den Erfolg der EU, der dritte die Begründung einer eindeutigen Feststellung.
Da der Moderator der Veranstaltung auch der Moderator der Erwartungen ist, sollte er sich den Titel genau anschauen. Oftmals gibt es im Titel auch bereits klare Wertungen oder politische Positionierungen. Ein Titel wie „Der Gender-Wahnsinn in deutschen Behörden“ macht klar, dass der Absender von der Gleichstellungspolitik im öffentlichen Dienst nichts hält. Ist in der Einladung von der „Ehemaligen jugoslawischen Republik Mazedonien“ die Rede, wird damit im griechisch-mazedonischen Streit die griechische Position unterstützt, spricht der Titel von der „Republik Makedonien“ wird die mazedonische Position unterstützt. Hier ließen sich viele andere Beispiele nennen. Also, Vorsicht, ein Titel kann bereits Wertungen enthalten. Damit kann man als Moderator leben, man sollte es aber wissen – und unter Umständen auch dem Publikum transparent machen.
Ad 3. Der Moderator muss sich einen Überblick über das Thema verschaffen, ohne dass er alle Details kennen und verstehen muss. Im Gegenteil: Eine gewisse Unbefangenheit des Moderators kann der Veranstaltung sehr zugute kommen, weil der Moderator dann die Fragen stellt, die auch das Publikum interessieren, das ja in aller Regel auch nicht aus Fachleuten des jeweiligen Themas besteht. Wie man sich die Information verschafft, ist ganz unterschiedlich. Manchmal kann der Veranstalter einen in das Thema einweisen oder entsprechende Literatur empfehlen. Ansonsten hilft am schnellsten eine Internetrecherche. Das zu Unrecht geschmähte Wikipedia gibt oftmals eine gute Einführung.
Ad 4. Allerdings sollte man verschiedene Positionen noch zusätzlich recherchieren. Nehmen Sie ein kompliziertes Thema wie Sterbehilfe. Schon eine oberflächliche Recherche im Internet zeigt, dass es hier sehr unterschiedliche Standpunkte gibt, und da es bei diesem Thema buchstäblich um Leben und Tod geht, wird die Debatte auch sehr emotional geführt. Wenn Sie nun in einer Internetsuchmaschine nicht nur „Sterbehilfe“ eingeben, sondern „Befürwortung Sterbehilfe“ bzw. „Ablehnung Sterbehilfe“ werden sie die verschiedenen Standpunkte schnell herausfiltern können. Wie gesagt, der Moderator muss nicht jede Einzelheit kennen, aber die grundsätzlichen Positionen, die in einer Kontroverse vertreten werden, sollten ihm geläufig sein.
Ad 5. Ebenfalls wichtig zu wissen ist, wie die moderierte Diskussion in den gesellschaftlichen Diskurs eingebettet ist. Wird das Thema gerade breit in den Medien diskutiert, gab es dort oder im wissenschaftlichen Raum bereits eine Debatte, aus der man auch Ergebnisse in die eigene Diskussion einfügen kann? Nehmen Sie ein Thema wie, ,100 Jahre Erster Weltkrieg“, das uns 2014 beschäftigt hat. Vielerorts gab es Diskussionen darüber, aber auch in den Medien und im akademischen Raum ist das Thema breit behandelt worden. In einem solchen Fall trifft man natürlich auf ein anders vorbereitetes Publikum als wenn das Thema bislang wenig Aufmerksamkeit gefunden hat. Entsprechend muss der Moderator die Diskussion strukturieren und die Erwartungen an die Redner formulieren.
Zu Beginn der Veranstaltung stellt der Moderator die Podiumsgäste vor. Da man die Diskutanten im Allgemeinen nicht persönlich kennt, muss man auf einen Lebenslauf zurückgreifen. Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten. Am besten ist es immer, sich von den Diskussionsteilnehmern einen Lebenslauf (oftmals Curriculum Vitae oder CV genannt) schicken zu lassen. Dann weiß man schon einmal, wie sie gerne vorgestellt würden. Bei prominenteren Gästen genügt in der Regel ein Anruf in deren Büro, dort wird ein jeweils aktualisierter Lebenslauf bereit gehalten und ohne Probleme zur Verfügung gestellt. Abgeordnete und andere in der Öffentlichkeit stehende Persönlichkeiten veröffentlichen in der Regel einen Lebenslauf im Internet, sei es auf ihrer persönlichen Website, sei es auf der Internetseite der Institution. Zu Politikern halten auch die Kürschners Handbücher wie Kürschners Volkshandbuch Deutscher Bundestag wichtige Informationen bereit. Eine weitere, meist gute Quelle ist Wikipedia, da viele die Artikel über sich dort selbst schreiben oder schreiben lassen. Allerdings gibt es gelegentlich Ergänzungen, die der vorzustellenden Persönlichkeit nicht besonders gefallen dürften (, , … ist 2015 nach Bestechungsvorwürfen von seinem Amt zurückgetreten …“).
Ein Problem für den Moderator ist es oftmals, dass die Lebensläufe, die er erhält, sehr unterschiedlich lang sind. Während der eine Referent noch sein Freischwimmerzeugnis und seine Urkunde von den Bundesjugendspielen erwähnt, gibt der andere nur ganz knapp Auskunft. Die Vorstellung aller Referenten sollte jedoch im Wesentlichen gleich lang und gleich substanzreich sein. Es wäre sehr unglücklich, Herrn Professor Huber mit seinem gesamten Werdegang, seinen gegenwärtigen Funktionen, seinen Publikationen und Ehrenämtern vorzustellen, und bei Frau Professorin Meier nur zu sagen, dass sie an der XY-Hochschule Politische Wissenschaft lehrt. Man sollte daher Lebensläufe für sich aufarbeiten. Ein Schema, wie das gehen kann, ist nachfolgend dargestellt.
Gut für das Publikum ist es, auch etwas Persönliches und Besonderes über die Person zu sagen. Das freut übrigens auch den vorgestellten Referenten, der dadurch merkt, dass man sich wirklich mit ihm beschäftigt hat. Die entsprechenden Informationen findet man manchmal nicht im offiziellen Lebenslauf, aber im Internet. Es muss mit der Sache nichts zu tun haben, sollte aber durch eine Bemerkung mit ihr verbunden werden. Nehmen Sie als Beispiel eine politische Diskussion. Einer der Gesprächspartner ist Präsident eines Segelclubs. Wenn man das einfach erwähnt, verpufft es. Wenn man es verpackt, ist es unterhaltsam und ehrt den Sprecher: „Staatssekretär Müller weiß, wie man Rückenwind ausnutzt, um voran zu kommen, aber er hat auch Erfahrung mit Gegenwind, er ist nämlich der Präsident des Segelclubs XY.“ Findet man im Internet eine besondere Begebenheit, hat der Redner ein interessantes Interview gegeben, ist er Schützenkönig geworden, was auch immer: Man kann es einbinden. Aber: Was immer man bei einer Vorstellung sagt, muss positiv sein. Es wäre ein Missbrauch der Moderatorenposition, einen Redner schlecht oder lächerlich zu machen. Wenn man locker und gar etwas flapsig sein will, ist das eine Gratwanderung, vor allem, wenn man den Betreffenden nicht kennt. Man sollte sich daher nicht der Spontaneität hingeben, sondern solche Äußerungen vorbereiten und reflektieren, wie sie auf den jeweiligen Panelisten wirken könnten. Die Gäste haben nicht zwangsläufig denselben Humor wie der Moderator.
Auf jeden Fall sollte man alle Lebensläufe vorher genau lesen und eine Auswahl der präsentierten Lebensdaten treffen. Es ist für das Publikum unattraktiv, wenn ganze Lebensläufe vorgelesen werden, die im Zweifelsfall auf zwei Seiten stehen, zwischen denen der Moderator dann noch hin und her blättern muss.
Live klingt das so:
„Ganz links von mir sitzt Professorin Sabine Müller. [Name] Sie ist die Inhaberin des Lehrstuhls für europäische Fragen an der Universität Kassel. [Funktion] Die Universität Kassel ist aus der 1971 gegründeten Gesamthochschule hervorgegangen und hat sich im Fachbereich Gesellschaftswissenschaften in den letzten Jahren intensiv mit den europäischen Integrationsstrukturen befasst. [Institution] Frau Müller hat Politische Wissenschaft, Geschichte und Philosophie studiert. Dabei war Europa nicht nur ihr Schwerpunkt, sondern auch ihre Studierstube. Den Bachelor hat sie in Paris absolviert, den Master an der London School of Economics. Promoviert hat sie an der FU Berlin über das Thema „Dysfunktionale Aspekte des europäischen Mehrebenensystems am Beispiel der Rechts- und Innenpolitik“. [Werdegang] In Berlin war sie auch als wissenschaftliche Assistentin tätig, aber vielleicht war ihr die Stadt zu laut und zu hektisch, so dass sie den Ruf nach Kassel angenommen hat. Dort kann sie auch besser ihrem ehrenamtlichen Engagement frönen, Frau Müller ist nämlich im Bund für Naturschutz aktiv und die stellvertretende Vorsitzende des Landesverbandes Hessen dieser Vereinigung.“ [Persönliches]
Checkliste zur Vorstellung von Sprecherinnen und Sprechern
| Hier ausfüllen: | Bemerkungen | |
| Name (mit Titeln) | Auf richtige Aussprache achten, ggf. in Lautschrift zusätzlich aufschreiben Titel: Akademische Titel und politische wie z. B. Staatssekretär etc. | |
| Gegenwärtige Funktion | Eventuell ein bis zwei Sätze zur Vorstellung der Institution durch Moderator | |
| Ausbildung | Ausbildungsorte nennen, vor allem, wenn interessant (Ausland, herausgehoben) | |
| Wichtigste berufliche Stationen | ||
| Letzte Station vor der gegenwärtigen | ||
| Zwei bis drei weitere wichtige Stationen | ||
| Persönliches/Besonderes | Ehrenamtliche Funktionen, Auszeichnungen, Anlass für öffentliche Aufmerksamkeit (immer positiv) |
Der Sinn einer Podiumsdiskussion liegt darin, ein Thema aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten. Deshalb hat man auch mehr als einen Sprecher auf dem Podium. Allerdings gilt hier der Grundsatz: Mehr ist nicht unbedingt besser. Soweit Sie können, sollten Sie bei den Veranstaltern darauf hinwirken, dass nicht mehr als vier oder fünf Diskutanten an der Debatte teilnehmen. Schließlich sind die Eingeladenen alle Persönlichkeiten, die etwas zu sagen haben. Dafür muss auch die nötige Zeit für jeden Einzelnen zur Verfügung stehen. Manchmal gibt es allerdings Formate, die zwangsläufig eine größere Anzahl von Sprechern zur Folge haben. Wenn der Bundesaußenminister und sein britischer Kollege eine gemeinsame Bosnien-Initiative mit ihren Kollegen aus den Westbalkan-Staaten diskutieren wollen, sind das schon neun Personen. Aus politischen Gründen wird man keinen Repräsentanten eines Landes ausschließen können.
Für den Moderator bedeutet eine solche Diskussion eine besondere Herausforderung. Er muss zum einen die Teilnehmer verpflichten, sehr kurze Antworten zu geben. Das ist bei solchen politischen Persönlichkeiten nicht einfach. Ich habe dieses Format zweimal moderiert und meine Bitte um zweiminütige Statements mit einem Hinweis auf die öffentlichen Debatten im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf verbunden. Wenn man den Präsidenten der USA verpflichten kann, sich auf zwei Minuten zu beschränken, kann man auch andere Spitzenpolitiker darum bitten. Schließlich kann keiner der Anwesenden sagen, er sei bedeutender als der US-Präsident. Zum anderen muss man die Fragen ein wenig anspitzen, um in kurzer Zeit pointierte Antworten zu erhalten. Meine Erfahrung ist: Ja, es ist möglich und Politikern mit Selbstbewusstsein macht so etwas auch mehr Spaß als das übliche Ablesen von Stellungnahmen, die sie nicht selbst geschrieben haben. Die wirkliche Hürde sind meistens nicht die Spitzenpolitiker, sondern deren Apparate und Helfer, die jedes „Risiko“ für den Chef ausschließen wollen und oftmals am liebsten hätten, dass ein fertiges Drehbuch wortwörtlich aufgeführt wird.
Allerdings muss man als Moderator auch darauf gefasst sein, selbst angegriffen zu werden. 2014 wurde ich von dem Außenminister eines Staates der Westbalkan-Region als ahnungslos und deutsch-überheblich beschimpft. So etwas darf man nicht persönlich nehmen, es ist Teil des „Spiels“. Immerhin hat dieser Wortwechsel die Veranstaltung belebt und uns, dem Außenminister und mir, ein zehnminütiges Radio-Feature eingetragen. Also: Alles gut gelaufen. Der Moderator muss zu jedem fair und freundlich sein, aber er sollte nicht versuchen, jedermanns Liebling zu werden.
Viele Diskussionen sind so vorprogrammiert, dass die Teilnehmer zuerst ein Statement abgeben und es anschließend zum Gespräch kommt. Wenn Sie Einfluss darauf haben, versuchen Sie, dieses Format zu vermeiden. Die Stellungnahmen der Diskutanten sind ja vorher vorbereitet und von daher nicht aufeinander abgestimmt. Oftmals werden sie schriftlich ausformuliert und dann gnadenlos vorgelesen. Wenn Sie einen Redner darauf hinweisen, dass seine Redezeit zu Ende geht, liest er nicht weniger vor, sondern nur schneller – was die Sache nicht besser macht. Viele Persönlichkeiten in öffentlichen Funktionen erarbeiten die Stellungnahme darüber hinaus nicht selbst, sondern lassen sie von ihren Mitarbeitern erstellen. Sie lesen dann einen Text vor, der nicht ihr eigener ist, dadurch wird das Gespräch nicht flüssiger.
Versuchen Sie, auf die Veranstalter einzuwirken, die Debatte gleich im Talkshow-Format durchzuführen. Das bedeutet: Der Moderator stellt jedem Podiumsteilnehmer eine Frage, die er dann – durchaus auch etwas ausführlicher – beantworten kann. Der Moderator greift den Ball auf und stellt dem nächsten die nächste Frage. Dabei sollte er natürlich das berücksichtigen, was die Podiumsteilnehmer sagen wollen. Von daher empfiehlt sich eine vorherige Kontaktaufnahme per Email oder Telefon. Der Moderator stellt sich vor und skizziert den Ablauf der Veranstaltung aus seiner Sicht. Dann fragt er die Diskutanten, welche Themen sie gerne ansprechen würden.
Eine Kontaktaufnahme kann so aussehen:
„Sehr geehrte Frau Müller,
ich melde mich bei Ihnen wegen der Podiumsdiskussion am 31. August 2016 in Berlin und möchte Ihnen herzlich dafür danken, dass Sie sich bereit erklärt haben, daran teilzunehmen. [Betreff]
Mein Name ist Heinz Meier. Ich bin Leiter der Akademie für Gesellschaftsfragen und werde die Diskussion moderieren. [Eigene Vorstellung]
Das Thema lautet: „Der lange Weg Bosnien-Herzegowinas in die europäischen Strukturen“. [Thema]
Die Veranstaltung wird von der Western Balkan Foundation in Zusammenarbeit mit der Botschaft von Bosnien-Herzegowina organisiert. [Veranstalter]
Wir erwarten ungefähr 120 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die vermutlich mit dem Thema im Groben vertraut sind. Für die Diskussion stehen uns circa 90 Minuten zur Verfügung. Die erste Dreiviertelstunde sollte auf dem Podium diskutiert werden, in der zweiten Hälfte möchten wir das Publikum mit Fragen und Stellungnahmen einbeziehen. [Struktur der Veranstaltung]
Um die beste Verwendung von der knappen Zeit zu machen, möchte ich Sie bitten, von einer einleitenden Stellungnahme abzusehen, so dass wir gleich im Talkshow-Format in die Diskussion gehen können. [Format der Diskussion]
Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie dabei vor allem auf die regionalen Aspekte des Annäherungsprozesses Bosnien-Herzegowinas an die EU zu sprechen kommen könnten. [Ablauf der Diskussion]
Mit Ihnen wird der für den Westbalkan zuständige Referatsleiter der Europäischen Kommission auf dem Podium sitzen, den ich bitten möchte, auf den Verhandlungs- und Assoziierungsprozess im Einzelnen einzugehen. Die innenpolitischen Aspekte können dann von der ebenfalls teilnehmenden bosnischen Bürgerrechtlerin beleuchtet werden.
Meine erste Frage an Sie auf dem Podium wäre daher: Wie sehen Sie die Auswirkungen eines forcierten Annäherungsprozesses auf das Verhältnis Bosnien-Herzegowinas zu Serbien einerseits und zu Kroatien andererseits? [Thematische Fokussierung]
Falls Sie Punkte haben, die Sie in jedem Fall während der Debatte thematisieren möchten, lassen Sie mich diese bitte wissen, so dass ich das entsprechend einbeziehen kann. [Angebot] Bitte lassen Sie mir einen Lebenslauf zukommen, damit ich Sie den Teilnehmerinnen und Teilnehmern vorstellen kann. [Lebenslauf]
Ich freue mich darauf, Sie im August kennenzulernen, und grüße Sie freundlich aus Berlin.
Daraus erarbeitet der Moderator dann seinen Fragenkatalog. So kommt jeder zu Wort und kann sagen, was ihm wichtig ist (und weshalb er an der Diskussion teilnimmt). Für die Zuhörer im Publikum ist das wesentlich besser als eine Abfolge von vorgelesenen Stellungnahmen, da sie erst einmal über einen längeren Zeitraum Informationen speichern müssten, bevor sie einen Kontext herstellen können. Gelingt es Ihnen nicht, das Stellungnahmenformat zu verhindern, müssen Sie damit leben. Nach den Statements sind normalerweise ein bis zwei Runden Diskussion auf dem Podium vorgesehen, bevor das Publikum eingeladen wird, sich zu beteiligen. Für diese Runden müssen Sie aber Fragen vorbereitet haben. Es kann sein, dass diese sich aus den Beiträgen ergeben, manchmal ist das aber nicht so. Sie müssen auf jeden Fall für jeden Teilnehmer zwei Fragen vorbereitet haben. Mag sein, dass Sie gar nicht mehr dazu kommen, die zweite Fragerunde durchzuführen. Aber es ist besser, eine Frage vorbereitet zu haben und sie nicht zu stellen, als eine stellen zu müssen und nicht vorbereitet zu sein.
Sollten Sie das Stellungnahmenformat nicht verhindern können, sollten Sie sich bemühen, von den Referenten die Skripts vorher zu bekommen, damit Sie sich besser vorbereiten können. Zwar hören Sie auch zu, während die Sprecher reden, aber es gibt immer viele Ablenkungen, die Ihre Konzentration stören können. Da kommen beispielsweise noch Zuhörer und es gibt keine Sitzplätze mehr. Eine wichtige Persönlichkeit betritt den Raum, während die Diskussion schon läuft, und Sie überlegen, wie Sie sie begrüßen können. Der Lautsprecher schnarrt – und vieles mehr. Besser, man ist vorbereitet als dann ins Schleudern zu kommen. Sie sollten die Diskussion vorher in Ihrem Kopf einmal ablaufen lassen und daraus ein Drehbuch entwickeln. Dieses nutzen Sie für die oben beschriebene Ansprache der Diskussionsteilnehmer, aber auch, um die Diskussion zu steuern.
Der Moderator braucht also eine Vorbereitung und diese muss er schriftlich festhalten. Hier empfehlen sich DIN-A-5-Karten, und zwar quer. Das Format ist groß genug, dass man auch in größerer Schrift Informationen aufbringen kann, es ist klein genug, dass man auch damit hantieren kann, wenn für den Moderator und die Sprecher nicht so viel Platz zur Verfügung steht, wenn die Podiumstische schmal sind, wenn die Diskussionsteilnehmer eng sitzen oder wenn es für die Diskutanten überhaupt keinen Tisch gibt und sie beispielsweise auf Sesseln – manchmal Sesselchen – sitzen. Deshalb sind auch Karten wichtig: sie sind fest, klappen nicht um und können leicht sortiert werden. Bringen Sie auf einer Karte nur so viel Information unter, dass Sie sie auch bei schlechtem Licht gut lesen können. Ihr Blick auf die Karten muss beiläufig und nicht angestrengt sein. Sparen Sie nicht an Karten! Ob Sie fünf oder zehn oder 15 Karten in der Hand haben, ist völlig gleichgültig. Ob Sie diese leicht erfassen können oder mühsam entziffern müssen, ist es nicht. Ganz schlimm ist Handschrift, die Sie dann selbst nicht mehr lesen können. Sie sollten die Karten auch so gestalten, dass noch Platz ist, um im letzten Augenblick, während die Diskussion schon läuft, noch Ergänzungen aufschreiben zu können.
Die Karten sind eine Gedächtnisstütze. Wesentlich besser für die Diskussion ist natürlich, wenn Sie nichts ablesen, sondern die Daten und Fragen im Gedächtnis haben. Während andere sprechen, können Sie dann wieder durch einen Blick auf die Karten „nachtanken“.
Eine gute Vorbereitung einer Diskussion ist wichtig, Sie sollten sich aber nicht zum Sklaven der Vorbereitung machen. Man erlebt das oftmals bei Fernseh-Talkshows. Da werden Einspieler vorbereitet und egal, ob das dann passt oder nicht, werden sie abgespult. Dadurch wird die Diskussion aber nicht beflügelt, sondern häufig geknebelt.
Im Zweifelsfall läuft jede Diskussion, die Sie moderieren, anders als Sie sich das bei der Vorbereitung gedacht haben. Das ist auch nicht schlimm, es soll ja schließlich ein lebhaftes Gespräch unter engagierten Menschen stattfinden. Auch wenn die Diskussion vom Konzept abweicht, war die Vorbereitung jedoch nicht umsonst. Sie gibt Ihnen vielmehr die Sicherheit, den Gesprächsverlauf variieren zu können. Hierfür müssen Sie allerdings auch die nötige Offenheit mitbringen. Sie müssen bereit sein, von Ihrem Plan abzugehen, wenn die Diskussion sich anders entwickelt. Die Vorbereitung ist wie die Navigationsanlage im Auto. Sie sagt Ihnen, wie es gehen kann. Aber wie es wirklich läuft, welche Straße sie befahren – um im Bild zu bleiben –, das müssen Sie in der Situation flexibel entscheiden.
Gibt es Dinge, die nicht gesagt werden dürfen? Auch bei dieser Frage bestehen wieder mögliche Konflikte zwischen dem Anspruch der Offenheit und den tatsächlichen Gegebenheiten. Tatsächlich sind wir ja täglich in Situationen, in denen wir nicht sagen, was wir denken oder wissen. Niemand wird seine Kollegin mit dem Satz „Mensch, Sie sind aber dick geworden!“ begrüßen, selbst wenn ihm das als erstes auffällt, wenn er die Kollegin nach einiger Zeit wieder trifft. Auch bei Diskussionen kann es solche „no go-areas“ geben. Dabei kann es sich zum einen um vertrauliche Informationen handeln. Nehmen wir als Beispiel eine Diskussion mit Außenministern der Westbalkan-Staaten. Sie wissen aus ihrem Vorgespräch mit dem Auswärtigen Amt, dass die Bundesregierung eine neue Initiative vorbereitet, die jedoch noch nicht mit allen Partnern abgestimmt ist. Wenn Sie das als Journalist erführen, würden Sie darüber berichten. Als Moderator sollten sie dieses Wissen nicht verwenden und den Bundesaußenminister vor seinen Kollegen bloßstellen, indem Sie die Initiative ansprechen.
Auch sonst kann es Tabuthemen geben. Sie wissen, dass eine Sprecherin auf dem Podium sich demnächst verändert, zum Beispiel aus dem Bundestag in die Privatwirtschaft wechselt. Das ist aber noch nicht offiziell. Wenn Sie die Betroffene nun auf dem Podium darauf ansprechen, stellen Sie sie vor den Menschen bloß, die das noch nicht wissen, und entwerten unter Umständen ihre Aussagen während der Diskussion, da die Zuhörenden denken:
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