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Mein sexhungriges Kätzchen

Mein sexhungriges Kätzchen

Copyright © 2017 Zettner Verlag und Chris Hausser

All rights reserved

ISBN: 9788711717868

1. Ebook-Auflage, 2017

Format: EPUB 3.0

Dieses Buch ist urheberrechtlich geschützt. Kopieren für andere als persönliche Nutzung ist nur nach Absprache mit Zettner Verlag und Autors nicht gestattet.

1

Ich war seit sechs Monaten mit Beatrice zusammen, und dieses halbe Jahr war die ruhigste und, wie ich mir fest einbildete, schönste Zeit meines Lebens gewesen. Meine erste Empfindung war deshalb ein Gefühl des Unwillens und der Abwehr, als ich Bruno traf. Sollte ich weglaufen? Das kam nicht in Frage.

Ich gab mir Mühe, ganz kühl – fast abweisend – zu bleiben. Ich dachte fest an meine so mühsam errungene Emanzipation.

Beatrice war das sichtbare Zeichen, daß ich nicht einmal dazu einen Mann brauchte.

„Du hast dich verändert“, sagte Bruno und fixierte mich ungeniert.

„Ich bin älter geworden“, gab ich kühl zurück.

„Das meine ich nicht. Du – du siehst so selbstbewußt aus.“

Ich freute mich über diese Bemerkung, die eher beiläufig kam und versuchte, es mir nicht anmerken zu lassen.

„Wie ist es dir ergangen in all den Jahren?“

„ ,In all den Jahren‘ klingt, als hätten wir uns seit einem Menschenalter nicht mehr gesehen.“

„Wie lange ist es her?“

„Sieben Jahre“, sagte ich viel zu schnell und verriet mich damit.

Aber Bruno tat, als merke er nichts.

„Albern, hier auf der Straße zu stehen“, sagte er, faßte mich beim linken Ellbogen und sah sich um. „Dort drüben ist ein Café. Gehn wir was trinken.“

Ich kam gar nicht dazu, zu widersprechen. Ich wußte, es war besser, die Begegnung so schnell wie möglich zu beenden. Aber Bruno war der Stärkere.

Im Moment! dachte ich. Nur im Moment. Nachher werde ich mich schon durchsetzen …

Während wir die Straße überquerten, suchte ich mir den anderen Bruno vorzustellen. Den von vor sieben Jahren. Seltsam.

Ich sah ihn nackt. So, wie er gewesen war nach der Silvesterfeier, bei dem mißglückten Versuch, mit mir zu schlafen. Beim ersten ernsthaften Versuch, mich von meinem Jungfernhäutchen zu befreien.

Ich sah die Szene so deutlich vor mir, als gehöre sie der eben vergangenen Nacht an.

Ich spürte seine Hände auf meiner nackten Haut. Auf der nackten, glatten Haut eines jungen Mädchens ohne alle Erfahrung.

Die glatte Haut wurde unter seinen Berührungen rauh. Vor Angst. Alles in mir verkrampfte sich. Ich preßte die Schenkel aneinander, bis er sich aufrichtete und mich mit gerunzelter Stirn ansah:

„He! Hast du dir’s anders überlegt?“

Mein Gesicht glühte, in der linken Schläfe hämmerte eine Ader, und ich vermochte Brunos Blick nicht zu erwidern. Zitternd gab ich nach und spürte seine Hand zwischen meinen Beinen. Sie berührte meine nackte Haut. Ich hielt den Atem an und biß mich auf die Unterlippe.

Was für ein Gänschen war ich!

Das Bett war eine Schlachtbank und Bruno der Metzger, der mich metzelte. Verzweifelt suchte ich nach romantischen Vorstellungen, um die Wirklichkeit damit zu überdecken.

Aber das war nicht einfach.

Das wurde sogar völlig unmöglich, als ich seinen Finger zwischen meinen Schamlippen spürte. An einer Stelle, an der ich bis zu diesem Augenblick keine anderen als meine Finger gespürt hatte.

Ich öffnete mich nicht. Ich blieb verschlossen wie eine Auster. Als Bruno trotzdem tiefer in mich dringen wollte, tat es weh, und mit einer unkontrollierten Bewegung befreite ich mich von seinem Zugriff.

Er schnaubte durch die Nase. Ich kannte diese Reaktion. Wenn er zornig war, kam man nicht gut mit ihm aus. Ich fürchtete mich vor seinem Zorn, den ich bis dahin nur aus eher nichtigen Anlässen erregt hatte.

Aber das war jetzt kein nichtiger Anlaß. Ich wußte, wir hatten eine Vereinbarung getroffen.

Die nämlich, nach der Silvesterfeier miteinander zu schlafen und uns fortan als verlobt zu betrachten.

Bruno stand auf und ging zu dem Tischchen zwischen den beiden billigen Sesseln. Er zündete sich eine Zigarette an. Ich versuchte, nicht hinzusehen, aber der Zwang war stärker. Mein Blick hing an seinem Glied, das von Brunos Körper wegstand, leicht auf und ab wippend.

Mein Hals war trocken. Ich räuspterte mich und schluckte. Das Ding vor Brunos Körper schien mir riesig. Sehr lang und sehr dick. Die halb entblößte Eichel schimmerte in einer Farbe, wie ich sie noch nie an einem menschlichen Körper gesehen hatte.

Ausgeschlossen! dachte ich. Völlig unmöglich, daß er das in mich hineinbringt. Ich werde zerreißen.

Zerreißen und verbluten.

Ich schüttelte mich. Jetzt war mein ganzer Körper von einer Gänsehaut überzogen.

Ich hatte schreckliche Angst und war gleichzeitig fasziniert.

Bruno wandte sich um. Sein Gesicht war verschlossen.

„Also, was ist jetzt?“ fragte er, und es klang absolut beiläufig.

„Was soll denn sein?“ fragte ich lahm zurück. Ich wußte schon, es hatte keinen Zweck, das Dummchen zu spielen.

„Tun wir’s, oder tun wir’s nicht?“

Ich schüttelte den Kopf. Ich war plötzlich sehr wütend. Himmel! Schließlich war Bruno der Ältere, der Erfahrene! Warum merkte er nicht, was mit mir los war? Warum nahm er keine Rücksicht darauf und befreite mich durch Zärtlichkeit von meiner entsetzlichen Angst?

„Du bist ein grober Klotz“, sagte ich mit tränenerstickter Stimme.

„Was bin ich?“ fragte er fassungslos.

„Ein grober Klotz. Du weißt überhaupt nichts über Frauen!“

Da lachte er mich aus. Er zerdrückte seine Zigarette im Aschenbecher, kam zum Bett zurück und blieb davor stehen, die Hände auf die schmalen Hüften gestützt. Er sah auf mich herab und lachte mich aus, und ich konnte den Blick immer noch nicht von seinem Glied lösen, das mich anzog und mir Angst machte, beides zugleich.

Ich wußte, er war schön. Ich wußte, die Berührung, die Vereinigung würde eine Sehnsucht in mir stillen, die lange vorhanden, aber bis jetzt nie deutlich artikuliert worden war. Ich wußte, das Zusammensein mit einem Mann würde mir neue Dimensionen erschließen, mein Leben erweitern, einen anderen Menschen aus mir machen. Aber sein spöttisches Lachen, sein überlegener Blick richteten eine Wand zwischen uns auf.

Ich griff nach der Decke und zog sie über meinen nackten Körper.

„Geh!“ sagte ich. „Schlaf in deinem Zimmer!“

Denn in dem billigen kleinen Hotel hatte man darauf bestanden, uns zwei Zimmer zu vermieten, da wir so offensichtlich unverheiratet waren.

„Bist du noch da?“ fragte Bruno und brachte mich in die Wirklichkeit zurück.

Wir hatten die Straße überquert und das Café betreten. Er dirigierte mich zu einem kleinen runden Tisch in der Ecke.

„Natürlich bin ich noch da.“

„Du hast nachgedacht. Worüber?“

Ich blickte ihn an.

„Du hast dich nicht verändert.“

„Nein?“

„Du bist noch ebenso unausstehlich arrogant wie früher!“ Er lachte belustigt. Auch sein Lachen war gleich geblieben. „Trinkst du?“ fragte ich, nachdem Bruno für mich einen Kaffee und für sich einen Scotch bestellt hatte.

„Nein, ich bin kein Säufer. Das meintest du doch?“

„Empfindlich wie eine Mimose!“

Er zuckte die Achseln.

„Das hast du dir früher auch eingebildet. Dabei ist es nur eine Empfindlichkeit gegen einen ganz bestimmten Ton in deiner Stimme. – Wie kommst du hierher?“

Ich war ihm dankbar, daß er das Thema wechselte. Ich erzählte von den verschiedenen Stationen meines Berufslebens. Dazu brauchte ich nicht lange.

„Du siehst, es ist nicht aufregend, mein Leben.“

„Scheint so. Und die Männer?“

Das war typisch für Bruno. Da trafen wir uns nach sieben Jahren, waren so gut wie fremd füreinander, und nach wenigen Minuten erkundigte er sich ungeniert nach den Männern in meinem Leben!

Ich schwankte zwischen Empörung und sentimentaler Fröhlichkeit, weil er sich überhaupt nicht verändert hatte. „Ich habe nicht die Absicht, mit dir darüber zu sprechen“, sagte ich schließlich. Es sollte kühl klingen, aber es klang nur gepreßt und unsicher.

„Du bist nicht verheiratet?“

„Nein.“

„Hast du einen Freund?“

„Was geht’s dich an?“

„Du gefällst mir immer noch. Fast so gut wie früher, denke ich.“

Er sah mich prüfend an. Seine Stirn war leicht gerunzelt. Nur fast so gut? dachte ich und konnte eine kleine Enttäuschung nicht verbergen.

„Ja, du gefällst mir sehr“, bestätigte Bruno seinen durch die Beobachtung vertieften Eindruck.

Und fuhr gleich darauf mit veränderter Stimme fort: „Du hast eine Wohnung, nehme ich an? Ich bringe dich nach Hause.“

Ich wollte ablehnen. Ich schüttelte den Kopf, aber dann redete ich mir rasch ein, es sei besser, nachzugeben und Bruno mitzunehmen. Zu Hause wartete Beatrice auf mich. Bruno würde sofort merken, was los war.

Ich sah sein mokantes Grinsen vor mir, wenn er begriff, wie ich mit Beatrice stand. Doch jedenfalls wußte er dann, daß es sinnlos war, die Hände (und anderes) nach mir auszustrecken.

Er würde verschwinden.

Und genau das war es, was ich wollte – redete ich mir ein.

Bruno trank den Rest seines Scotchs und sah sich nach der Kellnerin um.

„Ich muß gehen“, sagte ich schnell. „Wenn du wirklich mitkommen willst …“

„Was geht jetzt hinter deiner glatten Stirn vor?“ fragte er grinsend. „Einen Groschen für deine Gedanken!“ Ich schüttelte den Kopf und versuchte ein Lächeln.

„Ich bin gespannt auf die Überraschung.“

„Welche Überraschung?“ fragte ich in vermeintlich gut gespielter Naivität.

„Es gibt doch eine, nicht wahr? Ich bin ganz sicher, du hast eine Überraschung für mich parat.“

„Laß das“, sagte ich unwirsch. „Mit so etwas konntest du mich vor sieben Jahren überrumpeln. Ich bin nicht mehr das kleine Mädchen von damals.“

Wirklich nicht? Mußte ich nicht zugeben, daß er mich – wieder einmal – durchschaut hatte?

„Wohnst du in der Nähe?“ fragte Bruno, als wir wieder auf der Straße standen.

Ich nannte ihm die Adresse.

„Mein Wagen steht drüben in der Hochgarage.“

Wir fuhren mit dem Lift bis zum siebten Parkdeck und dann mit Brunos Wagen in endlosen Spiralen abwärts. Der Feierabendverkehr hatte etwas nachgelassen. Wir kamen rasch vorwärts. Ich überlegte, was ich noch hatte einkaufen wollen. Es war nicht wichtig. Ich konnte es auch am nächsten Tag erledigen.

Statt meinen Schlüssel aus der Handtasche zu kramen, drückte ich den Klingelknopf. Bruno ließ sich seine Überraschung nicht anmerken, aber ich wußte, daß er gespannt war, wer uns die Tür öffnen würde. Beatrice hatte keinen Blick für mich. Sie musterte Bruno mit dem gleichen Interesse, das man zum Beispiel einer Klapperschlange im Zoo entgegenbringt.

„Das ist Bruno. Herr Berger“, stotterte ich und wurde mir meiner ganzen Unsicherheit bewußt. „Bruno, das ist meine Freundin Beatrice Schubert.“

Sie nickten sich zu, ohne ein Wort zu sprechen. Beatrice trat endlich zur Seite, so daß wir an ihr Vorbeigehen konnten.

„Du bist spät dran“, sagte sie zu mir.

„Da siehst du den Grund“, sagte ich und versuchte ein harmloses kleines Lachen.

Es klang unecht.

Bruno sah sich ungeniert um. In gespielter Unbefangenheit bot ich ihm einen Platz an und fragte, ob er einen Drink haben wolle.

„Die Wohnung hast du eingerichtet“, sagte er.

„Allerdings.“

„Du hast einen guten Geschmack.“

Sein Blick traf Beatrice. Ich spürte mehr, als ich sah, daß sie den Kopf in den Nacken warf und seinen Blick erwiderte.

„Einen guten Geschmack“, wiederholte er leise.

„Scotch?“

„Ja, bitte. Aber du trinkst mit, nicht wahr?“

„Ich habe seit dem Frühstück nichts gegessen“, lehnte ich ab. „Mich mußt du entschuldigen. Ich muß mich um das Abendessen kümmern.“

„Laß nur“, sagte Beatrice und erwiderte immer noch Brunos Blick. „Ich mache das Abendessen. Bleib du ruhig bei deinem Gast.“

In ihrer Stimme war Aggressivität, die Bruno bestimmt nicht entging. Sein amüsiertes Lächeln bestätigte das. „Sehr freundlich von Ihnen. Ich habe Janka eine Ewigkeit nicht gesehen.“

„Das weiß ich.“

„Ach? Hat sie von mir erzählt?“

„Auch von Ihnen“, sagte Beatrice kalt. „Es war nicht schmeichelhaft.“

„Beatrice!“

Bruno lachte. Wenn seine Eitelkeit verletzt war, kaschierte er das geschickt. Aber wahrscheinlich war er wirklich so amüsiert, wie er sich gab.

Sie blieb noch einen Augenblick stehen, drehte sich dann abrupt um und ging in die Küche.

„Sie ist sehr jung“, sagte ich.

Das war als Entschuldigung gedacht.

„Sie ist eifersüchtig“, sagte Bruno. „Gibst du ihr oft Grund zur Eifersucht?“

„Nein. Und jetzt, da du Bescheid weißt …“

Ich konnte plötzlich nicht weitersprechen. Ich brachte es nicht fertig, meinen Plan zu Ende zu führen und ihn aufzufordem, so rasch wie möglich zu verschwinden. Bruno schüttelte den Kopf.

„Ehrlich gesagt, habe ich nicht vermutet, daß deine Neigungen sich so gewandelt haben.“

„Was weißt du über meine Neigungen?“ fragte ich spröde. „Ich habe dich doch sehr gut gekannt, nicht wahr?“

Dieses ,nicht wahr?‘ machte mich verrückt. Ich hatte es noch von damals im Ohr. Er sagte es auf eine unausstehlich arrogant und überlegen wirkende Art. Auch früher schon hatte es mich veranlaßt, die Zähne aufeinanderzubeißen und die Hände zu Fäusten zu ballen.

„Du bildest dir ein, daß du mich gekannt hast.“

Er gab sofort nach, zu meiner Überraschung.

„Ich dachte, wir hätten uns gut gekannt.“

„Ich war sehr jung, damals …“

Wofür entschuldigte ich mich? Warum gab ich mir solche Blößen?

„Jung und schön und überaus reizvoll. Das bist du auch heute noch.“

Er stand auf und blieb sehr dicht vor mir stehen. Ich zitterte am ganzen Körper. Ich konnte mich nicht wehren, als er seine Arme um meine Schultern legte. Als er mich zu küssen versuchte, gab ich sofort nach. Seine Lippen, seine Zunge waren mir noch so vertraut wie vor sieben Jahren. Die lange Spanne Zeit war ausgelöscht. Ich drängte gegen ihn, willenlos, bar aller Überlegung.

„Hab ich dir schon gesagt, wie glücklich ich bin, daß wir uns getroffen haben?“ fragte Bruno leise.

„Bist du’s wirklich?“

„Ich habe oft an dich gedacht.“ Ein kleines Lachen. „Seit du mir damals den Abschied gegeben hast.“

„Das hat deine Eitelkeit verletzt“, sagte ich und versuchte, mich zu befreien.

Aber Bruno hielt mich wie in einem Schraubstock. Es tat gut, so festgehalten zu werden.

„Ja, es hat auch meine Eitelkeit verletzt“, sagte er. „Aber das ändert nichts daran, daß ich dich immer noch liebe.“ „Ich glaube dir kein Wort“, flüsterte ich und schloß die Augen.

„Es ist die reine Wahrheit.“

„Selbst wenn …“

„Ich habe keine Angst vor Beatrice“, sagte er kühl.

„Du bist dir deiner Sache sehr sicher – wie immer.“

„Ich wette, die Initiative ist von ihr ausgegangen.“

„Glaubst du?“

„Du streitest es nicht ab. Ich habe also recht.“

„Und wenn das so wäre – wir sind jetzt ein halbes Jahr zusammen. Ich habe mich nie so – so ausgeglichen und zufrieden gefühlt.“

„Kein Wunder“, stellte Bruno fest. „In eurem Verhältnis spielst du den dominierenden Part. Beatrice ist von dir abhängig. Das schmeichelt deiner Eitelkeit und deinem Verlangen, andere zu beherrschen.“

Es war erschreckend, wie er mich immer noch durchschaute und mir Dinge bewußt machte, die zu sehen ich sechs Monate lang erfolgreich vermieden hatte.

Wir wurden unterbrochen.

Beatrice kam herein und verkündete, das Essen sei fertig.

„Bleibt er?“ fragte sie und sah mich starr an.

„Bleibst du?“ gab ich die Frage an Bruno weiter.

„Natürlich“, sagte er lachend.

Ich trank mehr als sonst von unserem billigen roten Tischwein und nötigte Beatrice und Bruno dazu. Die Atmosphäre war wie vor einem Gewitter. Zwar trug Bruno ein kleines überlegenes Lächeln zur Schau, aber Beatrices heftige Abneigung blieb auch auf ihn nicht ohne Wirkung.

„Sie kochen sehr gut“, sagte er schließlich gleichgültig, knautschte seine Serviette zusammen und lehnte sich zurück.

Beatrice reagierte nicht auf das Kompliment. Sie sah mich an und zwang mich, den Blick zu erwidern.

„Bleibt er noch länger?“

„Haben Sie Angst, daß ich Ihnen Janka wegnehme?“

„Ich habe keine Angst. Aber Sie stören mich.“

„Sie sollten Angst haben“, sagte Bruno, und seine Stimme klang immer noch verbindlich. „Denn ich werde sie Ihnen wegnehmen. Sie können sich fest darauf verlassen.“

Beatrice wurde sehr blaß, stand auf und ging hinaus. Ich hörte die Tür ihres Zimmers ins Schloß fallen.

„Das hättest du nicht sagen sollen!“

Er lachte mich aus.

„Bist du jetzt enttäuscht? Weil sie nicht einmal den Versuch macht, um dich zu kämpfen?“

Ich konnte ihm nicht in die Augen sehen. Und es war zwecklos, so zu tun, als besäße ich noch die Kraft, mich gegen ihn zu wehren.

„Habt ihr ein gemeinsames Schlafzimmer?“ fragte Bruno. Ich schüttelte den Kopf.

„Komm“, sagte er. „Laß uns zu Bett gehen.“

Ich ging voraus, mit hängenden Schultern. Vor der Badezimmertür blieb ich stehen.

„Geh schon vor“, sagte ich.

„Warum gehen wir nicht zusammen ins Bad?“

Ich schüttelte den Kopf. Ihm schienen die sieben Jahre tatsächlich nichts auszumachen, aber ich verspürte eine gewisse Scheu. Es würde eine Weile dauern, bis ich wieder so vertraut mit Bruno war wie früher.

Als der Gedanke mir bewußt wurde, traf mich das wie ein Schlag: Ich war also schon völlig sicher, daß wir zusammenbleiben würden! Bruno und ich. Daß wir miteinander leben würden, wenigstens für einige Zeit.

Und Beatrice? Und alles, was ich mir in den vergangenen sechs Monaten geschworen hatte?

2

Als ich mein Schlafzimmer betrat, in einen Bademantel gehüllt und einigermaßen besonnen und ernüchtert, nachdem ich sehr kalt geduscht hatte, saß Bruno rauchend auf der Bettkante. Er blickte auf und lächelte mich an. Seine Kleider lagen über einem Stuhl. Er trug nur noch seinen Slip, und ich hielt unwillkürlich den Atem an, als ich seinen muskulösen, gebräunten Körper sah.

„Hast du etwas dagegen, daß ich deine Zahnbürste benutze?“

Ich schüttelte den Kopf.

„Das rechte Waschbecken“, murmelte ich. „Handtücher liegen im Wandschrank. Und bitte, schließ die Tür ab! Ich möchte nicht, daß Beatrice dich überrascht.“

„Wäre es ein Schock für sie, einen nackten Mann zu sehen?“ fragte er spöttisch.

„Ganz bestimmt.“

„Ist sie durch und durch lesbisch?“

„Hast du das nicht gemerkt?“

„Doch“, bestätigte er.

„Warum fragst du dann?“

„Ich kann mich ja auch mal irren.“

Er ging an mir vorbei. Ich wartete darauf, daß er mich anfaßte, aber er tat’s nicht. Als er die Tür hinter sich geschlossen hatte, legte ich mich im Bademantel auf mein Bett. Ich zog den Stoff sorgsam über meinem Körper zusammen. Dann versuchte ich, mir die kommenden Ereignisse vorzustellen.

Das steigerte meine Unsicherheit.

Bruno ließ sich Zeit. Ich hörte Beatrices Zimmertür gehen und fürchtete, daß sie zu mir herüberkäme. Aber dann schloß sich die Wohnzimmertür hinter ihr. Ich kann jede Tür unserer Wohnung an den spezifischen Geräuschen unterscheiden, die das Öffnen und Schließen verursacht. Sollte ich hinübergehen und meine kleine Beatrice trösten?

Aber wie? Was konnte ich ihr denn sagen? Half ich ihr mit einer Lüge? Oder mit dem Geständnis, daß es zwischen Bruno und mir vielleicht nur diese eine Nacht geben würde?

Wenig später kam Bruno zurück, und er trug seine Nacktheit mit solcher Selbstverständlichkeit zur Schau, daß es mir den Atem raubte.

Ich mußte ihn ansehen. Sein Glied hing dick und schlaff zwischen den muskulösen Schenkeln. Ich erkannte es wieder, tatsächlich. Mir war noch jede Einzelheit im Gedächtnis. Die Vorhaut bedeckte die Eichel völlig, und deren Rand zeichnete sich deutlich darunter ab. Vielleicht war die Haut etwas dunkler als vor sieben Jahren. Aber das mochte täuschen. Jedenfalls hing Brunos Glied wie damals ein wenig schräg nach links, und dahinter erkannte ich den prallen Hodensack, der kaum behaart war. Die Schambehaarung reichte weit hinauf, in der Mitte fast bis zum Nabel, und das gekräuselte Haar war immer noch einen Ton heller als Brunos Kopfhaar.

Er blieb vor mir stehen, ganz still, damit ich meine Betrachtung fortsetzen konnte. Als mir das bewußt wurde, bekam ich einen roten Kopf.

Ich schalt mich eine Narrin, ein dummes Ding. Ich rief mir ins Bewußtsein, daß ich immerhin 25 Jahre zählte.

„Du hast dich nicht verändert“, sagte ich tonlos.

„Doch, leider.“

Ich sah ihm ins Gesicht. Er lachte leise.

„Ich bin genau sieben Jahre älter als damals. Ich habe Erfahrung gewonnen. Aber dafür habe ich mit Kraft bezahlt.“

„Ein bißchen Erfahrung wäre damals sehr nützlich gewesen“, sagte ich leise.

Er runzelte die Stirn.

„Darüber habe ich oft nachgedacht. Glaubst du, es hätte etwas geändert, wenn wir miteinander geschlafen hätten?“

„Vielleicht.“

Er lachte wieder.

„Ich könnte jetzt noch schamrot werden, wenn ich mir vorstelle, wie blöde ich damals war!“

„Nicht nur du!“

„Nein, nein, dich trifft keine Schuld. Daran nicht. Du warst 18 und ein Küken. Aber ich, mit meinen 23 Jahren, hatte immerhin schon mit einigen Frauen das Vergnügen gehabt. Kaum zu glauben, daß ich mit dir nicht klargekommen bin.“

„Nein, das ist kaum zu glauben“, wiederholte ich leise. „Oder doch? Du hast dich auf mich verlassen, nicht wahr? Du wolltest, daß ich die Initiative ergreife und behalte. Dazu war ich nicht fähig. Die anderen Frauen, die, die vor dir waren, hatten mir immer alle Entscheidungen abgenommen. Für die war ich – ein Bettbübchen. Ein Kind, mit dem sie ihr Vergnügen hatten.“

„Mit 23 Jahren ein Kind?“ fragte ich skeptisch.

„Wundert dich das? Du hast mich doch gekannt. Besser, glaube ich, als irgendein Mensch zu jener Zeit. Hast du mich nicht auch für ein Kind gehalten?“

Ich zuckte die Achseln.

„Das ist schwer zu sagen. In deinem Beruf wirktest du sehr erwachsen.“

„Ich hatte Erfolg“, murmelte er.

„Du konntest mit Menschen umgehen. Du warst sicher und geschickt.“

„Nur nicht im Bett. Im Bett war ich ein Kind.“

„Ja, das warst du“, sagte ich langsam, während ich noch darüber nachdachte. Dann nickte ich zur Bekräftigung.

Er war wirklich ein Kind gewesen.

Er setzte sich auf die Bettkante und legte seine Hände auf meine Schultern.

„Ich bin kein Kind mehr, Janka.“

„Nein.“

„Glaubst du, daß ich das manchmal bedaure – trotz allem?“

„Warum?“ fragte ich verständnislos.

„Weil unsere Zeit sehr schön war. Heute kommt es mir manchmal wie ein Märchen vor.“

„Märchen haben meist einen positiven Schluß.“

„Den Schluß verbanne ich aus meinen Überlegungen. Solange wir beisammen waren, warst du meine Märchenprinzessin.“

Ich bewegte mich. Mir war unbehaglich zumute. Warum ließ er die Vergangenheit nicht Vergangenheit sein? Bruno schien meine Verstimmung zu bemerken.

„Hast du es gewußt, als ich dich nach Hause brachte?“

Ich schüttelte den Kopf.

„Aber du hast mit der Möglichkeit gerechnet!“

„Ich habe mich nur von dir heimbringen lassen, damit du Beatrice siehst. Ich wußte, du würdest sofort begreifen.“

„Und du hast darauf gebaut, daß ich mich diskret zurückziehe?“ fragte er verwundert.

„Eigentlich ja.“

Er schüttelte den Kopf.

Ich merkte, daß er noch etwas sagen wollte, aber dann besann er sich anders und ließ seine Hände über meinen Körper gleiten, bis sie auf meinen vollen Brüsten lagen. Ich spürte, wie meine Brustwarzen erigierten und ich glaubte, auch Bruno merkte das – durch den Stoff des Bademantels hindurch.

„Eigentlich bin ich froh“, murmelte er.

Ich wußte, wovon er sprach. Ich konnte sogar seine Gedanken lesen und ärgerte mich über seine Selbstsicherheit.

„Beatrice bedeutet mir sehr viel.“

„Ach, wirklich?“

Er glaubte mir kein Wort. Wie sollte er auch, da ich so widerspruchslos mit ihm ins Bett ging.

„Bildest du dir ein, daß ich Beatrice den Laufpaß gebe, nur weil du wieder aufgetaucht bist?“

„Sei nicht so aggressiv“, bat er. „Und laß uns ein andermal darüber reden. Morgen. Irgendwann.“

Ich war einverstanden. Mein Körper vibrierte unter seinen Berührungen. Er richtete sich auf, sah mir in die Augen und fingerte an dem zu einem Knoten verschlungenen Gürtel des Bademantels herum. Seine Bewegungen waren geschickt und kontrolliert.

Ganz bestimmt war er kein Kind mehr!

Ich schauerte zusammen, als er den Stoff beiseiteschob. Sein Blick löste sich von meinem Gesicht und wanderte abwärts.

Ich spürte ihn auf meinen Brüsten wie eine Berührung. Dann auf der flachen Decke meines Bauchs. Dann noch tiefer. Als er das schwarzbehaarte Dreieck erreichte, spreizte ich – ganz gegen meinen Willen – die Schenkel. Für wenige Augenblicke kehrte sein Blick zu meinem Gesicht zurück.

Ich hatte erwartet, eine Frage in seinen Augen zu sehen, aber viel zu rasch wanderte Brunos Blick wieder abwärts, als daß ich kontrollieren konnte, ob ich recht hatte.

Ich wollte ihm zeigen, daß auch ich kein Kind mehr war, sondern eine erwachsene und sehr emanzipierte Frau. Gleiches Recht für alle! dachte ich. Und bevor er mich berührte, legte ich meine Hand auf das schlaffe Glied zwischen seinen Schenkeln.

Er zuckte nicht zusammen. Er zeigte überhaupt keine Reaktion. Aber ich bin sicher, daß es ihm schwerfiel, nicht zu reagieren. Bestimmt hatte er so etwas nicht erwartet.

Sein Glied allerdings reagierte prompt. Unter meiner schmalen, kühlen Hand schwoll es an. Meine Hand lag so leicht darauf, daß sie hochgehoben wurde. Ich spürte das Blut unter der zarten Haut pulsen und sah, als ich den Kopf wandte, die blauen Adern.

Es reizte mich, ihn doch noch zu einer Reaktion zu veranlassen. Ich brauchte nur fester zuzufassen, das schnell hart, dick und lang werdende Glied zu pressen, vielleicht die Vorhaut zurückzustreifen …

Aber da spürte ich seine Hand schon zwischen meinen Schenkeln. Bevor ich überhaupt registrieren konnte, daß Bruno sich bewegte, war seine Hand auf der heißesten Stelle meines Körpers. Die Fläche bedeckte meinen hohen Schamhügel, und der Mittelfinger schob sich geschickt zwischen meine Schamlippen.

Eine besitzergreifende Berührung war das. Und eine Berührung, die wieder die Erinnerung an damals wachrief. So hatte er mich oft und oft angefaßt, wenn wir beieinander waren. Hatte mit mir gespielt und mich gereizt, bis mein ganzer Körper nur noch ein Bündel zuckender Nerven gewesen war.

Er berührte meinen Kitzler. Ich hörte mich leise stöhnen, und jetzt krampfte meine Hand sich ganz von selbst um sein heißes Fleisch.

„Du hast deine Lektion gelernt“, sagte Bruno leise.

Seine Stimme war völlig klanglos. Vergebens suchte ich nach dem verhaltenen Spott, der sonst bei solchen Feststellungen darin schwang.

„Was meinst du?“

„Wie du mich anfaßt – das sagt mehr, als tausend Worte es könnten.“

„Was sagt es?“

„Daß du Erfahrung hast. Daß du weißt, wie ein Mann angefaßt werden will.“

„Freut mich, daß es dir gefällt“, gab ich spröde zurück. Er sollte nicht merken, wie unsicher ich mich fühlte. Wahrscheinlich merkte er es gerade deshalb.

Mit der freien Hand strich er über meine vollen, festen Brüste.

„Sie sind größer geworden“, stellte er fest. Dann lachte er leise. „Aber mir scheint, du bist deinen Babyspeck immer noch nicht ganz losgeworden.“

„Ich habe in letzter Zeit ein paar Pfund zugenommen.“

„Das steht dir gut.“

„Wirklich? Bin ich nicht zu dick?“

„Um kein Gramm!“

Er beugte sich zu meinen Brüsten hinab und küßte eine nach der anderen. Dabei blieb seine rechte Hand zwischen meinen Schenkeln, und sein Mittelfinger drang tiefer in meinen heißen Schoß. Meine Linke streichelte seinen Hinterkopf. Es war sehr schön, so mit Bruno zusammen zu sein. Ich hätte nichts dagegen gehabt, das stundenlang fortzusetzen und dabei von vergangenen Tagen zu träumen.

„Zieh den Fummel aus“, sagte er und richtete sich jäh auf. Gehorsam zog ich beide Arme aus den Ärmeln des Bademantels. Er zog ihn unter mir weg und warf ihn auf den Fußboden. Dann kniete er sich zwischen meine gespreizten Schenkel und sah auf mich herab. Seine Stirn war gerunzelt. Er wirkte sehr konzentriert.

Ich sah zu, wie er sein Glied packte und die Vorhaut zurückstreifte. Warum war er so ungeduldig? Hatte er Angst? Vor mir? Vor sich selbst? – Vielleicht fürchtete er um die Dauerhaftigkeit seiner Erektion Ich dachte an seine Worte: Daß er Erfahrung gegen Kraft eingetauscht hätte. Ich konnte mir nicht vorstellen, daß er wirklich jemals Schwierigkeiten hatte. So wie er aussah, konnte Bruno in jedem Pornofilm, in jeder Sex-Show den männlichen Hauptdarsteller mimen. Ich hatte nie einen Mann gekannt, der so vollendet gebaut war. Alle Proportionen stimmten. Und wenn man sein starrendes Glied betrachtete, schien der Gedanke absurd, es könne irgendwann versagen. Bruno stützte sich mit dem linken Arm ab und berührte meinen Körper nur ganz leicht. Zwei Finger der Hand, mit der er sein Glied hielt, spreizten meine Schamlippen. Ich spürte das glatte Köpfchen und hielt den Atem an. Ich hob mein Becken und kam ihm entgegen. Die kurzen Minuten, in denen ich seine Hand gespürt hatte, hatten ausgereicht, mich naß werden zu lassen. Arme Beatrice! dachte ich plötzlich und überlegte im gleichen Augenblick, weshalb ich sie in Gedanken arm nannte. Weil sie die Nacht allein verbringen mußte, nur durch eine dünne Wand von uns getrennt?

Oder weil das Kapitel Beatrice in meinem Leben jäh beendet war?

Brunos Glied löschte alle weiteren Überlegungen aus. Ich keuchte, als er es rasch in meinen Körper dringen ließ. Es schmerzte, denn meine Scheide ist sehr eng, Brunos Glied dagegen größer als das der meisten Männer.

Er nahm seine Hand weg. Er brauchte sie jetzt nicht mehr, stützte sich mit beiden Armen ab und drang tiefer und tiefer in meinen Leib. Dabei beobachtete er mich, und ich wich seinem Blick aus.

Weshalb?

Ich weiß es nicht.

„Das ist himmlisch!“ keuchte Bruno. „Kannst du ermessen, wie wohl ich mich fühle?“

Ich gab keine Antwort, er hatte wohl auch keine erwartet. Ich konzentrierte mich ganz auf das, was mit mir geschah. Als er begann, sein Glied in mir hin und her zu bewegen, biß ich die Zähne zusammen, um nicht laut zu schreien. Das Geflecht der Nerven in meiner Scheide schien dichter als je. Ich spürte ihn ganz genau. Es war, als könne ich sehen, was in mir geschah. Ich fühlte den harten Wulst der Eichel, wie er an den Wänden meiner Scheide entlangglitt. Ich hielt den Atem an, wenn der Wulst sich dem Ende des rubbeligen Kanals so weit näherte, daß ich befürchtete, Brunos Glied würde herausrutschen. Ich atmete erleichtert auf, wenn die Gegenbewegung einsetzte.

Ich dachte nicht mehr daran, daß ich eigentlich enttäuscht gewesen war, weil Bruno so schnell zur Sache kam. Ich vergaß, daß ich das Vorspiel immer mehr geliebt hatte als den eigentlichen Akt. Und daß ich die Männer, mit denen ich mich eingelassen hatte, danach beurteilt hatte, welche Raffinesse sie dem Spiel zu zweit zu geben vermochten.

Immerhin konstatierte ich, daß Bruno den Verlauf meiner Erregung offenbar sehr genau beobachtete. Seine Hände spielten mit meinen Brüsten, und sein Blick ruhte ununterbrochen auf mir. Sooft ich die Augen öffnete, sah ich in sein sehr konzentriertes Gesicht.

Allmählich erwiderte ich seine Stöße heftiger. Kurz bevor ich kam, schob er eine Hand unter meinen Hintern. Das hatte den gleichen Effekt wie die Peitsche, die ein Rennreiter seinem Pferd auf der Zielgeraden gibt. Ich warf mich jedem Stoß entgegen. Meine Hände krallten sich ins Bettuch. Mein Kopf flog hin und her. Ich spürte die Spitze des harten Balkens immer und immer wieder an meinem Muttermund. Mein Gehirn registrierte noch, daß das ein selten gehabtes Erlebnis war. Dann verlor sich alles im Taumel meines Orgasmus, und ich kam erst wieder zu mir, als meine Lust langsam verebbte, während Bruno sein Glied immer noch – langsamer jetzt – in mir hin und her bewegte.

Als ich die Augen aufschlug, lächelte er mich an. Ein überlegenes Lächeln, das mich unter anderen Umständen gereizt hätte. Auch jetzt wurde mir bewußt, daß er sich offenbar in jeder – selbst in dieser – Situation in der Gewalt hatte oder doch sehr geschickt so tat. „Du bist gut!“ sagte ich, noch atemlos. „Du weißt, wie gut du bist.“

„Fang doch keinen Streit an, Kleines“, sagte er weich. Das erstemal, daß er mich wieder ,Kleines‘ nannte!

„Ich fühle mich so wohl bei dir. Es ist, als ob ich nach langer Reise heimgekehrt wäre.“

Seine Worte rührten mich. Ich schlang beide Arme um seinen Hals und zog ihn zu mir herab. Ich küßte, was immer mein Mund von ihm erreichte. Ich spürte den Kloß in meiner Kehle und die Tränen in meinen Augen. Und ich wußte, daß ich Bruno liebte, mit allen Konsequenzen, die das für mich und für ihn – und für Beatrice – haben mochte.

3

Um Bruno nicht zu wecken, stieg ich am nächsten Morgen sehr vorsichtig über ihn weg. Sekundenlang glitt mein Blick über seinen nackten Körper, dann deckte ich ihn behutsam zu.

Ich schlich hinaus und wagte erst in der kleinen Diele wieder richtig zu atmen.

Beatrice war bereits im Bad. Aber sie sah sich nicht nach mir um, als ich nackt und noch schlafwarm keinen Meter von ihr entfernt stand.

„Guten Morgen, Beatrice.“

„Morgen“, sagte sie knapp.

Ich zwang mich, ihre Verstimmung nicht zur Kenntnis zu nehmen.

„Hast du gut geschlafen?“

„Danke, ausgezeichnet.“

Ich dehnte mich und gähnte herzhaft. Mir kam zu Bewußtsein, daß es grausam war, mich in ihrer Gegenwart so wohlzufühlen. Aber ich wollte ihr und mir nichts vormachen.

„Ich auch.“

„Du?“ fragte sie gedehnt und wandte sich um. „Du hast geschlafen? Ich hatte nicht den Eindruck. Ihr habt bis zum frühen Morgen herumgerammelt, daß der Fußboden wackelte.“

„Beatrice!“

Ich war ehrlich entsetzt. Sie hatte das mit unüberhörbarem Haß gesagt. Nie zuvor hatte ich meine kleine Beatrice so erregt gesehen.

„Beatrice! Beatrice!“ äffte sie meine Stimme nach. „Es ist so! Ich hätte wirklich nicht gedacht, daß du dich so benimmst – nach allem.“

Die letzten Worte hatten zögernd geklungen; wahrscheinlich hatte sie etwas anderes sagen wollen.

Ich putzte mir die Zähne und wartete darauf, daß sie sich beruhigte. Gewiß, eine Auseinandersetzung war unvermeidlich. Aber ich hoffte, wir könnten trotz Bruno Freundinnen bleiben – wenn auch auf andere Art als bisher. Beatrice trat unter die Dusche und schloß die Schiebetür. Normalerweise duschten wir morgens gemeinsam und seiften uns gegenseitig ab. Diesmal wagte ich es nicht, zu ihr in die flache Wanne zu schlüpfen. Tatsächlich! Ich hatte Angst vor Beatrice.

Sie merkte es und genoß ihren Triumph. Als ich schließlich ebenfalls geduscht hatte und das Badezimmer verließ, saß sie schon am Frühstückstisch.

Eine halbe Stunde früher hatte ich mich noch auf mindestens drei Schnitten Toast mit viel Butter gefreut. Aber jetzt begnügte ich mich mit einer Tasse Kaffee.

„Es ist spät“, sagte Beatrice. „Wir müssen uns beeilen. Oder bleibst du zu Hause?“

Ich schüttelte den Kopf. Ich dachte darüber nach, ob ich Bruno wecken sollte, entschied mich aber dagegen. Auf einen Zettel kritzelte ich ein paar Zeilen, in denen ich ihm mitteilte, daß ich abends zurück sein würde. Ich schlich in mein Schlafzimmer, legte den Zettel auf das Tischchen neben dem Bett und unseren Ersatz-Schlüsselbund darauf.

Bruno schlief fest. Sein Atem ging gleichmäßig. Die leichte Steppdecke ließ seinen nackten Oberkörper frei. Zärtlich beugte ich mich über ihn und küßte seine Schulter. Er lächelte im Schlaf.

Oder bildete ich mir das nur ein?

Schweigend ging ich neben Beatrice her zur Haltestelle der Straßenbahn. Wie üblich, bekam man um diese Zeit mit Mühe einen Stehplatz. Ein kleiner dicker Mann drängte sich gegen mich; ihm schien die Enge willkommen zu sein.

„Ekelhaft!“ sagte Beatrice, als wir ausstiegen.

Ich forschte nicht nach, was sie meinte.

Als wir nun noch etwa 200 Meter vom Geschäft entfernt waren, fragte sie: „Und wie geht es jetzt weiter?“

„Darüber müssen wir uns unterhalten“, sagte ich leise. „Allerdings müssen wir das! Solltest du die Absicht haben, diesem Mann länger Quartier zu bieten …“

„Dieser Mann!“ unterbrach ich sie wütend. „Sprich bitte nicht in diesem Ton von Bruno!“

„Er hat dich verrückt gemacht! Du bist völlig verändert seit gestern abend!“

„Mag sein“, gab ich zu.

Vielleicht hatte Bruno mich wirklich verhext. Vielleicht war das, was ich für Liebe hielt, ganz etwas anderes. Vielleicht war ich nur Brunos animalischer Anziehungskraft erlegen, so wie mir das – vor der Zeit mit Beatrice – schon mit mehreren Männern passiert war.

Wir erreichten die Buchhandlung wie üblich mit einigen Minuten Verspätung. Aber da wir zu den tüchtigsten Kräften gehörten, sah die Geschäftsleitung großzügig darüber hinweg … (Ebenso, wie man darüber hinwegsah, daß Beatrice und mich etwas verband, was man nach dem herrschenden Kodex von Sitte und Anstand höchstens naserümpfend zur Kenntnis nahm).

Für gewöhnlich macht meine Arbeit mir Vergnügen. Aber an diesem Tag war ich erstens nicht bei der Sache, und zweitens ließ Beatrice keine Gelegenheit aus, mir versteckte und offene Vorwürfe zu machen.

Abends, als wir uns im Waschraum trafen, hatte sie mich so weit, daß ich mich ihr nicht mehr widersetzen konnte; meine Widerstandskraft war aufgebraucht.

„Du wirst ihn heute nicht sehen!“ sagte sie. „Aber – er wartet bestimmt in der Wohnung auf mich!“

„Du wirst ihn nicht sehen!“ wiederholte Beatrice, „ich will nicht, daß du jetzt zu ihm gehst und wieder mit ihm ins Bett steigst! Ich will nicht, daß er deinen nackten Körper berührt und dir seinen häßlichen Schwanz zwischen die Beine steckt!“

„Was ist das denn für eine Sprache!“ sagte ich mit sanftem Tadel und kam mir lächerlich vor.

„Wir gehen in ein Hotel“, entschied Beatrice.

„Das ist doch nicht dein Ernst!“

„O doch! Wir übernachten in einem Hotel. Und morgen, hoffe ich, ist dieser Bruno verschwunden.“ Sie dachte nach. „Am besten ist es, du rufst ihn an und sagst ihm, daß du ihn nicht mehr sehen willst.“

„Aber das stimmt doch nicht! Beatrice, so geht es nicht. Du kannst nicht auf diese Weise Entscheidungen für mich treffen.“

Sie sah wohl ein, daß sie zu weit gegangen war und entschuldigte sich.

„Trotzdem werden wir in einem Hotel übernachten“, fuhr sie fort. „Du brauchst Zeit und Gelegenheit, wieder zu dir zu kommen. Solange er in deiner Nähe ist, bist du nicht fähig, einen klaren Gedanken zu fassen. Dieser Mensch hat dich verhext. Ich habe es sofort gemerkt, als du ihn gestern mitbrachtest. – Außerdem kenne ich ihn aus deinen Erzählungen gut genug, um zu wissen, welchen unheilvollen Einfluß er schon einmal auf dich ausgeübt hat.“

„Unheilvoll? Du irrst dich, Beatrice. Ich habe nie behauptet, daß er einen unheilvollen Einfluß auf mich ausgeübt hat!“

„Weil du es selbst nicht gemerkt hast. Weil du ihm damals verfallen warst!“

„Sei nicht albern!“

„Und jetzt läufst du Gefahr, daß es wieder so wird!“

Ich nahm mir ganz fest vor, nicht auf den albernen Einfall einzugehen, mit Beatrice in einem Hotel zu übernachten. Wir stritten eine halbe Stunde darüber.

Dann kauften wir am Hauptbahnhof Zahnbürsten und einige andere Kleinigkeiten und mieteten uns in einem schäbigen kleinen Hotel unten am Fluß ein.

4

„Zieh mich aus“, verlangte Beatrice später am Abend. Ich schreckte aus meinen Gedanken hoch. Gerade hatte ich überlegt, ob ich Bruno anrufen und ihn bitten sollte, mich abzuholen.

Natürlich hätte ich heimlich telefonieren müssen, von der Hotelhalle aus.

„Komm, zieh mich aus und sei ein bißchen zärtlich. Das bringt dich auf andere Gedanken!“

„Beatrice, das ist keine Lösung“, sagte ich ernst.

„Uber die ,Lösung‘ unterhalten wir uns später“, entschied sie.

Trotz ihrer 19 Jahre kann sie sehr resolut sein. Obwohl ich fast alle Entscheidungen für uns beide getroffen habe, ist es immer wieder vorgekommen, daß Beatrice die Initiative ergriffen hat. (Wie sonst hätte unser Verhältnis überhaupt beginnen sollen?)

Ich setzte mich neben Beatrice aufs Bett. Sie schlang ihre Arme um meinen Nacken und küßte mich. Ich konnte gar nichts anderes tun, als sie ebenfalls zu umarmen und den Kuß zu erwidern.

Obwohl ich an Bruno dachte, wurde mir heiß.

Beatrice ließ sich nach hinten fallen und zog mich mit. Sie zwängte ein Bein zwischen meine Schenkel. Ich spürte ihr Knie und begann zu keuchen. Sie kennt mich so genau … Sie braucht nur Sekunden, um mich in Schwung zu bringen. Wie von selbst legten meine Hände sich auf ihre Brüste. Sie trug – wie üblich – keinen BH, und die kleinen Warzen richteten sich augenblicklich auf.

„Du gehörst mir“, flüsterte sie. „Und ich gehöre dir. Ich lasse nicht zu, daß sich ein Mann zwischen uns drängt!“

Ich versuchte, mich aufzurichten, aber sie hielt mich fest. Ich spürte, wie sie meine Bluse aus dem Rock zog. Dann waren ihre Finger auf meinem nackten Rücken und suchten nach dem Verschluß des Büstenhalters. Sie brauchte höchstens eine Sekunde, um ihn zu öffnen. Eine ihrer geschickten Hände glitt unter der Achselhöhle hindurch und legte sich auf meine Brust. Mit Daumen und Zeigefinger zwirbelte sie die Warze, so daß ich die Zähne aufeinanderbeißen mußte.

„Sag, daß du mir gehörst!“ flüsterte sie.

Ich schüttelte den Kopf. Aber gleichzeitig öffnete ich mit zitternden Fingern ihre Bluse, und dann vergrub ich mein Gesicht zwischen ihren jungen, festen Brüsten.

Sie streichelte mich. Sie war sehr zärtlich. Wir zogen uns gegenseitig aus, Stück für Stück, und es dauerte nicht lange, bis wir beide völlig nackt waren.

„Jetzt geht es mir schon viel besser“, sagte Beatrice und lächelte mich an.

Ihr Lächeln wirkte so unbefangen, daß es glauben machte, unsere Beziehung sei noch ebenso problemlos wie vor Brunos Auftauchen.

Wir saßen nebeneinander auf der Bettkante und blickten uns an. Unsere Schenkel berührten sich, und unsere Hände glitten liebkosend über Arme und Brüste, wie sie es schon oft getan hatten, immer aufs Neue gegenseitiges Entzücken weckend.

„Ich liebe dich“, sagte Beatrice. „Und ich brauche dich! Seit einem halben Jahr erst lebe ich richtig! Seit wir beisammen sind.“

Ganz plötzlich schlang sie wieder beide Arme um mich, schob im Sitzen ihr rechtes Bein zwischen meine Schenkel und zog mein Gesicht zwischen ihre Brüste. Mein linker Arm legte sich um ihren Rücken, die rechte Hand fuhr über ihren flachen Bauch und weiter hinab. Ich merkte, daß sie die Beine weit gespreizt und den linken Fuß aufs Bett gestellt hatte.

Während meine Zunge und meine Lippen die feste Brust kosteten, streichelte meine Hand den glatten, unbehaarten Schoß und schob sich ganz langsam, um Beatrices und meine Lust zu steigern, auf ihren kleinen Kitzler zu. Sie zuckte zusammen, als mein Finger das winzige harte Ding berührte. Ihr Körper straffte sich, sie schien unter einer ungeheuren Spannung zu stehen.

Wie ich es wieder und wieder getan hatte, reizte ich sie an ihrer empfindlichsten Stelle mit wachsender Intensität, bis sie dicht vor ihrem ersten Höhepunkt war.

„Fester!“ stöhnte sie und bewegte ihren Unterleib.

Zwei Finger ließ ich zwischen ihre Schamlippen und in die enge Scheide dringen. Sie bewegte sich jetzt rhythmisch, preßte ihre Klitoris gegen meine Hand und regulierte die Heftigkeit der Berührungen selbst.

Unsere Schenkel zitterten. Wir waren beide kurz vor dem Ende unserer Kraft, und als sie gekommen war und ihr Körper sich allmählich entspannte, ließen wir uns nach hinten aufs Bett sinken, lagen wir mit geschlossenen Augen und schwer atmend nebeneinander.

Ich befürchtete, Beatrice würde wieder über Bruno sprechen, sobald sie sich erholt hatte. Aber dazu war sie zu klug.

Sie rutschte vom Bett herab und kauerte sich zwischen meine gespreizten Schenkel. Ich spürte ihren Atem, bevor ihre Lippen mich noch berührten.

Mir fiel ein, daß sie mich wieder und wieder bedrängt hatte, meinen Schoß ebenfalls zu rasieren, und ich fragte mich, wie Bruno wohl reagiert hätte in der vergangenen Nacht, hätte er mich solcherart verändert gefunden … Beatrices Hände schoben sich unter meinen Popo. Sie ließ mich ihre Fingernägel spüren; noch am nächsten Morgen würden die Spuren zu sehen sein. Ihre Lippen bewegten sich sanft auf und ab. Die Berührung war nicht mehr als ein Hauch, aber die Wirkung auf mich war überwältigend. Ich zitterte am ganzen Körper und mußte mich beherrschen, um mich nicht fester gegen sie zu drängen. Mein Atem ging stoßweise. Ich hatte die Augen geöffnet, sah aber so gut wie nichts. Alles verschwamm vor meinem Blick.

Plötzlich schoß Beatrices feste, spitze Zunge vor und bohrte sich zielsicher zwischen meine Schamlippen. Ich schrie auf und biß mich dann wimmernd auf die Unterlippe. Längst hatte die Zunge sich wieder zurückgezogen, und ich erwartete den nächsten Angriff.

Sie war eine Meisterin in diesem Spiel!

Und sie wußte, ich war fast süchtig nach dieser Art Liebkosung.

Ganz allmählich nur preßte sie ihre Lippen fester gegen meine. Und ihre Zunge verweilte von Mal zu Mal für Sekunden dort, wo ich sie spüren wollte.

Beatrice peitschte meine Lust hoch und kontrollierte sie gleichzeitig. Sie spielte auf mir wie auf einem Instrument. Jedesmal, wenn ich glaubte, im nächsten Augenblick in den wilden Wirbel des Orgasmus gerissen zu werden, legte sie eine kleine Pause ein, küßte die Innenseiten meiner Oberschenkel, krallte ihre Finger fester ins Fleisch meines Hinterns oder berührte die Spitze meines Kitzlers sanft und spielerisch mit ihrer Nasenspitze.

Sie wußte, irgendwann würde ich das nicht mehr aushalten. Ich würde ihren Kopf mit beiden Beinen umklammern, wenn ihre Zunge in meinem Leib steckte und sie zwingen, das Spiel zu vollenden.

Dann war ihr Sieg vollkommen! Und meine Niederlage, die ich bei jedem Zusammensein erlitt …

Später standen wir gemeinsam unter der Dusche, in einer viel zu engen Wanne, so daß wir uns auch aneinanderpressen mußten, als wir uns gegenseitig abseiften. Beatrices Geruch stieg mir in kleinen Wellen in die Nase, als ich ihren Schoß wusch. Sie schnurrte wie ein Kätzchen und wand sich wie eine Schlange. Ihr Lächeln war gelöst. Sie schien restlos zufrieden.

Doch ich dachte an Bruno.

„Du hast Gewissensbisse“, sagte sie fröhlich. „Aber dazu besteht überhaupt kein Anlaß. Denk daran, was die Männer den Frauen angetan haben, immer und überall. Sie haben es verdient, daß wir uns an ihnen rächen. Zu jeder Zeit! Alle!“

Ich bat sie heftig, den Mund zu halten. Ich war nahe daran, mich so rasch wie möglich anzuziehen und zu Bruno zu fahren.

Beatrice merkte, daß die Situation ihr zu entgleiten drohte. Sie schwieg und war doppelt zärtlich zu mir. Als wir uns gegenseitig frottiert hatten und in das triste Zimmer zurückgekehrt waren, nahm sie den Hörer vom Telefon und drückte den weißen Knopf.

Es gab keinen Zimmerkellner und offenbar überhaupt nichts, das die Bezeichnung Service verdiente. Aber es gelang ihr, den Nachtportier dazu zu bringen, daß er uns eine Flasche Sekt und zwei Gläser heraufschickte.

„Bleib so“, sagte sie, als ich Rock und Bluse überziehen wollte.

„Du bist verrückt!“

Aber ich gehorchte. Wir waren völlig nackt, als ein alter Mann klopfte und hereinkam, in der linken Hand die Flasche, in der rechten die Gläser.

Die Augen schienen ihm aus dem Kopf zu quellen, und er leckte sich die Lippen. Die Gläser klirrten aneinander, und fast hätte er die Flasche neben den Tisch gestellt. Beatrice benahm sich, als sei es die natürlichste Sache der Welt, fremden Männern nackt gegenüberzutreten. Sie beeilte sich nicht, als sie Geld aus ihrer Tasche nahm und es dem Alten in die Hand zählte.

Rückwärts ging er zur Tür, um den Anblick möglichst lange zu genießen.

„Du bist grausam“, sagte ich, als er verschwunden war. Aber gleichzeitig mußte ich lachen.

Beatrice fiel mir um den Hals und küßte mich. Sie lachte mit mir, und ihre Hände waren überall auf meinem Körper.

„Ich bin glücklich!“ sagte sie. „Ich bin froh, daß es dich gibt und daß wir uns gefunden haben!“

Tatsächlich: Man hätte meinen können, das sei unsere erste gemeinsame Nacht …

5

Am nächsten Morgen benutzten wir die Mittagspause, um zu unserer Wohnung zu fahren und uns umzuziehen. „Du zitterst ja!“ sagte Beatrice, als wir die Haustür öffneten. „Ich hoffe, er hat begriffen und ist weg.“

Ich schwieg. Was hätte ich auch sagen sollen? Daß ich Angst hatte, Bruno gegenüberzutreten? Daß ich nicht wußte, ob ich ihn Wiedersehen wollte?

Tatsächlich war ich morgens, als wir in dem häßlichen Hotelzimmer aufwachten, sicher gewesen, es sei das beste für uns alle, Bruno nicht mehr wiederzusehen.

Das hatte ich Beatrice sogar gestanden, als sie sich in meinen Arm kuschelte und ihre Hand auf eine meiner vollen Brüste legte.

Aber jetzt …

Ich war restlos durcheinander.

Und Bruno war verschwunden.

Ich wußte es im gleichen Moment, als ich die Wohnungstür aufschloß. Ich brauchte gar nicht nachzusehen. Und ich wußte auch, daß ich vergeblich nach einer Nachricht suchen würde.

Beatrice, die sich wie immer schneller als ich umgezogen hatte, machte in der Küche ein paar belegte Brote für uns zurecht. Aber ich brachte keinen Bissen herunter.

Wir fuhren zurück zur Buchhandlung. Ich stürzte mich auf jeden Kunden, der meine Abteilung betrat. Jedes Verkaufs- und Beratungsgespräch bedeutete Ablenkung.

Bruno wirkte völlig ruhig und gelassen und schien zu übersehen, daß ich stocksteif stehenblieb, als ich ihn bemerkte.

„Du?“ fragte ich schließlich.

Er sah sich um und lächelte.

„Hier arbeitest du also. Komisch, daß ich ausgerechnet in diese Buchhandlung nie gekommen bin. Dabei wohne ich schon seit fast drei Jahren in der Stadt.“

„Ich bin erst ein Jahr hier“, sagte ich lahm.

„Ja, ich weiß.“

„Bruno …“

„Ja?“

„Ich muß dir das erklären, Bruno.“

„Bitte.“

Seine Ruhe machte mich fast verrückt.

„Es – es war Beatrices Idee!“

„Natürlich.“

„Aber ich will die Schuld nicht auf sie schieben. Ich habe mich überreden lassen.“

„Wozu?“ fragte er und lächelte.

Er sah mich interessiert an, aber seine Stirn war glatt. Nichts deutete darauf hin, daß meine Eskapade ihn verletzt hatte.

„Wir haben in einem Hotel übernachtet.“

„So etwas habe ich mir gedacht.“

„Ich hätte dich wenigstens anrufen sollen …“

„Hat sie gewonnen?“ fragte er, und jetzt war in seiner Stimme unüberhörbare Ironie.

Ich schwieg und ordnete einige Bücher ein, die ich kurz zuvor einem Kunden vorgelegt hatte.

„Ich glaube, der Kampf ist noch nicht entschieden“, sagte Bruno. „Du kannst deiner Freundin ausrichten, daß ich nicht so schnell aufgebe. – Ich hole dich nachher ab.“

Ich nickte und wagte nicht, ihn anzusehen.

„Um halb sieben, nicht wahr?“

„Ja.“

„Keine faulen Tricks!“ mahnte er und lachte leise.

Er war kaum verschwunden, als ich zu Beatrice lief und ihr alles berichtete.

„Was wirst du tun?“ fragte sie. Ihr Gesicht war düster, auf ihrer Stirn stand eine steile Falte.

„Er holt mich ab“, sagte ich und zuckte die Achseln.

„Das sagtest du schon. Und was wird dann?“

Da ich das auch nicht wußte, drehte ich mich um und ging in meine Ecke des Ladens zurück. Ich spürte, daß Beatrice mir nachsah.

Nach Ladenschluß wartete Bruno in seinem Wagen auf mich. Er stand mitten im Halteverbot. Als ich aus dem Haus trat, stieg er aus und öffnete mir die rechte Tür. Er küßte mich leicht auf den Mund. Er war so gelöst, als gebe es zwischen uns keinerlei Probleme.

„Wohin fahren wir?“ fragte ich nach einigen Minuten.

„Was hältst du davon, wenn ich mich revanchiere?“

„Wie meinst du das?“ fragte ich zögernd.

„Zur Abwechslung könnte ich dich entführen. Du packst einen Koffer mit allem, was du für die nächsten Tage brauchst und ziehst zu mir.“

Ich wagte nicht zu widersprechen, aber dann begriff ich, daß der Vorschlag gar nicht ernst gemeint war.

Warum eigentlich nicht?

„Wir gehen jetzt essen, und dann fahren wir zu dir“, entschied Bruno. „Ich bin gespannt auf ihr Gesicht!“

„Du hast keinen Grund, ihr wehzutun.“

Er lächelte. „Ich glaube, Beatrice ist ein ganz netter Kerl. Ich habe nichts gegen sie. Ihr Pech, daß wir uns um dich streiten müssen.“

„Du scheinst deiner Sache sehr sicher zu sein.“

Er sah mich an, was bei dem Tempo, das er fuhr und bei dem starken Verkehr lebensgefährlich war.

„Ja, seit der Nacht mit dir bin ich sehr sicher.“

„Inzwischen habe ich eine Nacht mit Beatrice verbracht.“ „Du wärst nicht mit mir gekommen, wenn sie dich ,bekehrt‘ hätte.“

Wir schwiegen zwei Kreuzungen weit.

„Hast du ihr davon erzählt?“

Ich wußte, was er meinte.

„Ja.“

„Auch, daß es unsere erste richtige Nacht war?“

„Ja. Nein! Sie wußte, daß wir früher nie miteinander geschlafen hatten.“

„Es scheint, daß sie so ziemlich alles über dich weiß.“ Das schien ihn zu ärgern.

„Ich war noch nie so vertraut mit einem Menschen wie mit Beatrice.“

Bruno bog rechts ab und fuhr auf den Parkplatz eines Restaurants, das ich nur dem Namen nach kannte. Für meine Verhältnisse war es zu teuer.

„Wenn ich wüßte, daß du tatsächlich lesbisch bist, würde ich verschwinden und euch wünschen, daß ihr miteinander glücklich werdet“, sagte er. „Aber Beatrice ist doch nur ein Surrogat für dich. Ich weiß nicht, wie’s gekommen ist, daß du dich mit ihr liiert hast, aber ich wette, das wäre nicht passiert, wenn rechtzeitig ein Mann nach deiner Facon aufgetaucht wäre.“

Ich versuchte, das Abendessen zu genießen. Unter anderen Umständen hätte ich in dem seltenen Luxus, der mich umgab, geschwelgt und jeden Bissen des ausgezeichneten Menüs auf der Zunge zergehen lassen.

Aber jetzt schmeckten die teuersten Delikatessen wie Stroh, und ich trank den Wein, als käme er aus der billigen Zweiliterflasche, die abends bei Beatrice und mir auf dem Tisch stand.

Hinterher versuchte ich, mich zu einem Entschluß durchzuringen.

„Bring mich nach Hause“, bat ich.

„Das war meine Absicht.“

„Du verstehst mich nicht! Bring mich nach Hause und verschwinde!“

„Du bist verrückt“, sagte er knapp.

„Laß mir Zeit. Ein paar Wochen wenigstens. Damit ich Klarheit gewinne. Ich weiß jetzt selber nicht, was ich will.“

Er schüttelte den Kopf und sah mich an, wie man ein Kind ansieht, dem man einen unsinnigen Gedanken ausreden muß.

„So kenne ich dich gar nicht, Janka. Seit wann bist du so labil? Und wie kannst du dir einbilden, ich ließe dich wochenlang in den Klauen dieser Beatrice, die dich offensichtlich um den Finger zu wickeln vermag?

Nein, nein, daraus wird nichts. Wenn sie den Kampf will – bitte, sie kann ihn haben. Aber auf keinen Fall ziehe ich mich still zurück.“

Er parkte den Wagen in einer Seitenstraße, da vor unserem Haus kein Platz war. Auf dem Rückweg legte er einen Arm um meine Schulter. Die Berührung tat gut. Sie nahm mir ein klein wenig von meiner Unsicherheit.

„Also doch!“ sagte Beatrice, als wir die Wohnung betraten. Sie stand unter der Wohnzimmertür und sah Bruno feindselig an.

„Was haben Sie erwartet?“ fragte er grinsend.

„Daß Sie begreifen und sich zum Teufel scheren!“

Ich hatte nicht die Kraft, mich in die Auseinandersetzung einzumischen.

Meinetwegen sollen sie sich um mich prügeln, dachte ich. „Die Idee mit dem Hotel war nicht schlecht“, sagte Bruno und grinste noch stärker. „Ich hatte Sie offenbar unterschätzt.“

„Okay“, sagte Beatrice. „Die nächste Runde geht an Sie. Aber ich gebe nicht auf.“

Bruno öffnete die Tür zu meinem Schlafzimmer und wartete darauf, daß ich an ihm vorbeiging. Ich wagte Beatrice nicht anzusehen.

„Du machst es dir unnötig schwer, Kleines“, sagte er leise, als wir allein waren.

Dabei streichelte er meine Wange mit dem Handrücken. Ich lehnte mich gegen ihn und bettete meine Stirn an seine Schulter.

„Laß uns zu Bett gehen“, schlug er vor.

Ich nickte und ließ mich von ihm ausziehen wie ein Kind. Er ist einen Kopf größer als ich und bestimmt doppelt so schwer. Seine geschickten Hände schälten mich aus den Kleidern. Ich fühlte mich geborgen und wurde ruhiger. Er hatte das richtige Rezept gefunden. Als er mir den Slip vom Leib gestreift hatte, hob er mich auf und legte mich auf mein Bett. Ich sah ihm beim Ausziehen zu.

Früher, wenn er sich in meiner Gegenwart entkleidet hatte, war er unsicher gewesen. Er hatte einen roten Kopf bekommen und sich umgedreht.

Aber in den sieben Jahren, die zwischen damals und heute lagen, war aus dem großen Jungen ein Mann geworden.

Ein Mann, von dem viele Frauen ihr Leben lang nur träumen.

„Wie wär’s mit einem Drink?“ fragte er.

Ich wollte aufstehen, aber er wehrte ab und sah sich suchend um. Grinsend zog er meinen Bademantel über, der ihm natürlich viel zu klein und zu eng war und nur eben dazu taugte, seine Blöße zu bedecken.

„Damit deine Freundin keinen Schock bekommt“, sagte er. „Wo finde ich Flasche und Gläser?“

„Im Schränkchen neben der Bücherwand.“

Er ging hinaus und ließ die Tür offen. Als er das Wohnzimmer betrat, sah Beatrice ihn an. Sie saß auf der Couch und hatte die Beine hochgezogen.

„Was wollen Sie?“ Ihre Stimme klang spröde und viel zu laut.

„Nichts von Ihnen, Verehrteste. Wir haben Durst.“

Sie schien sich wieder ihrem Buch zu widmen, aber ich war sicher, daß ihr keine Bewegung Brunos entging.

„Da war Whisky und Gin“, sagte er, als er zurückkam. „Ich habe den Scotch genommen. Recht so?“

Ich stand auf. Aus der Küche holte ich Eis und Wasser. Ich beeilte mich und gab mir Mühe, keinen Lärm zu machen. Es wäre mir nicht recht gewesen, Beatrice plötzlich gegenüberzustehen.

Bruno hatte meinen Bademantel ausgezogen, als ich zurückkam. Nackt saß er auf meinem Bett, ein Glas in der Hand. Das andere stand auf dem Tischchen. Ich gab ein Stück Eis und etwas Wasser hinein. Er lachte mich aus. „Warum trinkst du nicht gleich Limonade?“

Ich schüttelte nur den Kopf. Zum Abendessen hatte ich viel zuviel Wein getrunken. Und ich wollte nicht betrunken werden.

„Komm zu mir“, sagte Bruno weich und streckte eine Hand aus.

Ich nahm sie und ließ mich aufs Bett ziehen. Wir streckten uns nebeneinander aus. Bruno hatte sich auf einen Ellbogen gestützt und betrachtete meinen nackten Körper.

„Du weißt nicht, wie oft ich in all den Jahren an dich gedacht habe.“

„Wirklich?“ Meine Stimme klang atemlos.

„Und wie ich an dich gedacht habe.“

Er machte eine lange Pause; ich zweifelte schon daran, daß er das Thema weiter verfolgen würde.

„In der ersten Zeit hat es so wehgetan, daß ich immer tagelang außer Gefecht gesetzt war. In jeder Beziehung. Ich konnte nicht arbeiten. Nicht essen. Ich suchte mir Frauen, aber nichts ging. Ich war regelrecht impotent.“ „Ich glaube dir kein Wort“, sagte ich mit belegter Stimme. „Bitte, spiel mir kein schlechtes Theater vor, Bruno!“ Sein Blick war ernst. Meine Ungläubigkeit schien ihn nicht zu kränken.

„Es war so“, sagte er nur.

„Aber du hast nie versucht, mich zu finden und zurückzuholen.“

„Nein. Denn ich war sicher, bei dir für immer und ewig verspielt zu haben. Vor allem, als ich dich dann mit einem anderen Mann sah.“

„Du hast mich gesehen?“ fragte ich überrascht.

„Ja. In Düsseldorf. Es war ein Zufall. Ich hatte geschäftlich dort zu tun. Plötzlich fiel mir ein Mädchen auf, das vor mir herging. Neben einem baumlangen Kerl, der seine Hand auf ihre Schulter gelegt hatte. Das Mädchen warst du.“

Er runzelte die Stirn und schien nachzudenken.

„Es sah lächerlich aus“, sagte er dann.

Ich dachte an die Zeit in Düsseldorf. O ja, ich wußte, mit wem Bruno mich gesehen hatte! Ich wußte es nur zu gut. Ob ich ihm davon erzählen sollte?

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