Читать книгу: «Stummer Nachbar»

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Copyright © 2019 by Blake Pierce. Alle Rechte vorbehalten. Deutsche Übersetzung: Franziska Humphrey. Außer wie im US Copyright Act von 1976 erlaubt, darf kein Teil dieser Publikation ohne vorherige Genehmigung des Autors in irgendeiner Form oder mit irgendwelchen Mitteln reproduziert, verteilt oder übertragen oder in einer Datenbank oder einem Abfragesystem gespeichert werden. Dieses E-Book ist nur für Ihren persönlichen Gebrauch lizenziert. Dieses E-Book darf nicht weiterverkauft oder an andere Personen weitergegeben werden. Wenn Sie dieses Buch mit einer anderen Person teilen möchten, erwerben Sie bitte eine zusätzliche Kopie für jeden Empfänger. Wenn Sie dieses Buch lesen und es nicht gekauft haben oder es nicht für Sie gekauft wurde, senden Sie es bitte zurück und kaufen Sie Ihre eigene Kopie. Danke, dass Sie die harte Arbeit dieses Autors respektieren. Dieses Werk ist Fiktion. Namen, Charaktere, Unternehmen, Organisationen, Orte, Ereignisse und Zwischenfälle sind entweder das Produkt der Phantasie des Autors oder werden fiktional verwendet. Jede Ähnlichkeit mit lebenden oder toten Personen ist völlig zufällig. Copyright Umschlagfoto: robsonphoto, unter Lizenz von Shutterstock.com.

Blake Pierce

Blake Pierce ist Autor der erfolgreichen Mystery-Reihe RILEY PAGE, die aus fünfzehn Bücher (Fortsetzung folgt) besteht. Blake Pierce ist ebenfalls Verfasser der MACKENZIE WHITE Mystery-Reihe, die zwölf Bände (Fortsetzung folgt) umfasst; der AVERY BLACK Mystery-Reihe mit sechs Büchern; der fünfbändigen KERI LOCKE Mystery-Reihe; den drei Büchern der MAKING OF RILEY PAIGE Mystery-Reihe (Fortsetzung folgt); der KATE WISE Mystery-Reihe, die aus drei Büchern besteht (Fortsetzung folgt); der CLOE FINE Psycho-Thriller-Reihe, die bisher drei Bände umfasst (Fortsetzung folgt) sowie der dreiteiligen JESSE HUNT Psycho-Thriller-Reihe (Fortsetzung folgt).

Als treuer Leser und lebenslanger Fan des Genres rund um Mystery und Thriller, hört Blake gerne von Ihnen, also besuchen Sie die Seite www.blakepierceauthor.com, um mehr zu erfahren und in Kontakt zu bleiben.

BÜCHER VON BLAKE PIERCE

JESSIE HUNT PSYCHOTHRILLER-SERIE

DIE PERFEKTE EHEFRAU (Buch Nr. 1)

DER PERFEKTE BLOCK (Buch Nr. 2)

DAS PERFEKTE HAUS (Buch Nr. 3)

CHLOE FINE PSYCHOTHRILLER-SERIE

NEBENAN (Buch Nr. 1)

DES NACHBARS LÜGE (Buch Nr. 2)

SACKGASSE (Buch Nr. 3)

KATE WISE MYSTERY-SERIE

WENN SIE WÜSSTE (Buch Nr. 1)

WENN SIE SÄHE (Buch Nr. 2)

WENN SIE RENNEN WÜRDE (Buch Nr. 3)

WENN SIE SICH VERSTECKEN WÜRDE (Buch Nr. 4)

WENN SIE FLIEHEN WÜRDE (Buch Nr. 5)

DAS MAKING OF RILEY PAIGE MYSTERY-SERIE

BEOBACHTET (Buch 1)

WARTET (Buch 2)

LOCKT (Buch 3)

RILEY PAIGE MYSTERY-SERIE

VERSCHWUNDEN (Buch 1)

GEFESSELT (Buch 2)

ERSEHNT (Buch 3)

GEKÖDERT (Buch 4)

GEJAGT (Buch 5)

VERZEHRT (Buch 6)

VERLASSEN (Buch 7)

ERKALTET (Buch 8)

VERFOLGT (Buch 9)

VERLOREN (Buch 10)

BEGRABEN (Buch 11)

ÜBERFAHREN (Buch 12)

GEFANGEN (Buch 13)

RUHEND (Buch 14)

BEVOR ER TÖTET (Buch #1)

BEVOR ER SIEHT (Buch #2)

EHE ER BEGEHRT (Buch #3)

BEVOR ER NIMMT (Buch #4)

BEVOR ER BRAUCHT (Buch #5)

BEVOR ER FÜHLT (Buch #6)

BEVOR ER SÜNDIGT (Buch #7)

VORHER JAGT ER (Buch #8)

VORHER PLÜNDERT ER (Buch #9)

VORHER SEHNT ER SICH (Buch #10)

VORHER MACHT ER EINEN FEHLER (Buch #11)

VORHER NEIDET ER (Buch #12)

AVERY BLACK MYSTERY-SERIE

DAS MOTIV (Buch 1)

LAUF (Buch 2)

VERBORGEN (Buch 3)

GRÜNDE DER ANGST (Buch 4)

RETTE MICH (Buch 5)

ANGST (Buch 6)

KERI LOCKE MYSTERY-SERIE

EINE SPUR VON TOD (Buch 1)

EINE SPUR VON MORD (Buch 2)

EINE SPUR VON SCHWÄCHE (Buch 3)

EINE SPUR VON VERBRECHEN (Buch 4)

EINE SPUR VON HOFFNUNG (Buch 5)

Prolog

Rosa öffnete die Tür zu dem zweistöckigen Haus und dachte darüber nach, wie seltsam es war, dass manche Menschen Leute engagierten, um ihre Häuser zu putzen, wobei sie ihnen vollen Zugang zu jedem Raum und möglichen Geheimnissen in ihrem Leben gaben. Rosa hatte nun schon seit sechs Jahren in der Falls Church Region in Virginia Häuser geputzt und sie war dabei auf einige unerwartete Dinge gestoßen. Es erschrak sie, wie wenig manche Menschen taten, um ihre Sünden und Geheimnisse zu verbergen.

Sie glaubte jedoch nicht, dass sie bei diesem Paar versehentlich skandalöse Gegenstände oder dunkle Geheimnisse vorfinden würde. Dies war ihr neuester Kunde – der siebte auf ihrer Liste, der ihr dabei half, ihr Ziel zu erreichen, vier Riesen pro Monat nur damit zu verdienen, dass sie Häuser putzte. Nicht schlecht für eine Frau, die für eine Zeit lang kaum ihre dreihundertfünfzig Dollar Miete durch Tische Abräumen bezahlen konnte.

Nein, dieses Paar, die Fairchilds, schienen anständig und frei von jeglichem Drama zu sein. Ein nettes Ehepaar, wenn auch möglicherweise ein wenig zu sehr mit ihrer Arbeit beschäftigt. Der Ehemann war eine Art Finanzmakler, der mindestens einmal im Monat zu Konferenzen in New York und Boston reiste. Die Ehefrau war eine unscheinbare Dame von ungefähr fünfzig Jahren, die nicht viel zu tun schien. Sie war eine Art Social-Media-Influencer – was auch immer das bedeutete. Aber sie waren nett genug, sie waren wohlhabend und sie waren Rosa gegenüber unglaublich herzlich und freundlich… etwas, was viele ihrer anderen Kunden nicht waren.

Sie trat in das große Foyer und schaute sich in dem geräumigen Wohnzimmer, dem offenen Bereich und der angeschlossenen Küche um, die nur durch eine Bar voneinander getrennt wurden. Das Haus war ihrer Meinung nach viel zu groß für ein Paar ohne Kinder – ein Paar, bei dem der Ehemann ungefähr eine Woche jeden Monat verreist war.

Rosa sah sich im Zimmer um und dachte zu sich, dass dies wieder eine jener Wochen sein würde, in der sie das Gefühl hatte, ihr Geld nicht wirklich zu verdienen. Die Fairchilds waren recht ordentlich und hinterließen das Haus größtenteils sauber. Rosa würde durch den Ablauf gehen, schrubben und saugen und die Fenster putzen, aber im Haus der Fairchilds war dies wirklich keine große Aufgabe.

Sie ging in die Waschküche und in den angrenzenden hinteren Eingangsbereich, wo sie das Spülbecken mit Wasser füllte und ein wenig nach Lavendel duftendes Reinigungsmittel hineinschüttete. Sie dachte sich, dass sie mit den Küchenböden anfangen würde, da dies der am meisten genutzte Raum des Hauses zu sein schien. Während sie darauf wartete, dass die Böden trockneten, würde sie die mit Teppich ausgelegten Räume im Obergeschoss saugen. Sie hasste es, sich so zu fühlen, als würde sie dieses nette Paar ausnutzen, aber sie dachte sich, dass, wenn sie es so aussehen lassen könne, als habe sie alle wichtigen Bereiche des Hauses erreicht, es die Fairchilds als gute Arbeit ansehen würden. Außerdem war es nicht ihre Schuld, dass sie praktisch nichts zum Aufräumen hinterließen.

Während sie darauf wartete, dass sich das Waschbecken zur Hälfte mit Wasser füllte, ging Rosa durch die Küche und zur Treppe. Der Staubsauger befand sich im Wäscheschrank des Obergeschosses, da dies der einzige Bereich im Haus war, der mit Teppich ausgelegt war. Sie nahm an, dass ein neuer Staubsaugerbeutel benötigt werden würde, und wollte gleich nachsehen, bevor sie zu wischen begann und es wieder vergaß.

Sie fand den Staubsauger an seinem gewohnten Platz und überprüfte den Beutel, wobei sie feststellte, dass sie ihn doch noch nicht wechseln müssen würde. Da sie den Staubsauger schon einmal draußen hatte, beschloss sie, ihn in das Hauptschlafzimmer zu ziehen. Es war ein riesiger Raum mit einem Kamin, eingebautem Bücherregal und einem angrenzenden Badezimmer, welches größer als das Wohnzimmer in Rosas Wohnung war.

Die Schlafzimmertür war geöffnet, also trat sie ohne zu klopfen ein. Sie wusste oft nicht, ob Mrs. Fairchild zu Hause war oder nicht, aber sie hatte gelernt zu klopfen, wann immer eine Tür im Haus der Fairchilds geschlossen war. Sie rollte den Staubsauger hinein, hielt jedoch nach ihren ersten drei Schritten in das Zimmer an.

Mrs. Fairchild lag auf dem Bett und schlief. Dies fühlte sich seltsam an, da sie sich ziemlich sicher war, dass Mrs. Fairchild an den meisten Tagen früh aufstand und laufen ging. Sie hätte das Zimmer fast wieder verlassen, da sie sie nicht wecken wollte, aber dann fielen ihr zwei merkwürdige Dinge auf.

Erstens trug Mrs. Fairchild ihre Laufkleidung. Zweitens lag sie auf den Laken und das Bett war frisch bezogen.

Alarmglocken begannen in Rosas Kopf zu läuten und anstatt sich aus dem Raum zurückzuziehen, so wie sie es ursprünglich beabsichtigt hatte, fühlte sie sich so, als würde sie von einer unsichtbaren Hand geleitet werden.

„Mrs. Fairchild?“, fragte sie.

Es gab keine Antwort. Mrs. Fairchild bewegte sich nicht einmal.

Ruf die Polizei, dachte Rosa. Ruf 110 an. Das hier ist nicht gut… sie schläft nicht nur und du weißt es.

Aber sie musste es genau wissen. Sie ging zwei weitere Schritte vorwärts, bis Mrs. Fairchilds Gesicht zum Vorschein kam.

Ihre Augen waren weit geöffnet und schauten zum Fenster – ohne zu blinzeln. Ihr Mund war teilweise geöffnet. Eine noch relativ frische Blutlache befleckte das Laken knapp über ihrem Kopf. Eine groteske Schnittwunde befand sich deutlich sichtbar an ihrem Hals.

Rosa spürte ein leichtes Jammern in ihrer Kehle aufsteigen. Ihre Knie gaben ein wenig nach, sie schaffte es jedoch, ein paar Schritte zurückzutreten. Als sie mit dem Staubsauger kollidierte, stieß sie einen Schrei aus.

Es fiel ihr sehr schwer, ihren Blick von Mrs. Fairchild abzuwenden, aber als sie es tat, rannte sie schnell aus dem Zimmer. Sie eilte zur Küchenzeile, auf der sie ihr Handy abgelegt hatte, und rief 110 an. Als die Notrufzentrale antwortete, war Rosa so entsetzt über das, was sie gesehen hatte, dass sie nicht einmal mehr daran dachte, dass sich das Spülbecken im Raum neben der Waschküche immer weiter füllte und kurz davor war überzulaufen.

Kapitel eins

Chloe war oft darüber gewarnt worden, ihr Privatleben und ihrer Karriere getrennt zu halten. Als Bundesagentin neigten die Dinge dazu, ins Wanken zu geraten, wenn diese beiden Welten aufeinandertrafen. Aber um ehrlich zu sein, hatte sie, dank der mentalen Katz-und-Maus-Spiele ihres Vaters, mit dem stetigen Zusammentreffen dieser beiden Welten gelebt, seit sie die Akademie abgeschlossen hatte.

Sie wusste, dass sie viel zu viel Zeit damit verbracht hatte, darüber zu spekulieren, was ihr Vater ihrer Mutter vor fast achtzehn Jahren angetan hatte oder nicht. Dank Danielles Entdeckung des Tagebuches ihrer Mutter hatte Chloe die letzten paar Wochen in einer Wolke der Verwirrung verbracht. Sie war sich nun ziemlich sicher, dass ihr Vater ihre Mutter vor all diesen Jahren tatsächlich ermordet hatte. Sie hatte ihm bis zu diesem Zeitpunkt immer einen Vertrauensvorschuss gegeben – sie hatte versucht, den Mord an ihrer Mutter einem Sündenbock namens Ruthanne Carwile zuzuschreiben.

Aber nun hatte sie es in der Handschrift ihrer Mutter geschrieben gesehen. Jetzt hatte sie mehr als ausreichende Beweise, um nicht nur zu glauben, dass ihr Vater ein Mörder war – sondern auch, dass er ihre Mutter getötet hatte.

Es hatte sie ziemlich schwer getroffen. Wobei Chloe ihr Bestes versucht hatte, damit es ihre Arbeit nicht beeinflusste, hatte es doch fast jeden freien Augenblick, in Anspruch genommen. Sie hatte die ersten zwei Wochen nach der Erkenntnis damit verbracht, allen Anrufen auszuweichen – Danielles, denen ihrer Partnerin, Agentin Rhodes, und denen ihres Vaters.

Ich muss es nur öffentlich machen, dachte sie immer und immer wieder zu sich selbst. Es veröffentlichen, dem Vorstand vortragen und ihn fertigmachen. Ich schließe dieses schmutzige Kapitel meines Lebens ab und stecke diesen Mistkerl hinter Gitter.

Dies war jedoch riskant. Es könnte ihre eigene Karriere beeinflussen. Und mehr als das, denn es gab immer noch das kleine trotzige Mädchen in ihr, eine jüngere Version von ihr, die darauf bestand, dass es vielleicht etwas gab, das sie übersah… dass ihr Vater auf gar keinen Fall ein Mörder war.

Es war ein innerer Kampf, der dafür gesorgt hatte, dass sie einige Male mit einem Kater zur Arbeit ging. Es war erst zwanzig Tage her, seit sie die Entdeckung in dem Tagebuch gemacht hatte. Und sogar auf der Arbeit, obwohl sie professionell blieb und ihre privaten Dämonen ihren Job nicht behindern ließ, tauchten Einträge aus dem Tagebuch in ihren Gedanken auf.

Heute Nacht hat er mich gewürgt… und mir ins Gesicht geschlagen. Bevor ich wusste, was passiert war, drückte er mich gegen die Wand und würgte mich. Er sagte, wenn ich ihn jemals wieder missachte, würde er mich töten. Er sagte, dass er etwas Besseres auf sich warten hat, eine bessere Frau und ein besseres Leben…

Das Tagebuch lag auf ihrem Couchtisch. Sie ließ es dort liegen, damit sie immer daran erinnert wurde… und sie konnte sich die Erleichterung nicht leisten, es außerhalb ihrer Sichtweite zu haben. Sie behielt es dort als Erinnerung daran, dass sie eine Närrin gewesen war – und dass ihr Vater ihr schon sehr lange etwas vorgemacht hatte.

Zwanzig Tage waren vergangen, fast drei Wochen, seit sie und Danielle endlich zu dem Schluss gekommen waren, dass ihr Vater ihre Mutter getötet hatte, als Chloe mit dem Gedanken spielte, einfach zu seiner Wohnung zu fahren und ihn umzubringen. Es war ein Samstag. Sie hatte um elf Uhr morgens angefangen zu trinken, wobei sie aus dem Fenster ihrer Wohnung auf den DC Verkehr, der unter ihr vorbeizog, starrte. Sie wusste genügend darüber, wie das System funktionierte, um es wie einen Selbstmord aussehen zu lassen. Oder sie wusste, wie sie sonst ihre Spuren gut verstecken konnte. Sie konnte sicherstellen, dass er starb, ohne dass irgendetwas auf sie zurückzuführen war.

Sie hatte sich alles genau überlegt. Sie hatte den Beginn eines Plans in ihrem Kopf, der größtenteils zuverlässig schien.

Aber das ist doch Wahnsinn, oder? fragte sie sich.

Aber dann dachte sie daran, wie er sie gründlich zum Narren gehalten hatte. Sie erinnerte sich daran, wie treu sie ihm gegenüber gewesen war, als Danielle versucht hatte, sie zu warnen, dass ihr Vater nicht der Mann war, für den sie ihn hielt. Und als sie all dies in Betracht zog, nein… dann schien die Idee, ihn zu töten doch nicht so drastisch.

Sie schwelgte in einem Tagtraum darüber, eine Waffe auf ihren Vater zu richten und den Abzug zu drücken und begann, das dritte Bier an diesem Tag zu trinken, als ein leises Klopfen an ihrer Tür ertönte. Sie zuckte zusammen; ihr Vater war in den letzten zwanzig Tagen viermal vorbeigekommen, aber sie war auf der anderen Seite immer stumm geblieben. Dieses Klopfen war allerdings anders – der herzschlagartige Takt vom Intro zu „Closer“ von Nine Inch Nails, einem der Lieblingslieder von Danielle. Es war das Klopfzeichen, auf das sie sich geeinigt hatten, damit Chloe wusste, dass sich ihre Schwester auf der anderen Seite der Tür befand.

Mit einem müden Lächeln öffnete Chloe die Tür. Danielle wartete inmitten des Klopfzeichen-Taktes auf der anderen Seite. Sie senkte ihre Hände und warf ihrer Schwester ein Lächeln zu. Es fühlte sich merkwürdig an; Danielle war normalerweise die Grimmige, die Chloe versuchte, aufzumuntern. Es war für den größten Teil ihres Lebens so gewesen, besonders seit Danielle herausgefunden hatte, was für absolute Arschlöcher Jungs sein konnten.

„Schläfst du nicht gut?“, fragte Danielle, als sie eintrat und die Tür hinter sich schloss.

„Nicht wirklich“, sagte Chloe.

„Möchtest du ein Bier?“

„Wie viel Uhr ist es?“

„Mittag? Oder zumindest fast…“

„Nur eins“, sagte Danielle und musterte ihre Schwester dabei misstrauisch.

Chloe war sich sehr bewusst darüber, dass sie quasi die Rollen getauscht hatten. Als sie den Kronkorken einer Flasche öffnete und diese an Danielle weiterreichte, sah sie die Besorgnis im Gesicht ihrer Schwester. Was in Ordnung war… es zeigte, dass Danielle erwachsen geworden war. Es zeigte, dass sie angesichts dessen, was sie gemeinsam entdeckt hatten, auf eigenen Beinen stehen konnte, ohne dass ihre Schwester sie unterstützte, wie sie es normalerweise getan hatte.

„Ich weiß, was du denkst“, sagte Chloe.

„Nein, das tust du nicht. Ich hasse es, zu sagen, dass ich die Chloe, die vor Mittag trinkt, irgendwie mag. Ich mag diese launische Fick-dich-Welt Chloe. Aber ich wäre eine schlechte Schwester, wenn ich dir nicht sagen würde, dass ich mir Sorgen um dich mache. Du hast nicht unbedingt den Charakter, um das dunkle und grübelnde Goth-Ding abzuziehen.“

„Bist du deswegen hier?“, fragte Chloe. „Um mir zu sagen, dass du dir Sorgen um mich machst?“

„Teilweise. Aber es gibt noch etwas anderes. Und ich möchte, dass du mir für einen Moment zuhörst, okay?“

„Sicher“, sagte Chloe, als sie sich mit ihren Bierflaschen auf dem Sofa niederließen. Sie entdeckte das Tagebuch ihrer Mutter auf dem Couchtisch und ihre Gedanken kehrten kurz zu der üblen Idee zurück, ihren Vater umzubringen. Und es war dann, als Danielle ihr gegenüber saß, dass sie begriff, dass sie es niemals tun könnte. Sie konnte darüber fantasieren und Pläne schmieden, so viel sie wollte, aber sie würde es nie tun. Sie war einfach nicht diese Art von Person.

„Also, ich erinnere mich daran, vor einer Weile diese Sendung gesehen zu haben… ein wenig wie eine dieser Ungelöste Mysteriöse Fälle-Dinger“, sagte Danielle.

„Ich hoffe, du willst auf etwas hinaus“, unterbrach Chloe.

„Das tue ich. Jedenfalls… ging es um diese Frau, die ihrem Bruder das Leben gerettet hat. Schau… sie waren eineiige Zwillinge. Fünf Minuten auseinander geboren oder so ähnlich. Eines Abends kocht sie Abendessen für ihre Familie und sie spürt dieses scharfe Stechen in ihrem Kopf… so als spräche jemand mit ihr. Sie hatte das überwältigende Gefühl, dass ihr Bruder in Schwierigkeiten steckt. Es war so stark, dass sie aufhörte zu tun, was sie gerade tat und ihn anrief. Als er nicht ans Telefon ging, rief sie die Freundin ihres Bruders an. Die Freundin ging zum Haus des Bruders und stellte fest, dass jemand in sein Haus eingebrochen war und ihn angeschossen hatte. Er blutete stark, als die Freundin ihn fand, aber sie rief eins-eins-zwei an und rettete ihm letztendlich das Leben. Alles beruhte auf diesem seltsamen Gefühl, das seine Zwillingsschwester empfand.“

„Okay…“

Danielle verdrehte ihre Augen. Chloe merkte, dass sie sehr intensiv über ihre nächsten Worte nachdachte. „Ich habe so etwas vor etwa vierzig Minuten gespürt“, sagte sie. „Nicht einmal annähernd so stark, wie es diese Fernsehsendung dargestellt hat, aber es war da. Es war stark genug. Und es war… nun, es war komisch.“

„Niemand ist eingebrochen“, sagte Chloe. „Ich wurde nicht angeschossen.“

„Das kann ich sehen. Aber… ich weiß nicht. Ich hatte dieses komische Zwillingsgefühl. Ich hatte das Gefühl, dass ich hier sein müsse. Entschuldige, wenn das dumm klingt. Aber… gibt es irgendetwas, das ich, dadurch, dass ich aufgetaucht bin, verhindert habe?“

Chloe schüttelte ihren Kopf. Aber sie dachte: Du hast mich nur davon abgehalten, den Mord an unserem Vater zu planen. Sie gab ein sanftes, kleines Lachen von sich und nahm einen Schluck von ihrem Bier.

„Es geht dir nicht gut“, sagte Danielle. Sie nickte zur Bierflasche hinüber. „Wie viele davon werde ich leer im Mülleimer finden?“

„Zwei. Und es tut mir leid… aber wer bist du, dir Sorgen um die Trinkgewohnheiten eines anderen zu machen? Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen.“

„Oh, mir ist das Trinken egal. Betäube dich, wie du es für richtig hältst. Aber ich weiß auch, dass es dir nicht ähnlich sieht, dich zu betäuben. Das war noch nie so. Du bist die Vernünftige… die Kluge. Ich bin hier, weil du in meine alten Strategien, Dinge zu bewältigen, eingetaucht bist. Das ist es, was mich besorgt.“

„Es geht mir gut, Danielle.“

Danielle verschränkte ihre Arme und lehnte sich auf dem Sofa zurück. Wenn es sich in diesem Gespräch um gut gemeintes Aufziehen gehandelt hatte, dann spürte Chloe, wie es mit dieser einfachen Geste verschwand.

Danielles Blick fühlte sich eisig an.

„Du willst mir also sagen, dass nach dem letzten Jahr, in dem du mir die Großartigkeit unseres Vaters verkündet hast… ich es einfach gut sein lassen soll? Du und ich sind mehrere Male wegen ihm angeeckt und du hast immer zu ihm gestanden. So wie ich das sehe, verdiene ich etwas Ehrlichkeit, Chloe. Ich bin nicht doof. Diese Überraschung mit Dad hat dich durcheinandergebracht.“

„Natürlich hat es das.“

„Sag mir also, was du denkst. Sag mir, was wir jetzt tun werden. Wenn ich ganz ehrlich bin, verstehe ich nicht, warum du ihn noch nicht ausgeliefert hast. Ist das Tagebuch nicht ausreichend, um ihn zu verurteilen?“

„Glaubst du nicht, dass ich daran gedacht habe?“, fragte Chloe und wurde langsam wütend. „Und nein… das Tagebuch ist nicht ausreichend. Es könnte genug sein, um den Fall erneut zu eröffnen, aber das wäre es auch schon. Es gibt keine stichhaltigen Beweise… und die Tatsache, dass es bereits ein Gerichtsverfahren gab und unser Vater ins Gefängnis gesteckt und dann freigelassen wurde, macht es noch schwieriger. Werfen wir noch Ruthanne Carwiles jüngstes Urteil dazu und es wird zu einem einzigen, großen Durcheinander.“

„Du sagst also, er wird wahrscheinlich damit durchkommen?“

Chloe gab ihr keine Antwort. Sie trank den Rest ihres Bieres und ging in die Küche. Sie öffnete die Kühlschranktür, um ein Neues zu holen, hielt dann jedoch inne. Langsam schloss sie die Tür wieder und lehnte sich gegen die Küchenzeile.

„Ich bin mir darüber bewusst, dass dies hauptsächlich mein Fehler ist“, sagte Chloe. Es war schwer, dies zuzugeben. Die Worte schmeckten wie Säure in ihrem Mund, als sie sie aussprach.

„Ich bin nicht hier, um dir die Schuld zu geben, Chloe.“

„Ich weiß. Aber es ist, was du denkst. Und ich werfe dir deshalb nichts vor. Jetzt, wo ich gesehen habe, was in dem Tagebuch steht und… ich weiß nicht… so etwas wie ein Gespür für ihn habe… denke ich es auch. Wenn ich auf dich gehört hätte, bevor all das hier begonnen hat, dann wäre es jetzt anders. Vor Ruthanne, vor meinem Job bei der Behörde…“

„Tu das nicht. Lass uns einfach nach vorne schauen. Lass uns wir herausfinden, was wir tun können.“

„Es gibt nichts!“

Chloe überraschte sich selbst, als sie ihre Schwester mit den Worten anschrie. Aber als sie einmal raus waren, fand sie es schwer, sie wieder zurückzunehmen.

„Chloe, ich …“

„Ich habe es vermasselt. Ich habe dich und Mom und mich selbst im Stich gelassen. So ist das nun. Ich werde jetzt damit leben müssen und einfach…“

„Aber wir können gemeinsam eine Lösung finden, oder? Schau… ich mag diesen Rollentausch und alles, aber ich kann es nicht ertragen, wenn du dich so fertigmachst.“

„Nicht jetzt. Ich kann damit momentan nicht umgehen. Ich muss ein paar Dinge herausfinden.“

„Dann lass mich helfen.“

Chloe fühlte sich erdrückt. Sie spürte außerdem, wie sich ein weiterer Ausbruch anbahnte, aber sie ballte die Fäuste und war in der Lage, sich zurückzuhalten.

„Danielle“, sagte sie so langsam und geduldig, wie es ihr möglich war, „Ich weiß deine Empfindungen zu schätzen und ich liebe dich dafür, dass du so besorgt bist. Aber für den Augenblick muss ich mich alleine darum kümmern. Je länger du drängst und dich einmischst, desto schwieriger wird es. Also bitte… für den Moment… kannst du einfach gehen?“

Chloe beobachtete, wie sich etwas in Danielles Gesichtsausdruck veränderte. Es sah nach Enttäuschung aus. Oder vielleicht war es etwas, dass Traurigkeit näherkam. Chloe konnte es nicht genau sagen und ehrlich gesagt war es ihr in diesem Moment egal.

Danielle stellte ihr Bier auf den Couchtisch – nicht einmal ein viertel leer – und sie stand auf. „Ich möchte, dass du mich anrufst, sobald du fertig damit bist, distanziert zu sein.“

„Ich bin nicht distanziert.“

„Ich weiß nicht, was du bist“, sagte Danielle, als sie die Tür öffnete, um zu gehen. „Aber distanziert klang besser als Zicke.“

Bevor Chloe etwas erwidern konnte, verließ Danielle ihre Wohnung und schloss die Tür hinter sich.

Chloe wünschte sich, Danielle hätte die Tür hinter sich zugeschlagen. Zumindest hätte es dann noch das Gefühl gegeben, dass Danielle genau so verrückt wie Chloe war. Aber da war nur das leise Klicken der sich schließenden Tür und nichts weiter.

Chloe saß für den Rest des Nachmittags in der Stille, die folgte und alles, was am nächsten Tag davon übrig blieb, waren noch mehr leere Bierflaschen im Mülleimer.

Kapitel zwei

Am Sonntag befand sich Chloe auf einem Besucherparkplatz vor dem DC Bundesgefängnis. Sie betrachtete das Gebäude für einen Moment, bevor sie aus dem Auto stieg und versuchte, herauszufinden, warum genau sie dort war.

Sie kannte die Antwort, aber es fiel ihr schwer, es sich einzugestehen. Sie war dort, weil sie Moulton vermisste. Dies war eine Wahrheit, die sie nie laut aussprechen würde, ein wunder Punkt, der ihr schwerfiel zu verarbeiten. Aber die Wahrheit war schlicht und ergreifend, dass sie jemanden brauchte, der sie tröstete und seit sie nach DC gezogen war, hatte sie Moulton für diese Person gehalten. Seltsamerweise war das etwas, das sie nicht realisiert hatte, bis er aufgrund seiner Beteiligung an einem Finanzbetrug ins Gefängnis geschickt worden war.

Zuerst hatte sie gedacht, dass sie ihn nur aufgrund der körperlichen Intimitäten vermisste – dem Bedürfnis, von einem Mann gehalten zu werden, wenn sie sich entmutigt und verloren fühlte. Aber nachdem Danielle gestern gegangen war und Chloe sich verzweifelt danach sehnte, mit jemandem darüber zu reden, was in ihr vor sich ging, hatte sie nur an Moulton gedacht.

Mit einem letzten Motivationsschub stieg Chloe aus ihrem Auto und ging durch die Eingangstüren. Sie benutzte ihren Ausweis, um hineinzugelangen, schrieb sich ein und saß dann in einem kleinen Wartebereich, während ein Wachmann hineingeschickt wurde, um Agent Moulton zu holen. Der Wartebereich war im Grunde leer; anscheinend war Sonntag nicht der beliebteste Tag, um problematische Angehörige im Gefängnis zu besuchen.

Weniger als fünf Minuten später erschien Moulton durch die Tür im hinteren Teil des Raumes. Der Raum selbst war wie eine Art kleine Lounge eingerichtet. Chloe saß auf einer Couch, auf die Moulton langsam zukam. Er schaute sie mit einem skeptischen Lächeln auf den Lippen an, so als versuche er, sie zu lesen.

„Ist es in Ordnung für dich, wenn ich hier sitze?“, fragte er unsicher.

„Ja“, sagte sie und rutschte zur Seite, um ihm Platz auf der Couch zu machen.

„Es ist schön, dich zu sehen“, sagte er sofort. „Aber ich muss auch gestehen, dass es sehr unerwartet ist.“

„Wie wirst du hier drin behandelt?“

Er verdrehte seine Augen und seufzte. „Es sind hauptsächlich Typen wie ich. Wirtschaftskriminelles Zeug. Ich mache mir nie wirklich Sorgen, dass ich in der Dusche angesprungen oder auf dem Gefängnishof zusammengeschlagen werde, wenn es das ist, was du meinst. Aber ich möchte gar nicht darüber reden. Wie läuft die Arbeit? Arbeitest du an etwas Interessantem?“

„Nein. Sie haben mich wieder mit Rhodes zusammengetan. Sie und ich haben an diesem Profilerstellungsprojekt gearbeitet. Es ist manchmal ein wenig langweilig, aber es sorgt dafür, dass wir beschäftigt sind.“

„Kommt ihr zwei miteinander aus?“

„Besser als das erste Mal, so viel steht fest.“

Er beugte sich näher und warf ihr erneut einen skeptischen Blick zu.

„Was bringt dich also an diesen Ort, Fine?“

„Ich wollte dich sehen.“

Er lächelte. „Das sorgt dafür, dass ich mich viel besser fühle, als ich es sollte. Aber ich kaufe es dir nicht ab. Nicht ganz zumindest. Was ist los?“

Sie schaute von ihm weg und begann, sich zu schämen. Bevor sie sich ihm wieder zuwandte, war sie endlich in der Lage, so etwas wie eine Antwort hervorzuquieken: „Mein Vater.“

„Dein Vater? Derjenige, der vor ein paar Monaten wieder in deinem Leben aufgetaucht ist? Derjenige, der die letzten zwanzig Jahre hauptsächlich im Gefängnis verbracht hat?“

„Ja, genau der.“

„Ich dachte, du wärest größtenteils glücklich darüber?“

„Das war ich auch. Aber dann kam etwas anderes zum Vorschein. Und dann noch etwas. Es ist einfach nur dieser riesige Haufen Mist, der immer wieder aufgestockt wird. Und diese letzte Sache, die ich herausgefunden habe… ich weiß auch nicht. Ich glaube, ich brauche einfach jemanden, der nicht mit ihm verbunden ist, der mir seine Meinung sagt.“

„Vielleicht jemand, der, bevor er ins Gefängnis geworfen wurde, mal eng mit dir zusammengearbeitet hat?“

„Vielleicht“, sagte sie und warf ihm ein Lächeln zu, das sich ein bisschen zu flirtend anfühlte.

„Nun, diese Geschichte zu hören wäre vermutlich das Spannendste, was ich in den letzten zwei Wochen oder so getan habe. Also schieß los.“

Chloe brauchte ein paar Sekunden, bevor sie den Mut fassen konnte, über ein so persönliches Thema zu sprechen, aber sie wusste, dass es getan werden musste. Und als sie begann, Moulton von Danielles steten Warnungen vor ihrem Vater zu erzählen, so wie auch von den Enthüllungen, die sie in dem Tagebuch gefunden hatte, verstand sie, weshalb sie sich geweigert hatte, mit Danielle darüber zu reden; es öffnete sie für Verwundbarkeit. Und das war kein Zustand, in dem Danielle sie je gesehen hatte.

Wobei sie Moulton alles erzählte, behielt sie einige der privateren Details für sich – besonders wenn es um Erinnerungen ging, die den Tod ihrer Mutter betrafen. Aber über die Dinge zu sprechen, die sie hervorbrachte, war äußerst hilfreich. Sie wusste, dass dies im Grunde nichts weiter als ein Dampfablassen war. Wie dem auch sei, fühlte es sich immer noch so an, als wäre ein Gewicht von ihren Schultern genommen worden.

Es half, dass Moulton sie nie befragte oder auch nur sein Gesicht verzog, um seine wahren Gefühle in dieser Angelegenheit zu zeigen. Er wusste, was sie brauchte; sie brauchte einfach nur jemanden, der zuhörte – jemanden, der ihr vielleicht sogar einen Rat geben konnte.

„Ich nehme an, du hast in Betracht gezogen, dies mit Johnson zu besprechen?“, fragte er, als sie fertig war.

„Das habe ich. Ich habe viel darüber nachgedacht. Aber du weißt genau so gut wie ich, dass nichts getan werden würde, nur weil vor zwei Jahrzehnten ein paar Tagebucheinträge verfasst wurden. Wenn überhaupt würde es ihm nur helfen. Sobald die Polizei oder das FBI ihn befragen würden, wüsste er sofort, dass etwas los ist.“

„Denkst du, dass er weglaufen würde?“, fragte Moulton.

„Ich weiß es nicht. Du musst dir bewusst darüber sein, dass… ich ihn wirklich nicht so gut kenne. Er hat die meiste Zeit meines Lebens im Gefängnis verbracht.“

„Und was ist mit dir und deiner Schwester? Fühlst du dich sicher? Denkst du, er wäre hinter dir her?“

„Zweifelhaft. Er sieht mich noch immer als seine Vertraute an. Obwohl ich mir sicher bin, dass er vermuten könnte, dass etwas los ist, da ich seine Anrufe oder SMS nicht beantwortet habe. Und ich öffne ihm nicht die Tür, wenn er vorbeikommt.“

Moulton nickte verständnisvoll. Er schaute sie auf eine Art und Weise an, die leicht unangenehm war. Es war derselbe Ausdruck, den sie vor einem Monat oder so in seinen Augen gesehen hatte, als sie beinahe miteinander geschlafen hätten. Und Gott stehe ihr bei, sie wollte ihn in diesem Moment unheimlich dringend küssen.

„Du weißt, was du tun musst“, sagte er. „Ich weiß nicht, ob du hergekommen bist, weil du gehofft hast, dass ich dir zustimmen würde oder so etwas.“

„Ich weiß.“

„Dann sag es. Sprich es laut aus und mach, dass es Wirklichkeit wird.“

„Ich muss es selbst herausfinden. Keine offizielle Untersuchung, aber… ihn im Auge behalten, schätze ich.“

„Meinst du, dass das bedeutet, sich wieder bei ihm zu melden?“, fragte Moulton. „Vielleicht so weiterzumachen, als ob alles so wäre, wie es war, bevor du diese Tagebucheinträge gelesen hast?“

„Ich weiß es einfach nicht.“

Eine kurze Stille breitete sich zwischen ihnen aus, welche Moulton schließlich mit einem Seufzer beendete. „Es gibt eine Menge Dinge, die ich, aufgrund dessen, was ich getan habe, verpassen werde“, sagte er. „Um ehrlich zu sein, zu viel Zeug, um darüber überhaupt nachzudenken. Aber eines der Dinge, die ich wirklich anfange zu bereuen, ist, dass ich denke, dass du und ich ziemlich großartig hätten sein können.“

„Ich versuche, nicht daran zu denken.“

Er nickte, schaute ihr in die Augen und beugte sich dann langsam vor. Sie fühlte sich wie ein Magnet zu ihm hingezogen und spürte sogar, wie sich ihre Lippen teilten, um ihn zu küssen. Aber sie drehte in letzter Sekunde ihren Kopf.

„Es tut mir leid. Ich kann nicht. All dieser Schwachsinn mit meinem Vater… das Letzte, was ich brauche, ist eine merkwürdige Beziehung zu einem Kriminellen.“

Er gluckste und legte seinen Kopf spielerisch auf ihre Schulter. „Du hast recht“, sagte er, hob seinen Kopf und schaute sie an. „Aber hey… ich beharre auf das Recht, dich anzurufen, sobald ich hier rauskomme.“

„Und wie lange wird das dauern?“, fragte Chloe.

„Offiziell ein paar Jahre. Aber gutes Benehmen und ein paar Gesetzeslücken… niemand ist sich bis jetzt ganz sicher. Es könnte so wenig wie nur acht Monate sein.“

„Ja… ich spreche dir das Erstrecht zu“, sagte sie.

„Etwas, auf das ich mich freuen kann… das ist gut. Denn dieser Ort ist scheiße. Das Essen ist allerdings… besser, als ich es erwartet habe.“

Sie wurde daran erinnert, weshalb sie seine Gesellschaft genoss. Er hatte das unangenehme Gespräch über ihren Vater problemlos in etwas anderes verwandelt. Und er hatte dies getan, ohne dass sie sich wie eine Last fühlte.

Sie saßen für weitere fünfzehn Minuten auf der Couch, während Moulton beschrieb, wie sein Leben die letzten Wochen verlaufen war. Er nahm das Ganze nicht übermäßig ernst und hatte keine Bedenken, seine Schuld und Reue voll und ganz zuzugeben. Es tat Chloe gut, dies zu hören – nicht nur, weil sie glaubte, dass er tief drinnen wirklich ein guter Mann war, sondern auch, weil es zeigte, dass Menschen tatsächlich in der Lage waren, ehrlich zu sein.

Und in Anbetracht des Albtraumes, der sich zwischen ihr und Danielle und ihrem Vater androhte, war es äußerst erfrischend, sich in der Gegenwart jeglicher Art von Ehrlichkeit zu befinden.

Sie verabschiedete sich, vierzig Minuten nachdem sie auf dem Parkplatz aus ihrem Auto gestiegen war. Moulton hatte nicht noch einmal versucht, sie zu küssen, obwohl sie sich dies insgeheim gewünscht hatte. Sie ließ ihn zurück und fühlte sich dabei merkwürdig zufrieden. Sie fühlte, dass sie sich nun endlich vorwärtsbewegte, nachdem sie sich drei Wochen lang stagnierend und blockiert gefühlt hatte.

Als sie über den Parkplatz ging, klingelte ihr Telefon. Sie griff sofort danach. Es war bestimmt Danielle oder ihr Vater. Wenn es ihr Vater wäre, dachte sie, dass sie diesmal tatsächlich rangehen und sich eine Ausrede einfallen lassen würde, weshalb sie seinen Anrufen ausgewichen war. Sie nahm an, dass er fast jeden Grund akzeptieren würde, wenn man in Betracht zog, dass er nach zwanzig Jahren nun einfach so wieder in ihrem Leben aufgetaucht war.

Aber die Nummer, die sie auf dem Bildschirm sah, war weder die ihres Vaters noch die von Danielle. Es war eine Leitung des Büros. Sie zuckte zusammen, als sie antwortete. Ein Anruf an einem Sonntag würde einen stressigen Montag bedeuten.

„Hier spricht Agentin Fine“, antwortete sie.

„Fine, hier spricht Johnson. Wo befinden Sie sich gerade?“

Sie musste sich ein leichtes Schmunzeln verkneifen, bevor sie antwortete. „In der Stadt“, erwiderte sie so vage wie möglich.

„Ich möchte, dass Sie einen Tatort in Falls Church besuchen. Er scheint genau in Ihrem Fachbereich zu liegen. Wohlhabende Nachbarschaft, ermordete Dame der High Society.“

„Heute?“

„Ja, heute. Die Leiche wurde Freitagmorgen gefunden. Die Polizei hat ihren Teil getan und nichts herausfinden können.“

„Nur eine Leiche?“

„Ja. Wir brauchen jedoch einen Agenten, der sicherstellt, dass dies nicht mit einem ähnlichen Fall in der Region von letztem Jahr in Verbindung steht.“

„Sir… denken Sie, dass Rhodes es alleine schafft? Ich habe momentan sehr mit persönlichen Themen zu kämpfen.“

Es gab einen kurzen Moment der Stille am anderen Ende. „Ist jemand tot? Ein Angehöriger gestorben?“

„Nein, Sir.“

Sie wusste, dass Johnson über die kleinsten Details der Geschichte mit ihrem Vater Bescheid wusste. Sie fragte sich, ob er am anderen Ende schweigend darüber nachdachte.

„Entschuldigen Sie, Fine. Sie haben drei Wochen in einem Büro damit verbracht, ein Profil zu erstellen. Ich will Sie im Außendienst haben. Ich möchte, dass Sie und Rhodes in drei Stunden in Falls Church sind. In zwei, wenn Sie es schaffen.“

Sie öffnete ihren Mund, um ihm zu widersprechen, hielt sich jedoch zurück. Sie hatte keinerlei Interesse daran, bis zum Hals in eine Mordermittlung verwickelt zu sein, wenn man bedachte, was bei ihr gerade alles vor sich ging. Gleichzeitig wusste sie, dass, sich auf einen Fall einzulassen, genau das sein könnte, was sie gerade brauchte. Es würde sie nicht nur von dem Drama mit ihrem Vater ablenken, sondern es würde sie auch in die richtige Stimmung bringen, um einen Weg zu finden, ihren Vater zu überführen.

„Ja, Sir“, sagte sie. „Ich werde Rhodes sofort anrufen.“

Und einfach so hatte sie ihren ersten aktiven Fall in drei Wochen. Der Zeitpunkt war nicht der Beste, aber wer war sie, sich zu beschweren? Schlussendlich war sie dem FBI beigetreten, um Menschen in Not zu helfen – um dem kriminellen System, dem sie nie ganz getraut hatte, ein Gefühl von Gerechtigkeit zu verleihen.

Angesichts all dessen, was in den letzten Wochen in Bezug auf ihren Vater geschehen war – einschließlich ihrer eigenen Fehleinschätzung – schien es fast passend, dass dies genau die Einstellung war, die ihr folgte, als sie in ihr Auto stieg und Agentin Rhodes anrief.

Kapitel drei

Sollte Rhodes vermuten, dass Chloe sich mit persönlichen Problemen befasste, erwähnte sie es jedoch nicht, als sie nach Falls Church hinausfuhren. Tatsächlich hatte sie während der drei Wochen, die sie gemeinsam an dem Profilerstellungsprojekt gearbeitet hatten, um das Profil eines Mannes zu erstellen, von dem geglaubt wurde, dass er der Anführer in einer Reihe bewaffneter Banküberfälle in New York war, nichts über eine Veränderung in Chloes Verhalten erwähnt.

Andererseits war Rhodes ein ziemlich harter Brocken und blieb eher für sich. Selbst als ihre Beziehung eine neue Ebene erreicht hatte, nachdem Chloe ihr nach einer fast tödlichen Schussverletzung das Leben gerettet hatte, zeigte Rhodes keine Anzeichen dafür, Chloe auf einer tiefen, persönlichen Ebene kennenlernen zu wollen.

Und für Chloe war dies vollkommen in Ordnung.

Tatsächlich blieben sie für den größten Teil der Fahrt von DC nach Virginia stumm. Johnson hatte ihnen nicht viele Informationen gegeben; es gab zu dem Mord praktisch keine Details. Er hatte ihnen lediglich mitgeteilt, dass der örtliche Deputy sie einweihen würde, sobald sie vor Ort ankamen.

Sie kamen einer bedeutungsvollen Unterhaltung am nächsten, als sie auf die Ausfahrt nach Falls Church abbogen. „Wissen Sie viel über die Stadt?“, fragte Rhodes.

„Ein bisschen. Hauptsächlich Oberschicht, glaube ich. Die Nachbarschaft, zu der wir fahren, ist, so weit ich mich richtig an die Fallstudie erinnere, die wir in der Academy gemacht haben, eine der Gegenden, die vor allem durch sogenanntes altes Geld reich ist.“

„Ah, Sie meinen reiche Leute, die reich sind, weil Mami und Papi reich waren und nichts Besseres mit dem Geld zu tun hatten, nachdem sie starben.“

„Im Grunde, ja.“

Rhodes kicherte und sah aus dem Fenster. „Es scheint mir, dass Sie und ich in solchen Fällen jetzt die Hauptansprechpartner geworden sind. Nun… Sie jedenfalls. Was denken Sie darüber?“

Es war nichts, über das sich Chloe zuvor Gedanken gemacht hatte. Sie zuckte bloß mit den Schultern und antwortete dann ehrlich: „Ich denke, jeder braucht eine Nische, in der er sich spezialisiert.“

Rhodes ließ das Thema bleiben. Chloe tat ihr Bestes, ihr stillschweigend zu vermitteln, dass sie im Moment kein Interesse an Small Talk hatte – sie versuchte es, ohne zu unhöflich zu wirken. Anscheinend funktionierte es. Sie erreichten den Tatort – ein wunderschönes, zweistöckiges Haus in einem wohlhabenden Viertel – ohne dass sie ein weiteres Wort miteinander wechselten. Die meisten Grundstücke waren entweder dicht bewachsen oder prahlten mit riesigen Gärten. Die Nachbarschaft selbst war ein Stück weit von den dichter besiedelten Vierteln entfernt und gab dadurch jedem Haus viel Privatsphäre.

Die Anwesenheit eines einzigen Polizeiautos in der Einfahrt erschien fürchterlich fehl am Platz zu sein. Es verlieh der Residenz ein beinahe gespenstisches Gefühl, nachdem sie so viele der anderen Häuser gesehen hatten. Es erschien wie ein Makel in der Nachbarschaft.

Sie parkten das Auto und gingen zur Veranda. Die Tür war geschlossen, also klopfte Chloe, da sie nicht anmaßend wirken wollte, in dem sie einfach hineinging, weil sich ein Polizist darin befand, der auf sie wartete. Ihr Klopfen wurde sofort beantwortet. Der Polizist, der die Tür öffnete, schien Anfang Dreißig zu sein. Er war glatt rasiert, sah ziemlich schlicht aus und schien überrascht zu sein, zwei Frauen auf der anderen Seite der Tür vorzufinden.

„Wir sind Agenten Fine und Rhodes“, sagte Chloe. „Wir wurden geschickt, um den Mord an Jessie Fairchild zu untersuchen.“

Der Polizist streckte seine Hand aus und stellte sich vor.

„Deputy Ed Nolan. Ich führe die Nachbearbeitung durch. Kommen Sie herein.“

Er führte sie hinein, wobei Chloe bemerkte, dass das Haus von innen noch größer war, als es von außen geschienen hatte. Der Eingangsbereich war beinahe so groß wie das Wohnzimmer in Chloes Wohnung und die Decke befand sich mindestens dreieinhalb Meter über ihren Köpfen. Das Haus fühlte sich so an, als ob lange niemand darin gelebt hatte, was Chloe ein gruseliges Gefühl gab.

„Was ist hier passiert?“, fragte Chloe. „Uns wurde nur gesagt, dass wir ausschließen sollen, dass es sich um einen Fall handelt, der mit einem aus dem letzten Jahr in Verbindung steht.“

„Und welcher Fall wäre das?“, fragte Nolan.

„Drei Todesfälle durch Erwürgen etwa acht Kilometer von hier“, sagte Rhodes. „Alles Frauen, zwischen vierzig und sechzig Jahren alt.“

„Ja, ich nehme an, wir werden dies ziemlich schnell ausschließen können.“

„Warum das?“, fragte Chloe.

„Nun, die Leiche wurde mittlerweile selbstverständlich abtransportiert, aber ich kann Ihnen die Bilder zeigen. Mrs. Fairchild wurde nicht durch Erwürgung getötet, obwohl sie auch gewürgt wurde. Es war mehr wie ein Schnitt durch die Kehle… aber auf eine seltsame Art und Weise, die ich noch nie zuvor gesehen habe.“

Er führte sie in die Küche und griff nach einem Aktenordner auf der Bar. Er nutzte ihn, um damit auf die Treppe ins Obergeschoß zu zeigen, und sagte: „Die Putzfrau hat die Leiche im Hauptschlafzimmer oben entdeckt. Sie ging hinauf, während sie das Spülbecken im Raum neben der Waschküche einlaufen ließ. Sie wurde offensichtlich ein wenig abgelenkt, als sie die Leiche fand, sodass das Spülbecken überlief.“

„Dann lassen Sie uns mal das Schlafzimmer ansehen“, sagte Chloe.

Nolan nickte und übernahm die Führung. Während sie hinaufgingen, stellte Chloe fest, dass die Putzfrau entweder außergewöhnlich gut in ihrem Job war oder dass die Fairchilds ihr Haus grundsätzlich sehr sauber hielten. Der Flur im Obergeschoss war genauso beeindruckend wie das Erdgeschoss. Am Ende des Ganges stand ein Bücherregal, das in die Wand eingebaut war. Es gingen vier Zimmer vom Gang ab, zwei davon waren Schlafzimmer, das dritte ein zweites Badezimmer und das vierte ein Büro.

Nolan führte sie ins Hauptschlafzimmer. Während die Leiche natürlich entfernt worden war, sah Chloe, dass die Laken seit dem Mord nicht gewechselt worden waren.

„Ist das Zimmer genauso, wie es war, als die Leiche entdeckt wurde?“, fragte Chloe.

„Das Einzige, was entfernt wurde, ist die Leiche“, bestätigte Nolan.

„Können Sie uns die Details erläutern?“

Er tat dies, während sich Chloe und Rhodes im Raum umsahen. Sie hörte sich jedes Detail an und versuchte dabei, es in ihrem Kopf abspielen zu lassen, wobei sie sich die Szenen, die in dem Raum, in dem sie gerade stand, vonstattengegangen waren, genau vorstellte.

„Rosa Ramirez, die Putzfrau des Hauses, entdeckte die Leiche gegen elf Uhr dreißig morgens. Die Polizei kam um kurz vor zwölf vor Ort an. Ich war Teil des ersten Einsatzteams, welches auf den Anruf reagierte, sodass ich alles in dieser Akte mit eigenen Augen sah. Jessie Fairchilds Kehle war aufgeschnitten worden, jedoch auf sehr seltsame und grausame Weise. Obwohl wir davon ausgehen, dass sie gewürgt wurde, wurde der Schnitt mit einem sehr großen Diamantring vorgenommen.“

„Sind Sie sich darüber sicher?“

„Definitiv. Die Forensik hat es gestern bestätigt. Er war mit Blut überzogen und die gezackten Linien des Schnitts stimmen mit dem Schliff des Diamanten überein. Ihr Mann ist sich nicht sicher, ob er seiner Frau gehörte.“

„Warten Sie“, sagte Rhodes. „Ein Diamantring ist niemals so groß, als dass er so tief schneiden würde.“

„Wir dachten dasselbe“, sagte Nolan. „Aber der Schnittwinkel traf eine lebenswichtige Arterie und durchstieß ebenfalls die Luftröhre.“

„Irgendein Motiv?“, fragte Chloe.

„Wir gingen zunächst davon aus, dass es sich um einen Einbruch oder einen Raubüberfall handele. Ich bin mir sicher, es ist Ihnen aufgefallen, dass dieses Haus mit Wertsachen gefüllt ist.“ Er zeigte auf den begehbaren Kleiderschrank auf der linken Seite des Raumes und fügte hinzu: „Es befindet sich eine widerwärtige Menge Schmuck darin. Als wir uns mit dem Ehemann unterhielten, wies er auf eine Halskette hin, die etwa dreißig Riesen wert ist. Und diese befand sich noch nicht einmal im Safe. Sie hing einfach dort, an einem simplen alten Schmuckständer. Es befinden sich außerdem zwei Autos in der Garage, von denen eins allein etwa drei meiner Jahresgehälter kosten würde. Ein riesiger Pool im Garten, ein Wellness-Whirlpool. Es wäre bescheiden, zu sagen, dass die Fairchilds gut betucht waren. Und da sie neu in der Nachbarschaft waren, gingen wir davon aus, dass es sich um einen Raub handelte. Allerdings können wir keinen Beweis dafür finden.“

„Wurde irgendetwas entwendet?“, fragte Chloe.

„Wir haben den Ehemann alles überprüfen und sich umsehen lassen, er hat jedoch nichts gefunden. Er sagte, er könne nicht sehen, dass etwas fehlt. Natürlich war er bestürzt darüber, dass seine Frau ermordet worden war, wer weiß also, wie gründlich seine Suche war…“

„Sie sagten, Sie dachten es habe eine Art Strangulieren stattgefunden“, sagte Rhodes. „Wissen Sie, womit sie gewürgt wurde?“

„Wir wissen es nicht genau, aber wir denken, es war eine Fuchsstola – so eine Art Pelzschal. Wir fanden sie unter dem Bett versteckt. Die Forensik ist sich ziemlich sicher, dass sie kürzlich stramm festgehalten und gezogen wurde. Der Ehemann sagte auch, dass er sich nicht daran erinnern könne, wann er das letzte Mal gesehen habe, dass sie sie trug.“

„Was können Sie uns über die Fairchilds erzählen?“, fragte Chloe. Sie ging zum Bett und betrachtete die getrockneten Blutflecken auf dem oberen Laken.

„Sie waren neu in der Stadt. Sind vor etwa fünf Wochen hierhergezogen. Es befinden sich immer noch einige Kartons in der Garage, die sie noch nicht einmal ausgepackt hatten. Der Ehemann, Mark, ist so eine Art hohes Tier im Bankwesen… hat etwas mit Finanzen und Aktien zu tun. Jessie Fairchild beschäftigte sich mit Social-Media… eine Art Influencer für die Prominenten der C–Liste. Instagram, Facebook, so etwas eben. Sie zogen aus Boston her… der Mann sagte, dass ihnen das Großstadtgetümmel zu viel geworden war.“

„Wo hält sich der Ehemann jetzt auf?“, fragte Chloe.

„Er ist mit seinem Bruder zu einer Hütte in den Bergen gereist. Sie reisten heute Morgen ab. Er ist… nun… er ist ein Wrack. Ich meine, Menschen gehen mit Tod unterschiedlich um, das weiß ich. Aber dieser Mann… ich habe zugesehen, wie er quasi in sich zusammenbrach und verkümmerte, wissen Sie? Es war das Schlimmste, was ich je gesehen habe.“

„Ich nehme an, es gibt keine Fingerabdrücke am Tatort?“, fragte Chloe.

„Keine. Wir haben ein einziges, loses Haar auf der Fuchsstola gefunden. Es war blond und Jessie Fairchild war eine Brünette. Es wird gerade untersucht… wir sollten sehr bald mehr wissen.“

Chloe nahm sich einen Moment Zeit, um alles aufzunehmen. Da es zumindest ein starkes Indiz dafür gab, dass es sich um Mord durch Strangulieren gehandelt hatte, konnte sie eine Verbindung zu den Morden vor einem Jahr nicht ausschließen. Aber der Schnitt mit dem Diamantring sagte ihr, dass es sich um etwas Neues handelte… etwas anderes.

Sie nahm den Ordner und wollte ihn am liebsten sofort öffnen, um tiefer nachzuforschen.

„Sie sagten, dass Sie für die Nachbearbeitung verantwortlich sind?“

„Ja.“

„Können wir Ihnen zu Ihrem Revier folgen? Ich möchte einen Arbeitsbereich einrichten.“

„Sie denken also, dass es mit den Todesfällen durch Erwürgen im letzten Jahr in Verbindung steht?“, fragte Nolan. Es war klar, dass er dies nicht erwartet hatte.

„Ich weiß es nicht genau“, sagte Chloe. „Aber ich weiß, dass eine Frau tot ist – dass sie in ihrem eigenen Haus ermordet wurde – und derzeit befindet sich niemand in Gewahrsam. Also… lassen Sie uns mit der Arbeit beginnen.“

Nolan lächelte über ihre Lassen-Sie-uns-ihn-schnappen Einstellung. Er nickte und machte sich wieder auf den Weg zur Schlafzimmertür zurück zum Flur. „Dann lassen Sie uns anfangen.“

Kapitel vier

Chloe öffnete die Akte zum Mord an Jessie Fairchild, sobald sie sich auf dem Revier niedergelassen hatte. Nolan hatte ihnen ein Büro überlassen, welches einst einem stellvertretenden Deputy gehört hatte, der aufgrund von Kürzungen entlassen worden war. Einige Habseligkeiten des ehemaligen stellvertretenden Deputy waren zurückgelassen worden, wodurch Chloe sich fehl am Platz fühlte.

Trotzdem begann sie ihre Arbeit und überflog die Informationen in der Akte. Sie war beeindruckt, wie gut alles zusammengefügt worden war. Anscheinend hatte Deputy Nolan ein Händchen für Organisation und Details.

Abgesehen von dem einfachen Polizeibericht, der alles enthielt, was Nolan ihnen in der Fairchild-Residenz bereits berichtet hatte, gab es mehrere Bilder von Jessie Fairchilds Leiche. Sie lag vollständig angezogen auf dem Bett. Ihr Kopf war zur linken Seite geneigt, ihre geöffneten Augen starrten in die Richtung der Blutlache, die sich um ihren Kopf ausgebreitet hatte. Das auffälligste Merkmal an ihrem Körper war jedoch die unregelmäßige Wunde in der Mitte ihrer Kehle.

Die Bilder mussten innerhalb weniger Stunden nach dem Mord aufgenommen worden sein, da das meiste Blut noch feucht war. Sie konnte sehen, wo es begann, hart zu werden, es war jedoch überwiegend frisch. Der Schnitt selbst war ziemlich brutal. Er war gezackt und grauenvoll, eine gerade Linie, die fast so aussah, als sei sie in das Fleisch gesägt worden. Chloe konnte außerdem leichte Anzeichen dafür erkennen, dass etwas um ihren Hals gewickelt worden war, obwohl dies auf den Fotos schwer zu sehen war. Ohne die Leiche begutachten zu können, würde sie dem Forensik Team Glauben schenken müssen. Aber wenn das, was sie sah, tatsächlich die Stelle war, an der etwas um ihren Hals gewickelt worden war, dann würde es perfekt mit der Fuchsstola zusammenpassen, die sie auf den anderen Bildern sah. Sie sah außerdem ein Foto des Diamantrings, welcher benutzt worden war, um den Schnitt zuzufügen. Er lag auf dem Nachttisch; der Mörder hatte keinen Versuch unternommen, ihn zu säubern oder zu verstecken. Für Chloe war deutlich, dass der Mörder eine Botschaft zu senden schien.

Aber welche Botschaft?

„Der Ring verwirrt mich“, sagte Rhodes. „Wieso legt man ihn genau dort auf den Nachttisch? Gibt er an? Vielleicht versucht er, uns etwas zu sagen?“

„Ich habe mich gerade genau das Gleiche gefragt. Ich frage mich, ob der Ring eine besondere Bedeutung hat. Wieso dieser Ring? Er sieht wie einer dieser Verlobungs-/Ehering Zwei-in-eins-Angebote aus.“

„Er sieht außerdem verdammt teuer aus“, fügte Rhodes hinzu.

„Er muss auf irgendeine Weise symbolisch sein. Man legt nicht einfach einen blutbeschmierten Diamantring auf den Nachttisch, nachdem man ihn benutzt hat, um jemanden zu ermorden.“

„Sie glauben also, dass es der Mörder ist, der uns etwas mitteilen möchte?“

„Das könnte es sein. Es könnte auch …“

Sie wurde durch das Klingeln ihres Telefons unterbrochen. Sie zog es hervor, wobei sie davon ausging, dass es Johnson war, der sicherstellte, dass sie angekommen waren. Als sie jedoch DAD auf dem Bildschirm las, zuckte sie leicht zusammen. Eine Welle der Wut schoss durch sie hindurch und hinterließ eine Spur von Angst.

Sie ignorierte den Anruf und legte ihr Handy verdeckt auf den Schreibtisch. Als sie ihre Aufmerksamkeit wieder der Akte zuwandte, fiel es ihr schwer, zur Arbeit zurückzukehren.

„Ist alles in Ordnung?“, fragte Rhodes.

„Ja, wieso?“

„Nun, Sie schauen auf Ihr Handy, als habe es sie eine Schlampe oder so etwas in der Art genannt.“

Chloe zuckte mit den Schultern und hasste, wie passiv sich das anfühlte. „Nur persönliches Zeug.“

Rhodes nickte und machte deutlich, dass sie nicht tiefer darauf eingehen wollte. „Ja, persönliches Zeug kann definitiv scheiße sein.“

Als Chloe versuchte, sich wieder auf die Akte zu konzentrieren, klopfte es an der Tür. Die Tür öffnete sich und sie sah Deputy Nolans Gesicht hineinblicken. Als er die Tür weiter öffnete, sah sie einen weiteren Mann hinter ihm. Er sah deutlich älter aus und hatte einen dieser dichten, grauen Schnurrbärte, die Chloe immer an ein Walross erinnerten.

„Agenten“, sagte Nolan, „das ist Chief Clifton“.

Clifton betrat das Büro und schaute sie beide an, wobei er ihnen anerkennend zunickte. Er schaute zu der Akte, die geöffnet auf dem Schreibtisch lag und welche die Fotos des blutigen Schnitts an Jessie Fairchilds Kehle preisgab und wandte schnell seinen Blick ab.

Chloe und Rhodes stellten sich vor, während Nolan hinter Chief Clifton das Büro betrat und die Tür hinter ihnen schloss.

„War Deputy Nolan in der Lage, Ihnen alles zu besorgen, was Sie benötigen?“, fragte Clifton.

„Vollkommen“, antwortete Chloe. „Er war sehr zuvorkommend.“

„Gibt es sonst irgendetwas, das wir für Sie tun können?“

„Nun, angesichts dessen, dass es ein so großes Haus ist, gehe ich davon aus, dass es ein Sicherheitssystem gab. Gibt es dadurch irgendwelche Beweise?“

„Ja, die gibt es tatsächlich“, sagte Nolan. „Der Ehemann hat uns den Code gegeben, damit wir ihn zurücksetzen konnten, sobald wir das Haus verließen.“

„Und er hat keinerlei Warnhinweise bekommen, dass der Alarm ausgelöst wurde?“

„Nein, keine.“

„Können wir einen Bericht darüber bekommen?“, fragte Rhodes.

Nolan und Clifton nickten gleichzeitig.

„Ich werde mich mit der Sicherheitsfirma in Verbindung setzen“, sagte Nolan.

„Außerdem würden wir selbstverständlich gerne mit dem Ehemann sprechen“, sagte Chloe. „Deputy, Sie sagten, er halte sich mit seinem Bruder irgendwo in den Bergen auf? Wissen Sie, wann er zurückkommt?“

„Keine Ahnung. Er hat nichts erwähnt.“

„Ich hätte ihn wirklich gerne hier in der Stadt“, sagte Chloe.

„Verdächtigen Sie ihn?“

„Nicht unbedingt. Aber er ist derjenige, der dem Opfer am nächsten steht.“ Sie verlieh ihrer Stimme keinen beschuldigenden Ton, obwohl sie es für unverantwortlich hielt, dass die Polizei dem Mann einfach erlaubt hatte, zu verreisen.

„Ich werde ihn ans Telefon holen. Er wird vermutlich sehr entgegenkommend sein. Wenn er erfährt, dass das FBI an dem Fall ist und dabei hilft, den Mörder zu fassen, wird er vermutlich schnell zurückkommen.“

„Noch eine Sache“, sagte Chloe. „Ich weiß, dass Sie sagten, die Fairchilds seien neu in der Gegend. Weiß einer von Ihnen zufällig, ob Jessie Fairchild irgendwelche Feinde hatte? Gab es irgendwelche Anrufe oder Beschwerden über ihren Mann oder vielleicht von ihnen über irgendjemand anderen?“

„Nein, nichts dergleichen“, sagte Clifton. „Aber diese Nachbarschaft… verdammt, diese gesamte Gegend… sie ist ziemlich verkorkst. Wir bekommen von Zeit zu Zeit Anrufe. Eifersüchtige Ehefrauen, die versuchen, ihre Ehemänner in Affären zu erwischen, die es nicht gibt, hochnäsige Hausbesitzer, die versuchen, ihre Nachbarn in Schwierigkeiten zu bringen, weil deren Hund in ihren Garten kackt. Die Leute in dieser Nachbarschaft halten viel zu viel von sich selbst.“

„Entschuldigen Sie, wenn ich frage, aber wieso erzählen Sie uns das?“, fragte Rhodes.

„Denn, obwohl ich nicht so weit gehen würde, zu sagen, dass Jessie Fairchild Feinde hatte, kann ich Ihnen fast garantieren, dass es Frauen in der Nachbarschaft gab, die zumindest neidisch waren. Es ist eine sehr versnobte Nachbarschaft. Ich weiß, dass es für einen Polizei-Chef nicht gut ist, so etwas zu sagen, aber es ist die traurige Wahrheit.“

„Nun, das könnte bedeuten, dass es eine große Menge potenzieller Spuren gibt“, sagte Chloe. „Wenn dies die Art von Frauen ist, die sie andeuten, dann gibt es sicherlich viel Klatsch und Tratsch. Vielleicht wissen Sie schon einiges und können uns in die richtige Richtung lenken.“

Clifton gluckste leise und zuckte mit den Achseln. „Ich wünsche Ihnen viel Glück dabei.“

Chloe wusste, worauf er sich bezog, war jedoch irritiert über die wenig hilfreiche Art des Kommentars. „Für den Moment hätte ich gerne die Kontaktdetails der Putzfrau, die die Leiche entdeckt hat.“

„Wir haben bereits ausführlich mit ihr gesprochen“, sagte Clifton. „Sie können sich gerne unsere Notizen anschauen.“ Er war nicht unbedingt defensiv, wollte jedoch sicherstellen, dass sie wusste, dass sie nicht völlig unfähig waren. Sie fragte sich, ob dies irgendetwas damit zu tun hatte, dass sie den Ehemann so kurz nach dem Mord nicht hätten die Stadt verlassen lassen dürfen.

„Trotzdem würde ich gerne persönlich mit ihr sprechen.“ Clifton verschränkte seine Arme, nickte jedoch. „Ich werde dafür sorgen, dass Sie die Informationen umgehend erhalten“, sagte er. Er lächelte kurz, bevor er sagte: „Schön Sie kennenzulernen, Agenten.“ Und damit öffnete er die Tür und trat hinaus. Nolan zuckte zusammen und sagte: „Er reagiert manchmal so. Besonders die paar Male, die wir mit den Behörden oder anderen externen Agenturen zusammengearbeitet haben. Kontrollprobleme… nur zwischen uns dreien.“

Chloe machte eine Reißverschluss-Geste über ihrem Mund. „Ich verstehe es. Nun… wenn wir die Kontaktdetails der Putzfrau bekommen könnten, wäre das großartig. Ich würde sie gerne treffen, bevor es zu spät wird.“

Kapitel fünf

Rosa Ramirez lebte in einer Wohnung am Rande des schöneren Teils der Innenstadt. Als sie den Anruf von Nolan erhielt, schien sie sehr erpicht darauf, Chloe und Rhodes zu helfen. Als sie um 16:30 Uhr an ihrer Wohnung ankamen, war klar, dass sie für sie aufgeräumt hatte. Sie hatte sogar Kaffee und Butterkekse als Snacks auf ihrem Couchtisch angerichtet.

„Ms. Ramirez“, sagte Chloe, „wie lange haben Sie für die Fairchilds gearbeitet? Wenn ich es richtig verstehe, dann sind sie erst vor fünf Wochen in die Stadt gezogen.“

„Das ist korrekt. Ich habe auf eine Suchanzeige geantwortet, die ich im Internet fand. Das war etwa eine Woche, bevor sie hergezogen sind. Sie wollten, dass alles fertig eingerichtet und einsatzbereit war, sobald sie einzogen. Und dazu gehörte eine Haushälterin. Ich bin sogar dort gewesen, um ihnen zu helfen, einige ihrer Dinge auszupacken.“

„Schienen sie dankbar für Ihre Hilfe zu sein?“

„Ja. Es war eindeutig, dass sie nicht an Leute gewöhnt waren, die so bereit sind, ihnen zu helfen.“

Chloe nahm sich eine Tasse Kaffee, obwohl sie normalerweise versuchte, die Menge an Koffein, die sie konsumierte, in Grenzen zu halten. Sie wollte, dass Rosa sich wohlfühlte; eine entspannte Zeugin war oft eher dazu geneigt, über Wahrheiten zu stolpern, die ihnen zuvor vielleicht nicht einmal aufgefallen waren.

„Gab es jemals irgendwelche Streitigkeiten zwischen Ihnen und den Fairchilds?“, fragte Rhodes.

„Nein, nicht ein einziges Mal. Um ehrlich zu sein, habe ich sogar nach ein wenig mehr gefragt, als ich normalerweise verlange, und es gab nicht einmal Verhandlungen. Keiner der beiden sprach je negativ oder stritt mit mir.“

„Und die beiden?“, fragte Chloe. „Sahen Sie die beiden jemals miteinander streiten?“

„Nein. Ich habe selbst versucht, mich an einen Streit zwischen ihnen zu erinnern, aber ich kann mich an kein einziges Mal zurückentsinnen. Sie müssen allerdings in Erinnerung behalten, dass ich sie in den fünf Wochen, in denen ich für sie gearbeitet habe, nur zweimal zusammen gesehen habe. Mark war meistens geschäftlich unterwegs.“

„Wissen Sie, wohin diese Geschäftsreisen führten?“

„Überall hin. Aber ich glaube, er reiste hauptsächlich an die Ostküste. Boston, DC, New York.“

„Wissen Sie, ob Jessie ihm das übel nahm?“

„Wenn dem so war, dann verbarg sie es gut. Sie war selbst immer beschäftigt. Sehr beschäftigt sogar. Ich denke nicht einmal, dass sie sich selbst Zeit gab, um überhaupt zu bemerken, dass ihr Mann weg war.“

„Beschäftigt womit?“, fragte Rhodes.

„Nun, die Nachbarschaft, in der sie leben, ist voll von prominenten Leuten. Oder, wenn ich ehrlich bin, Leuten, die denken, dass sie prominent sind. Jessie versuchte bereits, ihren Platz in der Szene zu finden. Sie streckte ihre Fühler in alle Richtungen zu sozialen Kreisen aus… Gartenvereine, Spendenaktionen, sie wollte dabei helfen, örtliche Galaveranstaltungen zu organisieren, solche Dinge eben.“

„Ist sie offiziell einem dieser Dinge beigetreten?“

„Nicht, dass ich wüsste.“

„Ms. Ramirez, ich bin mir sicher, dass Sie wissen, dass ich Sie fragen muss, wo Sie sich für den vorhergehenden Teil des Tages aufgehalten haben, bevor sie Jessie Fairchilds Leiche entdeckt haben.“

„Ja, dessen bin ich mir bewusst“, sagte sie und seufzte leicht. „Es war Freitag. Und freitags habe ich den Morgen für mich. Manchmal schlafe ich einfach aus und schaue mir ein paar Fernsehsendungen an. Manchmal erledige ich Besorgungen. Aber letzten Freitag war ich tatsächlich für einen Teil des Vormittags in der Bibliothek.“

„Hat Sie irgendjemand dort gesehen, der dies bestätigen kann?“

„Ja. Ich habe ein paar alte Kisten vom Speicher aussortiert. Ich habe einen Haufen alter Taschenbücher an die Freunde der Bücherei gespendet. Ich habe sie auf einem der kleinen Rollwagen der Bibliothek hineingerollt und half dem Bibliothekar-Assistenten sogar dabei, sie zu sortieren.“

„Erinnern Sie sich daran, um wie viel Uhr dies in etwa gewesen sein könnte?“

„Sicher. Ich kam um kurz nach halb elf dort an, glaube ich. Ich ging um etwa elf oder ein wenig später. Dann bin ich zum Haus der Fairchilds gefahren.“

„Haben Sie auf dem Weg dorthin irgendwo angehalten?“

„Das habe ich. Ich habe bei McDonalds angehalten, um mir etwas zum Mittagessen zu holen.“

„Und als Sie am Haus ankamen… haben Sie nichts Ungewöhnliches gesehen?“

„Überhaupt nichts. Das erste Ungewöhnliche, was mir auffiel, war, als ich Jessie in ihrer Laufkleidung auf dem Bett liegen sah.“

„Uns wurde von der Polizei mitgeteilt, dass ihr Mann sich in der Stadt befand… nicht auf einer Geschäftsreise. Wissen Sie, ob da etwas Wahres dran ist?“

„Ich denke schon. Normalerweise lassen sie mich wissen, wann Mark unterwegs sein wird. Aber so weit ich weiß, war er am Freitag im Büro vor Ort. Ich kam gegen elf Uhr dreißig bei ihnen an… was bedeutet, dass er wahrscheinlich etwa drei oder vier Stunden bevor ich ankam, gegangen war.“

„Ms. Ramirez“, sagte Rhodes, „denken Sie, dass es irgendeine Möglichkeit gibt, dass Mark sie ermordet hat?“

Rosa schüttelte zuversichtlich ihren Kopf. „Nein. Ich meine, ich weiß, dass nichts unmöglich ist, aber ich bezweifle es wirklich. Er ist ein netter Kerl. Und sehr verspielt und lieb zu ihr. Sie sind beide Anfang fünfzig… die Art von Pärchen, die noch immer Händchen halten. Ich habe sogar mal gesehen, wie er ihr spielerisch auf den Hintern gehauen hat, wie zwei junge Frischvermählte. Sie schienen sehr glücklich.“

Chloe ließ all dies auf sich wirken. Sie war sich sicher, dass Rosa nichts mit Jessie Fairchilds Mord zu tun hatte. Sie würde die örtliche Polizei das Alibi, welches sie gerade genannt hatte, überprüfen lassen, aber sie hatte das Gefühl, dass es vergebliche Mühe sei.

„Vielen Dank für Ihre Zeit“, sagte Chloe und trank ihren Kaffee in einem langen Schluck aus. Sie reichte Rosa eine ihrer Visitenkarten, als sie sich auf den Weg zur Tür machte. „Bitte melden Sie sich bei mir, sollte Ihnen noch etwas einfallen“, sagte sie.

Rosa nickte, während sie sie zur Tür begleitete. „Es gibt tatsächlich noch eine Sache, die mir einfällt“, sagte sie.

„Was wäre das?“

„Der Ring auf dem Nachttisch… der genutzt wurde, um ihre Kehle aufzuschneiden. Es ist ungewöhnlich, dass er dort war. Jessie war so etwas wie eine Art Ordnungsfreak – deshalb hatte sie eine Putzfrau, obwohl sie das Haus selbst größtenteils sauber hielt. Ich habe noch nie Schmuck einfach so rumliegen gesehen.“

Chloe nickte, da sie sich bereits damit beschäftigt hatte. Der Ring war nicht nur eine Botschaft des Täters gewesen, sondern es bewies auch, dass der Mord höchstwahrscheinlich nicht mit dem Reichtum oder einem verpatzten Einbruch zu tun hatte. Es war ein teurer Ring, der für nichts weiter verwendet worden war, als eine grobe Waffe darzustellen. Obwohl der Mörder ihn zu einem gewissen Zeitpunkt in der Hand gehabt hatte, hatte er kein Interesse daran gehabt, ihn zu stehlen.

Und allein das sprach Bände über den Mörder.

Nun, dachte Chloe, muss ich nur noch die Botschaft des Mörders übersetzen.

Kapitel sechs

Es war kurz nach fünf, als Chloe und Rhodes Rosas Wohnung verließen. Von ihrem Parkplatz aus waren es nur fünfundvierzig Minuten Fahrt bis nach DC zurück. Chloe sah dies als großen Bonus an, da es dadurch nicht nötig war, in ein Motel einchecken zu müssen. Die einzige Schwierigkeit, die es mit sich brachte, war allerdings, dass es schwer zu sagen war, wann sie Feierabend machen sollten.

„Sollten wir zur Bibliothek gehen und Rosas Alibi überprüfen?“, fragte Rhodes, als Chloe vom Parkplatz des Wohnkomplexes fuhr.

„Ich habe darüber nachgedacht, aber es ist Sonntagnachmittag. Es ist zweifelhaft, dass die Bücherei überhaupt noch geöffnet ist. Ich denke, ich würde gerne herausfinden, woher dieser Ring kommt. Wenn wir zum Beispiel herausfinden könnten, wer ihn zuletzt getragen hat. Wenn sich der Ehemann nicht einmal daran erinnern kann, dass er seiner Frau gehörte…“

Rhodes öffnete ihren Mund, um zu antworten, aber das Klingeln von Chloes Handy unterbrach sie. Chloe beantwortete den Anruf sofort, wobei sie an diesem schleppenden Sonntagnachmittag auf einen Hinweis hoffte.

„Hier spricht Agentin Fine“, antwortete sie.

„Agentin Fine, hier spricht Deputy Nolan. Ich dachte, Sie würden gerne hören, dass ich in der Lage war, Kontakt mit Mark Fairchild, dem Ehemann, aufzunehmen. Er wird heute Abend gegen acht Uhr zum Polizeirevier kommen. Er und sein Bruder sind auf dem Weg zurück, um sich um die Beerdigungsangelegenheiten, die Versicherungsunterlagen und solche Dinge zu kümmern.“

„Und er weiß, dass das FBI sich mit der Untersuchung befasst?“

„Das tut er. Er schien erfreut darüber zu sein und möchte gern mit Ihnen sprechen.“

„Dann werde ich Sie um neun treffen“, sagte Chloe und beendete das Gespräch genau so, wie sie es gehofft hatte: mit einer weiteren Informationsquelle. Wenn die Informationen einem zugeflogen kamen, anstatt dass man sie aufspüren musste, war dies in der Regel ein schneller und einfacher Fall.

Chloe hoffte nur, dass die Dinge in demselben Tempo weitergingen.

* * *

Es war vom ersten Blick an deutlich zu sehen, dass Mr. Fairchild nicht gut geschlafen hatte. Allein seinem Erscheinungsbild nach zu urteilen hätte Chloe wetten können, dass er nicht geschlafen hatte, seit er erfuhr, dass seine Frau getötet worden war. Er hatte dunkle Ränder unter seinen Augen – Augen, die ins Nichts zu starren schienen, während sie gleichzeitig schnell in dem kleinen Konferenzraum umherflitzten, so als versuche er, alles aufzunehmen. Sein Haar war zerzaust und ein dünner Stoppelbart bedeckte die untere Hälfte seines Gesichts.

Trotzdem sah er konzentriert und entschlossen aus. Er saß etwas in sich zusammengesackt auf einem Stuhl und hielt eine Tasse Kaffee, die Nolan ihm gegeben hatte, trank jedoch nicht davon. Sein Bruder stand in der Ecke und sah genau so müde aus, er wachte jedoch über seinen trauernden Bruder.

Chloe wusste, dass das bevorstehende Gespräch schwierig werden könnte. Trauernde Menschen, die eindeutig müde waren und noch immer mit dem Gedanken des kürzlichen Verlustes zu kämpfen hatten, konnten kompliziert sein. Sie würden entweder endlos lange reden, oft ohne auf den Punkt zu kommen, oder sie würden innerhalb weniger Sekunden die Kontrolle über ihre Emotionen verlieren. Sie wusste also, dass sie die Leitfragen sorgfältig auswählen und ihm dabei das Gefühl verleihen musste, dass er die Kontrolle hatte.

„Mr. Fairchild, ich möchte bitte, dass Sie mir Ihren Freitagmorgen beschreiben. Beziehen Sie jedes Detail mit ein, egal wie klein oder trivial es zu sein scheint.“

Er nickte, sah jedoch eindeutig unbehaglich aus. „Alles“, sagte er mit einem müden Grinsen, welches eher gezwungen wirkte. „Nun… mein Wecker klingelte für die Arbeit. Ich drückte die Schlummertaste und als ich dies tat, kam Jessie zu mir und kuschelte sich an mich an… so etwas wie eine Tradition, die wir seit unserer ersten Verabredung haben. Es war Freitag und es war für uns beide eine gute Woche gewesen, also führte das Kuscheln zu Sex. Sie mochte es am Morgen; es war wirklich nichts Außergewöhnliches…“

Chloe fühlte sich unbehaglich, als sie sah, wie sein Gesicht einige Emotionen durchlief, während er sich an den Beginn des Morgens erinnerte. Sie gab ihm einen Moment, als er innehielt, um sicherzugehen, dass er es durch den Rest seiner Geschichte schaffte.

„Ich sprang also unter die Dusche, während sie ein paar Arbeits-E-Mails beantwortete. Ich kam aus der Dusche und sie putzte sich die Zähne. Wir führten ein kurzes Gespräch. Während ich mich für die Arbeit anzog, zog Jessie ihre Laufkleidung an – die Sachen, die sie trug, als…“

Er verstummte und holte tief Luft. Er sah zu seinem Bruder hinüber, der Mark ermutigend zunickte. Mark erwiderte das Nicken und begann dann, mit zitternder Stimme weiterzusprechen.

„Wir gingen nach unten. Sie trank einen Smoothie und ich eine Tasse Kaffee. Sie trank nie Kaffee, bevor sie laufen ging. Sie sagte, es wäre für ihren Magen unbekömmlich. Sie brachte mich zur Tür, daran erinnere ich mich. Das tat sie gewöhnlich, um mir einen Abschiedskuss zu geben. Sie war mit ihren Airpod Kopfhörern beschäftigt, um einen Podcast aufzurufen, den sie während ihres Laufs hören wollte. Wir küssten uns, ich stieg ins Auto und das war’s. Das war das letzte Mal, dass ich sie lebend gesehen habe.“

„Um wie viel Uhr haben Sie das Haus verlassen?“, fragte Chloe.

„Ich weiß die genaue Zeit nicht, aber es war irgendwann zwischen sieben Uhr fünfundfünfzig und acht Uhr fünf, würde ich schätzen. Sicher nicht später als das.“

„Wir haben also ein Zeitfenster von drei-, dreieinhalb Stunden“, sagte Rhodes.

„Mr. Fairchild, hatten Sie und Ihre Frau hier schon Freundschaften geschlossen? Irgendjemand, der schon ein paarmal vorbeigekommen war, seit Sie eingezogen sind?“

„Nein. Nur Bekanntschaften. Sicher, es waren Leute im Haus. Wenn eine neue Familie in die Nachbarschaft zieht, bringen die Leute Kuchen und Kekse und so etwas vorbei, wissen Sie? Aber ich glaube, die einzige Person, die das Haus je für mehr als einen Willkommen-in-der-Nachbarschaft Besuch betreten hatte, war die Haushälterin. Oh und der Klempner. Wir hatten in der ersten Woche Schwierigkeiten mit dem Müllschlucker.“

„Ich möchte mich außerdem mit Ihnen über den Ring unterhalten, der auf dem Nachttisch gefunden wurde“, sagte Chloe. „So wie ich es verstehe, können Sie nicht bestätigen, ob er Ihrer Frau gehörte oder nicht?“

„Das stimmt. Er kam mir nicht bekannt vor, aber das ist nicht ungewöhnlich. Jessie trug nie wirklich Schmuck… nur ihren Hochzeitsring. Das erscheint vielleicht albern, weil der Schrank mit Schmuck gefüllt ist. Aber Jessie hat Schmuck gesammelt, so wie manche Frauen verrückt nach Schuhen oder Handtaschen sind. Als ihre Mutter vor sechs oder sieben Jahren starb, bekam Jessie den gesamten Schmuck ihrer Mutter. Ketten, Ringe, diese schrecklich aussehenden Ohrringe. Aber es hat in Jessie ein Feuer entfacht. Sie begann, solche Dinge zu sammeln.“

„Erinnern Sie sich daran, wie viele Ringe Jessie von ihrer Mutter bekam?“

„Nein. Ich erinnere mich daran, dass sie meistens im Safe lagen. Der Großteil davon zumindest. Ich weiß, dass sie eine kleine Schachtel mit Halsketten und Ringen bekommen hat. In dieser Schachtel müssen mindestens zehn Ringe gewesen sein.“

„Sie würden also sagen, dass eine hohe Chance besteht, dass der Ring, der am Tatort gefunden wurde, von ihrer Mutter stammte?“

„Möglicherweise. Aber die Sache ist die… sie bewahrte sie im Schrank auf. Wer auch immer dies getan hat…“

Er hielt inne, so als hätte ihn die bloße Erwähnung dessen, was mit dem Ring getan worden war, erstarren lassen. Er holte tief Luft und schüttelte den Kopf, entschlossen weiterzusprechen.

„Wer auch immer dies getan hat“, fuhr er fort, „muss gewusst haben, wo er danach suchen musste.“

„Das, oder er hatte einfach nur Glück und wusste, wo man teuren Schmuck aufbewahrt.“

„Stimmt“, sagte Mark.

„Und die Woche vor Freitag… war in der Woche irgendetwas an Ihrer Frau merkwürdig?“

„Nein. Ich habe mich das selbst gefragt… mich gefragt, ob ich etwas übersehen habe. Aber ich schwöre… sie schien vollkommen normal zu sein.“

„Wie wir erfahren haben, hat Jessie damit begonnen, sich in örtlichen Gruppen und Organisationen zu engagieren“, sagte Rhodes. „Wissen Sie zufällig welche?“

„Sie sprach viel von Kid’s Cove, einer gemeinnützigen Organisation, die Geld für Kinder sammelt, denen es schwerfällt, sich in der Schule ein Mittagessen zu leisten und solche Sachen. Es gab noch eine andere… so ein Gartenverein oder so etwas. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich weiß, wo sie die Namen und Telefonnummern davon aufbewahrte, wenn Sie sie sehen möchten.“

„Wir haben bereits eine Kopie davon“, sagte Nolan.

Mark nickte und verdrehte seine Augen.

„Stimmt. Ich schwöre… die letzten drei Tage verschwimmen miteinander.“

„Sicher“, sagte Chloe. „Mr. Fairchild, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben. Bitte… gehen Sie nach Hause und schlafen Sie ein wenig. Und ich würde Sie bitten, auf absehbare Zeit in der Stadt zu bleiben, falls wir weitere Fragen haben.“

„Selbstverständlich.“

Er stand auf und winkte halbherzig, als er und sein Bruder den Raum verließen. Nolan folgte ihnen und schloss die Tür hinter sich.

„Was denken Sie?“, fragte Rhodes Chloe, als sie alleine waren.

„Ich denke, dass, selbst wenn Mark Fairchild etwas zu berichten hätte, er sich vermutlich nicht daran erinnern würde. Ich glaube, dass er die Wahrheit über den Morgen sagt. Seine Wangen wurden rot, als er den Sex erwähnte. Und die Pausen, die er gesetzt hat… er hat berechtigterweise mit den Tränen und einem Schluchzen gekämpft.“

„Ja, das ist mir auch aufgefallen.“

„Trotzdem zeichnet sich ein interessantes Bild, oder nicht? Ein neues, reiches Paar kommt in die Stadt. Der Ehemann hat einen Job, der ihnen eine Position in der Oberschicht sichert. Und sie scheinen sofort ins Visier zu geraten… weniger als fünf Wochen nachdem sie hergezogen sind.“

„Glauben Sie, sie sind vor etwas weggerannt?“, fragte Rhodes. „Denken Sie, dass sie vielleicht nach Falls Church gezogen sind, um vor etwas in Boston davonzukommen?“

„Das könnte sein. Ich möchte gerne so viel wie möglich über seinen Beruf herausfinden. Vielleicht einen Blick auf die finanziellen Informationen und das Strafregister der Fairchilds werfen. Vielleicht sogar mit Marks Arbeitgeber sprechen, wenn ich muss.“

„Und ich denke, wir werden auch die Sicherheitsfirma überprüfen müssen“, sagte Rhodes. „Ich finde es merkwürdig, dass kein Alarm ausgelöst wurde. Es bringt mich zu der Vermutung, dass Jessie Fairchild die Person, die sie ermordet hat, freiwillig hineinließ.“

Während sie über all dies nachdachten, öffnete sich die Tür zum Konferenzraum und Nolan kam zurück. Er sah erschöpft aus, nachdem er in der Anwesenheit eines Mannes gewesen war, der so todunglücklich und verzweifelt war.

„Nolan, was wissen wir über Mr. Fairchilds Beruf?“, fragte Chloe.

„Er ist ein ganz normaler Börsenmakler. Nach dem, was er mir erzählt hat, hatte er zu Beginn seiner Karriere Glück mit ein paar Deals. Es sorgte dafür, dass einige hochkarätige Kunden sehr zufrieden mit ihm waren. Er war ziemlich bescheiden, aber er erzählte uns, dass er im letzten Jahr mehr als sechs Millionen verdient hat.“

„Und das alles auf ehrlichem Wege?“

„So weit wir das beurteilen können. Wir haben noch keine gründliche Prüfung ihrer Finanzen unternommen oder ihre Steuererklärung des letzten Jahres geprüft. Wir sagten ihm, dass es darauf hinauslaufen könnte. Er schien ein wenig beleidigt zu sein, gab uns aber seine Zustimmung. Er gab uns sogar einige Nummern, um auf seiner Arbeit anzurufen, sollten wir Hilfe benötigen.“

„In anderen Worten hat er also nichts zu verstecken, wenn es ums Geld geht.“

„Sieht so aus. Er ist sauber, so weit wir das beurteilen können. Aber ich werde wahrscheinlich trotzdem einige der von ihm angegebenen Nummern anrufen, nur um sagen zu können, dass sie geprüft wurden.“

„Ich habe außerdem keinen Vermerk zu einem Vorstrafenregister in Ihren Akten gesehen“, fügte Rhodes hinzu.

„Ja. Beide Fairchilds haben saubere Akten. Nichts. Nicht mal ein Strafzettel für zu schnelles Fahren.“

Chloe schaute zu dem Aktenordner auf dem Tisch vor ihr und unterdrückte ein Stirnrunzeln. Der Fall schien sich bereits jetzt von den Morden durch Erwürgen im letzten Jahr zu unterscheiden. Aber es gab immer noch einen Todesfall, der ungelöst war.

Sie starrte die Akte an, so als würde sie sie zwingen wollen, ihr Antworten zu geben. Sie kannte den Inhalt der Akte fast auswendig; sie erzählte die Geschichte von Jessie Fairchilds Mord in Formularen, Berichten, Notizen und Tatortfotos.

Und für den Moment schien der Verlauf noch ein offenes Ende zu haben.

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Возрастное ограничение:
0+
Дата выхода на Литрес:
15 апреля 2020
Объем:
251 стр. 2 иллюстрации
ISBN:
9781640298941
Правообладатель:
Lukeman Literary Management Ltd
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