Читать книгу: «Mittendrin ist vielerorts (E-Book)»

Шрифт:


Christa Scherrer, Simone Heller-Andrist,

Susanne Amft, Jürg Arpagaus (Hrsg.)

—

Mittendrin ist vielerorts

22 Porträts

Mit einer literarischen Betrachtung von Tabea Steiner

—

ISBN Print: 978-3-0355-1892-4

ISBN E-Book: 978-3-0355-1893-1

—

Porträts: Urs Hafner (Texte) und Monique Wittwer, www.moniquewittwer.ch (Fotos)

Gestaltungskonzept: opak – grafik & illustration

Bildnachweis Gebäude: PH Graubünden (S. 21), PH Zug (S. 27),

PH Thurgau (S. 120), PH St. Gallen (S. 121), Interkantonale Hochschule für Heilpädagogik (S. 122),

PH Luzern (S. 123), PH Wallis (S. 147)

—

1. Auflage 2021

Alle Rechte vorbehalten

© 2021 hep Verlag AG, Bern

—

hep-verlag.ch

Diese Publikation ist Teil des Projekts «Doppeltes Kompetenzprofil der Pädagogischen Hochschulen: Institutionelle und individuelle Anforderungen an den Berufsfeldbezug» (www.dkp-ph.ch).


Carine Burkhardt Bossi «Die Berufspraxis ist wichtig, aber wissenschaftliche Theorien sind es ebenso» → S. 31

Rico Cathomas «Je weniger Prestige deine Sprache hat, desto mehr Sprachen musst du gut beherrschen» → S. 35

Doris Edelmann «Bildung schafft Chancen – dafür forschen wir» → S. 39

Marianne Ettlin «Ein Lob für die Anstrengung ist wichtiger als ein Lob für das Produkt» → S. 43

Barbara Fäh «Die Praxis sollte auf Augenhöhe mit der Wissenschaft sein. Sie lebt von ihr – und umgekehrt» → S. 47

Jürgen Kohler «Ich bin ein wissenschaftlich denkender Praktiker» → S. 63

Franziska Kost «Wenn sich im Schulzimmer alle gut fühlen, bedeutet das noch lange nicht, dass der Unterricht lernwirksam ist» → S. 67

Karin Landert Born «Ich rede nur über Dinge, von denen ich etwas verstehe» → S. 71

Marco Longhitano «Die Lehrmittelforschung beachtet die Perspektive der Schulkinder zu wenig» → S. 75

Marco Lütolf «Die Frage müsste lauten: Welche Kinder hatten Spass – und welche nicht?» → S. 79

Hubert Schnüriger «Im PH-Unterricht kann man sich nicht hinter Zitaten und Namen verstecken. Man muss zur Sache kommen» → S. 95

Anja Sieber Egger «Wir alle arbeiten mit Theorien. Wissenschaftliche Theorien aber fördern die Reflexion» → S. 99

Edmund Steiner «Jede Theorie braucht praktische Relevanz, das Lehren sollte vom Alltag ausgehen» → S. 103

Christa Urech «Die Studierenden müssen ein Bewusstsein dafür gewinnen, dass die Eltern ihnen ihre Kinder anvertrauen werden» → S. 107

Kathrin Futter «Lehrpersonen sollten immer wieder in die Reflexionsschlaufe zurückkehren» → S. 51

Janine Gut «Wenn ich merke, dass ich den Lehrpersonen etwas mitgeben kann, was sie weiterbringt, dann bin ich glücklich» → S. 55

Petra Hutter «Wir müssen uns verändern, ohne unsere Wurzeln zu verlieren» → S. 59

Carola Mantel «Wenn ich das nicht zusammenbringe, bin ich auf dem Holzweg» → S. 83

Helene Mühlestein «Was auch immer die Lehrerin im Schulzimmer tut: Sie muss es begründen können» → S. 87

Cornelia Meier Eckstein «Die Konfrontation mit der Realität öffnet den Blick dafür, was von meiner Lehre im Klassenzimmer ankommt» → S. 91

Martin Viehhauser «Klassenzimmer fallen nicht vom Himmel, sondern werden von Menschen gemacht» → S. 111

Miriam Vögele «Wir arbeiten nicht im engen Sinn akademisch, aber müssen den akademischen Betrieb kennen» → S. 115

Dank

Vorwort

Vorwort

Einleitung

22 Porträts

L’œil extérieur

Reflexionen – Berufsfeldbezug an Pädagogischen Hochschulen

Literatur

Abkürzungen

Dank

Das Buch «Mittendrin ist vielerorts – 22 Porträts» ist Teil des Projekts «Doppeltes Kompetenzprofil der Pädagogischen Hochschulen: Institutionelle und individuelle Anforderungen an den Berufsfeldbezug» (2017–2020). Der Begriff «doppeltes Kompetenzprofil» steht für den hohen Stellenwert der Wissenschaftlichkeit in der Arbeit an den Pädagogischen Hochschulen und ihre Orientierung an Situationen, Fragen und Anforderungen des Berufsfelds. Dieser Topos ist dabei gleichzeitig Referenz und Erkenntnisgegenstand, der hinsichtlich seiner Bedeutung für die Pädagogische Hochschule als Institution sowie für deren Mitarbeitende und Teams hinterfragt wird. Wofür steht er konkret, wenn besonders das Verhältnis der Pädagogischen Hochschulen zum Schul- und Berufsfeld in den Blick genommen wird? Worüber sollen Mitarbeitende an Pädagogischen Hochschulen verfügen, wenn sie für sich oder andere (z. B. Studierende) Zugänge zum Schul- und Berufsfeld schaffen, um Erkenntnis, Lernen und Entwicklung zu fördern?

Die Weiterentwicklung des institutionellen und individuellen Verständnisses des doppelten Kompetenzprofils innerhalb und zwischen den Pädagogischen Hochschulen sowie in der Scientific Community und im Berufsfeld ist ein Gemeinschaftsprojekt, das von den unterschiedlichen Erfahrungen, Argumenten, Überzeugungen und Referenzen der Beteiligten lebt. Zu den Stärken des Projekts gehört, dass sich Angehörige von neun Pädagogischen Hochschulen der Schweiz zusammengefunden haben, um diese individuell sowie (inter-)institutionell profilbildenden Auseinandersetzungen zu führen. Das genaue Hinschauen macht die identitätsbildenden und legitimierenden Anteile des «doppelten Kompetenzprofils» sichtbar und lässt die Bezüge in der Vielfalt der Aufgabenbearbeitung erkennen. Dabei wird deutlich: Bei der Umsetzung des institutionellen Auftrags der Pädagogischen Hochschulen sind deren Mitarbeitende vielerorts mittendrin.

Das Buch soll Einblick geben in die aktuelle Situation an den Hochschulen und Ausgangspunkt für weitere Diskussionen und Entwicklungen sein. Es lebt von den Porträtierten, die einen Teil ihrer Arbeit für die Öffentlichkeit sichtbar machen. Die Herausgebenden danken ihnen für ihre Mitwirkung am Buch und das damit verbundene Engagement im Dienst der Hochschulentwicklung. Die Fotografin Monique Wittwer und der Wissenschaftsjournalist Urs Hafner stellen die Porträtierten und ihre Arbeit im Umfeld ihrer Pädagogischen Hochschule in Bild und Text dar. Das in ihren Beiträgen erkennbare Interesse an den porträtierten Personen und ihrer Arbeit trägt zum Anregungsgehalt des Buches bei, wofür ihnen die Herausgebenden herzlich danken.

Die Schriftstellerin Tabea Steiner hat sich auf das Ergründen der Frage eingelassen, inwiefern der «Weltenbezug» auch ein genuines Merkmal ihres Literaturschaffens ist. Ihr vielschichtiger Text, der die Welt des Unfassbaren mit dem Pädagogischen in Bezug bringt, bildet im Buch einen Akzent, der zum Nachdenken einlädt. Ihr gebührt ein wertschätzender Dank für diesen Aussenblick auf die Thematik.

Weiter danken die Herausgebenden dem hep Verlag und ganz besonders Tatjana Straka (Projektleiterin) sowie Alexander Elsässer (Grafiker von opak – grafik & illustration). Ihr Interesse und ihre Freude am Buchprojekt sowie ihre umsichtige und kompetente Arbeit waren während des ganzen Arbeitsprozesses stärkend.

Einen grossen Dank richten die Herausgebenden auch an diejenigen, die mit dem Vorwort das Buch eröffnen: Heinz Rhyn, Präsident der Kammer Pädagogische Hochschulen von swissuniversities, und Dagmar Rösler, Präsidentin des Dachverbandes Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH). Ihre Beiträge und Anliegen stehen in besonderem Mass für die institutionelle Dimension des Berufsfeldbezugs.

Für die Durchführung des Projekts «Doppeltes Kompetenzprofil der Pädagogischen Hochschulen: Institutionelle und individuelle Anforderungen an den Berufsfeldbezug» (2017–2020) mandatierten die Rektorinnen und Rektoren der Pädagogischen Hochschule der Fachhochschule Nordwestschweiz, der Pädagogischen Hochschule Graubünden, der Interkantonalen Hochschule für Heilpädagogik, der Pädagogischen Hochschulen, Luzern, Schwyz, St. Gallen, Thurgau, Zug und Zürich die Pädagogischen Hochschulen Zug und Zürich als Co-Leading-Houses mit den Co-Projektleiterinnen Christa Scherrer und Simone Heller-Andrist sowie dem wissenschaftlichen Projektmitarbeiter Markus Fischer. Susanne Amft und Anna Cornelius (Interkantonale Hochschule für Heilpädagogik), Kathrin Krammer und Jürg Arpagaus (PH Luzern) sowie Clemens Diesbergen (PH Zug) und Elisabeth Hardegger (PH Zürich) verantworteten das Projekt als Kerngruppenmitglieder mit. Für ihre grosse Unterstützung und die aufmerksame Begleitung des Buchprojekts «Mittendrin ist vielerorts – 22 Porträts» sprechen die Herausgebenden ihnen ihren herzlichsten Dank aus.

Danken möchten die Herausgeberinnen und der Herausgeber auch Eliane Künzli (PH FHNW), Men Gustin (PH Graubünden), Hanne Bestvater (HfH), Dorothee Lauper (PH Luzern), Kathrin Futter (PH Schwyz), Katrin Graber (PH St. Gallen), Christoph Suter (PH Thurgau), Christine Hofer (PH Zug) sowie Geri Thomann (PH Zürich). Sie engagierten sich für das Projekt und das Buch als Projektmitglieder in der Begleitgruppe. In ihrer Rolle als Bindeglied zwischen dem Projekt und ihrer Hochschule unterstützten sie die Realisierung des Buches bei der Auswahl und Kontaktaufnahme mit den Porträtierten.

Brigit Eriksson-Hotz (Rektorin em. PH Zug), Erika Stäuble (pens. Leiterin akademisches Personalmanagement PH Zürich) sowie Hans-Rudolf Schärer (Rektor em. PH Luzern) und Heinz Rhyn (Rektor PH Zürich) haben mit ihren Grundlagenarbeiten und ihrer Überzeugungskraft das Gesamtprojekt und damit auch das vorliegende Buch erst möglich gemacht. Für diesen bedeutenden initialen Beitrag sprechen ihnen die Herausgebenden ihre Anerkennung und ihren grossen Dank aus.

Mit der Aufnahme in das von swissuniversities geförderte «Pilotprogramm zur Stärkung des doppelten Kompetenzprofils beim FH- und PH-Nachwuchs» erhielt das Projekt «Doppeltes Kompetenzprofil der Pädagogischen Hochschulen: Institutionelle und individuelle Anforderungen an den Berufsfeldbezug» die Anerkennung als Hochschulentwicklungsprojekt von gesamtschweizerischer hochschulpolitischer Bedeutung (siehe www.dkp-ph.ch). Es ist je zur Hälfte durch den Bund und die beteiligten Hochschulen finanziert.

Das Projekt lebt vom Spannungsfeld, das sich zwischen den spezifischen Interessen, Praxen und Kulturen der einzelnen Hochschulen einerseits sowie dem interinstitutionell erteilten Mandat andererseits ergibt. Die Herausgeberinnen und der Herausgeber danken den Rektorinnen und Rektoren für das mit dem Projektauftrag entgegengebrachte Vertrauen und den Kolleginnen und Kollegen im Projekt für den aufschlussreichen, anregenden fachlichen Austausch.

Zug, Zürich und Luzern im Oktober 2020

Die Herausgeberinnen, der Herausgeber

Christa Scherrer, Simone Heller-Andrist, Susanne Amft, Jürg Arpagaus

Vorwort Heinz Rhyn

Vorwort Dagmar Rösler

Einleitung Jürg Arpagaus, Christa Scherrer

Vorwort

Die Bedeutung des Berufsfeldbezugs für die Arbeit an Pädagogischen Hochschulen steht sowohl im Zentrum der vorliegenden Publikation als auch im Fokus der Personalentwicklung Pädagogischer Hochschulen. Zudem legt die Kammer Pädagogische Hochschulen (Kammer PH) von swissuniversities einen strategischen Schwerpunkt in diesem Bereich. Der Berufsfeldbezug bezeichnet einen Kernaspekt des doppelten Kompetenzprofils von Dozierenden und wissenschaftlichen Mitarbeitenden an Pädagogischen Hochschulen. Er meint demnach ein vertieftes Verständnis derjenigen Tätigkeiten im Berufsfeld, die für die eigene Tätigkeit an der Pädagogischen Hochschule von Bedeutung sind. Das Verhältnis von Hochschule und Berufsfeld ist in beide Richtungen relevant.

In seinem Essay «Wie wir die Welt im Geist ordnen» erfasst Peter von Matt (2014) einen solchen Bezug als das Verhältnis zwischen Welt und Geist. Das Erzählen dieser Welt – oder ein beschreibender Einblick – ist, so von Matt, «die Übersetzung eines verworrenen Ganzen in ein Modell». Und als «Modell ist die Erzählung die ältere Schwester der Theorie». Ein erzählender Bezug zur Welt dient also deren induktiver Erfassung in Modell und Theorie. Die Erzählungen im vorliegenden Band ermöglichen eben dies – sie geben Einblicke, erschaffen so Welten im Geist und dienen der modellhaften Erfassung solch gegenwärtiger Bezüge.

Diese Gegenwart allerdings ist steter Veränderung ausgesetzt. So hat sich beispielsweise gerade der Lehrberuf in den vergangenen Jahren stark weiterentwickelt. Die Gegenwart, in der künftige Lehrpersonen ausgebildet werden, hat nicht dieselben Rahmenbedingungen wie die künftige Gegenwart, in der sie als Lehrpersonen tätig sein oder in der sie in einer möglichen Laufbahn als Dozierende an Hochschulen wiederum künftige Lehrpersonen ausbilden werden. Sowohl die Berufspraxis als auch die Wissenschaftspraxis entwickeln sich konstant weiter.

Das doppelte Kompetenzprofil orientiert sich an diesen beiden Referenzsystemen: Bildungswissenschaften einerseits und Berufsfeldbezug andererseits. Es umfasst sowohl eine wissenschaftliche Qualifikation als auch die vertiefte Auseinandersetzung mit dem Berufsfeld. Der Begriff «doppeltes Kompetenzprofil» und die Anliegen im Kontext zu dessen Förderung scheinen ab 2017 gleich in mehreren von der Kammer PH verabschiedeten Dokumenten prominent auf. Das doppelte Kompetenzprofil knüpft so eng an die Anliegen zur Nachwuchsförderung an und ist damit den Dynamiken gesellschaftlicher Entwicklungen ausgesetzt.

Die Strategie der Kammer PH für die Periode 2021 bis 2024 strebt die Etablierung von Laufbahnen im Sinne des doppelten Kompetenzprofils an (7. Strategieziel), fordert also Bemühungen um «hochqualifizierten Nachwuchs für Lehre, Dienstleistungen, Forschung und Entwicklung». Es geht darum, diesen Nachwuchs nicht nur zu gewinnen, sondern auch «zu fördern und im Hochschulsystem zu halten». Die Zielsetzung zeigt klar auf, dass die Förderung und Qualifizierung des eigenen Nachwuchses eine Notwendigkeit für die Hochschulentwicklung darstellen.

Grundlage für diese dringliche Forderung ist der 2018 von der Kammer PH verabschiedete Bericht «Laufbahnen an Pädagogischen Hochschulen: Personalstrategische Leitlinien zur Nachwuchsförderung». Darin ist der Anspruch an ein erweitertes Kompetenzprofil des wissenschaftlichen Personals formuliert, also ein um beispielsweise hochschuldidaktische Kompetenzen erweitertes doppeltes Kompetenzprofil, als logische Folge der Vielseitigkeit der Aufgaben, die dem wissenschaftlichen Personal übertragen werden. Ein solches Profil ist individuell und aufgabenbezogen weiterzuentwickeln, damit dem Anspruch möglichst gezielt nachgekommen werden kann.

Die Bemühungen um den Nachwuchs im doppelten Kompetenzprofil wurden durch «Pilotprogramme zur Stärkung des doppelten Kompetenzprofils beim FH-und PH-Nachwuchs» (Programm P-11) inhaltlich und mit projektgebundenen Beiträgen auch finanziell unterstützt. Unter die Projekte der ersten Förderperiode (2017–2020) reiht sich das Projekt «Doppeltes Kompetenzprofil der Pädagogischen Hochschulen: Institutionelle und individuelle Anforderungen an den Berufsfeldbezug» ein, in dem in einem gemeinsamen Effort von neun Pädagogischen Hochschulen ein Angebot zur Nachwuchsförderung im Sinne einer Stärkung des Berufsfeldbezugs entwickelt wurde. Dieses Angebot wurde von einigen der im Folgenden porträtierten Personen absolviert. Im Projekt wurde das Verständnis des doppelten Kompetenzprofils weiterentwickelt. Die vorliegende Publikation leistet ihren Beitrag dazu. Der Herausgeberschaft, der Projektleitung und den Mitgliedern der Projektorganisation gebührt an dieser Stelle ein grosses Dankeschön für ihr Engagement.

Um zu verstehen, muss einem Einblick gewährt werden. Diese Einblicke in die Vielfalt an Persönlichkeiten an Pädagogischen Hochschulen und die Vielseitigkeit der ihnen übertragenen Aufgaben sowie die damit einhergehenden Bezüge zum Berufsfeld werden in der vorliegenden Publikation ermöglicht. Vielseitig bedeutet, dass diese Bezüge auch vielerorts hergestellt und gepflegt werden. In diesem Sinn wünsche ich Ihnen bei der folgenden Lektüre eine inspirierende Reise durch dieses Vielerorts!

Heinz Rhyn

Präsident Kammer Pädagogische Hochschulen von swissuniversities

Rektor der Pädagogischen Hochschule Zürich

Vorwort

Wer sich heute für das Studium an einer Pädagogischen Hochschule einschreibt, hat sich für einen äusserst interessanten, aber auch anspruchsvollen künftigen Beruf entschieden. Die grosse Vielfältigkeit und das breite Aktionsspektrum des Unterrichtens sind von aussen oft gar nicht ersichtlich. Neben professioneller Klassenführung, dem Umgang mit grosser Heterogenität, der Vor- und Nachbereitung eines effektiven Unterrichts, stetiger Weiterbildung (sowohl schulintern als auch individuell), teils sehr anspruchsvoller Elternarbeit und vielem mehr wird auch eine ausgesprochen hohe Sozialkompetenz – sowohl gegenüber der eigenen Klasse als auch gegenüber dem eigenen Team – gefordert. Oftmals wird erst während des tatsächlichen Berufseinstiegs realisiert, was für breite Kompetenzprofile der Beruf verlangt.

Wie vielschichtig der Lehrberuf ist, zeigen die lebensnahen Porträts von Dozierenden in diesem Band, die neben ihrer Lehrtätigkeit an einer Pädagogischen Hochschule auch einen direkten und aktiven Bezug zum Berufsfeld von Lehrerinnen und Lehrern haben.

Da leitet beispielsweise eine Primarlehrerin an einer PH einen CAS-Lehrgang zur integrativen Begabten- und Begabungsförderung. Dieser soll befähigen, bei Schülern und Schülerinnen Talente zu erkennen, bevor die Kinder Verhaltensauffälligkeiten entwickeln und statt Thema für die Begabtenförderung eines für die Heilpädagogin werden. Was die Dozentin an der PH lehrt, setzt sie täglich im Klassenzimmer um. Und umgekehrt: Was sie in der Klasse praktiziert, kommt ihrer Lehre an der PH zugute.

Dort schreibt eine Institutsleiterin in Kooperation mit Lehrpersonen und Theaterpädagogen ein Buch über Migration und Ungleichheit in der Schule, sodass sich Praxis und Wissenschaft erkenntnisgewinnend verzahnen.

Im Volleyballunterricht mit Kindern während eines berufspraktischen Moduls erfährt ein Dozent der Fachdidaktik Bewegung und Sport die Bedeutung von Emotionen im Sport und reflektiert deren Auswirkungen auf das Lernen. Seither schenkt er dem Umgang mit Emotionen an der PH mehr Beachtung.

Eine Dozentin für Geschichte und Geschichtsdidaktik arbeitet zusätzlich als Sek-I-Lehrerin, erprobt dabei digitale Unterrichtsmethoden im Geschichtsunterricht und gewinnt für die Arbeit an der PH wichtige Erkenntnisse, wie man geschichtliche Fenster für Jugendliche öffnen kann.

In jedem dieser Porträts wird klar, wie erkenntnisreich es für PH-Mitarbeitende ist, den Puls der Praxis zu spüren und das theoretische Wissen auch real erproben und kritisch reflektieren zu können. Umgekehrt profitieren Lehrpersonen aus der Praxis vom wissenschaftlichen Wissen, das ermöglicht, ihre pädagogische und methodische Arbeitsweise evidenzbasiert zu untermauern und zu spiegeln.

Der spannende Einblick in die Arbeit von 22 Mitarbeitenden Pädagogischer Hochschulen zeigt somit die enge Verzahnung zwischen Wissenschaft und Praxis, die ein gegenseitiges Profitieren ermöglicht.

Dem gegenüber steht die Meldung, dass es anscheinend zunehmend schwierig wird, an den Pädagogischen Hochschulen Personal zu finden, das neben den akademischen Qualifikationen auch über einen ausgewiesenen Berufsfeldbezug verfügt.

Gemäss einer Studie der Wirtschaftshochschule und der Pädagogischen Hochschule Luzern verfügen rund zehn Prozent der Dozentinnen und Dozenten an Fachhochschulen und Pädagogischen Hochschulen über keine relevante Praxiserfahrung, und weitere knapp fünf Prozent haben nur ein oder zwei Jahre in einem relevanten Praxisfeld gearbeitet.

Genau hier knüpft das Projekt «Doppeltes Kompetenzprofil der Pädagogischen Hochschulen» an, in dessen Rahmen die vorliegende Publikation entstanden ist: Als eine individuelle Personalentwicklungsmassnahme wird das «Problem» an der Wurzel gepackt. Das Projekt gibt Anstoss dazu, die Pädagogischen Hochschulen und die Schulen vor Ort noch besser zusammenzubringen und den Wissensaustausch als gemeinsamen Lernprozess zu gestalten. Dabei ist wichtig, dass nicht nur der Nachwuchs an Fachhochschulen und Pädagogischen Hochschulen berücksichtigt wird, sondern auch jene Dozentinnen und Dozenten, die schon lange an den Hochschulen tätig sind.

Der Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH) begrüsst und unterstützt die Bestrebungen, den Berufsfeldbezug von PH-Mitarbeitenden zu stärken. Damit kann der Puls vor Ort noch besser gefühlt und können die Erfahrungen und Herausforderungen des praktischen Unterrichtens für Lehrpersonen und Schülerschaft noch besser erfasst werden. In der engeren Verknüpfung von Wissenschaft und Praxis sieht der LCH viele Vorteile, insbesondere lassen sich so wichtige Erkenntnisse gewinnen, die zurück in die Hochschulen und Schulen fliessen und somit letztlich besonders auch den PH-Studierenden und den Schülerinnen und Schülern zugutekommen.

Dagmar Rösler

Präsidentin des Dachverbands Lehrerinnen und Lehrer Schweiz, LCH


Jürg Arpagaus, Christa Scherrer

Einleitung

Dieses Buch porträtiert Menschen an Pädagogischen Hochschulen (PH), die sich in ihrer Arbeit in sehr unterschiedlicher Weise mit dem Berufsfeld von Lehrpersonen, Berufsbildungsverantwortlichen, schulischen Heilpädagoginnen, Logopäden, Psychomotoriktherapeutinnen oder Schulleitenden auseinandersetzen, um als Forschende, als Lehrende, als wissenschaftliche Mitarbeitende oder als Führungspersonen einen Beitrag für eine gute Bildung in der Schweiz zu leisten. Der an den Pädagogischen Hochschulen allgegenwärtige Bezug zu den Schülerinnen und Schülern oder Lernenden und den Schulen als Ort des Lehrens und Lernens ist ein wesentliches Merkmal der Pädagogischen Hochschulen. Gleichzeitig fordert gerade dieser Bezug das wissenschaftliche Personal an Pädagogischen Hochschulen in vielerlei Hinsicht heraus.

Mittendrin ist vielerorts – die Porträtierten sind, wie auch die Herausgeberinnen und der Herausgeber des Buches, auf sehr unterschiedlichen Wegen zu den Aufgaben an der PH, ihren Arbeitsmittelpunkten, gekommen. Das geht aus den Porträts hervor. Die im Folgenden eingefügten Berichte geben kurze Einblicke in die Wege des Herausgebers Jürg Arpagaus und der Herausgeberin Christa Scherrer. Sie verweisen damit auch auf die fragende Haltung, die die Entstehung des Buches leitete und die auch im Projekt «Doppeltes Kompetenzprofil» (PgB-Projekt) gepflegt wurden.

Als Quereinsteiger an der Pädagogischen Hochschule ist mir als Bildungssoziologen aufgefallen, dass nicht nur viele ehemalige Volksschullehrpersonen an den Pädagogischen Hochschulen arbeiten, sondern auch, dass sie sich zum Beispiel als Dozierende in Weiterbildungen oder in der Forschung sofort als ehemalige Lehrpersonen zu erkennen geben, so Jürg Arpagaus. Ich habe in der Auseinandersetzung mit dem «doppelten Kompetenzprofil» im Rahmen des PgB-Projekts aus dem Programm P-11 «Doppeltes Kompetenzprofil der Pädagogischen Hochschulen: Institutionelle und individuelle Anforderungen an den Berufsfeldbezug» zu verstehen gelernt: Dieses Bekenntnis ist einerseits Ausdruck dafür, dass PH-Dozierende ihr Handeln an der Hochschule auf das Berufsfeld der Lehrpersonen ausrichten wollen, und anderseits dafür, dass ihnen das selbst Erlebte wichtig für ihr Selbstverständnis als Mitarbeitende an einer Pädagogischen Hochschule ist.

Die akademisch – und praktisch – interessante Frage für mich persönlich war, ob Mitarbeitende der Pädagogischen Hochschule das Handwerk von Lehrpersonen beherrschen und über diese Primärerfahrungen im Schulzimmer verfügen müssen, um ihre Tätigkeiten an der Pädagogischen Hochschule – sei es in der Lehre oder in der Forschung – ausüben und ihre Arbeit effektiv auf das Berufsfeld ausrichten zu können. Oder anders gefragt: Gibt es einen kausalen Zusammenhang zwischen der Ausbildung und der Berufserfahrung als Lehrperson und der Qualität der Arbeit und Produktivität von Dozierenden an Pädagogischen Hochschulen?

Diese Fragen konnten wir im Projekt nicht abschliessend beantworten. Es war auch nicht unsere Aufgabe, diese Frage zu beantworten. Wir haben uns jedoch auf die Spurensuche gemacht und uns im Rahmen des Projekts gefragt, wie diese Norm eines «doppelten Kompetenzprofils» der Dozierenden in der Ausbildung künftiger Lehrpersonen gestaltet wird und wie sich Dissertation und Lehrdiplom als formale Anforderung an Dozierende begründen lässt. Weiter interessierte uns, über welche formalen Kompetenzen die Dozierenden in der Ausbildung künftiger Lehrpersonen beziehungsweise an den Pädagogischen Hochschulen heute verfügen. Und wir konnten nach den Erwartungen fragen, die Studierende und Dozierende selbst an ein Kompetenzprofil von Dozierenden an Pädagogischen Hochschulen und an deren Berufsfeldbezug haben. Besonders interessierte uns die Art und Weise, wie die Menschen an den Pädagogischen Hochschulen arbeiten. Welches Wissen und welche Erfahrungen beziehen sie ein, wenn sie den vielfältigen und allgegenwärtigen Bezug zu den Schülerinnen und Schüler, den Lernenden und den für sie zuständigen Bildungsfachleuten gestalten? Welchen Herausforderungen begegnen sie, und wie gehen sie in ihrer Professionalität damit um? Das vorliegende Buch gibt Einblicke in diese Spurensuche.

Mein Zugang als ehemalige Primarlehrerin zur Professionalität an Pädagogischen Hochschulen unterscheidet sich wesentlich von demjenigen meines Kollegen, macht Christa Scherrer deutlich. Als ich Dozentin an der PH wurde, war ich zeitgleich noch an der Uni Studentin der Erziehungswissenschaft. In der damaligen Aufbauphase der Pädagogischen Hochschulen erlebte ich, dass mein Wissen aus dem Studium zum reichen Fundus an Wissen, zu den Unterrichtsmaterialien und Erfahrungen der Kolleginnen und Kollegen passte. Wir deckten zusammen verschiedene Phasen einer Berufsbiografie ab und verfügten gemeinsam über vielfältige Ressourcen: In unserem Team kamen Schulleitungserfahrungen, Erfahrungen als Lehrer, Lehrerin an unterschiedlichen Orten der Schweiz und auf unterschiedlichen Stufen sowie Wissen aus Studien in Psychologie, Erziehungswissenschaft und Heilpädagogik zusammen. Einige Teammitglieder waren in der regionalen Bildungslandschaft der Pädagogischen Hochschulen verankert, andere nicht. Unsere Aufgabe war, die berufspraktischen Module und die Zusammenarbeit mit den Lehrerinnen und Lehrern im Schul- und Berufsfeld aufzubauen, wozu wir auf interessierte, engagierte Lehrerinnen, Lehrer und Schulleitenden zählen konnten. Daran anschliessend, lassen sich Fragen nach der Bedeutung einer Vielfalt berufsbiografischer Wege zur Aufgabenbearbeitung im Team stellen. Zudem legt die Erfahrung nahe, dass das Interesse für Bedingungen einer gelingenden Zusammenarbeit mit den Partnerinnen und Partnern im Schulfeld der Zielstufen eine aufgabenbezogen immer wieder neu zu beantwortende Frage ist.

Die beiden exemplarisch eingebrachten, unterschiedlichen berufsbiografischen Zugänge von Jürg Arpagaus und Christa Scherrer zum Thema des «doppelten Kompetenzprofils» und die daraus resultierenden Fragen machen deutlich: Die Diversität an unterschiedlichen Bildungs- und Berufsbiografien, Funktionen und Aufgaben charakterisiert auch das Team im Projekt. Es konnte sinnigerweise nur erfolgreich sein, wenn auch die Projektbeteiligten sich in unterschiedlicher Art und Weise den Berufsfeldern zuwendeten und sich damit auseinandersetzten.

Im Rahmen der Projektarbeiten wurde schnell deutlich, dass die Vorstellungen zur Heterogenität hinsichtlich formaler Kompetenzen, der Aufgaben, Funktionen und Rollen, der Teamzusammensetzungen und des Verständnisses, wie ein Berufsfeldbezug hergestellt werden kann, sehr gross ist. Wir durften auch erkennen, dass diese grosse Heterogenität eine Stärke ist und dass die Dozierenden in ihrer täglichen Arbeit an den Pädagogischen Hochschulen gelernt haben, Forschung und Lehre immer auch auf das Berufsfeld zu beziehen. Diese Vielfalt in der Herstellung des Berufsfeldbezugs von Dozierenden hat uns beeindruckt und ist ein Ausdruck ihres professionellen Verständnisses.

Die Porträts von 22 Mitarbeitenden aus unterschiedlichen Arbeitsbereichen an Pädagogischen Hochschulen der Deutschschweiz bieten einen Zugang zur Auseinandersetzung mit der Frage nach der Bedeutung des Berufsfeldbezugs für die Pädagogischen Hochschulen und die Bearbeitung ihrer Aufgaben unter den Prämissen der Wissenschaftlichkeit und eines vertieften Verständnisses des Schulund Berufsfeldes. Zusammen mit rund 5500 weiteren Personen, die schweizweit an Pädagogischen Hochschulen tätig sind, tragen die Porträtierten dazu bei, dass die Pädagogischen Hochschulen ihren Bildungsauftrag wahrnehmen können. Sie gewähren Einblick in ihre Arbeit und zeigen damit auf, welche Wege sie an die Pädagogischen Hochschulen geführt haben und wie sie die dabei erworbenen Kompetenzen bei der Bearbeitung ihres Auftrags einsetzen. Sie machen deutlich, was ihnen dabei wichtig ist, welche Herausforderungen sich ihnen stellen und wie sie damit umgehen.

Für Bildungsprozesse ist nach Wilhelm von Humboldt die «Verknüpfung des Ichs mit der Welt zu der allgemeinsten, regesten und freiesten Wechselwirkung» erforderlich (vgl. 1793/2017, S. 7). In den Porträts wird deutlich, wie die Porträtierten in ihrem Fach und für ihre Aufgabe den Horizont der Bezugswelten erfahren und auf verschiedenen Ebenen gestalten. Sie befördern damit Erkenntnisprozesse und Bildung für sich und andere. Dass es dazu nicht nur das Individuum, sondern die Vielfalt der Fächer und Köpfe braucht – auch darauf hat Humboldt hingewiesen: «Das Verfahren unseres Geistes, besonders in seinen geheimnisvolleren Wirkungen, kann nur durch tiefes Nachdenken und anhaltende Beobachtung seiner selbst ergründet werden. Aber es ist selbst damit noch wenig geschehen, wenn man nicht zugleich auf die Verschiedenheit der Köpfe, auf die Mannigfaltigkeit der Weise Rücksicht nimmt, wie sich die Welt in verschiedenen Individuen spiegelt» (ebd., S. 11).

In diesem Sinn laden wir, die Herausgeberinnen und der Herausgeber, die Leserin, den Leser ein, sich von den Porträts zur Auseinandersetzung mit weiteren Arbeitswelten an Pädagogischen Hochschulen anregen zu lassen und zu erkunden, inwiefern ihr Personal nicht nur vielerorts, sondern auch andernorts Teil der Pädagogischen Hochschulen als «wissenschafts- und praxisorientierte[r] Professionshochschulen mit dem spezifischen Fokus auf Bildung» (swissuniversities 2020, S.1) ist.

Der Blick von aussen gehört zu den Grundkonstanten von Entwicklung. Deshalb enthält dieses Buch ein 23. Porträt. Von aussen kann sichtbar werden, was dem Innenblick verwehrt bleibt. Aussenblicke erweitern in der Regel den Wahrnehmungsraum. Die Blickrichtung spielt auch bei der Gestaltung des Berufsfeldbezugs eine Rolle. Mitarbeitende von Pädagogischen Hochschulen blicken aufgrund ihrer Anstellung an einer Institution der Lehrerinnen- und Lehrerbildung von dort aus auf das weitere Bildungssystem, das den Pädagogischen Hochschulen als Berufsfeld gelten kann. Die Herausgebenden sind mit dem 23. Porträt allerdings einen Schritt weitergegangen und haben gefragt, wie ein solcher Perspektivenwechsel auf einer abstrakteren Ebene gefasst werden kann. In der literarischen Verarbeitung einer Thematik sehen sich Schriftstellerinnen und Schriftsteller vor ähnliche Herausforderungen gestellt wie die Mitarbeitenden der Pädagogischen Hochschulen bei der Gestaltung des «Schul- und Berufsfeldbezugs». Wir haben in der Differenz also die Analogie gesucht, sodass das Eigene vor dem Hintergrund des Andersartigen neu gesehen werden kann. Schriftstellerinnen und Schriftsteller ermöglichen anderen (den Leserinnen und Lesern) in ihren Texten Zugänge zu «Welten», die sie aus eigener Erfahrung sehr gut kennen, oder dann sprechen sie über spezifische Bereiche, von denen sie nur punktuell oder gar nicht Teil sind. Wir verstehen die Auseinandersetzung mit diesem Spannungsfeld als etwas, was der Arbeit an den Pädagogischen Hochschulen wie der Literatur eigen ist. Was zeigt sich in der literarischen Betrachtung von Tabea Steiner?

Obwohl der Anspruch des Buches ambitioniert ist, den Berufsfeldbezug von Dozierenden an Pädagogischen Hochschulen zu erfassen, werden wichtige Themen nicht behandelt. Wir thematisieren beispielsweise weder die Qualität der Forschung und Lehre noch die Rolle der Hochschuldidaktik.

Wir unterstreichen hier, dass wir mit den Porträts eine Vielfalt aufzeigen wollen, ohne davon abgeleitet einen Anspruch auf Generalisierbarkeit zu erheben. So sind die porträtierten Personen Angehörige verschiedener Deutschschweizer Pädagogischer Hochschulen in unterschiedlichen Funktionen und Rollen.

Das Buch lässt sich in drei Hauptteile gliedern. Im ersten Teil, bestehend aus den beiden Vorwörtern und dieser Einleitung, wird in den Kontext des Buchprojekts eingeführt. Im zweiten Teil stellen wir die Dozierenden und wissenschaftlichen Mitarbeitenden von Pädagogischen Hochschulen in Porträts vor, denen wir jeweils ein Zitat aus den Interviews voranstellen und die wir mit wenigen biografischen Angaben über den Bildungsweg abschliessen. Jedes Porträt ist mit einem Bild der porträtierten Person ergänzt und steht für sich. Die Reihenfolge der 22 Porträts ist alphabetisch. Die literarische Betrachtung der Schriftstellerin Tabea Steiner erlaubt einen Blick von aussen, um die Gesamtheit der Porträts aus neuer Perspektive und mit etwas Abstand zu betrachten.

Im letzten Teil, dem Schlusskapitel, werden die in den Porträts skizzierten Berufsfeldbezüge aus unterschiedlichen Perspektiven dargestellt und reflektiert. Wir schliessen das Buch mit der Frage, wieweit der Blick auf den Berufsfeldbezug der Dozierenden der Pädagogischen Hochschulen, den diese Publikation gestattet, eine Grundlage für weitere Erkenntnisse sein kann, um den Dialog und die Weiterentwicklung zu fördern.


Carine Burkhardt Bossi «Die Berufspraxis ist wichtig, aber wissenschaftliche Theorien sind es ebenso» → S. 31

Rico Cathomas «Je weniger Prestige deine Sprache hat, desto mehr Sprachen musst du gut beherrschen» → S. 35

Doris Edelmann «Bildung schafft Chancen – dafür forschen wir» → S. 39

Marianne Ettlin «Ein Lob für die Anstrengung ist wichtiger als ein Lob für das Produkt» → S. 43

Barbara Fäh «Die Praxis sollte auf Augenhöhe mit der Wissenschaft sein. Sie lebt von ihr – und umgekehrt» → S. 47

Jürgen Kohler «Ich bin ein wissenschaftlich denkender Praktiker» → S. 63

Franziska Kost «Wenn sich im Schulzimmer alle gut fühlen, bedeutet das noch lange nicht, dass der Unterricht lernwirksam ist» → S. 67

Karin Landert Born «Ich rede nur über Dinge, von denen ich etwas verstehe» → S. 71

Marco Longhitano «Die Lehrmittelforschung beachtet die Perspektive der Schulkinder zu wenig» → S. 75

Marco Lütolf «Die Frage müsste lauten: Welche Kinder hatten Spass – und welche nicht?» → S. 79

Hubert Schnüriger «Im PH-Unterricht kann man sich nicht hinter Zitaten und Namen verstecken. Man muss zur Sache kommen» → S. 95

Anja Sieber Egger «Wir alle arbeiten mit Theorien. Wissenschaftliche Theorien aber fördern die Reflexion» → S. 99

Edmund Steiner «Jede Theorie braucht praktische Relevanz, das Lehren sollte vom Alltag ausgehen» → S. 103

Christa Urech «Die Studierenden müssen ein Bewusstsein dafür gewinnen, dass die Eltern ihnen ihre Kinder anvertrauen werden» → S. 107

Kathrin Futter «Lehrpersonen sollten immer wieder in die Reflexionsschlaufe zurückkehren» → S. 51

Janine Gut «Wenn ich merke, dass ich den Lehrpersonen etwas mitgeben kann, was sie weiterbringt, dann bin ich glücklich» → S. 55

Petra Hutter «Wir müssen uns verändern, ohne unsere Wurzeln zu verlieren» → S. 59

Carola Mantel «Wenn ich das nicht zusammenbringe, bin ich auf dem Holzweg» → S. 83

Helene Mühlestein «Was auch immer die Lehrerin im Schulzimmer tut: Sie muss es begründen können» → S. 87

Cornelia Meier Eckstein «Die Konfrontation mit der Realität öffnet den Blick dafür, was von meiner Lehre im Klassenzimmer ankommt» → S. 91

Martin Viehhauser «Klassenzimmer fallen nicht vom Himmel, sondern werden von Menschen gemacht» → S. 111

Miriam Vögele «Wir arbeiten nicht im engen Sinn akademisch, aber müssen den akademischen Betrieb kennen» → S. 115

22 Porträts Urs Hafner (Texte) und Monique Wittwer (Fotos)

L’œil extérieur Tabea Steiner


Die Berufspraxis ist wichtig, aber wissenschaftliche Theorien sind es ebenso

Carine Burkhardt Bossi forscht zur frühen Kindheit. Wenn in dieser Lebensphase etwas schiefläuft, sollte interveniert werden, sonst bleibt die Entwicklung des Kindes gehemmt.

«Eine professionelle Lehrperson zeichnet sich durch ihre reflexive Praxis aus. Sie ist involviert in das, was sie tut, sie kennt ihre Macken und blinden Flecken, sie reflektiert die Prozesse, die sie anstösst», sagt Carine Burkhardt Bossi. Reflexive Praxis heisst auch theoretische Praxis: Die Lehrperson macht sich Gedanken dazu, wie sie ihr Wissen erwirbt und weitergibt, was das von ihr benutzte Modell im Alltag konkret bedeutet.

«Die Berufspraxis ist wichtig, aber wissenschaftliche Theorien sind es ebenso. Daran erinnere ich Studierende, die sich über ‹zu viel Theorie› beklagen. Ich frage sie jeweils: ‹Was versteht ihr unter Theorie? Dass ihr viel lesen müsst? Das ist noch keine Theorie. Wer den akademischen Grad eines Bachelors erwirbt, muss Theorien kennen.› Und dann diskutieren wir.»

Dass Carine Burkhardt Bossi die Diskussion dieser Fragen vorantreibt, hat einen biografischen Hintergrund. Zunächst war sie Primarlehrerin, nach ein paar Jahren Berufspraxis studierte sie Psychologie: «Ich tauchte tief in die akademische Welt ein und erschloss mir über die Wissenschaften eine neue Welt. Das hat mich geprägt.»

Heute lehrt und forscht sie an der Pädagogischen Hochschule Thurgau in Kreuzlingen. Als Dozentin unterrichtet sie angehende Lehrpersonen der Vorschulstufe in Pädagogik und Psychologie. Ferner gibt sie Weiterbildungen, forscht zur Bedeutung des Fantasiespiels im vorschulischen Unterricht, betreut Masterarbeiten und leitet den Masterstudiengang Frühe Kindheit, den sie pionierhaft gegründet hat.

Der Studiengang ist einzigartig in der Deutschschweiz. Die PH Thurgau bietet ihn zusammen mit der Universität Konstanz an. «Die Sozialwissenschaften haben nachgewiesen, wie wichtig die allerersten Jahre eines Menschen für sein späteres Leben sind. Dass die PH diese Erkenntnisse in ihr Curriculum aufgenommen hat, ist wichtig und finde ich mutig. Sie betritt damit Neuland», sagt Carine Burkhardt Bossi.

Weil der Lehrgang nicht primär für den Unterricht gedacht ist, erhalten seine Absolventinnen und Absolventen kein Lehrpatent: «Sie erwerben hier medizinisches, psychologisches und pädagogisches Wissen, das sie befähigt, in unterschiedlichen Berufsfeldern vor allem beratend zu Fragen der kindlichen Frühentwicklung, ja sogar der Schwangerschaft tätig zu sein.»

So lernen sie zum Beispiel, was der Säugling und das Kleinkind für ihre gesunde Entwicklung brauchen, was Eltern vor und bei der Geburt wissen müssen, auf welche Schwierigkeiten junge Paare stossen, die Eltern werden, was über die Bindung von Eltern und Kind bekannt ist, welche Auswirkungen das kindliche Spiel hat und so weiter. Unter den Absolventinnen und Absolventen finden sich sowohl Junge, die an einer PH studiert und schon ein paar Jahre im Beruf tätig sind, als auch Personen über fünfzig, die sich in eine neue Materie vertiefen oder beruflich nochmals neu orientieren wollen.

Mit dem erworbenen Mastertitel haben sie die Möglichkeit, in leitender Funktion in Verbänden zu arbeiten, die sich der Kinderbetreuung widmen, auf Beratungsstellen für Fachpersonen, Eltern und Kinder, in der Aus- und Weiterbildung oder in der Forschung. Relevant ist der Studiengang auch für Kita-Mitarbeitende, damit sie die Qualität ihres Berufs verbessern können: «Ihre Bedeutung wird zu wenig erkannt. Oft heisst es einfach, die Betreuerinnen müssten Mütterlichkeit ausstrahlen, das sei ausreichend, damit die Eltern Vertrauen gewännen. Das reicht bei Weitem nicht. Dieser Beruf ist höchst anspruchsvoll, wenn man daran denkt, wie prägend die ersten Lebensjahre sind. Wenn hier etwas schiefläuft, muss interveniert werden, sonst wird die Entwicklung des Kindes gehemmt», sagt die Dozentin.

Auch auf Kindergartenstufe sind die Lehrpersonen mit Herausforderungen konfrontiert: «Die Schere zwischen den einzelnen Kindern wird vor und nach dem Eintritt immer grösser. Einerseits trifft die Lehrperson auf Kinder, die bereits lesen und schreiben können, andererseits auf solche, die noch ausgesprochen kleinkindlich sind und viel Unterstützung brauchen. Das wird zum Problem, wenn man rund zwanzig Kinder unterrichten muss.»

Hier nun ist die Bildungspolitik gefordert, die das Problem analysieren und Lösungen finden muss. «Die Politik muss aufgrund evidenzbasierter Belege handeln.» Carine Burkhardt Bossi ist gut mit der Politik vernetzt, etwa durch ihre Leitungsfunktion an der PH, ihren Kontakt zur kantonalen Fachstelle und ihre persönlichen Beziehungen: «Meine Stimme findet immer wieder Gehör. So versuche ich, Einfluss zu nehmen.»

Als Forscherin wirkt sie im fächerübergreifenden Projekt «releFant» mit, das die Relevanz des Fantasiespiels erforscht (daher das Wortspiel): «Was bringt das Spiel für die sozial-emotionale Entwicklung?» Im Projekt wirken auch Studierende mit, indem sie bei Vorstudien Videoaufnahmen machen und mit Tests die Machbarkeit von Untersuchungen prüfen. Im Rahmen des Projekts verfassten einige Studierende ihre Masterarbeiten, die unter anderem von der Dozentin betreut werden.

Die Ergebnisse des Projekts lauten, dass die sozio-emotionalen Kompetenzen der Kinder von Anfang an unterstützt werden können, indem die Lehrpersonen mitspielen: «Wir brauchen keine Trainingsprogramme, um Kinder mit Schwächen in der Emotionsregulation, Soziabilität oder Kooperationsfähigkeit zu fördern, wenn wir sie im Fantasiespiel begleiten und unterstützen. Im Spiel lernen die Kinder, im Kontakt mit Gleichaltrigen Frustrationen auszuhalten, mit den anderen Sachen zu teilen und sich in sie einzufühlen. Das Spiel ist ein enormer Booster für ihre Entwicklung.»

Schliesslich ist Carine Burkhardt Bossi in dem von ihr mitkonzipierten Lehrgang auch Ansprechperson und Beraterin für Studierende, die mit Problemen zu kämpfen haben, zum Beispiel mit einem Dozenten, mit dem sie sich nicht verstehen, mit einer Erkrankung oder dem Tod eines Familienmitglieds. «Das kommt alles vor. In solchen Momenten versuche ich, die Studierenden zu beraten und zu unterstützen. Dies ergänzt und bereichert meine Arbeit ungemein.»

Carine Burkhardt Bossi, geboren 1968, ist seit 2010 Leiterin des Masterstudiengangs Frühe Kindheit und Dozentin für Pädagogik und Psychologie an der Pädagogischen Hochschule Thurgau in Kreuzlingen. Zudem betreut sie Masterarbeiten und forscht zur Bedeutung des Spiels im vorschulischen Alltag. Nach der Ausbildung zur Primarlehrerin am Pädagogischen Institut in Basel-Stadt studierte sie in Zürich Angewandte Psychologie.


Je weniger Prestige deine Sprache hat, desto mehr Sprachen musst du gut beherrschen

Rico Cathomas erarbeitet Lehrmittel für vier rätoromanische Idiome. Damit unterstützt er nicht nur die Lehrpersonen in ihrer Unterrichtspraxis, sondern sorgt auch für den Erhalt der Sprachen.

Sursilvan, Sutsilvan, Puter und Vallader: So heissen die Sprachen, mit deren Didaktik sich Rico Cathomas beschäftigt. Sie sind alle Idiome des Rätoromanischen. Sie hätten in den Schulen der Standardsprache Rumantsch Grischun Platz machen sollen, für das sich das Bündner Kantonsparlament Anfang der 2000er-Jahre ausgesprochen hatte.

Doch dagegen regte sich in den Gemeinden Widerstand. Eine nach der anderen führte ihr Idiom wieder ein, womit neue Lehrmittel nötig wurden. Im multisprachigen Graubünden – offiziell anerkannt sind Deutsch, Italienisch, Rätoromanisch, dazu kommen die vielen Sprachen der Migrantinnen und Migranten – ist das Festlegen der Unterrichtssprachen Gemeindesache. «Das Rätoromanische ist eine ideologische und mehr noch eine psychologische Angelegenheit», sagt Rico Cathomas.

Mit einem Kollegen leitet er an der Pädagogischen Hochschule Graubünden in Chur die Sonderprofessur Integrierte Mehrsprachigkeitsdidaktik; zudem ist er für die Fachdidaktik des Rätoromanischen zuständig. Seit 2015 erarbeitet er mit einem Team von zwanzig Leuten gemäss Lehrplan 21 die Lehrmittel für die vier rätoromanischen Idiome für den Unterricht in der obligatorischen Schule. Die Grundlage ist eine digitale Ausgabe, die auch in gedruckter Form erscheint. Am Schluss werden knapp 130 verschiedene Arbeitsbücher vorliegen.

Die Rätoromanisch-Lehrmittel entstehen in einem kleinen Feld, denn nur rund 40 000 Personen sprechen die Sprache: «Wer sich damit beschäftigt, ob als Lehrperson oder Forschender, kennt sich. Das ist ein grosser Vorteil. Hat man eine Frage, ruft man die Person an, die weiterhelfen kann. Wir romanischen Forschenden sind oft gleichzeitig in Lehre, Weiterbildung oder als Mentoren tätig. So sehen wir bei den Schulbesuchen, wie die Lehrmittel bei den Lehrpersonen, den Praktikanten und den Schülerinnen ankommen», sagt der Professor.

Die Didaktikforschung steht also in engem Austausch mit der Unterrichtspraxis. Viele Lehrpersonen wünschten sich eine einfache, verständliche und kompakte Schulgrammatik, wie Rico Cathomas und sein Team merkten. Diesen Wunsch haben sie aufgegriffen und entsprechend stark didaktisierte Grammatiken in den vier Idiomen entwickelt.

Das neue Lehrmittel ist kompetenzorientiert, wie vom Lehrplan 21 verlangt: «Es berücksichtigt das Konzept der sogenannten Bildungssprache, das heisst, es fördert den expliziten Aufbau der Literalität, also des konstruktiven Umgangs mit Lesen und Schreiben, sowie abstrakter und komplexer Sprachhandlungen.» Damit unterscheidet es sich von vielen Lehrmitteln der letzten Jahre, etwa von dem unter Druck geratenen «Mille feuilles», das primär auf das Hören und Sprechen der französischen Sprache ausgerichtet ist.

Wer die Kenntnisse der Bildungssprache nicht besitzt, ist im Nachteil, weil er zum Beispiel kein formal korrektes Bewerbungsschreiben verfassen kann, und besonders ist im Nachteil, wer einer gesellschaftlichen Minderheit angehört: «Je weniger Prestige deine Sprache hat, desto mehr Sprachen musst du gut beherrschen.» Das gilt für die Tessinerinnen und die Rätoromanen, aber es gilt noch viel mehr für die Secondos. In Graubünden leben viele Portugiesinnen und Portugiesen, die für die Hotellerie und den Bau der Neat, der neuen alpenquerenden Eisenbahn, zugezogen sind. Ihre Kinder sprechen Portugiesisch, Rätoromanisch und Italienisch, aber sie sind sowohl am Gymnasium als auch auf der Stufe der Berufsmaturität stark untervertreten.

«Eine meiner Dissertantinnen untersucht dieses Phänomen. Eine Hypothese lautet, dass ein Grund dieser Untervertretung darin liegen könnte, dass die Secondos zu wenig gute Deutschkenntnisse haben, insbesondere im Bereich der bildungssprachlichen Kompetenz», sagt Rico Cathomas. So wird die «Bildungs-chance Mehrsprachigkeit» – so lautet der Titel des Dissertationsprojekts – nur ungenügend genutzt. Ähnliche Annahmen gelten auch für albanisch- oder türkischstämmige Kinder.

Rico Cathomas betreut also an der PH Graubünden im Rahmen seiner Sonderprofessur auch Dissertationen, jeweils zusammen mit einer Professorin oder einem Professor der Universitäten Fribourg, Zürich oder Bozen im Südtirol, wo er ebenfalls zu Mehrsprachigkeit geforscht hat. Die PH beabsichtigt so, akademischen Nachwuchs, der früher an eine Universität angebunden worden wäre, für sich zu gewinnen und in den Kanton Graubünden zurückzuholen. Entsprechend systematisch baut sie ihre Forschungs- und Entwicklungsabteilung im Bereich Mehrsprachigkeit auf.

Dem alten Lateinerspruch, dass wir nicht für die Schule, sondern für das Leben lernten – Rico Cathomas würde ihn bejahen, aber mit einer Einschränkung: «Die ‹Drohung› des lebenslangen Lernens ist wahr geworden», scherzt er. Und ernster: «Der Schulalltag ist unser aller Alltag.» Früher lernte man in der Schule Englisch mit dem Ziel, die Sprache dereinst im Ausland zu sprechen, doch wenn es darauf ankam, hatte man sie verlernt. «Falls wir es mit dem Bildungsziel Mehrsprachigkeit ernst meinen, müssen wir die Schule so organisieren, dass die entsprechenden Sprachen integraler Teil des Schulalltags werden. Wenn die Schule dreisprachig ist, dann soll das eine Motivation für die Schulkinder sein, selbst dreisprachig zu werden, jetzt und hier, nicht erst später im Ausland.»

Der Professor macht eine kleine, bestechende Rechnung: «Der obligatorische Unterricht in Graubünden umfasst rund 10 000 Schulstunden. Das Ziel könnte sein, dass davon 4000 in Romanisch, 3000 in Deutsch und 3000 in Englisch oder Italienisch stattfinden, damit die Sprachen im konkreten Vollzug zum Zweck der Bewältigung des dreisprachigen Lebensraums Schule gelernt würden. Das wäre ein Statement!» Die Schule: Für Rico Cathomas ist sie ein auf Bildung fokussiertes Mehrsprachensystem, das die Schülerinnen und Schüler für das Leben ausrüstet, das eben kein ausserschulisches mehr ist.

Rico Cathomas, geboren 1967, ist seit 2019 Ressortleiter der Sonderprofessur Integrierte Mehrsprachigkeitsdidaktik Rätoromanisch an der Pädagogischen Hochschule Graubünden in Chur. Nach dem Besuch des Lehrerseminars und dem Studium der Erziehungswissenschaften und der Pädagogischen Psychologie arbeitete er als Lehrerbildner an der Universität Fribourg, wo er zu mehrsprachigem Unterricht doktorierte. Anschliessend war er Professor für Allgemeine Didaktik und Didaktik der Mehrsprachigkeit an der Freien Universität Bozen. Seit 2016 leitet er an der PH Graubünden ein Lehrmittelprojekt für den Romanischunterricht in den Idiomen Sursilvan, Sutsilvan, Puter und Vallader. Zudem ist er Studiengangsleiter des CAS Lehrmittelautor/in.


Bildung schafft Chancen – dafür forschen wir

Doris Edelmann hatte in München ein Aha-Erlebnis. Seither ist sie Bildungsforscherin, auch wenn sie die meiste Zeit für Management und Personalführung aufwendet.

Doris Edelmann muss nicht lange überlegen: «Was wir hier machen, kommt letztlich den Schülerinnen und Schülern zugute. Sie sollen in der Schule ihre Potenziale und Talente optimal entfalten und an der demokratischen Gesellschaft partizipieren können sowie ein Interesse an der gesamten Welt ausbilden. Sie sollen nicht nur ihre Leistung trainieren, sondern sich auch mithilfe der musischen Fächer zu autonomen Menschen entwickeln.»

Doris Edelmann sitzt am Besprechungstisch ihres Büros. Hinter ihr hängt ein grosses Plakat des Kunstmuseums Bern, auf dem sich zwei Frauen in blauen Kleidern die Hände reichen – ein Bild von Ferdinand Hodler. In dieser stilvollen Einrichtung fällt die Konzentration leicht. Doris Edelmann leitet das Institut für Forschung, Entwicklung und Evaluation an der Pädagogischen Hochschule Bern, zudem gehört sie der Hochschulleitung an – und sie forscht selbst als Erziehungswissenschaftlerin.

Бесплатный фрагмент закончился.

2 064,89 ₽
Возрастное ограничение:
0+
Объем:
179 стр. 32 иллюстрации
ISBN:
9783035518931
Издатель:
Правообладатель:
Bookwire
Формат скачивания:

Похожие книги