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Christa Mühl

Geboren Mitte des vorigen Jahrhunderts in der Salzstadt Halle/Saale, studierte an der Filmuniversität Potsdam-Babelsberg. Sie wurde als Regisseurin zahlreicher Filme bekannt:: „Die Rache des Kapitäns Mitchell“, „Das wirkliche Blau“, „Puppen für die Nacht“, „Gräfin Franziska“, „Weihnachtsgeschichten“ und die Krimis „Stubbe – Von Fall zu Fall“, „Polizeiruf 110“, „Ganovenehre“ u.v.a. und viele Serienfolgen z.B. „Marienhof“, „Die Biester“, „Bianca – Wege zum Glück“, „Rote Rosen“ usw. 2001/2002 drehte sie im Salzkammergut 15 Folgen der Serie „Schlosshotel Orth“.

Auch als Drehbuchautorin machte sie sich einen Namen, schrieb für die ZDF-Reihen „Das Traumschiff“, „Die Geliebte“, „Stubbe“, die Fernsehfilme „Paulines zweites Leben“, „Lebenslügen“ u.a. 2015 erschien ihr 1. Roman „Seniorenknast wir kommen“.

Christa Mühl

„ACTION!“

IM TRAUNSEE-MÄRCHENLAND

Eine garantiert erfundene Geschichte von Dreharbeiten, Blondinen, Hexen und anderen merkwürdigen Erscheinungen ...

Engelsdorfer Verlag

Leipzig

2016

Bibliografische Information durch die Deutsche Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar.

Copyright (2016) Engelsdorfer Verlag Leipzig

Alle Rechte beim Autor

Titelfoto © MTV Ferienregion Traunsee

Hergestellt in Leipzig, Germany (EU)

www.engelsdorfer-verlag.de

Inhaltsverzeichnis

Cover

Titel

Impressum

Vorwort

1. Es regnet viel im Salzkammergut. Auch bei Dreharbeiten …

2. Kaffeeklatsch bei einer Hexe

3. Wie soll man drehen ohne Torten?

4. Geschichten nach der Tortenschlacht

5. Franzl hat die Torten und eine Erscheinung

6. Erla bewegt die Rasende Rosa

7. Warum die Szene nicht zu Ende gedreht wurde

8. Kranawitha richtet nichts aus

9. Schimek wundert sich

10. Fürs Lars beginnt der ersten Morgen der Verwirrung

11. Kranawitha trifft auf den träumenden Riesen

12. Die Neuen sind da!

13. Flori ist ein Schulkind

14. Lars versteht die Welt nicht mehr

15. Kranawitha erblickt die Maschine

16. Was tun nach dem Klo-Museum?

17. Lars im Studio

18. Kranawitha warnt den verknallten Riesen

19. Die Entdeckung der Zauberschweine

20. Lars geht zum Schloss und hat wieder Pech

21. Kranawitha tröstet nur der Gedanke an Wiener Schnitzel

22. Erla hat Großes vor

23. Lars fährt zum Hois’n Wirt

24. Gute Laune nach dem Hexenfilm – nur Loni verzieht sich

25. Beim Hois’n Wirt

26. Ein sehr kulinarisches Weibertreffen

27. Lars fährt übern Traunsee und trifft seine Filmtochter

28. Dreh in der Orther Stub’n und Gäste aus China

29. Erla sucht Hilfe beim Zwergenkönig

30. Zurück aus Traunkirchen sieht Lars Geister

31. Die Schnapsklappe der Kamera-Abteilung

32. Flori gefiel der Tag, sie will Regisseurin werden

33. Franzl ruft die Rettung

34. Was der Alkoholkonsum in dieser Nacht zu bedeuten hat …

35. Schlafende Schwäne und andere Gmundener Spezialitäten

36. Kranawitha muss es glauben: Der Tag der Tage ist da!

37. Die Verwirrungen beginnen. Jette hat Zweifel …

38. Das Wiedersehen ist seltsam. Sehr seltsam!

39. Jette und Mario sehen Dinge, die noch nie jemand sah …

40. Schimek und Mariella drehen durch

41. Jette weiß nicht weiter

42. Das Liebesfest fängt gut an …

43. Im Hotel Zum Schwan sind alle verrückt!

44. Klamotten für Geister! Kranawitha verbündet sich mit Rötel

45. Im Filmteam ist was los!

46. Mit viel Engagement werden Blondchen und Erla geweckt

47. Das Drehen ist beschwerlich!

48. Die Hochzeit kommt endlich in Gang – Erla macht seltsame Andeutungen

49. Die Filmleute staunen immer mehr

50. Der Auftritt des traurigen Königs und Kranawithas gute Tat

51. Alle warten voller Spannung

52. Die Trauung und der Abflug des Brautpaares

53. Die kurze Hochzeitsreise

54. Die Dreharbeiten gehen nicht weiter...

55. Das Hochzeitsgeschenk

56. Der Besuch in der Geschlossenen

57. Feierabend

58. Der Ausbruch

59. Feiern ohne Ende

60. Schimek und Mariella in der Mostschenke

61. Drei Schauspieler verschwinden

62. Das Fest im Schloss

63. In Traunkirchen

64. Lichterfest

65. Der Aufbruch

66. Die Fete im Schloss

67. Nach dem großen Feuerwerk

68. Kurz vor Mitternacht

69. Jette muss weinen

70. Blondchens Ängste

71. Ein neuer Freitag

72. Wir sind noch hier!

73. Kranawithas Morgen

74. Schon wieder ein Drehtag

75. Die ersten Zweifel

76. Die fliegenden Torten

77. Anfrage an der Brücke

78. Das Verfallsdatum

79. Irgendwie muss es weitergehen

80. Blondchen und Erla genießen ihr Leben

81. Vollversammlung vor dem Schloss

82. Das Ende

Kein Schlusswort …

Vorwort

Dieses Buch ist ein Oldtimer … 2003 geschrieben – nach zwei glücklichen Jahren in Gmunden. Oft war ich gefragt worden, ob ich bei einer neuen Staffel der Serie „Schlosshotel Orth“ Regie führen möchte. Und immer musste ich absagen, weil bereits andere Verträge abgeschlossen waren. Schon fürchtete ich, man würde mich nie mehr fragen. Aber 2001 kam wieder ein Anruf aus Wien. „JAAA!“, hab ich gebrüllt. Und nachdem alle für die Koproduktion ORF/ZDF Zuständigen auch Ja gesagt hatten, stand meiner Reise in ein bekanntes unbekanntes Land nichts mehr im Wege.

Das Verhältnis zwischen den Österreichern und den Deutschen ist entweder zwiespältig – oder besonders herzlich. In meinem Falle musste ich mich nicht als Fan von Leuten, Land und Schmäh outen – ich wurde nie Piefke genannt und herzlichst aufgenommen.

Wenngleich es zu Beginn natürlich etliche Missverständnisse gab …

Als ich für die Folgen 8 – 12 der 6. Staffel die Bücher bekam, freute ich mich noch mehr auf die Arbeit: Es waren tolle Geschichten! Meine 1. Reise führte mich über Wien, wo die Buchbesprechungen stattfanden, im Mai 2001 nach Gmunden. Der Sohn des Produzenten nahm mich mit dem Auto mit. Unterwegs erzählte er von der Serie, erläuterte die Schönheiten am Wegesrand, hin und wieder telefonierte er. Was immer endete mit einem liebevollen „Baba!“ Ich dachte, der telefonierte dauernd mit seinem Vater …1

Als wir in Gmunden ankamen, war es schon dunkel. Wir fuhren nicht in die Stadt, sondern auf einen Berg, wo in einer gemütlichen Kneipe ein Fest auf uns wartete. „Kneipe“ war natürlich gleich wieder ein Fehler …

Schauspieler und die Leute vom Team, die beim Dreh der ersten Jahresfolgen waren, begrüßten mich herzlich. Spät in der Nacht oder besser früh am Morgen fuhren wir zurück in die Stadt. Inzwischen regnete es und es war nebelig.

Im Landhotel Grünberg hatte die freundliche Wirtin stundenlang auf mich gewartet. Ein Glaserl Wein zur Begrüßung. „Willkommen in Gmunden!“

Ein Zimmer mit Seeblick. Als ich das Fenster öffnete, sah ich außer Regen, Nacht und Nebel NICHTS.

Ein paar Stunden später wachte ich auf, die Sonne strahlte. Ich trat ans Fenster und mein Herz blieb fast stehen: Der See, das Schloss! Die Stadt in hellem Licht. Und das seltsame Gefühl, hier schon einmal gewesen zu sein …

Ich glaube an so etwas nicht – das können Sie mir glauben!

Aber mein Lieblingswort später bei den Dreharbeiten war UNGLAUBLICH.

Bei diesem ersten Besuch gab es Vorbesprechungen, Motive mussten festgelegt werden – ich lernte das Studio und die Außenschauplätze kennen.

Der Szenenbildner wollte einige Bilder verlegt haben: Von der Straße ans Ufer. Das gefiel mir gut. Er war froh und meinte: „Dann kommt das Boot an, fährt im Gras …“ Verstand ich nicht. Wieso sollte ein Boot im Gras fahren? „Weil es gut aussieht!“ Großes Gelächter, als ich fragte, was da gut aussehen soll – ein Boot fährt auf dem Rasen … Später beim Drehen riefen die Lichtbuben natürlich dauernd: „Gleich fährt das Boot im Gras!“

Da wusste ich längst, dass Kreis gemeint ist. Denn als ich mit meinem Kameramann und unseren beiden Assistenten nach Gmunden kam, schenkte man uns Wörterbücher „Österreich für Anfänger“ …

Es war der frühe Sommer 2001. Die Schönheit der Landschaft, die anmutige Stadt – vor allem aber die freundlichen Menschen: Unglaublich! Schnell fühlte ich mich hier zu Hause. Schnell waren alle, die mit der Serie „Schlosshotel Orth“ zu tun hatten, eine große Familie geworden. Schnell fand man Freunde in Gmunden, liebte die vielen Restaurants, das gute Essen und den guten Wein. (10 Kilo mehr waren nach dem Abschiedsfest das Ergebnis …)

Da Berlin zu weit weg war, blieben wir an den Wochenenden hier. Erkundeten die Landschaft, stiegen auf Berge, machten Ausflüge zu den vielen Sehenswürdigkeiten. Bald war meine Berliner Truppe überall bekannt.

Ich fuhr nach jeder abgedrehten Episode sämtliche ortsfremden Schauspieler auf den Gmundnerberg. Seht euch diesen Traunstein an! Diesen See! Diese Stadt!

Ein Jahr später durfte ich wiederkommen. Es lag noch Schnee. Der Winter war zu lang. So erlebte ich in Gmunden jede Jahreszeit. Sammelte alles, was ich über Land und Leute lesen konnte. Sagen und Märchen.

Im 2. Jahr wohnte ich in einem Haus am See. „Mein See. Mein Traunstein. Mein Gmunden.“ Es war genauso schön wie im Jahr davor. Nur gab es nicht mehr solche „Geldmassen“ 2, denn inzwischen zahlte man mit Euro.

Wieder in Berlin, begann ich, dieses Buch zu schreiben. Als es fertig war, kam eine schlechte Nachricht: Es geht nicht weiter. Die Serie wird eingestellt.

Schwerer Abschied. Das Manuskript verschwand in der Schublade.

Heuer feiern wir in Gmunden Jubiläum: Vor 20 Jahren begannen die Dreharbeiten und die Ausstrahlung der Serie „Schlosshotel Orth“.

Und das Buch ist da. UNGLAUBLICH!

1. Es regnet viel im Salzkammergut. Auch bei Dreharbeiten …

„Scheißwedda elendigs!“, rief der Darsteller des Portiers Schimek mit seiner kräftigen Stimme. „Heit kaun se’s wieda, da Nöwi hengt tiaf owa, und d Sunn is auf Urlaub.“

Auf diese Bemerkung kam ebenso laut die Frage: „Wat hatter jesaacht, eh?“ Keine Antwort.

„Eh – kann det eena übasetzen?! Ick hab nur Urlaub vaschtanden“, brüllte ein mittelalterlicher Mensch, der langes, schütteres Haar hatte, das ihm klatschnass am Kopf klebte. Er konnte keine Mützen leiden, gab dies natürlich nicht zu, sondern behauptete, dass er jeglichem Wetter etwas abgewinnen könne. „Man tut jut, det Beste draus su machen.“

Er war sicher der Einzige im Team, der gute Laune zu haben schien. Gerade versuchte er vergeblich, die Kamera, die mit Plastikplanen verhüllt war, zusätzlich durch einen Schirm zu schützen.

Wie der Mann richtig hieß, wusste wohl niemand. Er wurde nur Bingo genannt, war Kamera-Assistent und kam aus Potsdam. Dort spricht man den schlimmsten Berliner Dialekt, das können Sie mir glauben.

Bingo rief: „Eh, ick hab wat jefragt! Hört mia keena?!“

Nun mussten einige doch lachen, trotz des andauernden, gleichmäßig heftigen Regens. Eine andere Antwort bekam Bingo nicht. Wenn im Moment geredet wurde, dann über dieses fürchterliche Sauwetter. Wie ging das noch: Im Salzkammergut, da kammer gut lustig sein! Aber doch nicht, wenn man ständig durchnässt ist. Und das mitten im Hochsommer.

Nicht nur die vielen herrlichen Blumen ringsum ließen seit Tagen die Köpfe hängen. Die Touristen saßen in ihren Hotels oder Pensionen herum und malten sich voller Sehnsucht aus, wie wunderbar jetzt eine Bergwanderung wäre oder eine Bootsfahrt.

Wir befinden uns nämlich in einer der schönsten Gegenden der Welt. Märchenerzähler müssen es wissen, denn sie sind weit herumgekommen. Sogar ich, die ich zu den Newcomern als Märchenerzählerin gehöre.

Also: Sie können es mir ruhig glauben!

Dieses Fleckchen Erde hier ist von faszinierender Schönheit. Viele berühmte Menschen aus Vergangenheit und Gegenwart haben sich darüber ausgelassen. Solche Beschreibungen können nachgelesen werden. Doch man muss selbst hin, um diese Schönheit zu erleben.

Fliegen Sie hin, fahren Sie hin, radeln Sie oder machen Sie sich sonst wie auf die Socken!

Dann werden Sie eine Stadt kennenlernen, in der man sich gleich zu Hause fühlt. Eine Stadt, die in hellem Licht erscheint, pastellfarben aus der Ferne: Gmunden. Gelegen an einem klaren, sehr tiefen See, dem Traunsee. Die alten Römer nannten ihn „lacus felix“, den glücklichen See. Ich verstehe, dass sie guten Grund dazu hatten.

Aus dem glücklichen See steigt ein mächtiger Berg auf. Der Traunstein. Er ist schon fast eine Stunde lang in der Ferne zu sehen, wenn man sich auf der Autobahn von Wien aus nähert. Auch durchs Zugfenster kann man ihn immer wieder erblicken. Kommt man von der anderen Seite, also aus Richtung Salzburg, hat man bereits den malerischen Mondsee und andere liebliche Gegenden hinter sich gelassen. Sicher, es ist überall schön hier. Doch wenn man den mächtigen Traunstein vor Augen hat, möchte man gar nicht mehr wegschauen!

Dieser Berg wird Wächter des Salzkammergutes genannt. Er ist jedoch viel mehr. Aus ihm fließt ein klares, reines Wasser, das die Stadt und ihre Umgebung versorgt.

Aber auch ein großes, bisher streng gehütetes Geheimnis, verbirgt sich in seinem Inneren. Davon werden Sie bald Genaueres hören.

Angekommen in Gmunden, kann man die ersten hohen Gebirgszüge der Alpen mit ihren schneebedeckten Gipfeln bestaunen. Das Dachsteinmassiv und das Höllengebirge. Es gibt große Eishöhlen in den Bergen, und viele verborgene Schätze.

Wir werden noch manches über die wunderbare Landschaft, über diese schöne Stadt und ihre freundlichen Bewohner erfahren. Doch erinnern wir uns weiter an jenen Tag, der Anfang einer ganz und gar unglaublichen Geschichte sein sollte, die sich am Traunsee in Gmunden zutrug …

Wie manch einer vielleicht weiß, drehte man hier seit Jahren die bekannte Fernsehserie „Schlosshotel Orth“.

In eben dieser spielte den Portier Schimek der aus Oberösterreich stammende, höchste beliebte Volksschauspieler Paul Händler. Man nannte ihn aber nur Schimek, was er zuerst überhaupt nicht leiden konnte. Denn er war natürlich ein ganz anderer Typ als der bauernschlaue, etwas behäbige Portier. Er war ein Genussmensch und, obwohl er nicht ganz schlank war, sehr beweglich.

Aber er saß auch gern bei einem Glaserl Wein und interessierte sich für Literatur und Sprachen. Ein Fable, um das ihn viele beneideten: Er las englische Krimis im Original.

Inzwischen hatte er längst aufgegeben, sich gegen „Schimek“ zu wehren. Denn ihn kannte jedes Kind, und er war durch diese Rolle zu einer wirklich sagenhaften Popularität gekommen.

Jetzt machte er, sonst ziemlich geduldig, seinem Herzen Luft. „Do hob i amoi an Außendrah! Amoi darf i aus meina Portierslosch auße – und da schütts aus Schaffen!“

Wieder verstand Bingo kein Wort. Er sah sich suchend nach Charly Schilling um. Das war eine flotte Person aus Gmunden, die für den Film die Komparsen vermittelte. Nebenbei bemühte sie sich, dem Team, aus vielen Regionen Österreichs und Deutschlands zusammengesetzt, als eine Art Dolmetscherin behilflich zu sein. Aber Charly war heute nicht anwesend, weil keine Komparsen gebraucht wurden.

Bingo, nun um eine halbwegs verständliche Aussprache bemüht, stöhnte. „Der jrößte Unterschied zwischen die Österreicher und die Deutschen is de jemeinsame Sprache!“

Schimek sah ihn erstaunt an. „Ist aber nicht auf deinem Mist gewachsen, der Spruch“, sagte er ganz und gar dialektfrei und schmunzelte.

Bingo lachte. „Hat ma irjend een oller Dichter abjelassen. Könnte aber ooch jenausogut von mir sein!“ Dann trat er wieder den Kampf gegen den Regenschirm zum Schutz der Kamera an. Das Ding bog sich mit allen Streben nach außen und lief sofort voll Wasser. Bingo schüttete es in den See und hatte Mühe, dem Wind irgendwie Paroli zu bieten.

Schimek überlegte, von wem der Spruch stammen könnte. Es fiel ihm nicht ein, und so begann er wieder, sich über diese Art von „Sommer“ aufzuregen.

„Was wetterst du denn ständig vor dich hin?“, fragte Mariella Lagl, die Darstellerin der Küchenchefin Anna und seine Partnerin in der Serie.

„Ich wetter’ schlecht!“, grinste Schimek. Dann lief er plötzlich los und zerrte Mariella entschlossen mit sich.

Sie rannten über den völlig durchnässten roten Teppich, der auf der Holzbrücke jedes Mal zu den Dreharbeiten ausgerollt wurde, vorbei am Standbild des Heiligen Nepomuk, der mit dem Regen zu heulen schien, Richtung Schlosstor.

„De kennan do net einfach do geh, ohne das’s frong!“, stöhnte der Aufnahmeleiter. Er kam aus dem Burgenland und hatte es ebenfalls schwer, verstanden zu werden. Denn dort spricht man in einigen Gegenden einen ziemlich besonderen Slang. Der Mann wurde kurz nur der Burger genannt, ein bisschen englisch, was mehr an Fastfood als ans schöne Burgenland erinnerte. Nebenbei war er übrigens Hobbypilot und Mitbesitzer eines kleinen, knallroten Flugzeuges.

Gerade kam der Regisseur zurück, der beim Catering in der Einfahrt einen heißen Tee getrunken hatte. „Wir wärmen uns a bissel auf!“, murmelte Schimek und stürzte mit Mariella vorbei.

Der Regisseur nickte nur und zog den Regenhut ein wenig tiefer ins Gesicht. Man sagte Chef zu ihm. Seine österreichische Herkunft war an der Sprache kaum noch auszumachen Allerdings legte er auch wenig Wert darauf. Er fühlte sich als Europäer und konnte eine beachtliche Anzahl von Arbeiten im Ausland nachweisen. So hatte er unter anderem lange in Frankreich an verschiedenen Theatern gewirkt. Das erwähnte er bei jeder passenden und nichtpassenden Gelegenheit. Dann lobte er die französische Küche und die französischen Schauspieler, was bei den hiesigen nicht besonders gut ankam. Bis irgendjemand herausfand, dass es ziemlich kleine Theater in der Provence waren, in denen der Chef zu tun hatte. (Bingo würde sie „Provinzklitschen“ nennen …)

Von da an jedenfalls nahm man die Sache nicht mehr so ernst.

Nach dem Theater in Frankreich zog es den Mann zum Film. Und nun war er also beim Fernsehen gelandet. Der Chef war ein ganz schneller Denker und konnte seine Gedanken ebenso schnell umsetzen. Leider war er völlig humorlos und ziemlich eitel. Aber ansonsten ein netter Kerl, mit dem man auskommen konnte. Kopfschüttelnd betrachtete er nun die Hosenbeine seines Maßanzugs, die unter dem Regenmantel kein erfreuliches Bild boten, und ging zu den anderen. Gerade riss der Wind Bingo den Schirm aus der Hand und fegte ihn in den Traunsee, der heute dunkel und undurchsichtig war.

Am anderen Ende der Brücke kam ein Wagen vorgefahren. Zwei Männer in Wetterjacken stiegen aus und hasteten auf die Wartenden zu. Alle atmeten auf. Das waren der Herstellungsleiter und der Produktionsleiter. Sie sahen beide noch einmal zum Himmel. Aber ringsum konnte man nur schwere Regenwolken erblicken. „Wir brechen hier ab!“, sagte der Herstellungsleiter. „Und drehen drinnen im Schloss weiter!“, ergänzte der Produktionsleiter. Jeder war froh über diese Entscheidung.

Im Filmteam hießen die beiden Chefetage, weil sie sich ein Büro teilten und meist gemeinsam auftauchten. Sie waren dafür zuständig, dass so eine Fernsehserie ganz genau geplant wird und dann auch genauso zustande kommt. Dass alles möglichst nicht mehr kostet, als vorher festgelegt wurde. Oder besser noch ein bisschen weniger. Also Menschen mit eher trockenen und buchhalterischen Filmberufen, die im Hintergrund agierten und mit denen die anderen zwangsläufig öfter einmal in Streit gerieten. Aber bei unserer Chefetage handelte es sich um zwei liebenswürdige Herren aus Wien, die zwar streng, aber nicht unbeliebt waren. Besonders der Produktionsleiter, weil er jeden Montag in der Mittagspause die Spesen verteilte. Die Schauspieler nannten ihn gern „Diätenhansi“, was er freundlich grinsend überhörte.

Jetzt begrüßten sie Schimek und Mariella, die in der Toreinfahrt standen und Tee tranken. Für die beiden Schauspieler war Drehschluss angesagt, denn sie wurden bei den Szenen im Schloss nicht gebraucht.

„Auch gut!“, meinte Schimek. „Trinken wir einen Rotwein, oder besser einen Glühwein, ich lad euch ein!“ Sie gingen zum Restaurant Orther Stub’n hinüber.

Die anderen räumten die Brücke. Jeder griff zu, damit das Equipment so schnell wie möglich ins Trockene kam. Bepackt eilten die Filmleute auf den Eingang des Schlosses zu, da erschütterte ein wahnsinniges Geräusch die Szenerie. Es wurde immer lauter und lauter, zum Gänsehautkriegen. Viele blieben stehen, sahen sich um. Woher kam das? Das Geräusch schien von oben, vom Gipfel des mächtigen Berges herunter zu schallen. Aber was sollte dort oben sein?

Es gibt zwei Schutzhütten und das größte Gipfelkreuz der Alpen. Der Traunstein ist 1691 Meter hoch. Wie konnte man sich da die Lautstärke dieses Geräusches erklären? Es wurde immer unerträglicher, klang wie ein dumpfes Heulen und schwoll an zu einem jammernden Dauerton. Und plötzlich wurde auch der Regen immer stärker. Der Tonassistent ließ seinen Klappstuhl fallen und setzte die Kopfhörer als Ohrenschützer auf. Wer eine Hand frei hatte, hielt sich wenigstens ein Ohr zu und rannte, so schnell er konnte, ins Schloss.

2. Kaffeeklatsch bei einer Hexe

Auch die durchsichtigen Damen, die sich zum monatlichen Kaffeeklatsch vor dem Kamin in der gemütlichen Höhle von Kranawitha, versammelt hatten, pressten die durchsichtigen Hände auf die durchsichtigen Ohren. Kranawitha war eine hier sehr bekannte Hexe und lebte im Inneren eines anderen gewaltigen Berges dieser Gegend, dem Feuerkogel.

Vor langer Zeit einmal feierte sie einsam und verlassen, nur von Haustieren umgeben, ihren nicht näher bekannten soundsovielten Geburtstag. Außer einer entfernten Verwandten in Deutschland hatte sie keine Angehörigen mehr. Und so richtige Freunde auch nicht. Zu ihrer deutschen Hexengroßtantenschwägerin pflegte sie seit Ewigkeiten wenig Kontakt. Und zu den nichtrichtigen Freunden schon gar keinen.

Nachdem sie sich also auf ihrer eigenen Party fast zu Tode langweilte, fasste sie einen Entschluss: Wenigstens einmal im Monat musste sie unter Leute. Natürlich waren damit nicht etwa gewöhnliche Menschen gemeint. Kranawitha ging in ihren Keller und ließ kleine blaue Flaschengeister aus einem halbvollen größeren Schnapsbehälter heraus. Die schickte sie nachts als Briefträger mit Zetteln in die umliegenden Schlösser und lud zum Kaffeeklatsch ein.

Die Hexe hatte keine Ahnung, was da so an Geistern in der Gegend herumschwebte. Auf einen kleinen Hinweis musste sie verzichten, denn ihre Boten hatten sich ärgerlicherweise nach dem erledigten Auftrag verflüchtigt. So blieb ihr nichts anderes übrig, als den Termin abzuwarten.

Kranawitha war erstaunt, dass ihren Einladungen nur sechs Schlossgeister folgten. Noch verwunderter war sie, dass es sich ausschließlich um Damen handelte. Aber es waren sechs lustige Weiber, ebenfalls froh, wenigstens einmal im Monat etwas Abwechslung zu haben. Denn das Geisterleben ist heutzutage auch nicht mehr das, was es einmal war. Ihre männlichen Kollegen fanden es anscheinend unter ihrer Würde, gemeinsam am Tisch mit einer Hexe zu sitzen. So blieben die Damen unter sich.

Die markanteste Erscheinung von ihnen war Miss Molly, amtierendes Hausgespenst von Schloss Cumberland. Eine üppige blonde Schönheit mit einem kleinen Makel: Sie stotterte. Und sie übertraf sich selbst im Erfinden wahnsinniger Liebesgeschichten. Wahrscheinlich hatte es ihr zu Lebzeiten eben daran gemangelt. Sie war auch nie verheiratet gewesen. Über Männer an ihrer Seite konnte man nichts in der Chronik von Schloss Cumberland finden. Auch keine Silbe über ihren mysteriösen Tod. Dabei hatten sich gerade darüber vor langer Zeit alle die Mäuler zerfetzt.

Angeblich wurde Miss Molly von einem Blitz getroffen, als sie auf einer Eiche saß und ein paar junge Edelmänner aus der Nachbarschaft beobachtete. Zu beweisen war das nicht. Allerdings sprach man darüber viele Jahre mit leichter Häme: Selbstverschuldetes Elend! Wahrscheinlich war sie nach dem Blitzschlag vom Baum gefallen. Seither stotterte sie. Miss Molly redete nie darüber. Ansonsten, abgesehen davon, dass sie klatschsüchtig war wie alle anderen der Damen, hatte sie ein schlichtes, ziemlich durchsichtiges Wesen. Aber irgendwie war sie liebenswürdig und für Kranawitha ganz okay. Im Verlauf der Zeit freundeten sich die beiden regelrecht an, was freilich bei den übrigen eine Art Neid hervorrief. Wer konnte schon herumerzählen, dass er mit einer Hexe befreundet war …

Die Zweite im Bunde der Geisterdamen war Emilia, Geisterfreifrau vom Schloss Roith. Ein Gespenst der ganz besonderen Art. Sie war in grauer Vorzeit zu Tode gekommen durch das scharfe Messer eines Kochs, der sie nachts in der Küche erwischte und für eine Diebin hielt. Dabei war sie die Schlossherrin. Sie musste auf ihre Linie achten, war also dürr, aber ungeheuer fresssüchtig. Jede Nacht, sobald ihr Gatte schlief, schlich sie in die Küche und berauschte sich geradezu an gutem Essen.

Bis ihr eben einmal der Küchenchef auflauerte und von hinten zustach, bevor sie schreien konnte. Sonst hätte er sie ja vielleicht erkannt und verschont. Kein gutes Ende. Für beide tödlich. Denn der Koch wurde natürlich verurteilt und gehängt. Emilia geisterte seither nachts im Freisitz Roith herum, heute ein Hotel, dessen Restaurant als Gourmet-Tempel der Haubenküche weithin bekannt ist. Man munkelte, dass dort ein begnadeter guter Geist in der Küche die Hand im Spiel hätte.

Aber das konnte natürlich auch nur eine landläufige Redensart sein.

Über die anderen Damen und einen Neuzugang soll später berichtet werden, denn nun wurde das ekelhafte Geräusch wirklich unerträglich.

„Er heult wieder“, stöhnte die Gastgeberin und biss sich sofort auf die Lippen. Aber es war heraus. Alle 14 Augen der also inzwischen sieben Geisterfrauen richteten sich fragend auf sie.

„Wer h-h-heult w-w-wieder?“, stammelte aufgeregt Miss Molly. Kranawitha hüllte sich beharrlich in Schweigen. Die durchsichtigen Damen sahen sie fragend an. Nichts. Die Hexe schüttelte entschieden den Kopf, griff nach ihrem Gläschen mit Marillengeist und wandte sich ab. Sie sah übrigens wunderschön aus, denn für jedes der monatlichen Weibertreffen verwandelte sie sich, seit Jahrhunderten im Besitz eines Zauberringes, in eine ansehnliche Person mit prächtigen Gewändern. Die Geisterdamen hatten anscheinend alle die selbe Idee, wie man Kranawitha zum Reden bringen konnte: Sie griffen zu den köstlichen Schokoladentorten aus der Konditorei Baumgartner unten am Ufer des Traunsees. Die standen in großen Massen auf der Kaffeetafel.

Nun wurde eine nach der anderen Richtung Kranawitha gefeuert. Nur wenige verfehlten ihr Ziel.

Entsetzt sah die Hexe, wie sich ihr pinkfarbenes Glitzerkleid in einen beschmadderten Fetzen verwandelte. Ganz ohne Zauberei.

Sie drehte vor lauter Zorn an ihrem Ring. „Schluss mit lustig!“, rief sie hysterisch. Eine übelriechende, giftig grüne Wolke umhüllte sie. Und dann verwandelte sie sich in sich selbst: Kranawitha ohne Kostüm und Maske. Die Geisterdamen wichen zurück. Lange hatten sie die Hexe nicht in ihrer eigentlichen Gestalt zu sehen bekommen.

„M-m-mein G-g-gott – b-b-bist du alt geworden!“, entfuhr es Miss Molly. Kranawitha sah sie wütend an. Die hatte gut reden! An den Geistern ging die Zeit einigermaßen spurlos vorbei, sie hatten das Leben hinter sich. Ihr Geisterdasein war sozusagen der Nachschlag. Aber eigentlich waren sie doch fast in einem Alter. Miss Molly zeigte der Hexe beleidigt einen Vogel. Sie begann sofort von ihrer neuesten Liebschaft zu berichten, einem jungen Geist von nicht einmal 120 Jahren, der sich in die Dachkammer ihres Schlosses verirrt hatte.

Kranawitha lachte scheinheilig auf. „Alte g-g-geile Schachtel!“, giftete sie. Mit ihrer Stotterei ging Miss Molly langsam aber sicher allen auf den Wecker, und ihre Lovestorys fanden doch nur in ihrer Fantasie statt!

Die alte geile Schachtel begann beleidigt herumzujammern.

Die Hexe bereute den Ausrutscher sofort. Sie entschuldigte sich bei ihrer Freundin. Die aber zickte ziemlich herum und ging heulend aufs Klo.

Kranawitha, schon ein beträchtliches Hexenalter auf dem krummen Buckel, wurde traurig. So hatte sie das doch nicht gemeint. Vor allem tat ihr leid, dass sie Miss Mollys Stotterei nachgemacht hatte. Tränen stiegen ihr in die goldgelben Augen.

Haben Sie schon mal eine Hexe weinen sehen? Es ist fürchterlich, glauben Sie mir. Alle Anwesenden waren jedenfalls nicht daran interessiert, das zu erleben.

„Mädels! Wir wollen uns jetzt den schönen Tag nicht verderben!“, mahnte Emilia. Ganz klar: Sie hatte Hunger. Deshalb sammelte sie nun die halbwegs erhaltenen Tortenbatzen ein und verteilte sie auf die Kuchenteller. Schweigend begannen die Damen zu essen.

3. Wie soll man drehen ohne Torten?

„Wo bleiben die Torten?“ Die Innenrequisiteurin rannte durch den fast fertig eingerichteten Festsaal des Schlosses, gescheucht vom Burger, dem Aufnahmeleiter. Sie stolperte über ein Kabel. Die Beleuchter, die man hier liebevoll Lichtbuben nennt, sahen ihr kopfschüttelnd nach.

„Trampel!“, rief ihr einer von ihnen hinterher. „Aber süßer Trampel!“, ergänzte ein anderer. Doch sofort machten sie sich wieder an die Arbeit. Denn der Burger sah zuerst auf die Uhr und dann zu Bellas Boss.

Der Oberbeleuchter steckte drei Finger in die Höhe, was so viel hieß wie: In drei Minuten steht das Licht.

Die Innenrequisiteurin, die auf den Spitznamen Bella hörte, rieb sich den Fuß und überlegte, ob sie heulen sollte oder nicht. Bingo war sofort zur Stelle und flüsterte, dass der „Trampel“ nicht so ernst zu nehmen war. Sie kannte doch den Herrn Oberbeleuchter. „Der meent det nich so!“

Die Lichtbuben beobachteten die beiden grinsend. „Da bahnt sich was an!“, sagte einer, ein bisschen zu laut. Die anderen lachten.

Hier drinnen war die Stimmung schlagartig besser geworden als auf der Brücke im Dauerregen.

Bei Bella, eine der Jüngsten im Team, handelte es sich um ein hübsches blondes Mädel aus Linz. Als Innenrequisiteurin musste sie dafür sorgen, dass alles, was so an Dingen für die Dreharbeiten gebraucht wurde, an seinem Platz stand. Leider war sie ein bisschen ungeschickt und hatte nicht viel Ahnung. Aber Bella gab sich große Mühe. Deshalb konnten sie fast alle gut leiden. Die Männer natürlich besonders, weil sie eben auch noch blond und hübsch war.

Bella befand sich immer auf der Suche nach ihrem Traumprinzen. Nachdem sie kürzlich festgestellt hatte, dass sich der Burger dafür nicht eignete, war sie nun wieder zu haben.

Draußen goss es noch immer in Strömen, und auch das seltsame Geräusch war weiterhin zu hören. Nicht mehr ganz so laut, aber dauerhaft.

An der Tür zum Saal erschien der völlig durchnässte Fahrer Andreas Franzlhuber, kurz Franzl genannt. Bella sah den Mann fragend an.

„Wo sind die Torten?“ Er zuckte mit den Schultern und bekam einen hochroten Kopf. Franzl war ein Mann aus Ebensee, einem Ort am anderen Ende des glücklichen Sees, quasi gegenüber von Gmunden. Also ein echter Einheimischer. Er zog Bella hinter die halbgeöffnete Tür und flüsterte: „Dem Baumgoatna haums olle Schokotoaten stoin!“

Charly würde übersetzen: „Dem Baumgartner haben sie alle Schokoladentorten geklaut!“ Bella sah Franzl an und griff sich an den Kopf. „Wir wollen drehen, du Depp. Mir ist jetzt nicht nach blöden Witzen!“, fauchte sie. Der Fahrer schluckte. „Bella, das ist kein Witz! Die sind alle fix und fertig in der Konditorei!“ Auch sei das nicht zum ersten Mal passiert. Aber ausgerechnete heute, wo sie für die Fernsehserie liefern sollten, die doch alle so liebten …

„Tür zu!“, brüllte der Tonmeister. „Man versteht ja sein eigenes Wort nicht! Mir ist sowieso schleierhaft, wie ich das hier hinkriegen soll mit dem Regen und diesem Scheißgeräusch!“ Der Tonmann stammte übrigens, genau wie sein Assistent, aus Bayern. Die beiden waren schon so angeeckt wegen ihrer Sprache, dass sie sich das Bayerische ganz und gar verkniffen. Sie hatten nämlich ernsthaft geglaubt, den Österreichern sprachlich nahe zu sein. Was die natürlich geradezu unverschämt fanden.

Im Hintergrund erschienen nun der Chef, also der Regisseur, seine Assistentin und der Kameramann. Sie gingen herum und besprachen den Ablauf der Szene, die gleich geprobt und dann gedreht werden sollte. Der Blick der Assistentin fiel auf die große Tafel. „Warum sind denn die Torten noch nicht da?“, flüsterte sie entsetzt.

Bella schloss die Tür von draußen. Franzl versicherte ihr gerade, dass die beim Baumgartner schon dabei waren, neue Torten zu backen. Und sie wollten auch versuchen, welche aus den anderen Konditoreien der Stadt zu beschaffen. Was natürlich ärgerlich war, bei diesem großen Auftrag und … Bella unterbrach ihn wütend: „In zehn Minuten sind die Torten da – egal, woher die kommen! Sonst passiert was!“

Das Handy des Fahrers klingelte. Franzl meldete sich und hörte zu. Dann sagte er zu Bella – gleich in Charlys Übersetzung: „Das ist der Baumgartner. Müssen es unbedingt Schokoladentorten sein?“

4. Geschichten nach der Tortenschlacht

„Schokoladentorten sind die Besten!“ seufzte Kranawitha und wischte sich den Mund sauber. Dann kratzte sie die letzten Reste des köstlichen Gebäcks von ihrem bekleckerten Kleid und leckte sich die Finger ab. Auch die Geisterdamen nickten satt und zufrieden. Es war kein Krümelchen von der Tortenschlacht übriggeblieben. Miss Molly war nicht mehr sauer. Und die Gastgeberin hatte ihre gute Laune wiedergefunden. So drehte sie an ihrem Zauberring und wurde wieder eine ansehnliche Dame, diesmal in goldglitzerndem Gewand. Sie ging zur Hausbar und griff nach einer Flasche Zwetschgengeist, der sich wunderbar zur Verdauung eignete. Nicht ganz ohne Hintergedanken. Denn die echten Geister vertrugen die alkoholischen Geister eigentlich nicht. Sie bekamen eine leicht bläuliche Färbung und sahen ziemlich irre aus, wenn sie zu viel hatten.

Und das nun wieder amüsierte die Alte köstlich …

Kranawitha war übrigens eine Hexe, die überhaupt nicht so aussah, wie die hölzernen Abbilder, die in diversen Souvenirläden verscherbelt wurden. Sie zierten weder eine krumme Nase, noch stechende Augen. Ohne Zauber war sie eine verblichene Schönheit mit feuerrotem Haar, bernsteinfarbenen, wachen Augen und unzähligen Falten im Gesicht. Sie hatte sich ihr jugendliches Temperament erhalten und war eine großzügige Gastgeberin. Außer ihrer Vorliebe für absolut verkitschte Glitzerkleider, sagte man ihr einen ganz guten Geschmack nach. Ihre Höhle war wirklich gemütlich und unzählige brennende Fackeln und Kerzen schmückten sie.

In diesem Licht sah Kranawitha nun wieder wesentlich jünger aus. Sie schenkte die Gläser voll und verteilte sie. Die Damen rückten mit ihren Stühlen ein Stückchen weiter auf dem Kamin zu. Durch die Kraft des Feuers erschienen sie alle ein wenig undurchsichtiger. Strahlend schauten sie sich an und prosteten sich zu. In diesem Moment wurde das grausige Geräusch von draußen erneut unerträglich laut.

„Er heult wieder!“, rief die Geisterfreifrau Emilia aus. „W-w-...“ – weiter kam Miss Molly nicht, denn Emilia hielt ihr den Finger auf den Mund. Kranawitha kreischte: „Lange halte ich das nicht mehr aus!“ Miss Molly verstand den Trick und sagte: „Ich auch nicht! Und d-d-deshalb g-g-gehe ich jetzt!“ Auch die anderen erhoben sich.

Kranawitha sah sie betroffen an. „Ihr werdet mich doch jetzt nicht schon verlassen, nur weil dieser Vollidiot Erla …“ Zu spät. Es war heraus!

„Erla!“, riefen die Geisterdamen entzückt. Dann sprachen sie alle durcheinander, denn dazu gab es viel zu sagen. Die Jüngste unter ihnen, Geistergräfin Röslein von Bärlauch zu Schloss Ebenzweier, sah die anderen fragend an.

Sie geriet als Letzte mehr oder weniger zufällig in Kranawithas Weiberrunde. Irgendwann einmal hatte Röslein nachts ihr Schloss verlassen, weil ihr stinklangweilig war. Es war Geistern verboten, Kontakt zu normalen Menschen aufzunehmen. Was Röslein sehr bedauerte, denn Ebenzweier war voll davon. Es beherbergte heute eine Berufsschule und die jungen Leute hatten sich im Keller neben einer Weinstube auch ein kleines Theater und eine Disco eingerichtet. Nachdem Röslein jede Nacht die laute Musik von dort hörte, träumte sie immer häufiger, dass es auch irgendwo eine Geisterdisco geben musste. Da machte sie sich halt irgendwann bei Mondschein auf den Weg.

Kranawitha las sie heulend und klappernd vor Kälte kurz vor der Dachstein-Eishöhle auf und brachte sie zu ihrer Bleibe nach Altmünster zurück. Denn Röslein hatte hoffnungslos die Orientierung verloren, keine Geisterdisco gefunden und war ziemlich mit den Nerven runter. Sie tat der Hexe leid, und so bestellte sie Röslein zu ihrem nächsten Weibertreffen. Von da an waren es sieben Geisterdamen. Kranawitha gefiel diese Zahl viel besser. Und die Älteren mochten Röslein von Anfang an.

Als junge Gräfin rein zufällig zu Tode gekommen, weil sie den köstlichen Bärlauch mit den Blättern der giftigen Maiglöckchen verwechselt hatte, war sie als Geisterfräulein erst 200 Jahre alt und noch sehr naiv. So konnten ihr die anderen manche Lebensweisheit aus ihrer Welt nahebringen.

„Wer ist denn Erla?“, frage nun also das Nesthäkchen.

Die sechs übrigen redeten höchst erregt auf das junge Ding ein.

Aber den Erla, den musste man doch kennen! Ein mächtiger Kerl, der nur so vor Kraft strotzte, aber der ganz einsam war …

Kranawitha lief kopfschüttelnd zu ihrem winzigen Bücherschrank, griff nach einem kleinen roten Bändchen und kehrte damit zurück zum Kamin. Mit einer Stimme, um die sie jede Märchenerzählerin beneidet hätte, begann sie zu lesen:

„Träum ich, wach ich? Woher kommen

Meiner Seele all die Bilder,

Die dem wachen Sinn verborgen?

Dunkler Waldsee, Mondesstrahlen,

Nixentreiben, Riesen, Zwerge,

Liebe, Leiden, Leben, Sterben …“

Sie schaute gar nicht mehr ins Buch, konnte den Text auswendig – zu vertraut war ihr das alles. Ein Sommermärchen, wie es kein schöneres gab! Das kennt doch hier in der Gegend jedes Kind. Und plötzlich bekam sie die Stimme eines kleinen Mädchens:

„Durch den nächt’gen Urwald gleitet

Spießbewehrt der Riese Erla.

Leise setzt er seine Sohlen …“

Kranawitha holte tief Luft. Die Geisterdamen nutzten die Gelegenheit und ratterten die Geschichte ohne das Büchlein weiter herunter.

Der Riese, der rannte also immer einsam hier in dieser Gegend herum. Eines Tages, oder besser: Eines nachts, bei Vollmond natürlich, sah er eine Nixe am Laudachsee. Er beobachtete sie eine ganze Weile beim Baden, verliebte sich sofort in sie, nannte sie Blondchen und ließ ihre Träume wahr werden.

„Was denn für Träume?“, fragte Röslein mit glänzenden Augen.

Er brach Felsbrocken aus dem Berg und knallte sie in den Traunsee, eine Insel entstand. Darauf ließ er vom König Rötel und seinen Zwergen ein Schloss für sein Blondchen bauen.

„Das Schlosshotel Orth!“ rief Röslein begeistert aus.

„Blödsinn“, fauchte Kranawitha. „Schlosshotel Orth ist doch die Fernsehserie. Die drehen diese Filmlinge da unten seit etlichen Jahren.“

„W-w-was sind denn F-f-filmlinge?“, wollte nun Miss Molly wissen.

„Eine besondere Spezies der Menschenwichte“, antwortete Kranawitha und winkte ab. Was immer das zu bedeuten hatte.

„Wovon ich rede, das geschah in alter Zeit. Das ist so lange her, da gab’s weder Fernsehen noch anderen Schnickschnack dieser Art.“

Erla ließ also ein Schloss auf die Insel bauen und wollte mit seiner smarten Nixe drin wohnen. „Er schaute zufällig mal in den Traunsee – wie in einen Spiegel. Da wurde ihm schlagartig klar, dass er fürchterlich hässlich war! Und viel zu groß, er passte gar nicht durchs Schlosstor!“, juchzte Miss Molly. Ausnahmsweise ganz und gar ohne Stotterer.

„Und da hat ihn unsere barmherzige Freundin Kranawitha in einen stattlichen Ritter Größe XL verkleinert!“

So zogen Erla und Blondchen als seliges Paar ins Schloss Ort ein. Wie glücklich sie dort lebten, kann man in sämtlichen Märchenbüchern aus dieser Gegend hier nachlesen. Vielleicht haben sie es ja ein bisschen übertrieben. Jedenfalls ahnten die beiden nicht, dass ihre Dauerhochzeit nur einen Sommer währen sollte. Das hatte wohl etwas mit der schlechten Konstitution von Nixen zu tun. Blondchen wurde krank und starb, als es Herbst geworden war, in Erlas Armen. Und er verwandelte sich zurück in einen Riesen. Traurig auf immer meißelte er ihre wunderschönen Formen und ihre edlen Gesichtszüge in den Stein seines Berges. Die da unten nennen den Erlakogel seither „Schlafende Griechin“ – hahahaha – weil sie nicht wissen, dass der Berg eigentlich „Schlafendes Blondchen“ heißen müsste! Das Lachen erstarb auf Kranawithas Lippen. Die sieben Geisterfrauen schwiegen betroffen.

Die Gastgeberin wischte sich eine Träne aus dem linken Augenwinkel. „Unter uns Klosterschwestern“, sagte sie, „ich will mal aus dem Nähkästchen plaudern: Das konnte niemand mit ansehen, wie der Erla gelitten hat. Da hab ich ganz oben angefragt, und daraufhin haben die sich tatsächlich entschlossen, wenigstens einmal in hundert Jahren ein Wiedersehen zu erlauben. Erla konnte es nicht fassen: Alle hundert Jahre durfte er sein geliebtes Blondchen für eine Vollmondnacht in die Arme schließen. Und so geschah es auch. Einmal pro Jahrhundert Liebesnacht am Laudachsee.

„W-w-wieso am L-l-laudachsee?“, fragte Miss Molly. Die Nixe war doch in ihrem Sarg von den Zwergen im Traunsee versenkt worden. Das hatte sie gerade noch einmal schnell in diesem kleinen roten Bändchen nachgelesen! Kranawitha wusste auch darauf eine Antwort. In anderen Büchern stand geschrieben, dass der Sarg mit Blondchen gleich nach ihrem Tod von den Zwergen zum Laudachsee gebuckelt und dort auf den Grund gelassen wurde.

In Wirklichkeit aber war es so: Blondchen lag in ihrem Sarg im Traunsee. Hundert Jahre nach ihrem Tod, also beim ersten Wiedersehn mit Erla, fragte die Nixe, ob sie nicht umziehen könnte mit ihrem Silbersarg. Sie wollte wieder in ihre alte Heimat, in den Laudachsee zurück. Das konnte man verstehen. Denn schließlich ist der Traunsee mit seinen 191 Metern der tiefste See Österreichs. Und wahrscheinlich am Grunde noch viel kälter als oben am Ufer.

Die Geisterdamen, die auch ziemliche Frostbeulen waren, nickten. Ja, das konnte man wirklich verstehen. Erla sorgte also damals für den Umzug.

„Und wie kam es nun zu dieser 24-Stunden-Regelung?“ Röslein konnte es kaum aushalten vor Ungeduld.

Kranawitha berichtete, dass der Riese nach dem letzten Wiedersehen gewaltig protestiert hatte. Was war eine einzige Nacht? Er wollte wenigstens noch einmal mit seiner Liebsten in das Schloss, dass er für sie bauen ließ. Alles anschauen bei Tageslicht. Einmal mit einer goldenen Kutsche hinausfahren und ihr die schöne Gegend zeigen! Dazu waren sie wohl zu Blondchens Lebzeiten nicht gekommen, weil sie anscheinend nur im Bett lagen. Na gut, dagegen konnte man nichts einwenden. Aber auch gegen den Wunsch Erlas war nichts zu sagen. Goldene Kutsche und ein fotogenes Liebespaar, das würde sicher auf den hiesigen Fremdenverkehr großen Eindruck machen!

Also dehnte man das nächste Rendezvous der beiden großzügig auf einen Tag und eine Nacht aus. Erla war vor Freude wie von Sinnen. Er wollte die Zeit nutzen und bereitete rund um die Uhr dieses 24-Stunden-Fest vor. Irgendwann war alles getan – aber 100 Jahre noch lange nicht um. Der Riese wusste nicht, wie er die Warterei aushalten sollte. So jammerte er von früh bis spät und beklagte sich schließlich bitter bei Kranawitha. Aber sie konnte ihm da nicht unter die Arme greifen.

Die Zeit brauchte nun mal ihre Zeit, um zu vergehen.

Erla wandte sich an Rötel, den Zwergenkönig. Der war immer mit irgendetwas beschäftigt, sozusagen ein begeisterter Heimwerker.

Und er hatte ein außerordentlich fleißiges Völkchen hinter sich. Bei ihm war der liebeskranke Riese an der richtigen Adresse. Rötel setzte ihm allerhand Flausen in den Kopf. Natürlich konnte man mit Erfindergeist und Handwerkergeschick etwas tun, um dem Lauf der Zeit sozusagen auf die Sprünge zu helfen. Erla in seiner Verzweiflung verstand nicht, worauf Rötel hinaus wollte. Der Zwergenkönig erläuterte seine Idee.

Man müsste eine Zeitverkürzungsmaschine bauen.

Der Riese gab sofort zu, dafür viel zu dämlich zu sein. Aber wenn Rötel das übernehmen könnte – er würde ihm jeden Wunsch erfüllen. So begann der Zwergenkönig auf der Stelle mit der Konstruktion besagter Maschine und der Aufstellung eines ellenlangen Wunschzettels.

Wenig später rückte er mit Zeichnungen und Liste bei Erla an. Dem Riesen wurde ganz anders, als er die komplizierten Baupläne für die Maschine sah. Auch mit den vielen Wünschen hatte er so seine Probleme. Aber was sollte er tun? Er versprach also, es würde alles so geschehen, wie Rötel es vorschlug.

Der ließ sich für einige Wochen mit seinen Zwergen in Erlas Höhle nieder. Der Riese half bei der Materialbeschaffung und betätigte sich, wo er konnte, als Hilfsarbeiter. Außerdem schleppte er Essen und Trinken für das kleine Völkchen heran und bediente die Zwerge. Das war, zu Erlas Ärger, ein Punkt auf Rötels Wunschliste.

Die Geisterdamen hingen gespannt an Kranawithas Lippen. Die war sich der Wirkung ihres Berichtes voll bewusst und machte eine Pause. Sie trank ein Schlückchen aus ihrem Schnapsglas. Die Geisterdamen ebenfalls. Zufrieden bemerkte Kranawitha, dass sich bei einigen bereits eine leichte Blaufärbung zeigte …

Sie holte tief Luft und setzte ihren Bericht fort: Eines Tages also war die Arbeit geschafft und die Maschine fertig. Erla richtete für Rötel und seine Leutchen eine große Einweihungsfeier aus. Auch das stand auf dem Wunschzettel. Das Fest sollte drei Tage und drei Nächte dauern. Als es endlich zu Ende war, setzte der Zwergenkönig die Maschine in Betrieb. Bevor er sich mit seinen Kleinen wieder verzog, musste ihm Erla versprechen, immer nur ein bisschen an der Kurbel zu drehen. Keine Übertreibungen! Rötel wollte schließlich keinen Ärger bekommen.

„Und nun, ihr Lieben, überlegt mal. Ist es nicht so, dass alle Menschen unentwegt jammern und klagen: Die Zeit rennt von Jahr zu Jahr schneller dahin?“ Alle nickten. Genau. Selbst die Geisterdamen verspürten hin und wieder das Dahinrasen der Zeit. Immer schneller und schneller verging sie.

„Der Erla draht an seinem Rad!“ „Dreht!“ fügte Fräulein Spitz, eine der anwesenden Geisterdamen, spitz ein. „Nicht jeder hier spricht Dialekt!“

Kranawitha verdrehte genervt die Augen und setzte ihren Bericht fort. „Der Riese hatte zwar versprochen, das geschickt zu tun, damit es nicht so auffällt. Aber manchmal, wenn er es gar nicht mehr aushalten konnte, heulte er derartig und drahte oder drehte einfach ein bisschen schneller.“ Er heulte übrigens immer öfter. Das war auch an diesem dauernden Regenwetter zu merken …

„B-b-blödsinn!“ Miss Molly war überzeugt, dass ihnen Kranawitha ein Märchen erzählt hatte. Zwar unterhaltsam und ganz nett, aber jeder wusste doch, wie das damals mit Erla ausgegangen war. Sie tippte auf das kleine rote Büchlein. „Der R-r-regen kann nicht von unten nach oben r-r-regnen! Der Erla hat sich s-s-seinerzeit in den Tr-tr-traunsee gestürzt, nachdem er bildhauerisch tätig war. Das steht nicht nur in diesem Märchen, das hab ich d-d-damals selbst im S-s-sagen-Kurier gelesen.“ „Man darf nicht alles glauben, was in der Zeitung steht“, erwiderte Kranawitha milde. Außerdem war ihr schnurzpiepe, in welcher Fassung der Sage Erlas Ende so oder so beschrieben wurde. Sie wusste es einfach besser, da sie durch die Verkleinerung des Riesen in die Angelegenheit involviert war.

Die durchsichtigen, inzwischen hellblauen Weiber kicherten. So richtig ernst nehmen konnten sie die ganze Sache wohl alle nicht. Vielleicht hatte sich Kranawitha die Story mit der Maschine wirklich nur ausgedacht?! Ihr Gesicht verfinsterte sich. „I dazöh do da koan Schmoarn! Äh – ich meine: Ich erzähl doch hier keinen Scheiß!“

Sie rauschte durch die Halle und tippte an eine Felsensäule. Die Wand öffnete sich und gab eine Art überdimensionales Bullauge frei. Staunend betrachteten die Geisterdamen das Ding. Kranawitha berührte die Mattschiebe, aber nichts passierte. „Wo hab ich denn nun wieder die Fernbedienung?“, murmelte sie und sah sich suchend um. Sie entdeckte das kleine Gerät unter dem Kopf eines schlafenden schwarzen Bären in der Ecke. Sie schob das Tier ärgerlich beiseite.

Früher waren die Bären wenigstens noch zu einigen Kunststücken fähig. Die führten sie vor, wenn Kranawitha Besuch hatte. Ihre Gäste spendeten immer ganz entzückt Beifall. In den letzten Jahren aber waren die dicken Tiere so faul geworden, dass sie nur noch in der Höhle herumlagen und pennten.

Die Hexe nahm also die Fernbedienung, und kaum hatte sie auf einen der Knöpfe gedrückt, erschien auf dem runden Bildschirm ein ziemlich trostloses Etwas. Das war der Gipfel eines Berges, wolkenverhangen. „Der Traunstein!“ Obendrauf eine Art graues Gestrüpp. Aber plötzlich bewegte es sich, und drehte sich um.

Kreischend sahen die Geisterdamen nun direkt in das verheulte Gesicht des Riesen Erla. Das Gestrüpp entpuppte sich als sein langes Haar, das wirr und ungepflegt in einen riesigen Bart überging. Erla heulte und seine Tränen ergossen sich in Bächen die Felswände des Berges hinab. Dazu jammerte er derartig, dass einen das große Grausen überkam. Endlich war allen schlagartig klar, dass dies jenes fürchterliche Geräusch war! Der Riese sah traurig und voller Sehnsucht hinunter zum Schloss Ort.

5. Franzl hat die Torten und eine Erscheinung

Der Fahrer Franzl eilte, beladen mit Tortenkisten, vom Parkplatz am Ufer über die Holzbrücke zum Eingang des Schlosses auf die Insel. Er strahlte. Irgendwie war es dem Baumgartner gelungen, noch einmal all die Schokoladentorten aufzutreiben, die von der Filmfirma bestellt worden waren. Für Franzl war das wichtig. Er hatte sich geschworen, alles herbeizuschaffen, was die Filmleute haben wollten. Eine Herausforderung für einen echten Kerl aus Ebensee. Aber zu bewältigen. Da war sich Franzl ganz sicher.

Besorgt sah er von den Schachteln, auf die jetzt der Regen besonders stark prasselte, zum Traunstein hinauf – und erstarrte. Fast hätte er sämtliche Torten fallengelassen, konnte gerade noch in letzter Sekunde Schlimmstes verhindern. Er stand da wie angewurzelt, und panische Angst schnürte ihm die Kehle zu. Vom Gipfel des Berges sah ein mächtiges Gesicht auf ihn herunter. Riesige gerötete Augen schauten ihn traurig an. Franzl wollte schreien, aber kein Wort kam vor lauter Schreck über seine Lippen. Fast atemlos konnte er den Blick nicht abwenden von diesem Riesenmonster. Endlich schloss er kurz vor der Panik die Augen. Über sein Walkie-Talkie in der Brusttasche hörte er den Aufnahmeleiter quaken, dass er sich melden solle. Es sei dringend. Man wolle drehen, und alle warteten nur auf ihn. Oder besser: Auf die Torten. Franzl wusste, dass der Burger keinen Spaß verstand, wenn jemand zu spät kam. Er musste weiter! So nahm er sämtlichen Mut zusammen und öffnete die Augen wieder. Der Gipfel des Berges sah grau aus wie in den letzten Tagen. Das Gesicht war verschwunden. Franzl atmete erleichtert auf und setzte kopfschüttelnd seinen Weg fort. „I moa mi tramt vom Teufi“, murmelte er. Charly würden sagen: „Manchmal hab ich eine Schraube locker!“ Zwar nicht wörtlich übersetzt, aber ihrer Meinung nach durchaus auf den Franzl zutreffend. Er war ein viel zu gutmütiger Mensch und konnte keinem etwas abschlagen. Und da er sich in der Stadt und in der ganzen Gegend gut auskannte, musste er dauernd alles Mögliche für die anderen „privat“ besorgen. Von der Süddeutschen Zeitung über bestimmte Zigarettenmarken bis hin zu einem Termin für die Fußpflege. Franzl konnte nicht nein sagen.

Nun trabte er mit den Tortenkisten ziemlich irritiert die letzten Scüber die Brücke. Kurz vor dem Schlosstor blieb er plötzlich noch einmal stehen. Irgendetwas hatte er wahrgenommen, das gar nicht sein konnte. Dazu kam, dass dieses ekelhafte Geräusch jetzt wieder ganz und gar unerträglich laut wurde. Franzl sah mutig zum Traunstein und dann zu den Gipfeln der anderen Berge hinauf. Alles normal, keine Erscheinung! Aber der Himmel hatte sich verdunkelt, als wäre die Nacht hereingebrochen.

Der Mann bekam erneut Angst. Er schluckte und ging schneller. So ganz gesund war er nicht. Sein Blutdruck war etwas zu hoch. Er fasste den Entschluss, abends keinen Schluck Wein und schon gar kein Schnapserl mehr zu trinken. Vor allem nicht beides zusammen. Oder wenigstens nicht so viel wie gestern Abend …

6. Erla bewegt die Rasende Rosa

Die Geisterdamen kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Nachdem sie also erfahren hatten, dass sich der Riese Erla doch nicht vor lauter Kummer nach Blondchens Tod damals in den See gestürzt hatte, sondern im Inneren des Traunstein lebte, sahen sie ihn heute nun zum ersten Mal leibhaftig.

Wie gebannt starrten sie auf den runden Bildschirm. Erla befand sich jetzt in seiner Höhle. Er hatte aufgehört zu weinen, jammerte aber immer noch laut vor sich hin. Dann drehte er an der Kurbel jener gewaltigen Maschine, die fast den gesamten Platz in seiner Behausung einnahm. Sie anzutreiben schien ungeheuer schwer zu sein, denn nur ganz langsam bewegte sich das faszinierende Räderwerk.

Interessiert gingen die Geisterfrauen näher und bestaunten das Geschehen. Jetzt schwebte langsam ein Kalenderblatt zu Boden. Es fiel auf andere Blätter, die zu Hauf am unteren Rand der Maschine lagen. Erla rann der Schweiß über die Stirn. Er schaute hinauf zum Kalender, der unter der Decke hing. Es war Donnerstag, der 15. August.

„Ist h-h-heute nicht M-m-mittwoch?“, fragte Miss Molly kopfschüttelnd. Kranawitha verdrehte die Augen. Na klar war heute eigentlich Mittwoch. Aber nun ist schon Donnerstag, weil dieser bekloppte Riese an der Zeit gedreht hat! Und Erla schien noch Reserven zu haben. Er holte tief Luft und schob mit ganzer Kraft die Kurbel weiter. Ein Blatt nach dem anderen segelte an der Maschine vorbei zu Boden. Den Geisterdamen verschlug es den Atem. Als sie die Sprache wiederfanden, musste mindestens ein Monat vergangen sein. Das konnte doch nicht unbemerkt durchgehen?

Röslein wurde plötzlich ziemlich nervös. Sie wollte weg von hier. Die anderen versuchten, sie zu beruhigen. Kranawitha drückte ihr ein Glas in die Hand. Ein harmloses Mittelchen, das sie von den Menschen kannte, die ja nicht nur unsinniges Zeug erfanden. Röslein trank es und fühlte sich sofort besser. Ihr Gesicht lief allerdings ziemlich blau an.

Gespannt sahen nun alle wieder zu Erla, der erneut Luft holte und sich mit seiner ganzen Kraft noch einmal über die Kurbel hermachte. „Nun übertreibt er es aber wirklich!“, zischte Kranawitha und begab sich auf die Suche nach ihrem Zauberbesen.

7. Warum die Szene nicht zu Ende gedreht wurde

Der Festsaal im Schloss erstrahlte im Scheinwerferlicht. Hauptdarsteller Lars Ungestüm, der in der Fernsehserie den Hoteldirektor spielte, stand am Fenster und sah hinaus zum dunklen See, in den der Regen prasselte. Da draußen war alles grau in grau. Er lauschte ins Handy und hörte nur seine eigene Stimme vom Anrufbeantworter. Besorgt drückte er noch einmal auf die Wahlwiederholung und endlich meldete sich seine Frau am anderen Ende der Leitung. Lars war froh, denn er hatte sich schon Sorgen gemacht. Seine Gattin konnte das nicht begreifen. Was denn für Sorgen? Sie musste doch nur wieder einmal ihre Tochter trösten, die wie so oft an Liebeskummer leide. Ihr neuer Freund hatte sie verlassen. Gestern Abend. Seitdem heule sie. Er sollte dringend nach Hause kommen!

Nein, er könne nicht nach Wien kommen. Er drehe doch jeden Tag. Und jetzt müsse er aufhören, man riefe ihn gerade! Die Tochter würde schon irgendwann den Richtigen finden! Bussi, baba!

Ungestüm stellte das Handy ab und steckte es in die Tasche des Bademantels, den er bis zum Drehen über dem Kostüm trug. Langsam ging ihm der ewige Liebeskummer seiner Tochter auf den Keks. Irgendwann musste sie doch mal an den Richtigen geraten.

Er griff nach seinem Kaffeebecher, der auf dem Fensterbrett stand und nahm einen großen Schluck. Verwundert stellte er fest, dass es der falsche Becher war. Kein Kaffee, sondern Tee darin. Noch schlimmer: Wenig Tee und viel Rum. Der Schauspieler trank selten. Am Wochenende ab und zu ein Viertel Rotwein. Aber irgendwie tat ihm dieser große Schluck jetzt gut. Vielleicht, weil es ein kalter, feuchter Tag war. Lars drehte sich um. Niemand schien sein wärmendes Getränk zu vermissen.

Nur Bella sah in vorwurfsvoll an. Sie konnte es nicht ausstehen, wenn Dinge, die da nicht hingehörten, in der Dekoration abgestellt wurden.

So trank Ungestüm schnell auch noch den Rest aus und warf den Becher in einen Papierkorb.

Der Burger rief alle zu einer letzten Probe. Lars ging zu seinem Platz, der auf dem Fußboden mit Klebeband gekennzeichnet war. Der ungewohnte Rum tat sofort seine Wirkung. Die Probe wurde schon kurz nach Beginn unterbrochen, weil dem Schauspieler sein Text nicht einfiel.

Der Regie-Chef saß hinter einem kleinen Monitor und schüttelte genervt den Kopf. Der Panter, so nennt man ein sehr bewegliches Fahrzeug für die Kamera, wurde auf die Ausgangsposition zurückgeschoben.

Der Hauptdarsteller schaute noch einmal in sein Drehbuch. Im Hintergrund stellte Bella die Torten in die Dekoration, Franzl half ihr dabei. Dann war man wieder probenbereit.

Lars manövrierte sich geschickt durch seinen etwas hölzernen Text, und auch alles andere funktionierte einigermaßen. Der Regisseur nickte zufrieden und der Burger brüllte: „Fertigmachen zum Drehen!“

Nun huschten aus sämtlichen Nebenräumen die vielen stillen Stars des Filmgeschäfts. Maskenbildner zogen noch einmal die Lippen der Damen nach, Gewandmeisterinnen zupften an den Gewändern herum, ein Garderobier half Ungestüm aus seinem Bademantel und bürstete den Kragen seines eleganten Anzuges ab. Das Licht wurde ein letztes Mal korrigiert.

Franzl nutzte die Gelegenheit zum Verschwinden, er musste zwei Schauspieler vom Flugplatz in Salzburg abholen. Als er die Tür öffnete, blies der Wind ein paar gelb-braune nasse Blätter herein. Bella griff schnell nach ihnen. Auf dem Weg zum Müllsack warf sie einen verwunderten Blick darauf. Welke, bunte Blätter im August? Und das hier, wo das Grün wirklich ganz besonders grün ist!

„Ruhe!“, dröhnte der Tonmeister. Er lauschte, aber das Geräusch von draußen war weg. Begeistert schrie er: „Wir können!“

Eine Maskenbildnerin zupfte der schönen jungen Episoden-Hauptdarstellerin Monica Morelli ein Haar aus. Die Morelli brüllte daraufhin laut auf: „Bist du wahnsinnig?!“

Die Maskenbildnerin entschuldigte sich im Flüsterton und erklärte, dass es sich um ein graues Haar gehandelt habe. Der Morelli verschlug es die Sprache. Sie nahm der Haarausreißerin den Spiegel aus der Hand. Schockiert sah sie, dass dies nicht das einzige graue Haar auf ihrem Kopf gewesen war. „Das gibt es nicht“, stöhnte sie entsetzt.

„Ruhe – wir drehen!“, kam nun das Kommando. Die Maskenbildnerin konnte den Spiegel, der jetzt der Schauspielerin aus der Hand rutschte, gerade noch auffangen. Sie starrte fassungslos auf Monica Morellis tiefrotes Haar, das silbern glitzerte.

Kopfschüttelnd betrachtete Bella noch immer die welken bunten Blätter. Der Regisseur sah zu seinen Hosenbeinen, die inzwischen wieder trocken waren. „Den Anzug kann ich wegschmeißen“, sagte er leise zu seiner Assistentin.

„Ton ab! Kamera ab!“ Die Klappe wurde geschlagen.

Der Chef rief laut: „Action!“

Um den Monitor hatten sich einige der Filmleute versammelt und verfolgten die Aufnahme. Die Szene begann fehlerlos. Doch da blieb Lars Ungestüm plötzlich stehen. Alle hielten die Luft an. Das hatte man nicht geprobt. Der Schauspieler öffnete den Mund, und schloss ihn schließlich wieder, ohne ein Wort zu sagen.

„Aus!“, rief der Chef verärgert. „Ich verstehe das nicht – er ist doch sonst ein Perfektionist“, flüsterte ihm besänftigend seine Assistentin ins Ohr.

Im Saal war es still. Alle schauten in Erwartung eines Donnerwetters vom Regisseur zu Ungestüm. Der stand da wie angewurzelt. Dann ging er langsam zum Fenster und zeigte stumm hinaus. Alle sahen nun nach draußen: Es begann zu schneien!

8. Kranawitha richtet nichts aus

Kranawitha, die endlich ihren Besen gefunden hatte, bat die anderen, hier auf sie zu warten. Sie wollte nur kurz diesem verrückten Riesen die Meinung sagen. „Der bringt doch das ganze Jahr durcheinander!“ Die Geisterdamen sahen sie fragend an. Glaubte sie ernsthaft, der würde auf sie hören? Kranawitha nickte. Und wie der auf sie hören würde! Ohne sie war er doch aufgeschmissen …

Sie versprach, sofort zurückzukommen. Bis hinüber zum Traunstein war es ja nur ein Katzensprung. Schon war sie verschwunden.

Die sieben durchsichtigen Weiber blickten entsetzt auf das Schneegestöber draußen und waren sich einig: Dieser Erla hatte wirklich irgendwie nicht mehr alle Tassen im Schrank.

Es war ja ganz nett, dass es in ihrem langweiligen Dasein ein bisschen Abwechslung gab. Aber das denn doch zu viel.

Miss Molly deckte Röslein mit einem warmen Tuch zu. Die Kleine hockte in Kranawithas Sessel und döste vor sich hin. Dann ging sie zu den anderen, die wieder auf den großen Bildschirm schauten, wo noch immer Erlas Maschinenhalle zu sehen war. Doch der Riese schien sich völlig verausgabt zu haben. Er saß auf den Kalenderblättern am Boden und war eingeschlafen. Emilia drehte den Ton leiser, denn Erla schnarchte entsetzlich.

So hörte er auch nicht das Klopfen und Rufen von draußen.

Es handelte sich um Kranawitha, die wirklich wahnsinnig schnell per Besen hinübergeflogen war und Einlass begehrte. Da ihr nicht geöffnet wurde, musste sie zu anderen Mitteln greifen.

Aber irgendwie schien nichts mehr wie früher zu sein. Keiner ihrer Zaubersprüche half, die Tür zu Erlas Höhle auch nur einen Spalt zu öffnen. Die Hexe schimpfte fürchterlich herum, drohte, fluchte. Doch gar nichts passierte. Sie wollte es mit einem Zauberreim versuchen. Aber vor lauter Ärger hatte sie ein totales Blackout in ihrem Kopf.

Die Damenrunde in ihrer Höhle überkam inzwischen die Langeweile. Dass sich nun nichts mehr ereignete, war bedauerlich. Seufzend erhoben sich die Geisterfrauen. Sie weckten Röslein. Was war mit ihr los? Aber die junge Dame lächelte nur abwesend. Sie schien ein Geheimnis zu haben.

Die anderen bestürmten sie mit Fragen. Sie schien verändert. War sie etwa verliebt? „Vielleicht“, flüsterte sie. Weiter war nichts von ihr zu erfahren.

Noch einmal sahen sie auf den Bildschirm. Kranawitha hatte sich vor Erlas Türe niedergelassen und wartete.

Die Geisterfrauen hatten keine Lust, hier zu überwintern. Obwohl es in Kranawithas Domizil schön warm war, entschlossen sie sich zum Abflug. Die schwarzen Bären, die in allen Ecken schliefen, wurden nicht einmal wach von dem lauten Verabschiedungszeremoniell der Damen.

Alle waren zwar ein bisschen enttäuscht von diesem Ausgang der Party, aber länger ausharren wollten sie auch nicht. So schwebte schließlich eine nach der anderen durchsichtig blau hinaus. Draußen winkten sie sich noch einmal zu und machten sich leicht benebelt durchs Schneegestöber auf den Weg zu ihren Schlössern.

9. Schimek wundert sich

Schimek stand mit seiner Enkeltochter Flori unterm Dach des Eingangs vom Gasthof Grünberg und wollte seinen Augen nicht trauen: Es schneite noch immer! Er bat seinen Sohn und die Schwiegertochter mit der Rückfahrt besser ein bisschen zu warten. Bei diesem Wetter wollte er sie nicht weglassen – mit Sommerreifen!

„Was sollte man im August sonst für Reifen haben“, sagte seine Schwiegertochter kopfschüttelnd und drückte ihrem Mann den Autoschlüssel in die Hand. Sie mussten nach Wien zurück. Viel zu lange hatten sie sich beim ausgiebigen Essen im Gasthof Grünberg aufgehalten. Nun war es höchste Zeit. Morgen würde ihre Tournee beginnen und die Sachen waren noch nicht gepackt. So verabschiedeten sich die beiden von ihrer kleinen Tochter und ermahnten sie, schön brav zu sein und dem Opa Schimek keine Schande zu machen.

Der schüttelte ärgerlich den Kopf. Das Mädchen war brav, viel zu brav. Ein Lämmchen! Nur Märchen im Kopf. Sie spielte stundenlang mit ihren Puppen die Schauergeschichten von gefräßigen Wölfen, die Großmütter verspeisten, und von Prinzessinnen, die Frösche an die Wand klatschten, nach. Oder sie malte seltsame Bilder.

Er hatte ansonsten keinerlei Probleme, wenn er Flori drei Ferienwochen in seiner Obhut hatte. Sohn und Schwiegertochter waren Sänger und tingelten jeden Sommer mit einem Operettenprogramm über die Freilichtbühnen Österreichs.

Flori war sechs Jahre alt. Sie sollte eigentlich ein Junge werden und Florian heißen. Da also aus dem Sohn nichts wurde, gab man dem Mädchen allen Ernstes den Namen Floriane. Daraus machte Schimek kurz entschlossen Flori, und inzwischen nannten alle das ruhige Kind so.

Flori blieb gern bei Schimek. Er nahm sie mit zu den Dreharbeiten.

Dann saß sie still in einer Ecke und beobachtete alles ganz genau.

Oder sie blieb im Gasthof und spielte mit den Kindern anderer Gäste oder mit den Enkeln der Wirtsleute.

Artig verabschiedete sie sich nun von ihren Eltern. Die schlitterten in dünnen Sandalen zu ihrem Wagen und fuhren winkend und hupend davon. Als sie außer Sichtweite waren, fragte Schimek, ob Flori noch eine Cola trinken wollte. Ihre Eltern sahen das nicht gern, aber Schimek erlaubte seiner einzigen Enkelin natürlich alles, was sonst tabu war.

Sie durfte sogar abends im Bett fernsehen. Flori sah fasziniert den Schneeflocken zu, die über dem See herumwirbelten.

Nein, sie wollte nichts mehr trinken. Aber der Opa könne ruhig gerne noch auf einen Schoppen Roten in der Gaststube sitzen. Schimek sah Flori erstaunt an und zog eine Augenbraue hoch. Flori grinste. Sie würde lieber ins Bett gehen. Bestimmt gäbe es was Interessantes im Fernsehen. Schimek sah auf die Uhr. Es war schon spät. Vielleicht wollte sie „Schlosshotel Orth“ sehen? Er hatte einen Videorekorder und einige Kassetten vom letzten Jahr dabei.

Flori starrte auf den See hinaus und schüttelte den Kopf. Das war ihr zu langweilig, denn die Folgen kannte sie doch alle. „Da!“, sagte sie plötzlich, „Sieben Geister!“

Schimek sah zu ihr herunter, lächelte und strich Flori übers Haar. „Denkst du dir ein neues Märchen aus?“

Doch Flori zeigte mit offenem Mund nach oben. Schimek verschlug es die Sprache. Tatsächlich hatte er für einen Moment den Eindruck, irgendwelche durchsichtig-blauen Gespenster über den Traunsee fliegen zu sehen. Aber schon waren sie verschwunden. Er schluckte.

Bei einem Glühwein war es nicht geblieben, als sie die Dreharbeiten auf der Brücke abgebrochen hatten. Und dann beim Essen mit seinen Kindern musste er die neue Hausmarke des Grünberg-Wirtes probieren. Ihm wurde kalt. Er nahm Flori an der Hand und sie gingen ins Gasthaus. Wahrscheinlich hatten die Schneeflocken ihnen irgendwas vorgewirbelt. Wie sonst sollte er sich und dem Kind die Angelegenheit erklären. Doch Flori sagte entschieden: „Nein! Ich kann schon zählen! Es waren sieben blaue Geister! Alles Frauen. Das hab ich ganz genau gesehen!“ Schimek überlegte einen Augenblick, ob man weibliche Geister Geisterinnen nannte. Kopfschüttelnd folgte er seiner Enkeltochter.

10. Fürs Lars beginnt der ersten Morgen der Verwirrung

Der Hauptdarsteller Lars Ungestüm erwachte und lauschte. Irgendwie fand er es erfreulich: Er hörte kein Regengeräusch!

Wie jeden Morgen sprang er aus dem Bett, was ihm merkwürdigerweise nicht so recht gelang. Nun taumelte er etwas und spürte ein Schwindelgefühl. Er schob es auf die frühe Stunde und den Rum im Tee, den er gestern beim Drehen versehentlich getrunken hatte. Deshalb kümmerte er sich nicht weiter darum.

Ungestüm spielte die Rolle des Hoteldirektors in der Serie inzwischen sechs Jahre. Zuerst wohnte er während der Dreharbeiten in verschiedenen Hotels. Aber seit zwei Jahren hatte er diese wunderbare Wohnung im Don-Alfonso-Weg in Altmünster. Er wollte sich schon immer mal erkundigen, wer eigentlich Don Alfonso war, hatte es aber bis heute nicht zu Wege gebracht.

Lars bewohnte die erste Etage eines Hauses direkt am See. Die Einrichtung war nicht eben modern, aber liebte diese Wohnung. Es war alles da, was man zum Leben brauchte.

Seine Frau kam fast jedes Wochenende von Wien her, und sie verbrachten gemeinsam die drehfreie Zeit am Wasser.

Die Wohnung hatte ein Gästezimmer. So konnte ihn auch seine Tochter mit ihrem Freund, soweit sie nicht gerade wieder einmal verlassen wurde, oft hier besuchen.

Ungestüm ging bei jedem Wetter als erstes am Morgen zum See hinunter. Vor allem aber liebte er die Zeit nach Drehschluss.

Dann saß er auf einem Klappstuhl am Ufer und schaute zum Traunstein und zur Schlafenden Griechin hinüber. Unzählige Fotos hatte er von diesem Anblick gemacht. Am liebsten hatte er es, wenn die Berge im Abendlicht glühten. Welch ein Schauspiel!

Als einmal Helena Wolfmann, die berühmte Schauspielerin aus der Schweiz, eine Episoden-Hauptrolle in der Serie spielte, hatte Lars sie nach Drehschluss zum Essen eingeladen. Beide verband eine langjährige Freundschaft, und so wollte man natürlich über längst vergangene, gemeinsame Theaterzeiten plaudern. Aber sie sah nur zu den rotglühenden Bergen hinüber. Helena war so begeistert von seinem Seeblick, dass sie, wieder zu Hause, ein kleines Aquarell malte. Sie schickte es ihm und versprach wiederzukommen, um hier zu malen.

Das war inzwischen neben der Arbeit als Schauspielerin ihre Lieblingsbeschäftigung. Eine großartige Künstlerin war sie auf beiden Gebieten.

Das Bild, das in seiner Wiener Wohnung hing, erfreute ihn jedes Mal wieder. Leider war Helena nicht gekommen zum Malen. Lars wollte sie längst einmal anrufen und daran erinnern. Aber er vergaß es immer wieder.

An jedem Morgen also stellte er fest, dass es nicht mehr regnete.

Er überwand schnell das kurze Schwindelgefühl und schaute frohen Mutes aus dem Fenster. Plötzlich fiel ihm voller Schrecken ein, dass gestern Schnee gefallen war! Im August! Er ging ins Bad und nahm eine Tablette, weil ihm schlecht geworden war.

Dann rief er seine Frau an. Das mit dem Schnee – wahrscheinlich würde sie es überhaupt nicht glauben. Aber er kam gar nicht zum Sprechen, denn als sie sich meldete, überschlugen sich ihre Worte.

Sie waren Großeltern geworden! Ein gesunder Enkelsohn, 53 cm groß und 3500 Gramm schwer!

Ungestüm rieb sich das Ohr. Wieso hatte er nichts von der Schwangerschaft seiner Tochter gewusst? Und nun war das Kind schon da? Wer war der Vater? Der letzte – oder der vorletzte Freund? Sein armes Kind – allein und nun mit Nachwuchs?

Seine Frau lachte. Wieso denn allein? Sie hat doch ihren Mann. Der ist natürlich stolz und glücklich als junger Vater. Und sie beide Oma und Opa! Das muss gefeiert werden. Morgen käme sie ja nach Gmunden.

Er soll einen Tisch im Schweizerhof bestellen. Das war eines ihrer Lieblingsrestaurants, ganz in der Nähe.

Ungestüm wollte seine Frau noch so vieles fragen. Aber sie hatte keine Zeit. Sie müsse gleich ins Krankenhaus zu ihrer Tochter und dem Enkel.

Der Schauspieler legte ungläubig den Hörer auf. Er war Großvater, und seine Tochter anscheinend verheiratet. War sie nicht gestern gerade von ihrem Freund verlassen worden? Irgendetwas war wirr in seinem Kopf.

Leichte Panik ergriff ihn. Zu oft hörte man von Demenz oder Alzheimer … Er strich über seine Stirn, als wollte er solche Gedanken verscheuchen. Dann sah er auf sein Handy und wunderte sich: Draußen war schönes Wetter, und er hatte noch keine Nachricht, was heute auf dem Plan stand und wann Drehbeginn sein sollte. Wahrscheinlich würden sie also erst später anfangen. So zog er seine Sportklamotten an, er wollte vor der Arbeit noch eine Runde joggen. Seit er die Hauptrolle in dieser Serie spielte, war ihm der Sport sehr wichtig geworden. Schräg über die Straße befand sich das Schloss Ebenzweier mit einem wunderschönen gepflegten Park drum herum. Dieses Schloss beherbergt heute eine Berufsschule. Man konnte morgens ungestört auf den Parkwegen entlang rennen, ohne angesprochen zu werden. Kein Autogrammjäger verfolgte ihn hier. Und wenn die Zeit gekommen war, sprang er nach dem Joggen in den Traunsee. Alle hielten ihn für etwas verrückt. Denn der See war selbst im Sommer meist grausig kalt. Abgesehen von ein paar ebenso verrückten Einheimischen, hüpfte kein Mensch so zeitig hinein wie Ungestüm. Aber ihm gefiel das, er hielt es für einen Jungbrunnen.

Heute jedoch fühlte er sich irgendwie schlapp.

Er trat aus dem Haus und betrachtete verwundert die Rosen im Garten, die in voller Blüte standen. Gestern noch hatten sie nicht eine einzige Knospe wegen des andauernden Regens! Und gestern fiel sogar Schnee auf die armen Sträucher …

Lars ging erst einmal hinunter zum Steg. Er hörte Kinder fröhlich toben. Auch darüber wunderte er sich. Und als er am Ufer stand, schüttelte er den Kopf. Er sah – im Wasser! – etliche Mädchen und Jungen. Der See hatte sich durch den Dauerregen kaum erwärmt. Die Wassertemperatur lag bei knappen 11 Grad, das hatte er gerade gestern nachgemessen! Gestern früh - noch bevor es geschneit hatte. Er sah verwundert ein Schwanenpaar mit sechs Jungen vorüberziehen. Und als er seine Hand ins Wasser hielt, fand er es so warm wie selten, seit er hier war.

11. Kranawitha trifft auf den träumenden Riesen

Kranawitha erwachte. Sie hockte noch immer neben ihrem Besen vor dem Tor von Erlas Höhle, und musste wohl ein kleines Nickerchen abgehalten haben. Sie erhob sich, dabei schmerzte ihr krummer Rücken. Auch plagte sie ein gehöriger Brummschädel. Plötzlich hatte sie den Eindruck, ein kleines hinterhältiges Lachen zu hören. Natürlich fand das nur in ihrer Einbildung statt, denn schlagartig wurde ihr klar, dass ihre Weiberrunde noch immer vor dem Bildschirm hocken würde. Sie riss sich zusammen, um sich nicht vor ihren Geisterfreundinnen zu blamieren.

Der Riese schlief anscheinend noch, nichts rührte sich auf ihr lautes Klopfen und Rufen. Die schwere Tür hatte sie nicht aufbekommen. Wie gesagt: Kein Zauberspruch half.

Sie kam nicht an die Zeitverkürzungsmaschine heran. Die Hexe überlegte, was sie tun sollte. Zuhause in ihrer Höhle wurden die Gäste sicher schon ungeduldig. Doch da erschien Erla plötzlich – frohen Mutes – was Kranawitha nach seinem ständigen Gejammer und Geheule wie ein Wunder vorkam.

Anscheinend hatte er die Höhle verlassen, als sie schlief. Er begrüßte die Hexe, setzte sich neben sie und reichte ihr ein Polaroid-Foto herunter. Darauf war eine goldene Kutsche zu sehen. Genau die hatte er sich heute Morgen beim Zwergenkönig Rötel ausgesucht. Natürlich müsse das Gefährt noch ein wenig aufpoliert werden. Kranawitha sah zu dem verliebten Riesen hoch und zischte leise: „Hast du dir schon mal überlegt, wie du in diese Kutsche kommen willst?“

Aber Erla hörte gar nicht zu. Er träumte weiter vor sich hin. Wenn es endlich soweit ist, wird er mit Blondchen in dieser Goldkutsche durch die Gegend fahren. Oder besser: Dahinfliegen. Denn statt Pferden würden Rötels Zauberschweine eingespannt sein. Erla geriet geradezu ins Schwärmen. Sie würden über den Grünberg düsen, vorbei am Laudachsee, hinüber nach Grünau zum Almtal, und über die schnellbedeckten Gipfel zurück über Traunkirchen und Altmünster nach Gmunden, ins Schloss. Direkt vor den Altar.

Er wollte sein Blondchen endlich heiraten. So richtig in der Kirche mit allem Drum und Dran. Kranawitha tippte sich an die Stirn und sah zu Erla auf. Seine Augen wurden feucht.

„Bitte nicht!“, bat die Hexe. „Nicht schon wieder Regen!“

Seine gute Laune war plötzlich dahin. Erla verfiel in grübelndes Schweigen. Es gelang Kranawitha nicht, durch Fragen herauszufinden, wie viel Zeit noch übrig war, bis Erla sein Blondchen endlich in die Arme schließen konnte.

Irgendwie jedoch beschlich sie ein ungutes Gefühl …

12. Die Neuen sind da!

Der Regisseur Matti war nicht nur wegen des herrlichen Sommerwetters gut gelaunt. Sein Motto hieß „Drehzeit ist Lebenszeit“ – und er war der Meinung, dass man allerhand dazu beitragen konnte, eine gute Zeit zu haben. Er lachte gerne und verstand es, schnell eine gute Stimmung zu verbreiten. Manchmal war er allerdings für sein Alter von 45 plus etwas zu albern und lachte über jeden Mist. Da er nur knapp 1,70 Meter groß war und nicht so ganz dünn, wirkte er neben seiner Kamerafrau winzig. Man übersah ihn häufig, und manchmal wurde er für eine Hilfskraft zum Absperren der Straße oder für den Hausmeister gehalten.

Eigentlich sah er aber richtig gut aus. Ein charismatischer Mann. Doch die Damen machten ihm vergeblich schöne Augen …

Kamerafrau Eva-Maria, die alle nur Ev nannten, war dagegen viel zu dürr und fast 1,85 Meter hoch. „Regie & Kamera“ gaben also ein schrulliges Paar ab.

Sie freuten sich, dass sie hier in Gmunden waren, denn sie liebten die Serie, die sie nun drehen durften.

Matti war ein Schwabe, lebte aber in München. Er hatte seine Assistentin Jette, eine Berlinerin, zu dieser Arbeit nach Österreich mitgebracht. Ev aber hatte wieder Bingo, den sie von früheren Filmen kannte, zu ihrem Assistenten gewählt.

Jetzt waren sie auf dem Weg zur Schiffsanlegestelle am Hauptplatz.

Dort wurde gerade das Equipment auf ein Boot verladen.

Auch Bingo war bester Laune und winkte ihnen entgegen. Es war 9 Uhr, und vom Rathausturm erklang nach den 9 Stundenschlägen vom Glockenspiel die Titelmelodie der Serie.

Matti und Ev staunten nicht schlecht. Das hörten sie zum ersten Mal. Nun eilte auch noch der Bürgermeister auf sie zu und schüttelte ihnen die Hände. Er sagte zu Ev, wie sehr er sich freue, dass endlich einmal eine Kamera-Frau hier sei. Aber das habe er ja schon in seiner Rede zum Drehbeginn der neuen Folgen beim Eröffnungsfest hervorgehoben. Er wünschte gutes Gelingen und verschwand im Rathaus.

Matti und Ev begrüßten ihre Kollegen und stiegen ins Boot. Es waren einige Aufnahmen vom Wasser aus zu drehen. Als sie gerade ablegen wollten, bemerkte Bingo verwundert den Regisseur vom Vorjahr, den Chef, der über den Hauptplatz eilte. „Wat macht der denn hia?“, fragte er. Da keiner eine Antwort wusste, winkte Bingo dem Mann zu, der heute trotz eines neuen, eleganten hellen Maßanzugs, irgendwie ziemlich alt aussah. Der alte Regisseur winkte zurück und eilte zum Hotel Austria. „Wahrscheinlich hat er immer noch eine Geliebte in Gmunden“, mutmaßte der Bootsführer. Dann fuhren sie mit ziemlicher Geschwindigkeit los.

13. Flori ist ein Schulkind

Schimek hatte heute drehfrei und saß mit seiner Enkelin Flori beim Frühstück auf der Terrasse des Gasthofs Grünberg. Er war bester Laune: Die Sonne schien, endlich konnte man einmal draußen sitzen und über den glitzernden See nach Gmunden hinüber schauen. Er zog seine Strickjacke aus und legte sie auf die Bank neben sich. Genau die richtige Temperatur, das war ein Wetter nach seinem Geschmack.

Zufrieden stippte er sein Kipferl in eine Schüssel mit frischer Marillenkonfitüre, die von der Grünberg-Wirtin noch immer hausgemacht wurde. Der Kellner brachte zwei Spiegeleier mit kross gebratenem Speck. Schimek überlegte, ob er sich ein kleines Bier dazu bestellen sollte. Aber in diesem Moment sagte Flori: „Für dein Alter frühstückst du ziemlich ungesund, Opa!“

Schimek zog eine Augenbraue hoch und sah das Mädchen verwundert an. Dann machte er sich über den Speck und die Eier her und fand beides köstlich. Was sollte daran ungesund sein?

Flori begann, ihn über Cholesterin und Blutfettwerte aufzuklären. Schimek legte für einen Moment die Gabel aus der Hand und sah seine Enkeltochter verblüfft an. „Na, die werden sich ja freuen, wenn du im Herbst eingeschult wirst! Da kriegen’s ein ganz schlaues Kind!“ Flori sah ihn kopfschüttelnd an. Wahrscheinlich läge das nun wieder daran, dass sein Rotweinverbrauch zu hoch war.

Sie käme im Herbst in die 2. Klasse! Schimek war irritiert. Gestern Abend hatte er blaue Geisterinnen gesehen und heute bringt er alles durcheinander. Wahrscheinlich hatte Flori mit dem Rotwein Recht.

Er vermied das Thema und fragte, was sie denn heute unternehmen wollten. Flori zog einen kleinen Zettel aus der Tasche. Sie hatte schon einen Plan gemacht und ihm alles aufgeschrieben, damit er nicht wieder die Hälfte vergisst. Sie schob Schimek das Blatt hin und ging ins Haus, um die Zeitung zu holen. Schimek sah ihr kopfschüttelnd nach. Dieser neue Ton an dem Kind gefiel ihm gar nicht. Irgendwie war Flori seltsam anders. Aufsässig wollte er das nicht nennen. Aber ihm fehlte plötzlich die zurückhaltende Bravheit, die ihn sonst, zugegeben, ein wenig nervte. Und sie konnte schreiben! Noch bevor er einen Blick auf ihren Plan geworfen hatte, war Flori schon wieder da. Schimek setzte seine Lesebrille auf, aber die Enkelin machte keine Anstalten, ihm die Zeitung zu geben.

Sie blätterte suchend darin herum und sagte: „Vielleicht steht irgendwas von der Geistererscheinung drin!“

Nun kam Mariella Lagl, Schimeks Schauspielerkollegin, auf die Terrasse. Auch sie wohnte meist im Hotel Grünberg, seit sie bei der Serie beschäftigt war. Und auch sie hatte heute drehfrei. Mit einer Schüssel Obstsalat in der Hand sah sie sich suchend um. Als sie die beiden entdeckt hatte, kam sie zu ihrem Tisch und fragte: „Ich darf mich doch zu euch setzen? Einen wunderschönen guten Morgen!“

Ohne eine Antwort abzuwarten, nahm sie Platz und naschte von Schimeks Teller ein Stück Speck. Flori lugte hinter der Zeitung hervor und verdrehte die Augen. Leider stand kein Wort über die sieben blauen Geisterfrauen in der dämlichen Zeitung. Schimek legte sie beiseite. „Jetzt wird erst mal gefrühstückt!“

Mariella löffelte ihren Obstsalat und erkundigte sich bei Flori, was es denn mit den sieben Geistern auf sich habe. Sie sprach mit ihr wie mit einem Baby, was Flori ziemlich auf die Palme brachte.

„Du kannst ruhig wie zu einem normalen Menschen mit mir reden!“

Sie steckte ihren Plan wieder ein und sagte zu Schimek: „Wir gehen heute ins Klo-Museum!“

Bei dem herrlichen Wetter? Schimek schüttelte verwundert den Kopf. Mariella bemerkte: „Nicht uncool, der Vorschlag! Das soll ja eine angesagte Location sein!“

Flori fand diese Art der Sprache noch bescheuerter und verdrehte wieder die Augen.

Schimek schlug vor, einen Spaziergang zum Cafe Baumgartner zu machen. Man könnte dort eine Mehlspeis zu sich nehmen, am liebsten die berühmte Schokoladentorte. Und danach die Kollegen besuchen, die auf der Esplanade drehen. Flori maulte. Erstens sind Torten nun aber oberungesund. Und den eitlen Regisseur könne sie auch nicht leiden. Dazu dieser seltsame Kameramann. Mariella staunte. „Eitel! Aha! Seltsam...“ Aber sie ließ sich über Floris Bemerkung nicht weiter aus, sondern erzählte ihr mit schlichten Worten, dass sie ja jetzt einen anderen Regisseur und eine Kamera-Frau haben.

Schimek verschlug das die Sprache. Und Flori fand es cool. Wurde auch mal Zeit. Aber heute wollte sie nicht zum Drehen, sondern ins Klo-Museum. Schimek gab es auf, noch einmal zu widersprechen.

Mariella fragte, ob sie sich anschließen dürfte. Seit sie hier in Gmunden war, wollte sie sich das schon immer einmal anschauen.

Schimek zuckte mit den Schultern. Aber Flori lächelte milde. Wenn sie nicht zu sehr nerve, könne sie mitkommen.

14. Lars versteht die Welt nicht mehr

Lars Ungestüm hörte ein Kichern. Er sah eine durchsichtige blaue Gestalt, die anscheinend vergeblich nach einer Tür suchte, um ins Schloss Ebenzweier zu gelangen. Er fuhr sich irritiert über die Augen. Dann joggte er weiter durch den Park, vorbei an ein paar Berufsschülerinnen. Sie drehten sich lachend nach ihm um. Er schnappte so etwas auf wie „der Alte“, deshalb flitzte er besonders schnell weiter. Es roch stark nach Bärlauch. Er überlegte, ob er nicht anhalten und welchen pflücken sollte.

Aber das Kichern der jungen Damen klang noch immer in seinem Ohr und so lief er weiter. Als er unten an der Straße angekommen war, machte er ein paar Dehnübungen und ging dann zum Schweizerhof hinüber.

Die Wirtin öffnete auf der Terrasse gerade die Sonnenschirme. Erfreut ließ sie alles stehen und ging auf ihn zu. Ungestüm begrüßte sie und bestellte einen Tisch für den nächsten Abend. Vielleicht konnte man ja endlich einmal draußen sitzen. Die Wirtin sah ihn an, nickte lächelnd und sagte: „Ich wusste gar nicht, dass Sie noch hier sind!“ Der Schauspieler wunderte sich. Warum sollte er nicht mehr hier sein? Doch bevor er diese Frage stellen konnte, sah er unten am Traunsee Sonnenblenden aufblitzen. Das Boot mit der Kamera näherte sich dem Ufer, wo das restliche Team schon wartete.

Ein riesiger Schreck durchfuhr Ungestüm: Sie drehen! Er lief zur Treppe, die hinunter zum See führte.

Da hörte er den Burger rufen: „Der Herr Hoteldirektor bitte zum Set!“ Ungestüm wurde kreidebleich und raste los. Er war in den sechs Jahren, seit die Serie gedreht wurde, noch nie zu spät gekommen! Nicht ein einziges Mal! Nicht eine einzige Minute …

Als er sich dem Team näherte, sah er einen jüngeren Kollegen in elegantem Anzug: Siegfried Thörner. Ungestüm konnte sich weder einen Reim darauf machen, was der hier spielte. Noch wusste er, was er selber gleich hier spielen sollte. Er hatte keine Dispo bekommen!

Dispo ist die Kurzbezeichnung eines der wesentlichsten Schriftstücke beim Film: Die Disposition. Darin steht alles, was von großer Wichtigkeit ist. Nämlich was, wann, wo gedreht wird, wen und was man wann dazu braucht und wer sich wo mit wem und was einfinden muss und wie und wann er da zu sein hat. Wann was beginnt steht da – und wann das endet, wird meist weggelassen …

Thörner. Vielleicht spielt er eine Gastrolle? Lars hatte keine Ahnung. Aber er rannte nun fast. Der Burger sah Ungestüm verwundert entgegen. Jetzt kamen alle, voran Siegfried Thörner, freudig auf ihn zu. Eine lange, dürre Frau drängte sich durch, sagte ihren Namen, den Ungestüm – völlig außer Atem – nicht verstand. Sie behauptete, dass sie die neue Kamerafrau und ein großer Fan von ihm sei und sehr bedaure, nichts mehr mit ihm zu tun zu haben. Dann kam ein kleinerer Mann, schüttelte ihm die Hand und lachte laut. Ungestüm wusste nicht warum. Er schnappte nach Luft. Thörner klopfte ihm jovial auf die Schuler: „Ich muss mich ganz schön anstrengen, um Ihre Popularität zu erreichen, Herr Kollege!“

Lars mühte sich um ein zustimmendes Lächeln. Es sah etwas gequält aus. Er blickte im Moment überhaupt nicht mehr durch! Was sollte denn nun eigentlich gedreht werden? Er raunte dem Burger zu, ihm doch mal seine Dispo zu borgen. Der tat das auch, bedauerte zugleich, dass sie jetzt keine Zeit mehr hätten und trieb das Team zur Arbeit an.

Thörner nahm sein Drehbuch und ging zu Matti. Ev flüsterte ihm noch schnell zu: „Lass dir nichts einreden – der kann bloß wieder seinen Text nicht!“ Dann ging sie mit den Lichtbuben die Einstellung durch.

Ungestüm sah sich befremdet um. Kein Mensch kümmerte sich mehr um ihn. Die Maskenbildnerin winkte ihm aus der Ferne zu und widmete sich einer Schauspielerin, die Lars noch nie gesehen hatte.

Sein Blick irrte über die Dispo. Er kam darin nicht vor. Verzweifelt appellierte er in einer Art Meditation an sein Hirn. Ohne Ergebnis. Er verstand die Welt nicht mehr.

Jetzt rief der Burger alle zur Stellprobe.

Thörner machten einen Umweg und ging noch einmal zu Ungestüm. „Das haben Sie übrigens bravourös gespielt – Ihr Sterben!“

Lars sah ihn verständnislos mit großen Augen an. Da er seinen Regisseur nicht sah, ging er zu Bingo. Den konnte er ganz gut leiden. „Wo soll ich hin?“ flüsterte er ihm zu. Bingo hielt das anscheinend für einen Scherz und lachte los. „Ick würde mal sagen: In det Jewässer da!“ Er zeigte zum See. Auch Thörner fing an zu lachen. Und das ganze Team stimmte erleichtert ein.

Lars Ungestüm wurde böse. Wenn er etwas überhaupt nicht leiden konnte, dann dass man ihn verscheißerte und sich auch noch darüber lustig machte!

„Es reicht!“, sagte er mit schneidender Stimme.

Plötzlich kam ihm eine Idee. „Wo ist die versteckte Kamera?“

Alle lachten nun noch lauter. Der Burger nahm ihn zur Seite und sagte, dass er es auch sehr bedauere, ihn nicht mehr dabei zu haben. Aber es war doch ausdrücklich sein eigener Wunsch!

Ungestüm schluckte und wischte sich den Schweiß von der Stirn.

Die Garderobieren warfen sich vielsagende Blicke zu. „Vielleicht trinkt er jetzt?!“ „Ganz bestimmt nicht! Vielleicht …“ Eine Geste: Bisschen verwirrt im Kopf …

Zum Glück bekam das der arme Kerl nicht mit.

Die Regie-Assistentin Jette schaute auf die Uhr und ging zu Matti.

Sie sagte entschieden: „Wir müssen!“

Thörner klopfte wiederum seinem Vorgänger auf die Schulter: „Sie hätten das vielleicht nicht so endgültig machen sollen! Aber nun lief es ja schon im Fernsehen. Sie sind tot!“

15. Kranawitha erblickt die Maschine

Plötzlich schien einer der vielen Fragen von Kranawitha in Erlas Kopf angekommen zu sein. Wie sollte er in die Kutsche kommen? Er erschrak fürchterlich! Darüber hatte er bisher nicht nachgedacht. Natürlich war er wieder dieser grässliche Riese, seine Ausmaße geradezu ungeheuerlich. Und Blondchen gegen ihn ein winziges Nixlein. Wenn sie sich alle 100 Jahre einmal für eine Vollmondnacht am Laudachsee getroffen hatten, war er vorher immer bei der Hexe gewesen, und sie hatte ihm zu einer halbwegs normalen Gestalt verholfen. Fragend blickte er zu Kranawitha. Er benötigte natürlich erneut ihre Dienste! Wie damals wollte er aussehen: Ein Edelmann Größe XL, oder wie das hieß!

Kranawitha grinste. Endlich hatte er kapiert! Er war von ihr abhängig. Sie konnte gewisse Bedingungen stellen. Erla sah sie mit großen Augen an. Alle wollten etwas von ihm. Rötels ellenlanger Wunschzettel war noch lange nicht abgearbeitet. Und nun kam die Alte auch noch mit irgendwelchem Kram. Was denn für Bedingungen?

Na, zum Beispiel weniger Regen. Der kam doch nur von seiner ewigen Heulerei. Und keinen Schnee im August. Der hatte doch auch mit ihm zu tun?

Erla war erleichtert, senkte aber die Augen zu Boden.

Kranawitha konnte sich ein kleines Grinsen nicht verkneifen: Das Ungetüm schämte sich ein bisschen! Ja, Erla gab es zu, er war zu weit gegangen. Aber er habe doch alles wieder gut gemacht. Nun sei draußen ein herrlicher Sommertag, der See so warm, dass man drin schwimmen könne. Und alle wären zufrieden.

Kranawitha sah ihn misstrauisch an. Irgendwie hatte sie plötzlich ein komisches Gefühl. „Willst du mich vor der Türe sitzen lassen?“, fragte sie. Erla machte keine Anstalten, sie in seine Höhle zu bitten. Na gut – dann eben nicht. „Dann sieh doch zu, wie du dich neben Blondchen in diese Kutsche quetschen willst!“ Sie fuchtelte mit dem Foto herum und schnippte es mit einem kleinen Zauber auf die Höhe von Erlas Nase, wo es sich krachend in tausend glühende Funken auflöste. Der Riese musste niesen und sah ängstlich zu Kranawitha.

„Wenn ich dir nicht helfe, siehst du ganz schön alt aus“, lachte sie ihm frech ins Gesicht. Und dann begann sie, Erla zu beschwatzen.

Sie wollte doch nur einen kleinen Blick auf seine riesige Maschine werfen. Der große Kerl erschrak. Was wusste sie davon?

Aber die Hexe winkte ab. Hatte er ernsthaft geglaubt, sie hätte nicht von diesem Räderwerk erfahren, das Rötel für ihn konstruiert und mit seinem Zwergengeschwader gebaut hatte? Sie könne zaubern. Sollte er das vergessen haben? Sie wusste sogar, dass Erla diese Maschine liebevoll Rasende Rosa nannte und manchmal mit ihr redete! Der Riese schloss zerknirscht die schwere Tür auf und ließ Kranawitha in sein Heiligtum. Die Hexe erschrak doch ziemlich, als sie erstmals leibhaftig vor der Maschine stand. Welch ein riesiges Monster! Sie selbst kam sich dagegen kleiner als der kleinste von König Rötels Zwergen vor. Was für ein Ungetüm …

Sie sah auf das letzte Kalenderblatt, was von oben heruntergesegelt war: Es handelte sich um den 16. August. Kranawitha atmete auf. Doch da bemerkte sie, dass Erla mit dem Fuß einen ganzen Berg von Kalenderblättern beiseiteschieben wollte. Heimlich sozusagen.

Sie betrachtete das Blatt vom 16. August näher. Und da glaubte sie, im Kopf ein bisschen meschugge zu sein: Es war der 16. August des nächsten Jahres!

16. Was tun nach dem Klo-Museum?

Wirklich und wahrhaftig gibt es in Gmunden ein Museum mit dem Namen „Klo & So“. Schimek konnte sich nicht zusammenreimen, was ein sechsjähriges Mädchen dorthin zog. Na gut, Flori war also inzwischen sieben. Wie auch immer das passiert war. Aber sie war die kleine Märchentante. Sie spielte gern mit Puppen – wenn auch seltsame Geschichten.

Doch nun rannte sie begeistert zwischen all den historischen Kloschüsseln herum. Es waren so an die 300.

Flori erzählte von irgendeiner mysteriösen Geistererscheinung auf einer Mädchentoilette. Davon hatte sie aus ihrer neuen Lieblingslektüre erfahren. Die handelte von einer Schule für Zauberer und anderen merkwürdigen Dingen.

Nun hoffte das Mädchen anscheinend, auch in diesem Klo-Museum irgendetwas Spektakuläres zu erleben. Sie inspizierte das Zimmerklosett von Kaiser Franz Joseph aus der Jagdhütte auf der Spitz-Alm im Höllengebirge und Sissis Bidet. Aber nichts passierte.

Schimek hatte die stille Hoffnung, seine Enkelin würde schnell das Interesse an dieser Ausstellung verlieren. Aber Flori schienen all die Nachtgeschirre und Pinkelbecken zu gefallen. Besonders schräg fand sie ein Zimmerklo, das als Bücherstapel getarnt war. Das Kind lachte sich scheckig darüber. Mariella und Schimek sahen sich verwundert an und konnten nicht nachvollziehen, was daran so komisch sein sollte. Doch Flori war schon bei einem Flachspüler namens Nautilus von Achtzehnhundertfrühling angekommen und untersuchte ihn nach geheimen Zeichen, wie sie sich ausdrückte.

Der Frau, die ein Auge auf die Museumsbesucher hatte, fiel Flori unangenehm auf. Mit zunehmender Sorge mahnte sie, die Exponate nicht zu berühren.

„Hütet euch vor den Zweitklässlern!“, murmelte das Mädchen.

Schimek entschuldigte sich flüsternd bei der Dame. Die schien ihn nicht zu kennen und nickte säuerlich. Mariella lenkte unterdessen Flori ab und heuchelte Interesse. Auf jeden Fall waren sie froh, als alles gesehen war und sie wieder draußen auf der Straße standen.

Schimek, der schon wieder Hunger hatte, brachte noch einmal die Konditorei Baumgartner ins Spiel. Aber seine Enkelin warf ihm nur einen Blick zu, und schon war er ruhig.

Mariella schlug vor, eine Dampferfahrt über den Traunsee zu machen. Das fand Flori stinklangweilig. Jedes Jahr dasselbe.

Schimek sah hinauf zum Grünberg. „Nein!“ Bitte keine Seilbahnfahrt! Und keine Wanderung zum Laudachsee! Und das Märchen vom Riesen Erla und der Nixe Blondchen könne sie auch in- und auswendig. Mariella brachte die Geschichte von den sieben verzauberten Prinzen ins Spiel. Aber das Mädchen schüttelte entschieden den Kopf. Dabei ging Flori zielstrebig über den Rathausplatz, vorbei an den Dampfern und an den gut besetzten Terrassen der Kaffeehäuser. Schimek und Mariella tippelten treu und brav hinterher und hatten keine Ahnung, wohin das Kind wollte.

Schimek fiel ein, dass er von einem Naturlehrpfad gelesen hatte. Da könnte sie gewiss mit neuem Wissen glänzen, wenn sie in die 2. Klasse kam. Aber Flori winkte nur milde ab. Sie war sowieso Klassenbeste.

Als das Gebäude des Stadttheaters in Sicht kam, hatte Schimek einen schlimmen Verdacht, der sich schnell bestätigen sollte. Denn Flori hoffte, sie zeigen einen „ordentlichen Actionfilm“ dort.

„Womöglich Krieg der Sterne oder sowas“, flüsterte Mariella entsetzt. Man muss wissen, dass dieses hübsche Gmundener Theater hauptsächlich als Kino genutzt wurde. Flori nannte es Theaterkino.

Aber nichts war mit galaktischen Kriegern – ein deutscher Kinderfilm stand auf dem Programm. Trotzdem leuchteten Floris Augen auf: Eine Hexengeschichte! Diesen Film hatte sie in Wien irgendwie verpasst. Und nun jubelte sie, dass sie ihn doch noch zu sehen bekam. Sie hielt die Hand auf. Als Schimek ihr seine Geldbörse gegeben hatte, eilte sie zur Kinokasse.

Mariella wollte sich verabschieden. Bei dem schönen Wetter ins Kino? Nein - danke! Aber nach einigem Hin und Her gelang es Schimek, sie zum Bleiben und Hexenfilmschauen zu überreden.

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22 декабря 2023
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