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SEI DER BESTE FUSSBALLTRAINER

DeAngelo Wiser

SEI DER BESTE FUSSBALLTRAINER

Der Ratgeber für Menschenführung, Teambildung und Coaching im Fußball


Vollständige E-Book-Ausgabe der im Copress Verlag erschienenen Printausgabe (ISBN 978-3-7679-1217-5)

Erstmals erschienen 2016 unter dem Titel

„Winning Your Players throughTrust, Loyalty, and Respect. A Soccer Coach’s Guide“.

© 2016, Oakamoor Publishing

This edition is published by agreement with Bennion Kearny Ltd, Ilustrata & ST & A.

www.bennionkearny.com

© 2017 der deutschen Ausgabe:

Copress Verlag in der

Stiebner Verlag GmbH, Grünwald

www.copress.de

Übersetzung aus dem Englischen: Julia Rickers

Redaktion: Julia Niehaus, lektorat plus, Berlin

Layout und Satz (Printausgabe): Dirk Brauns, Berlin

Covergestaltung: Pierre Sick

Cover-Abbildung: Illustration nach einer Vorlage von imago

Alle Rechte vorbehalten. Dieses Buch darf nur nach vorheriger schriftlicher Zustimmung des Copyright-Inhabers vollständig bzw. teilweise vervielfältigt, in einem Datenerfassungssystem gespeichert oder mit elektronischen bzw. mechanischen Hilfsmitteln, Fotokopierern oder Aufzeichnungsgeräten bzw. anderweitig weiterverbreitet werden.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar.

ISBN 978-3-7679-2057-6

Für Nancy

Auf dem Weg zu diesem Buch gab es viele Herausforderungen zu bewältigen. Das verlangte Zeit, Geduld und Beharrlichkeit. Meine Frau Nancy ist mir Inspiration und wegweisender Leuchtturm in meinem Leben. Ihr widme ich dieses Buch für all das, was sie für mich aufgegeben hat.

Dank

Ich möchte mich bei meinen Spielern1 bedanken, deren Entschlossenheit und Opferbereitschaft unseren Sport so großartig macht. Ich habe es genossen, ihren Einsatz Spiel für Spiel an der Seitenlinie mitzuerleben. Spieler gewinnen Spiele, Trainer feiern Erfolge mit ihren Strategien und beide machen dabei jede Menge lehrreiche Erfahrungen. Ich habe von meinen Spielern gelernt, was es heißt, einen Weg mit allen Höhen und Tiefen gemeinsam zu gehen, zusammen zu lachen und zusammen hart zu kämpfen. Dafür werde ich Euch immer dankbar sein.

Bedanken möchte ich mich auch bei den Eltern, die viel Zeit geopfert haben, um uns auf jede erdenkliche Art zur Seite zu stehen. Sie waren das Rückgrat unseres Teams und haben mit ihrem Engagement ihre Kinder enorm unterstützt. Ich habe Ihre Geduld und Ihr Verständnis immer sehr zu schätzen gewusst.

An alle Schiedsrichter, die mir im Laufe der Zeit begegnet sind: Niemand weiß Ihre Arbeit und Ihren Beitrag zu unserem Sport mehr zu schätzen als ich. Es war wichtig für mich, Sie kennenzulernen. Unsere Gespräche waren für mich immer eine Bereicherung.

Als Co-Trainer braucht man besondere Charaktereigenschaften, die sich nicht mit einem Wort erklären lassen. Die Co-Trainer, mit denen ich zusammengearbeitet habe, waren einmalig. Ich bin ihnen sehr dankbar, für alles, was sie für die Spieler getan haben. Ohne Euch wären wir nicht so erfolgreich gewesen und viele schöne Momente wären ausgeblieben. Ich werde Eure Freundschaft und Euer Engagement nicht vergessen.

Es gibt viele Kollegen, die schon früh in meiner Laufbahn meinen Coaching-Stil geprägt haben und durch deren Beispiel ich gelernt habe, wie ich mit Herausforderungen und schwierigen Situationen umgehen kann. Pat Neilsen, Jim Scobee, Frank Conyers, Joe Crouse, Jay Buffin, Steve Showen und Steve Sandberg – sie alle haben meine Karriere positiv beeinflusst. Jeder von ihnen war einzigartig, aber für sie alle stand das Wohlergehen des Sportlers an erster Stelle. Sie haben an mich geglaubt und gaben mir die Gelegenheit, als Lehrer und Trainer zu arbeiten. Ich stehe tief in ihrer Schuld und werde mich nie dafür revanchieren können.

Meine Einbindung in die NSCAA, den nationalen Fußballtrainerverband der USA, hat meine berufliche Entwicklung enorm beeinflusst. Ich habe im Lauf von 20 Jahren jede Tagung besucht, Diplome in verschiedenen Seminaren erworben und von den besten Kursleitern der Welt profitiert. Mit ist kein zweiter Verband bekannt, der sich so für seine Mitglieder engagiert.

Mein aufrichtiger Dank gilt meinem Verleger James Lumsden-Cook und den Mitarbeitern des Verlag Bennion Kearny Publishing für ihren unermüdlichen Einsatz, der es mir ermöglicht hat, dieses Buch zu veröffentlichen und anderen Trainern und Spielern zugänglich zu machen.

STIMMEN
„Teamarbeit und Persönlichkeit“

Ich habe im Laufe der Jahre mit Hunderten von Trainern zusammengearbeitet und es gibt keinen Zweifel daran, dass DeAngelo Wiser zu jener Eliteklasse von Trainern gehört, die den wahren Wert des Sports verstehen. Wisers Teams sind nicht nur fußballerisch gut ausgebildet, sondern die Spieler sind auch hoch motiviert, weil sie wissen, dass sie ihm als Menschen wichtig sind.

Im Rahmen seiner persönlichkeitsbildenden Methode vermittelt Wiser seinen Teams alle im Sport wichtigen Werte, wie Teamarbeit, Charakterstärke, Disziplin und eine positive Einstellung, um nur einige zu nennen. Ich habe bei Wisers Mannschaften – unabhängig von Siegen und Niederlagen – immer eine großartige Teamdynamik und zufriedene Spieler beobachtet.

In einem Wort, Coach Wiser investiert in seine Spieler, steht ihnen als Mentor zur Seite und ist ein echter Champion.

Jason Neidell, Cheftrainer Frauenfußball, Western Kentucky University

„Die richtige Entscheidung“

Ich hatte das Glück, sieben Jahre lang mit Coach Wiser an der gleichen Schule zu arbeiten. Er hatte immer einen Plan und jederzeit das große Ganze im Blick. Seine Erfahrung und sein Wissen als Trainer, seine Fähigkeit, Menschen zu motivieren, seine ruhige Art und seine Bedachtsamkeit ließen sich tagtäglich erleben. Einer seiner Leitsätze war, dass die richtige Entscheidung nicht immer einfach ist und dass eine einfache Entscheidung nicht immer richtig ist. Die Jahre, die ich beruflich mit ihm verbrachte, haben mich zu einem besseren Trainer, Menschen und Lehrer werden lassen. Für unsere gemeinsame Zeit bin ich unendlich dankbar.

Mike Bowlin, American-Football-Cheftrainer, East Jessamine High School

Inhaltsverzeichnis

EINLEITUNG

TEIL 1

Vertrauen, Loyalität und Respekt

Die Spieler für sich gewinnen

Jedem Spieler das Gefühl geben, dass er wichtig ist

Das Spiel abseits vom Rasen

Vertrauen Sie Ihren Spielern?

Können Sie Ihr Team lesen?

Respekt: Schwer zu verdienen, leicht zu verlieren

Neun Situationen, die es im Spiel zu vermeiden gilt

Zehn Lektionen, die ein Coach einen Spieler nicht lehren sollte

Jeder Spieler hat eine Rolle

Acht Situationen, in denen es auf Ihr Verhalten ankommt

Wie überzeugen Sie das Team von sich?

TEIL 2

Herausforderungen

Die vier kritischen Ks

Die Untrainierbaren erreichen

Negativität: Leicht auszumachen, schwer zu handhaben

Stürme überstehen

Uneinigkeit im Team – tragen Sie dazu bei?

Was sagen Sie?

Wie retten Sie ein Team auf Talfahrt?

Was tun, wenn das Spiel auf der Kippe steht?

Mit einem verfehlten Saisonziel umgehen

Was qualifiziert Sie, mein Kind zu trainieren?

Der Umgang mit aufgebrachten Eltern

TEIL 3

Das Team vorbereiten

Mentale Vorbereitung auf das Spiel

Kann Ihre Ansprache vor dem Spiel über Sieg oder Niederlage entscheiden?

Ist Ihr Team spielbereit?

Kann Ihr Team diese Tür eintreten?

Hört Ihr Team zu?

Hat Ihr Team Hoffnung?

Motivation: echt oder gekünstelt?

Leidenschaft, Hunger und Entschlossenheit

TEIL 4

Der Blick in den Spiegel

Sind Sie eine Inspiration?

Welches Image haben Sie?

Wer sind Sie?

Geht es im Training um Sie?

Können Sie mit der Wahrheit umgehen?

Kommen Sie Ihr Team teuer zu stehen?

Interviews nach dem Spiel: Habe ich das wirklich gesagt?

Overcoaching – je lauter, desto besser?

Was sagen Sie Ihrem Sportdirektor?

Sind Sie bereit, ein Toptrainer zu werden?

Spiegelbilder: Was zeichnet Ihr Team aus?

Unbequeme Fragen – an uns selbst

EINLEITUNG
Träume verlassen uns nie, es sei denn, wir erlauben es ihnen.

Wenn wir eine Stelle als Coach antreten, denken wir tendenziell an die Schokoladenseiten des Trainerdaseins: Meisterschaften, Siegesfeiern, das Hervorbringen von erfolgreichen Profi- oder gar Nationalspielern, persönliche Anerkennung und vieles mehr. Es ist ganz normal, von Erfolgen zu träumen, aber in der Realität müssen wir viele Herausforderungen meistern, bevor unsere Träume Wirklichkeit werden. Dann heißt es: Ohne Fleiß kein Preis und es gilt, zu malochen. Wir müssen die Ärmel hochkrempeln und uns durchbeißen, um vorwärtszukommen. Zu wissen, wie wir schwierige Situationen in Angriff nehmen und am besten mit ihnen umgehen – und ich stand in meiner Laufbahn vor vielen – ist der Schlüssel dazu, wie erfolgreich wir mit unseren Teams sein werden. Herausforderungen haben mich immer gestärkt, meinen Charakter gefestigt und mir klar gemacht, dass ich den besten Job der Welt habe. Wo sonst hat man außerhalb der Schule die Möglichkeit, jungen Menschen etwas beizubringen und ihnen etwas fürs Leben mitzugeben? Meine erste Herausforderung bestand darin, überhaupt meinen Weg in diesen Beruf zu finden. Ohne die Unterstützung meiner Frau Nancy wäre es nicht so gekommen.

Meine Geschichte ist keine, die vom Überwinden unbezwingbarer Hindernisse oder Widrigkeiten handelt, sondern eine von beharrlicher Ausdauer und vom Festhalten an einem Traum. Zwischen meinem dritten und vierten Jahr am College trat ich in der Hoffnung Offizier zu werden dem US-Marinekorps bei. In der Offiziersschule in Quantico trainierte ich auf höchstem Niveau und eignete mir Führungskompetenzen an, die mir noch viel nutzen sollten. Nach der vorgesehenen Zeit stellte sich jedoch heraus, dass für einen Abschluss weitere Kurse zu absolvieren waren. Ich war aber nicht bereit, an die Offiziersschule zurückzukehren und so wurde nichts aus der Karriere beim Militär.

Nach meinem College-Abschluss in Sporterziehung fand ich keine Anstellung als Lehrer oder Trainer. Mein Bereich war überlaufen, ich wusste nicht, wie man sich auf dem Arbeitsmarkt behauptet und hatte keine Beziehungen, die mir irgendwie hätten helfen können. Also begann ich, in einer Fabrik zu arbeiten, und ich heiratete. Später arbeitete ich bei einem Start-up-Unternehmen für Industrieöfen, für das ich durch Nordamerika reiste, außerdem verkaufte ich Autos und arbeitete als Filialleiter für namhafte Autohäuser. Dieser „Abstecher“ dauerte 14 Jahre und führte mich in meine späten Dreißiger, aber ich hoffte immer noch darauf, irgendwann jungen Leuten etwas beibringen zu können, obwohl meine Lehrbefähigung abgelaufen war.

Für die Motivation und Entschlossenheit, meinen Traum endgültig anzugehen, sorgte ein Scheck über 0,00 $, den ich für einen ganzen Monat ergebnisloser Arbeit erhielt. Können Sie sich vorstellen, wie sich das anfühlt? Meine Frau und ich beschlossen auf der Stelle, dass wir von nun an von ihrem Gehalt leben würden und ich wieder ans College gehen würde, um den für die Zertifizierung benötigten Master-Abschluss zu machen. Wir ahnten nicht, dass es vier Jahre dauern sollte und viele Hilfsjobs (ich mähte jede Menge Rasen!) den Weg pflastern würden, bis ich mein Ziel erreichte. Mit 40 Jahren, aber nach wie vor voller Enthusiasmus, erfüllte ich mir schließlich den Wunsch, mit jungen Menschen zu arbeiten, ihnen zu helfen, zu verantwortlichen Erwachsenen heranzuwachsen, und Fußballtrainer zu sein.

Meine erste Anstellung war noch nicht das, was ich mir vorgestellt hatte. Weil ich in einer speziellen Schulform immer wieder als Ersatzlehrer eingesprungen war, bekam ich eine volle Stelle an einer Alternativschule angeboten. Meine neuen Schüler und ich waren wie füreinander geschaffen. Ich unterrichtete den ganzen Tag die gleichen 15 Kinder, die mit unterschiedlichen Lernschwierigkeiten zu kämpfen hatten und individuelle Lerninhalte bearbeiteten. Ich hatte wirklich das Gefühl, etwas in ihrem Leben zu bewegen, indem ich sie ermutigte, mich um sie kümmerte und ihnen Lebenskompetenzen beibrachte, die sie – zu dem Zeitpunkt – dringender benötigten als Naturwissenschaften, Englisch oder Mathe. Letztendlich waren sie mein erstes Team und ich habe viel von ihnen gelernt. Es sollten noch vier Jahre ins Land ziehen, bevor ich meine erste Stelle als regulärer Sportlehrer antrat, aber die Zeit an der Alternativschule wird mir immer eine kostbare Erinnerung sein und ich weiß den Einfluss sehr zu schätzen, den die jungen Leute, die Lehrer und die Schulleitung auf mein Leben hatten.

Als ich gebeten wurde, ein Mädchenfußballteam zu coachen, das es erst seit einem Jahr gab, willigte ich ein, obwohl ich in diesem Bereich kaum Erfahrung hatte. Ich begann also, mich einzuarbeiten, las und schaute mir alles an, was mir dazu in die Finger kam, erwarb eine Trainerlizenz beim nationalen Fußballtrainerverband der USA, besuchte Workshops und Seminare und verfolgte den Sport auf allen Ebenen.

Heute, 357 Spiele, unzählige herausragende junge Sportler, Co-Trainer und Sportdirektoren später, bin ich glücklich und dankbar. In der Arbeit mit meinen Spielern und im Kontakt mit ihren Eltern haben sich mein Charakter und meine Werte gefestigt. Ihnen, meinen Trainerkollegen, sowie den Schulleitungs- und Schiedsrichterteams habe ich es zu verdanken, dass mir mein Trainerdasein so viel Spaß macht. Es wäre einfach gewesen, meinen Traum aufzugeben, aber mit der Hilfe meiner Frau war es mir möglich, ihn Wirklichkeit werden zu lassen.

Träume lassen uns hoffen und inspirieren uns zu Dingen, die unmöglich scheinen. Geben Sie Ihre Träume nicht auf. Sie betreffen nicht nur Sie, sondern berühren auch viele andere. Ich wünsche Ihnen das Beste für Ihre Laufbahn.

Coach DeAngelo Wiser

TEIL 1
Vertrauen, Loyalität und Respekt

„Im Kern bedeutet Loyalität, Menschen zu schätzen, die dir die Wahrheit sagen, und nicht nur solche, die dir sagen, was du hören willst. Du solltest sie sogar am allermeisten schätzen, denn sie begegnen dir auf Augenhöhe, und sie gehen davon aus, dass du dem gewachsen bist. Beides ist ein Kompliment.“

Pat Summitt, Basketballtrainerin in der NCAA

Vertrauen, Loyalität und Respekt sind drei Begriffe alter Schule, die heute noch genauso eine Strahlkraft haben wie früher. Im Sprachgebrauch heutiger Trainer scheinen sie jedoch in einem Meer aus Fachvokabular und Jargon aus den sozialen Medien untergegangen zu sein. Dabei sind sie genauso wichtig wie andere Begriffe, die wir benutzen.

Haben Sie schon einmal überlegt, was es Ihnen ermöglicht, Ihre Spieler überzeugend zu erreichen? Es sind das Vertrauen, die Loyalität und der Respekt, die Sie sich durch die schwierigen Entscheidungen verdienen, die Sie tagtäglich mit Ihrem Team treffen. Die Kommunikation mit unseren Spielern und auch mit denen, die nicht zum Team gehören, hat großen Einfluss auf deren Leben. Diese Kommunikation muss mit dem, was wir tun, wenn wir Verantwortung übernehmen, in Einklang stehen. Diese Kommunikation ist es, die uns Glaubwürdigkeit verleiht.

Wenn unsere Spieler außerhalb des Sports mit tragischen Situationen wie Krankheit, Tod und anderen Schicksalsschlägen konfrontiert sind, dann ist es von größter Bedeutung, dass wir in der Lage und bereit dazu sind, alles stehen und liegen zu lassen und unseren Spielern Trost zu spenden. Wenn sie Fragen zu ihrer Rolle im Team haben und wir ihnen ehrliche Antworten geben, verdienen wir uns ihr Vertrauen, ihre Loyalität und ihren Respekt. Zu wissen, was wirklich wichtig ist, und das Wohlergehen der Spieler immer vorn anzustellen ist ein Kernaspekt im Coaching.

In diesem Teil des Buchs geht es um die Frage, wie wir unsere Spieler erreichen.

•Sind Sie in der Lage, Ihren Spielern in entscheidenden Situationen zu vertrauen?

•Haben Sie das Bedürfnis, jede Bewegung oder jeden Spielzug zu orchestrieren?

•Spüren Sie, wenn etwas im Team nicht stimmt?

•Wissen Ihre Spieler, dass sie den Verein auch außerhalb des Platzes repräsentieren?

•Nehmen Sie sich die Zeit, mit jedem Spieler über seine Rolle im Team zu sprechen?

Die Spieler für sich gewinnen

Trainer verbringen viele Stunden mit der Suche nach Aktivitäten, Büchern oder DVDs, um ihre Spieler das ganze Jahr über zu motivieren, zu inspirieren und einzubeziehen. Wenn Sie schon eine Zeitlang Coach sind, ist Ihr Arbeitszimmer vermutlich voller Bücher, DVDs und anderer Materialien, die einmal benutzt wurden und seither im Regal verstauben.

In diesen Medien suchen wir nach bestimmten Worten und Sätzen, die im entscheidenden Moment, zum Beispiel bei Turnieren, das Team zu Höchstleistungen anspornen und Magisches vollbringen lassen. Es ist immer ein gutes Gefühl, wenn wir eine Abhandlung finden, die auf eine bestimmte Situation passt und mit unserer eigenen Philosophie in Einklang steht. Vielleicht verleihen uns die Gedanken oder Schriften anderer mehr Gewicht gegenüber unserem Team? Vielleicht geben sie uns das Selbstvertrauen, von unseren Spielern mehr zu verlangen als je zuvor? Vielleicht helfen sie uns, unsere Spieler davon zu überzeugen, dass sie besser sind, als sie denken?

Egal, auf was Sie zurückgreifen, im Endeffekt kommt es allein auf Sie an. Sie – der Coach – sind es, dem die Spieler zuhören. Sie – der Coach – sind es, den die Spieler sehen. Aber was öffnet Ihnen die Türen? Was lässt Sie Ihre Spieler erreichen und verleiht Ihren Worten Glaubwürdigkeit?

Vertrauen, Loyalität und Respekt

Vertrauen, Loyalität und Respekt lassen sich nicht kaufen. Man muss sie sich verdienen. Und es gibt einen entscheidenden Schlüssel, mit dem sich Vertrauen, Loyalität und Respekt verdienen lassen: Es ist die Art und Weise, wie Sie Entscheidungen treffen und kommunizieren. Wie das Schaubild gegenüber verdeutlicht, fallen täglich Entscheidungen an. Manche werden von schwierigen Situationen herausgefordert, sie resultieren aus Konflikten, Konfrontationen, Kontroversen oder Wahlmöglichkeiten. Andere ergeben sich aus Siegen, Erfolgen, Auszeichnungen, Niederlagen, Medien und Meisterschaften.

Das ganze Jahr über, in jeder Situation, die eine Entscheidung erfordert, beobachtet, erlebt und speichert das Team Kostproben Ihres Charakters und Ihrer Integrität. Stimmen Ihre Handlungen und Worte miteinander überein? Jedes Mal, wenn eine Entscheidung nicht zu den von Ihnen formulierten Erwartungen und denen Ihrer Spieler passt, also inkonsequent ist, verlieren Sie etwas Vertrauen, Loyalität und Respekt. Wenn dieses Muster über einen längeren Zeitraum (in verschiedenen Situationen) anhält, besteht die Gefahr, dass Sie Ihr Team gänzlich verlieren. Klar, Ihre Spieler werden Ihnen noch zuhören und wahrscheinlich weiterhin ihr Pflichtprogramm erfüllen, aber Ihre Worte werden bedeutungslos für sie.


Wenn wir aber selbst in schwierigen Zeiten konsequente Entscheidungen treffen, die auf den Erwartungen beruhen, die zu Beginn der Saison formuliert wurden, verbessert das unsere Aussichten, Vertrauen, Loyalität und Respekt zu ernten.

In dem Moment, in dem wir eine Entscheidung treffen, die auf Charakterstärke und Integrität basiert, gewinnen wir unser Team. Das bedeutet nicht, dass diese Entscheidung allen gefallen wird, aber die Spieler werden verstehen, dass man sich an den vereinbarten Erwartungen orientieren muss. Anders ausgedrückt: Wenn wir unsere Spieler für uns gewinnen, wenn sie unserer Führung vertrauen und wir uns ihre Loyalität verdienen, dann befreit sie das mental für ein Spiel voller Leidenschaft, Begeisterung und Optimismus. Und ist das nicht genau das, was wir wollen?

Jedem Spieler das Gefühl geben, dass er wichtig ist

Viele von uns hatten das Glück, in Teams zu spielen, in denen wir das Gefühl hatten, ein besonderer Bestandteil einer Gruppe herausragender Sportler zu sein. Es gab wahrscheinlich Mitspieler, mit denen wir befreundet waren oder die wir mehr mochten als andere, aber das Umfeld, das unser Trainer schuf, gab allen das Gefühl, wichtig zu sein, egal ob wir der Starspieler waren, Auswechselspieler oder kaum eingesetzt wurden. Wie war das möglich?

Denken Sie an Ihre Kindheit und Ihre Familie. Ob es ein Kind war oder zehn, ein Elternteil oder zwei oder Stiefeltern: Ihre Eltern oder Erziehungsberechtigten werden ihr Bestes getan haben, um jedem das Gefühl zu geben, wichtig zu sein – und das mag zuweilen eine Herkulesaufgabe gewesen sein. Wie können wir jetzt, wo wir als Trainer arbeiten, unser Bestes geben, um 15 bis 35 Spieler diese Zusammenarbeit als tolle Erfahrung erleben zu lassen? Ist das machbar? Ist es überhaupt wichtig? Ja, es ist wichtig.

Bei all der Verantwortung für die Trainingsvorbereitung, die Spielstrategie, die Organisation bzw. Büroarbeit und vieles mehr ist es nicht einfach, diesen Aspekt des Coachens im Auge zu behalten. Die meisten von uns können einen kleinen Auffrischungskurs bezüglich dessen, was wir tun können, um die Leistung jedes Spielers zu maximieren und jedem das Gefühl zu geben, ein besonderer Bestandteil des Teams zu sein, gut gebrauchen.

1.Begrüßung. Sprechen Sie bei jedem Training mit jedem Spieler und schauen ihm dabei in die Augen. Das ist ausschlaggebend für eine einladende und verbindliche Atmosphäre im Training und im Spiel. Die Spieler müssen wissen, dass Sie sich freuen, sie zu sehen, und dass Sie sich darauf freuen, sie im Spiel und beim Training zu sehen.

2.Rolle. Wenn Sie einen Spieler ins Team aufnehmen, haben Sie eine Vorstellung davon, wie er dem Team helfen kann. Lassen Sie die Spieler zu Beginn der Saison wissen, in welcher Rolle Sie sie sehen, und fragen Sie sie selbst, was sie glauben, zum Team beitragen zu können.

3.Kommunizieren. Wir alle reden mit unseren Spielern über unseren Sport, aber wenn wir sie einfach mal nach ihren schulischen Angelegenheiten, anderen Interessen oder ihren Familien fragen, dann zeigt ihnen das, dass wir uns wirklich dafür interessieren, wie es ihnen geht.

4.Herausfordern. Jeder Spieler sollte während des Trainings und des Spiels mit Nachdruck und Intensität herausgefordert werden, egal ob er der beste Spieler ist oder nicht. Geben Sie einen Spieler niemals auf. Wenn ein Spieler keine den Erwartungen entsprechende Leistung zeigt oder sich nicht verbessert, dann sprechen Sie mit ihrem Assistenten darüber und entwickeln Sie einen Plan.

5.Evaluieren. Nehmen Sie sich die Zeit, entweder selbst oder durch Ihren Assistenten in bestimmten Abständen durch die Saison hindurch die Entwicklung bzw. Fortschritte jedes einzelnen Spielers auszuwerten. Die Spieler brauchen eine Hilfestellung, die ihnen Wege zur Verbesserung ihres Könnens und ihrer mentalen Herangehensweise an das Spiel aufzeigt.

6.Einbeziehen. Suchen Sie nach Möglichkeiten, Spieler in Entscheidungen, die sich auf das Team auswirken, einzubeziehen. Die Spieler wollen nicht außen vor gelassen werden und sind oft verstimmt, wenn das geschieht. Eine solche Einbeziehung kann außerdem verborgene Führungsqualitäten zum Vorschein bringen.

7.Zuhören. Wenn ein Spieler ein Problem oder eine Idee hat, nehmen Sie sich die Zeit zuzuhören. Egal ob die Angelegenheit weiterführend bzw. von Bedeutung ist oder nicht, sie ist dem Spieler wichtig. Unterbrechen Sie das, woran Sie eventuell gerade arbeiten, seien Sie aufnahmebereit und zeigen Sie – auch durch Ihre Körpersprache –, dass Sie zuhören. Seien Sie nie zu beschäftigt zum Zuhören. Wir können viel von unseren Spielern lernen.

8.Gelegenheit. Geben Sie den Spielern Gelegenheit, im Spiel oder im Training zu glänzen. Sie haben sie nicht ohne Grund ins Team aufgenommen, lassen Sie sie spielen. Und wenn Sie sie nicht spielen lassen, sagen Sie ihnen zumindest, warum. Geben Sie Ihr Bestes, um geeignete Situationen abzupassen.

9.Beitragen. Lassen Sie die Spieler wissen, was sie zum Erfolg des Teams beitragen. Jeder Spieler möchte das Gefühl haben, dass er einen Beitrag für das Team leistet. Es kann auch eine tolle Einstellung und Hilfsbereitschaft den Mitspielern gegenüber sein, die einen Spieler besonders macht. Wenn dem so ist, lassen Sie es ihn wissen. Jeder Spieler hat positive Eigenschaften, die Ihr Team braucht. Heben Sie solche bei jeder Gelegenheit hervor.

10.Gratulieren. Wenn ein Spieler etwas Besonderes macht, egal ob er im Training 150 Prozent gibt oder während eines Spiels einen tollen Pass schießt, lassen Sie ihn wissen, wie stolz Sie auf ihn sind. Nehmen Sie sich die Zeit, ihn zu fragen: „Wie hast du dich dabei gefühlt?“

Mit der Aufgabe, unser Team durch die Saison zu führen, setzen wir uns selbst so unter Druck, dass uns das oft daran hindert, dem Bedürfnis der Spieler gerecht zu werden, sich wichtig zu fühlen. Jeder Spieler hat das Bedürfnis, dass Sie etwas sagen oder tun, das ihn immer wieder zurückkommen und ganzen Einsatz für seine Mitspieler zeigen lässt. Es braucht nicht viel Zeit und Gelegenheiten bieten sich jeden Tag. Nehmen Sie sich heute die Zeit, Ihren Spielern das Gefühl zu geben, etwas Besonderes zu sein, und lassen Sie sie wissen, wie dankbar Sie für alles sind, was sie zum Team beitragen. Das wird viel mehr bewirken als ein gewonnenes Spiel.

Das Spiel abseits vom Rasen

Im Laufe der Saison werden Sie Gelegenheit haben, es mit dem allerwichtigsten Gegner aufzunehmen, gegen den Sie als Trainer antreten werden. Und Sie müssen gewinnen. Allerdings steht dieses Match auf keinem Spielplan. Die Rede ist von Situationen, in denen unsere Spieler sich einen (meist charakteruntypischen) Fehltritt leisten und wieder auf die richtige Bahn gebracht werden müssen.

Solche Situationen ergeben sich zum Beispiel, wenn jemand in eine Prügelei gerät, in den sozialen Medien etwas Unverantwortliches postet, das Training schwänzt, den Bus zu einem Auswärtsspiel verpasst oder sonstiges inakzeptables Verhalten an den Tag legt. In solchen Situationen muss man als Trainer den Spieler zur Rechenschaft ziehen. Ganz wesentlich dabei ist, sicherzustellen, dass die Spieler von Anfang an verstehen, was von ihnen erwartet wird und was passiert, wenn sie dem nicht gerecht werden.

Die Spieler erwarten, zur Rechenschaft gezogen zu werden, und wenn wir dem als Trainer nicht nachkommen, büßen wir an Vertrauen, Loyalität und Respekt ein. Dies ist einer der Momente, in denen wir unsere Spieler und damit letztendlich unser Team für uns gewinnen können oder verlieren.

Kritische Situationen ergeben sich oft am Rande wichtiger Spiele, bei Turnieren oder vor einem Meisterschaftsspiel und können dann bedeuten, dass ein Spieler auf der Bank bleiben muss. Das kann die Entscheidung zwar schwierig machen, sollte aber Ihr Urteil hinsichtlich der Verantwortung des Spielers nicht beeinträchtigen.

Wenn Sie schon einige Zeit als Trainer arbeiten, haben Sie sicher schon Coachs beobachtet, die in vermeintlich guter Absicht versuchen, ihren Spielern mit abgemilderten oder vermiedenen Bestrafungen entgegenzukommen, um sie spielen lassen zu können. Warum soll die Mannschaft darunter leiden? lautet ihre Begründung. Damit haben sie nicht ganz unrecht, andererseits müssen die Spieler genau das lernen: Dass alles, was sie innerhalb eines Teams tun, Auswirkungen auf die anderen hat.

Welche Überlegungen könnten Ihre Glaubwürdigkeit untergraben?

•Es handelt sich um einen meiner besten Spieler. Es ist zwar zu wünschen, dass es sich bei demjenigen, der ein inakzeptables Verhalten an den Tag gelegt hat, nicht gerade um einen Schlüsselspieler handelt, aber das darf keinen Einfluss auf Ihre Entscheidung haben. Es ist egal, um welchen Spieler es geht, jeder muss für seine Taten geradestehen.

•Welches Spiel steht als Nächstes an? Es ist in Ordnung, sich den Spielplan anzuschauen, um zu sehen, gegen wen man als Nächstes spielt. Aber nicht, wenn Sie herausfinden, dass es sich bei dem Gegner um einen starken Rivalen handelt, und Sie dann überlegen, wie Sie den betreffenden Spieler doch zur Teilnahme berechtigen können.

•Kann ich die Strafe aufschieben, indem ich ein Spiel überspringe oder bis zur nächsten Saison warte? Wenn Sie den Versuch machen, zu rechtfertigen, dass Sie ein Spiel überspringen, bevor Sie einen Spieler bestrafen, wird das Ihrer Glaubwürdigkeit den Todesstoß versetzen. Ihnen muss klar sein, dass die Spieler genau beobachten, was Sie tun, und wenn Sie nicht bei jedem Spieler genau gleich handeln, verlieren Sie das ganze Team.

•Ich werde das Team abstimmen lassen. Das Team entscheiden zu lassen, bedeutet nichts anderes, als sich aus der Affäre zu ziehen und eine eigene Entscheidung zu vermeiden. Wir alle wissen, dass die Mannschaft üblicherweise dafür stimmt, einen Spieler spielen zu lassen und ihn später zur Verantwortung zu ziehen. Sie sind es, der die Entscheidung treffen und die richtigen Maßnahmen ergreifen muss, denn Sie führen das Team.

•Kann ich eine einfache, sofortige Strafe ansetzen? Dem Sportdirektor oder der Vereinsleitung zu erzählen, dass Sie den schuldigen Spieler nach dem großen Spiel im Training Runde um Runde um den Platz jagen werden, ist nicht die richtige Botschaft. Weder für seine Mitstreiter, noch an Ihre Kollegen. Nehmen Sie dem Spieler sein Spiel und er wird seine Lektion lernen, und zwar nicht nur er, sondern das ganze Team.

•Reicht es, wenn der Spieler sich entschuldigt? Sich zu entschuldigen, sollte für die Spieler eine Selbstverständlichkeit sein. Das begleicht nicht die Rechnung für ihre Taten, ist aber von großer Bedeutung, weil es ihre Persönlichkeit bildet.

Entschuldigungen sollten erwartet werden.

Welche Fragen müssen gestellt werden?

•Wer ist es? Wir müssen wissen, welche Spieler beteiligt waren. Die Auswirkungen könnten weitreichender sein als irgendeins unserer Spiele. Vergessen Sie nicht, es ist jemand aus Ihrem Team, und es ist Ihre Pflicht, so bald wie möglich mit ihm oder ihnen zu sprechen.

•Was sind die Fakten? Sammeln Sie alle Informationen über den Vorfall und befragen Sie so viele Leute dazu wie möglich. Sie müssen sich über das, was vorgefallen ist, ein klares Bild verschaffen. Stellen Sie sicher, dass Sie alle Fakten zusammenenhaben, bevor Sie eine Entscheidung treffen.

•Müssen die betroffenen Spieler ein Spiel aussetzen, solange wir den Fall prüfen? Wenn es irgendeinen Zweifel an der Teilnahmeberechtigung eines Spielers gibt, fragen Sie Ihren Sportdirektor um Rat. Die Saison zu gefährden ist nichts, das man auf die leichte Schulter nehmen sollte. Im Vergleich zu einer verwirkten Saison ist ein ausgesetztes Spiel bedeutungslos.

•Sollten der Sportdirektor oder die Vereinsleitung einbezogen werden? Sie sollten Ihren Sportdirektor oder die Vereinsleitung bei allen Vorfällen einbeziehen. Ihre Kollegen sollten darüber nie zuerst von den Eltern oder von Außenstehenden erfahren. Aus rechtlicher Sicht ist das eine Absicherung für Sie.

•Für was wird der Spieler zur Verantwortung herangezogen? Stellen Sie sicher, dass Sie in jeder Situation die richtige Strafe anwenden. Die Spieler wissen, was sie erwartet, wenn sie mit Ihnen zu Beginn der Saison Grundregeln festgelegt haben.

•Wissen die Eltern Bescheid? Kontaktieren Sie die Eltern frühzeitig und informieren Sie sie über die Situation. Ein persönliches Gespräch ist am besten. Nachdem Sie den Entscheidungsprozess abgeschlossen haben, sollten Sie sie wissen lassen, welche Maßnahmen erfolgen. Stellen Sie sicher, dass sie das von Ihnen erfahren und nicht von ihrem Sohn oder ihrer Tochter.

•Sollte das Team informiert werden? In Hinblick auf rechtliche Fragen und zum Schutz der Privatsphäre empfehle ich, dass Sie sich mit Ihrem Sportdirektor beraten, bevor Sie eine Teambesprechung einberufen. Vielleicht sollten Sie ein Mitglied der Vereinsleitung hinzuholen, das die Besprechung leitet. Die Spieler sollten nicht auf Gerüchte angewiesen sein, sondern die Fakten zu hören bekommen, die Sie ihnen mitteilen können.

Mit solchen Situationen umzugehen ist niemals leicht, aber stellen Sie sich vor, wie es wäre, wenn Ihre Spieler weder Erwartungen hätten, noch Verantwortung für ihr Handeln übernähmen. Jene Erwartungen, die Sie und das Team zu Beginn der Saison ausgearbeitet haben, müssen der Maßstab sein, an dem sich Ihr Team orientiert. Wenn Sie Ihre Spieler in diesen Prozess einbeziehen, dann geht es nicht nur darum, was Sie für richtig halten, sondern auch darum, was sie für richtig halten.

Es gibt keinen guten Zeitpunkt für ein Fehlverhalten eines Spielers, das Auswirkungen auf seine Mitspieler hat. Die Lektion, die die Spieler lernen, ist für alle hart, aber indem Sie mit Ihrer ganzen Persönlichkeit und Integrität die bestmögliche Entscheidung treffen, erarbeiten Sie sich das Vertrauen, die Loyalität und den Respekt, den Sie für den Rest der Saison benötigen.

Es geht nicht darum, jeden zufriedenzustellen. Es geht darum, ein Spiel zu gewinnen, das bedeutender ist als jeder Gegner auf dem Rasen. Gelegenheiten, unsere Spieler dahin zu führen, gute Entscheidungen zu treffen, bieten sich die ganze Saison hindurch. An diesem Punkt sollten wir uns daran erinnern, dass es uns genauso wichtig ist, die Persönlichkeit zu fördern wie den Spieler.

Vertrauen Sie Ihren Spielern ?

Sind Sie in der Lage, Ihren Spielern in einer kritischen Spielsituation zu vertrauen? Geben Sie Ihnen Gelegenheiten, Fehler zu machen? Wissen die Spieler, dass Sie ihnen vertrauen? Oder haben Sie das Bedürfnis, möglichst jede Situation unter Kontrolle zu haben? Ich erlebe jeden Tag Trainer, die während des Spiels von der Seitenlinie kontinuierlich Anweisungen ins Feld schreien. Einige beabsichtigen, Informationen zu übermitteln. Für andere ist das eine Möglichkeit, ihre nervliche Anspannung abzubauen. Warum haben sie das Bedürfnis, jeden Pass, jeden Lauf, jeden Aspekt des Spiels verbal zu steuern? Im Basketball wird dieses Verhalten erwartet, da rennen die Trainer die Seitenlinien rauf und runter, aber was ist mit Sportarten, die draußen auf großen Plätzen gespielt werden? Ein Spieler, der sich auf der anderen Spielfeldseite befindet, hat keine Chance, genau zu hören, was der Coach ruft.

Und bei der Arbeit? Wie würden wir reagieren, wenn da der Chef den Flur rauf- und runterlaufen würde und seinen Angestellten im Sekundentakt schreiend Anweisungen geben würde? Das fänden wir absurd. Warum tun Trainer sich mitunter so schwer, ihren Spielern zu vertrauen? Gibt es eine Möglichkeit, wie wir unsere Sportler den Großteil der Entscheidungen während einer Partie selbst fällen lassen können? Das hängt von Ihrem Coaching-Stil ab.

Wie muss ein Training aussehen, das die Spieler befähigt, während eines Spiels vernünftige Entscheidungen zu treffen? Hier sind ein paar Schritte, die in diese Richtung führen.

1.Lehren, lehren, lehren. Beginnen Sie im Training. Bringen Sie den Spielern mit jeder Aktion neben dem physischen Können auch die Kunst der Entscheidungsfindung als Teil der Problemlösung bei. Skizzieren Sie ein Bild, das die Spieler erfassen können.

2.Kommunizieren. Erklären Sie Ihre Erwartungen an das Spiel der Mannschaft und die damit verknüpften Chancen für Spieler und Team. Jede Situation auf dem Feld schafft Möglichkeiten und Lösungen. Die Spieler müssen wissen, dass Sie ihnen freie Hand lassen, selbst zu entscheiden, welche Lösung die beste ist.

3.Sich zurückhalten. Wählen Sie einen angemessenen Zeitpunkt, um mit einem Spieler zu reden, der eine fragwürdige Entscheidung getroffen hat. Lassen Sie während des Spiels unvermeidlich hochschießende Emotionen grundsätzlich außen vor. Im Training sollten Sie vielleicht direkt mit dem Spieler sprechen, um eventuell ein Aha-Erlebnis hervorzurufen. Trifft er die Fehlentscheidung während eines Spiels, sollten Sie besser erst nach seiner Auswechslung oder sogar erst nach dem Abpfiff mit ihm sprechen.

4.Nacherleben. Fordern Sie Ihre Spieler auf, Situationen zu überdenken und sich noch einmal bildlich vor Augen zu führen, was sie erlebt haben. Zuhören, zuhören, zuhören. Lassen Sie sie reden, und vermeiden Sie es, einzuhaken und jeden Satz oder Gedanken oder jede Idee zu korrigieren.

5.Optionen. Haben die Spieler andere Optionen gesehen? Gab es welche? In 99 Prozent der Fälle wissen die Spieler, welche Entscheidung die richtige gewesen wäre. Sagen Sie ihnen, dass Sie an ihre Fähigkeiten glauben und dass Sie wissen, dass sie es beim nächsten Mal richtig machen werden. Dieses Zutrauen wird ihnen Mut geben, Entscheidungen zu treffen.

6.Freiheit. Vermitteln Sie den Spielern, dass Fehler dazugehören. Am meisten zählt, dass sie etwas aus ihnen lernen. Wenn Sie dafür sorgen, dass die Spieler den Kopf frei haben, ermöglicht ihnen das, gute Entscheidungen zu treffen, ohne Druck von Ihrer Seite zu spüren, und schneller wieder ins Spiel zu finden.

7.Glanzleistungen ansprechen. Lassen Sie die Spieler wissen, wenn sie etwas richtig machen. Loben, loben, loben. Unterbrechen Sie in solchen Momenten im Training die Übung und lassen Sie die Spieler die erfolgreiche Abfolge von Aktionen und Entscheidungen noch einmal nachspielen.

8.Vertrauen. Lassen Sie los und erlauben Sie den Spielern, Entscheidungen zu treffen und sich weiterzuentwickeln! Das kann einige Zeit dauern, wenn Sie das Bedürfnis haben, immer alles unter Kontrolle zu haben. Lassen Sie bei jedem Spiel ein bisschen mehr los und Sie werden erstaunt sein, wozu Ihre Spieler in der Lage sind.

Es lohnt sich, der Entscheidung eines Spielers zu vertrauen. Ein Paradebeispiel dafür ist eine Situation, die ich nie vergessen werde. Sie ergab sich nach einer heiß umkämpften Partie, die im Elfmeterschießen endete.

Ein Elfmeterschießen ist immer eine qualvolle Situation. In diesem Fall hatten sich beide Teams 110 Minuten lang einen harten Schlagabtausch geliefert. Es ist normal, dass in einem solchen Moment alle Spieler erschöpft und mental ausgelaugt sind, ob sie es zugeben oder nicht. So verhielt es sich auch in diesem Regionalfinale, bei dem wir gegen unseren schärfsten Rivalen angetreten waren und nun die Spieler für das Elfmeterschießen auswählen mussten. Das ist nie eine einfache Aufgabe und besonders schwer, wenn Ihre Spieler einigermaßen gleich gut sind.

Außerdem bedeutete dieses Spiel das Ende einer Ära. Wir hatten drei Regionaltitel gewonnen, unser Konkurrent zwei, die Chance, dass wir noch einmal in einem Regionalfinale aufeinandertreffen würden, war gering. Nach diesem Spiel hätten wir entweder beide drei Regionaltitel gewonnen, oder wir hätten vier und sie zwei gehabt. Ich war optimistisch, dass wir auch den vierten Titel holen würden, aber beim Elfmeterschießen ist alles möglich. „Coach, ich brauche Ihre Liste”, rief der Schiedsrichter, während ich noch darüber nachdachte und mit meinem Co-Trainer diskutierte, welche Spieler ich auswählen sollte.

Als ich mich unter unsere Spieler mischte, nahm mich der Kapitän zur Seite und sagte: „Coach, lassen Sie Kevin schießen. Der ist richtig gut bei Elfern, und ich weiß, dass er es schafft.“ Ich bedankte mich für den Vorschlag und zog mich zurück. Ich musste nachdenken, ich wollte keinen Fehler machen.

Schließlich schaute ich mir meine Liste an, dachte daran, wie sehr ich sonst auf die Meinung des Kapitäns vertraute, und schrieb Kevins Namen auf. Er verwandelte den Elfmeter und wir gewannen an diesem Abend unseren vierten Regionaltitel. Ein freudiges Ereignis für unser Team und ein Moment des Vertrauens zwischen Coach und Spieler, den ich nie vergessen werde.

Es hat viele Vorteile, die Spieler selbst Entscheidungen treffen zu lassen. Einige sind im Folgenden aufgeführt.

1.Führungsspieler. Ihr Team braucht keine Führungsspieler, wenn Sie den Spielern nicht erlauben, auf dem Feld und jenseits davon Entscheidungen zu treffen. Wenn Sie ihnen beibringen, vernünftige Entscheidungen zu treffen, ermöglichen Sie ihnen, eine Führungsrolle zu übernehmen. Selbst wenn andere einmal nicht wissen, was die richtige Entscheidung ist, ist dann da draußen jemand, der es weiß: Ihre Führungsspieler, die Sie nur durch Vertrauen heranziehen können.

2.Stärkere Individuen. Das Leben besteht aus Entscheidungen. Oft gibt es niemanden, der einem dabei helfen kann, trotzdem müssen sie gefällt werden. Bereiten Sie Ihre Spieler darauf vor.

3.Schlüsselmomente. Wenn nur noch ein paar Sekunden oder Minuten zu spielen sind, sind Sie vielleicht nicht in der Lage, so laut zu rufen, dass ein bestimmter Spieler hört, was Sie erwarten. Den Spielern beizubringen, Entscheidungen zu treffen, wird Ihnen ermöglichen, sich zu entspannen und die Spieler den Ausgang der Partie beeinflussen zu lassen, wenn es am meisten darauf ankommt.

4.Teamgefühl. Die Spieler werden mehr Leidenschaft und mehr Stolz auf ihr Team entwickeln, wenn sie sich imstande und wohl damit fühlen, während eines Spiels Entscheidungen zu treffen. Indem Sie ihnen zeigen, dass Sie ihnen zutrauen, gute Entscheidungen treffen zu können, geben Sie den Spielern das Gefühl, Teil des größeren Ganzen zu sein.

5.Erfolg. Es ist wundervoll, das Gesicht und die Reaktion eines Spielers zu sehen, wenn er etwas Bemerkenswertes geleistet hat. Den meisten Spielern ist nicht klar, dass sie ihre Leistung dem Umstand verdanken, dass sie den Mut gefunden haben, eine Entscheidung mit Tragweite zu treffen. Indem Sie sich im Training Zeit dafür nehmen, den Spielern diesen Prozess nahezubringen, befähigen Sie sie, erfolgreich zu agieren.

6.Selbstvertrauen. Das Selbstvertrauen der Spieler wird wachsen und sie werden immer weniger Hemmungen haben, mit Anregungen für das Training und die Spiele auf Sie zuzukommen. Letztlich bilden Sie auf dem Spielfeld und jenseits davon lauter Co-Trainer aus und davon profitieren sowohl Sie als auch Ihr Team.

7.Lohn. Als Trainer dürfen wir nicht vergessen, dass es bei allem, was wir tun, um die Spieler geht. Wir sind nicht nur für den Spieler und sein Können in diesem Augenblick verantwortlich, sondern auch dafür, was aus ihm werden kann. Einer der beglückendsten Augenblicke im Trainerleben ist es, wenn Sie einen Spieler nach seiner Zeit mit Ihnen sehen und realisieren, wie er sich weiterentwickelt und welche Fortschritte er gemacht hat. Denken Sie daran, dazu haben auch Sie einen kleinen Teil beigetragen!

Erfolgreiche Teams haben immer Spieler auf dem Feld, die keine Hemmungen und genug Selbstvertrauen haben, schwierige Entscheidungen zu treffen. Das geschieht nicht von heute auf morgen, und die Spieler werden Fehler machen, genau wie wir. Als Trainer müssen wir ein Umfeld schaffen, in dem ihr Vertrauen in sich selbst wachsen und gedeihen kann.

Ihren Spielern zu vertrauen ist eines der größten Geschenke, die Sie ihnen je machen können. Nehmen Sie sich im Training die Zeit, ihnen Ihre Erwartungen zu vermitteln. Wenn dann in einer kritischen Situation ein Spieler mit einer Lösung an Sie herantritt, wissen Sie, dass Sie gute Arbeit geleistet haben.

Können Sie Ihr Team lesen?

Ich habe mein Handwerk von mehreren Toptrainern gelernt und dabei eine prägende Eigenschaft bemerkt, die ihnen gemeinsam war. Eine Eigenschaft, die oft übersehen wird. Es ist die Gabe, das eigene Team lesen zu können. Was ist gemeint?

Ich meine die Fähigkeit, jederzeit die Stimmung, die Einstellung, das Bemühen, die Leistung und die Perspektive des Teams wahrzunehmen. Haben Sie diese Fähigkeit? Was ermöglicht Ihnen eine solche Art der Wahrnehmung? Die meisten von uns verstehen es, während oder vor einem Spiel Engagement, Leistungsniveau und Stimmung des Teams wahrzunehmen. Wir sind in der Lage, darauf zu reagieren und entsprechende Anpassungen vorzunehmen. Aber wie sieht es in anderen Situationen aus, zum Beispiel beim Training oder abseits vom Spielfeld, bei einer Besprechung oder einer Feier? Können wir Anzeichen erkennen, die darauf hinweisen, dass etwas im Raum steht oder dass es ein Problem gibt?

Es gibt dabei nützliche Fähigkeiten und Eigenschaften, die guten Trainern einen entscheidenden Vorteil verschaffen.

•Ein guter Zuhörer sein. Kurze Fragen zu stellen, gibt den Spielern Gelegenheit zu reden. Hören Sie mit der Absicht zu, den Spieler verstehen zu wollen, und antworten Sie nicht sofort. Die Spieler werden Ihnen ihre Bedenken und Sorgen mitteilen, wenn Sie ihnen die Möglichkeit und die Zeit dazu geben.

•Vertrauenswürdig sein. Sind Sie in der Regel Herr der Lage? Können Sie mit einer Krise umgehen, ohne einzelne Spieler vor dem ganzen Team zu beschimpfen? Das ist entscheidend für deren Vertrauen. Wir wollen, dass die Spieler zu uns kommen, wenn irgendetwas sie beschäftigt oder belastet. Wenn sie Vertrauen zu uns aufgebaut haben, werden sie das auch tun.

•Beobachten können. Körpersprache, Stimmungen und Einstellungen deuten zu können, ist unverzichtbar. Nonverbale Botschaften sind mitunter aufschlussreicher als jedes gesprochene Wort. Das kann auch bedeuten, eine Entwicklung erst einmal im Auge zu behalten, bevor man den oder die Spieler darauf anspricht.

•Erfahrung. Wenn Sie schon andere Spieler und Teams gelesen haben, haben Sie Erfahrungen gesammelt, die Sie auch in Zukunft brauchen können, auch wenn es neue Situationen sind und jede individuell gehandhabt werden muss. Ihre Erfahrung vermittelt Ihnen ein Gespür dafür, ob Sie sofort einschreiten oder die Spieler die Angelegenheit selbst lösen lassen sollen.

•Kommunikation. Stellen Sie mehr Fragen als Lösungen anzubieten. Jemanden durch ein Problem zu begleiten, ihm Hilfestellung zu bieten, ihn aber die Antwort selbst finden zu lassen, ist wichtiger, als ihm einfach Ihre Lösung zu präsentieren. Sie wollen Problemlöser heranwachsen lassen.

•Ruhe und Geduld. Die Fähigkeit, ruhig zu bleiben, ein Fels in der Brandung zu sein, ist in Ihrer Position von entscheidender Bedeutung. Das ist auch wichtig, um ein Problem nicht größer werden zu lassen, als es ist!

•Respektieren Sie den einzelnen Spieler. Auch wenn Sie eine bestimmte Situation in Ihrer Laufbahn vielleicht schon viele Male erlebt haben, vergessen Sie nicht, dass sie für den Spieler, der gerade mit Ihnen spricht, ganz neu sein kann. Spielen Sie die Bedeutung der Situation nicht herunter und belächeln Sie den Spieler nicht dafür, dass er sich über eine Sache aufregt, mit der er noch nie zuvor konfrontiert war. Fördern und festigen Sie die positiven Eigenschaften, die Ihre Spieler mit ins Team bringen, und begleiten Sie sie auf der Suche nach Lösungswegen.

Das eigene Team zu lesen, scheint eine einfache Aufgabe zu sein, kann sich aber kompliziert gestalten. Wenn Sie eine Situation falsch interpretieren oder vorschnell reagieren, könnten die betroffenen Spieler Ihnen in Zukunft weniger bereitwillig vertrauen. Bei der Frage, ob man einschreiten oder einer Sache ihren Lauf lassen soll, bewegt man sich auf einem schmalen Grad. Die Erfahrung lehrt einen zwar, hier die richtige Balance zu finden, aber das heißt nicht, dass man sich in jeder Situation hundertprozentig richtig entscheidet. Einer Sache ihren Lauf zu lassen, kann ihr Team manchmal mehr kosten, als Sie erwartet hätten. Hier sind einige Aspekte, die es zu überlegen gilt.

•Wird das Auswirkungen auf alle haben?

•Was könnte es für Folgen haben, wenn keiner einschreitet?

•Wie reif sind die involvierten Spieler?

•Hatten diese Spieler schon vorher Probleme?

•Wann sollte ich etwas sagen?

•Was sollte ich sagen?

•Kenne ich alle Fakten?

Einer Sache ihren Lauf zu lassen, ist riskant. Die meisten Probleme lösen sich nicht von selbst. Wenn Sie das Gefühl haben, dass etwas nicht stimmt, ist es wahrscheinlich besser, auf Nummer sicher zu gehen und frühzeitig einzuschreiten. Als Trainer wissen Sie, wenn etwas nicht stimmt. Vertrauen Sie Ihrem Instinkt und zögern Sie nicht, Ihr Team wieder auf Kurs zu bringen. Ihre Fähigkeit, das Team zu lesen, ist von größter Bedeutung für seinen Erfolg.

Respekt: Schwer zu verdienen, leicht zu verlieren

Wörterbücher definieren Respekt als „die Achtung oder Wahrnehmung des Wertes oder der Besonderheit einer Person, persönlichen Eigenschaft oder Fähigkeit“. Wie definieren Sie Respekt? Wen respektieren Sie? Warum? Wie verdient man sich Respekt?

Manchmal scheinen wir Menschen, die wir noch nie getroffen haben, instinktiv zu respektieren. Welche Eigenschaften sehen wir? Ist es die Art und Weise, wie sie sich verhalten, die Tatsache, dass sie erfolgreich sind? Bilden wir unser Urteil, weil wir sehen, wie sie in einem Interview rüberkommen oder wie sie unter Druck reagieren? Ich glaube, dass es zentrale Felder gibt, auf denen wir uns als Coach bzw. Führungsperson Respekt verschaffen können. Respekt ist zweifelsohne die wichtigste Voraussetzung, um effektiv zu sein. Ohne Respekt kommen Ihre Spieler zum Training und machen einfach nur ihren Job. Wenn Sie Respekt genießen, kommt das Team gerne und brennt darauf, sich neuen Herausforderungen zu stellen. Als Führungsperson müssen wir uns darüber im Klaren sein, dass wir diesen Respekt durch unser Handeln oder unsere Äußerungen im Nu verlieren können. Folgendes Verhalten halte ich für unerlässlich, um sich Respekt zu verschaffen.

•Mit gutem Beispiel vorangehen. Wenn Sie von Ihrem Team mehr erwarten, dann erwarten Sie auch mehr von sich. Seien Sie mit Ihrem professionellen Auftreten und Handeln ein leuchtendes Vorbild. Ich sage immer zu meinem Team: Ihr repräsentiert euren Verein, eure Schule, eure Familie und euer Team; hier gibt es kein Ich mehr. Das Gleiche gilt für den Trainer. Wenn Sie sich das klarmachen, erzeugt das Verantwortungsbewusstsein für alles, was Sie tun.

Seien Sie Ihrem Team immer einen Schritt voraus, denn Sie sind die Führungsperson. Seien Sie der Erste, der kommt, und der Letzte, der geht. Wenn das Team kommt, sollte alles geplant und vorbereitet sein. Überlassen Sie nichts dem Zufall, egal ob es sich um Papierkram, Trainingsvorbereitungen, das Analysieren eines anderen Teams oder die Spielplangestaltung handelt. Wenn Sie sich um alle Details kümmern, kann Ihr Team sich auf das Wesentliche konzentrieren – trainieren und Spiele spielen. Bitten Sie Ihr Team nie, etwas zu tun, das Sie nicht tun würden.

•Proaktiv und konsequent sein. Seien Sie felsenfest und beständig in Ihren Entscheidungen. Verfolgen Sie unabhängig von der Situation eine konsequente Linie, egal ob es sich um eine belanglose oder schwerwiegende Angelegenheit handelt. Wenn sich Probleme ergeben, nehmen Sie sie schnell in Angriff. Jede Entscheidung, die Sie treffen, wird genau beäugt werden, besonders jene, die Schlüsselspieler betreffen. Wenn Sie Ausnahmen machen, wird sich das immer irgendwann rächen. Erklären Sie Ihrem Team in der ersten Besprechung, dass Sie Ihr Bestes tun werden, um jedes Mal faire Entscheidungen zu treffen, aber dass Sie manchmal mit ähnlichen Situationen unterschiedlich umgehen müssen, zum Beispiel wenn mildernde Umstände vorliegen. Erwartungen zu formulieren, ist ein Muss.

•Menschlich sein. Geben Sie zu, wenn Sie im Unrecht sind oder eine falsche Entscheidung getroffen haben. Zeigen Sie Ihrem Team, dass Verantwortung übernehmen immer das Beste ist und dass wir alle Fehler machen. Wenn Sie als Vorbild Eingeständnisse machen, ermöglicht das Ihrem Team zu sehen, wie man aus einem Fehler lernt, ihn gut sein lässt und weitermacht.

•Leidenschaft zeigen. Besuchen Sie so viele Seminare, Fortbildungen, Kurse und Workshops wie möglich. Werden Sie Mitglied in Ihrem örtlichen und nationalen Verband. Beteiligen Sie sich aktiv an den Entscheidungsprozessen in Ihrem Sport oder Beruf. Wenn Sie wollen, dass Ihr Team sich verbessert, verbessern Sie sich selbst. Das belebt Ihre Begeisterung und Leidenschaft für das Spiel, sorgt für neuen Schwung und Sie kommen energiegeladen mit neuen Konzepten und Ideen zurück. Ihre Spieler werden nur so viel Leidenschaft für den Sport entwickeln wie Sie selbst.

•Sich interessieren. Interessieren Sie sich aufrichtig für Ihre Spieler und deren sonstige Begabungen und Vorlieben. Seien Sie jemand, an den Ihre Spieler sich wenden können, wenn sie ein Problem haben oder etwas besprechen müssen. Spieler, die wissen, dass Sie sich wirklich für sie und ihr Wohlergehen interessieren, werden immer ihr Bestes geben, ob im Training oder im Spiel. Sie werden erstaunt sein, was Ihre Spieler sonst noch für Begabungen haben, wenn Sie sie davon erzählen oder diese sogar vorführen lassen. Veranstalten Sie zum Beispiel gegen Ende der Saisonvorbereitung einen Abend mit Talentshow und genießen Sie den Spaß!

•Rückendeckung geben und hochleben lassen. Übernehmen Sie immer als Erster die Verantwortung für Niederlagen und Fehler in einem Spiel und lassen Sie Ihr Team hochleben, wenn es glänzt oder gewinnt. Lassen Sie die Spieler ihre Zeit im Team genießen und geben Sie ihnen nicht voreinander die Schuld an Fehlern. Respektieren Sie Ihre Spieler und nehmen Sie sie beiseite, wenn es Probleme oder Fragen gibt. Arbeiten Sie hinter den Kulissen unermüdlich für Ihre Spieler. Unternehmen Sie alles Mögliche, um ihnen Sichtbarkeit, Beachtung sowie Fördermöglichkeiten und Karrierechancen zu verschaffen.

„Riskiere mehr, als andere es für sicher halten. Kümmere dich mehr, als andere es für klug halten. Träume mehr, als andere es für praktisch halten. Erwarte mehr, als andere für möglich halten.“ Claude Bissell

Neun Situationen, die es im Spiel zu vermeiden gilt

Bei jedem Spiel repräsentieren wir unsere Familien, unsere Vereine und uns selbst. Das ist eine Verantwortung, die wir nicht auf die leichte Schulter nehmen sollten. Alle Augen sind das ganze Spiel über auf uns gerichtet. Alle beobachten unsere spielerischen Aktionen und wie wir auf Missgeschicke und in freudigen Momenten reagieren.

Manchmal werden wir während eines Spiels in Situationen hineingezogen, die sehr negative Folgen haben können. Bei einem knappen Spiel geht es am Spielfeldrand emotional hoch her, besonders wenn der Gegner einem schon lange ein Dorn im Auge ist. In der Hitze des Gefechts passiert es leicht, dass man sich dazu hinreißen lässt, aus der Rolle zu fallen und sich unangemessen zu verhalten. Das hat nicht nur Auswirkungen auf das laufende Spiel, sondern kann auch weitreichendere Konsequenzen haben. Ebenso kann solch ein Verhalten Einfluss darauf haben, wie andere Sie als Person wahrnehmen.

Wir sind dafür verantwortlich, unsere Spieler in vollem Umfang zu unterstützen. Aber wir sollten es uns gut überlegen, bevor wir diese Linie überschreiten. Folgende Situationen gilt es zu vermeiden.

•Einen Spieler, der gerade einen Fehler gemacht hat, auf dem Feld laut rügen.

•In einen Streit mit Ihrem Co-Trainer geraten.

•Eine hörbare, negative Bemerkung über das gegnerische Team machen.

•Mit entsprechenden Kommentaren in Richtung der Unparteiischen persönlich werden.

•Während des Spiels einen Anruf entgegennehmen.

•Mit aufgebrachten Eltern eine Diskussion beginnen.

•Während eines Spiels, das schon zu Ihren Gunsten entschieden ist, mit Ihren Spielern lachen und herumscherzen.

•Den gegnerischen Coach anschreien oder abschätzige Bemerkungen über ihn machen.

•Auf gegnerische Fans eingehen, die Sie oder Ihr Team verspotten.

Ich schätze, dass Sie einige der beschriebenen Situationen kennen und womöglich schon bei Trainern beobachtet haben, von denen Sie ein solches Verhalten nicht erwartet hätten. Wenn Sie – egal auf welchem Level – als Coach tätig sind, dann sind Sie ein Profi. Sich entsprechend zu verhalten, erfordert oft persönliche Zurückhaltung. Begegnen Sie Ihren Spielern stets mit Respekt, indem Sie Anmerkungen machen, die darauf abzielen, ihnen zu helfen. Denken Sie daran, die Spieler wissen, dass sie gerade Mist gebaut haben. Sparen Sie sich Ihre Anweisungen und Kommentare für die Halbzeit oder das Spielende auf.

•Es ist okay, mit dem Co-Trainer nicht immer einer Meinung zu sein. Das ist sogar gut. Sie sollten nur zivilisiert darüber reden und sich nicht vor den Spielern streiten. Treffen Sie sich allein, bevor Sie vor das Team treten, um gemeinsam eine Strategie zu erarbeiten. Wenn Sie Meinungsverschiedenheiten haben, sollten Sie diese nicht in zeitlicher Nähe zu einem Spiel austragen.

•Sagen Sie niemals etwas Herabwürdigendes über einen Gegenspieler während des Spiels. Sie sind ein Erwachsener, vergessen Sie das nicht, und seien Sie Ihren Spielern ein Vorbild. Wenn Sie hören sollten, dass Ihre Spieler sich abwertend über einen Gegenspieler äußern, machen Sie ihnen sofort klar, dass solche Bemerkungen fehl am Platz sind.

•Wenn Ihre Kommentare den Unparteiischen gegenüber so abgleiten, dass sie persönlich werden, dann könnte das zur Folge haben, dass Sie vom Spiel ausgeschlossen werden. Würde das Ihrem Team helfen?

•Schalten Sie Ihr Telefon vor dem Spiel aus. Es gibt keinen Grund, es anzulassen, es sei denn, Sie erwarten einen Notfallanruf. Das Spiel und Ihre Spieler haben oberste Priorität.

•Es passiert selten, aber falls Eltern während des Spiels oder in der Halbzeit wegen etwas anderem als einer ernsten Verletzung zu Ihnen zur Bank kommen sollten, sagen Sie ihnen deutlich, dass Sie nach dem Spiel mit ihnen reden werden. Falls nötig, bitten Sie den Co-Trainer, das Spiel zu leiten, und nehmen Sie sie kurz zur Seite. Die Eltern zu verprellen oder sie völlig zu ignorieren, macht die Sache nur schlimmer. Wenn sie außer sich vor Wut sind, müssen Sie eventuell Ordnungskräfte hinzuholen, um sie wegführen zu lassen.

•Ein Spiel, das sich schon früh zu Ihren Gunsten entscheidet, kann zu unangemessenem Verhalten bei Ihren Spielern führen. Sie sind nicht mehr bei der Sache, scherzen und fangen an, am Spielfeldrand herumzualbern. Vergessen Sie nicht: Da draußen spielt noch ein anderes Team und das beobachtet Sie. Wenn Sie schon einmal auf der Verliererseite standen, wissen Sie, was ich meine.

•Es kann passieren, dass ein gegnerischer Trainer Sie anschreit, wenn einer Ihrer Spieler sich unbedacht gegenüber einem seiner Spieler verhält. Bemerkungen, die dann fallen, mögen nicht unbedingt schmeichelhaft sein. Vermeiden Sie einen verbalen Schlagabtausch und machen Sie sich klar, dass nichts, was Sie sagen, in diesem Moment etwas ändern wird. Sprechen Sie nach dem Spiel mit ihm.

•Sich auf gegnerische Fans einzulassen, spornt diese nur an, Sie und Ihr Team weiter zu beschimpfen. Blenden Sie sie mental aus und konzentrieren Sie sich darauf, Ihr Team zu coachen. Das ist nicht persönlich gemeint, Sie sind eben an diesem Abend der Gegner.

•Wenn ein Spiel außer Kontrolle gerät und ein gefährlicher Zweikampf den nächsten jagt, können Sie Maßnahmen ergreifen, um Ihr Team zu schützen. Lassen Sie das Spiel unterbrechen und sprechen Sie mit den Unparteiischen, dem gegnerischen Trainer oder gegebenenfalls dem Sportdirektor. Möglicherweise teilen die Ihre Meinung. In diesem Fall ist es das Beste, das Spiel abzubrechen, das Team vom Feld zu nehmen, in die Umkleide zu gehen und nach Hause zu fahren. Ein Spiel ist es sicherlich nicht wert, dass Ihren Spielern etwas passiert. Auch wenn wir das in dem Moment vielleicht nicht bemerken, kann es unser Verhalten sein, dass dazu beiträgt, dass ein Spiel außer Kontrolle gerät. Beraten Sie sich mit Ihrem Co-Trainer und fragen Sie nach seiner Meinung, bevor Sie sich in eine Konfrontation und Unannehmlichkeiten hineinziehen lassen. Atmen Sie tief durch und denken Sie nach. Behalten Sie Ihre oberste Priorität im Blick: die Sicherheit und das Wohl Ihrer Spieler.

Zehn Lektionen, die ein Coach einen Spieler nicht lehren sollte

Lieber Trainer,

ich werde nie Ihren Gesichtsausdruck und den Wortschwall vergessen, mit dem Sie damals auf meinen Fehler in dem Spiel reagierten. Ich wusste bereits in dem Moment, in dem ich die Entscheidung traf, dass ich Mist baue und das Team enttäusche. Zu wissen, dass die anderen in einem so entscheidenden Moment auf mich zählten, war schon hart genug, aber von jemandem runtergemacht zu werden, zu dem ich mein ganzes Leben lang aufgeschaut hatte, war wirklich niederschmetternd. Ich konnte nur noch still dasitzen, während meine Teamkollegen und sogar die Zuschauermenge jedes Wort hörten, das Sie sagten.

Ich weiß, dass das in der Hitze des Gefechts in einem wichtigen Spiel geschah, und ich kann sogar verstehen, warum Sie sich so aufgeregt haben. Sie hatten ein Recht dazu.

Ich wollte immer schon nach meinem Schulabschluss selbst Trainer werden und auch dieser Vorfall wird mich nicht davon abhalten, meinen Traum zu verfolgen. Auf jeden Fall haben Sie mich zehn wertvolle Lektionen gelehrt.

1.Es wird vorkommen, dass Spieler Fehler machen. Sie können dein Team sogar den Sieg kosten.

2.Geh deinem Spieler aus dem Weg, wenn du deine Emotionen nicht mehr unter Kontrolle hast.

3.Worte, die in der Anspannung und aus Wut ausgesprochen werden, kann man nie mehr zurücknehmen.

4.Spare dir die Lektion für die Umkleide auf und kläre den Vorfall abseits von allen anderen, auch von den anderen Spielern. Dies ist eine Familien- bzw. Teamangelegenheit.

5.Kommuniziere das, was du sagen willst, auf professionelle Weise, ohne den Spieler anzugreifen.

6.Halte immer den Kopf für deine Spieler hin und nimm vor anderen die Schuld auf dich, wenn du gefragt wirst.

7.Wenn du dich vor allen anderen über einen Spieler lustig machst, wird das Verhältnis zwischen dir und dem Spieler nie wieder dasselbe sein.

8.Das Spiel ist aus und vorbei. Daran ändert alles Geschrei der Welt nichts mehr. Konzentriere dich darauf, was als Nächstes zu tun ist.

9.Wenn du doch die Fassung verloren hast, entschuldige dich bei allen – dem Spieler, dem Team, den Medien, dem Verein, deiner Familie – und sag ihnen, dass du im Unrecht warst.

10.Vergiss nicht, schon bevor du etwas sagst, sind deine Spieler erschütterter, als du dir vorstellen kannst.

Unterzeichnet, Ihr Spieler

Trainer reden oft davon, dass sie die Spieler hart rannehmen, um sie auf die nächste Spielklasse (oder das Leben im Allgemeinen) vorzubereiten und in diesem Kontext finde ich auch, dass das im Trainingsalltag erforderlich ist. Aber wenn die Spieler in einem Spiel etwas machen, das im Widerspruch zu dem steht, was Sie mit ihnen trainiert haben, oder etwas unterlassen, von dem sie wissen, dass das eigentlich ihre Verantwortung ist, müssen wir gefasst bleiben. Die Art und Weise, wie wir mit solchen Situationen umgehen, wird ihr Leben für immer beeinflussen. Es geht nicht um Sieg oder Niederlage, es geht um etwas viel Wichtigeres.

Im NCAA-Finale (Basketball) der Männer 1982 hatte Michael Jordan gerade North Carolina in Führung gebracht, es waren noch 15 Sekunden zu spielen. Georgetown jagte den Ball das Feld hinunter, um noch einen letzten Wurf zu machen und so das Spiel zu gewinnen. Da passte ein Spieler den Ball versehentlich einem Gegenspieler zu, den er für einen Mitspieler gehalten hatte. North Carolina spielte die letzten Sekunden auf Zeit und gewann den Titel. Ich werde nie vergessen, wie Georgetowns Trainer John Thompson mit seinem Markenzeichen, dem über die Schulter geworfenen Handtuch, zu dem Spieler ging, der den Fehler gemacht hatte, und ihn eine gefühlte Ewigkeit umarmte. Das ist die Art von Vorbild, die wir in der Welt des Sports heute brauchen, ein mitfühlender Trainer, der versteht, was sein Spieler in diesem Moment am meisten braucht.

Georgetown sollte den Titel 1984 gewinnen und ja, der Spieler, der den Fehler gemacht hatte, war dabei. Man muss sich fragen, ob er auch dann noch im Team gewesen wäre und zur Meisterschaft beigetragen hätte, wenn Thompson zwei Jahre vorher ihm gegenüber die Beherrschung verloren hätte. Denken Sie daran, unsere Spieler ziehen tagtäglich Lehren aus unseren Worten und Taten, sowohl in positiven als auch in negativen Momenten. Lassen Sie uns dafür sorgen, dass es sich immer um etwas Positives handelt, wenn sie etwas von uns lernen, und dass sie aus den richtigen Gründen so sein wollen wie wir.

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9783767920576
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