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David Poppen

Animalisches Verlangen

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Inhaltsverzeichnis

Titel

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Impressum neobooks

1

Valentina Burgmeister stand in dem Gang zwischen den Stühlen und starrte zur Bühne hinauf.

Lichter flammten auf und erloschen wieder. Offensichtlich war eine Probe im Gange. Die Rückwand der Theaterbühne bildete eine finstere Silhouette. Man konnte ein gezeichnetes Schloss erkennen. Eine Frau in einem halbdurchsichtigen Gewand lehnte an einem Stuhl. Der schwache Laut von kratzenden Schritten war zu hören. Dann ein kurzes Fauchen, es klang nach einem großen Hund oder einem Wolf. Die Frau zuckte heftig zusammen, während aus ihren von Mascara umgebenen Augen das schiere Entsetzen funkelte.

Der Schatten eines gigantischen Körpers erschien in einem Kulissenfenster, dann löschte ein blendender Blitz für ein paar Sekunden alle Einzelheiten aus. Ein großer Mann mit nacktem Oberkörper und einer Jeans bekleidet sprang durch das Fenster.

„Du!“, keuchte die Frau in dem halbdurchsichtigen Kleid und wich drei Schritte zurück.

„Meine Geliebte!“, sagte der muskulöse Mann in Jeans. „Aus den tiefsten Wäldern des Altmühltals habe ich deinen Ruf vernommen.“

Er trat einen Schritt auf sie zu, die Arme weit ausgebreitet. „Komm“, flüsterte er lächelnd, wobei er ein Wolfsgebiss entblößte.

Er legte seine Hände auf das dünne Kleid um sie an sich zu drücken. Dabei gab es einen plötzlichen reißenden Laut, als sich das Gewand von ihrem Körper löste.

Der Mann blickte verwirrt, das zerrissene Kleid in den Klauen, während die Frau zweimal stolperte, dann ihr Gleichgewicht wiedererlangte. Sie stand nur noch mit einem hautfarbigen Büstenhalter und Slip bekleidet auf der Bühne.

Das Licht ging an und beleuchtete das gesamte Theater.

„Stopp! Stopp! Schluss mit dieser verdammten Szene!“ Eine rauchige, laute Männerstimme schallte durch den Raum. „Dann tut doch wenigstens so, als wäre es eine unheimliche Szene, auch wenn ihr es nicht kapiert!“

Die gleiche Stimme schrie die Akteure auf der Bühne an.

Valentina hörte das Geschnatter der Schauspielschüler, die auf der Bühne arbeiteten und der paar Menschen, die sich in den ersten beiden Sitzreihen herumlümmelten. Dann erblickte sie den Mann mit der rauchigen Stimme. Es musste der Regisseur David Buchmann sein, überlegte sie.

Er wirbelte herum und erkannte, dass eine fremde Person im Gang stand. Valentina wurde heiß im Gesicht. Der Mann war jünger als von ihr erwartet, schlank, hatte sandfarbene Haare und ein schmales Gesicht.

„Wer zum Teufel sind Sie?“

„Valentina Burgmeister. Ich habe bei Herrn de Réunion vorgesprochen und einen Vertrag für die Sommersaison unterzeichnet“, gelang es ihr zu stammeln.

Die anderen kicherten.

„Mein Gott, noch eine Schauspielschülerin! Genau das brauchen wir, noch ein Mädchen für eine weibliche Rolle. Hören Sie zu! Ich bezahle Ihnen das Fahrgeld, damit Sie wieder nach Hause fahren können.“

„Meine Eltern haben einen rechtsgültigen Vertrag mit Herrn de Réunion geschlossen, damit ich Schauspielschülerin werden kann“, sagte Valentina und kämpfte gegen ihre Tränen.

David Buchmanns Blicke aus den dunklen, flinken Augen durchbohrten sie wie Dolche. „Hör zu, meine Süße“, zischte er, während er die Zigarette in seinem Mundwinkel rollte. „Wir haben zwanzig Mädchen wie dich hier und alle sind scharf darauf, eine Rolle in meinen Stücken zu spielen. Herr de Réunion interessiert mich nicht, Schätzchen. Ich leite dieses verdammte Theater! Ich brauche keine Schauspielschülerin mehr! Ich hasse junge Schauspielschülerinnen! Es sind alles Amateure. Ich bin Profi und vergeude meine Zeit nicht mit unerfahrenen Schauspielern! Wir sind hier nicht in der Schule oder deiner Theatergruppe. Dies hier ist ein Geschäft um Geld zu verdienen und neue Stücke auf den Markt zu bringen. Wenn du Schauspielschülerin bist, meine Süße, dann heißt das, dass du verdammt hart arbeiten musst und vielleicht, ich sage vielleicht einmal eine kleine Rolle kriegst und damit die Chance bekommst, auf dein hübsches Näschen zu fallen.“

„Aber ich will doch lernen, ich will Schauspielschülerin sein“, erwiderte das Mädchen trotzig.

„Schätzchen, du brauchst eine Stimme, die man im ganzen Theater hören kann. Das ist Lektion Nummer 1. Und ich bin David Buchmann, der Regisseur! Und nun sprich mir mal was vor, damit diese Scheißkerle da oben etwas lernen können!“

„Vielleicht solltest du die Lektion Nummer 3 mit ihr alleine durchgehen, David?“, sprach der Mann von der Bühne, der immer noch das zerfetzte Gewand in der Hand hielt.

Valentina blickte zu ihm hoch. Er trug eine eng sitzende Jeans, besaß einen schönen starken Körper, der von der Taille aufwärts nackt war. Er strich das schwarze wellige Haar aus den Augen, während er und David Buchmann etwas miteinander sprachen und dann lachten.

„Können wir denn nicht noch eine nehmen?“, hörte sie den jungen Mann sagen, der sich umdrehte, um sie zu betrachten.

„Klar, wenn du sie magst, Jan“, sagte der Regisseur leise, so dass es Valentina nicht hören konnte.

David Buchmann grinste und lehnte sich gegen die Bühne, als die anderen Schauspielschülerinnen in Jeans und Sandalen von der Bühne herunterpolterten.

„Ihr glaubt alle, ihr versteht etwas von der Schauspielerei, weil ihr mal der große Star in einem Theaterstück auf eurer Schule gewesen seid und eure Tante Maria hinterher behauptet hat, ihr seid phantastisch gewesen. Hör zu, Valentina, oder wie du auch immer heißt. Wie du von Clément de Réunion einen Vertrag bekommen hast, ist mir scheißegal. Wenn ich ein Stück als Regisseur leite, dann arbeiten alle für mich. Ist das klar? Habe ich mich verständlich genug ausgedrückt?“

Er starrte Valentina an. Sie nickte und konnte wieder ruhiger atmen. Die Furcht war ein wenig verschwunden. Er hatte sie bisher nicht hinausgeschmissen.

Dann blickte sie hoch zur Bühne, auf den jungen Mann, auf Jan Berger, den attraktiven Mann in der engen Jeans, der sie immer noch betrachtete und ein seltsames Lächeln auf seinem Gesicht hatte. Eine seiner Augenbrauen war hochgezogen. Er machte mit Daumen und Zeigefinger einen Kreis und blinzelte ihr zu.

„Und nun verdufte aus meinem Theater. Um drei Uhr bist du aber wieder hier“, sagte David. „Ich erkläre dir dann, was jeder bei dem neuen Stück in der kommenden Woche zu tun hat. Voraussichtlich mache ich dich zur Hauptplatzanweiserin und du ziehst ein Minikleid an, das gerade unter deinen süßen Arschbacken endet.“

Sie war entlassen. David wirbelte herum und schrie, die Probe ginge weiter. Die Lichter erloschen langsam, die Scheinwerfer huschten über die Bühne.

Valentina lehnte sich zurück und dachte an das Vorstellungsgespräch vor ein paar Wochen hier im Theater zurück. Sie wollte Schauspielerin werden und ihr Klassenlehrer gab ihr eine Empfehlung.

Das „Theater44“ in München-Schwabing stellte für die Sommersaison Schauspielschülerinnen ein. Valentina hatte sich daraufhin beworben und wurde zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen.

Sie erinnerte sich noch, wie aufgeregt sie war, als der Besitzer des Theaters vor ihr stand. Der Mann, dessen Name von jedem Film- und Theatermagazin in ganz Europa, sogar auch in den USA, erwähnt wurde:

Clément de Réunion, aus einem alten französischen Adelsgeschlecht, war Produzent und Besitzer des „Theater44“, einem der letzten Privattheater in Deutschland.

Er war größer als sie gedacht hatte. Er musste zwischen vierzig und fünfzig sein, die Haare waren schon ein wenig ergraut. Er hatte blaue zusammengekniffene Augen und einen strengen Mund. Aber er lächelte charmant, als ob er sie ihr ganzes Leben lang kennen würde, als ob er darauf gewartet hätte, sie als den Star seines neuen Stücks begrüßen zu dürfen.

„Ich freue mich, Sie zu sehen, Frau Burgmeister. Ihr Foto hat mich genauso beeindruckt wie der Brief, indem Sie mir schrieben, warum Sie Schauspielerin werden wollen. Soviel Tiefe, soviel Gefühl für ein so junges Mädchen.“

„Ja, ich will Schauspielerin werden, Herr Réunion. Ich meine, ich spüre es in mir, dass es meine Bestimmung ist, Schauspielerin zu werden. Und ich weiß, dass ich eine große Schauspielerin werden könnte. Ich brauche nur eine Chance, um mich zu beweisen. Jeder in Deutschland kennt das Theater44 und weiß, dass es das beste Sommertheater im ganzen Land ist. Ich habe sehr hart gearbeitet, Herr Réunion. Ich habe eine Szene aus „Perikles, Fürst von Tyros“ von William Shakespeare vorbereitet. Ich mag Shakespeare so sehr.“

„Sie sind sehr mutig, meine Liebe, und ehrlich. Ich mag das bei einer jungen Schauspielerin. Ehrlichkeit. Intelligenz. Es strahlt gerade aus ihrem wunderschönen Gesicht. Und nun lassen Sie mich hören und sehen.“

Er war begeistert! So sagte er das, obwohl er die meiste Zeit des Vorsprechens auf ihre festen Brüste gestarrt hatte.

„Ich werde Sie zum Star des Theaters machen! Sie werden eine hervorragende Schauspielerin. Ich erkenne ein Talent, wenn ich es sehe!“

Das hatte Clément de Réunion, der Star der Theaterszene gesagt und

Valentina hatte den Sommerjob erhalten.

Nun war sie aus Rosenheim angereist und stand mit ihrem Koffer vor der Bühne des Theater44.

Sie fühlte sich unwohl, wie bestellt und nicht abgeholt.

Valentina drehte sich um, hob ihren Koffer hoch und blickte in das Gesicht eines der schönsten Mädchen, das sie je gesehen hatte. Die junge Frau mochte ein oder zwei Jahre älter als Valentina sein. Sie trug ein schwarzes enganliegendes Tanzkostüm, ihr volles langes schwarzes Haar war im Nacken zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden. Nie zuvor hatte Valentina einen so phantastischen Körper gesehen. Die Brüste drückten sich fast aus dem Schlitz des engen Tanzkleides. Ihre prächtigen Hüften, der flache Bauch, die langen, wunderschönen Beine. Es war merkwürdig für Valentina, ein Mädchen so zu betrachten und solche Gedanken zu haben.

„Ich bin Lara Claire und komme aus Wien. Dank der Großzügigkeit von Clément de Réunion haben wir beide ein kleines Zimmer im Dachgeschoss dieses Gebäudes bekommen. “

Lara führte sie durch das Foyer des Theaters, wo ein paar junge Leute Fotos an die Wände klebten. Draußen stand ein silberblondes Mädchen in einem winzigen Minirock, T-Shirt und barfüßig auf der obersten Sprosse einer Leiter. Sie hängte die Ankündigung für das Eröffnungsstück der Saison auf:

Linda Murcia in

Der Fluch von Schloss Willburg

„Linda Murcia spielt in dem Stück, dass gerade geprobt wird?“, fragte Valentina und erinnerte sich daran, wie ihre Eltern von ihr gesprochen hatten. Vor etwa zwanzig Jahren war Linda Murcia ein großen Star gewesen und später hatte man in den Zeitungen lesen können, sie sei Alkoholikerin und drogensüchtig. Ihre Karriere ging steil abwärts und Valentina hatte sie nur ein einziges Mal, vor zwei Jahren, in einem Fernsehstück gesehen.

Valentina hielt Linda Murcia für eine fantastische Schauspielerin!

„Wenn sie nüchtern bleibt und David Buchmann sie nicht in Stücke zerfetzt. Er hat mal Regie in einem Fernsehstück mit ihr geführt. Junge, Junge, das muss etwas gewesen sein! So und nun komm, ich zeige dir unsere Dachkammer damit du auspacken kannst“, sprach Lara und zerrte die junge Rosenheimerin über die Stufen der Treppe nach oben in das Dachgeschoss.

Am hintersten Ende des schmalen Flures öffnete die Schwarzhaarige eine Tür und deutete mit einer winkenden Geste an, dass sie eintreten soll.

Valentina betrachtete neugierig ihren künftigen Lebensraum. Das Dachgeschosszimmer war höchstens vier Mal vier Meter groß, hatte zwei flache Betten an einer weiß gestrichenen Wand, einen Schrank und ein paar Haken, auf denen Laras Kleider hingen.

„Das Badezimmer und WC ist draußen auf dem Flur und für alle hier im Dachgeschoss da.“

Valentina spürte, wie Schweißtropfen ihren Rücken herunterliefen. Ihr blaues Kleid klebte wie Heftpflaster am Körper. Sie war müde, fühlte sich schmutzig und entmutigt. Nein, das war wirklich nicht die Theaterklasse von Frau Schneider, jeden Dienstagnachmittag im Gymnasium in Rosenheim!

Sie spürte Laras Blicke und errötete leicht.

„Lass dich von David Buchmann nicht entmutigen. Vielleicht wirst du ihm mal privat vorsprechen müssen. Danach sehnen wir uns alle. Sie sagen, er sei fantastisch!“

„Wie meinst du das?“

„Das frägst du mich doch nicht wirklich? Nun hör aber auf, Schätzchen!“

Lara warf sich auf das niedrige Bett, spreizte die Beine, warf ihren Kopf zurück und lachte. „Du wirst schon dahinter kommen, Mädchen. Ich stehe auf diesen Mann. Er ist zu smart, dieser David, er ist kein Narr, der was mit Schauspielschülerinnen anfängt. Er hat einen privaten Harem in London, weißt du. Manchmal bringt er sich eine über den Sommer mit nach München. Seine neueste Bettgefährtin wirst du bald kennenlernen. Eine Portugiesin. Clara Meio.“

Lara stand auf und streckte sich, dann beugte sie sich nach hinten, so dass ihre Brüste wie mächtige Bälle unter ihrem Hals hingen, die Muskeln sich in ihren Beinen zusammenzogen.

„Gymnastik ist gut für den Körper, besonders wenn du Schauspielerin werden willst. Dein Körper bleibt fest und jung. Ich habe in der Open Acting Academy in Wien bei Professor Haugwitz studiert. Er ist einfach der Beste. Dank seiner Empfehlung hatte ich sofort den Job hier in München.“

Die junge Frau zog das Band aus ihrem Haar, richtete sich auf und sah das fremde Mädchen an. Ein seltsames, brennendes Gefühl kribbelte in Valentinas Bauch. Sie starrte auf das ältere, dunkelhaarige Mädchen, das langsam auf sie zukam.

„Weißt du was? Wir gehen nachher in den Englischen Garten und legen uns etwas in die Sonne“, sprach Lara. „Aber zuerst möchte ich dich kennenlernen. Ich mag dich. Du bist ein sehr aufregendes Mädchen, weißt du das? Nein, ich glaube nicht, du hast keine Ahnung wie hübsch du bist, oder? Aber das macht dich auch so anziehend, Valentina.“

Lara stand auf und schlüpfte aus ihrer Kleidung. Valentina starrte gebannt auf den atemberaubenden, grazilen Körper dieses Mädchens... den Körper einer geschmeidigen Tänzerin mit Brüsten, die an Marmorhalbkugeln erinnerten: voll und dunkelbraun mit rosafarbenen Warzen.

Valentinas Augen wanderten jetzt nach unten. Die Spalte von Lara war komplett enthaart, nur darüber zeigte sich ein schmaler Streifen, kurzrasierten schwarzer Schamhaare. Ihre Kehle wurde ganz trocken, sie fuhr sich mit der Zunge über die Lippen, starrte immer noch auf die leicht geöffneten Schamlippen der Schwarzhaarigen, auf deren glatter Haut sich ein feuchter Film gebildet hatte. Sie war ganz wild danach, die Hitze dieser nackten Brüste auf ihrem Körper zu spüren, die Elastizität der beiden Kugeln brachte sie völlig um den Verstand.

Lara umfasste Valentina und machte den Reißverschluss des Kleides auf. Ihre Finger waren rasch und gewandt: Nach dem Kleid kam der BH, dann der Slip. Endlich standen sich die hübschen Frauen nackt gegenüber.

„Wir sind gleich groß, Süße“, murmelte Lara. Die Augen der beiden Mädchen richteten sich gleichzeitig nach unten zu der Fülle ihrer Brüste.

„Wir passen zueinander! Eine perfekte Kombination!“

Vier gigantische Halbkugeln berührten sich jetzt an den Gipfeln, ein Duett von steifwerdenden Warzen... sie stießen und schoben und verschmolzen zu einem einzigen Klumpen Mädchenfleisch. Wie ein Peitschenhieb auf den Rücken verspürten jetzt beide den Stachel der Begierde, und Valentina sah jetzt ganz genau, dass sie alles tun würde, was diese Frau von ihr verlangte – sie wollte ihr nur noch gefallen, sie besitzen, mit ihr teilen, ohne jeden Gedanken an Eitelkeit oder Tabus.

Nur ihre Hitze verschlingen, jetzt!

Sie lagen sich in den Armen, sprachen keine Wort, streichelten sich, spielten mit ihren Körpern, wechselten leidenschaftliche Küsse. Dann fielen sie auf das Bett, Beine umschlangen sich, Finger kneteten und suchten...

„O mein Gott, Mädchen, du bist fantastisch“, sagte Lara.

Valentina wimmerte in leiser Vorfreude, als sie spürte, dass der Mund ihrer Liebhaberin seine feuchte Reise antrat. Lara senkte den Kopf, nahm eine dicke, reife Brust in den Mund, saugte ganz sanft und rieb dann ihre scharfen Zähne an der Brustwarze.

Mit den Bewegungen einer Wildkatze rutschte sie an Valentina Körper entlang nach unten, ihre Zunge glitschte über den Bauchnabel... ihre Lippen wurden zu einem stechenden Bienenschwarm, als sie sich noch tiefer bewegten... tiefer, wie ein Rieseln, zum Wahnsinnigwerden...

„Oh... ahhh... du machst mich ganz wild!“, stöhnte Valentina.

Bis der Mund der Schwarzhaarigen endlich den Hafen fand, nachdem er sich gesehnt hatte; ihre Hände schoben jetzt diese süßen Frauenschenkel auseinander, damit ihre Zunge eintauchten konnte, ihre Lippen machten den kunstvoll angesetzten Druck zu einem endlosen, wirbelnden Kuss, während Valentina sich aufrichtete, um stöhnend zuzusehen, wie sich dieser sinnlich Mund immer tiefer einpflanzte.

Jeder Gedanke an Ekel war verflogen, als sie fühlte, dass sich diese heiße Zunge in ihrem Inneren auf die Suche machte... ihre Augen hefteten sich auf Laras wollüstige Brüste, die auf- und absprangen, während sie immer weiter saugte.

Valentina zitterte und biss sich auf die Lippen, als sie fühlte, dass ihre Klitoris zum Leben erwachte, eingekreist von lutschenden Lippen. Diese süße, kopflose Quelle der Leidenschaft, die nur von einer anderen Frau richtig verstanden werden konnte... Geheimnisse und Säfte und Landschaften, die ein Mann nur lecken, aber nicht verdoppeln kann.

Valentina ächzte immer stärker und schnappte nach Luft. „Jaaa, ooohhh, nein, noch nicht... das ist einfach zu schön, Lara... nicht so schnell!“

Sie fasste nach unten und zerrte das Mädchen an den Haaren, eine Geste, die Lara verriet, dass jetzt der günstigste Moment zum Zuschlagen gekommen war. In einer blitzschnellen Pirouette drehte sie sich auf der Couch um. Jetzt lag sie auf der Brünetten; ihre bronzefarbenen Samtschenkel bedeckten Valentinas Gesicht, während Lara ihren Kopf wieder zwischen deren Beine gleiten ließ und ihren durstigen Mund wieder leckend in Bewegung setzte.

Valentina genoss den luxuriösen Blick auf die intime Weiblichkeit direkt über sich; ihre Hände schlossen sich um die Halbkugeln von Laras Hintern, und sie zog und zerrte das satinweiche Fleisch tiefer zu sich herunter... elektrisches und berauschendes Aroma... die Schamlippen legten sich auf ihren Mund... sie schmeckte üppige, zügellose Feuchtigkeit...

Valentina seufzte und versenkte sich in die klaffenden Höhlen des Fegefeuers, mit einem Aufschrei drückte sie die Lippen dieser Vagina auf ihren Mund, verteilte erst schüchterne Küsse und fing dann an zu knabbern, die Zunge grub sich einen Weg nach innen... und dann war es passiert!

Dieser exotische Geschmack war zu viel für Valentina, sie presste Laras Hinterbacken noch fester an sich, um soviel von diesem neuen Festmahl zu bekommen wie nur möglich. Jetzt trank sie und saugte und stöhnte, denn sie spürte pure Weiblichkeit auf ihren Lippen... sie wollte mehr und mehr und mehr... mühsam hob sie diese runden Wangen in die Höhe, um die neuentdeckte Delikatesse dann mit doppelter Gewalt wieder in den Mund zu bekommen.

Die Mädchen bildeten jetzt ein bewegliches, saugendes Duett aus Seufzern und Schlucken und Stöhnen...

Valentina begann zu stöhnen, ihre Fersen trommelten auf das Bett. Sie warf die Hände hoch und verkrampfte sich in der Decke, als Laras Finger ihr einen Orgasmus verschafften. Sie schrie vor Lust, als ein Feuer durch ihren Körper flutete, als sich alles in ihr drehte, als sie Sterne sah und dann in eine Dunkelheit tauchte. Sie stürzte in den Mahlstrom des Unglaublichen, nie erlebten, Unfassbaren...

2

Valentina öffnete die Hintertür, die zur Bühne führte.

Das Theater war dunkel. Sie ließ die Tür hinter sich zufallen.

Durch das offene Fenster beschien der Mond die vielen Stricke, die von Rollen an der Decke herunterhingen. Da waren die Garderoben, die Dekorationsstücke und die Scheinwerfer.

Sie ging vorsichtig an all diesen Dingen vorbei, bis sie auf der Hauptbühne war. Alle Schauspielschülerinnen hatten ihre Aufgaben bekommen. Sie sollte am Freitag hinter der Bühne als Helferin des Regisseurs arbeiten. Das bedeutete, dass sie verantwortlich für die Sachen der Schauspieler war, dass alles im richtigen Augenblick am richtigen Platz lag.

Sie hatte das Manuskript des Eröffnungsspiels in der Hand. Noch immer war sie bestürzt, beunruhigt, erregt und zugleich mehr als verwirrt von ihrem impulsiven Benehmen, als sie mit Lara alleine war. Nachher waren sie auf Fahrrädern durch den Englischen Garten geradelt. Der Wind hatte kühlend in ihre Gesichter geblasen und Valentina hatte sich unglaublich jung und frei gefühlt.

Oh ja, es hatte ihr Spaß gemacht, was an jenem Nachmittag im Zimmer mit Lara geschehen war. Nie zuvor hatte sie eine solche sexuelle Erregung erlebt. Irgendwie war es gar nicht so schrecklich gewesen. Nein, es konnte nicht falsch sein, denn Lara war so süß, so warm, so aufregend. Nichts in ihrem bisherigen Leben hatte sie ähnlich erregt.

„Mittelbühne, Valentina Burgmeister!“, erklang eine laute Stimme.

Das Scheinwerferlicht leuchtete hell über die Bühne, sie hob den Kopf und schaute in den Schnürboden hinauf.

Jan Berger, der stellvertretende Regisseur, saß auf einer Holzbank vor einem riesigen Brett mit Schaltern und Sicherungen. Er spielte in dem Stück eine Hauptrolle und war der halbnackte Mann auf der Bühne gewesen, der das Kleid zerrissen hatte. Seine Beine schaukelten zwischen den herunterhängenden Seilen.

Er lächelte Valentina freundlich an.

Als sie zu ihm aufsah, wurde ihr bewusst, dass David Buchmann sie sicherlich nur wegen den Worten von Jan Berger hiergelassen hatte.

„Wie wäre es mit einer Nummer aus Hair? Kannst du singen und tanzen? Den Zuschauern deine hübschen Brüste zeigen? Ich habe sie mir ansehen dürfen, als David mit dir über die Arbeit sprach. 38 C?“

„36 C!“

Sie war ein wenig empört, aber sie musste trotzdem lachen. Es war etwas so Jungenhaftes, so Ungekünsteltes an ihm, das sie sich nicht ärgern konnte.

Er kletterte von dem Gerüst herunter, zündete sich eine Zigarette an und lehnte sich an das Bühnenportal auf der linken Seite.

Zum ersten Mal konnte sie ihn genauer betrachten.

Es gefiel ihr, was sie sah.

Sie mochte die Form seines Kopfes, die Art, wie er sie aus verschleierten, dunklen Augen ansah. Es gefiel ihr, wie er lächelte und wie er dastand, groß, schlank und muskulös. Sie mochte seine tiefe ruhige Stimme.

Er war noch jung, vielleicht fünfundzwanzig oder dreißig. Aber für Valentina mit ihren neunzehn Jahren war er etwas Besonderes, Unerreichbares.

„Du bist nicht wie die anderen Mädchen“, sagte Jan. „Ich weiß auch nicht, du bist eben anders. So richtig unschuldig. Ich glaube, darum hat es mich gepackt. Als ich dich so allein auf der Bühnentreppe sah, so ängstlich, so zerbrechlich, da dachte ich, dass du das attraktivste Mädchen wärst, das ich je gesehen hatte. Ich glaube, du könntest mit Männern schlafen und würdest immer noch unschuldig bleiben.“

Er ging auf sie zu, die Zigarette hing in seinem Mundwinkel. Ihr Herz schlug lauter und sie spürte einen Anflug von Schuld, von Scham. Unschuldig!

Sie senkte die Augen, aber er fasste mit Daumen und Zeigefinger nach ihrem Kinn und hob ihren Kopf hoch, sodass sie ihn ansehen musste. Dann warf er die Zigarette auf den Boden und trat sie mit dem Absatz aus.

„Du brauchst gar nichts zu sagen. Pass auf, dass sie dich hier nicht alle flachlegen. Sie werden es tun, wenn du es zulässt. Das ist ein verrotteter Haufen hier, alles Arschlöcher, das kannst du mir glauben. Ich weiß, du hast es dir vielleicht ein bisschen anders vorgestellt. Aber ich will dir etwas sagen. Hier wirst du lernen, wie es beim Theater zugeht. Vielleicht ist dies das Beste, was dir passieren kann. Am Ende des Sommers, wenn du zu Mami und Papi nach Rosenheim zurückkehrst, dann wirst du alles hassen. Vielleicht auch dich selbst, weil du dich hier reingestürzt hast. Vielleicht wirst du dann einen jungen Burschen vom Land heiraten, mit dem du auf der Schule warst. Du wirst einen Haufen Kinder haben und diesen Sommer vergessen, indem du lernen wolltest, wie eine Schauspielerin ist, was sie ist und wie sie sein sollte!“

Seine Stimme klang rau, aber er lächelte und sein Zeigefinger glitt über ihr schönes ovales Gesicht. Sie sah ihn mit ihren klaren und zärtlichen Augen an.

„Wenn das Theater so furchtbar ist, warum bist du denn dabei?“, fragte sie ihn.

„Weil es das ist, was ich am besten kann. Ich bin genauso ein Idiot wie alle anderen und werde deswegen auch ausgelacht. Aus demselben Grund ist David Buchmann dabei. Ich habe alles, was ich von der Regieführung weiß, von ihm gelernt. Er ist ein richtiger Profi. Und uns beiden gefällt dieses verrückte Leben. Er verdient einen Haufen Geld und mir geht es auch ganz gut.“

„Werde ich jemals eine Rolle kriegen?“, fragte Valentina.

„Vielleicht. Vielleicht eine kleine, Schätzchen. Du hast einen Vertrag mit dem größten Sklavenhändler der Welt abgeschlossen. Mit Clément de Réunion. Er wird dich und die anderen doofen Schauspielschülerinnen den ganzen Sommer über arbeiten lassen. Ihr werdet Dekorationsstücke bemalen, ihr werdet die ganze Scheißarbeit machen, weil er ein Mann ist, der sein Metier versteht. Er hat euch mit dem Vertrag ausgenutzt, weil ihr gehofft hattet, durch diese Gelegenheit eine Schauspielerin zu werden.“

„Er sagte bei meinem Vorsprechen, ich bekäme eine Hauptrolle!“

Sie lachte mittlerweile selbst über ihre Naivität und trat zurück, sie spürte die Wärme seines Körpers, seinen Geruch und sie zitterte, als sie spürte, wie erregt sie war.

Was ging nur in ihr vor?

Warum konnte sie ihre Gefühle nicht mehr beherrschen seit sie in diesem Theater war?

Was trieb sie eigentlich zu solchen sexuellen Gefühlen. Vielleicht war es das, was sie immer gewollte hatte. Sie hatte sich von ihren Eltern gelöst und lebte alleine in der Großstadt München.

War es diese Trennung? War es eine Befreiung?

„Hör zu, Valentina“, sagte Jan. Er nahm sie an den Schultern und zog sie an sich. „Vergiss, was Clément de Réunion zu dir gesagt hat. Hör auf mich! Ich weiß, es klingt kitschig, aber du wirst eine Menge über die Schauspielerei und das Theater lernen, auch wenn du die Johanna von Orléans nicht spielen wirst. Glaub mir, David Buchmann wird dich eine ganze Menge lehren. Du wirst entsetzlich viel arbeiten müssen, aber es wird die Sache wert sein. Um Himmels willen, schau mich doch nicht so an! Was ist mit dir los? Ich will dich beschützen und ich will dich auch haben. Bei dir fühle ich mich wie ein Vater und ein Liebhaber. Valentina, du bist entzückend. Du bist wunderschön, mein Mädchen.“

Und dann nahm er sie unter dem Scheinwerferlicht auf der Bühne in die Arme und küsste sie. Sein Mund war gierig, zärtlich, ungeduldig, als er sie an sich presste. Sie ließ ihn ihr Kleid und Büstenhalter öffnen, das Höschen herunterziehen, während eine zitternde Erregung sie fast wehrlos machte.

Sie dachte nicht mehr an Lara Claire.

Sie wollte Jan!

Nun wollte sie alles wissen, spüren und erleben. Sie hatte die Grenze sowieso überschritten, jetzt war es zu spät, noch etwas dagegen zu tun. Niemals würde sie wieder jenes Mädchen sein, das einmal an die Studiotür vom Theater44 geklopft hatte.

Sie war Valentina Burgmeister, jung, schön und begehrenswert. Ein Mädchen, das Männer und Frauen gleichermaßen haben wollte, ein sexuelles Wesen, das den Sex brauchte, um ihre ganze Schönheit und Ausstrahlung zu entfachen, um zu spüren, wie eine echte Frau fühlen musste.

Seine Lippen wanderten über ihre Haut, hinterließen rote Flecken auf ihrem Hals. Seine Hände verzauberten sie, als er an ihren Brüsten spielte. Die Fingerspitzen fühlten sich an, als wollten sie ihr sagen, wie schön sie seien. Die rosa Nippel richteten sich vor Wollust auf.

Sie war nackt!

Schnell schlüpfte er aus seiner Jeans und trug sie auf den Armen hinter die Bühne in seine Garderobe. Er schaltete ein rosa Licht ein und legte sie behutsam auf das Bett. Im nächsten Augenblick begannen seine Finger ihren wunderschönen Körper, der vor Erregung bebte, zu erkunden.

„Komm, Liebling“, flüsterte er heiser. „Sag mir, was ich mit dir tun soll, was du dir am liebsten wünschst.“

„Ich will deinen Schwanz“, sagte sie und nahm ihn zwischen die Finger. Sie spürte, wie der mächtige Penis noch härter wurde, wie sein Umfang wuchs, wie er noch länger wurde. Dann legte er seine Hand über die ihre und zeigte ihr, was sie tun musste, um ihn so zu erregen, wie ein Mann an seinem Glied erregt werden wollte.

„Ich will, dass du ihn mir reinsteckst. Ich will ficken. Ja, ich möchte jetzt mit dir vögeln“, stöhnte sie laut.

Seine Fingerspitzen rieben über ihre Klitoris, die härter und härter wurde. Ihre Liebessäfte begannen zu fließen, zwischen ihren Hinterbacken wurde es nass. Dann legte er sich über sie, rutschte kurz zurück und schob ihre Knie hoch. Im nächsten Augenblick glitt sein Phallus, hart wie eine Eisenstange, tief in sie hinein.

Dann stieß er tiefer, immer tiefer hinein und sie empfand unglaubliche Lust. Sie spürte ganz deutlich, wie er sich in ihr bewegte. Etwas Fremdes war zwischen ihren Beinen und in ihrem Körper. Ganz langsam stieß er zu und zog seinen Penis wieder heraus, stieß ihn wieder hinein. Er sagte kein Wort, es war, als ob er auf ihr zitterndes Atmen hörte, auf ihr Wimmern, auf die leidenschaftlichen Schreie, die sie ausstieß.

„So ist es richtig, du hast die richtige Stelle gefunden. Ich werde sterben! O lieber Himmel. Hör nicht auf, Jan, bitte hör nicht auf!“

Sie warf die Arme hoch und legte sie um seinen Rücken, dann glitten die Hände tiefer bis zu seinen Hinterbacken. Sie drückte sie, es war, als müsste der gewaltige Penis noch tiefer in sie eindringen, aber sie spürte, wie er ihren Uterus berührte und wusste, dass er sie völlig ausfüllte.

Vielleicht war es diese Berührung, die das fantastische Gefühl auslöste, das schöner war als jenes, das ihr Lara verschafft hatte.

Valentina stieß einen wilden, irren Schrei aus, als ob sie nicht mehr wüsste, was um sie herum vorging. Sie war nun in ihrer eigenen Welt. Einer Welt aus explodierenden Lichtern, rauschenden, flammenden Sensationen. Das Einzige, was nun noch Bedeutung hatte, war der phantastische Orgasmus, der sie durchschüttelte.

Das Nächste das sie spürte war, wie er sich in ihr ergoss, als sie die heiße Flut seines Spermas in sich spürte.

3

„Du bist ein Idiot! Ein ausgemachter Idiot! Eines Tages wird ein Mädchen es ihren Eltern sagen, dass du dir von ihr hast einen blasen lassen. Ich besorg dir alle Mädchen, die du haben willst, das ist mir völlig egal. Aber hör zu, es ist nicht richtig, es mit den jungen Schülerinnen hier im Theater zu machen, Clément.“

David Buchmann tippte die Asche seiner Zigarette in den großen, steinernen Aschenbecher auf Clément de Réunions gewaltigen Schreibtisch und warf sich in einen Sessel. Unberührt saß Clement hinter seinem Tisch und lächelte leicht. Er trug eine gelbe Stoffhose und ein weißes Hemd, schüttelte den Kopf, als wollte er alle anderen Gedanken abschütteln.

„Hör zu, alles was du zu tun hast, ist doch klar. Du führst die Regie in unserem neuen Stück, David. Außerdem kümmerst du dich darum, dass Linda Murcia nicht säuft, sondern so spielt, wie sie spielen kann. Dann wird die Kohle fließen. Ich habe Zusagen von fast allen Zeitungen im Land, dass die Spitzenkritiker zur Premiere kommen werden. Wenn wir dieses Stück richtig durchziehen können, dann haben wir einen Hit, den wir mindestens fünf Jahre spielen können. Aber du musst auf Linda aufpassen. Du musst aufpassen, dass sie nüchtern bleibt und arbeitet, bis euch der Schweiß in die Arschbacken läuft. Das Theater44 wird wieder solvent werden!“

„Wenn du die Leitung hast? Ich traue dir nicht, Clément! Du verbrauchst doch zu viel Geld. Du sitzt bis zum Hintern in unbezahlten Rechnungen, weil du der große Boss sein willst, weil du in Paris und London deine Partys schmeißt, obwohl du verdammt gut weißt, dass du am Schluss pleite sein wirst. Du bist einfach ein Idiot! Ich begreife es erst jetzt. Verlass dich nicht auf die Premiere. Nach dem ersten Akt werden sie alle auf der Bühne zusammenklappen!“

Clément de Réunion betrachtete David Buchmann mit lüsternen Augen. Ein seltsamer Ausdruck lag auf seinem Gesicht. Er hatte David immer gemocht. Und seine Blicke glitten schnell über den jüngeren Mann, über seine Männlichkeit, er spürte, dass das Blut in seinen Penis schoss.

Aber David erkannte seinen Blick sofort!

Und er wusste, woran Clément dachte, als der Produzent mit den beiden Zeigefingern über die Enden eines Bleistiftes rieb.

„Ich stehe nur auf Frauen, Clément.“

Clément de Réunion lachte und warf den Bleistift durch das Zimmer, wo er auf dem braunen Teppich unter dem Fenster landete.

„Schade, zu schade. Nun, ich glaube, du hast um drei Uhr Probe. Soll unsere geliebte Linda Murcia nicht heute Nachmittag auftauchen?“

„Du brauchst keine Angst zu haben. Sie wird fit sein, Clément. Und sie wird in diesem Stück auch fantastisch sein. Ich kenne sie. Sicher, ich weiß genau, dass man sie bei ihrem letzten Engagement in Madrid rausgeschmissen hat, weil sie zu viel gesoffen und noch andere Dinge getan hat. Aber ich wiederhole, ich mag sie. Sie ist eines der wirklich großen Talente in unserem Geschäft. Aber ich werde ihr jede nur mögliche Chance geben. Ohne sie klappt das Stück nicht. Ich war ihr Regisseur bei einem Fernsehstück, das ist nun zwei Jahre her und sie war fantastisch. Wenn sie auf der Bühne steht, dann steht eine Persönlichkeit da. Was sie ausstrahlt, Clément, das haben die jüngeren Schauspielerinnen nicht. Also lass sie in Ruhe.“

„Habe ich mich jemals in deine Regiearbeit eingemischt, David?“, fragte Clément achselzuckend und spielte mit einem Knopf seines Hemdes.

„Dann fang bitte jetzt nicht damit an“, antwortete David. „Ich bin sicher, dass wir mit diesem Stück erfolgreich sein werden. Wir werden einen Haufen Geld verdienen, so lange jedenfalls, bis wir nicht irgendwelchen Unfug machen. Was wir jetzt in erster Linie brauchen, ist eine gute Werbeagentur, die uns im Internet platziert. Wir brauchen Berichte in Facebook, bei Twitter und einen Film bei Youtube. So werden heutzutage Zuschauer geworben. Such ein gute Agentur, Clément, das ist wichtig!“

Clément lächelte und nickte.

Mit geschmeidiger Bewegung stand er auf und ging zu dem Piano am anderen Ende des Zimmers. David zog beide Augenbrauen hoch und zuckte mit den Schultern. Der Idiot war wieder in seiner Laune, auf dem Klavier herum zu klimpern und irgendetwas zu komponieren.

David verließ den Produzenten, als er ein Scherzo spielte und ging zum Theater. Er musste noch zwei Nebenrollen vergeben.

Valentina wartete in der ersten Reihe neben Lara.

Zwanzig Schauspielschülerinnen und nur zwei Rollen!

Sie beobachtete, wie David Buchmann hin und herging, wie seine Blicke über jeden von ihnen schweifte, wie er sie in seiner harten, zupackenden, wissenden Art beobachtete. Valentina hielt den Atem an.

„Sie! Hören Sie auf zu träumen und lesen Sie mir bitte etwas vor!“

David Buchmann deutete auf Valentina. Plötzlich war sie auf der Bühne und man drückte ihr eine Rolle in die Hand.

„Es wird eine gute Erfahrung für Sie sein, wenn Sie etwas lesen, das Sie nicht kennen“, sagte David.

Valentina las ein paar Zeilen, dann deutete David an, dass es genügte.

Ein paar andere Mädchen lasen Textstellen vor.

Nachdem alles vorbei war, gab David die beiden Rollen an Lara Claire und Claudia Müller, einer jungen Schauspielschülerin aus Berlin.

„Ich bin Ihnen so dankbar, Herr Buchmann“, stammelte Lara vor Freude. „Ich werde hart arbeiten, wirklich, das werde ich tun.“

„Schätzchen, nach ein paar Proben mit mir wirst du nicht mehr dankbar sein. Außerdem hast du eine Menge Arbeit hinter der Bühne zu tun. Reg dich bloß nicht wegen der paar Sätze auf! Das ist nichts Besonderes, aber zufälligerweise mag ich braun gelockte Mädchen. Lern deine zwei Zeilen und komm nach dem Abendessen um neunzehn Uhr wieder hierher.“

Traurig und den Tränen nahe verließ Valentina die Bühne und ging in den Speisesaal des Theaters. Jan wartete auf sie. Er legte die Hand um ihre Taille und wollte das Mädchen trösten.

„Sei nicht traurig, deine Zeit wird kommen. Morgen Abend haben wir eine Grillparty an der Isar. Willst du mit mir hingehen?“

„Ja gerne, ich glaube das würde mir jetzt gut tun. Einfach mal raus hier! Ich würde mit dir überall hingehen und alles für dich tun.“ Sie strahlte Jan mit ihren weichen Augen an.

Ich glaube, du würdest es wirklich, überlegte er. Ich bin Gift für dich, Valentina. Und du bist noch so jung, ein verrücktes kleines Mädchen, das mit offenem Mund durch eine sexverrückte Welt wandert, wo es Burschen gibt wie mich, David und Clément, die sich unter den Nagel reißen, was sie bloß kriegen. Und die alle scharf auf dich sind!

Sie schaute zu ihm auf, ein warmes Gefühl durchlief sie und ihre unschuldigen Augen schienen jede Kraft aus ihm herauszusaugen, so dass er sich noch viel schuldiger fühlte.

Aber er wollte sie unbedingt behalten. Das hieß in der Sprache des Theaters:

So lange er scharf auf sie war!

4

Die Frau saß auf der Bühne, sie hatte den Kopf zur Seite geneigt. Ihr ovales Gesicht war von einem großen schwarzen Hut umgeben, der ihre Stirn beschattete. Eine lange schlanke Hand berührte ihren Hals, auf ihrem Gesicht lag ein merkwürdiges, trauriges Lächeln.

Valentina zögerte, als sie den Mittelgang hinunterging, die Arme beladen mit Dingen, die auf der Bühne gebraucht wurden. Ein Buch fiel herunter und als sie sich bückte, um es aufzuheben, drehte sich die Frau um und sah in den dunklen Zuschauerraum.

Valentina entschuldigte sich, als sie die Treppe zur Bühne hochstieg und sagte, es täte ihr Leid, dass sie sie gestört hätte.

Aber als sie das Gesicht der Frau im Licht sah, das aus den Kulissen kam, merkte sie, dass es Linda Murcia war.

„Sie haben mich nicht gestört. Entschuldigen Sie sich also nicht, meine Liebe.“ Ihre Stimme klang musikalisch, sanft und freundlich. „Legen Sie das Zeug hin. Dort drüben auf den Tisch.“

Linda Murcia streckte einen schlanken Finger aus und Valentina gehorchte.

Sie erinnerte Valentina an eine alte Dame aus dem Süden, die sich verzweifelt an die Gebote der Höflichkeit klammerte, weil sie sie immer noch für gültig hielt.

„Sie sind Schülerin?“ Das Lächeln der Frau war verwirrend.

„Ja. Und Sie sind Linda Murcia. Ich habe Sie vor ein paar Jahren im Fernsehen gesehen. Es war großartig. Sie waren einfach wundervoll“, antwortete Valentina.

Linda Murcia lächelte. Ihr Lächeln war betörend. Das Licht spielte über ihr Gesicht und zeigte deutlich die herabgesunkenen Mundwinkel und die Falten neben den Augen.

Sie muss in ihrer Jugend einmal sehr schön gewesen sein, dachte Valentina. Wie grausam ist es doch für eine Frau, die einmal so schön war, dass sie altern muss. Ihr Make-up war sorgfältig geschminkt, sie war immer noch schlank und sehr elegant gekleidet. Aber Valentina sah es in ihrem Gesicht und dachte, wie wundervoll es doch war, erst neunzehn Jahre alt zu sein. Nie hatte sie daran gedacht, wie es für sie selbst sein würde, alt zu werden.

Nein, dachte sie, ich werde immer jung bleiben!

Jetzt war sie neunzehn, wie lange, wie lange war die Zeit, bis sie mal einundzwanzig war? Eine unwahrscheinlich lange Zeit.

Nein, sie wollte daran nicht denken, denn plötzlich wollte sie nichts anderes sein als neunzehn und verliebt. Das dürfte sich nie ändern!

„So, Sie möchten also ein Star werden!“ Linda lächelte sonderbar und betrachtete Valentina genauer.

„Oh, nein“, antwortete sie und ging näher auf die ältere Frau zu.

„Ich glaube nicht, dass ich wirklich ein Star werden möchte“, sprach Valentina weiter. „Ich habe immer davon geträumt, Schauspielerin zu werden, schon als ich ein kleines Mädchen war und besonders damals, als ich in der Theaterklasse unserer Schule war.“

Valentina lachte und Linda streckte die Hände aus und berührte die Finger des jungen Mädchens.

„Aber nach ein paar Tagen hier im Theater44“, fuhr Valentina fort, „bin ich mir nicht mehr so sicher.“

„Sie sind reizend“, sagte Linda und zum ersten Mal sah sie in die Augen der berühmten Schauspielerin. Es lag in ihnen etwas, das sie an Lara erinnerte, doch war es älter und erfahrener. Valentina war zugleich erschrocken und fasziniert.

„Wie alt sind Sie?“, erkundigte sich Linda Murcia.

„Neunzehn“, antwortete Valentina.

„Neunzehn! Ein magisches Alter. Ein Jahr der Schönheit, der vielen Wunder und des Glaubens. Vielleicht klingt es ein bisschen verrückt für Sie, wenn ich das sage. Sie haben also Zweifel? Ich meine, Zweifel, ob Sie Schauspielerin werden sollen? Ach, wissen Sie, es ist schon harte Arbeit. Die Erregung der Leute da unten“, sie streckte ihre langen schlanken Arme zu dem leeren Zuschauerraum aus, „das machte es aus. Den ganzen Schweiß, das Herzeleid und die Enttäuschung. Und dann kommen die großen Augenblicke. Du stehst allein auf der Bühne. Du hörst den Beifall!“

Sie lachte. „Ach, ich bin immer noch ein Kind!“

Linda stand geschmeidig auf und griff nach Valentina, ihre Hände umklammerten das junge Mädchen, sie starrte sie mit ihren hypnotischen Augen an.

„Du musst davon eingefangen sein, wenn du wirklich Schauspielerin sein willst. Es muss nicht im Kopf sein, sondern in deinem ganzen Körper“, sagte sie. „Es ist eine verzehrende, selbstsüchtige Leidenschaft, eine Liebesaffäre, ein Ehrgeiz, den nichts, gar nichts überwinden kann, ein wahr gewordener Traum, für den du alles opfern musst. Alles und jeden! Es ist ein schrecklicher Preis. Und man muss diesen Preis genau einkalkulieren. Für alles im Leben müssen wir bezahlen. Ich weiß das. Ich habe viel bezahlt.“

„Ich könnte nie so entschlossen sein“, sagte Valentina.

„Im Grunde genommen bin ich nicht ehrgeizig. Ich will einfach spielen, ich will mich selbst vergessen. Aber ich halte mich nicht für so stark, dass ich alles dafür opfern würde.“

„Es ist eine Frage der Stärke. Es ist eine Frage des Egoismus.“

„Ich kann es nicht glauben. Sie sind so schön, Frau Murcia.“

Die Erregung hatte Valentina beim Anblick der Schauspielerin gepackt. Sie war so herzlich, so liebevoll, so wie ihre Mutter nie gewesen war. Linda lachte halblaut, ihre Hand legte sich auf die Schulter von Valentina, die keine Bewegung unternahm, um sich ihr zu entziehen.

„Wie süß du bist, meine Liebe. Aber ich bin nicht mehr schön. Nicht mehr jung und nicht mehr so entschlossen. Ich bin eine alternde Schauspielerin ohne Geld, die das edelmütige Angebot eines jungen Mannes angenommen hat. Ich spreche von David Buchmann. Ich mag David sehr. Er hat mir verdammt viel geholfen, als ich vor ein paar Jahren im Fernsehen eine Art Comeback versuchte. Die Schönheit, die du siehst, ach, das ist alles künstlich. Make-up, Gymnastik, Massage und die Jahre des Trainings als Schauspielerin. Was du siehst, das ist Linda Murcia, das einstmals strahlende Mädchen der großen Theaterbühnen, das Mädchen mit der heiseren Stimme, der faszinierenden Traurigkeit, das Mädchen, das einmal Millionen verdient hatte, durch drei Ehen gegangen war, in einer langer Reihe fürchterlicher Filme spielen musste, fürchterliche Vorstellungen gab. Und dann noch diese entsetzlichen Schlagzeilen.“

„Nicht doch, Frau Murcia! Alle sagen, Sie werden bei der Premiere wundervoll sein.“

Im Grunde genommen ist es völlig egal. Für mich zählt nur noch mein Sohn Leon. Gott sei Dank hat ihn das alles nicht berührt. Er will Medizin studieren. Ich muss Geld verdienen. Warum sollte er durch das, was ich getan habe, durch das Leben, das ich gewählt habe, bestraft werden. Er erhält mich am Leben und so junge Mädchen wie du!“

In dem schwachen Licht sah Valentina die ältere Schauspielerin an, sie sah, wie ihr Mund zuckte und spürte ihre zarte Hand auf ihrer Schulter und wieder einmal überfiel sie diese wundervolle Erregung, gegen die sie nicht ankämpfen konnte, denn die ältere Frau war interessant, sehr erfahren. Valentina wollte diese Erfahrung mit ihr teilen, wollte alles für sie tun und alles von ihr lernen.

Sie gingen hinauf in Lindas Zimmer im Haupthaus des Theaters. Überall lagen oder hingen Fotos aus jener Zeit ihrer größten Erfolge. Auf einem dieser Bilder war Linda nackt. Mit offenem Mund betrachtete Valentina das Bild. Nie zuvor hatte sie einen so wundervollen Körper, so perfekte Brüste gesehen.

„Deine Brüste sind genau wie meine“, sagte Linda. Sie trat hinter Valentina und schob die Hände durch den Ausschnitt und legte sie über ihren Busen. „Ja, mein Kind, wie prall sie sind. Du bist ganz entzückend.“

Wie in Trance erlebte Valentina, dass die ältere Frau sie auszog. Sie ließ es mit sich geschehen, sie hätte nichts dagegen tun können, auch wenn sie gewollt hätte. Dieser Drang nach Intimität, nach der Vereinigung, überwältigte sie.

Während ein Teil ihres Körpers sich nach Jans gewaltigem, steifen Glied sehnte, wollte der unbewusste andere Teil ihres Körpers, jener, den Lara erweckt hatte, den zarten, süßen, wundervollen und doch so erregenden Kontakt mit dem Körper einer Frau.

Und sie bewunderte den Körper der älteren Frau. Ihre Brüste waren immer noch schön, immer noch jung und fest. Die beiden Frauen starrten einander an. Linda zitterte vor Erregung, sie sehnte sich danach, den Körper dieses wunderschönen Mädchens zu berühren. Zum ersten Mal in ihrem Leben, konnte sie kaum gegen den Wunsch ankämpfen, die andere Frau zuerst zu berühren.

Linda zog sie zum Bett. Valentina ließ die ältere Frau ihre Brüste, ihre Hüften und Beine liebkosen, die Nippel, die sich aufgestellt hatten. Da waren die starken, sicheren Hände, die ihr Fleisch kneteten, die ihr Lustzentrum zwischen den Beinen suchten.

Valentina wartete gierig auf das, was kommen musste und was sie sich ersehnte. Das Gefühl von Lindas Fingern an ihrer Klitoris war überwältigend. Die kreisförmige, reibende Bewegung machte sie fast verrückt und dennoch hatte sie den Augenblick des Zögerns gespürt. Sie hörte, wie die ältere Frau ihr ins Ohr flüsterte, wie sehr sie ihren Körper liebte.

Dann tauchte ihr Kopf zwischen die wundervollen Oberschenkel, Lippen und Zunge glitten über die Vulva, öffneten die Liebeslippen, tauchten hinein in die Schlüpfrigkeit, berührten das heiße Portal. Die Zungenspitze versuchte einzudringen, soweit sie konnte.

Valentina warf sich hin und her, bäumte sich auf, schlug die Hände vors Gesicht, als sie in eine Welt hinausflog, die ihr nun schon vertrauter war. Linda hatte die Tür aufgestoßen, die sie ins Paradies führte. Sie schwebte dahin, während ihr Körper die ganze Pracht und Herrlichkeit genoss, die der Orgasmus ihr verschaffen konnte.

„Mehr! Bitte! Mehr!“, stammelte Valentina heiser.

„Mein Liebling, ich habe dir etwas gegeben. Nun bist du an der Reihe. Nun darfst du mich befriedigen“, sagte Linda und nahm die Hand von Valentina und drückte sie auf ihre Scham. Einen Augenblick dachte Valentina daran, wie lange es wohl her war, seitdem diese Frau ihr Hymen verloren hatte.

Es war die gleiche Position, die sie erst vor wenigen Tagen mit Lara genossen hatte, als Linda sich anders herum auf sie legte und sie, in dem Augenblick, da sie den Mund wieder auf ihrer Vagina spürte, die Schamlippen der älteren Schauspielerin vor ihrem Gesicht wahrnahm. Sie atmete den Duft der Frau tief ein und leckte dann sanft den feuchten Spalt entlang. Dann berührte sie mit ihrer Zunge das erregte Fleisch. Der Unterleib von Linda zuckte vor Lust, als Valentina an der Klitoris knabberte und saugte. Sie drehte ihre Zunge und stieß in die Tiefe um das innere Paradies auszulecken.

Beide bäumten sich vor Lust auf, bis sie fast aus dem Bett fielen.

Als es ihr kam, streichelte Linda sie noch einmal langsam und zärtlich. Dann griff sie über Valentina hinweg und öffnete eine Schublade ihres Nachttisches. Sie holte einen langen schwarzen Gummiphallus hervor.

Natürlich hatte Valentina von diesen Dingen gehört, doch ähnliches hatte sie nie gesehen. Es war ein langer Stab, der wie ein Penis geformt war und der an beiden Enden einen dicken Kopf und einen Wulst hatte.

Linda rollte mit überraschender Kraft Valentina auf den Bauch und spreizte ihre Beine. Valentina spürte, wie der lange, dicke, harte Dildo in sie eindrang. Sie war verloren in den Fängen primitivster Lust.

Wieder drehte Linda sie herum und spreizte ihre Beine, so dass ihre Vagina entblößt dalag. Dann schob sie erneut den Liebesdolch tief in die Passage ihrer Scheide, während Linda sich zurechtsetzte und das andere Ende in ihre eigene Spalte schob.

Wilder und wilder wurden ihre Bewegungen bei dieser Doppelpenetration.

Als Valentina die Augen öffnete, sah sie die wippenden Brüste der anderen Frau. Und dann wusste sie nichts mehr, sie spürte nur die Hitze ihres Körpers, das Zittern, das Rauschen in den Ohren, wilde Erlösung, das absolute sexuelle Delirium.

5

Das leise Rauschen der Isar klang beruhigend und angenehm. Fackeln leuchteten am äußeren Rand des Ufers. Irgendjemand sang mit einer Gitarre ein Lied, es war eine tiefe sinnliche Stimme, die sich aus dem Kreis der nackten Körper erhob, die durch die Hände miteinander verbunden waren und sich im Rhythmus bewegten. Hüften drückten sich gegeneinander, orgastisches, ekstatisches Stöhnen übertönte das wilde Zupfen an den Saiten der Gitarre.

Valentina spürte, wie Jan sie gegen die Steine drückte, ihre Beine lagen um seine Hüften, während sein Liebesmast tief in ihr steckte. Sie hatte den Kopf zurückgeworfen und ihr nasses braunes Haar hing über die Schultern.

Voller Lust bäumte sie sich auf und ihre Brüste schoben sich aus dem Körper heraus, die rosafarbenen Spitzen drangen in den offenen Mund ein und Jans Zunge liebkoste die Nippel. Dann wurde es leer zwischen ihren Beinen und als Valentina den Mund zu einem Lustschrei öffnen wollte, spürte sie, wie sein heißer Penis in ihren Mund eindrang. Und während er sie so fickte, hörte sie das Rauschen der Isar, die immer lauter werdende Gitarre und sie begann sich im Rausch der Wollust zu verlieren, bis es aus seinem Schwanz herausrauschte und tief in ihren Rachen hineinfloss.

Später lagen Valentina und Jan auf einer Decke zwischen den Bäumen am Flussufer. Das Fest war vorbei.

Die anderen Schauspielschülerinnen waren in das Theater zurückgegangen, um alles für die Proben vorzubereiten.

Jan zog eine Wolldecke über sie, brannte zwei Zigaretten an, schob eine zwischen ihre Lippen. Ihre Nasenflügel hoben sich, als sie den würzigen Rauch inhalierte. Sie lächelte.

„Es war wunderfantastisch. Ich hab so etwas noch nie mitgemacht.“

„Ich habe dich ja gewarnt, dass wir ein wilder Haufen sind. Wir müssen einfach so sein. Weißt du, beim Theater ist kein Platz für normale Menschen. Jeder muss irgendwie einen Knall haben.“

„Macht denn David Buchmann bei diesen kleinen Spielchen am Lagerfeuer nie mit?“

„Er hat genug mit sich selbst zu tun. Du weißt doch, seine Portugiesische Freundin Clara. Ach so, du hast sie noch nicht kennengelernt. Sie schläft den ganzen Tag. Er möchte sie gern vor der Premiere abschieben, besonders jetzt, da Linda hier ist.“

Bei der Erwähnung des Namens der Schauspielerin holte Valentina tief Luft und biss auf den Filter der Zigarette. Sie versuchte, nicht an diese Episode zu denken, doch plötzlich tauchte alles wieder auf. Mit geschlossenen Augen sah sie wie auf einem Bildschirm alles was geschehen war.

„Was ist los? Ist irgendetwas?“ Jan legte sich auf den Bauch und zerdrückte seine Zigarette in den Kieselsteinen, dann stützte er sich auf einen Ellenbogen. Mit dem Zeigefinger glitt er über Valentinas Körper, vom Hals durch das tiefe Tal zwischen ihren vollen jungen Brüsten.

„Ach was, nichts. Sollten wir nicht zurückgehen, Jan? Ich bin Schauspielschülerin und für die Bühne zuständig. Morgen zur Probe muss alles fertig sein.“

Sie lächelte, als Jan sie hochzog und sah ihm zu, wie er in seine zerknitterte Jeans stieg. Sie schlüpfte in eine flauschige Strandjacke, die gerade bis zu ihren Oberschenkeln reichte. Dann gingen sie langsam zu einem alten Mercedes Transporter.

„Du musst das leichter nehmen. Sei nicht mehr traurig, dass er dich übergangen hat“, sagte Jan, als er auf den Sitz neben sie glitt und den Wagen startete. „Nur nicht philosophieren, okay?“, sprach er weiter. „Es ist deine erste Saison in einem Sommertheater. Es gefällt dir doch. Mach die Augen auf, mach die Ohren auf, sieh und höre. Wir hatten unseren Spaß. Und vielleicht sind wir im Grunde genommen doch gesünder und vernünftiger als viele andere Leute.“

Sie lachte und bat ihn um eine neue Zigarette. Er schob sie zwischen seine Lippen, zündete sie an, nahm einen tiefen Zug und steckte sie ihr dann in den Mund. Sie lehnte sich zurück und beobachtete, wie er vom Isarhochufer durch Harlaching in Richtung Schwabing fuhr.

„Ich glaube, ich werde meinen Eltern schreiben und ihnen sagen, was ihr unschuldiges Mädchen so tut, wie es langsam an sexuellen Erfahrungen gewinnt. Ich glaube meinem Vater würde das gar nicht gefallen.“

Sie kicherte und fühlte sich glücklich.

Als sie das Theater erreichten, kam ihnen David Buchmann entgegen gelaufen. Er trug ein Mädchen auf den Armen. Blut lief zwischen ihren Oberschenkeln herunter.

„Los, mach die Tür vom Transporter auf“, schrie David.

Jan öffnete die hintere Türe. Der Regisseur legte das blutende Mädchen auf die Rücksitzbank.

„Geh auf dein Zimmer, Valentina!“, befahl Jan. „Wir müssen das hier regeln!“

„Ja“, erwiderte sie.

„Fahr um Himmels willen los! Schnell ins Krankenhaus. Sie blutet so sehr. Ich kann ihren Puls gar nicht mehr spüren“, brüllte David Buchmann.

Jan setzte sich an das Steuer und raste los. „Was ist denn passiert“, fragte er hektisch.

„Was passiert ist? Abgetrieben hat sie! Einer unser bescheuerten Schauspielschüler hat mal in einem Krankenhaus gearbeitet. Dort muss er irgendetwas abgeguckt haben. Ich habe ihm gerade in den Arsch getreten und rausgeschmissen. Dieser Hurensohn könnte uns hier alles vermasseln. Wenn das die Polizei rauskriegt, dann gibt es eine Untersuchung. Gerade jetzt können wir eine solche Publicity nicht gebrauchen!“

David versuchte, den Kopf des Mädchens tiefer zu legen, er stopfte alles, was er fand, unter ihre Hüften.

Jan raste die Leopoldstraße in Richtung Krankenhaus.

Das verletzte Mädchen war Claudia Müller, die neben Lara die zweite weibliche Nebenrolle in dem Theaterstück erhalten hatte.

6

Das Handy weckte sie. Lara war die ganze Nacht nicht dagewesen. Im Zimmer herrschte völliges Durcheinander. Überall lagen Kleider, Puder war ausgeschüttet, Lippenstift war verschmiert.

Valentina steckte den Kopf unter das Kissen und versuchte den Alptraum der gestrigen Nacht zu vergessen. Jan hatte ihr in der Nacht noch eine SMS geschickt. Er berichtete, dass es sich bei der verletzten Frau um Claudia Müller gehandelt hatte. Er erzählte von seiner irren Fahrt in das Krankenhaus, dem vielen Blut, von Ärzten, Krankenschwestern, Polizei und den vielen Fragen.

Die verletzte Claudia musste operiert werden.

Aber David Buchmann hatte alles erledigt.

„Raus aus den Federn“, hörte sie die raue Stimme von David aus ihrem Handy. „Du bist in fünfzehn Minuten im Theater!“

Er legte auf und Valentina kroch aus dem Bett. Sie schnappte sich ein Handtuch, verließ das Zimmer und rannte in das Bad.

Jemand anderes war bereits unter der Dusche.

Das Wasser war heiß und so konnte sie wegen dem Dampf nicht sehen, wer da war.

Sie rief so laut sie konnte, um das Rauschen des Wassers zu übertönen: „Beeil dich! Ich muss in fünfzehn Minuten im Theater sein!“

Sie wollte das Gemeinschaftsbad gerade verlassen, als das Wasser plötzlich abgedreht wurde. Die Tür öffnete sich und zwei der jungen Schauspielschüler traten heraus. Die Schwänze standen erregt von ihren Körper ab. Sie lachten und ignorierten Valentina völlig, während sie sich gegenseitig abtrockneten.

„Kümmere dich nicht um uns, Schätzchen“, sagte einer von den Beiden.

Dann fassten sie sich an den Händen und verließen das Bad.

Valentina duschte, schminkte etwas ihr Gesicht, zog sich an und eilte die Treppen runter zum Theater.

„Nun komm schon, Valentina, wir warten auf dich“, schimpfte David Buchmann ungeduldig.

Da saßen sie alle:

David Buchmann, Clément de Réunion, Jan Berger, Lara Claire und die anderen der Truppe. Linda Murcia stand etwas abseits, ihr Gesicht bestand aus einer Maske perfekter Make-up Kunst. Sie trug eine teure, hellgelbe Hose und eine grüne Freizeitjacke.

„Wie geht es Claudia Müller?“, wollte Valentina wissen.

„Kümmere dich nicht darum“, zischte Clément als Antwort.

„Sie ist in besten Händen, Valentina“, sprach Jan in einem ruhigen Ton.

„Aber ich möchte wissen, wie es ihr geht“, beharrte sie.

„Sie hat eine Menge Blut verloren, aber es gab keine Infektion. Sie wurde noch letzte Nacht operiert und hat einige Bluttransfusionen bekommen. Aber sie wird niemals wieder Kinder kriegen. Okay. Nun weißt du es, Kleine“, sprach David mit sanfter Stimme.

„Hier wird schon genug Mist gemacht, David. Lass uns endlich an die Arbeit gehen“, sagte Clément und spielte mit seinem Kugelschreiber.

„Lass du mich mal die Dinge erledigen, Clément“, erwiderte David Buchmann und wandte sich dann direkt an Valentina. „Hat Herr de Réunion nicht versprochen, einen Star aus dir zu machen, Valentina?“

Die Stimme des Regisseurs klang verächtlich.

Valentina errötete und starrte auf den Boden. Sie wusste, dass Linda sie ansah und sie spürte auch die Blicke der anderen im Theater wie durchbohrende Dolche.

„Nun, jetzt hast du deine Chance, Mädchen. Die verletzte Claudia Müller kann wohl kaum mehr in dem Stück spielen. Offensichtlich fällt sie für den Rest der Saison aus. Du bekommst hiermit die Rolle und spielst mit Lara Claire die beiden weiblichen Nebenrollen.“

David Buchmann grinste kurz verächtlich zu Clément, sprach dann aber weiter zu Valentina: „Unser Schriftsteller hält sich für eine Mischung aus Henry Miller, Marquis de Sade und Steven King. Das Stück heißt: Der Fluch von Schloss Willburg. Du weißt bestimmt nicht, was es bedeutet oder um was es geht. Aber das macht nichts, du spielst eben und mehr wollen wir gar nicht.“

Valentina stand zitternd und mit aufgerissenen Augen vor dem Regisseur, der kurz die Story des Stückes umriss:

Es spielte in Schloss Willburg. Dort wurden Menschen von Geistern heimgesucht und von Werwölfen gejagt.

Valentina kam das alles ziemlich merkwürdig vor!

An Werwölfe oder Geister glaubte sie nicht. Sie hatte eine bürgerliche, katholische Erziehung genossen.

Was man nicht sieht und nicht kennt, das gibt es nicht!

Der Hauptdarsteller des Theaterstückes, ein Dastan of Phellan, wurde von Jan Berger gespielt. Die Rolle der Gefährtin, Beliar of Báthory, übernahm Linda Murcia. Dann gab es zwei Mädchen, die von den Werwölfen entführt und als Lustsklaven gehalten wurden. Diese beiden jungen Mädchen wurden nun von Lara und Valentina gespielt.

Die ganze Geschichte spielte in dem alten Schloss Willburg im Bayerischen Altmühltal. Daher war die Bühne auch in dieses unheimliche Licht und in diese finstere Silhouette getaucht.

Valentina konnte an der gezeichneten Bühnenrückwand ein Schloss erkennen.

„Ihr seht, reinste Klassik. Ein hochgeistiges Werk“, grinste David, der sich eine Zigarette nach der anderen anzündete. „Ich habe Mikail Godunov verpflichtet, der die Choreografie und den Tanz übernehmen und euch lehren wird, wie ihr vernünftig auf der Bühne herumhopst.“

„Ich bin keine besonders gute Tänzerin“, flüsterte Valentina.

„Kannst du ficken?“, fragte David mit einer strengen Stimme.

Das hübsche Gesicht von Valentina wurde rot und heiß.

„Ich glaube, du vögelst mit Jan. Mir ist scheißegal was du tust, aber stell dir irgendeinen Burschen vor, der dir einen verpasst und lass deine prächtigen Hüften ein wenig schaukeln.“

„Ich weiß nicht“, meinte Clément und streckte seinen langen gepflegten Körper aus. „Das Mädchen sieht ja gut aus. Aber wir brauchen einen richtigen Profi für die Rolle, David.“

„Wir haben hier aber keinen Profi! Und es ist zu spät, jetzt noch lange Bewerbungen anzusehen. Wir müssen vielleicht die Premiere bei dem jetzigen Stand um zwei Wochen verschieben. Aber wenn wir richtig rangehen, dann können wir es noch schaffen.“

David zertrat auf dem Boden seine Zigarette und gab Valentina das Rollenbuch.

„Daran kannst du dir die Zähne ausbeißen, Schätzchen“, sagte er.

„Ich bin hergekommen, weil ich spielen will“, erwiderte Valentina.

„Wie man fickt, hast du ja schon gelernt, Kleine. Und nun wird es Zeit, dass du lernst, wie man sich auf der Bühne bewegt und wie man spricht.“

„Schluss jetzt, ich hab genug davon gehört“, fauchte Linda Murcia und stand auf. Sie ging auf Valentina zu und legte den Arm um die Schultern des jungen Mädchens. Sie spürte, dass Valentina zitterte.

„Nur eine Frau weiß wirklich, wie sich ein junges Mädchen fühlt“, murmelte Linda. „Hör auf, sie zu quälen, David. Sie wird die Rolle großartig spielen. Ich werde mich um sie kümmern.“

„Hey, ich dachte, ich sollte die Szenen mit ihr durchgehen“, rief Jan und lehnte sich gegen den Rand der Bühne, während er die Arme hochwarf.

„Ihr könnt sie ja teilen“, meinte David sarkastisch.

„Ich liebe dich so schrecklich, David“, erklärte Linda mit ihrem professionellen Lächeln. „Du bist so gerissen. Ich bewundere das. Aber manchmal kannst du grausam sein. Natürlich ist Grausamkeit bei einem Mann manchmal aufregend, aber nicht jetzt und hier!“

Ich sollte es wirklich ihr überlassen, dachte David, die Hände tief in den Hosentaschen, ein Lächeln auf den Lippen. Ja, ich sollte es ihr überlassen, sie ist immer noch ein Profi und sie ist gut. Er bewunderte sie. Er respektierte Leute, die ihr Geschäft verstanden. Und sie verstand es. Er hasste Amateure, die dieses Scheißgeschäft ernst nahmen. Klar, Mädchen, dachte er. Wir beide verstehen uns.

„Was meinst du, Jan?“, hakte Linda nach.

David wandte sich an seinen jungen Assistenten, der wusste, was gutes Theater war und der auch wusste, was man zu machen hatte.

„Ich glaube, sie wird das hinkriegen. Lara wird mit Valentina prima harmonieren. Unser beiden Schönheiten werden das schaffen.“

Es war also abgemacht.

Valentina spielte mit!

Sie war jetzt ein Teil des Ensembles. Und sie hatte ein bisschen Sorge. Als sie das Theater mit Jan verließ, sagte sie: „Ich habe Angst, Jan. Meinst du, ich kann es schaffen?“

„Natürlich kannst du das. Du willst doch herausfinden, ob dir die ganze Schauspielerei auch Spaß macht, nicht wahr?“, sagte er lachend.

Sie sah irgendwie erschreckt zu ihm auf. Er hatte sie nie zuvor so gesehen. Plötzlich war sie so süß und unschuldig, ein bekümmertes junges Mädchen, das jemanden brauchte, der sie beschützte.

Vielleicht war er wirklich in sie verliebt?

Einen Augenblick lang hätte er sie am liebsten in die Arme genommen und sie vor der harten Welt da draußen beschützt, sie gegen jeden verteidigt, der sie berühren wollte. Und so wollte er sich immer an sie erinnern, an diesen einen flüchtigen Augenblick, in dem es nicht um Sex oder Alkohol oder um sonst irgendwelchen Kram ging.

7

Die Proben begannen am Nachmittag. Valentina versuchte sich an Dinge zu erinnern, die Jan ihr beigebracht hatte. Lies deine Rolle nicht mechanisch. Schau zu den Schauspielern wenn du liest, versuche in Kontakt mit ihnen zu kommen. Reagiere. Pass auf die Stichwörter auf. Wo du dich hinstellst und noch viele andere Dinge, die sie nicht so recht verstanden hatte.

Sie saßen bei der ersten Lesung in einem Halbkreis. Jeder kannte seine Rolle, außer Valentina. Nervös sah sie Linda an. Die anderen Schauspieler saßen neben ihr.

David wollte die Entführungsszene proben.

Der Choreograph Mikhail Godunov probte die große rituelle Tanzszene im Studio. Valentina sollte später hingehen und mitmachen.

Es war alles schrecklich aufregend und sie vergaß, was sie bedrückte, als sie versuchte, sich auf das zu konzentrieren, was sie sich am meisten wünschte: auf einen Erfolg auf der Bühne.

David unterbrach die Szene. Dann stellte er sie auf die Bühne, er zwang Valentina, immer und immer wieder die gleichen Sätze zu sagen, brüllte sie an, wenn sie seine Anweisungen missverstand, doch Linda war da, um die Dinge zu glätten, sie zu ermutigen, ihr zuzuflüstern.

Schließlich hatte es David fast geschafft, wie er es haben wollte. Valentina zitterte, als die Probe zu Ende war. Auch Linda sah müde und erschöpft aus. David machte sich Sorgen um sie.

Valentina ging mir Jan fort und David nahm Linda mit in sein Zimmer.

„Was ist mit dir los?“, fragte er, während er für beide einen Drink eingoss und sah, wie sie sich auf der Couch ausstreckte. Ihre immer noch festen Brüste zeichneten sich so deutlich unter der Bluse ab.

„Es scheint dir nicht zu gefallen, wie ich meine Rolle spiele?“ fragte sie lachend. „Das Stück ist ein Dreck, die Kritiker werden dich in der Luft zerreißen.“

„Ich habe überhaupt nichts gesagt. Du warst großartig. Warte bis du das Kostüm siehst, das ich für dich bestellt habe. Aber irgendetwas ist mit dir los. Was bedrückt dich? Was ist nach dem Fernsehstück passiert. Ich dachte, du würdest in einem Musical in Madrid spielen?“

„Sollte ich auch, aber dann kam mein dritter Exmann wieder zurück. Er platzte mitten in mein Leben.“

Sie lachte bitter und trank einen Schluck aus ihrem Glas. David lehnte sich vor und warf ein paar Eiswürfel in den Wodka.

„Du wirkst immer noch wundervoll auf der Bühne. Fantastisch die Eleganz, die du ausstrahlst.“

David stand auf, er zog die Rollläden herunter. Er wollte die grelle Sonne nicht im Zimmer haben. Dann verriegelte er die Tür, öffnete seinen Hemdkragen und betrachtete die Frau auf der Couch mit seinem typischen, durchdringenden Blick.

Er war jetzt erregt und brauchte eine Frau. Nachdem er diese Portugiesin, Clara, nach Hause geschickt hatte, fühlte er sich einsam und alleine.

Linda dachte an die letzten Monate zurück. An ihre Misserfolge und die Frustration. Dann brach alles aus ihr heraus und sie weinte.

David hielt sie fest, bis sie aufhörte zu schluchzen, aber das einzige, was sie tröstete und zur Besinnung zurückrief, was ihren Schmerz milderte, waren seine Hände, die sie langsam auszogen, war sein Mund, der sich auf den ihren presste und ihre Schreie stoppte und dann....dann stieß er seinen steifen Schwanz in sie hinein und sie schrie auf, ihr Haar wehte über ihr tränenverschmiertes Gesicht.

„Mach, dass es mir kommt und kommt und kommt, damit ich nicht mehr daran denken muss.“

Sie warf sich unter ihm hoch, bäumte sich auf, passte sich seinem Rhythmus an, spürte den mächtigen Pfahl in sich, ihre Liebessäfte begannen zu laufen, ihre Zungen spielten miteinander.

Weiter und weiter.

Stoßen und stoßen.

Spüren, wie die Lust sich aufbaut, größer wird und immer größer, wie alles entschwindet, was je geschehen ist, wie nur noch existiert, was der Augenblick ihr bringt.

Und dann heiß, sehr heiß. Er spritzte in sie hinein und sie erreichte ihren Höhepunkt. Sie begann zu stöhnen und zu keuchen, sich ihm hinzugeben, sich völlig zu entspannen, bis nichts mehr da ist.

Und der Orgasmus tröstet sie!

Die sexuelle Erlösung ließ alles verschwinden was je geschah, sie spürte nur den harten mitleidslosen Körper auf sich, während sein Glied, immer noch steif, tief in ihr steckte und zuckte, während die Muskeln ihrer Scheide ihn festhielten, als wollten sie ihn nie...nie mehr loslassen.

Nehmen und Geben.

Es war ein Trost für sie, es war wundervoll.

8

Jan hatte sich von Valentina verabschiedet, die mit ihren Eltern in Rosenheim telefonieren wollte.

Im Foyer des Theaters begegnete er Lara Claire. Die hübsche Schwarzhaarige lächelte ihn an.

Es war ein Lächeln, das bedeutet: Wir sehen uns später.

Er nickte.

Er mochte dieses Mädchen aus Wien, diese langen, schwarzen Haare, der sportliche, schlanke Körper, den sie wie eine Dschungelkatze bewegen konnte. Sie war so selbstsicher und schön, er konnte sich ihren nackten Körper vorstellen, der wild auf seinem Schwanz ritt.

Er starrte auf ihre prächtigen Titten. Er wollte danach greifen, sie pflücken wie eine reife Frucht von einem Baum, seinen Mund in das saftige Fleisch drücken.

Er brannte sich eine Zigarette an und lächelte, eine Augenbraue war hochgezogen, sein dunkles Haar fiel ihm in die Stirn, sie sah die Beule in der engen Jeans, sein Schwanz war zum Leben erwacht.

Er blies ihr den Rauch ins Gesicht. Ihr üppiger, sinnlicher Mund öffnete sich und die Zungenspitze glitt über ihre Lippen, sie befeuchtete sie, bis sie im Mondlicht glänzten. Sie schob ihre Titten vor, es war, als ob sie auf seine Hände wartete, auf harte Hände, die sich über sie legten, drückten und streichelten.

Doch er trat zurück.

„Ich möchte es bei dir einmal versuchen“, flüsterte sie heiser.

„Zu meinen Bedingungen, du wunderschönes lesbisches Mädchen. Du weißt wo mein Zimmer ist. Du sollst etwas anderes kriegen. Ich kann dir alles geben, was du haben willst.“

Er ließ sie stehen. Er musste Vorbereitungen treffen.

Jan wartete in seinem Zimmer auf Lara Claire.

Das Theater war leer.

Er hatte ein paar Dekorationsstücke aufgebaut und eine Matratze auf den Boden gelegt. Zwei Kerzen brannten am Eingang des Zimmers.

Jan goss sich einen Drink für sich und einen für Lara ein.

Er war scharf auf sie. Er hatte noch nie mit einem lesbischen Mädchen gefickt. Ob sie es wirklich tun wollte?

Er betrachtete sich im Spiegeln, dann lachte er, leerte sein Glas und setzte sich auf die Matratze.

Wenig später lag Lara nackt auf der samtbezogenen Matratze. Nie zuvor hatte Jan einen Körper gesehen, der so leuchtete, sie sah in ihrer Dunkelheit aus wie eine afrikanische Stammeskönigin.

Ihre Brüste waren steil aufgerichtet, er spürte die Erregung die sie ausstrahlte und die auf ihn übersprang.

Lesbisch? Es war unmöglich, dass sie das war!

Er hockte nackt neben ihr und seine Hände streichelten die zarte Haut ihres Körpers. Viel zu schade, wenn eine andere Frau das tut, dachte er.

Seine Hände glitten über die Spitzen ihrer Titten, Daumen und Zeigefinger zogen die Brustwarzen heraus und sie wurden länger und härter. Blut schoss hinein und er spürte, wie Lara sich langsam unter ihm bewegte.

Die haarlosen Schamlippen glänzten im Licht der Kerzen. Er spreizte langsam ihre Beine, starrte auf den langen Schlitz zwischen den dicken geschwollenen Liebeslippen.

Jan erhob sich, stand über ihr und sie konnte seinen mächtigen Schwanz sehen, der von seinem muskulösen Körper abstand. Es war der größte Penis, den sie je in ihrem Leben gesehen hatte.

Angst und Erregung mischten sich!

Das Lustgefühl in ihr wurde stärker und stärker, denn der große Konflikt was da. Die Sehnsucht nach einem Mann, die Gier nach einer Frau. Sex und Widerwillen mischten sich, sie war gefangen in der Wollust, ohne zu wissen, was mehr auf sie wirkte.

Und dann nahm Jan sie von hinten. Sie war auf Händen und Knien vor ihm und streckte ihm ihren zarten Hintern entgegen. Er rammte seinen steifen Penis in ihre feuchte Spalte. Tief steckte sein mächtiger Phallus in ihrem Loch und immer und immer wieder bewegte er sich in ihrer Scheide.

Laras Schreie wurden stärker und lauter. Ihr Liebessaft lief aus ihrer Vagina heraus und tropfte auf den Boden, bis es ihr kam und sie durchrüttelt wurde von einem Gefühl, wie sie es nie zuvor gekannt hatte.

In gleichen Augenblick ejakulierte Jan und ihr Körper wurde ausgefüllt von der heißen Flut eines unglaublichen Lustgefühls, bis sie zusammenbrach.

Als Jan sie zurück zum Dachgeschosszimmer brachte, blieben sie noch einen Moment vor der Tür stehen. Er zündete zwei Zigaretten an und schob ihr eine in den Mund.

„Gute Nacht, du süßer Schwanz, ich sehe dich morgen im 3. Akt. Und nun will ich mal sehen, was unsere kleine Valentina macht. Wahrscheinlich spielt sie ein bisschen mit sich selbst vor dem Spiegel“, sprach Lara grinsend.

„Sei nicht so grausam, du Hexe!“

„Das ist es doch, was uns aneinander bindet.“

„War es okay für dich?“

„Mir hat es Spaß gemacht“, antwortete sie, öffnete die Tür und schlug sie hinter sich zu.

9

Das ganze Ensemble war zur Kostümprobe versammelt. David unterhielt sich mit Mikhail Godunov, dem russischen Choreografen, über die Orgie im 3ten Akt.

Hinter der Bühne ging es lebhaft zu.

Ein paar Minuten lang gab David den Technikern und den Schauspielern seine Instruktionen.

Clément de Réunion saß, eine hübsche Blondine auf der einen und einen jungen Mann auf der anderen Seite, hinten im Theater und genoss seine Rolle als alternder Lüstling.

„Okay, dann wollen wir mal. Alle Lichter im Haus aus!“, schrie David, während ihm irgendjemand die nächste Tasse heißen Kaffee in die Hand drückte. Jan kümmerte sich um das, was hinter der Bühne vorging. Er war für die große Szene verantwortlich.

Der Vorhang öffnete sich. Scheinwerfer erfassten sie, als sie ihren Auftritt hatte und dann, gepackt von der Erregung der Szene, vergaß sie die Gefühle, über die sie sich noch nicht ganz klar war.

Es war eine verrückte Szene. Linda, der Mittelpunkt aller, war phantastisch und selbst Valentina spürte, wie sie von den Wogen der Erregung mitgerissen wurde.

Auch David war erfreut.

Clément de Réunion applaudierte von seinem Platz hinten im Theater. Dann stand er auch und sprach mit seiner lauten und kräftigen Stimme:

„Könnt ihr bitte mal alle zuhören!“

Im Theater ging das Licht an. Die Geräusche verstummten und alle warteten neugierig auf die weiteren Worte des Produzenten.

„Während ihr geprobt habt, konnte ich eine großartige Werbeagentur für das Marketing unseres Stückes anwerben. Wir haben eine wundervolle Strategie entwickelt.“

Er verstummte kurz und ließ seine Worte wirken. Im gesamten Theater hätte man eine Stecknadel fallen gehört.

„Wir brauchen für unseren Erfolg Sozial Media Marketing. Das bedeutet für euch Unwissende, dass wir unser Theaterstück im Internet über Facebook, Twitter, Google und Xing vermarkten müssen. Außerdem werden wir einen Kurzfilm bei Youtube einstellen.“

Er holte kurz Luft, wartete auf Fragen. Alle schauten ihn neugierig an, sodass er weitersprach.

„Und nun die große Überraschung. Ich konnte für drei Tage das echte Schloss Willburg mieten!“

Ein Raunen ging durch die Reihen.

„Der größte Teil von euch wird gemeinsam mit mir am Freitag ins Altmühltal fahren. Wir werden im Schloss einen Kurzfilm für das Internet drehen. Außerdem machen wir Fotos der Schauspieler im Kostüm in den echten Räumen. Das wird Fantastisch! Ich freue mich sehr und erwarte mir euren vollen Einsatz. Am Freitag nach der Probe fahren wir los. Nehmt Kleidung für drei Tage mit. Die Koffer stellt ihr am Freitagvormittag in das Theaterfoyer, die Schauspielschüler werden das Auto packen. Hat noch jemand Fragen?“

Nach der Ansprache von Clément ging David in Lindas Garderobe. Sie saß vor der Frisiertoilette und wandte ihm den Rücken zu. Er lehnte sich gegen die Tür, schob seinen Daumen in das Revers seines Jacketts und betrachtete sie ein bisschen mehr als nur interessiert.

Ihr Anblick erregte ihn immer noch.

„Und was meint die große Schauspielerin dazu?“

„Wozu?“

Sie riss ein Stück weiches Papier von einer Rolle ab, befeuchtete es mit Reinigungsmilch und wischte dann vorsichtig über ihr Gesicht.

„Na zu unserem geplanten Ausflug zum Schloss Willburg“, antwortete er und grinste sie im Spiegel an. Das Vertrauen war wieder da.

„Für mich wird das ein großer Spaß, David. Ich kenne mich mit dem Internet nicht aus. Was dieses Marketing bedeutet, habe nicht verstanden. Aber wenn Clément das meint, na dann machen wir das halt. Ein paar Tage in einem Schloss leben wird dem Team guttun. Alle sind überarbeitet und genervt. Es ist gut, wenn wir mal aus dem Theater rauskommen.“

David nickte zustimmend mit dem Kopf. Das gleiche hatte er auch gedacht.

„Wie hat dir Valentina gefallen?“, fragte Linda.

Sie sahen einander im Spiegel an. „Lausig. Sie ist keine Schauspielerin. Sie sollte lieber beim Sex bleiben“, antwortete der Regisseur.

„Sei nicht so gemein, David.“

Sie drehte sich herum und ihr leichter Mantel öffnete sich und enthüllte ihre schlankem Oberschenkel, die Schamhaare und den Beginn ihrer Spalte. Er kannte alles so gut, er hatte es genossen. Er wollte noch mehr von ihr haben!

„Lass sie in Ruhe, Linda. Ich mag keine gleichgeschlechtlich orientierten Menschen.“

„So. Du willst jetzt auch Regie in meinem Leben führen?“

„Das kommt darauf an. Wir beide wären kein schlechtes Team.“

„Wenn du die Regie führen könntest.“

„Wer sonst? Natürlich, zu meinen Bedingungen.“

„Ich glaube nicht, dass ich mich darum kümmern würde. Ich glaube an die Gleichberechtigung.“

„Du hast Unfug im Kopf. Du brauchst jemanden wie mich, der genau das tut. Der dein versautes Leben wieder in Ordnung bringt und dich ein bisschen leitet“, sagte der Regisseur.

„David, es ist mir lieber, wenn du dich als hartgesottener, zynischer Profi benimmst.“

„Ich will dir mal was sagen, Schatz. Ich habe die Leute satt. Die haben alle einen Furz im Kopf. Sie sind durchgedreht.“

Er erhob sich und ging zur Tür.

„Ich sehe dich später, meine Lieber.“ Ihre Stimme klang heiser und atemlos.

„Sicher, Linda. Später.“

10

Als Letzte des Ensembles erschien Linda Murcia um kurz nach zwei Uhr am Freitag vor dem Theater.

Die Abfahrt hätte schon viel früher erfolgen sollen.

David Buchmann zündete sich eine Zigarette an und sog den Rauch tief in seine Lungen. Dann öffnete er die Türen des Kleinbuses und scheuchte alle auf ihre Plätze. Er wollte endlich losfahren und noch vor Einbruch der Dunkelheit im Altmühltal ankommen.

Der Sprinter Travel, ein Mini-Reisebus von Mercedes, hatte für acht Fahrgäste bequem Platz. Die Techniker würden am Samstag mit einem größeren Transporter nachkommen.

In der ersten Reihe neben dem Fahrer saß Clément de Réunion, in der Reihe dahinter David Buchmann, neben den sich Linda Murcia setzte. Dahinter saßen Jan Berger und der Choreograf Mikhail Godunov. In die letzte Reihe setzten sich Valentina und Lara.

Die kleine Reisegruppe bestand aus sieben Personen plus Fahrer.

Über die Leopoldstraße verließ der Kleinbus den Münchner Stadtteil Schwabing und bog auf die A9, die Autobahn München-Nürnberg, ein. Nach der Ausfahrt Ingolstadt erreichte die Reisetruppe eine kleine Landstraße, die in Richtung Altmühltal führte.

„Halt! Stopp!“, schrie Linda aus der zweiten Sitzreihe. „Dort ist eine kleine Gaststätte. Könnten wir kurz anhalten, bitte? Ich muss dringend auf die Toilette, außerdem habe ich Durst.“

Clément verdrehte seine Augen, er fühlte sich im Augenblick ebenso erschöpft wie seine Brieftasche. Eine Pause kostete wieder Geld, das ihm derzeit fehlte. Die ganze Kurzreise hatte bereits jetzt das Budget überschritten. Noch wusste er nicht, wie er die hohen Mietkosten für das Schloss aufbringen sollte.

„Hören Sie, verehrte Linda“, sagte Clément mit stiller Verzweiflung. „Es ist bereits sechs Uhr abends und wir haben es nicht mehr weit. Warum fahren wir nicht weiter?“

„Mir scheint, wir haben uns verfahren“, meinte sie schmollend. „Wir könnten nach dem Weg fragen, etwas trinken und auf die Toilette gehen, nicht wahr?“

„Na gut, schon okay“, antwortete er und erkannte, dass er gegen eine Frau wie Linda nur verlieren konnte.

Der Mercedes hielt vor einer kleinen Dorfkneipe, alle stiegen aus. Einige suchten die Toiletten auf, die anderen nahmen an der Bar Platz und bestellten Getränke.

Der Bursche hinter der Theke und die beiden Einheimischen, die am Rand saßen und etwas tranken, nahmen sich Zeit, die gemischte Gesellschaft mit offenem Mund anzustarren.

„Nun...“, sprach Linda und erhob ihr Glas, nachdem alle etwas zu trinken erhalten hatten. „Auf unsere glückliche Ankunft.“

„Wie weit ist es noch bis ins Altmühltal?“, fragte Linda den Burschen mit Schnauzbart, der gelangweilt hinter der Theke herumlümmelte.

„Etwa sieben Kilometer rum“, antwortete er in einem merkwürdig klingenden Dialekt.

„Sehen Sie!“, drängte sich Clément sofort in das Gespräch. „Ich sagte doch im Bus bereits, wir haben es nicht mehr weit!“

Linda blickte ihn ein paar Sekunden mit erhobener Stupsnase an, wandte sich dann ab und ließ dem Schnauzbart hinter der Theke ein hinreißendes Lächeln zukommen.

„Wir kennen den kürzesten Weg nicht“, vertraute sie ihm an.

„Aha!“, antwortete er mit einem gelangweilten Kopfnicken. „Sind Sie eine Nutte aus München?“

„Natürlich nicht!“, fauchte Linda mit einem gefährlichen Unterton. „Ich meine, es könnte sein, dass wir uns verirrt haben. Begreifen Sie das nicht, Sie vertrottelter Bauerntrampel!“

„Wenn ihr noch lange diskutiert, werden wir hier übernachten müssen“, sagte Jan in einem beruhigenden Ton.

„Nein, auf keinen Fall!“ Der Schnauzbart zitterte. „Ich gebe meine Zimmer keiner...“

Linda starrte den Burschen hinter der Theke mit einem finsteren Blick an.

„Es muss hier ganz in der Nähe sein. Schloss Willburg, kennen Sie das?“, erkundigte sich Jan.

Der Schnauzbart erzitterte heftig. Dann blickte er auf die beiden anderen Gäste vor der Theke und sagte mit schwankender Stimme: „Habt ihr das gehört?“

„Hm.“ Mit einem angstvollen Schimmer in den scheuen Augen wichen sie schnell zurück. Einer von ihnen kreuzte die Finger und wies damit in einer Art Stechbewegung auf die Reisegruppe.

„Das scheint hier eine Klapsmühle und keine Kneipe zu sein“, fauchte Clément. „Wir sollten hier verduften, solange ich noch winzige Reste meines Verstandes übrig habe.“

„Sie kennen offensichtlich das Schloss, wo wir hinwollen“, meinte Valentina. Sie wies mit dem Zeigefinger direkt auf die Brust des Wirtes. Dieser zuckte dabei zurück, als handle es sich um eine Pistole.

„Wo liegt das Schloss?“, fragte sie streng.

Der Schnauzbart erschauderte. „Sie müssen die Straße draußen drei Kilometer entlangfahren und dann nach rechts abbiegen. Sie finden es dann gleich.“ Seine Augen rollten. „Sie können es gar nicht verfehlen, so wie es sich gegen den Himmel abhebt.“

„Gut.“

Linda trank ihr Glas aus. „Dann noch einen Drink zum Abschied.“

„Besser nicht“, sagte der Schnauzbart und schüttelte heftig mit seinem Kopf. „Sie wollen doch wohl dort sein, bevor es dunkel wird!“

„Hm“, stimmten die beiden anderen Hanswurste inbrünstig zu.

„Warum?“, fragte Valentina.

„Die Leute hier rum wissen, dass es nicht gesund ist, wenn man sich nach der Dunkelheit dort in der Nähe herumtreibt.“ Seine Augen begannen erneut zu rollen. „In der Nacht passieren dort allerhand Dinge.“

„Was für Dinge?“, fragte Jan mit einem knurrenden Ton in seiner Stimme.

„Das mag ich nicht sagen, aber so was wie unnatürliche Dinge.“

„Ach, kommen Sie schon!“ Valentina warf ihre dunklen Locken zurück. „Das ist bloß ein bisschen Lokalkolorit für die Touristen, nicht wahr?“

„Davon verstehe ich nichts“, antwortete er einfach. „Aber nach Dunkelheit brächten mich keine zehn Pferde auf drei Kilometer Umkreis in die Nähe des Schlosses.“

„Hm“, verkündete der Chor der Einheimischen erneut.

„Sie haben recht, Clément“, meinte Linda resigniert. „Wir sollten gehen, bevor alle hier den Verstand verlieren.“

Draußen begann die lange Abenddämmerung dunkler zu werden. Eine kühle Brise ließ die Gruppe leicht frösteln, als alle wieder in den Kleinbus stiegen.

„Drei Kilometer diese Straße entlang und dann nach rechts abbiegen“, erklärte Linda aus der zweiten Sitzreihe und brach plötzlich in schallendes Gelächter aus. „Sie können es gar nicht verfehlen, so wie es sich gegen den Himmel abhebt!“

„Hatten die wirklich Angst vor dem Schloss oder wollten die uns nur ärgern?“ David sprach die Worte still zu sich selbst. Linda die neben ihm saß, blickte ihn verwundert an.

„Hast du etwa Angst, David?“

Er drehte seinen Kopf und schaute nachdenklich in ihre Augen. „Ich habe ein ungutes Gefühl. Etwas stimmt nicht mit dem Schloss. Ich kann es dir nicht erklären, es ist ein Bauchgefühl. Je näher wir kommen, desto stärker fühle ich diese Beklemmung.“

Sie nahm seine Hand und drückte diese sanft zwischen ihren Fingern. „Wir werden aufeinander aufpassen. Wir sind eine starke, große Gruppe. Uns wird nichts passieren.“

Der dunkelrote Minibus raste die Straße entlang, was eine Herde Hühner veranlasste, in einer Art Federwolke auseinander zu fliegen.

Nach drei Kilometern wurde der Wagen langsamer, um in einen schmalen, an beiden Seiten von Bäumen flankierten Fahrweg einzubiegen. Die holprige Straße drehte sich aufwärts, bis der oberste Punkt eines Hügels erreicht war und der Bus anhielt.

„Um Himmels willen!“, rief Valentina aufgeregt und heiser. „Er hat keinen Spaß gemacht, nicht wahr?“

Vor dem Mercedes Bus senkte sich das Land in einer Reihe von Abhängen in die breiten Täler. Genau gegenüber erhob sich ein weiterer Hügel.

Das, was oben auf diesem thronte, war mit Sicherheit Schloss Willburg.

Seine finsteren Türme und Spitzen bildeten eine düstere Silhouette, wie aus dem Vorspann eines Gruselfilms, der alle anderen Horrorfilme in den Schatten stellte.

„Da, wie es sich gegen den Himmel abhebt“, murmelte Linda heiser. „Was ist denn das daneben?“

Sie wies auf eine monolithische Turmspitze, die allein in einiger Entfernung vom Hauptgebäude stand, wobei ihre abbröckelnden Zinnen einen besonders trostlosen Anblick boten.

„Die Turmruine vermutlich“, antwortete Jan aus der zweiten Sitzreihe. „Auf Wikipedia habe ich gestern gelesen, hier gäbe es alles, einschließlich eines Burggrabens.“

„Ich dachte, einen kurzen Film für unser Theaterstück aufzunehmen wäre ein gewaltiger Spaß“, meinte Linda nachdenklich. „Aber jetzt bin ich mir dessen nicht mehr so sicher.“

„Sieht aus wie das Schloss von Graf Dracula. So habe ich es immer als Kind vorgestellt“, flüsterte Valentina ängstlich.

Eine Eule schrie unmittelbar über dem Minibus.

Das Auto setzte sich wieder in Bewegung. Ein paar Minuten später nahm der Fahrweg vor einem offenen, schief in den Angeln hängenden Eisentor, das in dem harschen Licht der Scheinwerfer fast verlegen wirkte, ein abruptes Ende.

Der Mercedes fuhr durch das Schlosstor hindurch, dann weiter über die mit Unkraut übersäte Zufahrt, die um einen Teich herumführte, dann wieder gerade wurde, um direkt auf das Schloss zuzuführen. Eine alte Holzbrücke führte über den Burggraben hinweg, welches über stehendes Wasser verfügte von dem ein grässlicher, stinkender Geruch ausging.

Anschließend fuhr der Minibus an der zerfallenen Turmruine vorbei.

Kurz darauf hielt der Mercedes in einem offenen Hof, um den herum an drei Seiten die Mauern des Schlosses emporragten. Der Fahrer stellte den Motor ab.

Die Stille schien alle wie einen permanenten Angstschrei zu umgeben.

Nachdem alle ausgestiegen waren, kam eine plötzliche kühlende Brise auf.

„Was sollen wir jetzt tun?“, fragte Linda in die Runde. „Hallo? Ist hier jemand?“

„Dort drüben ist Licht.“ Jan wies auf ein mit Eisen beschlagenes Tor, die in dem Teil des Schlosses, der wie sein Hauptflügel aussah, eingelassen war.

„Vielleicht sollten wir klopfen?“

„Na, jedenfalls ist alles besser, als hier draußen sitzen zu bleiben.“

„Was war denn das?“

Die Gruppe lauschte einen Augenblick lang angestrengt, hörte einen schwachen, zwitschernden Laut und erkannte dann den schwarzen flatternden Schatten, der über den Mercedes Bus weghuschte.

„Nur eine ganz kleine, winzige Fledermaus“, erklärte David.

„Fledermaus!“, kreischte Lara und stieß einen unterdrückten Schrei aus.

„Kein Grund zur Unruhe“, meinte David. „Wir gehören nicht zu ihrem Beuteschema.“

„Aber die Viecher könnten mir ins Haar fliegen!“, stöhnte Lara. „Wenn die Tiere sich nochmals nähern, sterbe ich!“

Valentina beobachtete noch einmal flüchtig den flatternden Schatten, dann verschwand die Fledermaus in Richtung der Turmruine.

„Lasst uns bloß diese Tür dort aufbrechen!“, wimmerte Lara. „Wenn ich hier noch länger bleibe, schnappe ich glatt über.“

Angeführt von Clément und David schlenderte die Gruppe zu dem mit Eisen beschlagenen Tor hinüber. Unter dem trübe herabfallenden Licht konnte man einen eisernen Türklopfer entdecken, der wie ein Totenschädel geformt war. David hob diesen an und ließ ihn wieder herabfallen. Es klang wie ein alter Ritter, der soeben in voller Rüstung die Treppe hinabgefallen wäre.

„Wenn jetzt Christopher Lee als Graf Dracula in einem langen schwarzen Umhang die Tür öffnet, steige ich sofort wieder in den Bus und fahre selbst zurück nach München“, behauptete Linda in einem theatralischen Ton.

Die Tür öffnete sich mit einer Art knarrendem Stöhnen.

Ein großes, dünnes, leichenhaft aussehendes Individuum stand im Türrahmen. Das Gesicht des Mannes war fleischig und gelblich, sein Schädel völlig kahl.

Valentina stellte sich gerade vor, dass dieses Wesen erst gestern exhumiert worden war.

„Guten Abend“, sagte der Unheimliche mit schicksalsträchtigem Flüsterton. „Ich bin Rafael, der Butler.“

„Ich heiße Clément de Réunion und bin der Inhaber vom Theater44 in München. Das hier ist mein Ensemble, ich erspare Ihnen die einzelnen Personen namentlich vorzustellen. Wichtig ist nur, dass Sie sich meinen Namen merken: Clément de Réunion!“, erklärte er in einem wichtigen, geschäftlichen Tonfall.

„Ah ja, Sir.“ Der Hässliche neigte sein Haupt um volle zwei Zentimeter. „Sie werden erwartet. Bitte treten Sie ein.“

Die Tür knarrte noch etwas mehr, als er sie weiter öffnete. Die gesamte Gruppe trat in eine riesige, von einer Galerie umgebene Diele. Sie war groß genug, um fünfzig Vampire beherbergen zu können, einschließlich ihrer jeweiligen Särge. Eine breite Eichentreppe führte in einem Bogen zu der oberhalb verlaufenden Galerie. Neben der untersten Stufe stand eine Ritterrüstung mit einer riesigen Streitaxt im eisernen Handschuh.

Als gemütlich konnte man die Diele kaum bezeichnen.

„Ich werde Madame mitteilen, dass sie angekommen sind.“

Der Butler Rafael ging mit steifen Schritten auf eine der Türen in der Diele zu und verschwand.

„Mir kommt das alles hier wie eine schlechte Hollywood Komödie vor, wie ein Riesenwitz?“, flüsterte Linda leise zu David, der neben ihr stand.

„Klar“, antwortete der Regisseur ein wenig lauter, so dass es alle hören konnten. „Das Ganze hier ist nur ein PR-Gag.“

Lara gab einen unterdrückten Schrei von sich und umklammerte den Arm von Jan. „Hört ihr das?“

Alle lauschten erneut angestrengt.

Man konnte von der Treppe einen leisen Zischlaut vernehmen. Jeder einzelne drehte den Kopf in Richtung des Geräusches.

Auf die Gruppe kam eine dunkelhaarige Frau zu geschwebt!

So wirkte es zumindest. Aber die Dame kam mit einem weichen Schritt die Treppe herunter, so dass es wirkte, als würde sie schweben. Sie trug ausschließlich ein knöchellanges Seidengewand, welches das Rascheln verursacht hatte. Ihr schwarzes Haar bauschte sich von der Mitte ihres Kopfes in zwei Ellipsen bis über die Ohren und fiel dann glatt zu beiden Seiten ihres ovalen Gesichtes herab. Die Haut der Frau war weiß und durchscheinend, die Nase gerade und aristokratisch, der Mund voll und gestrafft, die Augen groß, dunkel und glänzend. Das Seidengewand war staubgrau, hatte lange Ärmel und eine dünne Bronzekette als Gürtel. Wenn es sittsam sein sollte, so erreichte es in der Wirkung eher das Gegenteil, denn die Seide war dünn und umgab mit liebevoller Schmiegsamkeit die stolze Fülle ihrer Brüste, betonte die schmale Taille und umfloss die üppige Rundung ihrer Hüften.

Bei jedem Schritt, den sie weiter auf die Theatergruppe zu schritt, zeichneten sich unter dem dünnen Stoff mit verblüffender Genauigkeit die volle Länge ihrer schlanken Beine und die Rundheit ihrer Oberschenkel ab.

Bei Jan und Clément erzeugte dieser Anblick ein Anschwellen ihrer Geschlechtsorgane. Die Frauen erstarrten in einer weiblich, katzenhaften Stellung.

Dann blieb die dunkelhaarige Frau ein paar Schritte vor der Gruppe entfernt stehen. Ihre Augen weiteten sich plötzlich, während sie direkt in das Gesicht von David Buchmann starrte.

„Der Bastard ist wieder zurück!“, flüsterte sie.

„Wie bitte?“, antwortete David und glotzte sie verwundert an.

Die Frau schloss für ein paar Sekunden die Augen, blieb steif stehen und öffnete sie dann wieder. Sie zwang sich zu einem Lächeln.

„Entschuldigung“, sagte sie mit voller, tiefer Stimme. „Mein Geist ist umhergewandert. Verzeihen Sie mir bitte.“

„Selbstverständlich“, antwortete David leicht verwirrt.

„Ich bin Lucy of Phellan, derzeit die Hausherrin, bis... ja, äh, na ja...“, verkündete sie. Ihr Mund verzog sich leicht in den Winkeln nach unten. „Wir hatten sie schon früher erwartet.“

In ihrer Stimme lag ein leicht spöttischer Unterton.

Sie drehte sich um und die gesamte Gruppe folgte ihr gehorsam durch die Diele in den Salon, der mit der Heiterkeit eines Begräbnisinstitutes ausgestattet war. Die Farbgestaltung war vorwiegend in Braun und Schwarz gehalten. Drei Kronleuchter unternahmen den hoffnungslosen Versuch, genügend Licht zu spenden, aber sie schafften es nicht einmal halbwegs, die Düsterkeit zu vertreiben.

Linda sank in den nächsten Sessel und zündete sich eine Zigarette an. David setzte sich neben Clément auf eine unbequeme Couch, während die anderen wartend umherstanden.

Die dunkelhaarige Frau ließ sich auf einer Art Thronsessel am anderen Ende des Raumes nieder.

„Haben sie große Mühe gehabt, das Schloss zu finden?“, fragte die Hausherrin wahllos in die Runde.

„Nein, vielen Dank. Wir hatten auf der Autobahn nur etwas Stau. Daher haben wir uns verspätet“, antwortete Clément. Die Hausherrin nickte mit dem Kopf, als hätte sie das so erwartet.

„Schloss Willburg“, begann Valentina mit gepresster Stimme. „Woher kommt eigentlich dieser Name? Ich habe bei Wikipedia nachgelesen, konnte aber nichts Erklärendes finden.“

Sie blickte auf die im Halbdunkel sitzende dunkelhaarige Frau, deren staubgraues Gewand mit dem Schatten verschmolz.

„Das ist ein lange Geschichte“, antwortete Lucy of Phellan ruhig. „Ursprünglich hieß das Schloss >Mörnsburg<, aber nachdem der Schwarze Ritter, Will von Blankfels, einen Fluch ausgesprochen hatte, begannen die Bauern es >Willburg< zu nennen. Sie hofften wohl, dadurch Will zu besänftigen.“

„Nein, so was!“ Clément war völlig begeistert. „Das klingt nach dem Inhalt unseres Theaterstückes. Der Fluch von Schloss Willburg!“

„Es geht in die Zeit der Kreuzzüge zurück“, erzählte die Hausherrin weiter. „Einer unserer Vorfahren stand im Ruf, der Bastard des Königs zu sein. Er war unter dem Namen Sir Wilhelm of Phellan bekannt. Mein Ur-Ahne zog mit auf die Kreuzzüge und es geht die Sage um, dass er auf dem Heimweg zusammen mit Will von Blankfels, genannt der Schwarze Ritter, reiste. Wie sie wahrscheinlich wissen, kämpfte etwa die Hälfte der Kreuzritter wirklich für die Erhaltung des Christentums. Die andere Hälfte lediglich zur eigenen Bereicherung. Der Schwarze Ritter hatte erfolgreich einen Sarazenen-Palast geplündert. Auf dem Heimweg kam die Reisegruppe durch ein Gebirge in Rumänien. Dort wurden die Menschen von einem wolfsähnlichen Wesen überfallen. Alle, bis auf meinen Ur-Ahn, Sir Wilhelm of Phellan, wurden getötet. Kurz bevor der Schwarze Ritter starb, belegte er Sir Wilhelm und seine Nachkommen mit einem Fluch. Er gab meinem Ur-Ahn die Verantwortung für seinen Tod. Warum genau er dies glaubte, ist nicht bekannt.“

„Was für einen Fluch?“, fragte Valentina neugierig.

Die Schlossherrin schwieg ein paar Sekunden lang, es schien, als stutze sie innerlich die Geschichte in ein anderes Licht. „Nun, grundlegend besagte der Fluch, dass Sir Wilhelm nicht in den Genuss des Schatzes aus dem Sarazenen-Palast kommen sollte. Er und jeder erstgeborene Sohn würden eines elenden Todes sterben. Der Fluch sollte jede Generation betreffen. Der Schatz sollte verloren sein, aber gleichzeitig auch nicht verloren sein. Der Fluch besteht solange, bis Sir Wilhelm of Phellan in einer anderen Gestalt wieder aufersteht und wiederkommt. Dann soll er hier im Schloss etwas erledigt. Was er genau tun soll, ist mir nicht bekannt.“

„Das klingt sehr chaotisch“, erklärte David mit zutiefst nachdenklicher Stimme. „Ich meine, es ergibt keinen Sinn.“

„In gewisser Weise doch“, flüsterte die Hausherrin. „Seit Generationen ist der erstgeborene Sohn eines frühen und jeweils nicht natürlichen Todes gestorben. Vor etwa zehn Jahren ist der letzte Herr dieses Schlosses, Dastan of Phellan, verschwunden. Er nahm seine Gemahlin, Beliar of Phellan, und seine beiden Söhne, Marzo und Ragun, mit. Vielleicht wollte er durch seine Flucht das Leben seines Erstgeborenen schützen. Bis er zurück ist, verwalte ich, gemeinsam mit meinem Bruder, das Schloss.“

„Der Fluch ist jetzt also erloschen?“, erkundigte sich Clément mit seiner hohlen Grabesstimme. „Das freut mich zu hören.“

„Onkel Melchior glaubt das nicht. Mit den Jahren ist diese Vorstellung bei ihm zur Besessenheit geworden.“ Sie lächelte leicht. „Sie dürfen sich nicht an ihm stören, wenn sie ihm hier im Schloss zu Gesicht bekommen. Der arme alte Mann ist völlig harmlos.“

„Wie ist Sir Wilhelm of Phellan umgekommen?“, fragte Valentina neugierig.

„Es wird berichtet, dass ihn der Fluch verfolgte und das er überzeugt gewesen sei, der Schwarze Ritter würde aus seinem Grab auferstehen und kommen, um seinen Schatz abzufordern. Sir Wilhelm war von dieser Vorstellung so besessen, dass er den Wachtturm bauen ließ und Tag und Nacht dort oben eine Wache aufstellte, die beobachten musste, ob der Schwarze Ritter erscheinen würde. Dann vergrub er den Schatz irgendwo, oder versteckte ihn, um ihn in Sicherheit zu wissen.“

Sie lachte leise. „Er muss seine Sache ausgezeichnet gemacht haben, denn der Schatz ist seit dieser Zeit nie mehr aufgetaucht.“

„Aber wie ist er gestorben?“, beharrte Valentina.

„Eines Nachts war er der Überzeugung, dass der Schwarze Ritter bereits ganz nahe ist. So bestand er darauf, selbst auf dem Turm Wache zu halten. Am Morgen fand man seine Leiche am Fuß des Turmes. Es wird berichtet, dass sein Kopf von einem scharfen Schnitt halb abgetrennt war. Er wurde dort, wo er gefunden wurde, begraben, denn die Leute damals waren überzeugt, dass der Schwarze Ritter mit dem Teufel im Bunde stünde und es sei der Satan selbst gewesen, der Sir Wilhelm den Tod gebracht hatte. Die Kirche weigerte sich, seine Leiche in geweihter Erde zu begraben.“

„Was für eine reizende Gute-Nacht-Geschichte!“, sagte Linda lächelnd. „Ich werde heute Nacht sicher gut schlafen können.“

„Es ist wirklich eine faszinierende Sage“, bemerkte David. „Ich habe darüber im Internet gelesen. Aber wenn wir schon vom Schlafen reden, wollen wir uns nicht etwas früher zurückziehen. Ich würde gerne morgen früh ein paar Ideen für den Werbefilm ausarbeiten.“

„Natürlich“, erwiderte die Hausherrin, stand auf und zog an einer neben ihrem Stuhl angebrachten Klingelschnur. „Rafael wird ihnen ihre Zimmer zeigen.“

Ein paar Sekunden später erschien der Butler auf der Türschwelle. Lucy of Phellan wies ihn an, den Gästen die Zimmer zu zeigen. Die Gruppe hatte gerade die Tür erreicht, als die Schlossherrin mit fester Stimme David ansprach:

„Herr Buchmann, ob ich wohl noch ein Wort mit Ihnen sprechen dürfte?“, fragte sie.

„Aber gerne.“ David drehte sich um und blickte neugierig der Hausherrin in die Augen. Lucy wartete, bis die gesamte Theatergruppe verschwunden war. Dann kam sie in ihrem raschelnden, staubgrauen Gewand durch das Zimmer auf David zu.

„Ich möchte Ihnen etwas zeigen.“

„Großartig“, antwortete David leicht verdutzt.

Er folgte ihr hinaus in die Diele, wo die Gruppe gerade oben an der Treppe verschwand. Lucy ging auf eine Tür zu, die im hinteren Teil der Diele neben der Treppe lag und öffnete sie. Dahinter befand sich ein langer, trübe beleuchteter Korridor, der sanft abfiel. Je weiter sie hinabgingen, desto mehr sträubten sich die Haare in Davids Nacken. Der Gang endete an einer dicken Eichentür, die heftig knarrte, als Lucy sie öffnete. Sie blieb einen Augenblick lang stehen und sah David mit höflichem Gesichtsausdruck an.

„Haben Sie ein Streichholz, Herr Buchmann?“

Er kramte in seiner Tasche, fand die Zündhölzer und gab sie ihr. Gleich darauf flammte das Streichholz auf und beleuchtete einen angelaufenen, silbernen Kerzenständer, der gleich neben der Tür auf einer altertümlichen Holzkommode stand. Lucy zündete die Kerzen an und deutete David, dass er eintreten sollte. Der Raum wirkte wie eine Art Verlies, war etwa dreieinhalb Meter im Quadrat groß, hatte Steinwände und keine Fenster.

An der Wand hing ein großes, sehr alt wirkendes Ölgemälde.

Im matten Licht konnte David gerade noch erkennen, dass es sich um einen Mann in einer Rüstung handelte.

„Nach Sir Wilhelms Tod“, erklärte Lucy leise, „verbannte sein ältester Sohn dieses Bild aus der Hauptgalerie und hängte es hier auf. Er veranlasste auch den örtlichen Barden, den Fluch auf eine Holztafel einzugravieren, was vermutlich erklärt, warum das in Reimform geschehen ist. Die Tafel wurde ebenfalls hier an der Wand angebracht. Dieser Raum ist also in gewisser Weise ein Altar mit umgekehrten Vorzeichen. Niemand hat durch die Jahrhunderte hindurch hier etwas verändert.“

Sie trat neben David und gab ihm den Kerzenständer. Er hielt ihn etwas nach oben, damit er die Inschrift auf der Holztafel lesen konnte:

Der Schwarze Ritter bittere Rache nahm,

auf heimlichen Wegen der Tod herankam,

den Geist des Erstgeborenen zu verwirren

und sie dann in den frühen Tod zu führen.

Verloren der Schatz – und doch nicht verloren,

Widersinn für die als Weise erkoren,

So bliebe es wohl bis zum Ende der Zeit,

kehrt nicht zurück der Bastard in einem anderen Kleid.

David räusperte sich nervös und blickte nach unten.

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270 стр. 1 иллюстрация
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9783738063561
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