Читать книгу: «Nix wie weg! Europa»

Inhalt
Deutschland und Mitteleuropa
1 Sylt
Immer eine frische Brise
2 Föhr
Ursprüngliche Inselidylle
3 Von Flensburg nach Niebüll
Küstenwind an Ost- und Nordsee
4 Von Kiel nach Schleswig
Immer am Wasser entlang
5 Lübeck mit Travemünde
Die Königin der Hanse
6 Rügen und Hiddensee
Ostseeträume
7 Usedom
Baden wie ein Kaiser
8 Fischland-Darß-Zingst
»Seele freistrampeln« auf der Ostseehalbinsel
9 Auf der Peene
Paddeln auf dem Amazonas des Nordens
10 Ludorf
Romantische Auszeit an der Müritz
11 Neuharlingersiel
Erholung am leuchtenden Meer
12 Goslar
Die erzreiche Kaiserstadt
13 Ostharz
Rund um den Hexenberg
14 Berlin
Grenzenlose Einblicke und Aussichten
15 Von Eisenach bis Weimar
Land der Künstler und Denker
16 Detmold und Lipper Wald
Dichtes Grün und Geschichte zum Anfassen
17 Tecklenburger Land
Wohlfühltage zu Lande und zu Wasser
18 Nationalpark Eifel
Wasser, Wald und Geschichte
19 Fachwerkstadt Braunfels
Vom Märchenschloss in die Grube
20 Geopark Bergstraße-Odenwald
Auf Entdeckungskurs
21 Von Limburg bis Lahnstein
Romantisches Lahntal
22 Wiesbaden und Rheingau
Kuren und wandern, mal nobel, mal romantisch
23 Welterbestadt Speyer
1000-jährige Geschichte trifft Moderne
24 Wein- und Burgenregion Mosel
Eine Reise für Augen und Gaumen
25 Burgenland Wasgau
Wandern, Wein und spektakuläre Aussichten
26 Hinterzarten
Belle-Époque im Hochschwarzwald
27 Schwetzingen
Spargel, Wein und Schlösser
28 Schwäbische Alb
Eine raue Schönheit
29 Bodensee
Stadt- und Inselhopping über drei Grenzen
30 Im Maintal
Idylle am großen Fluss
31 Spessart
Heimat der Märchenerzähler
32 Bayerischer Wald
Ursprüngliche Natur, reiche Kultur
33 München
Entdeckungen entlang der Isar
34 Fünfseenland
Wer ist der Schönste?
35 Füssen
Königsstadt am Alpenrand
36 Blaues Land
Malerwinkel an Seen mit Bergblick
37 Chiemgauer Alpen
Urige Almen auf Bergwiesen
38 Chiemsee
Erlebnisse zu Wasser, per pedes und Pedale
39 Karwendel
Sagenhaftes Bergidyll in Oberbayern
40 Im Pfaffenwinkel
Mit Bergblick: Gotik trifft Barock
41 Durbuy
Zauber der Ardennen
42 Brügge
Kleinod aus dem Mittelalter
43 Insel Texel
Vielfalt auf kleinstem Raum
44 Walcheren
Sonnige Küstenlandschaft
45 Paris
Eine Stadt für Flaneure
46 Remiremont
Venezianischer Karneval in Lothringen
47 Der Kanal von Briare
Die Entdeckung der Langsamkeit
48 La Petite Pierre
In der Bergwelt der Vogesen
49 Biarritz
Napoleons Gästehaus am Atlantik
Nordeuropa
50 Inselhüpfen vor Helsinki
Finnische Romantik am Meer
51 Kopenhagen
Entspanntes Großstadterlebnis
52 Seeland
Sanft geschaukelt im Haus auf dem Wasser
53 Glasgow
Kosmopolitisches Flair
54 Aberdeen
Strandvergnügen beim Citytrip
55 London
Sightseeing und Teatime
56 Wales
Landschaftserlebnis mit Schafen
57 Cornwall
Romantische Küstenlandschaft für Genießer
58 Guernsey & Jersey
Maritimer Charme der Kanalinseln
59 Dublin
Stadt der Pubs und Geschichten
Alpen
60 Auf dem Dachstein
Himmlische Ruhe
61 Immer am Inn entlang
Tirol per Rad
62 Tiroler Oberland
Sanfter Wintersport
63 Wachau
Radeln, wandern, schlemmen in der Welterberegion
64 Wien
K. u. k.-Mikrokosmos mit Kaffeekultur
65 Gruyère
Die Schweiz im Taschenformat
66 Flimser Wald
Spektakuläre Natur
67 Berner Oberland
Eintauchen in die Bergwelt
68 Quer durch Südtirol
Das Beste aus zwei Welten
Südeuropa
69 Friaul
Sternfahrten rund um Triest
70 Gardasee
Mediterranes Flair am Alpenrand
71 Brenta-Kanal
Kultur und Dolce Vita zwischen Venedig und Padua
72 Florenz
Im Zentrum der Renaissance
73 Rom
Zeitreise durch 2000 Jahre
74 Venedig
Zauberhafte Winterimpressionen
75 Abano Terme
Wallfahrtsort für Gestresste
76 Bologna
Eine Stadt mit Charakter entdecken
77 Budapest
Schwelgen in der Donau- und Bädermetropole
78 Nizza
Mondäner Charme der Côte d’Azur
79 Barcelona
Zu Besuch bei Gaudí, Picasso und Co.
80 Ávila
Welterbestadt in den Bergen
81 Valencia
Leben für den Frühling
Register
Bildnachweis
Impressum




Deutschland und Mitteleuropa

Gemütliche Flussschifffahrt auf der Mosel
1 Sylt
Immer eine frische Brise

Nordfriesische Impressionen schenkt das Keitumer »Schöner-Wohnen-Biotop« seinem staunenden Publikum ohne Ende.
HIGHLIGHTS
Morsumer Kliff. Naturschutzgebiet mit einzigartiger Pflanzen- und Tierwelt, vor allem Vogelbeobachter kommen hier auf ihre Kosten.
Kliffweg. Die Strecke zwischen Keitum und Kampen zählt zu den schönsten Wanderwegen der Insel.
Rotes Kliff. Die schroff abfallende, durch Oxidation rot gefärbte Steilküste entstand vor 120 000 Jahren durch Gletscherablagerungen.
Ellenbogen. Sylts wilde und naturbelassene Nordspitze mit großen Dünenfeldern und herrlichen Stränden. www.naturgewalten-sylt.de
DAS SOLLTEN SIE PROBIEREN
Grünkohl: mit Speck, Kassler, Kohlwurst oder Schweinebacke und Bratkartoffeln – Sylter Royal: Sylter Auster aus dem Wattenmeer, roh mit Zitrone – Krabben: in jeder Form eine Delikatesse, auf Brötchen, mit Spiegelei oder als Suppe – Sylter Matjes: mit Pellkartoffeln und grünen Bohnen – Pharisäer: Kaffee mit Rum und Sahnehaube
Wer an Keitums verwunschener Wattlandschaft vorbeiradelt und dabei auf reetgedeckte Friesenhäuser blickt, hat Sylt schon zur Hälfte begriffen. Der Rest folgt bei einem Wechsel der Seiten mit einem kraftvollen Schlenker zu den Dünen: Man sieht sie noch nicht, aber hört sie schon, die tosende Brandung der Nordsee.
Die Fahrradverleihe rund um den Bahnhof Westerland sorgen dafür, dass es gleich nach der Ankunft weiter nach Keitum gehen kann. Das Märchenidyll aus bezaubernden reetgedeckten Friesenkaten, in denen wohlgestellte Sylter Neubürger ihren Inseltraum leben und das Sylter Klischee in allen Nuancen bedienen, begeistert uns mit Boutiquen, hübschen Shops und verwunschenen Cafés.
Aber weiter geht es an der naturgeschützten Wattlandschaft entlang bis zur »Kupferkanne«, die ausgehungerte Biker wie uns mit original Sylter Grütze, Vanilleeis und Sahne auf Vordermann bringt für das, was noch kommt, nämlich die nächste Etappe im kräftigen Gegenwind zur Westküste hinüber, zur Welt der Sanddünen und der tosenden Brandung. Und wie sie tobt, diese Nordsee, und ihren Besuchern die Frische ins Gesicht bläst! Wir erreichen List, wo an Goschs Fischständen der Teufel los ist – wir sind nicht die Einzigen, die für Garnelen vom Grill zu trockenem Weißwein oder Flensburger Pils vom Fass zu frischen Matjesfilets anstehen. Immer mehr Liebhaber, für die schon das herbstliche Sylt Durchatmen und Loslassen signalisiert, zieht es im Winter auf die Insel. Heftig donnernd laufen die Brecher der Brandung dann ein, der Wind jagt über weiten Stränden Wolken über den Horizont, wobei gerade diese natürliche Rauheit die Auszeit vom Alltag bestimmt. Entschleunigung heißt das Thema für Wintergäste, und wer bei rauschendem Wellengang durchgepustet und mit prickelnder Kälte auf dem Gesicht in die »Sansibar« kommt und sich einen schottischen Islay-Malt-Whisky bestellt oder im Keitumer Kontorhaus indischen Chai-Tee oder Kakaobohnen aus Madagaskar einpackt, der hat die winterliche Seite von Sylt und ihren besonderen Reiz begriffen.
Infos und Adressen
ANREISE
Flug: Westerland; Bahn: Über Hamburg nach Westerland; Auto: Autoverladung in Niebüll
BESTE REISEZEIT
ganzjährig
SEHENSWERT
Keitum. Eine verwunschene Atmosphäre generiert der ehemalige Hauptort der Insel mit seinen Friesenhäusern aus dem 17. und 18. Jh.
Kampen. Wo die Reichen Urlaub machen – die Sylter Schickeria zwischen Gourmetrestaurants, Bars und Strand.
ESSEN UND TRINKEN
Kupferkanne. Typisch friesisches Lokal auf der Wattseite; Stapelhooger Wai 7, Kampen, www.kupferkanne-sylt.de
Gosch. Das Fischimperium des Sylter Unternehmers Gosch ist am Lister Hafen eine Institution. www.gosch.de
Alte Friesenwirtschaft. Friesisches Anwesen in Gurtstig 32, Keitum, www.alte-friesenwirtschaft.de
ÜBERNACHTEN
Hotel Stadt Hamburg. Landhausstil, 19. Jh.; Westerland, Strandstr. 2, www.hotelstadthamburg.com
Benen-Diken-Hof. Feines Haus in Keitum; Keitumer Süderstr. 3, www.benen-diken-hof.de
Zimmer, Apartment und Häuser. Vermittlung u. a. durch die Sylt Tourismus Zentrale; www.sylt-tourismus.de
WEITERE INFOS
Fremdenverkehr Sylt Marketing: Stephanstr. 6, Westerland/Sylt, www.sylt.de

Postkarten-Leuchtturm Rotes Kliff bei Kampen, der Sylts Flair bestens bedient.

Wagemutiger Surfer, der vor Westerlands Hauptstrand Wellen und Wind reitet.
Ein besonderes Erlebnis
RAUSCH DER WELLEN
Wenn in Kampen die Cracks der Wellenreiter ihr Können auf dem Longboard publikumswirksam vorführen, ist die internationale Windsurfelite nicht weit. Vor allem der September steht im Zeichen des Surfsports, wobei Windsurfen, Kitesurfen und Wellenreiten zu jeder Jahreszeit auf Sylt ein Highlight sind. Vor Kampens Buhne 16 findet auch das einzige Longboardfestival Deutschlands statt. Ziemlich artistisch kann es je nach Wind- und Wellenlage werden, zum Beispiel beim gewagten »Nose ride«-Manöver, bei dem der Surfer wagemutig übers Board bis zur Spitze des Bretts läuft. Wettkämpfe gibt es in den Disziplinen Wave, Freestyle und Slalom. Die Krönung ist der Davidoff Cool Water Windsurf World Cup, wo es um wichtige Punkte für den Weltmeistertitel und ein Preisgeld in Höhe von 120 000 € geht (www.worldcupsylt.de). Weitere Infos rund um Sylt, den Surfsport und die Veranstaltungen auf: www.sylt.de
2 Föhr
Ursprüngliche Inselidylle

Die Holländische Windmühle in der Wyker Mühlenstraße aus dem Jahr 1879 ist in Privatbesitz und erfreut Besucher nur von außen.
HIGHLIGHTS
Wandern und Biken. Fünf ausgeschilderte Radtouren mit Karte und erstklassige Wanderwege führen rund um Föhr. www.foehr.de
Golfen. Abschlag am Meer; www.golfclubfoehr.de
Reiten. Zahlreiche Reitställe bieten Ausritte am Strand entlang. www.grevelinghof.de, www.foehr-reiterhof.de, www.reitimpulse.de
Wattwanderung. Das Watt erkunden – ein Fest der Sinne! Führungen sind gezeitenabhängig. www.foehr.de
Aquaföhr. Badelandschaft mit Salzwasserbecken, Wellenbad, Wellness- und Thalasso-Zentrum; www.aquafoehr.de
DAS SOLLTEN SIE PROBIEREN
Manhattan: Föhrer Cocktail aus Whiskey und Vermouth mit Kirsche – Tote Tante: heißer Kakao mit Rum oder Amaretto – Föhrer Lammfleisch: mit Ofenkartoffeln und Rosmarinsoße – Föhrer Krabbensuppe: aus frischen Nordseekrabben – Groodpöös: nordfriesische Gerstengrütze mit getrockneten Pflaumen und würzigem Kassler
Bei schönem Wetter, wenn die See das Tiefblau eines wolkenlosen Himmels spiegelt, zeichnet sich ein Bild südlicher Breite fast: Zurück liegt der schmaler werdende Küstenstreifen des Festlands, das weiße Fährschiff nimmt Kurs auf die Insel, deren Konturen sich schon gegen den Horizont abzeichnen.
Idyllisch heben sich kleinere Eilande wie Atolle aus dem Stahlblau der glatten Fläche. Doch die romantische Südsee-Impression zeigt sich nicht allzu oft: Wenn die Nordsee im Herbst mit geballter Kraft gegen die Ufer der nordfriesischen Inselgruppe Helgoland, Sylt, Amrum und Föhr brandet und die Brecher über die von mutigen Bauern bewirtschafteten Halligen fegen, ist kaum zu glauben, dass hier einmal Festland war. Seit Jahrhunderten haben Sturmfluten Land ins Meer abgezogen und nur noch wenige Reste als Inseln über der Oberfläche gelassen.
Am besten lässt sich der mit den Gezeiten schnell wechselnde Charakter der Insel auf einer Wanderung durch die Wattlandschaft erkunden, die als Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer auf der UNESCO-Weltnaturerbeliste steht. Zu Fuß kann man von Föhr nach Amrum hinüberlaufen, bei Ebbe natürlich, und aus gutem Grund nur mit einem ortskundigen Führer. Im Gegensatz zur Sylter Dünenlandschaft und den weiten Sandstränden Amrums präsentiert sich Föhr mit viel Weide- und Ackerland um große Bauerngehöfte, zu denen schmale Fahrwege führen, als grüne Insel, auf der mehr Kühe als Einwohner (8500) leben. Die vielen Pferde und eine seltene Seevogelwelt machen Föhr zu einem idealen Rückzugsort für Reiter wie Vogelbeobachter. Föhr hat sich viel an Ursprünglichkeit erhalten, auch wenn sein kleiner Flugplatz im Sommer von Hamburg, Westerland und Helgoland aus planmäßig angeflogen wird. Der bunte Fischereihafen und das putzige Kurhaus mit Promenade im Hauptort, dem Nordseebad Wyk, zeichnen ein geruhsames Bild. Wenn im Hafen ein Fährschiff anlegt, das wenig später Richtung Amrum oder Dagebüll ablegt, ist das hier fast schon eine Attraktion.
Infos und Adressen
ANREISE
Bahn: bis Fährbahnhof Dagebüll-Mole; Auto: Autofähre ab Dagebüll, www.faehre.de
BESTE REISEZEIT
ganzjährig
SEHENSWERT
Robbenzentrum. Einblick ins Leben der Robben. www.robbenzentrum-foehr.de
Seehundsbänke. Mit dem Ausflugsschiff oder geführter Wattwanderung; www.foehr.de
Walfängerort Nieblum. Malerische Gässchen, urige Kapitänshäuser und Friesendom St. Johannis (13. Jh.), Große Str. 4
Friesen-Museum in Wyk. Kapitänshäuser, www.friesen-museum.de
Nationalparkzentrum Wyk. Wattenmeer in allen Facetten. www.nationalpark-wattenmeer.de
ESSEN UND TRINKEN
Café Kohstall. Flair längst vergangener Zeiten. Jens-Jacob-Eschel-Str. 12, Nieblum, www.cafe-kohstall.de
Austernfischer. Restaurant im Duus-Hotel, Wyk. www.duus-hotel.de
Alt-Wyk. Landgasthaus in Wyk. Große Str. 4, www.alt-wyk.de
Schlemmerkate. In Wyk, Strandstr. 58
ÜBERNACHTEN
Ferienwohnungen und -häuser. Hotels und Bauernhöfe im aktuellen Gastgeberverzeichnis. www.foehr.de
WEITERE INFOS
Tourist-Information: Am Fähranleger 1, Wyk auf Föhr, www.foehr.de

Eine Wattwanderung ist eine kuriose, sehr lehrreiche Veranstaltung.

Die Seebrücke in Wyk heißt Besucher willkommen.
Ein besonderer Ausflug
DURCHS WATT NACH AMRUM
Die zweitgrößte Nordfriesische Insel, Föhr, liegt mitten im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer, seit 1819 hat sein Inselhauptstädtchen den Status eines Nordseebads. Neben Baden, Reiten, Radeln und Wandern zählt eine geführte Wattwanderung nach Amrum zu den abenteuerlichsten Aktivitäten. Das Durchwaten von verschlicktem Meeresgrund und Prielen beginnt in Dunsum auf Föhr. Über 10 000 Tier- und Pflanzenarten bevorzugen diesen einzigartigen Lebensraum. Strandkrabben flitzen um nackte Füße herum, die um Seeskorpione einen großen Bogen machen und auch nur ungerne auf Wattwürmer treten. Kurz vor Amrum versperrt ein tieferer Priel, das sogenannte Mittelloch, sicheren Grund und Boden, aber schon zeigen sich Amrums bis zu 30 Meter hohe Sanddünenkuppen, und die Überquerung der Seefläche ist fast geschafft. Da Ebbe und Flut alle sechs Stunden wechseln, geht es bei organisierten Tagestouren mit der Fähre zurück nach Föhr.
3 Von Flensburg nach Niebüll
Küstenwind an Ost- und Nordsee
HIGHLIGHTS
Salondampfer Alexandra. Rundfahrten auf dem historischen Museumsschiff ab Flensburgs Schiffsbrücke 22, www.dampfer-alexandra.de
Ochseninseln. Idyllisch liegen die dänischen Inselperlen inmitten der Flensburger Förde. www.ochseninseln.de
Emil-Nolde-Museum. Auf der Route zur Westküste, Stiftung Seebüll Ada und Emil Nolde, www.nolde-stiftung.de
Inselhopping nach Sylt. Mit dem Auto in 50 Minuten nach Niebüll oder Klanxbüll, vom Parkplatz auf den Zug und in 25 Minuten nach Westerland – Fahrradverleihe rund um den Bahnhof
DAS SOLLTEN SIE PROBIEREN
Birnen, Bohnen und Speck: auf Plattdeutsch »Beer’n, Bohn un Speck«, leckerer Eintopf mit Kartoffeln – Labskaus: durch den Wolf gedrehtes Hackfleisch aus Fisch mit Schwein oder Rind, dazu Rollmöpse und Spiegeleier – Schnüüsch: Gemüsesuppe in Milch gekocht – Grünkohl mit Pinkel: geräucherte, grobkörnige Grütz- oder Bregenwurst zu Grünkohl und Kartoffeln
Zur Rechten befindet sich das Seebad Glücksburg samt Halbinsel Holnis, Steilküste und Leuchtturm, zur Linken Nordfrieslands Westküste mit Sylt und jenseits der nördlichen Stadtgrenzen Dänemark mit noch mehr Stränden und Inseln. Aber nicht nur mit ihrer Lage kann die Fördestadt Flensburg trumpfen.
Man muss schon ein bisschen verrückt sein, alte Pötte wie diesen zu segeln: Wenn die »Olga« den Flensburger Museumshafen verlässt, hat der Skipper Nils mit dem Oldtimer, den er gerade steuert, alle Hände voll zu tun: Im Jahr 1887 aus Eichenholz gebaut, 27 Meter lang, 182 m2 Segelfläche – das ehemalige Frachtschiff ist schwergängig und nicht gerade einfach zu manövrieren.
Ein eisernes Ungetüm wie die »Alexandra« auf Hochdruck zu bringen, verlangt noch mehr Einsatz und Kraft: Der rustikale Veteranendampfer lief 1908 auf der Hamburger Schiffswerft Janssen & Schmielinsky vom Stapel und hat zwei Weltkriege überlebt. Im ersten dampfte sie als Transporter der Kaiserlichen Marine, im zweiten diente sie als Basis für Taucheinsätze vor Danzig. Gegen Kriegsende brachte die »Alex« durch Rettungsfahrten 4000 Flüchtlinge aus den gefährdeten Ostgebieten nach Swinemünde in Sicherheit. Wenn jetzt das letzte seegehende Passagierdampfschiff Deutschlands unter Dampf geht und zu pechschwarzen Rauchfahnen bei den Oldtimern des Flensburger Museumshafens die Segel hochgehen, wird die Flensburger Förde zu einem Bild längst vergangener Zeiten. Stattliche Kaufmannshäuser und Handelskontore aus der Hansezeit und eine sorgsam behütete Altstadt samt Hafen liefern dazu den historischen Rahmen.
Die Fußgängerzone zwischen Südermarkt mit Marienkirche und Nordermarkt mit schmucker Bürgerhausarchitektur
Flensburger Innenförde: Seglerromantik pur bei einer Regattaveranstaltung
Seebad Glücksburg und Leuchtturm
Seit 1852 kann das Seebad Glücksburg mit seinem berühmten Wasserschloss protzen, mit Promenade, Seebrücke und Strand sowieso. An Bilderbuchtagen ziehen schneeweiße Jachten aus Flensburgs zahlreichen Marinas Richtung Außenförde und genau hier, an Glücksburgs Dampfer-Anlegestelle, vorbei auf die offene Ostsee. Weiter geht es am Schausender Leuchtturm vorbei um die Halbinsel Holnis herum.
Die Natur hier ist so atemberaubend schön, dass sie beinahe schon kitschige Bilder aus Steilküsten, Bootsstegen und einsam gelegenen Stränden produziert. Holnis-Rundwanderer haben das Wasser immer vor Augen, das dänische Ufer grünleuchtend dahinter, Frachter und Passagierschiffe durchpflügen das Stahlblau der Ostsee.

Blick auf Strand, Dampferanlegestelle und Strandhotel an der Glücksburger Promenade
Zum Staunen und Erleben
BLICKE AUFS WASSER
Sommergästesegeln. Auf Traditionsseglern, einfachen Folkebooten oder Hochseejachten durchs Flensburger Segelrevier; malerische Küsten, Inseln und Strände liegen vor der Haustür. www.sommergaestesegeln.net
Schiffsfahrten. Neben der »Alexandra« und den Veteranenseglern des Flensburger Museumshafen bieten auch eine Reihe »normaler« Schiffe Ausflugsfahrten oder Linienverbindungen an. www.viking-schifffahrt.de, www.flensburger-faehr-betrieb.de, www.ms-moewe.net
Hof-Therme Meierhof. Exklusive Entspannung in der Hof-Therme des Alten Meierhofs in Meierwyk, wo nicht nur Altkanzler Gerhard Schröder als VIP im Gästebuch steht. www.alter-meierhof.de
Biken. Auf drei Touren unter dem Label »Flensburg Rad Rundum« lernt man die Stadt am Fjord von der Landseite her kennen. Begleitheft und Karte unter www.flensburg-tourismus.de
Radwandern. Immer am Wasser entlang führt der Ostseeküsten-Radweg, www.flensburg-tourismus.de
Auf der Holnis-Spitze, dem letzten Ende der Halbinsel, ziehen Salzwiesen als Rast- und Brutstätten sowohl See- und Zugvögel als auch Hobby-Ornithologen an, und dort auf der Terrasse des reetgedeckten Küstenlokals »Fährhaus« zu sitzen, bei Matjes und Flensburger Pils vom Fass, ist für Landratten Inbegriff maritimer Entspannung.
Autozug zwischen Niebüll und Westerland, der manch dicken Schlitten via Hindenburgdamm auf die Insel bringt.
Ein besonderer Ausflug
AB NACH SYLT
Wir verzichten auf den Nord-Ostsee-Radweg, der auf 66 Kilometern bis an die Deiche der Westküste führt, nehmen lieber den Wagen bis zum Parkplatz am Niebüller Bahnhof und sind nach einer kurzen Zugfahrt über den Hindenburgdamm schon auf Sylt! Einer der Fahrradverleihs vor Westerlands Bahnhof bringt uns in zehn Minuten auf komfortable Bikes, und ab geht die Post Richtung List. Alternativ bummeln wir gemütlich durch Westerland-City: die Fußgängerzone und die Strandpromenade entlang, wo viele Cafés und Restaurants mit frischen Meeresfrüchten und Blicken auf Dünen und Nordsee locken, schauen uns die schöne alte Dorfkirche St. Niels in Alt-Westerland und als Kontrast dazu das etwas protzige Kurhaus an, und, da noch Zeit ist, widmen wir auch dem Friedhof der Heimatlosen, der Mitte des 19. Jahrhunderts für am Westerländer Strand angetriebene Seeleute angelegt wurde, eine besinnliche halbe Stunde.
Nordisch nobel: »West Coast«
Auf der Fahrt Richtung Westküste, nach Niebüll, zieht reetgedeckte Bauernhausromantik auf Warften vorbei, fruchtbares Weideland krümmt sich am Horizont, jenseits der Deiche glitzern Siele und Watt. Die Straße wird schmaler, Tausende Besucher begegnen sich hier während des kurzen Sommers bei der Anreise zum Emil-Nolde-Museum. Nordisch nobel und im Einklang mit der Natur präsentiert der Farbkünstler dort seine Bilder. 1867 wurde Nolde in diese nordfriesische Welt geboren, die er malte, bis er starb. Nie konnte er sich wirklich von ihr trennen, bis heute nicht: Seit 1956 liegt er hier zusammen mit Ehefrau Ada begraben, nicht weit von seinem Haus und nahe genug bei seinen Bildern. Vor allem auch nahe genug an seinem Blumengarten, der hier, inmitten des monotonen Grüns umliegender Marschwiesen, so sehr exotisch wirkt.
Als Nolde 1927 erstmals auf die Warft Seebüll kam, um den Bauplatz zu besichtigen, notierte er begeistert: »Wir schauten nach dem Seebüllhof hinüber, nach den drei Großhallighöfen und dann nach Süden zu dem auf seiner Warft fest gelagerten Hülltoffhof mit den uns zugewandten beiden typisch friesischen weißen Scheunen. Nach Osten zu liegt Freesmark, dieser große Friesenhof mit seinem vielen Tiefland und Reet, und nordwärts die Höfe Freesott und Foggebüll.« Zwischen Klanxbüll, Diedersbüll, Emmelsbüll und Horsbüll hat sich die Einzigartigkeit des Farbenhimmels, den er hundertfach malte, bis heute nicht verändert.

Für Besucher und Fotografen ein Highlight: Glücksburger Wasserschloss
Infos und Adressen
ANREISE
Flug: ab Hamburg oder Kiel; Bahn: ab Hamburg; Auto: A4 über Hamburg
BESTE REISEZEIT
Frühjahr bis Herbst
SEHENSWERT
Schifffahrtsmuseum. Erlebnismuseum rund um die Flensburger Schifffahrtsgeschichte an der Schiffbrücke 39, Flensburger Hafen, www.schifffahrtsmuseum-flensburg.de
Museumshafen Flensburg. Ankerplatz am Hafenkai. Herrenstall 11, Flensburg, www.museumshafen-flensburg.de
Flensburger Brauerei. Seit 1888 ist das »Flens« in den typischen Bügelverschlussflaschen auf dem Markt. Brauereibesichtigung unter www.flens.de
Flensburgs Kirchen. Marienkirche (1248), St. Nikolai (1390), St. Johannis (1128), Heiliggeistkirche (1386)
Schloss Glücksburg. Entstanden ist das Postkarten-Wasserschloss zwischen 1582 und 1587 auf dem Grund des mittelalterlichen Zisterzienserklosters Rude. www.schloss-gluecksburg.de
ESSEN UND TRINKEN
Hansens Brauerei. Hausgebraute Biere und schmackhafte Gerichte in rustikaler Atmosphäre. Schiffbrücke 16, Flensburg, www.hansens-brauerei.de
Mäder’s Fischperle. Fisch täglich frisch auf den Tisch. Ballastkai 9, Flensburg, www.maeders.de
Restaurant Piet Henningsen. Fisch in der ehemaligen Seemannskneipe, seit 1886 am Flensburger Hafen. Schiffbrücke 20, www.restaurant-piet-henningsen.de
Restaurant Meierei Dirk Luther. Klassisch französische Küche im Alten Meierhof. Uferstr.1, Glücksburg, www.alter-meierhof.de
Roter Hof. Im Ambiente einstiger Kaufmanns- und Handwerkerhöfe. Rote Str. 14, Flensburg, www.roterhof.de
Viva. Tapas und mexikanische Küche, Mittagstisch. Rote Str. 15a, Flensburg, www.viva-flensburg.de
Gasthaus Marienhölzung. Gutbürgerliche Küche. Marienhölzungsweg 150, Flensburg, www.gasthaus-marienhoelzung.de
Porticus. Sehenswerte Altstadtkneipe in der Marienstr. 1, Flensburg

Flensburgs Innenförde mit Altstadt, Hafendamm und Marinen
SHOPPING
Rote Straße. Weinstuben, Galerien, Schmuck- und Designläden sowie Kunsthandwerkstätten beleben fünf alte Handelshöfe. www.rotestrasse.de
Norder- und Südermarkt. Die zwei historischen Stadtplätze voll urbanem Leben in Cafés, Restaurants und Bistros begrenzen den langgezogenen »Holm«, Flensburgs Fußgängerzone.
Holmpassage. Verglaster Einkaufstempel auf mehreren Ebenen im historischen Hofensemble mit Boutiquen, Lebensmitteln und Restauration
Flensburg Galerie. Kaufrausch in der Einkaufspassage. Holm 57–61, Flensburg, www.flensburg-galerie.de
Holm und Große Straße. Flensburgs Fußgängerzone ist mit seinen herrschaftlichen Bürgerhäusern und traumhaften Fassaden ein Highlight an sich. Ein lebhafter Einzelhandel macht die grenznahe Einkaufszeile zu einem quirligen Erlebnis.
ÜBERNACHTEN
Strandhotel Glücksburg. Das »weiße Schloss am Meer« an der Glücksburger Strandpromenade bietet skandinavisches Ambiente pur. Kirstenstr. 6, Glücksburg, strandhotelgluecksburg.de
Hotel Alte Post. Skandinavisches Design-hotel zentral in der Rathausstr. 2, Flensburg, www.ap-hotel.de
Hotel am Rathaus. Rote Str. 32, Flensburg, www.hotel-am-rathaus.com
Dittmers Gasthof. Im historischen Zentrum, Neumarkt 2–3, Flensburg, www.dittmersgasthof.de
Central Hotel. Im Herzen Flensburgs. Neumarkt 1, Flensburg, www.central-hotel-flensburg.de
WEITERE INFOS
Tourist-Information Flensburg: Rote Str. 15–17, www.flensburg-tourismus.de; TouristServiceCenter: Schlosshotel Glücksburg, www.gluecksburg.de
4 Von Kiel nach Schleswig
Immer am Wasser entlang

Die Schlei, ein bis zu 14 Meter tiefer Ostseefjord zwischen Angeln und Schwansen, ist ein ideales Segel- und Paddelrevier.
HIGHLIGHTS
Schleusenpark Kiel-Holtenau. Stellt die Verbindung zwischen Kieler Förde und Nord-Ostsee-Kanal her
Schwedeneck. Imposante Steilküste des Dänischen Wohld
Eckernförde. Kleine Hafenstadt mit langem Sandstrand, ca. 25 Kilometer von Kiel entfernt
Haithabu. Rekonstruierter Handelsplatz aus dem 9.–11. Jahrhundert mit großem Freigelände und Wikinger-Museum
Schloss Gottorf. Der größte historische Profanbau Schleswig-Holsteins (16./17. Jh.) beherbergt gleich zwei Landesmuseen (Archäologie, Kunst und Kulturgeschichte).
FESTE UND EVENTS
Kieler Woche. Seit 1882 finden im Juni internationale Segelregatten auf der Förde und ein beliebtes Volksfest an der Kiellinie statt. – Sprottentage. Jedes Jahr an einem Wochenende im Juli lockt das bunte Hafenfest mit Markt, Musik und Kleinkunst rund um die kleine Heringsart in Eckernförde.
Zwischen Kieler Förde und der Schlei, einem tief ins Land reichenden Ostseefjord, zeigt sich die Küste mit Kliffen und Naturstrand, dichtem Wald und dunklem Moor, weiten Feldern und vielen Hügeln besonders abwechslungsreich. Immer wieder stehen Hünengräber aus vorgeschichtlicher Zeit am Wegesrand.
Kiel wurde um und für das Wasser gebaut. Das zeigen heute die großen Fähren am Ostseekai und die vielen Segelareale. Ab 1871 war die Stadt Reichkriegshafen und die kaiserliche Flotte sollte von der Kieler Förde aus Deutschland Weltgeltung verschaffen – die Bundesmarine bevorzugt den kleinen Auftritt. Das ganze maritime Panorama lässt sich vom Dach des Rathauses (1911) genießen. Näher dran ist man an den Schleusen in Kiel-Holtenau. Dort kann man die Frachtschiffe, die in den Nord-Ostsee-Kanal oder die Förde fahren, fast berühren. Über die 1895 eröffnete Wasserstraße erfährt man einiges im Kieler Stadt- und Schifffahrtsmuseum.
Wanderwege mit genussreichem Fernblick erschließen die unverstellte Steilküste des Dänischen Wohld westlich des Bülker Leuchtturms. Durchlässe, z. B. in Stohl und Dänisch-Nienhof, führen an Naturstrände mit großen Findlingen und Millionen Kieseln. In Surendorf (Gemeinde Schwedeneck) wird die Küstenkante flacher und sandiger, genau richtig für ein entspanntes, kühles Bad. Mit einer langen Strandpromenade, nur einen Katzensprung von der Innenstadt, wartet Eckernförde auf. Moor, Weiden, »Knicks« (Heckenwälle) und Binnenseen wie das Windebyer Noor im Hinterland der kleinen Hafenstadt lassen sich gemütlich mit dem Fahrrad erkunden.
Die Schlei gehört den Seglern, deren Manöver man vom Stadthafen aus verfolgen kann. Die Altstadt ist ein wahres Schmuckstück. Die »Museumslandschaft« in und um Schloss Gottorf und die Wikingersiedlung Haithabu erzählen von Moorleichen, kunstsinnigen Herzögen und der bewegten Geschichte im deutsch-dänischen Grenzraum.
Infos und Adressen
ANREISE
Flug: nach Hamburg-Fuhlsbüttel, Airport-Bus nach Kiel; Bahn: IC bis Kiel oder RE über Hamburg Hbf.; Auto: über Hamburg A7/A215 oder A1/A21, weiter über B404 oder B76
SEHENSWERT
Kieler Stadt- und Schifffahrtsmuseum. In historischer Fischhalle und im Warleberger Hof. www.museen-am-meer.de
Bonbonkocherei. Bonbon-Schauküche. Frau-Clara-Str. 22, Eckernförde, www.bonbonkocherei.de
ESSEN UND TRINKEN
Kiel. Gaststätten, Bistros, Cafés am Alten Markt, um Schloss- und Holstenstraße
Eckernförde. Fischverkauf am Hafen, Restaurants und Cafés an Siegfried-Werft, Frau-Clara- und Kieler Straße
Schleswig. Außengastronomie am Rathausmarkt, Stadthafen und Holm
ÜBERNACHTEN
Hotel Siegfried-Werft. Zu einem kleinen Hotel mit Café-Restaurant umgebaute Schiffswerft direkt am Hafen, auch für Fahrradfahrer geeignet, Fußgängerbrücke zur Innenstadt. Vogelsang 12, Eckernförde, www.hotel-siegfried-werft.de
WEITERE INFOS
Tourist-Information Kiel: www.kiel-sailing-city.de
Schwedeneck Touristik: www.schwedeneck.de
Eckernförde Touristik: www.ostseebad-eckernfoerde.de
Tourist-Information Schleswig: www.ostseefjordschlei.de

Das Unterseeboot U-995 von 1943 am Strand von Laboe ist heute ein Museum.

Die Welt, wie das 17. Jahrhundert sie sah, auf der Außenseite des Globusnachbaus
Zum Staunen
GOTTORFER GLOBUS
Der Gottorfer Globus von Herzog Friedrich III. gilt als erstes Planetarium der Welt. Inmitten des barocken Terrassengartens von Schloss Gottorf in Schleswig ist das Wunderwerk aus dem 17. Jahrhundert wieder am ursprünglichen Ort zum Leben erweckt worden. Im Globushaus dürfen Besucher heute erleben, was früher schon begeisterte. Der russische Zar Peter der Große ließ sich den Riesenglobus 1717 als Geschenk einpacken. Auf der Außenseite des drei Meter großen begehbaren Modells von 2005 ist die damals bekannte Erdoberfläche abgebildet. Ins Innere gelangt man durch eine Luke und lässt auf einer Sitzbank acht Minuten lang das mit Sternbildporträts geschmückte Firmament an sich vorüberziehen. Bewegte sich der Originalglobus noch durch Wasserkraft, übernimmt dies heute ein Elektromotor. Über den Sternenhimmel reisen kann man von Mai bis Oktober im Rahmen einer Führung.
www.schloss-gottorf.de
5 Lübeck mit Travemünde
Die Königin der Hanse

Das mächtige Holstentor, einziges Stadttor von Lübeck, ist ein Überrest der Befestigungsanlagen der Hansestadt.
HIGHLIGHTS
Holstentor. Das trutzige Wahrzeichen Lübecks wurde 1464–78 erbaut, in den Türmen ist ein Museum untergebracht.
Dom. Erster großer Backsteinbau im Ostseeraum mit gewaltigem Triumphkreuz des Lübecker Meisters Bernt Notke
Buddenbrookhaus. Das 1758 erbaute Bürgerhaus erinnert an Heinrich und Thomas Mann; es kam 1841 in den Besitz der Familie.
Rathaus Lübeck. Blickfang des 1230 begonnenen Gebäudes, das noch heute Verwaltungsfunktionen ausübt, ist die Schauwand mit Schmuckbalkonen und drei Türmen.
Alter Leuchtturm. Das 31 Meter hohe Ziegelsteingebäude von 1539 dient seit 2004 als Museum für Leuchtfeuertechnik.
FESTE UND EVENTS
Travemünder Woche. Die zweitgrößte Segelsportveranstaltung der Welt mit Volksfest und Beachpartys wird jedes Jahr im Juli ausgetragen. – Nordische Filmtage. Das größte europäische Filmfestival für das nordische Kino findet in Lübeck im Oktober/November statt.
Lübeck war im Mittelalter dank der strategisch günstigen Lage an den Handelsrouten zwischen Ostseeraum und Westeuropa die wichtigste Hansestadt. Vom einstigen Wohlstand der Kaufleute zeugen markante Bauten der Backsteingotik wie das Holstentor. Mit feinen Sandstränden und modernen Kureinrichtungen verwöhnt das Ostseebad Travemünde.
Lübeck gelangte vor allem durch den Salzhandel zu Wohlstand. Zeugen der Blütezeit sind der Hafen, die stattlichen Patrizierhäuser und die vielen Kirchen. Von Weitem ist Lübeck an seiner Silhouette mit den sieben Kirchtürmen erkennbar. Die älteste Kirche ist der Dom, für den Heinrich der Löwe 1173 den Grundstein legte. Von der St.-Petri-Kirche bietet sich ein schöner Rundblick über die von Wasser umgebene Altstadt.
Mit dem doppeltürmigen Holstentor verfügt Lübeck über ein besonders schönes Eingangsportal in die Altstadt. In unmittelbarer Nähe stehen die alten Salzspeicher.
Viele repräsentative Gebäude Lübecks wurden im backsteingotischen Baustil errichtet. Weitere Beispiele finden sich am Marktplatz, der von der prächtigen Schaufassade des Rathauses flankiert wird. Gleich daneben befindet sich die St.-Marien-Kirche, die mit dem fast 40 Meter hohen Mittelschiff das höchste Backsteingewölbe der Welt besitzt. Als Ziel für Literaturinteressierte ist das Buddenbrookhaus gegenüber der Marienkirche ein Muss.
Lübecks schöne Tochter
Das seit 1329 zu Lübeck gehörende Travemünde verschaffte der Hansestadt einen ungehinderten Zugang zur Ostsee. Es zählt mit seinem breiten und langen Sandstrand zu den ältesten Ostseebädern (seit 1802) und bietet im Sommer Bade- und Strandvergnügen. Auf der leicht erhöht angelegten, 1,7 km langen Strandpromenade flaniert man vom Alten Leuchtturm vorbei an Cafés und Geschäften bis zur spätgotischen St.-Lorenz-Kirche.
Von der Strandterrasse aus hat man einen herrlichen Blick über die Lübecker Bucht.
Infos und Adressen
ANREISE
Bahn: IC und ICE bis Lübeck Hbf., Regionalbahn bis Travemünde; Auto: A7 von Norden und Süden, A1 von Westen, A20 und A24 von Osten
BESTE REISEZEIT
Frühling, Frühsommer und Herbst
SEHENSWERT
Europäisches Hansemuseum. Zum Museumsareal in der Altstadt gehört auch das Burgkloster. An der Untertrave 1, www.hansemuseum.eu
Viermastbark Passat. Der 1911 gebaute Kap-Horn-Segler gehört zu den maritimen Wahrzeichen von Travemünde. Am Priwallhafen 16a
ESSEN UND TRINKEN
Haus der Schiffergesellschaft.
Regionale Küche im Treppengiebelhaus der Bruderschaft der Kapitäne. Engelsgrube 1–17, Lübeck, www.schiffergesellschaft.com
Buddenbrooks. Sternerestaurant im alten Kurhaus von Travemünde. Außenallee 10, resort.a-rosa.de/travemuende/kulinarik/buddenbrooks-restaurant
Café Niederegger. Stimmungsvolle Konditorei der Marzipandynastie, mit Marzipanmuseum. Breite Str. 89, Lübeck, www.niederegger.de
ÜBERNACHTEN
Klassik-Altstadt-Hotel. Historisches Stadthaus im Zentrum von Lübeck. Fischergrube 52, www.klassik-altstadt-hotel.de
Landhaus Bode. Kleines schmuckes Hotel in Strandnähe, gutes Restaurant. Fehlingstr. 67, Travemünde, www.landhaus-bode.de
WEITERE INFOS
Gute Informationen über Lübeck und Umgebung: www.luebeck-tourismus, de, www.travemuende-tourismus.de

Alter Leuchtturm in Travemünde

Von der Trave bietet sich ein reizvoller Blick auf Marienkirche und Petrikirche.
Ein besonderer Ausflug
LÜBECK ZU WASSER
Lübecks Altstadt ist wie eine Insel vom Wasser der Trave umflossen. Auf einer Hafen- und Kanalrundfahrt mit dem Passagierschiff oder einer Barkasse lernt man die Sehenswürdigkeiten der alten Hansestadt aus einer ganz anderen Perspektive kennen. Besonders schön präsentiert sich die berühmte Stadtansicht mit den sieben Kirchtürmen. Die rund einstündige Fahrt führt an den Resten der Befestigungsanlagen und historischen Altstadthäusern entlang, unter Brücken hindurch, vorbei am mächtigen Dom und dem pittoresken Gängeviertel. In Höhe des Malerwinkels, der kleinen Grünanlage am Westufer der Trave, fällt der Blick auf die geschlossene mittelalterliche Bebauung der südwestlichen Altstadt. Im Oldtimerhafen haben mehr als hundertjährige Segelschiffe ihren Ankerplatz. Die Ausflugsschiffe legen von März bis Oktober mehrfach täglich an den Anlegern an der Musik- und Kongresshalle und an der Holstenbrücke an der Untertrave ab.
6 Rügen und Hiddensee
Ostseeträume
HIGHLIGHTS
Seebrücke Binz und Promenade. Der 370 Meter lange »Highway to Heaven« macht den Blick auf den Binzer Laufsteg (die Flaniermeile), die pompöse Kurhausarchitektur und die Strandvillen von der Seeseite her möglich.
Rasender Roland. Eine Küstenwanderung zur Selliner Seebrücke, der längsten auf Rügen, wird mit einer Rückfahrt im historischen Dampfzug perfekt. www.ruegensche-baederbahn.de
Hiddensee. Auf den Spuren des Romanhelden Ed Bendler von Kloster über den Klausner bis zum Leuchtturm auf der Inselnordspitze schlendern
Ostseebad Sellin. Eine prachtvolle Bäderarchitektur baut sich vor der 30 Meter hohen Selliner Steilküste auf; die 394 Meter lange Seebrücke wurde 1927 gebaut.
DAS SOLLTEN SIE PROBIEREN
Rügener Fischsuppe: ein Gedicht aus Dorsch, Kartoffeln, Möhren, Zwiebeln, Sellerie und Porree – Gebratene Fischklopse Saßnitzer Art: Fischfilet durch den Wolf gedreht, mit Eiern, Gewürzen und Semmelmehl zu Klößen geformt, in Öl gebraten – Brathering: an jedem Fischimbiss zu haben, mit saftigen Zwiebelringen auf Brötchen
Hereinspaziert in die Strandvillenpracht! Das Architektur- und Sandwunder Binz stellt seine einzigartige Bäderarchitektur aus, die sogar Rügens weltberühmte Steilküste aus Kreide noch toppt – und den Rasenden Roland. Natürlich lässt es sich im feinen Bäderstil der Binzer Strandherbergen perfekt abtauchen.
Der Nachkomme eines Wilhelm Klünders, der ab 1880 Erbauer der Villa Klünder an der Promenade von Binz war, ist ausgerechnet ein drahtiger Bayer, heißt Michael Gronegger, und war, bis der merkwürdige Brief kam, weitgehend ahnungslos, aber 1995 gehörte ihm plötzlich das Haus. »Rückübertragung« nannte man das nach der Wende, die eine vollkommen verwahrloste Bausubstanz sowie ungeklärte Besitzverhältnisse mit sich brachte. Nach der überraschenden Post fuhren die Groneggers hinauf in den Norden und bestaunten die in DDR-Zeiten verfallene Jugendstilpracht, bevor sie das Erbe ihrer Mutter, einer Cousine der verstorbenen Klünder-Tochter, annahmen und ihren Wohnsitz für immer nach Rügen verlegten. Heute erstrahlt das Haus Klünder mit den für Binz typischen Holzveranda-Vorbauten, die durchweg als Sommerresidenzen für Feriengäste dienen.
»Betuchte Besucher kamen früher mit der Dampfeisenbahn direkt aus Berlin, über die Brücke«, erzählt Ortsführer Klaus Boy, »die Märchenbuch-Villen mit ihren opulenten hölzernen Anbauten waren ein Lockmittel: Je schöner und größer und kunstvoller die Zimmermannsarbeit war, desto besser funktionierte die profitable Vermietung.« Im September, dem Monat der Bäderarchitektur, öffnen viele der schönen privaten Stranddomizile ihre Pforten für das normale Publikum, die gewerblichen sind sowieso das ganze Jahr über zu bestaunen. Ein Beispiel ist die feine Villa Salve, Baujahr 1899. Im Salve-Seerestaurant speist Angela Merkel gern, wenn sie wieder einmal auf Stippvisite in ihrem Wahlkreis ist.
Die Kreidefelsen der Halbinsel Jasmund sind eine der schönsten deutschen Küstenlandschaften und Teil des Nationalparks Jasmund.
Das nunmehr 100-jährige Kurhaus Binz an der Strandpromenade ist heute ein Luxushotel.
Ein Muss ist die Fischräucherei Kuse am Ende der Binzer Promenade, zwischen Waldrand und anbrandenden Wellen: Schillerlocken, Makrelenfilets und Räucheraal kommen hier frisch vom Fangboot auf den Tisch. Wer es weniger rustikal mag, wechselt in die »Strandhalle« schräg gegenüber, die zu Kaiser Wilhelms Zeiten als Winterlager für Strandkörbe diente – und im Sommer als feines Restaurant, wo sich die vornehmen Herrschaften zwangsläufig zum abendlichen Dinner einfanden, weil die hübschen Binzer Gästehäuser nur auf Frühstück eingestellt waren. Heute zählt die Binzer Strandhalle aufgrund ihres einzigartigen Ambientes zu den nachgefragtesten Gastronomieperlen der Insel. Und natürlich gibt es auf Rügen jede Menge Strände, endlose, sowie die berühmten Caspar-David-Friedrich-Motive, die Felsen aus Kreide, opulente Schlösser und Residenzen, außerdem den Rasenden Roland, der als Dampfzug immer noch fährt.

Hochbetrieb hat die Strandbar neben der Seebrücke von Binz praktisch immer.
Zum Genießen
INSULARE DRINKS
Wenn der Barkeeper der Villa Nixe einen Cocktail nach geheimer Rezeptur mixt, ist das ganz sicher der niXenCocktail. Der Misch-Drink begeisterte Binzer Gäste schon vor 100 Jahren. In der Bar des Loev Hotels kann man mit Cocktails aus der Zeit der amerikanischen Prohibition auf Zeitreise gehen. Das Finale einer solchen historischen Cocktailrunde könnte im Haus Colmsee stattfinden: Zur Seeseite befand sich hier früher Mampes Gute Stube, wo Mampe-Mixgetränke, gemischt aus dem berühmten Berliner Likör Mampe Halb und Halb, serviert wurden. Dabei könnte die alte Zeit ziemlich flott wieder lebendig werden. Wer damals zu viel probierte, holte sich am nächsten Tag den Rat des Badearztes, der nicht nur wusste, wie man sich streng getrennt nach Damen und Herren »der Lust des Badens hingab«, sondern auch, wie die Folge von zu viel Alkoholgenuss zu beheben war. Wer kein Risiko in Sachen Binzer Drinks eingehen mag, bleibt am besten beim traditionellen Störtebeker, gebraut in Stralsund, oder probiert eines der Spezialbiere der neuen Rügener Insel-Brauerei.
Als architektonisches Mahnmal früherer Zeiten ragt das Jagdschloss aus der Granitz.
Ein besonderer Ausflug
WANDERUNG ZUM JAGDSCHLOSS GRANITZ
Vor dem »Haus des Gastes« der Binzer Kurverwaltung geht es los in die Granitz, die eines der größten zusammenhängenden Waldgebiete Rügens und ein wunderschönes Naturschutzgebiet ist. Nach steilem Bergauf zeigt sich bald der Granitzer Buchenbestand und nach einigen Kilometern Waldwegen die Zufahrtsstraße zum Jagdschloss: Türme und Zinnen ragen so unvermittelt hoch und beinahe kitschig auf, als sei es eine Filmkulisse. Fürst Wilhelm Malte I. von Putbus beauftragte die Architekten Karl Friedrich Schinkel und Johann Gottfried Steinmeyer mit dem Bau, der seit 1852 auf dem höchsten Punkt der Granitz, dem Tempelberg, thront. Hauptattraktion der Räumlichkeiten im Stil des Historismus ist ein Meisterwerk der Eisengießkunst, die gigantische selbsttragende Turmwendeltreppe. Der Blick von der Aussichtsplattform auf dem Dach des 38 Meter hohen Aussichtsturms ist bombastisch! Zurück geht’s mit dem Rasenden Roland, der nahe dem Jagdschloss hält.
www.mv-schloesser.de
Die Welt des Ed Bendler
Es ist eine gemütliche Tagestour zum benachbarten Hiddensee hinüber, das die Kulisse in Lutz Seilers Roman Kruso stellt, der das weit abgelegene Hiddensee-Inselchen zu Zeiten des DDR-Regimes als menschlichen Fluchtpunkt beschreibt, und auf tiefgründige Weise die damalige Lebenswirklichkeit aufzeigt. Auf den Spuren des Protagonisten Ed Bendler zu wandern und die Schauplätze des preisgekrönten DDR-Romans nachzuempfinden, funktioniert über den Rügener Fährhafen Schaprode. Von dort legt das Boot ab nach Kloster, dessen putziges Kirchlein zwischen 1332 und 1536 ein Zisterzienserkloster nutzte. Nur 40 Minuten dauert die Fahrt.
Künstler und Schriftsteller ließen sich durch die idyllische Naturlage inspirieren, auch der Nobelpreisträger Gerhart Hauptmann, der in seinem Sommerhaus im Kirchweg 13 residierte. Von Kloster führt ein Pfad zum Leuchtturm, der weithin sichtbar an der Nordspitze der Insel vorbeiziehenden Schiffen seit 1888 den Weg markiert. Auf halber Spazierstrecke zeigt sich der Gasthof Zum Klausner. In genau diese Kneipe, die sich zwischen dichtem Tannholz und Dornbusch versteckt und beinahe das Ende der Welt ist, hat es die Romanfigur Ed Bendler verschlagen.
Einen Steinwurf entfernt donnert die Brandung an die 60 Meter hohe und vier Kilometer lange Steilküste wie im Buch. Das Gasthaus, der Biergarten, ein paar lieblich-romantische Holzhäuschen im Schatten der Bäume, die für ein paar stille Tage im Abseits zu mieten sind, und die Geschichte lässt sich im Kopf gleich rekonstruieren. Dann spielt die Leserfantasie an diesem seltsamen Ort in Sichtweite des Leuchtturms noch einmal verrückt.

Der Blick vom Turm des Jagdschlosses Granitz geht weit über das flache Land.
Infos und Adressen
ANREISE
Flug: Süddeutsche Flughäfen bieten Verbindungen nach Rostock-Laage an, per Mietwagen ist Rügen dann ein Katzensprung. Bahn: via Rostock oder direkt nach Binz; Auto: Aus dem Süden über Hamburg–Lübeck–Rostock nach Rügen, aus Berlin/Ostdeutschland über Rostock; Schwerin und Wismar sind gute Stopover.
BESTE REISEZEIT
Spätes Frühjahr und Frühherbst: Im Herbst sind die Badetemperaturen meist noch passabel, die Sonnenscheindauer oft optimal und die umtriebige Ferienzeit vorbei.
SEHENSWERT
Kap Arkona. Die 45 Meter hohe Steilküste der Halbinsel Wittow beherbergt am nördlichsten Kap Rügens zwei Leuchttürme, einen Peilturm, zwei Militärbunker, die Jaromarsburg sowie Restaurants, Cafés und Souvenirläden.
Nationalpark Jasmund. Caspar David Friedrichs Gemälde aus dem Jahr 1818 verschaffte Rügens Kreideküste Weltruhm, das Wahrzeichen Rügens ist der Königsstuhl, ein 118 Meter hoher Kreidevorsprung.
Prora. Hitlers »Bad der Zwanzigtausend« zwischen Binz und Sassnitz ist ein fast sechs Kilometer langer Baukomplex in feinster Strandlage, der gerade saniert wird.
ESSEN UND TRINKEN
Nixe. Der unterirdische Fresstempel des Designhotels Nixe verfeinert pommersche Küche mit asiatischen Aromen. Strandpromenade 10, Binz, Rügen, www.nixe.de
Brasserie Villa Salve. Frischer Fisch und Steaks mit Zutaten aus hochwertigen regionalen Produkten machen das Restaurant der edlen Jahrhundertwende-Villa zu einem speziellen Erlebnis. Strandpromenade 41, Binz, Rügen, www.salve-binz.de
NEGRO. Kulinarische Tiefe verspricht das NEGRO im ersten Designhaus am Platz. Drinnen präsentiert das Ceres ein tolles Ambiente, draußen seine Seeterrasse mit Blick. Strandpromenade 24, Binz, Rügen, www.ceres-hotel.de

Hiddensee: mit der Pferdekutsche von Kloster nach Grieben
SHOPPING
Kunsthandwerk. »Kunstmeile Binz« nennt sich die Straße der Künstler und Kleinhandwerker, die eigentlich die Margaretenstraße ist. Eine Reihe Galerien, Werkstätten und Kunstläden bieten hier Keramik, Malerei, Glaskunst und Produkte aus Gold- und Silberschmieden an.
ÜBERNACHTEN
Designhotel Ceres. Liebhaber moderner Exklusivität sind in diesem Hotelbau an der Strandpromenade erstklassig bedient, mit Senso-Spa & Restaurant. Strandpromenade 24, Binz, Rügen, www.ceres-hotel.de
Designhotel Nixe. Der umgebaute Jugendstilbau aus dem Jahr 1903 empfängt seine Gäste zwischen Binzer Kurpark und Strandpromenade, von der Terrasse in Eins-a-Lage lässt sich der Sonnenaufgang zum Frühstück auf formidable Weise genießen. Strandpromenade 10, Binz, Rügen, www.nixe.de
Kurhaus Hotel Binz. Etwas old-fashioned, aber prächtig mit viel Plüsch erinnert das Binzer Kurhaus an längst vergangene Zeiten. Strandpromenade 27, Binz, Rügen, www.travelcharme.com
Villen der Bäderarchitektur. Eine Liste der Gästehäuser und Pensionen hält die Kurverwaltung bereit. www.ostseebad-binz.de
WEITERE INFOS
www.ostseebad-binz.de, www.ruegen.de, www.seebad-hiddensee.de

Abwärts geht’s immer: Tauchglocke an der Seebrücke von Sellin
7 Usedom
Baden wie ein Kaiser
HIGHLIGHTS
Usedomer Musikfestival. Ostsee-Klassik in Kirchen, Schlössern, Villen, Galerien und den stilvollsten Hotels der drei Kaiserbäder; www.usedomer-musikfestival.de
Seebäder-Hopping. Die Usedomer Bäderbahn (UBB) fährt zwischen Peenemünde und dem polnischen Swinemünde alle Seebäder entlang der Ostseeküste ab. www.ubb-online.com
Bäderarchitektur. Im September gibt es in der »Woche der Bäderarchitektur« einen Blick hinter die schönsten Kulissen von Klassizismus und Jugendstil. www.drei-kaiserbaeder.de
Universitäts- und Hansestadt Greifswald. Die Geburtsstadt des bedeutendsten Malers der deutschen Romantik präsentiert neben ihrem Caspar-David-Friedrich-Zentrum das preisgekrönte Bauensemble des Pommerschen Landesmuseums unweit Usedoms.
DAS SOLLTEN SIE PROBIEREN
Hechtsuppe: Diese Delikatesse kommt mit Weißwein, Safran und Piment. – Königsberger Kochklopse: Geschabtes von Rind und Schwein, Milchbrot, Eier, Käse, Kartoffeln, Pfeffer und Salz, serviert mit Kapern-Sardellensoße
Der Prunk des Berliner Geldadels gepaart mit der wilden Schönheit Usedomer Strände hat im 19. Jahrhundert die drei Kaiserbäder Heringsdorf, Ahlbeck und Bansin erschaffen. Für kaiserliche Hauptstädter ließen sich die begehrten Ostseeperlen in wenigen Stunden erreichen. Auch heute empfiehlt sich die bequeme Anreise mit der Bahn.
»Wen wundert’s«, meint der waschechte Ahlbecker Jörg Gleissner beim Bummel an den Villen der Heringsdorfer Strandpromenade entlang, »dass es Leute wie Heinz Rühmann, Theodor Fontane und Heinrich Mann hierher zog!« Auch Heinz Mielke, Markus Wolf und viele andere prominente DDR-Größen kamen sehr gerne in das exklusivste der drei Ostseebäder, nach Heringsdorf. Von dem es heißt, dass die weniger begünstigten sozialen Schichten aus den viel preiswerteren Strandbädern Ahlbeck und Bansin eigens für einen Tag herüberkamen, um Ansichtskarten mit Poststempel aus Heringsdorf nach Hause zu schicken, um bei den Lieben daheim ein bisschen zu prahlen.
Villa Hintze, St. Hubertus, Oasis, Schmiedehaus und Fontane-Haus heißen die prächtigen Villen an der Promenade, Heinrich Mann und Engelbert Humperdinck bevorzugten das noble »Strandhotel« gleich daneben. »Damals, zu Kaiser Wilhelms Zeiten«, weiß der Inhaber des Heringsdorfer Aktionsrestaurants »Stellwerk« zu erzählen, »sonnte sich die Frau Geheimrätin mit ihren Töchtern am Strand, und der Herr Papa reiste aus Berlin nur fürs Wochenende an!« Mit 1906 Sonnenstunden im Jahr gilt Usedom als die Sonneninsel Deutschlands, auf 42 Kilometer feinen Sandstrand kommt Europas längste Strandpromenade!
Praktisch eine eigene Insel, denn ohne Überquerung des Burggrabens geht nichts: Mellenthiner Wasserschloss
Die 1882 errichtete Seebrücke Ahlbeck, älteste Seebrücke Deutschlands.
Viel Action im Wasserschloss
Wenngleich heute Besucher aus allen Teilen der Republik anreisen, sind die Kaiserbäder immer noch fest in hauptstädtischer Hand: Aus dem Herzen der Metropole fährt die Bahn die Berliner praktisch direkt bis auf den Strand! Aber auch zwischen Usedom-Stadt und den kilometerlangen Sandstränden der drei Kaiserbäder ist auf der Insel mächtig was los. Ein Horrorgeselle in grell leuchtenden Phosphorfarben springt verschreckten Gästen als Knochengerippe aus dem Dunkel in den Weg, ein Schrei, jemand packt deinen Arm – aber es ist nur der Chef selbst, der zufrieden grinst: »Heut’ ist hier Geisterabend!«
Caféhaus-Terrasse im Burghof
Besondere Ausflüge
BÄDERTOUR
Seebad Ahlbeck. Jugendstilbauten und natürlich wirkende Promenade; der Ort kann seit 1882 mit der ältesten und schönsten Seebrücke punkten; www.drei-kaiserbaeder.de
Seebad Heringsdorf. Die längste Seebrücke Deutschlands (508 m); Muschelmuseum, Wachsfigurenkabinett, Kino, Disco, Boutiquen und Shops. www.drei-kaiserbaeder.de
Seebad Bansin. Prachtarchitektur an der Promenade; Fischerkaten und Räuchereien locken zwischen Gothensee, Krebssee und Schloonsee. www.drei-kaiserbaeder.de
Seebad Ückeritz. Klein und gemütlich abseits der großen Seebäder, romantische Strandwege zwischen Kiefern. www.ueckeritz.de
Ostseebad Koserow. Beeindruckende Steilküste, unten die anbrandende See und hübsche Geschäfte. www.seebad-koserow.de
Ostseebad Zinnowitz. stilvolles Ostseestädtchen, tolle Jahrhundertwendebauten, Bernsteintherme. www.zinnowitz.de
Was für eine Geschichte: Jan Fidora aus Ostwestfalen hat es vom Tellerwäscher zum jüngsten Schlossherren der Republik gebracht und das steinalte Usedomer Gemäuer Schloss Mellenthin nach der Wende ziemlich einfallsreich aus dem Dornröschenschlaf geweckt. Der gelernte Hotelfachmann, Brauer und Mälzer erfand nach der aufwendigen Sanierung den Übernachtungs- und Vergnügungsbetrieb »Schlosshotel«, der mit zwei Restaurants, Privatbrauerei, Kaffeerösterei, der schlosseigenen Bäckerei (Torten und Waffeln sind hier die nachgefragtesten Produkte) und einer finnischen Wellnessabteilung im Hinterland der Insel Usedom ein Geheimtipp ist.
Eine Skulptur im lauschigen Garten der Otto-Niemeyer-Holstein-Gedenkstätte in Lüttenort, Achterwasser
Zum Staunen
AUF DER SUCHE NACH INSPIRATION
Der Film läuft: Ihn habe die Lage zwischen Ostsee und Achterwasser (die dem Festland zugewandte und fast ganz von Land umschlossene Bucht) so sehr fasziniert, erzählt Otto Niemeyer-Holstein, während er vor der Staffelei in seinem Atelier sitzt und Pinselstriche setzt – es wird ein Winterbild, Usedomer Strand heißt es, 1964, Öl auf Pappe. Exakte Naturbeobachtung prägte den Vertreter des Expressiven Realismus, und die Ostsee war sein Thema. Von der »Usedomer Malschule« angefangen bis zur Akademie der Künste inklusive Professorentitel liest sich die Biografie des berühmten DDR-Malers wie die eines intellektuellen Aussteigers, und hier, in »Lüttenort«, an der schmalsten Stelle Usedoms, hatte sich der Künstler ein Refugium geschaffen. Die Anfahrtsbeschreibung spricht für sich: »Über den Rad- und Wanderweg auf dem Ostseedeich am Sturmflutkanal abbiegen, und zu Fuß weiter zum Forsthaus Damerow.« Von dort über den Parkplatz, durch saftige Wiesen, Segelkutter ankern neben dem Museum.
www.atelier-otto-niemeyer-holstein.de
Aus der herrlich stillen Naturlage sind auch die exklusiven Usedom-Strandperlen Bansin, Heringsdorf und Ahlbeck in nur 15 Minuten zu erreichen, was das Wasserschloss Mellenthin mit seinem Aktivprogramm vor allem für Familien mit Kindern zum idealen Urlaubsort macht. Tagesausflüge ins polnische Swinemünde, zur historischen Universitätsstadt Greifswald sowie zur Ostseestadt Stralsund, die samt Segelschulschiff Gorch Fock auf der UNESCO-Kulturerbeliste steht, sind Teil eines täglich wechselnden Aktionsprogramms, das bei Jung und Alt keine Langeweile aufkommen lässt.
Pommersche Kulinarik
Das seit der Wende stark in Szene gesetzte Prominentenseebad Heringsdorf hat aus der guten alten Zeit nicht nur den einzigartigen Villenbestand des altdeutschen Geldadels hinterlassen, sondern auch den kaiserlichen Wartesaal im klassizistischen Alten Bahnhof, Baujahr 1894. Dieser war damals der zentrale Treffpunkt für Kofferträger, Pferdekutscher und Kohlenschlepper und ist heute als »Stellwerk« ein architektonisches Kulturerbe. In seinem ausgeflippten Restaurant zelebriert der Erfinder des kulinarischen Wartesaal-Happenings, Küchenmeister Jörg Gleissner, am liebsten pommersche Rezepturen, zum Beispiel »Königsberger Kochklopse nach Art des Hauses Stifter von Königsberg aus dem Jahr 1822«. Hering mit Schokoladenüberzug ist ein Renner, auch Pamuckel, Hümpfe und Honigkrebsfleisch gelten als nachgefragte Delikatessen – die übrigens auf den Waggons einer Modelleisenbahn an den Tisch reisen, durchs historische Ambiente des Stellwerks. Und natürlich war Johann Lafer, der berühmteste Koch der Nation, auch schon hier, Hörfunk und Fernsehen sowieso. Im richtigen Leben, also draußen vor dem Stellwerk, laufen immer noch Züge aus der Hauptstadt im Alten Bahnhof ein, während drinnen gerade ein Mini-Güterzug mit zwei frischgezapften Störtebeker Weizen an den Tischen vorbeirattert.
Infos und Adressen
ANREISE
Flug: von verschiedenen süd- und westdeutschen Flughäfen nach Usedom, www.flug-usedom.de; Bahn: Zugverbindungen über Berlin direkt nach Heringsdorf; Auto: aus Süddeutschland über Berlin
BESTE REISEZEIT
Spätes Frühjahr und Frühherbst. Wettermäßig sind gewöhnlich Juni und September am besten.
SEHENSWERT
Golm. Naturschutzgebiet und Gedenkstätte für 20 000 Opfer des Bombenangriffs auf Swinemünde 1945; Panoramablick von der Aussichtsplattform bis nach Swinemünde. www.golm-usedom.de
Swinemünde. Einfach in der Bäderbahn sitzen bleiben bis Endstation Świnoujście. www.swinoujscie.pl/de
Atelier Otto Niemeyer-Holstein. Zwischen Koserow und Zempin versteckt sich das Atelier-Museum des Malers (1896–1984) mit Wohnhaus, Werkstatt und Bildergalerie. www.atelier-otto-niemeyer-holstein.de
ESSEN UND TRINKEN
Stellwerk. Schon das Interieur des einstigen kaiserlichen Wartesaals im Alten Bahnhof von Heringsdorf ist ein Augenschmaus, und die altpommersche Küche ein Genuss! Wilhelmstr. 1, Heringsdorf
Kulm-Eck Heringsdorf. Aus frischen und regionalen Produkten kreiert der Sternekoch Tom Wickboldt kulinarische Genüsse der Extraklasse. Kräuter und Blüten liefert die Kräuterspezialistin Ina Schirmer. Kulmstr. 17, Heringsdorf, www.kulmeck.de
Kulinarische Events. Usedomer Heringswochen im Frühjahr; Grand Schlemm im Mai (www.grandschlemm.de); Krumminer Hafendinner im August; Usedomer Wildwochen im Herbst sowie Küchenparty im Grandhotel Steigenberger, das Walking Dinner im Heringsdorfer Strandhotel Ostseeblick u. v. m.
SHOPPING
Kunsthandwerk. Keramik, Töpferei, Schmuckdesign, Bernstein, Schafwolle und Filz, Gewebtes und Naturmode sowie regionale Literatur und Malerei bieten die Seebäder in schmucken Promenadengeschäften an.

Auch für Biker bildschön, aber Endstation: der Heringsdorfer Strand
Freester Fischerteppiche. Die handgeknüpften Wandbehänge aus den 1920er-Jahren sind ein begehrtes Usedom-Mitbringsel – selbst knüpfen oder kaufen im Gut Mölschow.
Mellenthiner Keramikmanufaktur. Gleich neben dem Wasserschloss stellt Töpferin Susi Erler traditionelle pommersche Gebrauchskeramik her.
Strandkorbfabrik Heringsdorf. Das älteste Korbwerk Deutschlands führt bis heute das Traditionshandwerk fort und liefert bis in den heimischen Garten. www.strandkorbfabrik-heringsdorf.de
ÜBERNACHTEN
Wasserschloss Mellenthin. Schlossallee 5, Mellenthin, www.wasserschloss-mellenthin.de
Bansiner Hof. Direkt an der Promenade in Traumlage. Strandpromenade 27, Bansin, www.bansiner-hof.de
Usedom Palace. Fünf Sterne und architektonisch ein starker Auftritt! Im Seebad Zinnowitz. Dünenstr. 8, www.usedom-palace.de
Steigenberger Grandhotel & Spa. Luxus direkt an der Promenade Heringsdorf, mit Kids-Club und Baltic Sea Grand Spa. Liehrstr. 11, Heringsdorf, www.heringsdorf.steigenberger.de
Ahlbeck Hotel & Spa. Boutiquehotel an der Ahlbecker Promenade, die Adresse (Dünenstraße) spricht für sich. Dünenstr. 48, Ahlbeck, www.das-ahlbeck.de
Dünenhäuser Nautic. Romantische Domizile direkt am Strand des Seebads Ückeritz. Triftweg 4, Koserow, www.nautic-usedom.de
Ferienhäuser und -wohnungen. Alle Preisklassen und Erscheinungsformen vermittelt die Buchungszentrale der Insel Usedom. www.usedom.de
WEITERE INFOS
Usedom Tourismus: Waldstr. 1, Seebad Bansin, www.usedom.de
Kaiserbäder: www.drei-kaiserbaeder.de
8 Fischland-Darß-Zingst
»Seele freistrampeln« auf der Ostseehalbinsel
HIGHLIGHTS
Ahrenshoop. Die Hauptstraße teilt den beliebten Künstlerort in eine Ostsee- und eine Boddenhälfte, lauschige Pfade zweigen in verwunschene Märchengefilde ab. www.ostseebad-ahrenshoop.de
Fahrrad-Tagestouren. Von Ahrenshoop durch den Darßer Wald nach Prerow, über Darß und Wiek an den Ufern des Bodstedter und Saaler Bodden zurück; oder vom Seebad Zingst bis nach Pramort und zurück.
Pferdekutschfahrt. Empfehlenswert ist die Tour von Prerow bis Leuchtturm Darßer Ort (Besuch des Natureums), zurück zu Fuß durch den Darßer Wald.
Segeltörn. Mit ihren rotbraunen Segeln gehörten die »Zeesenboote« zum Erscheinungsbild der Boddengewässer, heute darf man auf restaurierten Exemplaren mitsegeln. www.ostseebad-wustrow.de
DAS SOLLTEN SIE PROBIEREN
Zander auf Birnen, Bohnen und Speck: mit Senfbutter, Bohnenkraut und Pumpernickel-Croutons – Aale, frisch aus dem Rauch: mit Schwarzbrot und einem eiskalten Köm – Backfisch im Brötchen: mit Remouladensoße und Zwiebeln ein Gedicht!
Zwischen Graal-Müritz, dem Leuchtturm Darßer Ort und Pramort ist die Ostseehalbinsel mit dem merkwürdigen Namen ein maritimes Drahteselwunderland. Aber auch ohne Fahrrad funktioniert »Seelefreistrampeln« in dieser so sehr anderen Welt sofort: Sand, Wind und Wasser heißt hier die Zauberformel für Körper und Unruhegeist.
Um das wirklich zu verstehen, muss man 142 Stufen hinauf – bis zur Aussichtsplattform des 35 Meter hohen Leuchtturms Darßer Ort, der nicht mal ein richtiger Ort ist. Dort gibt ein 360-Grad-Blick das maritime Paradies in seiner ganzen Dimension frei, bei klarer Sicht geht der Blick bis nach Hiddensee hinüber. Dort irgendwo südlich zwischen Graal-Müritz/Dierhagen und dem noblen Künstlerort Ahrenshoop trennt die Landbrücke Fischland die Ostsee vom Saaler Bodden. Östlich von dem weit ins Meer ragenden Darßer Eck zieht sich der Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft bis zur äußersten Spitze nach Pramort, der natürlich auch kein richtiger Ort ist. Zu DDR-Zeiten war dies der letzte Zipfel eines riesigen Truppenübungsplatzes, weshalb die einzigartige Küstenlandschaft des Zingst für Naturliebhaber so leicht zu erradeln und vor allem naturbelassen und geschützt ist.
Auf der Landseite der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst produzieren weite Brackwasserflächen die liebliche Boddenlandschaft aus Seen mit Salzgraswiesen und romantisch verwachsenen Uferregionen, in der man hier und da einsame Bootsstege entdeckt, während Segler lautlos vorbeiziehen und eine artenreiche Vogelwelt im dichten Schilfversteck für ihren Nachwuchs sorgt. Die umliegenden Ortschaften Born, Wieck, Prerow und Zingst verbinden Radwege, und natürlich geht es hier immer an den Stränden und nah am Wasser entlang, was auch für Bodden- und Seewanderer die schönste Route ist.
Reetgedeckte Schmuckstücke wie die kunstvoll herausgeputzte Bauernkate in Born finden sich auf Fischland-Darß-Zingst zuhauf.
Schier endlos zieht sich der Strand von Dierhagen über Ahrenshoop bis nach Pramort.
Architektur versus Natur?
Man radelt los und an wunderschönen Bildern vorbei: reetgedeckte Katen zu beiden Seiten, verwunschene Gärten – der Künstlerort Ahrenshoop hat außer Galerien auch sonst einiges fürs Auge zu bieten – und dann: was für ein Klotz! Ein Zwillingsbaukörper aus Beton, Stahl und Glas erhebt sich aus diesem sonst so romantisch anmutenden mecklenburg-vorpommerischen Ambiente, sodass es ganz sicher manchem Biker auf dem Weg zum Leuchtturm am Darßer Ort glatt die Sprache verschlägt. Ahrenshoops Kurhaus! Ist das wirklich da drin? Wir steigen ab. Der Concierge verweist nachfragende Besucher auf die Foyer-Bildgalerie, und tatsächlich: Schon seit 1891 stand da ein durchaus machtvoller Zwillingsbau, hieß Hotel Bogislav, das sich 1920 die Bezeichnung »Kurhaus« einfach so zulegte, folglich heißt das Strandhotel im Volksmund als noch so und stand während der DDR-Zeit im Dienst des FDGB-Feriendienst Rostock.
1970 wurde das nicht unschöne Architekturgebäude durch einen hässlichen Plattenbau ersetzt. »Der ist jetzt weg«, lacht der Direktor des heutigen Hotels, der die Präferenzen seiner Klientel genau kennt. Eine Woche später sind wir selber drin, im brandneuen, aber immer noch volksmündischen »Kurhaus«, das sich jetzt offiziell »The Grand Ahrenshoop« nennt. Auf jeden Fall dreht der neue Protz-Klotz zwischen Ostsee und Saaler Bodden ziemlich stolz in den Wind. Berauschend ist der Blick vom Penthouse-Panoramacafé auf die Weite der Ostsee, auf den Sand, die Strandkörbe, vorbeiziehende Dampfer, und ringsum herrscht Möwengeschrei.
Besondere Ausflüge
URBANES BÄDER-HOPPING
Ostseeheilbad Graal-Müritz. Noch nicht ganz im Fischland, schöne Villenzeilen, atmosphärisch entspannt, 350 Meter lange Seebrücke; www.graal-mueritz.de
Ostseebad Dierhagen. Tor zum Fischland an der südlichen Landenge, zu beiden Seiten kilometerlange Strände; www.ostseebad-dierhagen.de
Ostseebad Wustrow. Stilvoller Ortskern mit Kirche und Seebrücke, sehr gemütlich. www.ostseebad-wustrow.de
Ostseebad Prerow. Schilfgedeckte Häuser, Darßer Haustüren, Darßer (Ur-)Wald, Darßer Ort und eine 390 Meter lange Seebrücke kennzeichnen die nördlichste Darß-Idylle. www.ostseebad-prerow.de
Ostseeheilbad Zingst. Ziemlich viel los zwischen Promenade, Seebrücke und zweispuriger Fußgängerzone, Ausgangspunkt für Bike-Touren durch den Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft bis Pramort. www.zingst.de
Vineta Stadt Barth. Mittelalterliches Stadtbild, Segelhafen, Vineta-Museum. www.stadt-barth.de
Highlight: Segeltörn mit Zeesboot auf Saaler Bodden bei Wustrow
Zum Staunen und Erleben
ABSEITS DER SEEBÄDER
Wer im späten Sonnenlicht die alte Meiningenbrücke zwischen Bodstedter und Barther Bodden sehr langsam überquert, weil die beweglichen Schwingteile der kuriosen Stahlkonstruktion gerade mal wieder den Schiffsverkehr bevorzugen, dem erschließen sich auf 470 Metern Staulänge Naturbilder vom Feinsten: Düstere Boddengewässer spiegeln einen glühenden Ball, dazu spielt die Vogelwelt lautstark verrückt, dunkelgrün wuchern die Schilfgräser an zugewachsenen Ufern. Danach kommt Barth: Fein herausgeputzte Bürgerhäuser, historischer Marktplatz, St.-Marien-Kirche, Jahrgang 1300! Im denkmalgeschützten Haus Nr. 2 wurde 500 Jahre nach dem Kirchbau Schwedenkönig Gustav IV. empfangen, im 18. und 19. Jahrhundert erlebte das niedliche Städtchen mit der Entwicklung der Segelschifffahrt seine Blütezeit. Heute lädt Barths Jachthafen mit Promenaden-Cafés, Restaurants und Fischverkaufskuttern zum Relaxen ein, die Innenstadt mit ihren bildhübschen Fassaden zum entspannten Shoppen.
www.stadt-barth.de
Das Paradies: nicht nur im Kopf
Opulente Zimmerfronten aus Glas generieren das spezielle Gefühl hoch über der See sogar vom Bett aus, über mangelnde Gäste kann sich der Wellness- und Aussichtstempel nicht beschweren: Ahrenshoop erreicht man von Hamburg und Berlin in wenigen Stunden! Was ganz Mecklenburg-Vorpommern und seine Seen und Ostseestrände betrifft, so sprechen beinahe 30 Millionen Übernachtungen jährlich eine deutliche Sprache.
Wer im Herbst in gelassener Ruhe über die Halbinsel Fischland-Darß-Zingst radelt, wird auf große Schwärme Kraniche treffen, von denen bis zu 40 000 vor dem Weiterflug in die Winterquartiere Südeuropas und Afrikas in dieser wohl schönsten Küstenregion Norddeutschlands zum Energietanken verweilen. Die Naturidylle bietet nicht nur den Zugvögeln unberührte Landschaften, feinen weißen Sand, so weit das Auge reicht und urwüchsige Wälder und Wiesen, die der wildromantische Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft umfasst.
An der engsten Stelle des Fischlands liegt das beschauliche Seebad Wustrow. Ruhesuchende finden hier maritimes Ambiente pur: eine stattliche Seebrücke mit Restaurants direkt an der Brandung, kilometerweit Sandstrand, Sonnenuntergänge auf der Seeseite und einen beschaulichen Ortskern mit Kirche und Spitzturm.
Fernblick über Dünengrün und die Ostsee bis zum Horizont hat man vom Darßer Leuchtturm.
Infos und Adressen
ANREISE
Flug: von süddeutschen Flughäfen nach Rostock-Laage; Bahn: Zugverbindungen über Rostock; Auto: Aus Süddeutschland über Hamburg–Lübeck–Rostock nach Fischland-Darß-Zingst, empfehlenswert ist ein Stopover in der historischen Hansestadt Wismar. Aus Berlin durchs Seengebiet der Müritz und via Rostock
BESTE REISEZEIT
Spätes Frühjahr und Frühherbst, auf jeden Fall außerhalb der Schulferienzeit; wettermäßig stabil ist meist der September.
SEHENSWERT
Kunstmuseum Ahrenshoop. Kulturelles Zentrum der Künstlerkolonie Ahrenshoop. www.kunstmuseum-ahrenshoop.de
Seebrücke Wustrow. Die 240 Meter lange Anlegerbrücke liegt auf der goldenen, das heißt auf der Sonnenuntergangsseite der Ostsee, und leitet Flanierende im richtigen Moment mitten in den ins Meer sinkenden glühenden Ball. www.ostseebad-wustrow.de
Darßer Leuchtturm. Mit Meeresmuseum, Kaffeestube und Aussichtsplattform; www.meeresmuseum.de
ESSEN UND TRINKEN
Moby Dick Wustrow. An der Promenade direkt neben der Seebrücke, ist mit seiner opulenten Seeterrasse ein Geheimtipp. Strandstr. 54, Wustrow, www.restaurant-moby-dick.de
Räucherhus Schönthier Ahrenshoop. Sehr persönliche maritime Gourmetreise, selbst gefangener Fisch kommt hier täglich frisch auf den Tisch. Hafenweg 6, Ahrenshoop, www.raeucherhaus-ahrenshoop.de
Kurhausrestaurant Zingst. Hier kommt das Essen passend zur Lage zwischen Seebrücke und Dünen frisch aus der See. Seestr. 56/57, Zingst, www.kurhausrestaurant-zingst.de
Ostseelounge im Strandhotel Fischland. Das Gourmetrestaurant hoch über den Dünen bietet Blick auf die Ostsee und einen Michelinstern. Ernst-Moritz-Arndt-Str. 6, Dierhagen Strand, www.strandhotel-ostsee.de

Aufführung der See-Bühne zu den Vineta Festtagen der Hafenstadt Barth
SHOPPING
Bio- und Regionalmärkte. Alternative Märkte bieten im Sommerhalbjahr kulinarische Spezialitäten aus biologischer Herstellung an und Produkte aus regionalen Kunsthandwerkstätten.
Ahrenshoop/Zingst. Eine Menge Kunsthandwerk (Gold- und Silberschmieden, Glasbläserei, Bernsteinkunst, Edelsteine, Bildhauerei und Malerei) findet sich im Künstlerort Ahrenshoop in versteckten Galerien und Boutiquen; Zingst lädt auf der umtriebigen Promenade und in seiner weitläufigen Fußgängerzone zum Shoppen ein.
ÜBERNACHTEN
THE GRAND Ahrenshoop. Moderne Architektur, einzigartige Lage. Schifferberg 24, Ahrenshoop, www.the-grand.de Namenlos & Fischerwiege. 1-a-Lage, schilfrohrgedeckt, familiengeführtes Romantikhotel mit Kunstwerken der Künstler kolonie Ahrenshoop. Dorfstr. 44 / Schifferberg 9a, Ahrenshoop, www.hotel-namenlos.de
Haus 54 Zingst. Für Individualreisende eine praktische, hostelartige Herberge, auch mit rollstuhlgerechten Zimmern. Hanshägerstr. 3, Zingst, www.zingst.de
Ferienwohnungen und -häuser. Infos über die Tourist-Information; www.fischland-darss-zingst.de
WEITERE INFOS
Tourismusverband Fischland-Darß-Zingst: Barther Str. 16, Löbnitz, www.fischland-darss-zingst.de

Kilometerweit: Ostseestrand vor Ahrenshoop
9 Auf der Peene
Paddeln auf dem Amazonas des Nordens

Die Hansestadt Demmin ist von Naturschutzgebieten umgeben. Hier fließen die Trebel und die Tollense in die Peene.
HIGHLIGHTS
Lübecker Speicher Demmin. 1815 errichteter Getreidespeicher, beherbergt heute Ausstellungen
Kummerower See. Hügelige Landschaft mit Aussichtspunkten um den See
Haustierpark Lelkendorf. Hier leben alte und vom Aussterben bedrohte Haustierrassen.
Gutsdorf Stolpe. Idyllisches Dorf mit Gutshaus, Sterneküche und 800 Jahre alter Klosterruine
Nikolaikirche Anklam. Im Zweiten Weltkrieg beschädigte, gotische Backsteinkirche, Aussichtsplattform mit grandiosem Peeneblick
PROBIEREN UND ERLEBEN
Hafendestillerie und Brauerei, Loitz. Spezialitäten sind der mit Peenetorf verfeinerte Whisky, Biere mit Honig und Kräuterliköre. – Ivenacker Baumkuchen. Familienkonditorei Komander produziert mit regionalen Zutaten. – Reuterfestspiele Stavenhagen. Plattdeutsche Chöre, Gottesdienste und Bühnenprogramm
Auf ihren 100 Kilometern zwischen Malchin und der Mündung in den Peenestrom bei Anklam fließt die Peene seit jeher in ihrem natürlichen Flussbett. An ihren Ufern entstand das größte zusammenhängende Niedermoorgebiet Europas. Wer Naturidylle und Einsamkeit sucht, wird bei einer Paddeltour Erfüllung finden.
Das Gefälle der Peene beträgt lediglich 28 Zentimeter. Die Fließgeschwindigkeit ist so gering, dass bei starkem Ostwind das Wasser flussaufwärts getrieben wird. Entschleunigung ist hier kein Modewort, sondern pure Realität. Große Straßen und laute Städte sind hier nicht zu finden. Die Schätze liegen in der Natur: Biber und Fischotter können ohne Schwierigkeit beobachtet werden, Fisch-, Schrei- und Seeadler finden neben 30 weiteren geschützten Vogelarten in den gefluteten Peenewiesen ideale Lebens- und Jagdbedingungen. Besonders eindrucksvoll sind das 1000 Hektar große Renaturierungsgebiet Große Rosin bei Aalbude und der Anklamer Stadtbruch.
Viele aus Sumpf und Feuchtwiesen bestehende Uferbereiche dürfen nicht betreten werden. Die Natur dankt es mit zwölf unterschiedlichen Orchideenpflanzen sowie Mehl-Primeln und Trollblumen. Auch unter Wasser herrscht buntes Treiben. Neben reichen Vorkommen an Hecht, Aal und Zander gibt es seltene Steinbeißer und Flussneunaugen – für Angler (auch mit Touristenangelschein) ein Paradies.
In einem Paddelboot lässt sich der Naturpark am besten erkunden. Die meisten Anbieter verleihen ihre Boote bereits für ein paar Stunden. Bei Tages- oder Mehrtagestouren bieten viele einen Shuttleservice zum Ausgangsort an. Für Einsteiger eignet sich besonders die 16 km lange Tagestour zwischen Verchen und Demmin. Die Peene mäandert hier durch eine offene Landschaft, die in weiten Teilen von Schilfgürteln eingefasst ist. Viele Schwarzerlen mit verzweigten Luftwurzeln stehen am Ufer. Sie erinnern an die Mangroven im Amazonas. Vielleicht kommt der Vergleich daher. Vielleicht kommt er auch von dem Netz abzweigender Altarme oder der faszinierenden Artenvielfalt.
Infos und Adressen
ANREISE
Flug: Der nächstgelegene Flughafen ist Rostock. Bahn: RE bis Malchin, Demmin, Anklam; Auto: über die A20 bis Jarmen
BESTE REISEZEIT
April bis Oktober
SEHENSWERT
Kloster Dargun. Teilsanierte Anlage mit Café, Aussichtsturm und Museum. Klosterdamm 6, Dargun, www.dargun.de Otto Lilienthal Museum. Flugobjekte und Exponate zum Traum vom Fliegen. Ellbogenstr. 1, Anklam, www.lilienthal-museum.de
ESSEN UND TRINKEN
Aalbude. Fischrestaurant mit Terrasse direkt an der Peene. Dargun OT Aalbude 2, www.ausflugsrestaurant-aalbude.de Stolper Fährkrug. Historisches Wirtshaus mit pommerscher Küche: Bratwurst, Hering, Kuchen. Peenestr. 33, Stolpe, www.gutshaus-stolpe.de
ÜBERNACHTEN
Ferienwohnung direkt am Wasser. Ideal für Kanufahrer, mit Steg und großer Wiese. Christa Deckert, Fritz-Reuter-Str. 22, Demmin, Tel. 03 998/432 425
WEITERE INFOS
Naturparkinfo: www.abenteuer-peenetal.com

Etwa eine Woche dauert die Paddeltour vom Kummerower See bis Anklam.

Naturnah und umweltfreundlich: Paddeln
Ein besonderes Erlebnis
SAFARITOUR AUF DER PEENE
In der Abenddämmerung gibt die Tierwelt den Ton an. Am Wasserwanderrastplatz Verchen wird der Besucher von einem betörenden Vogelgezwitscher empfangen. Rohrdommeln sind aus dem Schilf zu hören, vereinzelt tschilpt ein Eisvogel, Hunderte Gänse, Kraniche, Frösche und viele mehr stimmen in ein Konzert ein. Wer ihnen näherkommen möchte, sollte mit Naturführer Ingo Ernst auf Entdeckersafari gehen. Er erkennt die Vogelstimmen, weiß, wo der Eisvogel seine Höhle baut und der Fischadler seinen Horst. Ohne die Natur zu stören, führt er Wanderungen oder Touren mit dem Solarkatamaran durch. Bei dieser Gelegenheit gleiten bis zu acht Personen geräuschlos über das Wasser. Einen der 500 bis 700 im Peenetal lebenden Biber zu sehen, ist garantiert. Ihre Burgen sind teils gut im Schilf versteckt, doch abends machen sich die vorrangig nachtaktiven Nager auf den Weg. Sie schwimmen von einem Ufer zum anderen und ziehen mit etwas Glück sogar ganz nahe am Boot vorbei.
10 Ludorf
Romantische Auszeit an der Müritz

Das schön restaurierte Gutshaus Ludorf ist von einem großzügigen Park mit alten Buchen umgeben.
HIGHLIGHTS
Schloss Mirow. Aufwendig saniertes Barockschloss der Großherzöge von Mecklenburg Strelitz
Kirchturm Röbel. Fantastischer Blick auf die Müritz von der 48 Meter hohen Plattform der Marienkirche
Dampferfahrt auf der Müritz. Waren, Röbel und Rechlin sind auch per Schiff erreichbar
Müritzeum. Exponate zur Flora und Fauna der Seenplatte, Aquarien mit heimischen Fischen
Müritz-Nationalpark. Thematische Wanderwege, Moorstege, Aussichtstürme und Vogelbeobachtung am Ostufer der Müritz
PROBIEREN UND ERLEBEN
Ma(h)l Regional. An einem Abend im Frühjahr und Herbst werden im Restaurant Morizaner in Ludorf lokale Produkte vorgestellt. – Alte Pomeranze. Orangenart, die früher in Mecklenburg gezüchtet wurde; die Hahnsche Gutsmanufaktur stellt daraus Bitterlikör her. Aal bis Zander. Frischer Fisch aus der Müritz
In der Mecklenburgischen Seenplatte reiht sich nicht nur ein See an den anderen, auch gibt es hier eines der engsten Netze von Guts- und Herrenhäuser in Europa. Manche schlummern noch als Ruine und warten auf Rettung. Hinter anderen dicken Mauern verbergen sich stilvolle Unterkünfte für eine spontane Auszeit.
Von Hamburg und Berlin ist der größte Binnensee Deutschlands in knapp zwei Autostunden erreichbar. Die dünn besiedelte Umgebung mit Nationalpark und weiten Feldern ist ein Naturparadies. Mittendrin liegen kleine, schmucke Orte – viele mit einem Gutshaus. Eines davon steht unweit des Müritzufers in Ludorf. In den 1990ern wurde es von der Familie Achtenhagen entdeckt. Sie schmerzte der äußerliche Verfall und damit der Niedergang eines Stückes Kulturgeschichte von Mecklenburg. Diese ist eng mit dem Landadel und seinen Leibeigenen verbunden, die noch bis ins 19. Jahrhundert den Boden bewirtschafteten. Als nach 1945 die Parole »Junkerland in Bauernhand« lautete, zogen Flüchtlingslager, Konsum, Schule oder Altenheim in die historischen Gemäuer. Nach 1989 blieben sie verlassen zurück. Wind, Regen und Spekulanten zerrten am Gemäuer.
Der 300-jährige Backsteinbau in Ludorf wurde gerettet. Wer durch die schwere Holztür in die Empfangshalle tritt, entschwindet in eine ruhige, gediegene Welt. An kühlen Tagen lodert ein Feuer im offenen Kamin. Meistens begrüßt Keril Achtenhagen ihre Gäste. Sonntags führt der Gutsherr durch das Anwesen und erzählt Anekdoten von den von Bülows, den letzten Bewohnern, oder den zufällig entdeckten Deckengemälden aus der Erbauerzeit.
Die Zimmer verzichten bewusst auf Fernseher und Minibar. Dafür gibt es eine Bibliothek mit Bildbänden, die so schwer sind, dass man sie nur auf dem großen Eichentisch durchblättern kann. Das hauseigene Restaurant verschreibt sich der Slow-Food-Küche. Lokale Produkte finden hier den Weg auf die täglich wechselnde Menükarte. Wer in der Nebensaison reist, hat das Haus manchmal ganz für sich alleine.
Infos und Adressen
ANREISE
Flug: Die nächsten Flughäfen sind Berlin und Rostock. Bahn: RE bis Waren; Auto: über A19 bis Malchow/Waren
BESTE REISEZEIT
ganzjährig
SEHENSWERT
Varchentin. Unsanierte Schlossanlage im Tudorstil mit Park nach Lennéschem Vorbild
Kirche Ludorf. In Norddeutschland einzigartiger, oktogonaler Grundriss
ESSEN UND TRINKEN
Gutshof Woldzegarten. Saisonale Küche mit Fisch und Wild der Region. Walower Str. 30, Leizen, www.gutshof-woldzegarten.de
Müritzterrasse. Restaurant mit Seeblick; Straße der Deutschen Einheit 27, Röbel/Müritz, www.mueritzterrasse.de
ÜBERNACHTEN
Romantik Hotel Gutshaus Ludorf. Familiengeführt, 23 Zimmer. Ludorf/Müritz, www.gutshaus-ludorf.de
Schlosshotel Klink. Märchenschloss am Müritzufer mit Park. Schlossstr. 6, Klink, www.schlosshotel-klink.de
WEITERE INFOS
Tourismusverband Mecklenburgische Seenplatte: www.mecklenburgische-seenplatte.de

Die braun gefiederte Bekassine lebt in Mooren und Feuchtgebieten.

Herziger Blick von oben auf die Kleine Müritz bei Vipperow
Ein besonderes Erlebnis
NATUR PUR – GEFÜHRT ODER INDIVIDUELL
Das Gutshaus Ludorf liegt fußläufig vom Naturschutzgebiet Großer Schwerin entfernt. Die langgezogene, flache Halbinsel ist Brutgebiet und Rastplatz zahlreicher Vögel, darunter Bekassine, Rohrdommel und Eisvogel. Im Frühjahr und Herbst nutzen Tausende Kraniche die Halbinsel als Schlafplatz. Ornithologe Rainer Schwarz führt naturkundliche Wanderungen vom Gutshaus, am Westufer der Müritz entlang, bis zur Halbinsel durch. Diese darf in Begleitung von Juli bis Dezember betreten werden. Besonders schön ist der Mai, wenn wilde Orchideen die Wiesen in ein lila Blütenmeer verwandeln. Wer erfahren möchte, wie der als Unkraut verschriene Giersch oder die Brennnesselsamen Salate aufpeppen, sollte mit Kräuterfee Bianca durch den Gutspark und die Wiesen streifen. Ist erst einmal der Blick auf das Grün am Wegesrand gelenkt, wird die Fülle an wilden Kräutern sichtbar.
11 Neuharlingersiel
Erholung am leuchtenden Meer

Im Sieler Hafen harren die Krabbenkutter der Flut für ihren nächsten Einsatz.
HIGHLIGHTS
Wattwanderungen. Tolles Erlebnis in unvergleichlicher Landschaft für die ganze Familie
Meeresleuchten. Mitternächtliches Naturphänomen an bestimmten Terminen im Jahr
Spiekeroog. Ausflug mit der Fähre auf die autofreie ostfriesische Insel mit ihren zauberhaften Sanddünen
Teeseminar. Über die Kunst der perfekten Zubereitung und traditionellen Verkostung von Ostfriesentee
Fischereihafen. Fischkutter und Jachten von roten Backsteinhäusern gesäumt, Denkmal von Alt- und Jungfischer, Fischkutter Lulu Meinders
DAS SOLLTEN SIE PROBIEREN
Omas Schnippelbohnen: kulinarisch Deftiges aus dem Steinguttopf mit Rauchspeck und Katenrauchwurst – Sauerkrautsuppe: delikates Schmankerl rustikaler Art mit herzhaftem Friesenkäse überbacken – Fisch und Krabben frisch aus der See in allen Variationen zubereitet
Das ostfriesische Wattenmeer garantiert gute Luft, steten Gegenwind und birgt mancherlei Geheimnis, speziell in der Sommerzeit, wenn das Meer am Horizont zuweilen in spätabendlicher Stunde geheimnisvoll zu leuchten beginnt – ein Phänomen, dessen exakte Erkundung noch auf sich warten lässt.
Das 1000-Seelen-Dorf Neuharlingersiel wurde erstmals 1693 urkundlich erwähnt und entstand durch Landgewinnung infolge des Deichbaus. Der Ort prosperierte als Hochseehafen und erlangte wirtschaftliche Bedeutung durch den Fang frischer Nordseekrabben und die bereits seit 1792 bestehende Fährverbindung auf die Insel Spiekeroog. Mittlerweile überwiegt der Tourismus, der zu Beginn des 20. Jahrhundert mit ersten Übernachtungsgästen zaghaft einsetzte. Gleichwohl erfüllen die eindrucksvollen Krabbenkutter noch immer ihre traditionellen Aufgaben und bilden gleichzeitig die malerisch maritime Kulisse des Ortszentrums. Besondere heilklimatische Bedingungen verhalfen Neuharlingersiel zu einem hervorragenden Ruf als Kurort am UNESCO-Welterbe, dem einzigartigen Wattenmeer.
Im exklusiven Wellness- und Kurzentrum Badewerk können die Gäste den Schlickdampfer entern, Körper und Seele beim Moorbad auf Vordermann bringen. Das schlammige Material voller vitaler Mineralien und Inhaltsstoffe wird in der Nähe abgebaut. Frisch auf dem Körper verteilt, dringt es unter Wärme in die geöffneten Hautporen ein. Treffende maritime Begriffe prägen die Wellnessbereiche der hochmodernen Anlage, die als erste in Niedersachsen mit fünf Wellness-Sternen ausgezeichnet wurde. So ankert der Sauna-Kutter Heimat in der Außenanlage, die 100-Grad-Deichsauna liegt unter einem kleinen Wall. Strandkörbe, Liegen und Hängematten dienen der Erholung. Doch selbst die Wanderung über das Watt kann zu einem echten Entspannungserlebnis werden, wenn der Wanderführer zu Meditationsübungen in Gummistiefeln, aber mit geschlossenen Augen und der Nase im salzhaltigen Wind bittet.
Infos und Adressen
ANREISE
Auto: über Bremen nach Ostfriesland; Bahn: bis Esens, weiter mit dem Bus; Tipp: Nordsee-Service Card, Vergünstigungen im ÖPNV, bei Veranstaltungen und beim Eintritt zu Sehenswürdigkeiten
BESTE REISEZEIT
ganzjährig
SEHENSWERT
Sielhof. Hochherrschaftliches Anwesen mit kleinem Park, Café im Erdgeschoss mit Kamin von 1756 und kompletter Bibelfliesenwand aus Delfter Kacheln. Bgm.-Dirksen-Platz 8, www.sielhof.com
Buddelschiffmuseum. Maritime Kleinode in erstaunlicher Vielfalt in Flaschen präsentiert. Am Hafen Westseite 7, www.buddelschiffmuseum.de
ÜBERNACHTEN
Hotel Mingers. Traditionsreiches Haus am Hafen mit Blick auf Deich und Meer. mingers-hotel.de
ESSEN UND TRINKEN
Restaurant Meeresleuchten im Hotel Mingers. Fantastisches Fischbüffet Restaurant Poggenstool. Urige Gaststätte mit Tagesmenü und fangfrischen Fischspezialitäten. www.poggenstool.com
WEITERE INFOS
Nordseeheilbad Neuharlingersiel: www.neuharlingersiel.de

Von der Höhe des Deiches bietet sich eine schöne Aussicht über Strandkörbe und Wattenmeer.

Vorsichtiges Befüllen ist Teil der feierlichen Zeremonie.
Zum Genießen
KULTUR DER TEEVERKOSTUNG
Zur Stärkung nach spirituellen und erholsamen Erfahrungen im Wattenmeer Ostfrieslands kommt eine Tasse echten Ostfriesentees auf den Tisch. Dieser wird nicht einfach nur getrunken, nein, er wird geradezu zelebriert, und das, so will es die Tradition, gleich mehrmals am Tag. Kochend heiß aufgegossen in edlem Porzellangeschirr trifft die dampfende, tief bernsteingelbe Flüssigkeit am Boden der dünnwandigen Tasse auf groben Kandiszucker, der sofort lautstark knackende Geräusche von sich gibt. Alsdann kommt ein Schuss Sahne hinzu. Nun bilden sich erste helle Sahnewölkchen im aromatisch starken Assam-Tee. Umrühren des flüssigen Gemenges wird gemeinhin als Stilbruch angesehen und ist entsprechend verpönt. Beim Trinken entfaltet sich demzufolge die Süße des Zuckers erst dann, wenn sich das Getränk dem Ende zuneigt und eine zweite Tasse angesagt ist. Dazu wird einfaches Gebäck gereicht oder frischer Obstkuchen.
12 Goslar
Die erzreiche Kaiserstadt

Viele Kirchen wie die Neuwerk- oder die Jacobikirche zeugen vom Reichtum der alten Kaiserstadt Goslar.
HIGHLIGHTS
Kaiserpfalz. 1040–50 von Kaiser Heinrich III. errichtet
Marktplatz von Goslar. Mit Rathaus (um 1450) und Kaiserworth (1494), früher Gildehaus der Großkaufleute und Gewandschneider
Neuwerkkirche. Dreischiffige Basilika (12. Jh.) mit weitgehend unveränderter Architektur der Entstehungszeit
Bergwerk Rammelsberg. Museum mit historischen Stollen, Schacht-, Förder- und Aufbereitungsanlagen, Maschinenhallen und Grubenbahn, Untertageführungen
Wasserwanderwege. Von Hahnenklee aus z. B. zu den Kaskaden der Auerhahnteiche
FESTE UND EVENTS
Walpurgisnacht. Hexentanz ums Walpurgisfeuer, z. B. in Hahnenklee – Altstadtfest. Unterhaltung mit Musik und Kulinarischem an drei Tagen im September – Kunsthandwerkermarkt: hochwertiges Kunsthandwerk an rund 150 Ständen in der Altstadt (Anfang August)
Der Oberharz und die Kaiserstadt Goslar ermöglichen einen tiefen Einblick in ein fast 2000-jähriges Zusammenspiel von Natur, Technik und Kultur. Gleich drei Welterbestätten, die Altstadt von Goslar, das Erzbergwerk Rammelsberg und die Oberharzer Wasserwirtschaft, tragen der Bedeutung dieser Region Rechnung.
Schon in vorchristlicher Zeit wussten die Menschen um die Erzlagerstätten im Oberharz. Bereits im frühen Mittelalter wurde die Mittelgebirgslandschaft besiedelt und Bergbau betrieben. Der Abbau und die Verhüttung der Erze begründeten den Reichtum der früheren Hanse- und freien Reichsstadt Goslar, die von 1009 bis 1253 Sitz einer bedeutenden Kaiserpfalz war. Davon zeugt in der Altstadt, die man durch das Breite Tor betritt, das im 19. Jahrhundert im Stil der Zeit »restaurierte« Gebäudeensemble aus Kaiserhaus, Kapellen und Resten einer Stiftskirche. Der Reichtum der Ratsherren, Kaufleute und Hüttenbesitzer spiegelt sich im spätgotischen Rathaus mit seinem prächtigen Huldigungssaal und dem einstigen Gildehaus Kaiserworth wider. Am Kaiserringhaus zeigt das Glockenspiel mit Figurenumgang das harte Leben der Bergleute am und im nahen Rammelsberg.
Historischer Bergbau
Von 968 bis 1988 wurden im Bergwerk Rammelsberg Blei-, Zink- und Kupfererz gefördert. Das Besucherbergwerk und das Bergbaumuseum informieren über historische Abbaumethoden, etwa im Feuergezäher Gewölbe aus dem 13. Jh., dem ältesten erhaltenen gemauerten Grubenraum Mitteleuropas, und im Roeder-Stollen. Vor der Erfindung der Dampfmaschine und des Elektromotors konnte der Bergbau im Oberharz nur mithilfe der Wasserkraft betrieben werden. Unter Einbeziehung natürlicher Wasserläufe wurde vor allem im 16. Jh. ein System von Stauseen, Teichen, Speicherbecken, Gräben und unterirdischen Leitungen angelegt, das heute teilweise in die Trinkwasserversorgung einbezogen ist. Die historischen Anlagen der Oberharzer Wasserwirtschaft verteilen sich über 25 km2 und sind auf 22 Wasserwanderwegen zu erreichen.
Infos und Adressen
ANREISE
Flug: über Hannover; Bahn: ICE/IC bis Hannover Hbf., weiter mit Regionalexpress; Auto: A7 oder A395; Tipp: kostenlose Besichtigungen mit der HarzCard
BESTE REISEZEIT
Frühling, Frühsommer und Herbst
SEHENSWERT
Marktkirche St. Cosmas und Damian. Doppeltürmige Basilika (ab 1151), Glasfenster (13. Jh.), Turmbesteigung 11–17 Uhr. Kaiserbleek 5, Goslar
Siemenshaus. Stammhaus der Unternehmerfamilie Siemens (1692/93). Schreiberstr. 12, Goslar
Oberharzer Bergwerksmuseum. Arbeitsgeräte, Über- und Untertageanlagen, Feldbahn zum Ottiliae-Schacht, täglich 10–17 Uhr. Bornhardtstr. 16, Clausthal-Zellerfeld, www.oberharzerbergwerksmuseum.de
ESSEN UND TRINKEN
Die Worthmühle. Idyllisch am Flüsschen Abzucht gelegenes Lokal mit lokalen Spezialitäten. Worthstr. 4, Goslar, www.worthmuehle.de
ÜBERNACHTEN
Hotel Kaiserworth. Stilvoll übernachten und feudal speisen. Markt 3, Goslar, www.kaiserworth.de
WEITERE INFOS
Tourist-Information Goslar: Markt 7, Goslar, www.goslar.de

Restauriert und verändert im historisierenden Stil: die Kaiserpfalz

1908 wurde die Stabkirche geweiht.
Ein besonderes Erlebnis
ERHOLUNG IN HAHNENKLEE
Noch zum Stadtgebiet Goslars gehört die Doppelgemeinde Hahnenklee-Bockswiese mit dem heilklimatischen Kurort Hahnenklee, der sich um den Kranichteich erstreckt. Wahrzeichen ist die Gustav-Adolf-Stabkirche mit ihrem Glockenspielturm, zu Beginn des 20. Jahrhunderts als freie Nachbildung der norwegischen Stabkirche Borgund ganz aus Holz errichtet. Allein zwölf Teiche des Oberharzer Wasserregals verführen zum Wandern. Einige von ihnen erschließt der als Rundwanderweg angelegte »Liebesbankweg« (7 km). Die Bocksberg-Seilbahn und seit 2014 ein Sessellift führen auf den Hausberg von Hahnenklee, den 726 Meter hohen Bocksberg, im Winter ein beliebtes Skigebiet, im Sommer ein Wanderparadies. Sportliche werden dann die Sommerrodelbahn und den Bikepark aufsuchen. Am 30. April versammeln sich im Kurpark von Hahnenklee bei der »Mystischen Walpurgisnacht« Hexen und Teufel zum Tanz um das traditionelle Hexenfeuer.
13 Ostharz
Rund um den Hexenberg

Das Rathaus des schmucken Örtchens Wernigerode im Harz wurde aufwendig restauriert und ist zu Recht ein begehrtes Fotomotiv.
HIGHLIGHTS
Brockenbahnfahrt. Erlebnisfahrt mit historischen Bahnen auf über 1100 Metern Höhe
Wernigerode. Malerische Kleinstadt mit Fachwerk, Rathaus und Schloss
Wander- und Wintersportorte. Braunlage, Schierke, Drei Annen Hohne, Hahnenklee, St. Andreasberg und andere Orte warten mit Alpinpisten, Langlaufloipen, Rodelbahnen und Wanderwegen auf.
Bad Sachsa. Romantischer Kurort mit Jugendstilunterkünften
Ruinen und Klostermuseum Walkenried. Die Ruinen des Zisterzienserklosters (12. Jh.) beeindrucken ebenso wie das Klostermuseum.
DAS SOLLTEN SIE PROBIEREN
Harzer Roller: Der fettarme Sauermilchkäse wird meist mit Kümmel bestreut und eingelegt serviert. – Hochprozentiges wird mit Kräutern etwa in Schierke (Schierker Feuerwasser) oder aus Korn in Nordhausen gebrannt. – Der Wald liefert Wild für kräftige Gerichte mit Soßen und Klößen, die Flüsse der Umgebung die Forelle.
Reich an Kultur, Naturschätzen und Geschichte(n) ist der östliche Harz. Über allem thront der mit 1141 Metern höchste Berg im Norden Deutschlands, der Brocken. Von Wernigerode, dem lebhaften Fachwerkstädtchen, bringt die berühmte Brockenbahn die Besucher auf den mythen- und häufig auch nebelumwobenen Berg.
Wie einem Märchenbuch entsprungen erscheint Wernigerode mit seinen regionaltypischen bunt bemalten Fachwerkhäusern. Auf der belebten Breiten Straße mit ihren Cafés, Kneipen und Souvenirläden zieht das Krummelsche Haus (Nr. 72, 17. Jh.) mit seiner mit auffälligem Schnitzwerk bedeckten Fassade die Blicke auf sich. Über den Markt geht es zum herausgeputzten Rathaus des einst reichen Handelsstädtchens aus dem 15. Jahrhundert. Über allem thront das Wernigeröder Schlösschen. Wernigerode ist ein idealer Ausgangsort für Wanderungen in die Umgebung, eine Brockenbahnfahrt oder Ausflüge in die über 100 Wintersport- und Kurorte wie etwa Bad Sachsa mit seinem romantischen Stadtkern und Kurgarten.
Unter Dampf
Von Wernigerode, aber auch von den Miniaturbahnhöfen Drei Annen Hohne und Schierke aus bringen die historischen rotgelben Wagen der legendären Harzer Schmalspurbahn seit Ende des 19. Jahrhunderts unter reichlich Dampf und Getöse begeisterte Fahrgäste durch dichten Tannenwald auf den Brocken. Wer mag, darf sogar draußen auf der Plattform mitfahren. Immer karger wird die Landschaft, immer dichter der Nebel – ein echtes Hochgebirgserlebnis! Nach knapp 20 Kilometern ist der Brocken-Bahnhof erreicht. An nebelfreien Tagen genießt der Besucher einen einzigartigen Weitblick ins Land. Im Brockenhaus erwarten ihn Informationen über Geschichte, Flora und Fauna des Berges, wer mag, wandert noch zum Brockenstein oder erkundet den Brockengarten. Nach einer Stärkung im Turmcafé oder Touristensaal geht es wieder hinunter. In der Walpurgisnacht (Nacht vor dem 1. Mai) vergnügten sich, so heißt es, auf dem Tanzplatz des Blocksbergs, wie der Brocken auch genannt wird, die Hexen …
Infos und Adressen
ANREISE
Bahn: ab Göttingen mit Regionalbahnen; Auto: von Westen A7, von Norden A2, von Süden A38, von Osten A14 und A143
BESTE REISEZEIT
April bis Oktober und Winter
SEHENSWERT
Quedlinburg. Die Altstadt ist UNESCO-Welterbe. Schlossberg mit Stiftskirche St. Servatius (11. Jh.)
Gedenkstätte Mittelbau-Dora bei Nordhausen. Überreste des Außenlagers des KZ Buchenwald offenbaren das Leid der Zwangsarbeiter, die in Stollen Raketen produzieren mussten.
ESSEN UND TRINKEN
Café Wien. 100 Jahre altes Café in einem Haus aus dem 16. Jh. am Wernigeröder Marktplatz
Waldgasthaus Armeleuteberg. Über den Wernigeröder Märchenweg zu erreichen. armeleuteberg.de
ÜBERNACHTEN
Vital Hotel Bad Sachsa. Großzügig wohnen mit Wellness. Am Kurpark 1–3, Bad Sachsa, www.vitalhotel.de
Brockenhotel. Höchstgelegenes Hotel im Norden Deutschlands. Brockenplateau, Schierke, www.brockenhotel.de
WEITERE INFOS
Harzer Tourismusverband e.V.: Marktstr. 45, Goslar, www.harzinfo.de

Eine Fahrt mit der Brockenbahn ist nicht nur für Eisenbahnfans ein tolles Erlebnis.

Von der kahlen Kuppe des Brockens geht der Blick bei klarer Sicht weit ins Land.
Ein besonderes Erlebnis
FÜR GIPFELSTÜRMER
Wer den Brocken zu Fuß erobern möchte, hat gleich mehrere Startmöglichkeiten – ein gut ausgebautes Netz aus Wegen für ausdauernde Wanderer führt hinauf. Da je nach Strecke bis zu 950 Höhenmeter überwunden werden und die Witterung kühl, die Winde stürmisch sein können, sind wetterbeständige Kleidung, festes Schuhwerk und Wegzehrung empfohlen. Von Schierke etwa führt der Weg (6 km) durch das Eckerloch auf den Brocken oder von Ilsenburg auf dem Heinrich-Heine-Weg (12 km) entlang des Flüsschens Ilse vorbei an Scharfenstein- und Bismarckklippe; Heinrich Heine hat seine Eindrücke in der »Harzreise« verarbeitet. Von Bad Harzburg führt der Teufelsstieg in 13 Kilometer hinauf – nur für Geübte! Als sicherlich schönste und leichteste Wanderung gilt der sogenannte Goetheweg vom Besucherzentrum Torfhaus über das Goethemoor – Goethe mag sich u. a. hier zu seinem Faust inspiriert gefühlt haben.
14 Berlin
Grenzenlose Einblicke und Aussichten

Das Bode-Museum zeigt unter anderem Byzantinische Kunst. Als Teil der Berliner Museumsinsel gehört es zum UNESCO-Weltkulturerbe.
HIGHLIGHTS
Besonders shoppen. Durch die angesagten Viertel Kreuzberg, Prenzlauer Berg oder Friedrichshain schlendern und die Kreativszene entdecken
East Side Gallery. Entlang der längsten Open-Air-Galerie der Welt (1316 m, Friedrichshain) bummeln
DAS SOLLTEN SIE PROBIEREN
Currywurst: Wer sie entdeckt hat, wird spätestens seit Uwe Timm ergebnisoffen diskutiert. Sicher ist aber, dass die Berliner sie perfektioniert haben – mit und ohne Darm und gerne badend in selbst gemixter, schön scharfer Soße. Sehr lecker z. B. in Kreuzberg bei Curry 36; Mehringdamm 36, Berlin
Die deutsche Hauptstadt ist hip, originell und sprüht vor Kreativität. Sie ist das Zentrum deutscher Geschichte, Schaufenster der Freiheit und eine geballte Ansammlung von Sehenswürdigkeiten. Wer nur ein paar Tage hat, kann sich hoch oben einen Überblick verschaffen und durch Szeneviertel stromern.
Gerade im Sommer strömen die Besucher in die Stadt und drängen sich an Highlights wie Reichstag, Brandenburger Tor, Holocaust-Mahnmal, Friedrichstraße, Museumsinsel und in den weitläufigen Parks und Grünanlagen. Eine kleine Stadtrundfahrt auf eigene Faust kann man mit der Buslinie 100 unternehmen. In einer guten Stunde entdeckt man so einen Gutteil der Must-sees der Stadt zwischen Zoologischem Garten und Alexanderplatz: Gedächtniskirche, Reichstag, Brandenburger Tor sind ebenso mit dabei wie der Prachtboulevard Unter den Linden, die Neue Wache, Dom und Fernsehturm. Ist eine Station interessant, steigt man einfach aus und fährt mit einem späteren Bus weiter.
Über- und Einblicke der besonderen Art bieten Berlins Aussichtsplattformen, die an vielen Stellen der Stadt für Besucher offenstehen, etwa der Kollhoff-Tower am Potsdamer Platz. Mit dem Aufzug geht es zum Panoramapunkt, von dem aus man auf das nahe gelegene Brandenburger Tor, die Siegessäule, das Haus der Kulturen sowie Schloss Bellevue blicken kann. Der Klassiker und zugleich der höchste unter Berlins Aussichtstürmen ist der Fernsehturm am Alexanderplatz. Seine berühmte Kugel liegt auf 203 Metern Höhe, und man hat einen atemberaubenden Blick über die Stadt. Wer die Wartezeiten oder die Eintrittspreise scheut, findet auf der Dachterrasse des Hotels Park Inn eine Alternative.
Etwas außerhalb liegt der geschichtsträchtige Funkturm »Langer Lulatsch«. Von hier wurde 1932 die erste Fernsehsendung der Welt ausgestrahlt. Ein außergewöhnliches Erlebnis ist eine Fahrt mit dem Hi-Flyer. Im Gitterkorb eines der größten Fesselballone der Welt 150 m über der Stadt zu schweben, ist unvergesslich!
Infos und Adressen
ANREISE
Flug: aus vielen deutschen Städten nach Tegel; Bahn: sehr gut angebundene ICE-Bahnhöfe; Auto: über die A10, A13/A113 oder A115
BESTE REISEZEIT
ganzjährig
SEHENSWERT
Regierungsviertel. Hinter dem Reichstag führt eine Treppe zum Bundespressestrand. Wannsee. Klein und schick – unweit liegen auch Babelsberg und Schloss Sanssouci.
ESSEN UND TRINKEN
Hackesche Höfe. Inmitten von Kunst, Kultur und Shopping. Rosenthaler Str. 40–41, Berlin
Metaxa Bay. Strandbar am Humboldthafen. Invalidenstr. 78, Berlin, metaxa-beach.de
ÜBERNACHTEN
Eurostars Berlin. Hallenbad mit Ausblick. Friedrichstr. 99, Berlin, www.eurostarsberlin.com
Hotel Hackescher Markt. Klein und ruhig. Große Präsidentenstr. 8, Berlin, www.hotel-hackescher-markt.com
WEITERE INFOS
Berlin WelcomeCard: freie Fahrt mit Bus und Bahn, viele Rabatte; www.visitberlin.de Kostenlose Stadtführung ab Brandenburger Tor: Do–Sa um 11 Uhr

Kunterbunte Ostalgie vor einem Souvenirshop am Alexanderplatz

Grünes Kleinod: die Pfaueninsel in der Havel
Zum Staunen
KÖNIGLICH-STILLE ZUFLUCHT
Vor 200 Jahren wurde auf der Pfaueninsel inmitten der Havel eine romantische Traumwelt als königliches Refugium eingerichtet, das heute unter UNESCO-Schutz steht. Ausgedehnte Spaziergänge um ein Märchenschloss inmitten wildromantischer Natur und zwischen freilaufenden Pfauen und Wasserbüffeln sind eine schöne Abwechslung zum Hauptstadttrubel. Peter Joseph Lenné legte in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts den fantastischen Garten an. Wer für diesen Ausflug einen ganzen Tag Zeit einplanen kann, spaziert von der Glienicker Brücke (Bushaltestelle 316) am Havelufer entlang über Krughorn, Moorlake und Appelhorn zur Pfaueninselfähre.
Das Schloss wird derzeit saniert und kann bis auf Weiteres nicht besichtigt werden, bitte informieren Sie sich auf der Webseite www.spsg.de
15 Von Eisenach bis Weimar
Land der Künstler und Denker
HIGHLIGHTS
Wartburg zu Eisenach. UNESCO-Welterbe; hier übersetzte Luther das Neue Testament, und 1817 auf dem Wartburgfest demonstrierten 500 Studenten für bürgerliche Freiheit und nationale Einheit.
BachHaus. Eines der größten Musikermuseen Deutschlands in Bachs Geburtsstadt Eisenach
Krämerbrücke in Erfurt. Einzige bebaute und bewohnte Bücke nördlich der Alpen
Gartenhaus an der Ilm in Weimar. Von 1776 bis 1782 Goethes Arbeits- und Rückzugsort
Bauhaus-Museum in Weimar. Werke der Avantgardekünstler um Walter Gropius
DAS SOLLTEN SIE PROBIEREN
Thüringer Bratwurst: locker, würzig, einzigartig; überall an Bratwurstständen – Braten, Rouladen, Gulasch. Fleischgerichte werden mit Soße, Rotkohl oder Sauerkraut gereicht. – Thüringer Klöße: aus geriebenen frischen und gestampften gekochten Kartoffeln, als Beilage oder solo in Speck gebraten – Blechkuchen: mit und ohne Obst ein Gedicht
Eisenach, Gotha, Erfurt und Weimar stehen ebenso für wichtige Stationen deutscher Geschichte wie für Leben und Schaffen von Geistesgrößen wie Bach, Goethe, Gropius, Herder, Luther oder Schiller. Unterhaltsam lässt sich in den hübschen Städtchen deutscher Kulturgeschichte folgen und Thüringens lebensfrohe Seite kennenlernen.
Die mehr als 1000 Jahre alte Wartburg thront majestätisch über Eisenach als allseits bekanntes Wahrzeichen der Stadt und von der UNESCO geschütztes Welterbe. Zu Fuß oder mit dem Bus geht es vom Parkplatz etwa 500 Meter hinauf zur Burg. Seit über 100 Jahren übernehmen außerdem traditionell Esel »Transporte« auf die Burg – Rosi, Lore, Liesel, Moritz und weitere Artgenossen warten zur Freude kleiner Gäste darauf, sie im Sattel hinaufzubringen.
Im 12. Jahrhundert, so will es zumindest die Sage, war die Wartburg Schauplatz des berühmten Sängerwettstreits um Walther von der Vogelweide; im Innern der Burg lässt unter den Klängen von Wagners Tannhäuser das imposante Monumentalfresko von Moritz von Schwind den Wettstreit nacherleben.
Im Schutz der Wartburg übersetzte bekanntermaßen zudem Martin Luther 1521 das Neue Testament aus dem Altgriechischen ins Deutsche, und die authentisch eingerichtete Lutherstube der Burgvogtei vermittelt heutigen Besuchern einen Eindruck aus der Zeit; sogar der Fleck an der Wand durch Luthers Tintenfasswurf nach dem Teufel fehlt nicht.
Die pittoreske Krämerbrücke in Erfurt mit den etwa 120 Fachwerkhäusern ist die einzige bebaute Brücke nördlich der Alpen.
Die imposante Wartburg thront über Eisenach und gilt als deutsches Wahrzeichen.
Wer noch durch das schmucke Städtchen mit den hübsch restaurierten Bürgerhäusern und dem Residenzschloss am Marktplatz flaniert, trifft hier, in der Geburtsstadt Johann Sebastian Bachs, außerdem auf das weltweit größte Bach-Museum: Neben Ausstellungen, großen Konzerten und Lesungen erwartet den geneigten Hörer hier stündlich ein kleines Konzert auf barocken Tasteninstrumenten; ein »begehbares Musikstück« lässt Bachsche Klänge hautnah erleben. Sehenswert ist auch der kleine Barockgarten hinter dem Haus, der zu einem gemächlichen Spaziergang einlädt.
Musikliebhaber legen auf der Fahrt nach Erfurt zunächst einen Abstecher nach Arnstadt ein, wo Bach in der Bonifatiuskirche am Markt zu Beginn des 18. Jahrhunderts als Organist wirkte. Fast mediterran mutet im Sommer Erfurt mit seinen Wasserläufen, blumenüberbordenden parkähnlichen Anlagen und seinem unglaublichen gastronomischen Angebot an. Die 1325 errichtete und mehr als 120 Meter lange, mit 32 Fachwerkhäusern bebaute und bewohnte Krämerbrücke über die Gera erinnert ein klein wenig an den Ponte Vecchio in Florenz. Hier wandelt der Gast auf den Spuren Goethes – der ließ es sich nämlich nicht nehmen, so oft wie möglich Zeit in seinem geliebten »thüringischen Rom«, wie er Erfurt nannte, zu verbringen. Neben dem Ensemble von Dom und Severikirche ziehen insbesondere die reich geschmückten Patrizierhäuser die Blicke auf sich.

Die »Automobile Welt Eisenach« setzt nicht nur den Wartburg ins rechte Licht.
Zum Staunen
LEBENDIGE AUTOMOBILGESCHICHTE: DER WARTBURG
Mit dem »Wartburg« verbinden sich viele Erinnerungen und ein gutes Stück Technik- und Zeitgeschichte. Auf dem Gelände des ehemaligen Automobilwerks Eisenach (AWE) in einem denkmalgeschützten Gebäude aus dem Jahr 1935 werden 115 Jahre Automobilgeschichte mit Fahrzeugen aller Produktionsepochen vom ersten Wartburg-Motorwagen, dem DIXI 3/15 aus dem Jahr 1899, über den ersten BMW-Sportwagen Typ Wartburg DA 3 bis hin zu den in der ehemaligen DDR begehrten Wartburg-Serienmodellen lebendig. Der letzte Wartburg lief am 10. April 1991 vom Band – viele Originalfahrzeuge und andere Gegenstände in der »Automobilen Welt Eisenach« zeugen von der spannenden, wechselvollen Geschichte nicht nur der Ingenieurskunst, sondern auch der Lebensverhältnisse in der Region im Zeitenwandel.
www.awe-stiftung.de
Goethes Gartenhaus an der Ilm liegt im wildromantischen Park Weimars verborgen.
Ein besonderes Erlebnis
NICHT NUR FÜR THEATERFREUNDE
Östlich von Bad Hersfeld liegt Friedewald mit der Ruine der ehemaligen Wasserburg Friedewald. Die Überreste der Wasserburg aus dem 13. und 14. Jahrhundert bilden heute in Symbiose mit dem angegliederten Schlosshotel Prinz von Hessen ein einzigartiges, beeindruckendes Ensemble. In historischer Bausubstanz mit einfühlsam integrierter moderner Innenarchitektur fehlt es dem Gast von Gourmetvergnügen bis Wellness an nichts, die Ruhe in harmonischer Landschaft tut ein Übriges zur Erholung. Neben dem Schlosshotel selbst das Beste: Es ist der ideale Ausgangspunkt für entspannte Kulturtrips zu den historischen Highlights in Eisenach, Erfurt oder Weimar. Abends lockt ein Besuch der inzwischen dank herausragender Aufführungen mit namhaften Künstlern renommierten Bad Hersfelder Festspiele. Auch für die inzwischen 70. Festspiele konnte Intendant Joern Hinkel wieder Stars aus Film, Fernsehen und Theater u. a. für seine Shakespeare-Inszenierung verpflichten.
Das nicht nur klassische Weimar
Nur etwa 20 Kilometer östlich von Erfurt liegt Weimar, und hier sollte sich jeder genügend Zeit nehmen, selbst wenn er vorhat, nur die Highlights der »Klassikerstadt« zu besichtigen. Das Denkmal Goethes und Schillers grüßt vor dem heutigen Deutschen Nationaltheater und kündet vom gemeinsamen Wirken der beiden Dichter, die auch viele andere bedeutsame Köpfe nach Weimar zogen. Im weitläufigen lieblichen Park an der Ilm verlebte Goethe in seinem »Gartenhaus« viele glückliche Jahre. In den freundlichen Innenräumen wurden dezent Einrichtungsgegenstände aus Goethescher Zeit platziert und Zeichnungen aufgehängt. Es heißt, der Dichter Johann Gottfried Herder habe sich mit einem Säbel wie mit einer Machete einen Weg durch die Wildnis bahnen müssen, um mit Goethe in dessen Garten mit den langen, üppig bestückten Blumenrabatten und dem Denkmal »Stein des guten Glücks« disputieren zu können.
Ein anderes Haus, ein anderer Stil: Das Bauhaus-Museum gewährt Einblicke in Leben und Werk der Avantgardekünstler Walter Gropius, Lionel Feininger, Paul Klee und anderer namhafter Gestalter, die vor allem in den 1920er-Jahren im Bauhaus zu Weimar neue Maßstäbe in Architektur, Kunst und Design setzten.
Allein das genießerische Flanieren ohne Ziel über Frauenplan und Markt oder durch die Luthergasse, wie wohl schon die Klassiker selbst es getan haben mögen, bietet genügend Abwechslung. Dabei locken aber auch zum Beispiel Rundgänge durch die Wohnhäuser Goethes und Schillers oder durch das Residenzschloss.

Im Pavillon des Bauhaus-Museums entdeckt der Besucher manches vertraute Design.
Infos und Adressen
ANREISE
Bahn: gute IC/ICE-Verbindungen in alle großen Städte; Auto: von Westen kommend mit dem Auto über die A44 bis Kassel, Abfahrt Kassel-Bad Wilhelmshöhe Richtung B520; von Kassel über die A7 Richtung Frankfurt/Würzburg/Erfurt bis Autobahnkreuz Kirchheimer Dreieck, dann A4 Richtung Berlin/Dresden/Erfurt, Ausfahrt Friedewald, Richtung Bad Salzungen; von dort weiter auf der A4 nach Eisenach, Erfurt, Weimar; Abstecher nach Gotha und Arnstadt möglich
BESTE REISEZEIT
ganzjährig, wer Gärten und Parks in Blüte erleben möchte: April bis Oktober
SEHENSWERT
Gotha. Ehemalige Residenzstadt des Herzogtums Sachsen-Gotha mit der größten barocken Schlossanlage Deutschlands, Schloss Friedensstein
Herzogin Anna Amalia Bibliothek Weimar. Die Bibliothek wurde im 17. Jh. gegründet und 1991 nach ihrer Förderin, der Herzogin Anna Amalia von Sachsen-Weimar-Eisenach, benannt. Neben ihrem Literaturbestand beeindruckt der Rokokosaal. www.klassik-stiftung.de
Bauhaus-Museum Weimar. 1919 gründete Walter Gropius das Bauhaus und arbeitete hier mit international renommierten Avantgardekünstlern. www.klassik-stiftung.de
Kirms-Krackow-Haus in Weimar. Das Amtsschreiberhaus aus der Renaissance wurde im Stil eines Bürgerhauses zu Beginn des 19. Jh. eingerichtet, mit Biedermeiergarten und Gartenpavillon. www.weimar.de
Bad Hersfelder Festspiele. Theater und Musik mit Darstellern und Regisseuren von Rang in der stimmungsvollen Stiftsruine. www.bad-hersfelder-festspiele.de

Auf dem schönen Weimarer Marktplatz laden Restaurants, Cafés und die berühmten Thüringer Bratwurststände zum Verweilen ein.
ESSEN UND TRINKEN
Café am Frauentor in Weimar. Eine riesige Tortenauswahl in gediegenem Ambiente, von der oberen Etage mit Blick auf das Goethehaus am Frauenplan 1. www.cafe-frauentor.de
Gasthaus Zum Schwarzen Bären. Thüringer Spezialitäten in gepflegter Atmosphäre im ältesten Gasthaus Weimars (Gasthaus seit 1540) genießen. www.schwarzer-baer.de
SHOPPING
Ginkgo-Pflanzen, Literatur, Produkte – alles zum von Goethe im Gedicht Ginkgo biloba verewigten Baum gibt es im Ginkgo Museum in Weimar. www.ginkgomuseum.de
Thüringer Spezialitäten. Alles Leckere aus Thüringen auf einen Blick einzeln oder in Geschenkkartons in Erfurt und Weimar. www.thueringer-spezialitaeten.de
Erfurter Blau. Im Laden auf der Krämerbrücke gibt es Stoffe, Schmuck und vieles mehr, das mit Waidblau gefärbt wurde. erfurterblau.de
ÜBERNACHTEN
Hotel Elephant. 1696 gegründet, ein Klassiker direkt am Marktplatz. www.hotelelephantweimar.de
Sophien Hotel. Ruhig, aber sehr zentral gelegenes Viersternehotel mitten in Eisenach, guter Ausgangspunkt für Ausflüge. www.sophienhotel.de
Schlosshotel Prinz von Hessen. Herrschaftlich residieren in einer alten Wasserburg mit modernem Kern in Friedewald – nicht nur die Suiten »Rosenkavalier« oder »Wiener Blut« versprechen Erholung in luxuriösem Ambiente. www.goebel-hotels.com/friedewald/schlosshotel
WEITERE INFOS
Tourist-Information Thüringen: Willy-Brandt-Platz 1, Erfurt, www.thueringen-tourismus.de

Das Wappentier des Hotel Elephant
16 Detmold und Lipper Wald
Dichtes Grün und Geschichte zum Anfassen

Das Denkmal zu Ehren des Germanenrecken Arminius gehört zu den bekanntesten Nationaldenkmälern aus der Kaiserzeit.
HIGHLIGHTS
Detmold, Altstadt. Mit Residenzschloss (ab 1549), Landestheater (1825) und Palaisgarten
Hermannsdenkmal. Nationaldenkmal (1875) für Arminius, den Sieger der Varusschlacht (9. Jh. n. Chr.); Rundwanderweg (8 km)
Hermannsweg. Fernwanderweg durch den Teutoburger Wald, Start an Preußischer Velmerstot (468 m) im Eggegebirge
LWL-Freilichtmuseum Detmold. 100 Wohnhäuser, Wirtschaftsgebäude und Werkstätten aus dem ländlichen Westfalen (April–Okt.)
Externsteine. Sandsteintürme bei Horn-Bad Meinberg
FESTE UND EVENTS
Europäisches Straßentheaterfestival Detmold. Alle zwei Jahre an Pfingsten (Mai/Juni) – PferdeStark. Wettbewerb und Show um das Kaltblutpferd im Gut Wendlinghausen, Dörentrup (Lipper Bergland) im August – MuseumsAdvent. Im Dezember im LWL-Freilichtmuseum Detmold
»Deutsche Einigkeit meine Stärke, meine Stärke Deutschlands Macht.« Ein Ruf wie Donnerhall schallt durch den Teutoburger Wald. Es herrscht jedoch tiefer Frieden. Besucher genießen die Aussicht, atmen die Waldluft, kraxeln im Teuto-Kletterpark und fotografieren sich gegenseitig – Familienausflug am Hermannsdenkmal.
Der 386 Meter hohen Sandsteinkuppe auf der Grotenburg widmete der Architekt und Bildhauer Ernst von Bandel (1800–1876) sein Leben. Nahe germanischer Wallburgreste (Großer und Kleiner Hünenring) errichtete er gegen viele Widerstände ein Nationaldenkmal für Hermann den Cherusker, das weniger die Römer des Varus als den Erbfeind Frankreich im Blick hatte. Auch wenn die Schlacht im Teutoburger Wald inzwischen anderswo verortet wird, reckt der Germanenfürst als 27 Meter hohes Kupferstandbild nach wie vor siegesgewiss sein sieben Meter langes Schwert mit der »hochnationalen« Inschrift in die Höhe.
Die ehemalige Residenzstadt der Fürsten zu Lippe, acht Kilometer vom Hermannsdenkmal entfernt, behauptet ihr historisches Erbe um den Markt (mit klassizistischem Rathaus) und das Fürstliche Residenzschloss, das seit der Weserrenaissance zur Vierflügelanlage wuchs. Schlachten scheinen Kunst und Kultur in Detmold zu Höhenflügen inspiriert zu haben: Christian Dietrich Grabbe dichtete Die Hermannsschlacht, Ferdinand von Freiligrath beklagte die Toten, und auf den acht flämischen Gobelins im Königszimmer des Schlosses erobert Alexander der Große gerade sein Weltreich. Beschaulich wird es erst wieder in den Gassen der Altstadt um die Erlöserkirche und im Landschaftspark um das Neue Palais (1718), heute eine Musikhochschule.
Durch den Naturpark Teutoburger Wald-Eggegebirge verläuft der Hermannsweg, ein Fernwanderweg, vorbei an den wildzerklüfteten Externsteine nahe Horn-Bad Meinberg. Treppen führen auf zwei Sandsteintürme mit herrlicher Aussicht.
Infos und Adressen
ANREISE
Bahn: IC bis Bielefeld, Herford oder Paderborn, weiter nach Detmold und Horn-Bad Meinberg; Auto: A33 Paderborn, B1; alternativ: A2 Bielefeld-Zentrum oder Herford/Bad Salzuflen, B66 bzw. B239
SEHENSWERT
Lippisches Landesmuseum. Natur, Völkerkunde, Geschichte und Handwerk in vier historischen Gebäuden, in der Zehntscheune (1555) Ausstellung zum Mythos um Arminius und Thusnelda. Ameide 4, Detmold, www.lippisches-landesmuseum.de
Horn-Bad Meinberg. Fachwerkhäuser und Burg in Horn, vier Kurparks im Mineral- und Moorheilbad Bad Meinberg
ESSEN UND TRINKEN
Im Weißen Ross. Westfälische Spezialitäten im Paderborner Dorf des LWL-Freilichtmuseums Detmold. www.im-weissen-ross.com
WEITERE INFOS
Tourist Information Lippe & Detmold: Rathaus am Markt, www.stadtdetmold.de
LWL-Freilichtmuseum Detmold: Krummes Haus, www.lwl-freilichtmuseum-detmold.de
Stadtmarketing Horn-Bad Meinberg: Allee 9, www.hornbadmeinberg.de
Wandern auf Hermannsweg und Eggeweg, www.hermannshoehen.de

Die Externsteine bei Horn-Bad Meinberg, Felstürme aus Sandstein, dienten bereits in vorchristlicher Zeit als Kultplatz.

Weißkopfseeadler gehören zu den Stars der Adlerwarte Berlebeck.
Ein besonderes Erlebnis
HERRSCHER DER LÜFTE
Mehr als 40 Greifvogelarten präsentieren sich in der Adlerwarte Berlebeck, der ältesten und größten ihrer Art in Europa (www.detmold-adlerwarte.de). Wie Adler, Bussarde, Habichte, Falken und sogar Geier sich in freier Wildbahn verhalten und welche Gefahren ihnen durch den Menschen drohen – oder für Kleingetier von ihnen ausgehen –, ist umfassend und bilderreich dokumentiert. Zum Erlebnis aber wird die Schau in der »Flugarena«. Angeleitet durch ihren Trainer zeigen die Tiere ihre Krallen, Schwingen und Flugfähigkeiten bei der »Jagd«, dicht über und vor dem staunenden Publikum. Am Ende landen sie jedoch immer auf dem Arm des Falkners. Das Freiflugprogramm findet von März bis November zweimal am Tag statt. Geruhsamer geht es im Vogelpark Heiligenkirchen (www.vogelpark-heiligenkirchen.de) zu. Neben heimischen Vogelarten können bunte Exoten aus Amazonien, Südostasien und Afrika in großen Volieren bewundert werden. Die Fütterung der Papageienbabys erfreut Groß und Klein.
17 Tecklenburger Land
Wohlfühltage zu Lande und zu Wasser

Frühling zur Zeit der Kirschblüte im Tecklenburger Land; Hof in Holperdorp (Gemeinde Lienen) im Teutoburger Wald
HIGHLIGHTS
Tecklenburg. Historische Altstadt mit Fachwerkhäusern (16.–18. Jh.) und Schlossruine (Burg Tecklenburg), Freilichtbühne mit Musicalaufführungen (Mai–Sept.)
Dörenther Klippen. Felslandschaft und Naturdenkmal mit Hockendem Weib
Aasee: Erholungs- und Freizeitareal am Südeingang von Ibbenbüren mit Aaseebad
Wandern. Auf den Rundwegen der Teutoschleifen und dem Hermannsweg
Radtouren. Auf der 100-Schlösser-Route, der Friedensroute (einst Kurierweg der »Friedensreiter«) und dem Töddenland-Radweg (Münsterland–Emsland)
FESTE UND EVENTS
Mai. Bunte Gartenträume auf dem Geranienmarkt in Tecklenburg – September. Leinen- und Handwerkermarkt, Tecklenburg – September. Ibbenbürener Großkirmes, traditionsreiches Volksfest in der Innenstadt – September/Oktober. Münsterland-Festival, vier Wochen Musik, Kunst und Ausstellungen
Das westfälische Bergstädchen Tecklenburg ist ein idyllischer Ort, der Ruhe und Behaglichkeit ausstrahlt. Doch ebenso erlaubt seine Lage eine fantastische Aussicht vom »Balkon des Münsterlandes« über Wald, Burg, Berg und Tal. Da ist der Alltag schnell vergessen!
Die kleine Grafschaft Tecklenburg, die sich 1707 die Preußen einverleibten, durchschneidet den Iburger Wald als Teil des nördlichen Teutoburger Walds. Malerisch in einen Hang gebaut wurde Tecklenburg. Über der Stadtanlage mit ihren eng stehenden, schwarz-weißen Fachwerkhäusern erhebt sich die Schlossruine. Ihre Attraktion ist Deutschlands größte Freilichtbühne für Musiktheater. Tecklenburg ist auch ein guter Ausgangspunkt zur Erkundung des abwechslungsreichen Hügellands im Wanderschuh oder mit dem Fahrrad.
Die Beschreibung der Landschaft als beschaulich greift aber zu kurz. Denn auf den Teutoschleifen eröffnet sich zuweilen ein umwerfender Fernblick. Und an den Felsen der Dörenther Klippen erhält die Landschaft einen dramatischen Zug; die Felsformation Hockendes Weib (153 m ü. NN) hat im wahrsten Sinne des Wortes sagenhafte Züge. Auch die Bezeichnung ländlich führt in die Irre. Die Teutoburger-Wald-Eisenbahn diente dem kostengünstigen Abtransport weithin geschätzter Rohstoffe: Ibbenbürener Sandstein aus den Steinbrüchen und Anthrazitkohle aus Ibbenbüren. Die Dampfloks des »Teuto-Express« fahren auf einigen Teilstrecken.
Hochwertiges Leinen haben die »Tödden« oder »Tüötten« bis in die Niederlande und nach Nordeuropa verkauft. Das Tecklenburger Land gehörte zu den Zentren der Flachsverarbeitung. Eine historische Qualitätsprüfstelle im Tecklenburger Torhaus Legge (in dem heute Kunstausstellungen gezeigt werden) legt davon Zeugnis ab. Aus Mettingen kommt eine der bekanntesten deutschen Unternehmerdynastien. Diese Erfolgsgeschichten sind auf einer gemütlichen Bootstour auf dem Aasee von Ibbenbüren aber weit weg.
Infos und Adressen
ANREISE
Bahn: IC bis Osnabrück oder Münster, weiter mit RB nach Lengerich oder »Freizeitbus« bis Tecklenburg (Mai–Sept.); Auto: A1 Lengerich/Tecklenburg, A30 Ibbenbüren oder Laggenbeck
SEHENSWERT
Wasserschloss Haus Marck. Führungen April–Okt., Schlosskonzerte im Rittersaal
Tüöttenmuseum Mettingen. Über das Leben und Arbeiten der Wanderkaufleute, Fachwerkhäuser. Sunderstr. 2, www.mettingen-tourismus.de
ESSEN UND TRINKEN
Hubertushof. Hotel und Restaurant, klassische Fleisch- und Fischgerichte, große Außenterrasse. Münsterstr. 222, Ibbenbüren, www.hotelhubertushof.de
ÜBERNACHTEN
Jugendherberge Tecklenburg. Auf dem Burgberg. Am Herrengarten 5, www.djh-wl.de
WEITERE INFOS
Tecklenburger Land Tourismus: Markt 7, Tecklenburg www.tecklenburger-land-tourismus.de;
Freilichtspiele Tecklenburg: Schlossstr. 7, www.freilichtspiele-tecklenburg.de;
Tourist-Information Ibbenbüren: Bachstr. 14, www.tourismus-ibbenbueren.de
Ein Minion beim »Badewannenrennen« 2015 auf dem Aasee in Ibbenbüren

Das Hockende Weib ist die auffälligste der Dörenther Klippen bei Ibbenbüren.
Ein besonderes Erlebnis
SOMMERRODELBAHN IBBENBÜREN
Ibbenbüren besitzt ein herrlich altmodisches Freizeitvergnügen: Auf einer etwa 120 Meter langen Rutsche sausen Holzschlitten den ganzen Sommer über den Hang hinunter. Die Sommerrodelbahn nahe den Dörenther Klippen ist die älteste noch betriebene Anlage ihrer Art in Deutschland und geht zurück auf einen Bergmann aus Ibbenbüren, der die zunächst abwegig erscheinende Idee vom Rodeln im Sommer in die Tat umsetzte.
Die Bahn liegt außerdem eingebettet in einen Freizeitpark, der mit einem charmanten Märchenwald, mehreren Spielplätzen und diversen Fahrgeschäften wie »Reise um die Welt« ganz auf Familien zugeschnitten ist. Die Fahrt mit den traditionsreichen Holzschlitten startet von April bis Oktober an der Bergstation. Unten werden die Schlitten ganz bequem per Aufzug wieder zum Ausgangspunkt zurückgebracht.
Münsterstr. 265, www.sommerrodelbahn.de
18 Nationalpark Eifel
Wasser, Wald und Geschichte

In Monschau säumen schmucke Fachwerkhäuser die Rur. Das Städtchen verdankt seinen Reichtum der Tuchindustrie.
HIGHLIGHTS
Wanderungen im Nationalpark. Markierte Strecken- und Rundwanderwege
Nationalparktore. Informationshäuser des Nationalparks in Simmerath-Rurberg, Schleiden-Gemünd, Heimbach, Monschau-Höfen und Nideggen
Rurtalsperre. Verschiedene Wassersportarten, Ausflugsschiffe der Rursee-Schifffahrt
Vogelsang Internationaler Platz. Ehemalige nationalsozialistische Schulungsstätte, Führungen und Besucherzentrum
Monschau. Historisches Fachwerkstädtchen an der Rur, mit zahlreichen Einkehrmöglichkeiten
FESTE UND EVENTS
Rursee in Flammen. Das riesige Höhenfeuerwerk über dem Wasser des Rursees wird von Konzerten begleitet und findet jährlich im Juli statt. www.rursee-in-flammen.de – Weihnachtsmarkt Monschau. Schöner Weihnachtsmarkt im Schatten der Fachwerkhauskulisse von Monschau, Fr–So 11–20 Uhr
Gäbe es keine Menschen, wäre Mittteleuropa ein einziger Buchenwald. Der 2004 eingerichtete Nationalpark Eifel schützt jene ursprüngliche Waldform. Bäche und Felsen flankieren die schattigen Laubwälder. Ein Ausflug in die nördliche Eifel führt aber auch zu Deutschlands zweitgrößtem Stausee, der Rurtalsperre.
An den Eingängen des Nationalparks informieren »Nationalparktore« über den Park und seine Natur. Innerhalb des Nationalparks stehen zahlreiche ausgeschilderte Wanderungen zur Auswahl, u. a. Thementouren wie »Buchenhallen und Eichenhänge« oder »Schieferbrüche und Fledermäuse«. Für besonders Sportliche bietet sich der Wildnis-Trail an. Er führt in vier Tagesetappen von bis zu 25 Kilometern einmal quer durch das Schutzgebiet.
Die Buchen gedeihen in der Eifel nicht nur auf den Hochflächen. Auf trockenen Hängen stehen sie in Hangmischwäldern, in feuchten Abschnitten finden sie sich in Schluchtwäldern. Diese verschiedenen Waldformen bilden im Nationalpark ein kleinräumiges Mosaik.
Am Rand des Nationalparks erstreckt sich die Rurtalsperre, der zweitgrößte Stausee Deutschlands, mit seinem 72 Meter hohen Damm. Wer nicht nur wandern möchte, kann hier Wald und Wasser von einem Ausflugsschiff der Rursee-Schifffahrt aus betrachten.
Mitten im Nationalpark befindet sich ein Relikt aus nationalsozialistischer Zeit: die ehemalige »Ordensburg« Vogelsang. Hier sollte der »Führungsnachwuchs« geschult werden. Nach dem Zweiten Weltkrieg diente das Gebiet den belgischen Streitkräften als Truppenübungsplatz. Erst 2006 wurde die »Ordensburg« für eine zivile Nutzung freigegeben und dient heute als Ausstellungs- und Bildungszentrum mit eigenem Besucherzentrum.
Bei so viel Natur und Geschichte kommen auch die Liebhaber kulinarischer Gaumenfreuden nicht zu kurz. Die zahlreichen Eifel-Restaurants legen großen Wert auf Produkte direkt aus der Region. So lassen sich Eifel-Rind, Eifel-Lamm und Eifel-Schwein in verschiedenen Kreationen genießen.
Infos und Adressen
ANREISE
Bahn: von Köln oder Trier zum Bahnhof Kall, von dort weiter mit dem Bus; ab Düren mit der Rurtalbahn nach Heimbach; Auto: A1 oder A4, Weiterfahrt auf Bundesstraßen ausgeschildert
SEHENSWERT
Historische Senfmühle. Familienbetrieb, der rund 20 verschiedene Senfsorten produziert. Laufenstr. 118, Monschau, www.senfmuehle.de
ESSEN UND TRINKEN
Graf Rolshausen. Uriges Restaurant mit rustikalen Speisen in einem 400 Jahre alten Gewölbekeller. Kirchstr. 33, Monschau, www.graf-rolshausen.de
ÜBERNACHTEN
Hotel Friedrichs. Elegantes Hotel mit 23 Zimmern am Zusammenfluss von Urft und Olef. Alte Bahnhofstr. 16, Schleiden-Gemünd, www.hotel-friedrichs.de
WEITERE INFOS
Nationalpark Eifel: Informationsportal, www.nationalpark-eifel.de
Rureifel-Tourismus Heimbach: An der Laag 4, Heimbach, www.rureifel-tourismus.de

Modernes Designobjekt auf der ehemaligen NS-Ordensburg Vogelsang

Alte Fachwerkvilla in Gemünd
Ein besonderes Erlebnis
EISENWANDERWEG
Die nördliche Eifel war vom 16. bis ins 19. Jahrhundert eines der frühen Zentren der deutschen Industrialisierung. Seit etwa 1500 wurden hier unzählige Hochöfen und Hammerwerke, sogenannte Reidtwerke, errichtet. Der 2,7 Kilometer lange Eisenwanderweg erschließt ehemalige Standorte dieser Industrie. Er beginnt am Nationalparktor Gemünd und wird durch ein »E« markiert. Entlang des Weges informieren insgesamt acht Informationstafeln über die Geschichte der Reidtwerke. Der Weg führt u. a. zu den Resten des 1763 gegründeten Gemünder Eisenwalz- und Schneidwerks, der »Mariahütte«. Von einem 1845 errichteten Röhren- und Walzwerk in Mauel blieb nur die Villa der Fabrikantenfamilie Poensgen erhalten. Die Wanderung endet an einer Pinge, einer runden Vertiefung, die durch eine bergbauliche Abgrabung entstanden ist. Zurück geht man entweder die gleiche Strecke zu Fuß oder nimmt den Bus (die Fahrt dauert etwa zehn Minuten).
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