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B.R. Schlüter

Die Chroniken von Elderon

Willkommen in der mystischen Welt von Elderon

Dieses ebook wurde erstellt bei

Inhaltsverzeichnis

Titel

Die Chroniken von Elderon

Willkommen in der mystischen Welt von Elderon

Prolog

Kapitel 1 Der Traum

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Epilog

Impressum neobooks

Die Chroniken von Elderon

Willkommen in der mystischen Welt von Elderon

B.R.Schlüter

Impressum

Texte: © Copyright by B.R.Schlüter

Umschlag: © Copyright by B.R.Schlüter

Verlag: B.R.Schlüter

B.R.Schlueter@gmx.de

Prolog

Juna ist eine ganz normale junge Frau.

Sie arbeitet als Professorin an einem Collage, sie hat ihre beste Freundin Lilly immer an ihrer Seite und sie genießt ihre Freiheit.

Ihre Eltern eröffneten ihr zu ihrem 18. Geburtstag, dass sie “nur“ adoptiert sei, aber das war ihr schon länger bewusst, denn sie unterschied sich, rein äußerlich, extrem von ihren Eltern.

Juna ist groß, hat lilafarbene Augen und silbern - blaues Haar. Das war eindeutig absolut nicht normal.

Ihr Leben war dennoch, für sie, perfekt...

...Jedenfalls bis zu ihrem 21. Geburtstag, denn ab da an, hatte sie jede Nacht einen immer wiederkehrenden Traum.

Kapitel 1 Der Traum

Wieder wachte ich schweißgebadet neben meinem Bett auf.

Ich hatte seit mehreren Wochen jede Nacht den selben Traum;

Ich bin eine junge Frau, in einem Mantel eingehüllt und schleiche des Nachts durch die langen Gänge einer Burg.

Mehrere Male muss ich mich in die nächste Ecke drücken, da die Wachen Patrouille liefen.

Endlich, nach mehreren Versuchen, schaffte ich es in den Innenhof, vorbei an den Wachen, raus in den Wald.

Die Sonne war gerade untergegangen und erste Nebelschwaden zogen herauf und bedecken den Waldboden.

Ich schlich mich weiter durch das dichte Unterholz, tiefer in den Wald hinein.

Nach etwa einem Kilometer Fußmarsch erreichte ich nun endlich meinen Zielort: Die Lichtung der Liebenden.

Am Waldrand, zwischen einem Meer aus Glühwürmchen, stand eine weitere Person und streckte mir seine Hand entgegen.

Ich sah mich kurz um, ob mir niemand gefolgt war,dann rannte ich ihm entgegen.

Es war mein Freund Raven.

Wir konnten uns immer nur im Schutz der Nacht treffen, da unsere Familien gegen unsere Verbindung waren.

Er nahm mich in den Arm und flüsterte mir sanft ins Ohr „Elisabeth, was machst du hier? Außerhalb des Schlosses ist es zu gefährlich für dich.“

Ja es waren schwierige Zeiten, denn zwischen den Reichen herrschte Krieg.

„Ich musste dich einfach sehen, Raven. Es sind bereits zwei Monde vergangen, seit unserem letzten Treffen.“ hauche ich beinahe flehend in seine Richtung.

Er schaut mich etwas wehleidig an und nahm mich noch fester in seine Arme.

Ich merkte wie ihm eine Träne über die Wange lief. Kurz darauf flüsterte er „Es tut mir leid.“

„Was tut dir le...?“

Aber mehr konnte ich nicht mehr sagen, denn ich sackte zugleich zu Boden, mit einem Dolch in meinem Rücken.

Ich grübelte noch etwas über diesen seltsamen Traum, bis ich auf meinen Wecker schaute.

„Arg Juna, reiß dich zusammen! Es ist nur ein dämlicher Traum!“

rief ich mir selbst zu. Ich kniff die Augen zusammen, schüttelte meinen Kopf und stand vom Fußboden auf, um in mein Badezimmer zu gehen.

Ich sprang schnell unter die Dusche, kämmte mir meine silber- blauen Haare und setzte mir meine grünen Kontaktlinsen ein, damit niemand meine völlig merkwürdigen lilafarbenen Augen sehen konnte.

Die merkwürdige Haarfarbe konnte ich ja noch erklären und als Färbung abtun. Aber diese Augenfarbe, das hatte schon etwas von Halloween oder Cosplay.

Ich schnappte mir meine Lunch-box und einen Apfel und verließ mein Haus, um zur Arbeit zu fahren.

Ich arbeite an einem Collage, als Professorin für Mythologie, Legenden und Sagen.

Nach vier Stunden Unterricht, machte ich meine wohlverdiente Mittagspause.

Ich holte mein Sandwich raus und wollte gerade hinein beißen, als mir plötzlich jemand die Augen zu hielt.

„Rate mal wer hier ist?“ erklang eine liebliche Stimme hinter mir.

Natürlich wusste ich sofort, dass es meine beste Freundin aus meiner Kindheit und liebste Arbeitskollegin Lilly war.

Ich stellte mich dumm und fing an zu raten „Ähm Meridith? Joy?“

„Nein du Dummerchen, du weißt doch ganz genau, wer hier ist!“ Sagte sie und setzte sich grinsend vor mich.

Lilly war rein äußerlich das komplette Gegenteil von mir.

Sie hatte langes, karamellfarbenes Haar, war etwa einen halben Kopf kleiner als ich und hatte leuchtende grün-blaue Augen.

Sie trug nur zu Kostümbällen, oder an Halloween anders farbige Kontaktlinsen. Ich beneidetet sie ein wenig dafür, dass sie so normal war.

„Hallo Erde an Jun!“ mit einem Winken über meine Augen riss sie mich aus meinen Gedanken.

„Was? Ja, was hast du gerade gesagt?“

Lilly verdrehte die Augen und gab mir einen Stoß in die Seite.

„Jaa. Du, ich heute Abend ins Triangle?“

Ich dachte kurz darüber nach.

Das Triangle war der angesagteste Club in der Stadt und man kam nur hinein, wenn man schon einmal drin war, wenn auch nur als Begleitung.

Denn nur dann kam man auf die Gästeliste.

Da meine Familie zu den absoluten VIP`s der Stadt, nein des Landes zählte, stand mein Name so ziemlich an erster Stelle.

„Können wir nicht einfach ganz entspannt Essen gehen? Oder einen gemütlichen Filme-Marathon bei mir zu Hause machen?“ fragte ich etwas genervt.

Die ständigen Blicke, die sich grundsätzlich auf mich richteten, empfand ich als nervig.

„Ach bitte! Dafür machen wir nächstes Wochenende auch ganz gemach und entspannt, einen Filme-Abend. Bitte, bitte!“ bettelte sie mit zitternder Lippe und Dackelblick.

Diesem Anblick zu widerstehen, war fast unmöglich. Schließlich knickte ich ein und sagte zu.

„Okay. Meinetwegen. Aber nur wenn du dein ´Wunder-Make-Up´mitbringst, gegen meine Krater von Augenringen.“

Zuerst freute sie sich wie ein kleines Kind an Weihnachten, aber kurz darauf musterte sie gründlich mein Gesicht.

Nach kurzer Zeit seufzte sie und legte mir ihre Hände auf die Schultern.

„Wieder der Traum?“ fragte sie etwas besorgt.

„Ja DER Traum“ antwortete ich genervt von mir selbst.

Lilly war die einzige Person, der ich das mit dem immer wiederkehrenden Alptraum, erzählt hatte.

Würde ich das mit meinen Eltern besprechen, nun ja, ich wäre schneller in therapeutischer Behandlung, als ich gucken könnte.

Plötzlich sah ich ein Funkeln in ihren Augen.

„Warst du wieder diese Frau? Konntest du diesmal herausfinden wo es war? Waren da noch andere Personen außer diesem bösartigen Raven? Konntest du irgendwelche Pflanzen oder Tiere erkennen?..“

„Lil, STOP! Nur weil du jetzt Traumdeutung mit unterrichtest, muss ich nicht dein nächstes Studienobjekt sein!“

Sie unterrichtete Okkultismus und die Lehre der Hexenverfolgung.

Sie seufzte, aber konnte meine Missbilligung nachvollziehen.

„Okay, dann um 19 Uhr bei dir Juju.“ sagte sie mit einem höhnischen Grinsen.

„Sagen wir lieber 18:30 und hör bitte auf mich auf der Arbeit so zu nennen. Dieser Spitzname ist nicht wirklich altersgemäß.“ antwortete ich ihr, verzog mein Gesicht und beendete, immer noch hungrig, meine Pause.

Kapitel 2

Das Portal

Um Punkt 18:30 stand Lilly bei mir vor der Tür und grinste in die Kamera.

Ich wohnte außerhalb der Stadt, in einem riesigen und sehr prunkvollem Haus in den Hügeln von Kalifornien.

Ich persönlich hätte mich auch mit einem kleinen Apartment in der Stadt zufrieden gegeben, aber meine Eltern bestanden förmlich darauf, dass ich in diese Festung zog.

Ich ging zur Tür und betätigte das Sicherheitsprotokoll, inklusive Irisscanners.

Erst wenn die Person vollständig identifiziert war, öffnete sich das Türschloss.

Diese Prozedur, bei jedem Besuch, nervte mich bereits zu meinem Einzug.

Manchmal fühlte ich mich wie in einem Hochsicherheitstrakt, der besser bewacht war als Fort Nox.

Endlich öffnete sich die Tür und Lilly kam, mit mehreren Taschen beladen, in mein Wohnzimmer marschiert.

„So da bin ich. Ich habe ein paar Outfits und mein komplettes Schmink-Arsenal dabei.“ sagte sie und hob die Taschen auf die Couch.

Ich wusste ganz genau, dass wir heute keines ihrer Mitbringsel anprobieren würden, sondern etwas aus der neuen Modekollektion meiner Schwester Malia.

Malia war meine 2 Jahre ältere Schwester, die nach ihrem Modestudium direkt mit unserer Tante Lyla, mehrere eigene Modekollektionen entwarf.

Ich musste grundsätzlich als Model fungieren. Der Vorteil der Sache war, dass ich sämtliche Kleidungsstücke behalten konnte, mit denen ich fotografiert wurde.

Nach beinahe eineinhalb Stunden Outfits wechseln, hatten wir beide endlich jeweils eins gefunden, was uns gefiel.

Lilly trug ein lila schwarzes Minikleid mit einem V-Ausschnitt und mehreren Schnitten an ihrer Taille, so das man recht viel Haut sehen konnte. Dazu trug sie schwarze Highheals, die mit zwei Bändern bis zu ihren Knien, überkreuzt, zusammen gebunden waren.

Ich dagegen trug ein saphirblaues, knielanges Kleid, wo der Rücken frei, aber mit silbernen Ketten verziert, um Akzente setzten. Dazu schwarze Stiefelletten.

Nach dem frisieren und schminken holte Lilly plötzlich ein kleines, sehr alt aussehendes Buch aus ihrer Tasche hervor.

Sie blätterte ein bisschen darin herum bis sie auf einer Seite stehen blieb und auf ein Bild mit einem verschnörkelten Spiegel deutete.

„Sie mal, in dem Buch steht, wenn man wissen will was ein immer wiederkehrender Traum für eine Bedeutung hat, soll man in den Spiegel des Schicksals gucken.

Wenn man sich langsam in ihm verliert, dann wird einem der Hüter der Erinnerungen alle Fragen beantworten.“

Sie sah mich mit ernster Miene an. Ich konnte nicht anders und musste laut los lachen.

Ich schüttelte den Kopf und fragte sie sarkastisch, ob das ihr Ernst war.

„Ich habe dich ja lieb Lilly, aber glaubst du allen ernstes, dass ein alter Spiegel mit einem Greis darin mir sagen könnte, was mit mir nicht stimmt, beziehungsweise was mit mir los ist?

Ich glaube an so einen Hokus Pokus nicht! Und selbst wenn es diesen Spiegel irgendwo gibt, wer sagt dir, dass er nicht irgendwo auf dem Meeresgrund neben der Titanic liegt?“ prustete ich immer noch lachend.

Lilly verzog das Gesicht und guckte mich böse an.

„Du wirst schon sehen. Wenn die Zeit gekommen ist, wird sich dir der Spiegel offenbaren.“

Ich wischte das Märchen vom Zauberspiegel beiseite, nahm unsere Handtaschen und wollte Richtung Tür gehen.

Jemand hupte und auf Lilly´s Gesicht breitete sich ein riesiges Lächeln aus.

Das konnte nichts gutes, für mich, bedeuten.

Mir stand der Mund offen und ich schaute ungläubig zwischen meiner besten Freundin und der überdimensionalen Strechlimousine, in meiner Einfahrt, hin und her.

Lilly zog mich mit sich in das riesige Fahrzeug und wir fuhren los.

„Ist das dein Ernst?! Eine Strech-Limo?! Noch auffälliger wäre es nur, wenn sie pink wäre!“ brachte ich nur wütend hervor.

Lilly zuckten nur mit den Schulter und sagte ganz beiläufig: „Die Pinke war nicht mehr verfügbar.

Außerdem entspann dich mal! Wir sind nur einmal im Monat hier und dann kannst du auch einen richtigen Auftritt haben!“

Ich verdrehte die Augen und wollte dem Fahrer am liebsten bitten, in einer Seitenstraße zu parken,

doch da hielten wir auch schon am Ende der Warteschlange an.

Als wir ausstiegen richteten sich alle Blicke auf mich, als wäre ich ein Schauspieler, der gleich über den roten Teppich, zu einer Filmpremiere schreiten würde.

Wir gingen an den Menschenmassen vorbei, Richtung Eingang.

Ich konnte nicht nur die bohrenden Blicke auf mir spüren, sondern auch die hämischen Kommentare hören.

„Guck mal, da kommt Miss Doppel-Null, hat zwar mehrere Nullen auf dem Konto, aber hat auch 0 Respekt vor dem gemeinen Folk.“

„Oh schau mal, Madame hält sich für etwas besseres, bloß nicht anstellen und hier draußen mit warten“

Andere hingegen zückten wiederum ihre Handys um ein exklusives Foto von mir zu schießen.

Als wir am Eingang ankamen blickte uns der Türsteher, ein Mann wie ein Schrank, mit emotionsloser Miene, eindringlich an. Dann öffnete er uns das Absperrband und Begrüßte mich mit einem kleinen Lächeln. „Willkommen Miss Nightmoon“ Und winkte uns hindurch.

Drinnen gingen wir direkt zu unserem Stammtisch.

Ein kleiner Abgesperrter Bereich auf einem einem Podest, so das man den kompletten Club überblicken konnte.

Ich sah hinüber zur Bar, wo sich mir ein bekanntes Bild bot.

Die Kellner spielten Schere, Stein, Papier. Der Sieger “durfte“ dann heute Abend unseren Tisch bedienen.

Immerhin gab es immer ordentlich Trinkgeld von uns.

Und wieder war es Luna die als Siegerin hervor ging. Mit einem breiten Grinsen im Gesicht kam sie zu unserem Tisch herüber geschlendert.

Wir begrüßten uns mit einer herzlichen Umarmung.

Luna war ein Jahrgang unter mir am Collage gewesen und studierte Archäologie und Geschichte.

Mittlerweile war sie eine der anerkanntesten und jüngsten Archäologin , im ganzen Land.

Da es aber nicht täglich neue Ausgrabungsstätten gab, arbeitete sie zwischendurch als Kellnerin im Triangle.

„Wie immer, das Übliche?“ fragte sie uns freudig.

„Ja“ antworteten Lilly und ich synchron.

„Wie könnt ihr dieses bunte Zeug nur mögen? Das sieht doch aus, wie ein Regenbogen, der vom Himmel gefallen ist.“ fragte uns Luna.

Ich zuckte nur mit den Schultern und antwortete ihr, dass nicht das Aussehen ausschlaggebend sei, sondern der Geschmack.

„Okay. Alles klar, zwei Fantastic Lagoon, kommen sofort.“ sagte sie und drehte sich direkt Richtung Bar, um unsere Bestellung an den Barkeeper weiter zu leiten.

Als Luna außer Hörweite war, wandte ich mich mit verschränkten Armen an Lilly.

„So nun aber raus mit der Sprache! Warum genau wolltest du ausgerechnet heute hier her? Unser monatlicher Trip hier her , wäre eigentlich erst nächstes Wochenende dran gewesen.“

„Nun ja, ähm....wie soll ich dir das jetzt am besten sagen?“ stammelte sie nur.

Mein Blick verfinsterte sich und ich senkte den Kopf um etwas bedrohlicher zu wirken.

Schließlich brach ihre Maskerade zusammen und sie eröffnete mir den Grund unseres Besuches hier.

„Heute Abend ist Date-Night. Und bevor du jetzt wieder herum schnaubst und deine Augen verdrehst...Seitdem mit Brandon Schluss ist, hast du doch kaum einen anderen Kerl angeschaut..“

Ja Brandon, meine erste Liebe, die mich so extrem verraten und enttäuscht hat.

„Hätte ich denn weiterhin mit diesem Heuchler, der das Geld meiner Familie mehr liebte als mich, weiter versorgen sollen?!

Er war ja nun der Meinung mich mit meiner Mitbewohnerin Kelly zu betrügen, nachdem ich mich weigerte ihm einen Sportwagen zu kaufen.“

Ich massierte mir die Schläfen, da ich Kopfschmerzen bekam, sobald ich an Brandon denken musste.

„Außerdem hatte ich erst letzte Woche ein Date.“

Lilly riss ihre Augen weit auf und schaute mich ungläubig an.

„Und warum weiß ich davon nichts?“ fragte sie mich empört und entsetzt zugleich.

„Weil es da nichts zu erzählen gab. Jack hatte das teuerste Restaurant der Stadt ausgesucht und einmal die halbe Speisekarte bestellt. Er schlang das Essen regelrecht herunter und verlangte dann am Ende das ich die Rechnung bezahlte. Ab da war das Date für mich gelaufen.“ erzählte ich ihr und zuckte mit den Schultern.

Sie sah meine traurige Miene und schnappte sich direkt meine Hand, um mich auf die Tanzfläche zu ziehen.

„Komm, lass uns etwas tanzen gehen. Das Single Krams beginnt eh erst um Mitternacht, also haben wir noch genügend Zeit, um uns zu amüsieren. Außerdem musst du eindeutig deinen Kopf frei bekommen.“

Direkt als wir auf der Tanzfläche ankamen, spielte der DJ unser Lieblingslied und wir tanzten uns halb die Seele aus dem Leib.

Wir schwangen unsere Körper wild, nach dem Takt der Musik, umher. Nach einer guten halben Stunde deutete ich auf unseren Platz hin und machte mit meiner Hand eine pantomimische Bewegung, als würde ich etwas trinken.

Also gingen wir zurück zu unserem Tisch , wo bereits 2 eiskalte Fantastic Lagoon auf uns warteten.

Ich nahm den Strohhalm in den Mund und trank fast die Hälfte in einem Zug aus.

Lilly starrte mich etwas ungläubig an und wir mussten beide anfangen zu lachen.

Um Punkt Mitternacht schaltete der DJ die Musik aus und verkündete, dass jetzt die Date-Night beginnen würde.

Augenblicklich strömten massenweise Männer aus dem Club, zu uns an den Tisch.

Man konnte es mit einer saftigen Wiese und einem Schwarm Heuschrecken vergleichen, ich war sie Wiese.

Der Manager des Triangles sah den Aufruhr und forderte die Männer auf, sich gesittet zu benehmen und mich nicht als ein Stück Fleisch zu betrachten. Andernfalls könnten sie seinen Club verlassen und eine einjährige Sperre erhalten.

„Date-Night oder nicht, hier wird es keinen Tumult geben!“ sagte er und guckte finster in die Menge.

Ich hörte mir eine Lebensgeschichte nach der Nächsten an.

Es gab Geschichten über kranke Familienmitglieder, die eine teure Behandlung bräuchten, bis hin zu ebenfalls reichen Erben, wo eine Fusion der Geschäfte und zwischen uns, sehr Vorteilhaft sein könnten. All diese Geschichten hatte ich jetzt schon so oft gehört und ich war es leid, dass es immer nur um das Geld ging.

Ich saß gelangweilt am Tisch und nippte an meinem dritten Fantastic Lagoon, als ich plötzlich im Augenwinkel einen schwarzen Schatten vorbei huschen sah. Ich schaute auf, um die Gestalt zu sehen, die so plötzlich meine Aufmerksamkeit erregt hatte. Hinten in der Ecke zu dem Lagerraum stand sie. Sie sah aus, wie die Frau von der ich seit Wochen träumte. Sie nickte mir kurz zu und verschwand hinter der nächsten Tür.

Ruckartig stand ich auf, so das der Tisch bedrohlich ins Wanken geriet. Lilly und auch der Herr, der uns gegenüber saß, sahen mich verwirrt an.

Das konnte doch unmöglich real sein, ich war doch wach!

Ich musste der Sache auf den Grund gehen.

Ich ging um den Tisch herum und rannte quer über die Tanzfläche, in Richtung der Lagerräume.

Lilly hatte Schwierigkeiten mit mir Schritt zu halten.

Als sie mich endlich eingeholt hatte, fragte sie mich, ganz außer Atem, was denn plötzlich in mich gefahren war.

„Das wird dir gefallen, ich habe eben die Frau aus meinen Träumen gesehen, sie ging Richtung Lagerraum. Halt mich für völlig durchgedreht, aber ich will jetzt wissen, was hier los ist.

Ich will endlich Antworten haben!“

Kurz nachdem ich diese Worte ausgesprochen hatte, hörten wir eine säuselnde Stimme , die uns sagte, dass wir ihr folgen sollten.

„Hast du das eben auch gehört?“ fragte ich und Lilly nickte mir zu.

Da nicht nur ich diese Stimme gehört hatte, war ich mir sicher, dass ich nicht den Verstand verloren hatte. Wir schlichen uns weiter in Richtung Lagerraum.

Als wir den Raum betraten, sah ich noch den Zipfel eines Mantels um die nächste Ecke huschen.

Wir gingen hinterher. Hinter dieser Ecke stand ein riesiger, prachtvoller Spiegel, mit merkwürdigen Runen an den Seiten.

Diese Sprache sollte mir eigentlich unbekannt sein, aber sobald ich den Rahmen berührte entwirrten sich die Runen vor meinen Augen und ich konnte es lesen.

Dort stand „Das Tor zwischen den Welten.“

Ich las es eigentlich nur für mich, aber kurz nachdem ich die letzte Silbe ausgesprochen hatte, erstrahlte der Spiegel plötzlich und und unser Spiegelbild veränderte sich.

Vor uns standen nun nicht mehr unsere Spiegelbilder, sondern ein Bild einer Fee und einer Elfe.

Ungläubig hob ich eine Hand und die Elfe tat es mir gleich.

Ich sah zu Lilly herüber, aber sie grinste nur über beide Ohren, als wäre dies nichts besonderes für sie.

Die Elfe vor mir legte ihre Hand auf die Oberfläche des Spiegels, ich riss meine Augen auf und noch bevor ich etwas sagen konnte, tat ich das Gleiche.

Ein heller Lichtstrahl erschien, danach wurde alles schwarz und ich fiel in Ohnmacht.

Kapitel 3

Willkommen zu Hause

„Juna, Juna. Komm wach auf. Du bist zu Hause.“ hörte ich eine weibliche Stimme sagen.

Helle, wärmende Sonnenstrahlen weckten mich auf.

Ich hatte schon lange nicht mehr so gut geschlafen. Moment geschlafen? War ich nicht eben noch im Triangle gewesen? Hatte man mir vielleicht etwas in den Drink geschüttet?

Ich fuhr nach oben und schlug die Augen auf.

Ich musste mir die Hand vor die Augen halten, da die Sonne so sehr blendete. Es dauerte einige Minuten, bis sich meine Augen an das helle Licht gewöhnt hatten.

Ich saß auf einer Blumenwiese, mitten auf einer Lichtung im Wald.

Wie war ich bloß hier her gekommen? Und wo war Lilly?

Mir drehte sich der Kopf.

Ich setzte mich auf die Wiese und vergrub mein Gesicht mit meinen Händen.

„Das muss eine Halluzination sein! Ja genau, ich bin garantiert im Lagerraum hingefallen und habe mir den Kopf angeschlagen und nun liege ich, mit Medikamenten vollgepumpt, im Krankenhaus und träume das hier alles nur!“ sagte ich zu mir selbst.

„Was ist eine Halluzination? Ist das ein neuer Zauber?“ fragte eine mir unbekannte Stimme.

Ich nahm die Hände von meinen Augen und blickte in zwei eisblaue Augen.

Sofort sprang ich auf und sah zu diesem mysteriösen Augenpaar herüber.

Da saß ein Wolf vor mir!

Ich wollte davon laufen, aber meine Beine wurden sofort zu Wackelpudding, und ich sackte zurück auf den Boden. Also versuchte ich durch albernes herum gerutschte irgendwie etwas Abstand zwischen mir und dem Wolf zu bringen.

Aber anstatt mich als seine nächste Beute anzusehen, legte er den Kopf schief. Erst zur einen, dann zur anderen Seite.

Das Bild hatte etwas von einem Welpen, der das erste Mal ein quietschendes Spielzeug hörte.

„Ha ha ha, Jun du bist echt herrlich!“ hörte ich Lilly hinter mir rufen.

„Du hast echt Angst vor deinem Seelenwächter?!“ lachte sie.

„Meinem WAS?!“

Ich drehte mich zu Lilly um und konnte meinen Augen nicht trauen.

Sie hatte Flügel und sie glitzerte?!

Jetzt war ich mir sicher, DAS MUSSTE EIN TRAUM SEIN!

„Ich träume das alles nur! Das kann nicht echt sein! Ein sprechender, geflügelter Wolf und meine glitzernde, geflügelte Freundin?!“ lachte ich hysterisch.

Sie kam zu mir herüber und kniff mich in meine Schulter.

„Autsch!“ stieß ich aus.

„Das ist kein Traum Juna. Ich hab dir doch gesagt, irgendwann wird sich dir die Wahrheit offenbaren.“ sagte sie und lächelte mich liebevoll an.

„Welche Wahrheit? Wo sind wir hier? Warum sitzt da ein geflügelter, sprechender Wolf, keine zwei Meter von mir weg?

Warum konnte ich die Runen auf dem Spiegel lesen? Und warum hast du glitzernde Flügel?“

mir sprudelten die Fragen geradezu aus meinem Mund heraus.

„Psst, alles zu seiner Zeit Jun. Jetzt sollten wir uns erst einmal zum Kristallschloss aufmachen, bevor uns die Wachen einsammeln.“ flüsterte sie mir entgegen.

Aber da war es auch schon zu spät.

Plötzlich, wie aus dem Nichts, erschienen 8 Wachleute und umkreisten uns.

Einer der Wachen trat hervor und richtete sein Schwert auf mich.

„Ihr da! Was habt ihr auf den königlichen Ländereien zu suchen?“ fragte er sichtlich erzürnt.

„Kö-nig-liche“? brachte ich nur stammelnd hervor.

„Über das Ausmaß eurer Strafe, wird König Matteo entscheiden. Nehmt sie mit Männer!“

Wir wurden an den Handgelenken mit Seilen gefesselt und mussten mit ihnen gehen.

„Psst, Lilly. Was hat das hier alles zu bedeuten?“ fragte ich möglichst unauffällig.

Sie sah sich um und vergewisserte sich, dass die Wachen gerade nicht guckten. Dann antwortete sie mir. „Ich wollte dir eigentlich einige deiner Fragen beantworten, bevor wir zu König Matteo gegangen wären, damit du wenigstens ein bisschen Vorlauf gehabt hättest!“

Wir gingen mehrere Minuten zu Fuß durch den Wald, bis ich ein großes und sehr imposantes Schloss vor mir sah.

Auf den Fahnen am Schloss, sah man das königliche Wappen. Eine Stern über einem Sonnenuntergang.

Das kam mir so bekannt vor, aber ich wusste einfach nicht wo ich das ganze schon einmal gesehen hatte.

Im Thronsaal angekommen, schubsten uns die Wachen so stark, dass wir auf unsere Knie fielen.

Jedoch nahmen sie uns die Fesseln ab.

„Lasst euer Haupt gesenkt, bis der König euch erlaubt, Ihn anzusehen!“ befahl uns einer der Wachmänner.

„Was ist hier los?“ fragte eine tiefe, aufgebrachte Stimme vor uns.

„Diese beiden Gestalten liefen auf der Lichtung der Liebenden herum, Sir.“ antwortete der Wachmann, der uns auch den Befehl gegeben hatte, unsere Köpfe unten zu halten.

Der König kam auf mich zu und blieb etwa einen halben Meter vor mir stehen, so dass ich nur seine Beine sehen konnte.

„Mein Kind, erhebe dich. Ich will dich genauer betrachten.“ sagte der König zu mir.

Also stand ich auf und hob meinen Kopf an, so das ich ihm ebenfalls in die Augen schauen konnte.

König Matteo sah aus wie eine Mischung aus einem alten Zauberer und einen Elf.

Er trug ein dunkelblaues Hemd, eine schwarze Samthose und hatte einen gelben Umhang um, der unterhalb seiner Brust mit einer sternförmigen Brosche, zusammengehalten wurde.

Es lag etwas Vertrautes in seinem Gesicht, aber ich konnte nicht ganz deuten, woran das lag.

Er musterte mich von oben bis unten, ging mehrfach um mich herum und strich mir dann, eine Strähne meiner Haare, aus meinem Gesicht.

Dann blieb sein Blick an meinem Muttermal, unter meinem Ohr, hängen.

Er wich zurück und schnappte nach Luft. Hatte ich irgendwas falsch gemacht?

Er atmete mehrfach tief durch eher er sich mit zittriger Stimme wieder mir zu wandte.

„Ju, Juna, bist du das wirklich?“ fragte er mich.

Ich schaute ihn verwirrt an. „Ja ich heiße Juna, Juna Nightmoon. Eure Majestät“ antwortete ich ihm und verneigte mich, um meine Unterwürfigkeit zu demonstrieren.

Ihm stiegen Tränen in die Augen und er fing an zu lachen.

Noch bevor er oder ich irgendetwas sagen konnten, nahm er mich in die Arme und drückte mich beinahe etwas zu dolle.

„Endlich bist du wieder da mein Kind.“ jubelte er.

„Wieder da?“ frage ich verblüfft. „Entschuldigen Sie eure Majestät, aber ich habe Sie noch nie zuvor gesehen und ich kann mich auch nicht daran erinnern, jemals hier gewesen zu sein.“

sagte ich ihm und löste mich aus seiner Umarmung.

Er richtete sich seine Klamotten zurecht und wandte sich an Lilly.

„Lilly Starfly! Warst du mit ihr etwa noch nicht beim Kristallschloss der Hüter?“ sprach er in einem ernsten Ton

Lilly stand auf und richtete ihren Blick hinüber zum König.

„My Lord, ich wollte gerade mit ihr zum Kristallschloss aufbrechen, als Ihre Wachen zu uns kamen und uns mit hier her brachten! Nicht einmal Stardust, Junas Seelenwächter, konnte sie richtig kennen lernen.“

Der König schnaubte verächtlich.

„Kommandant Irfried! Sie haben doch noch vor wenigen Tagen groß damit geprahlt, dass Sie jeden aus der königlichen Familie sofort erkennen könnten!“ schrie er quer durch den Thronsaal.

Irfried trat einen Schritt nach vorne.

Er hatte kurze schwarze Haare, braune Augen und sah auch generell eher durchschnittlich aus. Hätte er keine spitzen Ohren gehabt, hätte man meinen können, er wäre einer meiner Arbeitskollegen, Professor Markus Pinway, sein können, Fachlehrer für Naturheilkunde.

„Ja, das kann ich auch, eure Hoheit.“ antwortete er, voller Stolz.

„Dann frag ich mich, wie kann es dann bitte sein, DAS DU MEINE ENKELTOCHTER nicht erkannt hast und du sie wie eine gewöhnliche Gefangene behandelst!?

Ich sollte Sie auf der Stelle hinrichten oder verbannen!“

Dem Mann wich sämtliche Farbe aus dem Gesicht.

Sofort stellte ich mich mit einer Abwehrhaltung vor die Wache.

Ich wollte nicht, das jemand meinetwegen Ärger bekam und schüttelte heftig meinen Kopf, um ihm zu zeigen, dass ich dagegen war.

Erst nachdem ich das getan hatte, verarbeitete ich die Worte des Königs.

Ich? Seine Enkeltochter? Das bedeutete doch, dass ich zur königlichen Familie gehören würde?!

Mir wurde ganz schwindelig und ich hatte Schwierigkeiten mich auf den Beinen zu halten, das waren einfach zu viele Informationen für mich.

Bevor ich das Bewusstsein verlor, fing mich Irfried auf.

Ich wachte nach einer traumlosen Nacht in einem riesigen Bett auf.

Ich sah mich ein wenig um.

Dieses Zimmer war riesig. Mein Haus hätte locker hier herein gepasst.

Hinten, am anderen Ende des Bettes, hingen einige Klamotten, die ich nur all zu gerne anzog.

Mit dem Minikleid konnte ich mich kaum im Schloss bewegen, ohne dass es mir unangenehm werden würde.

Nachdem ich mich umgezogen hatte, öffnete ich die Tür.

Grinsend stand Lilly vor mir, mit einem riesigen Tablett voller Leckereien.

„Wo wollen wir denn hin? Das Frühstück ist die wichtigste Mahlzeit am ganzen Tag und ohne verlässt du mir nicht das Zimmer, Juna.“ sagte Lilly tadelnd.

Ich setzte mich also auf die Bettkante und nahm mir etwas Obst?

Es sah aus wie eine Nektarine, aber das Fruchtfleisch war blau.

Geschmacklich erinnerte es mich eher an eine Mango.

„Was genau ist das was ich da gerade esse?“ fragte ich Lilly, noch leicht schmatzend.

„Das nennt sich ´Squashi-Frucht´ diese Beere wächst das ganze Jahr im königlichen Garten.“

„Die sind verdammt lecker. So jetzt sind wir gerade dabei was zu essen. Erklärst du mir jetzt endlich mal was hier ab geht? Oder muss ich warten bis wir bei diesem ominösen Kristallschloss sind?“ entgegnete ich beiläufig wahrend des Essens.

„Ein paar deiner Fragen werde ich dir beantworten können, jedenfalls über das wer ich eigentlich bin, was es mit Stardust auf sich hat, was deine Adoptiveltern für eine Rolle dabei spielen und natürlich wo wir hier sind. Alles andere dürfen dir nur die Hüter erzählen.“ sagte sie und sah mich etwas reumütig an.

„Wie, wer du bist?“ fragte ich skeptisch.

Aber sie reagierte nicht auf meine Frage.

„Gut, dann will ich mich erst einmal hier ein bisschen umgucken und du kannst mir ja währenddessen etwas über dieses prachtvolle Gebäude erzählen.“ schlug ich ihr vor.

Ich zwinkerte Lilly zu und öffnete ihr die Tür. „Darf ich bitten, my Lady?“ fragte ich mit einem breiten Grinsen im Gesicht und reichte ihr meine Hand hin.

„Sehr wohl, Prinzessin.“ antwortete sie mir und legte ihre Hand in meine.

So gingen wir aus dem Zimmer heraus und schlenderten einen langen, mit Teppich ausgelegten, Gang entlang.

Wir gingen in Richtung des königlichen Gartens, den nur die direkten Vertrauten des Königshauses oder die königliche Familie selbst betreten konnten.

Jedenfalls erklärte mir Lilly das so.

Das Schloss an sich war wohl schon mehrere tausend Jahre alt und bereits seit Generationen im Besitz der Königsfamilie. Der Legende nach hatte die Sonnengöttin ´Solaris´ selbst diesen Berg zu einem Schloss geformt um des Nachts hier zu ruhen.

Wir gingen weiter bis zum königlichen Garten, wo ich aus dem Staunen gar nicht mehr heraus kam.

Überall, wohin man auch sah, waren viele verschiedene Blumen und Pflanzen vertreten. Die Luft roch herrlich süß und überall summte und brummte es, von den vielen verschiedenen Insekten, die im Garten herum flogen.

Der Garten lag direkt neben einem großen Wasserfall und in seiner Mitte stand ein riesiger grüner, krummer Baum.

„Das ist der Baum der Wiederkehr“ entgegnete mit Lilly als sie meine Bewunderung sah.

„Der Baum der Wiederkehr? Gibt einem das Teil ein Leben nach dem Tod, oder was?“ fragte ich etwas ungläubig

„Hahahaha nein, das nicht. Aber zur Winter-, als auch zur Sommersonnenwende, treten die Geister der Verstorbenen durch diesen Baum hindurch und können dann von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang ein paar Stunden mit ihren Liebsten verbringen, jedenfalls wenn man zuvor dessen Namen an einen der Äste gehängt hat“

Ich schaute sie ungläubig an. „Ja aber wenn nur die königliche Familie Zutritt zu diesem Garten hat, dann ist das doch absolut unfair gegenüber dem Volk?!“ protestierte ich direkt.

„Deshalb gibt es am Schlosstor einen Briefkasten, extra für die Namen der Toten, die die Bevölkerung in diesen beiden Nächten wiedersehen wollen. Etwa eine Woche vor dem Fest der Wiederkehr kommen die Menschen zum Schloss und werfen die Namen ihrer Liebsten in den Briefkasten, so dass König Matteo, Königin Alexis und deren Vertraute, die Namen an den Baum hängen können.“ erzählte Lilly und ein kurzes Lächeln ging über ihr Gesicht.

Weiter hinten im Garten gab es eine kleine Wohlfühl-Oase, direkt neben dem Wasserfall wurden mehrere Kissen, sowie eine Bank und eine Art 'Hollywoodschaukel', aus Blumenranken platziert.

„Gut wollen wir erst einmal auf der Bank platz nehmen? Dann kann ich dir deine Fragen besser beantworten, weil das wird etwas mehr Zeit in Anspruch nehmen und so lange kann ich nicht stehen.“ schlug Lilly vor und deutete auf die Bank neben dem Wasserfall.

Wir gingen hinüber und setzten uns, zueinander gewandte, hin.

„So wo fange ich an? Mein Name ist Lilly Starfly, ich wurde am gleichen Tag geboren wie du. Aber das weißt du ja.“ fing sie an.

„Ja und weiter?“ fragte ich ungeduldig.

„Wie du ja schon mitbekommen hast, bin ich eine Fee. Wir Feen leben weiter östlich in den Haunted Woods und sind eigentlich nur geflügelte Gärtner, da wir eng mit der Natur verbunden sind.

Alle tausend Jahre, wenn ein königliches Baby in Sunset zur Welt kommt, leuchtet ein Blütenkelch am Baum der Seelen auf und daraus kommt dann am gleichen Tag eine besondere Fee.“ erzählte Lilly weiter.

Ich schaute sie etwas fragwürdig an. „Feen werden aus Blüten geboren?“ fragte ich etwas ungläubig.

„Ja und nein. Nur Feen der Königskinder kommen aus dem Blütenkelch, alle anderen kommen ganz normal, per Geburt zur Welt. Diese Königskinder Feen sind eng mit dem Baby verbunden, auf emotionaler Ebene. So wie es auch bei uns Beiden der Fall ist. Man sagt sogar, dass man irgendwann gegenseitig die Gedanken des Anderen lesen kann.“ beantwortete sie mir meine Frage.

Okay Lilly war also meine engste Vertraute, das würde auch erklären warum sie mit mir im Garten sein konnte. Aber ob Fee oder nicht und auch ob Schicksal oder nicht, sie war schon immer meine beste Freundin und das würde auch so bleiben.

„Machen wir weiter mit Stardust, den Wolf den auf der Lichtung gesehen hattest. Jedes magische Wesen, dass das erste Mal in seinem Leben lacht, erschafft sich damit einen Seelenwächter. Einen treuen Begleiter, der verschiedene Formen haben kann. Bei dir ist es, wie in deiner Familie üblich, ein geflügelter schwarz weißer Wolf. Warum schwarz und weiß, werden dir die Hüter erklären, aber vielleicht kommst du auch selbst darauf.“ sagte Lilly und zwinkerte mir zu. Dann fuhr sie fort.

„Mein Seelenwächter ist ein Pegasus namens Dreamy.“

„Und wo ist sie, was ist das genau und was ist die Aufgabe eines Seelenwächters?“ unterbrach ich sie und schaute automatisch hoch zu den Wolken.

Lilly pfiff einmal kräftig mit ihren Fingern und plötzlich kam eine Wolke direkt auf und zu.

Mit viel Wind und einer riesigen Staubwolke landete ein großes weißes, geflügeltes Einhorn vor uns, das eine goldene Mähne, ein blaues Horn und grüne Augen hatte.

„Hallo Lilly, hallo Juna. Wie kann ich euch behilflich sein?“ fragte Dreamy und und verbeugte sich leicht.

Mir stand der Mund weit offen.

Dieses Geschöpf war majestätisch.

„Nun Dreamy, erkläre Juna doch bitte mal, was genau du bist und was die Aufgaben eines Seelenwächters ist.“ sagte Lilly zu ihrem Wächter gewandte.

„Wir sind ein Teil von euch. Sobald ihr euer erstes Lachen ausstoßt, löst sich ein winziger Teil eurer Seele ab und daraus entsteht dann ein Seelenwächter. Wir haben die selben Träume, Wünsche, Sehnsüchte und Ängste wie ihr. Und wir sind dafür da, dass sich möglichst viele Wünsche und Hoffnungen von euch erfüllen.“

Ein langes „Ahhhhhh“ entwich mir, obwohl ich das Ganze immer noch nicht so ganz verstanden hatte.

„Und was genau haben meine Adoptiveltern jetzt mit dem ganzen hier zu tun? Sie sind Menschen und ahnen wahrscheinlich nicht mal etwas von diesem Ort.“ entgegnete ich gegenüber Lilly.

Doch sie schüttelte nur den Kopf.

„Nein, ganz so einfach ist das leider nicht. Sie mal, ein Seelenwächter hat einmal in seinem Leben die Möglichkeit sich eine andere äußere Erscheinung zu geben. Deine Eltern Margret und Cole heißen eigentlich Sunhine und Thunder. Es sind die Seelenwächter deiner leiblichen Eltern.

Nach dem Tod der beiden, waren sich ihre Wächter einig und beschlossen ihr Äußeres der Menschenwelt anzupassen. Sie ließen von den Magiern einen Schutzzauber auf dich und mich wirken, so dass wir ebenfalls menschliche Züge annahmen und sind mit uns beiden in die Welt der Menschen geflohen.

Warum sie so gehandelt haben und was mit deinen Eltern passiert ist....“ Lilly zögerte einen Augenblick lang.

„...das kann und darf ich dir nicht sagen.“ setzte sie ihren Satz dann fort.

„Wenn meine Eltern, nicht meine Eltern sind, wer oder was ist dann Malia?“ fragte ich mit zusammengepressten Lippen.

Lilly starrte auf den Boden. Es vergingen einige Minuten, die sich wie Stunden anfühlten, ehe sie mir antwortete.

„Malia ist eine Magierin, sie ist die höchste Magierin von Elderon. Sie ist der Grund, warum der Tarn- und Schutzzauber all die Jahre anhielt, der auf uns wirkte.“

Ich atmete mehrfach tief durch, mir stiegen Tränen in die Augen und ich musste mich sehr stark zusammenreißen, dass ich nicht gleich alles zusammen schrie.

Ich stand auf und schlug mit voller Kraft gegen die Felswand hinter uns. Immer und immer wieder, bis meine Fingerknöchel anfingen zu Bluten.

„Juna, beruhige dich doch bitte.“ flehte Lilly mich aufgelöst an.

Ich sah sie erst böse an, fiel ihr aber schließlich weinend in die Arme.

Warum hatten mir meine Adoptiveltern, nein die Seelenwächter meiner Eltern, die Teil meiner Eltern sind, nie etwas davon erzählt?

Warum erfahre ich das erst jetzt alles, nachdem ich durch diesen Spiegel gegangen und hier gelandet bin?

Für mich brach eben meine komplette Welt zusammen.

Schließlich musste auch Lilly anfangen zu weinen.

Und so lagen wir uns weinend gegenseitig in den Armen, bis unsere Tränen aufgebraucht waren.

Ein Räuspern unterbrach unsere Umarmung.

König Matteo stand neben dem Baum der Wiederkehr.

„Juna? Da möchte dich jemand Willkommen heißen.“ sagte er und trat einen Schritt beiseite.

Hinter ihm stand Königin Alexis.

Sie sah wunderschön aus. Sie trug ein langes rot-gelbes, ärmelloses Kleid und einen Umhang, in kobaltblau. Ihre Haare waren bereits komplett silbern und einige Fältchen umrandeten ihre Augen.

Es lag so viel Wärme in ihrem Gesicht.

Sie breitete die Arme aus und lief auf mich zu. Ich tat das Gleiche und wir fielen uns in die Arme.

Ich brachte nur ein leises, kaum hörbares „Hallo Großmutter“ hervor, ehe ich wieder anfing zu weinen, dieses Mal aber aus Freude.

Sie strich mir über meine Haare und küsste meine Stirn. Auch sie hatte Tränen in den Augen und flüsterte mir ein „Hallo mein Kind, willkommen zu Hause“ zu.

Meinen Großvater konnte ich auch leicht schniefend neben mir hören, also machte ich eine Geste, so dass er zu uns herüber kommen sollte.

Er nahm uns beide in den Arm.

Ich war glücklich, eine Familie zu haben.

Kapitel 4

Der Maskenball

Noch am gleichen Abend veranstalteten meine Großeltern einen riesigen Maskenball und verkündeten die frohe Botschaft, meiner Rückkehr nach Sunset.

In meinem Zimmer standen fünf Diener, die mir beim Anziehen meines Kleides halfen und mir gleichzeitig meine Haare zu einer prachtvollen Frisur machten.

Nach nur knapp zwanzig Minuten war ich eingekleidet, geschminkt und frisiert.

Ich trug ein lila farbenes, schulterfreies Kleid, mit einer kurzen Schleppe und mit goldenen Verzierungen. Mein Umhang war rot-orange und hatte einen Stern als Brosche, dies war unser Wappen, wie ich von Lilly erfuhr, bevor diese sich in ihr Zimmer begeben hatte, um sich ebenfalls für den Ball zurecht zu machen.

Meine Haare wurden vorne an beiden Seiten verflochten und an meinem Hinterkopf zu zu einem Zopf zusammengebunden. Als kleine Verzierungen wurden kleine Diamanten in Sternenform in meine Haare mit eingearbeitet.

Ich drehte mich mehrfach vor dem Spiegel, da ich nicht glauben konnte, dass ich das da war.

Plötzlich klopfte es an der Tür.

„Ja herein!“ sagte ich während ich mich nochmals im Spiegel betrachtete.

„Wow! Du. Sieht. Atemberaubend. Aus!“ sagte Lilly und grinste mich an.

Sie trug ein knielanges blau-grünes Kleid mit einem Gürtel an ihrer Taille. Der Gürtel war aus Schlingpflanzen gefertigt.

Ihr Haar war zu einer Hochsteckfrisur gemacht worden und zwei kleine Strähnen hingen ihr vorne ins Gesicht.

„Du sieht ebenfalls blendend aus! Ich glaube dieses Leben bei Hof tut uns beiden gut.“ sagte ich während ich übertrieben meine Nase hoch hielt.

Wir nahmen uns unsere Masken und schlenderten, mit ineinander geharkten Armen, zum Ballsaal.

Fast alle Adelshäuser und hochrangigen Botschafter des Landes waren eingeladen.

Bei jedem Eintreffen, eines Gastes hämmerte eine Wache, mit ihrer Lanze, zwei Mal auf den Boden und verlas dessen Namen und woher sie kamen.

Tong, tong.

„Die Ältesten Kira und Maro aus den Haunted Woods.“

„Also alt sahen die beiden keineswegs aus, eher so wie Ende 30.“ dachte ich mir nur.

„Prinzessin Juna, es ist so ein Segen, dass sie wieder bei uns sind.“ begann Maro, aber seine Gemahlin tadelte ihn sogleich. „Jetzt geh doch erst Mal weiter, unterhalten kannst du dich auch noch später! Es warten noch andere Herrschaften, die einen Blick auf die Prinzessin werfen wollen!“

Ich musste bei dem Gemecker etwas schmunzeln, jetzt verstand ich warum “Älteste“, sie sahen zwar nicht danach aus, aber sie benahmen sich wie ein altes Ehepaar.

Ein weiteres Tong, tong, riss mich aus meinen Gedanken.

„Königin Apple Bloom, ihr Gemahl König Garlic und dessen Zwillingssöhne Dante und Dandelion aus dem Königreich Blossom“

Ich musste mir bei diesen Namen echt das Lachen verkneifen. Es mochte zwar sein, dass das hier normal war, dass die Leute im Königreich Blossom wie Gemüse, Obst und Unkraut hießen, aber ich fand das eher belustigend. Ihre Kleider erinnerten mich an unseren Obstgarten zu Hause.

Die Königin trug ein dunkelgrünes Kleid, was mit tausenden kleinen Blüten verziert war und ihre Krone war aus Ranken, die einen Rubin in Form einer Rose umschlang.

Der König und seine Söhne trugen ebenfalls grüne Anzüge, allerdings waren diese mit weniger Blumen verziert. Lediglich an den Manschettenknöpfen, als auch an den Umhängen waren Blumen und Juwelen in Blütenform gefasst.

Sie verneigten sich kurz und gingen dann beiseite, um den nächsten Platz zu machen und um sich ihre Masken aufzusetzen.

Tong, tong.

„Der hohe Wächter Paratos in Begleitung von Königin Spinella, seiner königlichen Hoheit König Karneol und dessen Kinder, Prinzessin Berryl und die Prinzen Turmalin und Peridot! Vom Kristallschloss!“

Auch sie machten nur einen kleinen Knicks und taten beiseite.

Ich wunderte mich, warum es nicht laut klimperte, bei jedem Schritt, den die Königsfamilie tat, da deren Umhänge aus Millionen kleiner Kristalle bestand.

Ansonsten waren sie eher schlicht gekleidet, keine pompösen Kleider oder Farben.

Ich wand mich an Lilly, die direkt neben mir stand. „Psst, Lilly.“

Sie beugte sich zu mir herunter. „Ja was gibt es denn?“

„Sag mal dieser Wächter, ist das nicht einer der Hüter, den ich befragen soll, wegen meiner Vergangenheit?“

„Nein, er ist der Wächter der alten Schriften und er ist dafür verantwortlich, dass es den Hütern an nichts fehlt.“ antwortete sie mir.

„Schade, hätte ja sein können.“ sagte ich und zuckte mit den Schultern.

Tong, tong.

„König Farel, Königin Senta und dessen Tochter Prinzessin Morai aus dem Königreich Arktika“

Alle Gäste sahen sehr edel aus, aber die königliche Familie aus Arktika war einfach hinreißend.

Blaue Kleidung, türkis-blaue Augen und schneeweißes Haar.

Tong, tong.

„Der Druide Parapei und die höchste Magierin Malia aus Draya.“

Kurz nachdem ich diesen Namen gehört hatte, vergaß ich all mein guten Benehmen, sprang auf und rannte auf Malia zu. Sie machte gerade einen Knicks, als ich sie beinahe umrannte.

Alle Gäste im Saal starrten uns empört, oder verwirrt, über mein Verhalten, an.

Das musste auch ein merkwürdiger Anblick gewesen sein, wie eine Elfe eine kleine, brünette Magiern, mit leuchtend grünen Augen, in die Arme fiel. Und das während einer offiziellen Vorstellung.

„Hey Juna, setz dich doch bitte wieder hin. Wir ernten gerade viele böse Blicke.“ sagte sie und tätschelte mir meinen Kopf.

„Das ist mir egal, was sie jetzt über mich denken! Ich habe dich schrecklich vermisst.“

Für einen kurzen Augenblick stand mein Leben still und ich genoss es einfach meine “Schwester“ im Arm halten zu können.

König Matteo handelte, bevor noch weitere Fragen aufkommen würden. Er stand auf und fing mit einer Rede an, um die Aufmerksamkeit von mir, auf sich zu lenken.

„Verehrte Gäste! Im Namen meiner Familie möchte ich Sie alle herzlich bei uns Willkommen heißen! Es war bis jetzt ein sehr emotionaler Tag, für unsere kleine Prinzessin und ihre jetzige Reaktion, auf die hohe Magierin ist nur verständlich, da die beiden viele Erinnerungen teilen.

Ich möchte Sie bitten, deshalb etwas Rücksicht zu nehmen.

Bevor das hier jetzt in einem endlosen Geschwafel von mir endet...“ Er erhob die Hand, als ein Zeichen für den Dirigenten, „...lasst uns den Ball mit einem klassischen Walzer beginnen!“

Das Orchester fing an zu spielen und mein Großvater begleitete meine Großmutter auf die Tanzfläche.

Alle Leute verteilten sich im Ballsaal und fingen an zu tanzen nur ich stand etwas verloren im Raum herum.

Da tippte mir jemand auf die Schulter.

„Prinzessin Juna? Darf ich um diesen Tanz bitten?“ fragte mich die Person hinter mir und streckte mir seine Hand entgegen.

Ich musterte mein Gegenüber ganz genau.

Er war fast einen halben Kopf größer als ich, dunkelbraunes, fast schon schwarzes kurzes Haar, war muskulös und hatte lila-blaue Augen, in denen ich mich sofort verlor.

Er trug einen schwarzen Anzug, auf dem eine kleine Flamme zu erkennen war. Sein Umhang hingegen war dunkelblau.

„Liebend gern.“ antwortete ich und legte ihm meine Hand auf seine.

Er führte mich in die Mitte des Saals, verbeugte sich vor mir und wir fingen an, einen altertümlichen Walzer zu tanzen.

Zu diesem Augenblick war ich sehr froh über die Tanzstunden, in meiner Jugend, gewesen.

Andernfalls hätte ich mich wohl aufs äußerste blamiert.

Nach mehreren Liedern unterbrach König Matteo die Tänze und kündigte an, dass das Bankett nun eröffnet sei.

Ich war kein bisschen hungrig, mir war warm.

Also ging ich hinaus auf den Balkon, um etwas frische Luft zu schnappen und um diese nervige, übergroße Maske einmal kurz absetzen zu können.

Ich dachte an den geheimnisvollen Fremden, mit dem ich gerade noch getanzt hatte.

Er verschwand, nachdem der König das Buffet eröffnet hatte, in der Menge.

Er war nicht bei der offiziellen Begrüßungszeremonie gewesen.

„Prinzessin Juna? Ich habe etwas Merrelbeer Punsch für euch.“ erklang eine Stimme hinter mir.

Ich drehte mich um und der gutaussehende Elf von vorhin, stand mit zwei Gläsern Punsch, vor mir.

Ich versuchte hastig meine Maske wieder aufzusetzen, aber er drückte meine Hände nach unten mit den Worten: „Prinzessin Juna, lassen Sie doch dieses Teil ab, so kann man viel besser Euer wunderschönes Gesicht betrachten.“

„Juna reicht.“ entgegnete ich ihm. „Und wie ist Euer Name?“ fragte ich ihn.

Er nahm seine Maske ab und lächelte mich verführerisch an. Dann stellte er die beiden Gläser ab, nahm meine Hand und gab mir einen Handkuss. „Du darfst mich Shadow nennen.“

währenddessen verneigte er sich abermals vor mir.

Wir standen gemeinsam auf dem Balkon und sahen uns die Sterne an, oder besser gesagt er schaute sich die Sterne an, denn ich konnte meinen Blick kaum von seinem markanten Gesicht lassen.

Ich hätte hier noch Stunden mit ihm gemeinsam verbringen können, jedoch war es leider irgendwann Zeit, sich voneinander zu verabschieden.

“Juna, der Abend mit dir war hinreißend, aber ich befürchte er endet nun für mich, ich stehe nämlich nicht auf der Gästeliste.“ sagte er und zwinkerte mir zu.

„Wann werde ich dich wiedersehen?“ fragte ich ihn, als er sich bereit machte zu gehen.

„Ich hoffe schon sehr bald.“ war seine Antwort, daraufhin sprang er vom Balkon und lief in die Nacht hinein.

Mein Herz hämmerte wie verrückt und ich sah ihm noch lange nach, bis er im Wald verschwand.

Jemand tippte mir erneut auf die Schulter und ich erschrak.

Ich wirbelte herum und sah Lilly und Malia, die mich etwas verwundert betrachten.

„Was gibt es denn da so interessantes zu sehen?“ neckte mich Lilly.

Malia's Blick wanderte zu den zwei leeren Gläsern neben mir und ein eindeutiges Grinsen machte sich in ihrem Gesicht breit.

„Na kennen wir den glücklichen Herren, mit dem du den halben Abend verbracht hast?“ fragte sie und stieß mir mit ihrem Ellenbogen leicht in die Seite.

Lilly ging sofort darauf ein und versuchte eifrig denjenigen zu erraten.

„Ich wette es war Prinz Dandelion. Seine strahlend grünen Augen und diese blonden Wuschelhaare, in die man einfach nur rein greifen möchte.“

Ich verdrehte die Augen.

„Lilly, nur weil du ihn attraktiv findest, heißt das noch lange nicht, dass ich auf den gleichen Typ Mann stehe, wie du es tust.“ ich schüttelte nur den Kopf.

„Dann war es bestimmt Peridot. Dunkelbraune Haare und grau blaue Augen zum dahinschmelzen. Darfst du ihn schon Perry nennen?“ fragte Malia.

Ich atmete tief durch. „Auch nicht, es war keiner der hier anwesenden Herrschaften.“

Ich schaute mich um, ob uns niemand belauschen würde und erzählte dann weiter.

„Es war jemand, der nicht formell eingeladen war. Aber er war absolut hinreißend. Charmant, gutaussehend, durchtrainiert und absolut zum dahinschmelzen.“

Die beiden sahen mich an, als würden sie gleich anfangen zu sabbern.

„Und wie heißt dieser mysteriöse Fremde, oder sollen wir ihn männliche ´Cinderella´ nennen, weil er kurz vor Mitternacht getürmt ist?“ scherzten beide.

„Sein Name ist Shadow.“

Kurz nachdem ich seinen Namen ausgesprochen hatte, hielt mir Malia den Mund zu und Lilly schlug sich entsetzt ihre Hand vor den Mund.

Warum reagierten sie bloß so panisch?

Ich schaute irritiert zwischen beiden hin und her.

Nach einer Weile der Stille begann Malia mir dann zuzuflüstern.

„Shadow ist der Sohn von Arakas. Dem König von Hellfire. Er ist ein Nachtschattenelf.“

Mein Blick wurde nur noch fragwürdiger.

Da ich bis jetzt noch nicht die Zeit hatte, die Geschichten über die Königreiche zu lesen, wusste ich nicht wovon sie da sprach.

„Durch den Krieg, der damals hier herrschte, wurden nach dem Sieg von der Allianz des Lichtes über die der Allianz der Dunkelheit, alle Nachtschattenelfen verbannt. Und es ist ihnen strengstens untersagt, ohne Einladung oder triftigen Grund, den Boden unserer Ländereien zu betreten.“ ergänzte Malia ihre Erzählung, nachdem sie meinen Blick richtig gedeutet hatte.

Sie ließ ihre Hand von meinem Mund gleiten und nickte mir nur vielsagend zu.

Ich sollte diesen gutaussehenden Herren also besser nicht, gegenüber den anderen Gästen, erwähnen.

Wir gingen zurück zur Gesellschaft und Shadow rückte immer mehr in den Hintergrund meiner Gedanken.

„Du hast wirklich bis gestern in der Welt der Menschen gelebt?“ fragten mich Prinzessin Morai und Prinz Dandelion ungläubig.

„War das nicht gefährlich oder langweilig dort?“ fragte Prinz Dante, der sich zu uns gesellt hatte.

„Es war weder langweilig noch gefährlich. Ich hatte ein schönes Haus, mein eigenes Auto und hatte erst vor kurzem meinen Doktortitel in Mythologie gemacht. Diese Welt hier erscheint mir gefährlicher.“ erzählte ich den Prinzen der der Prinzessin.

„Was ist denn ein Auto?“ fragte Prinzessin Morai und grübelte, was ich damit gemeint hatte.

„Ein Auto ist vergleichbar mit einer selbstfahrenden Kutsche oder einem Jorai.“ antwortete Malia für mich. Jetzt sah ich sie etwas skeptisch an. Sie grinste und antwortete prompt. „Ein Jorai sieht aus wie ein überdachtes Motorrad, ist auch nur für zwei Personen, ähnlich wie ein Smart, nur dass die Sitze hintereinander liegen.“

„Ahhh okay.“ murmelte ich vor mich hin.

Prinz Dante wandte sich mir zu.

„Sagt Prinzessin Juna, warum gebt ihr euch mit so einer niederen Fee wie Lilly Starfly ab? Ihr könntet doch auch eine bessere Gesellschaft bei euch haben, immerhin verbessert sich euer Ansehen gerade zunehmend, da ich mit euch rede.“

Im gleichen Moment fasste er mir an meinen Po.

Ich schaute ihn angewidert und entsetzt an.

Watsch!

Ich hatte in Bruchteilen von Sekunden ausgeholt und ihm eine Ohrfeige verpasst.

„Was erlaubst du dir eigentlich? Du kennst weder sie, noch kennst du mich! Und wie mein Ansehen hier ist, ist mir auch so ziemlich egal. Ich weiß wer meine Freunde sind und DU zählst definitiv nicht mit dazu! Und wage es noch einmal mich so anzufassen, dann sei dir gewiss, dass es nicht bei einer einfachen Ohrfeige bleiben wird!“ schrie ich ihn an.

Alle Augen waren sofort auf mich gerichtet, aber das war mir egal. Niemand hatte das Recht, so über meine beste Freundin zu reden oder mich zu berühren. Erst recht nicht irgend so ein aufgeblasener Wichtigtuer von Möchtegern-Prinz, der der Meinung war, sich alles erlauben zu können.

Ich schaute ihn böse an.

Er fing lauthals an zu lachen.

„Du hast Temperament, das mag ich. Dich zu erobern wird zwar schwer werden, aber ich nehme die Herausforderung an!“ sagte er und lächelte mich an.

Ich hätte ihm am liebsten den Hals umgedreht.

Lilly und Malia zogen mich weg und verwandelten den Ball zu einer Disco.

Malia holte ihren Laptop aus ihrem Zimmer und Lilly schloss ihr Handy daran an. Es dauerte nicht lange und der Ärger über Dante war verschwunden.

Die Königinnen und Könige waren zunächst etwas erschrocken über diese laute Technomusik, aber selbst die Ältesten konnten sich nach einigen Minuten nicht mehr zurück halten und fingen an mit ihren Füßen zu wippen.

Den Prinzessinnen zeigten Lilly und ich einige unserer Tanzbewegungen aus dem Triangle und auch die Prinzen passten sich dem Rhythmus an.

Die Party ging bis in die frühen Morgenstunden. Erst weit nach dem Sonnenaufgang, als das Personal bereits anfing den Saal aufzuräumen, verabschiedeten sich auch die letzten Gäste.

Ich war glücklich über den Verlauf des Abends. Ich konnte neue Freundschaften schließen, einem Ekel eine Lektion erteilen und ein bisschen aus 'meiner' Welt erzählen und erklären.

Nun, als ich wieder auf meinem Zimmer war, schweiften meine Gedanken wieder zurück zu Shadow.

Ich sprach den Namen einmal leise, für mich aus.

Kurz danach erschien plötzlich eine kleine, eingerollte Nachricht auf meinem Nachttisch. Ich nahm den Zettel hoch und las den kleinen Text, in fein leserlicher Handschrift.

„Liebste Juna, der Abend mit dir wird mir auf ewig in Erinnerung bleiben. Durch die Vergangenheit meines Volkes ist es mir leider verboten, dich erneut zu treffen. Es war zwar riskant, aber ich musste wenigstens einen Blick (gestern) auf dich werfen, der Maskenball war die perfekte Gelegenheit, da mich so niemand erkannt hat. Wann wir erneut die Gelegenheit haben werden, uns zu treffen weiß ich leider nicht, aber durch die hier herrschende Magie, können wir uns immerhin diese Nachrichten zukommen lassen. Sprich einfach meinen Namen aus, und du bekommst ein magisches Blatt Pergament. Sag „Night“ und die Nachricht wird mir zugeschickt.

Liebste Grüße Shadow.“

Ich musste grinsen und dachte direkt an eine altertümliche Art SMS oder E-Mails zu versenden.

Ich kramte in meiner Schreibtischschublade herum, bis ich einen Federkiel und ein Fass Tinte fand.

„Ich vermisse meine Kugelschreiber.“ brummte ich leise vor mich hin.

Also gut, altertümliche Mails, also auch altertümliche Schreibgeräte. Ich seufzte und dachte daran Malia zu bitten, falls sie zwischen den Welten hin und her switchen könne, mir bitte einige Sachen mitzubringen.

Mir wurde schwer ums Herz, als ich an 'meine Welt' dachte.

Was wohl meine Eltern gerade machten?

Was hatte man meinem Arbeitgeber gesagt?

„Verdammt! Arbeit?! Ich muss mit Malia reden!“ rief ich, räumte den Brief beiseite und lief in Richtung Gästeflügels.

Kurze Zeit später kam ich an ihrer Zimmertür an.

Ich klopfte wie eine geisteskranke gegen ihre Tür.

„Malia! Malia, ich bin es Juna! Bitte mach die Tür auf ich MUSS mit dir reden!“ rief ich ihr zu.

Sie öffnete mir die Tür und sah mich etwas verwundert an.

„Was ist denn los? Ich wollte gerade schlafen gehen. Brennt es oder was?“ fragte sie mich, während sie lange gähnte.

„Nein, ein Feuer gibt es nicht. Aber ich hätte einige Fragen und ja es ist dringen, weil vorher könnte ich nicht schlafen gehen. Und eine unausgeschlafene, mürrische Prinzessin ist keine tolle Aussicht, oder?“ sagte ich ihr und lehnte mich lässig an die Wand.

„Okay, was gibt es denn so dringendes, dass das nicht bis heute Nachmittag warten kann?“

Sie gähnte erneut. Ich hatte fast ein schlechtes Gewissen, dass ich sie vom Schlafen abhielt.

„Drei Dinge, beziehungsweise Fragen, gehen mir durch den Kopf.“ fing ich an.

„Was ist mit meiner Arbeit? Ich liebe meinen Job als Lehrerin und habe hart und lange an meiner Karriere gearbeitet. Was hat man meinem Arbeitgeber erzählt, was ich mache und wo ich bin? Oder wurde ihm überhaupt irgendetwas gesagt? Bin ich gefeuert?“ mir wurde angst und bange, bei diesen Worten, denn ich mochte meinen Job wirklich.

„Keine Sorge, ich habe dem Rektor eine Nachricht zukommen lassen, indem steht, dass du dir etwas Urlaub nehmen musstest, da unsere Großtante väterlicherseits, verstorben ist und wir uns jetzt um ihren Nachlass kümmern müssten. Da dies aber etwas Zeit in Anspruch nehmen würde, da sie in Australien lebte, hat er dir zwei Monate Urlaub gegeben.“ sagte sie und zwinkerte mir zu.

Ich war erleichtert, aber zwei Monate Urlaub?! Wow.

„So und was sind die anderen zwei Fragen?“

Ihre Frage riss mich aus meinen Gedanken.

„Hmm? Was? Ach ja. Ich bin durch einen Spiegel hier her gekommen, wie kommt man wieder zurück? Kannst du einfach so zwischen den Welten hin und her?“ fragte ich neugierig.

Diese Frage schwirrte mir schon seit meiner Ankunft im Kopf umher. Wie kam ich wieder zurück? Würde ich überhaupt wieder nach Hause kommen?

„Ja, man kommt wieder zurück. Im Turm der Runen, hier im Schloss, gibt es ebenfalls einen Portal-Spiegel. Man muss nur die Runen berühren, lesen und dann sein Spiegelbild berühren, um das Tor zu aktivieren. Der Spiegel, der hier nach Elderon führt, steht übrigens nicht mehr im Lager vom Triangle, sondern in deiner Wohnung. Und ja, ich bin des öfteren mal in der Menschenwelt, warum?“

„Könntest du morgen mal zu mir und einige meiner Sachen holen? Ich vermisse ein paar 'moderne' Sachen aus meiner Wohnung.“ fragte ich und setzte das Wort 'modern' mit meinen Fingern in Häkchen.

„Ja, das kann ich machen. Darf ich jetzt schlafen gehen?“ fragte sie, gähnte und schlief fast im stehen ein.

„Ja, das darfst du. Bis nachher, schlaf gut und Danke.“ Ich gab ihr einen Kuss auf die Wange und ging zurück in mein Zimmer, um Shadow zu antworten.

„Getreuer Shadow,

ich empfand den Abend zu Anfang etwas öde. Doch dann hast du diese Langweile vertrieben, alleine mit deiner Anwesenheit.

Ich wünschte, ich wüsste zum aktuellen Zeitpunkt mehr über die Geschichte von Elderon, denn was genau damals geschah weiß ich nicht. Ich werde mich in den nächsten Tagen auf die Reise zu den Hütern begeben, um Antworten auf meine Fragen zu erhalten.

Sobald es etwas neues gibt, werde ich mich bei dir melden.

Liebe Grüße Juna.“

Ich hoffte sehr, dass ich ihm diese mittelalterliche Sprache abgewöhnen konnte, das war grässlich.

Ich sprach das Wort „Night“ aus und der Brief ging kurz in blauen Flammen auf und verschwand.

Dieser Effekt war beeindruckend.

Ich zog mir mein Kleid aus und legte mich, mit einem lächeln im Gesicht, in mein Bett.

Kapitel 5

Begleiter und Beschützer

Ich schlief nur wenige Stunden, da ich auch hier nicht von merkwürdigen Träumen verschont blieb, nur diesmal träumte ich nicht von 'Elisabeth' sondern von etwas ganz neuem und kuriosem.

Ich war in einem Raum voller Runen-Spiegel. Einer von ihnen war mit Ketten umschlungen und zersplittert. Eine weibliche Stimme rief nach meinem Namen. „Juna, Juna. Es wird Zeit, du musst erwachen.“

Und kurz darauf war ich dann auch wach.

Ich schaute auf meine Armbanduhr, die ich nach meinem Einzug hier, in die Schublade meines Nachtschrankes gelegt hatte.

„Argh!“ Ich stöhnte auf und ließ mich zurück in mein Kissen fallen. Es war erst neun Uhr morgens, ich hatte nur drei Stunden geschlafen.

Aber an weiteren Schlaf, war nach diesem Traum, nicht zu denken.

Am Fußende meines Bettes lagen neue Klamotten für mich. Ich war überrascht, dass es sich dabei um eine Jeanshose, einem T-Shirt, Unterwäsche und eine Strickjacke handelte. Ich sah mir die Sachen etwas genauer an und erkannte eindeutig, dass das meine Klamotten waren.

Ich war verwundet, aber auch dankbar dafür.

Neben dem Bett standen sogar meine Turnschuhe.

Ist Malia nach unserem Gespräch, heute Früh, etwa durchs Portal gegangen, um mir einige meiner Sachen zu holen? Ich musste ihr dafür nachher eindeutig danken.

Nachdem ich mich angezogen hatte, klopfte es an meiner Tür.

Nok nok.

„Juna bist du schon wach?“ fragte die Person vor der Tür.

Ich erkannte die Stimme sofort, es war die Stimme von Königin Alexis, meiner Großmutter.

„Ja ich bin wach und angezogen, komm herein.“ antwortete ich glücklich.

Sie lächelte mich an und setzte sich neben mich, auf mein Bett.

„Ich hoffe, dass das die richtigen Klamotten sind?“ fragte sie mich und begutachtete mein Outfit.

„Du hast die Sachen geholt? Ich dachte das war Malia!“ Ich war sehr verwundert über die Tatsache, dass meine Großmutter in der Welt der Menschen war. Warum war sie dann nicht schon einmal bei mir?

Sie deutete meinen fragwürdigen Blick und antwortete prompt darauf.

„Ich war öfter in deiner Welt, ich habe mich dir nur nie offen gezeigt. Da du dir deiner Herkunft nicht bewusst gewesen warst und der Schutzzauber dich vor der magischen Welt schützte, wollte ich das dabei belassen.“ sagte sie sanft und legte mir ihre Hand auf die Schulter.

„Ja aber wie? Selbst als Mensch hättest du so aussehen müssen, wie jetzt, nur ohne die spitzen Ohren.“ ich lächelte bei den Worten, da ich jetzt auch ein 'Spitz-Ohr' war.

„Durch meinen Seelenwächter Horus.“ sagte sie knapp. Er ist ein Adler. Na ja, eigentlich ist er ein Phönix, aber durch einen Zauber wird er in der blauen Welt, sobald ihn ein Hazy ansieht, zu einem Adler.

Die blaue Welt ist die Erde, sie wird ja auch als blauer Planet bezeichnet und Hazy sind deren Bewohner, sprich die Menschen.“ erklärte sie mir.

„Und warum genau 'Hazy'? Gibt es da eine spezielle Bedeutung?“ fragte ich und setzte einen skeptischen Blick auf.

Ich hatte diesen Begriff hier noch nie zuvor gehört.

„In den alten Schriften heißt es: Wenn gehet ihr durch das Portal, zur blauen Welt, so braucht ihr nicht all zu achtsam sein. Die Hazy's sehen nicht mehr, als das, an das sie glauben wollen.“

Jetzt sah ich sie erst recht verwirrt an.

Sie lachte und antwortete direkt: „Die Menschen glauben nicht mehr an uns. In ihren Augen sind wir Fabelwesen und existieren nicht, deshalb erkennen sie auch das Offensichtliche nicht, selbst wenn sie es direkt vor der Nase haben.“

„Toll, dann hätte ich all die Jahre ja gar keine Kontaktlinsen tragen müssen!“ sagte ich zu mir selbst.

„Ja aber warum dann der Schutzzauber?“ wollte ich direkt wissen.

Sie hielt mir eine Hand vor mein Gesicht.

„Das ist Teil der Erzählungen der Hüter. Der Hüter der Zeit, wird dir dieses Geheimnis verraten können...“

„Ja ich weiß, du kannst und darfst es nicht erzählen.“ unterbrach ich sie.

Ich seufzte. Anstatt, dass ich mal langsam wüsste was hier vor sich ging, wurden meine Fragen nur noch mehr und alles erschien wie ein großes, verknotetes, Wollknäuel.

„Wann genau kann ich denn zu den Hütern?“ fragte ich.

„Sobald du dir deine Begleiter und einen Beschützer ausgesucht hast, kann die Reise am Tag darauf losgehen. Sprich, frag Lilly und Malia, ob sie dich begleiten wollen und erkundige dich nach jemanden, der dich sicher zum Kristallschloss, geleiten kann. Eine Wache, oder jemanden dem du dein Vertrauen schenken könntest.“ Sie lächelte und zwinkerte mir zu. „Selbst wenn es der Prinz der Nachtschattenelfen, Shadow ist.“ Sie lächelte immer noch.

Träumte ich gerade immer noch? Ich dachte er dürfte hier nicht her und woher wusste sie von ihm?

Ich hörte einen Adlerschrei und zuckte zusammen.

Horus kam gerade an zu meinem Fenster geflogen. Er blickte mir direkt in meine Augen und ich sah, was er gesehen hatte.

Es scheint, als hätte er bildliche, telepathische Kräfte. Wie eine fliegende Wahrsager-Kugel.

„Wenn du ihm vertraust, dann vertraue ich ihm auch, aber sei dennoch vorsichtig, mein Kind.“ sagte sie, strich mir mir über die Wange und wollte gerade aufstehen, als ich ihre Hand festhielt.

Sie blickte mich fragend an.

„Ich habe jetzt schon mit einigen Seelenwächtern kommuniziert. Wo ist eigentlich meiner, wo ist Stardust?“ fragte ich, schon beinahe etwas panisch.

„Beruhige dich mein Kind, denk einfach an sie und schon wird sie zu dir kommen. Los versuch es ruhig.“ sagte sie und strich mir über den Rücken.

Okay, an sie denken.

Ich stellte mir eine weiße Wölfin, mit einem schwarzen Mond auf der rechten Flanke, mit schwarz weißen Flügeln, sowie einem schwarzen sternförmigen Mal auf der Stirn und an zwei eisblaue Augen vor.

Und zwei Wimpernschläge später erschien sie auf meinem Balkon.

Sie wedelte mit ihrem Schwanz und stürmte auf mich zu.

Sie schubste mich um und schlabberte mir mehrfach über mein Gesicht.

„Urks. Stardust, ich bin doch kein Kauknochen, hör auf mich abzuschlabbern.“ sagte ich und lachte dabei.

Sie legte wieder ihren Kopf schräg, wie schon bei unserem ersten Aufeinandertreffen.

„Ich habe meinen ersten Begleiter, Großmutter.“ lachte ich und lehnte meinen Kopf an ihre Schulter.

Kurz darauf schlief ich noch einmal ein.

Als ich wach wurde, lag Stardust zusammengerollt an meinem Fußende und ich war zugedeckt.

Wie schon heute früh, guckte ich auf meine Armbanduhr. Wir hatten es 12:30 Uhr und diesmal war ich eindeutig ausgeruhter.

Ich streckte mich und sprang aus meinem Bett heraus.

Ich ging zum Fenster und sah hinaus.

Eine dunkle Wolkendecke bedeckte den Himmel und einige Regentropfen waren bereits an der Fensterscheibe zu sehen.

Ein gleißender Blitz erhellte den Himmel, und ein lauter Donnerschlag folgte ihm.

Er war so laut, dass ich zusammen zuckte.

Er weiteres Grummeln durchfuhr den Raum, aber diesmal lag es nicht am Wetter, sondern an mir. Mein Magen knurrte beinahe so laut, dass man meinen könnte, eine Horde Trolle würde durch die Hallen rennen.

Ich machte mich auf den Weg in die in Richtung Küche, in der Hoffnung eventuell noch etwas vom Frühstück zu bekommen, oder vielleicht schon etwas vom Mittagessen.

Mir kam ein sehr leckerer Duft von Hähnchen und Kartoffeln entgegen. Ich folgte ihm und landete im Speisesaal.

Dort rannten drei Diener von einem Ende des Tisches zum Anderen und deckten eifrig den Tisch.

Die Massen an Essen die dort bereits standen, hätten locker für 20 Personen gereicht, aber es war 'nur' für sechs Personen gedeckt.

Ich zählte im Kopf nach, wer da am Tisch sitzen sollte.

„Meine Großeltern Matteo und Alexis, sind zwei. Malia, Lilly und ich sind weitere drei. Für wen war das letzte Gedeck?“

Ich stand vor der Tür und rieb mir das Kinn, ich konnte mir nicht erklären, wen wir noch zu Besuch da hatten, da sämtliche Gäste vom Vorabend, heute früh abgereist waren.

Eines der Dienstmädchen riss mich aus meinen Gedanken.

„Eure königliche Hoheit? Ist alles in Ordnung bei Ihnen?“

Ich blinzelte und sah meinem Gegenüber in die Augen.

Sie wendete direkt ihren Blick ab.

„Es tut mir leid, Prinzessin. Ich wollte nicht respektlos sein. Sie haben mir aber eben nicht geantwortet, als ich Ihnen zurief.“ sie starrte, während sie mit mir sprach, nach unten.

„Hey, keine Angst ich reiße dir schon nicht den Kopf ab.“ sagte ich und lächelte sie an.

„Wie ist dein Name und was hattest du mir denn gesagt? Ich war ein bisschen in Gedanken vertieft, entschuldige bitte.“ erklärte ich ihr.

„Oh nein, Sie brauchen sich doch nicht bei mir entschuldigen!“ sagte sie hektisch und errötete leicht.

„Mein Name ist Molly. Ich bin Ihre persönliche Zofe. Aber da aktuell etwas Personal frei hat, helfe ich hier im Speisesaal etwas aus.“ während sie das sagte, machte sie einen kleinen Knicks.

Molly war definitiv jünger als ich.

Sie war einen guten Kopf kleiner als ich. Ich schätze mal so um die ein Meter und fünfzig groß, hatte orangefarbene Augen und lange schwarze Haare.

„Sag mal Molly, für wen ist denn das sechste Gedeck? Ich weiß, dass einschließlich mit mir, fünf Personen mitessen....Aber wer ist dann Nummer sechs?“ fragte ich sie.

„Dies ist für seine Majestät Prinz Dante.“

Ich unterbrach sie, unhöflicherweise, direkt.

„Ja aber der ist doch heute früh mit in die Kutsche seiner Eltern gestiegen, um nach Hause zu fahren, oder?!“ Mich verwunderte die Tatsache, dass er noch immer hier war.

Molly lächelte mich an. „Nein eure Hoheit. Er stieg zwar in die Kutsche, verbrachte aber einige Stunden im hiesigen Gasthaus von Starshine, dem Dorf unweit vom Schloss entfernt, um zu ruhen.

Mir scheint so, als hättet ihr einen guten Eindruck bei ihm hinterlassen, sonst wäre er gewiss mit abgereist.“ Molly lächelte mich an.

Ich stand etwas perplex da und dachte über diese Worte nach.

Dann viel es mir wieder ein. Prinz Dante hatte gestern mehrfach, erfolglos, versucht mit mir zu flirten.

„Och ne, ich bin so überhaupt nicht an diesem schmierigen Kerl interessiert. Gestern sah er aus, als hätte er in einem Fass Pomade gebadet und dazu dann noch diese arrogante Haltung. So einen Kerl brauchte ich noch weniger, als einen Splitter im Finger.“ dachte ich mir und dann war er auch noch hier geblieben. Ich hoffte, dass er nach dem Mittag schnell wieder abreisen würde, sonst würde er sehr schnell in Erfahrung bringen, wie temperamentvoll ich wirklich sein konnte.

Ich ging zu Lilly um meinen Frust über diesen Proleten los zu werden.

Ich wollte gerade an ihre Zimmertür klopfen, als ich jemanden sprechen hörte.

„Das können wir nicht machen Lilly!“

„Ja aber es geht hierbei immerhin um die königliche Familie, Juna hat ein Recht darauf, es zu erfahren!“

Eigentlich bin ich keine Person, die andere belauscht, aber hierbei ging es eindeutig um mich und ich wollte wissen, was Malia so aus der Fassung gebracht hatte.

Ich legte also mein Ohr an die Tür, um das Gespräch zwischen Lilly und Malia mithören zu können.

„Lilly! Du weißt ganz genau, dass es Aufgabe der Hüter ist, solche Sachverhalte zu klären. Sie erzählen es ja nicht nur, sie geben es dir in Visionen wieder!“

„Das weiß ich auch! Trotzdem sollte man sie sie auf irgendetwas vorbeireiten.“

„Nein! Wenn wir ihr jetzt erzählen, was damals vorgefallen ist, warum wir in die blaue Welt 'geflohen' sind, würde das nur noch mehr Fragen aufwerfen. Sobald sie bereit ist aufzubrechen, wird sie die Wahrheit schon bald selbst erfahren.“

„Okay, aber wir sollten ihr wenigstens sagen, wie die Hüter einem etwas mitteilen, weil denk daran, wir waren in den letzten Jahren immer mal wieder hier, sie ist erst seit einigen Tagen hier und weiß noch gar nichts über unsere Welt.“

Malia seufzte.

„Okay, das ist aber auch das EINZIGE! Verstanden?!“

Ich vermutete, dass Lilly auf diese Ansage genickt hatte, da sie nicht weiter antwortete.

„So ich mache mich jetzt fertig fürs Essen, das solltest du auch tun. Immerhin wird Dante auch mit am Tisch sitzen.“

Nachdem Malia das erwähn hatte, rannte ich möglichst schnell, um die nächste Ecke, damit sie nicht mitbekam, dass ich sie belauscht hatte.

Ich hörte wie sich die Tür öffnete und wieder schloss fiel.

Malia's Schritte hörte man noch einige Zeit, als sie den Gang hinunter ging, dann war es still.

Ich ging also zu Lilly's Zimmertür zurück und klopfte sachte an.

„Ja bitte?“ fragte sie.

„Lilly, ich bin es, Juna. Darf ich reinkommen?“ fragte ich.

Im selben Moment ging auch schon die Tür auf und Lilly stand lächelnd vor mir.

„Naaaa bist du schon bereit für das 'Date' mit Dante?“ fragte mich Lilly höhnisch und setzte das Wort Date extra in Anführungszeichen, mit ihren Fingern.

„Urks ne, erinner mich nicht an den Waschlappen. Warum genau interessieren sich bloß immer solche Idioten für mich? Hätte er nicht einfach dahin verschwinden können, wo er hergekommen ist? Also ganz weit weg von mir?“

Ich verzog mein Gesicht zu einer angewiderten Grimasse.

Lilly musste lachen und zuckte mit den Schultern.

„Ach komm, so schlimm wird es schon nicht werden. Er wird sich ja wohl kaum etwas unsittliches erlauben, während er mit deinen Großeltern und uns an einem Tisch sitzt.“

„Der Kerl ist Außen hui und Innen pfui. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.“ antwortete ich ihr und machte eine Brechreiz Geste.

„Oh seht mich an, ich bin Prinz Krötenbein. Ich sehe nicht nur schleimig aus, nein ich bin es auch. Und zusätzlich habe ich noch eine gespaltene Zunge und rede nur stumpfsinnigen Müll.“ äffte Lilly ihn nach und tat dabei so, als wäre alles ihrer nicht würdig.

Genau diese Art der Aufmunterung hatte ich jetzt gebraucht. Jetzt war ich auch bereit, die nächsten Stunden mit Dante zu überstehen.

Ich hatte mich ganz eindeutig geirrt, ich würde diesen Nachmittag nicht überleben und wenn doch, dann mit gravierenden Schäden meiner Psyche.

Prinz Dante saß mir genau gegenüber und beobachtete jede einzelne, meiner Bewegungen.

So wie er mich begaffte, hatte man den Eindruck, dass er mich mit seinen Blicken nicht nur hätte ausziehen wollen, sondern dass er mich als seinen Nachtisch betrachtete.

Ich entschuldigte mich kurz bei meinen Großeltern und ging in mein Zimmer, um mir eine weite, ausgewaschene Strickjacke zu holen und sie mir überzuziehen. So konnte mir Dante wenigstens nicht dauerhaft in mein Dekolletee starren.

Dennoch fühlte ich mich immer noch unwohl.

Meine Großmutter sah zu mir herüber und stieß meinem Großvater vorsichtig, mit ihrem Ellenbogen, in die Seite und deutete mit ihrem Kinn in Dantes Richtung.

Mein Großvater räusperte sich und begann ein Gespräch mit dem Prinzen.

„Nun Prinz Dante, wie kommen wir zu der Ehre, dass Sie ihren Besuch bei uns verlängert haben, anstatt mit Ihrer Familie zurück nach Blossom zu fahren?“

Dante kaute auf und beantwortete seine Frage.

„Nun König Matteo, Ihre Enkeltochter hat einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen und damit meine ich nicht nur die Ohrfeige, die ich mir zurecht, eingefangen habe. Wie Ihr sicherlich wisst, sind Prinzessin Juna und ich im gleichen bestimmten Alter.“

Warum genau betonte er das so merkwürdig? Was genau wollte er damit zur Sprache bringen?

Mir schwante nichts gutes dabei.

Der Blick meines Großvaters wanderte zwischen mir und Dante hin und her.

„Ich wollte den gestrigen Ball nutzen, um mir einen Eindruck, der verfügbaren Prinzessinnen zu machen.“ erzählte Dante weiter.

Meine Gedanken überschlugen sich.

„Oh nein, nein nein nein. Ich ahne böses. Er wird doch wohl nicht diese Frage stellen?!“ dachte ich mir. Aber genau DAS tat er.

„Ich wollte Sie um die Hand ihrer Enkeltochter bitten und hoffe inständig auf Ihren Segen, eure Majestät.“

Sofort sprang ich mit einem lauten und klar verständlichem „NEIN!“ auf.

Da ich so plötzlich aufsprang, räumte ich gleichzeitig das halbe Geschirr vor mir, mit lautem Geschepper ab.

„Niemals würde ich dich zu meinem Mann nehmen. Zum Einen heirate ich nicht irgendeinen dahergelaufenen Proleten, der der Meinung ist, dass ihm niemand das Wasser reichen könnte und zum Anderen kenne ich dich nicht und nein, ich will dich auch nicht kennen lernen. Den ersten Eindruck den du bei mir hinterlassen hast, der hat mir bereits für mehrere Jahre gereicht! Wenn es nach mir geht, dann bräuchte ich dich die nächsten Jahre nicht wiedersehen!“ protestierte ich direkt.

Meinem Großvater stand der Mund offen. Kurz darauf fing er herzlichst an zu lachen.

„Also, es tut mir Leid Prinz Dante, aber Sie haben die Antwort von Ihrer 'Auserwählten', soeben gehört und ich werde nichts gegen den Willen meiner Enkelin tun.“

„Nun denn.“ Dante wischte sich den Mund mit einer Serviette ab. „Dann gibt es wohl aktuell nichts weiter zu besprechen, eure Majestät. Habt vielen Dank für Eure Gastfreundschaft.“

Er wandte sich nun mir zu. „Prinzessin? Wir werden uns wiedersehen.“ sagte er mir und zwinkerte mir zu.

Mir ging ein kalter Schauer über den Rücken. Aber ich war froh, dass er nun endlich von hier verschwinden würde.

Er stand auf, nahm sich seinen Umhang und ging ohne ein weiteres Wort in Richtung Tür.

Als die Tür hinter ihm ins Schloss fiel, atmete meine Großmutter tief durch.

„Gott sei Dank ist dieser speichelleckende Lackaffe endlich weg, ich hätte mich keine weitere Minute mehr zusammen reißen können, höflich zu ihm zu sein.“

Solche Worte aus dem Mund der Königin zu hören machte mich sprachlos.

Wir alle mussten daraufhin laut los lachen.

Nach dem Essen richtete mein Großvater das Wort an mich.

„Juna, mein liebstes Kind.“

Ich schaute zu ihm herüber und wartete, dass er weiter sprach.

„Bald solltest du dich auf die Reise zu den Hütern begeben. Weißt du denn, wer sich deiner Reise anschließen soll?“

„Meine Begleiter sollen Malia, Molly und Lilly sein. Einen Beschützer habe ich noch nicht, da ich ja sonst noch nicht all zu viele Leute hier kenne.“ sagte ich und zuckte mit den Schultern.

Im Gesicht meiner Großmutter breitete sich ein breites Grinsen aus und auch mein Großvater fing an zu lächeln.

Mir wurde etwas flau in der Magengegend, da ich nicht wusste, wie ich diese Reaktion hätte deuten sollen.

Mein Großvater holte mein Etui hervor und meine Großmutter kam zu mir herum und drückte es mir in die Hand.

Danach sagte sie laut und deutlich: „Sprich SEINEN Namen aus. Es ist in Ordnung, ich habe mit deinem Großvater darüber gesprochen, wir werden eine offizielle Einladung mit dazu geben.“

Lilly und Malia sahen mich fragend und fordernd an. Sie hatten anscheinend keine Ahnung was meine Großmutter meinte.

Mir entwich ein zaghaftes Lächeln.

Ich holte einmal tief Luft, bevor ich mit stark klopfendem Herzen „Shadow“ sagte.

Eine schwarze Feder erschien und sank vor mir in Richtung Tisch. Bevor sie die Tischplatte berührte, verwandelte sie sich in ein Stück Pergament.

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250 стр. 1 иллюстрация
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9783753189574
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