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Leben

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Yoga

“All life is Yoga.” – Sri Aurobindo

Schöpfung und Schöpfer

Sri Aurobindo | Die Mutter


SRI AUROBINDO

DIGITAL EDITION


Copyright 2020

AURO MEDIA

Verlag und Fachbuchhandel

Wilfried Schuh

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www.sriaurobindo.center

eBook Design


SRI AUROBINDO DIGITAL EDITION

Deutschland, Berchtesgaden

ALLES LEBEN IST YOGA

Schöpfung und Schöpfer Auszüge aus den Werken von Sri Aurobindo und der Mutter 1. Aufl. 2020 ISBN 978-3-96387-064-4


© Fotos und Textauszüge Sri Aurobindos und der Mutter:

Sri Aurobindo Ashram Trust

Puducherry, Indien


Blume auf dem Cover:

Anthocephalus cadamba. Goldgelb. Die von der Mutter gegebene spirituelle Bedeutung: Supramentale Sonne Wir sehnen uns danach, dass ihre Strahlen uns erleuchten und umwandeln mögen.

Anmerkung des Herausgebers

Einfache Auszüge aus den Werken Sri Aurobindos und der Mutter sollen für die Sadhana eine praktische Orientierung zu bestimmten Themen geben. Die Themen behandeln das gesamte Feld menschlicher Aktivitäten, denn wahre Spiritualität ist nicht eine Abkehr vom Leben, sondern die Kunst, das Leben zu vervollkommnen.

Die Übersetzung der Textstellen von Sri Aurobindo erfolgte aus dem ursprünglichen Englisch, während die meisten Passagen der Mutter bereits Übersetzungen aus dem Französischen waren. Fast alle Texte der Mutter wurden ihren Gesprächen, die sie mit Kindern und Erwachsenen führte, entnommen, einige ihren Schriften. Wir müssen außerdem berücksichtigen, dass die Auszüge ihrem ursprünglichen Zusammenhang entnommen wurden und dass jede Zusammenstellung ihrer Natur nach möglicherweise einen persönlichen und subjektiven Charakter hat. Es wurde jedoch der aufrichtige Versuch unternommen, der Vision Sri Aurobindos und der Mutter treu zu bleiben.

Die Textauszüge sind vom Verlag zum Teil mit Kapiteln und Überschriften versehen worden, um ihre Themen hervorzuheben. Sofern es möglich war, wurden sie in Anlehnung eines Satzes aus dem Text selbst gewählt.

Sri Aurobindo und die Mutter machen von der in der englischen Sprache gegebenen Möglichkeit, Wörter groß zu schreiben, um ihre Bedeutung hervorzuheben, häufig Gebrauch. Mit dieser Großschreibung bezeichnen sie meist Begriffe aus übergeordneten Daseinsbereichen, doch auch allgemeine wie Licht, Friede, Kraft usw., wenn sie ihnen einen vom üblichen Gebrauch abweichenden Sinn zuordnen. Diese Begriffe wurden in diesem Buch kursiv hervorgehoben, um dem Leser zu einer leichteren Einfühlung in diese subtilen Unterscheidungen zu verhelfen.

Einige wenige Sanskritwörter wie Sadhana, Sadhaka, Yoga usw. wurden eingedeutscht, da sie durch ihren häufigen Gebrauch bereits als Bestandteil der deutschen Sprache angesehen werden können. Alle anderen Sanskritwörter sind kursiv hervorgehoben, wobei auf diakritische Transkriptionszeichen verzichtet wurde.

Die kursiv geschriebenen Textpassagen vor den Worten Sri Aurobindos und der Mutter sind Fragen bzw. Antworten von Schülern oder sonstige erläuternde Texte.

„Wahre Spiritualität bedeutet nicht, dem Leben zu entsagen, sondern das Leben mit einer Göttlichen Vollkommenheit zu vervollkommnen.“ – Die Mutter

* * *

InhaltTitelseiteCopyrightAnmerkung des HerausgebersI. BRAHMAN: DIE EINHEIT GOTTES UND DER WELTZitat1. Brahman – Die Einheit2. Zwischengedanke – Die Vielen3. Der Lauf der Götter4. Das Prinzip des Lebens5. Zwischengedanke – Die Wasser6. Die Vision des BrahmanII. DAS GÖTTLICHE UND DAS UNIVERSUMZitat1. Das Verständnis von Schöpfung und Schöpfer2. Eine Geschichte zum Verständnis der Entstehungsweise der Schöpfung3. Der Abstieg der Göttlichen Liebe und ein ununterbrochener Aufstieg4. Wie wurden Götter und Göttinnen geboren?5. Die Göttliche Mutter – Die Schöpferin6. Die Schöpfung ist keine Illusion7. Die Schöpfung ist kein schlechter Scherz8. Die Schöpfung ist kein „Absturz“9. Das Warum der Schöpfung10. Der Zweck der Schöpfung11. Die Absicht der Natur12. Das Ziel13. Einige kindliche Vorstellungen14. Die Vorstellung von „Gott dem Schöpfer“15. Die siebte Schöpfung16. Die Schöpfung des Gleichgewichts17. Kein Anfang und kein Ende18. Das Wohin der Schöpfung19. Was in der Ewigkeit der Zeit getan wird20. Das Universum: Die Manifestation des Göttlichen21. Wer ist Er?22. Wenn alles Er ist, warum spüren wir Ihn nicht?23. Die Schöpfung und der Schöpfer sind nicht voneinander getrennt24. Ursache und Abhilfe für alle Entstellungen25. Das Universum ist essenzielle Freude26. Geschieht das Beste in jeder Minute?27. Warum ein progressives Universum?28. Raum und Zeit29. Bewusstsein: Die fundamentale Sache des Daseins30. Das zentrale Motiv der irdischen Existenz31. Ein zugleich individuelles und allumfassendes Bewusstsein32. Einheit in der Vielfalt33. Wesen auf den anderen Planeten34. Das endgültige Ziel!ANHANGQuellenangabenGuideCoverInhaltStart

Teil I

Sri Aurobindo

Wir alle sind Götter und Schöpfer, denn die Energie Gottes ist in uns, und alles Leben ist Schöpfung; nicht nur das Erschaffen neuer Formen ist Schöpfung, sondern Bewahren ist Schöpfung, selbst Zerstörung ist Schöpfung. — Sri Aurobindo

* * *

Kapitel 1
Brahman – Die Einheit

Isha Upanishad, Verse 4-5

4. Ein Unbewegtes, das schneller ist als der Mentale Geist; Das erreichen die Götter nicht, denn Es schreitet stets voraus. Stehend überflügelt Es die anderen in ihrem Laufen. In Das legt der Meister des Lebens die Wasser.

5. Das bewegt sich, und Das bewegt sich nicht; Das ist weit entfernt und ist nahe; Das ist in all diesem, und Das ist auch außerhalb von all diesem.

* * *

Der Herr und die Welt, auch wenn sie sich voneinander abzuheben scheinen, sind nicht wirklich voneinander verschieden; sie sind ein Brahman.

*

“Ein Unbewegtes”

Gott ist die eine beständige und ewige Wirklichkeit. Er ist der Eine, weil es nichts anderes gibt, da alles Sein und Nicht-Sein Er ist. Er ist beständig oder unbewegt, weil Bewegung Wandlung in Raum und Zeit bedeutet und Er, da Er jenseits von Raum und Zeit ist, wandellos ist. Er besitzt ewig in Sich selbst alles, das ist, das war und je sein kann, und deshalb wird Er weder mehr noch wird Er weniger. Er ist jenseits von Kausalität und Relativität, und deshalb gibt es in Seinem Wesen keinen Wandel der Beziehungen.

*

“Schneller als der mentale Geist”

Die Welt ist eine zyklische Bewegung (samsara) des Göttlichen Bewusstseins in Raum und Zeit. Ihr Gesetz und, in gewissem Sinn, ihr Ziel ist Voranschreiten; sie besteht durch Bewegung und würde sich durch ein Ende der Bewegung auflösen. Aber die Grundlage dieser Bewegung ist nicht materiell; es ist die Energie aktiven Bewusstseins, welche durch ihre Bewegung und Vervielfältigung in verschiedenen Prinzipien (verschieden in der Erscheinung, das gleiche dem Wesen nach) Gegensätze von Einheit und Vielfalt schafft, Gliederungen von Raum und Zeit, Beziehungen und Gruppierungen des Umstandes und der Kausalität. Alle diese Dinge sind im Bewusstsein real, aber nur symbolisch für das Sein, etwa wie die Imaginationen eines schöpferischen Mentals wahre Repräsentationen seiner selbst sind, doch nicht ganz real im Vergleich zu ihm selbst, oder real in einer anderen Art von Realität.

Doch mentales Bewusstsein ist nicht die Kraft, die das Universum erschafft. Diese ist etwas unendlich viel Mächtigeres, Schnelleres und Unbehinderteres als das Mental. Es ist das reine, allmächtige Selbst-Gewahrsein des Absoluten, ungebunden durch irgendein Gesetz der Relativität. Die Gesetze der Relativität, aufrechterhalten von den Göttern, sind Seine zeitlichen Schöpfungen. Die scheinbare Ewigkeit jener Gesetze ist nur die für uns unermessliche Dauer der Welt, die sie regieren. Es sind Gesetze, die Bewegung und Wandel regeln, nicht Gesetze, die den Herrn der Bewegung binden. Die Götter werden daher als „stets laufend ihre Bahn“ beschrieben. Aber der Herr ist frei und unberührt von Seiner eigenen Bewegung.

*

“Das bewegt sich, das bewegt sich nicht”

Die Bewegung der Welt erfolgt unter der Herrschaft einer bleibenden Stabilität. Veränderung bedeutet den ständigen Wechsel offenbarer Beziehungen in einer ewigen Wandellosigkeit.

Diese Wahrheiten sind es, die ausgedrückt werden in den Formeln von dem einen Unbewegten, das schneller ist als der Mentale Geist, Das sich bewegt und sich nicht bewegt, dem einen Beständigen, das in der Geschwindigkeit seines wirkenden Bewusstseins jene überflügelt, die laufen.

* * *

Kapitel 2
Zwischengedanke – Die Vielen1

Wenn der Eine auch überragend wirklich ist, so sind „die anderen“, die Vielen, nicht unwirklich. Die Welt ist nicht ein Produkt des Mentals.

Einheit ist die ewige Wahrheit der Dinge, Verschiedenheit ein Spiel der Einheit. Das Wahrnehmen der Einheit wurde daher Wissen, Vidya, genannt, das Wahrnehmen der Verschiedenheit, Unwissenheit, Avidya. Doch Verschiedenheit ist nicht falsch, außer wenn sie von der Wahrnehmung ihrer wahren und ewigen Einheit abgetrennt ist.

Brahman ist eins, nicht numerisch, sondern dem Wesen nach. Numerische Einheit würde entweder die Vielfalt ausschließen oder eine pluralistische und teilbare Einheit sein, wobei die Vielen ihre Teile wären. Das ist nicht die Einheit des Brahman, das nicht verringert noch vergrößert noch geteilt werden kann.

Die Vielen im Universum werden manchmal Teile des universalen Brahman genannt, wie die Wellen Teile des Meeres sind. Doch in Wahrheit sind diese Wellen, jede von ihnen, jenes Meer, ihre Unterschiede nur die der äußeren oder oberflächlichen Erscheinung, die durch die Bewegung des Meeres verursacht wird. Wie jeder Gegenstand im Universum wirklich das ganze Universum in einer jeweils anderen frontalen Ansicht ist, so ist jede individuelle Seele das ganze Brahman, das Sich selbst und die Welt von einem Zentrum des kosmischen Bewusstseins aus betrachtet.

Denn Das ist identisch, nicht einzig. Es ist immer und überall in Raum und Zeit identisch, wie es auch jenseits von Raum und Zeit identisch ist. Numerische Einheit und Vielfalt sind gleichermaßen gültige Formen seiner essenziellen Einheit.

Diese beiden Seinsweisen, wie wir sie sehen, sind, wie alle anderen, Vergegenwärtigungen in Chit, in dem freien und allschöpferischen Selbst-Gewahrsein des Absoluten, das sich selbst vielfältig, unendlich, unzählbar betrachtet und formuliert, was es betrachtet. Chit ist eine Kraft nicht allein der Erkenntnis, sondern des ausdrückenden Willens, nicht nur der wahrnehmenden Schau, sondern der formenden Vergegenwärtigung; diese beiden sind in der Tat eine Kraft. Denn Chit ist ein Handeln des Seins, nicht der Leere. Was es sieht, das wird. Es sieht sich selbst jenseits von Raum und Zeit; und das wird in den Bedingungen von Raum und Zeit.

Schöpfung ist nicht ein Erschaffen von etwas aus dem Nichts heraus oder von einem Ding aus einem anderen, sondern eine Selbst-Projektion des Brahman in die Bedingungen von Raum und Zeit. Schöpfung ist nicht ein Machen, sondern ein Werden in den Bedingungen von Raum und Zeit.

Im Werden ist jedes Individuum Brahman, das sich vielfältig vergegenwärtigt und in dem Spiel des göttlichen Bewusstseins in verschiedene Beziehungen zu Sich selbst tritt; im Sein ist jedes Individuum das ganze Brahman.

Als das Absolute oder das Universale hat Brahman die Möglichkeit, im Relativen von Sich selbst zurückzustehen. Durch eine untergeordnete Bewegung des Bewusstseins begreift Es das Individuum als unterschieden vom Universalen, das Relative als verschieden vom Absoluten. Ohne diese trennende Bewegung würde das Individuum immer dazu neigen, sich im Universalen zu verlieren, das Relative, im Absoluten zu verschwinden. So unterstützt Es eine entsprechende Haltung im Individuum, das sich selbst als vom Transzendenten und universalen Brahman „verschieden“ und als „verschieden“ vom Rest der Vielen betrachtet. Das Individuum verbirgt die Identität und führt das Spiel des Seins im getrennten Ego durch.

Das Individuum mag sich selbst als ewig unterschieden von dem Einen betrachten, oder als ewig eins mit Ihm und doch verschieden, oder es mag in seinem Bewusstsein vollständig auf die reine Identität zurückgehen.2 Aber niemals kann es sich selbst als unabhängig von irgendeiner Art der Einheit betrachten, denn eine solche Betrachtungsweise würde keiner vorstellbaren Wahrheit im Universum oder jenseits von ihm entsprechen.

Diese drei Wahrheiten entsprechen drei Wahrheiten des Brahman, die gleichzeitig gültig sind und von denen keine ohne die anderen als ihre Ergänzung vollständig wahr ist. Ihr gleichzeitiges Bestehen, dem logischen Intellekt schwer vorstellbar, kann durch Identität mit Brahman im Bewusstsein erfahren werden.

Selbst dann, wenn wir von Einheit sprechen, müssen wir uns daran erinnern, dass Brahman jenseits unserer mentalen Unterscheidungen liegt und eine Tatsache nicht des unterscheidenden Denkens, sondern des absoluten, unbegrenzten Seins ist, das sich der Unterscheidung entzieht. Unser Bewusstsein ist (nur) darstellend und gleichnishaft; es kann das Ding-an-sich, das Absolute, nicht erfassen, außer durch Negation, in einer Art Leere, indem es dieses von allem, was es im Universum zu enthalten scheint, entleert. Doch Das Absolute ist nicht eine Leere oder Negation. Es ist alles, was hier in der Zeit und jenseits der Zeit ist.

Selbst Einheit ist eine Repräsentation und existiert nur in Bezug auf Vielfalt. Vidya und Avidya sind gleichermaßen Mächte des höchsten Chit. Weder Vidya noch Avidya ist das absolute Wissen.

Dennoch ist Einheit, nicht Vielfalt die geheime Grundlage aller Beziehungen. Einheit begründet und erhält die Vielfalt aufrecht. Vielfalt begründet und erhält nicht die Einheit aufrecht.

Daher haben wir Einheit als unser Selbst und als die wesenhafte Natur des Seins zu verstehen. Vielfalt als Darstellung des Selbstes und als eine Werdensweise. Wir müssen uns Brahman als Ein Selbst von allem vorstellen und dann auf die Vielen zurückkommen als auf die Werdensweisen des Einen Seins (bhutani ... atman). Aber sowohl das Selbst wie die Werdensweisen sind Brahman; wir können nicht das eine als Brahman und die anderen als unwirklich und nicht Brahman ansehen. Beide sind wirklich; das eine als grundlegende und umfassende, die anderen als abgeleitete oder abhängige Wirklichkeit.

* * *

1 Die Gedankenfolge unter dieser Überschrift scheint mir die unabdingbare metaphysische Grundlage der Upanishad zu sein. Die Isha-Upanishad lehrt nicht einen reinen und ausschließlichen Monismus; sie verkündet das Eine, ohne die Vielen zu leugnen, und ihre Methode ist, den Einen in den Vielen zu sehen. Sie versichert die gleichzeitige Gültigkeit von Vidya und Avidya und zeigt als das Ziel von Tätigkeit und Wissen eine Unsterblichkeit, die mit Leben und Geburt in dieser Welt in Einklang steht. Sie betrachtet jeden Gegenstand als sich selbst, das Universum und jede Seele als sich selbst, den göttlichen Purusha. Die Gesamtheit dieser Ideen stimmt nur mit einem synthetischen oder umfassenden, im Gegensatz zu einem illusionistischen oder exklusiven Monismus überein.

2 Das entspricht, in umgekehrter Reihenfolge, den Standpunkten der drei philosophischen Schulen des Vedanta: Monismus, modifizierter Monismus und Dualismus.

Kapitel 3
Der Lauf der Götter

Brahman, das Sich selbst im Universum als das Beständige darstellt, ist durch Seine unwandelbare Existenz (Sat) Purusha, Gott, Spirit; indem Es Sich selbst als das Wandelbare darstellt, ist Es durch Seine Macht aktiven Bewusstseins (Chit) Natur, Kraft oder Welt-Prinzip (Prakriti, Shakti, Maya).1 Das Spiel dieser beiden Prinzipien ist das Leben des Universums.

Die Götter sind Brahman, das Sich selbst in kosmischen Persönlichkeiten darstellt, Ausdrucksformen der einen Gottheit, die in ihrem unpersönlichen Handeln als das vielfältige Spiel der Naturprinzipien erscheinen.

Die „anderen“ sind sarvani bhutani eines späteren Verses, alle Werdensweisen - Brahman, das sich selbst im getrennten Bewusstsein der Vielen darstellt.

Alles im Universum, selbst die Götter, erscheint sich selbst als ein Sich-Bewegen innerhalb der allgemeinen Bewegung auf ein Ziel hin, das außerhalb seiner oder anders als seine unmittelbare Vorstellung von sich selbst ist. Brahman ist das Ziel; denn Es ist sowohl der Anfang wie das Ende, die Ursache und das Ergebnis aller Bewegung.

Doch ist die Vorstellung eines letzten Ziels in der Bewegung der Natur selbst illusorisch. Denn Brahman ist das Absolute und Unendliche. Die Götter, die sich mühen, es einzuholen, finden stets bei jedem Ziel, das sie erreichen, dass Brahman immer noch vor ihnen ist und zu einer weiteren Verwirklichung voranschreitet. Nichts innerhalb der Erscheinungen des Universums kann für das relative Bewusstsein vollständig Das sein; alles ist nur eine gleichnishafte Darstellung Des Unerkennbaren.

Alle Dinge sind in Brahman bereits verwirklicht. Das Laufen der Anderen im Ablauf der Natur ist nur ein Ausarbeiten (Prakriti) von etwas, das Brahman bereits eigen ist, in den Bedingungen von Kausalität, Zeit und Raum.

Sogar in Seinem universalen Sein geht Brahman über die Bewegung hinaus. Im Überschreiten der Zeit enthält Es in Sich Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gleichzeitig und muss nicht erst bis an das Ende der vorstellbaren Zeit laufen. Im Überschreiten des Raumes enthält Es in Sich alle Gestaltungen zugleich und muss nicht bis an das Ende des vorstellbaren Raumes laufen. Im Überschreiten der Kausalität enthält Es frei in Sich selbst alles vorstellbare Geschehen und alle Möglichkeiten, ohne durch die scheinbare Kette der Kausalität gebunden zu sein, durch die sie im Universum miteinander verknüpft sind. Alles ist von Ihm als dem Herrn bereits verwirklicht, bevor es von den getrennten Persönlichkeiten in der Bewegung vollbracht werden kann.

* * *

1 Prakriti, die ausführende Natur, im Gegensatz zu Purusha, welcher die leitende Seele ist, der die Werke der Prakriti zur Kenntnis nimmt und sich ihrer erfreut. Shakti, die selbstexistente, selbst-erkennende, selbst-bewirkende Kraft des Herrn (Ishwara, Deva oder Purusha), die sich in den Werken der Prakriti ausdrückt. Maya, im Veda ursprünglich umfassendes oder schöpferisches Wissen, Weisheit aus alter Zeit, wird später verstanden in ihrem zweiten, abgeleiteten Sinn, als List, Magie, Illusion. In dieser zweiten Bedeutung ist es wirklich nur passend für die Werke der niederen Natur, apara prakrti, die die Göttliche Weisheit verborgen hat und in den Erfahrungen des abgetrennten Ego aufgeht. In den Upanishaden wird das Wort Maya mehr im älteren Sinne gebraucht, und es erscheint dort in der Tat selten.

Kapitel 4
Das Prinzip des Lebens
Matarishwan und die Wasser

Was ist demnach Seine Absicht in der Bewegung?

Die Bewegung ist ein Rhythmus, eine Harmonie, die Das, als das Universale Leben, durch Formen Seiner selbst in den Bedingungen bewussten Seins ausarbeitet. Sie ist eine Formel, die das Unerkennbare gleichnishaft zum Ausdruck bringt – so angeordnet, dass jede Ebene des Bewusstseins wirklich etwas jenseits ihrer selbst repräsentiert, Tiefe der Tiefe, Inhalt des Inhalts. Sie ist ein Spiel1 des göttlichen Bewusstseins, das zu seiner eigenen Befriedigung besteht und Dem, das bereits vollständig ist, nichts hinzufügt. Sie ist eine Tatsache bewussten Seins, gerechtfertigt durch sein eigenes Dasein, ohne einen Zweck außerhalb ihrer selbst. Die Vorstellung eines Zwecks, eines Ziels entsteht dadurch, dass die Welt ihre eigene wahre Natur den individuellen Seelen, die ihre Formen bewohnen, fortschreitend selbst-entfaltet; denn das Sein offenbart Sich selbst schrittweise innerhalb seiner eigenen Werdensweisen; die wirkliche Einheit geht aus der Vielfalt hervor und verändert die Bedeutung der letzteren für unser Bewusstsein völlig.

Dieses Selbst-Entfalten wird von Bedingungen regiert, die durch das Gesamtgefüge des Bewusstseins in seinem kosmischen Handeln festgelegt sind.

Denn Bewusstsein ist nicht einfach oder homogen, es ist siebenfach. Das heißt, es gliedert sich in sieben Formen oder Abstufungen bewusster Aktivität, die vom reinen Sein bis zum physischen Sein herabreichen. Ihr wechselseitiges Spiel erschafft die Welten, bestimmt alle Tätigkeiten, konstituiert alle Werdensweisen.

Brahman ist immer das, was dieses Spiel oder dieses Wirken in Sich enthält. Brahman, das Sich in Raum und Zeit ausdehnt, ist das Universum.

In dieser Ausdehnung stellt Brahman Sich dar als formenbildende Natur, die universale Mutter der Dinge, die uns zuerst als Materie erscheint, als Prithivi, Das Erd-Prinzip.

Brahman in der Materie oder dem physischen Sein stellt Sich dar als die universale Lebenskraft, Matarishwan, die sich dort als eine dynamische Energie, Prana, bewegt und wirksam aller Ordnung und Gestaltung vorsteht.

Das universale Leben begründet, involviert in die Materie, das siebenfache Bewusstsein; und das Einwirken von Prana, der dynamischen Energie, auf die Matrix der Dinge evolviert aus ihr ihre verschiedenen Formen und dient als Grundlage für alle ihre Entfaltungen.

* * *

1 Dies ist das Vaishnava-Bild der Lila, das gewöhnlich für das Spiel der Persönlichen Gottheit in der Welt verwendet wird, doch gleichermaßen auf das aktive, unpersönliche Brahman anwendbar ist.

Kapitel 5
Zwischengedanke – Die Wasser

Demnach sind sieben konstituierende Elemente von Chit im Universum tätig.

Gewöhnlich sind wir uns dreier Elemente in unserem Wesen bewusst: Mental, Leben und Körper. Diese begründen für uns eine abgetrennte und wandelbare Existenz, die sich in einem Zustand unbeständiger Harmonie befindet und sich durch einen Widerstreit positiver und negativer Kräfte zwischen den beiden Polen von Geburt und Tod vollzieht. Denn alles Leben ist eine beständige Geburt oder Werdensweise. Alle Geburt zieht einen ständigen Tod oder eine ständige Auflösung dessen, das wird, nach sich, damit es sich in ein neues Werden umwandeln kann. Daher wird dieser Daseinszustand Mrityu, Tod, genannt und als eine Stufe, die zu durchlaufen und zu überschreiten ist, beschrieben.

Denn dies ist nicht das Ganze unseres Seins und daher nicht unser reines Sein. Wir haben – im Hintergrund – eine überbewusste Seinsweise, die sich ebenfalls aus drei Elementen konstituiert: Sat, Cit-Tapas und Ananda.

Sat ist die Essenz unseres Wesens, reines Unendlich- und Ungeteiltsein, im Gegensatz zu diesem teilbaren Sein, das sich auf die beständige Wandelbarkeit der physischen Substanz gründet. Sat ist das göttliche Gegenstück zur physischen Substanz.

Chit-Tapas ist reine Energie des Bewusstseins, frei in ihrer Ruhe wie in ihrer Tätigkeit, unumschränkt in ihrem Willen, im Gegensatz zu den eingeschränkten Energien des Prana, die, indem sie von den physischen Substanzen unterhalten werden, von deren Erhaltung abhängig und dadurch begrenzt sind.1 Tapas ist das göttliche Gegenstück zu dieser niederen oder vitalen Energie.

Ananda ist Glückseligkeit, die Wonne reinen bewussten Seins und reiner bewusster Energie, im Gegensatz zum Leben der Empfindungen und Gefühle, die den äußeren Berührungen durch Leben und Materie und deren positiven und negativen Reaktionen von Freude und Kummer, Vergnügen und Schmerz ausgeliefert sind. Ananda ist das göttliche Gegenstück zum niederen fühlenden und empfindenden Wesen.

Diese höhere Seinsweise, die dem Göttlichen Sachchidananda eigen ist, ist einheitlich, selbst-existent, unbeirrt von den Formen von Geburt und Tod. Sie wird daher Amritam, Unsterblichkeit, genannt und uns als das anzustrebende Ziel angeboten und als die Glückseligkeit, die wir genießen können, wenn wir den Zustand des Todes transzendiert haben.

Die höhere, göttliche ist mit der niederen, sterblichen Seinsweise durch die Kausal-Idee2 oder den supramentalen Wissens-Willen, Vijnana, verbunden. Es ist die Kausal-Idee, die, indem sie die ungeordneten Aktivitäten von Mental, Leben und Körper aufrechterhält und insgeheim lenkt, die rechte Ordnung des Universums sichert und durchführt. Im Veda wird sie die Wahrheit genannt, weil sie durch direkte Schau die Wahrheit der Dinge sowohl in ihren Erscheinungsweisen wie unabhängig von ihnen darstellt; das Rechte oder das Gesetz, weil sie, indem sie in sich die Wirkkraft von Chit enthält, alle Dinge entsprechend ihrer Natur mit vollkommener Erkenntnis und Vorausschau ausarbeitet; das Weite, weil ihr eine unbegrenzte kosmische Intelligenz eigen ist, die alle gesonderten Tätigkeiten umfasst.

Vijnana führt als die Wahrheit das geteilte Bewusstsein zurück zu dem Einen: Es sieht auch die Wahrheit der Dinge in der Vielfalt. Vijnana ist das göttliche Gegenstück zur niederen, geteilten Intelligenz.

Von diesen sieben Mächten des Chit, Bewusstseins, sprechen die vedischen Rishis als von den Wassern; sie werden als Ströme veranschaulicht, die in das allgemeine Meer des Bewusstseins im menschlichen Wesen fließen oder ihm entspringen.3

Im Universum bestehen sie alle zugleich, ewig und untrennbar, doch fähig, ineinander involviert und wieder manifestiert zu werden. Tatsächlich sind sie in der physischen Natur involviert und müssen sich notwendigerweise aus ihr heraus-evolvieren. Sie können in das reine unendliche Sein zurückgezogen und wieder aus ihm manifestiert werden.

Das Einfalten und Ausfalten des Einen in den Vielen und der Vielen in dem Einen ist daher das Gesetz der ewig wiederkehrenden kosmischen Zyklen.

* * *

1 Deshalb wird die physische Substanz in den Upanishaden Annam, Nahrung, genannt. Ursprünglich bedeutete das Wort einfach Sein oder Substanz.

2 Nicht die abstrakte mentale Idee, sondern die supramentale Real-Idee, das Bewusstsein, die Kraft und die Wonne des Seins, die sich in einem umfassenden Gewahrsein aller Wahrheiten und Kräfte ihrer eigenen Seinsweise niederschlägt und in ihrem Selbst-Wissen den Willen zur Selbst-Manifestation, die Kraft all ihrer Möglichkeiten und die Kraft all ihrer Formen trägt. Sie ist Kraft, die handelt und bewirkt, und ebenso als Wissen Meister des eigenen Handelns.

3 Hrdya samudra, der Ozean des Herzens. R.V. IV. 58. 5.

Kapitel 6
Die Vision des Brahman

Die Upanishad lehrt uns, wie wir Brahman im Universum und in unserem Selbst-Sein begreifen können.

Wir müssen Brahman umfassend sowohl als das Beständige wie als das Sich-Bewegende begreifen. Wir müssen Es im ewigen und wandellosen Geist sehen und in all den wechselnden Manifestationen des Universums und der Relativität.

Wir müssen alle Dinge in Raum und Zeit das Ferne und das Nahe, die unvordenkliche Vergangenheit, die unmittelbare Gegenwart, die unendliche Zukunft mit all ihren Inhalten und Geschehnissen als das Eine Brahman begreifen.

Wir müssen Brahman als das begreifen, das alle einzelnen Dinge wie das ganze Universum überschreitet, enthält und aufrechterhält, Zeit, Raum und Kausalität transzendierend. Wir müssen Es auch als das wahrnehmen, das im Universum und allem, was es enthält, lebt und es besitzt.

Dies ist das transzendente, universale und individuelle Brahman, der Herr, der Enthaltende und innewohnende Geist, welcher der Gegenstand aller Erkenntnis ist. Seine Verwirklichung ist die Bedingung der Vollkommenheit und der Weg zur Unsterblichkeit.

* * *

Teil II

Die Mutter

Es gibt kein anderes Bewusstsein als das Höchste Bewusstsein.

Es gibt keinen anderen Willen als den Höchsten Willen.

Es gibt kein anderes Leben als das Höchste Leben.

Es gibt keine andere Persönlichkeit als die Höchste Persönlichkeit,

der Eine und der Alles ist.

* * *

Kapitel 1
Das Verständnis von Schöpfung und Schöpfer

„Auf der einen Seite wird der Sucher sich einer unendlichen und aus sich selbst existierenden Gottheit in ihrem Sein [Ishvara] bewusst, die alle Dinge in einer unsagbar erhabenen Entwicklungsmöglichkeit ihrer Existenz enthält, ein Selbst aller Selbste, eine Seele aller Seelen, eine spirituelle Substanz aller Substanzen, eine unpersönliche unbeschreibliche Existenz, aber zugleich eine grenzenlose Person, die sich hier in zahllosen Persönlichkeiten selbst darstellt, ein Gebieter über das Wissen, ein Gebieter über die Kräfte, ein Herr der Liebe, der Seligkeit und der Schönheit, ein einziger Ursprung der Welten, ein sich selbst Offenbarender und sich selbst Erschaffender, ein kosmischer Geist, ein universales Mental, ein universales Leben, die bewusste und lebendige Wirklichkeit, die die von uns als unbewusste, unbelebte Materie empfundene Welt der Erscheinungen trägt.“ (Sri Aurobindo, The Synthesis of Yoga)

Liebe Mutter, was bedeutet „sich selbst Erschaffender“?

Sich selbst Erschaffender? Das bedeutet, dass Er Sich Selbst erschafft.

Erschaffen ist im Sinn von offenbaren, objektivieren, sichtbar machen gebraucht. So ist es sein eigenes Selbst, das Er offenbart. Er selbst ist es, den Er offenbart, den Er augenfällig, den Er sichtbar macht.

Eigentlich wird das Wort „erschaffen“ meistens in einem anderen Sinn gebraucht: Es bedeutet, etwas aus etwas anderem machen. Deshalb hat Sri Aurobindo „sich selbst Erschaffender“ gesagt, das heißt, Er gibt Sich Selbst eine äußere Form aus Sich Selbst. Es ist eine Änderung der Seinsweise: Statt eine nicht offenbarte Möglichkeit zu sein, wird sie zu einer offenbarten Realität. Sie ist nur umgekehrt, nicht etwas anderes. Es ist dasselbe: Auf diese Weise ist sie nicht zu sehen, auf jene Weise ist sie zu sehen – das ist alles. Man wendet es wieder um, und es ist zu sehen. Man dreht es so, und man sieht es nicht; man dreht es so, und man sieht es. Das ist alles. So einfach.

Es ist dasselbe, das in sich existiert, nicht manifestiert, und das dann, plötzlich, so macht (wegschleudernde Handbewegung). Und es ist genau dasselbe, aber es ist eine Bewegung, die hervortreibt, was im Inneren war. Und das, das macht die Welt. Es ist dasselbe in einer doppelten Bewegung: wie wenn du schläfst und erwachst oder bewegungslos bist und anfängst, dich von der Stelle zu rühren, oder dich still verhältst und Lärm zu machen beginnst, so ist das.

* * *

Kapitel 2
Eine Geschichte zum Verständnis
der Entstehungsweise der Schöpfung

Wir haben die Wahl zwischen vielen Geschichten [über die Schöpfung], die erzählt worden sind, die mehr oder weniger wahr, mehr oder weniger vollständig, mehr oder weniger ausdrucksvoll sind1...

Ich will ganz kurz eine davon erzählen. Nehme sie nicht als Evangelium! Nehme sie vielmehr ... als eine Geschichte.

Als der Höchste beschloss, Sich nach außen zu wenden, um Sich Selbst sehen zu können, war das erste, das Er von Sich nach außen wandte, das Wissen über die Welt und die Macht, sie zu erschaffen. Dieses Wissens-Bewusstsein und diese Kraft begannen ihre Arbeit; und im höchsten Willen war ein Plan, und das erste Prinzip dieses Planes war der Ausdruck essenzieller Freude und essenzieller Freiheit zugleich, die der interessanteste Wesenszug dieser Schöpfung zu sein schien.

Es bedurfte also der Vermittler, um diese Freude und diese Freiheit in Formen auszudrücken. Zunächst wurden vier Wesenheiten ausgesandt, diese universale Entwicklung zu beginnen, die die schrittweise Objektivierung von allem sein sollte, was potenziell im Höchsten enthalten ist. Diese Wesenheiten waren in ihrem Wesensprinzip: Bewusstsein und Licht, Leben, Seligkeit und Liebe sowie Wahrheit.

Man kann sich leicht vorstellen, dass sie das Gefühl großer Macht, großer Stärke, von etwas Gewaltigem hatten, da sie ja wesensmäßig das Prinzip dieser Dinge waren. Außerdem hatten sie eine unbeschränkte Entscheidungsfreiheit, da diese Schöpfung die Freiheit selbst sein sollte ... Sobald sie sich an die Arbeit gemacht hatten – sie hatten ihre eigene Vorstellung davon, wie sie getan werden sollte –, beschlossen sie, sie unabhängig zu tun. Anstatt die Haltung des Dienenden und des Instrumentes einzunehmen, von dem Sri Aurobindo in dem Text spricht, den ich eben vorgelesen habe2, nahmen sie natürlich die Haltung des Herrn ein, und dieser Irrtum – so kann man sagen – war der erste Grund, die Hauptursache für die ganze Unordnung im Universum. Sobald die Trennung vollzogen worden war – denn dies war der Hauptgrund, Trennung –, sobald die Trennung zwischen dem Höchsten und seinen Emanationen vollzogen worden war, wandelte sich Bewusstsein in Nichtbewusstheit, Licht in Dunkelheit, Liebe in Hass, Seligkeit in Leiden, Leben in Tod und Wahrheit in Falschheit. Und sie führten ihre Schöpfung unabhängig durch, in der Trennung und in der Unordnung.

Das Ergebnis ist die Welt, wie wir sie sehen. Sie ist allmählich so geworden, Schritt für Schritt, und das alles zu erzählen, würde wirklich etwas lange dauern, doch der Abschluss schließlich, das ist Materie – dunkel, nichtbewusst, kümmerlich ... Die schöpferische Kraft, von der diese vier Wesenheiten eigentlich zur Erschaffung der Welt ausgesandt worden waren, beobachtete dieses Geschehen und wandte sich an den Höchsten und flehte um das Heilmittel und die Heilung des Übels, das angerichtet worden war.

Da wurde ihr der Befehl gegeben, ihr Bewusstsein in die Nichtbewusstheit, ihre Liebe in dieses Leiden und ihre Wahrheit in diese Falschheit hinabzustürzen. Und ein größeres Bewusstsein, eine umfassendere Liebe, eine vollkommenere Wahrheit als die zuerst ausgesandten tauchte sozusagen in den Schrecken der Materie ein, um dort Bewusstsein, Liebe und Wahrheit zu erwecken und diese Erlösungsbewegung zu beginnen, die das materielle Universum zu seinem höchsten Ursprung zurückführen sollte.

Es hat also so etwas wie „aufeinanderfolgende Involutionen“ in der Materie gegeben, und es gibt eine Abfolge dieser Involutionen. Das gegenwärtige Ergebnis dieser Involutionen ist das Erscheinen des aus dem Nichtbewussten auftauchende Supramental; aber nichts deutet darauf hin, dass es nach diesem Erscheinen nichts anderes mehr geben wird... denn der Höchste ist unerschöpflich und wird immer neue Welten erschaffen.

Das ist meine Geschichte.

* * *

1 Wir können diese Geschichten doch mindestens als ein Mittel für unser kindliches Bewusstsein nehmen, etwas lebendig werden zu lassen, das uns sonst zu fern liegen würde.

2 „Das Schwert hat Freude auf dem Schlachtfeld, der Pfeil hat Frohsinn in seinem Zischen und Hochschießen, die Erde hat Begeisterung in ihrem schwindelnden Wirbel durch den Raum, die Sonne hat die königliche Ekstase ihres strahlenden Glanzes und ihrer ewigen Bewegung. O du deiner selbst bewusstes Instrument, ergreife auch du die Wonne deiner eigenen dir bestimmten Werke.“ (The Supramental Manifestation, SABCL, Vol. 16, p. 288)

Kapitel 3
Der Abstieg der Göttlichen Liebe
und ein ununterbrochener Aufstieg

Infolge des Wirkens der Kräfte der Zerteilung ist das Bewusstsein Nichtbewusstheit geworden, und die Materie wurde so erschaffen, wie sie ist, auf einer Grundlage vollständiger Nichtbewusstheit, dass zwischen dem Ursprung und dem Erschaffenen keinerlei Kontakt mehr möglich schien. Und diese so vollständige Nichtbewusstheit machte eine direkte Herabkunft des göttlichen Bewusstseins in seiner Form der Liebe ohne den Durchgang durch die Zwischenbereiche notwendig. Und diese Herabkunft der Göttlichen Liebe, die die Materie durchdrang und ihrer Zusammensetzung ein neues Element hinzufügte, erlaubte den für uns zwar langsamen, doch ununterbrochenen Aufstieg des Nichtbewussten zum Bewusstsein und der Dunkelheit zum Licht.

...diese Göttliche Liebe, die alles belebt, alles durchdringt, alles trägt und alles auf den Fortschritt und den Aufstieg zum Göttlichen hinführt, wird vom menschlichen Bewusstsein nicht gespürt, nicht wahrgenommen, und der Mensch, soweit er sie wahrnimmt, vermag sie nur schwer zu ertragen; nicht nur, sie zu fassen, sondern sie tolerieren zu können, möchte ich sagen, weil ihre Macht in ihrer Reinheit, ihre Intensität in ihrer Reinheit von einer zu starken Qualität sind, als dass die menschliche Natur sie aushalten könnte. Erst wenn sie verdünnt, verformt, abgeschwächt und sozusagen verdunkelt wird, wird sie für die menschliche Natur annehmbar. Erst wenn sie sich von ihrer wahren Natur und ihrer wesenhaften Qualität entfernt, gewährt der Mensch ihr Zutritt und (lächelnd) bejaht und verherrlicht sie sogar. Sie muss schon sehr aus der Bahn geraten sein, um vom menschlichen Bewusstsein aufgenommen zu werden. Und damit das menschliche Bewusstsein sie in ihrer Fülle und Reinheit annimmt, toleriert und empfängt, muss es göttlich werden.

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Du sagst: „Die Liebe ist überall – in den Pflanzen ist ihre Regung, vielleicht sogar in den Steinen...“ (CWM Vol. 3, pp. 69-70) Wenn es in einem Stein Liebe gibt, wie lässt sie sich erkennen?

Vielleicht sind die verschiedenen Elemente, die den Stein ausmachen, durch den Funken der Liebe untereinander verbunden. Ich bin überzeugt, dass die Materie, als die Göttliche Liebe in sie hinabstieg, völlig ohne Bewusstsein war, sie hatte überhaupt keine Form; man kann sogar sagen, dass Formen ja geradezu ein Ergebnis des Bemühens der Liebe sind, Bewusstsein in die Materie zu bringen. Wenn einer von euch (ich nehme es nicht an, aber immerhin) in das Nichtbewusste hinabsteigen würde, in das, was das reine Nichtbewusste genannt wird, so würdet ihr sehen, was das tatsächlich ist. Im Vergleich damit erschiene euch ein Stein wunderbar bewusst. Ihr sprecht mit Verachtung von einem Stein, weil ihr ein klein wenig mehr Bewusstsein habt als er, doch ist der Unterschied zwischen dem total Nichtbewussten und dem Stein vielleicht größer als der zwischen dem Stein und euch. Und das Herauskommen aus dem Nichtbewussten ist ausschließlich dem Opfer des Göttlichen zu verdanken, dieser Herabkunft der Göttlichen Liebe in die Nichtbewusstheit. Darum hätte ich, als ich sagte: „...vielleicht sogar in den Steinen“, das „vielleicht“ auch weglassen können – ich versichere, dass die Liebe überall ist, ja sogar in den Steinen. Es gäbe nichts – keinen Stein, kein Metall, keine atomare Gestaltung – ohne diese Gegenwart der Göttlichen Liebe.

Die meisten Menschen sagen, dass es ein „Bewusstsein“ gibt, wenn sie anfangen zu denken – wenn man nicht denkt, sei man nicht bewusst. Doch sind Pflanzen vollkommen bewusst, und doch denken sie nicht. Sie haben sehr präzise Empfindungen, die Ausdruck eines Bewusstseins sind, aber sie denken nicht. Tiere beginnen zu denken, und ihre Reaktionen sind viel komplexer. Aber sowohl Pflanzen als auch Tiere sind bewusst. Man kann sich einer Empfindung bewusst sein, ohne den geringsten Gedanken zu haben.

Gab es die stoffliche Substanz vor der Herabkunft der Göttlichen Liebe?

Man kann nicht sagen, es habe eine stoffliche Substanz gegeben. Das Nichtbewusste ist eben das Nichtbewusste. Ich weiß nicht, wie ich es dir erklären soll. Wenn es eine Verneinung von etwas gibt, dann ist es wahrhaftig das Nichtbewusste. Es ist die Verneinung von allem. Es hat nicht einmal das Vermögen der Leere. Man muss dort hinabgestiegen sein, um zu wissen, was es ist... Worte können es nicht beschreiben. Es ist die Verneinung von allem, weil alles mit dem Bewusstsein beginnt. Ohne Bewusstsein ist nichts.

Gab es Wesen vor dieser Herabkunft der Liebe? Hatten sie Bewusstsein?

Es gab keine irdischen Wesen. Die irdische Welt, die Erde, entstand nach der Herabkunft in das Nichtbewusste, nicht vorher.

Die stufenweise Entstehung der verschiedenen Seinszustände, vom Höchsten bis zum stofflichsten Bereich, kam später als das Nichtbewusste. Als das Bewusstsein seine Schöpfung „begann“ (nimm, was ich sage, nicht allzu wörtlich, als erzählte ich eine kleine Geschichte von einem anderen Land, denn das ist es nicht; ich versuche lediglich, dir etwas klarzumachen), da war das erste, was dies schöpferische Bewusstsein offenbarte, gerade eine Ausstrahlung von Bewusstsein – von bewusstem Licht –, und als diese Ausstrahlung sich von ihrem Ursprung trennte, entstand das Nichtbewusste, als Gegensatz – wie das sagen? ... ja, wirklich im Gegensatz dazu. Folglich geht die Geburt des Nichtbewussten der Entstehung der Welten voraus, und erst als die Wahrnehmung kam, dass das ganze Universum umsonst geschaffen würde, erhob sich ein Ruf und stürzte sich die Göttliche Liebe in das Nichtbewusste, um es in Bewusstsein zu wandeln. Darum lässt sich sagen, dass die Entstehung der stofflichen Welten, so wie wir sie kennen, Ergebnis der Herabkunft des höchsten Bewusstseins in das Nichtbewusste ist. Man kann nicht sagen, dass es davor etwas gegeben habe, Dinge, wie wir sie in der stofflichen Welt kennen (ich entschuldige mich für die Unbestimmtheit meiner Worte).

Die Bildung der Erde, wie wir sie kennen, dieser winzige Punkt im ungeheuren Universum, ist dazu geschaffen worden, die Bemühung der Transformation auf einen Punkt zu sammeln; sie ist wie ein im Universum geschaffener symbolischer Punkt, um – durch unmittelbares Wirken an einem Punkt – auf das gesamte Weltall ausstrahlen zu können.

Wenn wir das Problem ein wenig verständlicher machen wollen, genügt es, uns auf die Schöpfung und die Geschichte der Erde zu beschränken, weil sie ein gutes Sinnbild der universalen Geschichte ist.

Vom astronomischen Gesichtspunkt aus ist die Erde nichts, ein ganz winziger Zwischenfall. Vom spirituellen Gesichtspunkt aus ist sie eine willentliche symbolische Formation. Und wie ich schon sagte, findet sich nur auf der Erde diese Gegenwart, dieser unmittelbare Kontakt mit dem höchsten Ursprung, diese Gegenwart des göttlichen Bewusstseins, das sich in allem birgt.

Die anderen Welten sind mehr oder weniger abgestuft organisiert, wenn man so sagen kann, aber die Erde ist eine besondere Formation, dank dem unmittelbaren Eingreifen – ohne Mittler – des höchsten Bewusstseins in das Nichtbewusste.

Bestehen die Sonnenteilchen aus demselben Stoff wie die Erde?

Ich habe betont, dass dies Ausstrahlen eine symbolische Schöpfung war und alles Wirken an diesem besonderen Punkt seine Auswirkung im gesamten Weltall hatte; erinnere dich daran und komme nicht damit, die Erde stamme von einem aus der Sonne projizierten Element, oder ein Nebel habe sich ausgebreitet und die Sonne und all ihre Satelliten gebildet usw.

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Der Zustand, in dem ich mich befand, war eine Erinnerung, eine ewig gegenwärtige Erinnerung, an dies Bewusstsein der höchsten Liebe, das der Herr auf die Erde ausgestrahlt hat, in die Erde – in die Erde hinein –, um sie zu Ihm zurückzubringen; denn das war wirklich der Abstieg in die absolute Leugnung des Göttlichen, die Verneinung der eigentlichen Essenz der göttlichen Natur, folglich das Aufgeben des göttlichen Zustands, um die irdische Dunkelheit anzunehmen und die Erde in den göttlichen Zustand zurückzuführen. Und solange nicht diese höchste Liebe hier auf der Erde allgewaltig bewusst wird, kann die Rückkehr niemals endgültig sein.

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Дата выхода на Литрес:
26 мая 2021
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ISBN:
9783963870644
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