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Arno Alexander

Fremder Mann an der richtigen Tür

SAGA Egmont

Fremder Mann an der richtigen Tür

Copyright © 1950, 2018 Arno Alexander und Lindhardt og Ringhof Forlag A/S

All rights reserved

ISBN: 9788711625958

1. Ebook-Auflage, 2018

Format: EPUB 2.0

Dieses Buch ist urheberrechtlich geschützt. Kopieren für andere als persönliche Nutzung ist nur nach

Absprache mit Lindhardt og Ringhof gestattet.

SAGA Egmont www.saga-books.com und Lindhardt og Ringhof www.lrforlag.dk – a part of Egmont www.egmont.com

I

Der Zug der U-Bahn hielt. Wittenbergplatz! Menschen stiegen aus, stiegen ein. Alle hatten es eilig, irgendwo hin zu kommen, wo man sie erwartete, wo sich irgendwer darauf freute, sie wiederzusehen. Und niemand hatte Zeit, ihn zu beachten, diesen einen unter vielen, den niemand erwartete und auf den niemand sich freute.

Einen Augenblick blieb Werner stehen und betrachtete sich in dem kleinen Spiegel der Automatenwaage. Ob man ihm wohl ansah, von wo er kam? Sein Gesicht hatte die fahle Farbe, diesen unverkennbaren Stempel, den einem ein längerer Aufenthalt im Zuchthaus aufdrückt, aber seine Kleidung sprach von Wohlhabenheit und paßte nicht recht zu dem Bilde, das man sich allgemein von einem entlassenen Sträfling macht… Der ehemalige Strafgefangene Nr. 907 zuckte die Achseln und wandte sich dem Ausgang zu.

Unfreundliches Schneewetter empfing ihn. Er schlug den Pelzkragen hoch und ging gewohnheitsgemäß, als sei er erst gestern hier gewesen, in der Richtung Nürnberger Straße. Es waren nur wenige Schritte — dann würde er sie Wiedersehen, Thea, um derentwillen er dreiunddreiviertel Jahre Zuchthaus verbüßt hatte. Zu fünf Jahren war er verurteilt worden: Bücherfälschung und Unterschlagung anvertrauter Gelder. Einundeinviertel Jahr waren ihm geschenkt worden — wegen guter Führung. Das Bewußtsein, wieder ein freier Mensch zu sein, war neu und ungewohnt; denn bis gestern hatte er glauben müssen, noch fünfzehn Monate Strafzeit vor sich zu haben.

Nun stand er vor der filzbeschlagenen Tür im fünften Stock. Alles sah noch so aus wie vor vier Jahren; nur der Anstrich des Treppenhauses war erneuert. Werner klingelte, und der altbekannte, etwas schnarrende Glockenton zauberte ihm mit einem Schlage das Bild vor Augen, das er damals so oft gesehen hatte: Thea, die Hausschürze umgebunden, das Haar immer etwas in Unordnung, aber die Augen hell und glänzend vor Freude; und dazu dieser Küchengeruch nach etwas Gebratenem, dieser Geruch, der ihn am Anfang stets gestört hatte und den er später geradezu vermißt hatte.

Die Tür wurde geöffnet. Von einer fremden Frau.

Etwas unsicher brachte Werner seine Frage vor. Hier wohnt doch Fräulein Baum — Fräulein Dorothea Baum?

Nein, sagte die Frau, Fräulein Baum wohne seit drei Jahren nicht mehr hier.

Verstört erkundigte er sich nach Theas neuem Wohnort, murmelte etwas kaum Verständliches von einem Verlobten, von einer langen Reise.

Aber da fuhr ihm die Frau schon dazwischen: Verlobt? Komisch! Vor drei Jahren hätte doch das Fräulein Baum eine Erbschaft gemacht und gleich darauf ihren Bräutigam geheiratet. Und dann seien die beiden ins Ausland, nach Amerika wohl…

Werner dankte. Er war totenbleich.

Ob ihm was fehle? fragte die Frau. Ob sie ihm helfen könne?

Nein, ihm fehle durchaus nichts. Danke — danke sehr.

Die Tür fiel ins Schloß. Dumpfe Schritte entfernten sich.

Langsam steig Werner die Stufen hinab, etwas unsicher, ein wenig taumelnd. So hatte er sich damals gefühlt, als er das einzige Mal im Zuchthaus die Geduld verlor und gegen einen Aufseher losging. Ein kurzer, harter Schlag auf den Kopf, und alles war anders. Man sah sofort ein, wie sehr man im Unrecht gewesen war, wenn man solch einen harten Schlag auf den Kopf bekam. Und ein taumeliges Gefühl war alles, was zurückblieb.

Er ging den Weg zum Wittenbergplatz zurück. Der Schnee fegte ihm kalt und naß ins Gesicht. Aus! dachte er. Vollkommen aus! Dreiunddreiviertel Jahre umsonst gesessen und umsonst gehofft… Thea hatte ihn betrogen — häßlich, und gemein betrogen. Erbschaft? Er kannte diese Erbschaft! Ihn hatte sie beerbt, ihn, den arbeitslosen Chemiker Werner Binger, der fast vier Jahre seines Lebens verkauft hatte, um ihr und sich die Möglichkeit zu schaffen, endlich ein menschenwürdiges Leben zu beginnen. Zwanzigtausend Mark hatte er ihr gebracht — am Tage, bevor er sich einsperren ließ. Ob sie ihn wohl jemals geliebt hatte? Ja, sicherlich — aber nur so lange, bis jener andere kam. Lächerlich! Wie hatte er sich einbilden können, sie würde jahrelang auf ihn warten?

Was war er nun? Ein vorbestrafter arbeitsloser Chemiker! Da konnte er sich wirklich beglückwünschen! Weit hatte er’s gebracht! Nein, so ganz stimmte das nicht: Seine Papiere lauteten anders. Fabrikbesitzer Gerhard Leiner — hieß es darin.

Als sei es erst heute gewesen, erinnerte sich Werner noch jenes Abends, als er nach Hause kam und einen Fremden in seinem Zimmer vorfand. Einen unheimlichen Gast. Einen Mann, der aussah wie er — Werner Binger — selbst.

Oh, in der Kleidung war da wohl ein Unterschied gewesen! So einen feinen Pelz, so schöne Lackschuhe und eine so vornehme Krawatte aus matter, schwerer Seide hatte er selbst noch nie getragen. Aber das Gesicht, das Gesicht! Zug um Zug war es sein Gesicht, sein eigenes Gesicht, das ihm da hohl und bleich entgegenstarrte… Und dann begann der Mann zu sprechen — mit einer Stimme, die ein wenig höher klang als seine eigene. Der Unterschied war kaum wahrnehmbar, aber Werner merkte ihn doch und beruhigte sich allmählich. Es war kein Gespenst, das da vor ihm saß, es war ein Wesen aus Fleisch und Blut, ein Mann, der ihm verblüffend ähnlich sah — weiter nichts.

Und dieser Mann — Fabrikbesitzer Gerhard Leiner — hatte leichtsinnig gewirtschaftet, hatte spekuliert, um seine Verluste wieder auszugleichen. Es ging schief. Schließlich hatte er anvertraute Gelder angegriffen und sich Bücherfälschungen zuschulden kommen lassen. Ja, nun war es so weit, daß man diese Betrügereien jeden Augenblick entdecken konnte. Leiner mußte verschwinden, mußte ins Ausland, wo er sich eine neue Existenz aufbauen wollte. Und dann kam das Tolle, das Unglaubliche: Leiner hatte Werner Binger einige Tage vorher auf der Straße gesehen, war ihm bis nach Hause gefolgt — da war ihm der Gedanke gekommen, Werner sollte die Strafe für ihn verbüßen. Leiner bot ihm zwanzigtausend Mark dafür.

Zwanzigtausend Mark! Er, Werner Binger, war seit Jahren arbeitslos, lebte in einer Dachstube, hungerte und fror, lief tagtäglich nach Arbeit, kehrte tagtäglich verzweifelter zurück, hatte längst alle Hoffnungen aufgegeben — da wurde ihm mit einemmal eine Summe geboten, die alle Wege öffnete, Wege ins Leben, Wege ins Glück! Eine Summe, auf die sie aufbauen konnten, er und Thea. Werner hatte sich gegen diese Gedanken wehren wollen — es hatte nichts genützt. Er vergaß, daß dieses Glück mit einigen Jahren Zuchthaus erkauft werden mußte, vergaß, daß er einen Betrug beging; er dachte nur noch daran, daß er nie mehr würde hungern müssen… Und dann hatte er ja gesagt.

Was nun folgte, war wie ein einziger Farbfleck von Eindrücken in ihm haften geblieben. Da war das Geld, daß Leiner ihm vorzählte, und da waren die strahlenden Augen Theas, zu der er noch am selben Abend lief. Er erzählte ihr alles und gab ihr das Geld, das sie für ihn und sich aufbewahren sollte.

Alles schien Leiner vorausbedacht und berechnet zu haben; an jede Kleinigkeit erinnerte er sich, die seinem Plan vielleicht zum Verhängnis hätte werden können. Da hieß es: Namen auswendig lernen und sich die wichtigsten der verunglückten Geschäfte dieses Mannes merken. Da galt es, sich wenigstens über das Verhältnis Leiners zu den Personen zu unterrichten, mit deren Besuch im Gefängnis oder in der Strafanstalt zu rechnen war. Leiners Frau gehörte nicht zu diesen Personen, und sein Verhältnis zu ihr streifte Leiner nur kurz. Man würde ihr einen Brief von ihm übergeben, sagte er, in dem er bestimmte, daß sie ihn unter gar keinen Umständen besuche.

Alles wurde besprochen in jener Nacht, und als der Morgen kam, ein klarer, eiskalter Morgen, reichten sie sich die Hände… Werner starrte dem Mann lange nach, der nun seine — des erwerbslosen Chemikers — geflickte Kleider trug. Nun war jener Werner Binger geworden — in einer halben Stunde ging sein Zug ins Ausland. In der Dachstube aber stand der Fabrikbesitzer Leiner, der Gelder unterschlug und Bücher fälschte. Und dafür wurde er zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt…

Und jetzt? Ja, jetzt war er entlassen; jetzt konnte er den Weg ins Leben beginnen — der Weg ins Glück… Wieder spürte Werner dieses Würgen in der Kehle und dieses Schwindelgefühl im Kopf. Thea hatte ihn betrogen; alles war umsonst gewesen. Nur nicht denken — überhaupt nicht denken!

Er riß sich zusammen und sah sich um. Er war bereits am Barbarossaplatz. Was wollte er hier? Was wollte er überhaupt? Doch plötzlich schoß ihm heiß das Blut in den Kopf. Er war ja der Fabrikbesitzer Gerhard Leiner — warum sollte er nicht diese Rolle weiterspielen? Fast vier Jahre lang hatte er als Leiner auf einer harten Britsche geschlafen — warum sollte er nicht jetzt einmal eine Nacht in dessen weichem Daunenbett schlafen? Leiners Frau fiel ihm ein, von der beim Abschied der Anstaltsleiter gesprochen hatte; sie würde sich sehr freuen, hatte er vermutet. Und wieder empfand Werner dieses Gefühl einer grausigen Neugier, mit dem er vor nun bald vier Jahren den verwandelten Leiner angestarrt hatte. Würde ihn die Frau erkennen? Hatte Leiner wenigstens ihr die Wahrheit verraten?

Werner zog seine Brieftasche und zählte die Scheine. Zwei Hunderter, drei Zehner — das war der ganze Rest von den zwanzigtausend Mark; das war alles, was er für sich behalten hatte.

Mit einem Taki fuhr Werner zu Leiners Wohnung in der Sedanstraße 16.

Das Haus war so vornehm, wie er es sich vorgestellt hatte. Als er aber die teppichbelegten Treppen zum ersten Stock empor gestiegen war und nach einigem Zögern auf die Klingel drückte, erlebte er eine Enttäuschung. Das Mädchen, das ihm öffnete, gab ihm auf seine Frage kurz zur Antwort, Frau Leiner wohne schon seit Jahren nicht mehr hier, sondern in der Puttkamerstraße 37.

Etwas unsicher dankte Werner und begab sich wieder hinunter. Schon bereute er sein Vorhaben und beschloß, sich sofort in einer Pension ein Zimmer zu nehmen. Zwanzig Minuten später aber stand er doch in der Puttkamerstraße im dritten Stock eines schlecht beleuchteten Treppenganges und drückte etwas zaghaft auf einen Klingelknopf über einem Kärtchen mit dem Namen „Marianne Leiner“.

Eine Weile verging, dann hörte er schlurfende Schritte, und die Tür wurde um einen Spalt geöffnet. Durch diesen Spalt erblickte er ein Paar funkelnder Augen, die ihn durch eine große, goldumrandete Brille musterten. Plötzlich wurde die Tür aufgerissen. Werner sah sich einem etwa siebzigjährigen, kleingewachsenen Manne gegenüber, der ihn wie einen Geist anstarrte.

„Guten Abend!“ sagte Werner unschlüssig, da er nicht recht wußte, wie er sich zu benehmen hätte. Wer mochte dieser Alte sein? Eins nur erschien ihm sicher: Der Alte kannte ihn oder vielmehr Leiner!

„Gerd!“ flüsterte der Mann. Und noch einmal: „Gerd!“ Dann nahm er Werner zaghaft beim Arm und zog ihn ins Vorzimmer.

Es mußte etwas gesagt werden. Aber was sollte Werner sagen, wenn er keine Ahnung hatte, in welchem Verhältnis er zu diesem Manne stand? Wenn er nicht einmal wußte, ob er ihn duzen sollte oder nicht? „Da bin ich wieder!“ brachte er endlich hervor. Etwas Geistreicheres war ihm nicht eingefallen. Um seiner Verlegenheit Herr zu werden, sah er sich nach einem Kleiderhacken um, nahm seinen Pelz ab und hängte ihn auf.

„Ach, Gerd!“ seufzte der Alte. „Wie gut, daß du endlich da bist! Wie wird sich Änne freuen! Nein, wie wird sie sich freuen! Tritt näher! Tritt näher!“

Also doch „du“! Und „Änne“ nannte man Frau Leiner hier? Gut, daß er das nun wußte; damit ließen sich schon ein paar der gefährlichsten Klippen umsegeln… Werner rieb sich die blaugefrorenen Hände und folgte dem kleinen Mann in das anliegende Zimmer.

Es war ein Speisezimmer. Aber wie anders sah es aus, als Werner es sich vorgestellt hatte! Da war nichts von Prunk und Reichtum, da paßte nichts zu dem Bilde, das er sich von der Wohnung eines reichen Fabrikbesitzers gemacht hatte. Tisch, Stühle, Eßschrank und Sofa — alles machte einen gediegenen Eindruck, aber es erinnerte mehr an das Zimmer eines kleinen Angestellten als an die Wohnung eines Mannes, der kostbare Pelze und Lackschuhe trug.

Dem Alten waren Werners Blicke nicht entgangen. „Es sieht jetzt anders aus bei uns, nicht wahr?“ sagte er leise, und es klang beinahe schuldbewußt. „Ärgere dich nicht, Gerd! Wir fühlen uns wohl hier. Und es wird dir bestimmt auch gefallen. Natürlich war unsere alte Wohnung schöner… Aber, siehst du: Das Unglück…! Nein, dieses Unglück! Und die arme Änne… Aber so setz dich doch! Willst du etwas essen, trinken? Ich glaube, es ist noch etwas in der Küche…“

„Nein, nein — ich habe gar keinen Hunger!“ gab Werner schnell zur Antwort. Er wollte hören, hören und möglichst wenig reden. Je länger der kleine alte Mann sprach, um so größer wurde die Aussicht für Werner, sich nicht zu verraten, sich nicht aus Unkenntnis der Verhältnisse eine Blöße zu geben.

„Aber vielleicht ein Gläschen Wein?“ fragte der. Alte. „Ich glaube, wir haben noch — —“

„Nein, bitte nicht!“ unterbrach Werner ihn wieder und sah starr auf das große Lichtbild über dem Sofa. Es stellte eine junge blonde Frau dar, mit einem merkwürdig zarten, verträumten Gesicht. War das Marianne Leiner? Werner fühlte ein jähes Unbehagen. Einer solchen Frau gegenüber sollte er die Rolle ihres Mannes spielen? Bis jetzt hatte er nicht viel über die Schwierigkeiten seines Vorhabens nachgedacht. Mehr aus einer verzweifelten, tollen Stimmung heraus war er hierhergekommen, und da war irgendwo in seinem Innern ein leises, böses Triumphgefühl jenem Leiner gegenüber, der ihn um vier kostbare Jahre seines Lebens gebracht hatte. Doch nun, beim Anblick dieses Bildes, war es mit seiner Ruhe vorbei. Und wie sollte das erst werden wenn ihm die Frau lebendig entgegentrat? Wenn diese träumerischen Augen ihn ansahen, erwartungsvoll und fordernd?

„Diese Photographie von Änne hat Großfeld gemacht“, sagte der Alte. „Schön, nicht wahr?“

„Sehr schön. Und wann hat er das aufgenommen?“

„Vor einem Jahr wird’s gewesen sein…“

Vor einem Jahr? Also würde sie auch jetzt noch genau so aussehen… „Und wo ist — Änne jetzt?“ fragte Werner stockend.

„Sie arbeitet“, antwortete der andere, und der Glanz seiner Augen erlosch. „Sie hat einen guten Posten in einem Kaffeehaus — am Büfett.“

Werner starrte ihn an. „Meine Frau muß arbeiten?“ Für Werner lag in dem Begriff des Arbeitenmüssens nichts Entwürdigendes; aber er wußte, wie schwer es Menschen fiel, sich mit diesem Muß abzufinden, wenn sie mit einer solchen Notwendigkeit früher nie gerechnet hatten.

Der Alte senkte den Kopf. „Ja, Gerd, es ist nämlich — — alles ist nämlich verloren…“

„Gar kein Geld mehr?“

„Nein.“

„Und die Fabrik?“

„Gehört uns nicht mehr. Elbrecht hat sie übernommen.“

Werner schwieg. Alle seine Vorstellungen über das Leben Marianne Leiners wären über den Haufen geworfen. Ihr Bild, ja, ihr Bild hätte noch dazu gepaßt. So etwa hatte er sich immer die verwöhnte Frau eines reichen Mannes gedacht — so ein bißchen unirdisch, hauchzart und fürs praktische Leben ziemlich untauglich. Sich diese Frau jetzt tapfer arbeitend am Büfett eines Kaffeehauses vorzustellen, fiel ihm schwer. Am meisten jedoch wunderte es ihn, daß ihm das nicht gleichgültig war, daß es ihm weh tat. Er hatte fast das Gefühl, als wäre es seine Frau, die das Unglück betroffen hatte, und es bedurfte einer gewissen Anstrengung seinerseits, diesen Gefühlsirrtum richtigzustellen und sich kalt und klar zu sagen: Es handelt sich ja um eine fremde Frau eines fremden Mannes, und ihn, Werner, ging die Sache nichts an.

„Aber wir führen noch einen Prozeß mit Elbrecht“, berichtete der Alte, und in seinen Augen leuchtete es wieder auf. „Wenn wir den gewinnen, wird alles wieder anders. Liegnitz führt ihn für uns…“

„Wer ist Liegnitz?“ fragte Werner gedankenlos.

„Liegnitz? Aber höre mal, Gerd!“ rief der Alte erstaunt.

„Entschuldige —!“ murmelte Werner. „Liegnitz… Natürlich! Wer sollte denn sonst den Prozeß führen? Natürlich Liegnitz! Arthur Liegnitz…“ Jetzt entsann er sich, daß Leiner ihm diesen Namen vor vier Jahren genannt hatte.

„Er ist der treueste Freund, den wir haben“, erzählte der Alte weiter. „Er hat sich bewährt — im Unglück. Alle sind auseinandergelaufen, als es damals — hm ja — so kam. Aber Liegnitz nicht. Eine Seele von einem Menschen!“

„Und Großfeld?“ fragte Werner. Er hatte sich den Namen gut gemerkt, obwohl er ihn von Leiner bestimmt nicht gehört hatte.

„Großfeld? Richtig, den kennst du ja auch! Nun, Großfeld hat sich auch anständig benommen. Weißt du: Er verehrt Änne ein bißchen. Aber sie macht sich nicht viel aus ihm. Nein, wirklich, du brauchst dich nicht gleich aufzuregen! Es ist gar nichts dabei, Gerd — wirklich…!“

Höchstwahrscheinlich ist etwas dabei, dachte Werner. Und Leiner pflegte sich über derartige Dinge aufzuregen! Das mußte man sich merken… „Hör mal, mein lieber —“ Werner stockte. „Mein Gott: Jetzt weiß ich gar nicht mehr, wie ich dich immer genannt habe!“ rief er und faßte sich an den Köpf.

„Onkel Gotthelf natürlich — wie alle zu mir sagen!“

„Richtig — ja… Entschuldige! Ich bin noch nicht ganz — — Verstehst du?“

„Ja, ich weiß! Es war gewiß eine schwere Zeit!“ flüsterte der Alte. „Aber weil wir gerade von Änne sprechen, Gerd —: Sie hat doch viel gelitten, weil du — hm — so zu ihr warst. Ich mache dir ja keine Vorwürfe; man kann nicht immer freundlich zu allen Menschen sein. Aber Änne hat mir oft leid getan… Bitte, reg dich nicht auf! Ich weiß, du hast über deine Ehe viel nachgedacht — und du läßt dir von keinem Menschen dreinreden. Aber wenn du mich auch totschlägst — ich kann dir nur sagen, daß Änne um dich viel geitten hat…“

Ein Gedanke schoß Werner durch den Kopf: Aufstehen, unter irgendeinem Vorwand hinausgehen und verschwinden, für immer aus diesem Leben verschwinden, in dem der wahre Leiner so überverschuldet war! Aber jene sonderbare Neugier, die ihm nun fast verbrecherisch vorkam, hinderte ihn daran, seinen Vorsatz auszuführen. Wie würde es sein, wenn er diese Frau vor sich sah? Wenn sie ihre Arme um seinen Nacken legte? Wenn sie merkte, daß er sich zu ihr anders verhielt als früher — der andere? Mein Gott: Es durfte ja nicht sein! Er durfte es nicht so weit kommen lassen! Es war die Frau des anderen, dieses bücherfälschenden Fabrikanten, und er trieb mit ihr ein leichtfertiges Spiel, wenn er ihr vorlog, er sei Leiner und habe sich in den letzten Jahren verändert, gebessert… „Wie hat sie es aufgenommen, als sie das — hm — erfuhr?“ fragte er plötzlicch.

„Ach, sie war verzweifelt, Gerd, ganz verzweifelt! Besonders, weil du ihr so streng untersagt hattest, dich zu besuchen oder dir zu schreiben… Alles andere hat sie tapfer ertragen. Ich ahnte gar nicht, was für eine mutige kleine Nichte ich da hatte. Nur in der ersten Zeit merkte man es ihr an; dann hat sie sich zusammengerissen. Und als sie arbeiten mußte… Weißt du: Anfangs fiel es ihr schwer— ich merkte es. Aber sie sagte nichts. Sie war es doch nicht gewöhnt, so von oben herab behandelt und wohl auch mal von fremden Menschen gescholten zu werden. Ihr Erbteil hatte sie ja vor allem Ungemach gesichert… Ach, reg dich doch nur nicht auf, Gerd! ich will auch kein Wort mehr darüber sagen…“

„Nein, sag es!“ rief Werner rauh. „Was geschah mit dem Erbteil?“

„Aber, Gerd, du weißt doch! Die Unterschrift auf der Vollmacht…“ Der Alte zögerte.

„Was war mit dieser Unterschrift?“

„Du hattest sie doch — gefälscht!“

Werner dachte nach. Sehr gut erinnerte er sich noch seines Prozesses und all der Straftaten, die man ihm zur Last gelegt hatte. Eine gefälschte Unterschrift auf einer Vollmacht war nicht dabeigewesen. „Und warum wurde mir das nicht nachgewiesen?“ fragte er böse. Er ahnte bereits die Antwort.

„Weil Änne, um dich zu schützen, doch die Unterschrift als echt anerkannte!“ sagte der Alte leise.

„Dieser Lump!“ entfuhr es Werner.

„Wer? Wen meinst du?“

„Mich!“ rief Werner. „Wen sonst?“ Er war aufgestanden und begann unruhig hin und her zu rennen. Das also hatte dieser Leiner auch noch fertiggebracht? Und mit einer solchen Schuldenlast beladen, sollte jetzt er, Werner, vor die tapfere kleine Frau treten und ihr in die vorwurfsvollen Augen blicken? Nein, nein! Nie! „Hör, ich muß noch mal zu einem Freund!“ sagte er hastig. „Ich komme gleich wieder!“

„Aber Änne —“, stammelte der Alte verwundert, „Änne muß doch jeden Augenblick kommen!“

„Ich bin ja auch gleich wieder zurück. Gleich, gleich!“ Weg, nur weg von hier!

„Bleib!“ Der Alte klammerte sich an Werners Arm fest. „Bleib, Gerd! Wenn du wüßtest, wie sie dich erwartet! Jeden Tag hat sie von dir gesprochen. Jeden Tag mußte ich zuhören. Und sie ist dir nicht böse. Du darfst jetzt nicht gehen, Gerd! Du darfst nicht!“

Doch Werner riß sich loß und schlug die Zimmertür hinter sich zu. Er konnte das nicht länger mit anhören! Er lief durch das kleine Vorzimmer, zerrte seinen Pelz vom Haken, riß die Wohnungstür auf und — prallte gegen die Frau, vor der er fliehen wollte…

„Gerd — du?!“ sagte sie leise, mit halb erstickter Stimme.

Und dann geschah das, was Werner befürchtet, was er vorausgeahnt hatte: Zwei Arme umschlangen seinen Nacken, ein zitternder Frauenkörper preßte sich an ihn, und auf die Hand, die er abwehrend zwischen sie und sich geschoben hatte, tropften heiße Tränen…

II

Werner hätte später nicht zu sagen vermocht, wie er wieder ins Speisezimmer gekommen war. Er tat etwas, er sagte etwas; aber was er tat, was er sagte, das wußte er nicht. Alles vollzog sich wie unter Zwang. Es gab kein Zurück, es gab kein Ausweichen mehr… Er kam erst wieder etwas zur Besinnung, als er am Tisch saß — rechts neben sich die Frau, links den Onkel Gotthelf — und rechts und links, wo er auch hinblicken mochte, in ein glückliches Augenpaar sah.

„Gerd! Wie ist das möglich? Wie ist das nur möglich?“ fragte die Frau.

Man muß antworten! dachte Werner und versuchte die nötigen Worte zu dieser einfachen Antwort zu finden. Es war aber viel schwerer, als er geglaubt hatte. „Ja —“, sagte er endlich nach einer langen Weile, „gute Führung, siehst du… Eineinviertel Jahr wurden mir geschenkt…“

„Wie wunderbar!“ rief sie, und ihre schmale Hand berührte gleichsam ängstlich seine Rechte.

Er hielt den Blick gesenkt und wagte nicht, aufzusehen. Der alte Gotthelf hatte ihn nicht erkannt, hatte den Betrug nicht durchschaut, doch konnte er ja auch den wahren Leiner nicht so gut kennen, wie die Frau ihn kannte. Werner hatte das schreckliche Gefühl, als müsse er schon beim ersten Blick geheimen Einverständnisses versagen.. Ich muß weg von hier! grübelte er und starrte das Muster des Tischtuches an. Ein Kreis, ein Rechteck, noch ein Rechteck… Weg von hier, so schnell wie möglich! Dreidreiviertel Jahr wogen leicht gegen die Qual dieser Minuten… Aber wie kam man von hier weg? Warum war er nicht fähig, aufzuspringen und davonzurennen? Übrigens war das gar nicht nötig. Er konnte einfach aufstehen und sagen: „Sie irren sich, gnädige Frau! Ich habe wohl für ihren Mann fast vier Jahre abgesessen, aber ich bin nicht der — nein, nein…“

Die drückende Stille wurde durch den alten Onkel Gotthelf unterbrochen.

„Jetzt mache ich Tee!“ rief er und erhob sich.

„Nein, nein — ich will nichts trinken!“ widersprach Werner schnell. Jetzt mit dieser Frau allein bleiben —?

Gotthelf aber ließ sich nicht beirren. Er wußte, daß man ein Ehepaar in solchen Fällen allein zu lassen habe. Und mit einem verschmitzten Lächeln drückte er sich zur Tür hinaus.

„Gerd!“ flüsterte sie. „Wie hab’ ich diesen Augenblick herbeigesehnt —! Wie hab’ ich mich darauf gefreut —! Gerd!“

Er faßte nach ihren Händen, um sie von seinen Schultern zu nehmen, doch da fühlte er, wie ihre kleinen, spitzen Fingernägel sich in seine Hände einkrallten, er sah ihr Gesicht sich dem seinen nähern, spürte ihren Atem und einen leichten Veilchenduft, der von ihr ausging — für eine Sekunde erschien sie ihm wie die Verkörperung der Sehnsucht vieler schlafloser Nächte, und er schloß erschöpft die Augen.

Als er aber ihre weichen Lippen auf den seinen fühlte, schoß ihm jäh der Gedanke durch den Kopf, wie diese Frau ihn verachten müßte, wenn sie einmal erführe, daß er ihr Vertrauen so schmählich mißbraucht hätte. Mit einem kaum unterdrückten Stöhnen riß er sich los. „Nein, Änne, nein!“ stieß er hervor. „Auf keinen Fall… Nein…“

Sie starrte ihn nur an — fassungslos — nichts begreifend. „Du liebst mich nicht mehr?“ fragte sie still.

Natürlich! Was lag näher als diese Annahme? Nur so konnte sie sich sein merkwürdiges Benehmen erklären. Und wenn er nun einfach sagte, er liebe sie wirklich nicht mehr — würde er dadurch nicht eine Menge Schwierigkeiten aus dem Wege räumen? Ja, ja, das war die richtige Antwort… „Ach“, sagte er, „lieben?“ Dann sah er sie an, zwei, drei Sekunden lang, diese Frau, der jener Gerhard Leiner alles genommen hatte bis auf eines: die Liebe. Um dieses einen willen hatte sie mutig und ohne zu klagen, alles Leid ertragen, das er ihr zufügte. Und nun kam er, Werner, und sollte ihr diesen letzten Lichtblick in ihrem zerstörten Leben nehmen — ein Glück, das nur in ihrer Einbildung bestand, aber ein Glück, das ihr alles war? „Vielleicht habe ich dich noch nie so geliebt wie in diesem Augenblick“, sagte er langsam und fühlte jäh, daß diese Lüge keine Lüge war. Das heiße Mitleid mit ihr und diese hoffnungslose Sehnsucht nach ihrer Liebe — konnte Leiner das je empfunden haben? Niemals. Sonst hätte er diese Frau nicht so gleichgültig ihrem Schicksal überlassen und wäre nicht nur um sich und sein Fortkommen besorgt gewesen.

„Und warum dann — —?“ begann sie zögernd.

Er ließ sie nicht zu Ende sprechen. „Ich habe über das alles viel nachgedacht — all die Jahre…“

„Ich weiß“, unterbrach sie ihn leise, „du hast viel über unsere Ehe nachgedacht…“

„Ja, und ich bin zu dem Entschluß gekommen. Ich muß deine Liebe erst verdienen — muß ihrer erst würdig werden… Ich habe hier so vieles gutzumachen…“ Er sah sie an, und an ihrem Blick erkannte er, daß sie ihm kein Wort glaubte. Natürlich! Solche Worte hatte sie von Leiner sicherlich nie zu hören bekommen.

„Aber Gerd“, flüsterte sie unsicher, „es ist doch alles gut! Niemand macht dir Vorwürfe…“

„Ist es denn nötig, Vorwürfe laut werden zu lassen?“ rief er heftiger, als er gewollt. „Ist die Tatsache, daß du am späten Abend erst von der Arbeit kommst, nicht ein Vorwurf? Ist die Tatsache, daß ihr beide euch vor mir, der euch betrogen und um allesgebracht hat, daß ihr euch vor mir fürchtet — ja, fürchtet! — kein Vorwurf?“

Sie erwiderte nichts. Mit langsamen, müden Schritten ging sie aufs Sofa zu und setzte sich. In jeder ihrer Bewegungen war etwas Mutlos-Ergebenes, und es war nicht nötig, daß sie den Kopf senkte, um ihn spüren zu lassen, wie weh er ihr getan hatte… „Wenn ich etwas falsch gemacht habe, Gerd“, sagte sie endlieh tonlos, „so geschah es nicht mit Absicht…“

Werner hatte das ohnmächtige Gefühl, als kämpfe er gegen Schattenbilder. Das war etwas Entsetzliches: Zuschlagen — ins Leere! Leiner hatte in seinem Hause alle Widerstände beseitigt. Für immer. „Es ist gut, Änne!“ Werner bemühte sich, einen nachlässigen, väterlichen Ton anzuschlagen. „Ich bin dir nicht böse…“

Sie stand auf, ihr Gesicht glättete sich, und aus den Augen war der furchtsame Ausdruck gewichen. Mit den letzten Worten — mit diesem höhnischen Ton — hatte Werner also das richtige getroffen… Sie trat auf ihn zu, faßte ihn am Arm. „Komm!“ sagte sie. „Ich will dir dein Zimmer zeigen!“

Widerstrebend folgte er ihr über den kleinen Vorraum. Sie öffnete eine Tür und drehte Licht an. Er sah ein kleines, behaglich eingerichtetes Zimmer mit Arbeitstisch, Sofa, einigen Sesseln und — was ihm auffiel — nur ein Bett. Leiner mußte die Gewohnheit gehabt haben, nicht im gleichen Zimmer mit seiner Frau zu schlafen. Werner atmete auf. Es war die erste Gewohnheit Leiners, die ihm sympathisch war.

Die Tür von der Küche öffnete sich. Werner sah den alten Gotthelf mit zwei Kannen hereinkommen.

„Der Tee ist fertig!“ rief er munter. „Bitte, Platz zu nehmen!“

Werner fühlte deutlich, daß Änne etwas von ihm erwartete. Er mußte irgend etwas sagen. „Ich danke dir, Änne!“ meinte er zögernd.

Freundlich sah sie zu ihm auf. „Ja? Gefällt es dir hier?“

„Sehr gut.“

„Du wirst dich hier wohlfühlen… Der Tisch ist noch derselbe, der Vorhang am Fenster auch. Das konnte ich zurückkaufen. Sieh, und dort ist die Klingel! Wenn du etwas brauchst, klingelst du — wie früher. Nur haben wir jetzt keine Dienerschaft. Der Onkel macht aber alles sehr gut…“

Sie hatte ihren Arm in den seinen gelegt. So gingen sie langsam ins Eßzimmer zurück. Und diese unwichtigen, alltäglichen Dinge, über die sie sprachen, brachten es Werner deutlicher als alles bisher zum Bewußtsein, daß er jetzt ein Bestandteil dieser kleinen, gemütlichen Wohnung geworden war und daß diese Frau, die sich wie selbstverständlich im Gehen leicht gegen seine Schulter lehnte, sich ganz als zu ihm gehörend betrachtete. Es war etwas Besonderes in dieser Hingabe, in jeder ihrer Bewegungen — etwas, das er noch nicht kannte. Und die ruhige Selbstverständlichkeit, mit der sie es tat, war daran schuld, daß er fast einen gewissen Besitzerstolz fühlte und für einen kurzen schönen Augenblick vergaß, wie wenig Berechtigung er dazu hatte…

Als sie dann zu dritt am Teetisch saßen, wandte sich das Gespräch wieder den kleinen Sorgen der Familie zu.

Gotthelf berichtete ausführlich darüber, wie sie aus der schönen Wohnung in der Sedanstraße hatten ausziehen müssen und sich dann nach und nach hier eingerichtet hatten. Auch hierbei war ihnen Liegnitz behilflich gewesen.

Liegnitz! Werner hörte nun schon wieder diesen Namen, und er begriff, daß er sich über Leiners Verhältnis zu diesem Manne so genau wie möglich unterrichten mußte, wenn er vermeiden wollte, daß Liegnitz ihn sofort durchschaute. „Ja“, meinte er nachdenklich, „Liegnitz war immer ein treuer Freund.“

„Gewiß“, fiel Gotthelf wieder ein, „ich hab’ es Änne immer wieder gesagt, aber sie wollte es nicht wahrhaben. Es hat lange gedauert, bis auch sie einsah, was für ein Prachtmensch er ist.“

Werner horchte auf. Also war Änne nicht immer von diesem Liegnitz eingenommen gewesen? Das gab zu denken. Das. Gefühl einer Frau witterte manchmal dort die Wahrheit, wo der Verstand des Mannes versagte…

„Was hattest du eigentlich gegen ihn?“ fragte er hamlos und spielte dabei mit seinen Streichhölzern.

Sie überlegte erst ein wenig, ehe sie zögernd antwortete: „Ich weiß nicht — aber ich glaubte früher immer, gerade der Einfluß dieses Liegnitz habe dich so weit gebracht… Nein, Gerd, du sollst dich nicht ärgern! Ich habe nichts mehr gegen Liegnitz. Er hat mir bewiesen, wie sehr ich mich in ihm täuschte. Geradezu beschämend war es für mich, als er sich meiner annahm, zumal er doch wußte, wie ich früher über ihn gedacht hatte…“

„Erst in der Not erkennt man seine wahren Freunde!“ warf Werner hin. Das verbrauchte Wort widerte ihn an. Aber was anderes als Plattheiten konnte er vorbringen, wenn er sprechen wollte, ohne dabei etwas zu sagen? „Auch Großfeld —“ er merkte, wie Änne unruhig wurde, „— auch er ist treu geblieben?“

Etwas hastig erzählte Änne: „Großfeld hat es inzwischen zu etwas gebracht. Sein Onkel ist nämlich gestorben. Ja, und mit dessen Geld ging es bei Großfeld gleich bergauf. Er eröffnete ein Atelier im Westen, warf unsinniges Geld für Propagande hinaus, und plötzlich entdeckten alle Damen der Gesellschaft, daß es zum guten Ton gehörte, sich ihre Lichtbilder nur bei Großfeld anfertigen zu lassen. Nun hat er zehn Angestellte und wird doch kaum mit der Arbeit fertig. Du wirst ihn gar nicht wiedererkennen, so fein und vornehm ist er geworden.“

„War er nicht — ein bißchen verliebt in dich, Änne?“ fragte Werner.

Sie versuchte ein Lachen, doch es klang nicht ganz echt „Ach, das ist er heute noch! Genau so! Eigentlich hätte ich ihm nie so viel Ausdauer zugetraut…“

„Er hat Änne viel Geschenke gemacht“, berichtete Gotthelf. „Blumen, Schokolade, Schmuck und — Möbel!… Aber sie hat nur die Blumen und die Schokolade behalten! Er hat bei sich ein Zimmer eingerichtet — das nennt er Museum. Da stehen und liegen alle die Geschenke herum, die ihm Änne so im Laufe der Jahre zurückgeschickt hat. Sogar ein Klavier ist dabei. Ich habe einmal darauf gespielt; es hat einen wunderbaren Ton. Aber Großfeld spielt nie darauf. Es gehört Änne, hat er gesagt.“

„Eine rührende Liebe!“ bemerkte Werner, als Gotthelf schwieg, und er kam sich dabei wieder unsäglich dumm vor. Wie lange würde er denn dazuverurteilt sein, hier solche platte Weisheiten vorzubringen? Jedes vernünftige Wort konnte ihn verraten.

„Die Uhr ist eins!“ rief Gotthelf erschrocken. Änne — du hast doch morgen um zehn Uhr Dienst!“

„Das macht nichts“, wehrte sie ab. „Wenn ich drei Stunden geschlafen habe, bin ich munter…“

„Nein, nein, jetzt wird schlafengegangen!“ beharrte Gotthelf. „Sag du ein Machtwort, Gerd!“

Werner stimmte ihm zu. Er selbst spürte keine Müdigkeit, doch sehnte er sich danach, mit seinen Gedanken allein zu sein.

Gotthelf wünschte beiden gute Nacht und begann, den Tisch abzuräumen. Änne half ihm dabei.

Auch Werner hätte gern mit zugegriffen, aber er war überzeugt, daß Leiner etwas Derartiges nie getan hätte. So stand er eine Weile tatenlos daneben und begab sich dann langsam in sein Zimmer. Nach einigen Minuten folgte ihm Änne.

Er hatte sich in den Schreibtischsessel gesetzt, etwas seitwärts, so daß er das Zimmer überblicken konnte.

Änne blieb vor ihm stehen. Sie hob die Hände, als wolle sie ihn beim Kopf fassen, aber irgend etwas in seiner Miene veranlaßte sie, statt dessen die Hände auf den Schreibtisch zu stützen. „Darf ich noch ein bißchen bei dir bleiben?“ fragte sie unschlüssig.

Er sah sie an, und ihre Aufregung brachte auch ihn um die mühsam erkämpfte Ruhe. ,Nein, nein‘, hätte er schreien mögen. ,Geh! Geh sofort!‘… „Ja, gewiß!“ würgte er heiser hervor. Verstört, im Innern aufgewühlt, sah er zu, wie sie behend die Schuhe von den Füßen streifte und aufs Sofa kletterte, wo sie sich in die Ecke kauerte. „Weißt du, daß du dich eigentlich sehr wenig verändert hast?“ plauderte sie. „Ich hab’ mir immer gedacht, wenn du kämest, würde ich dich kaum wiedererkennen. Dachte mir, solche. Jahre könnten einen Menschen völlig umwandeln. Aber du siehst aus — — Wenn ich die Augen schließe, dann sehe ich dich wie früher vor mir… Nur deine Stimme klingt irgendwie anders, ja, und etwas schmaler bist du im Gesicht geworden, doch vielleicht sieht das nur so aus, weil dein Haar abgeschoren ist Es muß schnell wieder wachsen, Gerd! So gefällt es mir gar nicht!“

Er versuchte zu lächeln. „Ich werde mich damit sehr beeilen, Änne…“

Ihr. schwarzes Kleid hatte sich etwas verschoben und gab ihre Beine bis zu den Knien frei. Hatte sie es nicht bemerkt, oder verharrte sie mit Absicht in dieser Lage? Auch das war denkbar; denn für sie war ja der, der hier saß, der eigene Mann, vor dem sie es nicht nötig hatte, ihre Beine zu verstecken. Für ihn aber war sie eine fremde, eine wunderbar schöne fremde Frau, die er — er fühlte es immer stärker — heiß begehrte und die er doch nicht begehren durfte, sofern er später einmal den Blick ihrer Augen ertragen wollte — später, wenn sie die Wahrheit erfuhr.

„Erzähl mir ein wenig von deinem Leben — dort!“ bat sie. „Wenn es nicht zu sehr schmerzt, meine ich.“

Langsam, mit äußerster Beherrschung seiner Gesichtsmuskeln, streckte er die Hand aus und strich ihr das Kleid über die Beine. Sie lächelte. Ganz natürlich war dieses Lächeln. Dann aber begegnete sie seinem Blick, und jetzt sah er, wie sie tief errötete. Es war etwas so Bezauberndes in ihrer fast mädchenhaften Verwirrung, daß er beinah alle seine Vorsätze vergessen und sie ungestüm an sich gerissen hätte.

Er sprang auf und lief durchs Zimmer. Zur Tür und wieder zurück, noch einmal und immer wieder. Und er begann zu sprechen — anfangs etwas überstürzt — von den Leiden und Sorgen seines Daseins als Strafgefangener, Je länger er sprach, um so mehr beruhigte er sich. Die Erinnerung an diese gleichmäßigen Tage, Wochen, Monate und Jahre versetzte ihn allmählich in den Zustand kühler Gelassenheit.

Auf und ab wanderte Werner, mit unhörbaren Schritten. Der Teppich dämpfte alles ab. Wenn er bei Änne vorbeikam, sah er ihre dunklen Augen im Lampenschimmer leuchten. Er sah es ihrem Gesicht an, wie sie mitlebte, mitlitt und sich mitfreute.

Und plötzlich kam ihm der Gedanke, ob wohl Thea auch so aufmerksam und voller Teilnahme seinen Erzählungen zugehört hätte. Nein! Fast mußte er bei dieser Vorstellung lächeln. Thea — wenn sie wirklich auf ihn gewartet hätte — wäre heute nacht mit ihm losgezogen, seine Befreiung zu feiern. Jetzt, um zwei Uhr, wären sie lachend und trunken in einer Mietdroschke auf dem Heimweg gewesen. Von dem Geld hätte Thea gesprochen und von ihren Zukunftsplänen, nie aber davon, was er gelitten haben mochte, um das zu erreichen. Thea —! War es nicht sonderbar, daß er fast vier Jahre lang ihr Bild stets vor Augen gehabt hatte, wenn er an sie dachte, und daß er sich jetzt vergeblich bemühte, ihr Gesicht und ihre Gestalt vor seinen inneren Blick zu zwingen? Innerhalb weniger Stunden war Thea für ihn gestorben. Und schuld daran war nicht ihre Untreue allein. Die Hauptschuld trug eine blonde, zarte Frau, die einen anderen liebte… Erschrocken blieb Werner stehen. In seinen Gedanken hatte er ganz vergessen, daß Änne ja auf die Fortsetzung seiner Erzählung wartete. Und sie hatte nichts gesagt?

Da sah er sie: sie hatte die Arme auf die Sofalehne gestützt, den Kopf darauf gelegt und — schlief… Er blieb vor ihr stehen, und seine Hand strich leise, damit sie es ja nicht spürte, über ihr weiches Haar. Dann griff er mit seinen kräftigen Armen zu, hob sie auf und trug sie in ihr Zimmer. Als sie aber hier langsam die Augen öffnete und als er sah, wie ihre Arme sich nach ihm ausstreckten, legte er sie auf ihr Bett und ging hinaus.

Erst, als er wieder allein in seinem Zimmer war und den Riegel vorgeschoben hatte, atmete er auf. Dann stand er noch lange an der Tür und wartete, ob es nicht klopfen würde. Aber es klopfte nicht…

III

Arthur Amadeus Liegnitz war ein Manu von Grundsätzen, ein Mann mit geregeltem Einkommen und geregelter Lebensweise. Nichts konnte ihn so verdrießen, als wenn jemand störend in diese wohlgeordnete Lebensweise eingriff, und daher wußte Frau Winter, seine Haushälterin, schon im voraus, daß ihr nichts Angenehmes bevorstand, als sie um elf Uhr an die Schlafzimmertür ihres Gebieters klopfte.

Wie gar nichts anderes zu. erwarten war, lag Arthur Amadeus Liegnitz um diese Zeit schon im Bett. Auf dem kleinen Tischchen neben dem Kopfende des Bettes stand ein Teller mit zwei geschälten und säuberlich zerlegten Birnen; daneben lag ein Stoß Zeitungen. Am Fußende des Bettes stand ebenfalls ein Tischchen; darauf befand sich ein Radioapparat, der eine leise, aber schmissige Musik von sich gab.

Bie dem ungewohnten Klopflaut an seiner Tür legte Liegnitz verwundert seine Zeitung nieder und lauschte eine Weile, ob sich das merkwürdige Geräusch an der Tür wohl wiederholen würde.

Es wiederholte sich… Jetzt fuhr er in seinen. Kissen hoch. Seine Blicke wanderten bald zur Tür, bald zum Radioapparat, von wo eine weiche Männerstimme durchaus zur Unzeit immer wieder betonte: „Die Sonne geht auf, die Sonne geht auf…“ Mit einem grimmigen Fluch steckte Liegnitz die Hand aus und stellte den Apparat ab. „Was wollen Sie, Frau Winter?“ rief er ärgerlich.

„Es ist ein Mann — ein Herr da, der Sie unbedingt sprechen will!“ klang es ängstlich zurück.

„Sagen Sie ihm, daß ich nachts zu schlafen gewöhnt bin!“ schnaubte Liegnitz. Jetzt saß er leicht vorgebeugt auf dem Bettrand, und seine nackten Beine baumelten in der Luft.

„Hab’ ich schon gesagt — hab’ ich alles gesagt!“ jammerte die Stimme der Haushälterin vor der Tür. „Aber der Herr behauptet, es eile sehr… Er geht nicht weg. Er weigert sich.“

So etwas war Liegnitz noch nicht vorgekommen. Er sprang auf, stapfte ein paarmal barfuß über den gestickten Bettvorleger hin und her, dann schüttelte er verzweifelt den Kopf. „Wie heißt der Kerl?“ „Großfeld!“

Dieser Name schien Liegnitz irgendwie peinlich zu berühren. „Führen Sie den Herrn ins Wohnzimmer! Er soll warten!“ rief er. Dann begann er umständlich, für seinen äußeren Menschen zu sorgen. Er zog sich vollständig an, denn er hielt auf Würde. Ohne nach der Uhr zu sehen, wußte er, daß fünfundzwanzig Minuten vergangen waren, als er, rosig und frisch, in seinem dunkelgrünen Anzug das Wohnzimmer betrat.

Seine mühsam errungene gute Stimmung wurde hier aber alsbald auf eine harte Probe gestellt. Was er sah, war wirklich geeignet, ihn zur Verzweiflung zu bringen: Heinrich Großfeld, ein blonder Mann von vielleicht zweiunddreißig Jahren, lag weit zurückgelehnt in dem altertümlichen Schaukelstuhl und beobachtete einige Wellensittiche, die im Zimmer herumflögen.

„Wer hat denn die Vögel herausgelassen?“ knirschte Liegnitz und starrte auf die offene Tür des Käfigs in der Ecke.

„Ich“, sagte der junge Mann ruhig. „Die Tierchen wollten gern mal fliegen…“

„Und an die Möbel haben Sie nicht gedacht, Herr…?“ fragte Liegnitz zornig und machte einen vergeblichen Versuch, einen der Vögel wieder einzufangen.

„Nein“, antwortete Großfeld, „nur an die Vögel.“

„Und dabei rauchen Sie auch noch wie ein Schlot?“ zürnte Liegnitz und stürzte auf seinen Stuhl zu. jetzt hatte er einen der Vögel erwischt. „Meine Sittiche vertragen keinen Rauch! Und überhaupt — so, meine Dore, jetzt kommst du wieder in dein Häuschen — und überhaupt möchte ich wissen — schlaf gut, mein Liebling — was sie hier mitten in der Nacht eigentlich wollen!“

„Unter guten Freunden ist ein Besuch zur Nachtzeit doch nichts so seltsames?“ meinte Großfeld und blickte dem Rauch seiner Zigarette nach. „Wir sind doch Freunde, nicht wahr?!“

„Na, wissen Sie —“, Liegnitz war aufs Sofa gestiegen und fuchtelte mit seinen kurzen Armen, doch die beiden Sittiche auf der Gardinenstange flatterten wieder davon, „— so dicke ist die Freundschaft nicht… Brauchen Sie vielleicht Geld?“

Großfeld lächelte. „Arthur Amadeus“, sagte er vorwurfsvoll, „wäre ich dann hier?“

„Also das ist es nicht? Es wäre auch aussichtslos gewesen, völlig aussichtslos… Was wollen Sie denn nun eigentlich? Hallo! Halten Sie das Tier! Auf Ihrem Knie sitzt es — halten Sie’s!“

„Warum denn?“ gab Großfeld aufreizend ruhig zurück. Es hält sich selbst — mit den Krallen.“

„Jetzt ist es wieder weg!“ stöhnte Liegnitz. „Also was wollen Sie hier? Ich hab’ es jetzt satt! Sie kommen da mitten in der Nacht hierher, stellen die ganze Wohnung auf den Kopf und wollen mir nicht einmal sagen — —“

„Doch, ich will!“ unterbrach ihn Großfeld. „Der Leiner ist wieder da.“

Liegnitz hatte eben Anlauf genommen, einen Sittich auf dem Tisch zu überfallen. Er blieb stehen, wo er stand, und vergaß sogar, die ausgestreckte Rechte wieder sinken zu lassen. Sein Gesicht drückte etwas wie Schrecken aus, aber nur vorübergehend, und ebenso vorübergehend hatte sich die gesunde rötliche Färbung seiner Wangen ein wenig verloren. Gleich darauf war er wieder ganz der alte. Sogar sein Ärger über die nächtliche Störung schien überwunden. „Was Sie sagen!“ rief er lächelnd. „Hat man ihn rausgelassen? Ich dachte, er hätte noch so etwa ein Jährchen abzubrummen…“

„Stimmt! Aber wegen ausgezeichneter Führung wurden ihm ein Jahr und etliche Monate geschenkt.“

„Hätt’ ich ihm nie zugetraut — die ausgezeichnete Führung“, meinte Liegnitz und setzte sich. Die Sittiche schien er vergessen zu haben. „Woher wissen Sie das denn?“

„Man hat so seine Verbindungen… Heute ist er entlassen worden, wird jetzt wohl schon zu Hause sein. Das gibt ein Freudenfest — was, Arthur Amadeus? Wie wird Änne glücklich sein!“

„Ja, gewiß, sehr…“

„Und sein Wiedersehen morgen mit Ihnen, stelle ich mir geradezu rührend vor“, plauderte Großfeld weiter.

Liegnitz zuckte die Achseln. „Warum soll es nicht rührend sein, lieber Großfeld? Ihre Frage klingt ja beinah so, als zweifelten Sie an unserem guten Einvernehmen. Wir standen prächtig miteinander…“

„Standen —!“ unterstrich Großfeld kurz.

„Nun ja, und stehen natürlich auch heute noch ebenso zueinander. Genau so.“

Großfeld begann plötzlich zu lachen — ein langes, herzliches Lachen.

„Worüber lachen Sie?“ forschte Liegnitz mißtrauisch.

„Über — Ihre Sittiche“, sagte Großfeld ruhig und stand auf. „Na, wohl bekomm‘s, Arthur Amadeus! Auf Wiedersehn! Ja, und sollte er Sie gar zu herzlich an sich drücken, dann rufen Sie mich an! Rührende Szenen liebe ich sehr. Ich gehe immer ins Kino, wenn so ein gefühlvolles Stück gegeben wird, oder auch — wenn scharf geschossen wird…“

Liegnitz begriff nicht ganz. „Sie wollen gehen?“ fragte er stimrunzelnd. „Aber was war denn nun der Zweck Ihres Besuches? Sie werden mir doch nicht weismachen wollen, daß Sie nur gekommen sind, um mir diese Neuigkeit mitzuteilen?“

Großfeld war an der Tür stehengeblieben und wandte sich langsam um. „Es gibt für mich nichts Schöneres, als zu sehen, wie ein Mensch sich freut“, sagte er bedächtig. „Aber nein, Sie haben recht: Nicht das allein war der Zweck meines Besuches. Ich hab’ Ihnen doch ein Geschenk mitgebracht.“ Er griff in die Tasche und brachte ein in blaues Papier gewickeltes verschnürtes Päckchen zum Vorschein. Und ehe Liegnitz mit dem Aufschnüren fertig war, hatte Großfeld das Zimmer verlassen.

Endlich war der Faden gelöst, das Papier entfernt. Liegnitz starrte es an — das Geschenk, um dessentwillen er mitten in der Nacht hatte aufstehen müssen: und sein Gesicht wurde bleich. Es war ein dickes gelbes Buch. Es war ein ganz gewöhnliches Reichskursbuch…

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Дата выхода на Литрес:
05 мая 2025
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150 стр. 1 иллюстрация
ISBN:
9788711625958
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