Читать книгу: «Amalie von Stubenrauch (1805-1876)»

Die Autorin

Cornelia Oelwein studierte an der Ludwig-Maximilians-Universität München Geschichte mit den Schwerpunkten bayerische Landesgeschichte und Geschichtliche Hilfswissenschaften (Promotion 1981). Neben ihrer langjährigen Tätigkeit für die Kommission für bayerische Landesgeschichte bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften sowie die Messerschmitt Stiftung München arbeitet sie seit Jahren als freie Autorin. Rund dreißig eigenständige Bücher sind bisher von ihr erschienen, daneben zahlreiche Zeitschriftenbeiträge sowie Rundfunksendungen. Eines ihrer Spezialgebiete ist die Zeit König Ludwigs I. von Bayern und die Geschichte der Damen der Schönheitengalerie (u. a. Biographie von Lady Jane Ellenborough), ein historisches Umfeld, in das auch die Biographie von Amalie von Stubenrauch gehört.
Cornelia Oelwein
Dieses Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwendung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechts ist ohne Zustimmung des Verlags unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und für die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.
Die Wiedergabe von Warenbezeichnungen, Handelsnamen und sonstigen Kennzeichen in diesem Buch berechtigt nicht zu der Annahme, dass diese von jedermann frei benutzt werden dürfen. Vielmehr kann es sich auch dann um eingetragene Warenzeichen oder sonstige geschützte Kennzeichen handeln, wenn sie nicht eigens als solche gekennzeichnet sind.
Es konnten nicht alle Rechtsinhaber von Abbildungen ermittelt werden. Sollte dem Verlag gegenüber der Nachweis der Rechtsinhaberschaft geführt werden, wird das branchenübliche Honorar nachträglich gezahlt.
Umschlagabbildung Landesmuseum Württemberg, P. Frankenstein/H. Zwietasch
1. Aufl. 2020
Alle Rechte vorbehalten
© W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart
Gesamtherstellung: W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart
Print:
ISBN 978-3-17-037745-5
E-Book-Formate:
pdf: ISBN 978-3-17-037746-2
epub: ISBN 978-3-17-037747-9
mobi: ISBN 978-3-17-037748-6
Für den Inhalt abgedruckter oder verlinkter Websites ist ausschließlich der jeweilige Betreiber verantwortlich. Die W. Kohlhammer GmbH hat keinen Einfluss auf die verknüpften Seiten und übernimmt hierfür keinerlei Haftung.
Inhaltsverzeichnis
1 Vorwort
2 Einleitung
3 Der steinige Weg zum Erfolg
4 Das Rätsel um ihre Geburt
5 Eine folgenschwere Liebesgeschichte
6 Eine hoffnungsvolle Elevin
7 Endlich am königlichen Hoftheater zu München
8 Auftakt einer großen Karriere
9 Ein verlockendes Angebot
10 Frankfurt, Darmstadt und unerfreuliche Begegnungen
11 Die Konkurrenz im eigenen Haus: Charlotte von Hagn
12 Für ein Jahr nach Stuttgart
13 König Ludwig I. von Bayern und das Porträt Stielers
14 Der Stern am Stuttgarter Theaterhimmel
15 Zwischen Stuttgart und München
16 Zurückhaltende Journalisten
17 Gastspielreise nach Wien
18 Eine neue Konkurrentin: Therese Peche
19 Gemischte Gefühle beim Gastspiel in München
20 Der Stern am Stuttgarter Theaterhimmel
21 Gastspielreisen nach Berlin, Prag, Wien und München
22 Das Repertoire
23 »Zum Besten des Schiller-Denkmals«
24 Nicht nur auf der Schauspielbühne
25 Die wahre Chefin des Theaters
26 Theaterintrigen: der Fall Karl Seydelmann und andere
27 Freund und Feind – Heinrich Moritz und Fedor Löwe
28 Theaterneubau und Karriereende
29 Königliche Geliebte und beliebte Saloniere
30 König Wilhelm I. von Württemberg
31 Das Haus in der Neckarstraße
32 Der Salon Stubenrauch
33 Üble Nachrede, Verleumdung und Heiratsgerüchte
34 Das Haus in der Friedrichstraße
35 Die familiären Beziehungen
36 In den Parks von Rosenstein und Wilhelma
37 Auf Reisen
38 Es brodelt und kocht: die Revolutionsjahre 1848 und 1849
39 Kurtage in Baden-Baden und andere Reisen
40 Das Ringen um ein Konkordat – ein politisches Intermezzo?
41 »Die Künstlerin – ein mildtätiges, warmfühlendes Geschöpf«
42 Noch einmal nach Nizza
43 Der Tod König Wilhelms I. von Württemberg
44 Der schmerzhafte Ausklang
45 König Karls »Säuberungsaktionen«
46 Zurück in Bayern
47 Der Verkauf des Hauses in der Neckarstraße und andere Schwierigkeiten
48 König, Spitzel, Denunzianten
49 Amalie, Henriette und der Prinz
50 Ausverkauf der Bilder – König Wilhelm und die Kunst
51 Die stillen letzten Jahre
52 Das Ende
53 Nachspiel
54 Was bleibt?
55 Anhang
56 Quellenverzeichnis
57 Literaturverzeichnis
58 Quellen im Internet
59 Zeitungen und Zeitschriften
60 Abbildungsverzeichnis Abbildungsnachweis
Vorwort
Der vorliegende Band ist die erste ausführliche Biographie der einst gefeierten Schauspielerin Amalie von Stubenrauch, was umso erstaunlicher ist, als die aus Bayern stammende Diva, die jedoch in Stuttgart die größte Popularität erfuhr, zu ihrer Zeit auch weit über die Grenzen Süddeutschlands hinaus bekannt war.
Als gebürtige Münchnerin, die mit einem Württemberger verheiratet ist, interessieren mich besonders »länderübergreifende« Themen. So kam es zur Idee, dem Lebensweg Amalie von Stubenrauchs nachzuspüren. Entstanden ist das Bild einer faszinierenden Frau des 19. Jahrhunderts.
Beim Zusammentragen der vielen »Puzzelsteine« habe ich vielfältige Unterstützung erhalten und bin zahlreichen Helfern zu großem Dank verpflichtet. Ohne den Beistand der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der verschiedenen Archive in Stuttgart und München sowie in Wien, Meran und Baden-Baden, der Bayerischen Staatsbibliothek und der Württembergischen Landesbibliothek sowie des Deutschen Theatermuseums in München wäre die Arbeit entschieden schwieriger gewesen. Besonderer Dank gilt dabei den Damen und Herren Dr. Katharina Beiergrößlein, Elke Machon und Sabine Schrag vom Stadtarchiv Stuttgart, Renate Domnanich vom Österreichischen Staatsarchiv, Abteilung Kriegsarchiv, Wien, Christian Fässler und Claudia Falk vom Stadtarchiv Baden-Baden, Babette Angelaeas, Kim Heydeck, Dr. Susanne de Ponte und Marion Weltmann vom Deutschen Theatermuseum in München, Arietta Ruß von der Württembergischen Landesbibliothek und Dr. Olaf Siart vom Württembergischen Landesmuseum sowie dem Hackländer-Biographen Heinrich Fischer, der Stieler-Expertin Dr. Ulrike von Hase-Schmundt und Katrin Hermann vom Einwohnermeldeamt der Stadt Tegernsee. SKH Herzog Franz von Bayern gebührt mein Dank für die Erlaubnis, entsprechende Stellen im Tagebuch König Ludwigs I. durch Frau Dr. Ingrid Rückert überprüfen zu lassen. Des Weiteren erhielt ich Informationen aus dem Deutschen Literaturarchiv Marbach und der Theaterwissenschaftlichen Sammlung, Köln. Der Musikwissenschaftler Dr. Christian Lehmann, Frau Ulrike Reimann und Herr Chris Gebel vom Württembergischen Landesmuseum sowie Frau Silke Geiring von der Bayerischen Staatsbibliothek waren mir zudem bei der Suche nach Abbildungsmaterial behilflich. Auch ihnen möchte ich herzlich danken.
Dem Verlag W. Kohlhammer in Stuttgart, allen voran Herrn Dr. Peter Kritzinger, sage ich Dank für die Aufnahme des Manuskripts in die Reihe Urban Taschenbücher ebenso Frau Dr. Helga Hager für die Lektoratsarbeit.
Nicht zuletzt gebührt meinem Mann Dr. Reiner Oelwein ein großes Dankeschön dafür, dass er nicht nur all die Zeit über klaglos mit »meiner« Amalie lebte, sondern die Arbeit auch stets mit Rat und Tat begleitete.
| Ilmmünster, Mai 2020 | Cornelia Oelwein |
Einleitung
Amalie von Stubenrauch war ein deutschlandweit gefeierter Bühnenstar und Mittelpunkt ihres gern besuchten Salons im Herzen Stuttgarts. Das allein hätte ihr jedoch wohl kaum einen bleibenden Platz in der Geschichtsschreibung eingebracht. In Erinnerung blieb sie vor allem als Geliebte König Wilhelms I. von Württemberg, wobei das Wort »Geliebte« der Beziehung nicht gerecht wird. Sie war seine Lebenspartnerin über mehr als drei Jahrzehnte. Während seine Familie in Kur gegangen war, blieb sie bis zu seinem Tod an seiner Seite. Heute weiß man: Ihr Einfühlungsvermögen wirkte auf den König mäßigend, dem ein schwieriger Charakter nachgesagt wurde; mit ihr konnte er seine Sorgen und Nöte besprechen. Dabei beging Amalie von Stubenrauch nicht den Fehler, sich in die Politik einzumischen. Nur in Fragen des Theaters und verschiedener anderer kultureller Themen, seien es literarische, seien es künstlerisch-architektonische, machte sie ihren Einfluss geltend.
Für eine Frau des 19. Jahrhunderts führte sie ein erstaunlich selbstbestimmtes bürgerliches Leben. Sie ging keine Alibi-Ehe mit einem Höfling ein, erhielt kein Schloss, keine Ländereien, keinen wohlklingenden Fürstentitel. Sie gehörte nie zur Hofgesellschaft, war wirtschaftlich unabhängig und lebte weitestgehend eigenständig. In ihrem Salon empfing sie neben berühmten Theaterleuten vor allem literarische und musikalische Größen ihrer Zeit und hielt mit ihnen darüber hinaus brieflichen Kontakt. Dazu zählten unter anderem Justinus Kerner, Gustav Schwab, Eduard Mörike, Nikolaus Lenau und Graf Alexander von Württemberg sowie Giacomo Meyerbeer, Franz Liszt und vermutlich auch Nicollò Paganini. Mit den Schriftstellern Franz von Dingelstedt und vor allem Friedrich Wilhelm Hackländer verband sie jahrelang eine besondere Freundschaft.
Von Anfang an hätte die Biographie der bekannten Schauspielerin und königlichen Gefährtin reichlich Stoff für ein Theaterstück geboten, ein Drama, ein Trauerspiel, eine Liebensgeschichte ohne Happy End. Die Geschichte reicht sogar noch weiter zurück: Liebesgeschichte und Drama auch bei ihren Eltern. Bereits der Beginn ihres Lebens gleicht einem Verwirrspiel. Wann war sie geboren? Und wo? Es gibt kaum ein Jahr der ersten Dekade des 19. Jahrhunderts, das nicht als Geburtsjahr angenommen worden wäre, sei es in Theater-Almanachen, sei es in Zeitungsartikeln oder Memoiren, ja selbst in offiziellen Schreiben und Unterlagen. Und das sollte nicht ihr einziges Geheimnis bleiben. Es folgten Jahre voller Liebe und Entbehrungen, Höhen und Tiefen, großen Erfolgen auf der Bühne und unwürdigen Intrigen.
Als Geliebte König Wilhelms I. von Württemberg polarisierte die gefeierte Diva. Zum Teil wurde Amalie von Stubenrauch sogar als »Württemberger Lola« bezeichnet, in Anlehnung an Lola Montez, die Geliebte König Ludwigs I. von Bayern – auch wenn der Vergleich in mehr als einer Hinsicht hinkt.
Während über Lola Montez eine ganze Reihe von Büchern erschienen ist, fehlt – abgesehen von kleineren Aufsätzen – bis heute eine Biographie von Amalie von Stubenrauch. Das liegt vor allem daran, dass – anders als etwa bei Lola Montez und König Ludwig – die Korrespondenz zwischen Amalie und König Wilhelm bereits zu Lebzeiten vernichtet worden ist. Zudem ließ der königliche Erbe Karl kaum etwas unversucht, Amalie nicht nur in Misskredit zu bringen, sondern sie ganz aus dem Gedächtnis der Untertanen zu streichen.
Die Theaterkarriere der über die Grenzen Bayerns und Württembergs hinaus gefeierten Künstlerin lässt sich anhand der erhaltenen Theaterzettel, umfangreicher Archivbestände und einer Fülle von Zeitungsberichten relativ lückenlos nachvollziehen. Schwieriger ist es, Licht in ihr Privatleben zu bringen. Eine Regenbogenpresse existierte im 19. Jahrhundert nicht, denn die rigide Zensur setzte dem Wirken der Presse enge Grenzen. Auch existieren erstaunlich wenige Bildnisse von Amalie.
Dennoch finden sich zu ihrem Leben auch jenseits des Theaters vielerlei Nachrichten verstreut in Zeitungen, Tagebüchern, Memoiren und Briefen. Letztere vor allem an den königlichen Berater und Dichter Friedrich Wilhelm Hackländer. Doch auch in unterschiedlichen Sammlungen und Archiven war unveröffentlichtes Material zu entdecken. Die diversen Quellenfunde lassen sich zu vielschichtigen Mosaikbildern zusammenfügen, welche die Etappen eines faszinierenden Lebens präsentieren – vom Mädchen aus niederem Adel, zur gefragten Schauspielerin, Literaturkennerin und schließlich der königlichen Lebenspartnerin.
Der steinige Weg zum Erfolg
Das Rätsel um ihre Geburt
Die Lebensgeschichte der gefeierten Schauspielerin beginnt angemessen geheimnisvoll. Amalie von Stubenrauch tritt erst im Jugendalter ins Rampenlicht. Was davor lag, bleibt unklar. Über ihre Geburt gibt es verschiedene Angaben, die schon zu ihren Lebzeiten für Verwirrung sorgten. Es fehlt kaum ein Jahr der ersten Dekade des 19. Jahrhunderts, das nicht als Geburtsjahr genannt worden wäre. Laut einem Nachruf soll sie 1808 zur Welt gekommen sein, nach anderen Quellen schon 1807. »Ungalante«, heißt es dort weiter, »nennen sogar 1806 als Jahr ihrer Geburt«.1 Es gab jedoch noch Ungalantere wie den Theaterkritiker Adolf Palm, der die Schauspielerin auf dem Höhepunkt ihrer Karriere kennen lernte und behauptete, Amalie sei mit dem Jahrgang gegangen, das heißt im Jahr 1800 geboren.2 Und Palm ergänzte in seinen Briefen süffisant: »Man weiß ja, die Damen beim Theater werden desto jünger, je älter sie werden!«3
Die meisten Autoren engten die Geburt jedoch auf 1805 oder 1808 ein. Unwidersprochen aber ist der Geburtstag am 4. Oktober. »4. Oktober 1805« ist die mehr oder weniger einzige erhaltene amtliche Nennung zu ihren Lebzeiten. Sie findet sich in der 1828 angelegten Personalakte des Königlichen Hoftheaters Stuttgart.4 Damals war Amalie Anfang 20. In diesem Alter macht man sich in der Regel noch nicht jünger.
Amalie selbst gab viel später einmal an, dass sie nicht 20 Jahre jünger als König Wilhelm I. von Württemberg sei, sondern 27 Jahre.5 Der König wurde am 27. September 1781 geboren. Demnach wäre sie nach eigener Aussage im Jahr 1808 geboren. Nachdem sie damals schon über 50 Jahre alt war, könnte sie hier etwas geschummelt haben, zumal bereits das 1842 in Leipzig erschienene Allgemeine Theater-Lexikon »um 1808« angegeben hatte.6 Aus dem weitverbreiteten Lexikon wurde verschiedentlich zitiert.
Erstmals 1930 und dann wiederum 1997 wurde in der Literatur 1803 als Geburtsjahr angegeben – ein Datum das in der jüngsten Literatur meist übernommen wurde.7 In der in Tegernsee ausgestellten »Todesanzeige« war nämlich zu lesen, dass sie im Alter von 72 Jahren und 6 Monaten gestorben sei, was tatsächlich auf eine Geburt im Oktober 1803 verweisen würde. Dieses Dokument wurde jedoch lediglich aufgrund der mündlichen Angaben des Arztes Dr. Alois Rosner ausgestellt. Amalie von Stubenrauch war in Tegernsee nicht einmal amtlich gemeldet, sondern sie verbrachte dort nur ihren Sommeraufenthalt. Überhaupt sind Aussagen des Arztes mit Vorsicht zu genießen. Zwar war er mit Amalie jahrelang bekannt, doch betrieb er – wie später noch ausführlich gezeigt wird – ein Doppelspiel, indem er sie bespitzelte. Ein mögliches falsches Geburtsdatum kann er mit Absicht, vermutlich aber aus Unwissenheit, falschen Angaben Dritter oder einfach aufgrund einer Verlesung von »3« und »5« in den stets handschriftlich ausgeführten Schreiben angegeben haben.
In den Nachrufen anlässlich ihres Todes im April 1876 finden sich ganz unterschiedliche Altersangaben: So heißt es etwa in der Wiener Zeitung, dass sie im »Alter von 69 Jahren« gestorben sei, in der Augsburger Abendzeitung war man sich nicht sicher und bot 1806, 1807 oder 1808 als Geburtsjahr an.8
Die Indizien sprechen für eine Geburt im Jahr 1805: zum einen die noch zu beleuchtende Lebensgeschichte der Eltern, zum anderen ist vielfach zu lesen, dass Amalie als »junges Mädchen« ihren Probeauftritt absolviert hätte. Das war im Dezember 1823. Und mit 20 Jahren wurde man nicht mehr als »junges Mädchen« tituliert und schon gar nicht wurde dies als Besonderheit hervorgehoben. Zudem wurde Amalies Freundin aus Kindertagen – die 1806 geborene Schauspielerin Elise Seebach – vielfach als »gleichaltrig« bezeichnet. Den schlagendsten Beweis aber lieferte der heute nicht mehr vorhandene Grabstein am Tegernseer Friedhof. Auf ihm war 1805 als Geburtsjahr in Stein gemeißelt.9
Ungeklärt bleibt der Geburtsort, obwohl durchgehend München angegeben wurde. Das kann jedoch nicht stimmen. In den Taufmatrikeln der Stadt, die bis heute vollständig erhalten geblieben sind, ist Amalie nicht aufzufinden – weder in den Reihen der legitimen noch der unehelichen Kinder.
Amalie ließ ihre Zeitgenossen und nachfolgenden Generationen über ihre Herkunft stets im Ungewissen. Sie selbst bezeichnete München nie als Geburtsort, sondern lediglich als »Vaterstadt«. In München ist sie aufgewachsen, hier hat sie ihre ersten Bühnenerfahrungen gesammelt; auch die Vorfahren waren – zumindest zum großen Teil – hier beheimatet. Geboren wurde Amalie jedoch mit einiger Sicherheit irgendwo in den Weiten des riesigen Habsburgerreichs, wofür vor allem die Vita der Eltern spricht. Doch da ein Nachweis fehlt, muss die Frage, wo sie höchstwahrscheinlich am 4. Oktober 1805 das Licht der Welt erblickte, unbeantwortet bleiben.
Eine folgenschwere Liebesgeschichte
Johann Nepomuk von Stubenrauch hatte bereits ein bewegtes Leben hinter sich, als er in noch jugendlichem Alter Amalie als erstes Kind erhielt.10 Er selbst war, wie man einst so schön sagte, »ein Kind der Liebe«. Der Vater allem Anschein nach: Generalmajor Vinzenz Nutius Graf von Minucci. Die Mutter: eine Frau von Stubenrauch. Offensichtlich war die Mutter verheiratet, denn es kursieren verschiedene Angaben zur Herkunft des kleinen Johann Nepomuk in den Quellen. Die eine besagt, Johann Nepomuk sei der am 15. Mai 1781 in Aurolzmünster geborene Sohn eines »Verwalters«. Er selbst nannte später mehrfach Graf Minucci als seinen Vater, als Geburtsort ebenfalls Aurolzmünster und als Geburtsjahr 1783.11 Aufgrund der jeweiligen Altersangaben ist seine Geburt in der zweiten Jahreshälfte des Jahres 1781 anzunehmen. Keine der Angaben findet jedoch in den Kirchenbüchern von Aurolzmünster eine Bestätigung.12
Während also der Vater Johann Nepomuks nicht näher zu bestimmen ist, handelte es sich bei seinem stets genannten Erzeuger Graf Minucci um einen Herrn aus hohem Adel.13 Bereits 1772 war er zum Kammerherrn des bayerischen Kurfürsten ernannt worden; er wurde Ritter des Johanniterordens und Komtur zu Straubing, befehligte als Oberst zunächst das kurfürstliche General Prinz Taxische Dragoner-Regiment, später das General Graf Minuccische Kürassier-Regiment und stieg schließlich zum Generalmajor auf.14
Aurolzmünster mit seinem inzwischen wieder prachtvoll renovierten Schloss liegt heute im oberösterreichischen Innkreis. Das war nicht immer so: Noch bis 1779, also bis kurz vor der Geburt Johann Nepomuks, gehörte das Gebiet zum Kurfürstentum Bayern und dann zum Habsburger Reich. Im Zuge der Gebietsveränderungen zu Zeiten Napoleons wurde das Innviertel noch einmal kurz bayerisch (von 1806 bis 1814). Dieses Hin und Her der Zugehörigkeiten ist vermutlich der Grund, warum für die Familie einmal ein österreichischer, einmal ein bayerischer Ursprung angenommen wurde. Es spricht viel dafür, dass es sich bei der Familie von Stubenrauch ursprünglich um einen niederen österreichischen Adel gehandelt hatte, weswegen Jahrzehnte später Amaliens Bruder auch seine bayerische Staatsangehörigkeit bestätigen lassen musste, während Johann Nepomuk nicht nur in österreichische Dienste treten konnte, sondern 1841 auch durch den Habsburger Kaiser Ferdinand I. in den erblichen Reichsadel mit dem Prädikat »Edler von« aufgenommen wurde.15
Die ursprünglich aus Venetien stammende Familie der Grafen Minucci dagegen lässt sich seit dem 16. Jahrhundert in Bayern in vielen verschiedenen politischen, kirchlichen und militärischen Positionen nachweisen. Und Generalmajor Vinzenz Nutius Graf von Minucci hatte Beziehungen zu Aurolzmünster. Seine Mutter war eine Gräfin von der Wahl und Erbin des Schlosses von Aurolzmünster, das noch aus bayerischer Zeit stammte.
Wer auch immer der Vater Johann Nepomuks war, sein Sohn erhielt eine gediegene Ausbildung. Vor allem in mathematischen Fächern war er begabt und gebildet. Am 17. September 1797 in noch jugendlichem Alter trat er als »Voluntaire« in das damals noch kurfürstlich baierische Artillerieregiment ein.16
Im Laufe von acht Jahren machte Johann Nepomuk beim Militär Karriere; am 30. März 1800 wurde der inzwischen vermutlich 18-Jährige zum Unterleutnant ernannt. Im Zuge der Napoleonischen Kriege nahm er an zahlreichen Schlachten teil, wurde verwundet und hat sich durch seinen Einsatz hervorgetan.17 Als er sich jedoch im Juni 1805 widerrechtlich von seiner damals in Würzburg stationierten Einheit entfernte, erhielt seine Karriere einen Knick. Seit dem 26. Juni wurde er als vermisst gemeldet. Man stellte Nachforschungen an, doch auch seine Hauswirte hatten ihn seit Tagen nicht mehr gesehen. Man durchsuchte sein Zimmer: Weder er selbst noch sein Hab und Gut waren auffindbar. Und auf den entsprechenden Unterlagen im Kriegsministerium vermerkte man: »Deserteur«. Im Zuge der Nachforschungen kam auf, dass auch Walburga Moosmayer verschwunden war. Sie war am 23. November 1873 in München als Tochter des Münchner Hoforganisten geboren.18 Und man schlussfolgerte ganz richtig, »daß seine alte Verbindung mit Walburga Mosmeyer in München ihn zu diesem Schritte verleitet haben möge.«
Bereits im September des Jahres 1804 hatte Vater Moosmayer (ein Name, der in den Akten in allen möglichen Moos- und Mayer-Varianten geschrieben wurde) beim Kriegsministerium um eine Befreiung des Artillerie-Leutnants von Stubenrauch und die Erteilung einer Heiratserlaubnis nachgesucht, denn als Soldat konnte man seinerzeit nicht ohne Weiteres heiraten. Vielmehr wurde eine entsprechende Heiratslizenz benötigt, die wiederum entsprechende Finanzmittel voraussetzte. Diese fehlten dem jungen Stubenrauch offensichtlich, obwohl die Braut keine ›schlechte Partie‹ war. Immerhin gehörte ihr seit dem 20. Februar 1803 ein Mehrfamilienhaus in bester Münchner Lage.19 Das Haus Promenadeplatz Nr. 9 hatte vermutlich der Vater als Mitgift für die Tochter erworben. Die Entlassung und die Heiratslizenz wurden dennoch nicht genehmigt. Man befand sich mitten in den Koalitionskriegen und jeder wehrhafte Mann wurde gebraucht.
Walburga war jedoch im Juni 1805 im sechsten Monat schwanger. Zwar waren uneheliche Kinder für Offiziere kein grundsätzliches Problem, doch die Frau und die Kinder mussten mit der ›Schande‹ leben. Vermutlich hatte Johann Nepomuk dies am eigenen Leib erfahren müssen und wollte dieses Schicksal nun Walburga und dem zu erwartenden Kind ersparen.
Eine gute Woche nach ihrer Flucht aus Würzburg wurden sie am 4. Juli 1805 in Eger getraut – allerdings erst, nachdem sich Stubenrauch am 26. Juni bei einem Werber für zehn Jahre zum österreichischen Militärdienst verpflichtet hatte. Der am 2. Juli in Eger unterschriebene Anwerbevertrag ist bis heute erhalten und belegt: Johann Nepomuk von Stubenrauch, angeblich in München gebürtig, 24 Jahre alt, hat nicht schlecht geflunkert. Dass er noch ledig war entsprach der Tatsache, nicht jedoch, dass er »Student ohne Profession« sei und noch nie gedient habe. Die Lüge war nötig, da er keinen Entlassungsschein vorweisen konnte. Überprüfen ließen sich seine Angaben allenfalls mit großem Aufwand und ohnehin waren die Anwerber daran nicht interessiert. Es war Krieg und Männer »ohne allen Leibes-Defekt« waren gefragt.20
Stubenrauch verpflichtete sich auf zehn Jahre bei der K. u. K. Kavallerie als »Gemeiner«, während er in Bayern bereits im Rang eines Offiziers gedient hatte. Bei der Anwerbung sind ihm 28 Gulden Wiener Währung ausgezahlt worden, was immerhin für die Gebühren der Eheschließung genügte.
Während der junge Soldat in Eger seinem Leben eine neue Richtung verpasste, gingen zwischen Würzburg und München diverse Schreiben hin und her: Wie sollte man sich in dieser Angelegenheit verhalten? Auffällig ist, wie milde letzten Endes mit Stubenrauch verfahren wurde. Desertieren war kein Kavaliersdelikt und konnte mit Erschießen, zumindest mit Kerkerhaft geahndet werden. Nicht so in diesem Fall. Stubenrauch wurde nachträglich am 11. Juli 1805 »aus besonderer allerhöchster Gnade« des damaligen Kurfürsten Max IV. Joseph, des nachmaligen ersten Königs von Bayern aus dem Dienst entlassen. Dies lässt vermuten, dass Stubenrauch in München einflussreiche Fürsprecher hatte, möglicherweise Graf Minucci.
Wohin der Dienst Stubenrauch zunächst verschlug, darüber schweigen die Akten. Erst im November 1806 erscheint der »Ausländer« Stubenrauch in der ersten Eskadron des 1802 neu formatierten Dragoner-Regiments Nr. 4 Levenher im südlichen Ungarn zwischen Pécs und Bóly. Ein Pferd war ihm von der Kavallerie gestellt worden. Weiter wurde in der Musterungsliste bzw. Standestabelle vermerkt, dass er verheiratet sei.21 Die Rubrik »Kinder« ist überraschenderweise leer geblieben. Es ist zu vermuten, dass die etwa einjährige Amalie irgendwo anders aufgezogen wurde – vermutlich in der bayerischen Heimat.
Auch das Taufbuch des Regiments, das in jenen kriegerischen Jahren allerdings nicht konsequent geführt wurde, verzeichnete Amalie nicht, wohingegen die meisten ihrer Geschwister, die in recht regelmäßigen Abständen von etwa zwei Jahren auf die Welt kamen, aufscheinen: am 13. September 1807 Magdalena in der Festung Pécs, am 15. März 1811 Johann Nepomuk in Maria Theresiopol, der jedoch früh verstarb, sodass der am 9. Februar 1813 im mährischen Kojetin geborene Sohn erneut auf den Namen Johann Nepomuk getauft wurde.22 Daraus lässt sich in groben Zügen das Itinerar der Familie nachzeichnen: Zwischen dem Aufenthalt in Südungarn und der Stationierung in Mähren war Amalies Vater im Sommer 1808 für einige Zeit in Kittsee südlich von Preßburg (Bratislava) stationiert und 1810/1811 in Maria Theresiopol, dem heutigen Subotica in Serbien.23
Der Soldat Johann Nepomuk von Stubenrauch diente zunächst drei Jahre im »Feuergewehrstande« und ab dem 1. Dezember 1808 fünfeinhalb Jahre als obligater Fourier,24 als ein mit der Logistik beschäftigter (Unter-)Offizier, wozu ihn seine mathematischen Talente und Vorbildung prädestinierten. In dieser Funktion kam er wohl nicht zum Kampfeinsatz. Die Koalitionen änderten sich während der sogenannten Koalitionskriege mehrfach: So standen sich etwa im April 1809 bei Regensburg Bayern und Österreicher feindlich gegenüber. Allerdings ist unwahrscheinlich, dass Stubenrauch gegen Landsmänner zu kämpfen hatte, denn noch Jahre später verhielten sich die Verantwortlichen im bayerischen Kriegsministerium bis hinauf zum König bei seinen Eingaben um die Erlaubnis zur Rückkehr und um Anstellung nachsichtig, obwohl sein Dienst im Regiment Levenher auch in München bekannt war. Ein Kriegseinsatz gegen bayerische Soldaten wäre indes kaum unberücksichtigt geblieben.
Stubenrauch zog mit den Soldaten von Garnison zu Garnison. Die Ehefrau Walburga war wohl immer mit dabei. Auch sie hatte sich wegen »Entweichung und Verehelichung außer Landes« schuldig gemacht. Auf Wunsch König Maximilians I. wurde jedoch von einer kompletten Einziehung ihres Vermögens Abstand genommen. Lediglich eine Gebühr von 141 Gulden und 21 Kreuzer musste sie entrichten. In diesem Zusammenhang wird auch das Haus am Promenadeplatz wieder verkauft worden sein, denn ab 1807 ist ein anderer Eigentümer vermerkt. Allerdings war der Preis in den vier Jahren seit dem Erwerb deutlich gestiegen. Während 1803 10 500 Gulden bezahlt wurden, belief sich die Kaufsumme nun auf 13 000 Gulden.25 Die Immobilie am Promenadeplatz war für die junge Frau von Stubenrauch also eine gute Geldanlage gewesen wenngleich die kleine Familie noch nicht über das Geld verfügen konnte, das vorerst konfisziert blieb.
Johann Nepomuk hat die privat zwar ehrenhafte, dennoch unüberlegte Entscheidung, das bayerische Militär widerrechtlich zu verlassen, bald bereut – später spricht er wiederholt von Reue und von jugendlichem Fehler. Die Wirklichkeit hatte die junge Familie eingeholt, doch die Karriere im bayerischen Heer war verspielt. Und es sollte noch schlimmer kommen.
Während Stubenrauch in den Weiten des riesigen K. u. K.-Reichs in einer Schreibstube saß, überschlugen sich die politischen und kriegerischen Ereignisse. Am 9. April 1809 eröffnete Österreich erneut den Krieg mit dem Ziel der Beseitigung der Napoleonischen Vorherrschaft in Europa. Bayern stand nun jedoch an der Seite Frankreichs. Allgemein bekannt ist der Tiroler Volksaufstand unter Andreas Hofer im Herbst 1809, in dem sich das Land gegen die bayerisch-französische Besatzung erhoben hatte. Auf bayerischem Boden bei Abensberg, Eggmühl und Regensburg wurde gekämpft. Auch Stubenrauchs Einheit, das K. u. K. österreichische 4. Dragoner-Regiment Levenher war dabei. Erst am 14. Oktober 1809 schlossen Österreich und Frankreich den Frieden von Schönbrunn. Die Meldung, Johann Nepomuk von Stubenrauch sei gefallen, gelangte 1809 in die Heimat und zu seinem Vater Generalmajor von Minucci. Die Nachricht erwies sich als Fälschung, schien jedoch angesichts der Kampfhandlungen und Verluste plausibel. Seine eigenen Briefe, in denen er den Vater vom Gegenteil informieren wollte, wurden abgefangen und unterschlagen. Drahtzieher war wohl sein (Halb-)Bruder Vinzenz Adelshausen, der im inzwischen Königlich-Bayerischen 14. Linien-Infanterie-Regiment als Hauptmann diente.
Am 8. April 1810 starb Generalmajor Vinzenz Nutius von Minucci in München an Brustwassersucht und wurde in die Familiengrabstätte nach Adelshausen bei Karlskron überführt.26 Sei es, dass der Vater vom Tod des Sohnes überzeugt war, sei es, dass er ihm seinen Austritt aus dem bayerischen und den Wechsel zum österreichischen Militär verübelte – jedenfalls wurde Johann Nepomuk im Testament seines Vaters mit keinem Kreuzer bedacht, während der ebenfalls illegitime Bruder Adelshausen »mit vielen Tausenden« berücksichtigt worden war, wie Johann Nepomuk bitter vermerkte.27 Die Möglichkeit, einen Pflichtanteil einzuklagen, gab es nicht. Dies gilt umso mehr für illegitime Nachkommen.
Vermutlich war Minuccis Tod ein Grund dafür, dass sich Stubenrauch noch im selben Jahr an den bayerischen König wandte und um Erlaubnis zur Rückkehr ins Vaterland bat. Inzwischen war er fern der Heimat in Theresiopol stationiert. Am 6. November 1810 schrieb er aus dem damals noch zu Ungarn gehörenden Ort, dass er bereits volle fünf Jahre hindurch in österreichischen Diensten »im Unglücke« lebe. Zum ersten Mal beklagte er reumütig seinen »jugendlich-törichten Streich« und bat nicht nur um die Erlaubnis, nach Bayern zurückkehren zu dürfen, sondern auch um die Verleihung »eines kleinen Zivil-Dienstes«. Von Seiten des bayerischen Königs stand einer Rückkehr laut Schreiben vom 30. Dezember 1810 nichts im Wege. Schnell verkaufte Stubenrauch alles, was er in Österreich besessen hatte – viel konnte es nicht gewesen sein, bei einem Sold von 28 Gulden im Monat – und setzte nach eigenen Worten seine letzten Kreuzer daran, bereits Anfang 1811 zurückzukehren. Doch das österreichische Kriegsministerium bestand auf die Erfüllung des zehnjährigen Vertrags mit der Begründung, dass seine Anwesenheit unentbehrlich sei. Die Familie von Stubenrauch musste zurück ins Reich der Habsburger, nach Subotica.
Stubenrauch gab nicht auf: Im Sommer 1812 bat er das bayerische Kriegsministerium um Auszahlung eines Teils des noch immer einbehaltenen Vermögens seiner Frau, um seine Entlassung aus österreichischen Diensten zu erwirken. Am 26. Oktober 1812 befürwortete der königlich bayerische Kriegshauptbefehlshaber seinen Antrag. Man wollte nicht die Frau ihr Leben lang bestrafen, die »als schwaches Weib in früheren Zeiten von ihrer Leidenschaft hingerissen in einen Zustand durch ihre Schwängerung versetzt (welcher ihr keine andere Wahl zur Rettung ihrer Ehre mehr übrig ließ, als eine Verehelichung mit ihrem Impraegnator) unvermögend, die Folgen zu berechnen, denselben dahin folgte, wohin er sie zu Erreichung des beyderseitigen Zweckes führte, derselben ihr Fehltritt nicht für ihr ganzes Leben zu imputiren seyn möchte.«28
Ob oder wann sich von Stubenrauch freikaufen konnte, lässt sich nicht mehr rekonstruieren. Vermutlich erfolgte seine Entlassung aus dem österreichischen Militär im Frühjahr 1814, denn in einem späteren Schreiben vermerkte er, dass er achteinhalb Jahre in österreichischen Kriegsdienst gestanden habe.
Inzwischen waren die Koalitionskriege zu Ende gegangen. In der Völkerschlacht bei Leipzig im Oktober 1813 war die napoleonische Herrschaft in Deutschland endgültig zusammengebrochen, was möglicherweise Stubenrauchs vorzeitige Entlassung aus dem österreichischen Vertrag ermöglicht hatte. Nun galt es in der bayerischen Haupt- und Residenzstadt Fuß zu fassen. Stubenrauch musste wieder ganz klein anfangen, als Rechnungsgehilfe bei der Central-Staatskasse, später als Registrator.29 Eine Karriere im bayerischen Militär- oder Zivildienst war natürlich undenkbar geworden.
In München brachte er die Familie mehr schlecht als recht durch. Das inzwischen freigegebene Vermögen seiner Frau war bald aufgebraucht. Offensichtlich wurde ihm immer nur eine befristete Anstellung gewährt, und diese meist unter seinen Fähigkeiten und mit geringer Besoldung. Das Verlassen des bayerischen Militärs war zwar nachträglich offiziell legitimiert worden, doch vergessen war der ›Fehltritt‹ mitnichten. Und so stapelten sich im bayerischen Finanzministerium und im bayerischen Kriegsministerium vom Sommer 1816 an die Eingaben mit der Bitte um »definitive Anstellung« in einem staatlichen Amt. Die meisten wurden unbeantwortet »ad acta« gelegt. Ein Diurnum von einem Gulden und 24 Kreuzer täglich, das er als Kanzleischreiber erwirtschaftete, reichte nicht, um die Familie durchzubringen. Eine Anstellung als Kanzlist in der »Königlichen Ministerial-Liquidations-Commission für die Forderungen an Frankreich« war mit Auflösung dieser Kommission im Jahr 1826 zu Ende. Erneute Eingaben an das Finanzministerium mit dem Hinweis auf seine nahezu vollständige Mittellosigkeit und auf die zunehmende Zahl unmündiger Kinder folgten. Seine letzte Eingabe an König Ludwig I. von Bayern respektive das Bayerische Ministerium der Finanzen datiert vom 15. Juli 1831. Diese wurde nach »der in der Zwischenzeit getroffenen Anordnung ad acta« gelegt. Wie diese Anordnung ausgesehen hat, wird leider verschwiegen.
Eine hoffnungsvolle Elevin
Wie Amalies früheste Jugend in den turbulenten Jahren der Napoleonischen Kriege mit ihren vielfach wechselnden Koalitionen und Fronten ausgesehen haben mag, kann man nur erahnen. Nachdem der Vater in Eger geheiratet hatte, dürfte Amalie am 4. Oktober 1805 irgendwo im großen Habsburgerreich zur Welt gekommen sein.
Nachdem sie weder im Regiments-Taufbuch, noch in den Musterungslisten erwähnt wurde, ist anzunehmen, dass sie nicht oder wenigstens nur zum Teil mit ihren Eltern von Garnison zu Garnison zog, sondern bei Verwandten, möglicherweise den Großeltern Moosmayer in München aufwuchs. Als der Vater aus dem österreichischen Militärdienst entlassen wurde, war die kleine Amalie bereits acht Jahre alt. Zu diesem Zeitpunkt lebten ihre etwa sechsjährige Schwester Magdalena, ihr einjähriger Bruder Johann Nepomuk und ein weiteres im Regiments-Taufbuch nicht registriertes und namentlich nicht bekanntes Geschwisterchen, das vermutlich 1809 geboren wurde. Von Magdalena und dem namentlich nicht genannten Geschwisterchen ist später nicht mehr die Rede, weshalb zu vermuten ist, dass sie bereits im Kindsalter verstarben. Die Schwestern Josephine und Constanze kamen erst später zur Welt.
Trotz der notorischen Mittellosigkeit gelang es Johann Nepomuk von Stubenrauch überraschenderweise, seinen Kindern eine gute Ausbildung zuteil werden zu lassen. Der Sohn Johann Nepomuk wurde sogar aufs Münchner Wilhelmsgymnasium geschickt, wo er 1831 seinen Abschluss machte.30 Er studierte an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität Jura und schloss dieses Studium schließlich mit der Promotion ab.31 Als Dr. iur. machte er Karriere in Bayern und wurde ein wohlhabender Gutsbesitzer. Auch Amalie hat eine Ausbildung genossen, die über das Normalmaß für Mädchen in relativ mittellosen, wenngleich adeligen Familien hinausreichte. Im Damen Conversations-Lexikon von 1837 hieß es: Sie war »von gebildeten Eltern mit den Vorzügen einer sorgfältigen Erziehung ausgestattet.«32 Die Richtigkeit dieses Eintrags beweist nicht zuletzt ihr geschliffener Briefstil. Eine Zukunft auf der Bühne war allerdings nicht im Sinn der Eltern, die ihr zunächst sogar den Besuch von Aufführungen verboten. Doch nachdem Amalie ein Schauspiel im Theater gesehen hatte, suchten sie und ihre gleichaltrige Freundin Elise Seebach fortan die geheimsten Winkel des Hauses auf, um selbst improvisierte Komödien aufzuführen. Die Kunst lag Amalie offenbar im Blut: Bereits der Großvater Johann Baptist Moosmayer war Organist und Hofmusiker in München gewesen.
Schon bald nahmen die beiden Mädchen an einer privaten Gesellschafts-Theateraufführung teil, wo Amalie alle Mitwirkenden mit ihrem Talent überstrahlte. Daraufhin wurden die Eltern von allen Seiten bedrängt, dem Wunsch der Tochter nachzugeben.33 Der anfängliche Unmut der Eltern wird sich bald gelegt haben, denn Amalie finanzierte nach einer gewissen unbezahlten Anfangsphase den Lebensunterhalt der ganzen Familie. Außerdem verlor der Beruf des Schauspielers im Laufe des 19. Jahrhunderts den Hautgout der Komödiantenwelt und des fahrenden Volks vergangener Tage. Es waren nicht wenige Adelige, die sich dem Theater verschrieben, sei es als Schauspieler oder als Autoren. Gleichwohl verzichteten sie anfänglich häufig auf die Führung ihres Adelstitels, wenn sie nicht aus »Familien-Rücksichten« unter einem

Abb. 1: Erster Probeauftritt der Demoiselle Stubenrauch am Königlichen Hoftheater in München, Theaterzettel vom 9. Dezember 1823.
Künstlernamen agierten. So auch Amalie, die zu Beginn ihrer Karriere lediglich als Demoiselle Stubenrauch erschien.
Zusammen mit ihrer Freundin Elise Seebach, die bereits 1822 am Münchner Hoftheater debütierte, zog es sie also mit Macht auf die Bretter, die für so viele die Welt bedeuten. Amalie war nun 18 Jahre alt und bekam ihre Chance bei einem Probeauftritt im »königlichen Hoftheater an der Residenz«, dem heutigen Cuvilliés-Theater. Das Rokokojuwel, ein Werk des Baumeisters François de Cuvilliés, stand bis zur Auslagerung und dem Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg dort, wo heute das Residenztheater erneut eine Bühne für das Schauspiel bietet. Dagegen ist das ehemalige Hof- und Nationaltheater, das im 19. Jahrhundert sowohl dem Schauspiel als auch der Oper und gelegentlich sogar Bällen Raum bot, heute als Bayerisches Nationaltheater in der Regel der Oper vorbehalten.
Ihren »ersten theatralischen Versuch« lieferte sie laut Theaterzettel am 9. Dezember 1823 als »Amalie, Tochter des Grafen von Thurgau, Gouverneur der Provinz und Stadt, bevor sie erobert wurde.«34 Dies war die weibliche Hauptrolle in »Das Taschenbuch«, dem Drama in drei Akten von August von Kotzebue, einem äußerst beliebten Theaterautor und zeitweise Hoftheater-Direktor in Wien. Amalies Auftritt wurde ein voller Erfolg.
»Am Dienstag sahen wir eine Anfängerin, Dlle [Demoiselle] Stubenrauch, einen Versuch in der Rolle der Amalie in Kotzebues ›Taschenbuch‹ wagen. Man kann sagen, daß dieser Versuch glückte, und selbst die Debütantin schien im Voraus des glücklichen Erfolges überzeugt zu seyn.«35
Offensichtlich war die junge Schauspielerin bereits bei ihrem ersten Auftritt äußerst selbstbewusst aufgetreten, denn der Kritiker fuhr fort:
»Es war ein Schein von Sicherheit da, den wir bei ersten Versuchen gern vermissen. Die Erfahrung hat gelehrt, daß man sich mit Schüchternheit und Befangenheit, vorausgesetzt, daß Anlage vorhanden ist, immer mehr versprechen darf.«36
Dennoch bescheinigte er Demoiselle Stubenrauch »einige glückliche Anlagen, die für sie sprechen, eine angenehme Gestalt und schon etwas sichere theatralische Haltung«. Nur ihrem Organ wünschte er »etwas mehr Modulation«.37 Die in Dresden erscheinende »Abend-Zeitung« vermutete, dass die Debütantin bereits »viele Vorübungen erhalten« habe. Im Übrigen wurde auch hier betont, dass Demoiselle Stubenrauch die Rolle »mit ziemlichem Beifall« gegeben habe.38 Und August Lewald, der Zeuge der Theateraufführung war, erzählte noch Jahre später, dass er
»einige junge Mädchen an einem schönen Sonntag im kleinen Hoftheater ihre theatralischen Probeschritte machen [sah]. Für alle drei – so viele, glaube ich, waren es – war gefälliger Beifall von Verwandten und Freunden vorhanden, eine aber nur ist Künstlerin geworden. Die Namen der anderen sind verschollen. Diese Anfängerin, die so viel versprach, was sie redlich gehalten hat, ist Demoiselle Stubenrauch.«39
Nach dem erfolgreichen Debüt erhielt Amalie bereits am 15. Januar 1824 ihre erste richtige Rolle: ein Kammermädchen in »Weltton und Herzensgüte«, einem Familiengemälde in vier Akten von Friedrich Wilhelm Ziegler – seinerzeit ebenfalls ein äußerst beliebter und produktiver Dramatiker und Schauspieler, dessen Werke heute nochmehr in Vergessenheit geraten sind, als jene Kotzebues. Amalies Rolle war zwar klein, aber immerhin spielte sie am königlich bayerischen Hoftheater – wenngleich zunächst noch ohne Gage. Amalie war nun »Accessistin«, was ihr erlaubte, fast alle Aufführungen aus der Freiloge zu verfolgen, um sich durch Beobachtung der arrivierten Künstler zu schulen.
Am 19. April und am 8. August war sie erneut in kleinen Rollen zu sehen. Ihr fünfter Auftritt fand am 14. September 1824 statt, in »Leichtsinn und Heuchelei oder die Lästerschule«, einem Lustspiel von Franz August von Kurländer nach der 1777 erstmals in London aufgeführten »School for Scandals« von Richard Brinsley Sheridan. Und diese Rolle brachte ihr auch in den Medien eine erste ausführliche Würdigung ein:
»Noch einer seltenen, aber sehr freundlichen Erscheinung dieses Abends müßen wir erwähnen: Dem[oiselle] Stubenrauch trat in der kleinen, bescheidenen Rolle der Amalie Wend auf. Dem. Stubenrauch stellt eine herrliche, liebreizende, ganz für die Bühne geeignete Gestalt dar; ihr Organ ist weich und volltönig zugleich; wir sind überzeugt, es schlummert in ihr ein nicht gewöhnliches Talent, welches sich einst, nach gänzlicher Überwindung der gewöhnlichen Schwierigkeiten, glänzend offenbaren dürfte. Man wünscht Dem. Stubenrauch Gelegenheit, sich einmal in einer größeren Parthie zeigen zu können.«40
Knapp ein Jahr nach ihrem Debüt und einiger weiterer kleinen Rollen hatte Amalie ihren ersten ›großen Auftritt‹. Am 11. November 1824 glänzte sie als »Toni« im gleichnamigen Drama von Theodor Körner – einem Stück, das allgemein auf geteilte Begeisterung stieß. Nur die Rolle der Toni selbst konnte vor den gestrengen Augen des Kritikers bestehen, der das Stück zu »Körners schwächsten Geistesprodukten« zählte: »Heute Abends war es Demoiselle Stubenrauch, welche, eine freundliche Erscheinung, als Toni vor uns auftrat.« Nachdem er von einer vielversprechenden Bühnenhoffnung sprach, kam der Kritiker auf Amalies Erscheinung und ihr Talent zu sprechen:
»Die frische, üppig blühende Jugendgestalt der D. Stubenrauch gehört unter diejenigen, welche, wie für die Bühne eignend geschaffen, sich darstellen; ihr reines angenehmes Organ wird durch eine höchst deutliche Aussprache, welche keine Sylbe dem Hörer entgehen läßt, ungemein unterstützt, die Deklamation der jungen Künstlerin ist durchgehends rein und richtig; ihr Spiel führt sie mit gemessener Gleichheit vom Anfang bis zum Ende durch.«41
Und weiter schwärmt er: »In mehreren Momenten bewährte D. Stubenrauch übrigens auf die überzeugendste und genügendste Weise ihren recht eigentlichen Beruf zur Kunst«, und er schloss nach weiteren Elogen, »daß allgemeiner und rauschender Beifall, mit Recht, ihr Spiel belohnte.«42
Insgesamt zehnmal stand die junge Schauspielerin im Jahr 1824 auf der Münchner Hofbühne. Sie war jetzt 18 beziehungsweise 19 Jahre alt und zählte unter den Schauspiel-Eleven zu den am meistversprechenden. Noch spielte sie ›nur‹ auf der Bühne des Cuvilliés-Theater.
Endlich am königlichen Hoftheater zu München
Nachdem Bayern 1806 zum Königtum aufgestiegen war, bedurfte es eines adäquaten Theaters. Zwar waren bereits vor der Jahrhundertwende Pläne für eine Neugestaltung der Münchner Theaterlandschaft gemacht, das alte baufällige Opernhaus am Salvatorplatz 1799 geschlossen und 1802 abgebrochen worden, doch erst in königlichen Tagen wurden diese konkreter. Als Standort für ein neues, großes Hoftheater empfahl sich der Platz des damals säkularisierten Franziskanerklosters unmittelbar neben dem Cuvilliés-Theater und der Residenz. Diverse Entwürfe wurden eingereicht, wobei die Entscheidung auf das Konzept Carl von Fischers fiel. Grundsteinlegung war am 12. Oktober 1811 – dem Namenstag König Maximilians I; die Eröffnung fand exakt sieben Jahre später statt. Die Freude war von kurzer Dauer, denn bereits zu Beginn des Jahres 1823 brannte das Gebäude aus.
Sofort wurde mit dem Wiederaufbau begonnen. Der beauftragte Architekt hieß nun Leo von Klenze. Er sollte sich strikt an die Pläne des inzwischen verstorbenen Carl von Fischer halten. Knapp zwei Jahre dauerten die Arbeiten. Am 2. Januar 1825 war es erneut soweit: Das neue Hoftheater konnte mit einem ganzen Eröffnungs-Zyklus feierlich dem Publikum übergeben werden – schöner und prächtiger als je zuvor. Dicht gedrängt waren Parkett, Galerie und Ränge bei der ersten Vorstellung. In der Mittelloge nahm der königliche Hof Platz, angeführt von König Maximilian und seiner Frau Karoline sowie den Prinzessinnen. Ferdinand Eßlair, ein Star am Münchner Bühnenhimmel, sprach den Prolog, Musik ertönte nach einer Komposition des Intendanten Freiherrn von Poißl. Es folgte das Ballett »Aschenbrödel« von Friedrich Horschelt. Der Andrang des Publikums war so überwältigend groß, dass diese Eröffnungsveranstaltung am Abend darauf wiederholt wurde.
Am 6. Januar kam es zur ersten richtigen Theateraufführung: Man hatte Schillers personenintensiven »Wilhelm Tell« gewählt, womit sich die Münchner Bühne durchaus als modern erwies.43 Alle Schauspieler mit Rang und Namen, etwa Ludwig Hölken, Heinrich Moritz, Wilhelm Urban und natürlich die absoluten Stars Wilhelm Vespermann als Reichsvogt Hermann von Geßler und Ferdinand Eßlair in einer seiner Glanzrollen, dem Wilhelm Tell, waren dabei. Die Riege der wenigen weiblichen Rollen führte Adelheid Fries an. Ganz besonderes Lampenfieber aber werden die beiden Elevinnen gehabt haben: Elise Seebach und Amalie Stubenrauch. Die beiden spielten Bäuerinnen: Fräulein Seebach die Mechthild und Fräulein Stubenrauch die Elsbeth. Bei diesem einmaligen Ereignis als Teil der herausragenden Besetzung der Münchner Bühne dabeizusein – das muss für die beiden von überwältigender Bedeutung gewesen sein. Wegen des großen Erfolges wurde auch diese Aufführung vier Tage später noch einmal wiederholt und erneut nach Abschluss des Eröffnungs-Zyklus am 8. Februar, jeweils wiederum mit den beiden jungen »Bäuerinnen«.44
Von nun an agierte Amalie nicht mehr auf der Bühne des kleineren Cuvilliés-Theaters, sondern auf der großen des königlichen Hoftheaters. Immerhin fasst das Haus weit über 2 000 Zuschauer. Seiner Zeit galt es als eines der größten Theater Europas. Man spielte mindestens vier Mal in der Woche, jeweils am Sonntag, Dienstag, Mittwoch und Donnerstag, manchmal auch am Montag. Beginn der Vorstellung war in der Regel um 18 Uhr.
Für Amalie ging es von nun an stetig ›bergauf‹. Es folgten weitere Nebenrollen wie die Sophie im »Schiffbruch«; sie trat auf als Madame Friedberg in »Die beiden Klingsberge«, als Elise in der »Urika«, als Josephine in der Posse »Der Lügner und sein Sohn«, als Julie in den »Drillingen«, als Elise im »Geizigen« von Heinrich Zschokke nach Moliere, als Lyra in den »Steckenpferden« von Pius Alexander Wolff, als Pauline von Fransdorf in »Flattersinn und Liebe«, als Jesika im »Kaufmann von Venedig«, als Oskar im Trauerspiel »König Yngurd« und in einigen anderen Stücken. Die Theaterkritiker wurden zunehmend auf sie aufmerksam.
»Nicht ohne bedenkliche Miene lasen wir, daß die schwierige Rolle des Oskar in König Yngurd diesmal von einem Frauenzimmer, und zwar von einer erst kurze Zeit in Thaliens Tempel wandelnden Priesterin, Dlle Stubenrauch, dargestellt werde. Allein der Erfolg rechtfertigte das Unternehmen und übertraf jede billige Erwartung.«45
Doch – wie der Rezensent in den »Grazien« bemerkte – »keine vollendete Meisterin fällt vom Himmel, und jene beginnende, selbst die talentvollste junge Künstlerin, welche nicht ein oder andere Blößen offenbarte, soll noch geboren werden!« Wobei er zwischen alter und neuer Auffassung theatralischen Auftretens differenzierte: »Es gehört unter die großen Unarten einer älteren Schule, daß Schauspieler und Schauspielerinnen, vorzüglich bey affektvollen Stellen, nach jedem, selbst den kleinsten Satze seufzend und stöhnend gleichsam nach Luft schnappten.« Er hoffte, dass die vielversprechende junge Künstlerin diese Unart nicht übernehme. Noch hatte sie einiges zu lernen, doch der Theaterkritiker war der festen Überzeugung: »Häufige Übung und Beschäftigung würden diese fleißige Jüngerin Thalien’s auf der Kunstbahn bedeutsame und rasche Fortschritte machen lassen.«46
Auftakt einer großen Karriere
Im Jahr 1825 war sie bereits 26 Mal aufgetreten (nach elf Auftritten in den beiden Vorjahren), und dennoch bedauerten »Die Grazien«, dass Demoiselle Stubenrauch so selten zu sehen sei. Und noch immer war sie kein festes Ensemble-Mitglied. Am 28. September 1825 kam es zur Münchner Erstaufführung von »Preciosa«, einem romantischen Schauspiel in vier Akten von Pius Alexander Wolff mit Gesang und Tanz nach der Musik von Carl Maria von Weber, das ungeahnte Popularität erlangen sollte. Amalie von Stubenrauch spielte die Zigeunerin Preciosa – ihre erste bedeutende Hauptrolle. Der Kritiker einer Besprechung in der Zeitschrift »Eos« war voll des Lobes. Noch wichtiger war jedoch, dass Amalie unter den Blicken des bayerischen Königpaares und hochgeborener Gäste ihr Können unter Beweis stellen konnte. König Maximilian I. und seine Frau Karoline waren erst am 27. September zusammen mit Karolines Schwester, Königin Friederike von Schweden, aus der Sommerfrische am Tegernsee zurückgekehrt. Die Begeisterung über die Preciosa alias Demoiselle Stubenrauch war einhellig.
Bisher war Amalie vor allem von der in München hochgefeierten Tragödin Anna Altmutter ausgebildet worden, die aus gesundheitlichen Gründen 1821 von der Bühne abgetreten war. Diese war der ›alten Schule‹ verpflichtet, in der man vor allem deklamierte. Daher sollte die junge Künstlerin auch eine moderne Lehrerin erhalten. Diese fand sie in Adelheid Fries, obwohl auch sie noch in der alten Tradition verhaftet war. Die Schauspielerin aus der Musiker- und Schauspieler-Familie Spitzeder, verheiratet mit dem Sänger und Schauspieler Christoph Fries, war 1820 am Münchner Hoftheater engagiert stand. Sie galt als eine Schauspielerin, »die durch ihre schönen, wenn auch etwas allzu berechneten Leistungen, Jahre hindurch sich in der Gunst des Publikums erhielt.«47 Sie wurde als einer der Stars am Münchner Bühnenhimmel gefeiert, würdig an der Seite Eßlairs und der übrigen ersten Bühnenkünstler zu bestehen. Auch sie vertrat eine etwas pathetische Rollenauffassung, die allerdings vom Münchner Publikum sehr geschätzt wurde.48 Bei der Aufführung der »Preciosa« erhielt Madame Fries die Rolle der Donna Clara. Bei dieser Gelegenheit scheint sie erstmals Amalie bei der Einstudierung der Rolle unterstützt zu haben. Auch Wilhelm Urban, einer der männlichen Stars in der damaligen Münchner Theaterszene hatte – wie es allgemein hieß – die Gefälligkeit, ihr Ratschläge zu erteilen.
Nachdem sich die Theaterdirektion hinreichend von Amalies Können überzeugt hatte, vertraute sie ihr die Rolle der Preciosa an. Das 1820 uraufgeführte Schauspiel war im Mai 1822 erstmals auf der Münchner Bühne gegeben worden, gespielt von gefeierten Künstlerinnen wie Amalie Neumann oder Margarethe Carl, die nun gerade abwesend war.49 Amalie nach solchen Vorgängerinnen in dieser schwierigen Rolle vor einem hochrangigen Publikum auftreten zu lassen, stellte für die Theaterdirektion durchaus ein Wagnis dar. Das Risiko machte sich jedoch bezahlt: Mademoiselle Stubenrauch hatte »mit allen Ehren« bestanden, und die Direktion konnte
»von nun an ohne Furcht dieser überaus fleißigen und geschickten Schauspielerin, welche die Schule der Mad. Fries fortwährend zu benutzen nicht unterlassen wird, Rollen wie die Jungfrau von Orleans, Thekla, Bertha u. s. w. zutheilen.«50
Von der Intendanz des Hoftheaters wurde der jungen Schauspielerin, die bis dahin unentgeltlich aufgetreten war, unmittelbar nach diesem Auftritt eine Remuneration von 25 Gulden aus dem Fonds des Instituts der Kunst-Eleven angewiesen.51 Es lässt sich leicht ausmalen, wie glücklich die junge Schauspielerin war. Nichts schien dem Beginn einer großen Karriere im Wege zu stehen. Für den 13. Oktober wurde bereits Kotzebues Lustspiel »Zwei Nichten für Eine« einstudiert, in der sie die Rolle der Leopoldine übernehmen sollte. Doch dann kam alles ganz anders.
Am Abend des 12. Oktober 1825 wurde aus Anlass des Namenstags von König Maximilian I. die Festoper »Aline, Königin von Golkonda« gegeben. Seine Majestät wohnte der Oper einen ganzen Akt lang bei, nachdem er zuvor mit der königlichen Familie bei einem prächtigen Empfang des russischen Gesandten, Graf Woronzow, zu Gast gewesen war. Ungewöhnlich früh zog sich Maximilian zurück nach Nymphenburg und legte sich ins Bett. Seinen Kammerdiener soll er noch angewiesen haben; »um halb sechs Uhr will ich morgen geweckt sein«.52 Doch am Morgen des 13. Oktobers 1825 fand ihn sein Kammerdiener tot in seinem Bett auf. König Maximilian I. war an einem Schlaganfall gestorben. An eine Theateraufführung am selben Abend war nicht mehr zu denken. Auch in den nächsten Tagen blieben die Theatertore verschlossen. Nun beherrschten die Berichte der Trauerfeierlichkeiten, Nachrufe, Würdigungen und Zukunftsfragen die Zeitungen. Maximilians Sohn Ludwig wurde der nächste König. Eilends reiste er aus der kronprinzlichen Residenz in Würzburg beziehungsweise aus dem Bad in Brückenau nach München.
Bis Ende November herrschte Theatersperre. Am 1. Dezember öffnete das Hoftheater wieder – allerdings mit einer Oper. Die zweite Aufführung folgte zwei Tage später. Und dieses Mal war es ein Schauspiel. Zum ersten Mal wurde in München »Das diamantene Kreuz« gegeben, ein Lustspiel in zwei Akten von Johann Ludwig von Deinhardstein. Die Rolle der Therese von Eichdorf übertrug man Amalie von Stubenrauch. Das heißt, sie durfte nach der theaterlosen Trauerzeit an ihre Erfolge aus der Zeit davor anknüpfen, zudem stand sie eine knappe Woche später wiederum als Preciosa auf der Bühne. Wie sie die Zeit der Theatersperre überbrückt hat, ist nicht bekannt. Während etwa die gefeierte Münchner Opernsängerin Nanette Schechner von der Stuttgarter Hoftheaterdirektion eine sehr schmeichelhafte und vor allem hoch dotierte Einladung zu Gastrollen erhalten hatte, war Demoiselle Stubenrauch damals noch zu unbekannt, um mit einem Kurzzeit-Gastengagement rechnen zu dürfen.53 Dies mag der Grund dafür gewesen sein, dass ihr noch im Oktober 1825 eine Gratifikation von 1 000 Gulden angewiesen wurde54 – eine beachtliche Summe, bedenkt man, dass ihr Vater zur selben Zeit einen Gulden und 24 Kreuzer am Tag erhielt, also nur gut 500 Gulden im Jahr.
Nach der Therese von Eichdorf und der Preciosa folgten im Dezember 1825 noch Auftritte in »Der Schiffbruch oder Die Erben«, ein Stück, das überraschend anstelle von Kotzebues »Sorgen ohne Not« gegeben wurde, und in »Donna Diana oder Stolz und Liebe«. Besprechungen der Aufführungen sind keine bekannt; sie sind dem immer noch beherrschenden Thema »König Maximilian« und zunehmend auch den Veränderungen durch den neuen König Ludwig I. zum Opfer gefallen.
Bis in die geringsten Angelegenheiten reichte die Aufmerksamkeit des neuen Königs; kaum eine Entscheidung, die ohne seine Genehmigung getroffen werden konnte, kaum eine Veränderung, die er nicht kommentierte. Im Bereich des Theaters etwa war der Vorstellungsbeginn unter seiner Regierung jeweils auf 18.30 Uhr festgesetzt, nicht mehr wie bisher auf 18 Uhr, was in der ersten Zeit extra groß auf den Anschlagzetteln vermerkt wurde. Und die Gewährung von Urlaubsgesuchen machte er gewissermaßen zur ›Chefsache‹. Bisher waren sie im Kompetenzbereich des Intendanten gelegen, nun musste dieser die Anfragen zur Genehmigung an den König weiterleiten.55 Darüberhinaus bevorzugte der neue König Ballett, Pantomime und Oper. Ein angeborenes schlechtes Gehör machte es ihm zunehmend schwer, einem Schauspiel adäquat zu folgen. Da war etwa die am 12. April 1826 erstmals gegeben Posse »Die Benefice-Vorstellung« von Theodor Hell ganz nach seinem Geschmack – ein Schauspiel, in dem Amalie die Palmira spielte und bei dem der König »recht oft und herzlich« lachte.56
Die Veränderungen taten der Karriere der jungen Schauspielerin Amalie von Stubenrauch jedoch keinen Abbruch: Zum 1. Januar 1826 erfolgte ihr erstes wirkliches Engagement mit einem Gehalt von 400 Gulden, das zum 26. Oktober desselben Jahres auf 700 Gulden erhöht wurde.57 Zusammen mit ihrer Freundin Elise Seebach, die wie Amalie bisher als »Accessistin«, als Anwärterin auf ein festes Engagement, tätig gewesen war, wurde sie nun fest in den Verband der Hofbühne aufgenommen.58 Obwohl diese Berufungen in die ersten Monate von König Ludwigs Regierung fallen, ist dies kein Hinweis auf eine Protektion durch den Monarchen, sondern die konsequente Fortführung der bereits unter König Maximilian durch den Intendanten von Poißl eingeleiteten Entwicklung.
Im ersten Jahr ihres festen Engagements in München hatte Amalie nun ganze 50 Auftritte in 29 verschiedenen Theaterstücken. Es war üblich, jeden Abend ein anderes Stück zu geben, dazwischen Opern, hin und wieder Konzerte und in der Faschingszeit zudem Bälle. Manchmal dauerte es mehr als ein Jahr, bis ein und dasselbe Stück wiederholt wurde. En suite wurde kein einziges Stück gespielt; das Publikum war ja im Großen und Ganzen stets dasselbe. Häufig mussten die Schauspieler innerhalb weniger Tage in den verschiedensten Dramen und Lustspielen auf der Bühne agieren. Wenn eine Kollegin erkrankte und überraschend ein anderes Stück auf das Programm gesetzt wurde, kam es sogar vor, dass Amalie ganz kurzfristig eine ihr bis dahin gänzlich neue Rolle einstudieren musste. Ungeachtet dessen blieben die Kritiken ausgezeichnet. So war etwa nach der Aufführung von Grillparzers Trauerspiel »Die Ahnfrau« in der Zeitung zu lesen:
»Bei der am Sonntage stattgehabten Aufführung der Ahnfrau zeigte sich uns Dlle Stubenrauch zum Erstenmale in der Rolle der Bertha. Sie gab sowohl die Scene, wo sie zur Gewißheit gelangt, daß Jaromir ein Räuber ist, als auch hauptsächlich jene, wo sie von Schmerz und Verzweiflung auf das Äußerste gebracht, in Wahnsinn verfällt, mit erschütternder Wahrheit und ärndtete die rauschendsten Beifallsbezeugungen ein, eine Ehre, die um so glänzender für das Talent und die Geschicklichkeit dieser jungen Schauspielerin sprechen muß, als wir früher die Rolle der Bertha von einer Künstlerin wie Mad. Karl im höchsten Grade meisterhaft darstellen sahen.«59
Langsam wurde man auch außerhalb Münchens auf die vielversprechende junge Schauspielerin aufmerksam. Nach Wien meldete der Korrespondent aus München über ihren Auftritt in Schillers »Jungfrau von Orleans«: »Die Jungfrau von Orleans gab unsrer talentbegabten Dlle [Demoiselle] Stubenrauch Gelegenheit, ihren Beruf zur höhern Tragödie zu bewähren.«60 Sie war nun aufgestiegen: von der Louison, einer Rolle, die Amalie dreimal im Jahr 1825 verkörpert hatte, zur Titelheldin Johanna, was in München nicht unbeachtet blieb und einen riesigen Publikumsandrang verursachte. Frenetischer Applaus und einstimmige Herausrufe am Schluss der Vorstellung waren der Lohn für die »neue Johanna«, die München erhalten hatte.61 Und es dauerte nicht lange, bis die »Jungfrau« zu einer ihrer Starrollen wurde, allseits bejubelt62, besungen und gerne gesehen.
Ein verlockendes Angebot
Erste Anfragen aus dem Ausland, sprich aus Württemberg trafen ein. Wie in München war man in dem jungen Königreich Württemberg dabei, das Theater einer königlichen Haupt- und Residenzstadt würdig zu gestalten. Aus diesem Grund hatte man dort zwar keinen prächtigen Neubau errichtet, doch 1811 das ehemalige Neue Lusthaus zum »königlichen Hoftheater« umgebaut. Und nun suchte man dafür nach königlichen Kräften.
Bereits 1815 hatte man den berühmten Helden Ferdinand Eßlair engagiert, nachdem er in Gastspielen in Stuttgart aufgetreten war. Vorher war er unter anderem auf der Bühne in Nürnberg gestanden, von wo aus sich sein Ruhm verbreitet hatte. Auch Johann Wolfgang von Goethe war auf ihn aufmerksam geworden und schickte den Regisseur am Weimarer Hoftheater Anton Genast los, um den großen Künstler für Weimar zu gewinnen. Genast war von der Darstellungskraft Eßlairs begeistert und schrieb an Goethe, er sei noch viel bedeutender als sein Ruf, doch leider »reichlich sechs Fuß rheinisch groß« (etwa 1,90 Meter). Umgehend schrieb Goethe zurück: »Sehen sie sich anders um; ich kann keinen Liebhaber brauchen, dessen Geliebte ihm nur bis an den Nabel reicht.«63 Trotz der für seine Zeit riesigen Größe machte Eßlair Karriere, allerding in Stuttgart nur sehr zaghaft.
Hier stand es mit dem Theaterbetrieb nämlich noch nicht zum Besten. Ein Eßlair allein machte noch keinen florierenden Theaterbetrieb. Trotz seines Engagements wollte der Ruf der Stuttgarter Hofbühne nicht so recht nach außen dringen. Und auch das Stuttgarter Publikum war keine große Hilfe. Ein Star wie Eßlair, der als Gast das Haus stets gefüllt hatte, musste bei festem Engagement nicht selten vor leeren Reihen spielen. Ein biederer Schwab auf das Phänomen angesprochen soll die naive Bemerkung gemacht haben: »Ja, wisset Se, mer meine halt, es muß nix Rechts mit em sei, sonst hätt er sich bei uns net anstelle lasse.«64 Nach sechs Jahren verließ Eßlair Stuttgart in Richtung München, wo er fortan große Erfolge als Schauspieler und Regisseur feierte. Und neben dieser Koryphäe stand Amalie in München schon auf der Bühne.
In Stuttgart fehlten jedoch (noch) gute Schauspieler. Am 30. Oktober 1816 war König Friedrich von Württemberg gestorben und der Theaterbetrieb hatte für mehr als zwei Monate geruht. Sein Sohn und Nachfolger König Wilhelm I. hatte die Hofbühne erst wieder am 6. Januar 1817 eröffnen lassen; einen Monat später, am 7. Februar stattete er dem Theater den ersten königlichen Besuch ab. Die Theaterliebhaber waren zunächst nicht ohne Sorge um die Zukunft der Institution, da sie den eher praktischen Sinn des neuen Fürsten und seine Sparsamkeit kannten. Auch machte sich seine damalige Frau, Königin Katharina, nichts aus Theaterbesuchen. Doch die Sorgen sollten sich als unbegründet erweisen. Zwar hatte König Wilhelm I. zunächst vor allem auf Ballett gesetzt, vielleicht seinen eigenen Interessen und Neigungen folgend – immerhin wurde ihm eine Schwäche für Tänzerinnen nachgesagt –, doch bald sollte auch die Oper und vor allem das Schauspiel aufgewertet werden. Trotz der Einfachheit seiner Hofhaltung »ließ er die Kunst nicht notleiden, am wenigsten die Bühnenkunst«, wie in der Geschichte des Stuttgarter Hoftheaters nachzulesen ist. Er schenkte dem Theater große Aufmerksamkeit und besuchte es fleißig.65 Hofrat Friedrich von Lehr übernahm am 10. Juli 1825 als Intendant mit dem Titel eines Direktors die alleinige Leitung.
Nach dem Abgang Eßlairs waren die Leistungen des Schauspiels gesunken, sodass das Personal nicht für eine befriedigende Wiedergabe großer Klassiker reichte. Friedrich von Lehr gelang es jedoch allmählich, die Lücken in den Besetzungen zu schließen. Zunächst gab es eine Fülle von Gastvorstellungen. Die Damen und Herren der darstellenden Kunst mussten sich bewähren, bevor sie fest engagiert wurden. 1819 konnte Wilhelm Maurer, ein Schüler und Patenkind Ifflands, vom Berliner Hoftheater abgeworben werden, womit das Heldenfach erstklassig besetzt war: »eine imposante Erscheinung, ein schönes Organ, feuriges Temperament und aristokratisches Auftreten«.66 Ab 1829 übernahm das eigentliche Heldenfach dann Ludwig Wallbach vom Hamburger Stadttheater. 1826 war mit August Dobritz ein Vertreter der guten Laune, ein geborener Bonvivant und Geck hinzugekommen, der nur hin und wieder in Misskredit geriet, weil er gar zu gern Stuttgarter Persönlichkeiten auf der Bühne nachahmte, weshalb er 1840 schließlich auch seinen Hut nehmen musste. Weitere bedeutende Schauspieler wurden nach und nach engagiert.
Für die weiblichen Rollen stand dem Intendanten zwar eine ganze Riege von Damen zur Verfügung, die vielfach aus dem dem Stuttgarter Waisenhaus angegliederten Musikinstitut rekrutiert wurden, doch mit Auguste Brede nur eine einzige große Künstlerin, die jedoch am 1. Januar 1826 die Stuttgarter Bühne verließ. Niemand aus dem vorhandenen Personal konnte sie ersetzten. Niemand bis auf Amalie von Stubenrauch. Der Intendant hatte sich auf die Suche nach einer passenden Nachfolgerin gemacht, als er im Sommer 1826 die junge Schauspielerin in München bewundernd beobachten konnte und ihr mündlich Angebote unterbreitete. Bei diesen Angeboten dürfte es sich wohl um Gastauftritte gehandelt haben. Jedenfalls machte das Gerücht die Runde:
»Wir wissen nicht, ob sich Dlle Stubenrauch nach Stuttgart begeben wird, wünschen aber, daß sie ihr Vaterland nicht für immer oder für längere Zeit verlassen möge, das ihr wohl gleichen Ruhm und gleiche Belohnung als das Ausland bieten kann.«67
Laut Zeitungsnotiz erwartete man in Stuttgart bereits im August »das wunderschöne Fräulein Stubenrauch von München«.68 Doch so schnell ging es nicht. Erst Ende des Jahres 1826 begann eine Korrespondenz zwischen dem Stuttgarter Theaterintendanten und Amalie von Stubenrauch, die sich zum einen Teil im Staatsarchiv Ludwigsburg und zum anderen im Bayerischen Hauptstaatsarchiv München erhalten hat.69
»Es sind nun mehrere Monate verflossen«, schrieb Amalie am 21. Dezember 1826 an Intendant von Lehr, »seit Sie mir die Ehre erzeigten, mich zu Gastvorstellungen auf der Stuttgarder Hofbühne einzuladen. Zu meinem großen Bedauern waren aber meine Verhältnisse zu der Kunstanstalt, welcher ich diene, von der Art, daß ich mir das Vergnügen versagen mußte, Ihrem Wunsche zu entsprechen. Um so lebhafter ergreife ich demnach jetzt, wo ich mir schmeicheln darf, von meinem Vorstande einen Reise-Urlaub auf einige Wochen zu erhalten, die Gelegenheit, Ihnen meine Dienste für drey bis vier Vorstellungen im kommenden Februar in der Voraussetzung anzubieten, daß Euer Hochwohlgeboren gütige Gesinnungen hinsichtlich meiner noch dieselben sind, wie ich das Glück hatte, sie bey Ihrem letzten Aufenthalte in München aus Ihrem eigenen Munde zu vernehmen.«70
Die Antwort erfolgte prompt. Die »gütige Gesinnung« hatte sich nicht geändert. Am 31. Dezember bot ihr Intendant von Lehr drei Gastrollen zur in Stuttgart damals üblichen Gage von sechs Louis d’Or pro Rolle an. Amalie zeigte sich in einem weiteren Brief vom 13. Januar 1827 zwar hocherfreut, doch verhandelte sie nach: sechs Louis d’Or seien doch sehr wenig, wenn man bedenkt, wie hoch die Reise- und Aufenthaltskosten wären. Aus diesem Grund bat sie um Erhöhung der Gage um weitere zwei Louis d’Or. Entgegen der herkömmlichen Norm entsprach von Lehr ihrem Ansinnen. Auch ihren Wunsch, erst ab Ende Februar aufzutreten, gewährte er. Das ungewöhnliche Entgegenkommen zeigt, dass er wirklich darauf erpicht war, sie nach Stuttgart zu holen; er zählte »mit Gewissheit auf das Vergnügen«, sie in der württembergischen Haupt- und Residenzstadt zu sehen. Sie hatte sich offenbar bereits ›international‹ einen Namen gemacht.
Am Faschingssonntag hatte sie noch im Lustspiel »Das Naturmädchen«, das zum ersten Mal in München nach einem Manuskript des beliebten Münchner Schriftstellers Friedrich Wilhelm Bruckbräu gegeben wurde, auf der Bühne gestanden. Am Aschermittwoch, dem 28. Februar 1827, brach sie von München mit Ziel Stuttgart auf. Es war ein eisig kalter Wintertag. Später sollte sie noch mehrmals erzählen, mit welch gemischten Gefühlen sie die Reise angetreten hatte. Als sie das Stuttgarter Königstor, das Prunktor am Beginn der Königsstraße, passierte, vergoss sie sogar »bittere Tränen«.71 In »dumpfer Beklemmung« fragte sie sich, was ihr in der fremden Stadt wohl bevorstehe. Auf der einen Seite war ihr ein großartiger Ruf vorausgeeilt. Ein Gasttenor aus München hatte sie im Kollegenkreis entsprechend angekündigt: »Nach mir kommt eine Schauspielerin aus München, so was Schönes habt ihr nie gesehen!«72 Auf der anderen Seite: Wie würde sie das Publikum aufnehmen? Sie konnte nicht ahnen, wie die württembergische Haupt- und Residenzstadt dereinst ihr Schicksal bestimmen sollte. In München hatte man bereits gewisse Vorahnungen: »Mamsell Stubenrauch, unsere Präziosa, ist nach Stuttgart abgereist, wo sie Gastrollen gibt. Wir wollen nicht hoffen, daß man diesen Gast dort behalten werde.«73
Am 2. März 1827 zeigte Amalie dem Theaterdirektor ihre Ankunft in Stuttgart an. Vom 7. bis zum 17. März gab sie nun vier Gastspiele auf dem Königlichen Hoftheater in Stuttgart: Die Jungfrau von Orleans, dann zum ersten Mal die Elsbeth in dem seinerzeit äußerst beliebten romantischen Ritterlustspiel »Die drei Wahrzeichen oder das Turnier von Kronstein« von Franz von Holbein, die Berta in Grillparzers Trauerspiel »Die Ahnfrau« sowie die Zigeunerin Preciosa, eine ihrer Glanzrollen. Dafür wurde der königlich bayerischen Hofschauspielerin Amalie Stubenrauch insgesamt 32 Louis d’Or oder etwas über 350 Gulden Honorar ausbezahlt. Das war für ihre Zeit sehr stattlich, wenn man bedenkt, dass noch um die Jahrhundertmitte bayerische Beamte in gehobenen Stellungen nur rund 1 000 bis 2 000 Gulden im Jahr erhielten.
Am 25. März war Amalie wieder zurück in München und spielte nun auch hier zum ersten Mal die Elsbeth im »Turnier zu Kronstein«. Die Reise nach Stuttgart war ein voller Erfolg gewesen. Als Jungfrau von Orleans etwa erhielt sie nach jeder bedeutenden Stelle tosenden Applaus, und natürlich wurde sie am Schluss einstimmig gerufen. Zum Abschluss ihres Gastspiel-Zyklus überreichte man ihr nicht nur auf einem vermutlich silbernen Tablett einen Lorbeerkranz, sondern brachte ihr auch eine »solenne Nachtmusik« als Zeichen von Anerkennung und Bewunderung.74
Es war ein probates Mittel, einen Schauspieler, eine Sängerin zu Gastrollen einzuladen, um sie gewissermaßen zu begutachten und zu sehen, wie sie beim heimischen Publikum ankommen. Amalie von Stubenrauch scheint diese Prüfung mit Bravour bestanden zu haben. Friedrich von Lehr bot ihr ein festes Engagement mit lukrativem Gehalt an, worüber Amalie allerdings erst mit dem Münchner Hoftheaterintendanten von Poißl verhandeln musste. Und auch in der bayerischen Haupt- und Residenzstadt wollte man sie nicht verlieren, weswegen von Poißl sofort an König Ludwig I. meldete, dass Fräulein von Stubenrauch ein Engagement für die Stuttgarter Hofbühne angetragen worden sei, »dessen Bedingungen vollkommen geeignet sind, das betreffende Individuum zu blenden, und demselben einen Entschluß abzulocken, welchen nur durch schleunige Begegnung eine andere Richtung gegeben werden kann.«75 Poißl erklärte dem König auch, warum er sie in München halten wollte. Amalie habe sich einen Ruf erarbeitet, der überall mit einem Gehalt von 1 800 bis 2 000 Gulden und darüber besoldet würde. Außerdem würde durch diesen »schwer zu ersetzenden Verlust einer so viel und bedeutend beschäftigten Schauspielerin« eine Lücke entstehen, die auf Kosten des übrigen Personals ginge. Um Amalie von Stubenrauch zu halten, handelte Poißl mit ihr Bedingungen aus, die ihr weiteres Verbleiben in München sichern sollten. Den Kontrakt-Entwurf legte er dem König zur Genehmigung vor. Bereits nach wenigen Tagen, am 26. April, wurde dieser von ihm genehmigt, indem er eigenhändig »Nach Antrag« schwungvoll seine Unterschrift daruntersetzte.
Inzwischen machten entsprechende Gerüchte in München die Runde. Man hatte gehört, dass Angebote aus Stuttgart vorlägen, ein Wechsel sich jedoch zerschlagen habe, dass der ihr »verschwenderisch gestreute Weihrauch« sie zu hohe Forderungen habe stellen lassen.76 Auch wenn die Gerüchte sogar von namhaften Theaterleuten wie dem Schriftsteller Michael Beer genährt wurden – sie waren dennoch falsch.77
»Eine Unrichtigkeit ist die Behauptung, daß Dlle Stubenrauch ihre Forderungen gar zu hoch spannte, und so die Hoffnung, sie für die Stuttgarter Bühne zu gewinnen, in Rauch aufging. Leider ist diese Hoffnung für die Stuttgarter Bühne nicht in Rauch aufgegangen, sondern Dlle Stubenrauch hat wirklich eine an Kontraktes Statt geltende Zuschrift der dortigen Intendanz erhalten, worin alle ihre gestellten Forderungen bewilligt sind, und es steht jetzt zu erwarten, ob Dlle Stubenrauch Anhänglichkeit genug an ihre vaterländische Kunstanstalt habe, um so glänzende Anerbietungen abzulehnen und fortan der hiesigen Anstalt, die ihrer höchst nöthig bedarf, anzugehören.«78
Noch bekannte sich Amalie zu München. Der am 28. April 1827 von Johann Nepomuk von Poißl und »Amalie Walburga Stubenrauch« unterschriebene Kontrakt liegt bis heute in der Personalakte »Amalie Stubenrauch« im Bayerischen Hauptstaatsarchiv. Demnach sollte sie weiterhin königlich bayerische Hofschauspielerin bleiben und das Fach der jugendlichen Heldin besetzen, solange es das Alter erlaubt. Dafür sollte sie zunächst 1 400 Gulden im Jahr erhalten.
Schweren Herzens musste Amalie die Entwicklung nach Stuttgart melden. Sie war mit der königlich bayerischen Hoftheater-Intendanz über ihre Gage ins Reine gekommen, womit zunächst ein Engagement am königlichen Hoftheater zu Stuttgart, »so glänzend mir auch der Antrag gemacht wurde und von meinen Wünschen zuvorgekommen ist«, ausgeschlossen war. Wesentlich hinderlicher als die Erhöhung der Gage war die Tatsache, dass der Kontrakt jeweils auf ein Jahr beschränkt war und von beiden Seiten jeweils nur ein Jahr im Voraus gekündigt werden könne. Ferner wurde ihr jährlich ein Urlaub von zwei Monaten zugesichert. Das Gehalt sollte innerhalb von fünf Jahren sukzessive auf 2 000 Gulden erhöht werden, und nach zehn Jahren winkte eine Anstellung auf Lebenszeit verbunden mit dem Recht, wie jeder andere Hof- und Staatsbedienstete auch eine Pension zu empfangen. Darüber hinaus hielt sie es für ihre Pflicht, ihre finanziell in Schwierigkeiten befindliche Familie zu unterstützen. Dennoch gab sie ihrer Hoffnung Ausdruck, dass sie dereinst so glücklich sein würde, »auf Stuttgarts königl. Hofschau-Bühne, die nie aus meinem Andenken kommen soll, durch größere, gelungenere Leistungen Ihren Beyfall wahrhaft zu verdienen.«
Amalie war die Stütze der Familie, sowohl in finanzieller als auch moralischer Hinsicht. Der Vater hatte noch immer keine feste Anstellung, obwohl sie ihm seit Jahren zugesichert worden war und sollte mit einem mickrigen Gulden und 24 Kreuzern am Tag auskommen. Der Bruder besuchte das Gymnasium; die beiden jüngsten Schwestern waren noch halbwüchsige Teenager. Diese familiäre Situation war für sie offenbar ein wichtiger Grund, weiter auf der Münchner Bühne zu spielen. Am Abend ihrer Vertragsunterzeichnung gab sie erneut die Amalie in Kotzebues »Taschenbuch«, eben jenem Lustspiel, in dem sie anlässlich ihres Probeauftritts im Dezember 1823 bereits geglänzt hatte. Das Münchner Publikum und die Zeitungskritiker dankten ihr die Treue: »Dlle [Demoiselle] Stubenrauch überraschte das Publikum durch ihre Darstellung der Olga auf die angenehmste Weise. Sie hatte den Charakter dieses weiblichen Engels mit tiefer Empfindung in sich aufgefaßt, und brachte denselben lebendig, seelenvoll und in seiner edlen Urgestaltung uns wieder zur Anschauung«, hieß es nach der ersten Aufführung von Ernst Raupachs Trauerspiel »Isidor und Olga«.79 Und nach der Aufführung von Ifflands »Der Spieler« urteilte die Zeitschrift »Eos«: »Dlle Stubenrauch als Baronin von Wallenfeld war dießmal besonders gut und deutlich.«80
Über dreißig Mal sah man Amalie im Laufe des Jahres 1827 noch auf der Münchner Bühne: in altbekannten Rollen wie der Lady Nottingham in »Essex«, der Kunigunde in Joseph Marius von Babos Trauerspiel »Otto von Wittelsbach«, als Dorothea in »Hermann und Dorothea«, einem idyllischen Familiengemälde in vier Akten von Carl Töpfer nach Goethes gleichnamigen Gedicht, als Kordelia in »König Lear«, als »Minna von Barnhelm« oder in Neueinstudierungen wie Kotzebues »Bayard« als Miranda, in Ignaz Franz Castellis »Die Waise und der Mörder«, in »Der entführte Offizier« als Gräfin Dorset, als Editha Plantagenet in »Der Löwe von Kurdistan«, einem romantischen Schauspiel nach Walter Scotts Roman »Talisman«, und immer wieder als Irene in Eduard Schenks romantischem Trauerspiel »Belisar« – eine Rolle, in der sie in München am häufigsten zu sehen war, und in der sie später auch auf anderen Bühnen brillieren sollte.
»Belisar«, ein romantisches Trauerspiel in fünf Aufzügen von Eduard Schenk (später von Schenk), war eines der meistgespielten Stücke in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in München, das sogar mehrfach als Oper vertont wurde. Eigentlich war Schenk promovierter Jurist und ein hoher bayerischer Staatsbeamter, oberster Kirchen- und Schulrat, doch bekannt wurde er vor allem durch das am 23. Februar 1826 am Münchner Hoftheater mit überwältigendem Erfolg uraufgeführte Drama.
Bereits bei der Uraufführung der gleichermaßen rührseligen wie heroischen Geschichte um den byzantinischen Feldherrn Kaiser Justinian spielte Amalie Stubenrauch Irene, die Tochter des Helden. Die Handlung folgt dabei nicht dem historischen Vorbild, sondern wurde durch einige der zahlreichen Legenden, die sich um Belisar ranken, ausgeschmückt und traf damit den Zeitgeist. Die Zeitungen waren voll des Lobes sowohl für das Stück, als auch die Schauspieler: »Der großartige Stoff dieses Trauerspiels wurde unter der Hand des geistreichen Dichters ein Meisterwerk. Die Auffassung ist grandios«,81 hieß es, und: »Was Laokoon in der Plastik, ist dieser Belisar im Drama. Ein Atlas, der eine Welt von Größe und Leiden trägt, ohne zu erliegen. Und doch! was wäre er dem Publikum, wenn ihm diese Irene nicht an die Seite gestellt worden wäre?«82
»Durch den rauschenden, sich stets erneuernden Beifall, durch das einstimmige Vorrufen des Herrn Eßlair – Belisar – am Schlusse des zweiten, dritten (hier mit Dem. Stubenrauch, welche die Irene spielte) und fünften Aktes, gingen sicher Dreiviertelstunden ohne Spiel vorüber und verlängerten, zum Ruhme des Dichters und der Mitwirkenden, die ruhmvolle Darstellung.«83
Und in Dresden hatte man gehört: »Die talentreiche Dem. Stubenrauch übertraf die schönsten Erwartungen durch ein trefflich gelungenes Spiel.«84 König Ludwig I. war hellauf begeistert. Als König Wilhelm I. von Württemberg und Königin Pauline 1827 nach München kamen, führte man ihnen dieses Stück mit großem Erfolg vor. Und noch Jahre später, als Amalie längst in Stuttgart fest engagiert war und auf Gastspielreise nach München kam, feierte sie als Irene Triumphe und den »fruchtbarsten unserer Bühnendichter ward die Freude, seinen Heros, den sieggekrönten Belisar, durch Eßlair und die Irene durch Dlle. Stubenrauch dargestellt zu sehen. Es war ein hoher Genuß für das so zahlreich versammelte kunstliebende Publikum.«85
Die Wirkung auf das Publikum muss in der Tat umwerfend gewesen sein. Bei der Premiere spielte Amalie alias Irene so ergreifend, dass sich »Tränen der Rührung in den Sturm des Beifalls mischten.«86 In einer späteren Vorstellung wurde »ein zuckersüßes Herrchen so stark ergriffen, daß es sich von seiner Nachbarin, die mit Sacktüchern wohl versehen war, eines entlehnen mußte; es ist ja nicht zu vergessen, anzuführen, daß das seine schon durchaus naß geweint war.« Und nach der Vorstellung meinte »ein naives Landmädchen zu ihrem Geliebten, als Belisar auf dem Tragsessel sterbend einhergetragen wurde, ›da gehe ich morgen auch mit zur Leichenbestattung‹.«87 Zehnmal war Amalie allein in München in der Rolle der Irene zu sehen. Kaum dass sie in Stuttgart ihr Engagement angetreten hatte, wurde auch dort das »längst mit Sehnsucht erwartete« Stück einstudiert und noch siebenmal mit Amalie in der Rolle der Irene äußerst erfolgreich gegeben.88
Weitere Schauspiele folgten von dem »begnadeten Dichter«, als der Eduard von Schenk damals angesehen wurde. In der Uraufführung des Trauerspiels »Henriette von England« am 1. Dezember 1826 war Amalie ebenfalls aufgetreten und zwar als Maria Theresia von Österreich, die Gemahlin Ludwigs XIV., der von Eßlair gespielt wurde. An den Erfolg von »Belisar« konnte dieses Stück nicht anknüpfen, was nicht zuletzt die wenigen Aufführungen beweisen. Dies traf allerdings nicht auf die weibliche Hauptdarstellerin zu. Amalie von Stubenrauch feierte weiterhin überwältigende Erfolge in München. Doch der Traum von einer Karriere auch außerhalb der weiß-blauen Grenzen war noch nicht ausgeträumt. Stuttgart stand ganz oben auf ihrer Wunschliste. Vielleicht hat

Abb. 2: Amalie von Stubenrauch, Lithographie von Friedrich Bernhard Elias, um 1830.
sie die Aufführung des »Belisar« am 24. September 1827 ihrem Traum ein Stückchen nähergebracht: Diese wurde überraschenderweise nämlich nicht nur vom bayerischen, sondern auch vom württembergischen Königspaar besucht.
»In dem ohne Ankündigung glänzend beleuchteten Hause erschienen heute Ihre K. Majestäten der König und die Königin von Würtemberg mit unserm geliebten Herrscherpaare in der k. großen Mittelloge. Das ausgezeichnete Spiel der Mad. Fries (Antonina) und des Herrn Eßlair (Belisar), die schönen Leistungen der Dlle Stubenrauch (Irene), des Hrn. Racke (Justinian) und des Hrn. Urban (Alamir) wurden vom Publikum mit derselben feierlichen Stille gewürdigt, welche den ehrfurchtsvollen Empfang der allerhöchsten Gäste bezeichnete.«89
Es war zwar üblich, dem König bei seinem Eintritt ins Theater mit großem Applaus zu empfangen, dann gemäß der Etikette jedoch nicht mehr zu applaudieren.90 Der hochherrschaftliche Besuch war allgemein eine große Überraschung, vermutlich auch für Amalie. Es ist nicht überliefert, ob Amalie bereits seit ihren Gastauftritten in Stuttgart mit König Wilhelm I. von Württemberg bekannt war. Doch da Amalie später selbst von 34-jähriger Freundschaft schrieb, dürften sie sich erst 1829/30 persönlich näher kennengelernt haben.91 Auf jeden Fall sah der König den aufsteigenden Stern am Theaterhimmel in München in der Rolle als Irene im Stück »Belisar«.
Am 27. September fuhren König Wilhelm und seine Frau Pauline zurück nach Stuttgart, während Amalie als Preciosa und als Victor von Luceval in »Die Waise und der Mörder« auf der Bühne des Münchner Hoftheaters glänzte sowie als Bertha in der »Ahnfrau« und nicht zuletzt als Elsbeth in »Die drei Wahrzeichen oder das Turnier von Kronstein«, wo »ihr schönes Spiel« wiederum »die ihr zu Theil gewordene Anerkennung« verdiente. Am 24. November 1827 sah man sie dann in Schillers »Wilhelm Tell« – einer Aufführung zu Gunsten des in Stuttgart geplanten Monuments für den Dichter. Möglicherweise weckte diese Aufführung erneut Amalies Fernweh. Jedenfalls verfasste sie am nächsten Morgen einen Brief an den Münchner Hoftheaterintendanten von Poißl.
Frankfurt, Darmstadt und unerfreuliche Begegnungen
In dem Schreiben vom 25. November 1827 bat sie den Intendanten des Münchner Hoftheaters um einen Urlaub zu Ausbildungszwecken. Sie wolle als Gast in anderen Städten Erfahrungen sammeln, obwohl ihr bewusst sei, dass der Zeitpunkt nicht gerade günstig wäre. Sie wollte in Frankfurt am Main sechs ihr angebotene Gastrollen wahrnehmen. Die »Agnes Bernauer« im gleichnamigen Vaterländischen Trauerspiel von Josef August Graf von Törring, das in einer Neueinstudierung am 16. Dezember auf dem Programm stand, wollte sie noch spielen. Danach könnten alle sie während ihrer Abwesenheit treffenden Partien leicht von Charlotte von Hagn oder Fanny Fleckenstein übernommen werden.92
Die Hoftheaterintendanz lehnte ihr Gesuch postwendend ab. Begründung: Ihre Anwesenheit gerade im Dezember wäre äußerst wichtig, da in diesem Monat und bis zum Beginn des Karnevals das Theater die beste Zerstreuung des Publikums biete. Im Sommer Urlaub zu erhalten war entschieden einfacher als im Winter. Der Hof, der Adel und zum Teil auch das Bürgertum befanden sich in einem der Kurorte, in den Landhäusern sowie in der Sommerfrische, oder man verlustierte sich bei Wanderungen und nicht zuletzt im Biergarten. Die Theater waren folglich nicht gerade überfüllt, wenn denn überhaupt gespielt wurde. Doch in der Wintersaison bedurfte man der guten Kräfte. Die Intendanz ließ sich daher lediglich dazu durchringen, die Genehmigung zu einer Gastspielreise während der Karnevalstage in Aussicht zu stellen. Allerdings scheint sich Amalie letztlich aber doch durchgesetzt zu haben. Denn am 19. Dezember 1827 konnte man dem »Tags-Blatt für München« entnehmen: »Dlle [Demoiselle] Stubenrauch ist nach Frankfurt abgereist, um dort zu gastiren.«93 Laut Theaterzettel hätte sie noch am 24. Dezember die Donna Fenisa in »Donna Diana« spielen sollen, doch dazu war es nicht mehr gekommen. Sie stand bereits am 23. Dezember als Irene in »Belisar« auf der Frankfurter Bühne. Die Rolle war jedoch nicht glücklich gewählt, da Demoiselle Lindner, der Star des dortigen Theaters, bisher das Frankfurter Publikum verzaubert hatte. Und so schieden sich die Geister in der Berichterstattung.
Während das sonst eher zurückhaltende »Tags-Blatt für München«94 von Begeisterung sprach, soll Amalie nach anderen Quellen beim dortigen Publikum nicht den erhofften Beifall gefunden haben, da sie den Vergleich mit der Frankfurter ersten Liebhaberin nicht gewinnen konnte. Und so war in einer Frankfurter Zeitung zu lesen: »Wie diese Rolle gespielt werden müsse, zeigte uns Dlle. Lindner. Nicht so Dlle. Stubenrauch.« Auch ihre Darstellung der »Preciosa« konnte die Frankfurter nicht vollends überzeugen. In diesem Fall waren es nicht ihre Deklamations- sondern ihre Reitkünste, die missfielen. In der Mainmetropole musste die Zigeunerin nämlich hoch zu Ross auf die Bühne reiten. Und das in München erscheinende Unterhaltungs-Blatt »Flora« kommentierte die Frankfurter Kritiken spöttisch mit den Worten: »Überdieß klagen die Liebhaber der edlen Reitkunst, sie habe schlecht zu Pferde gesessen, die Freunde des Gesanges ärgerten sich, weil sie nicht gesungen, und die Anhänger Terpsichorens, weil sie nicht getanzt habe.«95
In den Münchner Blättern wurde Amalie größtenteils ausführlich verteidigt, der »Eos« holte sogar zu einem »Rundumschlag« gegen das Frankfurter Theater-Publikum und die Zeitungskonkurrenz aus:
»Das Frankfurter Theater ist, namentlich in Bezug auf das Schauspiel, gegenwärtig nicht mehr was es war. Statt gebildeter Zuschauer sieht man am meisten nur Ladendiener, junge Hebräer und gemeine Leute aus den Vorstädten im Theater, die hochgestellt in ihrer paradiesischen Sphäre über Logen und Parterre, ihre Kennerschaft am liebsten bei ernsthaften Vorstellungen geltend machen, um es an Spaß für sich und andere nicht fehlen zu lassen. Wer zu den Sitzen hinaufblickt, von wo dieser olympische Plebs als richtende Macht seine Blitze versendet, sieht recht wohl mehr Dunst als Sinn für die Kunst und daß auch zu solcher Höhe sich die Intrigue versteigt, um die imponirende Derbheit und den göttlichen Unverstand, welche dort thronen, dieses zu läugnen.«96
Es folgen noch mehrere negative Kommentare, bevor der Kritiker auf Amalie von Stubenrauch zu sprechen kommt:
»Unter solchen Verhältnissen blieb natürlich die Schöne und das Schöne ohne Wirkung, und kaum war das Gericht vollzogen und die Künstlerin geopfert, der anderwärts so gern sich andere opfern, da machte schnell Merkur sich auf den Weg, um einer Blumengöttin, die zu München weilt [i. e. die Zeitung »Flora«], und der er sinnverwandt sich fühlt, ihr Loos mit seinem Schlangenstab in ihre Blätter einzuzeichnen.«97
Ihre weiteren Gastrollen waren Bertha in der »Ahnfrau«, Olga in »Isidor und Olga« und Amalie in Schillers »Räuber«. Letzteres Stück wurde zu ihrem Vorteil aufgeführt. Und nun hatte Amalie von Stubenrauch endlich den gewünschten Erfolg: »Der Künstlerin, die es früher dem Olymp nicht recht machen konnte, gelang es nun […] der kleinen Zahl der Kenner zu behagen, die nach der Kunst allein Verlangen tragen.«98
Auch der Frankfurter Korrespondent des »Bayerischen Volksfreunds« bestätigte nicht nur den schlechten Zustand der dortigen Bühne, bei der »mit Ausnahme der Oper Hopfen und Malz verloren« wären, sondern auch, dass falsche Behauptungen und Übertreibungen über die Auftritte von Amalie in Umlauf gesetzt worden seien.99
Es dauerte nicht lange, und die ›Revanche‹ folgte. Im Frühjahr 1828 gastierte Demoiselle Lindner aus Frankfurt in München. Sie spielte die Chatinka in »Das Mädchen von Marienburg« und konnte ihrerseits nicht überzeugen. »Höchst spärlich, ja beinahe gar keine Zeichen von Beifall wurden dem Gast gegeben«, es wurde gar gezischt und nur die anderen Schauspieler gerufen, sogar die »auf der untersten Bühnenstufe stehenden«, beklagte sich der Referent des »Eos«, der dies nicht verstehen konnte und ihr natürliches Spiel wortreich hervorhob. Dass diese Ablehnung lediglich eine Retourkutsche von Stubenrauch-Anhängern war, ist nicht anzunehmen. Vielmehr wird es sich um die unterschiedliche Art der Darstellung gehandelt haben, denn gerade das Pathetische der Stubenrauch war ja vor allem in Frankfurt kritisiert worden. Die Geschmäcker sind verschieden, auch die Auffassung, wie ein Stück gegeben werden sollte. Allerdings fürchtete der Schreiber im »Eos« nun wiederum die Reaktion in den Frankfurter Blättern, da man »bei dem bekannten Blätterkampfe über die Gastdarstellungen der Demoiselle Stubenrauch in Frankfurt, zum Lobe der Letzteren nicht Worte genug gefunden, um das Frankfurter Publikum zu einem Janhagel und ästhestischen Plebs herabzuwürdigen, um das Mißfallen jener Schauspielerin auf der Frankfurter Bühne zu entschuldigen, und in das beliebte vortheilhafte Licht zu setzen. Zu erwarten stund, daß, was dort unsere Landsmännin in tiefen Schatten stellte, hier von einer Parthei gleichfalls würde in Schatten gestellt werden.«100
Kurzum: Die Gastspielreise nach Frankfurt konnte von Amalie nicht als Erfolg gesehen werden. Auch ihre Münchner Konkurrentin Charlotte von Hagn hat dies mit einiger Genugtuung wahrgenommen.101 Zu allem Überfluss wurde Amalie auf der Reise an den Main ein Koffer gestohlen, in dem sich ihre schönsten Kostüme befanden. Diese galten als »wesentliches Wirkungsmittel der dramatischen Kunst einer jungen Schauspielerin« und stellten zudem einen großen finanziellen Verlust dar. Es war nämlich üblich, für die Garderobe selbst aufzukommen. Deshalb ging in München sogar das Gerücht um, dass ihre Freundin Elise Seebach eine Kollekte zur Minderung des Schadens veranstaltet habe, was diese jedoch umgehend dementierte. Ja sie nannte denjenigen, der das Gerücht gestreut hatte, angeblich öffentlich einen »schadenfrohen-offensiven Lügner«.102 Dem wurde freilich wiederum von Amalies Vater mit scharfen Worten widersprochen und so blieb das Thema noch länger in den Medien präsent.103 Es ist erstaunlich, welches Medieninteresse der verlorene Koffer und vor allem die Nachgeschichte hervorriefen.
Nach Frankfurt hatte die Künstlerin in Darmstadt noch zwei Gastrollen als Elsbeth im »Turnier von Kronstein« und als Olga gegeben. Auf der Großherzoglichen Hofbühne, »deren musterhafte Einrichtung und Beschaffenheit, sowie der Geschmack des dortigen Publikums ganz Deutschland kennt«, wurde »ihrem trefflichen Spiele gebührende ehrenvolle Anerkennung im höchsten Grade zu Theil.« Der Großherzog mit Familie wohnte den beiden Vorstellungen bei, das Haus war jeweils vollbesetzt und der Beifall enthusiastisch. »Da anzunehmen ist, daß die Darmstädter, als zartfühlende Residenz-Bewohner, weit feinere Ästhetiker sind, als die rauhen Republikaner von Frankfurt, so hat Dlle Stubenrauch durch diesen Darmstädtischen Beifall eine vollständige Satisfaction gegen die Frankfurter Spartaner erhalten, welche bei ihrem Spiele ungerührt blieben.«104 Und ein anderer Münchner Theaterkritiker beschloss seinen Bericht mit den Feststellungen:
»Ferne davon, zu behaupten, daß Mlle. St. [Mademoiselle Stubenrauch] eine schon in allen Stücken ausgebildete und völlig fehlerfreye Künstlerin sey, muß man doch das Urtheil, welches ein befangener Frankfurter Recensent über sie ergehen ließ, für sehr unbillig halten, wenn man nicht annehmen will, daß man in München, Stuttgard und Darmstadt weniger verstehe, was schön und kunstgemäß ist, als in Frankfurt, wo man sich besser auf der Börse als im Theater unterhält, lieber Handlung treibt als Handlung sieht, lieber selbst spielt, als anderer Spiel betrachtet.«105
Am 21. Februar trat Amalie erstmals wieder in München auf, zusammen mit Herrn Feringer vom Frankfurter Theater als Gast. An diesem Abend wurde das Drama »Hedwig« von Theodor Körner gegeben. Von nun an bis 16. April 1828 spielte Amalie alle paar Tage in den unterschiedlichsten Stücken, darunter in Klassikern wie »Die Piccolomini«, »Wallensteins Tod« oder »Hamlet«, aber auch in modernen Lustspielen wie »Der alte Jüngling« von Castelli. Vom 16. April bis zum 27. August 1828 klafft erneut eine Lücke, dieses Mal von über vier Monaten, in denen Amalie nicht auf der Münchner Bühne zu sehen war, mit einer Ausnahme: am 26. Mai in »Wilhelm Tell«.
Während ihrer Abwesenheit in Frankfurt waren Amalies Rollen von ihren Münchner Kolleginnen übernommen worden: Charlotte von Hagn spielte die Titelrolle der Preciosa in München, ohne hoch zu Ross einreiten zu müssen, und Fräulein Fleckenstein die Donna Fensia in »Donna Diana«. Diese Rolle hatte Amalie von Stubenrauch bereits viermal gespielt. Im Mai sprang dann wie erwähnt Caroline Lindner aus Frankfurt als Gast ein. Am 1. und 3. Juni 1828 wurde auf den Theaterzetteln vermerkt, dass Amalie »unpäßlich« sei. In den nächsten Aufführungen übernahm Sophie Müller aus Wien als Gast ihre Rollen, unter anderem am 16. Juni 1828 die Irene in »Belisar«, eine ihrer Paraderollen. Erst am 27. August 1828 trat Amalie erneut in München auf, als Irma in »König Yngurd«. Der Hauptgrund für ihr Fehlen auf der Münchner Bühne war eine erneute Gastspielreise, die sie vermutlich nach Darmstadt führte, wofür die »Correspondenz-Nachrichten aus Darmstadt im Monat Juni 1828« sprechen: Demnach waren drei Gäste, darunter Amalie Stubenrauch aus München, zu einem Gastspiel nach Darmstadt gekommen, offensichtlich jedoch ohne größere Begeisterung hervorzurufen.106
Die Konkurrenz im eigenen Haus: Charlotte von Hagn
Während Amalie von Stubenrauch ihr Glück bei Gastspielen außerhalb Münchens suchte, drängte die Konkurrenz in München in ihre Rollen nach – allen voran Charlotte von Hagn. Daneben war Amalies Mentorin Adelheid Fries noch immer in vielen Hauptrollen zu sehen. Und schließlich übernahm auch Fräulein Fleckenstein zunehmend Amalies Rollen, jedoch mehr die Nebenrollen und dürfte insofern keine größere Rivalin gewesen sein.107
Anders sah dies bei Charlotte von Hagn aus. Die nur wenige Jahre jüngere Schauspielerin, die wie Amalie aus armen, niederen Adel stammte (die beiden Familien sollen sich gekannt haben)108 und die zu Beginn ihrer Karriere gleichfalls meist auf den Namenszusatz »von« verzichtete, war am 1. November 1826 fest am Hoftheater in München engagiert worden.109 Das »schöne Kind, mit allen Reizen einer Grazie ausgestattet« erregte mit ihrem Talent fürs Theaterspielen allgemeine Aufmerksamkeit. Die berühmte Schauspielerin Marianne Lang, über Jahrzehnte ein Stern am Münchner Theaterhimmel, hatte sich des jungen Mädchens angenommen. Mit 17 Jahren gab Charlotte ihr Debüt – ebenfalls in einem Schauspiel Kotzebues. Es folgten Nebenrollen in wenig bekannten Stücken. Ihr Spiel und ihre jugendliche Schönheit machten sie bald zu einem Liebling des Münchner Publikums.
So gefeiert sie als Schauspielerin war, ihre familiäre Situation sah äußerst düster aus. Auch hierin lassen sich Parallelen zum Werdegang Amalies feststellten. Charlottes Vater, der die kinderreiche Familie mehr schlecht als recht über Wasser hielt, wird als jähzornig und grob geschildert. Als er starb, musste Charlotte ihre Mutter und Geschwister alleine ernähren. Sie wandte sich an König Ludwig I., der nicht nur an ihrem Spiel, sondern auch an ihrem Äußeren Gefallen gefunden hatte, weswegen er sie auch von Joseph Stieler für die Schönheitsgalerie malen ließ. Im Winter 1827/28 besuchte er sie nahezu täglich, wohnte den Sitzungen beim Maler bei und schrieb dazwischen Billette. So konnte es nicht ausbleiben, dass eine Affäre mit dem König kolportiert wurde. Schmähschriften begannen zu kursieren, denen wiederum wohlwollende Gedichte folgten. Charlottes Popularität wurde dadurch weiter gesteigert. Zunehmend lief sie ihren Kolleginnen, die in denselben Rollen auftraten – allen voran Amalie von Stubenrauch –, den Rang ab. Trotzdem räumte sie neidvoll ein: »Die Stubenrauch darf machen, was sie will, sie gefällt.« Dies war der Rahmen, in dem Intrigen gedeihen konnten. So vertraute Charlotte ihrem Tagebuch am 8. März 1828 an: »Der König kam. Ich sprach von der Stubenrauch ihrer Unbelesenheit von Schiller etc.« Auch Amalies Freundinnen, allen voran Elise Seebach, wurden von ihr diffamiert.
Die Konkurrenz war nicht mehr zu übersehen. Kritische Stimmen mehrten sich, wohingegen Amalies Leistungen als »vorzüglich« beschrieben wurden.110 Gleichzeitig wurde Charlotte von Hagn ›aufgebaut‹: »Unsere neueste Preciosa, Dem. Hagn, schien sich eine neue Bahn brechen und die Preciosa als munteres, witzvolles, liebendes und gutmüthiges Zigeunermädchen, als eine Tochter der Natur auffassen zu wollen.«111 Die Situation spitzte sich weiter zu. Charlotte nutzte ihre Verbindung zum König und schrieb ihm am 3. Januar einen Brief, in dem sie um Hilfe in Sachen einer Aufführung der »Preciosa« bat. Sie wollte die Hauptrolle spielen. Amalie war zu dieser Zeit vermutlich noch nicht von ihrem Gastaufenthalt in Frankfurt zurückgekehrt. Am 8. Januar fand die Aufführung statt. Und Charlotte konnte mit Genugtuung in ihr Tagebuch notieren:
»ich gefiel mehr als die Stubenrauch, was zwar nicht viel sagen will, denn eine Schauspielerin, deren ganze Kunst sich auf Manier und Affection gründet, ist leicht zu erreichen. Ich wurde 2 mahl applaudirt«, musste aber zähneknirschend anfügen: »dafür aber diese [Stubenrauch] mehr gelobt.«112
In München bildeten sich zwei Lager: Das eine scharte sich hinter von Charlotte von Hagn, das andere hinter Amalie von Stubenrauch. Die beiden Schauspielerinnen wurden gegeneinander ausgespielt, Intrigen gesponnen und Zeitungsberichte pro und contra veröffentlicht. In eben diese Zeit fällt ein Bericht in der in Stuttgart bzw. Tübingen bei Cotta erscheinenden Zeitschrift »Hesperus«, in der es aus München heißt:
»Dlle Hagen [!], die talentvollste unserer jungen Anfängerinnen löste die Aufgabe der Thekla über alle Erwartungen glücklich und erfreute sich der lebhaftesten Anerkennung. […] Nicht so verhält es sich mit einer anderen Anfängerin, Dlle Stubenrauch, welche als Gräfin Terzky den Abgang der Mad. [Madame] Birch, und den nothwendigen Ersatz dieser Heroin nur zu fühlbar machte.«113
Auf der anderen Seite wurde die Aufführung von »Romeo und Julia« am 2. Oktober 1827 im »Tags-Blatt für München« totel verrissen, speziell die Schauspielleistung der Hagn. Der Kritiker spöttelte:
»Dlle Hagn, Julie, gestand, daß die Aufgabe zu groß und zu schwer war; in dieser Hinsicht war in ihrem Spiele Wahrheit, ächte, schöne Wahrheit; und sie verdient deswegen alles Lob.«114
Und dann war da noch die etwas unglückliche Begebenheit mit Michael Beer. Die deutsche Theaterwelt des 19. Jahrhunderts war relativ klein und der Kontakt unter den Künstlern sehr eng. So traf sich der Berliner Theaterschriftsteller Michael Beer um die Jahreswende 1827/28 mit Amalie in Frankfurt, um sich bei ihr über die Verhältnisse am Münchner Theater zu informieren. Besonders interessiert war Beer an der bevorstehenden Uraufführung seines Trauerspiels »Struensee«, wozu sein älterer Bruder Giacomo Meyerbeer die Bühnenmusik geschrieben hatte. Nachdem es in Berlin nicht zur Aufführung gekommen war, hatte sich Beer an seinen Freund Eduard Schenk, den gefeierten Dichter des »Belisar« und einflussreichen bayerischen Politiker, gewandt, der eine Aufführung in München befördern sollte.
Amalie hatte freilich mit Beer noch eine offene Rechnung zu begleichen. Der Schriftsteller hatte in einem (nicht mehr erhaltenen) Brief aus Stuttgart nach München (fälschlicherweise) verlauten lassen, dass die Stuttgarter Intendanz Stubenrauch nicht engagieren wolle. Beer versuchte sich zu rechtfertigen:
»Was ich darüber geschrieben, ist nichts anderes, als was ich in Stuttgart vernommen, und ich dachte, eine solche Äußerung an meinen Freund Schenk wohl ungestraft richten zu dürfen. Wer konnte denken, daß eine solche Äußerung, die in der That für das junge Mädchen ungemein kränkend seyn mußte, so verbreitet würde, daß sie ihr zu Ohren kommen mußte.«115
Und so verwundert es nicht, dass ihn Amalie offensichtlich äußerst ungnädig empfing, wie er Eduard Schenk ebenfalls klagte: »Denken Sie sich meine Situation, als mir das mit einer Natürlichkeit, die der jungen Schauspielerin auf der Bühne nicht übel stehen würde, ins Gesicht gesagt wurde. Ich hatte die Wahl, vor einer Dame als Verläumder oder als Grobian zu stehen.«116 Beers Sorge galt dabei den Auswirkungen auf die Münchner Theaterintendanz, da er »das Vorgefühl hatte, als habe es im allgemeinen ein Mißwollen gegen mich bey der Intendanz erzeugt.«117 Seinen Brief beednete er forsch mit ein paar Forderungen: »Das Stück enthält 36 Personen und ich setzte voraus, daß die Damen Fries, Stubenrauch, Hagn, die Herren Eßlair, Urban, Vespermann, Hölken, Racke als die mir wichtigsten des Stückes in der bestimmten Zeit in München gegenwärtig sind. Ende Januar kann das Stück beginnen, ausgetheilt zu werden.«118
Am 27. März 1828 kam es tatsächlich zur Uraufführung von »Struensee« in München, allerdings ohne die Mitwirkung von Amalie von Stubenrauch, obwohl sie in jenen Tagen im Lande war (sogar bereits am 21. Februar erstmals wieder auf der Münchner Bühne zu sehen war). Die Hauptrollen in »Struensee« spielten Charlotte von Hagn und Amalie Fries. Offensichtlich hatten sich die Differenzen nicht ausräumen lassen. Charlotte von Hagn scheint die Situation für sich genutzt zu haben. Auf einem Münchner Maskenball am 9. Februar hatte sie nämlich Beer beim Tanz kennengelernt. In den Tagen danach besuchte er sie, um ihre Rolle einzustudieren. Sie gab sich begeistert über das Stück – »Struensee, dieses Stück nehme ich unter eines der besten Trauerspiele unserer Zeit!« – und nutzte die Gelegenheit, um gegen ihre Konkurrentin zu intrigieren.119 Dem Stück selbst war allerdings kein größerer Erfolg vergönnt. Es kam zu einer zweiten Aufführung am 8. April, bei der jedoch nicht mehr applaudiert wurde. Das Manuskript zum Stück verschwand danach erst einmal in die Schublade.
Amalie, die ab dem 21. Februar 1828 wieder auf der Münchner Bühne stand, war weiterhin die beliebteste Schauspielerin, was sich auch in barer Münze niederschlug. So verdiente beispielsweise Charlotte entschieden weniger als Amalie. Der Unmut Charlottes wurde zusätzlich gesteigert, als ihre Anfrage für ein Gastspiel in Stuttgart, wo Amalie ein so glänzendes Angebot erhalten hatte, abgelehnt wurde. Am 17. April 1828 erhielt sie einen Brief aus Stuttgart, in dem man bedauerte, sie nicht spielen lassen zu können, »weil viele andere Gastspielerinnen kämen.« Zwar stellen die meisten Biographien Charlotte von Hagn in einem positiven Licht dar, doch ihr eigenes Tagebuch aus der Zeit von 1827/28 weist sie als Intrigantin aus. Es findet sich im Tagebuch kaum ein gutes Wort über ihre Kolleginnen und Kollegen. Gerade von Amalie liest man wiederholt, sie habe schlecht gespielt, während die Zeitungen deren Leistung gleichzeitig in den höchsten Tönen lobten.120
Im November 1827 war Charlottes Gehalt auf 600 Gulden festgelegt worden, während Amalie bereits 1 400 Gulden erhielt. 1829 verlangte sie eine Anpassung ihres Gehaltes an jenes der Stubenrauch, da sie ja auch ihre Rollen spiele. Immerhin wurde ihre Gage schließlich auf 1 000 Gulden angehoben. Ein weiteres Gesuch Charlottes um eine Gehaltserhöhung im Jahr darauf wurde von König Ludwig abgelehnt. Erst nach dem Freitod ihres Vaters am 5. Juli 1830 erhöhte der König in Anbetracht ihrer familiären Notlage auch Charlottes Gehalt auf 1 400 Gulden.121
Trotz Intrigen und Konkurrenz standen die beiden Schauspielerinenn Ende der 1820er Jahre mehrfach gleichzeitig auf der Bühne, etwa in »Essex«, einem Stück, in dem sie beide Hofdamen spielten: die eine Lady Nottingham, die andere Lady Ruthland. Oder in »Piccolomini«, von dem die Kritik zu berichten wusste: »Dlle [Demoiselle] Hagn als Prinzessin von Friedland leistete Erfreuliches in dieser Rolle und erhielt in der Schlußscene des vierten Actes den Beifall des Publikums. Dlle Stubenrauch trug die Rolle der Gräfin Terzky befriedigend vor.«122 Und dann traten sie im direkten Vergleich an verschiedenen Abenden in ein und derselben Rolle auf, etwa der Preciosa, in der beide gleichermaßen brillierten.
Die beiden Parteien standen sich zunehmend unversöhnlich gegenüber und auch die Presse schlug sich meist dem einen oder anderen Lager zu. »Dlle Stubenrauch bleibt mit Recht der Augapfel des Publikums. Selbst die Kritik, die sich ihres Amtes zufolge wenig gefallen läßt, fand heute, daß es Dlle. St. [Demoiselle Stubenrauch] immer mehr darum zu thun ist, alle in dieser Rolle liegenden und früher unaufhörlich herbeigerufenen Mittel, Effekte, Künste und Kunststückchen zu verschmähen. Dlle Stubenrauch wurde gerufen«123, hieß es etwa nach der Aufführung der Preciosa am 19. März 1828. Das sahen aber nicht alle so, und in einem anderen Blatt wurde in Versform von einem weiter nicht bekannten »K.« nach derselben Aufführung Partei für Charlotte Hagn ergriffen.124
Ein »höllisches Gedicht«, das möglicherweise von Theodor Körner stammte, bemühte dagegen in 30 Strophen neben der griechischen Mythologie sogar Goethe, Schiller und Kleist, um das Unvermögen der Hagn anzuprangern. Sogar Carl Maria von Weber, der Komponist zur Preciosa-Musik, äußerte sich laut diesem Gedicht sehr negativ über Charlotte in dieser Rolle.125
Allmählich setzte sich die Erkenntnis durch, dass die Münchner Bühne für diese beiden Schauspielerinnen zu klein sei. Amalie von Stubenrauch nahm schließlich ein verlockendes Angebot aus Stuttgart an, ihre Konkurrentin setzte später in Berlin ihre Karriere fort.126
Für ein Jahr nach Stuttgart
Vor diesem Hintergrund ist es keine Überraschung, dass Amalie ihr Glück zunehmend in der Fremde suchte. Lange Briefe gingen zwischen München und Stuttgart, zwischen Amalie von Stubenrauch und Hoftheaterintendant von Lehr hin und her.127 »Nichts konnte mir angenehmer seyn, als von Herrn Pauli die Versicherung zu vernehmen, daß Eur Hochwohlgeboren nicht, wie man mir es glauben machen wollte, über mich aufgebracht sind«, schrieb Amalie am 16. Mai 1828 aus München an den Hoftheaterintendanten in Stuttgart. Und sie versicherte ihm wiederum, dass sie »mit allem Ernste« ein Engagement an der Königlichen Hofbühne in Stuttgart wünsche und dieses auf der Stelle annehmen würde, wenn auf der anderen Seite ihre Vorschläge angenommen würden. Und zu ihrem Anstellungsverhältnis beim Münchner Hoftheater ergänzte sie: »Ich stehe hier in keinem Engagement, sondern bin förmlich und zwar gegenwärtig mit 1400 fl. [Gulden] und vom nächsten Oktober an mit 1800 fl. Jahresgehalt angestellt.« Falls von Seiten der württembergischen Intendanz ein fester Vertrag angeboten würde mit einem Jahresgehalt von 2 000 Gulden in Verbindung mit einem Benefizium, also einer Vorstellung, deren Erlös zu ihren Gunsten wäre, würde sie ab Oktober gerne nach Stuttgart kommen, um dieser Bühne für immer anzugehören. Falls der Vorschlag jedoch nicht annehmbar wäre, so wäre sie auch bereit, ein dreijähriges Engagement einzugehen, allerdings mit einer jährlichen Gage von 2 500 Gulden. Dabei verpflichtete sie sich, ein doppeltes Fach zu spielen, nämlich das der ersten Liebhaberin und das der Damen (Heldinnen, Mütter etc. mittleren Alters), da »ich mich gerade in Jahren befinde, die mich für Rollen beiderley Art nicht ungeeignet machen.« Amalie schloss ihren Brief mit den Worten: »Wie sehr, Herr Intendant, würde es mich freuen, wenn Sie auf dem Grund dieser Bedingungen hier mit Sr. Maj. dem König über mich sprechen wollten und mir das Glück zu Theil werden sollte, recht bald unter der Zahl Ihrer Untergebenen aufgenommen zu werden.«
In der Folge scheinen mehrere, nicht erhaltene Briefe zwischen Stuttgart und München expediet worden zu sein, da der Hoftheaterintendant von Lehr am 8. Juli bereits auf einen Brief vom 1. Juli antwortete, aus »welchem ich mit rechtem Vergnügen die Nachricht von der bereits getroffenen Einleitung zur Entlassung aus Ihrem bisherigen Verband und von der Hoffnung solche zu erhalten, entnommen habe.« Damit schien der Bühnen-Wechsel konkrete Formen anzunehmen. Nur die Frage nach dem Benefiz war noch ausstehend, doch von Lehr fürchtete, dass der König, der gerade auf zwei Monate abwesend war, einen diesbezüglichen Nachtrag nicht gewähren würde, »als Sr. König. Majestät Ihren Gehalt von 2500 fl. Ihnen nicht ohne Schwierigkeit bewilligt haben«, da er über der sonst üblichen Gage lag. Wie sehr man in Stuttgart darauf bedacht war, Amalie zu engagieren, beweist jedoch der weitere Inhalt des Briefs:
»Da indessen aus Ihrem letzten Schreiben vom 1. d. M. erhellt, daß Sie auf ein Benefice mit Sicherheit gerechnet haben […], so will ich die Sache auf mich nehmen und bewillige Ihnen daher das verlangte jährliche Benefice.«128
Nun musste auch die Hoftheaterintendanz in München aktiv werden und »das Gesuch der Hofschauspielerin Amalie Stubenrauch um Urlaubs-Bewilligung auf ein Jahr zur ferneren praktischen Ausbildung« an den König weiterleiten, der sich ja allgemein die Gewährung von Urlaub ausbedungen hatte. Intendant von Poißl befürwortete das Urlaubsgesuch auf ein Jahr. König Ludwig I. hatte nichts dagegen und schrieb am 26. Juli höchst eigenhändig auf den Rand des Gesuches:
»Diesen Antrag insoweit derselbe die Schauspielerin Stubenrauch betrifft, genehmigt, der ich für’s zweckmäßigste halte, während ihrem Urlaub einen Theil ihres Gehaltes auf Zahlung fremder ausgezeichneter Schauspielerinnen zu verwenden.«129
Nun erfuhr auch das Münchner Publikum von der bevorstehenden Veränderung aus der Zeitung, wenn sich das Gerücht nicht schon vorher hinter vorgehaltener Hand verbreitet hatte. Allerdings war man nicht ganz überzeugt, ob ihre Entscheidung die richtige sei.130 Amalie erhielt zunächst, laut ihrem Schreiben vom 24. August, von König Ludwig I. Urlaub auf ein Jahr, doch:
»Die hiesige Hoftheaterintendanz ist vollkommen davon unterrichtet, daß mir Eurer Hochwohlgeboren ein Engagement für 3 Jahre angeboten hat, und ich darf daher hoffen, meinen Urlaub verlängert zu sehen, wenn ich in meinen Kunstleistungen den kgl. Hofe und dem Publikum in Stuttgart zusagend, darum einkommen sollte. Ja, auch unverzüglicher Entlassung würde nichts im Wege stehen, sollte mir nach dem Verlauf dieser 3 Jahre oder schon früher von Ihrer Seite der Wunsch ausgedrückt werden, Ihrer Anstalt für immer anzugehören.«131
Die Antwort erfolgte postwendend am 29. August 1828. Demnach habe König Wilhelm I. die Anstellung der Demoiselle Amalie Stubenrauch aus München als Hofschauspielerin am Stuttgarter Theater gnädigst zu genehmigen geruht. Als Dauer des vorläufigen Engagements wurde der Zeitraum vom 1. Oktober 1828 bis 30. September 1829 angegeben. Dafür erhielt sie 2 500 Gulden sowie eine »jedoch nicht kostenfreie Benefiz-Vorstellung«. Allerdings haben die Schwaben andere Kosten auf sie abgewälzt. Daher erlaubte sie sich »dagegen eine Vorstellung zu machen, nehmlich die mir gemachte Forderung, für die Moderne Garderobe und Chaussure selbst Sorge zu tragen« sowie die Bitte zu äußern, als erste Rollen Donna Diana und Olga spielen zu dürfen. Amalie schloss ihr Schreiben mit dem Hinweis auf ihre unaussprechliche Freude, den Augenblick immer näher rücken zu sehen, »der mich meiner neuen Bestimmung entgegenführt.« Die Freude dürfte höchstens dadurch etwas getrübt worden sein, dass die Intendanz auf dem Punkt der »französischen Kleider-Beschaffung« bestand, da er angeblich allgemein bei allen Schauspielern in Stuttgart Teil der Vereinbarungen war, die über 1 500 Gulden verdienten. Die Kosten für die Garderobe wollte Amalie aber nicht übernehmen und hakte nochmals nach. Ob mit Erfolg oder nicht, verschweigen die Akten. Auch der Urlaub auf ein Jahr war bewilligt, einem Neuanfang in Stuttgart stand nichts mehr im Weg.132
König Ludwig I. von Bayern und das Porträt Stielers
Auch wenn einige von Amalies Widersachern spekulierten, sie hätte in München ein Verhältnis mit König Ludwig I. angefangen, gar ihn für ihren Karriereeinstieg benutzt – diese Jahre später in die Welt gesetzten Gerüchte erweisen sich bei genauer Betrachtung als haltlos. Es findet sich kein stichhaltiger Beleg, dass Ludwig mehr als ein applaudierender Zuschauer war, wenngleich er sich dem weiblichen Geschlecht gegenüber stets aufgeschlossen zeigte. »Lieben muß ich, immer lieben«, hat er einst gedichtet und »unverliebt kann ich nicht sein«.133 Zusammen mit den zahlreichen Anekdoten, der berühmten Schönheitsgalerie, die noch heute in Schloss Nymphenburg alljährlich Tausende von Besucher anlockt, und der immer wieder gerne kolportierten, schicksalhaften Affäre mit Lola Montez verfestigte sich das Bild eines Lüstlings auf dem Königsthron – zu Unrecht. Gerade das kunstgeschichtlich einmalige Phänomen der Schönheitsgalerie lässt Ludwigs Verständnis von Frauenschönheit begreiflich werden, das weniger auf Beziehungen zur Damenwelt zurückging, als vielmehr mit seiner Verehrung für das ›Schöne‹ an sich zu tun hatte.
Die Idee zu dieser Galerie war bereits in seiner Kronprinzenzeit gereift. Kaum auf dem Thron begann er die Idee durch den Maler Joseph Stieler in die Tat umzusetzen. 1829 konnten die ersten zehn Bildnisse der Allgemeinheit in einer Kunstausstellung vorgestellt werden. Im Laufe von gut 20 Jahren kamen insgesamt 38 Porträts zusammen.134 Von Anfang an war die Galerie für die Öffentlichkeit gedacht, nicht zum königlichen Privatgenuss – anders als etwa die Galerie des württembergischen Königs Wilhelm I. Unter den ersten zehn Bildnissen, die 1829 in München ausgestellt wurden, befand sich auch das Porträt der Amalie von Stubenrauch. Während im »Kunstblatt« nur allgemein über die Porträts, die »in hohem Maße die Schaulust der Neugierigen« reizte, berichtet wurde, führt der Bericht im »Münchner Conversations-Blatt« die einzelnen Dargestellten namentlich auf.
Unter der Überschrift »Die abentheuerliche Nacht« beschrieb der äußerst beliebte Schriftsteller Friedrich Wilhelm Bruckbräu die Bilder, die er um eine fiktive Tafel vereint zu Leben erweckte. Goethe auf dem berühmten und nachweislich ausgestellten Porträt hatte den Vorsitz. »Zu beiden Seiten von ihm saßen Demoiselle Stubenrauch, k. würtembergische Hofschauspielerin, auf einem eleganten Teller vor ihr lag eine Rose, ein Vergißmeinnicht, und ein Je länger je lieber, für eine Dame drei sinnvolle Blumen; dann Demoiselle Hagn als Thekla, in einem mit Pelz verbrämten Kleide von weißem Atlas, mit Perlen geschmückt, behaglich in einem Armstuhl ruhend«, dazu acht weitere Schönheiten.
»Was halten Sie von meinem Portraite?« fragte Amalie von Stubenrauch demnach den Schriftsteller. Man kannte sich: Bruckbräu arbeitete auch als Theaterautor; Amalie war etwa im Fasching 1827 als Amalie Gräfin von Rosenberg in einem Lustspiel von Bruckbräu aufgetreten. Doch das Stielersche Porträt gefiel ihm nur bedingt: »Es fehlt ihm alle Wahrheit, aller Charakter«, erwiderte Bruckbräu, »so ähnlich es auch ist. Aus dem Gesichte leuchtet die Champagnerglut einer Lady Milford, aber nicht jenes schelmische Verhehlen der innern Gesinnung, was Sie im wirklichen Leben so interessant macht.« Und ergänzte:
»Ich spreche übrigens dieses Urteil nicht aus einem vielleicht gerechten Grolle aus, weil Sie durch Ihren Abgang unsere Bühne einer theuren Zierde beraubt haben, indem ich wohl weiß, daß nur eine h ö h e r e Liebe Sie an Stuttgart fesseln kann, nämlich die Liebe zur Kunst, welcher Sie sich dort als tragische Prima-Donna ungetheilt weihen können.«135
Die Richtigkeit des Zeitungsberichts ist nicht anzuzweifeln. Zudem sind alle anderen Bilder richtig beschrieben. Gerade Amalie von Stubenrauch widmete der Autor besondere Aufmerksamkeit, nannte sie an erster Stelle nach Goethe. Und nicht zuletzt bestätigte ihre Konkurrentin Charlotte von Hagn die einstige Existenz des Porträts. Am 6. Dezember 1827 vertraute sie ihrem Tagebuch nach einer Sitzung für ihr eigenes Porträt bei Stieler an, dass dessen Bediensteter ihr »das weiße Kleid der Stubenrauch, das der Schneider zum Ansehen gebracht« zeigte und musste sogar zähneknirschend festhalten, dass ihr das Kleid »sehr gefiel«, woraus zu schließen ist, dass auch Amalie dem Künstler ab Dezember 1827, vermutlich jedoch erst im Januar nach ihrer Rückkehr aus Frankfurt, Modell gesessen hat.136
Acht der 1829 ausgestellten »schönen Köpfe« sind noch heute in Schloss Nymphenburg zu sehen. Die Frage, warum Amalies Porträt schließlich in der Schönheitsgalerie nicht aufgestellt wurde, lässt sich nicht mit letzter Gewissheit beantworten. Möglicherweise teilte König Ludwig Bruckbräus Meinung oder vielleicht hat ihr Fortgang aus München dazu geführt. Eine unerfüllte Leidenschaft des Königs als möglicher Grund dafür, das Bildnis nicht anzukaufen,137 kann immerhin ausgeschlossen werden.138 Und wenn der König sie tatsächlich in München hätte halten wollen: Er hätte mit Sicherheit Möglichkeiten dazu gehabt, hätte ihr zumindest Steine in den Weg gelegt oder ein Verbot ausgesprochen, jemals wieder in München aufzutreten, wie er dies später bei Charlotte von Hagn tat.139 Doch nichts dergleichen ist geschehen. Und nicht zuletzt: Königin Therese, die Ehefrau Ludwigs I., hätte Amalie später sicher nicht reich mit Geschmeiden beschenkt, als sie dereinst zu einem allseits bejubelten Gastauftritt erneut nach München kam. Das Bildnis Amalie von Stubenrauchs allerdings ist heute verschollen.140
1 Augsburger Abendzeitung 20.04.1876.
2 Z. B. Eisenberg 1903, 1016; Ulrich 1997, 1844; Palm 1881, 42. Auch auf einer älteren Karteikarte der Bibliothek des Dt. Theatermuseums ist als Geburtsjahr 1800 vermerkt. Oppermann/Gettke 1889, 779, nennt 1801 als Geburtsjahr.
3 Palm 1881, 42.
4 StA Lu E 18 II Bü 901.
5 SAS Autograph 11022 (Brief an unbekannten Empfänger, 15.11.1859).
6 Blum u. a. 1842, 45. Dieses Datum nennen auch Gettke 1889, 70; Flüggen 1892, 302; Kosch 1998, 2457 sowie Ulrich 1997, 1844, wobei die jüngeren Lexika meist auch andere Geburtsjahre alternativ angeben. Ulrich 1997 z. B. 1800, 1804, 1805 und 1808.
7 E. H. 1930; Sauer 1997, 208. Übernommen bspw. von Oßwald-Bargede 2005, 32.
8 Wiener Zeitung 20.4.1876; Augsburger Abendzeitung 20.04.1876.
9 E. H. 1930.
10 Zu Johann Nepomuk von Stubenrauchs Werdegang siehe, wenn nicht anders angegeben BayHStA MF55085 und BayHStA KrA OP 82977.
11 Auch München wurde verschiedentlich als Geburtsort genannt, was aufgrund der Aktenlage unwahrscheinlich ist. ÖStA KrA 6943. In den Matrikeln der Münchner Pfarreien erscheint er weder 1871 noch 1873.
12 Genealogisches Handbuch 1964, Bd. 8, 433. Auch spätere Eintragungen zur Familie von Stubenrauch (1982, Bd. 14, 806; 1990, Bd. 18, 811; 1998, Bd 22, 780) bringen keine weiteren Erkenntnisse.
13 Damals wurde stets der Ehemann der Mutter offiziell als Vater eingetragen, auch wenn das Kind nachweislich von einem anderen Erzeuger stammte.
14 Churfürstlich pfalzbaierischer Hof- und Staats-Kalender 1800 bzw. 1802; BayHStA KrA OP 80297.
15 Verleihung des Erblichen Reichsadels am 03.09.1841 in Wien. BayHStA Adelsmatrikel S, 158.
16 Damals wurde »Baiern« noch mit ›i‹ geschrieben; das ›y‹ wurde erst 1825 von König Ludwig I. verbindlich festgelegt.
17 BayHStA MF 55085.
18 AEM München St. Peter, Taufmatrikel. Die Mutter war Anna Maria bzw. Marianne Raumayrin (nicht Rauchmayrin, wie im Genealogischen Handbuch 1964, 433, zu lesen ist). Zu Johann Baptist Moosmaier: Münchener Tagblatt, 02.04.1802 (»Joh. Bap. Mosmayr, churfürstlicher Hoforganist giebt Unterricht in Klavier«). Die Allg. Musikalische Zeitung, 12.02.1806 nennt ihn im Verzeichnis des Personals der Kgl. B. Hofkapelle unter den Organisten an erster Stelle. Unter der »Musikalienanzeige« eines Musikverlegers findet sich: »Mosmaier, k. b. Hoforganist, 3 leichte Sonaten für das P. F. [Pianoforte] mit willkührlicher Begleitung einer Violine, 1 fl. 12 kr.« (Augsburger Ordinari Postzeitung = Augsburger Postzeitung 23.10.1818). Am 04.04.1833 verzeichnet der Bayer. Beobachter ihn unter den in München verstorbenen Personen als pensionierten Hoforganisten, 80 Jahre alt. Seine Frau war ein knappes Jahr zuvor verstorben: »Marianne Moosmaier, pens. k. Hoforganisten-Frau, 75 J. a.«, Münchner Conversations-Blatt, 20.06.1832.
19 Promenadeplatz Nr. 9 lag auf der Südseite des Platzes, gegenüber dem heutigen »Hotel Bayerischer Hof«. Schneider 1960, Bd. 2, 226. 1909/10 wurde das Gebäude zusammen mit dem Nebengebäude durch das ehemalige Ballin-Haus ersetzt, heute Bank.
20 Der Feldarzt bestätigte seine Tauglichkeit auf der »Assent-Liste« und vermerkte als Größe 5 Schuh, 6 Zoll und 2 Strich« (ca. 170 cm). ÖStA KrA 6943.
21 Ebenda, Nr. 6923.
22 ÖStA KrA 03989. Ein weiteres Kind, vermutlich 1809 geboren, ist nicht vermerkt, wird aber später erwähnt. 1809 war das Regiment im Kriegseinsatz (keine Musterungslisten erhalten). Die Schwestern Josephine und Constanze wurden erst am 19.12.1815 bzw. 21.12.1820 in München geboren (AEM München St. Peter, Taufmatrikel).
23 ÖStA KrA 6924.
24 Vgl. ebenda (Musterungsliste vom 11.09.1811).
25 Zu diesem Preisanstieg trug v. a. bei, dass 1804 Kurfürst Max IV. Joseph, nachmaliger König Maximilian I., den Paradeplatz allein dem Vergnügen des Publikums widmete und ihn zu diesem Zweck durch Grünanlagen verschönern ließ. Gleichzeitig wurde der Name von Paradeplatz in Promenadeplatz geändert. Schneider 1960, Bd. 2, 226.
26 BayHStA OP 80297. Die historische Begräbnisstätte ist nicht erhalten. Die Kirche wurde im späten 19. Jahrhundert neugotisch umgestaltet. Doch noch immer sind die Grafen von Törring etwa in den Glasfenstern präsent. Die Grafen von Törring-Jettenbach haben über die weibliche Linie Teile der Familie Minucci beerbt.
27 BayHStA MF 55085.
28 BayHStA OP 80297.
29 AEM München St. Peter Taufmatrikel 19.12.1815 (Geburt Josefine).
30 Leitschuh, Schuljahr 1830/31.
31 Verzeichnis Ludwig-Maximilians-Universität in München 1832/33, 24: Stubenrauch von, Joh. Nep., München, Müllerstr. 484/I; ebenda 1834, 21: Rumfordstraße 32/I.
32 Herlesssohn 1837, 459.
33 So jedenfalls berichten es Zeitgenossen: Korsinsky 1843, 110; Herleßsohn 1846, 45.
34 Zu den Auftritten in München siehe die vollständig erhaltenen Theaterzettel der Münchner Hofbühne (Filme BSB Musiklesesaal Md 44 c = 2° Bavar. 827). Oelwein 2020.
35 Flora 16.12.1823.
36 Ebenda.
37 Ebenda.
38 Abend-Zeitung 21.06.1824.
39 Lewald 1844, Bd. 5, 101.
40 Grazien 16.09.1824.
41 Grazien 14.11.1824.
42 Ebenda.
43 In Berlin durfte Schillers »Tell« zu dieser Zeit noch nicht gegeben werden, da in dem Stück die Volksfreiheit verherrlicht wird. Erst nach dem Tod König Friedrich Wilhelms IV. von Preußen durfte das Stück, wie aus ähnlichen Gründen auch Goethes »Egmont« oder Schillers »Räuber« aufgeführt werden. Dazu Stemplinger 1939, 186.
44 Theaterzettel; Leythäuser 1916, 127–129.
45 Flora 29.07.1825; siehe auch Abend-Zeitung 31.08.1825.
46 Grazien 14.11.1824; siehe auch Abend-Zeitung 14.01.1825.
47 Grandauer 1878, 91.
48 Grandauer 1878, 91; Leythäuser 1916, 112; Aurora 1. und 10.07.1829. Anna Altmuttter starb am 19.10.1826.
49 Am 10.04.1825 als Gast in München.
50 Eos 30.09.1825; Flora 30.09.1825.
51 BayHStA Intendanz Hoftheater 902 (02.10.1825).
52 Wolf 1922, 79. Gewöhnlich stand der König um fünf Uhr früh auf.
53 Eos 12.11.1825.
54 BayHStA Intendanz Hoftheater 902.
55 Siehe z. B. Poißl 2006, 137 und 182.
56 Abend-Zeitung 02.05.1826.
57 BayHStA Intendanz Hoftheater 902.
58 Grandauer 1878, 103.
59 Eos 06.12.1826.
60 Wiener Zeitschrift 18.03.1826 (Aufführung 15.01.1826).
61 Flora 22.01.1826; Abend-Zeitung 21.03.1826.
62 Z. B. Eos 15.09.1826; Flora 14. und 15.09.1826.
63 Stemplinger 1939, 46.
64 Krauß 1908, 177.
65 Krauß 1908,150. Hier auch das Folgende zur allgemeinen Theatergeschichte in Stuttgart.
66 Krauß 1908, 167.
67 Flora 18.08.1826.
68 Didaskalia 11.08.1826.
69 BayHStA Intendanz Hoftheater 902; StA Lu E 18 II Bü 901.
70 StA Lu E 18 IIBü 901.
71 Das Königstor besteht nicht mehr. Es stand gegenüber dem heutigen Hauptbahnhof. Es war seinerzeit die Hauptzufahrt von Osten her, die Neckarstraße bestand damals in ihrer späteren Form noch nicht.
72 Palm 1881, 35.
73 Bayer. Landbote 03.03.1827.
74 Bayer. Volksfreund 17. und 27.03.1827.
75 BaHStA Intendanz Hoftheater 902.
76 Flora 23.04.1827.
77 Vgl. BSB-HSS Schenkiana II,12. Brief 08.01.1828.
78 Eos 25.04.1827.
79 Bayer. Volksfreund 23.06.1827.
80 Eos 08.08.1827.
81 Museum für Kunst 29.11.1838.
82 Tags-Blatt 15.07.1827. Vgl. auch die überaus langen Besprechungen in Eos 10. bis 16.03.1826.
83 Abend-Zeitung 28.03.1828.
84 Ebenda.
85 Wiener Zeitschrift 06.04.1839; Münchner Tagpost 02.12.1838.
86 Flora 26.02.1826.
87 Tags-Blatt 15.07.1827.
88 Flora 25.02.1830; Zeitung elegante Welt 05.06.1830.
89 Eos 26.09.1827.
90 Vgl. z. B. Meyerbeer 2002, 392.
91 SAS Autograph 6152 (St. an Hackländer, Tegernsee, 22.09.1864).
92 BayHStA Intendanz Hoftheater 902.
93 Ebenso Bayer. Volksfreund 20.12.1827.
94 Tags-Blatt 30.12.1827.
95 Flora 04.01.1828; vgl. auch Bayer. Volksfreund 05.01.1828.
96 Eos 19.01.1828.
97 Ebenda.
98 Ebenda.
99 Bayer. Volksfreund 25.01.1828.
100 Eos 02.05.1828; Flora 04. und 11.01.1828. Zu Caroline Lindner allgemein z. B. Lewald 1836, 268–270.
101 BSB-HSS Hagn 30.12.1827.
102 Tags-Blatt für München 06.01.1828; Bayer. Volksfreund 05.01.1828.
103 Flora 10.01.1828.
104 Flora 17.01.1828.
105 Eos 19.01.1828.
106 Abend-Zeitung 28.06.1828.
107 Eos 11.08.1827. Fanny Fleckenstein war früher schon im Isartortheater in München aufgetreten, erhielt 1827 eine feste Anstellung am Hoftheater, um wenige Jahre später nach Nürnberg und Mainz zu wechseln.
108 Bobbert 1936, 16.
109 Grandauer 1878, 103.
110 Tags-Blatt 23.02.1828; Eos 07.02. und 19.03.1828.
111 Tags-Blatt 10.01.1828.
112 BSB-HSS Hagn 08.01.1828.
113 Hesperus 27.01.1827.
114 Tags-Blatt 05.10.1827.
115 BSB-HSS Schenkiana II, 2 (Beer an Schenk, Frankfurt 08.01.1828).
116 Ebenda.
117 Ebenda.
118 Ebenda.
119 BSB-HSS Hagn 02., 24., 26., 27.02.1828, 09.04.1828.
120 BSB-HSS Hagn, an verschiedenen Stellen.
121 Bobbert 1936, 18 f.
122 Eos 10.03.1828.
123 Flora 27.03.1828.
124 Sonntags-Blatt 30.03.1828.
125 BSB-HSS Hagn.
126 Lewald 1836, 270–274; Bobbert 1936; Oelwein 1997.
127 BayHStA Intendanz Hoftheater 902; StA Lu E 18 II Bü 901.
128 StA Lu E 18 II Bü 901.
129 BayHStA Intendanz Hoftheater 902. Vgl. auch Signat 1828/211.
130 Tags-Blatt 27.07.1828.
131 StA Lu E 18 II Bü 901.
132 Vgl. auch Grandauer 1878, 106.
133 Dazu allgemein Oelwein 2003, 159–172.
134 Zu den einzelnen Schönheiten vgl. vor allem von Oertzen 1927 und Hojer 2011. Vgl. auch von Hase 1971, vor allem 91–107. An dieser Stelle möchte ich auch Frau Dr. Ulrike von Hase-Schmundt für Informationen danken. Ihr war das Stubenrauch-Porträt unbekannt.
135 Bruckbräu 1829, ähnlich auch Bruckbräu 1835. Vgl. auch Kunstblatt 26.11.1829.
136 BSB-HSS Hagn 16.12.1827.
137 In den Journalen der Kabinettskassenverwaltung der entsprechenden Jahre erscheint es nicht (GHA Nachlass Ludwig I., 18, 19, 20 und 111, 112, 113).
138 Auch dieTagebücher König Ludwigs I. (BSB-HSS) geben dazu keine Anhaltspunkte. Ich danke Frau Dr. Ingrid Rückert für die Überprüfung. Vgl. dagegen das Verhalten des Königs bei Charlotte von Hagn, der nach ihrem Weggang aus München ein Berufsverbot ausgesprochen wurde. Bobbert 1936, 25 f.; 28 f.
139 Bobbert 1936, 25 f.; 28 f.
140 Nicht auszuschließen ist, dass König Wilhelm I. von Württemberg das Bild erworben hat. Jedenfalls scheint er die dritte Fassung von Stielers Auguste Strobl von 1828 besessen zu haben. Dazu Lempertz 2019, Lot 1507.
Бесплатный фрагмент закончился.
