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Bettina Büx

Die REGULUS-Botschaften

Band VI

Copyright

Wichtiger Hinweis

Die Autorin dieses Buches gibt weder medizinische Ratschläge noch empfiehlt sie den Gebrauch irgendwelcher Techniken zur Behandlung physischer oder psychischer Probleme. Ihre Absicht ist lediglich, generelle Informationen zur Verfügung zu stellen, um Sie bei Ihrer Suche nach geistigem und emotionalem Wohlbefinden zu unterstützen. Jede Anwendung dieser Informationen geschieht auf eigene Verantwortung. Die Informationen des Buches sind nach bestem Wissen und Gewissen dargestellt. Sowohl die Autorin als auch der Verlag übernehmen dennoch keinerlei Haftung für Schäden irgendwelcher Art, die direkt oder indirekt aus der Anwendung der Angaben in diesem Buch entstehen.

Bei möglichen unterschiedlichen Schreibweisen wurde die von der Duden-Redaktion empfohlene Schreibvariante verwendet.

eBook

(1. Auflage Printversion März 2020)

Erstauflage: © EchnAton Verlag Diana Schulz e.K.

Alle Rechte vorbehalten. Das Werk darf –

auch teilweise – nur mit Genehmigung des

Verlages wiedergegeben werden.

Gesamtherstellung: Diana Schulz

Coverfoto: dreamstime©Vitaliy Smolygin

Autorenfoto: ©PM Studios, Pfingstmann & Mayer

Lektorat: Angelika Funk

ISBN (Printversion): 978-3-96442-030-5

ISBN (E-Book): 978-3-96442-032-9

www.echnaton-verlag.de

Inhaltsverzeichnis

Zum Geleit

Vorwort

Einleitung

1. Teil Die Angst des Menschen vor sich selbst

Vom Suchen und Finden

Spieglein, Spieglein an der Wand ...

Der wunde Punkt

Die Höhle des Löwen

Der Judas in Dir

Fragen, die Du Dir nicht stellst

Die Flucht nach vorn

2. Teil Vom Sinn des Lebens

Drum prüfe, wer sich ewig bindet

Vom Haben und Sein

Vom Irrtum zur Wahrheit

Die Macht des Glaubens

Dein Weg zu Dir

3. Teil Die Schatten der Angst

Egoismus

Hass

Missgunst

Zorn

Hochmut

Eifersucht

4. Teil Die Hürden auf dem Weg zur Liebe

Allmacht und die Angst vor dem Versagen

Allmacht und die Angst vor dem Leben

Allmacht und die Angst vor dem Tod

5. Teil Die Masken der Angst

Zweifel

Ungeduld

Reue

Scham

Ohnmacht

Kränkung

Frustration

6. Teil Die Heilmittel der Liebe

Mut

Ehrlichkeit

Treue

Vertrauen

Humor

Abenteuerlust

7. Teil Die Aussöhnung

Die Aussöhnung mit dem Schicksal

Die Aussöhnung mit Gott

Die Aussöhnung mit Dir selbst

8. Teil Die tiefste Furcht

Der strafende Gott

Der prüfende Gott

Der eifersüchtige Gott

Die Illusion der Hölle

9. Teil Die Wurzeln der Liebe

Gottes Wille

Gottes Schau

10. Teil Die Früchte der Liebe

Empathie

Achtsamkeit

Behutsamkeit

Nachsicht

Wachsamkeit

Toleranz

Versenkung

11. Teil Die Ernte der Liebe

Geborgenheit

Glückseligkeit

Weisheit

Fülle

12. Teil Zu guter Letzt ...

Das Buch des Lebens

Die Schule des Lebens

Der Ruf des Lebens

13. Teil Erfahrungsbericht eines Mediums

Die Öffnung und der Traum

Nachwort

Über die Autorin

Band V: Das Buch über die Welt | Des Lebens Gunst und Gottes Gaben | 200 Seiten | ISBN: 978-3-96442-008-4

Band VI: Das Buch über das Leben | Des Menschen Ruf und Gottes Antwort | 240 Seiten | ISBN: 978-3-96442-030-5

In dankbarer Erinnerung widme ich dieses

Buch meinem ehemaligen Grundschullehrer

Aloys Paquet (†).

Lehrer aus Berufung und mit Leib und Seele,

entdeckte und förderte er bereits in meinen jungen

Jahren mein Faible für das geschriebene Wort und

stellte somit schon frühzeitig entscheidende Weichen

für meine Bucharbeit.

Liebe ist ...

... Gott und Gott ist Liebe. Liebe ist gänzlich offenbar und dennoch gänzlich Geheimnis.

Liebe ist der Stoff, aus dem alles gemacht ist, was jemals nach ihr fragen kann und gleichwohl das größtmögliche aller Mysterien. Sie genügt sich selbst vollkommen und ist dennoch in ewiger Ausdehnung begriffen.

Liebe ist nicht teilbar. Sie gibt sich ganz und gar hinweg und bleibt indes ganz und gar bei sich selbst.

Liebe ist wahrhaft wunderbar, denn sie ist selbst das Wunder. Sie ist die unendliche Faszination des Göttlichen von sich selbst. Sie ist der Kniefall des Schöpfers vor seinem eigenen Spiegelbild. Sie ist die ewige und einzige Antwort Gottes auf seine Frage nach sich selbst. Sie ist die Wahr-nehmung von Vollkommenheit.

Liebe ist die heilige Selbstwahrnehmung Gottes.

Regulus

Zum Geleit

Als ich Bettina Büx im Sommer 2019 persönlich begegnete, kannte ich bereits einige ihrer medial empfangenen Schriften. Die Texte ihrer Informationsquelle, die sich ›Regulus‹ nennt, berühren mich mehr als vieles, was ich an Durchgaben in den vergangenen Jahren gelesen habe. Sie sind von einer pragmatischen, weltzugewandten Frömmigkeit geprägt und handeln allesamt von der Verbindung des Menschen mit Gott.

Nun lernte ich eine fröhliche, geistreiche, ungekünstelte und humorvolle Frau kennen, die einmal mehr den Beweis dafür liefert, dass Medium und transpersonaler Sender sich suchen und finden und einander im innersten Wesen entsprechen müssen. Bettina Büx wurde gerufen und sie hat geantwortet. Die eindringliche, zuweilen sperrige Schönheit der Sprache, die Regulus ihr sendet, und auch der Duktus seiner Botschaften sind außergewöhnlich. Am besten wäre es, wenn jemand diese bedeutsamen Texte langsam und laut vortragen würde, sodass man auf die Vielschichtigkeit der Worte und Mitteilungen lauschen kann, denn sie sind sehr gehaltvoll.

»Du kannst niemals etwas anderes suchen als Dich selbst und Du kannst niemals etwas anderes finden als Dich selbst. So Du aber Dich selbst suchst, so suchst Du Gott und so Du Dich selbst findest, so findest Du Gott. Dich von Deinem Schöpfer trennen zu wollen, käme dem Versuch gleich, das Wasser von seiner Nässe zu trennen.«

Ein leichter Predigtton ist unverkennbar. Doch wie sehr würde man sich freuen, in der Kirche einmal eine solche Predigt zu hören! Denn bei Regulus geht es immer um den Menschen in seinem Bezug zum Göttlichen und um die Liebe. Über die Liebe ist, so scheint es, seit Jahrtausenden schon mehr als genug geschrieben worden. Aber so wie hier, unsentimental und niemals süßlich – das ist selten und kostbar! Dieser sechste Band mit dem Titel Des Menschen Ruf und Gottes Antwort stellt nun in zwölf Kapiteln vor allem die existenzielle Angst in den Mittelpunkt der Betrachtungen.

Regulus knüpft an die Gedankenwelt Helen Schucmans Kurs in Wundern an und seine Botschaft steht jenen weltberühmten Durchgaben in nichts nach. Ich wünsche Bettina Büx von ganzem Herzen eine weite Resonanz, denn ihre Bücher gehören zum Besten, was die moderne Medialität zu bieten hat.

Varda Hasselmann,

Januar 2020

Vorwort

Liebe Leserin, lieber Leser, mit der Durchgabe dieser 6. Botschaften von Regulus hatte niemand gerechnet, am allerwenigsten ich selbst. Umso größer waren meine Freude und meine Begeisterung, als er sich erneut zu Wort meldete. Regulus ist ja bekanntlich immer für eine Überraschung gut.

Immer noch und immer wieder bin ich zutiefst beeindruckt von der absoluten Klarheit und kompromisslosen Logik seiner Botschaften. Die überwältigende Liebe der geistigen Welt, die mir sowohl während der Übermittlung der Texte als auch durch deren Inhalt zuteil wird, ist kaum in Worte zu fassen und so möchte ich Sie, liebe Leser, von Herzen gerne daran teilhaben lassen.

Wie Regulus in diesen 6. Botschaften immer wieder betont, ist ein Menschenleben nie einfach. In diesem Punkt sind wir uns sicherlich alle einig und auch Sie werden dem beipflichten. Der einzigartige Wert der Regulus-Botschaften für einen Jeden von uns ist gar nicht hoch genug einzuschätzen und so nehme ich sie gerne entgegen, zutiefst dankbar für die richtungsweisende Unterstützung und die kostbaren Impulse, die Regulus uns schenkt.

Im tiefen Vertrauen darauf, dass wir alle bei ihm in den besten Händen sind, lade ich Sie also nun herzlichst dazu ein, sich ein weiteres Mal auf Regulus einzulassen. Mögen seine wundervollen Worte Ihnen zu segensreichem Heil und tiefem Wohlergehen verhelfen.

Ihre Bettina Büx

Einleitung

Mein lieber Freund, meine liebe Freundin, unsere nunmehr vorliegenden 6. Botschaften stehen ganz unter dem Motto »Fragen, die Du Dir nicht stellst«. Sicherlich wirst Du Dich fragen, um welche Fragen es sich denn dabei handeln könnte. Des Weiteren wirst Du Dich fragen, warum Du sie Dir nicht stellst. Und schlussendlich wird sich Dir die Frage aufdrängen, warum wir sie Dir dann beantworten.

Nun, wo sich Dir also noch mehr Fragen stellen, haben wir unser Ziel erreicht, das da ist, Deine gesegnete Neugier zu wecken und somit Deine ungeteilte Aufmerksamkeit zu erregen. Im Zuge Deiner Lektüre und damit unserer gemeinsamen Arbeit werden sich all Deine Fragen beantworten, Deine gefragten wie auch Deine ungefragten.

Du hast gerufen und wo der Mensch ruft, da lässt Gott ihn niemals ohne Antwort. Dies ist der Grund, warum Du diese Zeilen in den Händen hältst. Die Fragen, die Du stellst, und auch jene, die Du nicht stellst, sie drängen darauf, sich in Antworten aufzulösen und der qualvollen Suche Deines Herzens ein Ende zu bereiten. Dies ist Sinn und Zweck unserer Mitteilungen. Mögen sie Dir zu größtem Segen gereichen. Dass sie dies tun, steht vollkommen außer Zweifel, denn ist der Mensch erst einmal bereit, die Frage zu stellen, so ist er auch bereit, die Antwort zu empfangen.

Je quälender eine Frage, umso erlösender die Antwort. Dies ist immer und unfehlbar so, auch wenn es oftmals anders aussehen mag, denn die Wirklichkeit der Dinge ist immer und ausnahmslos tröstlich. Diesen Trost, nach dem es Dich so dürstet, Du findest ihn nur in Dir selbst, dort, wo Du alle Wahrheit findest, die es jetzt und ewig geben kann.

Die Wahrheit und der mit ihr vermählte Trost, sie warten darauf, von Dir und in Dir gefunden und angenommen zu werden. Sie sind Dein wie das Haar auf Deinem Haupte. Für beide hast Du Dich bereit erklärt, anderenfalls würdest Du diese Zeilen nicht lesen. So schreite denn mutig und zuversichtlich voran. Alles wird gut!

Regulus

1. Teil
Die Angst des Menschen vor sich selbst

Vom Suchen und Finden

Mein lieber Freund, meine liebe Freundin, wodurch definiert sich ein Menschenleben?

Leben ist Suchen – unablässig, unwiderstehlich und unbegreiflich. In jedem Augenblick, ja, in jeder Sekunde und bei jedem Atemzug bist Du auf der Suche. Aber wonach? Was ist es, das Dich vorantreibt? Was ist es, wonach Du strebst, und was kann es sein, dass es da zu finden gäbe? Wonach verlangt Dein rast- und ruheloses Herz in jedem heiligen Augenblick Deines irdischen Seins? Und was kann es zu finden geben für den, der noch nicht einmal weiß, wonach er sucht? Wieso und warum dieser unwiderstehliche Drang zu suchen? Wer hat ihn Dir ins Herz gelegt und zu welchem Zweck?

Was ist es, was kann es sein, dass Deiner qualvollen Suche ein Ende bereiten und Dein hungerndes Herz sättigen könnte? Du weißt es nicht, unzählige kluge Bücher hast Du gewälzt, dennoch weißt Du es nicht. Wundervolle Wahrheiten wurden Dir offenbart, aber Du weißt nicht, was diesen schier unstillbaren Hunger Deines Herzens stillen könnte. Du wähnst Dich unersättlich und nichts scheint jemals zu genügen. Woran es fehlt, Du weißt es nicht. Und so kann und muss es sein, dass Deine Suche immer verzweifelter wird, Dein Rufen immer lauter und die ungestillte, mysteriöse Sehnsucht Deines Herzens immer quälender.

Du scheinst nie zufrieden und als wäre das nicht schon genug der Qual, so fühlst Du Dich noch schuldig dafür, dass die Dinge sind, wie sie sind, ja mehr noch, Du fühlst Dich schuldig dafür, dass Du bist, wie Du bist.

Diesen unwiderstehlichen Drang zu suchen, wer legte ihn Dir ins Herz und ins Gemüt und warum? Die erlösende Antwort auf diese Frage liegt in der auffälligsten Eigenschaft Deines Dranges begründet: in ihrer Unwiderstehlichkeit. Mit anderen Worten: Du suchst ganz einfach deshalb, weil Du nicht anders kannst. Und wie immer, so gibt es auch hier, in diesem Aspekt Deines Seins, gute Gründe dafür, dass die Dinge sind, wie sie sind. Mehr noch, die Gründe sind die denkbar besten!

Die Suche ist so qualvoll wie unwiderstehlich und so mag sich Dir die Frage aufdrängen, ob da nicht etwas ist, was mit Dir nicht stimmt. Hat sich Dein und unser aller Schöpfer womöglich in Dir geirrt? Bist Du etwa ein ›blinder Fleck‹ in Gottes Schöpfungsplan, ein ›toter Winkel‹, ein fataler Irrtum? Und wieder fühlst Du Dich schuldig. Doch Du kannst nicht anders, Du kannst nicht glücklich, dankbar und zufrieden sein, denn da ist dieses drängende Suchen, das Dir keine Ruhe zu gönnen scheint. Unablässig treibt es Dich voran und es mag Dir mitunter vorkommen wie ein unerbittlicher Feind, der keine Gnade kennt und im Hintergrund seine Messer wetzt. So viel zum Status quo.

Die absolute und ausnahmslose Unwiderstehlichkeit Deines Suchens ist uns ein wertvoller Fingerzeig, ja, mehr noch, ein unwiderlegbarer Beweis dafür, dass kein Geringerer als Dein Schöpfer selbst Dir das Suchen ans und ins Herz gelegt hat. Gott aber ist Liebe und nichts als Liebe, dessen sind wir uns gewiss.

In all unseren vorhergehenden Botschaften, vor allem aber in Band IV sind wir sehr ausführlich auf diese unumstößliche, ewige Tatsache eingegangen. Wenn Er1 aber Liebe ist, warum quält Er mich mit diesem schmerzlichen Begehren? Wieso dieser diffuse, aber dennoch unnachgiebige Antrieb? Und wie kann mein Begehren jemals Erfüllung finden, wenn ich nicht weiß, was es denn da ist, wonach es mich begehrt? Wie kann ich ans Ziel kommen, wenn ich es doch selbst nicht kenne, ja, noch nicht einmal den Weg dorthin?

Die Fragen scheinen kein Ende nehmen zu wollen und die Situation scheint immer auswegloser und verzwickter. Gott ist kein Sadist und so bleibt uns denn nur die Hoffnung, dass allem eine tiefe Sinnhaftigkeit innewohnen möge, eine Sinnhaftigkeit, die nichts als Glück, Zufriedenheit und tiefe Dankbarkeit hinterlässt. Wir wollen ›endlich ankommen‹, dessen sind wir uns gewiss, auch wenn wir nicht wissen, wo.

Nun sind wir denn in unseren Überlegungen scheinbar wieder bei null, denn nichts als die Hoffnung scheint uns zu bleiben, eine Hoffnung, die wir nicht einmal klar definieren können. Alles, was wir in diesem Augenblick wissen, ist, dass wir darauf hoffen, irgendwann glücklich, zufrieden und dankbar zu sein, dass wir darauf hoffen, dass dieses Suchen irgendwann ein erfülltes Ende nehmen möge.

Es mag Dich in diesem Moment sehr erleichtern zu hören, dass dieses glückliche Ende, nach dem Du Dich so schmerzlich sehnst, Dir so gewiss ist wie Dein nächster Atemzug. Keine Macht in der Schöpfung könnte den glücklichen Ausgang der Dinge verhindern und keine würde es wollen, denn kein Geringerer als Gott selbst verbürgt sich dafür! Das ist die unermessliche, wunderbare Allmacht der Liebe, unbegreiflich und heilig in jedem Augenblick! Gott ist Liebe und nichts als Liebe. Kannst Du denn wirklich glauben, nur für einen Augenblick, dass Er Dir eine Sehnsucht ins Herz legt, um sie dann unerfüllt zu lassen? Dies ist allzeit vollkommen unmöglich. Da es von unschätzbarem Nutzen ist, die Gedanken zu ordnen, fassen wir zusammen, was wir zum jetzigen Zeitpunkt zweifelsfrei wissen:

1 Gott ist Liebe.

2 Du bist ein Kind Gottes, die Frucht seines Baumes.

3 Du suchst und weißt nicht wonach.

4 Du hast Fragen und weißt nicht welche.

5 Du willst ankommen und weißt nicht wo.

6 Von dieser Suche kannst Du nicht ablassen.

7 Da Gott Liebe ist, hast Du berechtigen Grund zur Hoffnung und weißt nicht, worauf.

8 Alles wird gut und Du weißt nicht, wie.

Wie Du siehst, haben wir nur in den beiden ersten Punkten unumstößliche Gewissheit, denn Glauben ist Wissen. Glauben ist Wissen auf einer Ebene, die Deinen menschlichen Verstand um ein Vielfaches übersteigt und ihn in wundersamer Weise vervollständigt. Glaube ›weiß‹ und dieses Wissen steigt aus den Tiefen des Herzens empor. Hier braucht es weder Gründe noch Argumente. Glauben ist Fühlen, dass es so ist! Alles andere liegt für Dich derzeit noch im Dunkeln.

Wir können immer nur von dem ausgehen, was ist und was wir haben, und so nähern wir uns Deinem Problem also von göttlicher Seite. Alles, was wir wissen, ist, dass Gott Liebe ist und dass Du es demzufolge auch sein musst. Nichts anderes kannst Du sein, bist Du doch sein Geschöpf, der Frucht eines Baumes gleich. Und an diesem Punkt kommt die Hoffnung ins Spiel. Die Hoffnung, eine der wundervollen göttlichen Gaben, lässt Dich niemals im Stich, mag der Schein auch aus irdisch-menschlicher Sicht oftmals trügen. Hoffnung ist ein heiliges Geschenk des Göttlichen, ein Derivat der Liebe, und so kann es niemals sein, dass sie zum Verräter wird. Du hoffst also auf eine tiefe Sinnhaftigkeit der Dinge und, mehr noch, auf ihr gutes Ende. Es spricht sowohl für die Liebe Gottes als auch für den Mut des Menschen, dass er sich auf Glaube und Hoffnung einlassen kann.

Wahrlich, jeder Mensch ist heroisch in seiner Tapferkeit und seinem Mut, sich zum Zwecke der Erkenntnis freiwillig und freudig aus dem Lichte der Einheit des Göttlichen in die Dunkelheit der Dualität zu begeben. Nun, Ihr alle wisst, was Ihr tut, wenn Ihr inkarniert, Ihr wisst es nur zu gut und sehr genau und gerade deshalb erweist Euch das ganze Universum die Ehre. Kein Mensch geht auf Erden, der nicht ein Held wäre, und Ihr solltet Euer Licht nicht unter den Scheffel stellen.

Kommen wir zu den Punkten 3 bis 6. Hier liegt also Dein Problem. Du suchst und weißt nicht wonach und dabei ist Dir vollkommen klar, dass Du Deiner Suche dennoch kein Ende bereiten kannst. Dazu bist Du nicht in der Lage. Und nun, da Du weißt, dass Gott selbst Dir diese Eigenschaft, dieses Suchvermögen ins Herz gelegt hat, kannst Du vielleicht endlich damit aufhören, Dich dafür schuldig zu fühlen. Der qualvollen Fragen wie »Bin ich denn nie zufrieden?«, »Was ist nur los mit mir?«, »Was stimmt mit mir nicht?«, »Bin ich undankbar?« u. ä. sind nunmehr ein Ende gesetzt. Vielleicht kannst Du Erleichterung verspüren, so, wie es immer dann der Fall ist, wenn sich Selbstbezichtigung und Selbstvorwurf auflösen? Sie verschwinden in das Nichts, ins Reich der Illusionen, aus dem sie gekommen sind.

Wie wir in Band I gesehen haben, hat Gott keinen Willen. Dein Wille ist Gottes Wille für Dich. Wir verweisen an dieser Stelle gerne auf das entsprechende Kapitel. Wenn Gott also nicht wollen würde, dass Du unablässig suchst, zweifelst und fragst, dann wärst Du nicht mit dem Vermögen ausgestattet, es zu können. Gott ist allmächtig, weil Liebe allmächtig ist und so kann es niemals sein, dass in Dir etwas ist, das so nicht erwünscht ist, denn das, was Du bist, ist das, was Er schuf.

Nun weißt Du also immer noch nicht, wonach Du suchst und bist in gewisser Weise nicht klüger als zuvor. Und dennoch bist Du es, denn nunmehr weißt Du, dass Du suchen darfst. Du weißt, dass Du sein darfst, wie Du bist, denn die ›Legitimation‹ wurde Dir von höchster Stelle erteilt, von Gott selbst, Deinem himmlischen Vater. Dies beweist sich an der einfachen Tatsache, dass es so ist, wie es ist, dass Du so bist, wie Du bist. Du darfst also unglücklich, unzufrieden und undankbar sein. Und getrieben von quälenden Fragen.

Aber Du bist mehr als zuvor, Du bist bewusster als zuvor. Und Dir sind Glaube und Hoffnung geschenkt. Das ist ein guter Anfang, mehr noch, der denkbar beste, den Du nehmen kannst. In Dir reift so etwas wie Zuversicht heran, dass Du das finden mögest, wovon Du nicht weißt, dass Du es suchst. Noch weißt Du es nicht, aber wir dürfen nicht vergessen, dass Gott selbst Dir die drängende Suche ins Herz gelegt hat. Dies kommt der ewigen Garantie gleich, dass Du finden mögest, wonach immer Du suchst. Was aber könnte das sein, wonach Du suchst? Was kann es zu finden geben? Woher dieser schier unstillbare Hunger Deines Herzens? Hunger wonach?

Wie wir aus unseren vorhergehenden Botschaften wissen, ist Gott ein Synonym für Alles-was-Ist. Gott ist alles, was ist, und somit kann es nichts geben, das außerhalb von ihm wäre. So kannst auch Du nur Teil des Göttlichen, Teil des All-Ganzen sein. Gott, Du und die ganze wundervolle Schöpfung sind eine Einheit, die nur zeitweise, nur zum Zwecke der Erkenntnis und auch nur scheinbar getrennt voneinander existieren. Das ist Erdenleben, das ist Dualität, das ist Dunkelheit, das ist die vermeintliche Hölle, das ist Menschwerdung! Gesegnet seid Ihr alle, die Ihr diesen Weg gewählt habt, gesegnet und unermesslich geliebt. Mit anderen Worten: Du bist Gott.

Der einzige Unterschied zwischen Euch, zwischen Ihm und Dir ist, dass Er das weiß. Er weiß, wer Er ist, Du weißt es nicht. Wenn es aber nichts anderes gibt als Gott, also auch als Dich, wenn es kein ›Außerhalb‹ geben kann, dann kann es auch nichts anderes zu suchen geben. Und wo nichts zu suchen ist, da ist auch nichts zu finden. Was also kann es jemals für Dich zu finden geben?

Es liegt in der Natur der Sache, dass man immer nur von dem ausgehen kann, was ist, und es ist eine unumstößliche Tatsache, dass Du bist, dass es Dich gibt. Mit anderen Worten: Dein Persönlichkeitsgefüge nimmt sich selbst wahr als der Mensch, der Du bist. Du kannst also niemals etwas anderes suchen als Dich selbst und Du kannst niemals etwas anderes finden, als Dich selbst. So Du aber Dich selbst suchst, so suchst Du Gott, und so Du Dich selbst findest, so findest Du Gott. Dich von Deinem Schöpfer trennen zu wollen, käme dem Versuch gleich, das Wasser von seiner Nässe zu trennen. Dies ist ewig unmöglich, denn Wasser ist Nässe und Nässe ist Wasser.

»Suche den Schlüssel nicht dort wo es Licht hat,

suche ihn dort, wo er verloren ging.«

Unbekannt

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¹Entgegen der Rechtschreibreform wird auf die Großschreibung der direkten Anrede zurückgegriffen. Dies ist ebenso der Fall bei allen Anreden, die sich unmittelbar auf Gott beziehen.

Spieglein, Spieglein an der Wand ...

Meine liebe Freundin, mein lieber Freund, es liegt in des Menschen Natur, gut sein zu wollen. Allein dieses Wollen ist Beweis dafür, dass er es ist. Was wenn nicht Güte, könnte diesen Antrieb nähren?

Wie wir zuvor und auch in unseren anderen Botschaften immer wieder zum Ausdruck brachten, ist der Mensch das Ebenbild seines Schöpfers. Der Mensch will gut sein, so sieht und so definiert er sich und in diesem Wollen ist er der Wahrheit über sich selbst auf der Spur. Dies ist sein Anspruch an sich selbst, von dem er glaubt, dass es Gottes Anspruch an ihn sei. Doch dazu später mehr. Was aber ist ›Gutsein‹? Wie und wodurch definiert es sich? Was macht einen guten Menschen aus?

Spätestens jetzt, an diesem Punkt unserer Betrachtungen, kommt die Liebe ins Spiel. Ein liebender, ein liebevoller Mensch ist ein guter Mensch. In diesem Punkt sind wir uns alle einig. Dies umso mehr, da wir längst erkannt haben, dass Liebe des Menschen wahre Natur ist, so wie sie auch Gottes Natur ist. Wenn Alles-was-Ist Liebe ist und wenn es nichts geben kann, was außerhalb von Ihm wäre, dann musst auch Du Liebe sein. Von unserem Schöpfer schließen wir also auf uns selbst und dies völlig zu Recht. Kein Mensch, der noch alle Sinne beisammen hat, wird dies ernsthaft bezweifeln wollen.

Dies wäre alles ganz wundervoll und so ist es auch. Es wäre alles ganz wundervoll und in bester Ordnung, wenn sich da nicht ganz tief in einem verborgenen Winkel Deines Herzen ein diffuses Unbehagen breitmachen würde, wenn auch noch nebulös und schattenhaft. Dieses Unbehagen zeigt Dir, dass hier etwas nicht stimmt und nicht stimmen kann.

Und in der Tat, dem ist so, das Bild, das wir zeichnen, es ist noch nicht stimmig, weil es ein Teilabriss und somit nur bruchstückhaft und nicht vollständig ist. Du bist ein Mensch, der gut sein will, so viel ist gewiss und so blickst Du auf Deiner Suche nach Dir selbst erschrocken in den Spiegel Deiner Selbstwahrnehmung und fragst Dich, was an Deinem Bildnis denn da noch fehlen könnte. Und irgendwie schwant Dir Böses, Unheil und Ungemach.

Das ist Ego, wie es leibt und lebt! In all unseren Botschaften haben wir das Ego erkundet und von allen Seiten beleuchtet. In Band II haben wir es zum zentralen Thema unserer Forschungen gemacht. Hier sei erneut daran erinnert, dass das Ego, so wie es sich Dir darstellt, nichts anderes ist als Dein Glaube an eine von Gott getrennte Einzelexistenz, an ein Eigenleben, das den Schöpfer ausschließt und in weiter Ferne wähnt. Diese Überzeugung, die einem größenwahnsinnigen Trugbild gleichkommt, hat schwerwiegende Folgen für Dich, denn die unmittelbare und direkte Konsequenz, die daraus hervorgeht, ist die Angst. Das Ego gebiert die Angst, das Ego ist Angst. Nunmehr allein und auf Dich selbst gestellt, fühlst Du Dich klein, hilflos und schwach. Und Du fühlst Dich schuldig, ein einsames Einzelwesen, das sich in einer gefährlichen Welt voller Not und Kümmernisse zurechtfinden und behaupten muss. Dieses grandiose, dramatische Schauspiel, das wir hier zu beschreiben suchen, ist nichts Geringeres, als der Eintritt in die Dualität. Das ist Menschwerdung! Gott selbst, der, wie die Bibel sagt »… um sich wusste, doch sich nicht erkannte«, taucht ein in die Dunkelheit der Dualität zum heiligen Zweck der Erkenntnis seiner selbst. Dieses herrliche, fantastische göttliche Mysterium entzieht sich letztlich jeder sinnvollen Beschreibbarkeit und alle Worte und Erklärungsversuche müssen kläglich versagen. (Anm. der Verfasserin: An dieser Stelle legt Regulus einen Augenblick stiller Anbetung ein, einen Moment tiefster Ergriffenheit, wie eine Art stummes Gebet.)

Das Ego also ist die Eintrittskarte für diese Welt. Diese Erfahrungsplattform – denn das ist die Welt – zu erleben, zu durchleben und zu durchleiden hast Du Dich also entschieden. Und Du zahlst einen hohen Preis dafür, denn Du zahlst mit Angst, die nunmehr Dein ständiger Begleiter ist, ob Dir dies nun bewusst ist oder auch nicht. In der Tiefe Deines empfindsamen Herzens lauert eine ständige Angstbereitschaft, allzeit zum Angriff gerüstet, so will es Dir scheinen.

Wenn Du nun erneut in den Spiegel Deiner Selbstwahrnehmung blicken willst, dann ist Dein Bildnis gar nicht mehr so strahlend. Vielmehr zeigt es ein Wesen, einen Menschen, hilflos, ratlos, ruhelos und voller Angst. Ihr alle habt die geballte Wucht Eurer ganzen wundervollen Menschlichkeit schon am eigenen Leibe erfahren, erduldet und erlitten und so wisst Ihr nur zu gut, wovon wir hier reden.

Wenn die Angst im Hintergrund die Waffen scharf macht, dann magst Du gar nicht mehr in den Spiegel sehen und so wendest Du Deinen Blick ab – überzeugt von der Nichtigkeit, der Wertlosigkeit und der Verderbtheit dessen, den Du da siehst. Das ist Ego! Das ist Menschsein! Vielleicht magst Du den Spiegel zerschlagen, es wird Dir nur kurzzeitig dabei helfen, Dich wohler zu fühlen. In seiner grenzenlosen Liebe hat Gott selbst es gefügt, dass Du Dir niemals selbst entfliehen kannst und somit ist es allzeit unmöglich, dass Du Dich selbst auf der Suche nach Dir selbst verlierst. Das kann niemals sein und so sind der Erfolg und der Sieg Dir letztlich von Gott selbst garantiert und vollkommen sicher. Hier stoßen wir einmal mehr auf den herrlichen Hinweis aus dem wundervollen Kurs in Wundern, der da sagt, dass nichts Wirkliches bedroht werden kann. Und Du bist wirklich! Deine wahre Identität, Dein wirkliches Sein, ist auf ewig in Gott vollkommen sicher. Wir dürfen niemals vergessen, dass Gott Liebe ist und nichts als Liebe. Könntest Du Dir selbst entfliehen, so wärst Du wahrlich verloren und das ist allzeit ausgeschlossen.

Auch wollen wir nicht vergessen, was Dein ursprüngliches Problem ist, Dein rastloses Suchen, Dein Mangel an Glück, Zufriedenheit und Dankbarkeit. Und so blickst Du immer und immer wieder in diesen Spiegel, den Du so liebst und doch auch fürchtest, in jedem Augenblick ungewiss, was er Dir wohl zeigen mag. Wenn Du in den Spiegel siehst, dann siehst Du die Ähnlichkeit mit Deinem himmlischen Vater und das ist gut so. Du siehst also Dein liebendes Herz, das Dein heiliges göttliches Erbe ist. Aber da ist noch mehr, da ist auch Angst, die Dein Ego ist. Du bist Liebe und Du bist Angst, ein verwirrendes Gemisch, wie eine Art bittersüßes Gebräu, ein ständiges Schwanken zwischen zwei Polen, das Dich all Deine Kraft kostet und Dich vollkommen beansprucht. Und wenn Du schlussendlich müde bist, erschöpft von der nicht enden wollenden Aufreibung zwischen diesen beiden Gegensätzen, dann hast Du wahrhaft begriffen, was es heißt, Mensch zu sein.

Das Bild, das wir malen, es wäre wahrlich ein düsteres, ein verzweifeltes Zeugnis trauriger Trostlosigkeit, wenn da nicht diese beiden mächtigen Lichtstrahlen in Deinem Herzen wären, die beiden machtvollsten Lichtstrahlen, die da heißen Glaube und Hoffnung. Und so sind Glaube und auch Hoffnung Dir sicherer Fingerzeig darauf, dass es mehr geben muss als quälende Fragen, Angst und Ungewissheit um Dich selbst. Auch in der Dunkelheit der Dualität, und erst recht hier, lässt Dein himmlischer Vater Dich nicht allein. Wann, wenn nicht jetzt, brauchst Du Gott denn am meisten? Und wo, wenn nicht hier?

Wir dürfen nicht vergessen, dass Gott seine Kinder niemals wirklich verlassen hat, der Schöpfer ist in seinem Geschöpf, wie das Geschöpf in der Schöpfung. Und so speist das Bewusstsein um die Einheit von allem, was ist, unseren Glauben und nährt unsere Hoffnung gleichermaßen.

Weil Gott Liebe ist, gibt Er immer nur Geschenke. Liebe aber ist Barmherzigkeit, Liebe ist Gnade und so solltest auch Du es Deinem himmlischen Vater gleichtun, wenn Du das nächste Mal in den Spiegel Deiner Selbstwahrnehmung blickst. Tue es ihm gleich und sieh mit Barmherzigkeit und Gnade auf Dich selbst. Und so ist Deine Suche nach Dir selbst nicht länger ein schmerzvoller Spießrutenlauf, sondern vielmehr eine Reise ins Glück. Dies ist der ganze Sinn und Zweck Deiner Inkarnation, nichts weniger als das. Hier und nur hier, ist es zu finden, dieses unbeschreibliche Glück, das Du so schmerzlich vermisst, in Liebe, Gnade und Barmherzigkeit.

»Alle himmlische Harmonie ist ein Spiegel der Göttlichkeit

und der Mensch ist ein Spiegel aller Wunder Gottes.«

Hildegard von Bingen

Der wunde Punkt

Mein lieber Freund, meine liebe Freundin, wie wir gesehen haben, ist die Angst die Eintrittskarte in diese Welt. Obwohl sie nicht Deiner göttlichen Liebesnatur entspricht, ja, dieser diametral gegenübersteht, ist sie Dir dennoch vertrauter, als Dir lieb sein kann.

Gott ist Liebe, das ist Dir klar, so hast Du es gelernt, so glaubst und so weißt Du es. Du bist sein Kind und schon sitzt Dir die Angst im Nacken, denn nunmehr siehst Du Dich mit einem Anspruch konfrontiert, von dem Du nicht weißt, ob Du ihm jemals genügen kannst. Du willst gut sein, denn Du liebst Deinen himmlischen Vater – wie jedes Geschöpf seinen Schöpfer liebt. Aber bist Du gut? Bist Du gut genug?

Uns ist sehr wohl bewusst, dass wir hier den Finger direkt in die Wunde legen, denn dies ist Dein wunder Punkt: die Angst vor Gott. Der Mensch tut naturgemäß viel, um sich dieser Angst zu entledigen und ihr zu entfliehen. So verdrängt er sie, so gut er es denn kann, und wenn all seine diesbezüglichen Bemühungen nicht mehr fruchten, dann versucht er in der Regel, sich mit Gott in irgendeiner Weise zu arrangieren. Wenn auch dies erfolglos bleibt – und das tut es immer –, dann tritt der Mensch die Flucht nach vorn an. An diesem Punkt angekommen, bittet und fleht er um Gnade und Barmherzigkeit. In seiner Unfähigkeit, das Wesen der Liebe zu erkennen, das beides nicht braucht und dennoch impliziert, tut der Mensch das Einzige, was ihm noch zu Gebote steht: Er flüchtet sich in die Liebe Gottes.

Nun liebe Freunde, wir könnten Euch an diesem Punkte sagen und zurufen: »Warum nicht gleich so?!« Aber damit wäre alles gesagt und jede weitere Zeile würde sich erübrigen, wenn es denn nicht in der Natur des Menschen läge, dass er gerne Um- und Irrwege einschlägt, um dann schließlich doch an sein heiß ersehntes Ziel zu gelangen. Vor allem aber würdest Du weiterhin an Deine grundsätzliche Verderbtheit glauben und dies kann niemals Wahrheit über Dich sein.

Die Angst vor Gott hat viele Gesichter und ihre raffinierte Maskerade ist mitunter nicht auf den ersten Blick zu durchschauen. In der Tat ist sie es nur selten. Erst bei genauerem, mutigem Hinsehen zeigt sie sich ungeschminkt und unverhohlen in all ihrer Hässlichkeit. So verbirgt sich die Angst vor Deinem Schöpfer, indem sie sich tarnt und sich dadurch Deinem Zugriff entzieht. Die Angst gibt vor zu sein, was sie nicht ist, und bleibt somit in sicheren unbewussten inneren Nischen und Gefilden, eben dort, wo Du nicht hinsiehst.

Und so kann es sein, dass brennendes Schuldgefühl oder selbstverleugnerische Unterwürfigkeit die Angst zu lindern und zu beherrschen versuchen. Da jedoch Unterwürfigkeit und Schuldgefühl selbst Derivate der Angst sind, gekleidet in eines ihrer vielen Gewänder, können alle Bemühungen, die Angst in dieser Weise zu überwinden, niemals fruchten. Der gewaltige Leidensdruck bleibt dennoch erhalten und muss es auch, solange das Übel nicht bei der Wurzel gepackt und ausgerottet ist. Die diffusen, unterschwelligen, aber dennoch nicht minder quälenden Schuldgefühle vernebeln die Sinne und lassen kaum Raum für die Frage, wem gegenüber man sich denn da schuldig fühlt und warum. Da die gigantische Last der Schuld auf Dauer nicht zu tragen ist, machen Schuldgefühle immer aggressiv. Die ausgelöste Aggression wiederum nährt die Schuld und lässt erneut Schuldgefühle heranwachsen, einem Krebsgeschwür vergleichbar. Der Mensch befindet sich in einem Teufelskreis aus Schuld, Aggression, noch mehr Schuld und noch mehr Aggression.

Diffuse, permanente Schuldgefühle machen einen Menschen überaus wachsam und vorsichtig, muss er doch ständig fürchten, sein wahres Ich könne in all seiner Verderbtheit ans Licht kommen. Dieses Ich, das er vor sich selbst und vor seinem Schöpfer zu verhüllen sucht, lebt sozusagen in ständiger Gefahr und Bedrohung. Die häufige Folge ist eine deutlich ausgeprägte Schreckhaftigkeit. Aber Schuldgefühle haben noch eine weitere Seite, die wir an dieser Stelle nicht außer Acht lassen dürfen.

Schuldgefühle bringen Dich in die schizophrene Situation, dass Du Dich bei gleichzeitigem Minderwertigkeitsgefühl dennoch auch gut fühlen kannst. Der tief sitzende Glaube, nur ein guter Mensch sei in der Lage, sich schuldig zu fühlen, grassiert in dieser Welt und erfreut sich allgemeiner Anerkennung. Doch Ihr verwechselt die Ebenen, die Dinge sind nur selten das, was sie scheinen – und in dieser Welt schon gar nicht – und so verwechselt Ihr Schuldgefühle mit Unrechtsbewusstsein. Schuldgefühle lähmen den Menschen und lassen ihn innerlich wie gebannt auf seine vermeintliche Schuld starren. Sie bewirken, dass der Mensch im Status quo verharrt, sich an diesem inneren Gift labt und schließlich immer tiefer in die Schuldillusion versinkt. Daran ist nichts Gutes, weder für Dich, noch für sonst wen. Wir verweisen an dieser Stelle gern auf das Kapitel Die Illusion der Schuldfähigkeit in Band I. Anders als bei den Schuldgefühlen, bringt das Unrechtsbewusstsein die Dinge in Bewegung, innen wie außen. Es regt an zu aktivem Handeln, ohne das ein Leben in der Welt nicht möglich ist. Da Ihr in der Dualität lebt, seid Ihr ständig dazu aufgefordert, ja gezwungen, Entscheidungen zu treffen. Ihr müsst abwägen, wählen und Euch schließlich entscheiden. Ohne Unrechtsbewusstsein wäre dies nicht vorstellbar und auch nicht machbar. Unrechtsbewusstsein ist also ein wichtiger und unverzichtbarer Entwicklungsbaustein. Indem es Euch Wahlmöglichkeiten eröffnet, bietet es Euch Handlungsspielraum.

Nun zu der vorhin erwähnten Unterwürfigkeit. Auch hier sehen wir uns einer der zahlreichen Ausdrucksformen der Angst gegenüber. Da es sich bei Unterwürfigkeit immer um ein Ungleichgewicht der Kräfte handelt, kann sie nur einem Aspekt der Angst entstammen. Unterwerfung ist nicht Hingabe! Unterwürfigkeit ist nur da und dort gegeben, wo der Mensch sich selbst als minderwertig erachtet und wahrnimmt. Sie kommt einer schmerzlichen Verleugnung des eigenen Selbstwertes und damit der ureigenen Persönlichkeit gleich. Die menschliche Unterwürfigkeit einem allmächtigen und womöglich doch nicht so liebevollen Gott gegenüber treibt in dieser Welt wahrlich groteske, aberwitzige und grausame Blüten. Du bist ein geliebtes Kind Gottes, ein integraler Teil von Alles-was-Ist. Aus dieser Sichtposition heraus hast Du allen Grund, Deinem himmlischen Vater auf Augenhöhe zu begegnen, denn nur hier kann Er gefunden werden. Und nur hier, auf Augenhöhe mit Deinem Schöpfer kannst Du schließlich auch Dich selbst finden. Wir wollen nicht vergessen, dass Gott Liebe ist und nichts als Liebe, wir werden nimmer müde, es zu betonen. Diese Liebe will und braucht Hingabe, damit sie sich verschenken kann. Hier sind wir denn in einem völlig anderen Seinszustand als im Zustand der Unterwerfung. In der Hingabe kann es kein Machtgefälle zwischen Geber und Nehmer geben, hier herrscht ein vollkommen harmonisches Gleichgewicht der Kräfte. Es braucht Deine Hingabe an Gott, damit Er sich Dir offenbaren kann, denn nichts kann es jemals geben, das gegen Deinen Willen verstoßen könnte. Nichts geschieht ohne Dein Einverständnis. Hingabe an Gott ist Hingabe an die Liebe selbst und somit auch an Dich selbst und diese liebevolle Hingabe impliziert auch Deine ganze wundervolle menschliche Persönlichkeit. Hingabe ist ein Derivat der Liebe und somit ist sie niemals partiell. Sie will den ganzen Menschen, so wie sie auch Gott ganz und gar impliziert.

Hingabe ist aufbauend, erhebend, erweiternd, heiligend. Nicht so die Unterwürfigkeit, die eine Ausgeburt der Angst ist. Unterwürfigkeit wirkt zersetzend, zerstörerisch und führt geradewegs in die bitteren Untiefen der Depression.

In seiner Angst vor sich selbst, geboren aus der Trennungsillusion, schuf sich der Mensch einen Gott zu seinem Bilde, einen Gott, vor dem er Angst haben muss. Nunmehr kann der Mensch seine Angst vor sich selbst leugnen und nach Außen, auf einen scheinbar gestrengen und rachsüchtigen, fordernden Gott projizieren. Das Selbstbild des Menschen ist auf tiefster Ebene mit seiner Gottesvorstellung verknüpft und verwoben. Beide können nicht in sinnvoller Weise voneinander getrennt werden. So ist Angst vor Gott letztlich Angst vor Dir selbst und Angst vor Dir selbst ist Angst vor Gott. Beide bedingen sich gegenseitig.

»Gott ist das, wovon etwas Größeres

nicht gedacht werden kann.«

Anselm von Canterbury

Die Höhle des Löwen

Meine liebe Freundin, mein lieber Freund, Ihr alle, jeder Einzelne von Euch, hat sich freudig auf seine selbst gewählte Inkarnation eingelassen. Nicht einen Menschen gibt es auf dem Erdenrund, der seine faszinierende Lebensreise nicht mit großer Freude und Enthusiasmus auf sich genommen hätte. So inkarniert Ihr denn entsprechend Eurem eigenhändig mit großer Fürsorge und Liebe erstellten Seelenplan in Zeit und Raum.

Aus dem Lichte Eurer ewigen göttlichen Heimat inkarniert Ihr direkt in die Welt der Materie hinein und damit in eine Zone der Dualität. Scheinbar allein und von Eurem Schöpfer getrennt, müsst Ihr nun zurechtkommen in einer Welt, in der alles seine zwei Seiten hat. Ihr erlebt Tag und Nacht, Heiß und Kalt, Gut und Böse und könnt Euch das eine nicht ohne das andere vorstellen, da sich das eine erst durch sein jeweiliges Gegenteil definiert. Was wüsstet Ihr vom Tage, wenn Ihr die Nacht nicht kennen würdet? Die duale Erfahrungsrealität ist eine sehr spezifische, eine überaus fruchtbare und vor allem – aber das wisst Ihr nur zu gut – eine sehr schwierige und mitunter äußerst schmerzhafte. Dies alles war Euch allen vor Eurer Inkarnation völlig bewusst, dennoch, oder gerade deshalb, habt Ihr diesen Weg der Selbsterkenntnis frei gewählt.

Die Dualität lässt nichts aus, nicht einmal Euch selbst, denn nunmehr könnt Ihr nicht nur Liebe, sondern auch Angst und all ihre kummervollen Folgeerscheinungen empfinden. Ihr könnt hassen, neiden und Euch erzürnen. Mit anderen Worten: Ihr könnt Leid verursachen und Leid empfinden. Das und nur das macht diese Welt, seid Ihr erst einmal in ihr, für Euch wahrhaft zur ›Höhle des Löwen‹. Wo Licht ist, da ist nunmehr auch Schatten.

Der Eintritt in die Dualität ist die Geburtsstunde von Gut und Böse. Uns ist vollkommen klar, dass wir den Stier bei den Hörnern packen, wenn wir die emotionale Qualität dieser beiden Worte nutzen und wir tun es ganz bewusst: Gut und Böse. Wir stechen damit nicht umsonst bei Euch allen in ein hochsensibles Wespennest, denn, wie wir zu Beginn unserer Ausführungen sagten, der Mensch will gut sein. Getreu dem Motto, dass nicht sein kann, was nicht sein darf, weist er alles Böse weit von sich.

Dies alles wäre fatal, hätte Gott es in seiner grenzenlosen Liebe nicht gefügt, dass der Mensch sich selbst niemals entfliehen kann. Er kann vor sich selbst davonzulaufen versuchen – viele versuchen es ihr Leben lang –, es wird ihm nicht gelingen. Immer wieder wird die irdische Erfahrungsrealität ihn einholen. Da und dort, wo Ihr liebt, seid Ihr mit Euch selbst im Reinen und das ist vollkommen korrekt, weil es stimmig ist mit Eurer gottgegebenen, ewigen Wirklichkeit, die da Liebe ist und nichts als Liebe. Und weil es in der göttlichen Wirklichkeit nichts als Liebe gibt, wollt Ihr sie erforschen, erkunden, vermehren, ausdehnen und erweitern. Ihr wollt die Liebe verstehen. Aber wie könnt Ihr das erreichen? Wie könnt Ihr das bewerkstelligen? Wie, wenn nicht durch die Erforschung ihrer Abwesenheit? Das ist Dualität! Dort, wo Ihr liebt, leidet Ihr nicht. Wo Ihr leidet, seid Ihr auf der Schattenseite der Dualität und erforscht das Licht in seinem Fehlen. Anders ausgedrückt: Ihr alle erforscht die Liebe maßgeblich über die Schattenseite der Dualität, vorrangig durch die Erforschung der Schattenseite in Euch selbst. Nun, diese Schattenseite macht Euch Angst, Ihr fürchtet Urteil und Schuld und so projiziert Ihr Euren Schatten in der Regel nach außen, also auf die Außenwelt.

Gefangen in Angst und im Schuldwahn, versteht und erkennt der Mensch seine natürliche, gottgegebene Unschuld nicht, die er mit der gesamten wunderbaren Schöpfung teilt. Nun, da der Mensch seinen Schatten auf die Welt der äußeren Erscheinungen projiziert hat, sieht er sich mit neuen Problemen konfrontiert, denn nunmehr ist er Opfer in einer gefährlichen Welt, in der allerorten Täter lauern. Böse sind immer nur die anderen und er badet und wälzt sich in Selbstgefälligkeit und Selbstmitleid. Und er leidet, wie es immer dann der Fall ist, wenn der Mensch den Hebel nicht dort ansetzt, wo das Problem wirklich liegt. Erst wenn der Mensch es wagen will, sich selbst infrage zu stellen und furchtlos ins Auge des Tigers zu blicken, können die Geschicke eine entscheidende Wendung nehmen.

Angst ist, wie gesagt, die Eintrittskarte in die Welt. Sie ist der Preis, den Ihr alle bewusst zahlt zum Zwecke der Erkenntnis, denn nur Liebe ist wirklich. Für Euch aber, die Ihr inkarniert seid, ist Angst bittere Erfahrungsrealität. Würdet Ihr sie nicht real erleben, dann würde sie das göttliche Ziel verfehlen – die Erkenntnis der Liebe. Da Liebe allgegenwärtig ist, ist Angst, also die Wahrnehmung der Abwesenheit von Liebe, eine Illusion. Angst ist und bleibt ewig Illusion, niemals kann es sein, dass sie Wirklichkeitsgehalt hat. Angst ist ein blinder Fleck in Deiner Selbstwahrnehmung, mehr als das wird sie niemals sein. Deine wirkliche Liebesnatur kann niemals ausgehebelt werden, denn Du bist ewig so, wie Dein himmlischer Vater Dich schuf, seinem Bilde gleich. Anders ausgedrückt und mit den Worten des Kurs in Wundern gesprochen: »Nichts Wirkliches kann bedroht werden.« Du erforschst also die Liebe auch und gerade da, wo sie scheinbar nicht ist, wo Du sie nicht vermutest, in Deinem Schatten.

Auf die eine oder andere Weise tappt jeder Mensch im Laufe seines Lebens in die gleiche Falle. Ihr alle wollt gut sein. Aus Angst vor Euch selbst, Angst vor dem Leben und seiner einzigartigen eigenen Dynamik und nicht zuletzt aus Angst vor Gott sucht Ihr Eure Schatten, das ›Böse‹ in Euch, vor Euch selbst zu verbergen. Und dabei vergesst Ihr völlig, dass Ihr es genau dadurch in Sicherheit bringt, anstatt es aufzulösen. So bleibt der Status quo erhalten. Dein Schatten, er will angesehen und anerkannt, ja mehr noch, er will bejaht werden. Nur hier, im freudigen Bejahen Deiner Gesamtpersönlichkeit kann Heilung geschehen und nur hier ist sie möglich. Und so rufen wir Euch erneut zu, die Ihr in Not und Kummer ausharrt: All Deine verzweifelten Versuche, Dein Ego ›wegzuhassen‹ können und werden niemals fruchten. Du kannst immer nur heilen, was Du liebst. Du kannst Dein Ego nur ›gesundlieben‹. Die Einsicht, dass es kein Todesurteil über das Ego braucht, ist sein Todesurteil. Nie wird das Ego nachhaltiger geschwächt.

Hier sind mutige Selbsterforschung und große Ehrlichkeit gefragt. Wer den Mut zur Ehrlichkeit sich selbst gegenüber aufbringt, wer es wagt, sich selbst infrage zu stellen, der wird immer mit einem warmen Gefühl der Befreiung und Erlösung belohnt. Wir reden nicht etwa von zermürbender, zersetzender, schonungsloser Selbstkritik, die einer zerstörerischen Selbstzerfleischung gleichkommt. Vielmehr ist die Rede von einer liebevollen, sanften und verständnisvollen geistig-emotionalen Reise ins eigene Ich, wo es naturgemäß viel Neuland zu erkunden gibt, ein liebevolles Sich-selbst-an-die-Hand-Nehmen. Selbsterkenntnis ist nicht nur die höchste Form der Erkenntnis, sie ist die einzig mögliche.

Was immer Du zu finden glaubst, was immer Du in Dir und an Dir fürchtest und ablehnst, es ist in Dir und es harrt Deiner Anerkennung. Es will angesehen werden. In Deiner liebevollen Akzeptanz kann es schließlich der Heilung überführt werden. Liebe ist allzeit das Heilmittel der Wahl. Was, wenn nicht Liebe könnte jemals Licht ins Dunkel bringen?

Liebe von Dir und Liebe für Dich sind also der Schlüssel zur Lösung all Deiner Probleme. Lieblose Selbstzerfleischung belässt hingegen die Dinge beim Alten, ja mehr noch, sie erhärtet und verschlimmert sie, ist diese Selbstzerfleischung doch selbst eine Konsequenz der Angst. Jedoch ist es allzeit unmöglich, Angst mit Angst zu bekämpfen. Angst potenziert sich mit noch mehr Angst. Nur in der Liebe kann sie Auflösung und Erlösung finden.

»Keine Wesenheit ist in sich böse.

Das Böse hat keine Wesenheit.«

Thomas von Aquin

Der Judas in Dir

Mein lieber Freund, meine liebe Freundin, das Ego, also der Teilaspekt von Dir, der an Trennung glaubt und daher der Angst fähig ist, ist ständig auf der Hut. Es fürchtet sich vor Verletzung und in aller Regel muss es denn auch nicht lange danach suchen und wird rasch fündig.

Der Mensch fürchtet sich vor Angriff und Ablehnung, eben einfach vor allem, was er mit Liebesentzug gleichsetzt. Er wähnt sich gut in einer ihm oftmals feindlich gesonnenen Außenwelt. Ist es erst einmal zu einer Verletzung gekommen, dann flüchtet er sich in die Opferrolle. Hier kennt er sich aus, hier fühlt er sich sicher. Und vor allem muss er sich hier keine unbequemen Fragen stellen. In dieser Rolle richtet er sich häuslich ein, wälzt sich in Selbstmitleid und muss sich nicht fragen, warum ihm dieses oder jenes widerfährt.

Viele Menschen verharren ihr ganzes Leben lang in dieser inneren Haltung und vereiteln so jedes persönliche Wachstum und jedes innere Voranschreiten. Die Opferrolle mag tröstlich erscheinen, doch ist sie nicht, was sie scheint. Hinter der Maske des vermeintlichen Freundes verbirgt sich der Judas und sein Verrat ist ein sehr grundsätzlicher. Das Verharren in der Opferhaltung schützt nicht etwa Dich, sondern vielmehr das Problem. Es schützt das Problem vor Deinem Zugriff, da es dorthin verlagert wird, wo es nicht ist und niemals sein kann, nämlich ins Außen.

Die Trostfunktion der Opferrolle ist eine Ausweichfunktion, eine Vermeidungsstrategie. Sie ist ein tückischer Schachzug des Ego. In der Opferrolle leckt das Ego seine Wunden wie ein waidwundes Tier. Die angeschlagene Integrität des eigenen Wesens bleibt erhalten und steht sie auch auf noch so wackeligen Beinen. Wer im Außen nach Gründen sucht, dem bleibt die innere Ursachenforschung erspart und so kann die Opferhaltung niemals wirklich Heilung bringen.

Wer mutig und behutsam die Verantwortung für die Geschehnisse seines Lebens übernimmt, der erobert sich die Souveränität über sein Leben zurück und eröffnet sich neue Handlungsspielräume. Den eigenen Schatten leugnen zu wollen, kommt dem Tun eines Kindes gleich, das die Augen verschließt in dem irrigen Glauben, es wäre für niemanden mehr zu sehen. Nur allzu oft vergesst Ihr, dass Ihr dem Bösen die Erkenntnis des Guten verdankt. In diesem Bewusstsein ist es Euch möglich, die eigenen Schattenseiten mutig zu erkunden und zu erforschen, so, wie Ihr es mit unbekannten und fernen Ländern tut. Hier kann es niemals um Verurteilung gehen, sondern vielmehr um neugieriges Beobachten, Erkennen, Verstehen. Was braucht es denn, um Dunkelheit zu erhellen? Es muss Licht ins Dunkel, da nur Licht dies bewirken kann.

Ehrlichkeit gepaart mit liebevoller Akzeptanz führt immer und ausnahmslos zum Ziel. Wenn eine Eigenschaft, ein vermeintlicher Makel, erst einmal ans Licht Deiner Selbstwahrnehmung gekommen ist, dann kann sie nie wieder den gleichen Schaden anrichten, wie wenn sie im Verborgenen wütet. Was in Liebe aufgelöst wird, das ist wahrhaft erlöst. Nichts schützt die Dinge so sehr wie das Nicht-wahrhaben-Wollen. So Du den Mut hast, dem Tiger aus nächster Nähe ins Auge zu sehen, wirst Du Dich selbst darin spiegeln. Du wirst Deine Angst erkennen, die sich nur dann in Luft auflösen kann und darf, wenn Du sie klar erkannt hast als das, was sie ist: eben einfach nur Angst!

Meine lieben Freunde, Ihr lebt in einer dualen Wahrnehmungszone. Dies bedeutet, dass Ihr Euch in einer beliebigen Situation entweder als Opfer oder aber als Täter wahrnehmt und fühlt. Es mag Euch auf den ersten Blick vielleicht wundern, dass die Täterrolle nicht weniger Trug und Täuschungen im Gepäck hat als die Opferrolle. Sie ist nicht minder verräterisch.

Wenn Ihr Euch als Täter fühlt, überschüttet Ihr Euch in der Regel mit Eurem eigenen Hohn und Spott und zermürbt Euch in beißenden Schuldgefühlen. Wo sich das Opfer in Selbstmitleid wälzt, da ergeht sich der Täter in Selbstverachtung. Die eigene Lichtseite wird vollkommen verleugnet. Doch das eine hat so wenig mit der Wirklichkeit der Dinge zu tun wie das andere. Wer seiner Täterrolle bis auf den Bodengrund seiner Motivation nachspürt, der wird immer und ausnahmslos Angst entdecken und nichts als Angst. So ist der Täter wie auch das Opfer zutiefst in dieselbe Problematik verstrickt. Doch die Wirklichkeit der Dinge, die Wirklichkeit hinter der Fassade der äußeren Erscheinungen, ist eine andere: Ihr seid immer Täter und seid es doch auch nie und Ihr seid immer Opfer und seid es doch auch nie.

Der Mensch neigt immer zum Entweder-oder und übersieht dabei das Sowohl-als-auch in allem. Ihr seid Schöpfer! Ihr ›spielt‹ mit den unterschiedlichen Rollen zum Zwecke der Selbsterkenntnis. Dabei mögt Ihr die eine oder andere Rolle bevorzugen, je nach persönlicher Disposition und eigenem Erfahrungshintergrund. Wie sonst könntet Ihr das Licht erforschen, wenn nicht durch die Erforschung seiner An- und Abwesenheit. Dadurch definieren sich Euer tapferes Menschsein und Eure zauberhafte Menschlichkeit und Ihr seid wahrlich geehrt, die Ihr den Mut und die Weisheit habt, diesen Weg der Erkenntnis zu gehen.

Sowohl in der Täter- als auch in der Opferrolle spaltet Ihr Euch auf, Ihr verankert Euch in der Dualität, weil Ihr nur ein Fragment der Wirklichkeit seht, nur eine Seite der Medaille. Nehmt Ihr Euch jedoch als Schöpfer wahr, Schöpfer des einen wie auch des anderen, dann verbindet Ihr scheinbare Gegensätze, überführt sie der Heilung und überwindet Dualität. Wir erinnern uns: Geistig erhebst Du Dich über die Dualität, wenn Du nicht wertest. Emotional erhebst Du Dich über die Dualität, wenn Du liebst. Liebe Dich selbst in all Deinen Rollen als ihr ureigener Schöpfer und Du hast viel für Deine Heilung getan und damit auch für die Heilung der Welt.

»Das leichteste Opfer für einen Betrug

ist man selbst.«

Edward G. Earle Lord Bulwer-Lytton

Fragen, die Du Dir nicht stellst

Meine liebe Freundin, mein lieber Freund, wenn Du auf Dich selbst blickst, was siehst Du dann? Wie nimmst Du Dich wahr und wie definierst Du Dich? Menschsein bedeutet, in der Dualität zu leben, sich in ihr zu erfahren, auszudrücken und durch sie zu Reifung und Selbsterkenntnis zu gelangen. Alles, aber auch wirklich alles, hat seine zwei Seiten und nur in der Verschmelzung beider Seiten kann ein Bild entstehen, das ein sinnvolles und harmonisches Ganzes ergibt.

Dies bedeutet aber auch, dass Du als Mensch ein gespaltenes Wesen bist und sein musst. Du kannst Liebe oder auch Angst empfinden, Glück oder auch tiefe Zerknirschung. Die Liebe gebiert alles Wahre, Schöne und Gute, alles, was Dich glücklich macht. Sie ist der wahre Kern Deines Wesens, die Uressenz Deines Seins. Liebe ist das Wesen Gottes und somit ist sie Dein natürliches Erbe. Und sie ist die einzige Möglichkeit, die es jetzt und allzeit geben kann, Dich über die Dualität zu erheben. Liebe ist von ihrer Essenz her vollkommen und somit steht sie über der Dualität. Hier sind Spaltung und Unvollständigkeit auf ewig überwunden. Liebe ist die Natur Deines Wesens, der Stoff, aus dem Du gemacht bist.

Aber wie kannst Du das erkennen? Wie kannst Du es wissen? Wie kannst Du das eine erkennen, wenn es kein anderes gibt? Dies ist die Geburtsstunde des Ego, das Ihr in völliger Verkennung der wirklichen Zusammenhänge so gerne in Bausch und Bogen verdammt und verurteilt. Ego ist heiliges Werkzeug Gottes und das größte aller Geschenke an den Menschen. Ego ist Mittel zum heiligen Zweck der Erkenntnis. Der Weg zur Liebe führt immer und ausnahmslos über das Ego.

Jeder Mensch, der auf Erden wandelt, kennt das Ziel, das Ihr erreichen wollt, ihr alle wollt den Weg zur Liebe. Ihr alle wollt zur Liebe, doch dieser Weg ist ein steiniger, führt er doch über die Drangsale und Kümmernisse des Ego. Die Medizin ist eine denkbar bittere und der Weg ist ein beschwerlicher. Kein Mensch geht auf Erden, der davon nicht ein Klagelied singen könnte. Was, wenn nicht Liebe, Liebe zum Selbst, könnte diesen Weg erleichtern? So wird der Weg zum Ziel und das Ziel zum Weg und beide verschmelzen in wunderbarer Harmonie miteinander.

Du bist ein gespaltenes Wesen. Dies bedeutet im Klartext, dass es in Dir sowohl lichtvolle als auch dunkle Anteile gibt und geben muss. Und an diesem Punkt wird es für Dich unangenehm, denn der Mensch will von Natur aus gut sein. Doch wo Licht ist, ist auch Schatten. Solange Du es nicht wagst, Deine dunkle Seite ans Licht der Erkenntnis zu holen, sie anzusehen, ja mehr noch, sie anzuerkennen als Teil Deiner menschlichen Persönlichkeit und zu Dir gehörend, so lange wird sie ein Schattendasein führen, tief verborgen, auf dem Bodengrund Deiner Psyche. Hier treibt der Schatten des Menschen sein Unwesen, unerkannt und unbemerkt von ihm selbst. Wie wir schon sagten, kann nur die Verschmelzung von Licht und Schatten ein harmonisches Gesamtbild ergeben und Heilung bringen, denn Ganzheit ist Heilung. Wie aber kannst Du das bewerkstelligen? Indem Du mit Liebe auf Deinen Schatten blickst. Niemals kann es eine andere Lösung geben, nie ein anderes Heilmittel, nie einen anderen Weg und niemals eine andere Antwort. Liebe! Liebe baut nicht nur Brücken zwischen Böse und Gut, zwischen Licht und Schatten – Liebe ist diese Brücke.

Im Angesicht der Liebe bist Du in der Lage, allen inneren Stürmen zu trotzen und Dich direkt in das Auge des Sturms zu begeben: Du kannst Dich selbst erforschen, Du kannst Deinen Schatten erkunden und dies ohne jede Angst, Not und Schuld.

Wenn Du Dich selbst liebst, so wie Du bist, dann bist Du so, wie Du sein willst. Das Erkunden des eigenen Schattens wird nur durch die Liebe möglich. Was ohne Liebe in Selbstzerfleischung, Schuldgefühl und Selbstverachtung enden würde und somit mit noch tieferer Spaltung, in der Liebe findet es Heilung. Nur wenn Du den Schatten in Dir ans Licht Deines Bewusstseins bringst, kannst Du ihn dem Licht in Dir überantworten und somit der Heilung überführen. Da Dein freier Wille ewig unantastbar ist, kannst Du unmöglich etwas heilen, von dem Du behauptest, dass es nicht da sei. Du kannst nur heilen, was Du anerkennst. Fürchte Dich nicht vor Deiner Angst, denn mit der Liebe hast Du allzeit einen machtvollen Gegenspieler und der Sieg ist Dir gewiss und auf ewig garantiert.

Der Mensch fürchtet seinen Schatten und dies ist aus seiner dualen Sichtposition heraus betrachtet so legitim wie nachvollziehbar. Unentwegt schwankt er zwischen Liebe zu sich selbst und Angst vor sich selbst. Und so kämpfst Du ständig gegen Dich selbst und dann wunderst Du Dich, dass es immer unentschieden endet: Das ist das Wesen der Dualität und nur im Bewusstsein der Liebe kannst Du ihr entfliehen, besser gesagt, Du überwindest sie. Der Mensch ist sich selbst ein Buch mit sieben Siegeln. Die Reise in die eigenen inneren Welten, die Reise ins Ich, ist das größte Abenteuer, das ein Mensch erleben kann und ein jeder von Euch tritt sie an, ob ihm dies nun bewusst ist oder nicht.

Jede Handlung und jede Reaktion auf Eure Außenwelt sind ein Akt der Selbstdefinition. Ihr alle würdet gut daran tun, auf Eurer Abenteuerreise eine gehörige Portion Humor mitzunehmen. Die heilerische Wirkung des Humors kann gar nicht überschätzt werden, zieht er doch so manch schwieriger Situation den schmerzhaften Stachel. Humor macht Schweres leicht, weil er die Dinge relativiert und an den Platz verweist, an dem sie gehören. Wenn wir Euch den Humor ans Herz legen, dann fordern wir Euch damit erneut dazu auf, Euch selbst mit Liebe zu erforschen und zu erkunden, denn Humor ist einer der zahllosen, wundervollen Aspekte der Liebe. Das Leben ist eine ernste Sache, ernst genug, es nicht ernst zu nehmen und ihm mit Humor zu begegnen. Auch das ist Dualität.

Die Fragen, die Du Dir nicht stellst, die Fragen nach Deinem Schatten, Du stellst sie nicht, weil Du es nicht wagst. Du fürchtest, was Du dort entdecken mögest. Doch alles ist nur halb so schlimm, nein mehr noch, es ist wahrhaft wunderbar, denn immer da und dort, wo Du Schatten siehst und für Dich erkannt hast, da erstrahlt auch Dein Licht.

»Wo viel Licht ist, ist starker Schatten.«

Johann Wolfgang von Goethe

Die Flucht nach vorn

Mein lieber Freund, meine liebe Freundin, wenn der Mensch sich vor seinem Innen fürchtet, wohin kann er sich dann flüchten? Der Mensch, der seine inneren vermeintlichen Abgründe zu meiden sucht, tritt in der Regel die Flucht nach vorn an und so schlägt er die einzige Richtung ein, die ihm bleibt: Er flieht in seine Außenwelt. Alles, was ihm Ablenkung verheißt, ist ihm willkommen.

Diese Welt der äußeren Erscheinungen, sie bietet viel, das anscheinend nichts mit Dir zu tun hat. Das Angebot an Zerstreuung scheint schier unbegrenzt und so muss der Mensch in der Regel denn auch nicht lange danach suchen. So lebt er sein Leben und investiert seine Lebenszeit in alles Mögliche, je nach persönlicher Disposition und Selbstwahrnehmung.

Doch der Mensch macht die Rechnung ohne den Wirt, denn er vergisst, dass diese Welt eine duale Erfahrungsplattform ist. Es ist sozusagen gleichermaßen menschliche Dummheit wie göttliche Weisheit, dass der Mensch sich selbst niemals entfliehen kann und so begegnet er sich selbst auf all seinen Wegen. Nichts kann es geben, nichts kann ihm jemals widerfahren, das nichts mit ihm zu tun hätte. So kann also kein Mensch jemals vor sich selbst davonlaufen. Was auf den ersten, flüchtigen Blick wie ein Fluch anmuten mag, ist des Menschen größter Segen, denn diese göttliche Tatsache ist ihm ewiger Garant für das Erreichen der Ziele seiner Seele. Wie sonst wäre Selbsterkenntnis möglich? Der Mensch kreuzt sozusagen seine eigenen Wege und durchkreuzt nicht selten eben genau dadurch seine eigenen Pläne, die doch die Flucht vor sich selbst bezwecken.

Diese Welt ist eine duale Erfahrungsebene, was bedeutet, dass der Mensch die Spiegelfunktion der Außenwelt niemals aushebeln kann, denn darin besteht ihr heiliger Sinn und Zweck. Wir wollen nicht vergessen, dass alles und jedes gegeben ist, Dir zu dienen, so auch die Welt. Jeder Mensch, der inkarniert, weiß um den grandiosen Nutzen, den die Funktion seiner Außenwelt ihm anbietet. Die Potenziale für Selbsterkenntnis sind unter irdischen Bedingungen geradezu unvorstellbar. Die Tatsache, dass Ihr Euch selbst nicht entkommen könnt, ganz gleich, ob Ihr Euch nach innen oder außen orientiert, verbürgt den Erfolg Eurer Erdenmission.

Die Außenwelt, sie ist Dir nicht feindlich gesonnen, das ist sie nie und das könnte sie niemals sein. Sie ist Dein Spiegel, sie ist das Echo Deines Selbst. Die Welt zeigt Dir, wer und was Du bist. Wie auch immer Du Dich zu definieren entscheidest, die Welt zeigt Dir ein getreuliches Abbild Deiner selbst. Du magst Dich in Deiner Selbstwahrnehmung noch selbst belügen können, die Welt betrügt Dich nie. Sie zeigt Dein exaktes Spiegelbild und sie wertet nicht. Sie zeigt, was ist, und nicht etwa das, wovon Du möchtest, dass es sei, einem ehrlichen Freunde vergleichbar. Und so spiegelt Dir die Welt Dein Licht wie auch Deinen Schatten. An dieser Stelle erinnern wir an den ursprünglichen Grund der Flucht ins Außen, der doch das Entrinnen des eigenen Schattens bezweckte.

Leben ist Selbsterforschung zum Zwecke der Selbsterkenntnis und wohin auch immer Du Dich wenden magst, nach innen oder nach außen, überall ist Dir alles gegeben, was es braucht. Wir werden nimmer müde zu betonen, dass die Liebe des Schöpfers ein Scheitern auf ewig unmöglich macht. Scheitern ist ein zutiefst menschliches Konzept und Eurem mangelnden Gesamtüberblick geschuldet. Scheitern ist unmöglich, denn es würde nicht nur jeder Liebe, sondern auch jeder Sinnhaftigkeit entbehren.

Das Leben ist keine Schule, dies sagten wir bereits an anderer Stelle. Das Leben ist keine Schule im Sinne eines vorgegebenen Lernzieles, das es zu erreichen gäbe. Wenn es dennoch um Lernen, Werden und Wachsen geht, dann aus dem einfachen Grunde, weil es in der Natur der Sache liegt. Leben ist Wachstum und Wachstum ist Evolution. Alles-was-Ist ist Liebe und somit in ewiger Ausdehnung begriffen. Wie könntest Du etwas anderes sein, bist Du doch ein integraler Teil des Göttlichen. Du bist also in ewiger Ausdehnung begriffen und diese Ausdehnung kann nur eine Mehrung, eine Vertiefung der Selbsterkenntnis sein. Deiner Ausdehnung sind keine Grenzen gesetzt, keine Schranken, auch ist keine Richtung vorgegeben. Mit anderen Worten: Du kannst Dich entwickeln, wie und wohin immer du willst. Dies ist der entscheidende Unterschied zu einer Schule, in der das Lernziel vorgegeben ist. Dies impliziert alle Freiheit, auch die Freiheit, vor Dir selbst flüchten zu wollen. Dies kommt dem Versuch gleich, gegen eine Wand zu drücken, ohne den Gegendruck spüren zu müssen.

So lebt der Mensch sein Leben, pflügt seinen äußeren Acker und, indem er dies tut, doch auch seinen inneren. Und so erfüllt sich der Sinn des Lebens immer und unfehlbar ganz von selbst. Ist das nicht wahrhaft wunderbar?

»Das Schicksal ereilt uns oft auf den Wegen,

die man eingeschlagen hat, um ihm zu entgehen.«

Jean de la Fontaine

2. Teil

Drum prüfe, wer sich ewig bindet

Meine liebe Freundin, mein lieber Freund, was ist der Sinn des Lebens? Leben ist Selbstzweck, seine tiefe Sinnhaftigkeit ergibt sich aus sich selbst heraus, aus seinem puren Sein. Wem das nicht genügt, der verschließt sich für des Lebens unermesslichen Reichtum an Möglichkeiten, für seine Herrlichkeit und Größe.

Nun, der Mensch ist befähigt, sozusagen aus sich selbst hervorzutreten, sich von ›außen‹ zu betrachten und die Sinnhaftigkeit seines Seins zu hinterfragen. Die Tierseele ist dazu nicht in der Lage. Sie stellt den Sinn nicht infrage, weil die Seele des Tieres dies auf sehr tiefer Ebene ›weiß‹.

Die Frage nach dem Sinn des Lebens ist so alt wie die Menschheit selbst und sie ist – wie könnte es innerhalb der Dualität anders sein – gleichermaßen Segen wie Fluch. So ist die Frage nach der Sinnhaftigkeit letztlich die Triebfeder für alles Machen und Tun, ob sich der Mensch dessen nun bewusst ist oder nicht. Das rastlose Suchen und Streben ist des Menschen tiefstes Glück wie auch sein schmerzlichstes Leid.

Seine ganze Lebenszeit hindurch steht der Mensch auf dem Prüfstand seiner eigenen Selbstwahrnehmung. Er beobachtet, erforscht und prüft sich selbst, er probiert sich aus. Menschsein bedeutet, alles und jedes zu hinterfragen und sich selbst nicht davon auszunehmen. Die Frage »Wer bin ich?« brennt Euch Euer Leben lang unter den Nägeln. Als Menschen erforscht Ihr Euch selbst und Euer Sein innerhalb der Dualität, also unter hochspezifischen Bedingungen. Ihr seid sozusagen die Fachleute in Sachen Dualität, ihre Nutznießer und ihre Leidtragenden, denn Ihr kennt und lebt beide Seiten der Medaille. Ihr erkundet, was es mit der Liebe auf sich hat und dabei kommt Ihr um die Angst nicht umhin.

Die Erweiterung des ureigenen Liebesbewusstseins – denn darum geht es letztlich immer – ist das Ziel Eurer Erdenreise. Wenn wir sagten, das Leben sei Selbstzweck, dann ist dies nur auf den ersten Blick ein Widerspruch. Leben ist Liebe und Liebe ist Leben, sie bezeichnen ein und dasselbe. Ihr alle, jeder Einzelne von Euch, inkarniert um der Liebe willen. Welchen anderen Grund könnte es jemals geben? Was kann da anderes sein? Nichts kann jemals sein, das außerhalb von Gott wäre, Gott aber ist Liebe. Leben ist Selbstzweck, weil Liebe Selbstzweck ist. Von Natur aus vollkommen, kann es nichts geben, nichts, dass der Liebe hinzuzufügen wäre.

Der Sinn des Lebens ist also die Erweiterung des Liebesbewusstseins. Euer ureigenes Wesen entspringt der Liebe und so kann es für Euch denn auch letztlich nichts anderes zu erforschen geben. Mit anderen Worten: Ihr wollt die Liebe auf immer tieferer Ebene verstehen und integrieren. Ihr wollt sie leben! Das ist ihr heiliger Sinn und Zweck. Ihr erkundet die Liebe in all ihren Aspekten und Wirkungen und nicht zuletzt erduldet und erleidet Ihr ihre scheinbare Abwesenheit in Form von Angst. Wie wir sagten, ist Angst die Eintrittskarte für diese duale Welt, sie ist wahrlich ein hoher Preis, doch zahlt Ihr ihn um der Liebe willen gerne. Kein Mensch ist Opfer einer ominösen höheren Macht, die ihn wider Willen ins Erdendasein geworfen hätte. Wir dürfen nie vergessen, dass der freie Wille auf ewig unantastbar ist, denn das ist ein Aspekt, eine Eigenschaft der Liebe.

Ihr seid für alle Zeiten an die Liebe gebunden, denn das ist es, was Ihr seid, die Uressenz, aus der alles und jedes hervorgegangen ist. Es gibt kein Außen, das es zu prüfen gäbe, denn alles ist eins und Teil von Dir. Ebenso wenig ist da etwas oder jemand, das bzw. der Euch diese Prüfung aufzwingt. Hier sind Gottes Wille und Dein Wille nicht voneinander zu trennen. Wer kann dem befehlen, der frei geboren ist?

Zum Zwecke der Selbsterkenntnis steigt der Mensch hinab in die Materie, in die Dunkelheit der Dualität und damit ins Vergessen. In ihrer göttlichen Heimat ist die Seele sich ihrer wahren Identität vollkommen bewusst, doch nun, auf der dualen Erfahrungsebene, ist der Mensch sich dessen nicht mehr gewahr. So inkarniert er denn in dem unbedingten Bestreben, sich auch in der Dunkelheit des Nichtwissens seiner wahren Natur und Identität zu erinnern. Der Mensch will wissen, wer und was er ist, er will sich definieren. So postuliert Ihr alle Euer Licht inmitten tiefster Dunkelheit und erleuchtet nach und nach alle schattigen Partien Eures Lebensweges.

»Im Wahrheitsstreben darfst du nie ermatten,

such' stets, was Schatten wirft und nicht den Schatten.«

Heinrich Martin

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180 стр.
ISBN:
9783964420329
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Bookwire
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