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Der Holzfäller und 15 weitere erotische Geschichten

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Der Holzfäller und 15 weitere erotische Geschichten

Übersezt von LUST Translators

Titel der Originalausgabe: Der Holzfäller and 15 other hot erotic stories

Originalsprache: Dänisch

Coverbild/Illustration: Shutterstock

Copyright © 2022 LUST, an imprint of SAGA Egmont

Alle Rechte vorbehalten

ISBN: 9788728180150

1. E-Book-Ausgabe

Format: EPUB 3.0

Dieses Buch ist urheberrechtlich geschützt. Kopieren für gewerbliche und öffentliche Zwecke ist nur mit der Zustimmung vom Verlag gestattet.

Der Holzfäller - Erotische Novelle

Es goss. Rina schaute in den im Wind wogenden Wald. Die letzten Blätter des Sommers wirbelten durch die Luft, ehe sie wie geschlagene Soldaten zu Boden gingen. Einen Sommer lang hatten sie die hohen Bäume mit ihren saftig grünen Farben geschmückt. Ihre Mission war jetzt beendet. Sie hörte ein Klopfen an der Tür und fuhr zusammen. Wer verirrte sich hier raus zu ihrer einsamen Hütte? Auf der anderen Seeseite lag noch ein Haus, aber sie hatte nie einen Menschen dort gesehen. Ab und zu sah man Leute in der Nähe des Gatters, besonders in der Blaubeer- und Pilzsaison. Aber bis zum Haus kam eigentlich nie jemand. Sie holte tief Luft und öffnete die Tür einen Spaltbreit. Auf der Fußmatte stand ein beeindruckend großer Mann.

„Hallo, ich bin Pelle und komme vom E-Werk.“ Er streckte ihr seine Hand entgegen, die sie zögernd ergriff. Ihre Hand fühlte sich sicher und gut an in seiner Pranke, wie eine Maus, die sich im Fell eines Elchs versteckt.

„Ich wollte nur Bescheid sagen, dass ich morgen am Weg hierher Äste entfernen werde, um dafür zu sorgen, dass die Stromleitungen zum Haus nicht beschädigt werden.“ Er hatte ein warmes Lächeln, und sie überlegte spontan, ob sie ihn ins Haus bitten sollte. Etwas an ihm brachte ihren Unterleib zum Pochen. Sie zog eilig die Hand weg. Das musste daran liegen, dass sie jetzt schon eine Woche ganz allein im Sommerhaus war. Und dass sie an einem erotischen Roman schrieb und Lust auf einen Mann hatte, der sie berührte. Sein Blick war intensiv, und war da nicht auch ein verführerisches Funkeln in seinen Augen? Oder bildete sie sich das nur ein?

„Schönes Haus, das Sie hier haben.“ Er lächelte wieder.

„Ich … Wir sind auch sehr froh darüber.“ Die Worte kamen schnell und sie schnappte nach Luft.

„Bis morgen dann.“

Sollte sie ihn auf eine Tasse Kaffee einladen? Oder war das irgendwie schräg? Ehe sie eine Entscheidung treffen konnte, hatte er sich umgedreht und ging den Weg hinunter. Sie begab sich zurück an den Tisch, auf dem ihr MacBook stand. Sie schaute sich die letzten zwei Zeilen an, die sie geschrieben hatte. Die Worte flossen ihr leicht in die Tastatur. Die Figuren in der Geschichte hatten inzwischen Persönlichkeit bekommen und sie hatte noch jede Menge ungeschriebene Handlung im Kopf. Aber als sie nun auf den Bildschirm schaute, schob sich ständig das Gesicht des Holzfällers dazwischen.

Ihr Handy klingelte. Sie nahm es in die Hand und sah lange auf den Namen. Erst im letzten Augenblick ging sie ran.

„Hallo, Schatz, wie geht es dir?“ Beim Klang von Henriks tiefer Stimme stellte sich augenblicklich ein Spannungskopfschmerz ein.

„Mir geht’s gut.Und euch?“ Sie lehnte sich im Stuhl zurück und schaute raus zu dem verspielten Wind.

„Dennis vermisst dich. Er hat schon mehrmals gefragt, wann du nach Hause kommst.“

„Und was hast du gesagt?“

„Dass es bis dahin nur noch drei Tage sind. Also, das hab ich gesagt, als er das letzte Mal gefragt hat.“

„Ihr habt doch bestimmt auch ohne mich Spaß?“ Das Schweigen dauerte einen Tick zu lange und erinnerte sie daran, wie froh sie war, alleine im Sommerhaus zu sein.

„Willst du mit ihm sprechen?“, fragte Henrik mit neutraler Stimme.

„Vermisst Line mich auch?“ Rina sah ihre Tochter vor sich. Ihren zwischendurch anklagenden Blick, gepaart mit jugendlicher Verwirrung.

„Doch, das wird sie wohl …“ Sie registrierte, wie er die Worte in die Länge zog.

„Hier kommt Dennis. Dann verabschiede ich mich mal. Ich hab einen Topf auf dem Herd mit dem Essen für die Kinder.“

„Hallo, Schatz. Hast du Spaß zusammen mit Papa und Line?“

„Ja, aber Line hat versprochen, mich mit ins Hallenbad zu nehmen, und das hat sie nicht getan.“ Dennis Stimme zitterte ein wenig und sie hatte Lust, ihn in die Arme zu nehmen, seinen warmen Jungenkörper zu spüren und ihm durch seine wilde Mähne zu wuscheln.

„Ich versprech dir, mit dir ins Hallenbad zu gehen, wenn ich wieder zu Hause bin.“

Sie unterhielten sich noch ein paar Minuten, in denen sie merkte, wie sehr sie den kleinen Burschen vermisste. Dieses Vermissen kam von ganz allein. Es stieg vom Bauch in den Brustkorb. Sie stand auf und putzte sich die Nase mit einem Blatt der Küchenrolle. Warum empfand sie dieses Vermissen so deutlich und fühlte nichts, wenn sie mit Henrik sprach? Gab es überhaupt irgendetwas, das sie an ihm vermisste? Seine Küsse, seine Umarmungen oder ihren Sex? Der Gedanke an Henrik löste irgendwie nichts in ihr aus. Sie konnte gut alleine sein und genoss die Abende auf dem Sofa mit einem Glas guten Rotwein. Sie bestimmte selber, was sie sehen wollte und aß, wann und worauf sie Lust hatte. Sex? Der Gedanke an Sex war an sich gut, aber es musste nicht zwingend mit Henrik sein. Sex mit sich selbst hatte auch seine Vorteile. Heutzutage gab es ganz wunderbares Spielzeug, das einem gute Orgasmen bescherte. Sie hatte schon immer den Duschkopf dafür benutzt. Es gab keinen Stress oder Hetze. Es dauerte so lange, wie es dauerte, und endete immer mit einem befriedigenden Orgasmus. Mit Henrik kam sie längst nicht immer zum Höhepunkt. In ihrer Anfangszeit, vielleicht, als sie noch frisch verliebt waren und Sex ihr Universum füllte. War ihr der Sex langweilig geworden? Weil Henrik die Dinge immer auf die gleiche Art machte.

Sie schenkte sich ein Glas Wein ein, weil sie deutlich fühlte, dass sie heute nichts mehr schreiben würde. Das Telefonat mit den Daheimgebliebenen hatte sie von den Personen in ihrem Buch entfernt. Sie machte den Kühlschrank auf und nahm das Hähnchen von gestern raus. Dann schrubbte sie eine Ofenkartoffel und legte sie in die Mikrowelle. Da wurde sie nicht so gut wie im Ofen, aber es ging schneller und einfacher. Es gab für alles einen Ersatz. Und sei es die Zubereitungsweise einer Ofenkartoffel. Manchmal war das Original das Beste, aber ab und zu musste es halt hinter der Kopie zurücktreten. Im letzten Jahr hatte ihr Sexspielzeug es auf einen klaren ersten Platz geschafft. Sie lächelte vor sich hin und freute sich schon, nachher alleine ins Bett zu gehen. Sie hatte nicht vor, Henrik zu verlassen, immerhin hatten sie die Kinder zusammen, und das bedeutete ihr viel. Aber sie wollte gerne Teile ihres Zusammenlebens durch andere ersetzen. Nicht, dass sie sich gar keinen Sex mehr mit Henrik vorstellen konnte, aber eben nicht mehr mehrmals die Woche. Ein Lächeln zuckte in ihren Mundwinkeln, sie gluckste leise. Mehrmals die Woche war auch schon ein paar Jährchen her. Inzwischen waren sie eher bei einem Mal im Monat gelandet.

Beim Essen versuchte sie, den letzten geschriebenen Absatz noch einmal zu überarbeiten, aber ihre Gedanken schweiften ab. Also klappte sie den Bildschirm runter und schaute raus in den Wald. Die Farben waren in dieser Jahreszeit unglaublich, alle Nuancen von Gelb bis Glutrot. Bald war der Wald kahl und trist. Ein bisschen wie das Zusammenleben mit einem anderen Menschen. Ein ständiges Auf und Ab. Die jüngere Generation tauschte inzwischen alles aus, was nicht mehr funktionierte. Wohnung, Job und Partner. Sie hatte sich entschieden, zu kämpfen, auch wenn ihre Beziehung im Moment trist, farblos und ohne Überraschungen war. Henrik mit dem gebügelten blauen Hemd, den dunklen Hosen und der perfekt geschnittenen Kurzhaarfrisur.

Ihre Gedanken wanderten zu Pelle mit den blonden, wilden Locken. Sein auf sehr sexy Weise zerwühltes Haar saß alles andere als perfekt. Mit zackigen, aggressiven Bewegungen stellte sie den Teller in die Spüle und schenkte sich Wein nach. Das brauchte sie jetzt. Die Fantasie von Pelles nacktem Körper, seinen Händen auf ihrem Körper, machte sie nervös. Sie war Henrik nie untreu gewesen und wollte es auch nicht werden.

„Reiß dich zusammen“, sagte sie laut. „Kaum klopft ein Mann an deine Tür, träumst du davon, ihn anzuspringen.“

Normalerweise war sie wenig empfänglich für so etwas. Das musste daran liegen, dass sie hier im Wald so isoliert wohnte. Oder weil Sex mit einem warmen, weichen Körper einfach nicht durch Gummispielzeug ersetzt werden konnte. Wie lange war es her, dass Henrik und sie miteinander geschlafen hatten? Sie rechnete angestrengt nach und als sie bei mehr als vier Wochen angekommen war, gab sie seufzend auf. Wer war schuld daran? Ihre Kinder? Nicht direkt, aber sie verschlangen schon einen Großteil ihrer Zeit und Energie. Bevor die Kinder da waren, hatten sie Zeit und Energie im Überschuss füreinander gehabt, und sie erinnerte sich an das merkwürdige und zugleich schöne Empfinden, das ihr Körper immer nach ihm roch. Als wäre er immer an ihr dran oder in ihr drin, selbst wenn er weit weg war. Jetzt war er weit weg, selbst wenn er direkt neben ihr saß.

Als sie später im Bett lag, versuchte sie sich Henrik vorzustellen. Aber immer und immer wieder schob sich Pelles Gesicht davor. Sie strengte sich an, ihn wegzuwischen, aber er hatte sich festgebissen. Und das Peinlichste daran war, dass der Gedanke an ihn sie total erregte. Die Bilder seiner Hände auf ihren Brüsten und ihrem Bauch füllten ihre Fantasie. Seine Finger, die mit ihrer Klitoris spielten.

Zu den Bildern eines fremden Mannes zu onanieren, fühlte sich an wie ein Seitensprung. Dachte sie sonst immer an Henrik, wenn sie sich selbst befriedigte? Sie kramte in ihrem Gedächtnis nach, konnte sich aber nur an die Male erinnern, in denen sie sozusagen aus sich herausgetreten war und ganz entspannt war. Ohne irgendeinen Gedanken oder Bilder im Kopf. Sie löschte das Licht und legte die Hände auf die Decke. Heute kein Alleinsex, aber vielleicht morgen? Was würde passieren, wenn Pelle zurückkam? So wie sie sich in diesem Moment fühlte, konnte sie sich gut vorstellen, Pelle zu sich ins Haus einzuladen. Sie biss sich fest auf die Lippe und zwang ihre Gedanken zu ihren Kindern. Die Kinder waren normalerweise erfolgreiche Lustkiller.

Aber jetzt war sie so randvoll von Lust auf Sex, dem Bedürfnis, berührt zu werden und eine Wildheit zu spüren, in der alle Sinne nur auf ein Ziel ausgerichtet waren. Nimm mich, berühr mich. Sie fühlte sich fast wie besessen und wand sich unter ihrer Decke. In ihrem Hals wuchs ein Kloß, weil sie sich in diesem Moment wie der einsamste Mensch auf der Welt fühlte. Das Spielzeug in der Schublade konnte nicht den körperlichen Hunger nach Wärme und Zärtlichkeit stillen. Wie waren sie und Henrik an diesen Punkt gekommen? Im letzten halben Jahr hatte sie sich dezent aber bestimmt entzogen, wenn er sie küssen wollte. Und wenn sie mitbekam, dass er sie umarmen wollte, war sie ihm ausgewichen. Warum tat sie das? Liebte sie ihn nicht mehr? Aber warum vermisste sie ihn dann so, wenn sie ihn gedanklich aus ihrem Leben herausschob? Seinen liebevollen Blick, dass sie immer auf ihn zählen konnte. Seine große Geduld mit ihren Kindern, und dass er sie freigab, wenn sie schrieb. Aber all diese Dinge waren Teil ihres Zusammenlebens und in gewisser Weise nicht Henrik selbst. Es waren die Dinge, die er tat, die sie vermisste, nicht der Mensch Henrik. War es tatsächlich so? Das letzte Jahr war hart gewesen. Line war in einem schwierigen Alter, und die Freunde, mit denen sie abhing, hatten ein ganz anderes Mädchen aus ihr herausgekehrt. Die Streitereien und ihre verletzenden Kommentare ließen den Rest der Familie verstummen. Früher hatten sie zusammen gelacht, gesungen und getanzt, aber jetzt hatte Line sie dazu gebracht, auf Zehenspitzen durchs Haus zu schleichen. Der Spaß an gemeinsamen Familienaktivitäten gehörte der Vergangenheit an. Ehrlich gesagt war sie fast erleichtert, wenn Line ankündigte, dass sie abends wegging. Und trotzdem vermissten die drei Line, wenn sie weg war. Henrik und sie hatten immer am Freitagabend oder Samstagmorgen Sex gehabt. Als einen guten Start ins Wochenende. Aber das letzte halbe Jahr hatten sie sich Freitagabend Rücken an Rücken eine gute Nacht gewünscht, und sie war am Samstagmorgen aufgestanden, bevor Henrik wach wurde. Daran konnte sie Line keine Schuld geben. Sie waren die Erwachsenen und sollten zusammenhalten, in guten wie in schweren Zeiten. Ihr Leben war eine Fabrik geworden, die, so hatte sie das Gefühl, kurz vor der Insolvenz stand. Der Gedanke an die Stimmung zu Hause hatte das körperliche Verlangen nach Sex getötet. Sie gab nach, und die Tränen kamen wie eine Befreiung.

Am nächsten Morgen wachte sie mitten aus einem Traum auf, in dem Pelle auf ihr lag und sie eine Hand fest um seinen harten Schwanz gelegt hatte. Benommen war sie aufgestanden und hatte sich ihre Laufsachen angezogen.

Jetzt saß sie mit einem Kaffee vor dem Haus und schaute in den Wald. Über den hohen Baumspitzen zogen sich Wolken zusammen, sie roch den nahenden Regen. Ein Vogel flog krächzend durch den Wald, ansonsten war es still. Ob der Holzfäller wirklich wie angekündigt heute kam? Und wenn ja, was würde sie dann tun? Gestern war sie nicht sie selbst gewesen, und sie befürchtete, dass die leidenschaftliche Frau vom Vortag wieder das Ruder übernehmen könnte. Aber sie wollte Henrik, und nicht einen völlig Fremden, warum also löste der Gedanke an Pelle dieses Kribbeln in ihr aus?

Sie stand auf und begab sich an den Tisch, um ihre Fantasie textlich umzusetzen. Sie schloss die Tür und zog die Gardinen vor. Damit der Holzfäller glaubte, sie sei nicht zu Hause, und nach dem Bäume beschneiden wieder ging.

Die Worte rieselten wie Blätter an einem windigen Herbsttag aus ihr heraus. Die Stunden vergingen wie im Flug, und erst, als ihre steifen Gliedmaßen nach Bewegung verlangten, stand sie auf.

Rina wagte einen vorsichtigen Blick nach draußen. Es goss in Strömen und der Wind zerrte an den Bäumen. Aus dem Regen schälte sich ein Geräusch heraus, das Dröhnen einer Motorsäge. Und dann entdeckte sie ihn. Hatte er sie auch gesehen? Wäre es unhöflich, nicht zu ihm rauszugehen? Andererseits regnete es draußen Katzen und Hunde. Er hatte angekündigt, dass er kommen würde, um die Bäume am Weg zu beschneiden. Es gab nichts mehr zu besprechen. Er brauchte keine Rechnung bei ihr abzugeben oder sich eine Unterschrift von ihr zu holen. Er konnte einfach wieder verschwinden. Aber sie wollte nicht die einsame Frau im Sommerhausbett sein. Sie wollte zum Leben erweckt werden, das Blut durch ihre Adern rauschen spüren und mit wilder Lust ihre steifen Muskeln lockern. Sie wollte nach Strich und Faden durchgevögelt werden wie eine junge Frau. Sie konnte hinterher nicht sagen, wie lange sie noch so aus dem Fenster gestarrt hatte und wann ihr Gesicht plötzlich regennass gewesen war.

Langsam näherte sie sich dem großen Körper, der unter schützenden Stofflagen versteckt war. Sie wollte Pelle nicht erschrecken, und beobachtete ihn darum ein Stück entfernt, wie er die große Kettensäge schwang. Das dicke Seil am Gürtel war vermutlich zu seinem Schutz, wenn er auf die hohen Bäume kletterte. Sie hielt die Luft an. Was sollte sie jetzt machen? Was wäre ihr nächster Schritt?

Plötzlich verstummte die Motorsäge und der Holzfäller drehte sich um, als hätte er ihre Anwesenheit gespürt.

„Hallo.“ Sie versuchte zu lächeln.

„Hi, ich bin fast fertig.“

Er zeigte auf die Stromleitung, die neben dem Waldweg entlanglief.

„Was für ein Wetter.“ Etwas Geistreicheres fiel ihr nicht ein.

„Ja, nicht so toll. Aber das stört mich nicht. Ich hab wetterfeste Kleidung. Ein heißer Sommertag kann viel unangenehmer sein. Sind Sie ganz allein?“ Er schaute zum Haus.

„Ja. Ich bin Schriftstellerin und komme oft zum Schreiben hierher.“

Der Holzfäller war sehr freundlich, aber irgendwie kam er ihr, jetzt, wo sie sich mit ihm unterhielt, gar nicht mehr so aufregend vor. Sie fühlte sich wie ein Ballon, aus dem die Luft entwich, und war plötzlich ganz erschöpft und frustriert. Die Vorstellung, ihn zu sich einzuladen und vielleicht einen wilden Freitagabend zu verbringen, war sehr reizvoll gewesen, aber jetzt fühlte sie sich schwer und irgendwie leer. Sie wünschte dem Holzfäller noch einen guten Tag und ging zurück zum Haus.

Später saß sie am Tisch und starrte auf den Text auf ihrem Bildschirm, aber der Wortstrom war versiegt. Sie dachte an Henrik und seufzte. Er und Dennis wollten am nächsten Tag kommen und am Sonntagabend wollten sie zusammen nach Hause fahren. Aber hatte sie überhaupt Lust, zu all den Problemen zurückzufahren? Kalt und unlebendig neben Henrik zu liegen? Sie brauchte Luft und öffnete die Tür, um nachzuschauen, ob es noch regnete. Es hatte aufgehört zu regnen, aber die Luft war noch sehr feucht. Sie zog ihren alten Wollpullover an und schloss die Tür hinter sich. Beim Gehen dachte sie darüber nach, ob sie wirklich Lust auf Pelle gehabt hatte? Oder war es nur ihr allgemeines, von ihrer Fantasie angeregtes Bedürfnis nach Berührung und Nähe gewesen? Der Holzfäller war nicht mehr da, und in ihrer Erinnerung war der große Mann längst nicht mehr so sexy wie in ihrer Fantasie. Unter den vielen Kleiderschichten war schwer zu sagen, wie sein Körper eigentlich aussah. Seine Augen, seine offene Art und sein Beruf hatten ihr das Gefühl gegeben, einen echten Mann vor sich zu haben, aber sie hätten es vermutlich niemals bis ins Bett geschafft, um sich davon zu überzeugen. Sie wollte Henrik nicht betrügen. Fantasieren war okay, aber niemals in die Tat umsetzen. Sie wollte Henrik. Die große Frage war nur, ob er sie auch wollte.

Sie machte kehrt und ging langsam zum Haus zurück. Es war lange her, dass Henrik und sie allein Zeit zusammen verbracht hatten. Sie hatten bald Hochzeitstag, vielleicht sollten sie ein Wochenende zusammen wegfahren? Der Gedanke an Henrik und sie zusammen an einem schönen Ort machte sie ruhig und gab ihr den Glauben daran zurück, dass sie gemeinsam schon ihre Krise meistern würden.

Sie blieb abrupt stehen, als sie Henriks Wagen vor dem Haus stehen sah. Was machte er hier? War etwas passiert? Ihr Blut gefror zu Eis und sie befürchtete das Schlimmste. Sie riss die Tür auf und wäre fast mit Henrik zusammengestoßen, als sie hineinstürmte.

„Was ist passiert?“ Ihre Stimme klang scharf und schrill.

„Ganz ruhig. Ich wollte dich einfach gerne sehen.“

Sie merkte, wie ihre Lungen sich leerten. Die Freude, dass er gekommen war, breitet sich aus.

„Als ich das Auto gesehen hab, dachte ich, es wäre was passiert …“ Sie sah in sein ernstes Gesicht und fuhr fort. „Mit unseren Kindern.“

„Denen geht es gut. Ich würde nur gerne mit dir reden.“ Er senkte den Blick und biss sich auf die Lippe. Sie beugte sich vor und wollte ihm einen Kuss geben, aber er zog den Kopf weg. Sie sah ihn fragend an. Er sah erschöpft aus, als ob ihn etwas drückte.

„Wollen wir was zu essen machen? Oder ich kann auch was machen, wenn du müde bist nach der Fahrt und dich ausruhen willst?“

Sie stieg aus ihren Gummistiefeln, behielt den Pullover aber an. Nicht, weil sie fror, aber sie brauchte das Gefühl von Sicherheit und Wärme.

Er folgte ihr wortlos in die Küche. Sie ging zum Kühlschrank und nahm den Karton Roséwein heraus. Sie sah ihn fragend an, aber er war zur Glastür gegangen und schaute hinaus in den Wald.

„Magst du auch ein Glas?“

Sie sah auf seinen stummen Rücken und trank hastig einen Schluck Wein.

„Henrik?“

Ihre Stimme klang merkwürdig hoch, fand sie.

Er drehte sich langsam um. Sie hielt ihm ihr Glas hin und er nickte langsam, ohne etwas zu sagen. Sie stellte das Glas auf den Tisch und ging zurück zum Kühlschrank. War noch was für eine gemeinsame Mahlzeit da? Sie hätte sich selbst einen Salat mit Shrimps gemacht. Die meisten Lebensmittel, die sie für die Schreibwoche eingekauft hatte, waren verbraucht, und für die Familie morgen hätten sie für die zwei Tage eingekauft, die sie da waren. Aber nun war Henrik alleine gekommen. Um mit ihr zu reden. Oder für ein Schäferstündchen mit ihr? Sie stellte sich vor, dass sie im Bett aßen, Musik hörten und redeten. Und wie sie sich wild und zärtlich immer und immer wieder liebten. Henrik, der sie am ganzen Körper leckte und an ihrem Ohr knabberte, während seine Finger mit ihrer Klitoris spielten. Wie er sanft über ihre Schamlippen fuhr, hin und her, vor und zurück. Ihr war heiß und sie wurde feucht und verspürte eine unbändige Lust, sich an ihn ranzuschmeißen und ihn auf der Stelle ins Bett zu zerren, aber als sie sein versteinertes Gesicht sah, verpuffte die Lust schnell wieder. Sie redeten nicht, als sie das Essen auf den Tisch stellte. Das Schweigen war schwer. War das schon länger so? War er krank? Hatte er eine andere Frau? Liebte er sie nicht mehr? Sie schielte immer wieder zu ihm rüber, und der Gedanke, dass ihr gemeinsames Leben vielleicht hier endete, wurde von seinem finsteren Blick bestärkt. Sie goss sich Wein nach. Das hier brauchte ein paar Promille, hatte sie das Gefühl. Ihr war schrecklich warm in dem dicken Pullover, aber sie wollte ihn nicht ausziehen, weil er sie vor der Einsamkeit schützte, die folgen würde, wenn er ihr den Grund für sein Kommen sagte.

Der Beschluss, zu dem sie bei ihrem Spaziergang im Wald gekommen war, hatte sich in Luft aufgelöst. Der Wunsch, ihre Ehe zu kitten, war unter großen, braunen Blätterhaufen begraben.

Als sie fertig gegessen hatten, ergriff Henrik das Wort und sah sie zum ersten Mal an. Sie hatte mindestens vier Gläser Wein getrunken und schenkte sich schnell nach.

„Es tut mir leid, Rina, aber ich kann so nicht mehr weitermachen.“

„Was heißt das? Hast du eine andere?“

Sie hatte nicht vorgehabt, die Worte auszusprechen, die ihn ihr nagten, sie kamen einfach angeflogen wie eine Nachteule auf der nächtlichen Jagd im Wald. Er rieb sich die Stirn und biss sich auf die Lippe, schlug den Blick nieder und legte seine Handflächen aneinander. Jetzt kamen die Worte, die sie am allermeisten fürchtete, und die sich für immer zwischen sie schieben würden.

„Ist es meine Schuld? Weil ich mehr Mutter als Geliebte und Ehefrau geworden bin?“

Das Weinen steckte ihr im Hals und wollte raus, aber das würde sie nicht zulassen. Sie leerte ihr Glas in einem Zug.

„Ich habe keine andere, Rina.“

Sie starrte das leere Glas an. „Wer ist sie?“

„Rina. Hör doch zu, was ich sage. Es gibt keine andere Frau, aber ich ertrage unser Leben nicht mehr. Ich will keine Beziehung ohne Liebe und Sex. Wir reden miteinander wie Geschäftspartner und nicht wie zwei Menschen, die sich lieben.“ Er stand auf und nahm eine Flasche Rotwein aus dem Regal. Mit zielgerichteten Handgriffen öffnete er sie und sah sie fragend an. Sie nickte stumm.

„Deine Mutter hat schon immer gesagt, dass du ein sehr sensibles Kind warst.“

„Willst du damit sagen, dass mit mir was nicht stimmt, Rina?“

„Du hast schließlich eine andere.“

Er schüttelte den Kopf und trank einen Schluck von der roten Flüssigkeit. Seine Augen glänzten müde. Am liebsten hätte sie ihn in den Arm genommen und ihm gesagt, dass sie das gemeinsam schon schaffen würden. Aber der Wein hatte sich wie dicker Samtstoff über ihre Gedanken gelegt.

„Ich habe auch darüber nachgedacht, dass wir an unserer Beziehung arbeiten müssen, aber das ist ja jetzt egal.“ Sie versuchte, normal zu sprechen, aber der Wein verlieh ihrer Stimme einen komischen Klang. Henrik sah sie müde an und stand auf.

„Ich gehe eine Runde, brauche dringend Luft. Und du solltest vielleicht besser schlafen gehen.“ Er trug seinen Teller und sein Glas zur Spüle. Sie blieb handlungsunfähig am Tisch sitzen und nippte an ihrem roten Getränk. Lange, nachdem die Tür hinter ihm ins Schloss gefallen war, stand sie auf. Sie ließ alles stehen und liegen und ging ins Schlafzimmer. Als sie sich hinlegte, drehte sich das Bett und sie verfluchte das letzte Glas Wein.

Das Hämmern des Türklopfers drang in ihr Unterbewusstsein. Sie setzt sich im Bett auf. Es war dunkel im Raum und sie kam unsicher auf die Beine. Wie eine Schlafwandlerin ging sie zur Tür und öffnete sie. Die Außenbeleuchtung brannte und beleuchtete Pelles männliches Gesicht.

„Ich dachte mir, dass du vielleicht nichts gegen ein wenig Gesellschaft hättest, also, hier bin ich!“

Sie trug nur eine dünne Bluse und einen Slip, aber sie merkte eine Hitzewelle bis in den letzten Winkel ihres Körpers ausströmen. Sie machte einen Schritt nach hinten, damit er eintreten konnte. Ihr Blick fiel auf den Tisch, auf dem noch ihr Teller und das Weinglas stand. Warum hatte sie das nicht weggeräumt. Sie drehte sich um und sah Pelle an. Fest und bestimmt zog er ihr Gesicht an seins. Seine Zunge fuhr spielerisch über ihre Lippen, ehe er sie in ihren Mund schob. Der leidenschaftliche Kuss verschlug ihr vor Lust und Geilheit den Atem. Seine Hände strichen über ihre nackte Haut, und ihre Hand fuhr an seinem harten Schwanz auf und ab. Er trug sie ins Bett und kniete sich rittlings über sie. In der Dunkelheit konnte sie ihn nicht mehr sehen, aber das machte das Ganze nur mystischer und erregender. Sie zog ihn runter auf ihren Körper und explodierte vor Genuss, als er in sie eindrang. Normalerweise hatte sie auf diese Weise nie einen Orgasmus, aber die Art und Weise, wie er seinen Schwanz in sie stieß, vertrieb die Dunkelheit in einem millionenfachen Sternenregen.

Sie wachte nach einem tiefen und erholsamen Schlaf auf. Sie lag im Halbdämmer da und genoss den Nachklang einer richtig guten Nacht. Als sie etwas wacher wurde, stellte sie fest, dass sie nackt war und entspannt, wie nach einem befriedigenden Orgasmus. Sie drehte ihren Kopf zur leeren Bettseite und rief sich den gestrigen Abend ins Gedächtnis. Ihre Scheide brannte. Das sichere Zeichen, dass sie in der Nacht Sex gehabt hatte und es kein Traum war. War im Zimmer ein anderer Duft als der von Henrik? Henrik, Wein, Rausch und Pelle schwirrten durch ihren Kopf. Sie setzte sich benommen auf. War Pelle heute Nacht tatsächlich hier gewesen und hatte Sex mit ihr gehabt? Unterm gleichen Dach wie Henrik? Ihr Herz begann zu hämmern. Oder hatten Henrik und sie miteinander geschlafen? Sie erinnerte sich, wie wild und innig es gewesen war, bevor sie kam und als sie kam. Als sie aus dem Bett stieg, entdeckte sie ihren Slip auf dem Boden. Sie konnte ums Verrecken nicht sagen, ob Henrik oder Pelle ihr mitten in der Nacht einen Besuch abgestattet hatte.

Ihr Spiegelbild im Badezimmer starrte sie mit wildem Blick und einer darunter verborgenen Sehnsucht an. Nackt wie sie war schlich sie ins Kinderzimmer. Es war noch dunkel, und sie stand still und lauschte. Als sie Henriks gleichmäßigen Atemzüge hörte, ging sie zu dem Bett, in dem er lag und kniete sich davor. Als ihre Augen sich an die Dunkelheit gewöhnt hatten, sah sie seinen Körper. Vorsichtig strich sie mit den Händen über seine Arme. Sie merkte, dass er wach wurde, und hielt die Luft an. Sie hatte Angst vor dem nächsten Schritt. Würde er sie abweisen oder sich freuen? Ihre Hände strichen über seinen Bauch, sie sehnte sich nach einer Wiederholung von dem heißen Sex der Nacht. Er legte eine Hand um ihren Unterarm und signalisierte ihr, dass sie aufstehen sollte. Jetzt stand sie nackt vor ihm, ängstlich und voller Lust. Er zog sie zu sich runter und küsste energisch ihre Lippen. Ein Zittern lief durch ihren Körper, sie stöhnte.

„Nimm mich“, bat sie.

Er sah sie an. Sie war geil wie selten zuvor, und er lächelte sie aufreizend an. Dann fühlte sie seine Hände über ihrer glühenden Möse. In diesem Augenblick war es absolut unwichtig, mit wem sie in der Dunkelheit der Nacht Sex gehabt hatte. Vielleicht war es ja doch nur ein heißer Traum gewesen. Aber eins war sicher: Es fühlte sich absolut richtig an, jetzt hier in Henriks Armen zu liegen.

Das Polizeiverhör - Erotische Novelle

Ein Polizist. Ein Staatsdiener. Jemand, der das Gesetz in seinen Händen hält. Eine Autorität. Jemand, der zweifellos sagen kann, was richtig und was falsch ist. Jemand, der entscheiden kann. Jemand, der entscheiden kann, ob eine Konsequenz droht oder nicht. Jemand, der die Möglichkeit, und die Befugnis hat, mich zu bestrafen.

Aber auch die Uniform. Die dunkelblaue, fast schwarze. Die sich an seinen Körper schmiegt. Einen Körper, der übrigens immer durchtrainiert zu sein scheint. Zumindest in der Realität – im Film ist das anders. Groß, meistens. Bartstoppeln, die scheinen viele Polizisten zu haben. Ich finde das sexy. Lippen, Augen, Nase, Wangen – wie bei uns anderen. Aber gerade die Uniform. Sie ist es, die für die ultimative Besonderheit sorgt. Das Emblem. Die beiden Dinge sagen aus, was er ist. Wer er ist: ein Polizist.

Habe ich schon immer diese Faszination für diese Berufsgruppe gehabt? Ich denke nach. Vielleicht nicht immer. Oder vielleicht doch. Zumindest seit vielen, vielen Jahren. Soviel ist sicher. Ich weiß nicht genau, wann es anfing.

Ich erinnere mich an ein Mal in der Grundschule, als Polizisten kamen und von ihrer Arbeit berichtet haben. Ich saß fast ganz vorn im Klassenzimmer. Vielleicht war das Absicht, ich erinnere mich tatsächlich nicht. Ich erinnere mich hingegen, wie aufregend ich es fand. Und wie neugierig ich auf sie wurde. Es waren ein Mann und eine Frau. Die Frau erzählte von der Ausbildung. Der Mann erzählte vom Berufsleben. Ich hörte mit unvergleichlicher Konzentration und großem Interesse zu. Aber vor allem beobachtete ich sie. Vor allem ihn. Das zweite Mal, als ich auf die Polizei traf, war auf dem Gymnasium. Damals war es bei einer Hausparty, die ausgeartet war. Die Polizei kam, zwei an der Zahl, Männer, und beendeten die Party. Sie waren bestimmt, aber nicht wütend. Ein paar versuchten zu protestieren, lenkten aber nach einer Weile ein. Die meisten gehorchten sofort. Es waren ja schließlich Polizisten.

Ich war einer von denen, die gehorchten.

Das war wahrscheinlich der Zeitpunkt, an dem es begann. Die tatsächliche Faszination. Und die sexuelle Anziehung von Männern in Uniform. Besonders Polizisten.

Meine Faszination wurde mit der Zeit so stark, dass ich aktiv begann, nach Polizisten zu suchen. Sah ich welche auf der Straße, blieb ich immer stehen und beobachtete sie. Nicht so, dass ich ihnen nachgeschlichen wäre und sie fotografiert hätte oder so. Nein. Gewisse Grenzen hatte ich. Und ich glaube, die habe ich noch immer. Aber immer, wenn ich einem Polizisten auf der Straße begegne, blicke ich in seine Richtung. Bleibe stehen, tue so, als würde ich auf mein Handy schauen. Lausche und versuche, ihn so lange wie möglich zu beobachten, ohne entdeckt zu werden. Manchmal schaute er zurück. Begegnete meinem Blick. Und ich fragte mich immer, ob es ihm klar war. Ob er verstand, dass ich dort stand und nur ihn beobachtete.

Und warum.

Einmal datete ich sogar einen Polizisten. Oder fast jedenfalls. Er war ein so genannter Aspirant. Das heißt, dass er seine Ausbildung noch nicht vollständig abgeschlossen hatte, aber dass er dennoch draußen auf der Straße war – in der harten Realität. Wir hatten unser erstes Date in einem Schwulenclub. Er fühlte sich unwohl, mochte Clubs im Allgemeinen nicht so. Ich mochte es. Den Ort, meine ich, nicht die Tatsache, dass er sich unwohl fühlte. Wir tranken Bier und beobachteten, abgesehen voneinander, die anderen Personen im Raum. Er hieß Andreas. Er war zwei Jahre älter als ich. Ich wusste nicht, dass er Polizist war, nicht am Anfang. Wir hatten erst wenige Stunden zuvor begonnen, miteinander zu schreiben. Für derartige Fragen war einfach noch keine Zeit gewesen, die kamen erst jetzt. Ich war bei einem Abendessen gewesen, er auf einer Geburtstagsfeier. Wir befanden uns jeweils in der Nähe des anderen und ich fragte: „Was hältst du davon, wenn wir uns treffen?“ Andreas war von Anfang an attraktiv. Ohne, dass ich seinen Beruf kannte. Er trug weiße Sneaker und schwarze Chinos. Er hatte durchtrainierte Schenkel, das war deutlich zu sehen. Ein weißes T-Shirt. Er war muskulös und er roch frisch nach einem Parfüm, das ich erkennen, aber nicht zuordnen konnte. Auch er hatte Bartstoppeln. Eine gerade Nase und helle, graue, fast funkelnde Augen. Genau mein Geschmack. Wir redeten. Wir lachten. Andreas war locker, lustig. Er verstand die Witze und Anspielungen die ich machte sofort. Und andersherum genauso. Ich fühlte mich geborgen bei ihm. Sicher. Und beachtet.

Nach einer Weile fragte ich, was er arbeitete. Und da erzählte er es. Ich fand ihn wie gesagt bereits vorher attraktiv, wirklich. Ein Typ, der in jeder Beziehung exakt meinem Geschmack entsprach. Aber jetzt war es, als würde noch etwas darüber hinaus passieren. Es war wirklich so. Ich konnte mich nicht zurückhalten. Ich konnte nicht denken, vernünftig sein – überhaupt nicht normal sein. Nein, ich wurde so geil. Ich wurde mit einem Mal so verdammt geil, als er das erzählte. Und ich konnte ihn mir vorstellen – in seiner Uniform. Im Beruf. Sofort konnte ich das. Er war nett und lustig, wie gesagt. Charmant. Aber er hatte auch eine Autorität an sich. Eine Selbstsicherheit. Das hatte ich bereits bemerkt, als er mich draußen vor dem Club traf. Die Haltung, der gerade Rücken. Sein Blick, der nicht flackerte. Ich konnte ihn direkt in seinem zukünftigen Beruf sehen. Ich hatte bereits da beschlossen, dass ich ihn wollte. Wirklich, wirklich. Aber jetzt wollte ich ihn umso mehr. Nein, jetzt musste ich ihn sogar haben. So fühlte ich. Mein ganzer Körper fühlte so. Ich hatte keine andere Wahl. Ich musste, musste ihn bekommen. So dachte ich. Es war, als würde man einen Knopf bei mir drücken. Der Funke in mir wurde entzündet. Der Wille, ihn zu bekommen. Der Wille, ihn zu spüren. Ihn zu schmecken. Aber auch, und vielleicht vor allem: ihn in dieser Uniform zu sehen, zu bekommen. Ich überlegte, ob ich es ihm sagen sollte oder nicht. Ich fragte ihn stattdessen, ob er bemerkt hätte, dass der Beruf irgendeine besondere Wirkung hatte, wenn es um das Daten ging. Andreas nickte. Und er lächelte. Alles an ihm strahlte. Und ich verstand, dass ich es ihm erzählen konnte, ohne dass er mich verurteilen würde. Oder mich zurückweisen, für meine sexuelle Vorliebe. Er würde es verstehen. Er würde es sogar, mögen, dachte ich,.

Und ich hatte Recht.

Andreas war mein Erster. Mein erster Polizist.

Wir kamen nie zusammen. Aber wir hatten Sex. Viel Sex. Und ich liebte jeden Moment davon. Das Einzige, was ich mir gewünscht hätte, was Andreas aber nicht wollte, war die Einbindung seiner Uniform in unsere sexuellen Abenteuer. Er sagte, dass es eine Sache des Prinzips wäre. Dass wir gerne so tun könnten, als wäre er Polizist, Rollenspiele spielen und so weiter. Aber die Uniform durfte nie dabei sein.

Irgendwann hörten wir auf uns zu treffen. Und ich glaube wirklich, dass die Uniform die Sache hätte ändern können. Vielleicht hätten wir uns weiter getroffen. Vielleicht hätte Andreas mich weiter gefickt. Ich weiß es nicht, aber vielleicht.

Nach Andreas traf ich mehrere Polizisten. Ich fühlte mich weiterhin aufgrund ihres Berufes von ihnen angezogen. Man kann sich selbstverständlich fragen, ob das richtig oder falsch ist. Derart auf eine Berufsgruppe anzuspringen. Aber ich habe nicht danach gefragt. Ich mochte es ja. Daher machte ich weiter. Es resultierte darin, dass ich mehrere Polizisten traf. Aber wir verstanden uns nie auf die gleiche Weise wie Andreas und ich es getan hatten. Ich hatte Sex mit drei weiteren Polizisten. Auch diese Treffen fanden komplett ohne die Beteiligung der Uniform statt. Ich datete noch ein paar weitere. Aber es wurde nie mehr daraus als ein Bier, vielleicht zwei. Oder ein Hamburger. Eine Beobachtung, die ich übrigens gemacht habe: viele Polizisten scheinen den Hamburger auf Platz eins ihrer Favoriten-Liste stehen zu haben, wenn es um Essen geht. Ich habe einen Polizisten einmal danach gefragt und warum dies seiner Meinung nach ein gemeinsamer Nenner zu sein schien. Er hatte eine gute Antwort darauf. Er erzählte, dass dies tatsächlich etwas mit dem Job zu tun habe. Nicht die Burger im Speziellen, aber Fast Food. Ich fragte natürlich, wie es dazu kam. Da erzählte er, dass es um den Zeitfaktor ging. Dass sie oftmals nicht wussten, wie lang die Mittagspause oder Rast sein würde. Und dass, wenn sie draußen unterwegs waren und patrouillierten, dann schnell in einem Fast Food-Restaurant oder Burger-Laden vorbeischauen konnten. Einen Burger im Auto essen. Wurden sie zum Einsatz gerufen, konnten sie schnell weiterfahren. Und das Essen mitnehmen.

Ja, das klingt natürlich vernünftig, wenn man das so sieht.

*

Der Verhörraum ist klein. Eng. Aber es ist nicht so dunkel wie im Film und in TV-Serien. Hier gibt es einen weißen und scheinbar stabilen Tisch und zwei Stühle. Aber auch ein kleines Sofa für zwei Personen. Ebenso ein Bücherregal, das außer einigen Notizblöcken und ein paar Stiften auch eine Wasserkanne und ein paar Pappbecher enthält.

- „Weißt du, warum du hier bist, Johan?“, fragt er mich.

- „Ich wurde zu einem Verhör eingeladen“, antworte ich wahrheitsgemäß.

- „Weißt du, was dir vorgeworfen wird?“

- „Nein“, antworte ich.

- „Plagiat“, antwortet der Polizist. „Dir wird vorgeworfen, abgeschrieben zu haben.“

- „Was denn abgeschrieben?“, frage ich.

- „Texte“, antwortet er.

- „Texte?“

- „Wie viele erotische Kurzgeschichten hast du bisher eigentlich schon geschrieben?“

- „59“, antworte ich.

- „59 erotische Kurzgeschichten?“

- „Ja“, sage ich. „Aber ich arbeite an mehr.“

- „Das ist…nicht wenig“, antwortet er.

- „Nein“, sage ich. „Das ist schon was.“

- „Woher bekommst du deine Inspiration?“

- „Von allen möglichen Seiten“, antworte ich. „Manchmal habe ich einfach nur eine Idee. Oder einen Titel. Oder jemand erzählt mir etwas. Etwas, das ich dann als Inspiration verwenden kann, wenn ich die Geschichte schreibe. Manchmal schaue ich auch auf Pornoseiten nach, was gut ankommt. Nach den Kategorien. Oder jemand schreibt mir und sagt, was seiner Meinung nach an erotischen Kurzgeschichten fehlt.“

- „Du schaust Pornos, um Ideen zu bekommen?“

- „Manchmal“, antworte ich.

- „Magst du Pornos?“

- „Was hat das mit der Sache zu tun?“

- „Antworte auf die Frage!“

- „Ja“, antworte ich. „Ich mag Pornos. Mögen Sie Pornos?“

- „Ich verhöre dich, Johan. Nicht umgekehrt.“

- „Natürlich.“

- „Kommt es vor, dass du die Texte von jemand anderem abschreibst?“

- „Niemals“, antworte ich. „Ich habe viel zu viel Fantasie um das nötig zu haben.“

- „Du weißt vielleicht, dass das illegal ist.“

- „Selbstverständlich.“

- „Wenn ich dir also sage, dass wir einen Tipp bekommen haben, dass du eine bereits geschriebene Kurzgeschichte kopiert haben sollst, dann meinst du, dass da nichts Wahres dran ist?“

- „Wirklich“, antworte ich. „Ich würde so etwas niemals tun.“

*

Und jetzt sitze ich also hier. In einem Verhörraum. Beschuldigt, dass ich die Kurzgeschichte eines anderen abgeschrieben und unter meinem Namen veröffentlicht haben soll. Ha! So bescheuert.

Auf der Polizeimarke steht sein Name: Tobias. Er ist einige Jahre älter als ich, würde ich schätzen. Irgendwas zwischen 35 und 40. Ich habe ihn noch nie zuvor gesehen. Er ist groß, aber ich muss dennoch etwas größer sein als er. Tobias hat kurze, dunkelbraune Haare. Er hat hellblaue Augen. Keine Bartstoppeln, weshalb sein Alter so schwer einzuordnen ist. Tobias strahlt Ruhe aus und er ist ernst. Er lächelt nicht. Er lacht nicht. Nein, er ist konzentriert. Sein Blick ist intensiv. Es fühlt sich an als versuche er, mich zu durchschauen. Versucht wohl zu erkennen, ob ich etwas verberge. Will herausfinden, ob ich lüge oder ob ich die Wahrheit sage.

Bin ich nervös? Ich sollte es natürlich sein. Es kommt nicht jeden Tag vor, dass man bei einem Polizeiverhör sitzt. Fragen gestellt bekommt. Aber nein, ich bin nicht nervös. Ich habe nichts zu befürchten. Nicht, solange ich mich an die Wahrheit halte.

Tobias sitzt mir gegenüber. Es sind vielleicht 60 Zentimeter zwischen uns. Er trägt seine Uniform – selbstverständlich. Nicht die, die die Polizisten tragen, wenn sie draußen unterwegs sind, auf Streife. Dann ist es eher eine Jacke. Jetzt trägt Tobias ein Hemd. Ein hellblaues. Das schwarze Emblem leuchtet auf seiner Brust, mit seiner Berufsbezeichnung in goldenen Buchstaben darauf. Das Hemd ist bis zum obersten Knopf zugeknöpft. Er trägt außerdem eine Krawatte. Seine Hose ist schwarz, sitzt mit Hilfe eines Gürtels an seinem Platz. Das habe ich bereits bemerkt, als er in den Raum kam. Tobias beobachtet mich. Ich beobachte ihn. Was denkt er? Was glaubt er, was ich denke?

- „Ich habe ein paar deiner Kurzgeschichten gelesen“, sagt Tobias nach einer Weile.

Er hat noch immer die gleiche Ernsthaftigkeit, als er das sagt. Kein Lächeln, nicht einmal eine Andeutung davon.

- „Ach so?“, sage ich und lächle. „Wie fanden Sie sie?“

- „Ich habe die gelesen, in der es um ein Rollenspiel geht.“

- „Räuber und Gendarm“, sage ich fröhlich. „So heißt sie.“

- „Genau“, sagt er.

- „Wie fanden Sie sie?“

- „Du musst besser recherchieren. Ein Teil der Sachen stimmt nicht. Die Dialoge wirken unrealistisch.“

- „Es war doch ein Rollenspiel. Keine Abbildung der Wirklichkeit.“

Ich lächle. Und zum ersten Mal erahne ich auch bei ihm den Anflug eines Lächelns. Es ist nicht offensichtlich, absolut nicht. Aber einer seiner Mundwinkel hat sich nach oben bewegt. Etwas, ein wenig. Doch, ich sehe es. Das ist ausreichend.

- „Sie haben also meine erotischen Kurzgeschichten gelesen?“, sage ich.

- „Ich bin es, der das Verhör führt. Nicht umgekehrt.“

- „Natürlich. Aber Sie stellen mir Fragen. Mehrere. Beschuldigen mich sogar für etwas, das ich nicht getan habe. Ist es da nicht angebracht, dass ich Sie auch mal etwas frage?“

- „Nein.“

- „Doch.“

- „Schluss jetzt. Ich bestimme hier.“

- „Ist das so?“

Ich stehe auf.

- „Hinsetzen!“, sagt Tobias in bestimmtem Ton.

Ich setze mich nicht hin. Stattdessen gehe ich einige Schritte um den Tisch herum. Stelle mich neben Tobias. Er sitzt dort mit geradem Rücken. Hat den Kopf und den Blick auf mich gerichtet. Strahlt Selbstsicherheit aus. Aber in seinem Blick sehe ich auch eine Unsicherheit. Was habe ich vor? Was werde ich tun? Ich setze mich auf den Tisch, meinen Körper ihm zugewandt. Mein rechtes Bein streift seinen linken Schenkel.

- „Darf ich ihnen etwas erzählen?“, frage ich.

Tobias antwortet nicht.

- „Ich habe wirklich eine Schwäche für Polizisten“, sage ich.

- „Das kann ich mir gut vorstellen“, sagt Tobias, den Blick fest auf mich gerichtet.

- „Das können Sie?“, frage ich.

- „Ja.“

- „Wie kommt das?“

- „Mehrere deiner Kurzgeschichten handeln von Uniformen“, antwortet Tobias.

- „Ja, damit haben Sie tatsächlich Recht. Aber das muss ja nicht bedeuten, dass das etwas ist, was mich anmacht.“

- „Nein. Aber ich glaube, dass es so ist.“

- „Okay“, sage ich.

- „Du wirst sicher über das hier schreiben“, sage ich.

- „Über das Polizeiverhör?“

- „Ja“, antwortet Tobias.

- „Vielleicht“, sage ich.

- „Das würde ich gut finden“, antwortet Tobias.

- „Das glaube ich“, antworte ich.

- „Aber unter einer Bedingung“, sagt Tobias.

- „Bedingung?“, sage ich. „Sie wissen, dass in diesem Land die freie Meinungsäußerung gilt? Sie können nicht bestimmen, worüber ich schreiben werde.“

- „Ich will, dass du meinen Namen in der Kurzgeschichte verwendest.“

- „Tobias?“

- „Ja.“

- „Klar“, antworte ich. „Und absolut, das ist ein guter Anfang. Der Raum, der Ort, du und ich. Aber das reicht nicht.“

- „Nicht?“

- „Nein“, sage ich. „Eine erotische Kurzgeschichte muss zumindest eine Sexszene enthalten. Mindestens.“

- „Und du meinst, dass ich dir jetzt dabei helfen würde?“, fragt Tobias.

- „Ich unterstelle nichts“, sage ich.

- „Doch, das tust du“, antwortet Tobias. „Und ich will.“

- „Du willst Sex mit mir?“

- „Ja. Und ich glaube, dass du auch mit mir Sex haben willst.“

*

Es wird still zwischen uns. Tobias‘ Blick bohrt sich in meinen. Er sieht jetzt wirklich direkt in mich hinein. Und ja, da passiert es. Ich werde Sex mit ihm haben. Endlich, endlich werde ich Sex mit einem Polizisten haben. In Uniform. In einem Verhörraum.

Zum allerersten Mal.

Ich lehne mich nach vorn. Es fühlt sich wie eine Ewigkeit an, aber ich tue es dennoch langsam. Und dann treffen sich unsere Lippen. Wir küssen uns. Ich atme seinen Atem ein. Tobias hat füllige, weiche Lippen. Der Kuss ist sinnlich, sanft. Tobias schmeckt nach Minze. Er muss ein Bonbon im Mund gehabt haben, ohne, dass ich es bemerkt habe. Wir küssen uns noch einmal. Und noch einmal. Dann lösen wir uns voneinander. Tobias atmet jetzt heftiger. Und mein eigener Puls schlägt schneller. Ich rücke von der Ecke des Tisches zur Mitte, näher zu ihm. Vor ihn. Genau gegenüber. Meine Beine zwischen seinen. Ich sehe die schwarze Hose, erneut. Und die schwarzen Lackschuhe.

- „Wie lange hast du dir das schon gewünscht?“, fragt er mich.

- „Viel zu lange“, antworte ich.

Ich beginne, Tobias‘ Hemd aufzuknöpfen. Er folgt meinen Händen nicht, oder den Bewegungen meiner Finger. Nein, er folgt meinem Blick. Versinkt in ihm, genau so, wie ich in seinem versinke. Ich könnte in seinen Augen ertrinken. Obwohl er selbst nichts sagt, ist es so, als ob es seine Augen tun würden. So, als könnte ich durch seine Augen und seinen Blick erkennen, wer er tatsächlich ist. Dass er sich sehnt, nicht nur hiernach, sondern nach viel, viel mehr. Das denkt er. Auch, dass er eher ein Denker ist, als ein Redner. Vielleicht, vielleicht bilde ich mir das nur ein. Ich weiß es nicht. Aber ich bin in jedem Fall sicher, dass es so viel gibt. An ihm. In ihm. So viel, das ich herausfinden möchte. Kennenlernen.

Ich habe zwei der Knöpfe geöffnet. Die schwarze Krawatte gelöst. Er trägt ein Unterhemd unter seinem Hemd. Ein schwarzes, enges Unterhemd, das sich an seine Brust schmiegt. Er ist zweifellos durchtrainiert. Ich hatte selbstverständlich nichts anderes erwartet – er ist schließlich Polizist. Musste bereit sein, schnell und geschmeidig agieren zu können. Ausdauernd. Ich wette, dass er mindestens an fünf Tagen der Woche trainiert. Vielleicht sogar noch mehr.

Ich knöpfe sein Hemd weiter auf. Tobias sagt noch immer nichts. Aber ich sehe jetzt ein Lächeln. Deutlicher. Er lächelt und genießt das, was ich tue. Will, dass ich fortfahre. Also mache ich das. Knöpfe sein Hemd weiter auf, Knopf für Knopf. Und schließlich habe ich alle geöffnet. Ich beginne dann, mein eigenes aufzuknöpfen. Ich selbst trage kein Unterhemd darunter.

Ich werde immer ungeduldiger. Ich werfe mein Hemd auf den Boden. Ich lehne mich nach vorn, zu ihm. Und ohne, dass ich darauf vorbereitet bin, legt er seine Hände um meinen Körper – und zieht mich in seine Arme. Ich sitze jetzt rittlings auf ihm. Sein Unterhemd drückt gegen meine nackte Brust. Sein Körper drückt gegen meinen. Ich küsse ihn erneut. Er küsst meinen Hals. Ich erschaudere vor Wohlbehagen. Ich fühle es im Nacken, auf meinen Armen. In mir. Mein Puls erhöht sich deutlich. Das Tempo unserer Küsse ebenfalls. Meine Hände gleiten unter den Bund seines Unterhemds. Ich streichle seinen Bauch und dann allmählich seine Brust. Meine Hände sind kalt. Zumindest im Vergleich mit seiner Haut. Tobias‘ Körper ist ganz heiß. Ich kann mir das Rauschen seines Blutes unter der Haut förmlich vorstellen.

Unsere Küsse werden immer intensiver. Unsere Zungen beteiligen sich, wollen auch mitspielen. Mal umarmen sie sich, mal kämpfen sie. Zanken sich um Platz. Wollen mehr, mehr, mehr fühlen. Und unsere Lippen ebenso. Tobias bedeckt mein Gesicht mit Küssen, mit warmem Speichel. Ich mache dasselbe. Nach einer Weile ziehe ich sein Unterhemd über seinen Kopf. Tobias‘ Brust entblößt sich vor mir. Meine Haut drückt gegen seine. Meine Brustwarzen gegen seine. Seine sind steif. Meine ebenso.

Die Erregung lodert in mir. Es ist eine schöne, warme, überschäumende Hitze. Die in dem Tempo wächst und wächst, in dem sich unsere Körper berühren.

Ich stehe auf. Tobias ebenso. Tobias lehnt sich mit dem Rücken gegen den Tisch. Ich gleite an ihm hinunter. Er lehnt sich zurück, stützt sich gegen den Tisch. Ich knie mich zwischen seine Beine, vor ihn. Ich sehe zu ihm hinauf. Fixiere ihn mit meinen Auge, als ich langsam, absichtlich reizvoll, seinen Gürtel öffne. Ich mache es langsam, langsam. Ich kann die Frustration förmlich in seinem Blick sehen. Und er stöhnt. Sagt mir sogar, dass ich ihn verrückt mache. Ich mache weiter. Langsam, ganz langsam.

Ich ziehe den Reißverschluss seiner Hose hinunter. Seine Unterhose erscheint. Ich ziehe die Hose und die Unterhose zusammen hinunter, mit beiden Händen. Es geht schnell – schneller als ich es eigentlich will. Aber jetzt habe ich ihn hier. Genau da, wo ich ihn haben will. Nackt. Entblößt. Und nicht zuletzt – hart. Tobias‘ Schwanz pulsiert in seiner Erregung direkt vor meinem Gesicht. Ich habe sein Glied auf Augenhöhe und er ist so, so nah. Tobias hat einen schönen Schwanz. Einen großen Schwanz. Einen perfekten Schwanz. Ich wette, dass er genau weiß, wie man damit eine andere Person zufriedenstellt. Sicher hat er das viele, viele Male zuvor getan. Ich bin davon überzeugt, obwohl ich keine Ahnung habe. Genau genommen.

Meine rechte Hand streichelt seinen Ständer. Langsam, ganz langsam. Dann packe ich seinen Schwanz ganz fest. So, dass er meine Hand wirklich spürt. Und meine Bewegungen. Ich folge die ganze Zeit seinem Blick. Es ist ein Blick voller Intensität und Leidenschaft. Er will wahrscheinlich vor allem, dass ich ihn jetzt schon zwischen meine Lippen nehme. Mit einem Mal. Am liebsten, am liebsten. Aber ich mache weiter damit, ihn zu necken. Ihn zappeln zu lassen. Lasse ihn noch weiter warten.

Ich streichle ihn langsam. Vor und zurück. Von der Wurzel seines Schwanzes direkt unter seinem Bauch und den gesamten Weg bis zu seiner Eichel. Ich erhöhe allmählich das Tempo. Aber ohne mich zu beeilen. Tobias‘ Erektion wächst weiter in meiner Hand. Zwischen meinen Fingern.

Und ich spüre, dass mein eigener Schwanz das Gleiche macht.

Ich wichse ihn härter. Und schneller. Bald kann ich richtig fühlen, wie Tobias‘ Schwanz in meinem geschlossenen Griff pulsiert.

Ich öffne jetzt meine Lippen. Ich lecke mir über die Lippen, um sowohl meine Ober- als auch Unterlippe zu befeuchten. Küsse seine Eichel. Seine inzwischen glänzende, saftige Eichel. Tobias‘ folgt meinen Bewegungen die ganze Zeit mit seinem Blick. Jetzt gerade beobachtet er meinen Mund. Ich öffne ein wenig, ein wenig meine Lippen. Lasse die Spitze seiner Eichel einige Millimeter zwischen meine Lippen gleiten. Nicht mehr. Ich wichse ihn weiter. Aber schließlich kann auch ich nicht mehr warten. Daher lasse ich seinen Schwanz tief zwischen meine Lippen gleiten. Lasse seine Eichel auf meinen Speichel treffen. Und meine Zunge begegnet seinem Ständer. Ich blase ihn mit äußerster Sorgfalt. Tief. Mit viel Speichel. Tobias gleitet einfach vor und zurück. Meine Zunge folgt. Tobias wird noch härter.

Und ich liebe den Geschmack von seinem Schwanz in meinem Mund. Und den Anblick von ihm, wie er über mir steht, mit aufgeknöpftem Polizeihemd, geil und begierig. Alles meinetwegen. Wegen meiner Bewegungen. Wegen dem, was ich mache. Was ich ihn fühlen lasse.

Ein paar Sekunden später stehe ich über den Tisch gebeugt. Tobias hat meine Hose ausgezogen. Ich wichse meinen Schwanz über der Oberfläche des Tisches. Tobias leckt mich. Ich bin so hart. Und so, so geil.

Als Tobias in mich eindringt, bin ich kurz davor, gleich beim ersten Stoß zu kommen. Aber ich reiße mich zusammen. Tobias fickt mich gleichmäßig in einem festen, sicheren Tempo.

Als ich komme, füllt der Orgasmus meinen gesamten Körper aus. Sämtliche meiner Sinne. Und ich komme mit einem so lieblichen, so schönen Gefühl.

Wie aus einer ganz anderen Welt.

Das Klassentreffen - Erotische Novelle

Willkommen zum Klassentreffen steht dort in großen Buchstaben. Unter der Überschrift ist die Adresse meines alten Gymnasiums angegeben, ein Datum und eine Uhrzeit. In einem Monat. Ich halte die Einladung in der Hand. Ich war überrascht, als ich das Kuvert öffnete und sah, worum es ging: Klassentreffen. Es ist inzwischen lange her. Mehr als zehn Jahre, seit wir das Gymnasium abgeschlossen haben. Ich habe mit keinem mehr Kontakt. Keinem Einzigen.

Sollte ich? Will ich? Ich weiß es tatsächlich nicht.

Schließlich entscheide ich mich dafür, nicht hinzugehen. Nein, wirklich nicht. Das Gymnasium habe ich hinter mir gelassen. Eine Zeit voller Unsicherheit. Eine Zeit der Ausgrenzung. Ich habe, wie so viele andere auch, damit gekämpft, mich selbst zu finden. Meine Identität. Ich hatte wenige Freunde. Ich habe mit einigen rumgehangen, das schon. Zumindest während der Zeit, die wir in der Schule waren. Viel mehr war es nie. Als ich das Abitur abschloss, fühlte ich einen inneren Triumph. Ich hatte es geschafft! Und die Jahre am Gymnasium waren endlich vorbei.

Ich zog um. Weg, in eine andere Stadt. Ich wurde eine Autorin. Heute schreibe ich Kurzgeschichten für einen der größten Buchverlage. Ich verdiene gut. Viele kennen mich. Und der größte Unterschied zwischen damals und heute: ich habe mich selbst gefunden. Meine eigene Persönlichkeit und meine innere Stärke. Ich traue mich etwas. Ich stehe für mich selbst ein. Ich habe keine Angst, zu fragen. Ich habe keine Angst, es zu versuchen. Während der Zeit am Gymnasium war ich immer ängstlich und unsicher. Diejenige, die still war. Die, die sich immer zurückgehalten hat. Fern, immer abseits. Ich wurde wahrscheinlich von vielen anderen als nicht mehr als ein Schatten wahrgenommen, von den meisten vermutlich.

Heute bin ich anders. Heute bin ich jemand.

Ich bin ich selbst.

*

Ich sitze mit meinem besten Freund Jonathan in einem Straßencafé. Es ist mitten im Sommer. Die Sonne ist warm. Es gibt nicht eine Wolke am Himmel und alle scheinen glücklich. Es ist Freitag.

- „Welches Datum haben wir heute?“, fragt mich Jonathan, während er auf sein Handy schaut.

- „Den Elften“, antworte ich und fahre mit der Hand durch meine Haare.

- „Verdammt“, sagt Jonathan. „Dann habe ich den Termin wieder verpasst.“

- „Die Massage?“, frage ich.

- „Mmh“, sagt Jonathan und seufzt. „Ich glaube, es ist jetzt das dritte Mal.“

- „Du bist wirklich mies darin, pünktlich zu sein“, sage ich und lache.

- „Das weiß ich“, antwortet Jonathan und stimmt in mein Gelächter ein.

- „Aber ich nehme an, dass es schlimmere Eigenschaften gibt, als etwas nachlässig zu sein“, sage ich.

- „Du bist nicht nachlässig“, sagt Jonathan. „Hast du jemals einen Termin verpasst?“ Jonathan hebt eine Augenbraue und sieht mich skeptisch an.

- „Niemals“, antworte ich mit Stolz in der Stimme.

- „Überrascht mich nicht“, sagt Jonathan. „Das gleiche gilt für Einladungen. Du antwortest immer schon lange im Voraus mit ja oder nein. Machst immer alles richtig.“

- „Ja, doch.“

Und dann fällt es mir ein. Das Klassentreffen. Ich habe Jonathan nichts davon erzählt.

- „Ich habe vor einiger Zeit eine Einladung zum Klassentreffen bekommen“, sage ich.

- „Wie cool!“

Ich werfe Jonathan einen Blick zu. Er weiß genau, was er bedeutet.

- „Ach so“, antwortet er. „Vom Gymnasium also?“

- „Mmh“, sage ich. „Aber ich habe mich entschieden, nicht hinzugehen.

- „Wann ist das?“, fragt Jonathan.

- „Am Zwölften. Also morgen.“

- „Ich verstehe ja, dass du nicht gehen willst“, sagt Jonathan. „Aber…“

- „Was aber?“

- „Du könntest es auch als eine Art Revanche sehen.“

- „Eine Revanche?“

- „Ja“, antwortet Jonathan. „Eine Gelegenheit für dich, um ihnen zu zeigen, dass es dir trotz allem nicht so schlecht ergangen ist.“

Eine Revanche? Ich habe es nie von dieser Seite aus betrachtet. Aber klar ist es mir recht gut ergangen. Ich bin umgezogen, habe mich neu orientiert, eine Ausbildung gemacht und einen Job bekommen. Vor allem bin ich als Person gewachsen.

- „Ich weiß nicht, ob das so eine gute Idee wäre“, sage ich nach einer Weile.

- „Ich glaube, das ist eine hervorragende Idee“, antwortet Jonathan.

- „Glaubst du das wirklich?“

- „Was hast du zu verlieren?“

- „Meine Würde“, sage ich und lächle.

- „Ha! Sie werden neidisch auf dich sein. Der ganze Verein. Wenn es jemanden gibt, der sich schämen sollte, dann die. Die, die gemein zu dir waren.“

- „Nicht alle waren gemein“, sage ich.

- „Nein, aber zwei von ihnen. Wie hießen sie noch gleich?“

- „Alma und Elsa.“

- „Ach, richtig“, antwortet Jonathan. „Alma und Elsa. Klingt wie zwei alte Ziegen!“

Ich kann nicht anders, als zu lachen.

- „Hast du noch Kontakt zu jemandem aus der Zeit?“, fragt Jonathan.

- „Nein, antworte ich. Überhaupt nicht.“

- „Gut. Dann wird keiner mit dir rechnen. Ich kann es direkt vor mir sehen! Du schwebst da rein. Super gut aussehend. Erfolgreich. Ihnen wird die Kinnlade herunterfallen!“

- „Ach was“, sage ich, obwohl ich Komplimente liebe.

- „Und…“, sagt Jonathan, „…du würdest andere wiedersehen…“

- „Simon, Andreas und Oskar“, antworte ich. „Die Schnuckeligen.“

- „Auf die du ja verdammt scharf warst“, sagt Jonathan.

Ich werde rot.

- „Ich habe keine Ahnung, wie sie heute aussehen. Oder was sie machen.“

- „Noch ein Grund mehr für dich, dich morgen in den Zug zu setzen und hinzufahren.“

- „Du meinst wirklich, dass ich das tun sollte…“

- „Wie gesagt, was hast du zu verlieren? Es wird jedenfalls keine Demütigung. Das haben wir bereits festgestellt.“

Ich denke darüber nach. Ich weiß, dass ich es zeitlich schaffen würde, es gibt tatsächlich passende Züge. Und ich habe für morgen nichts geplant. Ich habe den Ort seit so vielen, vielen Jahren nicht gesehen. Das wäre tatsächlich eine großartige Gelegenheit, zurückzukehren. Ich denke darüber nach, ob ich wirklich etwas zu verlieren habe – also ernsthaft. Nein, das habe ich nicht. Nehmen wir an, dass sie mich ignorieren. Dass ein paar gemein sind. Dass ein paar neidisch auf mich sind, vielleicht. Aber das kann ich in dem Fall nicht auf meine Schultern laden. Wenn sie verbittert sind, wegen mir oder des Lebens an sich. Wenn sie Drama machen wollen. Dann kann ich einfach gehen. Mir danken und feststellen, dass sie sich nicht geändert haben. Dass sie noch immer dieselben Menschen wie damals sind.

- „Ich mache es“, sage ich zu Jonathan.

*

Simon, Andreas und Oskar. Die absolut beliebtesten Jungs der Schule. Wir gingen in dieselbe Klasse. Sie waren aus unterschiedlichen Teilen des Landes in die Stadt gezogen. Simon kam aus Stockholm, Andreas aus Kalmar und Oskar aus Uppsala. Das Besondere an unserem Gymnasium, das sich zum damaligen Zeitpunkt von den übrigen in Schweden unterschied lag darin, dass die Schüler die Möglichkeit hatten, selbst zu entscheiden, welche Kurse sie belegen wollten – und welche nicht. Man konnte das Gesellschaftsmodul wählen, wie wir es getan hatten, und dennoch Kurse in Kunst und Theater besuchen, beispielsweise. Das war es, wonach sie gesucht hatten, das erzählten sie bereits am ersten Tag, als wir einander vorgestellt wurden.

Sie fielen auf. Wir waren insgesamt 15 Schüler in der Klasse, aber diese drei stachen wirklich hervor. Das habe nicht nur ich bemerkt. Ziemlich schnell wurde mir klar, dass die Jungs bald die Beliebtesten des gesamten Gymnasiums werden würden. Und dass alle, alle Mädchen nach ihnen schmachten würden. Ich hatte Recht. Es dauerte nicht mehr als eine Woche. Die erste Party hatte stattgefunden und es wurde bereits getratscht. Es gab Gerüchte über Simons Schwanz, der größer als die meisten anderen wäre, über Andreas‘ Vorspiel und Oskars Zunge.

Ich war ihnen verfallen. Genau wie alle anderen. Aber ich habe mich nie getraut, irgendwelche Annäherungen zu versuchen. Stattdessen habe ich sie nur angesehen. Oft und gern beobachtet. Ich folgte ihren Bewegungen. Habe ihre Gespräche belauscht. Habe ihr Lachen bewundert, ihre Art, sich auszudrücken. Ihre Art zu sein, ganz einfach.

Und ich habe es mir vorgestellt. Habe mir immer wieder vorgestellt, wie fantastisch es wäre. Wie es sich anfühlen würde. Wenn ich mich einfach nur trauen würde ihnen zu sagen, dass ich sie will. Und wenn sie sagen würden, dass sie mich auch wollten.

*

Simon war groß. Er hatte helle, blonde Haare. Seine Augen waren hellblau. Er konnte sich artikulieren. Er war selbstsicher. Er spielte Fußball in seiner Freizeit. War gut gebaut und mochte Horrorfilme. Emilia, eines der Mädchen aus der Klasse, hatte für einige Monate eine Beziehung mit ihm. Während dieser Zeit sprach sie oftmals darüber, wie gut ihr Sex war. Sie beteuerte oft und gerne, dass Simons Glied enorm war. Und dass er sie ganz ausfüllte. Und damit nicht genug, er konnte auch vögeln, erzählte sie. Sein Tempo war sicher. Und er musste es bereits viele, viele, viele, viele Male zuvor getan haben. Einmal erzählte Emilia, dass sie es auf einer der Schultoiletten getan hatten. Sie hatte über das Waschbecken gebeugt gestanden. Ihre Brüste hatten immer wieder den Spiegel gestreift. Simon hatte sie von hinten genommen. Sie sei fast sofort gekommen, erzählte sie. Simon auch. Ich habe oft über Simons Schwanz nachgedacht. Habe Emilia um ihre Geschichten beneidet. Habe mich gefragt, wie es sich anfühlen würde. Wie es überhaupt wäre, ihn zwischen meinen Schenkeln zu spüren. Würde es wehtun? Wäre ich eng? Er würde es wahrscheinlich lieben. Meine enge Pussy seinen pochenden, großen Schwanz umschließen zu spüren. Ich habe oft darüber nachgedacht. Wie es wäre. Und wie schön es sich anfühlen würde. Ich war wirklich überzeugt davon, dass ich es lieben würde.

Andreas war schweigsam. Er sprach überhaupt nicht viel. Aber er war immer bei allem dabei. War immer konzentriert. Viele Male habe ich mich gefragt, worüber er nachdachte. Andreas war so groß wie ich. Er hatte während der Zeit am Gymnasium nie eine Beziehung. Er hat herumgevögelt, wie man so sagt. Wenn er ein Mädchen gewesen wäre, wäre die Situation eine andere gewesen, aber so wurde er dafür in den Himmel gehoben. Er war ein Fuckboy, sagte man und klopfte ihm auf die Schulter. Aber er war nett, jawohl. Er war nicht einer von denen, die mit jemandem schliefen und sie dann mies behandelten. Andreas war bekannt für sein Vorspiel. Ich habe mir so oft gewünscht, dass ich eine von denen gewesen wäre, die es erlebt haben. Ich fantasierte gern über Andreas‘ Vorspiel. Es konnte alles beinhalten, bekam ich mit der Zeit mit. Er liebte es, Mädchen zu küssen, Stück für Stück, von den Waden, den gesamten Weg hinauf zu ihrem Gesicht oder ihren Lippen. Langsam, ganz langsam. Um sie zu erregen. Ich fantasierte oft davon, dass ich es war, die dort mit Andreas lag und wie er seine Küsse auf meinem Körper verteilte. Seine Lippen. Seine Haut. Ich lag in meinem Bett, schloss die Augen und sah das ganze Szenario vor mir. Ich konnte sogar fühlen, wie seine Lippen es in mir zum Vibrieren brachten. Wie er meinen Puls schneller schlagen ließ. Und wie die Temperatur in meinem Körper stieg und wie meine Erregung im Takt mit seinen Küssen wuchs. Ich sah seinen Blick, der sicher und konzentriert war, direkt vor mir. Wie sich seine Konzentration in seinen Handlungen widerspiegelte. Wie perfekt jeder Kuss war. Jeder Kuss war geplant. Und wie seine Finger mich streichelten. Und wie der Orgasmus kam, ebenso sicher wie wundervoll.

Am meisten von den dreien habe ich von Oskar fantasiert. Er war der Hübscheste von ihnen. Er war aber nicht nur gutaussehend. Nein, er war auch außerordentlich charmant. Er lachte und lächelte die ganze Zeit. Er war richtig toll. Er war mit einem Mädchen etwas mehr als ein Jahr zusammen. Danach dauerte es mehrere Monate, bevor er die nächste Beziehung begann. Ich hatte den Eindruck, dass er zärtlich war. Als ich in Zehnte ging, hatte ich Sex mit zwei verschiedenen Personen. Einer davon, Benjamin, hatte mich geleckt. Und ich hatte es geliebt. Ich hatte es abgöttisch geliebt. Nach einigen Wochen haben Benjamin und ich uns getrennt. Ich sehnte mich danach, wieder geleckt zu werden. Und ich begann, von Oskars Zunge und seinen Lippen zu fantasieren. Das ließ mich so viele Male kommen. Ich konnte es sowohl sehen, als auch fühlen. Ich hatte es ja mit Benjamin erlebt. Aber jetzt sah ich stattdessen Oskars Gesicht vor mir. Es waren Oskar und ich, die Sex hatten. Ich war es, die nackt auf dem Rücken lag. Es war Oskars Gesicht, das mein Geschlecht küsste und er war es, der seine Zunge zwischen meine Schamlippen gleiten ließ. Oh, es war so schön. Ich konnte seine Wärme spüren, seinen Speichel. Seine weichen, sanften Lippen und seine bestrebte und hungrige Zunge. Ich sah vor mir, wie ich seinen Kopf immer näher an mich drückte. Wie sein Gesicht förmlich zwischen meinen Beinen verschwand. Er war sich sicher bei dem, was er tat. Erschuf eine Elektrizität, die durch meinen gesamten Körper ging. Die jeden meiner Sinne schärfte. Die mich keuchen ließ, lechzen. Oskar brachte mich zu einem Orgasmus nach dem anderen. Oh Gott, es war wirklich magisch. Ich kann noch immer, wenn ich meine Augen schließe, die Szene vor mir sehen. Ich kann genau sehen, wie es, nach meiner Vorstellung, wäre. Seine Lippen und meine Haut. Das war mehr als eine Fantasie. Denn ich habe es nach meinem Empfinden tatsächlich erlebt.

*

Ich steige aus dem Zug und gehe meinem alten Gymnasium entgegen. Ich folge den Straßen, die ich vor so vielen Jahren entlanggegangen bin. Als ich eine Andere war. Als ich keine Ahnung davon hatte, wohin die Zukunft mich führen würde. Wer ich sein würde. Was ich tun würde. Damals hatte ich wirklich Angst. War unsicher bezüglich der Zukunft. Wollte so sehr wissen, was passieren würde. Ob alles gut würde. Jetzt bin ich keineswegs unsicher. Nein, ich gehe mit geradem Rücken die Straßen entlang. Stelle mir vor, dass es lustig wäre, jemandem von früher zu begegnen. Jemandem, den ich wiedererkenne. Aber die wenigen Menschen, die ich treffe, sind Fremde für mich. Ich erkenne sie nicht wieder. Sie erkennen mich nicht wieder.

Als ich vor der Schule stehe, werde ich plötzlich nervös. Das ist ungewöhnlich für mich. Ich werde inzwischen eigentlich selten nervös. Ich lese den Zettel, den jemand an die Tür gehängt hat: Willkommen zum Klassentreffen! Wir treffen uns in der Caféteria. Ich sehe auf die Uhr. Ich bin eine Viertelstunde zu früh. Ich drücke gegen die Tür, sie ist offen. Ich beschließe, hineinzugehen. Ich schlendere durch die Korridore und werde an alles so deutlich erinnert. Die Zeit. Die Menschen. Der Unterricht. Die Prüfungen. Die Lehrer. Ich frage mich, ob einer der Lehrer heute Abend da sein wird?

Ich gehe auf eine der Toiletten. Betrachte mich im Spiegel. Ich trage meine Haare offen. Ich lege eine weitere Schicht Lippenstift auf. Schmatze. Ich frische den Mascara auf. Begegne meinem Blick, meinen dunklen Augen. Doch, ich sehe gut aus. Warum konnte ich das damals nicht sehen? Warum war ich so unsicher und ängstlich? So hart gegen mich selbst? Wovor hatte ich überhaupt solche Angst? Ich wünschte, dass ich die Zeit zurückdrehen und meinem früheren Ich raten könnte, selbstsicherer zu sein. Für mich selbst einzustehen. Mir das gleiche Recht zu nehmen, wie alle anderen. Und dass mir niemand, jemals, einreden darf, dass ich nicht gut genug bin.

Ich trage ein Sommerkleid. Es ist weiß und hat kleine schwarze Blumen aufgestickt. Es steht mir sehr gut. Passt sehr gut zu meinen schwarzen Haaren und meinen dunklen Augen. Dazu trage ich High Heels, auch sie sind schwarz. Ich bin zufrieden mit meiner Kleiderwahl. Fühle mich gut. Selbstbewusst.

Ich frage mich, ob es diese Toilette war, auf der sie es taten. Simon und Emilia. Ob es dieser Spiegel war, gegen den ihre Brüste stießen und ob es dieses Waschbecken war, auf dem sich ihre Körper vereinten. Ihre Geschlechter. Der Gedanke erregt mich. Ich sehe alles vor mir. Simons durchtrainierter Körper. Emilias üppige, wunderschöne Brüste.

Ich verlasse die Toilette. Gehe zur Caféteria. Ich höre Stimmen. Ich bin auf jeden Fall nicht die Erste, das fühlt sich gut an. Ich frage mich, wer bereits da ist. Und wer überhaupt kommt.

Ich erkenne sie sofort. Es gibt keinen Zweifel. Sie sind älter, natürlich. Reifer, wahrscheinlich. Die Kleidung ist anders. Sie sind erwachsen geworden. Aber sie sind dieselben Personen. Drei Männer sitzen um einen großen, langen Tisch, mitten in der Caféteria.

Simon, Andreas und Oskar.

- „Josefina!“, rufen sie gleichzeitig. „Willkommen!“

*

Wir beginnen mit Smalltalk über Dies und Das. Was ich mache und was sie machen. Simon arbeitet als LKW-Fahrer. Andreas leitet eine eigene Technikfirma und verkauft Anti-Virus-Programme an verschiedene Unternehmen. Oskar befindet sich gerade zwischen Studium und Beruf. Er hat ein Studium zum Psychologen gemacht, erzählt er. Keiner von ihnen ist verheiratet oder in einer Beziehung. Andreas war länger mit einer Frau zusammen, erzählt er. Sie haben einen gemeinsamen Sohn, aber vor drei Jahren haben sie Schluss gemacht. Jetzt haben sie das geteilte Sorgerecht für das Kind. Es funktioniert ganz gut, sagt er, aber ich höre heraus, dass es nicht so ist. Die anderen beiden sind single und scheinen zufrieden damit zu sein. Keiner von ihnen wohnt mehr hier. Alle sind extra für das Klassentreffen angereist. Sie haben untereinander Kontakt, erzählen sie. Aber nicht mit vielen anderen. Dann und wann hört er etwas von Emilia, sagt Simon. Aber das sei eher selten.

Ich erzähle von mir. Über mich. Sie machen mir Komplimente. Sagen, dass es für mich gut gelaufen zu sein scheint. Ich erwähne, dass ich die Schulzeit schwer fand. Das verstehen sie, antworten alle drei. Andreas sagt, dass das Gymnasium für viele eine schwierige Zeit war. „Die Hölle für manche“, ergänzt Simon und nickt in meine Richtung. Sie verstehen, dass es für mich nicht selbstverständlich war, die Einladung anzunehmen und zuzusagen. Aber sie sind froh, dass ich es getan habe. Ich frage, wer die Idee dazu gehabt hat. Es zeigt sich, dass es Andreas gewesen ist. Er fragte daraufhin bei Simon und Oskar nach und auch sie fanden, dass es eine gute Idee sei.

- „Kommt denn sonst niemand?“, frage ich nach einer Weile.

- „Das weiß ich tatsächlich nicht“, antwortet Andreas. „Wir hätten vielleicht in die Einladung schreiben sollen, dass man zu- oder absagen soll.“

- „Ja…“, antwortet Simon, „…das wäre besser gewesen.“

- „Tja“, sagt Oskar. „Mehr Essen für uns!“

Wir lachen mit ihm. Ja, das ist wohl wahr. Mehr Kartoffelsalat, Roastbeef und Salat, Brot und Käse und Butter für uns. Wir beschließen, reinzuhauen. Sie haben auch Getränke bestellt. Wir essen und stoßen an. Es zeigt sich schnell, dass wir tatsächlich allein sind. Nur vier von 15 Personen auf dem Klassentreffen. Aber ich gräme mich nicht. Überhaupt nicht. Ich fühle mich wirklich wohl. So richtig wohl fühle ich mich, definitiv.

- „Ich möchte euch etwas sagen“, sage ich nach einer Weile.

Sie legen das Besteck beiseite, stellen die Gläser ab. Und sehen mich an.

- „Lass hören!“, sagt Simon. „Ich bin neugierig.“

- „Ich auch“, stimmt Andreas ein.

- „Aber ihr müsst versprechen, nicht zu lachen“, sage ich.

- „Versprochen“, sagt Simon und die anderen nicken zustimmend.

- „Vielleicht ist es lächerlich, das jetzt anzusprechen. Aber ich will euch das auf jeden Fall sagen, wo ihr jetzt einmal hier seid. Ich war so…verdammt heiß auf euch. Auf euch alle drei. Während der Schulzeit.“

Sie sehen einander an. Wirken überrascht.

- „Du warst heiß auf uns?“, fragt Simon. „Auf uns drei?“

- „Mmh“, antworte ich. „Total.“

- „Verdammt“, sagt Andreas. „Das wusste ich nicht. Ich hatte keine Ahnung.“

- „Ich auch nicht“, sagt Simon.

- „Und du, Oskar?“, frage ich und schaue ihn an. „Hast du es gewusst?“

- „Keineswegs.“

- „Aber ihr wart doch wie ein Sechser im Lotto. Die, die am heißesten waren. Die Beliebtesten, nicht nur in unserer Klasse, sondern an der ganzen Schule.“

Sie lächeln.

- „Vielleicht“, antwortet Oskar. „Aber ich dachte jedenfalls, dass du vollkommen uninteressiert an mir wärst.“

- „Das dachte ich auch“, antwortete Andreas.

- „Ich ebenfalls“, meinte Simon.

- „Uninteressiert?“, frage ich. „Alles andere als das. Aber ich dachte nicht, dass ich eine Chance hätte.“

Stille breitet sich zwischen uns aus.

- „Die hättest du gehabt“, sagt Simon.

- „Hätte ich?“, frage ich.

- „Ja.“

- „Bei mir auch“, sagt Andreas.

- „Bei mir ebenfalls“, ergänzt Oskar.

- „Zu dumm, dass ich damals nichts gesagt habe“, antworte ich und nehme einen Schluck von meinem Cider.

- „Vielleicht ist es noch nicht zu spät“, sagt Andreas.

Ich begegne seinem Blick. Er ist ebenso intensiv wie damals. Ich drehe mich zu Simon und anschließend zu Oskar. Sie wirken ebenso ruhig wie Andreas. Meinen sie das, was ich denke, dass sie es meinen? Und falls ja – passiert das hier wirklich? Oder ist das erneut eine von meinen Fantasien, die ich immer hatte?

Aber Andreas steht auf. Er geht um den Tisch herum und kommt zu mir. Er stellt sich neben mich. Ich stehe auf. Sehe in seine Augen. Sein Blick ist elektrisierend. Ich kann förmlich spüren, wie er sich in mich bohrt. Wie er mich diese Spannung fühlen lässt. Und dann tue ich es. Tue das, was ich bereits seit so vielen, vielen Jahren will. Ich küsse ihn. Andreas Larsson. Und sein Kuss ist warm und einladend. Seine Lippen ebenso. Der Kuss erfüllt mich mit Glückseligkeit, während er gleichzeitig mein Verlangen weckt. Ich spüre die Erregung lawinenartig in mir ansteigen. Aus einem Kuss werden zwei und danach drei und vier.

Simon und Oskar stehen ebenfalls auf. Sie kommen zu uns hinüber. Küssen mich. Einer nach dem anderen. Auch deren Lippen sind weich. Aber sie schmecken verschieden. Oskars Lippen sind die schönsten. Sie sind voll und schließen sich fest um meinen Mund. Und seine Zunge sucht sich schnell den Weg zwischen meine Lippen – und begegnet meiner Zunge. Aber auch Simons Lippen sind schön. Er küsst mich sanft.

Ich sollte aufhören. Sie bitten, zu warten. Mich selbst ermahnen zu warten. Sollte nachdenken und nachfragen. Es überdenken. Mich selbst fragen, ob das hier wirklich, wirklich geschieht. Aber ich mache es nicht. Nein, stattdessen lasse ich mich voll und ganz von ihren Küssen und Berührungen einwickeln. Ich bin erfüllt. Mein Körper ist erfüllt von Lust. Sie verursachen solch große Erregung in mir. Einen Hunger nach mehr. Ich setze mich an den Tisch. Oskar kniet sich zwischen meine Beine. Ich lehne mich zurück, dort empfängt mich Andreas. Er streichelt mich. Er küsst meinen Nacken und mein Ohr. Und Simon, er küsst mich auch. Sie überschütten meine Haut mit Küssen, Speichel und Verlangen. Ihre Blicke sind konzentriert. Und mir kommt es so vor, als befände ich mich im siebten Himmel.

Ich ziehe mein Kleid aus, sie helfen mir. Es ist mühsam und der Tisch fühlt sich hart an meinem Körper an. Aber das macht nichts. Gerade ist es sogar vollkommen unwichtig. Schnell bin ich nackt. Simon zieht sein Hemd aus. Oskar und Andreas tun es ihm gleich. Kurz darauf sind wir alle nackt. Alle vier. Unsere Körper sind entblößt. Simon hat noch immer einen Waschbrettbauch. Natürlich. Andreas hat einen kleinen, kleinen Bauch bekommen. Oskar ist schlank. Für mich sind sie noch immer genauso gutaussehend, genauso sexy. Ich ziehe ihre Gesichter und ihre Körper zu mir und sie folgen mir bereitwillig. Ich küsse und streichle. Ich werde geküsst und gestreichelt. Es ist himmlisch. Es ist ganz und gar wundervoll. Immer wieder schnappe ich nach Luft. Das Tempo nimmt zu. Ich will mir keinen Kuss entgehen lassen. Will sie in mir aufnehmen. Mein gesamter Körper lodert bei diesen Berührungen. Unsere Küsse werden mehr und immer intensiver. Ich will nicht warten. Kann nicht warten. Simon, Andreas und Oskar küssen meine Lippen abwechselnd. Wenn jemand von ihnen an meinen Lippen hängt, küssen die anderen mich auf andere Stellen meines Körpers. Auf die Brüste, den Bauch, meinen Nacken oder Rücken. Sie sind überall. Und gleichzeitig. Und sie sind darauf bedacht, meinen Körper mit Küssen zu überschütten. Ich fühle mich wie eine Königin. Wie jemand, der umsorgt wird – und es genießt. Ich schließe die Augen. Gebe mich vollkommen der Lust hin, die ihre Küsse und Handlungen in mir verursachen. Als ich meine Augen wieder öffne, begegne ich Simon, der direkt vor mir steht. Sein Schwanz ist hart und zeigt geradewegs auf mich. Er hält die rechte Hand um seinen Ständer geschlossen. Simons Schwanz ist groß, das ist er wirklich. Dieses Gerücht war also nicht nur Schall und Rauch.

Ich stehe auf. Simon und ich tauschen die Plätze. Ich steige auf ihn. Ich setze mich rittlings auf Simon. Ich wichse seinen Schwanz. Oskar und Andreas wechseln sich damit ab, mich und ihn zu küssen. Simons Schwanz ist hart, aber ich will ihn noch härter machen. Bis er fast platzt. Seine Haut ist warm. Meine Hand ebenso. Ich wichse ihn schnell und kraftvoll. Gleichzeitig habe ich Oskars Schwanz in meinem Mund. Ich sauge intensiv an ihm. Und dicht, dicht hinter mir sitzt Andreas eng an mich gedrückt. Er küsst meinen Nacken, meinen Rücken, meine Wangen. Während er gleichzeitig meine Brüste streichelt. Meine Brustwarzen sind fast ebenso hart wie Simons Schwanz.

Nach einer Weile lasse ich ihn in mich gleiten. Vorsichtig, ganz vorsichtig. Aber ich bin so feucht, dass es nicht lange dauert, bis ich ihn vollständig aufnehmen kann. Ganz und gar. Ich bin wirklich erfüllt. Vom Schwanz, von Lust, von Befriedigung. Bereits nach wenigen Stößen habe ich den ersten Orgasmus. Es ist ein Orgasmus, der meinen Körper jauchzen lässt. Der mein gesamtes Ich jauchzen lässt. Ich gehe auf in einer Euphorie, die ihresgleichen sucht.

Nach Simon ist Oskar damit dran, mich zu nehmen. Wir wechseln die Position. Wir nehmen die Missionarsstellung. Ich schlinge meine Beine um Oskars Körper. Er vögelt mich hart. Stößt rein, raus, rein, raus. Ohne je den Halt oder den Takt zu verlieren. Wie eine Maschine fickt er mich. Gleichzeitig küsst er mich. Küsst meine Lippen. Es fühlt sich unwirklich an, Oscar so aus der Nähe zu sehen. Sein Gesicht ist direkt vor meinem. Wir können uns nicht näher kommen. Das ist geradezu unmöglich. Und es ist ebenso unwirklich, wie schön. Und ich genieße es vollkommen. Fühle, wie der Orgasmus in mir wächst und wächst. Wie er Stück für Stück von mir Besitz ergreift.

Ich komme. Zum zweiten Mal. Der Orgasmus strömt durch meinen Körper. Jeder Körperteil von mir registriert ihn. Genießt ihn. Stöhnt. Oh ja, ja!

Schließlich ist Andreas dran. Er, der das Vorspiel liebt. Er, der mich geküsst und gestreichelt hat. Der gewartet und gewartet hat. Jetzt ist er endlich dran. Ich klettere vom Tisch. Lehne mich mit den Ellenbogen nach vorn auf die Tischplatte. Andreas macht es mir nach. Stellt sich hinter mich. Dicht, dicht hinter mich. Er weiß, dass ich bereits ausreichend feucht bin. Dass ich gekommen bin. Und er will nicht länger warten. Er hat bereits lange genug gewartet.

Dann stößt er in mich. Hart, Tief. Und er fickt mich mit unvergleichlicher Kraft. Ich stöhne laut auf vor Erregung. Andreas macht das Gleiche. Unsere Körper verfallen in ein gemeinsames Tempo. In eine gemeinsame Geilheit. Ich bewege meinen Körper im Takt zu seinem. Fühle, wie er mein Innerstes erreicht. Und dann komme ich. In einem Orgasmus, der meinen ganzen Körper in dem süßesten aller Gefühle explodieren lässt. Welches mich vollkommen ausfüllt. Meinen Körper einnimmt. Mich fühlen, leben, sein lässt. Alles gleichzeitig. Alles, was nur zu sein geht, das bin ich.

Und es ist so schön. So unbeschreiblich schön.

*

Wir sitzen zusammen und trinken Bier. Ich beschließe, dass ich das frage, worüber ich schon nachdenke, seit wir uns wieder angezogen haben.

- „Liege ich falsch wenn ich sage, dass ich glaube, dass das hier das war, worauf ihr gehofft habt…? Mich zu kriegen? Gleichzeitig? Und dass alle anderen niemals eine Einladung erhalten haben?“

- „Wirst du böse, wenn es so ist?“, fragt Andreas.

- „Im Gegenteil“, sage ich.

Ich erkenne, dass nicht nur ich in der Schulzeit schüchtern war. Und ich hätte niemals ein besseres Klassentreffen haben können.

Striptease - Erotische Novelle

Sie ist eine Frau, die alles hat. Sie ist dreiundfünfzig Jahre alt. Sie ist verheiratet und kerngesund. Sie wohnt in der schicksten Adresse, in der meistbegehrten Straße der Stadt. Sieben Zimmer im achtzehnten Stock mit Aussicht über den Park. Sie hat Geld, sehr viel Geld. Sie muss nie aufs Preisetikett achten. Sie muss in keinem Laden fragen, wie viel etwas kostet. Mit ihrem Mann, der als Makler in seiner eigenen Firma arbeitet, hat sie zwei Kinder. Ihre Töchter sind schon vor ein paar Jahren ausgeflogen. Sie hat alle Zeit der Welt. Alle Möglichkeiten stehen ihr offen.

Alles sollte einfach nur fantastisch sein. Aber das ist es nicht. Mary Goldberg ist unglücklich. Wirklich unglücklich. Sie fragt sich, warum das so ist.

Als sie noch jung war, war sie ganz anders gewesen. Damals sprudelte sie vor Energie nur so über, hatte einen starken Willen, war hungrig aufs Leben. Nichts schien ihr damals unmöglich, und sie tat genau das, was sie gerade wollte. Wollte sie in ein Land reisen, um die geheimen Orte dort zu erforschen, dann tat sie das. Obwohl ihre Eltern dagegen waren, die hielten sie lieber in Sicherheit. Sie zog aus. Sie studierte. Sie nahm unterschiedliche Jobs an. Sie wollte die Welt entdecken, sagte sie. Und in ihr leben. Ihre Freunde, die eine ähnlich privilegierte Kindheit wie sie genossen hatten, verstanden sie nicht. Warum? fragten sie. Hier gab es doch alles, was man sich wünschen konnte.

Aber Mary wollte etwas anderes.

Nach ein paar Jahren, Mary war damals dreiundzwanzig, zog sie wieder zurück nach Hause. Eigentlich hätte es nur eine kurzer Zwischenstopp sein sollen zwischen zwei Jobs auf zwei verschiedenen Kontinenten. Aber so war es dann nicht. Denn sie lernte ihren zukünftigen Ehemann, Michael, kennen.

Sie war damals so unglaublich verliebt. Er auch. Sie zogen sich gegenseitig an, als wäre es ihnen unmöglich, voneinander getrennt zu sein. Kurz nachdem sie zu daten angefangen hatten, wurden sie ein Paar. Sie heirateten. Alles war gut. Michael arbeitete hart. Er startete seine eigenen Firma, die schon nach wenigen Monaten erfolgreich operierte. Die Kinder kamen. Das Leben rollte so dahin.

Bis Mary eines Tages klar wurde, dass sie nicht länger glücklich war.

Und so ist es immer noch.

*

Mary steht im Speisezimmer und sieht auf den Park hinaus. Die Farben verändern sich ständig, jetzt sind sie orange, rot und braungelb. Der Herbst ist da. Sie lässt ihren Blick über einen Ort schweifen, den viele schön finden. Sie selbst sieht nichts außer Farben. Bäume? Menschen? Hunde? Alles ist ihr gleichgültig. Doch vor allem fühlt sie sich leer und einsam.

Mary versucht, nicht daran zu denken, aber die Einsicht schlägt ihre Krallen in sie. Die Tage vergehen und sie versucht, sich abzulenken mit Einkäufen, Freunden, Mittagessen und Museen. All die Dinge, mit denen sie gewöhnlich ihre Tage füllt, während ihr Mann arbeitet – was er von morgens bis abends tut, oft auch sieben Tage die Woche.

Aber sie kann sich nicht länger ablenken. Das ist ihr klar geworden, und es macht ihr Angst. Mary Goldberg hat sich selbst verloren. Sie kann keinen Sinn mehr erkennen und weiß nicht, wie sie diese sprudelnde Lebensfreude zurückgewinnen und wieder zu der mutigen und selbstsicheren Frau werden soll, die sie einmal gewesen ist.

*

Es ist Sonntagabend. Mary hat sich von der Abendgesellschaft verabschiedet, mit der sie gegessen hat. Sie spaziert durch die Straßen der Stadt. Sie und ihre Freunde haben wie immer viel gelacht und geredet. War das schön? Ja, das war schön. Hat es etwas Neues gegeben? Nein, hat es nicht.

Mary ist zum ersten Mal aufgebracht. Das hier ist ungerecht! Sie will doch leben. Wenn man einmal so lebt wie sie, wird vorausgesetzt, dass das immer so sein wird. Mit derselben Energie und demselben Eifer. Es konnte doch noch nicht alles vorbei sein – nicht für immer. Und sie will sich nicht einsam fühlen.

Als sich Mary gerade mit diesen Gedanken beschäftigt, fällt ihr ein Schild auf:

STRIPTEASE.

In einer Leuchtschrift aus roten LEDs flackert es auf. Daneben ist das Bild eines Mannes zu sehen, der eine knappe Unterhose trägt und auch in Neonfarben erstrahlt, er allerdings in Blaugrüntönen. Mary bleibt stehen. Stripclub? Da ist sie schon seit ihrem Junggesellinnenabschied nicht mehr gewesen. Wie viele Jahre war das jetzt her? Sie fängt zu rechnen an … Schon dreißig Jahre. Kann das sein? Mary läuft ein Schauer über den Rücken, nicht aus Wohlbehagen, sondern wegen etwas anderem.

Mary schiebt den unangenehmen Gedanken von sich. Sie lenkt ihre Aufmerksamkeit wieder auf das Schild. Darunter führt eine Treppe nach unten. Es scheint sich um ein Kellerlokal zu handeln, das gleich unter einer Bar und einem Restaurant liegt. Mary will gern eintreten. Das will sie wirklich, traut sich aber nicht.

Zu Hause angekommen, erwartet Mary, von ihrem Mann begrüßt zu werden, sie wollten den Abend nämlich zusammen verbringen. Doch als sie den Anrufbeantworter abhört, hat er dort wieder einmal eine Nachricht hinterlassen, dass er länger arbeiten müsse. Mary spürt eine Welle der Enttäuschung. Wieder einmal hat ihr Mann etwas anderes als sie priorisiert. Das tut er schon seit langem, und sie hat es nie infrage gestellt oder war enttäuscht. Mary hatte sich daran gewöhnt. Aber jetzt, wo sie sich so verloren fühlt, tut es ihr doch sehr weh. Mary sieht auf die Uhr. Sie fragt sich: Was würde ihr Mann sagen, wenn er nach Hause käme – und sie nicht da wäre? Das würde ihm nur rechtgeschehen. Zu allem entschlossen verlässt sie die Wohnung, schlägt die Tür zu und begibt sich ins Erdgeschoss. Dort ruft sie sich ein Taxi und gibt die Adresse an.

Als sie aus dem Taxi steigt, ist sie nervös. Aber sie ist auch neugierig. Sie will es wissen. Wie wird es sich anfühlen? Einfach nur, etwas … zu fühlen. Mary betrachtet wieder das Schild:

STRIPTEASE.

Eigentlich hat sie nur zwei Möglichkeiten. Alternative eins: reingehen. Alternative zwei: umdrehen. Sie muss nicht lange nachdenken. Was hat sie schon zu verlieren?

Mary tritt auf die erste Stufe und macht einen Schritt, dann noch einen. Sie ist auf dem Weg. Wohin ist nicht wichtig. Endlich erlebt sie sich wieder spannungsgeladen und neugierig. Und voller Lebenslust.

*

Mary betritt die Dunkelheit. Das Lokal ist nur schwach beleuchtet, aber entlang der Wand kann sie Logen ausmachen. Viele davon sind nicht besetzt, die meisten sind leer. Mary sucht sich eine aus und nimmt Platz. Es dauert nicht lange, bis einer der Kellner zu ihr kommt und sie fragt, was sie trinken will.

– Einen Gin & Tonic, antwortet Mary.

Der Kellner bedankt sich für die Bestellung und verschwindet. Marys Augen gewöhnen sich an die schwache Beleuchtung. Sie kann jetzt noch mehr von der Einrichtung erkennen. Der Raum ist nicht groß, er ist sogar ziemlich klein. In der Mitte ist eine Bühne mit Metallstangen. Das Bühnenlicht ist gedimmt. Wird heute noch jemand auftreten? Nach einer Weile kommt der Kellner wieder zurück. Jetzt sieht Mary, dass sein Oberkörper nackt ist. Seine Haut spannt sich über seine Muskeln. Mit einem verschmitzten Lächeln überreicht er ihr den Drink. Als er sich wieder zum Gehen umdreht, ruft Mary ihn noch mal zurück. Sie fragt, ob heute noch jemand auftreten wird.

– Ja, antwortet er. In zwanzig Minuten geht es los.

– Danke, dann weiß ich Bescheid, antwortet Mary.

Mary zieht ihren Mantel aus und nippt an ihrem Drink. Er ist ein wenig zu stark. Aber er schmeckt okay. Mary fühlt sich berauscht von dem Ort und den Gedanken, die er auslöst. Und dass sie hier ist. Es gehört nicht zu ihrem Alltag, etwas so Unerwartetes zu tun, oder überhaupt einfach so einer Laune zu folgen. Mary ist zu einer Person geworden, die gewohnten Mustern folgt. Jemand, der nicht davon abweicht. Je mehr sie darüber nachdenkt, und je klarer es ihr wird, desto frustrierter ist sie. Sie sollte das nicht tun. Sie sollte etwas dagegen unternehmen. Jetzt spürt sie etwas ganz anderes. Etwas, das ihr gefällt. Etwas, das sie ausfüllt … mit hungrigem Verlangen.

Hier an diesem Ort zu sein, kommt ihr außerdem verboten vor. Sie saugt das Gefühl auf und schließt es in die Arme. Etwas zu spüren, egal was es war – das ist so viel besser als diese Gleichgültigkeit. Zum ersten Mal seit langer Zeit fühlt Mary sich glücklich.

Nach einer Weile kommt ein anderer Kellner zu ihr. Er sagt ihr, dass die Show bald beginnen wird und fragt, ob sie einen Platz näher an der Bühne wünscht. Mary nickt und wird an einen anderen Tisch geführt. Aufrecht setzt sie sich an den ihr zugewiesenen Tisch, der gleich neben der Bühne steht. Der Tisch ist klein, für eine Person reicht er. Sie sieht sich um. Es überrascht sie, dass nur so wenige Gäste anwesend sind. Schon klar – es ist schließlich Sonntag. Aber in einer Millionenstadt sollte der Wochentag keinen Unterschied machen.

Mary nippt weiter an ihrem jetzt schon fast leeren Drink. Der Alkohol wärmt sie. Spiellust und Neugier nehmen immer mehr Platz in ihr ein. Tatsache ist, dass sie immer geiler wird … Die Erkenntnis lässt ihre Wangen erröten. Sie versucht, den Gedanken schnell wegzuschieben, reißt sich zusammen und zwingt sich dazu, damit aufzuhören. Wieder nippt sie an ihrem Drink und lächelt für sich. Sie ist tatsächlich hier. Sie tut es wirklich.

Plötzlich wird das Licht angemacht. Ein Mann betritt die Bühne. Genau vor ihr hat er seinen Auftritt. Er trägt ein schwarzes, enges Hemd. Das Hemd steckt in einer Hose aus Satin oder Baumwolle. Sie spannt sich um seine Beine. Er ist durchtrainiert. Seine Haut ist glatt und dunkelbraun. Seine Augen leuchten grau – wie Sterne. Um ihn wird es hell. Das Licht schafft einen Kontrast auf seiner Haut und seiner Kleidung. Seine Augen strahlen. Sie sind voller Energie, voller Lust.

Und Mary erkennt sich selbst darin wieder. Sein Blick erinnert sie daran, wie sie selbst einmal dreingeblickt hat.

Der Mann, der in seinen Dreißigern sein muss, sieht Mary direkt in die Augen. Sein Blick dringt zu ihr durch. Als könnte er sie auf eine Weise sehen, wie sie sonst niemand mehr sehen konnte. Der Mann beginnt sich mit der Musik zu bewegen. Er bewegt sich schnell und energetisch. Wackelt mit dem Hintern, macht einige Schritte. Streichelt seinen Körper. Bewegt sich sinnlich zur Musik. Mary beobachtet ihn mit großem Interesse. Er wirkt so selbstsicher. Als bestünde für ihn kein Zweifel, dass er attraktiv ist. Dass er einen Körper hat, nach dem sich viele, inklusive der Anwesenden in dem Lokal, verzehren. Und dass er so viel zu geben hat.

Nach einer Weile knöpft er das Hemd auf. Er macht es auf eine Weise, die für Mary aufreizend ist, und sicher für die anderen auch. Er macht es nämlich langsam. Knopf für Knopf. Macht zwischen jedem Knopf eine Pause. Gleichzeitig tanzt er weiter. Er schmiegt seinen Körper an die Stange. Wackelt mit seinem Hintern. Drückt seinen Brustkorb gegen die Stange. Schmiegt sich daran mit seinem noch bekleideten Körper.

Seine Hose rutscht zwischen seine Pobacken. Mary kann die Umrisse seinem Körpers jetzt deutlich sehen. Seine Waden sind durchtrainiert, die Schenkel auch. Und seine Oberarme.

Als er auch den letzten Knopf geöffnet hat, bricht im Publikum lauter Jubel aus. Er lächelt und zieht sein Hemd aus der Hose. Lässt es zu Boden fallen. Jetzt kann Mary seine durchtrainierte Brust und seinen Waschbrettbauch sehen. Er muss viele Stunden im Fitnessstudios verbracht haben. Oder vielleicht auf der Bühne … Der Mann bewegt sich weiter zur Musik.

Mary spürt, wie sie langsam Lust überkommt. Ein Hunger und eine Neugier. Aber vor allem: eine Geilheit. Sie ist so erregt. Mary merkt auch, wie ihr Unterleib sich immer mehr erhitzt. Wie das Blut in ihren Adern schneller zirkuliert. Sie ist verlockt. Wenn es nur möglich wäre, ihre Hand unter ihren Rock zu führen. Im Lokal ist es immer noch ziemlich dunkel, aber das kann sie nicht. Sie müsste riskieren, dabei entdeckt zu werden. Aber allein das Gefühl ist schon wunderbar.

Nach einer Weile knöpft der Mann auch seine Hose auf. Diesmal tut er es nicht langsam und aufreizend für sein Publikum. Er braucht nur eine, höchstens zwei Sekunden dafür, die Hose aufzuknöpfen und sie sich auszuziehen. Seine Beine, Waden und Schenkel sind jetzt entblößt. Er trägt eine schwarze Unterhose. Die ist knapp bemessen, man könnte sagen, minimalistisch. Sie scheint aus einem anderen Material als die übrigen Kleidungsstücke zu sein. Leder? Es glänzt jedenfalls. Und es schmiegt sich an seinen Körper, so dass jede einzelne Form hervortritt. Was sich unter der Unterhose des Mannes zu einer Beule ausformt, scheint darunter kaum genügend Platz zu haben. Er ist hart. Mary kann deutlich seinen Schwanz an seinen Körper gedrückt sehen, fixiert von dem Stück Stoff, das ihn eigentlich verbergen sollte – doch jetzt betont er ihn mehr, als dass er ihn verbirgt.

Die Bewegungen das Mannes werden erotischer. Die Musik auch. Der Beat und der Bass werden durch Atmen und Keuchen ersetzt. Er lässt es aussehen, als wäre es sein Atmen, den Mary und die anderen hören. Das ist sexy. Es fällt Mary immer schwerer, ruhig auf dem Stuhl sitzen zu bleiben. Würde sie woanders sitzen, in einiger Entfernung und vor den anderen verborgen, würde sie keinen Augenblick länger zögern. Sie würde ihre Hand über ihre Schenkel gleiten lassen. Würde die Innenseite entlangstreichen. Würde sich unter den Stoff ihres Höschen über ihre Haut vortasten. Damit sie ihre Vagina erreichen kann.

Der Mann lehnt sich mit dem Rücken an die Stange. Er streichelt seinen Bauch, seine Brust, seine Schultern und Arme. Sein Körper ist jetzt warm, das merkt man. Seine Haut glänzt. Seine Augen sind immer noch so energiegeladen wie anfangs. Wieder und wieder begegnet er Marys Blick. Ihr kommt es vor, als hätte er sie auserwählt. Als läge ein Interesse in seinem Blick, das er für andere nicht zeigt. Bildet sie sich das nur ein? Nein, das ist unmöglich. Weil er ihr wirklich direkt in die Augen sieht. Und sie erwidert seinen Blick. Sie will sich am liebsten in ihn hineinbohren und ihn erforschen. Wer ist er, wenn er nicht gerade für Fremde strippt?

Er schiebt seine Hände in seine Unterhose. Er streichelt seine Hüften. Mary will noch mehr sehen. Aber er lässt sein Publikum warten. Er spielt mit ihm. Er hat es in der Hand. Und das weiß er genau. Er weiß, dass sich alle nichts sehnlicher wünschen, als dass er sich das letzte Kleidungsstück auch noch auszieht und splitternackt vor ihnen steht. Wird er das tun? Immer wieder ist er nahe dran. Er zieht am Bund seiner Unterhose. Mary glaubt schon, dass er sich jetzt ganz entblößen wird. Aber das tut er nicht. Er hält sie und die anderen weiter hin.

Und Mary genießt es, ein Teil seines Spiels zu sein.

*

Als Mary später an diesem Abend wieder zu Hause ankommt, wartet sie nicht länger. Sie macht es sich auf dem Sofa im Wohnzimmer bequem. Sie zieht sich den Rock aus, die Bluse und die Unterhose. Lässt ihre Finger zwischen ihre Schenkel gleiten. Lässt endlich zu, dass die Lust sich durch ihren Körper walzt. Es dauert nicht lange, bis sie feucht ist. Aus einem Finger werden zwei, dann drei. Mary streichelt ihre Vulva begierig. Das ist so schön, so schön. Ihr ganzer Körper pulsiert. Ihre Muskeln ziehen sich zusammen. Sie gleitet noch weiter in sich hinein. Lässt ihre Finger tiefer und tiefer in sich dringen. Sie streichelt ihre Klitoris. Weiß genau, wie sie sich bewegen muss, um das wunderbarste alles Gefühle wachzurufen. Noch ein bisschen mehr, mehr. Ihre Schleimhäute pulsieren. Ihre Finger dringen noch weiter vor. Ihre Haut spannt sich um sie. Sie ist so feucht, dass es aus ihr herausfließt.

Und dann kommt sie. Hat einen der schönsten und intensivsten Orgasmen, den sie seit langem gehabt hat.

*

Zwei Tage später besucht Mary wieder dasselbe Lokal. Ihr Mann ist auf Geschäftsreise und wird die ganze Woche weg sein. Erwartungsvoll kommt sie dort an. Mary fragt den Kellner, der sie auch letztes Mal bedient hat, ob heute wieder der Mann tanzen wird.

– Das wird er, antwortet der Kellner.

Mary entscheidet sich diesmal nicht für eine Loge, sondern setzt sich direkt vor die Bühne.

Sie muss nicht lange warten. Bald betritt er die Bühne, die in schwaches Licht getaucht ist. Mary folgt seinen Bewegungen, fühlt wieder genau dieselbe Lust und Neugier wie das letzte Mal. Der Mann begegnet ihrem Blick auch diesmal. Und es bleibt nicht nur bei einem Blick, er schenkt ihr auch noch ein wiedererkennendes Lächeln. Diesmal kann sie es sich nicht einbilden, es gibt keinen Zweifel. Er erinnert sich an sie. Er weiß, dass sie am Sonntag hier gewesen ist. Ihre Blicke haben sich immer wieder getroffen. Wieder wird ihr warm, er erregt sie.

Sie hat das Gefühl, etwas Verbotenes zu tun. Als hätte er herausgefunden, was sie für ihn empfindet.

Mary besucht den Stripclub auch noch ein drittes und viertes Mal. Sie spürt dieselbe Spannung, dieselbe Befriedigung. Und nach jedem Besucht geht sie nach Hause, streckt sich aus und ergibt sich einem wunderschönen und sinnlichen Orgasmus. Und das alles dank ihm. Dank des Strippers. Seines Körpers und seiner sinnlichen, erotischen, lustvollen Bewegungen.

Als Mary den Stripclub nach dem vierten Mal verlässt, läuft ihr jemand auf dem Gehsteig hinterher. Es ist schon spät und dunkel. Mary ist überzeugt davon, dass man sie überfallen will. Dass jemand ihre Aufmerksamkeit erregen will, um ihr die Tasche zu rauben. Vielleicht sogar etwas Schlimmeres. Mary dreht sich um, doch da ist kein Räuber. Es ist er, der Stripper aus dem Lokal. Nach Atem ringend steht er vor ihr.

– Hey, sagt Mary unsicher.

– Entschuldige, antwortet der Mann. Aber ich musste dich einfach kennenlernen.

Mary ist unsicher. Warum will er sie kennenlernen? Was kann das bedeuten?

– Du stellst irgendetwas mit mir an, jedes Mal, wenn du in das Lokal kommst, sagt der Mann. Als würdest du tatsächlich mich sehen.

Genauso kommt es auch Mary vor.

– Und du siehst mich, antwortet sie. Auf eine Art und Weise, wie ich es nicht länger gewohnt bin.

– Glaubst du an Schicksal? fragt der Mann und lächelt.

– Ich weiß nicht, antwortet Mary. Früher einmal schon.

– Was ist passiert? fragt er.

– Ich habe einen Teil von mir verloren, antwortet Mary ehrlich.

Zwischen ihnen wird es leise. Er hat seinen Blick auf den Boden gerichtet, sieht sie dann aber zärtlich an. Mary betrachtet ihn. Er ist nicht so groß, wie er auf der Bühne wirkt. Er ist ungefähr so groß wie sie. Aber seine Augen funkeln genauso wie auf der Bühne, sehen fast elektrisch aus. Grau. Es sind also keine Kontaktlinsen, denkt sie. Seine Haut ist wirklich goldbraun. Seine kurz geschnitten Haare sind dunkel. Er hat hohe Wangenknochen und volle Lippen.

– Ich will ehrlich sein, beginnt der Mann. Du machst mich neugierig. Du interessierst mich.

– Ach ja?

– Ja, antwortet der Mann. Ich will dich gern einladen.

Mary denkt nach. Sie weiß, dass ihr Mann mindestens eine Geliebte hat.

– Gern, antwortet Mary. Ich kenne hier in der Nähe etwas.

Sie gehen in ein Restaurant, in dem sich schon oft mit Freunden war. Sie bestellen Speisen und Getränke. Und dann beginnen sie, einander kennenzulernen. Alles wirkt unwirklich, fast schon surreal. Als wären sie gemeinsam in einer Fantasie gefangen. Aber es ist real – das hier passiert wirklich. Mary hat immer wieder das Bedürfnis, sich in den Arm zu kneifen. Sie fühlt sich so lebendig – und das genießt sie. Es fällt ihr leicht, mit ihm zu reden. Er ist charmant und interessant. Mary fühlt sich zweifellos zu ihm hingezogen, auch wegen seiner Persönlichkeit – nicht nur wegen seines Aussehens. Sie erzählt von den Gefühlen, die er bei ihr ausgelöst hat. Dass die Besuche im Lokal und sein Tanzen sie etwas empfinden lassen, wonach sie sich lange gesehnt hat.

– Es fühlt sich so an, als würde ich langsam wieder zurückkommen, sagt Mary. Zu mir selbst.

– Wenn wir unsere Hemmungen fallenlassen, kann sich das so anfühlen, antwortet er.

Mary überlegt, ihn zu fragen, ob er mit ihr nach Hause kommen will. Eine Stimme in ihr sagt, sie solle es lieber lassen, aber eine andere Stimme, die viel lauter und verlockender klingt, rät ihr, es zu tun. Mary fragt ihn, und er ist mehr als willig.

*

Sie ziehen sich nackt aus. Die Beleuchtung im Schlafzimmer ist dämmrig, der des Clubs nicht unähnlich. Jetzt sieht sie zum ersten Mal sein Geschlecht. Er hat bereits eine Erektion. Sein Schwanz ist schön, groß und dick. Sie ist ein wenig nervös. Wer wird den ersten Schritt wagen. Er tut es. Er geht auf sie zu. Nimmt sie in die Arme. Drückt sie fest an sich. Dann küsst er ihren Hals, ihre Wangen und ihre Stirn. Mary fühlt sich gut aufgehoben und bestätigt.

Sie legt sich auf den Rücken aufs Bett. Sie fühlt sich sowohl sexy als auch schön. Er kniet sich auf den Boden und zieht sie zu sich. Sie weiß, was das heißt. Sie spürt, wie sie immer erregter wird. Er beginnt, sie zu küssen. Er küsst die Innenseite ihrer Schenkel. Ein Schauer ebbt durch ihren Körper. Ein schöner, angenehmer Schauer. Er knabbert, leckt und küsst sie. Er kommt ihrer Vagina immer näher. Sie lässt ihren Kopf zurückfallen. Lässt ihn auf die Matratze sinken, langsam und harmonisch.

Als seine Lippen an ihren Schamlippen ankommen, fegt ein Gefühl wie ein Feuersturm durch sie durch. Es kommt ihr vor, als würde sie brennen. In ihren Adern und Organe kocht das Blut. Ihre Geilheit lodert wie Flammen in ihr. Wächst zu einem Sturm heran. Ein Sturm aus Hunger und Begehren. Als er seine warmen vollen Lippen an ihre Scheidenöffnung drückt, fühlt sie sich befreit – von allem, was sie zurückgehalten hat. Jeder einzelne Partikel ihrer Selbst genießt, was gerade passiert. Alles in ihr kann wieder fühlen. Sie stöhnt. Sie legt ihre Hände an seinen Kopf und drückt ihn fester an sich. Vorsichtig tastet er sich mit der Zunge vor. Erst nur mit der Spitze, doch dann immer mehr davon. Als er so weit wie möglich mit seiner Zunge in sie gedrungen ist, stöhnt sie laut. Diese Wonne hat sie schon lange nicht mehr erlebt. Ihr ganzer Körper ist nur noch Genuss. Sie nimmt ihn ganz in sich auf. Sie liebt es. Ganz und gar.

Nach einer Weile wechseln sie die Position. Er legt sich auf den Rücken. Sie führt ihr Gesicht näher an seinen Schwanz, der in dieser Position vor Erregung pocht. Sie kann sehen, wie das Blut Platz einzunehmen versucht, den es nicht mehr gibt. Er ist schon steinhart. Sein Schwanz streckt sich ihr gerade entgegen. Sie befeuchtet ihre Lippen. Öffnet sie und schließt sich dann um ihn. Sie lässt ihren Mund weit über ihn gleiten. Er stöhnt. Er sagt ihr, dass es sich wunderbar anfühlt. Dass sie wunderbar ist. Sie bläst ihm jetzt schneller einen. Und noch schneller. Abwechselnd saugt sie an seinem Schwanz und leckt ihn. Schleckt über seine Eichel. Schleckt um seine Schwanzwurzel herum. Küsst seine Hoden. Dann führt sie ihn wieder in ihren Mund ein. Streicht mit ihrer Zunge darüber. Zieht ihre Lippen darum zusammen, lässt keine Luft dazwischen durch. Sie bläst ihm einen, immer weiter. Und sein Schwanz wird immer größer. Und größer.

Sie wechseln noch mal die Position. Sie liegt jetzt wieder auf dem Rücken und er kniet vor ihr. Er nimmt ihre Beine. Er ist stark. Er verschafft sich selbst und ihr Platz. Dann beugt er seinen Oberkörper über sie. Küsst ihre Lippen und ihren Hals. Sie genießt das. Oh, wie sie es genießt. Er führt er seinen Schwanz an sie heran. Mühelos gleitet er in sie. Sie ist mehr als bereit.

Abwechselnd stoßen sie zu. Ihre Körper bewegen sich in einem harmonischen Takt. Es ist wunderbar. Wunderschön. Es ist vollkommen.

Als Mary kommt, hat einen Orgasmus wie noch nie zuvor im Leben. Niemals. Sie geht ganz in ihm auf. Alles andere verschwindet. Eine Woge der Wonne spült durch sie und über sie hinweg, durch Körper und Geist. Ganz und gar – befriedigend. Ob es wegen ihm, seinem Gemächt oder der Situation selbst ist, weiß sie nicht. Vielleicht ist es eine Mischung aus allem. Aber sie kommt. Und es kommt ihr vor, als würde ihr ganzer Körper kommen. Als würde jeder kleinste Teil ihres Selbst kommen, würde das Gefühl mit offenen Armen empfangen.

*

Bevor er die Wohnung verlässt, sagt Mary:

– Ich weiß ja nicht mal, wie du heißt.

– Ich heiße Tim, antwortet der Mann. Und du?

– Mary.

– Willst du mich wiedersehen, Mary?

– Ja, antwortet Mary. Das will ich.

Sie tauschen Telefonnummern aus und beschließen, Kontakt zu halten.

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