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1.–6. Auflage bearbeitet und herausgegeben von Dr. R.A. Eckstein 7. Auflage bearbeitet von Dr. G. Eckstein und Dr. W. Schnepp, Linde Eckstein GmbH +Co. KG

Der Kenntnisstand in den modernen Naturwissenschaften ist stetem Wandel unterworfen. Wir haben sehr viel Sorgfalt darauf verwendet, dass die Angaben in diesem Werk dem aktuellsten Stand entsprechen. Das entbindet den Benutzer jedoch nicht von der Verpflichtung, sich vor einer Anwendung in eigener Verantwortung zu informieren.

Die elektronenmikroskopischen Aufnahmen in den Abbildungen 3, 5 und 8 stammen von Dr. Holger Jastro, Mainz, die in Abbildung 7 von Prof. Dr. Hubert Wartenberg, Bonn.

www.uni-mainz.de/FB/Medizin/Anatomie/workshop/EM/EMAtlas.html

Die Deutsche Bibliothek – CIP Einheitsaufnahme

Eckstein, Richard Adam BioKosmetik Aus Forschung und Praxis 7., vollständig überarb. Auflage Oberasbach: Eckstein, 2005

Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt. Die dadurch begründeten Rechte, insbesondere die der Übersetzung, des Nachdrucks, des Vortrags, der Entnahme von Abbildungen und Tabellen, der Funksendung, der Mikroverfilmung oder Vervielfältigung auf anderen Wegen und der Speicherung in Datenverarbeitungsanlagen bleiben, auch bei nur auszugsweiser Verwertung, vorbehalten. Eine Vervielfältigung dieses Werkes oder von Teilen dieses Werkes ist auch im Einzelfall nur in den Grenzen der gesetzlichen Bestimmungen des Urheberrechtsgesetzes der Bundesrepublik Deutschland vom 9. September 1965 in der derzeitigen Fassung zulässig. Sie ist grundsätzlich vergütungspflichtig. Zuwiderhandlungen unterliegen den Strafbestimmungen der Urheberrechtsgesetzes.

©Linde Eckstein GmbH + Co.KG, 1971, 1976, 1979, 1986, 1994, 2000, 2005

Die Wiedergabe von Gebrauchsnamen, Handelsnamen, Warenzeichen usw. in diesem Buch berechtigt auch ohne besondere Kennzeichnung nicht zu der Annahme, dass solche Namen im Sinne der Markenrechts-Gesetzgebung als frei zu betrachten wären und daher von jedermann benutzt werden dürfen.

Illustrationen:

Contact Werbeagentur, Nürnberg

Graphische Gestaltung:

Gestaltungsbüro Schultes, München

Satz:

Schriftbild, Wolfgang Lehner, München


Inhalt

BioKosmetik

Gedanken zur Entwicklung der Kosmetologie

Die Bereiche der modernen Kosmetik

Möglichkeiten und Grenzen der BioKosmetik

Psychokosmetik

Kosmetik – ein Weg zur Harmonie der Persönlichkeit

Zur Selbstverwirklichung der Frau

Das griechische Schönheitsideal

Gesicht und Seele

Psychosomatische Fragen in der Kosmetik

Die Kosmetik im Dienste der Rehabilitation

Stress-Stadien und biokosmetische Konsequenzen

Psychologischer Einfluss differenzierter Behandlungsverfahren

Kosmetische Behandlung und Selbstwertgefühl

Hauttypus und Perspiration

Bionomie

Der Einfluss von Naturrhythmen auf den menschlichen Organismus

Kuren in der biokosmetischen Hautbehandlung

Zur inneren Rhythmik des individuellen Lebens

Biorhythmik

Bioklimatik und BioKosmetik

Zur Bionomie allgemein

Grundlegende bionome Prozesse

Die Haut: Status und Physiologie

Die Aufgaben der Haut

Die Anatomie der Haut

Prozesse in der Epidermis

Die Keratinisierung

Keratosen

Die Talgdrüsen

Der Hauttalg

Die ekkrinen Schweißdrüsen

Die apokrinen Schweißdrüsen

Anomale Schweißabsonderung

Der periphere Feuchtigkeitsgehalt der Haut

Fett- und Feuchtigkeitsregulation

Die natürliche Keimflora der Haut

Die stoffliche Zusammensetzung der Epidermis

Aminosäuren, Eiweiß und Glykogen

Molekularbiologische Gedanken

Der Mineralgehalt der Haut

Der pH-Wert der Haut

Die mechanischen Eigenschaften der Haut

Messung von Hautzuständen

Der Blutkreislauf der Haut

Die Elektrobiologie der Haut

Einige physikalische Vorgänge zum Verständnis der physiologischen Molekülbewegung

Das menschliche Plasma

Biopharmazie

Zur Problematik der intrakutanen Sorption

Zusammenfassung der bei der Sorption beteiligten Prozesse und Vorgänge

Nachweismethoden für Permeation und Resorption

Subjektive Beurteilung und objektive Wirkungsprüfungen in der BioKosmetik

Physiologische Stoffe der Haut und kosmetische Wirkstoffwahl

Grundsubstanz und Form in ihrer Bedeutung für die biokosmetische Wirkung

Kosmetische Diagnose und Behandlungen

Kosmetische Haut-Diagnostik

Vordiagnose

Frageschema über den bisherigen Gesundheits- und Hautzustand (Anamnese)

Haut-Symptome

Sekundäre Effloreszenzen

Das Hautbild als Erscheinung innerer Ursachen

Juckreiz – Pruritus

Veranlagung und Umwelteinfluss in Diagnose und Behandlung

Gesundheitsschädliche Umweltänderungen und ihre kosmetischen Konsequenzen

Institutsbehandlung

Heimbehandlung

Grundbehandlungen

Hautreinigung

Mimo-Kosmetik

Anatomie der Gesichtsmuskeln

Praktische Durchführung der Mimo-Kosmetik

Übungen zur Mimo-Gymnastik

Zur Massage

Lymphdrainage

Packungen und Masken

Wärme-Behandlung

UV-Strahlenbehandlung

Ampullen-Hautkur

Biokosmetische Hautbilder

Grundbehandlung normaler und trockener Haut

Biomorphose des Alterns

Der Alterungsprozess

Physiologische Altersveränderungen der Haut

Behandlung der reifen Haut

Seborrhoe

Mischhaut

Jugendakne

Menstruelle Akne

Ursachen von Seborrhoe und Akne

Seborrhoe und Akne als Grenzgebiete

Behandlung von Seborrhoe und Akne

Biologische Schälung bei Hautunreinheiten

Hypersensibilität und Hyperergie

Erythem – Hyperämie

Die nervöse Haut

Sensibilisierung und Allergie

Teleangiektasien

Lichtwirkung und Lichtschutz

Biochemie der Pigmentbildung

Pigmentanomalien

Ganzheits-Kosmetk

Ganzheitliche Kosmetik

Cellulite

Akupressur (Manupressur)

Farb-Licht-Therapie

Aromatherapie

Pflege des Atmens

Die Ästhetik der Bewegungstherapie

Ismakogie

Diätetik

Vollwertdiät bei Hautunreinheiten

Wirkstoffe

Angereicherte Wirksubstanzen aus der Natur

Fette, Öle, Wachse

Vitamine

Vitamin A

Vitamin D

Vitamin E

Essenzielle Fettsäuren („Vitamin F“)

Vitamin K

Vitamin-B-Komplex

Vitamin B1

Vitamin B2

Vitamin B6

Niacin und Niacinate

Niacinamid

Vitamin B12

Biotin

Folsäure

Panthenol

Vitamin C

Rutin

Qualitätssicherung in der BioKosmetik

Anhang

Erklärung der Fremdwörter und Fachbegriffe

Literaturhinweise

Stichwortverzeichnis

Vorwort zur 1. Auflage

Das vorliegende Buch „Kosmetologie – Aus Forschung und Praxis“ ist aus einer zwanzigjährigen Arbeit mit den Problemen der forschenden Kosmetologie und der praktischen Kosmetik entstanden. Brennende, für die Kosmetologie existenznotwendige Fragen, wie die perkutane Sorption, elementares aber erforderliches Grundwissen, wie die stete Regeneration der Epidermis als prozessuales, physiologisches Geschehen, und der ganz neue Problemkreis der Psychokosmetik, sie alle wurden wie Mosaiksteine zu einem Übersichtsbild vereint.

Sie werden manches Kapitel als zu ausführlich dargelegt finden. Sie werden manches Thema vermissen. Die Entwicklung der Kosmetik zu einem heute selbstständigen Tätigkeitsbereich, befruchtet von der Medizin, der Biologie, der Pharmakologie und der Psychologie, hat die in diesem Buche besprochenen Akzente gesetzt. Darum soll dieses Buch auch kein Abschluss sein, sondern nur ein vorübergehender Kristallisationspunkt bisheriger Fragen und Probleme, die auf unserem kosmetischen Lebensweg gültig bleiben. Auf dieser bisher wohlfundierten Basis können wir dann gefestigt weitergehen, um neue Fragen und Probleme der Praxis durch erneute Forschung zu lösen.

Denken wir dabei aber immer und unbeirrt daran, dass im Mittelpunkt all unseres Bemühens der Mensch als Persönlichkeit steht, der durch die Pflege des Schönen an sich zu einer ästhetischen Harmonie seines leiblichen, seelischen und geistigen Wesens hinfinden möge. Dr. R.A. Eckstein

Vorwort zur 6. Auflage

Im Laufe meiner nunmehr 40-jährigen Arbeit mit Aufgaben und Problemen der forschenden Kosmetologie und der praktischen Kosmetik als einer vorbeugenden und erhaltenden Gesundheitsbetreuung bin ich zu der Erkenntnis gekommen, dass eine den ganzen Menschen umfassende Pflege lebensnah und lebensverbunden, naturgegeben und naturverwandt sein muss, eben eine BioKosmetik im reinsten und ursprünglichsten Sinn des Wortes.

So finden Sie in der aktuellen Ausgabe wissenschaftliche Fragen zum Aufbau und zur Funktion der Haut, zur Aufnahme von Wirkstoffen in die Haut usw. ebenso besprochen, wie die sonst wenig bekannten Themen Biorhythmik und Bioklimatik der Psycho-Kosmetik.

Aus all dieser möglichen Vielfalt von Fragen, Themen und Problemen habe ich die Wichtigsten wie Mosaiksteine zu einem neuen Bild der BioKosmetik zusammengefasst, um als Grundlage für weitere Erkenntnisse, Einsichten und Behandlungsmöglichkeiten zu dienen. Da die Entwicklung der modernen Medizin, Biopharmazie und Psychotherapie in der heutigen Zeit schneller und vielfältiger als je zuvor fortschreitet, so kann auch dieses Buch kein Abschluss sein, sondern wiederum Kristallisationspunkt für eine Gesamtschau der BioKosmetik als einer lebendigen Pflege zu harmonischer Schönheit des Menschen in seiner Erscheinung und in seinem Wesen.

Denn im Mittelpunkt all unseres Bemühens steht und lebt der Mensch als Persönlichkeit, der durch die Pflege des Schönen an sich selbst zu einer ästhetischen Harmonie seiner leiblichen, seelischen und geistigen Wesenheit hinfinden möge! Dr. R.A. Eckstein

Vorwort zur 7. Auflage

Im Vorwort zur letzten Auflage des Buches „Biokosmetik, Aus Forschung und Praxis“ schreibt mein Vater, dass die Entwicklung der modernen medizinisch-naturwissenschaftlichen Disziplinen schneller und vielfältiger als je zuvor voranschreitet. Dieser Trend hat sich über die Jahre fortgesetzt und dazu geführt, dass Aktualität in manchen Bereichen der Wissenschaft mittlerweile nur wenige Monate währt.

Es kam deshalb die Zeit, dieses Buch gründlich zu überarbeiten. Wir sind dabei sehr behutsam vorgegangen, um dessen Originalität so weit als möglich zu wahren. Änderungen haben wir nur vorgenommen, wenn das aktuelle Wissen vom bestehenden Text nicht mehr richtig wiedergegeben wurde. Erfreulicherweise waren tiefgreifende Korrekturen nur an vergleichsweise wenigen Stellen erforderlich. Wie auch die Auflagen zuvor erhebt dieses Buch keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Wir möchten es Ihnen vielmehr ermöglichen, Ihre Grundlagen des kosmetischen Wissens zu vertiefen, um Ihnen damit ein solides Fundament zu geben, auf dem Sie aufbauen können. Wir haben diese Ausgabe beispielsweise um eine Literaturliste ergänzt, in der weiterführende Literatur zu den verschiedenen Themenkreisen des Buches genannt ist. Diese Titel sind Ihnen über den Buchhandel, öffentliche Bibliotheken oder Ihren Apotheker leichter zugänglich, als Publikationen in wissenschaftlichen Fachzeitschriften.

Bei der Überarbeitung dieses Buches war uns folgender Ausspruch meines Vaters stete Inspiration: „Denn im Mittelpunkt steht der Mensch als Persönlichkeit, der durch die Pflege des Schönen an sich selbst zu einer ästhetischen Harmonie seiner leiblichen, seelischen und geistigen Wesenheit hinfinden möge.“ Dr. G. Eckstein

BioKosmetik

Bios

Bios – Leben in seiner ursprünglichen Natürlichkeit und Naturgeborgenheit, ja in seiner kosmischen Verbundenheit! Dies ist der Sinn des altgriechischen Wortes Bios – Leben! Ihm zu dienen, es zu fördern ist der große, übergeordnete Leitgedanke all unserer Arbeit, unseres Bemühens und Strebens. Wir wollen Bios aber nicht verstehen als ein primitives „Zurück zur Natur!“, sondern als ein Hegen und Pflegen des Lebendigen in uns heutigen Menschen. Wohl haben wir uns in manchem von der Natur entfernt und sie über der Fülle technischer Zivilisation vergessen. Aber wir wollen uns das heilvolle Leben in uns und an uns selbst wieder bewusst machen als lebendige Schönheit und lebensvolle Gesundheit.

Kosmos

So gesellt sich das ebenfalls altgriechische Wort „Kosmein“, der Begriff des Kosmos, der Weltschöpfung als einer schönen harmonischen Ordnung im All unmittelbar zu Bios, dem Leben: BioKosmetik als die naturgegebene, naturgewollte Pflege des lebendigen menschlichen Leibes zu Schönheit und Gesundheit in einem Sich-Darleben in Raum und Zeit als Wesen und als Erscheinung.

BioKosmetik

BioKosmetik als eine lebendige Ästhetik der menschlichen Persönlichkeit muss, um erfolgreich sein zu können, auf den wohlfundierten Erkenntnissen der Medizin, der Biopharmazie, der Kosmetologie, der Psychologie und verwandten Wissenschaften aufbauen. Dennoch darf sie darüber nicht ihre eigene dynamische, lebendige Betrachtungsweise aller Erscheinungen vergessen. Denn Leben ist Bewegung, ist Veränderung, ist Entstehen und Vergehen, immerwährend, stetig und unaufhaltsam. Die Phänomene des Schönen oder des Hässlichen, die Symptome des Gesunden oder des Kranken sind die sichtbaren Zeichen seines verborgenen Wirkens und Werdens. BioKosmetik ist eine zeitlose dynamische Idee, den Lebenswillen in uns anzufachen und zu begeistern für die gesunde, naturhafte Schönheit des Menschen, leiblich in seiner Erscheinung, seelisch in seinem Wesen und geistig in seiner bewussten Bejahung des Lebens, des Daseins, des Kosmos, der Schöpfung.

Der schöne Mensch

Der schöne Mensch,

ein Geschenk der Natur,

ein Vermächtnis der Schöpfung,

eine Aufgabe des Lebens!

Das Wort „Jede Frau kann schön sein“ ist eine wahre Lebensweisheit, mögen manche Ungläubige auch darüber lächeln.

Weibliche Schönheit

Jede Frau kann schön sein, wenn sie es nur innig erwünscht. Wenn sie die innere Kraft hat, zu sich selbst Ja zu sagen, wenn hilfreiche Hände und herzlicher, wohlmeinender Rat sie führen und geleiten auf ihrem naturgegebenen Weg zu ihrer schöneren Persönlichkeit, dann erfüllt ihr das Leben die in ihrem tiefsten Inneren verborgene Sehnsucht nach Schönheit als einer lebensvollen, beglückenden Harmonie ihres Wesens und ihrer Erscheinung. Schönheit ist ein Schlüssel – zwar nicht der einzige, aber der reizvollste – zur Freude am Leben, zur Bejahung des Daseins und zum Glück des Menschen. Was wäre die Welt, was wäre das Leben ohne die Schönheit ihres Wesens und ihrer Erscheinung? Ebenso gilt das Wort „Der gepflegte Mann allein ist Persönlichkeit, der ungepflegte nur Individuum.“

Männliche Ästhetik

Der Mann strebt im Grunde seines Wesens – für sich selbst – weniger nach Schönheit als einer gefallenden Harmonie, die mehr passives Pathos ist, als vielmehr nach einer schöpferischen aktiven Ästhetik seiner Person, die fähig ist, in die Welt hineinzuwirken, die ins Leben hinausstrahlen und sich in ihm verwirklichen will. Ist weibliche Schönheit ein Erlebnis des Gefühls, das Liebe ersehnt und weckt, so ist männliche Ästhetik eine Tat des Willens, die Wertschätzung und Achtung verleiht. „Gepflegtsein ist der Königsmantel des Mannes!“

Weibliche Schönheit und männliche Ästhetik – dies sind die beiden Leitmotive, die uns Menschen schon seit Plato als höchste im Leben anzustrebende und zu verwirklichende Ideen gegeben und aufgegeben sind – außer der Güte unseres Tuns und Wirkens und der Wahrheit unseres Denkens!

Bio-Ästhetik

Damit wird die BioKosmetik hinaufgehoben in die höhere Sphäre einer Bio-Ästhetik, im Sinne eines den ganzen Menschen umfassenden Führens und Geleitens zu einer Schönheit und Harmonie seiner Persönlichkeit in sich selbst und im Mitmenschen. So ist BioKosmetik von lebensformender Bedeutung für den Einzelnen, aber weit darüber hinaus auch für den Menschen in der Gemeinschaft und in der Gesellschaft als eine erhebende Begegnung im Ästhetischen, in der Schönheit des Lebendigen.

Aufgaben der BioKosmetik

Die praktische Aufgabe der BioKosmetik ist es daher,

1 Die lebendige Funktionstüchtigkeit der Haut aufrecht zu erhalten,

2 durch eine rechtzeitig beginnende, regelmäßig und rhythmisch durchzuführende Pflege die Menschen in ihrer gesunden Schönheit zu bewahren,

3 sich vermindern wollende Hautfunktionen anzuregen und zu beleben, insbesondere bei physiologischen Erscheinungen und Vorgängen des Alterns,

4 gesteigert ablaufende Prozesse der Haut zu beruhigen, auszugleichen und

5 fehlende hautwichtige Substanzen zu geben,

6 als vorbeugende Gesundheitspflege prophylaktisch (präventiv) und

7 als ausgleichende Körperpflege kompensativ (substituierend) zu wirken.

Bei allen prophylaktischen Betrachtungen und Maßnahmen der BioKosmetik ist es jedoch erforderlich, das rein statischmorphologische Denken zugunsten einer funktionell-dynamischen Betrachtung des Geschehens aufzugeben. Dabei berücksichtigen wir den notwendigen und bedeutsamen Faktor der Zeit. Nur wenn man die lebendigen Funktionen und ihre Erscheinungsformen im Rahmen des Zeitablaufes betrachtet, ist es möglich, eine vollständige und vollkommene Würdigung des biologischen und physiologischen Geschehens zu erhalten.

Gedanken zur Entwicklung der Kosmetologie

Die Kosmetik als dekorative, als gesundheitspflegende und als psychisch-ästhetische Behandlung des Körpers, insbesondere der Haut, geht auf zwei ursprüngliche Quellen ihres Entstehens zurück.

Das Dekorative entstand aus den Kulturbräuchen des magischen Zeitalters der Völker, vor allem im südlichen und südöstlichen Ägypten, in Babylonien, Mesopotamien, Indien und in weiteren Kulturkreisen. Der Mensch der Frühzeit wollte sich entweder als Person von den anderen unterscheiden, sich aus der Gruppe herausheben, als ein besonders Ausgezeichneter sich darstellen; oder er wollte in der Gemeinschaft an Fest- und Feiertagen, zu außergewöhnlichen Gelegenheiten durch Schmücken, durch Zeichen und Zeichnungen, durch Farben mit besonderer Bedeutung das Erdhafte oder das Feurige im Gesicht und am Körper den Alltagsmenschen hinter dem festlich geschmückten zurücktreten lassen.

Bei manchen Völkern gab es außerdem besondere Reinigungsriten, die einen ähnlichen Sinn hatten: Bevor der Mensch sein Gotteshaus, seinen Tempel betritt, will er sich vom Schmutz und Staub, im übertragenen Sinn vom Alltagsmenschen mit seinen Diesseitsnöten und Sorgen lösen, sich freimachen, er will „rein sein“. Er tut dies durch tatsächliche oder symbolische Waschungen und Reinigungen seines Körpers, insbesondere der Hände und der Füße, um sie danach mit wohlriechenden Ölen und Salben zu bereiten und um sich damit selbst in einen besseren, schöneren Seinszustand zu versetzen.

Die Kosmetik als Gesundheitspflege des Körpers war und ist immer ein Teil der Medizin im Sinne einer „Gesundungs-Therapie“ – als notwendiges, vorbeugendes, die Gesundheit erhaltendes, heilsames Behandeln – gewesen. Schon in den Heilstätten des Priester-Arztes Asklepios, etwa 100 v. Chr., bestand ein Großteil der Behandlung in gesundheitspflegenden, den gesunden Zustand des Körpers durch Bäder, Ölungen, Salbungen, Waschungen, Atempflege, Gymnastik, Massagen, Packungen usw. erhaltenden Behandlungsarten, wie wir sie in der pflegenden Kosmetik auch heute noch anwenden. So sehen wir im Altertum eine stets unlösbare Verbindung zwischen Medizin und Kosmetik als einer ästhetischen Gesundheitspflege. Dies geht aus einer Vielzahl von ärztlichen Schriften hervor, sowohl von Asklepios wie von Soranos aus Ephesus, vom Herakleides aus Tarent und anderen. Der griechische Arzt Kriton schrieb im 1. Jahrhundert n. Chr. sogar vier Bücher über Kosmetik, deren Gedanken von Galen (153–201 n.Chr.) weitergeführt wurden, indem er den Ärzten kosmetische Mittel empfahl und zugleich erstmalig zwei Kosmetikerinnen namentlich erwähnte: Elephantis und Kleopatra. Diese „Dekoratio“, dieser „Ornatus“ wird über die Jahrhunderte hinweg stets im ärztlichen Schrifttum weitergeführt und kehrt in den Lehrbüchern der mittelalterlichen Medizin über die Byzantiner und Araber wieder. Ebenso finden wir in allen Arzneibüchern für die Apotheken bis heute kosmetische Rezepturen. Hier werden Rosen- und Pfirsichwasser, die verschiedensten Pflanzentinkturen, wohlriechende Cremes und Salböle, aromatische Weine mit Ingwer und Zimt, Ziegenmilch und vieles andere als naturhafte, biologische Kosmetika beschrieben. Im vorigen Jahrhundert war es vor allem Hufeland (1762–1836), welcher in seinen Schriften, insbesondere in seinem Buch „Makrobiotik – oder über die Kunst, das menschliche Leben zu verlängern“ die Kosmetik als Hautkultur in unserem heutigen Sinne einer vorbeugenden, die Gesundheit des Körpers und der Haut pflegenden, sie bewahrenden, unterstützenden und ergänzenden täglichen Behandlung wieder von neuem erweckte, nachdem sie zu Beginn des 16. Jahrhunderts in den Hintergrund getreten war. Mit dem Siegeszug der Naturwissenschaften, auch in der Medizin, von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis heute, mit ihren vielfältigen Bereicherungen in der Behandlung durch rein darzustellende, exakt zu definierende Wirkstoffe, durch die Verwendung von Elektrizität und Bestrahlung, durch die wissenschaftliche Begründung der verschiedensten Applikationen wie der Massage, der Diätetik, der Kenntnisse über die Vitaminwirkungen und vieles mehr, wurde als eigene Forschungsdisziplin die Kosmetologie aus der Medizin und der Pharmazie heraus neu geboren. Ich möchte als erste Kosmetologen neben Hufeland den österreichischen Arzt Frank und den deutschen Apotheker Trommsdorf nennen.

Kosmetologie

Kosmetologie umfasst die wissenschaftlichen Lehren und Erkenntnisse für die praktische Kosmetik als Schönheits- und Gesundheitspflege des Körpers und der Haut, und zwar

1 aus der Medizin, insbesondere die Physiologie, die Histologie und die Ätiologie der Haut, speziell die Dermatologie, soweit sie die noch gesunde Haut vorbeugend und gesundheitserhaltend betreffen;

2 aus der Pharmakologie, die Biopharmazie und physiologische Chemie, die Fragen der Wirksamkeit von Substanzen auf und in der Haut, deren Aufnahme in die Haut und ihre Metabolisierung (Umwandlung) im Zell- und Gewebegeschehen beantworten und schließlich

3 alle Probleme der Psychologie und Psychotherapie, soweit sie mit ästhetisch in Erscheinung tretenden Auswirkungen auf die Haut und deren physiologischen Vorgängen zusammenhängen, als so genannte Psychosomatik.

Das eigentliche Hauptgebiet der Kosmetologie ist die pflegende, die Gesundheit erhaltende, vorbeugende, die Haut in ihrem Aussehen und von ihren Funktionen her ausgleichende, normalisierende kosmetische Behandlung und Betreuung. Hier fließen die Physiologie der gesunden Haut, die histologischen und ätiologischen Erkenntnisse aus der Dermatologie, die Fragen der Resorption aus der Pharmakologie, der Biopharmazie und der physiologischen Chemie zusammen. Sie bilden gemeinsam die Grundlage für die Aufgaben und Gedanken der Kosmetik als einer Pflege des Körpers und der Haut zu gesunder Schönheit.

Die Bereiche der modernen Kosmetik

Wenn wir die Kosmetik als eine selbstständige Fachdisziplin betrachten, so umfasst sie heute vier Tätigkeitsbereiche:

1 Die schmückende, dekorative Kosmetik

2 Die ästhetische Medizin

3 Die pflegende BioKosmetik

4 Die seelisch betreuende Psycho-Kosmetik

Dekorative Kosmetik

Die dekorative Kosmetik ist die Elementarstufe der Schönheitspflege: Wir verstehen darunter die Anwendung meist farbiger oder getönter, äußerlich nuancierender Präparate, wie Make-up, Maquillage, Augenbrauen-, Wimpern-, Haar-, Nägelfärben, Lippen- und Wangenrougieren, Schminken und ähnliche schmückende Applikationen. Sie alle dienen dazu, rein äußerlich entweder im alltäglichen Rahmen die individuelle Eigenart eines Gesichtes dezent zu unterstreichen und hervorzuheben oder – wie beim Theater, im Film und beim Fernsehen, im Fasching oder beim Karneval – durch ein entsprechendes Schminken und Zurechtmachen ein anderes Gesicht, einen anderen Ausdruck zu modellieren. Es handelt sich dabei grundsätzlich um die äußerliche Korrektur, Überdeckung oder Hervorhebung der von Natur aus bereits gegebenen ästhetischen Erscheinungen des Gesichtes, aber auch des Körpers.

Ästhetische Medizin

Auch die ästhetische Medizin hat eine Korrektur des Erscheinungsbildes als Aufgabengebiet, ohne dass ich sie in die Kosmetik einreihen möchte, wie dies manchmal geschieht. Denn als kosmetische Chirurgie ist sie ein eigenes, selbstständiges Gebiet der ästhetischen Medizin. Ihre Bedeutung liegt vor allem auf sozial-anthropologischem Gebiet, mit dem Sinn einer Rehabilitation von Menschen in die Gemeinschaft und in das Gesellschaftsleben, die wegen Entstellung des Gesichtes oder des Körpers, von Geburt oder durch Unfall, Schwierigkeiten beim Umgang und Kontakt mit anderen Menschen haben.

BioKosmetik

Die Grundstufe des Dekorativen in der Kosmetik allein genügt nicht. Denn bewusst oder unbewusst möchte jede Frau nicht nur nach außen hin hübsch erscheinen, sondern aus ihrem Inneren heraus wirklich schön sein. Die pflegende BioKosmetik geht daher von der psychosomatischen Überzeugung aus, dass nur eine gesunde und gepflegte Haut wahrhaft schön sein und auch so empfunden werden kann. Die BioKosmetik ist daher diejenige Schönheitspflege des menschlichen Körpers, welche als erhaltende und vorbeugende Gesundheitspflege auf den Erkenntnissen der natürlichen Biotherapie und Biopharmazie aufbaut und ihn entsprechend behandelt. Sie beeinflusst die natürlichen physiologischen Prozesse und den Stoffwechsel der Haut sowie ihrer Anhangsgebilde Haare und Nägel durch spezifische Behandlungsformen und möglichst naturgewonnene und naturwertvolle Wirkstoffe, um den gesunden Status der Haut zu erhalten, ästhetisch störende Hautsymptome zu beheben oder ihre Entstehung zu verhüten und vorzeitigen Alterserscheinungen vorzubeugen. Das heißt, die BioKosmetik ist Gesundheitspflege, Hygiene und Prophylaxe zugleich. Dabei steht im Vordergrund ihrer Aufgabe und ihrer Behandlung stets das Moment des Ästhetischen, des Schönen und Harmonischen in der Erscheinung menschlicher Persönlichkeit.

Psycho-Kosmetik

Eng verwandt mit der BioKosmetik und unmittelbar aus ihr hervorgegangen ist der jüngste Zweig der Schönheitspflege, die seelisch betreuende Psycho-Kosmetik. Dies erklärt sich, indem die Empfindung menschlicher Schönheit und deren Störung ein psychisches Erlebnis darstellt, welches das Selbstwertgefühl des einzelnen Menschen, aber auch Sympathie und Antipathie der Menschen zueinander in der Begegnung beeinflusst. Der entscheidende Grund für die Einbeziehung dieses Grenzgebietes zur Psychologie in die BioKosmetik besteht darin, dass viele kosmetisch und ästhetisch störende Hautsymptome seelisch bedingt sind und sich als vermindertes Selbstwertgefühl, ja als Minderwertigkeitsempfinden äußern können. Dadurch spielen auch Fragen der Psychosomatik, also des Zusammenhanges zwischen Seelischem und Körperlichem, eine tragende Rolle in ihr. Damit hat die Kosmetik eine wesentlich höhere und verantwortungsvollere Aufgabe als dies noch vor einigen Jahren der Fall war. Drei verschiedene, sich gegenseitig ergänzende Möglichkeiten hat die Kosmetik heute:

1 Dekorativ das äußere Aussehen des Menschen gefällig und ansprechend zu gestalten und zu formen.

2 Biokosmetisch pflegend die Haut gesund zu erhalten und ästhetisch störenden Erscheinungen vorzubeugen.

3 Psychisch den Menschen aus einem verständnisvollen Erfühlen heraus zu behandeln und in einer wesenhaften Begegnung von Mensch zu Mensch zu einer Harmonie der Persönlichkeit zu verhelfen.

Möglichkeiten und Grenzen der BioKosmetik

Wenn wir festgelegt haben, dass die BioKosmetik die Aufgaben beinhaltet, das Aussehen und das Erscheinungsbild des Menschen zu pflegen, zu erhalten und ästhetisch störenden Phänomenen vorzubeugen, so ergibt sich daraus grundlegend eine dynamisch-genetische Betrachtungsweise sowohl der einzelnen Symptome wie auch ihrer möglichen Beeinflussung durch die Behandlungsmethodik und die jeweilige Wahl der Grund- und Wirkstoffe. Das heißt, wir müssen stets nach der Genese, der Entstehung, nach den Bildungsprozessen der Haut fragen, deren Ergebnis das schließlich erscheinende Hautbild darstellt:

1 Wie entstehen physiologische Alterserscheinungen?

2 Woher kommen Seborrhoe und eine Neigung zu Hautunreinheiten?

3 Wodurch werden die so genannten nervösen Reaktionen der Haut verursacht, wie Überempfindlichkeit, übersteigerte Reizreaktionen und viele andere?

4 Wie bildet sich das Hautpigment Melanin?

Symptomdiagnose

Die Grundlage sowie die Ausgangsdaten für die Diagnose des Hautbildes und der Hautkonstitution wie auch für die erste grundlegende Behandlung sind die einzelnen Hauterscheinungen, die verschiedenen individuellen Symptome. Wenn wir diese Erscheinungen selbst in der kosmetischen Behandlung jeweils unmittelbar angehen, so ist dies eine Symptombehandlung. Zu dieser Symptombehandlung gehört das gesamte Gebiet der dekorativen Kosmetik, dann beispielsweise das Entfernen von Komedonen, die Epilation, das äußerliche Abdecken von Pigmentstörungen und verschiedene Maßnahmen mehr.

Kausalbetrachtung

Daraus folgt, dass die einzelnen Symptome und Erscheinungen der Haut wohl die primäre Grundlage für die Diagnose und zunächst auch für die erste Behandlung der Haut darstellen. Aber die BioKosmetik kann sich mit dem bloßen Feststellen der Symptome und deren rein äußerlich bleibenden Behandlung nicht zufrieden geben. Sie muss nach den Ursachen fragen, welche die Symptome haben entstehen und auftreten lassen. So ergibt sich für die BioKosmetik notwendigerweise eine Kausalbetrachtung des Hautbildes nach seinen physiologischen Ursachen und Grundmomenten.

Finalbehandlung

Erst wenn wir die Ursache der Hautsymptome kennen, ist es möglich, eine gezielte biokosmetische Behandlung methodisch und spezifisch anzuwenden. Eine nach Art und Wirkstoff gezielte Applikation kann man Finalbehandlung nennen. Kausalbetrachtung und Finalbehandlung bilden somit in der BioKosmetik die Grundlage einer erfolgreichen Arbeit. Allerdings setzen sie eine systematische physiologische und biologische Forschung voraus, übertragen und begrenzt auf die für die praktische Kosmetik einschlägigen Fälle. Wenn wir in der BioKosmetik somit final, also zielgerichtet und erfolgstrebend den peripheren Hautzustand beeinflussen wollen, so ist Voraussetzung dafür, dass die applizierten Wirkstoffe überhaupt in die Haut aufgenommen werden. Die Aufgabe der Kosmetologie besteht somit darin, für eine Absorption der applizierten Stoffe möglichst in der Epidermis, bestenfalls noch in der Kutis zu sorgen, damit diese lokal die gewünschte finale Wirkung für die Haut entfalten können, ohne dass sie jedoch darüber hinaus Umstimmungen im Gesamtorganismus hervorrufen. Das heißt, in der BioKosmetik soll bei der Wahl von Wirkstoffen eine möglichst optimale Absorption innerhalb der Hautregion bei einer möglichst geringen Resorption erreicht werden.

Möglichkeiten

Damit kommen wir zu der Frage, welche Grundstoffe, Wirkstoffe und Komplexe uns in der BioKosmetik gegeben sind. Wir können dazu wiederum von der Grundauffassung ausgehen, die physiologischen Funktionen der Haut in ihrem Ablauf und Geschehen zu beeinflussen.

Naturstoffe

Damit stehen von vornherein nur natürliche biologische und physiologische Wirkstoffe im Vordergrund zur Behandlung, welche mit den im normalen Stoffwechsel der Haut vorkommenden Substanzen identisch oder wenigstens biochemisch verwandt sind. Daher dürfen in der BioKosmetik nur natürliche, pflanzliche und tierische Grundstoffe beziehungsweise Extrakte und Komplexe Verwendung finden. Paraffine, Vaseline, Silikone und andere unphysiologische Stoffe haben wohl eine Bedeutung als abschließender Hautschutz, sind aber zur biologischen Pflege der Haut wenig geeignet. Während hautverwandte Fette und Öle bei ihrer Spreitung auf der Haut ein feines, durchlässiges, poröses Netz bilden, stellen unphysiologische Substanzen einen abschließenden, undurchlässigen Film auf der Haut dar, wodurch sie die natürliche, notwendige Perspiration behindern. Das Kriterium für die Auswahl biokosmetisch wertvoller Grund- und Wirkstoffe ist daher die Identität oder die Verwandtschaft mit im natürlichen Hautstoffwechsel vorkommenden Substanzen, bevorzugt aus dem Pflanzen- und Tierreich. Kräuterextrakte, Balsame, Pflanzentinkturen und deren angereicherte oder rein dargestellte Wirkstoffe wie beispielsweise Azulen, Chlorophyll, Anthemin, Gerbstoffe, Pflanzenzucker, -schleime, Pektine, natürlich gewonnene Enzyme, Vitamine und Vitaminkompositionen, Eiweißstoffe, Aminosäuren und die so genannten Spurenelemente sind daher die grundlegenden Möglichkeiten für eine biokosmetische Applikation.

Wirkstoff-Komplexe

Dazu wählt man in der BioKosmetik bevorzugt

1 breitenwirksame Vitalstoffe und

2 Wirkstoff-Komplexe, deren einzelne Substanzen kosmetologisch gleichsinnig wirken.

Breitenwirksame Vitalstoffe

Breitenwirksame Vitalstoffe sind zum Beispiel die Vitamine A (Retinol) und E (Tocopherol). Sie haben physiologisch eine so vielfältige, umfassende Wirksamkeit, dass selbst bei einer nur annähernden Diagnose auch der jeweils gerade vorliegende Behandlungsfall noch innerhalb der Breite des Wirkbereiches liegt und somit erfolgreich behandelt werden kann. Der breitenwirksame Wirkstoff zeigt eine Vielzahl verschiedener physiologischer und kosmetologischer Wirkungen.

Wirkstoff-Komplex

Ein Wirkstoff-Komplex besteht aus mindestens zwei oder mehreren verschiedenen Einzelsubstanzen, welche am gleichen Organ, der Haut, eine gleichsinnige Wirkung hervorzubringen vermögen.

Synergie

Durch eine entsprechende Kombination von Substanzen ist es möglich, bei einer nur physiologischen Dosierung der einzelnen Wirkstoffe dennoch eine Erfolgswirkung zu erreichen, indem sich die einzelnen Stoffe in ihrer Intensität gegenseitig steigern.

Beispiele für solche synergistischen Wirkstoffkomplexe sind:

1 Azulen + Bisabolol

2 Vitamin A + Vitamin E

3 Flavonoide + Vitamin E

4 Vitamin-B-Komplex

5 Gesamtextrakte aus Pflanzen oder Pflanzenkeimen

Das heißt, verschiedene Wirkstoffe mit der gleichsinnigen Wirkung an ein und demselben Organ verstärken und intensivieren ihre gemeinsame Erfolgswirkung, indem sie von verschiedenen Seiten einen gleichartigen Einfluss ausüben. Auf dieser Basis ist es möglich, bei einer ganz normalen, physiologischen Dosierung der Wirkstoffe durch Kombination einen intensivierten, kosmetodynamischen Effekt zu erreichen. Dies ist für die BioKosmetik insofern von Bedeutung, als dadurch die Möglichkeit einer optimalen Wirkung auf den Hautzustand erreicht werden kann, ohne dass die Dosierung die physiologische Grenze überschreitet und ohne dass unerwünschte Fernwirkungen hervorgerufen werden.

Zeitlich begrenzte Applikation

Ein grundsätzlicher Unterschied zwischen der medizinischen und der kosmetischen Behandlung besteht darin, dass in der Medizin bei Krankheiten Medikamente, Heilmittel und Wirkstoffe jeweils nur während der Zeit der Krankheit gezielt und zeitlich begrenzt gegeben beziehungsweise genommen werden.

Ständige Anwendung

In der kosmetischen Behandlung hingegen, insbesondere bei der steten Pflege daheim, werden bestimmte Präparate und Wirkstoffe, die ohne weiteres spezifisch auf bestimmte Hautbilder und Hautkonstitutionen abgestimmt sein können, ständig gegeben beziehungsweise angewandt, zumindest über einen längeren Zeitraum hinweg.

Aus diesen Gründen ist es in der BioKosmetik notwendig, nur solche Substanzen und Wirkstoffe anzuwenden, welche – möglichst naturbelassen – physiologisch mit den Aufbaustoffen des menschlichen Körpers identisch oder zumindest verwandt sind. Denn jede physiologisch nicht verwandte, nicht adäquate Substanz wird stets vom Organismus als ein Fremdkörper empfunden und entsprechend von ihm behandelt.

Tagesdosis

Während die Medizin stets mit ihrer gezielten Therapie hohe therapeutische Dosen verwenden muss, ist die oberste Grenze der BioKosmetik die für den Organismus normalerweise erforderliche Tagesdosis. Eine Dosierung von Wirkstoffen in kosmetischen Präparaten darüber hinaus überschreitet bereits die Grenze zur medizinischen Therapie. Diese bewusste Begrenzung auf ein physiologisches Maß der Wirkstoffe gewährleistet dennoch ein Optimum an Wirksamkeit im Rahmen des kosmetischen Arbeitsgebietes, einmal durch die Wirkstoff-Kombination, zum anderen durch die Kontinuität der kosmetischen Applikation. Denn es ist eine pharmakologische Erfahrung, dass bestimmte Wirkstoffe, in einem steten, sich gleichbleibenden Rhythmus gegeben, wesentlich intensiver wirken als eine vielfach höhere Dosis auf einmal. Darin liegt der Schlüssel für die Möglichkeit der auf physiologischen und biologischen Erkenntnissen aufgebauten BioKosmetik, sich bewusst im Sinne der Gesundheitsvorsorge und Gesundheitspflege an begrenzte Dosierungen zu halten und dennoch durch die Stetigkeit der Anwendung ein Optimum an Wirkung zu erreichen.

Grenzen

Mit den Begriffen der bestimmten Dosierung und der Fernwirkung berühren wir bereits die Grenzen der BioKosmetik. Wohl kann man Pharmakologie und Kosmetologie als Wissenschaften nicht voneinander trennen, denn die BioKosmetik beruht notwendigerweise – wie wir zu Anfang schon festgestellt haben – auf den fortschreitenden Erkenntnissen der physiologischen, physiologisch-chemischen und pharmakologischen Forschung. Dennoch sind Medizin und Kosmetik in ihren Aufgabengebieten und in ihren beruflichen Voraussetzungen exakt zu trennen:

Indikationsgrenzen

Die Medizin heilt, lindert oder beseitigt Krankheiten, Leiden, Körperschäden oder krankhafte Beschwerden. Die BioKosmetik aber will die Gesundheit der Haut und ihrer Anhangsgebilde pflegen und erhalten, sie vor Schädigungen durch Umwelteinflüsse bewahren, ästhetisch störende Schönheitsfehler und Hauterscheinungen beheben und verhindern. Sie ist „Hautkultur“, wie Hufeland die Kosmetik einmal genannt hat, und als solche eine gesundheitliche Aufgabe, aber stets im Hinblick auf das ästhetische Empfinden. So ergibt sich von der Aufgabe her bereits eine Begrenzung und Einschränkung der Kosmetik auf das ästhetische Moment, unter Ausschluss all dessen, was Krankheit, Leiden oder Körperschaden ist. Dabei wissen wir jedoch alle aus der Erfahrung, dass die Übergänge vom gerade noch Gesunden zum bereits Kranken stets fließend sind.

Seborrhoe und Akne

So sagte Professor Hopf in Hamburg in einem Vortrag anlässlich der Therapiewoche, dass die Bezeichnung Akne allein keine medizinische Diagnose darstelle; denn die jeweils davon Betroffenen empfinden sich primär nicht als krank, sondern vielmehr als kosmetisch und ästhetisch gestört. Diese Störung des Empfindens als psychisches Phänomen wird durch Hautunreinheiten, Komedonen, Pusteln, kleine Unebenheiten und Erhebungen der Haut hervorgerufen, welche eine Folge gesteigerter Talgdrüsensekretion sind. Im Laufe der Pubertätsjahre kann man alle diese Erscheinungen wohl als eine übersteigerte, jedoch an sich normale Hautfunktion bezeichnen. Erst wenn durch eine Infektion entzündliche Reaktionen hinzutreten, wird die Akne zur Krankheit.

Atrophie

Ebenso ist zu entscheiden, ob das Altern (und als dessen Folge Alterserscheinungen der Haut) bereits als Krankheit zu definieren ist oder ob es einen wohl ungewollten und unerwünschten, an sich aber gleichfalls normalen physiologischen Prozess im Leben des Organismus darstellt. Auch hier kann man sagen, dass das Altern als ein gleichmäßiges Absinken der Stoffwechsel-, der Organ- und Funktionsleistungen einen physiologischen und gesetzmäßig eintretenden Prozess darstellt und daher nicht als krankhaft zu bezeichnen ist. Ausgesprochene Degenerationserscheinungen der Organe, der Haut und des Unterhautzellgewebes sind jedoch als krankhaft zu werten und gehören dann in das Gebiet der medizinischen Therapie.

Allergie

Im Zusammenhang damit sei auch auf das große Gebiet der Allergien hingewiesen, welche als Krankheiten definiert werden, die durch bestimmte Stoffe, die Allergene, ausgelöst werden. Sie gehören also eindeutig nicht mehr in das Gebiet der BioKosmetik. Dennoch ist es möglich, zwar nicht die Allergie als Krankheit, aber doch die ihr zugrunde liegende und sie bedingende Disposition durch eine entsprechende präparative, manuelle und psychische Behandlung so zu beeinflussen, dass die Auslösung allergischer Erscheinungen vermindert werden kann.

Insofern ist es notwendig, dass man zur Abgrenzung zwischen BioKosmetik und Medizin die physiologischen von den pathologischen Alterserscheinungen klar und deutlich trennt.

Unter dieser Voraussetzung bleibt die BioKosmetik im Rahmen ihres Fachgebietes eine prophylaktische, vorbeugende Gesundheitspflege.

Grenzen zum Arzneimittel

Zu der Begrenzung des Arbeitsbereiches der BioKosmetik durch die Begriffe der Krankheit, des Körperschadens und des Leidens tritt die stoff- und materiegebundene Grenze im apothekenpflichtigen oder rezeptpflichtigen Arzneimittel. Diese stoffliche Abgrenzung ist in allen Ländern durch die Arzneimittelgesetzgebung eindeutig festgelegt, wird allerdings je nach Auffassung verschieden gehandhabt. Das heißt, dass auch ein BioKosmetikum immer Kosmetikum bleibt und kein Arzneimittel sein darf. Es dürfen mit ihm keine Krankheiten geheilt, keine Körperschäden beseitigt und keine Leiden gelindert werden. Außer dieser generellen Definition sind ganz bestimmte Stoffe namentlich genannt, welche nur in Apotheken verkauft, und ferner solche, die nur auf ärztliches Rezept hin abgegeben werden dürfen. Alle diese genannten Agenzien dürfen in der BioKosmetik nicht verwendet werden. Diese Einschränkung und Begrenzung aber hat im Prinzip nur Vorteile, wenn wir ganz klar und eindeutig im Bereich unseres eigenen und spezifischen Arbeitsgebietes bleiben. Denn die Möglichkeiten der BioKosmetik sind so groß und vielseitig, dass es ohne weiteres möglich ist, alle in ihren Bereich fallenden Erscheinungen mit Erfolg zu behandeln. Zeigt es sich jedoch, dass bei bestimmten, zunächst noch kosmetisch erscheinenden Symptomen die Methoden und Wirkstoffe, welche der BioKosmetik zur Verfügung stehen, nicht erfolgreich sind, so weist dies fast stets darauf hin, dass krankhafte Störungen vorliegen, welche einer medizinisch-therapeutischen Behandlung bedürfen. Denken wir hierbei nur an neurovegetative oder organische Störungen, an Infektionen und anderes.

Trennung und Ergänzung

Unter der Voraussetzung einer klaren und sauberen Trennung der BioKosmetik von der Medizin besteht die Möglichkeit einer gegenseitigen Ergänzung und wertvollen Befruchtung beider Disziplinen. Denn die Medizin wird wohl medikamentös oder durch entsprechende physikalische Behandlungen therapieren, sich aber niemals individuell oder manuell mit den einzelnen erscheinenden Effloreszenzen befassen, wie dies für die Behandlung von Hautunreinheiten in der Praxis notwendig ist. So ist die BioKosmetik ein eigenständiges Fachgebiet. Sie verbindet das Ästhetische mit dem Physiologischen als eine pflegende, vorbeugende, finalgerichtete Gesundheits- und Schönheitspflege. Dies geschieht unter dem führenden Grundgedanken, dass nur eine gesunde Haut wirklich schön sein kann.


Kosmetik – ein Weg zur Harmonie der Persönlichkeit

Erfahrungen der Praxis

Die Erfahrungen der kosmetischen Praxis haben ein menschliches Problem aufgezeigt, welches unsere Arbeit in der Kosmetologie und in der Kosmetik zu einem größeren und weiteren Bereich ihres Wirkens führt. Gab es einmal Zeiten, in denen man der Kosmetik vorwarf, sie sei der Versuch, mehr scheinen zu wollen, als zu sein, so erkannte man doch bald, dass gerade die moderne Kosmetik mit ihren vielfältigen Möglichkeiten der Einflussnahme einen wichtigen Teil der Gesundheitspflege und Hygiene darstellt.

Selbstwertgefühl

So finden viele Frauen heute den Weg zur Kosmetik, weil sie wegen eines unschönen, disharmonischen Aussehens ihrer Haut das Gefühl mangelnden Selbstwertes und der Unsicherheit gegenüber ihrer Umwelt haben. Sie glauben, dass sie aufgrund ihres Aussehens im Leben nicht in dem Maße bestätigt und anerkannt werden, wie sie dies gerne möchten oder wie sie es bräuchten, um zu einem gesunden Selbstwert- und Sicherheitsgefühl zu kommen. Wenn wir diese schönheitssuchenden Menschen betrachten und ihre inneren Beweggründe verstehen wollen, um ihnen wirklich von Mensch zu Mensch helfen zu können, dann erkennen wir, dass Kosmetik sogar noch viel mehr als eine neuzeitliche Gesundheitspflege ist: Sie wird zur psychischen Lebensaufgabe, die Menschen zu einer Harmonie ihrer Persönlichkeit hinzuführen. Wir hören hier von Harmonie und sprechen zugleich von Schönheit. Wie gehören diese beiden Empfindungen zusammen? Um diese Frage beantworten zu können, wollen wir uns zunächst überlegen: Wie ist das, wenn wir Menschen etwas als schön empfinden? Wie offenbart sich uns Menschen Schönes? Denn das ist die grundlegende Frage der Kosmetik und der Schönheitspflege überhaupt: Was ist Schönheit?

Definition der Schönheit

Wenn wir einem schönen Bild, einer schönen Erscheinung, einem schönen Menschen begegnen, so fühlen wir uns bewegt und beschwingt; wir empfinden uns erhebend beglückt und beschenkt und ein inneres Gefühl der Zuneigung, ja tiefer, innerer Liebe wird in uns wachgerufen. Es ist so, als ob eine innere Saite in uns berührt wird, die mit dem Geschehenen, mit dem Gehörten, dem Erlebten in einem harmonischen Akkord schwingt.

Schönheit als Harmonie der Erscheinung

So ist Schönheit beschwingende Harmonie und Harmonie erhabene Schönheit: Ein Gefühl der Beglückung durchströmt uns, als hätte uns Menschen ein Hauch der ewigen Schöpfung gestreift. Eine harmonische Erscheinung der menschlichen Persönlichkeit zu formen und zu gestalten ist daher der eigentliche, tiefe Sinn der Kosmetik. Denn die Sehnsucht der Menschen nach Harmonie und Schönheit ist so alt wie ihre Geschichte. In ihr wirkt und webt ein Streben nach Vollkommenheit und Vollendung.

Kosmetik als Lebensaufgabe

In diesem umfassenden Sinn ist Kosmetik eine Aufgabe, die uns das Leben stellt. Denn so wie wir als Persönlichkeit auf unsere Mitmenschen wirken, so wirken sie auf uns zurück. Das Leben ist ein stetes Geben und Empfangen. Je stärker und härter aber das Leben gerade heute an die Frau herantritt, die früher doch mehr im Kreise ihrer Familie geborgen war, um so mehr sollte sie wissen, dass sie am urgründigsten und tiefsten durch ihre gepflegte, harmonische Erscheinung zu wirken vermag. Sie schenkt ihr das innere Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein ihrer Persönlichkeit.

Körper-Seele-Problem

Das Seelische gestaltet sich im Körperlichen. Der Körper aber in seinem Aussehen wirkt zurück auf die Entwicklung und Entfaltung des Seelischen, auf seine Kraft oder sein Zagen, auf seine Stärke oder seine Schwäche, auf seine Harmonie oder Zerrissenheit, auf die Sicherheit oder das Schwanken der Seele. Wir Menschen sind seelisch-geistige Wesen, die sich körperhaft in Raum und Zeit darleben. So spricht das Seelische aus dem Körper: Sind wir fröhlich und heiter, zufrieden und lebensfroh, dann ist unser Aussehen jugendlich, unser Teint belebt, unsere Haut frisch und hell. Sind wir jedoch traurig und niedergeschlagen, unzufrieden und lebensmüde, so sehen wir um Jahre gealtert aus, unsere Haut wirkt welk und fahl. All dies hinterlässt auf dem Gesicht seine Runen und Zeichen und kann die ansprechende Harmonie eines menschlichen Antlitzes zerstören. Welch eine tiefe intuitive Erkenntnis offenbart sich uns darin, dass sich in der Eigenschaft hässlich das Moment des Hasses verbirgt. So ist der Mensch von Anbeginn seines Werdens eine untrennbare Einheit von Seelischem als der Idee seiner individuellen Persönlichkeit und Körperlichem als ihrer sich ausprägenden Erscheinung. Daraus erklärt sich nun, weshalb wir von Erscheinungen des Körpers, des Aussehens, des Sichgebens, der Gestik und der Mimik auf Eigenschaften, Veranlagungen, Einstellungen und Neigungen rückschließen können. Das Äußere ist das Sichausprägen des Inneren. Wir müssen nur lernen, die Kennzeichen, die Charakteristika und Merkmale zu erkennen, sie zu deuten und sie zu verstehen, um aus der daraus sich ergebenden Kenntnis und Erfühlung des Menschen die individuelle Diagnose, die persönliche Charakterisierung und die jeweilige Art der Begegnung, des Gespräches und des Umganges abzuleiten. Aber kommen die meisten der heutigen Menschen dazu, sich diese Lebensfragen bewusst werden zu lassen? Die bunte, schillernde Vielfalt der modernen Welt bricht Tag für Tag mit einer derartigen Vehemenz über uns herein, dass man sich dazu losreißen muss. Wer dies nicht ganz kann und nicht weiß, sollte sich dabei führen und leiten lassen.

Lebenssinn der Kosmetik

Und hierin liegt der tiefe menschliche Lebenssinn der Kosmetik. Alle die nervösen, hastigen, ruhelosen und zeitarmen Menschen, die zur Kosmetik kommen, die sich vielleicht sogar unbewusst zu ihr flüchten, nehmen Sie in die Obhut Ihrer Behandlung. Sie nehmen Ihre Klientin gewissermaßen bei der Hand und führen sie durch Ihre ruhige verständige Art dahin, dass sie sich loslöst von der Welt draußen, dass sie sich entspannt und freimacht von den alltäglichen Nöten und Sorgen. Sie soll sich ganz dem Gefühl überlassen können, sich nur ihrem eigenen schöneren Ich hinzugeben. Wenn Ihre Klientin sich von Mal zu Mal darauf freut, wieder bei Ihnen in Behandlung sein zu dürfen, weil sie weiß: „Hier bin ich Mensch, hier kann ich’s sein“, dann haben Sie sie nicht nur für sich gewonnen, sondern einem Menschen geholfen, zu sich selbst zu finden.

Geben und Nehmen

Wenn Sie mit dieser Erkenntnis und diesem Gefühl in Ihrer Praxis an die Arbeit gehen, dann werden Sie bald selbst empfinden, wie reich Ihre Arbeit am Menschen ist, an der Gestaltung seiner schöneren Erscheinung, wie Sie selbst wieder beschenkt werden durch die Zwiesprache von Mensch zu Mensch und durch die Zuneigung und das Vertrauen, die Sie ernten. So ist Kosmetik ein Führen und Geleiten der sich ihr anvertrauenden Menschen zu einer Harmonie ihrer Persönlichkeit auf dem Wege der Schönheit als einer Harmonie der Erscheinung.

Führen und Geleiten

Die Voraussetzung allerdings, dass Sie so in Ihrer Praxis wirken können, dass Sie Vertrauen zu schenken vermögen, ist, dass Sie zu sich selbst als Mensch sowie zu Ihrem fachlichen Können ein echtes, festes Zutrauen haben und zum anderen, dass Sie auch den biokosmetischen Präparaten Vertrauen entgegenbringen, mit denen Sie arbeiten und helfen.

Zur Selbstverwirklichung der Frau

„Der Weg der Frau“

Esther Harding, die amerikanische Psychotherapeutin und Schülerin von C.G. Jung, schreibt in ihrem Buch „Der Weg der Frau“: „In den wechselnden Schicksalsmöglichkeiten der heutigen modernen Frau ist mancher Mythos dahingeschwunden, den die männliche Illusion um sie gesponnen hat. Frühere Zeiten mögen diese Illusionen in ihrer Unbewusstheit widerspruchslos auf sich genommen haben, die Frau heute aber zeigt sich so, wie sie wirklich ist. Sie hat ihre eigene weibliche Persönlichkeit selbst gefunden und damit das Zauberkleid von sich geworfen, in das der Mann sie eingehüllt hatte. Die Frau von heute wagt es, sich in ihrer eingestandenen Schwachheit, aber auch in ihrer Stärke als sich selbst zu zeigen. Die Illusion des Mannes hat vordem das Bild der Frau in Licht und Schatten gemalt mit übermenschlichen Farben: Sie war göttlich schön und dämonisch furchtbar. Indem die Frau aber heute es gewagt hat, in das Licht der Wirklichkeit hinauszutreten, hat sie wohl den Schleier der Illusion verloren, dafür aber sich selbst gewonnen, als eine sich ihrem ureigensten Wesen selbstbewusste Persönlichkeit.“

Wahres weibliches Wesen

Was aber ist dieses „wahre weibliche Wesen“, früher und heute, dessen sich die moderne Frau bewusst geworden ist?

Das Mütterlich-Weibliche

Wenn wir uns dem eigentlichen Wesen der Frau von den Urgründen des Seins nähern wollen, so müssen wir zurückgehen auf die Urbilder, den Archetypus der Ur-Mutter oder der Großen Mutter. Dieses archetypische Bild findet seinen symbolhaften Ausdruck in den Mutterdarstellungen und Muttergöttinnen der verschiedensten Kulturen, früherer und heutiger Zeiten und Völker. Es beinhaltet bereits zwei Aspekte, zum einen das Gütige, Hegende, Tragende, Wachstum-, Fruchtbarkeit- und Nahrungsspendende, zum anderen aber das Geheimnisvolle, Verborgene, Finstere, Verschlingende und Angsterregende. Dies sind die beiden Gesichter der liebenden und zugleich dämonischen Ur-Mutter, des Urbildes der aus ihrem Schoße Gebärenden, allem Leben Schenkenden und im Tode wieder in sich Verschlingenden. In der Tiefenpsychologie nennt man diese Urform der Großen Mutter den Elementarcharakter des Weiblichen.

Elementarcharakter

Das Grundmotiv dieses Elementarcharakters ist, aus einer Überfülle Leben zu schenken, aus sich heraus zu gebären, Leben zu erhalten und ein am Ende wieder in sich Festhalten und Heimholen. Es ist ein schutzgebendes Wahren, Wärmen und Nähren, aber auch ein Behalten-, Nicht-mehr-hergeben-wollen.

Das Mädchenhaft-Frauliche

Bis in unsere Zeit herrschte allgemein die Vorstellung, dass allein Muttertum und Frauentum miteinander identisch seien und dass es darüber hinaus kein frauliches Charakterbild gäbe. In Wirklichkeit aber beinhaltet das weibliche Wesen schon seit der Antike zwei einander bedingende Pole: Das urtümlich mütterlich Weibliche und das mädchenhaft Frauliche. Den schönsten und besten Ausdruck für diese beiden weiblichen Wesensseiten finden wir in den griechischen Göttergestalten von Demeter und ihrer Tochter Persephone. Da die griechischen Göttergestalten zeitlose geistige Ideen darstellen, sind ihre Gestaltungen der Ausdruck innerer, seelischer Wirklichkeiten. Demeter ist die Mutter Erde, die Göttin der Fruchtbarkeit, Persephone aber erscheint in der Gestalt der Kore als mädchenhafte Gattin. So werden in diesen beiden Frauengestalten die beiden großen Pole des Weiblichen lebendig, Ur-Mutter und mädchenhafte Frau und Gattin.

Emanzipation

Erst im Zuge der Emanzipation erkannte die Frau mit steigendem Bewusstwerden ihrer Individualität, dass sie diesen mädchenhaften Teil ihrer eigenen weiblichen, seelischen und geistigen Entwicklungsmöglichkeiten hatte brach liegen lassen. Diese Wesensseite harrte noch der bewussten Erweckung. Erst im Typus der modernen mädchenhaften Frau und Partnerin des Mannes beginnt diese zweite Seite lebendig zu werden. Es vollzieht sich dabei eine innere Wandlung der Lebensauffassung, der Welteinstellung und vor allem der Begegnung mit dem Mann.

Wandlungscharakter

Darum nennt man in der Tiefenpsychologie diese Seite auch den Wandlungscharakter der Frau. Worin bestehen die Charakteristika dieses auferweckten weiblichen Wesens? Im Gegensatz zum Elementarcharakter ist es nicht konservativ, sondern dynamisch. Es fasziniert und provoziert, es will verändern, bewegen und wandeln, aber nicht nur unmittelbar sich selbst, durch sich selbst, sondern insbesondere in der Begegnung mit dem Mann. Er soll durch dieses Wesen und seine Faszination zur Tat angeregt und begeistert werden. Schönheit und Anmut sind daher seine dynamischen Attribute. Denn Anmut bedeutet anmuten, das heißt den Mut, das Gemüt anzusprechen, anzuregen und damit zum Wirken, zum Werk zu führen. Dieser Wandlungscharakter wirkt drängend und zur Entwicklung treibend; er bringt Bewegung und Unruhe. Diese Wesensseite des Weiblichen tritt mit zunehmender Differenzierung der Persönlichkeit und mit wachsendem Bewusstsein des eigenen Selbst mehr und mehr zutage.

Wagnis des selbsteigenen Lebens

In der Möglichkeit des Wagnisses, das eigene Leben selbst zu gestalten – mit oder gegen die Haltung und Einstellung der Mitwelt – liegt der heutige Aspekt der weiblichen Daseinsthematik über das Urtümliche-Biologische, über das Nur-Mütterlich-Weibliche hinaus. Daraus aber entspringt eine der Wurzeln der Krisis, dass die Frau gefühlsmäßig empfindet oder klar bewusst weiß, dass die Erfüllung des Urbildes der Großen Mutter ihr innerlich nicht mehr allein zu genügen und sie zu erfüllen vermag. Ihr schwebt ein Bild der eigenen Selbstverwirklichung vor, sie ist voller Sehnsucht nach einem selbstständigen Darleben ihres eigenen Ichs. In der Welt draußen, in der heutigen Um- und Mitwelt kann die Frau aber nicht den Weg zur Lösung ihrer menschlichen Krisis finden. Die Freiheit, die Selbstständigkeit und Emanzipation der Frau ist daher weder in einer Überwindung des Männlichen in ihr selbst, ihres animus, zu suchen, noch in einem Kampfe gegen den Mann außerhalb ihrer selbst.

Innere Einung

Der einzige mögliche Weg ist die Verbindung ihres Elementarcharakters mit ihrem Wandlungscharakter, ist die Vereinigung von urtümlich Mütterlich-Weiblichem mit Mädchenhaft-Fraulichem in ihr und an sich selbst. Das menschliche Ziel ist daher heute die aus den Kräften des Unbewussten, des Intuitiven schöpfende und dennoch sich selbst bewusste mädchenhafte Frau, die es wagt, ihre ganze Weiblichkeit aus innerstem Vertrauen heraus zu bejahen und darzuleben, in all ihrem Wesen, Wirken und Sein.

Leibliche Erscheinung und Selbstgefühl

Nichts aber offenbart die naturhafte Bestimmung der Frau mehr als die Erscheinung ihres Körpers. Die ganze Lebenssituation der Frau wird durch das Schicksal ihres Geschlechtes getragen und geprägt; durch ihren eigenen Körper ist sie in Verbindung mit der Natur und ihren Lebensprozessen, indem sie die Urphänomene des Daseins, Empfängnis, Schwangerschaft, Geburt und damit das Leben und auch den Tod näher und unmittelbarer erleben muss als der Mann. So ist die Frau in einem viel innigeren Sinne an ihre Leiblichkeit gebunden, so dass man von einem persönlichen, unmittelbar empfundenen und erlebbaren Verhältnis zu ihrem eigenen Körper sprechen kann. Die Frau identifiziert sich mit ihrem Körper und sie achtet ihren Leib wie ihr Selbst.

Schönheit als weiblicher Wesenssinn

Es ist daher Gesetz und Sinn fraulichen Lebens, sich nach der Schönheit des eigenen Körpers zu sehnen. Denn dies schenkt ebenso Erfüllung weiblichen Daseins, wie dem Manne das Gelingen eines schöpferischen Werkes. Schön zu sein und die Empfindung der Schönheit an sich selbst bewusst zu machen, darin liegt ein naturgegebener Schlüssel für die Erfüllung der heutigen Aufgabe, Elementarcharakter und Wandlungscharakter in der individuellen Persönlichkeit zu vereinen. Denn allein aus der Harmonie ihrer Persönlichkeit wird die Frau Trägerin und Interpretin der Schönheit und nur sie vermag es zu werden. Schönheit des eigenen Ichs ist somit ein so vollkommenes Attribut weiblichen Wesens, dass ihre Empfindung und Pflege einer der zur Selbstverwirklichung naturgegebenen Wege der heutigen, mitten im Leben und Daseinskampf stehenden Frau sein kann.

Sinnerfüllung durch Kosmetik

Aus der weiblichen Identifikation von Leib und Ich bedeutet eine Pflege des Körpers zugleich eine Pflege, ein Sichbefassen, ein Sichbetreuenlassen des ganzen persönlichen individuellen Ichs. Kosmetik meint und fördert daher eine bewusste Darstellung des Eigenwertes und Selbstwertes vor sich und der Mitwelt. Nun trägt das Schönheitsideal der heutigen Zeit eindeutig mädchenhaft-weibliche Züge. Der Typ der modernen Frau ist die Kore-Gestalt, die heute auch der Mann in der Frau sucht und beglückt wiederfindet. Das Schönheitsideal des Mädchenhaft-Fraulichen zu schaffen und zu gestalten, ist aber gerade die Idee und die Aufgabe der heutigen Kosmetik. Kosmetik ist somit ein Urphänomen leiblicher Ausdrucksform und körperlichen Gestaltungswillens der Frau, die so grundlegend für das weibliche Wesen ist, dass das Streben, das Sichsehnen und Suchen nach Schönheit des Körpers als einer harmonischen Ausdrucksform und körperlichen Ästhetik stets das Ewig-Weibliche im liebevollsten Sinne charakterisiert. Daher ist es die besondere Aufgabe der Kosmetik, die moderne Auffassung des Mädchenhaft-Fraulichen herauszustellen und damit im äußeren Erscheinungsbild auf die Wandlung der Auffassung und des eigenen Charakters hinzuweisen. Die Frau will und soll Frau sein und bleiben, im vollen Selbstvertrauen auf das eigene erwachte Wesen ihres heutigen Wandlungscharakters. Mit der Erfüllung dieser Aufgabe bereitet die Kosmetik der Frau den Weg zur Selbsterkenntnis und zur Selbstverwirklichung, ohne dass sie auf männliche Attribute und Eigenarten zurückgreifen müsste.

Moderne Emanzipation

Damit schafft die Kosmetik die Voraussetzung für eine Emanzipation in einem ganz anderen Sinne als dies je früher gedacht oder auch nur geahnt worden war. Nicht als ein Nachahmenwollen des Männlichen in ihr, nicht ein Kampf gegen den Mann außerhalb ihrer selbst, sondern ein befreiendes Bekenntnis zum eigenen, sich selbst bewusst werdenden Wandlungscharakter, als einer aus den Urgründen des Daseins schöpfenden Dynamik; das ist der eigentliche tiefe Sinn wahrer Emanzipation. So weist die Kosmetik Wege zu einer Selbstverwirklichung, die die Frau für sich alleine zu gehen vermag. Aus der Harmonie der äußeren Erscheinung, aus der Zufriedenheit und dem innerlich beglückenden Gefühl, sich selbst aus der eigenen Lebensmitte heraus darzuleben und entfalten zu können, findet sie ihr eigenes Selbst wie eine Insel, als ein rein weibliches Reich, in dem sie unabhängig von aller Welt und unberührt von allem Hässlichen Königin sein kann. Wenn eine Frau sich aber nicht pflegt oder nicht pflegen will, dann ist dies nicht nur von der Vernunft her gesehen unklug und für sie selbst von Nachteil, sondern im Grunde eine Missachtung des eigenen innersten Lebenssinnes, sei es aus Unkenntnis, aus Nachlässigkeit oder aus überholten konventionellen Vorurteilen.

Partnerschaft mit dem Mann

Trotzdem bedarf die höchste und tiefste Erfüllung fraulicher Selbstverwirklichung der liebenden, ritterlichen Begegnung und Partnerschaft mit dem Mann, welcher gewillt und fähig ist, das weiblich-frauliche Wesen in seinen beiden Weisen des Elementar- und Wandlungscharakters zu tolerieren und vor allem als die notwendige Voraussetzung für seine eigene schöpferische Leistung zu erkennen und anzuerkennen. Aus dieser Zweisamkeit körperlicher, seelischer und geistiger Begegnung allein ist das höchste Ziel aller Menschlichkeit zu erringen: Der Mensch als sich selbst bewusste, sich selbst verwirklichende Persönlichkeit, die all das Ihre als ein Geschenk der Gnade dankbar empfängt, um es in den schöpferischen Momenten liebender Begegnung weiterzugeben und hineinzutragen als Tat in die Wirklichkeit unserer heutigen Zeit und Welt.

Das griechische Schönheitsideal

Urgrund der Ästhetik

Nicht nur für die gesamte abendländische Kultur stehen wir in Griechenland auf bedeutsamem historischen Boden, sondern vor allem auch für das Gebiet unserer eigenen Lebensarbeit, der Kosmetik und der Kosmetologie als Pflege der menschlichen Persönlichkeit in ihrer Erscheinung, in ihrer Gestalt und in ihrem Aussehen. Damit gehen wir zurück zu dem seelisch-geistigen Urgrund der Schönheitspflege, zur Ästhetik, in die Welt des Empfindens und Erfühlens. Die Griechen der Antike waren es, welche erstmalig in Bewusstheit den Glauben an die Sendung des Menschen und den Wert der menschlichen Persönlichkeit wachgerufen haben und welche danach strebten, die Idee der Schönheit in ihrer Kunst zu verwirklichen. In Griechenland stand die Wiege dieser damals neuen dynamischen Idee, den Menschen als das höchste Wesen irdischer Schöpfung in den Mittelpunkt der Lebensbetrachtung in der Philosophie und der Lebensdarstellung in der bildenden Kunst zu erheben. Der Mensch – das Geschöpf der Götter, ein unsterbliches seelisches Wesen in einer körperhaften vergänglichen Erscheinung, die es galt, im Kunstwerk unvergänglich festzuhalten.

Idee des Schönen

Über dem Boden, der einst das alte Hellas trug, waltet noch heute die kraftvolle Entschiedenheit wie ein Vermächtnis für uns Menschen von heute, den von den Hellenen aufgezeigten Weg auch für uns und für die Zukunft fortzusetzen. Dadurch entsteht für uns die Frage, wie es uns möglich ist, die Idee des Schönen in der heutigen Zeit, in unserem Leben und in unserer Arbeit fortzusetzen und lebendig zu halten.

Plato sagt in seinem Philebos, „das Schöne entsteht, wenn Zahl und Maß durch die ordnende königliche Seele des Zeus in die Mannigfaltigkeit der zahllosen und unermesslichen Erscheinungen der körperhaften Welt tritt“. Die königliche Seele des Zeus schenkt die schöne Ordnung der Natur, den Kosmos, die Sphären-Harmonie. Das Schöne ist der göttliche Geist, der sich in der Natur, in der Harmonie ihrer Formen und Gestalten offenbart.

Harmonie der Erscheinung

Die Harmonie, das Eins-Sein, das Einander-Durchdringen des Seelischen und des Körperhaften in Raum und Zeit ist das Ideal der antiken hellenischen Schönheit. Und da sich selten eine so reiche geistige und seelische Begabung mit einem gleichfalls gesunden Wirklichkeitssinn verbunden hat wie bei den alten Griechen, so ist es verständlich, weshalb gerade sie in einer einzigartigen Genialität fähig waren, die Idee der Harmonie in ihrer Kunst bildhaft darzustellen und zu verwirklichen. Denn reine Menschlichkeit in der Erscheinung aufzufinden ist unendlich schwer, vielleicht sogar in der Wirklichkeit unmöglich. Das ahnungsvolle Vermögen der Griechen aber vermochte ihren Olymp mit idealischen Gestalten zu bevölkern. Und wenn der Grieche eine reine Eigentümlichkeit und reine Schönheit zu schauen suchte, dann wandte er sich dem Kreise seiner Götter zu und fand, was er in seinem Sehnen wünschte.

Gestaltung des Schönen

Deshalb ist es bisher nur dem griechischen oder dem von seiner Welt inspirierten Künstler gelungen, die Idee des Schönen in der menschlichen Erscheinung zu einer wahrhaften Harmonie zu gestalten und ihr in der Welt der Kunst den zeitlosen und doch ganz eigenen, ja eigenwilligen Ausdruck zu verleihen, der uns auch heute noch und immer wieder in seinen Bann schlägt. Was aber will dieses antike, hellenische Schönheitsideal, symbolhaft dargestellt in den Kunstwerken, welche die Idee menschlicher Schönheit in sich tragen, uns heutigen Menschen sagen? Was will sie gerade uns sagen, die wir die Schönheit und das Schöne der lebendigen menschlichen Erscheinung hegen und pflegen wollen? Was der antike griechische Künstler in seinen Werken verwirklichte, nämlich der Idee des Schönen im Bild- und Gestaltwerk symbolhaften Ausdruck zu verleihen, das wollen wir den lebenden Menschen um uns und uns selbst schenken und geben.

Sympathie

Wir fühlen in uns eine aus dem Urgrund unseres Wesens aufkeimende glückhafte Freude, die in sich den Wunsch trägt, das schön Empfundene in sich aufzunehmen. Aus dem Anblick und aus der Empfindung schönen Lebens erwacht und wächst das Gefühl der Sympathie, des Wohlwollens und der Zuneigung. „Der Liebende begehrt nach dem Schönen, dass es ihm zuteil werde, um mit ihm gemeinsam glücklich zu sein“, sagt Plato, und „an der Stelle seiner Lebensbahn, wo der Mensch das Wesen des Schönen erkennt, wo er das Schöne selbst schaut, da wird ihm das Leben erst lebenswert.“ Aber nicht alle Menschen finden das Gleiche schön; vielmehr empfinden wir das Schöne ganz individuell und ganz persönlich nach unserer eigenen Art, nach unserem eigenen Wesen, nach unserem eigenen Charakter.

Individualität der Empfindung

So hat jeder Mensch als Persönlichkeit sein ganz ureigenes Empfinden von Schönheit, ebenso wie auch ein jedes Menschenalter seine eigene Schönheit besitzt. Jeder von uns entscheidet ganz allein für sich selbst, was ihm schön ist, was er als schön, als harmonisch mit seinem eigenen Ich empfindet und erfühlt. So liegt der Schlüssel für das Schöne nicht außerhalb in den Erscheinungen allein, sondern zugleich in uns, in unserem eigenen Ich als geistig-seelisch-körperlichem Sein.

Schönes tönt in uns, schwingt in Harmonie mit unserem Gefühl. Es ist ein harmonisches Zusammenklingen unseres Inneren, unseres Erfühlens mit dem Erlebten außerhalb unserer selbst. Aber dies ist es nicht allein, denn das Schöne zieht uns hinan, empor. Es erhebt uns über das Allzu-Alltägliche in reine, höhere Sphären. Darum gehört zum Erlebnis des Schönen in uns das Gefühl des Erhabenen, des uns Erhöhenden, des Edlen und Wohlgeratenen. Es ist die vollendete, vollkommene Fülle der Schöpfung, die sich uns in ihrem Schönen, in ihrer Schönheit kundtut und offenbart. So ist das Empfinden der Schönheit das Gefühl erhabener Harmonie, ein inniges Angesprochenwerden, das uns erhebt und beglückt. Sie ist die Einheit im Mannigfaltigen, die Harmonie der Teile im Ganzen, die völlige Durchdringung des Geistigen in das Sinnenhafte.

Kosmetik als Aufgabe und Praxis des Schönen

So wie der griechische Künstler seinem Ideal der Schönheit in seinem Werk aus Marmor und Stein Ausdruck verlieh, so ist es die Aufgabe der Kosmetik, diesen zeitlosen und ewigen Gedanken des Schönen am lebendigen Bild menschlicher Persönlichkeit Wirklichkeit werden zu lassen. Der ganze Mensch in seiner Sehnsucht nach Schönheit und Vollendung seines Ichs als Erscheinung und als Wesen sei daher stets der Mittelpunkt und der Inhalt unserer ästhetischen Lebenserkenntnis und unserer kosmetischen Lebensarbeit. Zur Harmonie der menschlichen Persönlichkeit beizutragen ist der Sinn unseres Wirkens. So ist das alte griechische, intuitiv empfundene Schönheitsideal für uns Menschen heute zum bewussten Vermächtnis geworden, Schönheit physisch zu geben und zu schenken, auf dass der Mensch in seinem Erscheinungsbild und in seinem Aussehen zu einem glückhaften Begegnen mit seiner Umwelt komme, der er in einem ruhigen, in sich gefestigten Selbstwertgefühl gegenübertreten kann. Dieses höchste Ziel in der Pflege der menschlichen Schönheit, im Sinne des alten griechischen und doch ewig jungen Ideals einer Harmonie von Erscheinung und Wesen, von Aussehen und Wollen, von Dasein und Sein zu erreichen, dazu steht uns allen der Weg offen. Auch wenn wir in und an uns selbst noch viel zu arbeiten haben, so genügt unser eigenes Wollen und Streben dahin, um es den anderen Menschen weitergeben zu können, die die Pflege ihres Aussehens und ihres Schönseins – im wahrsten Sinne des Wortes – vertrauensvoll in unsere Hände legen. In dieser letzten und höchsten Vollendung einer Pflege des Schönen im Sinne einer seelisch-leiblichen Betreuung von Menschen liegt ein unerschöpfliches Feld unseres Tuns und Handelns erfolgversprechender und beglückender Wirksamkeit. Ich glaube sogar, dass der höchste Sinn der Kosmetik überhaupt darin zu suchen ist, dass der Mensch in sich selbst die Idee des Schönen erkenne, damit er aufgeschlossen und sehend werde für die Schönheit der All-Schöpfung, die den Ausdruck ihrer inneren Harmonie trotz ihrer äußeren Gegensätze, trotz ihrer sich bedingenden Polaritäten des Wirkens in den Erscheinungen der Welt darstellt. Wir knüpfen an die Idee der frühen Menschheit von Schönheit an und geben ihr dennoch für unsere heutige Zeit ihren eigenen Sinn, dessen Erkenntnis für uns heute die Aufgabe unseres Lebens ankündigt: Pflegend die Schönheit des Körpers bewusst zu erkennen, als das uns sinnenhaft gegebene Symbol einer Schönheit des Geistes und der Seele in der lebendigen Harmonie des ganzen Menschen.

Gesicht und Seele

Die Fragen und Probleme des menschlichen Sichdarlebens und Zusammenlebens wenden sich heute immer mehr einer Betrachtung des ganzen Menschen als Persönlichkeit zu, als einer körperlichen, seelischen und geistigen Person. In der Begegnung von Mensch zu Mensch unterliegen wir dauernd der Wirkung des Fluidums oft feinstnuancierter Ausdrucksphänomene, die wir bei einer entsprechenden Sensitivität meist unbewusst empfinden und auf die wir unbewusst reagieren. Nur in wenigen Fällen sind wir imstande, die erlebten Ausdruckserscheinungen auch objektiv bewusst zu bestimmen und in ihrem körperlich-seelischen Sinn zu verstehen.

Ausdruckserscheinungen

So spielt die Gestik bei allen Begegnungen von Menschen neben den Ausdruckserscheinungen der Sprache, wie Dynamik und Klangfarbe des Sprechens, Ruhe oder Hast der Rede, der Sicherheit, Klarheit oder Verworrenheit der Wortbildung, im Gesamtprozess der Wahrnehmung anderer Menschen und ihres Seelenlebens in Form von Körperhaltung und der Körperbewegungen eine entscheidende Rolle.

Gestik

Denken wir dabei an die Formen des Gehens, des Laufens, der hastigen oder ruhigen Handbewegungen oder anderer Körperbewegungen.

Mimik

Das wichtigste und uns ständig gegenübertretende Gebiet unbewusster und bewusster Ausdruckserscheinungen, von denen vornehmlich das zwischenmenschliche Verstehen getragen und beeinflusst wird, ist die Mimik, in ihren vielfältigen und reichen Formen und Formveränderungen des menschlichen Gesichtes. Wir wollen damit den Blick öffnen für eine mannigfaltige Welt von Erscheinungen und Geschehnissen, mit denen das menschliche Antlitz lebendig und dennoch stumm zu uns spricht. Was ist Ausdruck und wie wollen wir ihn speziell im Hinblick auf die Physiognomie des Gesichtes erklären und bestimmen? Dem Begriff des Aus-Druckes liegt der ursprüngliche Wortsinn zugrunde, dass etwas Inneres sich als Äußerung darstellt. Etwas Innerliches, das dem Einzelnen nur in der Verschwiegenheit seiner Selbsterfahrung unmittelbar gegeben ist, tritt als Gegebenheit in die sinnliche Erscheinungswelt und wird damit auch anderen Menschen erfahrbar. Als körperlich-seelisches Wesen hat der Mensch an beiden Sphären teil. Die Oberfläche des Körpers, die Haut, erscheint wie der Übergang vom inneren in den äußeren Bereich. Der Begriff des Innen umfasst wiederum zwei Sphären: die leiblichen Gegebenheiten wie die inneren Organe, die Nerven, Muskeln und die Gewebe sowie Seelisches, nämlich die Inhalte, die Worte und Bilder des Bewusstseins.

Die Funktion des Ausdruckes als Symbol

Der Inhalt einer äußeren sinnenhaft erfahrbaren Wahrnehmung wird als Hinweis auf ein inneres, körperliches und seelisches Geschehen gedeutet, welches der beobachtende Außenstehende nicht direkt wahrzunehmen vermag.

Ausdruck als sinnlichseelisches Spontanzeichen

Zunächst wollen wir einige Beispiele für diese spontanen Ausdruckserscheinungen nennen: der Schrei des Entsetzens, die Beschleunigung des Pulses bei Angst oder Furcht, das Erröten bei Scham oder Verlegenheit, das Weinen bei Schmerz und Trauer, das Lachen bei Frohsinn und Heiterkeit, die aufrechte Haltung des Stolzes und das geduckte Gebaren des Unterwürfigen sind nur einige wenige Beispiele. Seelischer Inhalt und sinnliches Phänomen existieren ineinander und miteinander als ein einziger lebendiger Vorgang leiblich-seelischer Integration (Ganzheit). Aus den Beispielen erkennen wir, dass die Ausdruckserscheinungen des menschlichen Körpers als

1 Ausdrucksbewegung und als

2 Ausdrucksvorgänge

auftreten können. Wenn diese leiblichen Erscheinungen des Ausdruckes im Gesicht auftreten, dann nennen wir dies Mimik, wenn sie das Erscheinungsbild des ganzen Körpers betreffen, Pantomimik.

Der prozessuale Charakter der Ausdruckserscheinungen

Es gibt aber nicht nur diese aktuellen Ausdrucksgeschehnisse, sondern auch bleibende statische Ausdrucksformen. Wir unterscheiden somit

1 von dem aktuellen sukzessiven Ausdrucksgeschehen

2 die statische, sich aus einem Ausdrucksgeschehen ergebende Ausdrucksgestalt.

Mimik und Physiognomik

So ist Physiognomik die auf der Erfahrung aufgebaute und begründete Lehre von den Eigenschaften dauernder, statischer körperlicher Erscheinungen des Menschen, so weit man sie als Zeichen für seelische Eigenarten auffassen kann. Diese statische, über einen längeren Lebenszeitraum hinweg gleichbleibende Ausprägung der körperlichen Erscheinung eines Menschen hat zwei voneinander völlig verschiedene Wurzeln:

1 Die architektonische Eigenart der Gestalt eines Körpers, bedingt durch die morphologische Ausprägung der Knochen, der Gewebe, der Fettschicht und der verschiedenen Größenrelationen der Organe zum Gesamtbild des Organismus und

2 die sich verfestigende Spur eines immer wiederkehrenden mimischen und pantomimischen Geschehens.

Die architektonische Eigenart

Zwischen der architektonischen Eigenart der leiblichen Erscheinung eines Menschen und bestimmten Eigenschaften seiner seelischen Veranlagung bestehen Zusammenhänge:

Das Seelische als prozessuale Potenz, die sich in Dispositionen, in ganz bestimmten Tendenzen zu äußern vermag, ist nicht absolut statischer Natur. Zumindest müssen wir dem seelischen Grundcharakter eines Menschen, der ihm von Natur seit Geburt mitgegeben worden ist, etwas Veränderbares, zur Dynamik Fähiges zuerkennen. Denn sonst wäre jegliche Erziehung und Menschenformung von vornherein zum Scheitern verurteilt. Das gleiche gilt auch für den nur scheinbar statischen Leib, der ständig eine Regeneration vollzieht, wobei das neu Entstehende dem Vorangegangenen wohl analog und ähnlich, aber nicht mit ihm identisch ist. Insofern können wir feste Formen des Körpers, welche auf der architektonischen Eigenart eines Menschen beruhen, mit Seelischem im Verhältnis eines koexistenten Bedeutungszusammenhanges sehen, wie etwa die Disposition zu bestimmten Empfindungs- oder Antriebserlebnissen. Denn diese Bedeutungszusammenhänge zwischen körperlicher Erscheinung und seelischem Wesen spielen in der Diagnose eine grundlegende Rolle.

Die mimische Spur

Das ursprüngliche, statische Gepräge eines Gesichtes wird überformt von den Spuren sich wiederholender mimischer Ausdrucksgeschehnisse, die sich im Laufe der Jahre verfestigen. Je häufiger und intensiver, insbesondere aber je einseitiger die Betätigung bestimmter Muskeln erfolgt, umso eher und umso stärker hinterlassen sie an der Oberfläche der Haut bleibende Spuren, Einkerbungen und Falten, die man Engramme nennt. Durch das Nachlassen der Haut-Elastizität im Verlauf des Alterns kommt es, dass die Ausprägung mimischer Spuren mit zunehmendem Alter steigt. Beim jungen Menschen glätten sich die Muskeln und die Haut nach einer aktuellen Innovation schnell wieder, im Alter aber hinterlässt das aktuelle mimische Geschehen eine festgeprägte Spur und zeigt dadurch nicht nur für den unmittelbaren Augenblick des mimischen Geschehens seinen seelischen Charakter, sondern auch auf die Dauer, im positiven oder im negativen Sinne. Es kommt dadurch zu einem langsamen Bildungs- und Umbildungsprozess des Gesichtsausdruckes. Es gibt ein Sprichwort, welches besagt, „Bis 30 Jahre hat der Mensch das Gesicht, das ihm die Natur von Geburt aus gab; ab 30 formt er es sich durch das, was er aus sich gemacht hat“. Dieses statische Gepräge eines Gesichtes, welches sich als feste Spur mimischer Geschehnisse herausgebildet hat, ist eindeutig ausdruckswertig und weist auf die seelischen Vorgänge hin. Wir lassen jedoch unbedingt die Möglichkeit offen, dass auch eine Korrelation zwischen der architektonischen Eigenart eines Menschen und bestimmten Regelmäßigkeiten seines seelischen Verhaltens besteht, wie dies beispielsweise die Kretschmersche Typenlehre in ihrer Zuordnung von Körperbau und Charakter wiedergibt und somit Grundlage sein kann für eine entsprechende Diagnostik.

Bei allen Völkern, gebildet wie ungebildet, wurde mit Recht großer Wert auf die Schönheit der Frau gelegt, „und ein schönes Gesicht, eine schöne Hand, ein schöner Fuß, wenn sie bei diesem Geschlecht sich im Verein finden, gaben daher fast überall die sicherste Bürgschaft, dass hier eine im allgemeinen wohl ausgestattete, geistige Individualität in der Anlage vorhanden sei“.

Solche Analogieschlüsse von der körperlichen Wohlgestalt auf die seelische Wohlgeratenheit, vom ästhetischen Wert des Äußeren auf den ethischen Wert des Inneren vollziehen wir täglich; insbesondere beurteilen wir – mehr oder weniger bewusst – die Differenziertheit, Geistesart und soziale Stellung einer Persönlichkeit nach dem Stil ihrer Gesichtsbildung: Dem groben oder feinen Schnitt, der guten oder schlechten Modellierung der Züge. Solche Schlüsse haben oft etwas unmittelbar Einleuchtendes, solange sie sich auf den Gesamteindruck von einem Menschen beschränken und nicht zu sehr ins – dann naive – Einzelne gehen.

Mimische Diagnostik

Wenn wir eine subjektive Eindrucksqualität, das heißt, eine von uns sinnlich erfasste Wahrnehmung, auf ihre seelische, objektive Grundlage deutend zurückführen wollen, dann müssen wir drei Bedingungen voraussetzen:

1 Wir müssen die möglichen Ausdruckserscheinungen möglichst umfassend kennen.

2 Wir müssen sie objektiv genau bestimmen.

3 Wir müssen deren diagnostische Bedeutung, eventuell auch Mehrdeutigkeit, formulieren und festlegen.

Wir wollen damit ergründen, welche Erscheinungen des Ausdrucks an einem anderen Menschen die Grundlage für die Erkennung seines seelischen Wesens sein können. Das heißt, wir wollen die verschiedenen mimischen Ausdruckserscheinungen kennen lernen und auf ihrer Basis die Grundzüge einer mimischen Diagnostik aufstellen. Lersch hat dazu die einzelnen Ausdrucksgeschehnisse des menschlichen Gesichtes in verschiedener Hinsicht bestimmt:

1 Mimisch. Dabei wird eine ganz bestimmte Eigenart eines Gesichtes als phänomenale Gegebenheit bezeichnet, wie zum Beispiel das abgedeckte Auge, der seitliche Blick oder ein aufgelockertes Lachen.

2 Anatomisch-physiologisch. Hierbei wird jede mimische Form bei ihrem Erscheinen danach bestimmt, welche Vorgänge sich dabei in der mimischen Muskulatur abspielen, zum Beispiel das mimische Bild der horizontalen Stirnfalten.

3 Die Zuordnung der jeweils besonderen mimischen Form entsprechend ihres spezifischen psychischen Ausdruckssinns und ihrer psychologischen Bedeutung.

4 Die genetische Betrachtungsweise. Sie sucht die mimische Form aus Geschehenszusammenhängen abzuleiten.

5 Die phänomenologische Betrachtung, welche aus der unmittelbar gegebenen Form der Mimik ihre (spontane) Bedeutung bestimmt.

Damit leiten wir über zu den vielfältigen psychosomatischen Fragen in der BioKosmetik.

Psychosomatische Fragen in der Kosmetik

Zusammenhang zwischen Leiblichem und Seelischem

Eine der aktuellsten und interessantesten Fragen der heutigen Medizin und der Anthropologie – und daher auch für uns in der Kosmetologie – ist das eigentlich uralte menschliche Problem des Zusammenhanges zwischen Leib und Seele, zwischen körperlichen Erscheinungen und seelischen Ursachen. Durch die immer weiter voranschreitende psychosomatische Forschung wird ein neuer Schwerpunkt des psychophysischen Aspektes gebildet. Er erkennt das Seelische als grundlegende und bedeutungsvolle Lebenssphäre an, welche von ihren leiblichen Erscheinungen nicht zu trennen ist; so wie man weiß, dass angeborene, vererbte oder erworbene Körperschäden oder -mängel sich häufig in Form von psychosomatischer Depression, vermindertem Selbstwertgefühl, Resignation oder Kontaktscheue auszuwirken vermögen. Das grundlegende Problem besteht in der Frage, wie es denn überhaupt möglich ist, dass zum Beispiel eine seelische Depression Krankheiten und umgekehrt körperliche Erkrankungen oder Missbildungen, psychische Umstimmungen, Lebensunlust, Mattigkeit oder auch ein Gefühl der Unzufriedenheit hervorzurufen vermögen. Selbstverständlich interessiert uns im Rahmen unseres Behandlungsgebietes vor allem die Frage, inwieweit psychische Ursachen ästhetisch störende Hautsymptome entstehen lassen und andererseits, inwiefern diese Hautsymptome dann wiederum einen negativen Einfluss auf das Selbstwertgefühl und das Selbstbewusstsein eines Menschen ausüben können. Das heißt, wir fragen uns:

1 Welche grundlegenden kosmetischen Symptome sind möglicherweise psychogen verursacht?

2 Welche Ursachen können ihnen zugrunde liegen?

3 Wie sind sie im Rahmen der kosmetischen Praxis zu behandeln?

Psychogene Ursachen

Zunächst möchte ich die Fälle nennen, bei denen eine psychogene Ursache möglich ist und die in der Praxis tatsächlich auch häufig vorkommen:

1 Ein schubartiges, anfallartiges Auftreten von Hautunreinheiten.

2 Vorzeitig auftretende Alterserscheinungen der Haut.

3 Überempfindlichkeit, übersteigerte Reizreaktionen, Neigung zu Irritationen auf der Basis einer psychogen bedingten Disposition.

Akne-Anfall

Junge Menschen mit einem labilen Selbstwertgefühl reagieren oft in einer unbewusst psychischen Abwehr auf eine ungerechte Behandlung, auf Ärger oder eine Beleidigung mit einem spontan auftretenden Akneanfall. Häufig findet man diese Labilität bei Kindern, welche ein liebevolles Elternhaus entbehren müssen. Dass dieser psychisch spontan ausgelöste Akneanfall sich erst recht in einer Verminderung des Selbstwertgefühls und des Selbstbewusstseins äußert, ist eine Tatsache, die man im täglichen Leben beobachten kann.

Atrophie

Auch manche vorzeitige Atrophie kann seelisch bedingt sein: Sicher sind auch Ihnen schon die verhärmten und sorgenvollen, welk und müde aussehenden Gesichter von Menschen begegnet, welche eigentlich noch in den besten Jahren ihres Lebens stehen. Enttäuschungen im Leben, Unzufriedenheit, die menschliche Tragik eines zerstörten Lebens, unerfüllte Wünsche, die entweder zu hoch gesteckt waren oder die ein hartes, unerbittliches Schicksal zerschlagen hat: Sie haben ihre alt machenden Runen in die Gesichter eingegraben: Die Haut ist welk, faltig, fahl, leblos, apathisch.

Überempfindlichkeit und Hyperergie

Während die einen Menschen auf den zermürbenden Ärger des Alltags mit Müdigkeit und Resignation antworten, gibt es andere, die vollkommen extrem darauf reagieren: Sie zeigen ein übersteigertes Abwehrgefühl, ein hektisches Von-sichweisen von allem und jedem, was auf sie zukommt und an sie herantritt. Das sind die Menschen, welche infolge ihrer steten, gespannten Abwehrstellung im Leben auch symptomatisch zu einer Hypersensibilität, zu einer Überempfindlichkeit, zur Hyperergie, zu einer Nervosität der Haut neigen und mit Reizungen, Rötungen, ja sogar mit typischen Allergien reagieren.

Menschliche Betreuung

Die nervliche Belastung im Berufsleben spielt hierbei häufig eine ausschlaggebende Rolle. Sicher, die Frau kann und soll heute im Lebenskampf stehen, sehr oft muss sie es sogar. Aber es ist eine Lebenserfahrung, dass die Frau danach viel mehr als der Mann Stunden der inneren Sammlung braucht, um sich zu erholen. Und darin sehe ich eine menschliche Chance der kosmetischen Behandlung: Dass Sie die Möglichkeit haben, Ihrer Klientin im Institut diesen für sie so lebensnotwendigen inneren Ausgleich durch Ihre Behandlung zu geben. Es genügt oft schon, wenn die Klientin nur weiß und fühlt, dass jemand da ist, der sich um ihr schöneres Ich bemüht und es betreut. Ein heutiges Problem des Menschen besteht darin, dass er sich heimatlos fühlt: „ungefragt hineingeworfen in eine Welt und verdammt, in ihr zu vegetieren, um eines Tages wieder sinnlos zerstört zu werden“, wie Sartre es ausdrückt; und er sagt weiter, dass das Leben eine Qual sei, ein Fluch, vor dem uns ein Ekel ankäme. Sicher ist die Auffassung Sartres und damit des Existenzialismus extrem und negativ, aber Extreme beleuchten oft deutlich und hart die Tatsachen. Haben wir heute wirklich das Gefühl verloren, unser Leben als eine Gnade erhalten zu haben, um es dankbar zu empfangen? Ist es nicht eigenartig, dass in einer Welt Millionen wimmelnder Menschen, die aneinander vorübergehen, aneinander vorbei hasten, einander flüchtig begegnen, diese Menschen nicht mehr fähig sind, sich innerlich etwas zu geben?

Einsamkeit und Begegnungen

Vielleicht wissen Sie aus Gesprächen mit Ihren Klientinnen, dass gerade die menschliche Einsamkeit in der heutigen Zeit eine so grundlegende und besondere Rolle spielt, weil wir nicht mehr fähig sind zu einer inneren, wahrhaft wesentlichen Begegnung von Mensch zu Mensch, sondern lediglich zu einem mehr oder weniger äußerlich bleibenden, förmlichen Aufeinandertreffen. Vielleicht täusche ich mich – aber im Grunde bin ich davon überzeugt, dass der eigentliche und wahre Sinn einer kosmetischen Behandlung neben seiner notwendigen äußeren Form auch die Möglichkeit einer wesenhaften, inneren menschlichen Begegnung einschließt.

Heilende Hände

Frauen können heilende Hände haben. Man glaubt heute nicht mehr daran. Aber stellen wir uns vor, wie geborgen und heimelig sich ein krankes Kind fühlt, wenn seine Mutter ihm liebevoll über den Kopf streicht, wie es in diesem Gefühl einschläft und damit schlafend Heilung findet. Ebenso beruhigend oder belebend können Sie durch Ihre Hand unmittelbar auf Ihre Klientin einwirken und ihr unbewusst das Gefühl des Geborgenseins in Ihrer Pflege geben.

Vertrauen

Sicher ist das Vertrauen, das innerliche sympathische Mitgehen der Menschen, Voraussetzung dafür, dass Sie durch Ihre Hand Ihre Klientin in eine Sphäre der Harmonie zu lenken und zu geleiten vermögen. Es gibt sensible und feinfühlige Menschen, die mit Ihnen einen unbewusst erfühlbaren, sympathischen Kontakt finden: Es ist wie ein Gespräch ohne Worte: Die herzliche Art Ihrer Behandlung, die Feinfühligkeit Ihrer Hände sprechen für sich selbst und sie werden ebenso intuitiv erfühlend verstanden und empfunden.

Ich weise auf diese seelischen Dinge hin, weil Ihre seelische Sphäre, man könnte sagen, Ihre lebensvolle Atmosphäre, Schönheit geben zu können, das wertvollste Moment für den Erfolg Ihrer Behandlung darstellt, vor allem dann, wenn die ästhetisch störenden Symptome ursprünglich seelisch bedingt waren. Sie können daher nicht nur rein äußerlich gestaltend Schönheit schenken, sondern darüber hinaus auch die dazu notwendige innere, seelische Harmonie.

Das Hübsche

Dabei wollen wir allerdings ganz deutlich das Schöne von dem Hübschen unterscheiden: Hübsch ist ein mehr oberflächliches, wohlgefälliges Aussehen, das keine persönliche Tiefe besitzt, während Schönheit eine Harmonie ist, die aus einer seelischen Tiefe der Persönlichkeit über die äußeren Erscheinungen hinaus strahlt und die immer erhebend und beglückend wirkt. Es gibt sehr wohl Menschen, die hübsch sind, ohne schön zu sein und genauso auch Menschen, die man wohl auf den ersten Blick nicht als hübsch empfindet, und die dennoch aus der Tiefe ihrer Persönlichkeit schön sind. Dabei schließen sich das Hübsche und das Schöne gegenseitig nicht aus.

Das Schöne

Denken wir hier nur an das Bild einer Mutter, die sich über ihr schlafendes Kind beugt – das Gesicht von Glück und herzlicher Freude verklärt. Dieses Antlitz ist schön. Wir sehen daraus, dass für den Menschen die äußeren Erscheinungen und Symptome getragen werden von seiner seelischen Einstellung zu sich selbst, zu seinen Mitmenschen, zur Welt und ihrem Sinn. Wir erkennen andererseits die Bedeutung gerade unseres kosmetischen Berufes darin, wie sehr Phänomene, die die Harmonie der Erscheinung mindern, ihrerseits wiederum das Seelische im Menschen zu beeinträchtigen und zu stören vermögen, so dass die manuelle und präparative Behandlung von einer seelischen, menschlichen Betreuung nicht zu trennen ist, um vollen Erfolg zu erzielen.

Das Seelische

Der Bereich des Seelischen, des Humanen und deren Berücksichtigung werden heute mehr und mehr in den Vordergrund unserer wissenschaftlichen und praktischen Betrachtungen gestellt. Ich erinnere hier nur an die Psychotherapie in der Medizin, an die psychische Menschenführung in den modernen Betrieben, an die seelischen Probleme der heutigen Psychologie und Pädagogik. All diese Strömungen wurden wachgerufen, weil man erkannt hat, dass eine rein logische, rationale und äußerlich systemal aufgebaute menschliche Gesellschaft an der Macht des seelisch Unbewussten scheitern muss, wenn sie diese nicht berücksichtigt. Sollten wir daher in der Kosmetik und in der Kosmetologie auf diese Erkenntnisse verzichten, wo wir doch stets als Mensch dem Menschen gegenüberstehen und ihm selbst unmittelbar begegnend helfen wollen?

Das Unbewusste ist und muss der Urgrund weiblichen Wesens und Sichdarlebens bleiben, aus dem die Frau den Weg in die Welt des Bewussten und des Bewusstwerdens im Leben geht. Durch das Erahnen der Kräfte der Natur in sich wird der menschliche Geist aufgefordert, in das heilige Dunkel des inneren Wesens von sich selbst und der Erscheinungen einzudringen. Wenn sie diesen Weg ins eigene Innere wagt, dann hat gerade die Frau die Fähigkeit, den Zusammenfluss und das Zusammenspiel der einzelnen Kräfte des Lebens und des Daseins zu erspüren und zu ergründen. Aber sie darf die Dinge und die Menschen nicht nur von außen betrachten, sondern Erfühlung, Einfühlung und Intuition müssen aus dem äußeren Bild der Form und der Gestalt des Erscheinenden das innere Wesen zu empfinden suchen. Darin gründet für uns Menschen heute der geistige Wert der Frau, vor allem in der Begegnung von Mensch zu Mensch.

Die Kosmetik im Dienste der Rehabilitation

Definition der Rehabilitation

Rehabilitation ist die Wiederherstellung eines Menschen, speziell eines Kranken, die Wiedereingliederung in seine Umwelt und die vollwertige Rückführung zu seiner Mitwelt. Sie umfasst dabei alle therapeutischen, sozialen, psychologischen und pädagogischen Bemühungen, um eine vollwertige Rückführung und Rückfindung des betreffenden Menschen in die ihn umgebende Lebensgemeinschaft zu ermöglichen oder zumindest zu erleichtern.

Das soziologische Moment

Wir berühren damit das menschlich grundlegende Problem der zwischenmenschlichen Beziehungen: Individuum und Gesellschaft, Persönlichkeit und Gemeinschaft, Einzelner und Masse. Es beinhaltet die Bindungen des Ichs zum Du, des Ichs zum Wir. Die soziologische Bedeutung und Aufgabe der Kosmetik für das Sichhineinfinden und für das Rückfinden des Einzelmenschen in die ihn umgebende menschliche Gemeinschaft ist somit ein wichtiges Thema. Es stellt sich deshalb die Frage, inwiefern die Kosmetik im Sinne dieser soziologischen Aufgabe wirksam sein kann.

Rituelle Urform

Es ist heute fast unbekannt, dass die ursprünglichste Bedeutung der Kosmetik eine kultisch-rituelle war. Die so genannten „Primitiven“ färbten sich Haare, Gesicht und Körper mit bestimmten Naturfarben in altüberlieferter Manier. Dies geschah aus einem urmagischen Empfinden, sich über das individuell Irdische dadurch erheben zu können, dass die Gleichartigkeit des sich Schmückens die Individualität aufheben könne, zugunsten einer meist in leidenschaftlicher Ekstase sich findenden Gemeinsamkeit aller. Von diesen Zusammenhängen hören wir heute nur selten. Aber im Unbewussten spielt dieses Einander-Gleichwerdenwollen, dieses gemeinsame, über das Alltägliche hinaus Sich-Erhebenwollen eine grundlegende Rolle auch oder sogar erst recht im modernen Leben mit seiner extremen Individualisierung.

Individuum und Gemeinschaft

Der Mensch als Einzelner strebt danach, sich selbst in seiner Individualität zu entfalten, zu entwickeln und sich darzuleben. Aber der Mensch ist ebenso sehr ein geselliges Wesen und somit auf das Zusammensein mit anderen Menschen lebensnotwendig angewiesen. Keiner von uns kann in der heutigen modernen Welt autark existieren. Das Leben eines Robinson ist lediglich eine interessante, sozial-psychologische Studie. Im Grund aber wollen wir nicht isoliert für uns allein im Leben stehen. Im Gegenteil: Das Problem des Alleinseinmüssens, der Einsamkeit der Einzelnen in der Masse wird häufig als eine Tragik der modernen Massengesellschaft empfunden. Der Geist der heutigen Zeit stellt ganz bewusst den Einzelmenschen in seiner Ichheit und seinem Ichbewusstsein heraus. Darin liegt aber die Gefahr, dass sich der Einzelne als ein in das Dasein geworfenes Wesen verlassen und isoliert, ganz auf sich allein gestellt empfindet und nunmehr aus einer Angst um die Erhaltung seines Ichs vor dem Leben, vor der Welt und den Menschen hinein in das Kollektiv flieht. Die extreme Herausstellung des Ichs als eines Individuums einsamer Einmaligkeit schlägt in ihr Gegenteil um: Aus Angst vor einem unerbittlich erscheinenden Schicksal rettet sich der Mensch in die Fänge der namenlosen Masse des „man“: Man sagt, man meint, man tut und man sagt mit, man meint mit, man tut mit! Ein ursprünglich erhebendes Gefühl der Gemeinschaft und der Gemeinsamkeit ist aus Angst um das eigene Ich zur Flucht in die Massenhaftigkeit geworden, in der es untergehen muss. Scheinbar ein Widerspruch in sich selbst, aber dennoch eine Tatsache. Wie konnte es zu einer derartigen Entwicklung kommen? Martin Buber macht in seinem Buch „Das Problem des Menschen“ einmal ein soziologisches und zum anderen ein seelengeschichtliches Moment dafür verantwortlich:

Zerfall gewachsener Gemeinschaften

Die alten organischen Formen des unmittelbaren wesenhaften Zusammenlebens der Menschen wie die Familie, die Sippe, die Werk- und Dorfgemeinschaft sind, beginnend mit der politischen Freimachung des Menschen, heute am Zerfallen. Diese lebendigen Gemeinschaftsformen boten dem Menschen eine äußere und eine innere Heimat für sein eigenes Leben, eine persönliche und soziologische Sicherheit der Welt und dem Schicksal gegenüber.

Moderne Zivilisation und der Mensch

Der zweite Faktor dieser Entwicklung besteht darin, dass der heutige Mensch in seiner seelischen und geistigen Entfaltung hinter seinen äußeren Werken zurückgeblieben ist. Die Technik, die Produktivität der Wirtschaft, die politische Organisation – ursprünglich erfunden, um dem Menschen zu dienen – haben sich heute zu anonymen Mächten verselbstständigt, welche ihrerseits nunmehr den Menschen beherrschen. Dadurch tritt der Gegensatz zwischen Mensch und Masse heute härter und bewusster als früher zutage. Es stellt sich deshalb die Frage nach der Lösbarkeit dieses Gegensatzes. Es ist weder das Extrem des heutigen Individualismus, welcher den Menschen nur in seiner Ichbezogenheit sieht, noch der Kollektivismus, welcher den Menschen als Persönlichkeit verneint, eine Lösung dieses brennenden anthropologischen Problems. Denn beide sind Äußerungen des gleichen menschlichen Zustandes, nämlich des Gefühls kosmischer und sozialer Heimatlosigkeit. Weder der Einzelne für sich selbst, noch die Masse an sich stellen das lebenswerte und lebensvolle Fundamente des menschlichen Daseins dar. Beide sind mächtige, aber extreme Abstraktionen. Was aber wäre dann das wahre, echte Dritte, der vielgerühmte goldene Mittelweg, der die Extreme in einer höheren Einheit verbindet?

Entdeckung des Du

Das grundlegende, elementare, schöpferische Ereignis ist die Entdeckung des Du, so wie Feuerbach sinngemäß sagt: Das Wesen des Menschen ist nicht im einzelnen Menschen für sich allein, sondern nur in der Einheit des Menschen mit dem Menschen, in einem Wir. Das Wir basiert sowohl auf der Realität des Unterschiedes von Ich und Du als auch dem Anspruch, dass der Mensch dem anderen Menschen begegnet, aber nicht ungerührt und fremd, sondern dass Wesen und Wesen aneinander Anteil nehmen, ineinander überfließen, miteinander integrieren. Der Einzelne ist wohl Tatsache der unmittelbar erlebbaren Existenz, aber das Fundament seines Lebenssinnes ist der Mensch mit dem Menschen, die wesenhafte Begegnung des Ich mit dem Du als einer schöpferischen Urkategorie, zur dynamischen Ganzheit des Wir sich fügend.

Erster Eindruck

Wenn wir Menschen das erste Mal einem anderen gegenübertreten, so sei, sagt ein altes englisches Sprichwort, der erste Eindruck der entscheidende. Wir urteilen in diesem Augenblick spontan, intuitiv, nach Gefühl, subjektiv; aber dennoch unsere persönliche zuneigende oder ablehnende Haltung begründend und bestimmend. Das äußere Erscheinungsbild ist es daher, welches den entscheidenden Eindruck zum Vorteil oder zum Nachteil der sich Begegnenden bestimmt. In wie vielen Fällen störender, entstellender Symptome werden oft wertvolle Menschen von anderen, denen sie innerlich nahe sein möchten, aufgrund dieses ersten unglücklichen Eindrucks zu Unrecht zurückgestoßen, unbewusst lieblos zurückgewiesen in ihr Alleinsein, aus dem sie sich herausgesehnt haben. Denken wir dabei nur an den verzweifelten Satz in einem Brief Nietzsches: „Wenn ich Dir einen Begriff meines Gefühls von Einsamkeit geben könnte! Unter den Lebenden so wenig als unter den Toten habe ich jemanden, mit dem ich mich verwandt fühle. Dies ist unbeschreiblich schauerlich ...“. Dabei brauchen gerade diese Menschen einen Ausweg, einen Weg hinein in die Gemeinsamkeit eines irgendwie gestalteten wesenhaften Wir, um zu einem inneren Gefühl der Lebenserfüllung und damit des inneren Friedens zu gelangen.

Mitmenschliche Resonanz

Erkennen wir daran nicht, wie das Selbstwertgefühl und damit die Sinnhaftigkeit unseres Lebens beeinflusst und mitgetragen wird von der Resonanz des Menschen im anderen, in der Zweisamkeit zweier sich liebender Menschen, in dem Wir der Familie, als den Grundpfeilern des menschlichen Erlebnisses der Gemeinsamkeit, in den Bindungen der Arbeitsgruppe, der Berufsgemeinschaft und zuletzt der Gesellschaft? Heute sehen wir, dass die Kosmetik in der modernen Gesellschaft darüber hinaus bis in die grundlegenden Bindungen der Menschen untereinander und miteinander zu individuellen und überindividuellen Gemeinschaften und „Gesellungen“ reicht, wie Vershofen dies auszudrücken pflegte.

Selbstvertrauen

Selbstverständlich beginnt die Wirkung dabei primär beim Einzelnen selbst. Schon rein äußerlich verursacht ein Nachlassen oder Aufhören vordem störender Hautsymptome ein gefälligeres, ansprechenderes Aussehen der ganzen Person. Der betreffende Mensch gefällt sich selbst besser und nimmt freudig und dankbar anerkennende Worte seiner Mitmenschen in sich auf, ebenso wie ein Kranker die ersten ihm mitgeteilten Anzeichen seiner Genesung. Das ist das unbewusst wirkende Einflussnehmen allein durch die kosmetisch pflegende Tätigkeit selbst. Aber wir müssen darüber hinaus auch daran denken, wie wohltuend und dankbar es empfunden wird, wenn Sie als Mensch da sind, sich um den anderen – Ihre Klientin – bemühen, sie in Ihre Pflege nehmen, Zeit für sie haben, als Beruf wohl, vielleicht sogar aus innerer Berufung.

Positive Lebenseinstellung

Die sich daraus ergebende positive Einstellung zum Leben ist die Voraussetzung für eine Rehabilitation, für ein Zurückfinden oder überhaupt für ein Sichzurechtfinden des Menschen in seiner Umwelt und Mitwelt zu einer ihn voll anerkennenden Gemeinschaft, in der allein der Mensch sich geborgen fühlt. Das wesenhafte Begegnen von Mensch zu Mensch, des Menschen mit dem Menschen beginnt daher schon als eine Aufgabe der Kosmetik in Ihrem Institut, in der ersten Begegnung zwischen Ihrer Klientin und Ihnen und vollzieht sich stetig während Ihrer ganzen Behandlung. So ist die Kosmetik heute ein großes, umfassendes Gebiet geworden, welches schließlich in die soziologischen Aufgaben mündet, dem Menschen durch die Pflege seiner Erscheinung und damit eines gesunden Selbstwertgefühls – vor allem der Frau – Lebenswege zu ebnen und sie in die existenznotwendigen Bindungen des Einzelnen zur mitmenschlichen Gemeinschaft zu geleiten. Kosmetik ist heute ein Dienst am ganzen Menschen, eine Brücke des Ichs zum Du und zum Wir der Familie, der Gemeinschaft und der Gesellschaft.

Stress-Stadien und biokosmetische Konsequenzen

Definition

Stress bezeichnet einen ganz bestimmt charakterisierten Zustand des Organismus, der durch verschiedenartige unspezifische Reize bedingt sein kann. Das Stress-Syndrom ist somit diagnostisch stets gleichartig zu erfassen und damit auch gleichsinnig behandelbar, ohne Rücksicht auf die möglicherweise verschiedenen Bedingungen und Ursachen, wie plötzliche Infektionen, ungewohnte klimatische und atmosphärische Einflüsse, Hitze-, Kälteschock, plötzliche, heftige Strahleneinwirkungen, Schrecksituationen, Vergiftungen oder andere äußere Einflüsse. Es handelt sich also stets um Einflüsse, die unvorhergesehen und unvorbereitet von außen auf den Organismus treffen, auf die er zwar naturgemäß reagiert, denen er jedoch nicht vollkommen gewachsen ist. Der Organismus ist an die Umwelteinflüsse und -bedingungen nicht oder nicht ausreichend adaptiert. Psychisch hat der stressbetroffene Mensch das Gefühl, einem Geschehen ausgeliefert zu sein, das ihn beherrscht, von dem er angefallen wird, ohne von ihm Abstand oder Befreiung gewinnen zu können: Er ist ihm verfallen.

In der Praxis sind diese Fälle nicht etwa selten, sondern es handelt sich um eine sehr große Gruppe von Menschen, die meist vegetativ labil sind. Man könnte sie als Dystoniker bezeichnen: Dystonie, verstanden als ein psychosomatisches Syndrom, dessen Ursprung im Erleben des Menschen verwurzelt ist und das auf Lösungen der Spannungen zwischen Umweltbedingungen und Eigenkapazität drängt. Aus dieser prozessualen Begegnung von Umwelteinfluss und Mensch ergibt sich als primäre Folgeerscheinung der ungenügenden Anpassung des Organismus an die periphere Einwirkung das so genannte Anpassungssyndrom.

Anpassungssyndrom

Stressreaktionen sind Reaktionen des Organismus auf die in Form von Stress übernormal stark empfundenen Reizeinwirkungen qualitativ oder quantitativ ungewohnter Beanspruchung, Belastung oder Beeinträchtigung. Sie versetzen den Körper in einen Zustand erhöhter Spannung, Anstrengung und Abwehrbereitschaft. Es handelt sich dabei um eine gesetzmäßig auftretende Prozessfolge des Stressablaufs, bei dem man drei verschiedene Stadien beobachten und unterscheiden kann, die zeitlich aufeinander folgen, aber auch ineinander übergehen können:

Schock

Die erste, unmittelbar erfolgende Schock- oder Alarmreaktion: Die beeinträchtigende Einwirkung von außen mobilisiert die natürlichen Abwehrkräfte des Organismus.

Resistenz

Das Stadium der Resistenz: Äußere Aktion und organismische Reaktion halten sich bei erhöhter Tonuslage im Gleichgewicht.

Erschöpfung

Das Stadium der Erschöpfung: Die Anpassungsreaktionen des Organismus unterliegen den stärkeren Umwelteinflüssen.

In der BioKosmetik bleiben wir im biologischen und physiologischen Rahmen. Denn im Prinzip handelt es sich um natürliche, an sich gesunde Reaktionen des Organismus:

Einwirkungen von außen werden von den Sinnesorganen wahrgenommen, und der Organismus reagiert auf sie aktionsgerecht oder organspezifisch. Das heißt, das erste Stadium der Mobilisierung der Abwehrkräfte des Körpers und auch das zweite Stadium der Resistenz als ein Gleichgewicht der Reizaktionen durch adäquate, ihnen gewachsene Reaktionen des Organismus sind in jedem Falle zunächst physiologische Prozesse von Aktionen und Reaktionen, von Empfindung und ihr adäquater Reagibilität. Darum muss eine Stresseinwirkung nicht unbedingt die Gesundheit oder die Lebenserwartung beeinträchtigen.

Stress in Maßen

Im Gegenteil, ein Stress in Maßen, insbesondere im rhythmischen Training wiederholt, erhöht die Abwehr- und Aufbaukräfte des Organismus und verlängert die Lebenszeit. J. M. Ordy in Cleveland hat eine Mehrzahl von Versuchsgruppen mit und ohne Stressbeanspruchung vergleichend untersucht und stets eine Erhöhung des Gesundheitszustandes durch eine maßvolle Stressbeanspruchung festgestellt. Erst in dem Augenblick, in dem die Reaktionen des Organismus krankhafte Symptome zeigen, wird der Stress pathologisch. Zwischen den normalen Abwehrreaktionen sowie ihren Symptomen und den pathologischen Syndromen liegt das Gebiet der Erscheinungsformen, welche als Grenzgebiet der Kosmetologie und der praktischen BioKosmetik als ästhetisch störend definiert und betreut werden können. Wenn wir oben definiert haben, dass bei den Stress-Aktionen die verursachenden Geschehnisse und Einwirkungen vor allem von außen auf den Körper wirken, so kann primär auch die Haut als ein intensiv empfindendes Organ davon betroffen sein und angesprochen werden. Der Vehemenz der jeweiligen Einwirkung entspricht normalerweise die Intensität der Stressreaktion. Der impulsartigen Aktion entspricht die meist schockartige Reaktion des ersten Stress-Stadiums:

Erythem Hyperämie

Auf der Haut zeigen sich als erste Symptome das Erythem, Hyperämien, Quaddel- und Blasenbildung, subjektiv ein Juck-, Wärme-, Hitzegefühl bis zur Empfindung brennenden Schmerzes. Es entsteht somit der Symptomenkomplex, den wir in der Kosmetologie diagnostisch unter den Begriffen der Hypersensibilität, Hyperergie und erhöhten Disposition zu Irritationen zusammenfassen.

Folgereaktionen

Auf dieser Basis des neurovegetativ gesteigerten Stresszustandes können als Folgereaktionen akneiforme Effloreszenzen, Hyperkeratosen, Hyperpigmentationen und eine gesteigerte Anfälligkeit gegenüber Allergenen entstehen.

Resistenz

Hält die Stresseinwirkung in gleich bleibender Intensität an und sind die natürlichen Abwehrkräfte des Organismus in der Lage, ihr standzuhalten, dann tritt das zweite Stress-Stadium, das der Resistenz ein. Die primär entstandenen Effloreszenzen der Haut als unmittelbare oder mittelbare Schockwirkung treten zurück, sie normalisieren sich. Aber es bleibt infolge der anhaltenden Stresswirkung neurovegetativ ein Status erhöhter Sensibilität und Reagibilität bestehen, der bei einer nur geringen Zunahme der äußeren Reizbedingungen wiederum in eine übersteigerte Reaktion, in eine Hyperergie übergehen kann. In diesem Fall treten die ursprünglichen Effloreszenzen und Hautsymptome wieder auf, häufig sogar in intensivierter Form.

Erschöpfung

Nimmt die Stress-Einwirkung jedoch so stark zu, dass die Kapazität der organismischen Anpassung und Resistenz überfordert und überschritten wird, dann tritt der Stress in das dritte Stadium, das der Erschöpfung, bei dem die natürlichen Heilungs- und Anpassungsreaktionen des Organismus den Umwelteinflüssen unterliegen.

Atrophieren

Denn der gesteigerte Stoffwechsel, der erhöhte Blut- und Lymphumlauf während der beiden ersten Stadien des Stress können von der Haut als Organ, wie vom gesamten Organismus, eine bestimmte Zeit lang getragen und bewältigt werden, jedoch nur solange, wie der Organismus aufgrund seiner individuellen Kapazität dazu befähigt ist. Wird diese überschritten, dann schlägt die überforderte Hyperergie in eine Erlahmung der Organfunktionen um: Die Hautzellen ermüden, atrophieren. Die Gefäßwände verlieren ihre Elastizität, die Kapillaren selbst bleiben erweitert oder verkrampft. Es treten frühzeitig Alterungserscheinungen der Haut auf. Die ursprüngliche Hyperergie geht in eine Hypergie über, in eine Unterfunktion des Stoffwechsels, in ein Versagen der Reaktionsfähigkeit. Die Hypersensibilität jedoch als Nervosität der Haut bleibt nach wir vor bestehen. Deshalb reagiert die Haut trotz ihrer Unfähigkeit zur Regeneration überempfindlich, überreizt. Andererseits ist sie aber histologisch schlaff, welk, von vermindertem Turgor und Tonus, müde und erschöpft. Das heißt, es erscheinen verfrühte, möglicherweise nur vorübergehende Symptome von Atrophie.

Behandlungen

Wie kann die behandelnde Kosmetik im Sinne einer vorbeugenden, ästhetischen Gesundheitspflege auf die Stress-Reaktionen und die drei Stadien des Stresszustandes Einfluss nehmen?

1. Stadium

Die Behandlung der Hypersensibilität und der Hyperergie im ersten Stadium lässt sich am vorteilhaftesten mit Azulen oder Bisabolol in Kombination mit Panthenol, Glycyrrhicin, Aucubin und Hamamelin durchführen. Dieser Wirkstoffkomplex hat sich als ausgezeichnet wirksam, beruhigend, ausgleichend und normalisierend bewährt. Hinzu sollte eine entsprechende, beruhigende, ausgleichende Art des gesamten Behandlungsmodus treten, insbesondere durch eine Beruhigungsmassage, durch eine Suggestivmassage im Sinne einer Entspannung, Entlastung und Lösung der schockartigen Stress-Reaktion. Wenn die Stress-Einflüsse seelisch belastender Natur waren und sind, dann liegt hier ein ganz besonders fruchtbares Betätigungsfeld für eine psychokosmetische Behandlung.

2. Stadium

Im Stadium der Resistenz gilt es, die natürliche Regenerations- und Abwehrbereitschaft des Organismus prophylaktisch, aufbauend, tonisierend, im Sinne einer Steigerung der Abwehrkräfte zu beeinflussen. Eine fachgemäß durchgeführte biokosmetische Behandlung kann schon von sich aus in diesem Sinne kräftigend und stärkend wirken, allein durch die Tatsache, dass die Klientin während der Behandlung entspannt und möglichst gelöst in einer dialogischen Partnerschaft zu der behandelnden Kosmetikerin steht. Die psychischen Momente einer Katharsis, einer inneren Entspannung und Befreiung durch das gelöste positive Gespräch steht auch hier stark im Vordergrund zur Lösung der Stress-Situation. An Wirkstoffen kann man insbesondere Vitamin-Komplexe, Vitamin A und E oder Keimlecithin mit gutem Erfolg anwenden.

3. Stadium

Im dritten Stadium der Erschöpfung oder zumindest einer vorübergehenden Hypergie, einer verminderten Kapazität der Hautfunktionen muss man versuchen, den Stoffwechsel und das Energiegeschehen im Hautgefüge vorsichtig und behutsam anzuregen, zu beleben, zu stärken und neu in Fluss zu bringen. Der Modus der gesamten Behandlung soll hier anregend und aufbauend sein, jedoch nicht hektisch stimulierend. Denn die vorliegende Erschöpfung der Hautfunktionen ist die Folgereaktion einer vorübergehenden, nicht zu überwindenden Belastung und Irritation durch äußere Einwirkung. Auch hier haben sich Vitamin-Komplexe kosmetisch gut bewährt: Vitamin A und E, B-Vitamine sowie essenzielle Fettsäuren in Verbindung mit den beruhigenden Wirkstoffkomplexen von Azulen, Bisabolol, Panthenol, Glycyrrhicin, Aucubin und Hamamelin.

Wir sehen aus dieser Zusammenfassung über Stress-Wirkung, Stress-Reaktion und kosmetische Konsequenzen, wie sehr in den primären, noch nicht krankhaften Stadien ästhetisch negativ berührende und damit die Kosmetik betreffende Symptome in Erscheinung treten können. Konflikte, die insbesondere mit dem Selbstwertgefühl, dem Geltungsbewusstsein und der Lebenssicherheit zusammenhängen, können von der BioKosmetik als einer ästhetischen Erziehung des Menschen in bestem, positivem Sinne beeinflusst werden. Denn der Mensch wird dadurch in seiner Lebenseinstellung und Lebensbetrachtung mehr zu seiner eigenen Mitte hingeführt. Er findet seinen Mittelpunkt mehr in sich selbst, mehr in einer Sinngebung des eigenen Lebens, und wird dadurch unabhängiger, freier und unbeeinflusster gegenüber der verwirrenden Stress-Turbulenz seiner hektischen Umwelt.

Psychologischer Einfluss differenzierter Behandlungsverfahren

Wenn wir über die praktische psychologische Einflussnahme in der kosmetischen Behandlung sprechen, so meinen wir damit nicht eine Psychotherapie im Sinne einer speziellen Behandlung durch einen Psychologen, sondern eine grundlegend menschliche Angelegenheit in der Begegnung von Menschen – in der Kosmetik insbesondere die Begegnung von Frau zu Frau.

Denn wir erkennen heute die Wirklichkeit der Seele nicht nur als einen in sich geschlossenen Eigenbereich des Individuums, sondern, je länger, desto eindringlicher, als eine zwischenmenschliche Wirksphäre konkreter Begegnungssituationen im Raume eines in Partnerschaft gelebten und erlebten Daseins.

Möglichkeiten psychischer Einflussnahme

Bevor wir jedoch besondere Verfahren nennen, fragen wir uns, bei welchen Gelegenheiten sich in der Praxis überhaupt die Möglichkeit psychischer Einflussnahme auf die Klientin und damit auf den Erfolg der Behandlung bietet:

1 Die erste Begegnung als ein aus dem Unbewussten entspringender psychischer Prozess gegenseitigen Erfühlens subjektiver Sympathie oder Antipathie.

2 Die daraus sich anbahnende dialogische Partnerschaft zwischen Ihnen und Ihrer Klientin.

3 Das gezielt formulierte und zur individuellen Differenzierung führende Gespräch als Grundlage für Anamnese und Diagnostik.

4 Die Massage als ein Mittel unmittelbarer psychosomatischer Einflussnahme.

Für die Praxis ergeben sich daraus die Fragen:

1 Worin liegt das grundlegende psychische Motiv dieser vier Behandlungsphasen?

2 Inwieweit ist deren Anwendung methodisch und systematisch zu gestalten?

Die erste Begegnung

Die erste Begegnung ist ein unbewusstes Urteilen, ein rein subjektives, gegenseitiges Sich-Erfühlen, welches nicht methodisch fassbar ist. Im Gegenteil, jede Methodik würde sogar die Unmittelbarkeit der damit verbundenen unbewussten, gegenseitigen Wertung eher stören als fördern. Erleben Sie es nicht bei jeder neuen Klientin immer wieder, dass Sie sich fragen: Wer ist dieser Mensch, der da über die Schwelle hereintritt und mir Angesicht zu Angesicht gegenübersteht? Was sucht sie? Ob ich wohl helfen kann? Die erste persönliche Begegnung ist somit immer wieder ein spannungsvoller Augenblick. Aus Hoffnungen und Zweifeln, die im Moment noch nicht ausgesprochen werden, knüpft sich bereits unbewusst ein Faden gegenseitigen Kontaktes. Es sollte ein Band persönlichen Vertrauens werden: Es stehen sich zwei Partner gegenüber: Ihre Klientin, die sich wünscht, hübscher auszusehen, um beneidet und geachtet zu werden, und Sie als erfahrene Kosmetikerin, die eine Menge Wissen und Erfahrung mitbringt. Ihre Klientin, voll Zweifel, ob ihr Wunsch erfüllbar ist, verlangt Ihren ganz persönlichen Einsatz. Ihr Einsatz, Ihre Persönlichkeit und die bewährte, wohlfundierte Wirkung der anzuwendenden Präparate sind die Basis für eine erfolgreiche Behandlung.

Individuelle Person

In der Kosmetik wird im Grunde das Personale angesprochen, die einmalige Persönlichkeit in ihrer absoluten Subjektivität. So verlagert sich grundlegend die Frage vom Was der Symptome auf das Wer, von den sachlichen Erscheinungen zur individuellen einmaligen Person.

Prozessualität des Sich-Begegnens

Die Behandlung ist nicht etwa ein einseitiger Vorgang nur von Ihnen als der behandelnden Kosmetikerin gesehen, sondern sie ist ein Prozess der Gegenseitigkeit, welcher auf der Aufgeschlossenheit, die in jedem suchenden Menschen vorhanden ist, aufbaut. Das heißt, Ihre Klientin ist nicht etwa nur passiv: Durch ihre innere Einstellung, durch ihre Bejahung oder Verneinung der Behandlung ist sie Partnerin auf dem Weg zu einem gemeinsamen Erfolg. Daraus ergibt sich für Sie und Ihre Klientin als ein lebendiger Vorgang die dialogische Partnerschaft.

Die dialogische Partnerschaft

Die dialogische Partnerschaft zwischen Ihnen und Ihrer Klientin setzt eine innermenschliche Behandlung als eine nach innen, in das Seelische hineingerichtete Persönlichkeitspflege auf der Basis eines gegenseitig sympathischen Kontaktes voraus.

Dialogische Behandlung

Nur in diesem dialogischen Vorgehen zusammen mit der Klientin werden deren latente Kräfte und Fähigkeiten mit in den Behandlungsprozess einbezogen. Deshalb sollte der Behandlungsprozess schon von Anbeginn ein echtes gemeinschaftliches Geschehen zwischen Ihnen und Ihrer Klientin sein, welcher aus der ersten, noch unbewussten Begegnung hinüberführt in die Bewusstheit der personalen Zwiesprache.

Das Gespräch, der Dialog

Die Spannung der ersten Begegnung löst sich mit dem Austausch der ersten Worte. Was die erste Begegnung als ein personaler Vorgang unbewusst in sich birgt, das will das Gespräch dem anderen Behandlungspartner kundtun und von ihm vernehmen. Es gibt Ihnen die Grundlage zur Anamnese, zur Beurteilung Ihrer Klientin hinsichtlich ihrer Wünsche und Anliegen, hinsichtlich der Motivation, welche Ihre Klientin bewegt hat, zu Ihnen zu kommen, sowie ihrer Vorstellungen und Einstellung. Es bildet die Ergänzung Ihrer Hautdiagnose, insbesondere im Hinblick auf Neigungen und Tendenzen, die möglicherweise psychisch bedingt sein können und daher nicht unmittelbar diagnostisch feststellbar sind.

Sich Aussprechen

Das Gespräch ist insofern ein grundlegender Teil der Behandlung, als das Sichaussprechenkönnen in vielen Fällen eine notwendige Voraussetzung für die Bejahung der Behandlung darstellt. Im selbstgewählten, formulierten und ausgesprochenen Wort stellt sich der Mensch den ihn bewegenden Problemen. Es ist ein Sichbewusstmachen der unbewussten Problematik, die oft in ihrer bisherigen „Unverdautheit“ die seelische Ursache für körperlich erscheinende Symptome darstellt. Durch die Formulierung zum Wort im Gespräch mit Ihnen vollzieht sich in der Klientin ein unbewusster Prozess der inneren Entspannung und Lösung.

Positive Ausdrucksform

Durch das Gespräch, in jeweils positiver Form des Ausdruckes, sind Sie in der Lage, den natürlichen Schönheitswunsch selbst psychisch zu stärken und die natürliche Gesundungstendenz positiv zu beeinflussen, indem Sie die oft durch eine falsche Erziehung, durch Vorurteile oder Selbstsuggestion hervorgerufenen negativen psychischen Einflüsse zu neutralisieren und aufzulösen vermögen. Das Gespräch bereitet somit vor, was die nachfolgende Behandlung der Massage als ein Fühlungnehmen von Körper zu Körper suggestiv zu wirken vermag, nämlich das Gefühl der Geborgenheit in der therapeutischen Gemeinschaft, das Gefühl zur Ruhe, zum inneren Frieden zu kommen in der menschlichen Fürsorge der Behandlung. Ihre Klientin weiß: „Es ist jemand mit mir da, der sich um mich kümmert!“

Die Behandlung

Die Behandlung ist im Ursinn des Wortes ein Tätigsein der Hand und durch die Berührung des Körpers gleichsam der Ausdruck für ein Überfließen des Emotionalen. Das Unbewusste, das Vegetative der Behandelnden und der von ihr Behandelten sind gleichsam in Kommunikation. Die Fühlung von Hand zum Körper des anderen Menschen ist vom gegenseitigen Wesen und Wollen getragen und ist unausgesprochen im Stillen spürbar. Denn wenn Sie anderen Menschen helfen, sie unbewusst geleiten und führen wollen, dann müssen Sie mit ihnen Fühlung haben, körperlich und seelisch. Ich hatte schon darauf hingewiesen, dass die Frau, vor allem als Mutter, heilende Hände hat, die geradezu eine Suggestivwirkung auszuüben vermögen, entweder beruhigend, ausgleichend, heilend oder aber anregend, belebend, Stärke, Kraft und Mut spendend. Das Mysterium heilender Hände spielt schon in den ursprünglichsten Heilverfahren eine grundlegende und bedeutende Rolle zu Zeiten, als Arzttum und Priesterschaft noch in einer Person vereint waren.

Hand-Massage

Was die ruhige und entspannte Art der Behandlung und das bewusst und gezielt geführte Gespräch somit vorbereiten, das kann Ihre Massage unmittelbar psychosomatisch vollenden. Die rein somatische Einflussnahme ist bei der Massage von Hand durch den Druck, den Arbeitsfluss, durch die Zügigkeit und den systematischen Aufbau der Griff- und Partiefolge gegeben. Bei der Berührung eines anderen Körpers mit der Hand fließt ein galvanischer Strom, der messbar und daher physikalisch nachweisbar ist. Außerdem kommt es zu einer Intensivierung des Lymph- und Blutstromes. Es tritt eine Temperaturerhöhung vor allem in verkrampften Muskel- und Gewebepartien ein, eine Rötung, eine erhöhte Perspiration.

Pulsfrequenz

Der gleich bleibende Rhythmus und das schnellere oder langsamere Tempo der Massage beeinflussen physiologisch die Frequenz des Pulsschlages. Sie wissen sicher, dass Sie durch die Massage die Pulsfrequenz messbar verlangsamen oder beschleunigen können. Dabei bewirkt eine Erhöhung der Pulsfrequenz meist einen erhöhten Erregungszustand, eine Stimulation, während eine Verminderung des Pulsschlages ein Gefühl der Müdigkeit und des Schlafbedürfnisses hervorruft.

Der Suggestivgriff

Andererseits können Sie entspannend und lösend im neurovegetativen Sinne auf Ihre Klientin einwirken, indem Sie den so genannten Suggestivgriff anwenden: Sie beginnen mit beiden Händen an der Nasenwurzel, streichen über die Stirn zu den Schläfen, wo sie beherzt nach abwärts-auswärts drücken, um anschließend unterhalb der Augen über das Jochbein zur Nasenwurzel zurückführen. Diesen Griff machen Sie gegen Ende der Massage jeweils dreimal hintereinander, lediglich unterbrochen durch allgemeine streichende oder knetende Massagegriffe der Stirne, der Schläfen oder Augenpartien. Sie rufen damit ein ausgesprochen angenehmes Gefühl, ein Bedürfnis nach Ruhe und Schlaf hervor. Ihre Klientin ist in diesem Zustand eines entspannten Wachens oder Halbschlafs im Unbewussten besonders aufnahmefähig und ansprechbar. Wenn Sie ihr nun ganz ruhig sagen, dass sie sich eine Viertelstunde vollkommen entspannt ausruhen oder sogar schlafen kann, dann folgt Ihre Klientin meist von sich aus, dem eigenen Wunsch entsprechend Ihrem Hinweis, der in Wirklichkeit eine leichte Suggestion darstellt.

Schönheitsschlaf

Nach diesem suggerierten Kurzschlaf, einem äußerst wertvollen und unersetzbaren psychischen Behandlungsmoment, zeigen Sie Ihrer Klientin im Spiegel, wie gut erholt und schön entspannt sie nunmehr aussieht. Dieses kleine Selbsterlebnis wird wohl bewusst, aber noch viel stärker im Unterbewusstsein intensiv aufgenommen und es wirkt sich auf den Gesamterfolg Ihrer Behandlung – physisch für das Erscheinungsbild und psychisch für das Selbstwertgefühl – besonders vorteilhaft und vor allem nachhaltig aus.

Psycho-Synthese

Die komplexe Einflussnahme der verschiedenen Behandlungsstadien und Möglichkeiten in der Kosmetik möchte ich im Gegensatz zur Psychoanalyse Psychosynthese nennen: Denn, wenn wir abschließend kurz wiederholen, so bleiben die Prozesse der ersten Begegnung zunächst noch vollkommen im Unbewussten, im Emotionalen verborgen. Es bahnt sich eine dialogische Partnerschaft zwischen Ihnen als Behandelnder und Ihrer Klientin als der für Ihre Behandlung Aufgeschlossenen an. Das Gespräch führt in ein gegenseitiges Erkennen und Bewusstmachen im geformten Wort und Satz. Die Tat der Behandlung im eigentlichen Sinn des Wortes – der tätigen Hand – vereint das unbewusste und bewusste Sichbegegnen im gemeinsamen Werk als einen umfassenden Komplex. Ihr Endziel ist ein Wirken am Menschen, am ganzen Menschen, um ihm auf dem Wege über die äußere, leibhafte Harmonie der Erscheinung den inneren seelischen Weg zu sich selbst und damit wiederum ins Leben zu erleichtern. Denn der Leib ist die organische Erscheinung des Lebens, auf deren Basis sich das Seelische und Geistige in ihren Vollzügen, Handlungen und Taten des menschlichen Daseins aufbauen. Wenn Portmann daher in seinem Buch „Biologie und Geist“ schreibt, dass der Mensch in seiner ganzen Entwicklung und Formung auf sein Menschsein hin angelegt ist, dann ist das so zu verstehen, dass die Erscheinung des Menschen, die gestalthaften Ausprägungen ihn bestimmen und beeinflussen. In diesem gegenseitigen Sichdurchdringen und Ineinander-Verwobensein des Leiblichen und des Seelischen liegt die Möglichkeit für uns in der BioKosmetik, seelisch das schöne, harmonische Aussehen von Menschen zu formen und zu gestalten, sowie umgekehrt durch die ästhetisch ansprechende Erscheinung den Menschen das Gefühl der Zufriedenheit mit sich selbst und mit dem Leben zu schenken.

Kosmetische Behandlung und Selbstwertgefühl

Im Mittelpunkt all unserer Bemühungen steht der Mensch als Person, als ein körperliches, seelisches und geistiges Wesen. Die psychischen Momente während der kosmetischen Behandlung enthalten das von uns berücksichtigte seelische Motiv für die Möglichkeit einer psychischen Behandlung in der Kosmetik: das Selbstwertgefühl.

Selbstwertgefühl

Zur Erklärung des Selbstwertgefühls gehen wir davon aus, dass wir Menschen uns in der Bewusstheit unseres eigenen Ichs erleben. Als Individuum, als Person heben wir uns von der Umwelt und Mitwelt als ein eigenständiges Selbst ab. Andererseits treten wir mit anderen Personen in Wechselwirkung, wir müssen uns mit ihnen auseinandersetzen und uns selbst ihnen gegenüber durchsetzen. Dieses Selbstgefühl erleben wir im ersten Fall als Selbstvertrauen, im zweiten Fall jedoch als das eigentliche Selbstwertgefühl. Der Grad des jeweiligen Selbstgefühles ist dabei innerlich abhängig von der Intensität eines individuellen Biotonus, eines vitalen Turgors, einer so genannten Vitalkraft in Form einer unbewussten psychosomatischen Grundkonstitution. Aus diesem Grund sind Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl nicht ein für allemal unveränderlich gegeben. Sie wandeln sich von Mensch zu Mensch, wie auch innerhalb des Lebens eines jeden Einzelnen. Gute oder schlechte Erfahrungen und Erlebnisse, Erfolge oder Misserfolge, Zuspruch oder Widerspruch anderer Menschen erhöhen oder vermindern sie.

Wir Menschen treten nicht nur als Lebewesen auf, denen es um Selbsterhaltung und Selbstdurchsetzung im Lebenskampf geht, sondern wir sind als Persönlichkeit Träger eines Wertes und einer menschlichen Würde. Dieses Erleben von Wert und Würde der Person empfinden wir in Bewusstheit vor uns selbst als Eigenwertgefühl. Wir erleben dieses Gefühl aber auch in Bezug auf unsere Mitmenschen als Geltungsbewusstsein.

Eigenwertgefühl und Geltungsbewusstsein

Das Selbstwertgefühl hat somit zwei Seiten: Nach innen gerichtet als Eigenwertgefühl und nach außen gerichtet als Geltungsbewusstsein. Beide Momente sind an sich voneinander unabhängig. Was jedoch den Grad angeht, so unterscheiden wir zwischen einem positiven oder gehobenen und einem negativen oder gedrückten Selbstwertgefühl.

Positives Selbstwertgefühl

Das positive, gehobene Selbstwertgefühl kann verschiedengestaltig auftreten. Sie wissen, dass zum Beispiel die Jugend in ihrer überschäumenden Dynamik das Vorrecht der Selbstüberschätzung hat. Deren oft übersteigertes Selbstbewusstsein ist ein unkritisches Selbstwertgefühl, welches in einem Mangel an Lebenserfahrung, Vorstellungsvermögen und Urteilskraft gründet.

Dämonisches Selbstwertgefühl

Es gibt außerdem ein dämonisches Selbstwertgefühl oft genialer, leistungsstarker Menschen, die von der Einzigartigkeit ihres Ichs überzeugt sind. Dieses übersteigerte Selbstwertgefühl kann krankhaft ausarten, wenn dem sich selbst zugelegten Geltungsanspruch die innere, schöpferische Fülle oder aber das intuitive Gefühl für die kosmische Tiefe echter, schicksalhafter Verbundenheit fehlen.

Aristokratisches Selbstwertgefühl

Manche Menschen bringen von Natur aus ein aristokratisches Selbstwertgefühl mit, welches mit dem Pathos der Vornehmheit das besondere, qualitative Sein der Persönlichkeit an sich selbst ausdrückt. Der Ausdruck dieses starken Selbstgefühls ist der in sich bewusst gründende, absolut positiv zu wertende Stolz der betreffenden Menschen – im Gegensatz zum Hochmut der Überheblichkeit.

Narzisstisches Selbstwertgefühl

Das gehobene Selbstwertgefühl äußert sich oft darin, dass Menschen in sich selbst und in ihr Bild verliebt sind, sich selbst bewundern und sich gerne bewundern lassen. Deren Grundhaltung ist allerdings die Eitelkeit, ihr Eigenstreben die Geltung und vor allem wollen sie sich dieser Geltung in der Mitwelt auch stets voll und ganz bewusst sein. Sie heischen nach Beifall, nach Anerkennung und Verherrlichung des Ichs.

Das scheinbare Selbstwertgefühl

In der Praxis und im Leben begegnen uns aber viele Menschen mit einem nur scheinbar gehobenen Selbstwertgefühl. Dieses ist jedoch unecht, nur gespielt, eine kompensatorische Verkleidung und Verhüllung eines innerlich gestörten, verminderten oder abwegigen Selbstvertrauens. Es handelt sich dabei um Menschen mit einer erhöhten Empfindlichkeit, Kränkbarkeit und Verletzbarkeit, die stets in Sorge um ihr Prestige sind.

Negatives Selbstwertgefühl

In den Begegnungen mit Menschen, welche ein vermindertes, gedrücktes oder negatives Selbstwertgefühl haben, können wir neben sozialen – scheinbaren oder tatsächlichen – Mängeln vor allem körperliche Diskrepanzen, sichtbare Organschäden, missgestaltetes Aussehen als grundlegende Ursachen feststellen. Die innere Reaktion der einzelnen Menschen auf ihr eigenes negatives Selbstwertgefühl ist jedoch eigenartigerweise konträr:

Resignation

Die einen resignieren, ihr Selbstwertgefühl ist gleichsam gelähmt bis zur vollkommenen Zerstörung des Bewusstseins ihres eigenen persönlichen Wertes. Diese Menschen sind kontaktscheu, selbstunsicher, gehemmt, verlegen, oft auch übertrieben bescheiden und schüchtern.

Überkompensieren des Selbstwertgefühls

Die anderen hingegen lehnen sich gegen das aufkeimende, niederdrückende Gefühl eines verminderten Selbstwertes auf und wählen den Weg der Kompensation, unter anderem durch ein besonders selbstbewusst erscheinendes Gehabe betonter Forschheit, eines besonders imponierenwollenden Gebarens, sogar der Anmaßung, der Rechthaberei oder ähnlicher Verhaltensmuster, jeweils nur um das eigene, negative Selbstwertgefühl vor der Mitwelt zu maskieren.

Sentimentale Charaktere

Es gibt darüber hinaus ein sentimentales Ichgefühl. Menschen mit sentimentalem Ichgefühl weiden und freuen sich an ihrem Gefühl verminderten Selbstwertes und genießen es gewissermaßen masochistisch. Ihr Leiden an ihrem negativen Gefühl ist ihnen Lebensbedürfnis und Lebensinhalt. Sie fühlen sich in der Haut ihres verminderten Selbstwertes vollkommen zufrieden und wohl.

Bedeutung für die kosmetische Praxis

Hat diese Differenzierung des Selbstwertgefühls auch eine Bedeutung für die Praxis? Diese Frage ist aufgrund vielfältiger Erfahrung zu bejahen. Wir haben festgestellt, das Selbstwertgefühl ist:

1 Geltungsbewusstsein mit dem Schwerpunkt der Anerkennung in der Umwelt.

2 Eigenwertgefühl vor sich selbst, vor dem eigenen Inneren.

Der Mensch und seine Umwelt

Wenn man die einzelnen Klientinnen danach fragt, aus welchen Motiven sie kosmetischen Rat und kosmetische Behandlung suchen, so geht aus ihren Antworten hervor, dass im Vordergrund der überwiegenden Zahl das Streben nach Wohlbefinden, Gesundheit, Entspannung und Pflege, nach dem Erlebnis, auf die Mitwelt schöner, gefälliger oder anziehender zu wirken steht. Dass dieses äußere Moment auch heute noch überwiegend stark betont wird, hat seinen Grund in der menschlichen Eigenart, dass wir gesellige Wesen sind, die unbedingt des Kontakts, der Resonanz, der Relationen zur Mitwelt bedürfen. Das Motiv des Geltungsstrebens überwiegt auch deswegen, weil für einen Teil der Menschen das Dekorative wichtig ist, wie man der Publizistik entnehmen kann. Aber daher kommt es eben, dass in der Öffentlichkeit nur das rein äußerliche Zurechtmachen bekannt ist, nicht die eigentliche BioKosmetik in ihrer umfassenden Bedeutung einer Gesundheitspflege von Haut und Körper und einer ästhetischen Pflege des Menschen zu einem gesunden, harmonischen Selbstwertgefühl. Es ist interessant und aufschlussreich, feststellen zu können, dass in zunehmendem Maße die Klientinnen, welche die heutige Kosmetik in ihren umfassenden drei Tätigkeitsbereichen kennen gelernt haben, nicht mehr nur wegen des bloßen Geltungsbewusstseins den Weg zur kosmetischen Behandlung suchen, um das beglückende und erhebende Gefühl eines in sich harmonischen Eigenwertes und Selbstvertrauens während und nach der Behandlung erleben und erfahren zu können.

Eigenwert und Selbstvertrauen

Dieses durch die Behandlung erweckte, gehobene Eigenwertgefühl wirkt wie ein belebender, erquickender Impuls für das Leben im Alltag. Wenn Ihre Klientin spürt, dass diese Kraft des inneren Aufschwunges und Auftriebes, die Sie ihr durch die kosmetische Behandlung gegeben haben, unter den negativen Einflüssen der Umwelt anfängt nachzulassen, dann spürt sie ganz aus sich selbst heraus wieder den Wunsch, ihres Eigenwertgefühles wegen, zu Ihnen zur kosmetischen Behandlung zu gehen. Dann spielt Wiedererwecken und das Stärken des Eigenwertgefühles und des Selbstvertrauens die größere und – wenn auch meist unbewusst – die bestimmendere Rolle als das Geltungsbewusstsein und das bloße Streben nach Anerkennung in der Mitwelt.

Reaktionen der Umwelt

Der innere Wunsch nach einer Wiederherstellung eines gesunden und lebensnotwendigen Eigenwertgefühles steht jedoch in all den Fällen schon von vornherein im Vordergrund, bei denen die Klientin infolge ästhetisch störender Hauterscheinungen eine Beeinträchtigung ihres Selbstwertgefühles bewusst empfinden und erleben muss. Dabei spielen auch negative Reaktionen der Umwelt eine Rolle. Der Wunsch nach der Wiedergewinnung des eigenen Wertgefühls ist in diesen Fällen deutlich und klar ausgeprägt und wird auch bewusst genannt. Hier überwiegt das Motiv des Eigenwertgefühles weit über das bloße Geltungsbewusstsein, wenn dieses auch eine sekundäre, ergänzende Rolle bei der Motivation spielt.

In diesem Zusammenhang möchte ich noch darauf hinweisen, dass das Motiv in seiner Ganzheit individuell von der persönlichen Grundstimmung und Lebenseinstellung der betreffenden Person abhängig ist. Andererseits sind auch die liebevoll verstehende oder kalt ablehnende Art und Weise der Mitwelt bestimmend für den Grad und die Intensität des Selbstwertgefühls und des Eigenwertgefühls. Auch hier besteht, wie in allen zwischenmenschlichen Beziehungen und Relationen, ein lebendig sich veränderndes Wechselspiel von Eigencharakter und Umwelterlebnis.

Motivation der Kosmetik

Daraus ergibt sich, dass das Selbstwertgefühl im zweifachen Sinne seiner Bedeutung – als Geltungsbewusstsein und als Eigenwertgefühl sowie in der Vielfalt seiner Erlebensformen – im Positiven wie im Negativen eine grundlegende Rolle für die Motivation spielt, den Weg zur kosmetischen Behandlung zu gehen. Ist es für Sie in der Praxis notwendig zu wissen, ob mehr das Geltungsbewusstsein oder mehr das Eigenwertgefühl die Klientin zu Ihnen geführt hat? Auch diese Frage ist zu bejahen. Denn mit den drei Tätigkeitsbereichen der heutigen Kosmetik beeinflussen Sie die psychische Einstellung ihrer Klientin verschiedenartig, und zwar:

1 Mit der dekorativen Kosmetik sprechen Sie ausschließlich das Geltungsbedürfnis und das Geltungsbewusstsein an.

2 In der BioKosmetik, speziell durch die beruhigend oder stimulierend durchgeführte Massage, beeinflussen Sie primär das Eigenwertgefühl, aber durch den sichtbaren Erfolg der Behandlung als deren Folge auch wiederum das Geltungsbewusstsein.

3 Mit einer psychisch fundierten Behandlungsmethodik nehmen Sie unmittelbar Einfluss auf das innere Eigenwertgefühl, auf das Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen.

Untrennbar: Das Physische und Psychische

Wenn wir zusammenfassen, so sehen wir, dass sich bei der kosmetischen Behandlung in allen Behandlungsphasen das Leibliche und das Seelische nicht trennen lassen. Es wäre ein Irrtum, anzunehmen, dass ein optimaler Erfolg nur durch das eine oder nur durch das andere erreichbar wäre. Die physischen Methoden sind ebenso notwendig wie eine psychische Systematik. Sie ergänzen einander, ohne dass das eine das andere zu ersetzen vermag. Beide Methoden, beide Möglichkeiten sind notwendig, und auch ihre Wirkungen bedingen und ergänzen sich gegenseitig: Die sympathisch wirkende körperliche Erscheinung beeinflusst das Selbstwertgefühl, so wie andererseits ein gesundes Selbstvertrauen das Aussehen, den Ausdruck, die Mimik und Gestik, das ganze Verhalten eines Menschen nach außen harmonisch gestaltet und durchwirkt. Wir Menschen sind nun einmal Wesen von Leib, Seele und Geist, die nicht voneinander zu trennen sind, sondern eine untrennbare Einheit und Ganzheit darstellen. So ist die Kosmetik in ihren drei grundlegenden Behandlungsmöglichkeiten heute weit mehr als nur ein Schmücken der Erscheinung und des Menschenbildes vor sich selbst und vor den anderen. Sie ist eine grundlegende menschliche Aufgabe.

Prospektive Pädagogik

Kosmetik kann dadurch eine prospektive ästhetische Pädagogik sein. Eine vorausschauende, in die Zukunft weisende Erziehung des Menschen zu einem Verwirklichen und Empfinden von Schönheit und Wert seiner Persönlichkeit an sich selbst als Harmonie in Erscheinung und Wesen.

Hauttypus und Perspiration

Wenn wir auf dem umfassenden Gebiet der heutigen BioKosmetik danach streben, eine vollkommene Harmonie der Persönlichkeit zu formen, dann tritt immer wieder eine nicht zu vernachlässigende individuelle Eigenschaft auf: die als Eigengeruch empfundene Ausstrahlung der Perspiration.

Desodoration

Das individuelle Geruchsmoment wird von anderen Menschen oft als störend empfunden. Die übliche Vorbeugung der Geruchsbildung kennen Sie unter dem Begriff Desodorierung: Man versucht, die Tätigkeit der apokrinen Schweißdrüsen zu vermindern und die betreffenden Hautpartien zu desinfizieren, um eine bakterielle Zersetzung des Schweißes zu verhindern. Aufgrund der psychologischen Untersuchungsergebnisse über ätherische Öle ließ sich eine Behandlungsmethodik entwickeln, bei der man den jeweiligen Eigengeruch in seiner typischen Note erfasst und ihn so in eine Duftkombination einzubauen versucht, dass er sich wie eine ihrer Komponenten harmonisch einfügt und in ihr mitwirkt. Dabei beeinflussen die ätherischen Öle nicht die Sinnesempfindung allein, sondern die Stimmungen, die Einstellungen und die Reaktionslage, so dass Temperament und Duftcharakter zueinander passen müssen. Die Basis, von der wir hierzu ausgehen, ist psychisch bedingt. Sie beruht ursprünglich auf der psychischen, erogenen Effektwirkung des Eigengeruchs und der gefühlhaften Reaktion auf ihn, als Sympathie oder Antipathie. Ein altes Sprichwort sagt bereits, dass man einen Mitmenschen – aber manchmal sogar sich selbst! – riechen oder nicht riechen mag und meint damit den Ausdruck seiner Zuneigung oder seiner Abneigung. Die Geruchsnote gehört also mit zur harmonisch oder disharmonisch empfundenen Erscheinung eines Menschen. Sie ist eine untrennbare Komponente des ganzen ästhetischen Phänomens und wirkt häufig stärker als es uns bewusst wird, da sie vorwiegend das Unbewusste, das Gefühl und das Gemüt anspricht. Deshalb ist der Wunsch, sich durch eine Sphäre des Wohlgeruchs gleichsam wie mit einer Aura zu umgeben, um Zuneigung, um Sympathie zu erwecken, aus der Tiefe des Gemütes geboren. Dazu bedarf es eines naturgemäßen, gelungenen Zusammenspiels der eigenen individuellen Art mit einer zu ihr passenden, sie harmonisch abrundenden Komposition ätherischer Öle. Ausschlaggebend ist hierfür der Einklang des jeweiligen eigenen Typus mit der adäquaten Duftnote. Zur Charakterisierung der Zusammenhänge zwischen der Eigennote und der sie ergänzenden, harmonisierenden Duftkomponente können wir nicht auf die Typologie Kretschmers zurückgreifen, die sich für diagnostische Hinweise auf die Hautkonstitution bewährt hat. Die zuständige Relation für unser vorliegendes Problem beruht auf der Intensität der Haut- und Haar-Pigmentierung und dem ihr entsprechenden Eigengeruch: Grundlegend entspricht einer schwachen Pigmentation eine relativ schwache Odorierung meist säuerlichen, stechenden Geruchs. Eine starke Pigmentation ist von einer starken Odorierung, vorwiegend süßlichen, narkotischen Charakters begleitet. Dabei sind selbstverständlich, wie überall im Bereich des Lebendigen, stete Übergänge und Zwischenstufen möglich.

Haut- und Haartypus

Es besteht noch eine weitere Übereinstimmung zwischen der Haut- beziehungsweise Haarfarbe und der individuell als besonders angenehm empfundenen und persönlich bevorzugten Duftkombination: Der hellhäutige, hellhaarige Typ liebt mehr die frische, duftige, leichte Blütennote, während der dunkelhäutige, schwarzhaarige Mensch mehr zu schweren, schwülen, narkotischen Nuancen neigt.

So verbindet diese beiden Relationen von Haar- und Hauttypus als sichtbares Symptom den charakteristischen Eigengeruch mit der adäquat empfundenen Duftkombination zur gemeinsamen Individualnote. Das heißt, Haar- und Hauttyp sind in der Praxis das sichtbare Merkmal für die Beurteilung des nicht ohne weiteres feststellbaren Eigengeruches der jeweiligen Klientin. Zugleich ist er das Diagnose-Zeichen für die Wahl des individuell zu bevorzugenden spezifischen Komplexes ätherischer Öle. Genauso wie wir bei der Hautdiagnose innerhalb der einzelnen Symptomgruppen nach Unter-, Normal- und Überfunktionen unterscheiden, so erweitern wir auch hier die Typen entsprechend der Pigmentierung von Haut und Haaren:

1 schwach

2 normal

3 stark

Oder wenn wir es direkt ausdrücken, differenzieren wir die folgenden Typen:

1 blond und hellhäutig

2 brünett, leicht bräunend

3 schwarzhaarig und dunkelhäutig

Jellinek führt noch einen weiteren Typ an, den rötlichen. Dies ist von wissenschaftlichem Interesse, speziell für das Schema eines in sich geschlossenen Farb- und Pigmentkreises. Wir jedoch verbleiben bei der vorgenannten Dreiteilung, die uns somit auch für die praktische Anwendung zu drei grundlegenden, charakteristischen Duftkombinationen führt:

1 Einer frischen, erfrischenden, anregenden, stimulierenden, vorwiegend frühlingshaften Blütennote für Blonde, Hellhäutige, die gewissermaßen die Bewusstheit des Verstandes anspricht.

2 Eine balsamische, warme, ruhige, ausgleichende, jedoch etwas herbe, vollmundige Komposition für die Brünetten, welche mehr das Gemüt berührt.

3 Einen dumpfen, magischen, narkotischen, geheimnisvollen, vorwiegend erogenen Grundakkord für den schwarzhaarigen, dunkelhäutigen Typ, dessen Note vorwiegend das Unbewusste, das Animalische tangiert.

In der Praxis werden Sie die Beobachtung machen, dass Menschen mit gefärbtem oder getöntem Haar nicht etwa nach der Duftkomposition greifen, die ihrem eigentlichen Haar- und Hautpigment entspräche, sondern nach derjenigen, dessen Typ sie verkörpern wollen. Man kann sich das erklären, indem diese Menschen sich intuitiv in den von ihnen gewollten Typ einleben und einfühlen. In diesen Fällen stimmt die momentane, aber nur scheinbare Haarfarbe mit der vorgenannten bevorzugten Duftwahl überein, jedoch nicht der tatsächliche individuelle Eigengeruch. Denn dieser steht in Relation zur wirklichen Haar- und Hautfarbe. Das heißt, für die Beurteilung, Empfehlung und Beratung in der Praxis müssen Sie stets die natürliche Pigmentation zugrunde legen und nicht eine nur vorübergehende. Dadurch entsteht keine Diskrepanz zu der momentanen Einstellung des betreffenden Menschen, weil man meist die reine Geruchswirkung und seine Rolle, sein Leitbild – das, was man gerne sein möchte – getrennt voneinander beurteilt und nicht unmittelbar miteinander.

Duftakkord

Zur Erzeugung der gewünschten harmonischen Wirkung gehören Eigengeruch und spezifischer Duftakkord. Denn nur beide gemeinsam erzeugen, unmittelbar auf der Haut, den Effekt, den wir Duftakkord nennen. Das bedeutet für die praktische Anwendung der Duftkombination, welche auf den Haar- und Hauttyp abgestimmt ist, dass sie stets auf die Haut direkt aufgetragen werden muss. Durch die Körperwärme verbinden sich die Grundnote der Eigenperspiration mit der jeweiligen Komposition zu einem gemeinsamen harmonischen, absolut sympathisch wirkenden Gesamtkomplex ganz persönlicher Prägung. Wir haben damit einen neuen, eigenwilligen Weg zur Lösung der kosmetischen Frage gezeigt, die individuelle Eigenart der Perspiration als eines biologisch notwendigen und im Rahmen des Psychischen sinnvollen physiologischen Vorgangs nicht zu unterdrücken oder in seinem normalen Ablauf zu vermindern, sondern vielmehr ihn in eine ästhetisch ansprechende Kombination ätherischer Öle so einzufügen, dass diese Verbindung eine harmonische Unterstreichung der individuellen sinnenhaften Erscheinung eines Menschen als Persönlichkeit darstellt.


Der Einfluss von Naturrhythmen auf den menschlichen Organismus

Rhythmus ist eine Urerscheinung allen Lebens. Rhythmus kann man definieren als die gleichartig, gleichmäßig sich wiederholende, ineinander übergehende Polarität einander entgegengesetzter Vorgänge, in gleichmäßigen (einander ähnlichen) Gezeiten (Perioden). Rhythmische Phänomene sind der Wechsel von Tag und Nacht, von Ebbe und Flut, der Herzschlag mit Diastole und Systole, Höhe- und Tiefpunkte der psychosomatischen Konstitution und Stimmung, Reiz und Lähmung, Erweiterung und Verengung der Gefäße, Beugung und Streckung der Muskeln, um nur einige zu nennen. Obwohl es uns Menschen gelungen ist, eine eigene künstliche Welt der Zivilisation um uns herum zu schaffen und zu gestalten, so sind wir dennoch nach wie vor in die Rhythmen des Naturgeschehens einbezogen und ihren Einflüssen ausgesetzt.

Die Rhythmusforschung ist ein Teilgebiet der umfassenderen Chronobiologie. Die entscheidenden Impulse gingen dabei von der Medizin, der Anthropologie und der Soziologie aus. Es handelt sich hier um praktische Probleme, welche durch die zivilisatorischen Einflüsse auf den Menschen aufgeworfen wurden. Denn mit fortschreitender Technisierung seiner Lebens- und Arbeitsbedingungen wird der Mensch in zunehmendem Maße gezwungen, im Widerspruch mit den tagesund jahresrhythmischen Veränderungen der Natur zu leben. Es handelt sich dabei im Grunde um die Frage nach der zeitlichen Umwelt-Einordnung und Umwelt-Abhängigkeit des menschlichen Lebens. Denn zahlreichen, so genannten Zivilisationskrankheiten liegen Störungen der biotischen Zeitstruktur zugrunde, das heißt Rhythmusstörungen.

Der heutige Mensch hat sich weitgehend von der inneren, periodischen Ordnung gelöst, in der er ursprünglich geborgen war. Er hat dafür allerdings Freiheiten errungen. Es ist daher die Aufgabe unserer Zeit, aus dieser gewonnenen Freiheit ein neues inneres Ordnungsgefüge auf höherer Stufe zu schaffen, um dadurch zu einer neuen inneren Einheit und Harmonie zu gelangen. Denn das ist die Voraussetzung für ein Heilwerden des aus seinen früheren Bindungen losgelösten emanzipierten Menschen. Die biotische Zeitstruktur – die Gezeiten des Menschen und der gesamten Natur – sind ein hierarchisch gegliederter Zeitorganismus, in dem jeder schnellere und spezialisierte Rhythmus in den langsameren, umfassenderen eingeordnet ist. Die moderne Rhythmusforschung befasste sich allerdings zunächst nur sehr ausgiebig mit der Untersuchung des Tagesrhythmus.

Tagesrhythmus

Der augenfälligste Wechsel, den wir auch heute noch am meisten bewusst erleben, ist der von Tag und Nacht. Aus eigener Erfahrung und aus den Erkenntnissen der Arbeitspsychologie wissen wir, dass der Vollzug eines Tages für die menschliche Vitalität nicht gleichförmig verläuft, sondern gleichfalls wiederum in einem eigenen Rhythmus: Der beginnende Tag bringt für unsere Vitalität vormittags einen Höhepunkt, unmittelbar nach dem Mittag ein Absinken, später nachmittags wiederum einen kleinen Hochpunkt, der schließlich in den Rhythmus der Nacht absinkt. Auch die Nacht ist für unseren menschlichen Organismus durch eine wechselnde Intensität unserer Schlaftiefe charakterisiert.

Zyklus

Als nächsthöhere rhythmische Ganzheit folgt im weiblichen Organismus der Zyklus der 28 Tage, der sich sowohl körperlich ausprägt, wie auch tiefen Einfluss auf den seelischen Zustand, auf die Gemütsstimmung ausübt und der auch Auswirkungen auf den Zustand des Hautbildes hat. Analog gibt es einen Zyklus von 23 Tagen beim Mann.

Jahresrhythmus

Diese kleinen Rhythmen des Lebens werden von den Einflüssen überlagert, die das Jahr in seinem Ablauf auf die Lebensprozesse im Menschen ausübt. Wir können uns dies in Bildern verständlich machen und diese dann auf die analogen Zustandsphasen unseres menschlichen Körpers übertragen:

Frühjahr

Im Frühjahr erwacht die Natur aus der Ruhe, aus dem Schlaf des Winters. Sie beginnt sich wieder zu regen, aus sich hinaus neues pulsierendes Leben zu wirken. Daher ist der Frühling die Jahreszeit des überwiegenden Aus-sich-Hinauswirkens, des Aus-sich-Hinausstrebens, des Schaffen- und des Wirken-Wollens. Es erwacht ein Wille, ein Wollen und Streben zu neuem Leben. Die spontane innere Spannung verwirklicht sich in einem Wachsen und Werden alles Lebendigen nach außen.

Sommer

Im Sommer kommen diese neuen Werde- und Bildeprozesse zum Abschluss, zur Reife, die sich gleichsam wie in einem Symbol in der Frucht darstellen, sie in sich sammelt und vereint, was die Natur ihr dargereicht und geschenkt hat. So ist der Sommer die Phase des überwiegenden In-sich-Aufnehmens, des In-sich-selbst-Werdens. Es ist die Zeit reifender Individuierung und Selbstwerdung.

Herbst

Herbst ist die Zeit des inneren Umbildens, des Verarbeitens, der im Sommer aufgenommenen und eingesogenen Materie und Energie. Man könnte ihn die Phase des In-sich-Festigens nennen, gewissermaßen als ein innerer Abschluss des sommerlichen Selbstwerdens zum herbstlichen Selbstsein.

Winter

Im Winter sind alle vegetativen Prozesse und Vorgänge vermindert, ja fast völlig eingestellt. Es ist ein Zustand des Sich-Ausruhens, des inneren Zehrens von den im Sommer aufgesogenen Kräften. Die ursprüngliche Spannung ist abgesunken in ein Stadium der Entspannung als eine schöpferische Pause und Ruhe, bis der beginnende Frühling wiederum die Dynamik und die Vitalität, ein Wollen zu neuem Leben erweckt.

Der menschliche Organismus reagiert analog auf diesen Rhythmus des Jahres und der Jahreszeit:

Reaktionen des Organismus

Im Frühjahr beginnt die gesamte Lebensfähigkeit des Organismus sich zu steigern. Mehr und mehr tritt ein Zustand erhöhter Aktion und Reaktion ein, der sich organisch in erhöhtem Stoffwechsel, gesteigerter Reaktionsfähigkeit, vermehrter Regeneration und seelisch in erhöhtem Tätigkeitsdrang und frohem Lebensgefühl äußert. Wenn die Stimulation und Anregung der vegetativen Prozesse und Funktionen auf eine infolge des Winters verminderte Kapazität des Körpers trifft, dann zeigt sich das Symptom der Frühjahrsmüdigkeit.

Zustand der Haut im Frühling

Der Zustand der Haut im Frühjahr ist durch eine erhöhte Reaktionslage charakterisiert: Es fällt eine gesteigerte Sensibilität auf, eine oft übernormale Reizreaktion, die sich in gesteigerter Disposition zu Allergien, Irritationen sowie zu Effloreszenzen der Haut äußern kann. Das heißt, das Frühjahr ist die kritische Zeit der Hautanomalien. Denn ebenso wie die normalen Funktionen des Stoffwechsels und des Energiehaushalts stimuliert werden, so werden im gleichen Maße die Stoffwechselvorgänge zu überstürzten, übersteigerten Reaktionen angeregt.

Zustand der Haut im Sommer

Im Sommer normalisieren sich die vegetativen Vorgänge im Organismus, mit dem Ergebnis für das Hautbild, dass es sich im Sommer meist ebenso normalisiert. Selbstverständlich trägt auch der Einfluss der Sonnenbestrahlung – in physiologischem Maße zugeführt – sehr zu einem ausgleichenden Normalstatus bei. Die vorteilhaften Wirkungen des Sommers auf den Organismus und auch auf die Konstitution der Haut bestehen noch im beginnenden Herbst.

Zustand der Haut in Herbst und Winter

Erst in den meist nebelreichen, düsteren Tagen des Novembers – nach sonnenarmen Sommern auch schon früher – beginnt ein Abfallen und Nachlassen aller vegetativen Vorgänge. Stoff- und Energiehaushalt, die Reaktions- und Tonuslage vermindern sich. Das wirkt sich auf das Aussehen des Teints in einem Atrophisch-Werden der Haut aus: Sie beginnt blasser, fahler, schlaffer und welker zu werden, die periphere Durchblutung, Tonus und Turgor werden vermindert. Im Winter nehmen die Erscheinungen unter normalen Lebensbedingungen noch mehr zu. Denn zur Abnahme der neurovegetativen und physiologischen Prozesse tritt ein Mangel an Vitaminen, insbesondere an Vitamin A, D, E und C.

Aufgrund dieser verschiedenartigen Einflussnahme ist es verständlich, dass man die Wahl der biokosmetischen Präparate und die Art und Weise ihrer Anwendung auch dem Rhythmus der Jahreszeiten entsprechend variiert. Wir können die Einflüsse der Jahreszeiten grundlegend dahingehend charakterisieren, dass im Frühjahr alle durch physiologische Überfunktionen verursachten Hauterscheinungen besonders begünstigt werden. Im Herbst – stärker noch im Winter – treten solche Erscheinungen in den Vordergrund, welche durch ein Absinken des Stoffwechsels und seiner Funktionen hervorgerufen werden, die man als ein zunehmendes Atrophieren der Haut zusammenfassen kann. Selbstverständlich sind die Übergänge wie bei allen biologischen und physiologischen Prozessen fließend. Dieser allmähliche Übergang wird vor allem auch dadurch beeinflusst, dass neben den jahreszeitlichen Wirkungen auf den Organismus das jeweilige Klima, die Witterung ihre Einflüsse auf den Körper und damit auf die Haut ausüben, wie beispielsweise:

1 Die Intensität der Sonneneinstrahlung.

2 Die Temperatur.

3 Die Luftfeuchtigkeit.

Sonneneinwirkung

Die Sonnenstrahlen bewirken über eine Erweiterung der Kapillaren eine Erhöhung der Durchblutung und führen als äußeres Symptom zu einer Rötung der Haut. Die ultravioletten Strahlen regen die Bildung des Hautpigmentes Melanin zum Schutz vor der Zerstörung der Hautzellen bei zu starker oder zu lang dauernder Bestrahlung an. Außerdem wird durch den Effekt des ultravioletten Lichts Eiweiß koaguliert und zersetzt, wodurch die Strahlung desinfizierend wirken kann. Allgemein belebt Licht den gesamten Stoff- und Energiewechsel des Organismus durch die unmittelbare Zufuhr physikalischer Energie in Form von Wärme. Ferner bilden sich unter dem Einfluss des Lichts Vitamin D, Gewebehormone und Substanzen, welche die Sensibilisierung erhöhen. Aber wir müssen auch auf die schädigenden Wirkungen einer zu intensiven oder zu lange dauernden Sonnen- und Lichteinwirkungen hinweisen, wie Reizungen, Entzündungen der Haut, Sonnenbrand, ein vorzeitiges Atrophieren und sogar die Gefahr einer späteren Bildung von Hautkrebs.

Temperatur

Der Einfluss der Temperatur auf die Haut lässt sich auch aus den allgemeinen Erfahrungen der Physik bildhaft ableiten, indem Wärme ausdehnt und Kälte adstringiert.

Wärme bewirkt eine Erweiterung der peripheren Gefäße, eine erhöhte Durchblutung, eine Anregung des Stoff- und Energiewechsels, eine Stimulation der Regenerationsvorgänge und der Restitution. Zuviel zugeführte Wärme bewirkt aber das Gegenteil, insbesondere dann, wenn die Kapazität der Haut überfordert wird. Es tritt eine Apathie, eine Erschlaffung ein, sowie ein Nachlassen von Turgor und Tonus. Großporigkeit kann neben anderen Erscheinungen eine Folgereaktion sein.

Kälte adstringiert, vermindert die Durchblutung, verringert die Zirkulation und damit die peripheren Stoffwechsel- und Energievorgänge. Andererseits regt sie jedoch die physiologischen Atmungsprozesse an, das heißt die Verbrennung von Körpersubstanz. Zu starke Kälte hingegen zerstört das Zelleiweiß der Haut und führt zu den als Frostschäden bekannten Erscheinungen.

Feuchtigkeit

Trockene Luft wirkt entquellend und dadurch verhärtend, die Haut wird wie gegerbt, sie wird ledriger, jedoch mit dem Vorteil, dass sie damit gegen äußere Einflüsse widerstandsfähiger wird. Allerdings entstehen unter dem Einfluss zu trockener Luft vorzeitig Fältchen und Fältelungen der Haut, mit einer Tendenz zur vorzeitigen ledrigen Atrophie. Bei trockener Atmosphäre ist die normale Perspiration nicht behindert und es ist dadurch gewährleistet, dass sich der Organismus auf Temperaturschwankungen der Umwelt besser einstellen und sich ihnen leichter anpassen kann. Eine zu hohe Luftfeuchtigkeit hingegen bewirkt ein Quellen der Haut, ein Erweichen. Sie verhindert den intensiven Schutz der Epidermis durch Verhornung. Außerdem ist die Perspiration in ihrem normalen Ausgleichsbestreben behindert, die perkutane Resorptionsquote von Substanzen sowie die Anfälligkeit gegen Infektionen erhöht.

Rhythmus und Spezifika

Der Rhythmus der Jahreszeiten wirkt sich auf die Lebensvorgänge des menschlichen Organismus steigernd oder verlangsamend aus und beeinflusst auf diese Weise die Regenerationsprozesse der Haut. Hinzu treten die charakteristischen Einflüsse des jeweiligen Klimas und der Atmosphäre. Sie alle zusammen machen es erforderlich, die Haut in Kuren im Rhythmus des Jahres mit spezifischen Wirkstoffen und in einer entsprechenderen Art der Präparateform zu behandeln. Der Rhythmus des Jahres selbst gibt uns Hinweise auf jeweils spezifisch zu empfehlende Wirkstoffe und Wirkstoffkomplexe, während die Einflüsse des Klimas und der Atmosphäre vor allem die Form der Verarbeitung als Öl-in-Wasser- oder Wasser-in-Öl-Emulsion, als Gel oder Paste bestimmen.

Kuren in der biokosmetischen Hautbehandlung

Kuren und die BioKosmetik stehen in einem unmittelbaren Zusammenhang zueinander, ja sie bedingen einander. Was bedeutet die Kur für die biokosmetische Behandlung der Haut, welchen Sinn hat sie und wie wird sie in der Praxis verwirklicht? Nehmen wir dafür ein kleines Beispiel: Eine Klientin kommt zu Ihnen zur Behandlung, nach 14 Tagen wieder, um dann eine längere Zeit zu pausieren. Eine derart unregelmäßige Behandlung kann im Sinne einer biologischen Kosmetik niemals den Erfolg erzielen, den die Klientin selbst unbewusst ersehnt oder bewusst wünscht, und den selbstverständlich auch Sie als den Sinn Ihrer Arbeit erstreben.

Behandlungsrhythmus

Es ist eine bekannte Tatsache in der Biopharmazie und Pharmakologie, dass Wirkstoffgaben in einem gleichmäßigen Rhythmus einen wesentlich besseren Erfolg zeigen als die Verabreichung einer einzelnen hohen Dosis oder kleiner Dosen in unregelmäßigen Abständen. Die gleichmäßige Rhythmik der Applikation wirkt wie ein immer wieder neuer, physiologischer Impuls, der durch seine Regelmäßigkeit die wirksame Dosis im Körper aufrechterhält. Daraus folgt für die BioKosmetik der im Wesen der Physis begründete Vorteil, durch eine gleichmäßige, rhythmische Behandlung in konstanten Intervallen den angestrebten ästhetischen Erfolg wesentlich verbessern zu können. Es ist daher im Interesse der Klientin, wenn Sie danach streben, die Behandlungen in gleichmäßigen Abständen und sich wiederholend – also in Kuren – durchzuführen. Dabei hat sich in der Praxis gezeigt, dass Sie am besten jeweils 6 bis 10 Einzelbehandlungen zu einer Kur zusammenfassen. Die Behandlung erfolgt am besten einmal wöchentlich oder alle 14 Tage, möglichst jeweils am gleichen Wochentag und zur gleichen Tageszeit.

Gesichtspunkte für biokosmetische Hautkuren

Die Grundlage bildet für Sie, wie stets bei Ihrer kosmetischen Behandlung, die jeweilige individuelle Hautkonstitution, das Hautbild und neurovegetativ bedingte Erscheinungen. Für eine Kosmetikbehandlung in Kuren haben sich folgende Wirkstoffe und Wirkstoffkomplexe seit Jahren besonders bewährt:

Normale Haut

Bei einer normalen Haut geben Sie im Sinne einer Erhaltung der normalen, ausgeglichenen Konstitution, aber zugleich auch einer Vorbeugung gegen die leider nicht zu vermeidenden Tendenzen zum Altern der Haut eine Vitamin-Hautkur, insbesondere im Winter und in den ersten Monaten des Frühlings. Das heißt in den so genannten sonnenarmen Monaten des Jahres.

Reife Haut

Bei physiologischen Erscheinungen des Alterns führen Sie mit Ihrer Klientin zur Anregung, Belebung und besseren Durchblutung des Teints eine Revitalisations-Hautkur auf der Basis von pflanzlichen Keimextrakten durch, vor der Sie zur Erhöhung der Absorption in die Haut eine biologische Schälung anwenden.

Seborrhoe

Bei Seborrhoe und Neigung zu Akne sollten Sie in jedem Fall eine systematische kurmäßige Hautbehandlung vornehmen. Verwenden Sie dazu als biokosmetische Wirkstoffe vor allem den Vitamin-B-Komplex, ferner Schieferöl, Allantoin, Panthenol, Huminsäuren und Moorextrakte, eventuell auch Azulen, wenn die Seborrhoe und die Komedonen-Akne durch neurovegetative Überfunktionen bedingt sind.

Reizung und Rötung

Bei der Kur-Behandlung einer zu Reizungen, Rötungen und Irritationen neigenden Haut stehen Azulen, Bisabolol, Panthenol, Glycyrrhicin, Aucubin und Hamamelin im Vordergrund der Wirkstoffanwendung.

Einfluss der Jahreszeit

Neben dieser Auswahl an Wirksubstanzen für die Behandlungen, dem jeweiligen individuellen Hautbild entsprechend, spielt der Einfluss der Jahreszeit, der natürliche Jahresrhythmus eine Rolle für die möglichst günstige Wahl des Zeitpunktes einer biokosmetischen Hautkur. Grundlegend bevorzugt man im Frühjahr und Sommer pflanzliche Wirk- und Grundstoffe sowie wenig Fett, zumeist als Öl-in-Wasser-Emulsion. Im Herbst und Winter hingegen möchte man der Haut mehr Fett zuführen und zieht daher Wasser-in-Öl-Emulsionen vor und verwendet als Wirkstoffe vor allem Vitamine und biogene Komplexe aus Keimextrakten und Lecithin.

Zur inneren Rhythmik des individuellen Lebens

Biomorphose

Ebenso wie in der Natur verlaufen auch die Vorgänge im menschlichen Organismus nicht kontinuierlich und gleichmäßig stetig, sondern in ganz bestimmten Rhythmen und Intervallen. Dass der Mensch lebenslang dauernden, gezeitenhaften Wandlungen unterliegt, hat Max Bürger Biomorphose genannt. In diesem Begriff sollen der sich abwechselnde Aufbau und Abbau des physiologischen Geschehens, die Wandlungen eines Menschenlebens nach der Geburt, über die Kindheit, die Jugend, die Reife und das Altern zum Ausdruck kommen. Es soll die Dynamik in den Vordergrund gestellt werden. Denn nicht nur der gesamte, gesunde Lebenslauf vollzieht sich in rhythmischen Wandlungen wechselnder Dominanz der Funktionen, der Vorgänge und der Prozesse in den Geweben und Organen, sondern auch die Krankheit unterliegt der rhythmischen Biomorphose, obwohl sie eine Störung der normalen Funktion bedeutet.

Lebensmelodie

Karl Ernst von Baer sprach schon im vorigen Jahrhundert von der „persönlichen Melodie eines jeden Menschenlebens“ und meinte damit den ganz bestimmten typischen Rhythmus, der ein Menschenleben charakteristisch durchpulst. Der eine Mensch lebt schnell, hektisch, eine Vielzahl von Eindrücken aufraffend und ebenso schnell und hastig auf sie reagierend. Der andere Mensch hingegen, der heute allerdings selten geworden ist, lebt geruhsam, jeden Eindruck, jedes Erlebnis bewusst in sich aufnehmend. Bevor er auf die Eindrücke der Außenwelt reagiert, lässt er sie im Unbewussten in sich nachwirken, zugleich aber auch sie in bewusster Überlegung bedenkend. So kann man das Leben eines Menschen nicht allein danach bemessen und beurteilen, welcher äußere Zeitraum sich zwischen seiner Geburt und dem Heute vollzogen hat, sondern man muss ihn immer nach der Art, der Intensität, der Weise seines Erlebens und seines Reagierens und Handelns betrachten. Nur in diesem umfassenden Sinn ist dann ein Leben erfüllt oder trotz einer Fülle scheinbarer Erlebnishäufigkeit dennoch innerlich leer. Die Welt der von außen auf uns einströmenden Eindrücke und die Welt der sich in uns abspielenden Vorgänge körperlicher, seelischer und geistiger Art, unbewusst bleibend oder uns bewusst werdend, bestimmen unsere Lebensgezeiten, unseren jeweils ureigensten Erlebensrhythmus, unsere persönliche Biomorphose. Welches Maß ist uns aber für diese Individual-Zeit gegeben, wenn die Lebensrhythmik und die innere Zeit eines jeden Menschen verschieden ist? Wenn Wachstum und Entwicklung, Empfindung und Reaktion, Regeneration und Degeneration jeweils ihre individuell bestimmte, von Mensch zu Mensch variierende Dauer haben, so ist der innere Wandel eines jeden Menschen spezifisch, eigentümlich, grundsätzlich autonom und an sich scheinbar unabhängig von der Periodik der umgebenden Natur. Aber beide begegnen einander.

Relativität der Zeitempfindung

Vielleicht kommen wir hier zu der Frage der Relativität der Zeitempfindungen, dahingehend, dass nicht nur unsere physiologischen Zeitphasen andere sind als die der astronomischen Sternenzeit, sondern dass außerdem die Geschwindigkeit des organischen Wandelns in der Jugend größer ist als im Alter, wir jedoch in der erlebnisreichen Jugend glauben, dass die Zeit langsam vergeht. Im Alter hingegen, wenn unsere inneren organischen Funktionen vermindert und verlangsamt sind, erleben wir die Zeit schneller, kürzer, gedrängter. Das heißt, dass Biomorphose und subjektive Zeitempfindung einander entgegengesetzt verlaufen: Die Biomorphose unseres Organismus, unseres Körpers, unseres ganzen Ichs verläuft in der Jugend rasch und verlangsamt sich im Laufe unseres Lebens mehr und mehr, während die Zeit zu Beginn unseres Daseins langsam und gegen das Ende hin schnell verlaufend erlebt wird.

Äußere Zeit

Wenn auch in der äußeren Zeit die Wandlung unserer Organe als Biomorphose verläuft, so ergibt sich dennoch aus der Individualität des Zeitempfindens die Möglichkeit, eine Wandlung unseres körperlichen, seelischen und geistigen Seins dadurch zu bewirken, als es uns gelingt, unseren Eigenrhythmus selbst zu bestimmen. So ist es möglich, die eigene Biomorphose in ihrem Geschehen zu verzögern und damit zu verlängern oder sie zu beschleunigen und damit zu verkürzen. Ein Schlüssel dazu ist die Fähigkeit, sich von den Rhythmen des Zeitgeschehens „draußen“ lösen zu können und wiederum zu lernen, auf die individuelle, persönliche, autonome Rhythmik des eigenen Lebens und Lebensgeschehens intuitiv erfühlend zu horchen und ihr zu gehorchen. Dass dies allerdings nur in einem bestimmten lebensgesetzlichen Rahmen möglich ist, ist verständlich, denn durch die Relation der beiden Welten, der Natur außer uns und der Leib-Seele-Einheit in uns, unterliegen wir irreversiblen Veränderungen der lebendigen Substanz. Diese unentrinnbare Funktion der Zeit nennen wir Altern. Das Ausgerichtetsein alles Lebendigen auf das Altern ist aber aus der Erfühlung der eigenen Lebensrhythmik durch eine konsequente Körper- und Gesundheitspflege hinauszuschieben. Und darin liegt einer der bedeutendsten Sinngehalte einer echten naturgemäßen und lebensverbundenen BioKosmetik.

Biorhythmik

Das Leben ist ein ständiger ununterbrochener Zeugungsvorgang, bei dem männliche und weibliche Faktoren aufeinander wirken. Es ist ein Zeugen und Gebären, ein zeitweiliges Bewahren, Sichdarleben (Da-Sein), Vergehen und Sichauflösen.

Rhythmik des Kosmos

Alle Begegnungen und Prozesse im gesamten Weltall verlaufen in Rhythmen. Dies ist eine Erkenntnis, welche schon im Altertum die Menschen intuitiv empfanden und nach der sie ihren Lebenslauf ausrichteten. In der heutigen Zeit moderner Wissenschaft hat man diese Weisheit wiederentdeckt, ihre Phänomene systematisch verfolgt und versucht, sie bildhaft, symbolhaft, geometrisch oder mathematisch zu formulieren. Überall finden wir rhythmische Vorgänge, die nebeneinander, aber auch mit- und ineinander verlaufen, sich gegenseitig überformen, einander integrierend, in gestaltender Harmonie oder zu sich selbst auflösender Disharmonie.

Innere Zyklen

Inmitten all dieses rhythmischen Geschehens der ihn umgebenden Welt lebt der Mensch als eine Individualwelt in sich. Auch in unserer eigenen Innenwelt spielen sich gesetzmäßig verlaufende Zyklen und Rhythmen ab, wie die zu- und abnehmende Tätigkeit der Organe des Menschen, des Verdauungstraktes, von Leber, von Galle, Pankreas, die wechselnde Dominanz der Sympathikus- und Parasympathikus-(Vagus-)Aktivität, von energie- sowie substanzverbrauchender Tätigkeit und aufbauender, regenerierender Erholung. Eigengesetzlich und individuell stehen sie dennoch in Abhängigkeit und stetem Zusammenspiel mit den uns umgebenden kosmischen Rhythmen, wie dem Rhythmus von Tag und Nacht, dem Sonnenaufgang und dem Sonnenuntergang, den Jahreszeiten und ihrer Witterung und der verschiedenen Dauer von Licht und Dunkelheit, um nur einige zu nennen. So können wir grundlegend nach ihrem Entstehen und ihrem Ablauf zwei verschiedene Einflusssphären in Bezug auf den Menschen unterscheiden:

1 Die äußeren, externen Rhythmen des Kosmos, der uns umgebenden Welt.

2 Die inneren, internen Zyklen unseres individuellen Eigenlebens, körperlicher, seelischer und geistiger Art.

Periodik

Die Periodik umfasst ein breites Spektrum der verschiedensten rhythmischen Funktionen, beginnend mit den schnellsten rhythmischen Aktionen im Nervensystem, in den Nervenzellen mit einer Frequenz von 1/1000 Sekunden. Potenzialschwankungen im Gehirn haben rhythmische Wellenfrequenzen von zwischen 1/20 bis 1/2 Sekunden. Der Rhythmus des Herzschlages beim Gesunden beträgt etwa 72 pro Minute, die Frequenz des Atemrhythmus in Ruhe normalerweise 18 pro Minute. Rhythmische Vorgänge mit Perioden-Dauern von einer bis zu zwei Stunden kennzeichnen die Funktionen der inneren Organe, und zwar ineinander übergehend, so dass innerhalb des 24-Stunden-Rhythmus sämtliche Funktionen des Körpers beteiligt sind. Alle Organe und Organsysteme haben dabei ganz bestimmte Hauptleistungszeiten (Maxima) mit unmittelbar daran anschließenden Erholungsphasen (Minima), was einen wesentlichen Einfluss auf unsere körperliche und unsere seelische Befindlichkeit ausübt:


ZeitraumLeistungsmaximum des Organs
1– 3 UhrLeber
3– 5 UhrLunge
5– 7 UhrDickdarm
7– 9 UhrMagen
9–11 UhrMilz und Pankreas
11–13 UhrHerz
13–15 UhrDünndarm
15–17 UhrBlase
17–19 UhrNieren
19–21 UhrKreislauf
21–23 Uhrallgemeine Energiegewinnung
23– 1 UhrGalle

Den Aktivphasen folgen unmittelbar die ebenfalls etwa zwei Stunden währenden Erholungsphasen der entsprechenden Organe. In dieser Regenerationsphase sollten die Organe nicht belastet werden. Das heißt, ab 21 Uhr wäre somit der optimale Zeitpunkt des Schlafbeginns.

Unter normalen Lebensbedingungen wirkt das Tageslicht als Zeitgeber (Aschoff), so dass dadurch eine strenge Koordination des eigenen inneren 24-Stunden-Rhythmus mit dem Tagesablauf besteht. Die Zeit des Sonnenaufgangs und des Sonnenuntergangs beeinflussen ganz wesentlich unsere innerkörperlichen Vorgänge und die Tätigkeiten der Organe. Wir können generell einen „Tagbetrieb“ mit Aktivität und Wachheit bei überwiegendem Energieverbrauch unterscheiden von einem „Nachtbetrieb“ mit Passivität und intensiver Regeneration des ganzen Körpers. Die Zeitpunkte der jeweiligen Umstellung sind Morgendämmerung, Mittag, Abenddämmerung und Mitternacht.

Tagesphase

Der von außen kommende Reiz des Sonnenlichtes bestimmt aktiv die Stoffwechselvorgänge der vom Sympathikus beherrschten Tagesphase: Die Reaktion tendiert zum Alkalischen (zur Alkalose), mit einem pH-Wert des Gewebes um 7,3. Der Körper ist bei einem gesteigerten Energieverbrauch, erhöhtem Eiweiß-Fett-Stoffwechsel und überwiegendem Substanzabbau auf Leistung und Aktivität eingestellt.

Nachtphase

Die Tagesphase geht in die vorwiegend vom Vagus (Parasympathikus) bestimmte Nachtphase über, welche durch Reize hormoneller Natur vom eigenen Organismus ausgelöst und gesteuert wird. Die Stoffwechselvorgänge verlagern sich von der Peripherie zum Körperzentrum mit zunehmender Passivität, Speicherung, Erholung und Regeneration der Körpersubstanz, bei erhöhter Körperwärme, Blutdrucksteigerung und gesteigertem Zellaufbau. Der pH-Wert des Gewebes neigt zu einem Säuregrad (zur Acidose) um 6,9 mit der Folge einer erhöhten Reizungs- und Entzündungsneigung.

Leistungsmaxima

Unsere körperliche, seelische und geistige Leistungsfähigkeit steigt im Rahmen dieses Tagesrhythmus am Morgen beginnend und erreicht gegen 9 Uhr Vormittag ihren Höhepunkt. Dann sinkt sie stark ab, um danach wieder leicht anzusteigen bis zu einem zweiten, etwas niedrigeren Hochpunkt gegen 18 Uhr. Danach tritt ein Abfall der Leistungsfähigkeit und ein Übergang in die Nachtphase ein, die bis gegen 3 Uhr Mitternacht ihren Tiefpunkt erreicht.

Der Mensch im Zustand des Wachbewusstseins kann bei allen dem Bewusstsein nahen Lebensvorgängen wie zum Beispiel dem Schlaf-Wach-Rhythmus deren naturgegebenen Ablauf durchbrechen. Die tieferen, biotischen, vegetativen Rhythmen, wie zum Beispiel der Leber, der Galle, des Pankreas und anderer Organe können durch den Menschen nicht willentlich verändert werden. Die Lebensweise muss sich vielmehr auf sie einstellen, muss sie berücksichtigen, nicht umgekehrt. Jedes unrhythmische Leben wirkt daher störend auf den inneren Rhythmus und damit auf die Gesundheit. Der 24-Stunden-Organrhythmus hat in den der Kosmetik benachbarten Fachgebieten praktische Bedeutung in der Diätetik für die Wahl der Ernährungsweise und der Essenszeit und in der Bäderbehandlung für die Zeitwahl der Anwendung. Darüber hinaus wird bei der Applikation von Medikamenten zusehends der Organrhythmus berücksichtigt.

Dem 24-stündigen Tagesrhythmus folgt ein zusammengehörender Komplex weiterer bestimmter biologischer (biotischer) Rhythmen, die von Fließ neu entdeckt, von Teltscher und Hersey weiterentwickelt und insbesondere von Früh und Groß im Detail unter dem Namen Biorhythmik ausgearbeitet wurden. Wir legen unseren Betrachtungen die psychische Erkenntnis zugrunde, dass in jedem Menschen männliche und weibliche Wesens- und Charakteranlagen vorgegeben sind. C.G. Jung nennt den weiblichen Seelenteil im Mann dessen anima, den männlichen Seelenteil der Frau deren animus. Selbstverständlich pflegen beim Mann die männlichen Wesenszüge zu überwiegen, bei der Frau die weiblichen. Sie dominieren, sie herrschen über die jeweils andere Geschlechtsseele, die gleichzeitig unterschwellig, unbewusst, rezessiv vorhanden ist. Aus diesen Darlegungen ergeben sich – nach Fließ – zunächst zwei Biorhythmen:

1 Die männliche (M-)Periode von 23 Tagen.

2 Die weibliche (W-)Periode von 28 Tagen.

Jeder dieser Rhythmen verläuft in einer wellenförmig darzustellenden Auf- und Abbewegung seiner Funktionen, die man bildhaft als Sinuskurve ausdrücken kann. Die beiden zeitlichen Perioden überlagern und durchdringen einander in einem rhythmischen An- und Abschwellen:

Die männliche Substanzperiode durchläuft ihre Wellenbewegung in 23 Tagen, die weibliche, äußerlich auch ausgeprägtere, in 28 Tagen. Dabei bewegt sich die Kurve der M-Periode in den ersten 11,5 Tagen in der Plus-Sphäre, danach bis zur Vollendung des 23. Tages im Minus-Bereich. Analog befindet sich der W-Zyklus vom ersten bis zum vierzehnten Tag im Hoch, vom fünfzehnten bis zum vollendeten 28. Tag im Tief der Sinus-Kurve. Die Plustage des Hoch-Betriebes bedeuten aktive Kraft- und Energieabgabe, die Minus-Zeiten eine Phase der notwendigen Kräftesammlung, der erforderlichen Regeneration und Erholungsbedürftigkeit.

M-Rhythmus

Der männliche Rhythmus von 23 Tagen bestimmt die somatische (körperliche) Situation eines Menschen, insbesondere das zur Außenwelt (extravertiert) gerichtete Befinden: die Arbeitsenergie, Unternehmungsgeist, Angriffslust, Mut gegenüber der Welt, physische Kraft, Intensität, Durchsetzungsvermögen, Ausdauer und Widerstandskraft gegenüber äußeren Einflüssen. Der männliche Zyklus ist die Ära der Extraversion. Er umfasst das Gebiet der Gliedmaßenmuskulatur, die unserem Willen unterworfen ist (quergestreifte Muskulatur). Während der Plus-Phase sind diese Eigenschaften und Tendenzen erhöht und gesteigert, in der Minus-Phase vermindert und passiviert:

Plus-Phase

In der Plus-Phase des M-Rhythmus besteht ein Maximum der aktivierenden Kräfte. Es ist die Zeit der Kraftentfaltung, der erhöhten körperlichen Leistungs- und Belastungsfähigkeit. Der Körper ist immun gegenüber Infektionen und ist besonders widerstandsfähig. Die therapeutische Folgerung daraus ist: Chirurgische Operationen, abbauende medikamentöse oder physikalische Behandlungen (strenge Diät, Fasten, stark belastende Bäder, Bestrahlungen, Impfungen, bei denen man mit Komplikationen rechnen muss oder Blutentnahme) sowie alle Maßnahmen, die den Körper und seine Konstitution beeinträchtigen und belasten, sollten in diese Hoch-Phase des M-Rhythmus verlegt werden. Denn der Körper ist ihnen während ihrer Dauer durch seine eigene Aktivität ohne Schwierigkeit gewachsen.

Minus-Phase

In der Minus-Phase des M-Rhythmus überwiegt die Passivität. Es ist die Zeit notwendiger Kräftesammlung, überwiegender Regenerationsnotwendigkeit und -bedürftigkeit. Sowohl für die medizinische Therapie als auch für die biokosmetische Behandlung bedeutet diese Phase des Organismus eine besonders intensive Aufnahmefähigkeit für beruhigende, stärkende, aufbauende Maßnahmen und Präparate.

W-Rhythmus

Auch der weibliche W-Rhythmus von 28 Tagen, entsprechend der normalen fraulichen Periode, bestimmt die körperliche Situation, jedoch überwiegend das Vegetativum, das Innenleben, das Sympathikus-Vagus-System, welches die Lebenstätigkeit aller inneren Organe einschließlich der Drüsen und ihrer Funktionen steuert. Er beeinflusst daher überwiegend die Introversion: Gefühl und Stimmung, Selbstgefühl, Gemüt, Sexualität, Intuition, Meditation, die künstlerische, eigenschöpferische Tätigkeit.

Plus-Phase

In der Plus-Phase hat dies eine erhöhte Lebensstimmung zur Folge. Gefühl, Gemüt und Intuition sind stark betont und ansprechbar. Die Introversion ist stärker ausgeprägt und empfindsam. Man könnte von einer Sehnsucht nach einem in sich und sich selbst Leben und Leben-Wollen sprechen, einem sich selbst Darleben aus der eigenen Mitte heraus, unabhängig von Umwelt und Mitwelt.

Minus-Phase

Während der Minus-W-Phase überwiegen Depression und Passivität. Es ist auch hier die Zeit für eine erneute Sammlung, Erholung und Regeneration der inneren Kräfte, die Phase der notwendigen schöpferischen Pause. Die beiden M- und W-Rhythmen beziehen sich somit grundlegend auf das körperlich unbewusst seelische Geschehen, das psychosomatische Befinden.

I-Rhythmus

Der Mensch ist aber über das Psychosomatische hinaus auch ein geistiges Wesen. Wir fragen uns daher, ob eventuell auch die intellektuellen Kräfte im Menschen wahrnehmbaren und nachweisbaren Rhythmen unterliegen. Teltscher, Hersey und Früh fanden durch systematische Untersuchungen geistiger Leistungsschwankungen in Reihenuntersuchungen den Intellekt-Rhythmus (I-Rhythmus) von 33 Tagen. Dieser Rhythmus steht mit den beiden anderen M- und W-Rhythmen durch die Ganzheit und Geschlossenheit des menschlichen Organismus in Verbindung und Abhängigkeit. Innerhalb dieses I-Zyklus erhöhen und vermindern sich die Verstandesreaktionen, die Auffassungsgabe, die Geistesgegenwart, die Assoziations- und Konzentrationsfähigkeit, um nur einige Parameter zu nennen, die vom Intellekt abhängen. Aufgrund dieser von ihm beeinflussten Phänomene könnte man den dritten Zyklus auch Bewusstseins-Rhythmus nennen.

Überformung

Nach der Biorhythmus-Lehre verlaufen die Bewegungen der drei Zyklen im menschlichen Organismus in sich überlagernden und überformenden körperlichen, seelischen und intellektuellen Funktionsphasen:

1  Der männliche M-Rhythmus von 23 Tagen, der primär die körperlichen Funktionen und Prozesse ausprägt.

2 Der weibliche W-Rhythmus von 28 Tagen, den vor allem das unbewusst Seelische kennzeichnet.

3 Der I-Rhythmus (Intellekt-Rhythmus oder Bewusstseins-Rhythmus) von 33 Tagen mit seiner Darstellung des Bewusstseinszustandes.

Ein Beispiel dafür, wie sich diese Zyklen überlagern können, ist in Abbildung 1 am Beispiel des M- und des W-Zyklus dargestellt. Die dreifache innere Biorhythmik gibt jedem einzelnen Tag eine ganz bestimmte individuelle Wert- und Zustandsstufe. Das ist ein biotisches Gesetz, dem alle Lebewesen, insbesondere der Mensch, unterworfen sind. Innerhalb der Grenzen seiner Eigenart ist die jeweilige Intensität der Zyklen in ihrer Auswirkung auf das menschliche Befinden, entsprechend der persönlichen Sensibilität, Reagibilität, Konstitution und momentanen Konstellation, eindeutig verschieden.


Abbildung 1

I.) Der M-Rhythmus von 23 Tagen, II.) der W-Rhythmus von 28 Tagen und III.) die Überlagerung von W- und M-Rhythmus. Gleichgerichtete Tendenzen verstärken sich, entgegengesetzte schwächen sich ab.

Auswirkung

Die Biorhythmik spielt daher für die Reaktionslage Ihrer Klientinnen insofern eine praktische Rolle, als an den so genannten Krisentagen zu Beginn, in der Mitte und am Ende einer Periode mit einer besonders ausgeprägten Hypersensibilität, einer von der üblichen Reaktion abweichenden Hyperergie, mit einer erhöhten Neigung zu Effloreszenzen, einer gesteigerten Nervosität und anderen negativen Hautphänomenen zu rechnen ist. Behandlungen und Präparate, die bisher ausgezeichnet vertragen wurden, scheinen plötzlich unverträglich zu sein. Auch der Erfolg der Behandlung erscheint nicht so auffällig und positiv wie gewohnt. In diesem Zusammenhang möchte ich noch darauf hinweisen, dass der innerlich bedingte und intern sich abspielende persönliche Biorhythmus durch äußere Einflüsse und Einwirkungen des Wetters, des Klimas, der Atmosphäre gefördert oder gehemmt werden kann. Allgemein bedeutet dies, dass der Biorhythmus von den Wirkungen der Bioklimatik auf den Organismus und seine physiologische Gesamtkonstellation beeinflusst wird: Ein Hoch der Klimalage stimuliert ein Hoch der eigenen Rhythmik zu Höchststimmungen bis zur Gefahr der Überleistung. Eine Tieflage der Biorhythmik wird durch ein Witterungs-Hoch in den Zustand mittleren, ausgeglichenen Wohlbefindens neutralisiert. Ein Tief der Witterung hingegen kann ein eigenrhythmisches Hoch dämmen und abschwächen, während es bei einem zeitgleichen Tief der eigenen Zyklus-Phase in krisenhafte Depressionen, lebensverneinende Stimmungen und zu völliger Apathie führen kann.

7-Jahres-Rhythmus

Der eigenwillige, aus anthropologischen statistischen Untersuchungen grundsätzlich erwiesene 7-Jahres-Rhythmus war in früheren Zeiten bereits bekannt. So schrieb Solon im alten Athen bereits eine Elegie, in welcher er den 7-Jahres-Rhythmus ausführlich und auf recht reizvolle Weise bespricht. Die Kenntnis über diese Zusammenhänge war allerdings lange Zeit verloren. Dennoch scheint man in unserem Kulturkreis um den 7-Jahres-Rhythmus intuitiv gewusst zu haben, als man den Schuleintritt in das 7., die Schulentlassung in das 14. und die Mündigkeitserklärung in das 21. Lebensjahr legte. Burbach hat in seiner kleinen Schrift „Über die Zeitrechnung des menschlichen Lebens“ und im dritten Band seiner Physiologie die Entwicklung des menschlichen Organismus in zehn Perioden, jede zu sieben Jahren, 31 Wochen und sechs Tagen, eingeteilt. Diesen Überlegungen lag eine menschliche Lebenserwartung von 73 bis 78 Jahren zugrunde. Burbach erhielt diese Zahlen aus der Periodizität der menschlichen Entwicklungsgeschichte als annähernden, wenn auch individuell variierenden Wert. Auch wenn wir die sieben Jahre, 31 Wochen und sechs Tage in 2780 Tage – unter rechnerischer Berücksichtigung von zwei Schaltjahren – auflösen, so erscheint uns die Zahl willkürlich, eigenwillig und vor allem unerklärlich. Dennoch bewahrheitet sie sich im Rahmen einer individuell variablen Grenze im Lebensablauf. Denn die Entfaltung des menschlichen Lebens verläuft tatsächlich in derartigen Stufenjahren, die sich ineinander umwandeln und dabei trotzdem als voneinander charakteristisch unterschiedene Entwicklungsphasen des Menschen während seines Lebens festzustellen sind. Es ist das stufenweise In-Erscheinung-Treten des Menschen nach den Gesetzen seines Wesens. Deshalb hat Carus in seinen „Vorlesungen über Psychologie“ den Gedanken des 7-Jahres-Zyklus wieder aufgegriffen und seiner Entwicklung der menschlichen Seele diese Rhythmik und Periodik zugrunde gelegt. Hierbei gibt es, wie bei allen biotischen, physischen und psychischen Metamorphosen (Wandlungen), im Laufe eines Lebens keine starren Grenzen, sondern immer nur betonte, hervorzuhebende, charakteristische Akzente. So erfüllen nach Burbach die ersten drei Perioden die Zeit der Unreife beziehungsweise der Jugend:

Jugend

1 Das Säuglings- und Kindesalter (Milchzahnalter).

2 Das Knaben- oder Mädchenalter.

3 Das Pubertätsalter.

Diese ersten drei Perioden sind mit dem 23. Lebensjahr abgeschlossen. In dem zweiten, größeren Teil der Lebenszeit wollen wir Burbach, Carus und Hufeland berücksichtigen, jedoch auch neuere Untersuchungen einbeziehen:

Reife

Drei weitere Perioden, die vierte, die fünfte und sechste, die wir als die Zeit der Reife, etwa bis zum vollendeten 46. Lebensjahr, bezeichnen. Diese dreifache Periode können wir mit Burbach als unsere Lebenshöhe bezeichnen. Es ist die Zeit, in der sich der Mensch mit der Welt, mit seiner Berufsfindung, mit dem Aufbau einer Familie befasst. Es ist die Periode der Lebensgestaltung, der Lebensbewältigung, des überwiegenden Weltbewusstseins.

Klimakterium

Die nächstfolgende, siebte Periode erstreckt sich zwischen dem 46. und dem 53. Lebensjahr. Dies ist vor allem für die Frau die Lebensphase der Wechseljahre, des Klimakteriums, die man als die kritische bezeichnen kann. Denn es ist ein Lebensabschnitt, der eine grundlegende Umstellung und Umstimmung im ganzen Organismus, vor allem im Hormonhaushalt hervorruft. Seelisch sollte es ein Übergehen aus dem aktiven, nach außen blickenden Weltbewusstsein in eine über die Situationen des Weltgetriebes sich erhebende Selbstbewusstheit werden, durch die der Mensch seinen inneren Weg zu den ihm Zeit seines Lebens meist unbewusst waltenden seelischen Mächten suchen sollte.

Altern

Nach Überwindung der vorgenannten Krisis besteht der Sinn und die Aufgabe der folgenden Lebensperioden in bewusstem und bejahendem Altern. Ein Lebensabschnitt, der ganz individuell je nach Lebenskunst noch 1, 2, 3 und mehr 7-Jahres-Perioden andauern kann und den es gilt, bei möglichst wohlerhaltener Gesundheit ganz bewusst zu erleben. Es ist die Zeit, nach den Stürmen des Weltlebens mit ihren Gegensätzen, Widrigkeiten und Kämpfen, die oft hässlich, lieblos und unerbittlich waren oder uns zumindest so erschienen, sicheren Schrittes hineinzugehen und sich hineinzuleben in eine Welt des Schönen, der Güte und des Wahren. Das frisch-fröhliche Gesicht der Jugend in seiner gelösten Unbekümmertheit sollte übergehen in das gütige Antlitz abgeklärter Weisheit des Alters, ein jedes in seiner eigenen Schönheit und Wahrheit, wenn man es wagt, sich zu sich selbst zu bekennen und zu dem Wert seiner jeweiligen Lebenszeit.

Wenn wir die einzelnen Lebenszeiten überblicken, so erkennen wir für eine das Leben in seiner Fülle erfassende und betreuende BioKosmetik, dass jede Lebensperiode wohl allgemeine, aber dennoch charakteristische Merkmale, Eigenschaften und Symptome aufweist. Diese geben uns wertvolle Hinweise auf die jeweiligen Grundstimmungen und Neigungen ihrer körperlichen und seelischen Lebensverfassung mit ihren manchmal abrupten, manchmal allmählichen Wechseln und damit auf die individuelle Art ihrer Behandlung und Betreuung. Denn die Bewältigung oder das Versagen vor der Aufgabe der jeweiligen Lebensperiode prägen die Reagibilität, die Sensibilität und damit die Erscheinung eines Menschen. Denken wir dabei nur an die schwierige Zeit der Pubertät, an die Auseinandersetzungen in der Periode der Weltbewältigung, an die häufige Furcht vieler Menschen vor dem Altern. So ergeben sich ganz bestimmte Tendenzen, Neigungen, Reaktionen und Befindlichkeiten auch der Haut als Organ im Zusammenspiel des Organismus:

Kleinkind

In der ersten 7-Jahres-Periode, dem Säuglings- und Kleinkindalter, im Stadium des ersten noch werdenden, sich bildenden und gestaltenden Organismus ist die Haut ideal, sofern keine Krankheiten vorliegen. Das heißt, sie ist jugendlich straff, zart, gut durchblutet und durchfeuchtet. Allerdings ist sie oft empfindlich und neigt manchmal sogar zu einer leichten Trockenheit. Insofern tritt hier, vor allem beim Säugling, die Kinderpflege in den Vordergrund der Behandlung und auch beim kleineren Kind bereits der Beginn einer ganz leichten, vor allem vor den Unbilden der Witterung schützenden Gesichtspflege.

Zwischenstadium

Der zweite 7-Jahres-Abschnitt erstreckt sich von der Mitte des 7. bis etwa zum 15. Lebensjahr. Es ist eine Übergangsperiode, je nach der individuellen Entwicklung, noch ein Nachhängen der Kindheit und ab der Mitte dieser Lebensphase bei jungen Mädchen bereits ein Übergang in die dritte Periode der Reifung, der Pubertät, mit ihren meist hormonal bedingten Schwierigkeiten einer unreinen, oft zugleich auch überempfindlichen, in zunehmendem Maße sogar allergisch reagierenden Haut. Eine innere Unzufriedenheit mit sich selbst und mit seinem Aussehen quält häufig den jungen Menschen, der nicht mehr Kind, aber auch noch nicht Erwachsener ist, mit allen Problemen einer derartigen unsicheren, gärenden Interimszeit. Der junge Mensch findet meist nicht den Weg zu einer fachkosmetischen, vernünftigen Haut- und Körperpflege, wenn er nicht vor allem durch die Mutter dazu angehalten wird, und wählt daher meist aus nervöser Ungeduld den Weg der unsachgemäßen Selbstbehandlung seiner Hautunreinheiten mit dem Effekt einer Verschlimmerung des Zustandes und sehr häufig zurückbleibender, nicht immer noch einmal gutzumachender Narben.

Pubertät

Die dritte 7-Jahres-Periode vom 15. bis zu etwa dem 23. Lebensjahr ist die typische Zeit der Pubertät. Die biologische und physiologische Reifung vollendet sich und der junge Mensch beginnt, sich aus der Obhut der Eltern und der Älteren innerlich loszulösen, sich seelisch abzunabeln. Dies ist die Periode der Seborrhoe, der Neigung zu Akne, generell einer erhöhten Tendenz zu Hautunreinheiten, manchmal auch durch eine gleichgültig erscheinende Hautpflege verursacht, die vor allem dekorativ interessiert ist und die Pflege vernachlässigt.

Lebenshöhe

Wir haben die vierte bis sechste 7-Jahres-Periode vom 23. bis zum etwa 46. Jahr in eine Gesamtphase der Reife, der Aktivität, des Existenzaufbaues, des Sich-Auseinandersetzen-Müssens mit der Umwelt und der Mitwelt zusammengefasst, und als die Höhe des Lebens bezeichnet. Wenn Sie die Menschen dieser Lebensjahre zusammenfassend betrachten, so werden Sie feststellen, dass schon bei Dreißigjährigen die Schwierigkeiten der Weltbewältigung sehr häufig, vor allem bei sensiblen Menschen, eine Problem-Haut bewirken. Psychosomatisch bedingt, zeigt sich häufig als weitere Symptomgruppe eine überempfindliche, hypersensible, gereizte, nervös reagierende, hyperergische Haut auf der Basis einer so genannten Mischhaut, eine neuro-vegetativ bedingte seborrhoische Zone bei einer trockenen, manchmal sogar trockenschuppenden Peripherie. In der Mitte dieser Lebensphase beginnt aber bereits ein weiteres Problem, nämlich das der Vorbeugung, der Prophylaxe gegen ästhetisch störende und unerwünschte Erscheinungen des beginnenden Alterns der Haut.

Wechseljahre

Die siebte 7-Jahres-Periode, das kritische Stadium des Klimakteriums, der Wechseljahre, verläuft zwischen dem 46. und dem 54. Lebensjahr. Die Umstellung im Hormonsstoffwechsel, die Herz- und Kreislaufbeschwerden, die häufig zu Wallungen führen, rufen auf der Haut bei Menschen mit entsprechender Neigung Teleangiektasien und Rosacea hervor. Außerdem beginnen ganz eindeutig, insbesondere durch den Rückgang an genuinen Hormonen, die typischen Erscheinungen des Alterns der Haut: Es tritt ein Schwund des subkutanen Fettgewebes ein, das Hautrelief vergröbert sich, die Hautoberfläche wird trockener, spröder, rauer. Es bilden sich Runzeln und Falten, fleckenförmige Hyperpigmentationen. Die Epidermis wird dünner, die periphere Verhornung intensiver, die verhornte Oberfläche der Haut ist wasserärmer, um nur einige Erscheinungen zu nennen. Die 7-Jahres-Perioden nach dem vollendeten 54. Lebensjahr zeigen die zunehmende Atrophierung der Haut mit all den vorangenannten Erscheinungen. Wollen wir sie die reife Haut, die beanspruchte, belastete Haut nennen. Es besteht ein akuter Mangel an physiologisch notwendigen Substanzen wie beispielsweise Fett, Phosphatiden, Feuchtigkeit, Aminosäuren und Kollagen. Daher besteht die kosmetische Behandlung vor allem in einer Substitution, einer Ergänzung der fehlenden oder mangelnden Grundstoffe der Haut.

Sind die Charakteristika der Perioden bis zum 54. Lebensjahr vorwiegend die Vorbeugung, die Prophylaxe mit entsprechenden Wirksubstanzen, ferner die Beruhigung, das Ausgleichen, so steht mit zunehmendem Altern die Substitution vor allem von Grundstoffen, verbunden mit einem Anregen, Beleben, eventuell sogar leichten Stimulieren der physiologischen Hautprozesse im Vordergrund der Behandlung. Wenn man das ganze Spektrum der rhythmischen Vorgänge im Menschen betrachtet, so muss man erkennen, dass die Rhythmen mit zunehmender Periodendauer komplexer werden, da immer mehr Teilfunktionen zu gemeinsamer Aktion zusammengefasst werden.

Homöodynamik

Es ist erkennbar, dass alle Lebensvorgänge gesetzmäßig spontanen Schwankungen unterliegen. Man spricht daher in der Rhythmusforschung von einer Homöodynamik als einem integrativ verbundenen und geordneten Zusammenspiel aller rhythmischen Vorgänge des Lebens und des Lebendigen. Die Bedeutung der Erkenntnisse der Lebensrhythmen für die Bio-Kosmetik und selbstverständlich für jede naturverbundene Auffassung einer Behandlung oder Therapie besteht darin, zu versuchen:

1 Die rhythmischen Abläufe im Organismus als lebensgesetzliche, unabdingbare Prozesse zu erkennen, sie anzuerkennen und, wenn möglich, in das diagnostische Urteil einzubeziehen.

2 Sie bei der Behandlung zu berücksichtigen. Das setzt eine dem Ästhetischen, dem Schönen, dem Harmonischen und damit dem Gesunden sich verpflichtende Lebensauffassung und Lebenseinstellung voraus.

Krankheit

Die Symptome sind in unüblichen Lebensabschnitten diagnostische Hinweise. Denken wir zum Beispiel an die 40-jährige Akne-Klientin. Sie ist bestimmt ein medizinisches Problem, kein kosmetisches mehr. Oder die atrophisch aussehende Haut einer 20-jährigen Kranken. Dies sind Diskrepanzen zwischen Erscheinungsbild und Lebensperiode, die nach tieferen, meist krankhaften Ursachen und Gründen fragen lassen.

Biorhythmisches Kraftfeld

Diese Ausführungen legen nahe, dass die verschiedensten Rhythmen sich im Menschen als ihrem gemeinsamen Kraftfeld vereinen, einander überlagern, sich integrieren, gegenseitig beeinflussen, so dass es schwierig ist, sie im Einzelnen zu erfassen und zu registrieren. Für ein Gesamtbild sind vor allem zu viele verschiedene individuelle Faktoren (Imponderabilien) der persönlichen Sensibilität und Reagibilität maßgebend, als dass man eine eindeutig klare und exakte mathematisch darstellbare Formulierung oder Ausdrucksform finden könnte. Die Imponderabilien sind zu groß und nur ganz individuell zu entscheiden. Diese Tatsache scheint mir der Grund dafür zu sein, dass die Biorhythmik, ebenso wie die Bioklimatik, nur zögernd Eingang in die heutige überwiegend mathematisch und chemisch-physikalisch orientierte Schulwissenschaft gefunden haben. Dessen ungeachtet sind ihre Auswirkungen auf das menschliche, pflanzliche und tierische Leben so eindeutige Tatsachen der Erfahrung, dass man sie auf keinen Fall negieren darf. Das Leben und die Lehre vom Leben (Biologie und Bionomie) haben umfassendere Gesetze und Gesetzmäßigkeiten eigener, höherer Sphäre als die so genannten exakten Wissenschaften der Mathematik, der Chemie und der Physik. Bios – das Leben – ist eine eigene Seins-Kategorie voller eigener Gesetzmäßigkeiten, und dazu gehört ganz eindeutig die Biorhythmik.

Schlussbetrachtungen

Häufig lehnt man diesen gesetzmäßigen Kräfterhythmus mit der Begründung ab, man wolle von diesen Momenten in seiner freien Entscheidung nicht abhängig sein. Andererseits hängt jeder Mensch von seiner ganz persönlichen Rhythmik ab, ob er sie bejaht oder verneint, ob er sich dessen bewusst ist oder ob er es ins Unbewusste verdrängt. Wer um das sich Anbahnende, noch Unsichtbare weiß, was ihm möglicherweise von seiner inneren Rhythmik bevorsteht, der kann die kommenden Ereignisse lenken, leiten und führen. Sind die Ereignisse jedoch eingetreten, macht sie nichts mehr ungeschehen. Deshalb ist es für jeden Menschen in Wirklichkeit das Beste, die jeweiligen Vorteile jeder Rhythmusphase in ihrer Tendenz und Disposition einzuschätzen und sich entsprechend zu verhalten. Denn in den Zyklen liegen Chancen, Möglichkeiten zu einer bewussten Lebensführung und Lebenshaltung der optimalen Aktivität und der für den Organismus vorteilhaften Passivität zur inneren Regeneration, die es jeweils zu berücksichtigen gilt.

Aus der Erfahrung eigener Beobachtungen ist festzustellen, dass die persönliche geistige Einstellung sowohl alle positiven Tendenzen der M- und W-Rhythmen zu beeinflussen und zu führen vermag, wie auch Depressionen durch eine Haltung zuversichtlicher Hoffnung und Hochstimmung frohgemuter Beherrschtheit zu lindern sind. Höchstleistungen körperlicher und geistiger Art sind daher nur durch bewusste Anpassung des Arbeits- und Erholungsprogramms an den eigenen, individuell geregelten Kräfteablauf zu erzielen. Die zeitlich richtig angesetzte Regenerationsphase und die schöpferische Pause ermöglichen sogar einen beständigen Zusatz an Lebenskraft, sowie geistig eine intensiv schöpferische Phase. Damit kann ein vorübergehendes Tief an Passivität in der danach beginnenden aufsteigenden Phase eine Fülle an Gedanken, Ideen und schöpferischen Einfällen schenken. Mit der Wahrnehmung und Fühlung der eigenen, inneren schöpferischen Kräfte und des eigenen psychosomatischen Zustandes ist es möglich, den eigenen Rhythmus und die eigenen inneren Kräfte höher zu schätzen als die äußeren uns umgebenden Umstände. Dadurch erst wird der Mensch wahrhaft innerlich frei und unabhängig, da er es wagt, sein eigenes Selbst körperlich, seelisch und geistig darzuleben, sein Leben aus dem eigenen Inneren heraus – aus der eigenen Seinsmitte – zu gestalten und zu entfalten. Darin liegt vor allem die Chance der Biorhythmik als einer der möglichen Wege zur Selbstverwirklichung, auch im Rahmen der BioKosmetik.

Bioklimatik und BioKosmetik

Wetter und Klima

Wetter und Klima beeinflussen den Menschen in seinem Gesundheitszustand, seiner seelischen Verfassung und seiner Leistungsfähigkeit. Dabei verstehen wir unter Wetter einen momentanen Zustand der Atmosphäre an einem Ort und zu einem Zeitpunkt, der dem Wechsel und der Veränderung unterworfen ist. Klima können wir definieren als den für eine Gegend typischen Gesamtcharakter der geographisch bestimmten Wetterlage und deren sich im Prinzip ähnlich bleibenden Veränderungen und Wandlungen.

Bioklimatik

Bioklimatik nach Curry befasst sich mit den Wirkungen und Einflüssen des Wetters und des Klimas auf den lebendigen Organismus bei Pflanzen, Tieren und vor allem beim Menschen. Wetter und Klima, insbesondere deren Wandlungen, wirken auf die einzelnen Menschen verschieden, sowohl in der individuell empfundenen Intensität als auch in der Art und Weise der Reaktion. Besonders als junger Mensch meint man überhaupt nicht wetterempfindlich oder wetterfühlig zu sein. Das trifft jedoch nicht zu. Wir modernen Menschen haben nur die ursprüngliche Naturempfindung für die bewusste Beziehung zur Witterung und ihren Einflüssen mehr oder minder verloren.

Wetterwirkungen

Betrachten wir einige Beispiele: Wir sind müde und apathisch, niedergeschlagen, schlechter Stimmung, ohne sagen zu können warum. Wir haben Kopfschmerzen, Gliederschmerzen, ohne krank zu sein. Wir sind schwer eingeschlafen, sind nachts mehrfach aufgewacht, hatten quälende Träume und haben keine richtige Erklärung dafür. All dies können Auswirkungen des Wetters und seiner Wandlungen sein. Wenn wir die Natur beobachten, dann stellen wir fest, dass selbst Kleinlebewesen wie Bakterien, Pflanzen, ferner die Tiere ebenso wie der Mensch in ihrem Befinden von Wetter, Klima und ihren Wandlungen beeinflusst, ja geradezu beherrscht werden. Wenn Regen erwartet wird, schließen die Seerosen, der Löwenzahn, die Wetterdistel und andere Pflanzen vorzeitig ihre Blüten. Die Klatschrose öffnet ihren Kelch nur bei trockener Luft. Bei Ankunft eines Tiefs duften viele Blumen besonders stark und intensiv. Ein Tannenzapfen öffnet bei Trockenheit seine Schuppen, er sieht gespreizt aus. Bei Feuchtigkeit legen sich die Schuppen an und der Tannenzapfen sieht glatt und schlank aus. Ein Schlechtwetterzeichen bei den Tieren ist ferner das Tieffliegen der Schwalben und das Beißen der Fische. Beides hat seine Ursache im Tieffliegen der Insekten. Die Tiere zeigen eine erhöhte Unruhe, einen gesteigerten Taten- und Bewegungsdrang, während sie an anderen Tagen müde, träge und lustlos herumliegen. Eine ganz besonders für den Gesundheitszustand wichtige Veränderung geht bei den Bakterien vor sich: Als Zeichen gesteigerter Tätigkeit nimmt ihre Toxizität und damit ihre krankmachende Wirkung zu.

Dualität der Wetterfühligkeit

Wir sehen, die ganze Natur wird vom Wetter beeinflusst. Das sensibelste und damit wetterempfindlichste Wesen ist aber der Mensch. Ein- und dieselbe Wetterveränderung ruft bei verschiedenen Menschen entgegengesetzte Reaktionen seelischer und körperlicher Wirkungen hervor: Der eine wird müde und abgespannt, der andere hingegen nervös und gereizt. Es gibt negative, das Wohlbefinden störende Momente des Wetters, aber auch positive, leistungssteigernde Einflüsse. Man kann einen Dualismus von Wirkungen im Sinn von Depression und Stimulation beobachten. Dabei müssen wir die sinnlich wahrnehmbaren Eindrücke des Wetters wie Sonnenschein, Regen, Schnee oder etwa Wolkenhimmel von deren körperlichen und seelischen Einflüssen und Auswirkungen unterscheiden: Ein strahlender Frühlingstag erfreut uns als Bild der erblühenden, ergrünenden Natur, durch seinen herrlich blauen Himmel, und dennoch können wir uns frühjahrsmüde, depressiv und leistungsschwach fühlen. Der schöne, sinnenhaft positive Eindruck wird durch den störenden, psychisch negativen Einfluss verdrängt und unterdrückt. Unabhängig vom biologischen und physiologischen Eigenrhythmus jedes Menschen verlaufen die seelischen und geistigen Veränderungen durch das Wetter. Es gibt Tage, an denen man das Gefühl hat, Bäume ausreißen zu können, dem Leben und seinen wechselnden Situationen voll und ganz gewachsen zu sein. Die Welt erscheint lebens- und liebenswert. Unsere geistige Aufnahme- und Lernfähigkeit ist erhöht. Durch einen plötzlichen Wetterumschwung können wir unvermittelt verstimmt werden. Unsere Alltagsprobleme erscheinen gefährlich und unlösbar. Manche Menschen werden von Angst und Scheu ergriffen. Sie sind verärgert, missgestimmt, leicht reizbar, überempfindlich und nervös.

Fön

Solch eine Wirkung kann beispielsweise der Fön, ein warmer Südwind, hervorrufen. Gegen ihn scheint sich der Körper vieler Menschen nicht wehren zu können. Einsetzender Regen wirkt dann wie eine Erlösung. Zu den körperlichen Einflüssen gehören vor allem das Auftreten erhöhter Schmerzen im Kopf, an den Zähnen, in den Gelenken, Neuralgien und Rheumatismus. Außerdem ist der Kreislauf stark in Mitleidenschaft gezogen: Herzklopfen, erhöhte Temperaturen, heißer Kopf bei kalten Füßen als Phänomen einer ungleichen, ungesunden Blutverteilung. Bei beschleunigtem Puls tritt eine Kreislaufschwäche ein, die sich unter anderem in Form von schlechtem, blassem Aussehen sowie Ringen unter den Augen äußert. Es tritt bereits bei geringer Anstrengung starke Transpiration auf, bei manchen, insbesondere bei dunkelhaarigen Menschen begleitet von intensivem Körpergeruch. Durch den gesteigerten Wasserverlust tritt erhöhter Durst ein. Mund und Lippen sind infolgedessen trocken. Silberne und goldene Schmuckstücke hinterlassen schwarze Streifen auf der Haut als Zeichen einer Säureerhöhung. Auch der Turgor der Haut wird vom Wetter beeinflusst. Bei kaltem Wetter und bei steigendem Barometer treten die Falten im Gesicht vorübergehend stärker hervor: Man sieht älter aus. Das ist ein Maßstab für den Wasserhaushalt der Haut.

Hoch und Tief

Auch die Hand ist ein natürliches Barometer: Bei Hochdruck ist die Handfläche gleichmäßig gefärbt. Bei Anbruch eines Tiefs ist sie fleckig, marmoriert. Dies rührt von lokalen Gefäßspasmen bzw. Gefäßerweiterungen her. Das Haar bei Mensch und Tier reagiert deutlich auf atmosphärische Änderungen, insbesondere der Luftfeuchtigkeit: Bei einem Hoch ist es glänzend und von schöner Farbe. Vor und nach einem Tief unästhetisch, ungeordnet, leblos, strähnig. Frauen sagen bei dieser Wetterlage häufig, die Frisur hält nicht. Unsere Verdauungsorgane reagieren besonders stark auf Wetterveränderungen. So treten Appetitlosigkeit, unterbrochen von Heißhunger, unangenehmer Atem, belegte Zunge, Gastritis und Sodbrennen häufig als Wetter- und Klimawirkungen auf. Auch die sexuelle Zu- oder Abneigung kann sich mit Wetterveränderungen wandeln: Herzlichkeit und Liebesbedürfnis kann manchmal schroff mit Gleichgültigkeit und Ablehnung wechseln. Es gibt darüber hinaus unzählige weitere Veränderungen im menschlichen Organismus, insbesondere bei sensiblen und bei kranken Menschen, die durch langsame, stärker aber durch plötzliche Änderungen und Wandlungen der Witterung hervorgerufen werden. Selbstverständlich treten diese witterungsbedingten Einflüsse in Wechselwirkung mit den jeweiligen individuellen Reaktions- und Rhythmuslagen. Hier gilt wie bei Wellenbewegungen, die sich überlagern, dass eine biologisch-psychische Hochstimmung durch depressive Wettereinflüsse neutralisiert, durch anregende Einflüsse übersteigert werden kann, so wie eine Tiefstimmung durch negative Einflüsse des Klimas in Krisensituationen hineinzuführen vermag. Curry hat in langjährigen Untersuchungen und Aufzeichnungen festgestellt, dass es notwendig ist, die Symptome, die durch Wetterwechsel entstehen, in verschiedene Gruppen zu unterteilen. Denn Menschen, Tiere und Pflanzen reagieren auf eine Warmfront vollkommen anders, meist konträr, als auf eine Kaltfront. Aufgrund der verschiedenen Reaktionen des Organismus kommt Curry zu drei Typen von Menschen:

W-, K- und WK-Typus

1 Den Warmfront-Empfindlichen (W-Typus).

2 Den Kaltfront-Empfindlichen (K-Typus).

3 Den Warm- und Kaltfront-Empfindlichen (WK-Typus).

Curry nennt den WK-Typus G-Typus. Das heißt Gemischt. Diese Bezeichnung kann aber meiner Ansicht nach zu Missverständnissen führen. Es entsteht der Eindruck, es würde eine dritte, vollkommen anders geartete Kategorie geschaffen. Es handelt sich dabei aber, wie der Name WK-Typus besser ausdrückt, um eine Doppelempfindlichkeit sowohl gegenüber Warmfronten als auch Kaltfronten.

Warmfront

Man spricht vom Durchzug einer Warmfront, wenn die Temperatur ansteigt, der Luftdruck jedoch fällt (Tief). Winde kommen meist aus West bis Südwest, verbunden mit Regen oder im Winter mit Schnee.

Die Wirkungen der Warmfront

Die grundlegenden psychosomatischen Wirkungen erleichtern das Verständnis der Einzelsymptome: Eine Warmfront wirkt stimulierend, leistungssteigernd, erregend, anspannend und stressfördernd. Dementsprechend stellen sich bei warmfrontempfindlichen Menschen (W-Typen) als wetterbedingte Symptome Herzklopfen, erhöhter Puls, Neigung zu erhöhter Temperatur (Fieber), gesteigerte Transpiration, erhöhter Appetit, Erhöhung des Grundumsatzes, sexuelle Erregbarkeit, gesteigerte Nervosität, Hypersensibilität, Hyperergie, erhöhte Neigung zu Allergien und zu entzündlichen Prozessen ein. Seelisch bewirkt die Warmfront eine gesteigerte Lebensbejahung. Die Menschen sind liebenswürdiger, zärtlicher und liebevoller. Grundsätzlich bewirkt die Warmfront im Rahmen des dualistischen vegetativen Nervensystems eine Stimulation des Sympathikus und seiner Funktionen. Denn der Sympathikus hat im menschlichen Organismus die Aufgabe, die Entfaltung aktueller Energie zu fördern:

1 Erweiterung der Herzkranzgefäße und der peripheren Gefäße.

2 Senkung des Blutdruckes.

3 Beschleunigung des Herzschlages (der Pulsfrequenz).

4 Herzklopfen.

5 Erhöhung der Temperatur.

6 Stimulation der Schilddrüse (Jodgehalt erhöht).

7 Verschiebung des Säure-Basen-Gleichgewichtes zur sauren Seite (Azidose).

8 Die Haut erscheint elastisch, glatt und gespannt.

9 Anregung der Schweißdrüsentätigkeit (feuchte Hände und Füße).

10 Erhöhter Perspirationsgeruch.

11 Steigerung der Empfindlichkeit sowie der Erregbarkeit der Haut und aller entzündlichen Prozesse.

12 Die Haare erscheinen strähnig, leblos und unelastisch.

Kaltfront

Die Kaltfront ist von einem starken Temperaturrückgang und Luftdruckanstieg (Hoch) begleitet. Die Winde kommen meist aus Nord bis Ost mit zunehmendem Aufklaren zu einem sonnigen, aber kalten Wetter.

Die Wirkungen der Kaltfront

Die Kaltfront vermindert im Gegensatz zur Warmfront unsere Leistungsfähigkeit. Wir fühlen uns müde, apathisch, lustlos, geistig träge. Wachseinmüssen ist eine unangenehm empfundene Notwendigkeit. Der Schlaf hingegen ist ruhig und tief, eigenartigerweise aber nicht erholsam. Psychisch wirkt sich die Kaltfront durch die Lähmung der Initiative so aus, dass die Menschen allgemein, besonders aber die kaltfrontempfindlichen (K-Typen), verärgert, schlecht gelaunt, depressiv, lieblos, ekelhaft sind. Man könnte mit einem Bonmot sagen, „eine Kaltfront macht die Menschen leiblich und seelisch kalt und alt“. Dementsprechend ist auch das Aussehen bei Kaltfronteinfluss blasser, gealterter und faltiger. Die Peripherie des Körpers ist schlecht durchblutet, die Gefäße verkrampft, verengt, der Blutdruck dadurch erhöht. Eine Kaltfront bewirkt im Wechselspiel des vegetativen Nervensystems eine Reizung all der Funktionen, die vom Parasympathikus (Vagus) gesteuert werden: Die Restitution, die Regeneration und die Erhaltung der potentiellen Leistungsfähigkeit. Der Parasympathikus sorgt für die notwendige Ergänzung und Erholung der durch die aktuelle Energie verbrauchten Materie. Die Kaltfront beeinflusst die Vagusfunktion:

1 Verengung der Herzkranzgefäße und der peripheren Gefäße.

2 Erhöhung des Blutdrucks.

3 Verlangsamung des Herzschlages (Pulsfrequenz).

4 Senkung der Körpertemperatur (insbesondere stark verminderte Hauttemperatur).

5 Blasses, schlechtes Aussehen.

6 Kalte Extremitäten.

7 Schlechte Durchblutung von Herz, Gehirn und Haut.

8 Der Grundumsatz ist erniedrigt (Vorteil bei Schilddrüsenüberfunktion; Nachteil bei Unterfunktion).

9 Verschiebung des Säure-Basen-Gleichgewichtes nach der alkalischen Seite (Alkalose).

10 Erhöhte Krampfbereitschaft (Muskel-, Wadenkrämpfe, Blutleere im Kopf) als besonders charakteristisches Symptom.

11 Der Hautwiderstand ist erhöht, die Haut selbst erscheint faltig, unelastisch und trocken.

Zusammenfassungen der Wirkungen

Die Warm- und Kaltfronterscheinungen führen zu gegensätzlichen Symptomen, die durch das System der vegetativen Nerven mit seinen beiden Gegenspielern Sympathikus und Parasympathikus (Vagus) hervorgerufen werden. Unter dem Begriff „vegetatives Nervensystem“ versteht man die Gesamtheit aller Ganglienzellen und Nerven, die unabhängig vom Bewusstsein die gesamten vegetativen Prozesse im Körper regulieren und beherrschen, wie die Tätigkeit des Verdauungsund Zirkulationssystems, die Drüsen mit innerer Sekretion, die Funktion des Urogenitalapparates, den Stoffwechsel, um nur einige zu nennen. Man kann das Wechselspiel des vegetativen Nervensystems folgendermaßen beschreiben:

1 Der Sympathikus hat die Aufgabe, die Entfaltung aktueller Energie zu fördern.

2 Der Parasympathikus beeinflusst die Restituierung und Erhaltung der potentiellen Leistungsfähigkeit.

Der Sympathikus sichert die aktuelle Funktionsbereitschaft der Zelle; der Parasympatikus sorgt für die Ergänzung des verbrauchten Materials. Wenn man Symptome feststellt, die durch die Wetterfronten hervorgerufen werden, dann kann man tatsächlich erkennen, dass im Prinzip die Warmfront den Sympathikus, die Kaltfront den Parasympathikus (Vagus) anspricht und beeinflusst.

Bioklimatik und Kosmetik

Bei einer Warmfront ist allgemein die Nervosität aller Menschen erhöht. Sie müssen daher – insbesondere bei Fön – damit rechnen, dass die Haut Ihrer Klientinnen empfindlicher reagiert. Wenn Sie dies erkennen, meist schon bei der Reinigung des Teints, dann werden Sie Ihre Klientin an diesem Tag behandeln wie das Hautbild einer empfindlichen Haut, auch wenn sie einen normalen oder zu Atrophie neigenden Teint haben sollte. Damit wirken Sie der bioklimatisch bedingten Sympathikus-Stimulation für den Bereich Ihrer Behandlung – Gesicht, Hals, Nacken und Dekolleté – beruhigend, ausgleichend entgegen.

Die Empfindlichkeit ist bei einem Kaltfronteinbruch vermindert; die Haut erscheint blasser, angestrengt, müde, welk, atrophisch. An solchen Tagen können Sie auch bei einer jüngeren Klientin eine anregende, belebende, die Haut durchblutende, eventuell sogar leicht stimulierende Behandlung durchführen. Denn bei einer Kaltfront ist wesentlich weniger mit Reizungen und Irritationen der Haut zu rechnen als im Normalfall oder gar bei Warmfronteinbruch. Das bedeutet:

1 Bei Warmfront – die Haut beruhigen, ausgleichen, aufgrund der erhöhten Empfindlichkeit und Reizbarkeit.

2 Bei Kaltfront – den Teint anregen, beleben, aufgrund der verminderten neurovegetativen Ansprechbarkeit und der verminderten peripheren Kreislaufprozesse in der Haut.

Wettereinflüsse und Körperfunktionen

Der Ablauf der Körperfunktionen wird wetterbedingt durch die folgenden Faktoren gesteuert:

1 Die plötzliche Umstellung der Körperrhythmen durch einen Ortswechsel.

2 Die Periodik des Lichtes in Form von Tag und Nacht.

3 Den Luftdruck.

4 Die Temperatur.

5 Die Luftfeuchtigkeit. Insbesondere die Kombination von hoher Temperatur und Feuchtigkeit – ein Zustand, den man als Schwüle oder Treibhausklima bezeichnet.

6 Winde und vertikale Luftströmungen, die ihrerseits wieder vom Sonnenauf- und Sonnenuntergang bestimmt werden sowie durch deren Stärke und Richtung.

7 Elektrische Spannung der Luft (Spannungsgefälle) und elektromagnetische Störungen in der Atmosphäre. Diese beginnen mit Sonnenuntergang und werden bei Sonnenaufgang wesentlich schwächer.

8 Veränderte Nahrungsaufnahme oder Schlafbedingungen können den naturgegebenen, biogenen Rhythmus des Körpers und des Organismus nicht verändern.

In diesem Zusammenhang muss auch die günstige Auswirkung eines Klimawechsels genannt werden. Es steht fest, dass ein Klimawechsel den physiologischen Rhythmus des Organismus beeinflusst. Es kommt dadurch zu einer physiologischen Umstimmung im Körper, da die Wirkungen von außen in ihrem zeitlichen Auftreten im Vergleich zur bisherigen Einflussnahme variieren. Sie treffen unseren inneren Eigenrhythmus nicht am gleichen Punkt wie die bisherigen Umstände des Klimas. Der Organismus wird zu einer Re-Aktion angeregt, und man spricht daher sehr häufig von einem Reizklima, wenn sich die atmosphärischen Verhältnisse des Urlaubsortes stark von denen des gewöhnlichen Aufenthalts unterscheiden. In diesem Sinn bedeutet eine Rückkehr in den Heimatort wiederum eine rhythmische Umstellung für den Organismus und damit eine weitere, allerdings maßvolle Stress-Situation in physiologischen Grenzen.

Witterung und Blutverteilung

Eine der wichtigsten organischen Einflusssphären neben dem vegetativen Nervensystem ist der Blutkreislauf und die Blutverteilung im Organismus. Phasen einer vermehrten Blutkonzentration im Inneren des Körpers, in den Magen-, Darmgefäßen, allgemein im Verdauungstrakt, wechseln rhythmisch mit Phasen einer verstärkten Blutverteilung in der Peripherie, in den Hautgefäßen, im Gehirn. Diese wechselnde Blutverteilung hat einen physiologischen Sinn: Während und nach dem Essen, wenn der Verdauungstrakt in Aktion ist, strömt die Blutmenge überwiegend in das Innere des Körpers. Die äußeren Hirn-, Haut- und Akrengefäße werden während dieser Periode vernachlässigt. Infolgedessen ist man nach dem Essen müde. Man friert leicht als Zeichen der verminderten Hautdurchblutung. Ist die Verdauung beendet, so strömt das Blut wieder vermehrt zur Haut, ins Gehirn und zur Peripherie zurück. Durch den Wettereinfluss wird dieser natürliche, biologisch und physiologisch abgestimmte Rhythmus des inneren-äußeren Gleichgewichtes beeinträchtigt, eventuell sogar gestört. Bei einer Warmfront verbleibt das Blut auch während des Essens in größeren Mengen in der Peripherie. Gehirn und Haut sind und bleiben gut durchblutet, der Turgor der Haut bleibt erhöht, sie selbst ist glatt und elastisch, rosig und gut durchblutet. Der Blutdruck ist durch Erweiterung der Gefäße gesenkt. Finger und Füße sind manchmal angeschwollen. Eine Kaltfront stört das Blutverteilungs-Gleichgewicht im umgekehrten Sinne: Die Blutversorgung der Peripherie wird gehemmt und vermindert. Die Gesichtsfarbe bleibt blass, der Turgor bleibt vermindert, die Haut erscheint faltiger, welker, atrophischer als im Normalzustand. Subjektiv hat man ein Kältegefühl durch die Verengung, ja sogar oft durch die vorliegende Verkrampfung der peripheren Gefäße. Der Blutdruck wird dadurch erhöht. Man spricht von einer allgemeinen Krampfbereitschaft der Gefäße und der Muskeln sowie von einer Agglutinationstendenz des Plasma in den Geweben.

Zur Bionomie allgemein

Statik der Symptome

Wenn wir die Haut mit ihren Erscheinungen betrachten und auf dieser Grundlage die Diagnose stellen, so fragen wir uns stets: Woher kommen sie und wie sind sie entstanden? Zugleich mit dem Gedanken: Wie kann man ihre Ursachen beeinflussen? Das heißt, die Symptome nur zu benennen und zu beschreiben genügt nicht. Man muss ihre Ursachen ergründen sowie die Erscheinungen und ihre Phänomene als das Ergebnis von lebendigen Prozessen und Wirkungen erfassen. Die scheinbar ruhenden, statischen Symptome werden in die bewegten, dynamischen Vorgänge ihres Werdens und Entstehens aufgelöst.

Dynamik der Prozesse

Ich möchte dazu Carl Gustav Carus zitieren, der anlässlich des I. Kongresses der Gesellschaft deutscher Naturforscher und Ärzte sinngemäß folgendes sagte: „Es ist klar, dass zweierlei der Wissenschaft obliegt: Einerseits ein umfassendes, exaktes Beobachten der Natur, wie sie sich unseren Sinnen, unserer Erfahrung darstellt. Andererseits wird gefordert, dass wir uns nach der anderen, der inneren Seite unserer Existenz hinwenden. Das heißt, dass wir mit der Vernunft nach einer Erforschung der Gesetze streben, welche sich zu den Erscheinungen der Natur entfalten.“

Kausalkette

Diese zweifache Art der Naturbetrachtung und der Naturerkenntnis kommt daher, dass wir Menschen bei unserer Eigenart sinnenhaften Empfindenmüssens stets von den für uns wahrnehmbaren Erscheinungen ausgehen müssen. Anhand derer können wir versuchen, Schritt für Schritt, die Phänomene aus ihren Ursachen abzuleiten. Wir müssen uns von Erscheinung zu Erscheinung zurücktasten, um eine lückenlose Kette der Ursachen zu finden und aneinander zu reihen. Der Weg unserer menschlichen Erkenntnismöglichkeit führt also notwendigerweise von den sinnenhaften äußeren Erscheinungen zu deren inneren Ursachen. Die Natur geht aber in ihrer Entwicklung und Entfaltung genau den umgekehrten Weg. Eine Ursache treibt die nächste aus sich hervor, immer von innen nach außen schaffend und wirkend. Die Phänomene, die unserer menschlichen Sinnesempfindung als erstes begegnen, sind in Wirklichkeit die letzten Ergebnisse des Wirkens der Natur und des Lebens.

Genetische Wirkfolge

Aus der befruchteten Eizelle wird der Zellverband, aus ihm durch Differenziation die einzelnen Organe und damit schließlich unter vielfacher Umwandlung und Umformung der Organismus, der Körper als Erscheinung.

Finalbehandlung

Wenn wir die sich ständig abspielenden lebendigen Vorgänge in der Praxis beeinflussen wollen, dann wählen wir in der Diagnose den Weg von den Erscheinungen zu ihren Ursachen. Wir steuern aber andererseits durch unsere Behandlung und durch die von uns ausgewählten Wirkstoffe ein Geschehen, mit dem bewussten Ziel, die Gesundung der Haut in Schönheit und Harmonie durch Behandlung der Ursachen zu erreichen.

Bionomie

Durch diese prozessuale Betrachtung des lebendigen Geschehens ist es verständlich und notwendig, die Gesetze der Lebensvorgänge zu erfassen, die Gesetzmäßigkeiten organischen Sichvollziehens des Werdens, des Seins und des Vergehens zu finden. Die Erkenntnis der Grundprinzipien und Gesetze des Lebens heißt Bionomie. So ist Bionomie mehr als Biologie, welche lediglich die Lebensformen, die Lebenserscheinungen und die Lebensvorgänge beschreibt. Denn die Bionomie will die Lebensgesetze und die Gesetzmäßigkeiten beim Ablauf lebensgebundener Geschehnisse in ihrer konsequenten Prozessualität wesenhaft erfassen und schöpferisch nachgestalten.

Grundlegende bionome Prozesse

Aufbauphase – Abbauphase

In allem biologischen und physiologischen Geschehen greifen prinzipiell zwei Prozessphasen ineinander:

1 Der Aufbau, bei welchem aus der Nahrung Eiweißstoffe, Fette, Kohlehydrate, Mineralstoffe und Wasser als Körpersubstanz zu Zellen, Zellgewebe, Gefäßen, Organen, dem gesamten Organismus aufgebaut werden (Assimilation).

2 Der Abbau, bei welchem die Nahrungsstoffe und auch bereits abgelagerte Körpersubstanz abgebaut und verbraucht werden (Dissimilation).

Dabei wird aus den Substanzen Energie in Form von Muskelkraft, Körperwärme oder auf andere Weise frei. Aufbau und Abbau bedingen einander und ergänzen sich gegenseitig. Denn aus dem Substanzabbau wird die Energie frei, welche notwendig ist, um Materie neu aufzunehmen, aufzubauen und die Organe funktionstüchtig zu erhalten. Andererseits bestünde ohne assimilierte Substanz keine Möglichkeit, Energie im Körper freizusetzen. Aufbau und Abbau verlaufen jedoch nicht gleichmäßig, sondern in Intervallen, in einer Rhythmik gegenseitig wechselnder Intensität. So ist beispielsweise während des Schlafes der aufbauende, substanzgebende Stoffwechsel stärker ausgeprägt, während des Tages und der Arbeit hingegen überwiegt der substanzabbauende Prozess der Dissimilation.

Physiologisches Gleichgewicht

Wenn diese beiden Prozessphasen miteinander in einem ausgewogenen Gleichgewicht verlaufen, dann ist der Organismus innerlich gesund und in seiner Erscheinung harmonisch. Man spricht von einem dynamischen Prinzip des physiologischen Gleichgewichtes, welches man auf das Vermögen des Organismus zur Sensibilität und Reagibilität zurückführen kann. Das heißt, auf die Fähigkeit, Reize zu empfinden und auf diese Empfindungen entsprechend zu reagieren. Dieses Reaktionsverhalten nennt man auch System physiologischer (neuraler) Rückkoppelung. Der Ablauf der physiologischen Prozesse hat den Aufbau und die Gestaltung des Körpers und seiner Organe zum Ergebnis. Aus der Diagnose der äußeren Erscheinungen ist es daher möglich, auf die Art der physiologischen Prozesse zurückzuschließen, welche den Körper und die Organe gebildet haben. Grundsätzlich kann man dabei folgende drei Stadien des Energie- und Stoffwechselzustandes unterscheiden:

1 Die Normalfunktion oder Normergie. Die aufbauenden und die abbauenden Prozesse im Organismus sind miteinander in einem optimalen gegenseitigen Gleichgewicht. Ihr Ergebnis ist der gesunde Organismus, ist die gesunde, normale Haut.

2 Die Unterfunktion oder Hypergie. Die Energie- und Stoffwechselprozesse verlaufen entweder allgemein oder partiell innerhalb einzelner, bestimmter Funktionen und Faktoren vermindert, geschwächt. Alle Erscheinungen, die man auf physiologische Unterfunktionen zurückführt, kann man unter dem Begriff der Atrophie zusammenfassen.

3 Die Überfunktion oder Hyperergie. Physiologische Prozesse sind über das durchschnittliche Maß gesteigert, wie beispielsweise eine vermehrte Produktion an Hauttalg, eine übermäßige, verfrühte Verhornung, eine extreme Reizempfindung oder -reaktion.

Wenn man diese einfache schematische Einteilung möglicher Stoffwechselstadien der Diagnose zugrunde legt, lassen sich die folgenden physiologisch bedingten Hautbilder ableiten:

1 Normergie hat das Erscheinungsbild der normalen Haut zur Folge.

2 Hypergie führt zur atrophierenden, alternden, reiferen Haut.

3 Hyperergie verursacht physiologisch den seborrhoischen Zustand (Status seborrhoicus) und in Folge einer gesteigerten Reizreaktion eine Überempfindlichkeit sowie eine erhöhte Disposition zu Irritationen der Haut.


Abbildung 2

Übersicht über die verschiedenen Stoffwechselstadien und deren Auswirkungen auf den Hautzustand.

Seborrhoe wird dabei durch die folgenden Faktoren hervorgerufen:

1 Infolge übersteigerter Talgproduktion (ölige Seborrhoe – Seborrhoea oleosa).

2 Infolge vermehrter Verhornung (lokale Hyperkeratose an der Follikelmündung als trockene Seborrhoe – Seborrhoea sicca).

Die verschiedenen Stoffwechselstadien sind in Abbildung 2 zusammengefasst. Wir können diese drei physiologischen Stoffwechselzustände auf die Art und Weise der Behandlung übertragen und damit deren Modus den Eigenschaften der Haut entsprechend anpassen:

1 Bei einer Normergie wollen wir den vorhandenen gesunden Status der Haut erhalten und zugleich möglichen Tendenzen zu Unter- oder Überfunktionen vorbeugen.

2 Bei der Hypergie müssen wir versuchen, die verminderten Energie- und Stoffwechselvorgänge in natürlicher, physiologischer Weise anzuregen und zu beleben.

3 Liegt eine Hyperergie zugrunde, dann wollen wir die Haut beruhigen, ausgleichen, normalisieren, und zwar jeweils sowohl durch die Wahl der Wirkstoffe und ihrer Anwendungsformen, als auch durch die ganze Art und Weise der biokosmetischen Behandlung in der Praxis.

Durchschnitt und Norm

Wir sprechen von einer Normalkonstitution, aber wir hören auch sehr häufig von Durchschnittswerten. Beide Begriffe, Norm und Durchschnitt, müssen wir streng unterscheiden. Durchschnitt ist das Ergebnis einer statistischen Erfassung von Gegebenheiten. Ein Durchschnittswert muss in keiner Weise als gesund bewertet werden, sondern kann sogar pathologisch sein, beispielsweise wenn man bei zahnmedizinischen Erhebungen feststellt, dass der Durchschnitt aller Menschen, vor allem in hochzivilisierten Ländern, zahnkrank ist. Der Durchschnitt ist also überall in den statistischen Maßen greifbar, erfahrbar und registrierbar. Die Norm eines Menschen ist eine biologische Potenzfülle, ist der ideale Mensch im Vollbesitz seiner körperlichen, seelischen und geistigen Kräfte. Mit diesem Begriff der Norm sind wir im Prinzip bereits im Bereich der Metaphysik. Denn es handelt sich dabei um ein Idealbild, um eine erstrebenswerte transzendentale Idee, die in der realen Welt nicht unbedingt und unmittelbar fassbar sein muss. Die Norm umschreibt eine Lebensführung, Lebenshaltung und Lebenseinstellung, die erstrebbar und wünschenswert ist.

Wenn wir das physiologische Hautgeschehen beeinflussen, so wollen wir entweder anregen, beleben, stimulieren oder beruhigen, ausgleichen, normalisieren. Dabei gibt es folgende Möglichkeiten:

Substitution

Man kann die Stoffwechselprozesse unmittelbar beeinflussen, indem man im Rahmen einer Substitutionsbehandlung physiologische Substanzen gibt, die selbst im normalen Stoffwechsel vorkommen, wie etwa Aminosäuren.

Biokatalysator

Es gibt auch Stoffe, welche in ganz geringen Mengen in der Lage sind, physiologische Vorgänge im Organismus spontan hervorzurufen oder bereits ablaufende zu beschleunigen, ohne dass sie selbst dabei verändert werden. Einen derartigen Stoff, welcher Stoffwechselprozesse vermittelt, ohne selbst dabei umgewandelt zu werden, nennt man im lebendigen Geschehen einen Biokatalysator. Dazu gehören vor allem Enzyme, Vitamine und Hormone.

Biostimulanz und Biosedativum

Einige Stoffe wirken nicht direkt, sondern mittelbar über ein Nervensystem (das autonome, vegetative Sympathikus-Parasympatikus-System, Zentralnervensystem) auf die Stoff- und Energiewechselprozesse im Organismus, in den Organen oder auf die Haut. Die Wirkung ist entweder anregend, belebend, stimulierend als Biostimulans oder beruhigend, ausgleichend und neutralisierend als Biosedativum.

Biologische Wertigkeit

Der Begriff der biologischen Wertigkeit bezieht sich meist auf die Nahrung. Aber man kann in der BioKosmetik für die Wirkstoffe wie auch für alle Grundstoffe der Präparate von einer biologischen Wertigkeit der eingesetzten Substanzen sprechen. Es handelt sich dabei vor allem um die Anwendung von biologisch wertvollen, für die Haut wichtigen Substanzen wie essenzielle Aminosäuren, essenzielle Fettsäuren, Mineralstoffe, Vitamine und Fermente. Vor allem bei einer substituierenden Behandlung ist es notwendig, dass nur physiologisch identische oder biologisch verwandte Grund- und Wirkstoffe Anwendung finden, damit bei ästhetischen Mangelerscheinungen Hilfe und Unterstützung sicher gestellt sind.

Arndt-Schulzsche Regel

Man nennt die Arndt-Schulzsche Regel häufig ein biologisches Grundgesetz. Es betrifft die physiologische und biologische Wirksamkeit von Substanzen und besagt: „Kleine Reize fachen die Lebenstätigkeit an, mittlere fördern sie, starke hemmen sie und extrem starke heben sie auf.“ Diese Gesetzmäßigkeit hatte Virchow bereits in seiner Reizlehre angedeutet, ohne sie jedoch als biologische Regel zu formulieren.

Prophylaxe und Substitution

Wir haben in der Einleitung davon gesprochen, dass die Bio-Kosmetik:

1 Eine vorbeugende (präventive oder prophylaktische) Gesundheitspflege darstellt.

2 Eine ergänzende, vervollkommnende (kompensative oder substituierende) Körperpflege ist.

Sind diese beiden Momente gleichartig oder unterscheiden sie sich in der Art der Anwendung und Behandlung?

Die vorbeugende Gesundheitspflege will erreichen, dass bei einer Neigung zu Seborrhoe, Hautunreinheiten, bei einer Tendenz zu vorzeitigen Alters- und Degenerationserscheinungen, bei einer Anfälligkeit und Überempfindlichkeit für Reizungen, Rötungen, Irritationen, einer erhöhten Disposition zu Allergie der Körper in seiner Gesamtheit und die Haut im speziellen vorsorglich so behandelt wird, dass die genannten Symptome und Syndrome nicht oder nur in leichtem, vorübergehendem Maße auftreten. Bei einem atrophierenden Teint regen wir den peripheren Stoff- und Energiewechsel der Haut durch eine belebende, leicht durchblutende, revitalisierende Behandlung an. Das heißt, prophylaktisch suchen wir stets physiologisch die Vorgänge und Prozesse in der Haut zu beeinflussen.

Wenn wir mit fehlenden Substanzen ergänzend behandeln wollen, dann müssen wir vorher wissen, was der betreffenden Haut an materiellen Stoffen und Stoffkomplexen fehlt, um diese dann epikutan und endoderm zu geben. So fehlt der trockenen Haut sowohl Fett (als fett-arme) als auch der natürliche Feuchtigkeitsfaktor (als feuchtigkeits-arme Haut), und daraus ergibt sich für die substituierende Behandlung, dass wir dem Teint physiologisch und biologisch dem natürlichen Hautfett möglichst verwandte Fette und Öle in Form von Emulsionen zuführen und außerdem den natürlichen Feuchthaltefaktor (NMF) geben. Daraus folgt, dass die substituierende Behandlung stets mit Substanzen arbeitet, die ersetzt und ergänzt werden sollen. Sie wirkt also primär substanziell und erst in zweiter Linie funktionell.


Die Aufgaben der Haut

Die Haut ist ein weit ausgedehntes (2,0 bis 2,2 m2), vielfältiges Organ, welches im Rahmen des gesamten Organismus gesehen werden muss, da enge Verbindungen zwischen der Haut und den inneren Organen des Körpers bestehen. Im Zusammenhang mit den Körperfunktionen hat die Haut folgende Aufgaben:

Schutzorgan

Sie ist ein Schutzorgan gegen mechanische, physikalische oder chemische Einflüsse und Reize von außen: Die Hornschicht schützt vor Verletzungen durch Druck und Reibung. Ihr Fettanteil, der aus Bestandteilen des Hauttalgs und bei der Verhornung frei werdendem Hornschichtfett besteht, schirmt chemische und physikalische Reize ab. Durch die Einlagerung des Hautpigmentes in die Basalschicht und durch die reiche Ausbildung des oberflächlichen Gefäßnetzes wird ein zu starkes Eindringen von Licht und Wärme verhindert. Freie Fettsäuren und die bei der Verdunstung zurückbleibenden Bestandteile des Schweißes bilden den Säureschutzmantel der Haut (Marchionini). Die Haut besitzt peripher eine körpereigene und körperspezifische Bakterienflora, welche Fremdkeime in ihrem Wachstum zu hemmen vermag. Schutzfunktionen der Haut haben deshalb:

1 Die Hornschicht.

2 Das Pigment.

3 Das Haut- und Hornschichtfett.

4 Der Säuremantel.

5 Die hauteigene Bakterienflora.

Speicherorgan

Die Haut ist darüber hinaus ein Speicherorgan: Im Fettgewebe der Subkutis (Panniculus adiposus) kann der Mensch neben Flüssigkeit und Salzen 10 bis 15 kg Fett speichern. Dieses Fett schützt den Körper vor mechanischen und physikalischen Schädigungen und ist zugleich ein Energiedepot. Zusätzlich speichert die Haut Zucker und Kochsalz.

Wärmeregler

Als Wärmeregler zieht sich die Haut in der Kälte zusammen (Gänsehaut), dabei wird Talg ausgepresst. Beide Funktionen, Kontraktion und Einfettung, verhindern einen Verlust von Wärme. Bei einer erhöhten Wärmeeinwirkung hingegen dehnt sich die Haut aus, die Gefäße erweitern sich und die Schweißdrüsen werden tätig. Die Verdunstungskühle des Schweißes vermindert die äußere Körpertemperatur und ist ein notwendiger Ausgleich gegen die Überhitzung des Körpers.

Absonderungsorgan

Durch die Haut werden die folgenden Bestandteile abgesondert:

1 Schweiß: Man unterscheidet die Perspiratio sensibilis – eine in Form kleiner Schweißtröpfchen wahrnehmbare Ausscheidung – von der Perspiratio insensibilis, bei der ständig Wasser abgegeben wird, das sofort verdampft.

2 Talg: Der zweite Absonderungsprozess der Haut erfolgt in den Talgdrüsen. Der von ihnen gebildete Hauttalg fettet die Oberhaut ein, macht sie geschmeidig und schützt sie vor Austrocknung.

3 CO2: Außerdem scheidet die Haut ungefähr 2 bis 3 % des gesamten Kohlendioxids perkutan aus.

Aufnahmeorgan

Die Haut ist weiterhin ein Aufnahmeorgan. Hierbei muss man die Konstitution der jeweiligen Stoffe unterscheiden, die verschiedene Fähigkeiten haben, durch die Haut zu penetrieren, von der Haut aufgenommen oder auch abgewiesen zu werden. Lipidlösliche (fettlösliche) Stoffe durchdringen in Emulsionsform die Oberhaut leicht, ebenso gasförmige Substanzen. Darauf beruht die Möglichkeit, kosmetologisch Wirkungen in der Haut und im Unterhautzellgewebe hervorzurufen.

Quellung und Sauerstoff

Wasser lässt die Haut nur oberflächlich quellen. Allerdings nimmt die Haut auch etwa 1 % des gesamten Sauerstoffbedarfs des Organismus auf. Dadurch sind speziell die Zellen der Epidermis von einer Sauerstoffzufuhr über die Gefäße von innen zum kleinen Teil unabhängig.

Stoffwechselorgan

Die Haut steht in einer ständigen Stoffwechselbeziehung zu dem ganzen Körper. Ihr Stoffwechsel und ihre Reaktionslage werden daher maßgeblich vom Zustand der Haut, von der Ernährung, den enzymatischen und hormonalen Funktionen und vom vegetativen Nervensystem beeinflusst. Eine gesunde oder eine krankhafte wie beispielsweise eine atrophisch erscheinende Haut lässt somit Rückschlüsse auf den Gesundheitszustand des gesamten Organismus zu.

Bildung von Antikörpern

Ausschlaggebend für die Entstehung von Allergien ist die Fähigkeit der Haut, Fremdes zu erkennen und sich daran zu erinnern. Wenn man einen sensibilisierend wirkenden Stoff, ein Allergen, auf oder in die Haut bringt, so entsteht ein Reaktionsprozess zwischen dieser Substanz und den Eiweißkörpern der Haut unter Bildung von Antikörpern (Gegen-Körpern).

Empfindungsorgan

Die Haut ist reichlich mit Nervenelementen des zentralen und autonomen Nervensystems durchzogen. Dabei werden Reize von ihren entsprechenden, das heißt auf sie abgestimmten Reizempfängern (Rezeptoren) aufgenommen. Die Reize können von außen auf die Haut treffen oder auch in der Haut selbst entstehen. Sie werden zum Hirn weitergeleitet und dort wahrgenommen. Diese Reizübermittlung vollzieht sich impulsartig in Form von elektrischen Erregungswellen. Elektrophysiologisch ist jede Erregung der Nerven eine Störung des Ruhepotenzials, welches durch die Erregungsausbreitung wieder hergestellt und aufrechterhalten wird. Natrium- und Kalium-Ionen strömen wechselseitig ein und aus, bis das elektrophysiologische Gleichgewicht wieder hergestellt ist, das vor der Erregung bestand.

Rezeptoren

Als Rezeptoren kommen in der Haut neben strukturierten Endorganen auch frei endigende Nervenfasern vor. Dabei vermitteln die freien Endigungen (nach Head und Rivers) nur Sinnesempfindungen, die einfache, primitive Wahrnehmung betreffen. Die strukturierten Rezeptoren hingegen besitzen ein höher empfindliches und besser differenzierendes Unterscheidungsvermögen für jeweils ganz bestimmte Reize (Abbildung 3).


Abbildung 3

Aufbau der Haut aus Epidermis (a), Dermis (b) und Subcutis (c) mit einer freien Nervenendigung (d), kapsulären Nervenenden wie den Meissnerschen Körperchen (e) und dem Pacinischen Körperchen (f). Der schichtweise Aufbau des Pacinischen Körperchens begünstigt die Wahrnehmung von Deformationen der Haut. Die elektonenmikroskopischen Aufnahmen I und II zeigen einen Querschnitt durch ein Meissnersches Körperchen in unterschiedlichen Vergrößerungen. Die Feinstruktur des Körperchens dient der Verbesserung der Wahrnehmung des Berührungsreizes.

Berührungsreiz

Man kann die einzelnen nervösen Strukturen der Haut entsprechend ihrer Sinnesqualitäten gliedern: Die Nervengeflechte um die Haarbalgkapseln sind taktile Rezeptoren in der behaarten Haut. Dieselbe Funktion für die Empfindung von Berührungsreizen haben die Meissnerschen Tastkörperchen und – in den oberen Schichten des Korium – die Merkelschen Körperchen oder Tastscheiben. Die Pacinischen Corpuskeln oder die Golgi-Mazzonischen Körperchen nehmen Druckempfindungen auf.

Deformation

Diese Endorgane werden gereizt, indem bei Berührung oder Druck die Haut deformiert wird. Aus diesem Grund löst ein gleichbleibender Druck flächenhafter Art keine Empfindung mehr aus. Ein Reiz wird jedoch um so stärker empfunden, je schneller die physikalische Deformation der Haut erfolgt. Das heißt, Schnelligkeit der Deformation und Reizintensität sind einander proportional. Allerdings ist die Druckempfindlichkeit in verschiedenen Hautregionen unterschiedlich. Die gleiche Berührung wird zum Beispiel am Augenlid wesentlich intensiver empfunden als an der Stirn oder am Körper.

Kälte und Wärme

Kältereize werden durch die so genannten Krauseschen Endkörperchen detektiert, während Wärmeempfindungen durch die Ruffinischen Körperchen übertragen werden. Darüber hinaus gibt es wahrscheinlich noch ganz spezielle und spezifische Thermorezeptoren. Die Thermorezeptoren der Haut sind mit der physiologischen Wärmeregulation verknüpft. Innerhalb kürzester Zeit wird der Grundumsatz veränderten Temperaturen angeglichen. Je nach Empfindung als Wärme- oder Kältezufuhr werden die Durchblutung und die Transpiration entsprechend geregelt, erhöht oder vermindert.

Schmerz

Schmerz wird sowohl von Mechanorezeptoren mit hohen Schwellenwerten (Berührung/Druck) als auch von Schmerzrezeptoren detektiert. Schmerzrezeptoren sind freie Nervenenden in Schmerzpunkten der Haut oder in inneren Organen. Sie werden durch analgetische Substanzen (z. B. Bradikinin, Histamin) aktiviert, die infolge einer Gewebsschädigung freigesetzt wurden.

Juckreiz

Das Jucken ist ein unangenehmes Hautgefühl, das von dem drängenden Bedürfnis begleitet wird, an der entsprechenden Stelle zu kratzen, um dadurch Schädlinge wie etwa Parasiten zu entfernen. Physiologisch unterscheidet man zwischen Rezeptoren des Schmerzes und des Juckreizes. Der Juckreiz ist deshalb nicht, wie man früher glaubte, eine abgeschwächte Form des Schmerzes. Beide Signale folgen unterschiedlichen Signalwegen und werden erst im Gehirn verarbeitet. Dort dominiert die Wahrnehmung des Schmerzes. Aus diesem Grund nimmt man juckende Stellen nicht mehr wahr, wenn man über die Schmerzgrenze hinaus gekratzt hat.

Haut und Nerven

Dass die Beziehungen zwischen Haut und vegetativem Nervensystem so vielseitig und intensiv sind, kann man darauf zurückführen, dass Haut und peripheres Nervensystem aus ein und demselben Keimblatt, dem Ektoderm, hervorgehen. Man hat daher stets versucht, aus der besonderen Lokalisation von Hautsymptomen auf den Zusammenhang mit neuralen Vorgängen zu schließen. So können durch Störungen von Nervenfunktionen wie etwa der Schweißdrüsen- oder Gefäßinnervation Umstimmungen der Oberflächenverhältnisse auf der Haut hervorgerufen werden, beispielsweise übermäßige Quellung, Feuchtigkeitsmangel, Hyperhidrosis oder Hyperämie. Ein weiteres Beispiel für die Beziehungen zwischen Haut und Nervensystem ist das schmetterlingsförmige Auftreten vasomotorischer Dauerrötungen, von Teleangiektasien und Rosacea (nach Blaich und Engelhardt).

Die Anatomie der Haut

Die Haut ist ein Organ, welches aus verschiedenen Geweben besteht:

1 Oberhaut oder Epidermis, als epithelialer Teil.

2 Lederhaut oder Korium, als der bindegewebige Anteil.

3 Unterhaut oder Subkutis, überwiegend aus Fettgewebe.

Den jeweils charakterisierenden Gewebeanteil hervorhebend, kann man von der epithelialen Epidermis, der bindegewebigen Kutis und der fettgewebigen Subkutis sprechen. Abbildung 4 zeigt einen Querschnitt durch die Haut.


Abbildung 4

Aufbau der Haut aus Epidermis (a), Dermis (b) und Subcutis (c) mit Fettgewebe (d) sowie den versorgenden Gefäßen. Der Bereich, in dem Epidermis und Cutis wellenförmig verzahnt sind, nennt man Stratum papillare (e).

Die Subkutis

Die Subkutis oder das Unterhautzellgewebe (subkutanes Fettgewebe) verbindet die Haut mit den unter ihr liegenden Organen. In der Hauptsache enthält die Subkutis reichlich Fettläppchen (Fettgewebe), welche von Bindegewebszügen umgeben sind.

Panniculus adiposus

Das eigentliche Fettgewebe der Subkutis fasst man unter dem Begriff Panniculus adiposus zusammen. Dieses subkutane Fettgewebe ist ein Kälteschutz für den Organismus und bestimmt als Unterpolsterung der übrigen Hautschichten maßgebend die äußere Körperform. Die Subkutis ist stark von Gefäßen und Nerven durchzogen.

Die Lederhaut

Die Lederhaut besteht in der Hauptsache aus Bindegewebe: In der oberen, feinfaserigen, maschenartigen Schicht, dem Stratum papillare, überwiegend aus kollagenen (leimgebenden) Bündeln. Sie verlaufen örtlich verschieden, meist aber senkrecht zur Hautoberfläche. Diese obere Schicht bildet, wie ihr Name Stratum papillare besagt, Papillen aus. Das sind dicht stehende, kuppelförmige Ausstülpungen, durch deren große Oberfläche die gefäßlose Epidermis mit Nährstoffen versorgt werden kann und aus denen Stoffwechselprodukte weggeführt werden können. Die einzelnen Papillen selbst enthalten in ihrem Inneren feinmaschige Kapillargefäße mit umgebenden Lymphräumen sowie Nervenfasern, und teilweise auch Nervenendorgane. Um die kollagenen Fasern vor einer Überdehnung oder einem Zerreissen zu schützen, umfasst ein zweites Fasersystem der Kutis, die elastischen Fasern, netzartig die kollagenen Bündel.

Glatte Muskelfasern

Daneben enthält die Lederhaut auch glatte Muskelfasern, die an manchen Stellen schichtweise angeordnet sind. An den Haaren befinden sich Haarbalgmuskel in Form länglicher Bündel.

Stratum reticulare

Unterhalb der papillären Schicht erstreckt sich noch eine weitere Zone der Lederhaut, das Stratum reticulare. In ihr verlaufen dickere, dicht aneinander gelagerte Bindegewebsbalken in Wellen parallel zur Hautoberfläche. Sie bildet ein ausgeprägtes, festgefügtes Gewebsnetz.

Prozesse in der Epidermis

Aufbau der Epidermis

Die äußere Schicht der gesamten Haut ist die Oberhaut oder Epidermis. Sie ist gefäßlos und besteht aus mehreren, voneinander deutlich zu unterscheidenden epithelialen Zellschichten, die in Abbildung 5 dargestellt sind. Eine Membran aus Bindegewebe, die Basalmembran, verbindet die Epidermis mit der Lederhaut, dem Corium. Wenn wir die Haut von außen mit Vitaminen, Fermenten und anderen biogenen Wirkstoffen behandeln, um sie in ihrem Erscheinungsbild zu gestalten, so ist uns das dadurch möglich, dass sich in ihr lebendige Bildungsprozesse ständiger Regeneration vollziehen. Denn wir wollen mit diesen Wirkstoffen die den Symptomen zugrunde liegenden, die sie gestaltenden physiologischen Prozesse beeinflussen. Wir betrachten daher die Epidermis in ihrem steten Vorgang des Werdens und Vergehens.

Die unterste, den Papillen der Lederhaut wellenförmig aufsitzende Schicht ist das Stratum basale, die Grundschicht, die Keimzellenschicht oder das Stratum germinativum. Hier spielt sich die erste Phase der Zellregeneration ab, welche die Epidermis ständig von neuem bildet. Die Zellen dieser Grundschicht sind zylindrisch oder kubisch mit einem eiförmigen Kern und in einer Reihe ohne Zwischenräume nebeneinander angeordnet. Den Zellkernen dieser Schicht sitzt am oberen Pol kappenförmig das Hauptpigment, Melanin, auf (Abbildung 6).


Abbildung 5

I.) Querschnitt durch die Haut. Dargestellt sind die verschiedenen Schichten der Oberhaut (Epidermis) mit Stratum basale (a), Stratum spinosum (b), Stratum granulosum (c), Stratum lucidum (d) und der Hornschicht (e). Die Übergänge zwischen den Schichten sind fließend, da die Keratinisierung kontinuierlich erfolgt. Während der Keratinisierung verlieren die Zellen ihren Kern. Die Bestandteile der denaturierten Zellkerne bilden mit anderen Komponenten den Zellkitt, der die abgestorbenen, keratinisierten Zellen fixiert.

II.) Elektronenmikroskopische Aufnahme einer Basalzelle.

III.) Elektronenmikroskopische Aufnahme der Verzahnung einer Basalzelle mit der Lederhaut. Basalzellen erscheinen in den Fotografien dunkel, die Lederhaut hell.

IV.) Elektronenmikroskopische Aufnahme der Grenze zur Verhornung am Stratum lucidum. Die Hornschicht erscheint in der Abbildung als homogene Fläche.


Abbildung 6

Eine Zelle mit Zellkern und verschiedenen Organellen. Die sternförmigen Gebilde oberhalb des Zellkerns sind Melaninanhäufungen, die den darunterliegenden Kern vor UV-Strahlung schützen.

Zellneubildung

Die Keimzellen vermehren sich durch Reduplikation (Verdoppelung der Chromosomen und Zellbestandteile) und anschließende Teilung zu Epidermiszellen, die von der Grundschicht unter verschiedenen Umwandlungen bis zur Hornschicht wandern.

Tochterzellen

Nach der Zellneubildung in der Keimzellschicht wachsen die jungen Tochterzellen, bis sie etwa die Größe ihrer Mutterzelle erreicht haben. Sie bleiben durch feine Plasmafäden miteinander verbunden. Interzellularflüssigkeit umgibt sie.

Stachelzellenschicht

Teils werden die Tochterzellen von neuen, nachkommenden Zellen geschoben, teils wandern sie selbstständig zur Hornschicht und rücken dabei auseinander, so dass die Interzellularräume erweitert werden. Die Zellen verstärken bei diesem Vorgang deutlich ihre Protoplasmaausläufer, die sich mit den Epithelfasern von der Basalmembran vereinigen. Durch diese Ausläufer werden die einzelnen Zellen stachelartig miteinander verbunden, was dazu führte, dieser Epidermisschicht den Namen Stachelzellenschicht, Stratum spinosum, zu geben. Diese Stachelzellenschicht ist die mächtigste Epidermisschicht. Sie besteht aus vier bis acht Lagen vieleckiger Zellen. An der oberen Grenze platten sich die Zellen mehr und mehr ab, die Interzellularräume verengen sich, bis die Zellen einander berühren.

Keratohyalin

Als erstes Zeichen der Verhornung bilden sich im Protoplasma kleine Körnchen von Keratohyalin, einer Vorstufe des Keratins. Das Auftreten dieser lichtbrechenden Granula hat dieser Schicht den Namen Körnerschicht oder Stratum granulosum gegeben.

Körnerschicht

Mit zunehmender Keratinisierung verdichtet sich das Plasma unter Wasseraustritt mehr und mehr zu Hornsubstanz. Die leicht löslichen Aminosäuren des Plasma werden an die umgebende Interzellularflüssigkeit abgegeben, während die schwerer löslichen Eiweißbausteine stärker zurückbleiben. Die Zelle wird kleiner und flach zusammengepresst. Der Zellkern wird kleiner, schrumpft und löst sich schließlich vollkommen auf, während sich die ursprünglich lose verbundenen Einzelzellen mit- und ineinander zu Hornschollen verzahnen.

Glanzschicht

Zwischen Körner- und Hornschicht kann man – besonders an den Handflächen und den Fußsohlen – eine besonders lichtbrechende Glanzschicht oder Stratum lucidum beobachten. Diese Eigenart rührt von einem Stoff, Eleidin, her, welcher mit Glykogen verwandt ist.

Kittsubstanz

Die abgestorbene Hautzelle ist nun vollkommen verhornt, abgeflacht, mit anderen Hornzellen verzahnt und durch die Kittsubstanz aus den Abbauprodukten der Zellbestandteile zu einem Hornzellen-Konglomerat verbunden. Damit hat die Hautzelle die letzte und oberste Schicht, die Hornschicht oder das Stratum corneum, erreicht. Man kann diese Hornschicht noch weiter unterteilen, indem man die untere, mit der Haut noch fester verbundene Schicht, das Stratum (corneum) conjunctum, von der obersten, lockeren Lage, dem Stratum (corneum) disjunctum, unterscheidet. Von dieser letzten Schicht schilfern die keratinisierten toten Hautzellen ständig und normalerweise unsichtbar ab. Es wird pro Tag etwa eine Schicht kernloser Epidermiszellen von der Hornschicht abgestoßen. Danach regeneriert sich die Epidermis innerhalb von etwa 30 Tagen.

Rhythmik der Zellneubildung

Die Zellregeneration verläuft beim Menschen in einem 24-Stunden-Rhythmus: Während des Schlafes in der Nacht ist die Anzahl der Zellteilungen am größten, während des Tages, insbesondere während einer Tätigkeit, am geringsten.

Regeneration

Diese Beobachtung führt zu der Vorstellung, dass während der Nacht Substanzverteilung und Energiegewinnung vorwiegend für Regenerationsprozesse, insbesondere zur Zellneubildung, benötigt werden, während tagsüber die Nährstoffe und Substrate vor allem für eine energetische Verwertung in organischen Tätigkeiten verwendet werden. Damit im Zusammenhang steht die rhythmische Steuerung der Blutverteilung im Organismus bei Tag und bei Nacht sowie die Versorgung mit den zur Regeneration bzw. zum Stoffwechsel benötigten Substraten.

Die Keratinisierung

Keratinisierung

Die Verhornung der Epidermiszellen kann bis zu den Endstufen der Keratinbildung verlaufen. Sie kann aber auch auf Vorstufen oder auf anomalen Seitenwegen stehen bleiben. Normalerweise stößt sich die Hornschicht nach vollkommener Keratinisation von selbst ab.

Orthokeratose

Verläuft die Keratinisierung vollkommen normal bis zum Endstadium der Hornzellen, spricht man von einer Orthokeratose. Bei der Orthokeratose verändert sich sowohl die Einzelzelle wie auch der ganze Zellverband strukturell und biochemisch. In der Körnerschicht entwickeln sich dabei zeitgleich mit dem Kernzerfall die Keratohyalinkörner. Die Hautzellen der Hornschicht sind kernlos.

Retentionshyperkeratose

Wenn die Abstoßung der Hornzellen ausbleibt oder drastisch vermindert ist, dann spricht man von einer Retentionshyperkeratose (z. B. Ichthyosis).

Proliferations-Hyperkeratose

Werden jedoch die Epidermiszellen von der Keimzellenschicht vermehrt nachgeschoben und verhornen überstürzt, dann spricht man von einer Proliferations-Hyperkeratose.

Parakeratose

Bei der Parakeratose bleiben – als Charakteristikum – die Zellkerne bis in die Hornschicht erhalten. Es fehlen hingegen die Keratohyalinkörner im Stratum corneum. Im Zuge der komplexen Umwandlungsprozesse in den Epidermiszellen erscheint die Parakeratose als eine Disharmonie, als ein Auseinanderfallen der normalerweise miteinander verbundenen und aufeinander abgestimmten Vorgänge des Kernabbaus und des Verhornungsvorgangs. So verläuft bei der Parakeratose die Verhornung mit einer bis zum 30-fachen des Normalen übersteigerten Vehemenz, während der Kernabbau stark verzögert ist, ja sogar vollkommen unterbunden sein kann.

Abstoßung der Hornzellen

Die normale Abstoßung der Hornlamellen von der Hornschicht beträgt 0,05 bis 0,5 g pro Tag, bei Psoriasis ist sie auf 8,9 bis 13,3 g erhöht, während sie sich bei einer ledrigen Atrophie um 0,05 g und darunter bewegt. Mit diesem Abstoßen der Hornlamellen gehen der Haut aber nicht nur die Keratinkörper verloren, sondern auch Ausscheidungsprodukte, welche Abbausubstanzen der Epidermiszellen sind, die aber von den Hautschichten wieder rückresorbiert werden.

Stoffliche Veränderungen

Mit Abstoßung und Resorption gehen Verschiebungen innerhalb der verschiedenen Aminosäuren und ihres prozentualen Anteils einher, eine Erhöhung oder Verminderung der Wasserbindung, der Säurezahl, der Fermente und der Fermentaktivität. Diese stofflichen Verschiebungen und Umwandlungen sind nicht nur in der Epidermis und ihren Zellen feststellbar. Sie werden auch durch analoge Veränderungen im Ionen- und Molekularhaushalt des Serums, in den Geweben, in der Lymphe und im Kapillargebiet beobachtet. Die Praxis der Bio-Kosmetik führt daher zu der Notwendigkeit, auf diese stofflichen Verschiebungen und Veränderungen zu reagieren:

1 Stofflich ergänzend auszugleichen.

2 Physiologisch in normalen, gesunden Relationen zu erhalten.

Der ergänzende Ausgleich ist durch die Anwendung von Präparaten möglich, deren Grundsubstanzen der natürlichen, stofflichen Zusammensetzung der Epidermis verwandt und adäquat sind: Das heißt, es müssen Emulsionen sein, deren Lipide mit Polypeptiden, Aminosäuren und den wasserlöslichen Hautstoffen so inkorporiert sind, dass ihre biophysikalische und physiologisch-chemische Zusammensetzung weitestgehend mit den natürlichen Hautbedingungen übereinstimmen.

Biologische Wirkstoffe

Die Aufrechterhaltung des natürlichen Gleichgewichts in Hautstoffwechsel und Energiehaushalt lässt sich durch die Applikation von spezifischen, organischen Wirkstoffen erzielen, wie sie die Vitamine, Fermente und andere Biokatalysatoren darstellen, die aus dem Pflanzenreich und aus der Tierwelt gewonnen werden.

Fließ-Gleichgewicht

Eine natürliche Beeinflussung des stofflichen Fließ-Gleichgewichtes der Hautprozesse lässt sich durch eine biologische Schälung erreichen. Durch das Abtragen der peripheren Hornschichten tritt infolge des physiologischen Ausgleichsbestrebens häufig eine Gesundung des nachfolgenden natürlichen Regenerationsprozesses der Epidermiszellen ein.

Keratosen

Xerodermie

Eine ausgeprägte Trockenheit der Haut, eine Xerodermie, äußert sich in einer trockenen Haut mit geringer pulverförmiger Schuppung bzw. in leicht ausgeprägter Hyperkeratose. Trockenheit und Schuppung liegen stets gemeinsam vor, wobei die Talg- und Schweißsekretion vermindert ist. Manchmal sind auch die Nägel spröde und brüchig.

Pityriasis

Den leichtesten Grad einer beginnenden Hyperkeratose (einer übernormalen Hornbildung) nennt man Pityriasis simplex. Dabei werden kleieartige, feine Hornschüppchen von der Haut abgestoßen, ohne dass sich Entzündungen oder sonstige Veränderungen zeigen. Die Haut sieht wie unregelmäßig gepudert aus. Dies kommt bei Kindern und Jugendlichen mit einer zarten Haut sogar recht häufig vor. Die Pityriasis zeigt sich vornehmlich an den Wangen, um den Mund und an der Stirn, begleitet von einer manchmal leicht rötlichen Färbung.

Sklerose

Sklerose ist eine Verhärtung der Haut mit gleichzeitiger Verdichtung bei schwerer Faltbarkeit. Sie kann in eine ledrige Atrophie übergehen.

Milium

Das Milium oder Hirsekorn ist ein etwa stecknadelkopfgroßes, weißes, grießkornähnliches Gebilde in der Epidermis oder in der Kutis. Es entwickelt sich meist aus erweiterten Schweißdrüsengängen oder Haarfollikeln, vor allem in der oberen Gesichtshälfte. Das harte, weiße Kügelchen des Miliums besteht aus zwiebelschalenartig geschichteten Hornlamellen und Kalk, ist also kein Talg.

Zur Behandlung aller Keratosen haben sich Vitamin A, Vitamin E und essenzielle Fettsäuren – äußerlich und zugleich innerlich diätetisch – am besten bewährt.

Die Talgdrüsen

Haarbalgdrüsen

Die Talgdrüsen, Glandulae sebaceae, sind große Drüsen, die üblicherweise zum Haar gehören, weshalb man sie auch Haarbalgdrüsen nennt. Sie entstehen durch eine seitliche Aussprossung aus der Haarbalganlage, gruppieren sich meist zu drei bis fünf Drüsen rosettenartig um das Haar und münden, gemeinsam mit dem Haar, in den Follikel (Abbildung 7).

Freie Talgdrüsen

An der Mund- und Lippenschleimhaut kommen auch so genannte freie Talgdrüsen vor, die direkt an die Hautoberfläche münden. Sie treten unabhängig von Haaren auf.

Verteilung der Talgdrüsen

Talgdrüsen sind über den ganzen Körper verteilt, mit Ausnahme der Handteller, der Fußsohlen und einiger anderer Körperstellen.

Seborrhoische Zonen

Besonders große Talgdrüsen findet man im Gesicht, auf der Stirne, auf den Nasen- und Lippenfalten (Nasolabialgegend), auf der Brust und auf dem Rücken. Dies sind die so genannten seborrhoischen Zonen, bei denen sich eine Störung der Talgdrüsenfunktion als Seborrhoe oder als Sebostase besonders auffällig zeigt.

Entstehung des Hauttalges

Die Talgdrüse hat an ihrer Basis, ebenso wie die Epidermis, eine Keimzellenschicht, die so genannten Mutterzellen. Diese teilen sich zunächst zu vollkommen normal ausgebildeten Tochterzellen.


Abbildung 7

Querschnitt der Haut mit Epidermis (a) und Dermis (b), mit einem Haar (d) und Talgdrüse (e). Die elektronenmikroskopischen Aufnahmen I.) – III.) stammen von Querschnitten einer Talgdrüse, deren Lage die Linien in der Abbildung kennzeichnen. Das Volumen der Fetttröpfchen nimmt von I.) nach III.) – d. h. mit steigendem Entwicklungsstand der Zellen – deutlich zu, bis die Zelle platzt und das Sebum sich in den Haarkanal ergießt.

Fettige Degeneration

Im Rahmen ihrer übergeordneten Organfunktion jedoch nehmen die Tochterzellen in vermehrtem Maße Fett in sich auf. Sie können die Lipide auch selbst synthetisieren und geben dafür Zellflüssigkeit ab. Die Fetteinlagerung geschieht zuerst in kleinen Fetttröpfchen, die größer werden und zu einer massiven Fettkugel verfließen. Diese drückt den Zellkern mehr und mehr an die Zellmembran, so dass er schließlich degeneriert und die ganze Zelle abstirbt. Danach löst sich die Zellmembran auf, und der amorphe Hauttalg wird durch die Adstriktion des Haarmuskels auf die Oberhaut gedrückt. Der Hauttalg macht die Oberhaut geschmeidig und schützt sie vor Austrocknung.

Holokrin – Ekkrin

Da sich bei den Talgdrüsen die Absonderung durch einen Zerfall von Zellen bildet, nennt man sie holokrin – im Gegensatz zu den ekkrinen Schweißdrüsen, bei denen Zellen ihr Sekret ausscheiden.

Talgmenge

Normalerweise enthält 1cm2 Stirnhaut etwa 0,1 bis 0,21mg Talg. In der Pubertät sind diese Werte bei den meisten Menschen erhöht. Sie neigen daher während dieser Zeit besonders zu Seborrhoe und Akne. Mit zunehmendem Alter nimmt die Talgproduktion ab. Die Menge der Talgsekretion ist abhängig von der Zahl, der Größe und dem Lumen der Talgdrüsen sowie von dem vom Organismus dargebotenen Fett. Für die Fettproduktion selbst ist die Häufigkeit der Zellvermehrung des Talgdrüsenepithels verantwortlich. Sie unterliegen einer hormonalen Steuerung durch männliches und weibliches Keimdrüsenhormon. Nach der Menge des Gesamthautfettes unterscheidet Keining zwei verschiedene Hauttypen, und zwar den Status seborrhoicus mit einem übersteigerten Fettgehalt und den Status sebostaticus mit einem verminderten Fettgehalt der Haut. Diesen beiden Hautkonstitutionen ist zur Ergänzung der Typisierung noch die normale oder normalfette Haut als intermediärer Typus hinzuzufügen. Das Gesamt-Hautfett stammt seiner Herkunft nach aus Talgdrüsenfett und epidermalem Fett.

Zusammensetzung des Hautfettes

Das Hautfett besteht hauptsächlich aus Triglyceriden, freien Fettsäuren, Wachsestern, Squalen, Cholesterol und dessen Estern. Die Hautfette sind auf der Oberfläche der Epidermis gespreitet, aber auch in den Follikeln und in den Kapillaren gespeichert, wobei das Fett schwammartig aufgesogen ist. Auch die Hornschicht besitzt diese Fähigkeit der Fettbindung. Sie ist ein selbstständiger Faktor, unabhängig von der eigentlichen Fettbildung und vom Fettdepot der Follikel. Die Barriere bindet gleichfalls Fette, wobei ihre Funktion mit der Entwicklung elektrischer Potenziale gekoppelt ist.

Substitution

Diese Fettbindung in den Follikeln, Kapillaren, in der Hornschicht und der Barriere ist ein ausschlaggebendes und wichtiges Moment für die Möglichkeit, der Haut fehlendes Fett durch äußere kosmetische Anwendung zuzuführen und es so im Sinne einer Substitutionsbehandlung zu ergänzen. Voraussetzung hierfür ist jedoch, dass das zugeführte Fett dem natürlichen möglichst weitgehend in seinen chemischen und physikalischen Eigenschaften entspricht und mit ihm in den physiologischen Eigenschaften übereinstimmt.

Der Hauttalg

Talg ist das reine Sekret der Talgdrüsen. Das Hautoberflächenfett, das Sebum, besteht aus diesem Sekret, außerdem aus Hornschichtfett, Barrierelipiden und Schweißrückständen.

Chemische Zusammensetzung des Sebums

Die neuen, mit verfeinerten Methoden der Gaschromatographie durchgeführten Untersuchungen des Hauttalges bestätigen die früher bestimmten Werte der Verteilung der einzelnen Lipidgruppen. Die analytischen Daten sind in Tabelle 1 dargestellt.

Tabelle 1

Bestandteile von Talg und Sebum.


KomponenteAnteil % TalgSebum
Triglyceride5742
Freie Fettsäuren015
Wachsester2525
Squalen1515
Cholesterol11
Cholesterol-Ester22

Daraus ist erkennbar, dass sich freie Fettsäuren erst nach Hydrolyse aus den Triglyceriden auf der Hautoberfläche bilden.

Tabelle 2

Physikalische Daten des Sebums.


Spezifisches Gewicht0,911 g/ml
Schmelzpunktzwischen 25 bis 26° C
Erstarrungspunktzwischen 15 bis 17° C
Säurezahlzwischen 26 und 60
Jodzahl der Fettsäurenetwa 61 bis 83
Rhodanzahlzwischen 55 und 74

Der Vergleich zwischen Jod- und Rhodanzahl in Tabelle 2 beweist, dass Anteile mehrfach ungesättigter Fettsäuren im Sebum enthalten sind.

Bildung des Sebumfilmes

Wenn man die Haut entfettet, so lassen sich bei der nachfolgenden Talgausscheidung drei ineinander übergehende Phasen differenzieren:

1 Während der ersten 25 Minuten kann man Talg nur an den Talgdrüsenöffnungen beobachten.

2 Nach etwa einer Stunde füllen sich die feinen Rillen und Furchen der Haut, und die ursprünglich aufgetretenen isolierten Punkte verbinden sich zu einem Netz.

3 Nach zwei und mehr Stunden schreitet die Auffüllung der Rillen fort, bis die Haut schließlich mit einem zusammenhängenden Talgfilm überzogen ist.

Das Ausmaß und die Geschwindigkeit der Hautoberflächenfettung hängt von der Leistung der einzelnen Talgdrüsen und von deren Dichte in der Haut ab.

Casual-level

Der Casual-level bezeichnet die auf einer untersuchten Hautstelle gerade zufällig vorhandene Fettmenge. Er gibt also eine ganz bestimmte, während des Tests gegebene Situation wieder.

Total-level

Total-level ist der Gesamt-Talgspiegel, welcher sich innerhalb einer bestimmten Zeit auf einer bestimmten Hautfläche bildet.

Nach einer Entfettung benötigt die Haut zur Wiederherstellung des ursprünglichen Fettgehalts eine Bildungszeit von etwa einem Tag. Dann ist meist ein individuell bestimmter Sättigungsgrad erreicht. Er beträgt zwischen 0,2–0,5 mg pro cm2 an der Stirn. Am Unterarm beispielsweise kann der Sättigungsgrad bereits bei 0,03 mg Lipid pro cm2 erreicht sein. Das heißt, dass nicht nur zwischen verschiedenen Personen sehr große Unterschiede bestehen (Seborrhoiker – Sebostatiker), sondern auch lokal am Körper ein und desselben Menschen.

Rekuperation des Sebums

Untersuchungen über die Regeneration des entfernbaren, ursprünglichen Fettfilms (i.e. Rekuperation) und die dazu notwendige Zeitspanne bestätigen, dass die Talgmenge in den ersten Stunden nach der Entfettung rascher zunimmt als zu einem späteren Zeitpunkt. Die Werte variieren dabei allerdings individuell ziemlich stark. In den meisten Fällen ist die Hälfte der ursprünglichen Menge in etwa 3 bis 6 Stunden gebildet.

Durchschnittliche Regenerationswerte sind beispielsweise:


ZeitTalgmenge auf entfetteter Haut
1 Stunde22%
2 Stunden40%
3 Stundenmindestens 50%

Die Versuche zur Regeneration des Fettspiegels der Haut lassen eindeutig erkennen, dass die Talgbildung in den ersten 2 Stunden zunächst deutlich ansteigt, danach aber langsamer einem individuellen Endwert zustrebt. Dies bestätigt den Befund, dass bei einem ganz bestimmten individuell charakteristischen Totalspiegel des Sebums die Ausscheidung des Hauttalges einem Gleichgewicht zustrebt, bei dem sich Talg-Bildung und Talg-Abtrag die Waage halten. Es kann jedoch auch der Fall eintreten, dass bei einer Verhinderung der Ausscheidung der neu gebildete Talg vermehrt in den Ausführungsgängen liegen bleibt und bei einer Auflösung der Blockierung spontan eine vermehrte Ausscheidung eintritt. Aufgrund von Untersuchungen an normal fetter und an seborrhoischer Haut kann man funktional schließen, dass mit dem Erreichen des individuellen Sebumspiegels bei normaler Haut eine Verminderung der Talgproduktion eintritt. Bei der seborrhoischen Haut hingegen scheint diese physiologische Rückkopplung zwischen optimalem Totalspiegel und Neuproduktion gestört zu sein, wodurch es zu den bekannten Talgretentionen und zur Komedobildung kommt.

Der Talgfilm in unterschiedlichen Körperregionen

Die Menge des ausgeschiedenen Hauttalgs ist abhängig von der Aktivität und von der Dichte der Talgdrüsen pro Hautfläche. Wenn man die einzelnen Körperregionen je nach Talgmenge in ein Schema abnehmender Quantitität bringt, bietet sich ein Bild, wie es in Tabelle 3 dargestellt ist.

Tabelle 3

Talgdrüsenaktivität in Abhängigkeit von dem Hautbereich


HautbereichTalgmenge
Kopfhaut und Stirn0,2–0,38 mg/cm2
Gesicht (Wangen, Nase)0,18–0,25 mg/cm2
Rücken und Brust (casual-level) im Mittel0,18 mg/cm2
Achselhöhle, Hals, Abdomen, Außenseite der Glieder und Unterarm (total-level) im Durchschnitt0,03–0,09 mg/cm2
Bein, Handrücken und Knöchel (casual-level)0,04 mg/cm2

Handflächen und Fußsohlen enthalten keine Talgdrüsen. Auf der Stirn beträgt die Dicke des Gesamtlipidfilmes zwischen 3–10 µm. Durchschnittlich bewegt sich die Dicke des Lipidfilmes zwischen 4,4–5,5 µm. Durch Untersuchungen kann man feststellen, dass eine Talgschicht ab 3,7 µm Dicke den Wasserverlust perkutan deutlich senkt. Deshalb ist es verständlich, dass Fettarmut der Haut stets gleichzeitig mit einem Feuchtigkeitsmangel verbunden ist.

Abhängigkeit von Alter und Geschlecht

Wenn auch die Sebummenge individuell sehr stark variiert, so kann man dennoch bei einer entsprechend großen Vergleichszahl eine Abhängigkeit der Talgproduktion und Talgausscheidung von Geschlecht und Alter feststellen.

Beim Mann

Vom 8. bis zum 17. Lebensjahr steigt die Talgmenge stark an und ist bis etwa zum 25. Lebensjahr erhöht. Anschließend kann man eine gewisse, aber nicht sehr auffällige Minderung der Talgproduktion bis etwa zum 40. Lebensjahr feststellen. Bis zum 50. bis 60. Lebensjahr tritt eine stark auffallende Verminderung der Talgproduktion ein, bis zu einem bestimmten Tiefstand, der zwar individuell verschieden sein kann, aber bei höherem Alter nicht mehr unterschritten wird.

Bei der Frau

Bis zum 25. Lebensjahr verläuft die Talgproduktion bei der Frau analog zum Mann, dann allerdings tritt im 35. bis 40. Jahr ein sehr starker Abfall der Talgproduktion ein, die einen tieferen Stand erreicht als beim Mann und sich zum 50. bis 65. Jahr weiterhin vermindert. Im Gegensatz zum Mann senkt sich der Lipidwert in den höchsten Altersklassen zwischen 66 und 80 Jahren weiter stark, bis zu extremen Tiefstwerten, die sich jedoch nicht – wie beim Mann – ausgleichen oder auf bestimmte Werte einpendeln.

Funktion des Hauttalgs

Die biologische und physiologische Zusammensetzung des Hauttalgs spielt für die Wasseraufnahmefähigkeit und die Wasserdurchlässigkeit der Haut eine bedeutsame Rolle. Einerseits verhindert der Hauttalg eine zu starke Durchfeuchtung der Haut und schützt sie dadurch vor atmosphärischen Schädigungen. Andererseits verhindert er eine Eintrocknung der Haut, indem er die Verdunstung aus der Haut, die Perspiration, hemmt. Ohne den Talgfilm verlöre die Haut das Hornwasser viel leichter und schneller. So bewahrt die Talgschicht die Haut vor zu starker Quellung wie auch vor zu intensivem Wasserentzug und verhindert damit, dass sie spröde wird. Der Hauttalg erhält dadurch die Elastizität und die Geschmeidigkeit der Epidermis. Ohne ihn würde sie trocken, schuppig oder erythematös (Pseudoanhydrosis) aussehen. An der Regelung des peripheren Wasserhaushaltes der Haut sind neben dem Hauttalg auch die Hornschichtlipide beteiligt. Einen Großteil dieser Hornschichtlipide, die anders als der Talg zusammengesetzt sind, finden wir in der Barriere. Sie bewahren die Hornschicht vor einer Auslaugung, vor allem der hygroskopischen wasserlöslichen Bestandteile, welche für die Erhaltung eines optimalen Wassergehaltes der Hornschicht ausschlaggebend sind. Der Hauttalg schützt die Haut außerdem vor wasserlöslichen, von außen an sie herangelangenden Stoffen. So ist die Widerstandsfähigkeit gegen Alkali (Alkaliresistenz) auf einer sebumhaltigen Hautstelle deutlich erhöht. Das Sebum kann bei der Aufnahme von Stoffen durch die Haut auch eine Mittlerrolle spielen, zum Teil direkt durch unmittelbare Verteilung und Auflösung in ihm; zum Teil indirekt durch seinen Gehalt an emulgierend wirkenden Stoffen, wie Cholesterin, Cholesterinestern und Fettsäure-Salzen. Dadurch kann die Emulgation des Sebums mit Wasser oder mit der Hautfeuchtigkeit gefördert werden.

Sebum und Wasser

Es gibt eine Emulsionstheorie des Hauttalges: Die Schutzfunktion des Hautfettes im Rahmen des peripheren Wasserhaushaltes beruht auf der Fähigkeit der Hornschichtlipide, mit Wasser Emulsionen zu bilden. Bei hohem Wassergehalt entsteht eine Öl-in-Wasser-Emulsion, die nach einer Abdunstung von Wasser in eine Wasser-in-Öl-Emulsion übergehen kann. Das natürliche Hautfett hätte somit die Fähigkeit eines Umschlag-Emulgators. Die Emulgationsfähigkeit umfasst das gesamte Hautoberflächenfett einschließlich der Hornschichtlipide und der wasserlöslichen Inhaltsstoffe aus dem Schweiß als einem Gesamtsystem.

Die ekkrinen Schweißdrüsen

Die Schweißdrüsen (Glandulae sudoriferae) haben eine schlauchförmige Gestalt. Sie liegen zwischen Kutis und Subkutis. Der den Schweiß absondernde untere Teil ist zu einem Knäuel aufgerollt und setzt sich im Schweißdrüsengang zur Epidermis fort. Dort ist er korkenzieherartig geformt und mündet in eine eigene Öffnung, den Ausführungsgang oder die Schweißpore (Abbildung 8). Die Schweißdrüsen sind über den ganzen Körper verteilt und an haarlosen Stellen besonders zahlreich, wie an der Handfläche und an den Fußsohlen. Man rechnet mit etwa 100 Schweißdrüsen pro cm2 in der menschlichen Haut. Die Zellen dieser kleinen Schweißdrüsen geben ihr Sekret in das Lumen des Ausführungsganges; von dort wird es durch kontraktile Zellen ausgepresst, welche die Drüse korkartig umgeben. Daher nennt man die Schweißdrüsen ekkrin.

Der Schweiß, die Ausscheidung der Schweißdrüsen, ist normalerweise sauer. Neben dem Hauptbestandteil Wasser enthält er etwa 1% feste Bestandteile, vor allem Kochsalz und Milchsäure. Die Transpiration selbst ist von einer Erregung der Nerven abhängig, und diese wird wiederum durch verschiedene Einflüsse gesteuert wie beispielsweise Körperwärme, Wassergehalt des Blutes, Füllung der Blutgefäße, seelische Faktoren und die Transpiration steigernde oder hemmende Arzneimittel. Der Anreiz zur Schweißsekretion erfolgt über die Fasern des sympathischen Nervensystems. Dabei verlaufen die Reizimpulse in Rhythmen, die ein größeres Schweißdrüsenarsenal gleichzeitig erfassen.

Die Schweißsekretion ist ein physiologischer, energieverbrauchender Vorgang, wobei der Salzgehalt des Schweißes ein besonderer Hinweis auf die Sekretionsleistung der Zelle ist. In besonderen Fällen kann es sogar vorkommen, dass Natrium-Ionen nach der zunächst erfolgenden Sekretion in das Drüsenlumen zurückresorbiert werden. Diese Rückresorption ist notwendig und für die perkutane Absorption von Wirkstoffen von Bedeutung. Es handelt sich dabei nicht nur um passive physikalische Vorgänge, sondern um eine physiologische, aktive Aufnahme. Dieser Vorgang der Schweißdrüsensekretion und der Rückresorption zeigt Ähnlichkeiten mit dem analogen Vorgang in der Niere. Die Schweißdrüsensekretion beeinflusst die Konsistenz der Epidermis: Sie wird durch eine erhöhte Transpiration erweicht. Bei einer Akne kann eine überstarke Transpiration den Hautzustand verschlechtern und Reizungserscheinungen hervorrufen.


Abbildung 8

I.) Schweißdrüse mit schweißabsonderndem, knäuelartig verschlungenem Körper. II.) Elektronenmikroskopische Aufnahme eines Querschnitts im sekretorischen Bereich. Der Ausschnitt ist in Abbildung I.) markiert. Die schwarzen Punkte sind Sekretbläschen, die in den Schweißdrüsengang abgegeben werden.

Die apokrinen Schweißdrüsen

Neben den kleinen ekkrinen Schweißdrüsen besitzt der Mensch die großen Schweißdrüsen, die man auch als Duftdrüsen bezeichnet. Diese apokrinen Drüsen entwickeln sich aus dem Epithel der Haarfollikel. Sie kommen gemeinsam mit den ekkrinen Drüsen vor. Ihr Ausführungsgang mündet jedoch nicht an die Oberfläche der Haut, sondern oberhalb der Talgdrüse in den Haarfollikel. Die physiologische Aufgabe der apokrinen Schweißdrüsen scheint in phylogenetischer Betrachtung mit den Sexualdrüsen der Säugetiere in Verbindung zu stehen, beim Menschen allerdings in rudimentärer Form. Für die Kosmetik haben hauptsächlich die großen Schweißdrüsen in den Achselhöhlen im Zusammenhang mit der Desodoration Bedeutung. Diese entwickeln sich in der Pubertät, und ihre Tätigkeit wird von den Geschlechtsdrüsen wesentlich beeinflusst. Sie sind neben den großen Talgdrüsen für den Hautgeruch verantwortlich, denn sie enthalten in ihrer Absonderung Duftstoffe, welche für Geschlecht, Rasse und Individuum charakteristisch sind. Bei der Sekretion der apokrinen Schweißdrüsen handelt es sich sowohl um die Abgabe einer Flüssigkeit wie auch um das Ausstoßen von Zellmaterial. Während der ekkrine Schweiß klar ist, ist das Sekret der apokrinen Drüsen weißlich-grau, manchmal gelblich mit fluoreszierenden Substanzen. Der frisch sezernierte apokrine Schweiß könnte als steril bezeichnet werden. Viele Autoren sind der Ansicht, dass er auch zumeist geruchlos ist und sich erst nach bakterieller Zersetzung ein typischer, meist unangenehmer Geruch entwickelt. Die verschiedenen, insbesondere individuellen Duftqualitäten lassen sich nicht nur als Folge einer bakteriellen Zersetzung ableiten, sondern sind auf flüchtige Fettsäuren zurückzuführen, welche im Sekret bereits von Anfang an vorhanden sind. Die Sekretion der apokrinen Schweißdrüsen erfolgt normalerweise langsam und kontinuierlich. Wenn eine plötzliche Schweißausscheidung eintritt, entsteht danach eine längere Ruheperiode. Dies spricht dafür, dass der apokrine Schweiß, der vom Epithel sezerniert wird, im Lumen des Drüsenkörpers und des Ausführungsganges gespeichert wird, bis er durch eine Kontraktion, vornehmlich der glatten Muskulatur, ausgepresst wird.

Anomale Schweißabsonderung

Abweichungen von der normalen Schweißabsonderung sind eine verminderte (Hypohidrosis) oder eine erhöhte Schweißabsonderung (Hyperhidrosis). Eine verminderte Absonderung kommt meistens bei einer trockenen Haut vor, bei Xerodermie, bei einer Altershaut und allgemein bei atrophischen Erscheinungen. Eine vermehrte Schweißabsonderung tritt physiologisch bei starker Hitze sowie bei übermäßigem Fettansatz ein, ferner bei Schwächezuständen und durch psychische Erregungen. Wenn die Schweißabsonderung jedoch dauernd erfolgt, dann führt dies zu einem Aufweichen der Haut, ändert häufig auch den pH-Wert und ist damit Voraussetzung für die Möglichkeit von Infektionen oder Pilzerkrankungen.

Bromhidrosis

Bei der Bromhidrosis ist der Schweiß geruchlich unangenehm verändert. Der unangenehme Geruch wird durch bakterielle Zersetzung des Schweißes auf der Haut verursacht.

Desinfektion

Kosmetisch kann man hier die betroffenen Hautareale desinfizieren. Bestimmte, intensiv riechende Lebensmittel wie Zwiebeln, Knoblauch, spezielle Gewürze oder Medikamente beeinflussen den Geruch des Schweißes ebenfalls negativ.

Desodoration

Die kosmetische Behandlung gegen unangenehmen Geruch auf der Haut ist die Desodoration.

pH-Wert

Normalerweise ist der pH-Wert des Schweißes der ekkrinen Drüsen sauer, mit einem pH von 3,8 bis 5,6. In Regionen überwiegend apokrinen Schweißes kann der pH-Wert bis zu Werten von 8,3 ins Alkalische ansteigen, vor allem dann, wenn die Verdunstung behindert ist. In Gegenwart bestimmter Bakterien kann sich der pH-Wert der Haut ebenfalls ins Alkalische verschieben.

Krankheiten

Bestimmte Krankheiten wie Diabetes, Gicht, Tbc, Typhus, Masern, Magen- und Darmstörungen sind von einer ganz bestimmten, eigenartigen, sogar charakteristischen Ausdünstung begleitet, so dass ein erfahrener Arzt aus der Geruchsbildung im Krankenzimmer manchmal eine zutreffende Vordiagnose stellen kann.

Der periphere Feuchtigkeitsgehalt der Haut

Periphere Hautfeuchtigkeit

Der Feuchtigkeitsgehalt der epidermalen Hornschicht ist von grundlegender Bedeutung für die Elastizität und die Unversehrtheit der Hautoberfläche. Feuchtigkeitsaufnahme der Haut aus der umgebenden Atmosphäre und aus der eigenen Perspiration sowie der Feuchtigkeitsverlust durch ständiges Verdunsten bestimmen den Grad des Hydratationszustandes. Neben dem Keratin der Hornzellen und den Lipiden enthält die Hornschicht wasserlösliche hygroskopische und oberflächenaktive Substanzen. Auch der Hauttalg selbst ist hygroskopisch, jedoch sind die wasserlöslichen Substanzen in der Hauptsache für das Feuchtigkeitshalte- und Wasserabsorptionsvermögen verantwortlich.

NM- oder NF-Faktor

Diese Substanzen nannte ihr Entdecker Jacobi NM-Faktor (Natural moisturizing factor) oder in deutscher Sprache ausgedrückt NF-Faktor, das heißt natürlicher Feuchthaltefaktor der Haut. Der NM-Faktor in der Hornschicht erfüllt drei Funktionen:

1 Durch seine hygroskopische Eigenschaft nimmt er Feuchtigkeit in sich auf.

2 Er verringert dadurch die Oberflächenspannung der Haut.

3 Er reguliert das normale Wasserabstoßungsvermögen des Keratins.

Herkunft

Es stammt nur ein geringer Teil des natürlichen Feuchthaltefaktors aus dem Schweiß. 20% der sudorigen Masse stammen aus dem Keratinisierungsprozess, während 80% aus den Zellsubstanzen epidermogen gebildet werden. Spier und Pascher veröffentlichten in der Zeitschrift Hautarzt 7, 2/1956 eine Analyse der chemischen Zusammensetzung des Feuchthaltefaktors der Haut, die heute noch gilt (Tabelle 4). Wir ersehen daraus die komplexe Zusammensetzung dieses Feuchthaltefaktors, der neben den eigentlichen hygroskopischen Substanzen auch Pufferstoffe enthält, welche den pH-Wert der Haut regulieren.

Tabelle 4

Die Komponenten des natürlichen Feuchthaltefaktors (NMF)


KomponenteAnteil in%
Freie Aminosäuren40
Pyrrolidon-Carbonsäuren12
Harnstoff7
Ammoniak, Harnsäure, Glukosamin Keratin u. a. organische Substanzen17
Magnesium und Calcium (je 1,5%)3
Kalium-Ionen4
Natrium-Ionen5
Laktate, Chloride, Phosphate, Zitrate, Formiate12

Wirkung bei Verminderung

Wenn man bei der Reinigung oder durch ein Bad den NM-bzw. NF-Faktor entfernt, so verliert die Haut das Vermögen, Wasser zu binden, und die Speicherung von Wasser durch das Keratin wird beeinträchtigt. Das verhornte Epithel wird hydrophob. Denn das Wasserbindevermögen der Hornschicht ist abhängig von dem Gehalt an NMF. Das Trocken-, Spröde- und Rissigwerden der Haut ist daher nicht nur von einem Mangel an Hauttalg abhängig, sondern zumindest im gleichen Maße von einem Mangel an Feuchthaltefaktoren. Auch das Austrocknen der atrophierenden Haut scheint auf eine Verminderung des NM-Faktors zurückzuführen zu sein. Ferner ist das Ausmaß des normalen Abschuppens der Haut von ihrem Wassergehalt abhängig und damit wiederum von der Menge der hygroskopischen und oberflächenaktiven Substanzen. Abgesehen von der rein mechanischen und physikalischen Entfernung von Talgschicht und NF-Faktor der Haut, die zu einem Trockenwerden der Haut führt, bewirkt die Atmosphäre im Winter infolge ihrer geringen Luftfeuchtigkeit ebenso wie eine zu intensive Sonnenbestrahlung eine wassertrockene, unelastische, lederartig verdickte Haut. Man kann gewissermaßen von einer rauen Winterhaut und einer ausgelaugten Sommerhaut sprechen, wobei in beiden Fällen der verminderte Feuchtigkeitsgehalt für das Hautbild verantwortlich ist.

Rehydratisierung

Um den normalen, notwendigen Wassergehalt der Oberhaut wiederherzustellen, um ihr ihre optimale Funktionstüchtigkeit wiederzugeben, genügt es nicht, lediglich Fett aufzutragen. Man muss zusätzlich den NM-Faktor in wässerigem Medium geben. Erst dadurch erreicht man eine Rehydratisierung trockener und spröder Haut. Diese Substitutionsbehandlung trägt zur Normalisierung des Wasserhaushalts der Haut bei, verringert die Oberflächenspannung der Epidermis auf das normale Maß und erleichtert dadurch ihre Benetzbarkeit durch Wasser. Auf diese Weise ist es möglich, nicht nur durch eine entsprechende Wirkstoffbeeinflussung einer vorzeitigen Atrophierung der Haut vorzubeugen, sondern mit der Applikation des NM-Faktors zugleich auch physikalisch und physiologisch-chemisch zu normalisieren.

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Дата выхода на Литрес:
04 ноября 2025
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ISBN:
9783986475550
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