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Der sonnenhelle Pfad

Ausschnitte aus Gesprächen und Schriften der Mutter

Die Mutter


SRI AUROBINDO

DIGITAL EDITION


Copyright 2020

AURO MEDIA

Verlag und Fachbuchhandel

Wilfried Schuh

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eBook Design


SRI AUROBINDO DIGITAL EDITION

Deutschland, Berchtesgaden

Der sonnenhelle Pfad Auszüge aus den Werken der Mutter Deutsche Übersetzung: Ulrike Breuer 2. überarbeitete Aufl. 2020 ISBN 978-3-937701-52-3

Titel der englischen Ausgabe:

The Sunlit Path Neuauflagen: 1987, 1989


© Fotos und Textauszüge Sri Aurobindos und der Mutter:

Sri Aurobindo Ashram Trust

Puducherry, Indien

Anmerkung des Herausgebers

Die Texte dieser Kompilation sind eine Auswahl aus den gesammelten Werken der Mutter. Fast alle wurden ihren Gesprächen entnommen, einige ihren Schriften.

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InhaltTitelseiteCopyrightAnmerkung des HerausgebersZitat der Mutter1. DER RUFDas große AbenteuerDas erhabenste aller AbenteuerEin entscheidender Wendepunkt2. DER WERT DER ERZIEHUNGWir träumen von WundernDie Kunst des LebensMan braucht ErziehungBeherrsche deine ImpulseDie Vernunft muss der Meister seinDie Vernunft entwickelt sich, indem man von ihr Gebrauch machtErziehung: Vorbereitung des BewusstseinsDie Wünsche eines KindesWahres Bedürfnis und BegehrenGib die Begierde aufErringe deine kleinen SiegeÄndere dich selbst zuerst3. MORAL, RELIGION, YOGASpiritualität und MoralHat uns die Moral nicht geholfen?Der Menschheit dienenReligionYoga und ReligionSri Aurobindos Lehre und ReligionDer Entschluss zum YogaEin Ruf für den Pfad4. HINGABE, SELBSTDARBRINGUNG, DEMUTZwei Pfade des YogaHingabe und YogaWahre Hingabe lässt dich weiter werdenDie wichtigste HingabeYoga wird durch Darbringung wirksamLeere KontemplationAsketische MethodenÄußere DisziplinWahre DemutEiner, der sehr wenig weißÖffne dich, sei bescheiden5. AUFRICHTIGKEIT, SCHWÄCHE, WILLENSKRAFTAufrichtigkeitVollkommene AufrichtigkeitUnglücklichsein und UnaufrichtigkeitDer psychische SpiegelSchlechte Regungen und GedankenBringe die falschen Regungen darDie positiven und die negativen SeitenWachsamkeitVerweigere dich den niederen RegungenBeginne von außenInnere ReinheitSelbstbeschuldigungBewahre dich vor VerzweiflungMan entscheidet sich dazu, schwach zu seinIn den Irrtum zurückfallenDen Willen stärkenWahrhaft wollen können6. ANDERE MENSCHEN UND KRÄFTEAndere sind ein SpiegelBeleidigungen: Bleibe unbewegtSei gut um des Gutseins willenDer einzige AuswegEntziehe dich anderen EinflüssenÖffne dich nur dem GöttlichenZurücktretenAngriffe von gegnerischen KräftenAngriff durch eine gegnerische KraftDas Loch, das durch Prahlen entsteht7. MUT, AUSDAUER, BEMÜHUNGAngst ist eine UnreinheitAngst: Ein Mangel an VertrauenDie Angst überwindenWahrer MutVergnügen und SchmerzDer Grund für SchicksalsschlägeViele Schläge sind notwendigLasse dich niemals entmutigenWenn man Ausdauer hatZahle den PreisBemühung schenkt Freude8. EMPFÄNGLICHKEIT UND SEHNSUCHTDie universale vitale KraftEmpfänglichkeit für die universalen KräfteDrei Quellen vitaler KraftAktivität und Passivität in der SadhanaDie Flamme und die VaseSehnsucht und EmpfänglichkeitFinde jenes EtwasSehnsucht ist wie ein Pfeil9. KONZENTRATION, MEDITATION, ARBEITDie Aufmerksamkeit konzentrierenKonzentrationKonzentriere dich im Zentrum der SehnsuchtDynamische MeditationMeditation und FortschrittMeditiere in allen UmständenKontrolle des KörpersDer Körper braucht Betätigung„Erinnere und überantworte Dich“10. DAS GÖTTLICHE WERKDie drei SiegeKomm‘ um des göttlichen Werkes willenWarum dieses göttliche Werk?Wahre IntegritätDas göttliche Werk tun11. FRIEDEN UND RUHEDie Illusion des HandelnsLerne, still zu sein„Friede, Friede, Friede“Setze dich ruhig niederMache dein Bewusstsein weitÖffne dich den höheren Regionen12. DER SPIRIT UND DAS PSYCHISCHE WESENSpirituelle ErfahrungKomm‘ heraus aus Worten„Damit“ in Kontakt tretenGeburt in den SpiritEine Wende des BewusstseinsDer Kontakt mit unserem psychischen WesenDas psychische WesenDer Tempel in dirDer Wert des physischen KörpersDie Arbeit des psychischen WesensSchwierigkeiten und das psychische WesenDas Psychische und die WahrheitDas Wissen des PsychischenYoga mit dem Kopf machenDas Herz hat Schwingen13. EGO UND SELBSTHINGABEKomm‘ aus deinem Ego herausDie harte Schale des EgoZerschneide den Knoten des EgoDas Ego und „Ziehen“Versuche niemals, die Kraft herabzuziehenGib, anstatt zu nehmenGib allesMache deinen Willen zum GeschenkÜbergib deinen WillenDer göttliche Wille ist unverkennbarDen göttlichen Willen kennenDie rechte Haltung14. GLAUBE UND GNADEBewahre den GlaubenGlaube durch SehnsuchtEin kindliches VertrauenÜber seinen Glauben wachenDas Ausmaß der GnadeDas Verlangen nach der GnadeDie Gnade und der SünderIdentifiziere dich mit der Gnade15. SEINE GEDANKEN KONTROLLIERENSchlechte GedankenUnerfreuliche GedankenKonzentriere dich auf das, was du sein möchtestVorstellungskraftDie Vorstellungskraft öffnet den PfadDie Atmosphäre, die du erzeugstErschaffe dir deine eigene Atmosphäre16. MENTAL UND SINNE ENTWICKELNTue viele verschiedene DingeErziehung und FreiheitMentale BildungOrganisiere dein LebenDie eigene Weise zu denkenKristallisiere dein DenkenSich an Gelerntes erinnernWissen ist in dirLesen, das aufwecktSri Aurobindos Schriften lesenMusik hörenDer Sinn für SchönheitEin Gefühl der DankbarkeitWahre KunstKunst und YogaLebendige KunstErzähle eine schöne Geschichte17. WELTLICHE ANGELEGENHEITENDer Materialismus der modernen ZeitEsau und JakobErfolg und MisserfolgVollkommener GleichmutEin vollkommenes GeschenkGeld ist wertvoll, wenn es ausgegeben wirdGeld gehört niemandemProduktionHabe Achtung vor den DingenDas Problem der NahrungEsse mit MaßBringe deine Nahrung dem Göttlichen darRauchen, Trinken und DrogenTrinken und Drogen: SelbstkontrolleTabak und AlkoholSexualität und YogaDer sexuelle ImpulsLieben könnenWissen, was Liebe istDie göttliche Liebe ist daVor dem EinschlafenKranksein unterbindenDer sterbende MenschReligiöse ZeremonieReligiöse ÜbungenSpirituelles Leben Ost und West18. WORTE, MEINUNGEN, URTEILEDein MantraSprich nur die notwendigen WorteLästern erniedrigt dichDein Denken erweiternSich in anderer Leute Angelegenheiten mischenAndere beurteilenDie Menschheit ist unfähig zu urteilen19. TUGEND, REINHEIT, FREIHEITLache mit dem HerrnDas Bedürfnis, tugendhaft zu seinVollständige ReinheitDas Recht, frei zu seinFreiheit: kein BefriedigenFreiheit und AskeseFreiheit und DienenFreiheit und Hingabe20. BEMÜHUNG, GEDULD, FORTSCHRITTGehe weiterBefreie dich von allen FesselnMentale Strukturen und FortschrittVorgefasste VorstellungenDie Freude am FortschrittStrebe ohne UngeduldLebe in der EwigkeitZeit: Freund oder Feind?Die Bemühung um FortschrittHorizontaler und vertikaler FortschrittWahrer FortschrittDu musst dich entscheidenNichts ist getan, bis alles getan ist„Andere tun es nicht“Dein bester Freund21. DAS GÖTTLICHE, DIE WELT UND DER MENSCHVerlasse dich allein auf das GöttlicheBitte das GöttlicheDas Göttliche findenDas Göttliche kennenlernenGott hat Sinn für HumorDer Atheist und der GläubigeDie materielle WeltDas Göttliche ist kein FremderGott und seine SchöpfungGott und das UniversumDer Herr veranstaltet ein SchauspielDer Herr spielt mit all diesemErlaube dem Herrn, alles zu tunLass das All-Bewusstsein entscheidenDein Wille gescheheDer Druck des BewusstseinsANHANGLebensskizze der MutterGlossarQuellennachweisGuideCoverInhaltsverzeichnisStart


Die Mutter

Halte meine Worte nicht für eine Lehre. Stets sind sie eine wirkende Kraft. Sie wurden zu einem ganz bestimmten Zweck geäußert, und sie verlieren ihre eigentliche Macht, wenn sie von diesem Zweck getrennt sind. — Die Mutter

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Kapitel 1
DER RUF
Das große Abenteuer

Wir sind in einer ganz besonderen Situation, einer höchst besonderen, einer bisher noch nie dagewesenen. Wir werden jetzt zu Zeugen der Geburt einer neuen Welt. Sie ist sehr jung, sehr schwach – nicht in ihrem Wesenskern, sondern in ihrer äußerlichen Manifestation – noch nicht erkannt, nicht einmal gefühlt, ja sogar von der Mehrheit verleugnet. Aber sie existiert. Sie ist hier und bemüht sich zu wachsen. Dabei ist sie sich ihres Erfolges vollkommen sicher. Aber der Weg dorthin ist ein vollständig neuer, einer, der niemals vorher beschritten wurde – dort ist noch niemand gegangen, niemand hat das getan! Es ist ein Anfang, ein universaler Anfang. Deshalb ist es ein völlig unerwartetes und unbestimmbares Abenteuer.

Es gibt Menschen, die das Abenteuer lieben. Diese sind es, die ich rufe, und ich sage ihnen dies: „Ich lade euch ein zu einem großen Abenteuer.“

Es geht nicht darum, spirituell zu wiederholen, was andere vor uns getan haben, denn unser Abenteuer beginnt jenseits davon. Es geht um eine neue Schöpfung, eine ganz und gar neue, mit all den unvorhersehbaren Geschehnissen, den Risiken und Wagnissen, die sie mit sich bringt – ein wirkliches Abenteuer, dessen Ziel der sichere Sieg ist, zu dem wir den Weg jedoch nicht kennen und der im Unerforschten Schritt für Schritt ausfindig gemacht werden muss. Etwas, das es im gegenwärtigen Universum noch niemals gegeben hat und das es niemals auf dieselbe Weise geben wird. Wenn dich das interessiert... nun, lass uns die Reise antreten. Was dir morgen widerfährt – ich weiß es nicht.

Wir müssen alles Vorherberechnete, alles Ersonnene, alles Konstruierte ablegen und dann... aufbrechen in das Unbekannte. Und – komme was wolle! So steht es.

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Das erhabenste aller Abenteuer

Es gibt einen Zeitpunkt, in dem das Leben, so wie es ist, das menschliche Bewusstsein, so wie es ist, als etwas erscheinen, das zu ertragen absolut unmöglich ist. Es verursacht eine Art Abscheu und Widerwillen. Man sagt: „Nein, das ist es nicht, das ist es nicht. Das kann es nicht sein, das kann nicht so weitergehen.“ Nun, wenn man dahin gekommen ist, dann bleibt nur eins, alles von sich hineinzuwerfen – seine ganze Bemühung, seine ganze Kraft, sein ganzes Leben, sein ganzes Sein, in diese Chance, in diese, wenn du so willst, außergewöhnliche Gelegenheit, die sich darbietet, um auf die andere Seite überzuwechseln. Welch` eine Erleichterung, seinen Fuß auf einen neuen Pfad zu setzen, auf den, der dich ganz woanders hinführt! Das ist die Mühe wert, sich von viel Gepäck zu befreien und viele Dinge loszuwerden, um zu diesem Sprung fähig zu sein. So sehe ich das Problem.

Tatsächlich ist es das erhabenste aller Abenteuer, und trägt man die leiseste Spur eines wahren Abenteuergeistes in sich, dann lohnt es sich, alles für alles zu wagen.

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Ein entscheidender Wendepunkt

Im Augenblick sind wir an einem entscheidenden Wendepunkt in der Geschichte der Erde, wieder einmal. Von jeder Seite werde ich gefragt: „Was wird geschehen?“ Überall ist Qual, Erwartung, Angst. „Was wird geschehen?...“ Es gibt nur eine Antwort: „Wenn der Mensch nur einwilligen könnte, spiritualisiert zu werden!“

Und vielleicht reichte es, wenn einige einzelne zu reinem Gold würden, denn das wäre genug, den Lauf der Dinge zu ändern.... Wir sind mit dieser Notwendigkeit in sehr dringender Weise konfrontiert.

Dieser Mut, dieser Heroismus, den das Göttliche von uns verlangt, warum sollten wir ihn uns nicht nutzbar machen, um die eigenen Schwierigkeiten zu bekämpfen, die eigenen Unvollkommenheiten, die eigenen Unklarheiten? Warum nicht heldenhaft das Feuer innerer Läuterung auf sich nehmen, so dass es nicht notwendig wird, noch einmal durch eine dieser furchtbaren, gigantischen Zerstörungen hindurchzugehen, die eine gesamte Zivilisation in die Finsternis stürzt?

Das ist das Problem, das sich uns stellt. Jeder muss es auf seine eigene Weise lösen.

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Kapitel 2
DER WERT DER ERZIEHUNG
Wir träumen von Wundern

Man träumt von Wundern, wenn man jung ist, man möchte, dass alle Schlechtigkeit verschwindet, dass alles immer leuchtend, schön und glücklich ist, man liebt Geschichten mit gutem Ausgang. Das ist es, worauf man vertrauen sollte. Wenn der Körper seine Nöte, seine Beschränkungen fühlt, dann muss man seinen Traum darauf errichten – auf eine Kraft, der keine Grenzen gesetzt sind, eine Schönheit, der keine Hässlichkeit anhaftet und wunderbare Fähigkeiten: Man träumt, man wäre imstande, sich in die Lüfte zu erheben, zu sein, wo immer es notwendig ist, man träumt, Dinge zurechtzurücken, wenn sie schiefgehen, davon, Krankheiten zu heilen. In der Tat, man hat alle möglichen Träume, wenn man sehr jung ist.... Gewöhnlich verbringen Lehrer oder Eltern ihre Zeit damit, kaltes Wasser darüber zu schütten, indem sie dir erzählen: „Oh, das ist ein Traum, das ist nicht die Wirklichkeit.“ Sie sollten das genaue Gegenteil tun! Man sollte Kinder lehren: „Ja, das ist es, was du versuchen musst zu verwirklichen, und es ist nicht nur möglich, sondern eine Gewissheit, wenn du mit dem Teil in dir in Kontakt kommst, der fähig ist, dieses zu tun. Das ist es, was dein Leben führen und woran du es ausrichten solltest, wodurch du dich auf die wahre Realität hin entwickelst, die die gewöhnliche Welt Illusion nennt.“

So sollte es sein, anstatt Kinder zur Mittelmäßigkeit mit jenem stumpfen gewöhnlichen Menschenverstand zu erziehen, der zu einer unausrottbaren Gewohnheit wird und, sobald irgend etwas gut läuft, im Menschen unmittelbar die Vorstellung hervorbringt: „Oh, das hat keine Dauer!“, wenn jemand freundlich ist, den Eindruck: „Oh, es wird sich ändern!“, wenn man eine Fähigkeit zu etwas hat: „Oh, morgen werde ich es bestimmt nicht so gut machen.“ Das ist wie eine Säure, eine zerstörerische Säure im Wesen, die Hoffnung, Gewissheit und Vertrauen in zukünftige Entwicklungsmöglichkeiten zerfrisst.

Wenn ein Kind von Begeisterung erfüllt ist, schütte niemals kaltes Wasser darauf, sage ihm niemals: „Du weißt, so ist das Leben nicht!“ Du solltest es immer ermutigen, ihm sagen: „Ja, im Augenblick sind die Dinge nicht immer so, sie erscheinen hässlich, aber dahinter ist eine Schönheit, die versucht, sich zu verwirklichen. Das ist es, was du lieben und zu dir hinziehen solltest, was du zum Gegenstand deiner Träume und Sehnsüchte machen solltest.“

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Die Kunst des Lebens

Gewöhnlich lehrt man dich sehr wenige Dinge – man lehrt dich nicht einmal zu schlafen. Leute glauben, sie müssten sich nur in ihr Bett legen und dann schliefen sie. Aber das ist nicht wahr! Man muss lernen zu schlafen, wie man lernen muss, zu essen oder überhaupt irgend etwas zu tun. Und wenn man nicht lernt, nun, dann macht man es schlecht! Oder man braucht Jahre und Jahre, um es zu begreifen, und während all dieser Jahre, in denen man die Dinge schlecht erledigt, geschieht alles mögliche Unangenehme. Und erst, nachdem man viel gelitten, viele Fehler gemacht und viele Dummheiten begangen hat, erst dann beginnt man zu wissen, wie man etwas zu tun hat. Aber wenn sich, als du ganz klein warst, deine Eltern oder die, die sich um dich kümmerten, die Mühe gemacht hätten, dich zu lehren, das, was du tust, richtig zu tun, wie es getan werden sollte, auf die rechte Weise, dann würde dir das helfen, alles zu vermeiden – all diese Fehler, die du im Laufe der Jahre begehst. Und nicht nur, dass du Fehler machst – es sagt dir auch niemand, dass es welche sind! Und deshalb bist du überrascht, dass du krank wirst, müde bist, nicht weißt, wie du tun sollst, was du tun möchtest und was dir niemand gezeigt hat. Einige Kinder unter richtet man in nichts, und deshalb brauchen sie Jahre und Jahre und Jahre, nur um die einfachsten Sachen zu lernen, sogar die absolut elementarste Sache: sauber zu sein....

Auf die rechte Weise zu leben, ist eine sehr schwierige Kunst, und wenn man damit nicht ganz jung anfängt und sich bemüht, dann versteht man es nie sehr gut. Nur die Kunst, den Körper bei guter Gesundheit, sein Mental ruhig und einen guten Willen im Herzen zu bewahren – Dinge, die unentbehrlich sind, um in anständiger Weise zu leben – ich sage nicht in sorgloser, ich sage nicht in bemerkenswerter Weise, ich sage nur in anständiger Weise. Nun, ich glaube nicht, dass es viele gibt, die sich darum bemühen, ihren Kindern das beizubringen.

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Man braucht Erziehung

Du glaubst, man schickt dich zur Schule und lässt dich Übungen machen, nur zu dem Vergnügen, dich zu ärgern? Oh, nein! Es geschieht deshalb, weil ein Rahmen, in dem du lernen kannst, dich zu formen, unentbehrlich für dich ist. Wenn du das Werk der Individualisation, der totalen Gestaltung, selbständig, ganz allein in einer Ecke vollbrächtest, dann würde nichts von dir gefordert. Aber das tust du nicht, das würdest du nicht tun, es gibt kein einziges Kind, das es täte. Es wüsste nicht einmal, wie es das anfangen, wo es beginnen sollte. Wenn man ein Kind nicht lehrte zu leben, könnte es das nicht, es könnte nichts, gar nichts.... Wenn jeder durch alle Erfahrungen, die zur Entwicklung einer Individualität notwendig sind, hindurchgehen müsste, wäre er tot, lange bevor er zu leben angefangen hätte! Es ist ein Vorteil, wenn jene, die über die aus Jahrhunderten angesammelten Erfahrungen verfügen, dir sagen: „Nun, wenn du schnell vorankommen und in einigen wenigen Jahren das in Jahrhunderten erworbene Wissen kennenlernen willst, dann tue dies hier!“ Lies, lerne, studiere und dann wird man dich im physischen Bereich lehren, dieses auf diese, jenes auf jene und dieses wieder auf diese Weise zu tun (Gesten). Sobald du über ein wenig Wissen verfügst, kannst du deine eigene Methode erarbeiten, falls du die Begabung dazu hast. Aber zuerst musst du auf deinen eigenen Füßen stehen und laufen können. Es ist sehr schwer, das ganz alleine zu lernen. Das ist für jeden gleich. Man muss sich selbst formen. Deshalb braucht man Erziehung.

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Beherrsche deine Impulse

Die Arbeit deiner Erzieher ist es, dich von jungen Jahren an zu lehren, deine Impulse zu beherrschen und nur jenen zu gehorchen, die sich im Einklang mit den Gesetzen, nach denen du lebst, befinden oder mit dem Ideal, dem du folgen möchtest oder mit den Gebräuchen deiner Umgebung. Der Wert dieser mentalen Konstruktion, welche deine inneren Regungen lenken wird, hängt zu einem großen Teil von dem Umfeld, in dem du lebst, und dem Charakter der Eltern oder der Leute ab, die dich erziehen. Aber ob es gut ist oder schlecht, mittelmäßig oder vortrefflich, es ist immer das Ergebnis einer mentalen Kontrolle über die inneren Impulse. Wenn deine Eltern dir sagen: „Das solltest du nicht tun“, oder: „Das musst du tun“, dann ist das der Anfang der Erziehung zur mentalen Kontrolle über die inneren Regungen.

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Die Vernunft muss der Meister sein

Es ist eine gute Sache, dass wir in einem frühen Alter zu lernen beginnen, dass der Verstand der Herr des Hauses sein muss, wenn wir ein taugliches Leben führen und unserem Körper das Höchstmaß dessen abringen wollen, das er fähig ist zu geben. Und das ist keine Frage von Yoga oder höherer Realisation, sondern etwas, das überall gelehrt werden sollte, in jeder Schule, jeder Familie, jedem Zuhause: Der Mensch wurde erschaffen, ein mentales Wesen zu sein, und nur um ein Mensch zu sein – wir sprechen von nichts anderem, nur davon, ein Mensch zu sein – muss das Leben von der Vernunft, nicht aber von vitalen Regungen beherrscht sein. Darin sollte man alle Kinder von früher Kindheit an unterweisen.... Das erste, das man jedem Menschen, sobald er zu denken imstande ist, beibringen sollte, ist, dass er der Vernunft, die ein Über-Instinkt der menschlichen Gattung ist, gehorchen sollte. Die Vernunft ist der Meister der menschlichen Natur. Wir müssen der Vernunft folgen und uns völlig weigern, der Sklave von Instinkten zu sein. Und hier spreche ich zu euch nicht von Yoga oder vom spirituellen Leben, ganz und gar nicht, damit hat es nichts zu tun. Es ist die fundamentale Weisheit menschlichen Lebens, bloßen menschlichen Lebens. Jeder Mensch, der auf irgend etwas anderes hört als auf die Vernunft, ist eine Art Bestie, niederer als ein Tier. Das ist alles. Und das sollte überall gelehrt werden. Das ist die grundlegende Erziehung, die allen Kindern zukommen sollte.

Die Herrschaft der Vernunft darf erst mit dem Erscheinen des psychischen Gesetzes, das den göttlichen Willen offenbart, ein Ende finden.

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Die Vernunft entwickelt sich, indem man von ihr Gebrauch macht

Wie kann man die Vernunft entwickeln?

Oh! Indem man von ihr Gebrauch macht. Die Vernunft entwickelt sich wie die Muskeln, wie der Wille. Alle diese Dinge wachsen durch deren vernünftigen Gebrauch. Vernunft! Jeder besitzt Vernunft, nur wendet man sie nicht an. Einige Leute fürchten sich sehr vor der Vernunft, weil sie zu ihren Impulsen im Widerspruch steht. Deshalb ziehen sie vor, ihr nicht zu folgen. Natürlich, wenn man es sich zur Gewohnheit gemacht hat, der Vernunft nicht zu gehorchen, anstatt sie zu entfalten, dann verliert sie mehr und mehr an Leuchtkraft.

Die Vernunft zu fördern – das musst du aufrichtig wollen. Wenn du dir auf der einen Seite sagst: „Ich möchte meine Vernunft stärker werden lassen“, und auf der anderen Seite dem nicht nachkommst, was sie dir gebietet, dann wirst du es niemals zu etwas bringen, denn natürlich, wenn sie dir befiehlt: „Tu` das nicht!“ oder: „Tu das!“, und du tust das Gegenteil, dann wird sie es sich abgewöhnen, überhaupt irgend etwas zu sagen.

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Erziehung: Vorbereitung des Bewusstseins

Gewöhnlich gehören alle Erziehung, alle Bildung, alle Verfeinerung der Sinne und des Wesens zu den besten Wegen für die Überwindung von Instinkten, Begierden und Leidenschaften. Diese Dinge auszumerzen, befreit nicht von ihnen. Sie zu kultivieren, zu intellektualisieren, zu veredeln, das ist der sicherste Weg. Fortschritt und Wachstum die größtmögliche Entfaltung zu gewähren, einen gewissen Sinn für Genauigkeit und Harmonie zu erwerben, das ist ein Teil der geistigen Bildung des Wesens, der Erziehung des Wesens....

Erziehung ist sicherlich ein besonders geeignetes Mittel zur Vorbereitung des Bewusstseins auf einen höheren Entwicklungsstand. Es gibt Menschen von sehr grober und einfacher Art, deren Sehnsucht und Streben groß sein und die eine gewisse spirituelle Entwicklungshöhe erreichen können, aber die Grundlage wird immer von minderwertiger Beschaffenheit bleiben, und sobald sie in ihr gewöhnliches Bewusstsein zurückkehren, werden sie dort Hindernisse finden, denn der Stoff ist zu dünn, es gibt in ihrem vitalen und physischen Bewusstsein nicht genügend Elemente, die sie dazu befähigen, der Herabkunft einer höheren Macht standzuhalten.

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Die Wünsche eines Kindes

Liebe Mutter, wie können wir einem Kind dabei helfen, die Gewohnheit des ständigen Forderns abzulegen?

Es gibt viele Möglichkeiten. Aber zuallererst musst du wissen, ob du es nur davon abhältst, frei auszusprechen, was es denkt und fühlt. Denn das ist es, was Leute normalerweise tun. Sie schimpfen, manchmal bestrafen sie es sogar; und auf diese Weise entwickelt das Kind die Gewohnheit, seine Wünsche zu verbergen. Aber es ist ihrer nicht enthoben. Und weißt du, wenn man ihm immer sagt: „Nein, das bekommst du nicht“, dann wird sich nur diese innere Einstellung in ihm festsetzen: „Ah, wenn man klein ist, geben einem die Leute nichts. Ich muss warten, bis ich groß bin. Wenn ich groß bin, werde ich alles haben, was ich will.“ So ist das. Aber das befreit es nicht. Es ist sehr schwierig, ein Kind aufzuziehen. Ein Weg besteht darin, ihm alles zu geben, was es will; und natürlich, in der nächsten Minute will es etwas anderes, denn das ist das Gesetz, das Gesetz des Begehrens: nie zufrieden zu sein. Und deshalb, falls es intelligent ist, kann man dem Kind sagen: „Aber sieh mal, du wolltest dies so gern haben, und jetzt interessierst du dich nicht mehr dafür. Du möchtest etwas anderes.“ Jedoch, wenn es sehr klug ist, würde es antworten: „Nun, die beste Art, mich zu kurieren ist, mir zu geben, wonach ich verlange.“

Einige Leute halten ihr ganzes Leben an dieser Vorstellung fest. Wenn man ihnen sagt, sie sollten ihre Wünsche überwinden, antworten sie: „Die einfachste Art ist es, sie zu befriedigen.“ Diese Art Logik scheint unangreifbar. Tatsache ist, dass nicht der Gegenstand des Wünschens ausgetauscht, sondern der Wunschtrieb und die Wunschregung als solche verändert werden müssen. Hierfür ist eine ganze Menge Wissen erforderlich, und das ist für ein sehr kleines Kind sehr schwierig....

Tatsächlich sollte man damit anfangen, die Bestrebungen auf solche Dinge zu lenken, die zu besitzen vom Standpunkt der Wahrheit aus besser ist und die schwieriger zu beschaffen sind. Wenn man die Triebkraft des Wünschens hinwenden könnte auf... z.B. wenn man einem Kind, das voller Wünsche steckt, zu einem Wunsch höherer Art verhelfen könnte – statt eines Wunsches rein materieller Natur, verstehst du, einer ganz flüchtigen Befriedigung – wenn man in ihm den Wunsch nach Wissen, den Wunsch zu lernen, den Wunsch, ein ungewöhnlicher Mensch zu werden, erwecken könnte – beginne damit, auf diese Weise. Da diese Dinge schwer zu tun sind, wird das Kind seinen Willen allmählich dafür ausbilden. Oder vermittele ihm, aus materieller Sicht, den Wunsch, etwas Schwieriges zu tun, z.B. ein kompliziert herzustellendes Spielzeug zu bauen – oder gib ihm ein Geduldsspiel, das großer Beharrlichkeit bedarf.

Wenn man sie – und das verlangt viel Urteilsvermögen, viel Geduld, aber es ist möglich – wenn man sie auf etwas dieser Art ausrichten kann, wie in sehr schwierigen Spielen erfolgreich zu sein oder etwas auszuarbeiten, das viel Sorgfalt und Aufmerksamkeit erfordert und sie in diese Richtung zu schieben vermag, so dass sich in ihnen ein ausdauernder Wille übt, dann kann dies Ergebnisse haben: lenke ihr Augenmerk von bestimmten Dingen ab und auf andere hin. Das bedarf ständiger Mühe, und das scheint ein Weg zu sein, der, ich kann nicht sagen, der leichteste, denn er ist sicherlich nicht leicht, aber der wirkungsvollste ist.

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Wahres Bedürfnis und Begehren

Es ist sehr schwierig, den Grenzbereich zwischen wahrem Bedürfnis und Begehren zu finden.... Und da stehen wir tatsächlich einem Problem gegenüber, das uns eine außergewöhnliche Aufrichtigkeit abnötigt, denn das Vital tritt im Leben zuallererst durch das Begehren hervor – und dennoch, es gibt Lebensnotwendigkeiten. Aber wie können wir wissen, ob etwas wirklich notwendig und nicht ein Begehren ist? .... Dafür musst du dich selbst sehr, sehr genau beobachten, und wenn es etwas gibt, das in dir so etwas wie ein kleines, intensives Vibrieren hervorruft, dann darfst du sicher sein, dass da ein Begehren begraben liegt. Du sagst z.B.: „Diese Nahrung ist notwendig für mich“, du glaubst, stellst dir vor, denkst, du brauchst dieses oder jenes, und du findest die notwendigen Mittel, dir diese Sache zu beschaffen. Um zu erkennen, ob es ein Bedürfnis oder ein Begehren ist, musst du dich selbst sehr genau anschauen und dich fragen: „Was wird geschehen, wenn ich es nicht bekomme?“ Wenn dann die unmittelbare Antwort ist: „Oh, das wird sehr schlimm sein“, dann kannst du sicher sein, dass es sich um ein Begehren handelt. So ist das mit allem. Bei jedem Problem ziehe dich zurück, betrachte dich und frage: „Lass sehen, werde ich diese Sache erhalten?“ Wenn in diesem Augenblick etwas freudig in dir auffährt, kannst du sicher sein, da besteht ein Begehren. Wenn dir andererseits etwas sagt: „Oh, das werde ich nicht bekommen“, und du dich sehr niedergeschlagen fühlst, dann ist es wiederum ein Begehren.

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Gib die Begierde auf

Buddha hat gesagt, im Überwinden eines Begehrens liege eine größere Freude als in seiner Befriedigung. Es ist eine Erfahrung, die jeder machen kann, und es ist eine, die wahrhaftig sehr interessant ist, sehr interessant....

Es entsteht eine Art innerer Kommunion mit dem psychischen Wesen, wenn man bereitwillig ein Begehren aufgibt, und deshalb empfindet man sehr viel tiefere Freude, als wenn man es befriedigt hätte. Übrigens, meistens, fast ohne Ausnahme, bleibt irgendwo eine Art bitterer Geschmack zurück, wenn einer Begierde nachgegeben wird.

Es gibt nicht ein einziges erfülltes Verlangen, das nicht eine Art Bitterkeit hinterlässt. Es ist die Bitterkeit, die deinen Mund füllt, wenn du etwas zu Süßes gegessen hast. So ist das. Du musst dich aufrichtig bemühen. Natürlich darfst du nicht vortäuschen, ein Begehren aufzugeben und es dann in einem Winkel aufbewahren, denn dann wird man sehr unglücklich. Du musst es aufrichtig tun.

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Erringe deine kleinen Siege

Wenn du durch eine Anstrengung des inneren Bewusstseins und Wissens wahrhaftig ein Begehren in dir bezwingen kannst, das heißt, es auflöst und aufgibst, wenn du durch inneren guten Willen, durch Bewusstsein, Licht und Wissen imstande bist, es verschwinden zu lassen, wirst du, zuallererst in dir persönlich, hundertmal glücklicher sein, als hättest du ihm nachgegeben, und dann wird das wunderbare Wirkung zeigen. Es wird einen Widerhall in der Welt finden, von dem du keine Vorstellung hast. Es wird sich fortpflanzen. Denn die Schwingungen, die du hervorgerufen hast, werden sich ausbreiten. Diese Dinge wachsen zu größerem Umfang als der auslösende Schneeball. Der Sieg, den du in deiner Natur erringst, wie klein er auch sein mag, kann in der ganzen Welt errungen werden....

Wenn du wirklich etwas Gutes tun willst, dann gibt es nichts Besseres, als dir in aller Aufrichtigkeit deine kleinen Siege zu erkämpfen, einen nach dem anderen, und auf diese Weise wirst du für die Welt das dir Bestmögliche tun.

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Ändere dich selbst zuerst

Du kannst an anderen nichts tun, es sei denn, du kannst es an dir selbst tun. Du kannst niemals irgend jemandem einen Rat erteilen, es sei denn, du wärest fähig, ihn dir zuerst selber zu geben und ihn dann zu befolgen. Und wenn du irgendwo eine Schwierigkeit siehst, dann ist die beste Methode, das zu verändern, es zuerst in dir selbst zu korrigieren. Wenn du bei jemandem eine Schwäche siehst, darfst, du sicher sein, sie ist in dir, und du fängst an, sie bei dir selbst zu ändern. Und wenn das geschehen ist, wirst du stark genug sein, dasselbe auch bei anderen zu bewirken. Und das ist eine wunderbare Sache. Menschen begreifen nicht, welche unendliche Gnade es ist, dass dieses Universum so eingerichtet ist, dass eine Ansammlung von Substanz, angefangen vom äußerst Physischen bis zum höchsten Spirituellen, sich insgesamt in einem sogenannten kleinen Individuum konzentriert, aber einem zentralen Willen zur Verfügung steht. Und das gehört dir, es ist dein Arbeitsfeld, niemand kann es dir nehmen, es ist dein Besitz. Und in dem Umfang, in dem du in ihm arbeiten kannst, wirst du eine Wirkung auf die Welt ausüben. Aber nur in dem Umfang. Übrigens, man muss mehr an sich selbst arbeiten als an anderen.

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Kapitel 3
MORAL, RELIGION, YOGA
Spiritualität und Moral

Es besteht ein großer Unterschied zwischen Spiritualität und Moral, zwei Dingen, die ständig miteinander verwechselt werden. Das spirituelle Leben, das Leben im Sinne des Yoga, hat zu seinem Ziel, in das göttliche Bewusstsein hineinzuwachsen und als sein Ergebnis, das zu läutern, verstärken und erstrahlen zu lassen und zu vervollkommnen, was in dir ist. Es macht dich zu einer Kraft, die das Göttliche offenbart. Es hebt die Natur jeder Persönlichkeit zu ihrer vollen Bedeutung empor und verhilft ihr zu ihrem höchsten Ausdruck; denn dies ist Teil des göttlichen Plans. Moral folgt einem mentalen Verfahren und errichtet mit einigen wenigen Vorstellungen davon, was gut ist oder nicht, ein Idealmodell, in welches sich alle hineinzwingen müssen. Diese Idealvorstellung unterscheidet sich zu unterschiedlichen Zeiten und an unterschiedlichen Orten in ihren Einzelheiten und in ihrer Gesamtheit. Und dennoch erklärt sie sich selbst zum einzigartigen Vorbild, einem kategorischen Absoluten. Sie erkennt außerhalb ihrer selbst nichts an; sie lässt nicht einmal eine Abweichung innerhalb ihrer selbst gelten. Alle sollen ihrem alleinigen Idealbild entsprechend geformt werden, alle sollen einheitlich und untadelig dieselben sein. Wegen ihrer starren, wirklichkeitsfremden Natur ist die Moral in Prinzip und Wirkensweise das Gegenteil von Spiritualität. Im spirituellen Leben enthüllt sich die eine Wesenheit in allem, aber auch ihre unbegrenzte Mannigfaltigkeit. Sie arbeitet für die Vielfalt im Einssein und für Vollkommenheit in dieser Vielfalt. Moral errichtet einen künstlichen Maßstab, der zur Verschiedenartigkeit des Lebens und der Freiheit des Geistes im Widerspruch steht. Sie erschafft etwas Mentales, Festgesetztes, Beschränktes und verlangt von allen, sich dem anzupassen. Alle müssen sich abmühen, dieselben Eigenschaften und denselben vorbildlichen Charakter zu erwerben. Moral ist nicht göttlich oder vom Göttlichen. Sie ist vom Menschen und menschlich. Ihre Grundlage ist die unveränderliche Spaltung in Gut und Böse. Aber das ist eine willkürliche Setzung. Sie nimmt relative Dinge und versucht, sie als absolute einzuführen; denn dieses Gute und jenes Böse unterscheiden sich in unterschiedlichen Klimagebieten und Zeiten, Epochen und Ländern. Die Moralauffassung geht so weit zu behaupten, es gäbe gute und schlechte Begierden und verlangt von dir, die eine anzunehmen und die andere zurückzuweisen. Aber das spirituelle Leben fordert von dir, überhaupt alles Begehren zurückzuweisen. Gemäß seines Gesetzes musst du alle Bestrebungen, die dich vom Göttlichen entfernen, verwerfen. Du musst sie abwehren, nicht weil sie in sich selbst schlecht wären – denn sie mögen für einen anderen Menschen in einer anderen Umgebung gut sein – sondern weil sie zu jenen Antrieben und Kräften gehören, die, unerleuchtet und unwissend, dir auf deinem Weg zum Göttlichen im Wege stehen. Alles Begehren, ob gut oder schlecht, fällt in diese Darstellung: denn das Begehren selbst entspringt einem unerleuchteten, vitalen Wesen und seiner Unwissenheit. Andererseits musst du alle Regungen annehmen, die dich in Kontakt mit dem Göttlichen bringen. Aber du stimmst ihnen zu, nicht weil sie in sich selbst gut wären, sondern weil sie dich zum Göttlichen leiten. Akzeptiere also alles, was dich zum Göttlichen führt. Weise alles zurück, was dich von ihm fortbringt, aber sage nicht, dies ist gut oder jenes ist schlecht oder versuche nicht, anderen deine Auffassung aufzunötigen; denn das, was du als schlecht bezeichnest, mag für deinen Nachbarn, der nicht versucht, das göttliche Leben zu verwirklichen, genau das Richtige sein.

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Hat uns die Moral nicht geholfen?

Liebe Mutter, hat uns die Moral nicht geholfen, unser Bewusstsein zu erweitern?

Das hängt von den Leuten ab. Es gibt Leute, denen sie dienlich und andere, für die sie das überhaupt nicht war. Moral ist etwas ganz und gar Künstliches und Willkürliches und in den meisten Fällen, selbst bei den Besten, hemmt sie echte spirituelle Bemühung durch eine Art moralischer Zufriedenheit, man sei auf dem rechten Weg und ein wahrer Gentleman, man erfülle seine Pflicht und komme allen moralischen Erfordernissen des Lebens nach. Dann ist man so selbstzufrieden, dass man sich nicht mehr von der Stelle rührt oder irgendeinen Fortschritt macht.

Es ist für einen tugendhaften Mann sehr schwierig, den Pfad Gottes zu betreten. Das ist schon oft gesagt worden, aber es ist vollkommen richtig, denn er ist in höchstem Maße selbstzufrieden, er glaubt, er hat verwirklicht, was er verwirklicht haben sollte. Ihm fehlt entweder die Sehnsucht oder sogar jene einfache Demut, die uns nach Fortschritt verlangen lässt. Weißt du, einer, den wir hier als einen Weisen betrachten, hat es sich gewöhnlich in seiner Tugendhaftigkeit sehr bequem eingerichtet und denkt niemals daran, da herauszukommen. Das entfernt dich meilenweit von göttlicher Realisation.

Bis man das innere Licht gefunden hat, hilft es aber wirklich, für sich selbst eine bestimmte Anzahl Regeln aufzustellen, die natürlich nicht zu starr und unveränderlich sein sollten, jedoch genau genug, uns davor zu bewahren, vollständig vom rechten Pfad abzuweichen oder nicht wiedergutzumachende Fehler zu begehen – Fehler, unter deren Folgen wir unser ganzes Leben leiden.

Dazu ist es gut, in sich selbst einige Prinzipien zu errichten, die jedoch jeweils im Einklang mit der eigenen Natur stehen sollten. Wenn man sich eine soziale, kollektive Regel zu eigen macht, wird man sofort zu einem Sklaven dieser Vorschrift, und das hindert uns fast vollständig daran, irgendeine Anstrengung zu unserer Umwandlung zu machen.

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Der Menschheit dienen

Warum möchtest du der Menschheit dienen, welche Vorstellung steckt dahinter? Es ist Ehrgeiz, damit du ein großartiger Mensch unter den Menschen wirst. Das ist schwer zu begreifen?... Das kann ich verstehen!

Das Göttliche ist überall. Deshalb, wenn man der Menschheit dient, dient man dem Göttlichen, ist das nicht so?

Das ist phantastisch! In dieser Angelegenheit ist es das Einleuchtendste zu sagen: „Das Göttliche ist in mir. Wenn ich mir selbst diene, diene ich ebenso dem Göttlichen!“ (Gelächter) Tatsächlich ist das Göttliche überall. Das Göttliche wird sein Werk sehr gut ohne dich tun. Ich sehe ganz gut, dass du mich nicht verstehst. Aber wirklich, wenn du begreifst, dass das Göttliche da ist, in allen Dingen, worin mischst du dich ein, indem du der Menschheit dienst? Um das zu tun, musst du besser wissen als das Göttliche, was für sie getan werden muss. Weißt du besser als das Göttliche, wie man ihr dient?

Das Göttliche ist überall. Ja. Dinge scheinen nicht göttlich zu sein.... Was mich betrifft, so sehe ich nur eine Lösung: Wenn du der Menschheit helfen möchtest, gibt es nur eines zu tun, d.h. nimm dich so vollständig wie möglich und bringe dich dem Göttlichen dar. Das ist die Lösung. Denn auf diese Weise wird wenigstens die physische Realität, die du verkörperst, fähig, dem Göttlichen ein wenig ähnlicher zu werden.

Man sagt uns, das Göttliche ist in allen Dingen. Warum ändern sie sich nicht? Weil das Göttliche keine Erwiderung erfährt, es spricht nicht alles auf das Göttliche an. Man muss die Tiefen des Bewusstseins erforschen, um das zu erkennen. Was willst du tun, um der Menschheit zu dienen? Den Armen zu essen geben? – Du kannst Millionen von ihnen ernähren. Das wird keine Lösung sein, dieses Problem wird dasselbe bleiben. Den Menschen neue und bessere Lebensbedingungen schaffen? – Das Göttliche ist in ihnen, wie kommt es, dass die Dinge sich nicht wandeln? Das Göttliche wird den Zustand der Welt besser kennen als du. Was bist du? Du stellst nur ein klein wenig Bewusstsein und ein klein wenig Materie dar, das ist es, was du „ich selbst“ nennst. Wenn du der Menschheit helfen möchtest, der Welt oder dem Universum, dann ist das einzige, was du tun kannst, dieses kleine Etwas vollständig dem Göttlichen hinzugeben. Warum ist die Welt nicht göttlich?... Es ist offensichtlich, dass die Welt nicht in Ordnung ist. Deshalb ist die einzige Lösung des Problems die, abzugeben, was dir gehört. Gib es vollständig, ganz und gar dem Göttlichen; nicht nur deinetwillen, sondern auch für die Menschheit, für das Universum. Es gibt keine bessere Lösung. Wie willst du der Menschheit nützen? Du weißt nicht einmal, was sie braucht. Vielleicht weißt du noch weniger, welcher Macht du dienst. Wie kannst du irgend etwas ändern, ohne dich selbst wirklich geändert zu haben?

In jedem Fall bist du dazu nicht mächtig genug. Wie kannst du erwarten, einem anderen Beistand leisten zu können, wenn du nicht über ein höheres Bewusstsein verfügst als er? Es ist eine solch kindische Idee! Nur Kinder sagen: „Ich werde ein Wohnheim aufmachen, einen Kinderhort bauen, Armen Suppe austeilen, dieses Wissen verkünden, jene Religion verbreiten...“. Das geschieht nur, weil du dich selbst für besser hältst als andere, glaubst, du weißt besser, was sie sein oder tun sollten. Das ist es, was Der-Menschheit-dienen bedeutet. Du möchtest das alles fortsetzen? Es hat die Dinge nicht viel verändert. Der Menschheit helfen heißt nicht, ein Krankenhaus oder eine Schule zu eröffnen....

Du kannst Millionen Krankenhäuser einrichten, das wird die Leute nicht davor bewahren, krank zu werden. Im Gegenteil, dazu werden sie dann jede Gelegenheit und jede Ermunterung haben. Wir sind durchdrungen von Vorstellungen dieser Art. Das beruhigt unser Gewissen: „Ich bin auf diese Welt gekommen, ich muss anderen helfen.“ Man sagt zu sich selbst: „Wie selbstlos ich bin! Ich werde der Menschheit helfen.“ Aber das ist nichts als Egoismus.

Tatsächlich ist das erste menschliche Wesen, das dich angeht, du selbst. Du möchtest das Leiden vermindern, aber wenn du nicht die Eigenschaft zu leiden in ein von Gewissheit getragenes Glücklichsein verwandeln kannst, wird sich die Welt nicht ändern. Sie wird immer dieselbe bleiben, wir drehen uns im Kreis – eine Zivilisation folgt der anderen, eine Katastrophe der anderen. Aber die Sache wird nicht anders, denn es fehlt etwas, etwas ist nicht da, das ist das Bewusstsein. Das ist alles.

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Religion

Religion gehört der höheren Ebene des menschlichen Mentals an. Es ist die Bestrebung des höheren menschlichen Mentals, sich so weit, wie es in seiner Macht liegt, auf etwas jenseits seiner selbst zuzubewegen, etwas, das die Menschheit Gott oder Spirit oder Wahrheit oder Glaube oder Wissen oder das Unendliche nennt, eine Art Absolutes, welches das menschliche Mental nicht erfassen kann und dennoch zu erfassen sucht. Religion mag in ihrem allerletzten Ursprung göttlich sein; in ihrer gegenwärtigen Natur ist sie nicht göttlich, sondern menschlich. Wir sollten wahrlich eher von Religionen sprechen als von Religion; denn es gibt viele von Menschen erschaffene Religionen....

Der erste Hauptglaubenssatz dieser bestehenden herkömmlichen Religionen lautet: „Mein ist die höchste, die einzige Wahrheit, alle anderen befinden sich in Unwahrheit oder sind minderwertig.“ Denn ohne dieses grundlegende Dogma könnten etablierte Religionsbekenntnisse nicht existieren. Wenn du nicht daran glaubst und nicht erklärst, dass du allein im Besitze der höchsten Wahrheit bist, wirst du nicht imstande sein, Leute zu beeindrucken und dazu zu veranlassen, dir zuzuströmen.

Diese Einstellung ist für die Religiosität natürlich. Eben dies lässt aber die Religion einem spirituellen Leben im Wege stehen. Die Glaubens- und Lehrsätze einer Religion sind mental erzeugte Dinge, und wenn du an ihnen klebst und dich in einen für dich aufgestellten Lebenskodex einschließt, dann kennst du nicht und kannst auch nicht die Wahrheit des Spirits kennen, der über alle Regelsysteme und Dogmen hinausreicht, weit und gewaltig und frei. Wenn du bei einer religiösen Überzeugung halt machst und dich dort bindest, indem du sie für die einzige Wahrheit der Welt hältst, dann bereitest du dem Fortkommen und dem Weitwerden deiner Seele ein Ende. Wenn du jedoch die Religion aus einem anderen Gesichtswinkel betrachtest, braucht sie nicht immer und für alle Menschen ein Hindernis zu sein. Wenn du sie als eine der höheren Aktivitäten der Menschheit erachtest und du in ihr das Streben des Menschen erkennen kannst, ohne die Unvollkommenheiten alles Menschenerschaffenen zu übersehen, dann vermag sie wohl eine Art Hilfe für dich auf dem Weg zu einem spirituellen Leben zu sein. Indem du dich in ernsthafter und aufrichtiger Haltung mit ihr befasst, kannst du versuchen herauszufinden, welche Wahrheit sie enthält, welche Sehnsucht in ihr verborgen liegt, welche göttliche Inspiration hier durch den menschlichen Geist und eine menschliches System Umformung und Verformung erfahren hat. Mit geeigneter mentaler Einstellung kannst du die Religion selbst so, wie sie ist, dahin bringen, etwas Licht auf deinen Weg zu werfen und dir etwas Unterstützung bei deiner spirituellen Bemühung zu gewähren.

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Yoga und Religion

Liebe Mutter, was ist der Unterschied zwischen Yoga und Religion?

Ah! Mein Kind... das ist, als fragtest du mich nach dem Unterschied zwischen Hund und Katze!

(Langes Schweigen)

Stell` dir jemanden vor, der irgendwie von etwas wie dem Göttlichen gehört oder ein eigenes Gefühl hat, dass etwas dieser Art existiert und der fängt an, sich auf alle mögliche Weise zu bemühen: Bemühungen des Willens, der Disziplin, der Konzentration, alles mögliche, um das Göttliche zu finden, um zu entdecken, was Er ist, mit Ihm vertraut zu werden und sich mit Ihm zu vereinen. Dann macht dieser Mensch Yoga.

Nun, wenn dieser Mensch alle Verfahren, derer er sich bedient hat, aufgeschrieben hat und ein starres System konstruiert und alles, was er erkannt hat, zu absoluten Gesetzen erklärt – z.B. sagt er: Das Göttliche ist so und so, um das Göttliche zu finden, musst du jenes tun, führe diese besondere Geste aus, übernimm diese innere Haltung, vollziehe diese Zeremonie und du musst gelten lassen, dass dieses die Wahrheit ist, du musst sagen: „Ich erkenne an, dass dies die Wahrheit ist und ich werde mich voll und ganz daran halten; und deine Methode ist die einzig richtige, die einzig bestehende“ – wenn all das niedergeschrieben, gestaltet und nach festen Gesetzen und Zeremonien geordnet ist, dann wird es eine Religion.

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Sri Aurobindos Lehre und Religion

Viele Leute sagen, die Lehre Sri Aurobindos sei eine neue Religion. Würdest du sagen, sie ist eine neue Religion?

Leute, die das sagen, sind Dummköpfe, die nicht einmal wissen, worüber sie reden. Man braucht nur all das zu lesen, was Sri Aurobindo geschrieben hat, um zu begreifen, dass es unmöglich ist, auf seinem Werk eine Religion zu begründen, denn er selbst stellt jedes Problem, jede Frage in all deren Aspekten dar, indem er die in jedweder Sicht der Dinge verborgene Wahrheit aufzeigt; und er erklärt, man muss, um die Wahrheit zu erfahren, eine Synthese verwirklichen, die jeglichen mentalen Begriff überschreitet und in einer Transzendenz jenseits des Denkens aufgeht....

Ich wiederhole, wenn wir von Sri Aurobindo sprechen, dann kann keine Rede von Lehre, noch nicht einmal von Offenbarung sein, sondern von einer Tat des Höchsten; darauf kann keine Religion gegründet werden.

Aber die Menschen sind so dumm, dass sie imstande sind, alles mögliche in eine Religion zu verwandeln, so groß ist ihr Bedürfnis nach einem festen Rahmen für ihr enges Denken und ihr beschränktes Handeln. Sie fühlen sich so lange nicht sicher, bis sie geltend machen können, dies ist wahr und jenes nicht; aber ein solcher Anspruch wird für jemanden, der gelesen und verstanden hat, was von Sri Aurobindo geschrieben wurde, unmöglich. Religion und Yoga gehören nicht der gleichen Seinsebene an, und ein spirituelles Leben kann nur in aller Reinheit bestehen, wenn es von allen mentalen Dogmen frei ist.

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Der Entschluss zum Yoga

Siehst du, man mag einen sehr guten Willen haben, ein Leben, das auf göttliche Realisation ausgerichtet ist, jedenfalls eine mehr oder weniger oberflächliche Hingabe an ein göttliches Werk, und dennoch keinen Yoga praktizieren.

Für Sri Aurobindos Yoga muss man sich selbst integral umwandeln wollen, es bedeutet, ein einziges Ziel im Leben zu verfolgen, in der Art, dass es nichts anderes mehr gibt, das alleine existiert. Und so fühlt man klar in sich selbst, ob man es will oder nicht. Wenn dies jedoch nicht der Fall ist, kann man immer noch ein Leben guten Willens führen, ein Leben des Dienens, des Verstehens. Man kann sich um das Werk mühen, damit es leichter vollbracht wird – alles das – man kann vieles tun. Doch zwischen diesem und dem Yoga besteht ein großer Unterschied.

Den Yoga auszuüben muss man bewusst wollen, du musst zunächst wissen, was das ist. Du musst wissen, was das ist, du musst dich dazu entscheiden. Sobald das hingegen geschehen ist, darfst du nicht länger zaudern. Das ist der Grund, weshalb du in voller Kenntnis der Sache eine Entscheidung fällen musst. Du musst wissen, wofür du dich entschließt, wenn du sagst: „Ich möchte Yoga machen.“ Und deshalb, von diesem Standpunkt aus, habe ich euch, glaube ich, niemals bedrängt....

Doch von dem Tag an, an dem du eine Wahl triffst – wenn du das in aller Aufrichtigkeit getan hast und in dir eine radikale Entschlossenheit fühlst – ändert sich die Lage. Da ist das Licht und der Pfad, denen man folgen muss, ganz geradlinig, und du darfst nicht davon abweichen. Weißt du, es wird niemand zum Narren gehalten. Yoga ist kein Spaß. Du musst wissen, was du tust, wenn du dich dazu entschließt. Wenn das jedoch geschehen ist, dann musst du daran festhalten. Du hast kein Recht mehr zu schwanken. Du musst geradeaus gehen! Da!...

Diesen Yoga der Umwandlung, der obendrein der mühsamste ist, diesen Yoga kann man nur machen, wenn man fühlt, dass man für ihn hierhergekommen ist (ich meine, hier auf die Erde) und dass man nichts anderes tun kann als das und dass das der einzige Grund für die eigene Existenz ist – selbst wenn man sich hart plagen, leiden und kämpfen muss, hat das keine Bedeutung – „Das ist es, was ich will, sonst nichts!“ – dann ist es anders. Sonst werde ich sagen: „Sei glücklich und sei gut, und das ist alles, was von dir verlangt wird. Sei gut im Sinne von verstehend sein und wissend. dass die Bedingungen, in denen du lebst, außergewöhnliche sind und versuche, ein bedeutenderes, trefflicheres und wahrhaftigeres Leben zu führen als der gewöhnliche Mensch, damit sich ein wenig von diesem Bewusstsein, diesem Licht und seiner Güte in der Welt auszudrücken vermag. Das wäre sehr gut.“ So ist es!

Sobald du hingegen deinen Fuß auf den Yogapfad gesetzt hast, musst du über eine stählerne Entschlossenheit verfügen und direkt auf das Ziel zu marschieren, was immer auch der Preis sein mag.

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Ein Ruf für den Pfad

Wozu willst du den Yoga? Um Macht zu gewinnen? Um Frieden und Ruhe zu erlangen? Um der Menschheit zu dienen?

Keiner dieser Beweggründe beweist ausreichend, dass du für den Pfad bestimmt bist.

Die Frage, die du beantworten musst, ist diese: Willst du den Yoga um des Göttlichen willen? Ist das Göttliche die höchste Wirklichkeit in deinem Leben, und zwar so sehr, dass es für dich einfach unmöglich ist, ohne es auszukommen? Fühlst du, dass das Göttliche deine alleinige raison d`etre ist und dass ohne es deine Existenz keinen Sinn hat? Nur wenn das so ist, kann behauptet werden, du hättest einen Ruf für den Pfad.

Das ist die erste Notwendigkeit – Sehnsucht nach dem Göttlichen.

Das nächste, was du tun musst, ist sie zu pflegen, sie immer wach, bewusst und lebendig zu halten. Und dafür ist Konzentration erforderlich – Konzentration auf das Göttliche, ausgerichtet auf eine vollständige und bedingungslose Weihe an seinen Willen und seinen Plan.

Konzentriere dich in deinem Herzen. Gehe dort hinein; begib dich in sein Inneres, tief und weit, so weit wie du kannst. Sammle all die weit versprengten Fäden deines Bewusstseins, wickele sie auf, wage den Sprung und senke dich hinein.

Es brennt ein Feuer dort in dem tiefen Frieden deines Herzens. Es ist die Gottheit in dir – dein wahres Wesen. Höre auf ihre Stimme, folge ihren Geboten.

* * *

Kapitel 4
HINGABE, SELBSTDARBRINGUNG, DEMUT
Zwei Pfade des Yoga

Es gibt zwei Pfade des Yoga, der eine ist der der tapasya (Disziplin) und der andere ist der der Hingabe. Der Pfad der tapasya ist mühselig. Hier hängst du einzig von dir selbst ab; du schreitest fort durch deine eigene Kraft. Du steigst empor und bist erfolgreich nach dem Maße deiner Kraft. Es besteht immer die Gefahr des Absturzes. Und bist du einmal gefallen, dann liegst du zerschmettert im Abgrund und es findet sich kaum ein Heilmittel. Der andere Pfad, der der Hingabe, ist sicher und zuverlässig. Genau damit gerät aber der westliche Mensch in Schwierigkeiten. Man hat ihn gelehrt, alles zu fürchten, was seine persönliche Unabhängigkeit bedroht. Mit der Muttermilch hat er seinen Sinn für Individualität aufgesogen. Und Hingabe bedeutet, all das aufzugeben. Mit anderen Worten, du kannst, wie Ramakrishna sagt, entweder dem Pfad des Affen- oder des Katzenbabys folgen. Das Affenbaby hält sich an seiner Mutter fest, um herumgetragen zu werden, und es muss sich entschlossen festhalten, weil es fällt, wenn es loslässt. Das Katzenbaby andererseits klammert sich nicht an seine Mutter, sondern wird von ihr getragen und hat weder Angst, noch Verantwortung; es hat nichts anderes zu tun, als sich von der Mutter tragen zu lassen und ‚Mama‘ zu schreien.

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Hingabe und Yoga

Hingabe ist die Entscheidung darüber, die Verantwortung für dein Leben dem Göttlichen zu überlassen. Ohne diese Entscheidung ist überhaupt nichts möglich. Wenn du dich nicht hingibst, ist der Yoga völlig ausgeschlossen. Alles andere folgt natürlicherweise erst danach, denn der ganze Vorgang beginnt mit Hingabe. Du kannst dich entweder kraft des Wissens oder der Weihung überantworten. Du verspürst vielleicht eine starke Intuition, dass das Göttliche allein die Wahrheit ist und eine lichtvolle Überzeugung, dass du ohne es nicht zurechtkommst. Oder vielleicht empfindest du eine unmittelbare innere Ahnung, dass dieser Weg der einzige ist, glücklich zu werden und ein starkes psychisches Verlangen, ausschließlich dem Göttlichen zu gehören: „Ich gehöre nicht mir selbst“, sagst du und übergibst die Verantwortung für dein Sein der Wahrheit. Dann kommt die Selbstüberantwortung: „Hier bin ich, ein Geschöpf mit verschiedenen Eigenschaften, gut und schlecht, dunkel und erleuchtet. Ich bringe mich dar so wie ich bin, nimm mich mit all meinen Höhen und Tiefen, mit all meinen widerstreitenden Impulsen und Neigungen an – tu mit mir, was immer du magst.

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Wahre Hingabe lässt dich weiter werden

Mit Hingabe meinen wir... ein spontanes Sich-selbst-geben, ein dich selbst ganz an das Göttliche Überlassen, an ein größeres Bewusstsein, von dem du ein Teil bist. Hingabe macht dich nicht kleiner, sondern größer. Sie wird deine Persönlichkeit nicht schmälern oder schwächen oder zerstören, sondern stärken und erhöhen. Hingabe bedeutet ein freies, vollkommenes Sich-Geben mit all der Freude des Gebens. Sie enthält nicht das Gefühl des Opfers. Wenn du auch nur die leiseste Empfindung hast, dass du dich aufopferst, dann ist das nicht länger Hingabe. Denn das heißt, dass du dich zurückhältst oder dass du dich widerwillig, mit Schmerz oder angestrengt bemühst und nicht die Freude des Schenkens erlebst, vielleicht nicht einmal das Gefühl des Gebens. Wenn du irgend etwas im Gefühl einer Einschnürung deines Wesens tust, dann sei sicher, dass du es auf falsche Weise angehst. Wahre Hingabe lässt dich weiter werden. Sie vermehrt deine Fähigkeiten. Sie gibt dir ein größeres Maß an Qualität und Quantität, was du allein durch dich selbst nicht hättest erlangen können. Dieser neue Zuwachs an Quantität und Qualität ist anders als alles, was du vorher durch dich selbst zu erreichen imstande warst: du trittst in eine neue Welt ein, die du ohne Hingabe nicht hättest betreten können. Es ist, als fiele ein Tropfen Wasser ins Meer. Bewahrte er dort seine gesonderte Identität, bliebe er ein kleiner Wassertropfen und nichts mehr, erdrückt von der Grenzenlosigkeit um ihn herum, weil er sich nicht hingibt. Aber indem er sich hingibt, wird er eins mit dem Meer und hat Teil an dessen Wesen, Macht und ganzen Unermesslichkeit.

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Die wichtigste Hingabe

Die wichtigste Hingabe ist die deines Charakters, deiner Art zu sein, so dass sie sich ändern kann. Wenn du nicht deine dir ganz eigene Natur hingibst, dann wird sie sich niemals wandeln. Genau das ist das Wichtigste. Du hast bestimmte Auffassungen, bestimmte Reaktionsweisen, eine bestimmte Art zu fühlen, eine beinahe festgelegte Weise, Fortschritte zu machen und vor allem eine besondere Art, das Leben zu betrachten und gewisse Dinge von ihm zu erwarten – nun, eben das musst du hingeben. Das heißt, wenn du wahrhaftig das göttliche Licht empfangen und dich umwandeln willst, dann musst du deine ganze Art zu sein darbringen – darbringen, indem du dich öffnest, dich so empfänglich wie möglich machst, so dass das göttliche Bewusstsein, das weiß, wie du sein solltest, unmittelbar handeln und alle diese Regungen in solche verwandeln kann, die der Wahrheit näher sind, die mehr mit deiner tatsächlichen Wahrheit übereinstimmen. Das ist unendlich viel wichtiger, als sein Tun hinzugeben.

Nicht das, was man tut, ist das Wichtigste (das ist sehr wichtig, das ist offenkundig), sondern das, was man ist. Nicht einfach die Art, wie man etwas tut, ist bedeutend, wie immer auch die Tätigkeit, sondern der Stand des Bewusstseins, in welchem man handelt. Du magst arbeiten, ein selbstloses Werk ohne jeglichen Gedanken an persönlichen Nutzen tun, arbeiten um der Freude an der Arbeit willen, aber wenn du nicht gleichzeitig bereit bist, diese Tätigkeit aufzugeben, eine andere zu anzunehmen oder die Arbeitsmethode zu verändern, wenn du deiner eigenen Arbeitsweise verhaftet bist, dann ist deine Hingabe nicht vollständig. Du musst einen Punkt erreichen, an dem alles getan wird, weil du innerlich fühlst, sehr klar und in zunehmend gebieterischer Weise, dass genau das und in dieser besonderen Weise getan werden muss und dass du es nur deshalb tust. Du tust es nicht aus irgendeiner Gewohnheit, Bindung oder Vorliebe, nicht einmal aus einer Vorstellung oder sogar, weil du der Idee, dass dieses das Beste sei, den Vorzug gibst – anderenfalls ist deine Hingabe nicht total.

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Yoga wird durch Darbringung wirksam

Yoga bedeutet Einung mit dem Göttlichen, und diese Einung wird durch Selbstdarbringung bewirkt – sie wird begründet auf der Darbringung deiner selbst an das Göttliche. Am Anfang vollziehst du diese Selbstdarbringung in allgemeiner Form, als wäre es ein für allemal. Du sagst: „Ich bin der Diener des Göttlichen. Diesem ist mein Leben vollkommen überlassen. All mein Streben gilt der Verwirklichung des Göttlichen Lebens.“ Aber das ist nur der erste Schritt; denn das reicht nicht aus. Wenn der Entschluss gefasst ist, wenn du entschieden hast, dass dein ganzes Leben dem Göttlichen überantwortet sein soll, dann musst du dessen noch in jedem Augenblick eingedenk sein und es in allen Einzelheiten deiner Existenz leben. Bei jedem Schritt musst du fühlen, dass du dem Göttlichen gehörst. Du musst die beständige Erfahrung haben, was auch immer du tust und denkst, dass es immer das Göttliche Bewusstsein ist, das durch dich handelt. Du besitzt nichts mehr, das du dein eigen nennen kannst. Alles empfindest du als vom Göttlichen herstammend, und du musst es an seinen Ursprung zurückgeben. Wenn du das verwirklichen kannst, dann wird selbst das kleinste Ding, dem du sonst nicht viel Aufmerksamkeit oder Mühe schenkst, aufhören, unbedeutend und nichtssagend zu sein. Es wird zutiefst bedeutungsvoll und eröffnet über sich hinaus einen unermesslichen Horizont.

Das ist es, was du tun musst, nämlich deine ganze allgemeine Selbstdarbringung sich im einzelnen erfüllen lassen. Lebe beständig in der Gegenwart des Göttlichen. Lebe in dem Bewusstsein, dass es diese Gegenwart ist, die dich bewegt und alles bewirkt, was du tust. Bringe ihm alle Regungen dar, nicht nur jede mentale Tätigkeit, jeden Gedanken und jedes Gefühl, sondern sogar die allergewöhnlichsten und äußerlichsten Handlungen, wie z.B. essen. Wenn du isst, musst du fühlen, es ist das Göttliche, das durch dich isst. Wenn du auf diese Weise all deine Bestrebungen in dieses Eine Leben versammeln kannst, dann besteht Einheit in dir statt Zerteilung. Nicht länger gehört ein Teil deines Wesens dem Göttlichen, während der Rest in seiner gewöhnlichen Art verbleibt, verstrickt in gewöhnliche Dinge. Dein ganzes Leben wird erfasst, eine integrale Umwandlung wird allmählich in dir verwirklicht.

Im integralen Yoga muss sich das gesamte Leben bis in die geringste Kleinigkeit umwandeln, göttlich gemacht werden. Es gibt hier nichts, das unbedeutend, nichts, das gleichgültig wäre. Du kannst nicht sagen: „Wenn ich meditiere, mich mit Philosophie beschäftige oder diesen Gesprächen zuhöre, dann bin ich in dieser Verfassung, in der ich mich zum Licht öffne und nach ihm verlange, aber wenn ich einen Spaziergang unternehme oder Freunde besuche, kann ich mir gestatten, alles zu vergessen.“ In dieser Haltung zu verharren, bedeutet, dass du immer ungewandelt bleiben und niemals wahre Einheit erfahren wirst. Du wirst immer zerspalten bleiben. Bestenfalls wirst du einen bloß flüchtigen Einblick in dieses größere Leben gewinnen. Denn obwohl dir in der Meditation oder in deinem inneren Bewusstsein gewisse Erlebnisse und Realisationen widerfahren mögen, bleiben dein Körper und dein äußeres Leben unverändert. Eine innere Erleuchtung, die den Körper und das äußere Leben nicht berücksichtigt, ist nicht von großem Nutzen, denn sie belässt die Welt so, wie sie ist.

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Leere Kontemplation

Ich habe niemals Leute, die alles zurückgelassen haben, um sich zu mehr oder weniger leerer Kontemplation (denn sie ist mehr oder weniger leer) niederzusetzen, solche Leute habe ich niemals irgendeinen Fortschritt machen sehen, oder ihr Fortschritt ist in jedem Fall sehr geringfügig. Ich habe Leute erlebt, die nicht für sich in Anspruch nahmen, Yoga zu üben, die einfach erfüllt waren von Begeisterung über die Vorstellung irdischer Umwandlung und der Herabkunft des Göttlichen in diese Welt und die ihren kleinen Anteil Arbeit mit dieser Begeisterung im Herzen leisteten, sich selbst vollständig hingebend, ohne Vorbehalt, ohne irgendeinen selbstsüchtigen Gedanken an persönliche Erlösung. Solche habe ich großartigen Fortschritt machen sehen, wahrhaft großartig. Und manchmal sind sie wunderbar. Ich habe Sannyasins gesehen, Leute, die in Klöstern leben, ich habe Leute kennengelernt, die vorgaben, Yogis zu sein, nun, ich würde nicht einen der anderen gegen ein Dutzend solcher Leute eintauschen.... Man verändert die Welt nicht, indem man vor ihr davonläuft. Das geschieht dadurch, dass man dort arbeitet, bescheiden, demütig, aber mit einem Feuer im Herzen, das brennt wie eine Opfergabe.

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Asketische Methoden

Mutter, sind nicht manchmal asketische Methoden nützlich für die Selbst-Meisterung?

Nein, das behebt gar nichts. Du verschaffst dir nur die Illusion des Fortschritts, aber du erreichst nichts. Das beweist die Tatsache, dass die Sache, sobald du deine asketischen Methoden aufgibst, noch mächtiger ist als zuvor. Sie kehrt zurück mit Rache. Es hängt davon ab, was du asketische Methoden nennst. Wenn es nicht bedeutet, dass du der Befriedigung all deiner Begierden frönst, dann ist das in der Tat keine Askese, sondern gesunder Menschenverstand. Das ist etwas anderes. Asketische Methoden sind Dinge wie wiederholtes Fasten, sich selbst zu zwingen, die Kälte zu ertragen ... in Wirklichkeit, deinen Körper ein wenig zu foltern. Das verleiht dir nur spirituellen Hochmut, nichts mehr. Es meistert überhaupt nichts. Es ist unendlich viel leichter. Leute tun das, weil es sehr leicht ist, sehr einfach. Gerade weil der Stolz vollständig befriedigt wird und sich die Eitelkeit aufplustern kann, wird es sehr leicht. Man veranstaltet eine großartige Zurschaustellung seiner asketischen Tugenden und hält sich selbst für eine äußerst wichtige Persönlichkeit, und das hilft, viele Dinge zu ertragen.

Es ist sehr viel schwieriger, seine Impulse still, gelassen zu meistern und sie daran zu hindern, sich zu zeigen – sehr viel schwieriger! – ohne asketische Maßnahmen zu ergreifen. Es ist sehr viel schwieriger, den Dingen, die man besitzt, nicht verhaftet zu sein, als nichts zu besitzen. Das ist etwas, das man seit Jahrhunderten weiß. Es verlangt sehr viel größere Fähigkeiten, an die Dinge, die uns gehören, nicht gebunden, als überhaupt besitzlos zu sein oder sein Eigentum auf ein striktes Minimum zu reduzieren. Es ist sehr viel schwieriger. Es ist moralisch von sehr viel höherem Wert. Einfach diese Haltung: wenn dir ein Ding zufällt, nimm, gebrauche es; wenn es aus diesem oder jenem Grunde abhanden kommt, lass es los und bedaure es nicht. Es nicht zu verweigern, wenn du es bekommst, zu wissen, wie du dich darauf einstellst und nicht zu bedauern, wenn es geht.

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Äußere Disziplin

Aber ist ein wenig äußere Disziplin nicht hilfreich?

Wenn du dir eine Disziplin auferlegst und sie nicht zu dumm ist, hilft sie dir vielleicht. Eine Disziplin, so sage ich dir – Disziplinen, Tapasyas, alle asketischen Disziplinen sind, so wie sie gewöhnlich praktiziert werden, die besten Mittel, dich hochmütig zu machen, in dir einen solch ungeheuren Stolz aufzubauen, dass du niemals, niemals bekehrt wirst. Man wird ihn mit Hammerschlägen zertrümmern müssen.

Die erste Bedingung ist eine gesunde Demut, die dich erkennen lässt, dass du gar nichts bist, wenn du nicht vom Göttlichen getragen, genährt, unterstützt, erleuchtet und geführt wirst. So ist das. Wenn du das gefühlt, nicht nur mit deinem Kopf verstanden hast, sondern bis tief in deinen Körper empfindest, fängst du an, weise zu werden, nicht aber vorher.

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Wahre Demut

Welche ist die richtige und welche die falsche Art, demütig zu sein?

Es ist sehr einfach, wenn Leuten gesagt wird: „Seid demütig!“ verbinden sie damit sofort, ,demütig gegenüber anderen Menschen sein‘, und diese Demut ist falsch. Wahre Demut ist Demut gegenüber dem Göttlichen, das heißt ein präzises, genaues, ein lebendiges Gefühl, dass man nichts ist, nichts tun, nichts verstehen kann ohne das Göttliche, dass selbst wenn man außergewöhnlich intelligent und fähig ist, dieses nichts ist im Vergleich mit dem Göttlichen Bewusstsein, und dieses Gefühl muss man immer bewahren, weil man dann stets die wahre Haltung der Empfänglichkeit hat – eine demütige Empfänglichkeit, die persönliche Ansprüche nicht in Widerspruch zum Göttlichen setzt.

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Einer, der sehr wenig weiß

Es ist nicht notwendigerweise jemand mit Erfahrung der am meisten fortgeschrittene. Es fehlt ihm ein Element von Schlichtheit, Bescheidenheit und die Formbarkeit, die daher rührt, dass man noch nicht vollständig entwickelt ist. Während man wächst, nimmt etwas im Kopf feste Form an; es wird immer starrer, und wenn man nicht sein Äußerstes versucht, endet man versteinert. Genau das geschieht Leuten gewöhnlich, vor allem solchen, die bis zu einem gewissen Grad nach Realisation gestrebt haben und darin erfolgreich waren oder solchen, die schließlich glauben, ihr Ziel erreicht zu haben. In jedem Fall war es ihr persönliches Ziel. Sie haben es geschafft, sie sind angelangt. Es ist vollbracht, sie bleiben stehen. Sie lassen sich nieder, sie sagen: „Das ist es!“ Und sie tun nichts mehr. Deshalb werden sie sich auch nach vielleicht zehn oder zwanzig oder dreißig Jahren nicht von der Stelle rühren. Dort sind sie, dort werden sie bleiben. Solchen Leuten fehlt jede Formbarkeit der Substanz, die notwendig ist, um weiterzukommen und Fortschritte zu machen. Sie hängen fest. Sie eignen sich sehr gut als Objekte für eine Ausstellung im Museum, aber nicht, um Arbeit zu leisten. Sie sind wie Musterstücke, die beweisen, was getan werden kann, aber sie sind nicht von dem Stoff, aus dem mehr entsteht. Ich persönlich gestehe, dass ich für meine Arbeit jemanden bevorzuge, der sehr wenig weiß, sich nicht zu sehr abgemüht hat, aber über ein beträchtliches Maß an Sehnsucht und einen starken guten Willen verfügt und der in sich diese Flamme fühlt, dieses Bedürfnis voranzukommen. Er mag sehr wenig wissen und vielleicht noch viel weniger realisiert haben, wenn er das jedoch in sich trägt, dann ist das ein sehr gutes Material, mit dem man sehr weit kommen kann, viel weiter.

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Öffne dich, sei bescheiden

Was du tun solltest ist, die Türen deines Wesens weit für das Göttliche aufzustoßen. In dem Augenblick, in dem du etwas verbirgst, läufst du direkt in die Falschheit. Die geringste Verheimlichung von deiner Seite zieht dich unmittelbar hinunter in die Unbewusstheit. Wenn du voll bewusst sein willst, stelle dich immer der Wahrheit – öffne dich vollkommen und versuche dein Äußerstes, um ihr zu erlauben, tief in dich hineinzublicken, in jeden Winkel deines Wesens. Das allein wird Licht und Bewusstsein in dich hineinbringen, und all das ist in höchstem Maße wahr. Sei vollständig bescheiden – das heißt, wisse um den Unterschied zwischen dem, was du bist und dem, was sein soll, indem du nicht zulässt, dass die grobe physische Mentalität glaubt, sie wisse, wenn sie nicht weiß, sie könne urteilen, wenn sie es nicht kann. Bescheidenheit bedeutet, dass du dich mit ganzem Herzen dem Göttlichen hingibst, dass du um Hilfe bittest und durch Unterwerfung die Freiheit und das Fehlen von Verantwortung gewinnst, was äußerste geistige Ruhe verleiht. Auf keine andere Weise kannst du hoffen, Einheit mit dem Göttlichen Bewusstsein und dem Göttlichen Willen zu erlangen.

* * *

Kapitel 5
AUFRICHTIGKEIT, SCHWÄCHE, WILLENSKRAFT
Aufrichtigkeit

Welche grundlegende Tugend muss herangebildet werden, um sich für ein spirituelles Leben vorzubereiten?

Ich habe es viele Male gesagt, aber dies ist eine Gelegenheit, es zu wiederholen: es ist Aufrichtigkeit.

Eine Aufrichtigkeit, die allumfassend und absolut sein muss, denn Aufrichtigkeit allein ist dein Schutz auf dem spirituellen Pfad. Wenn du nicht aufrichtig bist, wirst du mit Sicherheit beim allernächsten Schritt fallen und dir den Schädel einschlagen. Alle Arten von Kräften, Willen, Einflüssen, Wesenheiten sind da und halten Ausschau nach dem kleinsten Riss in dieser Aufrichtigkeit, und sie dringen unmittelbar durch diesen Spalt und beginnen, dich in Verwirrung zu stürzen.

Deshalb, bevor du etwas tust, irgend etwas beginnst, irgend etwas versuchst, stelle zuallererst sicher, dass du nicht nur so aufrichtig bist, wie du sein kannst, sondern auch die Absicht hast, noch aufrichtiger zu werden. Denn das ist dein einziger Schutz.

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Vollkommene Aufrichtigkeit

Grundsätzlich, welcher Pfad es auch immer sein mag, dem man folgt – sei es der Pfad der Hingabe, der Weihung, des Wissens – will man vollkommen sein, dann ist es immer gleichermaßen schwierig und es gibt nur einen Weg, nur einen, ich weiß nur von einem einzigen: das ist vollkommene Aufrichtigkeit, aber vollkommene Aufrichtigkeit! Weißt du, was vollkommene Aufrichtigkeit ist?...

Niemals versuchen, sich selbst zu täuschen, niemals einem Teil des Wesens gestatten, einen Weg zu finden, um andere zu überzeugen, niemals das eigene Tun vorteilhaft darzustellen, um einen Vorwand dafür zu haben, was man tun möchte. Niemals versuchen, die Augen schließen, wenn etwas unangenehm ist, niemals etwas durchgehen zu lassen, indem man sich sagt: „Das ist nicht wichtig, das nächste Mal wird es besser sein.“

Oh! Es ist sehr schwierig. Versuche es nur eine Stunde lang, und du wirst sehen, wie ungeheuer schwierig es ist. Nur für eine Stunde vollständig und uneingeschränkt aufrichtig zu sein. Nichts durchgehen zu lassen. Das bedeutet, alles, was man tut, fühlt, denkt, will, ist ausschließlich für das Göttliche.

„Ich will nichts, nur das Göttliche, ich denke an nichts als das Göttliche, ich tue nichts, außer dem, was mich zum Göttlichen führt, ich liebe nichts außer dem Göttlichen.“ Versuche es, versuche es, nur um zu begreifen, versuche es nur eine halbe Stunde lang, du wirst sehen, wie schwierig es ist!

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Unglücklichsein und Unaufrichtigkeit

Du fühlst dich unbehaglich, sehr elend, niedergeschlagen, ein wenig unglücklich: „Die Dinge sind nicht so erfreulich heute. Sie sind genauso wie gestern; gestern waren sie wundervoll, heute sind sie unangenehm!“ – Warum? Weil du gestern in einem vollkommenen Zustand von Hingabe warst, mehr oder weniger vollkommen – heute bist du es nicht mehr. Deshalb ist das, was gestern so schön war, heute nicht mehr so. Die Freude in dir, das Vertrauen, die Zuversicht, dass alles in Ordnung ist und das große Werk vollbracht wird, diese Gewissheit – all das, verstehst du, ist verschleiert, an dessen Stelle ist eine Art Zweifel getreten und, ja, eine Unzufriedenheit: „Die Dinge sind nicht schön, die Welt ist abscheulich, die Menschen sind nicht liebenswert.“ Manchmal erreicht es dieses Ausmaß: „Das Essen ist nicht gut, gestern war es vorzüglich.“ Es ist dasselbe, aber heute ist es nicht gut! Das ist das Barometer! Du kannst dir sofort sagen, dass sich irgendwo eine Unaufrichtigkeit eingeschlichen hat. Es ist leicht zu erkennen, man braucht nicht sehr gelehrt zu sein, denn, wie Sri Aurobindo in Elements of Yoga gesagt hat: Man weiß, ob man glücklich oder unglücklich, man weiß, ob man zufrieden oder unzufrieden ist, man braucht sich nicht selbst zu erforschen, dafür komplizierte Fragen zu stellen, man weiß es! Nun, es ist sehr einfach.

In dem Augenblick, in dem du dich unglücklich fühlst, darfst du daneben schreiben: „Ich bin nicht aufrichtig!“ Diese beiden Sätze gehören zusammen:

„Ich fühle mich unglücklich.“

„Ich bin unaufrichtig.“

Nun, was ist es, das falsch ist? Dann fängt man an, nachzuschauen, es ist leicht, es herauszufinden...

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Der psychische Spiegel

So ist das Leben. Man stolpert und stürzt bei der ersten Gelegenheit. Man sagt sich selbst: „Oh! Man kann nicht immer so ernsthaft sein“, und wenn der andere Teil zurückkehrt, bereut man wieder einmal bitterlich: „Ich war ein Dummkopf, ich habe meine Zeit verschwendet, jetzt muss ich wieder von vorne anfangen.... „ Zu manchen Zeiten gibt es einen Teil, der ist übelgelaunt, in Aufruhr, voller Besorgnisse und einen anderen, der vorwärtsgerichtet ist, voller Hingabe. Alles das, eines nach dem anderen.

Es gibt nur ein Heilmittel: ein Wegweiser muss immer da sein, ein Spiegel, angebracht an richtiger Stelle in unseren Gefühlen, Impulsen, all unseren Empfindungen. Man sieht sie in diesem Spiegel. Es gibt einige, die sind nicht schön oder erfreulich. Andere wieder sind es und müssen bewahrt werden. Das tut man hundertmal am Tag, wenn nötig. Man zieht eine Art großen Kreis um den psychischen Spiegel und ordnet alle Elemente rundherum an. Gibt es etwas, das nicht in Ordnung ist, dann wirft es so etwas wie einen grauen Schatten auf den Spiegel: dieses Element muss verändert, gestaltet werden. Man muss ihm zusprechen, es verstehen machen, man muss aus dieser Dunkelheit herauskommen. Wenn du das tust, wirst du dich niemals langweilen.

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Schlechte Regungen und Gedanken

Mutter, wenn wir zu dir kommen, versuchen wir, in unserer bestmöglichen Verfassung zu sein, das heißt, sehr gute Gedanken zu hegen; aber oft treten, ganz im Gegenteil, all die schlechten Regungen, schlechten Gedanken, die wir während des Tages hatten, hervor.

Das geschieht vielleicht, um sie loswerden zu können.

Wenn sie erscheinen, kann man sie darbringen und darum bitten, von ihnen befreit zu werden.

Das ist vielleicht der Grund, es geschieht deshalb, weil das Bewusstsein im Hinblick auf Läuterung handelt. Es hat überhaupt keinen Zweck, Dinge zu vertuschen und zurückzudrängen und sich einzubilden, es gäbe sie nicht, weil man einen Schleier davor gehängt hat. Es ist sehr viel besser, sich so zu zeigen, wie man ist, vorausgesetzt, man ist bereit, diesen Wesenszug aufzugeben. Wenn es dir gelingt, all den schlechten Regungen zu erlauben, an die Oberfläche emporzutauchen, sich zu zeigen; wenn du sie darbietest, wenn du sagst: „Nun, so bin ich“, und du zur selben Zeit die Sehnsucht empfindest, anders zu sein, dann ist der Augenblick ihres Auftretens äußerst nützlich; ja, du kannst in wenigen Sekunden die Hilfe empfangen, die du brauchst, um ihrer ledig zu werden. Während es nicht sehr nützlich ist, wenn du wie ein kleiner Heiliger kommst und zufrieden fortgehst, ohne irgend etwas empfangen zu haben.

Das Bewusstsein handelt automatisch auf diese Weise, es ist wie ein Lichtstrahl, der Helligkeit verbreitet, wo vorher keine war. Was einzig notwendig ist, ist eine innere Verfassung, in der man die Sache aufgeben, sie loswerden will – sich nicht daran zu klammern und sie zu bewahren. Wenn man sie in aller Aufrichtigkeit aus sich entfernen, verschwinden lassen will, dann ist es sehr nützlich.

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Bringe die falschen Regungen dar

Anstatt (eine falsche Regung) in den Untergrund zu treiben, muss sie dargeboten werden. Man muss der Sache den richtigen Platz zuweisen, der Regung selbst, sie in das Licht projizieren.... Im allgemeinen windet und verweigert sie sich! Aber (die Mutter lacht) das ist die einzige Methode. Deshalb ist dieses Bewusstsein so wertvoll .... Nun, was die Unterdrückung hervorbringt, ist die Idee von gut und schlecht, eine Art Verachtung oder Scham darüber, was man für schlecht hält, und du machst so etwas (Geste der Abwehr), du möchtest es nicht sehen, du möchtest nicht, dass es existiert. Es muss .... Das erste, das allererste, was du begreifen musst ist, dass es die Schwäche unseres Bewusstseins ist, die diese Spaltung verursacht und dass es ein Bewusstsein gibt (dessen bin ich mir jetzt sicher), in welchem diese Spaltung nicht existiert, in dem das, was wir das „Böse“ nennen, im selben Maße notwendig ist wie das, was bei uns das „Gute“ heißt; und dass, falls wir unsere Empfindung – oder unsere Tätigkeit oder unsere Wahrnehmung – in jenes Licht hineinwerfen können, was die Befreiung bringen wird. Anstatt es als etwas zu unterdrücken oder zurückzuweisen, das man zerstören muss (es kann nicht zerstört werden!), muss man es ins Licht hineinwerfen. Und deshalb habe ich über mehrere Tage eine sehr interessante Erfahrung gemacht: Anstatt danach zu trachten, gewisse Dinge weit von sich zu werfen (solche, die man nicht akzeptiert und die im Inneren ein Ungleichgewicht bewirken), anstatt das zu tun, sie anzuerkennen, sie als einen Teil seiner selbst anzunehmen und... (die Mutter öffnet ihre Hände) sie darzubringen. Sie wollen nicht dargebracht werden, doch es gibt eine Möglichkeit, sie zu zwingen: der Widerstand verringert sich in dem Maße, in dem wir unsere Einstellung des Missbilligens abschwächen können. Wenn wir diese Neigung zum Missbilligen ersetzen können durch ein höheres Verständnis, wird uns Erfolg beschieden. Es ist sehr viel einfacher.

Ich glaube, dass es so ist. Alle, alle Regungen, die dich herunterziehen, müssen in Kontakt mit dem höheren Verstehen gebracht werden.

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Die positiven und die negativen Seiten

Es gibt eine positive und eine negative Seite bei dieser Arbeit.

Die positive bedeutet, seine Sehnsucht wachsen zu lassen, sein Bewusstsein zu entwickeln, sein Wesen zu einen, nach innen zu gehen, um immer mehr mit dem psychischen Wesen in Kontakt zu treten. All die Teile, all die Bestrebungen, all die Aktivitäten seiner selbst aufzugreifen und sie diesem psychischen Bewusstsein gegenüberzustellen, so dass sie in Beziehung auf dieses Zentrum ihren richtigen Platz einnehmen. Schließlich, seine ganze Sehnsucht und seinen Fortschritt auf das Göttliche zu richten. Das ist die positive Seite.

Gleichzeitig besteht die negative Seite darin, sich planmäßig und mit scharfem Urteilsvermögen allen Einflüssen zu verweigern, die von außen oder dem Unterbewussten oder Unbewussten oder der Umgebung herkommen und dem spirituellen Fortschritt im Wege stehen. Man muss diese Einflüsse, Einflüsterungen, Impulse deutlich erkennen und sie systematisch abweisen, ohne sich jemals von ihrer Hartnäckigkeit entmutigen zu lassen und sich jemals ihrem Willen auszuliefern. Zur selben Zeit muss man all die unterschiedlichen Elemente in seinem Wesen – seien sie dunkel, egoistisch, unbewusst oder sogar übel gesonnen – klar beobachten, die bewusst oder sonstwie diesen schlechten Einflüssen antworten und ihnen gestatten, nicht nur ins Bewusstsein einzudringen, sondern sich manchmal dort einzunisten. Das ist die negative Seite. Beides muss zur gleichen Zeit praktiziert werden. Dem Augenblick, der Gelegenheit, der inneren Bereitschaft entsprechend musst du mal auf diesem, mal auf jenem bestehen.

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Wachsamkeit

Wachsamkeit heißt, bewusst, auf der Hut zu sein, aufrichtig zu sein – niemals überrumpelt zu werden. Wenn du die Sadhana ausüben willst, dann besteht in jedem Augenblick deines Lebens die Wahl, ob du einen Schritt vorwärts auf das Ziel zugehst oder einschläfst oder manchmal sogar einen Rückschritt machst, indem du dir sagst: „Oh, später, nicht sofort!“ – und dich am Wege niederlässt.

Wachsam zu sein bedeutet nicht bloß, sich dem entgegenzustemmen, was dich niederzieht, sondern vor allem, sich bereitzuhalten, um keine Gelegenheit zum Fortschritt, keine Möglichkeit, eine Schwäche zu überwinden, einer Versuchung zu widerstehen, keine Gelegenheit, etwas zu lernen, etwas zu verbessern, etwas zu meistern, zu verlieren. Wenn du wachsam bist, verwandelst du jeden Umstand deines Lebens, jede Handlung, jede Bewegung in eine Gelegenheit, dem Ziel näherzukommen.

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Возрастное ограничение:
0+
Дата выхода на Литрес:
26 мая 2021
Объем:
262 стр. 5 иллюстраций
ISBN:
9783937701059
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