Читать книгу: «Voll fertig! Bin ich nur müde oder schon krank?»
Dr. med. Klaus Erpenbach Heike Schröder
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VAK Verlags GmbH
Eschbachstr. 5
79199 Kirchzarten
Deutschland
www.vakverlag.de
3. Auflage: 2018
© VAK Verlags GmbH, Kirchzarten bei Freiburg 2016
Abbildungen: siehe Bildquellenverzeichnis
Lektorat: Norbert Gehlen
Coverillustration und -design: Kathrin Steigerwald
Satz: Goar Engeländer (www.dametec.de)
Druck: Kern GmbH, Bexbach
Printed in Germany
ISBN: 978-3-86731-188-5 (Paperback)
ISBN: 978-3-95484-354-1 (ePub)
ISBN: 978-3-95484-355-8 (Kindle)
ISBN: 978-3-95484-356-5 (PDF)
Inhalt
Vorwort von Dr. Bodo Kuklinski
Einleitung
Voll fertig: Chronisch müde und erschöpft
Wenn nichts mehr geht
Wenn Müdigkeit chronisch wird
Syndrome: Chronische Müdigkeit und Burn-out
Warum unser Lebensstil uns fertigmacht
Vom Stress zur Multisystemerkrankung
Was bei Stress im Körper abläuft
Das natürliche Zusammenspiel von Stresshormonen und Neurotransmittern
Wie chronischer Stress auf die Hormone wirkt
Tatort Zelle
Die existenzielle Bedeutung der Mitochondrien
Wie die Mitochondrien Energie erzeugen
Wo produziert wird, entsteht auch Abfall
Wie chronischer Stress auf die Zellen wirkt
Wenn die Mitochondrien schlappmachen
Wie die Auswirkungen von Stress auf den Körper zu messen sind
Stressursachen und ihre Auswirkungen auf die Mitochondrien
Wenn Infekte chronisch werden – Chaos im Immunsystem
Killerzellen unseres Immunsystems
Chronische Infektionen erschöpfen die Mitochondrien
Wie chronische Infektionen aufgedeckt werden
Fallbeispiel: Multiple Sklerose durch Herpes-Zoster-Viren
Wie Gifte uns langfristig fertigmachen
Wenn die Wohnung uns krank macht
Wie wir uns gedankenlos selbst vergiften
Die tägliche Ration Gift – Pestizide in Obst und Gemüse
Fallbeispiel: Morbus Parkinson durch Pestizide
Gefährliche Weichmacher aus Kunststoffen
Wie toxische Metalle die Mitochondrien schädigen
Fallbeispiel: Colitis ulcerosa durch Amalgam
Wenn Elektrosmog auf die Nerven geht
Unerwünschte Nebenwirkungen von Strom und Funk
Wie Mobilfunk die Mitochondrien schädigt
Wie man strahlungsbedingte Radikalenbelastung reduzieren kann
Wenn Anomalien aus der Erde den Schlaf rauben – Geopathie
Geopathische Störzonen, die unsere Mitochondrien stressen
Wie eine instabile Halswirbelsäule krank macht
Was die Halswirbelsäule instabil macht
Warum ein HWS-Trauma die Mitochondrien schädigt
Die Therapie der instabilen Halswirbelsäule
Fallbeispiel: Chronische Müdigkeit durch Atlasinstabilität
Wenn die Hormone nicht mehr im Gleichgewicht sind
Wenn die Nebennieren schlappmachen
Fallbeispiel: „Fix und fertig“ durch Nebennierenschwäche
Wenn die Schilddrüse sich erschöpft
Wenn die Östrogene dominieren
Wie die Stoffwechselstörung HPU die Mitochondrien schwächt
Diagnose und Therapie der HPU
Fallbeispiel: HPU und Migräne
Wenn Medikamente die Mitochondrien schädigen
Mikronährstoff-Mangel zerstört Mitochondrien
Direkte Schädigung der Mitochondrien
Wie falsche Ernährung unsere Zellen erschöpft
Mikronährstoffe sind lebenswichtig
Die Mitochondrien unterstützen – mit Mikronährstoffen
Wenn die Mitochondrien sauer werden
Ernährungspower für die Mitochondrien
„Steinzeit-fit“ statt „Wohlstands-Fett“!
Die modifizierte LOGI-Methode – mitomolekulare Ernährung
Ergänzende therapeutische Maßnahmen
Die IHHT©-Methode – das mitochondriale Zelltraining
SANZA – die multifunktionale Therapiestation
Wie Bewegung zu mehr Energie führt
Wie Entspannung die Mitochondrien stärkt
Anhang
Rezepte
Leitfaden
Adressen
Literaturverzeichnis
Bildquellenverzeichnis
Über die Autoren
Hinweise des Verlags
Dieses Buch dient der Information über Gesundheitsvorsorge und Therapiemöglichkeiten bei chronischer Erschöpfung. Die hier vorgestellten Empfehlungen der Autoren haben sich in der Praxis als wirksam, sicher und hilfreich erwiesen. Wer sie umsetzt, tut dies in eigener Verantwortung. Weder die Autoren noch der Verlag haften für möglicherweise unvollständige, ungenaue oder fehlerhafte Informationen (die trotz aller Sorgfalt bei der Bearbeitung im Buch enthalten sein können), oder für Beschwerden und Schädigungen (welcher Art auch immer), die sich aus der Anwendung der im Buch beschriebenen Methoden ergeben könnten.
Die Autoren und der Verlag beabsichtigen hier auch nicht, konkrete persönliche Diagnosen zu stellen oder Therapieanleitungen zu geben. Die Informationen und Empfehlungen in diesem Buch sind nicht als Ersatz für professionelle medizinische oder naturheilkundliche Diagnose, Beratung und Therapie bei gesundheitlichen Problemen zu verstehen.
In den Fallbeispielen des Buches wurden Namen und andere Angaben so verändert, dass die Anonymität der tatsächlich Betroffenen gewahrt bleibt.
Aufgrund der Dynamik im Internet können Links, die im Buch erwähnt werden und die zum Zeitpunkt der Fertigstellung des Buches aktuell waren, nachträglich verändert oder nicht mehr zugänglich sein.
Vorwort
Die wissenschaftliche mitochondriale Grundlagenforschung häuft einen riesigen Berg an neuen Erkenntnissen an. Sie schreien förmlich nach Praxisanwendung. Nur wenige Ärzte lesen sie und von diesen nutzt nur ein Bruchteil sie in ihrer diagnostischen und therapeutischen Praxis. Die Praxisanwendung erfordert biochemische Kenntnisse. Der angehende Arzt hat diese in ihren Grundzügen zwar erlernt, aber in seinem Berufsleben längst vergessen. War doch die ärztliche Ausbildung darauf programmiert, Krankheiten zu erkennen und durch Medikamente zu behandeln. Jeder Arzt war für „sein“ Organ zuständig. Mit „Tunnelblick“ arbeitete er in seiner Fachdisziplin. Organübergreifend vorzugehen verbot außerdem die ärztliche Berufsordnung.
So behandelte der Arzt Symptome und Laborparameter als Surrogatmarker. Die auslösenden Ursachen schwelten weiter, weil sie außerhalb seines Blickfeldes lagen. Die Menschen wurden zwar älter, aber nicht, weil sie gesünder als früher waren, sondern länger krank sein können. Sie leiden heute an Multiorganerkrankungen, die mit immer mehr und immer teureren Medikamenten und mit Apparatemedizin behandelt werden. Die Kosten im Gesundheitswesen explodieren und werden zukünftig nicht mehr tragbar sein.
Chronische Multiorgankrankheiten werden mehrheitlich durch sekundäre mitochondriale Funktionsstörungen ausgelöst. Mitochondrien entscheiden über Leben und Tod einer Zelle, über die Wirksamkeit des Immunsystems, die Organfunktionen und die Gesundheitsstabilität. Gerade auf diesem Gebiet öffnen neue wissenschaftliche Erkenntnisse breite Türen zum Paradigmawechsel in der Medizin.
Mitochondrienschäden sind das Resultat unseres Lebensstils, unserer Ernährungsweise, sozialer Kontakte, beruflicher Belastungen, vieler Schadstoffe und physikalischer Einflüsse aus der Umwelt, chronischer Medikamenteneinnahme, körperlicher Aktivitäten und Unfälle, extremer körperlicher und psychischer Belastungen. Sie beeinflussen die Mitochondrienfunktion und die Epigenetik. All die Faktoren, die zu Zeitersparnis, besserer Kommunikation, Billigproduktion in der Landwirtschaft, Chemikalisierung in Haushalt und Körperpflege und Ähnlichem führen – einhergehend mit körperlicher Inaktivität –, haben einen Pferdefuß: Sie schädigen sukzessiv progredient die Mitochondrien. Deshalb wird es auch keine Wunderpille gegen all diese negativen Auswirkungen geben. Aber – es kann gegengesteuert werden.
In der Hochschulmedizin bleiben die Mitochondrien bis heute unbeachtet. Sie sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht und ist fixiert auf evidenzbasierte Therapien, die quasi-juristische Festnagelung des Arztes, kassenkontrolliert Medikamente einzusetzen, die auch wiederum Mitochondrien schädigen können. Impulse gehen von der Hochschulmedizin als Meinungsbildner nicht aus. Diese Fehlentwicklung zeigt sich in den Inhalten der obligaten Weiterbildung für Ärzte.
Wenn neues Wissen leidgeprüfte Menschen nicht von selbst erreicht, muss es dem medizinischen Laien verständlich angeboten werden. Als mündige Person erhält er dann das Werkzeug zur Selbsthilfe. Schließlich hat jeder ein Recht auf Lebensqualität. Damit fordert er auch seine betreuenden Ärzte zum Umdenken und zum Informieren heraus, waren und sind doch deren Argumente oft: „Nicht mein Gebiet …“, „hab ich nicht gelernt …“, „mir fehlt die Zeit …“, „die Kassen zahlen dafür ohnehin nicht …“ Der Prozess des Umdenkens wird dauern, aber Wahrheit ist auf Dauer nicht zu verheimlichen und „Klasse“ setzt sich immer durch.
Diesem hehren Ziel dient das Buch von Dr. Erpenbach und Frau Schröder. Es belegt auch die naturwissenschaftliche Basis der mitochondrialen Medizin. Sie ist keine komplementäre oder adjuvante Therapie; kausale und multimodale Voraussetzungen einer effizienten Therapie sind vielmehr die Beachtung des ärztlichen Gesprächs, die Wiederaneignung biochemischer Kenntnisse und die Beherrschung der breiten Klaviatur der Mikronährstoff-Indikationen. Gerade Letztere werden bis heute immer wieder in Massenmedien verteufelt.
Viele Volkskrankheiten wie chronische Erschöpfung, chronisches Müdigkeitssyndrom, Fibromyalgie, Burn-out und Depression, Diabetes mellitus, metabolisches Syndrom, Glaukom, Mb. Parkinson, Demenz, Krebs, Migräne, praktisch alle Multiorganerkrankungen sind heute schon als mitochondriale Erkrankungen identifiziert. Das vorliegende Buch öffnet den noch engen Türspalt der mitochondrialen Medizin weiter in die anstehende Ära einer neuen Medizin – die Zeit ist überreif. Das Buch sei allen Heilberuflern, Ärzten und Patienten empfohlen, die eine Stabilisierung ihrer Gesundheit und bessere Lebensqualität anstreben.
Doz. Dr. sc. med. Bodo Kuklinski
(Facharzt für Innere Medizin,
Rostock, Oktober 2015)
Einleitung
„Ärzte schütten Medikamente, von denen sie wenig wissen, zur Heilung von Krankheiten, von denen sie weniger wissen, in Menschen, von denen sie nichts wissen. Das Geheimnis der Medizin besteht darin, den Patienten abzulenken, während die Natur sich selbst hilft.“
Francois-Marie Arouet de Voltaire
Während ich (Dr. K. E.) vor 20 Jahren vornehmlich Akuterkrankungen wie Gicht oder bakterielle Infekte behandelt habe, sehe ich heute – wie viele meiner Kolleginnen und Kollegen auch – in der Praxis überwiegend Patienten mit chronischen Erkrankungen wie Rheuma, Diabetes, Parkinson oder Krebs. Immer häufiger beobachte ich dabei, dass die Betroffenen „voll fertig“ sind. Sie klagen vornehmlich über Müdigkeit oder Erschöpfung, die schon länger als 3 Monate besteht und auch durch ausreichenden Schlaf und Erholung nicht beseitigt werden kann.
Viele dieser Patienten haben weitere Begleitsymptome wie Konzentrationsmängel, Schmerzen, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen, Reizdarmsymptome oder Unverträglichkeiten, die nur schwer nachweisbar sind. Fehlende Nachweisbarkeit und Chronizität der Beschwerden führen in der Schulmedizin sehr schnell zur Einordnung in die Schublade „psychisch bedingt“ oder „psychosomatisch“. Der Leidensweg beginnt und die Betroffenen erleben über Jahre, teilweise Jahrzehnte eine Odyssee von Besuchen bei Ärzten verschiedener Fachrichtungen, die immer wieder zum gleichen Ergebnis kommen: psychisch bedingt (= „alles Einbildung“?). Ich stellte mir die Frage: Können wirklich so viele Menschen eingebildete Kranke sein? Heute weiß ich: Nein!
Durch gezielte ganzheitliche Anamnese und eine spezifische Muskeldiagnostik an den Energieleitbahnen der chinesischen Medizin fand ich bei diesen Patienten Auslöser der Erkrankungen – und konnte sie auch mit schulmedizinisch anerkannten Methoden beweisen. Diese Auslöser schwächen überall in unserem Körper die „Kraftwerke“ der Zellen (die Mitochondrien) oder schalten sie sogar aus, was letztlich alle genannten Symptome verursacht und erklärt. Das ist wie beim Motor eines Autos, der nicht mehr läuft und arbeiten kann, weil die Batterie nicht funktioniert und keinen Zündfunken produziert. Hierbei kann die Batterie von äußeren Einflüssen (Kabelbruch durch Marderbiss) oder durch chemische Prozesse in der Batterie selbst lahmgelegt werden. Der Motor ist „voll fertig“, das Auto bleibt stehen.
Zufriedene, symptomfreie Patienten haben mich immer wieder aufgefordert, meine Kenntnisse zu veröffentlichen und vor allem Lösungswege und Ernährungstipps sowie Rezepte aufzuschreiben, da sie in Buchhandlungen nichts zu diesem Thema finden konnten. Das war für mich der Anstoß, zusammen mit meiner baubiologischen Beraterin Heike Schröder, die im Rahmen ihrer baubiologischen Testungen bei ihren Kunden auch immer wieder die gleichen Beschwerden geschildert bekam, dieses Buch zu verfassen. Unser Ziel ist es, aufzuklären, dass hinter jeder Müdigkeit – hinter jedem „Voll fertig!“ – ein Auslöser steckt, der in 95 % der Fälle schulmedizinisch nachgewiesen werden kann und mit den modernen Behandlungsmöglichkeiten der mitochondrialen Medizin und der Naturheilmedizin (in Kombination mit der Schulmedizin) beseitigt werden kann.
Wir möchten Sie als Betroffene auf diesem Wege motivieren, die Hintergründe für Ihren Zustand oder Ihre chronischen Beschwerden zu erfahren, Ihre Erkrankung in Hinblick auf Entstehung und mögliche Therapie zu verstehen und geeignete Therapeuten zu suchen, die Sie mit den Mitteln der mitochondrialen Medizin behandeln und Ihre Gesundheit wieder voll herstellen.
Dr. Klaus Erpenbach & Heike Schröder
Voll fertig:
Chronisch müde und erschöpft
Kennen Sie das?: Mittags lässt die Energie rasend schnell nach. Abends kommen Sie erschöpft nach Hause, zu schlapp, um sich einen Salat zuzubereiten oder Fisch, Fleisch und Gemüse. Schnell ein oder zwei Brote oder besser noch Pizza bestellen … Dazu bei Alkohol und Fernsehen auf der Couch liegen, um „runterzukommen“. Schon vor 22 Uhr völlig fertig ins Bett fallen, aber trotzdem lange brauchen, um einzuschlafen. Aber in der Nacht drei oder vier Mal wach werden und morgens gerädert wieder aufstehen. Der Tag beginnt, wie jeden Morgen, mit erheblichen Anlaufschwierigkeiten. Sie haben das Gefühl, Ihr Akku wird immer leerer.

Wenn nichts mehr geht
Sie sind kein Einzelfall. Für mindestens 300 000 Menschen in Deutschland ist dieses Gefühl, „völlig fertig“ zu sein, ein quälender Dauerzustand. (Noelle-Neumann u. Köcher 1997. Siehe Literaturverzeichnis!) Das Bundesgesundheitsministerium schätzt die Zahl sogar auf mehr als 1 Million! Egal, wen man fragt: Jeder war schon einmal über einen längeren Zeitraum hinweg ständig müde, schlapp und erschöpft. Und für viele hört dieser Zustand gar nicht mehr auf.
Die Arztpraxen sind voll mit Patienten, die neben anderen Symptomen über ihre ständige Müdigkeit und Abgeschlagenheit klagen. Begriffe wie „Burn-out-Syndrom“ und „chronisches Müdigkeits-Syndrom“ wurden geprägt und sind in den Medien dauerhafter Gesprächsstoff geworden.
Testen Sie sich einmal selbst. Beantworten Sie die nachfolgenden Fragen und prüfen Sie, ob Sie gefährdet sind oder sogar schon im Burn-out stecken:
| Selbsttest | Ja | Nein |
| Haben Sie bisher ohne Pause (auch an Wochenenden und im Urlaub) gearbeitet? | ☐ | ☐ |
| Haben Sie auf Erholung am Abend und/oder an Wochenenden verzichtet? | ☐ | ☐ |
| Haben Sie auf Entspannung am Abend und/oder an Wochenenden verzichtet? | ☐ | ☐ |
| Waren oder sind Sie hyperaktiv? | ☐ | ☐ |
| Haben Sie eigene Bedürfnisse missachtet? | ☐ | ☐ |
| Haben Sie Misserfolge verdrängt? | ☐ | ☐ |
| Haben Sie soziale Kontakte eingeschränkt? | ☐ | ☐ |
| Sind Sie dauernd müde oder erschöpft? | ☐ | ☐ |
| Suchen Sie Ablenkung oder Entspannung mit Alkohol? | ☐ | ☐ |
| Suchen Sie Ablenkung und Trost mit Rauchen und/oder Essen? | ☐ | ☐ |
| Suchen Sie Ablenkung oder Trost mit Computer / Internet? | ☐ | ☐ |
| Haben oder hatten Sie Stress? | ☐ | ☐ |
| Haben oder hatten Sie Konzentrations- oder Merkfähigkeitsstörungen? | ☐ | ☐ |
| Leiden oder litten Sie an Schlafstörungen oder Albträumen? | ☐ | ☐ |
| Haben oder hatten Sie Angstzustände oder Depressionen? | ☐ | ☐ |
| Haben oder hatten Sie Schwindel oder Drehschwindel? | ☐ | ☐ |
| Leiden oder litten Sie an kalten Händen und/oder Füßen? | ☐ | ☐ |
| Leiden oder litten Sie an Magenschmerzen oder Sodbrennen? | ☐ | ☐ |
| Leiden Sie an Blähungen oder gespanntem Bauch (= Trommelbauch)? | ☐ | ☐ |
| Leiden Sie an Durchfall oder Verstopfung? | ☐ | ☐ |
| Haben oder hatten Sie Muskelschmerzen oder Muskelverletzungen? | ☐ | ☐ |
| Haben oder hatten Sie Gelenkschmerzen? | ☐ | ☐ |
| Haben oder hatten Sie Migräne, Kopf- oder Rückenschmerzen? | ☐ | ☐ |
| Hatten Sie eine Gehirnerschütterung? | ☐ | ☐ |
| Hatten Sie schon einmal ein Kopf- oder Nacken-Anprall-Trauma? | ☐ | ☐ |
| Schwitzen Sie nachts? | ☐ | ☐ |
| Haben oder hatten Sie Heißhungerattacken? | ☐ | ☐ |
| Leiden oder litten Sie an Heuschnupfen oder Asthma bronchiale? | ☐ | ☐ |
| Leiden oder litten Sie an Nahrungsmittelallergien? | ☐ | ☐ |
| Leiden oder litten Sie an Hautproblemen (Akne, Ekzem)? | ☐ | ☐ |
| Reagieren Sie auf Modeschmuck (mit Juckreiz, Ekzem)? | ☐ | ☐ |
| Ist bei Ihnen ein Diabetes mellitus (Zuckererkrankung) bekannt? | ☐ | ☐ |
| Sind Sie infektanfällig? | ☐ | ☐ |
Auswertung
a) Haben Sie mindestens 50 % der Fragen 1 bis 12 mit Ja beantwortet, so stecken Sie in einem Stresssyndrom und Ihnen kann ein Burn-out drohen.
b) Haben Sie mindestens 50 % der Fragen 1 bis 12 und von den Fragen 8, 13 bis 23 und 33 insgesamt 5 mit Ja beantwortet, so erfüllen Sie bereits alle Kriterien eines chronischen Müdigkeitssyndroms nach Holmes. (Holmes 1988)
c) Haben Sie b) erfüllt und die Fragen 16, 24 oder 25 mit Ja beantwortet, so kann ein Kopf-Genick-Gelenks-Problem der Auslöser sein (siehe Seite 113).
d) Haben Sie die Fragen 8, 12, 15 und 33 mit Ja beantwortet und sind familiär mit Stimmungsschwankungen, Depressionen oder Angststörungen belastet, so sollten Sie eine Hämopyrrollaktamurie ausschließen lassen (siehe Seite 136).
e) Haben Sie b) erfüllt und zusätzlich die Frage 33 mit Ja beantwortet, so kann bei Ihnen ein chronisch aktiver Infekt vorliegen, den Sie ausschließen lassen sollten (siehe Seite 54).
f) Haben Sie b) erfüllt und zusätzlich die Fragen 27 bis 31 mit Ja beantwortet, so kann ein multiples chemisches Syndrom (MCS) vorliegen oder ein Umwelt- bzw. Schwermetall-Zahngift Sie belasten (siehe Seite 66 ff.).
g) Haben Sie b) erfüllt und zusätzlich die Frage 14 oder 15, 21 oder 22 sowie 26 mit Ja beantwortet, so kann bei Ihnen eine hormonelle Entgleisung vorliegen (siehe Seite 124).
h) Haben Sie b) erfüllt und zusätzlich die Fragen 18, 19 und/oder 20 mit Ja beantwortet, so kann eine Gluten- oder Laktose- oder Histaminintoleranz vorliegen (siehe Seite 164 ff.).
Bitte markieren Sie im Folgenden jeweils den Bereich, der der Stärke Ihrer Beschwerden im Durchschnitt der letzten vier Wochen entspricht:

Bei einer durchschnittlichen Belastungsstärke von 5 aufwärts brauchen Sie medizinische Hilfe!
Entwickelt sich hier ein neues Problem unserer Zeit? – Wenn man die von 2004 bis 2012 signifikant angestiegene Anzahl an Krankheitstagen durch Müdigkeit und Erschöpfung betrachtet, so mag man das schnell glauben. Und die Tendenz ist weiter steigend. (Siehe Abbildung)

© BKK Dachverband e. V. Quelle: siehe Bildquellenverzeichnis.
Abdruck mit freundlicher Genehmigung.
Chronische Müdigkeit und Burn-out nehmen an Häufigkeit ständig zu. (Kersten 2011) Dennoch steht die Schulmedizin dieser Entwicklung eher ratlos gegenüber und scheint keine dauerhaft wirksamen Therapien anbieten zu können. Angesichts dieser alarmierenden Zahlen ist es daher unabdingbar, dass man sich diesem Thema auf neuen therapeutischen Wegen nähert.
Wenn Müdigkeit chronisch wird
Die normale, gesunde Müdigkeit des Körpers lässt sich durch ausreichend Schlaf und Erholung beheben. Wenn man nach einer durchzechten Nacht morgens müde ins Bett fällt, ist man in der Regel nach ein paar Stunden Schlaf wieder fit. Auch nach einer längeren stressigen Phase körperlicher und geistiger Belastung kann die auftretende Erschöpfung durch eine ausgleichende Phase der Erholung behoben werden.
Wenn die Müdigkeit aber Wochen oder Monate andauert und nicht durch Schlaf behoben werden kann, wird die Erschöpfung zu einem belastenden, chronischen Dauerzustand. So war es beispielsweise bei der Studentin Julia, die sich seit ihrer Examensvorbereitung nun schon 6 Monate zutiefst erschöpft fühlte und sowohl körperlich als auch geistig völlig ausgelaugt und kraftlos war. Sie lebte immer eingeschränkter, schaffte ihre Alltagsaufgaben nicht mehr, wurde immer mutloser und endete schließlich trotz bestandenem Examen in einer Depression. Auch stundenlanger Schlaf brachte ihr keine Erholung mehr. Die Erschöpfung war noch von weiteren Symptomen begleitet: unerklärliche Muskel- oder Gelenkschmerzen und Spannungskopfschmerzen. Ein typisches Beispiel, wie die Literatur bestätigt. (AWMF-Register 2011)
Freunde und Kollegen hielten immer mehr Abstand von Julia, denn ihnen fehlte das Verständnis für diese chronische Müdigkeit. Außenstehende können sich nur schwer in die Beschwerden einfühlen und verstehen nicht, dass diese total erschöpften Menschen zur Regeneration unfähig sind. Gut gemeinte Ratschläge wie „Mach doch einfach mal Urlaub!“ oder „Schlaf dich mal richtig aus!“ zogen Julia neben ihrer erheblich reduzierten Lebensqualität auch emotional nur noch tiefer herunter, weil sie in solchen Momenten mitbekam, dass die anderen das Problem nicht verstanden oder – noch schlimmer – glaubten, Julia simuliere nur.
Syndrome: Chronische Müdigkeit und Burn-out
Diese beiden Syndrome sind in ihrer Symptomatik mit der im Vordergrund stehenden völligen Erschöpfung und Ermüdung sehr ähnlich, obwohl sie unterschiedliche Auslösefaktoren haben. Ihre Leitsymptome sind die folgenden (vgl. Fukuda u.a. 1994):
• Müdigkeit und Erschöpfung
• Schlafstörungen und fehlende Erholung im Schlaf
• Merkfähigkeit- und Konzentrationsstörungen
• Angst/Panik, den Anforderungen nicht mehr gewachsen zu sein
• Stimmungsschwankungen, Depressionen, Sorgen
• Sozialer Rückzug
• Ablenkung durch Rauchen oder Essen oder Alkohol oder Internet
• Chronische aktive oder wiederkehrende Infekte
• Chronische Schmerzen an Muskeln und Gelenken
• Körperliche Beschwerden: Rückenschmerzen, Verspannungen, Verdauungsprobleme, Magenschmerzen, Sodbrennen, Herz-Kreislauf-Probleme
• Kopf-Genick-Unfälle mit Kopf-Nacken-Schmerzen und Schwindel
• Unterzuckerung mit Heißhungerattacken
• Störungen des Hormonhaushalts
Während das chronische Müdigkeitssyndrom relativ abrupt durch kurzfristig einwirkende Stressoren ausgelöst werden kann (vgl. Royal Colleges of Physicians PaGP 1997), entsteht das Burn-out-Syndrom in langjähriger Entwicklung vor allem durch eine Überforderung des Einzelnen vor dem Hintergrund spezifischer Persönlichkeitsmerkmale. (Skapinakis u.a. 2004) Den Boden dafür bietet eine Gesellschaft, in der die Hälfte der Beschäftigten unter permanentem Zeit- und Leistungsdruck steht, viele davon sogar an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit. Das chronische Müdigkeits-Syndrom ist mittlerweile als Krankheit bestätigt, doch das Burn-out-Syndrom gilt im ICD-10 (= Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme) immer noch als Problem der Lebensbewältigung und wird nicht als Krankheit anerkannt. (AWMF-Register 2011)
Viele sehen Burn-out als Modekrankheit, die mittlerweile jeder für sich in Anspruch nimmt, der stressige Phasen zu überstehen hat. Immerhin gilt Burn-out in gewisser Weise als „gehobener Defekt“, denn wer ausgebrannt ist, muss zuvor mit Ehrgeiz, Idealismus und Perfektionismus in Flammen gestanden haben. Dabei handelt es sich um eine schwerwiegende chronische Erkrankung, die seit Jahren von der Medizin unterschätzt wird.
Es ist tatsächlich nicht einfach, eine Krankheit zu verstehen, die sich chronisch-schleichend entwickelt und so viele unterschiedliche Ausprägungen zeigen kann. Erste Symptome werden von den Betroffenen lange Zeit nicht wahrgenommen oder sogar verdrängt, Erschöpfung wird ignoriert oder heruntergespielt. Es ist ein sehr komplexes und facettenreiches Leidensbild, das die gesamten eigenen Kraftreserven aufbraucht, bis nichts mehr geht, bis es zu einer totalen Erschöpfung auf körperlicher Ebene mit gleichzeitig bestehenden psychischen Problemen kommt. (AWMF-Register 2011)
Gefährdet sind Menschen, die mit hohem Engagement ihre Aufgaben bewältigen, denen aber Erfolg und Anerkennung auf längere Zeit hin versagt bleiben. Oder Menschen in sozialen Berufen wie Krankenschwestern, Altenpfleger, Ärzte, Lehrer, Seelsorger und pflegende Angehörige, die sich für andere über Jahre hinweg aufopfern. Auch Schüler, Hausfrauen, Arbeitslose oder Rentner können betroffen sein. Auffällig ist, dass immer mehr Jugendliche an Erschöpfungssymptomen leiden. Junge Menschen im allerbesten Alter leben – statt sich des blühenden Lebens zu erfreuen – immer eingeschränkter, schaffen durch den andauernden Stress in der Schule und im Studium ihre Alltagsaufgaben nicht mehr, werden mutlos, bekommen depressive Züge und die Freunde distanzieren sich. Falsche, stark kohlenhydratlastige Ernährung, ihre Pubertät, mangelnde Anerkennung, Konkurrenzdenken, Mobbing und private Probleme führen zusätzlich zu Müdigkeit, Leistungsabfall und Gereiztheit, bis irgendwann Seele und Körper streiken und nichts mehr geht. Gefährdet sind aber auch Menschen mit immer wiederkehrenden oder chronischen Infekten, Gift- oder Kopf-Genick-Gelenks-Belastungen, autoaggressiven Erkrankungen (wie Rheuma) oder Tumorerkrankungen. (AWMF-Register 2011)
H. Freudenberger definiert Burn-out als Energieverschleiß, als Erschöpfung aufgrund von Überforderung, die von innen oder von außen – durch Familie, Arbeit, Freunde, Liebhaber, Wertesysteme oder die Gesellschaft – kommen kann und einer Person Energie, Bewältigungsmechanismen und innere Kraft raubt. Burn-out ist ein Gefühlszustand, der begleitet ist von übermäßigem Stress und der schließlich persönliche Motivationen, Einstellungen und Verhalten beeinträchtigt. (Freudenberger 1994, S. 24) Warum lässt ein gesunder Körper das zu? Weil überschießende Stresshormone zu Fehlfunktionen in den Energiekraftwerken der Zellen, den Mitochondrien, führen, wie wir später noch ausführen werden.
Die neuesten Ergebnisse aus der Hirnstressforschung und der mitochondrialen Medizin (Natelson u.a. 2005) geben Aufschluss darüber, dass Burn-out und chronisches Müdigkeitssyndrom ernst zu nehmende, chronische Erkrankungen des Körpers sind, die die „neuro-endokrino-immuno-molekulare Achse“ in uns erheblich verändern. Zur Erklärung:
– neuro = das Gehirn und seinen Stoffwechsel betreffend
– endokrino = den Hormonstoffwechsel betreffend
– immuno = das Immunsystem betreffend
– molekular = die Zellen und Mitochondrien betreffend
Diese Achse kann durch externe Faktoren beeinflusst werden:
• Dauerhafter psychischer Stress und körperliche Überlastung
• Umweltgifte (Metalle, Pestizide, Lösungsmittel)
• Chemische Zusatzstoffe in Lebensmitteln
• Künstliche Strahlung (insbesondere Funkstrahlung)
• Entzündliche Belastung durch Viren, Pilze oder Bakterien
• Falsche Ernährung (Fastfood mit hohem Kohlehydratanteil)
• Körperliche Überlastung (Leistungssport)
• Verletzungen und Instabilitäten im Kopf-Genick-Gelenk
Warum unser Lebensstil uns fertigmacht
Chronische Müdigkeit und Erschöpfung gilt derzeit als eine Zivilisationskrankheit, die wir als negatives Resultat der modernen Lebensformen vor allem in den westlichen Industrienationen auffassen. Unsere Umwelt und unser „Lifestyle“ haben sich drastisch verändert: Terminstress im Privaten wie im Beruf; Ernährung ist Nebensache, nur noch Fastfood – keine gesunde Ernährung mehr; Vorrang für Medienkonsum und soziale Medien, in der Freizeit lieber „chillen“ (entspannen, faul sein) – keine Bewegung, kein Sport; Leben in Ballungsgebieten mit massiver Umweltbelastung durch Toxine und Strahlungen (Smartphone, WLAN etc.). Die Hauptklage solcher Menschen: chronische Erschöpfung. Diese fundamental veränderte Lebensweise bedeutet extremen Stress für den Organismus.
Viele Patienten haben uns ihre Belastungen geschildert – wir könnten die gravierenden Probleme selbst nicht besser darstellen:
„Ich erlebte massive Konkurrenz in Unternehmen, beschleunigte Arbeitsabläufe und permanente Veränderungsprozesse waren die Regel in meinem beruflichen Leben: Das überforderte mich und meine Mitarbeiter gleichermaßen und setzte uns immens unter Stress.“
Dieser Stress führte zu einer permanenten Ausschüttung aller Stresshormone. Welche Auswirkungen das auf unsere Zellen hat, lesen Sie im nächsten Kapitel.
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„Wachsende schulische und später auch berufliche Belastung sowie permanenter Freizeitstress waren meine täglichen Begleiter.“
Viele sind heute der Meinung, dass Stress „in“ sei, denn alle haben ständig ihre Zeit verplant und werden an ihren Leistungen gemessen. In der Freizeit wird auf dem gleichen Level weitergemacht wie im Job, ein Termin hetzt den anderen, jede Minute ist verplant.
„So konnte ich nicht mehr abschalten oder mich erholen. Auch bei meiner Schwester (6 Jahre) erlebte ich immer mehr Freizeitstress, unter dem sie zu leiden begann. Sie lernte bereits im Kindergarten Fremdsprachen, ging in ihrer Freizeit Hobbys nach, lernte verschiedene Musikinstrumente oder machte täglich Sport. Ihr Leistungspensum in der Schule stieg, nach den Hausaufgaben stand sie unter Zeitdruck, da jede freie Minute ausgefüllt sein musste. Zeit für Erholung und Entspannung hatte sie genauso wenig wie ich.“
Auch hier erlebten beide eine Dauerausschüttung ihrer Stresshormone.
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„Ich war ein intensiver Nutzer aller möglichen mobilen Kommunikationsmittel wie Smartphone, IPad etc. Ich war ständig künstlicher Strahlung (insbesondere Funkstrahlung) ausgesetzt und massiv reizüberflutet. Ich ging mit dem Smartphone ins Bett und stand mit ihm auch wieder auf. Nachts konnte ich nicht schlafen und tagsüber fühlte ich mich andauernd gestresst und müde.“
Wir erfahren heute eine extreme Zunahme künstlicher Strahlung (insbesondere Funkstrahlung) und Reizüberflutung durch exzessive Nutzung moderner Kommunikationsmedien. Niemals zuvor waren wir so starker künstlicher Strahlung ausgesetzt wie heute: Wir stecken in einem immer dichter werdenden Netz elektromagnetischer Schwingungen und elektrischer sowie magnetischer Felder und Wellen. Immer mehr Ärzte und Wissenschaftler weisen auf den Zusammenhang zwischen immunologischer Überforderung und Elektrosmog hin. Insbesondere die elektromagnetischen Felder von Bahnstrom, Trafostationen, Hochspannungsleitungen und manchen elektrischen Geräten oder die dauerhaft strahlenden Funktechniken im Haus wie WLAN und DECT-Schnurlostelefone sind es, die das Immunsystem belasten und zusätzlichen Stress – Dauerstress – bedeuten. Regeneration durch einen ruhigen Schlaf wird immer weniger möglich. Auch hier entstehen negative Auswirkungen auf die Ausschüttung der Stresshormone und damit auf die Zellen.
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„Nach der Lektüre Ihrer Informationsbroschüre habe ich einmal auf meine Lebensmittel geachtet: Ich bin erschrocken, wie viele Chemikalien in der Nahrungskette enthalten sind. Ich habe mich daraufhin komplett auf frische, biologisch wertvolle Produkte umgestellt und erlebte schnell einen Anstieg meiner Energie.“
Mit jedem Glied der Nahrungskette nimmt die Konzentration der Chemikalien zu. Damit haben die Lebewesen am Ende der Nahrungskette immer die schlechtesten Karten: Die Kuh frisst gespritztes Gras, wir essen das Fleisch der Kuh oder trinken ihre Milch. Die Meere sind mit Chemikalien belastet, das von Plankton aufgenommen wird – Wirbellose fressen das Plankton – kleine Fische fressen die Wirbellosen – große Fische fressen kleine Fische – wir essen die großen Fische. Die größten und fettesten Fische wie Thunfisch und Schwertfisch haben daher den höchsten Gehalt an Quecksilber, polychlorierten Biphenylen (PCB) und anderen Dioxinen. Täglich nehmen wir so Chemikalien auf, die sich in den Tieren angesammelt haben.
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„Ich habe auf Ihren Rat hin einmal die Zutatenliste meiner Lebensmittel gelesen. Ich bin entsetzt, wie viele chemische Zusatzstoffe ich zu mir nehme: Geschmacksverstärker, Aromastoffe, Farb- und Konservierungsstoffe, Gelier- und Verdickungsmittel, Emulgatoren, Trenn- und Süßungsmittel sowie Zuckerersatzstoffe.“
Mehr als 300 chemische Zusatzstoffe für Lebensmittel sind in der EU zugelassen und werden in der Lebensmittelindustrie ständig verwendet, um die Produkte haltbarer, schmackhafter, cremiger oder farbiger zu machen. Bei fast der Hälfte raten Verbraucherschützer vom häufigen Verzehr ab, andere halten sie grundsätzlich für bedenklich – darunter auch Farbstoffe in Süßigkeiten für Kinder.
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„Sind Gifte in Alltags- und Wohnraumchemikalien für mich gefährlich und ursächlich für meine Müdigkeit?“
Unser modernes Leben ist geprägt von einer Masse an toxischen Chemikalien, mit denen wir ständig in Kontakt kommen. Egal, ob Plastikflaschen, Deos oder Shampoos, Kosmetik, Kleidung, Putz- und Waschmittel, sie alle können gesundheitsschädliche Chemikalien (Bisphenole, Aluminium, Tenside etc.) enthalten, die uns allmählich vergiften. Auch Möbel können krank machen. Viele Menschen reagieren auf die jahrelangen Ausdünstungen von Teppichen, Polstergarnituren oder Lacken, Fußbodenbelägen (Formaldehyde) und Baumaterialien. Typische erste Symptome einer Vergiftung sind Kopfschmerzen, Konzentrationsprobleme und Müdigkeit.
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„Ich lebe in einer Stadt, in der sehr häufig Smog herrscht und wo in langen Smogphasen die Luft hochgradig belastet ist, sodass ich massive Luftnot bekomme und dann für Tage extrem müde bin.“
Nach dem jüngsten Report der Europäischen Umweltagentur (EEA) leiden mehr als 95 % aller Stadtbewohner in der EU zumindest zeitweise unter zu hoher Luftverschmutzung. Nach dem Report ist sie die Ursache für 458 000 Todesfälle pro Jahr. (EEA 2014) Die belastete Luft macht uns nicht nur müde, sondern kann auch der Grund für chronische Lungenerkrankungen sein.
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„Ich habe wenig auf meine Ernährung geachtet: Sandwiches, Hamburger, Döner, Pizza, Pommes frites und Co. waren stets auf meinem Speiseplan. Ein bis zwei Stunden nach dem Essen erlebte ich immer einen drastischen Energieverlust mit einer erheblichen Müdigkeit. Ich konnte mich nicht mehr konzentrieren, schlief manchmal sogar am Arbeitsplatz ein, hatte massive Blähungen und wurde immer dicker. Nachts wurde ich mehrfach wach und schwitzte stark. Seitdem ich mich nach der modifizierten LOGI-Kost ernähre, sind alle diese Probleme Vergangenheit.“
Die Ernährung ist heute bei vielen auf Fastfood beschränkt. Das Angebot ist groß, Fastfood ist an jeder Ecke billig und schnell zu bekommen. Und das trägt dazu bei, dass viele Menschen im Alltagsstress häufig in Schnellrestaurants essen. Die zu vielen Kohlehydrate, gesättigten Fette und dadurch zu vielen Kalorien und Vitalstoffverluste machen Fastfood allerdings zu einem sehr ungesunden und gefährlichen Vergnügen. Abgesehen davon, dass der Bauchumfang wächst, machen sich Müdigkeit und Antriebslosigkeit breit, da der Organismus mit der Verwertung der Nahrung lange beschäftigt ist, ohne dass er aus ihr genügend Energie erhält, um sich wach und fit zu halten.
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„Ich habe eine Blutbestimmung meiner Vitamine und Spurenelemente durchführen lassen und war erstaunt: Obwohl ich meinte, mich immer gesund zu ernähren, und obwohl viel Obst und Gemüse auf meinem Speiseplan stand, hatte ich Mangel an Vitamin D, Vitamin B1-B2-B12, Folsäure, Q10, Kupfer und Selen! Seitdem ich diese Defizite ausgleiche, habe ich keine Schlafstörungen und keine Müdigkeit mehr, wache morgens mit viel Energie auf und kann mein tägliches Arbeitspensum problemlos erfüllen und habe noch genügend Kraft für meinen abendlichen Sport, genial!“
Nähr- und Vitalstoff-Mangelzustände (Vitamine, Mineralien, Spurenelemente) sind heute die Regel. Auch wenn man sich vermeintlich gesund ernährt – die Qualität unserer Lebensmittel hat extrem nachgelassen. Niemals zuvor waren die Nährstoffverluste der Nahrung durch ausgelaugte Böden und Überdüngung, durch lange Transportwege, lange Lagerzeiten, Konservierung und unsachgemäße Zubereitung so groß wie heute.
Vom Stress zur Multisystemerkrankung
Wenn man an Stress denkt, ist damit meistens ein negatives Gefühl verbunden. Stress kann aber durchaus auch positiv sein, nämlich dann, wenn er uns fordert, den Organismus beansprucht, aber ihm nicht schadet. Positiver Stress (Eustress) erhöht die Aufmerksamkeit, motiviert und steigert Leistungsfähigkeit und Produktivität – wenn Aufgaben erfolgreich gelöst werden; wenn man zum Beispiel an einem Projekt maßgeblich mitarbeitet und bis zum Fertigstellungstermin unter Zeitdruck steht, aber sicher ist, dass das Endergebnis ein Erfolg wird.
Stress wird erst dann als negativ empfunden, wenn er häufig oder dauerhaft auftritt und körperlich oder psychisch nicht kompensiert werden kann. In diesem Fall wird die Situation als bedrohlich oder unangenehm gewertet; es dominiert das Gefühl, der Aufgabe nicht gewachsen zu sein. Negativer Stress (Disstress) schadet schließlich dem Organismus – wenn man beispielsweise einmal wieder dermaßen unter Zeitdruck steht, dass man sich Arbeit am Wochenende mit nach Hause nehmen muss, weil man sie sonst nicht schafft. Diese Arbeit ist unbefriedigend, muss aber erledigt werden. Dazu kommt, dass man sich nicht um die Familie kümmern kann und ein schlechtes Gewissen hat. Und man zweifelt an sich selbst: „Bin ich vielleicht zu langsam, dass ich die Arbeit nicht in der Firma schaffe? Bin ich nicht gut genug?“

Psychischer Stress ist rein subjektiv, dabei kommt es auf die Einschätzung des Einzelnen an. Eine Anforderung wird in Sekundenbruchteilen analysiert und aufgrund der persönlichen Erfahrungen bewertet. Da kann die gleiche Anforderung für den einen eine motivierende Herausforderung – positiver Stress – sein, für den anderen jedoch eine schier unlösbare Aufgabe, die kaum zu bewältigen ist – negativer Stress.
Neben psychischen Stressoren wie Über- oder auch Unterforderung, Ängste und Konflikte gibt es auch eine Menge externe Stressoren, die auf unseren Körper einwirken. Dies sind Nebenwirkungen unseres modernen „Lifestyles“, etwa Belastungen durch Chemikalien in der Nahrung, Umwelt- und Alltagsgifte, Elektrosmog, Fehlernährung, chronische Infekte, Traumen und Hormonstörungen. (Mutter 2009)
Wir werden im Folgenden aufzeigen, dass jeder Stress, sei es psychischer oder externer Stress (Umwelt), körperlich messbare Auswirkungen auf uns hat und dass Stress auf dem Weg über die Schädigung der mitochondrialen Funktion die Ursache für völlige Erschöpfung und für die Entstehung von Multisystemerkrankungen ist.
Was bei Stress im Körper abläuft
Gehirn:
Sobald das Gehirn Stress erkennt, wird der Körper (wie in Urzeiten) in Alarmbereitschaft versetzt. Für die Steinzeitmenschen war Stress mit akuter Gefahr verbunden und es war überlebensnotwendig, dass der Körper automatisch reagierte, um blitzschnell fliehen oder kämpfen zu können. Auch wenn Stress heute in der Regel nicht mehr mit akuter Gefahr verbunden ist, läuft diese vererbte Reaktion immer noch nach dem gleichen Schema ab. Das Gehirn steuert die Ausschüttung der Stresshormone, wodurch in Sekundenbruchteilen zusätzliche Energie zur Verfügung steht. Wahrnehmen und Denken werden durch Ausschüttung von Adrenalin und Noradrenalin auf das reduziert, was in dieser Situation wichtig ist; durch die Ausschüttung von Serotonin und Dopamin werden die Koordination gesteigert und das Schmerzempfinden gesenkt.
Stoffwechsel:
Die Stresshormone versetzen den Körper in Alarmbereitschaft. Puls und Blutdruck steigen, die Atemfrequenz erhöht sich, die Bronchien weiten sich, die Sinne werden geschärft. Gleichzeitig werden Systeme, die nicht unmittelbar benötigt werden, gehemmt (etwa Verdauung, Sexualtrieb).
Immunsystem:
Bei akutem Stress wird das Immunsystem verstärkt aktiviert, das heißt, der Körper bereitet sich darauf vor, mögliche Wunden oder andere körperliche Schäden schnell zu beseitigen. Die Zahl der weißen Blutkörperchen und der natürlichen Killerzellen steigt und die Blutgerinnung wird verbessert.
Muskulatur:
Die Blutgefäße in den Muskeln weiten sich. Die Muskeln werden in Spannung versetzt und vermehrt durchblutet damit sie schnell, kraftvoll und koordiniert reagieren können.
Diese vererbte Reaktion ist für den modernen Menschen allerdings ein Problem. In der Urzeit waren die Stresszustände in der Regel kurz (Flucht oder Kampf), man bekämpfte Stress mit Muskelkraft und verbrauchte dabei Energie. Der moderne Stress ist jedoch nicht nach kurzer Zeit wieder vorbei, er dauert lange und wiederholt sich häufig in kurzen Zeitabständen. Außerdem wird Stress nur noch selten mit Muskelkraft bekämpft.

Darauf ist unser System der Stressbewältigung nicht eingerichtet. Mit der zur Stressbewältigung mobilisierten Energie kann der Körper nichts anfangen. Im besten Falle verpufft sie, aber oft verstärkt sie die Unruhe und die Nervosität, denn im Zustand der dauerhaften „Überspannung“ verliert der Körper die Fähigkeit zur natürlichen Regeneration, da er ununterbrochen damit beschäftigt ist, den Stress zu bewältigen. (Schulz u. Gold 2006)
Dauerstress (das heißt: ständig erhöhtes Cortisol) schwächt das Immunsystem, damit haben Viren und andere Erreger leichtes Spiel und der Körper ist besonders anfällig für Erkältungen und andere Erkrankungen. (Schulz u. Gold 2006)
Das natürliche Zusammenspiel von Stresshormonen und Neurotransmittern
Stresshormone (= Botenstoffe, die Anpassungsreaktionen des Körpers bei Stress auslösen) und Neurotransmitter (= Botenstoffe, die Informationen an Nervenzellen übertragen) setzen die Energiereserven des Körpers als Vorbereitung auf eine bevorstehende Flucht oder einen Kampf frei – beides sind unmittelbare Reaktionen auf eine Stresssituation.
Die Aktivierung verschiedener Körperfunktionen wird durch anregend wirkende Hormone wie Cortisol und Adrenalin sowie Neurotransmitter wie Noradrenalin und Glutamat veranlasst. Anregend bedeutet, dass unser Organismus auf Gefahren, Anspannung, Bedrohung sowohl psychisch wie auch körperlich antwortet. So wird zum Beispiel mehr Energie bereitgestellt. Gleichzeitig wird auch die Bildung und Ausschüttung der Gegenspieler (Serotonin, DHEA) veranlasst, um die Stressreaktionen wieder dämpfen zu können. Alle diese Substanzen wirken eng zusammen und sind bei einem gesunden Menschen in einem harmonischen Gleichgewicht. (Marc 2011)
Die wichtigsten anregenden Hormone und Neurotransmitter sind Cortisol, Adrenalin, Noradrenalin und Dopamin; die wichtigsten dämpfenden sind Serotonin und DHEA (vgl. Marc 2011):
• Cortisol: wird in der Nebennierenrinde gebildet und ist ein den Stoffwechsel aktivierendes und Körperstress abbauendes Hormon. Die Stoffwechselaktivierung erfolgt, um in plötzlichen Stresssituationen Energiereserven zu mobilisieren. Einerseits wird über die Glukoneogenese (Neubildung von Zucker) der Blutzuckerspiegel erhöht und andererseits werden über die Förderung der Lipolyse (Fettabbau) der Anteil der Triglyceride (primäre Energielieferanten für Fett- und Muskelzellen) im Blut gesteigert und der Abbau von Proteinen aus der Muskulatur stimuliert. Unter dem Einfluss von Cortisol steigen Motivation und Antrieb, die Körpertemperatur steigt ebenfalls. Schmerzreaktionen, Entzündungen und Immunreaktionen allgemein werden gehemmt.
• Adrenalin: wird im Nebennierenmark gebildet und bei Stress ausgeschüttet. Mit Adrenalin wird unser System kurzfristig in erhöhte Leistungsbereitschaft „hochgefahren“. Alarm und Gefahr werden signalisiert, Energie wird bereitgestellt (aus Glukoneogenese und Lipolyse). Der Blutdruck, die Herz- und die Atemfrequenz steigen, Konzentration und Aufmerksamkeit sind sofort erhöht. Zur Produktion des Adrenalins benötigt der Körper die Aminosäuren Phenylalanin und Tyrosin, das aktive Vitamin B6 und Vitamin C sowie das Spurenelement Magnesium.
• Noradrenalin: ist das Vorstufenhormon von Adrenalin und ebenfalls ein wichtiger aktivierender Botenstoff des Zentralnervensystems, der die mentale, physische und psychische Anpassung an Stress und Gefahr steuert. Gleichzeitig wird der Blutdruck gesteigert. Noradrenalin hat den gleichen Syntheseweg wie Adrenalin (Phenylalanin, Tyrosin, Vitamin B6, Vitamin C, Magnesium).
• Dopamin: wird als „Kraftstoff des Gehirns“ bezeichnet und ist maßgeblich zuständig für die Koordination unserer Antwort auf Stress. Dopamin ist wichtig für Koordination und Motorik, Konzentration, geistige Wachheit und Motivation. Auch für die Synthese von Dopamin benötigt der Körper Phenylalanin, Tyrosin, Vitamin B6, Vitamin C und Magnesium.
• Serotonin: ist wichtig für den Gefühlshaushalt und die gute Laune, es ist also ein stark stimmungsaufhellender Botenstoff. Serotonin ist auch als „Glückshormon“ bekannt, es wird in den Gehirnzellen synthetisiert. Serotonin wirkt entspannend, schlaffördernd, motivierend und antidepressiv. Der Körper benötigt zur Synthese die Aminosäure Tryptophan, das aktive Vitamin B6, Vitamin C und das Spurenelement Magnesium.
• DHEA: wird in der Nebennierenrinde gebildet und ist ein „Anti-Stress-Hormon“, da es als direkter Gegenspieler von Cortisol gilt. Es ist außerdem die Vorstufe der männlichen und weiblichen Sexualhormone. DHEA nimmt im Laufe des Alterungsprozesses kontinuierlich ab, weshalb es bei sinkenden oder erniedrigten Werten für degenerative Prozesse im Körper verantwortlich gemacht wird. DHEA wird, wie Cortisol, aus dem Mutterhormon Pregnenolon gebildet. Dieses Hormon kann jede Zelle in ihrem Kraftwerk – dem Mitochondrium – produzieren.
Wie chronischer Stress auf die Hormone wirkt
Schauen wir uns nun an, was bei akutem und chronischem Stress auf hormoneller Ebene geschieht. Die Vermittlung der Stressreaktionen vollzieht sich innerhalb eines umfangreichen, komplexen Netzwerkes aus Hormonen und Neurotransmittern. Zunächst betrachten wir die Abläufe der neuro-endokrinen Stressachse bei akutem, kurzfristigem Stress und versuchen, das Ganze sehr vereinfacht und anschaulich darzustellen:
1. Der Hypothalamus ist eine Art Schaltzentrale im Gehirn, die sämtliche Informationen vom Körper empfängt und interpretiert. Solange alles funktioniert, mischt sich diese Zentrale gar nicht ein. Sollte im Körper aber etwas nicht richtig funktionieren, gibt der Hypothalamus sofort Alarm und sendet Befehle aus.

2. Akuter körperlicher Stress (wie Umweltgifte, Viren, Bakterien, Traumata) oder auch psychischer Stress versetzen den Hypothalamus sofort in Alarmzustand. Daraufhin gibt er einen „Befehl“ an die Hypophyse (Hirnanhangdrüse), die Sache wieder in Ordnung zu bringen. Das macht er, indem er das Peptidhormon CRH (Corticotropin-Releasing-Hormon) als „Boten“ auf den Weg schickt.

Die neuro-endokrine Stressachse – Akutphase
3. Dieser Bote CRH gelangt zur Hypophyse, die den Befehl umsetzt, indem sie ebenfalls einen Boten auf den Weg schickt, um den Nebennieren den Befehl zur Gegenregulation zu geben. Dieser zweite Bote ist das Hormon ACTH (Adrenocorticotropes Hormon).

4. ACTH regt die Nebennierenrinden dazu an, Cortisol auszuschütten, das den Körper für diese außergewöhnliche Situation gut vorbereitet. Der Organismus wird durch Cortisol in den für Stress typischen Alarmzustand versetzt. Gleichzeitig werden aus der Nebennierenrinde die Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin ausgeschüttet. Diese Hormone aktivieren das Herz-Kreislauf-System (Pulsbeschleunigung, hoher Blutdruck, schnelle Atemfrequenz) und machen uns hellwach und damit stressfähig. (Gerra 2001)

Fallbeispiel:
62-jährige Patientin mit einer akuten Stressreaktion
Die Stressreaktion ist im Neurostress-Test nachweisbar. (Neurostress-Test: siehe Abbildung oben) Das Stresshormon Noradrenalin ist erhöht; das ist für hohen Puls, innere Unruhe und ansteigenden Blutdruck verantwortlich. Der Neurotransmitter Serotonin ist erniedrigt, was zu depressiver Verstimmung führt. Serotonin als Vorläufer des Schlafhormons Melatonin verursacht zusammen mit dem abendlich erhöhten Cortisol massive Schlafstörungen. Das bereits ab mittags bis in die Nacht dauerhaft erhöhte Cortisol verstärkt die durch Noradrenalin bedingte innere Unruhe und den erhöhten Blutdruck. Ungünstig ist das ganztägige Fehlen des Anti-Stress-Hormons DHEA; dadurch kann der Stress nicht mehr reguliert werden.
Akuter Stress → hohe Ausschüttung von Adrenalin und/oder Noradrenalin sowie Cortisol: Der Organismus wird in Alarmbereitschaft versetzt.
Wenn die akute Stresssituation vorbei ist, ist eine schnelle Rückregulation der neuro-endokrinen Stressachse erforderlich, damit der Normalzustand schnell wieder hergestellt werden kann. Dies geschieht über eine negative Rückkopplung, das heißt, der durch die Stresseinwirkung erhöhte Cortisolspiegel dämpft gleichzeitig die Ausschüttung der Botenstoffe CRH und ACTH. Damit wird auch die weitere Produktion von Cortisol in den Nebennieren unterdrückt und somit wieder normalisiert.
Einfach ausgedrückt: Die Schaltzentrale im Gehirn, der Hypothalamus, erhält über den erhöhten Cortisolspiegel die Rückmeldung, dass seine Befehle ausgeführt wurden und die Situation unter Kontrolle ist. Daraufhin stellt er das Aussenden von Botenhormonen (CRH) an die Hypophyse ein, die daraufhin ihrerseits keine Boten mehr an die Nebennieren weiterleitet (ACTH). In der Folge wird dann auch kein weiteres Cortisol mehr von den Nebennieren erzeugt. Diese eingebaute „Stressbremse“ bewirkt, dass wir nach Beendigung der Stress auslösenden Stimuli wieder zu Ruhe und Entspannung finden. (Gerra 2001) Der Stress ist reguliert und verarbeitet.

Was geschieht aber, wenn Stress nicht nach kurzer Zeit vorbei ist, sondern anhält? Betrachten wir die Abläufe der neuro-endokrinen Stressachse in der chronischen Belastungsphase bei Dauerstress:
Wenn die Anzahl, Dauer und Intensität der Stressoren die Kompensationskapazität der Stress-Regelkreise übersteigt, wird der Organismus in eine Art „Dauer-Alarmzustand“ versetzt.
Die Stressachse bleibt durch den chronischen Stressstimulus ständig aktiv; das bewirkt Störungen des Systems und Dauerschäden. Außerdem ist es ein sich selbst verstärkender Prozess. Es genügen immer kleinere Reize, um eine Stressreaktion auszulösen und diese schließlich chronisch werden zu lassen. Es kommt zu inadäquaten Verlängerungen der überhöhten Hormonausschüttung von Cortisol, Adrenalin und Noradrenalin, was in gravierenden körperlichen Störungen enden kann.
Die natürliche „Stressbremse“ versagt. Der Hypothalamus registriert zwar den erhöhten Cortisolspiegel, aber die negative Rückkopplung unterbleibt, sodass die überhöhte Cortisolausschüttung in den Nebennieren weiterhin forciert anstatt gedrosselt wird. Der ständig hohe Cortisolspiegel blockt schließlich die Adrenalin- und Noradrenalinproduktion, dadurch nimmt die Stressfähigkeit ab. Ebenso wird die Produktion der Sexualhormone (Progesteron, Testosteron, Östrogene) in der Nebennierenrinde durch das hohe Cortisol gebremst, es kommt zu Lustlosigkeit, Schlafstörungen und depressiven Verstimmungen. (Lang u. Borgwardt 2013)


Neuro-endokrine Stressachse – chronische Belastungsphase („Körperlicher Übergriff“ heißt, dass die chronischen Stressauslöser auf den Körper übergreifen.)

Fallbeispiel: 68-jähriger Patient
Chronischer körperlicher Stress (Parkinson-Syndrom) und seelischer Dauerstress, der im Neurostress-Test ersichtlich ist. Hier sind niedrige Werte für Adrenalin, Noradrenalin, Dopamin und Serotonin mit ganztägig erhöhtem Cortisol nachweisbar. Klassische Neurotransmitter-Konstellation einer schweren Depression. Niedriges Adrenalin und Noradrenalin sind für niedrigen Blutdruck und morgendliche Anlaufschwierigkeiten verantwortlich. Das niedrige Dopamin repräsentiert die Aktivität des Parkinson-Syndroms. Das niedrige Serotonin (Vorstufe für das Schlafhormon Melatonin) bewirkt Schlafstörungen und zusammen mit dem über Tag dauerhaft erhöhten Cortisol eine Depression.
Hält dieser Zustand bei jeglicher Form des Dauerstresses (physisch wie psychisch) weiter an, sind schließlich die Nebennieren nicht mehr in der Lage, sich zu erholen, und werden erschöpft. Es kommt damit auch zu einer hormonellen Erschöpfung. Der Cortisolspiegel fällt, die Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin sowie die Sexualhormone und DHEA sind gleichfalls erniedrigt. (Malki 2014) Dieser Endzustand wird dann je nach weiteren körperlichen Symptomen als Burn-out oder chronisches Müdigkeitssyndrom bezeichnet. Sehr eindrücklich zeigt dies der Verlauf des Neurotransmitter-Tests bei Julia.
Fallbeispiel: Julia (36 Jahre alt)
Julia suchte mich schon ein Jahr zuvor als Fibromyalgie-Patientin auf und klagte zu diesem Zeitpunkt neben ihren generalisierten Muskeln- und Sehnenansatzschmerzen über Schlafstörungen, nächtliches Schwitzen und Schilddrüsen-Funktionsstörungen. Schon ein Jahr zuvor waren Adrenalin, Noradrenalin und Dopamin erniedrigt. Cortisol, Serotonin und DHEA waren zu diesem Zeitpunkt noch normal oder überaktiv. Meine damaligen Empfehlungen zur Ernährungsumstellung und Substitution der notwendigen Mikronährstoffe wurden von ihr leider noch nicht ernst genommen.

Nun, ein Jahr später, litt Julia an progressiven Muskelschmerzen und klagte zusätzlich über Ein- und Durchschlafstörungen, war konstant müde und erschöpft und entwickelte eine tiefe Depression. Ihr Mann, der Julia schon vor einem Jahr zu meiner Therapie geraten hatte, bestand auf einer erneuten Vorstellung bei mir. Nun zeigte der Neurostress-Test sehr deutlich, was unter Dauerstress passierte: Man sah sehr gut die hormonelle Erschöpfung. Alle Neurotransmitter und Hormone waren erniedrigt: Adrenalin, Noradrenalin, Dopamin, Serotonin, Cortisol und auch das abendliche DHEA.
Da Julia neben ihrer Müdigkeit auch weitere Symptome beklagte (Muskelschmerzen, Schlafstörungen und Reizdarm-Symptome), spricht man in diesem Fall von einem chronischen Müdigkeitssyndrom. Wären lediglich Müdigkeit, Konzentrationsstörungen und/oder Schlafstörungen vorhanden, spräche man von Burn-out. Nun war Julia bereit, auf ihre Ernährung zu achten und die fehlenden Mikronährstoffe einzunehmen. Bereits nach 4 Wochen hatte Julia mehr Energie, die Schlafstörungen waren beseitigt und selbst die Muskelschmerzen waren um 30 % geringer. Sehr gefreut hat Julia der Gewichtsverlust von 6 Kilo in diesen 4 Wochen, der bei dieser Ernährungsumstellung (mittags maximal 30 % Kohlenhydrate, abends keinerlei Kohlenhydrate) immer zu beobachten ist.
Chronischer Stress → hormonelle Erschöpfung: Cortisol sowie Adrenalin, Noradrenalin, Serotonin und Dopamin sind erniedrigt.
Ab diesem Zeitpunkt der hormonellen Erschöpfung ist das Immunsystem durch die Cortisolerschöpfung blockiert und es kann jetzt durch Umweltgifte, Schwermetalle, Elektrosmog, Viren oder Bakterien zu einem körperlichen Übergriff kommen: Multisystemerkrankungen (Rheuma, Fibromyalgie, Alzheimer, Parkinson etc.) entstehen oder werden schlimmer. (Lang u. Borgwardt 2013)
Tatort Zelle
Die Medizin ist heute in verschiedene Fachgebiete aufgeteilt, die sich auf einzelne Organe spezialisieren. Dabei geht aber die Tatsache verloren, dass sich die Frage von Gesundheit und Krankheit auf der Ebene von Billionen Zellen entscheidet. In jeder Sekunde sterben circa 50 Millionen (!) Körperzellen ab – und etwa gleich viele werden wieder neu gebildet. Das erfordert exakt abgestimmte Mechanismen, denn wenn sich das Verhältnis zwischen Auf- und Abbau der Zellen über die Zeit hinweg auch nur um 1 % verschiebt, entstehen Probleme. Der Zustand der Zellen ist ungeheuer wichtig, denn er bestimmt letztlich unsere Gesundheit, Leistungsfähigkeit, Stimmung und das biologische Alter. Das bedeutet: Ist die Zelle gesund, sind wir gesund.
Die existenzielle Bedeutung der Mitochondrien
Damit unsere Zellen vital und fit sind, brauchen sie Energie und diese erhalten sie vorrangig aus den „Mitochondrien“. Was zunächst klingt wie der Name eines Dinosauriers, scheint tatsächlich ein Erbe aus uralten Zeiten zu sein: Die Mitochondrien scheinen aus mikroskopisch kleinen Ur-Bakterien zu stammen, die ursprünglich autark lebten, sich aber vor Millionen Jahren in die Zellen der Lebewesen eingenistet und den Gastgeberzellen ihr Atmungssystem zur Verfügung gestellt haben. (Jogler 2014) Sie verfügen über eine eigene DNA und sie teilen sich alle 4 bis 5 Tage – genau wie Bakterien.

Die Mitochondrien sind – wie bereits erwähnt – die „Kraftwerke“ der Zellen, da sie Energie in Form von ATP (Adenosintriphosphat) bereitstellen. Jede Zelle des Körpers enthält durchschnittlich 1500 dieser kleinen Kraftwerke; die Anzahl richtet sich nach den Aufgaben, die die jeweilige Zelle zu erfüllen hat. Besonders viele finden sich daher in Zellen mit hohem Energieverbrauch, zum Beispiel Muskelzellen (im Herzmuskel: bis zu 3000 pro Zelle), Nervenzellen (im Gehirn: bis zu 6000 pro Zelle) oder Eizellen.
Die wichtigste Aufgabe der Mitochondrien ist es, die in der Nahrung gespeicherte Energie mithilfe von Sauerstoff über die Atmung für alle elementaren Lebensprozesse nutzbar zu machen. Einfach ausgedrückt nutzen die Mitochondrien die Kalorien, die wir täglich essen und in Form von Körperfett mit uns herumtragen, kombinieren sie mit Sauerstoff, den wir einatmen, und verwandeln diesen Mix in einen Supertreibstoff (ATP), der unsere Zellen mit Energie versorgt. Und das mit einer unglaublichen Leistung: Im Normalfall produziert der Körper so viele Kilogramm an ATP, wie wir wiegen!
Wie die Mitochondrien Energie erzeugen
Um den Supertreibstoff ATP zu erhalten, müssen die Mitochondrien unsere Nahrung mit Sauerstoff aus der Atmung umwandeln. Für diesen Vorgang ist es essenziell, dass unser Organismus ausreichend mit Mikronährstoffen versorgt ist.

Zur Veranschaulichung: Stellen Sie sich die Mitochondrien tatsächlich einmal als Kraftwerk vor. Kohle, Kernspaltung oder Sonnenlicht werden in dem Kraftwerk zu Strom (Energie) umgewandelt und diesen Strom brauchen wir für Auto, Computer, Telefon, fürs Kochen oder Heizen. Als Abfallprodukt entsteht Dampf.
Stellen Sie sich nun wieder das Mitochondrium vor. Kohlenhydrate (Kohle), Proteine (Kernenergie) und Fette (Sonne) verbrennt das Mitochondrium zusammen mit Sauerstoff. Aus dieser Verbrennung entsteht die universelle Zellenergie ATP (Strom). Dabei entstehen als Abfallprodukt freie Radikale (Dampf), die wir durch unser Entgiftungssystem – wenn es gesund ist – problemlos abfangen können.
Um Kohlenhydrate, Proteine und Fette in das Mitochondrium einzuschleusen, benötigen wir wichtige B-Vitamine (B1, B2, B3 und B6). Im Mitochondrium selbst brauchen wir zur Herstellung der Energie neben dem Sauerstoff Mikronährstoffe wie das Coenzym Q10, Eisen, Kupfer und Magnesium. Zur Neutralisierung der freien Radikale brauchen wir selen-, mangan-, kupfer- und zink-abhängige Enzyme.
Und das funktioniert nur, wenn alles reibungslos ineinandergreift. Das bedeutet: Ist genügend Kohle (Kohlenhydrate) da, aber die Förderbänder funktionieren nicht (B-Vitamine fehlen), kann kein Strom (ATP) entstehen. Ist die Kohle im Brennofen (Mitochondrium) angekommen, aber die Luftzufuhr (Sauerstoff) oder das Kühlsystem ist defekt (Q10, Kupfer, Eisen, Magnesium), so kann nur eingeschränkt Strom entstehen, aber es entsteht maximale Hitze oder Dampf (Radikale), die das Kraftwerk (Mitochondrium) extrem stören und letztlich ausschalten.
Die Mitochondrien bilden unsere Energie zum Leben.
Im Einzelnen passiert bei der ATP-Erzeugung Folgendes (vgl. Lill u.a. 1999):
1. Glukose aus den Kohlenhydraten unserer Nahrung wird zunächst zu Pyruvat (Benztraubensäure) abgebaut. Dieser Abbauweg heißt Glycolyse. Dadurch entsteht schon eine geringe Menge an Energie für die Zelle, die außerhalb der Mitochondrien erzeugt wird.
2. Das Pyruvat wird mithilfe der B-Vitamine in das Mitochondrium eingeschleust und geht in den Citratzyklus ein. Das ist ein ständig ablaufender Zyklus, in dem das Coenzym NADH entsteht, das zusammen mit dem Atmungssauerstoff (Atmungskette) im Mitochondrium zu ATP verbrannt und umgewandelt wird. Der geregelte Ablauf funktioniert aber nur dann, wenn in den Mitochondrien immer eine ausreichende Menge an Mikronährstoffen (B-Vitaminen, Alpha-Liponsäure, Coenzym Q10, Kupfer, Eisen, Calcium und Magnesium) vorliegt.

Die Erkenntnis, wie ungeheuer wichtig der Zustand der Mitochondrien für unsere Gesundheit ist, ist bahnbrechend und für viele Menschen neu. Erst seit wenigen Jahren beschäftigen sich Forscher wieder mit diesem hoch brisanten Thema.
Ohne die Mitochondrien wäre die Zelle funktionsunfähig – Leben wäre nicht möglich.
Mitochondrien sind unglaublich empfindlich und störanfällig. Sie werden vor allem durch Stress geschädigt, durch alles, was uns aus dem Gleichgewicht bringt: durch mentalen Stress ebenso wie durch falsche Ernährung, zu wenig Vitalstoffe, zu viele Umweltgifte, zu viel Elektrosmog, ständige Infektionen, zu wenig Bewegung und nicht zuletzt durch Medikamente. Die Auswirkungen unseres modernen Lebensstils auf die Mitochondrien – wie Sie sie in den vielen Fallbeispielen weiter unten erkennen werden – sind unter Berücksichtigung der genannten Faktoren dramatisch! Ihre Funktion wird durch diese Faktoren so stark beeinträchtigt, dass sie unter Umständen sogar absterben. Der Hauptgrund für die fehlende Energie, die jeder kennt, und die Ursache für viele Zivilisationskrankheiten ist die Fehlfunktion unserer Mitochondrien!
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