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Anno Dazumal

Der Nächste bitte

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Der Wahlkampf

Die Macht

Die Verfolgung

Die Allmacht

Impressum neobooks

Der Wahlkampf

„Liebe Freunde! In diesem Land müssen wieder Zucht und Ordnung herrschen. Die Demokraten haben aus den Vereinigten Staaten von Amerika eine verlotterte Republik gemacht und das dürfen wir nicht mehr hinnehmen. Es wird höchste Zeit für einen Wechsel und ich verspreche Ihnen, daß ich mit meiner Partei dafür sorgen werde, daß wir alle bald nichts mehr zu lachen haben. Es geht uns allen viel zu gut und dabei darf es nicht bleiben. Auch international werde ich dafür sorgen, daß wir wieder zu Ruhm und Ehre kommen und nicht, daß darüber gesprochen wird, welche sexuellen Vorlieben der Präsident hat. Seit die Demokraten an der Macht sind, werden Sitte und Moral nicht mehr großgeschrieben, aber das wird sich ändern. Ich verspreche Ihnen, daß wir die Tradition aufrechterhalten werden und uns nicht von modischem Schnickschnack beeindrucken lassen. Des weiteren will ich klarstellen, daß es nicht sein kann, daß wir nur als Weltmacht angesehen werden. Wir sind die einzige und damit auch die größte und stärkste Weltmacht überhaupt. Unser Problem ist nur das, daß das niemand mehr wissen will. Aber ich werde dafür sorgen, daß bald wieder alle Menschen auf der ganzen Welt in Hochachtung von uns sprechen.“ Beifall kam auf. Gerade wollte John Teggar seine Rede fortsetzen, als er einen Blick zu seinem Berater warf, der hektisch mit dem Zeigefinger auf die Uhr deutete. Teggar verstand. „Außerdem wollte ich Ihnen noch sagen, daß Sie ein wunderschönes Altenheim hier haben und daß es mich sehr gefreut hat, bei Ihnen gewesen zu sein“, schloß Teggar und bekam viel Applaus für seine kurze Rede. Als er das Altenheim mit seinen Wahlkampfhelfern verlassen hatte, fragte er seinen Berater, Frank Borner: „Wieso habe ich schon aufhören müssen? Ich hatte doch gerade erst angefangen.“ „Schon. Aber wir haben gemerkt, daß die ersten Leute bereits einschliefen. Und es wäre halt nicht gut gewesen, wenn das die Presse mitgekriegt hätte“, erklärte jener. „Aha. Und wohin jetzt?“ „Nach Phoenix. Dort sind Ihre Umfragewerte bei den Jugendlichen ins Bodenlose gefallen. Hier ist Ihre Rede.“ Teggar überflog sie. „Was! Das alles soll ich sagen?“ „Selbstverständlich. Sie müssen schließlich auch für die jungen Leute wählbar sein. Und vergessen Sie nicht: Bis zur Wahl können von denen im Altenheim schon ein paar abgekratzt sein. Die Jungen leben länger, wenn sie sich nicht gerade erschießen.“ „Ich verstehe. Aber warum soll ich dort nicht sagen, daß ich vorhabe, alle Lehrer bewaffnen zu lassen, damit sie sich vor den Schülern schützen können?“ „Weil das uncool ist. Sie haben bei den jungen Leuten schon mal ein Handicap. Und zwar das, daß Sie bei den Republikanern sind. Das reicht. Da dürfen Sie die Leute nicht auch noch mit sowas verscheuchen.“ „Also gut. Eins sage ich Ihnen: Bin ich froh, wenn der ganze Zirkus vorbei ist.“ „Sie sind gut, der Zirkus fängt gerade erst an. Nun beginnt langsam die heiße Phase des Wahlkampfs. Wenn Sie unbedingt Präsident der Vereinigten Staaten werden wollen, dann müssen Sie sich schon reinhängen und auf einige Dinge in der nächsten Zeit verzichten.“ „Was! Keine Bordellbesuche mehr?“ „Nein, damit ist es jetzt erstmal vorbei.“ „Aber ich habe doch meine Maske. Da erkennt mich eh niemand.“ „Das Risiko ist zu groß. Außerdem haben Sie doch Ihre Frau.“ „Mit der macht es aber keinen Spaß.“ „Sagen Sie das niemals einem Journalisten! Unsere Gegner würden das ausschlachten.“ „Na ja, dann werde ich halt mal versuchen, ein paar Jungwähler für mich zu begeistern“, meinte Teggar, als sie aus dem Flugzeug stiegen. Wenig später kam es zu einer ziemlich ungewöhnlichen Szene. In einer großen Disko in Phoenix stand Teggar hinter einem Mikrofon und begann, zur Rapmusik zu sprechen: „Hey Leute, alles klar, ich bin John Teggar, ich wollte Euch was Cooles erzählen, Ihr alle dürft den Präsidenten wählen, Ihr könnt ruhig weiter zechen, das kann ich Euch versprechen, mit mir als Präsident werdet Ihr alle Arbeit bekommen, mit mir wird Euch kein Geld mehr weggenommen, ich baue Euch allen ein großes Haus und schmeiße die ganzen Illegalen raus, Ihr sollt in Zukunft ganz frei leben, darum wird es bei mir weniger Gesetze geben. Also Leute, alles klar, wählt mich, den John Teggar“, reimte Teggar und verschwand wieder. Nur wenig Beifall war zu hören und der kam von ein paar Besoffenen. „Das ging wohl ganz schön in die Hose“, meinte Borner. „Aber wieso denn? Es hat doch Beifall gegeben“, entgegnete Teggar. „Dieser Beifall war wertlos. Besoffene wählen nicht.“ „Daß eins klar ist: Wenn ich an die Macht komme, dann wird es so versiffte Orte wie diese, äh, diese Disko nicht mehr geben. Das wird alles niedergerissen, da kenne ich nichts.“ „Schon gut. Passen Sie auf, Herr Teggar: Ich erkläre Ihnen jetzt noch einmal, worum es geht: Um Präsident werden zu können, müssen Sie viele Leute in ganz Amerika überzeugen, daß die Ihnen ihre Stimme geben. Das schaffen Sie nur, wenn Sie sich den Leuten anpassen und so tun, als wären Sie einer von ihnen. Natürlich dürfen Sie damit nicht Ihre anderen Wähler verprellen. Wenn Sie dann tatsächlich Präsident sind, dann können Sie machen, was Sie wollen. Das steht außer Frage. Aber erst einmal muß es soweit kommen“, erläuterte Borner und Teggar nickte. „Was steht als Nächstes auf dem Programm?“ fragte er, als sie wieder im Flugzeug saßen. „Ein Besuch bei ein paar wichtigen Wirtschaftsbossen.“ „Ah, das gefällt mir schon viel besser.“ „Allerdings ist es da nötig, daß Ihre Frau dabei ist.“ „Muß das denn sein?“ „Ja, das muß sein.“ „Aber könnt Ihr der nicht wenigstens ein Klebeband um den Mund machen, damit sie mich nicht blamiert?“ „Nein, das wäre zu auffällig. Aber keine Sorge: Meine Kollegin hat sie trainiert, so daß keine Gefahr besteht“, beruhigte Borner den Möchtegernpräsidenten. In San Francisco hielt Teggar dann eine Rede, die den anwesenden Wirtschaftsbossen das Herz höher schlagen ließ. „Meine lieben Freunde, es ist herrlich, endlich unter wirklich wichtigen Leuten zu sein! Wie Sie wissen stehen wir Republikaner für Wirtschaftskompetenz, gute Beziehungen und unsoziale Gerechtigkeit. Klar, momentan laufen Ihre Geschäfte ziemlich gut, aber ich verspreche Ihnen, wenn ich erst an der Macht bin, dann werden sich Ihre Gewinne vervielfachen. Das kann ich natürlich auch anhand konkreter Beispiele erläutern: Da die Demokraten soviel Geld in die Staatskasse gebracht haben, können wir es für Sie wieder ausgeben. Meine Herren, nach meiner Wahl können Sie entlassen, soviel Sie wollen. Wir werden die Leute mit ein paar Dollars abspeisen und Sie haben noch weniger Kosten. Zusätzlich wird natürlich die Unternehmenssteuer beträchtlich gesenkt und auch sonst dürfen Sie von mir und meiner Partei sehr viel erwarten. Wenn Sie Ihren Arbeitern weniger Geld geben wollen, dann tun Sie das einfach. Falls es Proteste gibt, lassen wir unsere Soldaten ausrücken. Sie sehen, daß es Ihnen unter meiner Herrschaft bald noch viel besser gehen wird und daß Sie schon in kurzer Zeit im Geld schwimmen werden“, erzählte Teggar und wurde dafür mit großem Beifall belohnt. Nach der Rede blieb er noch lange Zeit bei der ihm lieben Gesellschaft und unterhielt sich mit so manchen Leuten. So sprach er auch mit einem Unternehmer, der Giftmüll entsorgte. „Eine tolle Rede, Herr Teggar, meine Stimme haben Sie. Wie sieht es denn mit der Entsorgung von Giftmüll aus?“ wollte der Mann wissen. „Was meinen Sie damit?“ „Na ja, ich will mich nicht beschweren, aber ein bißchen besser bezahlt werden könnte man dafür schon. Schließlich ist es sehr kostspielig, das ganze Zeug in die Flüsse zu kippen, äh, über die Grenze zu schaffen.“ „Ich verstehe. Nun, ich werde sehen was sich machen läßt und kann Ihnen versprechen, daß meine Wahl gewiß nicht ein Nachteil für Sie sein wird.“ „Das höre ich gern.“ „Ach ja, ich hätte da auch eine kleine Bitte.“ „Nur raus damit!“ „Sie beschäftigen doch viele Leute?“ „3000. Wieso?“ „Na ja, denen können Sie doch bestimmt sagen, daß Sie sehr angetan von mir sind.“ „Ach das meinen Sie! Na ja, ich glaube, das würde Ihnen nicht viel bringen, weil die Leute immer gern den wählen, den der Chef nicht wählt.“ „Wenn das so ist, dann schimpfen Sie über mich und sagen, daß Sie mich garantiert nicht wählen werden.“ „Kein Problem. Das mache ich mit dem allergrößten Vergnügen.“ „Herr Teggar, wir müssen los! Der nächste Termin wartet“, drängte Borner. „Lassen Sie ihn doch warten! Ich fühl mich wohl hier.“ „Aber Ihre Frau beginnt bereits zu randalieren.“ „Also gut, lassen Sie sie wieder aus dem Klo heraus.“

Am Abend stand dann ein großer Wahlkampfauftritt in New York an, bei dem Teggar eine kämpferische Rede halten sollte. Mit großem Beifall wurde er von den eigenen Anhängern begrüßt und wenig später legte er los. Dieses Mal sollte auch sein Konkurrent, der Kandidat der Demokraten, Michael Glime, sein Fett wegbekommen. „Meine lieben Freunde! Toll, daß Ihr alle gekommen seid. Keine Angst, ich werde dafür sorgen, daß Ihr Euer Kommen nicht bereut. Nun ist Schluß mit lustig. Acht Jahre lang mußten wir tatenlos mit ansehen, wie unser Land in aller Öffentlichkeit lächerlich gemacht wurde. Es wird höchste Zeit für eine neue Politik. Glime sagt, die Demokraten würden unter ihm so weitermachen wie bisher. Genau davor haben wir Angst und deshalb werden wir alles dafür tun, damit es nicht dazu kommt. Es ist uns gelungen herauszufinden, daß Glime ein außereheliches Verhältnis gehabt hat und allein das macht ihn bereits nicht mehr wählbar. Wir werden ein Amerika schaffen, in dem man nachts wieder ohne Angst auf die Straße gehen kann. Ein Amerika, in dem nicht die Schüler ihre Lehrer erschießen, sondern umgekehrt! Wir werden ein amerikanisches Amerika schaffen und die ganzen Ausländer zum Teufel schicken, wobei ich nicht weiß, ob sie der überhaupt aufnehmen wird. Wir sind die Republikaner und wir werden dafür sorgen, daß die Werte wieder etwas wert sind. Kriminelle werden ohne großes Urteil eingesperrt werden, die Straßen werden von diesem Gesindel gesäubert. Freut Euch auf die Zukunft, meine lieben Freunde, denn ich verspreche Euch, daß es bald ein neues Amerika geben wird und zwar mit mir. Die Wirtschaft wird Gewinne machen und es wird viel weniger Arbeitslose geben. Aber wir werden nicht nur Teilzeitjobs, sondern Vollzeitjobs schaffen! Was haben die Demokraten denn in den letzten Jahren geleistet? Nichts! Sie haben sich an die Macht gesetzt und die Steuergelder weggefressen, aber das werden wir ändern. Natürlich können wir das alles nur mit Eurer Hilfe machen, aber ich bin mir ganz sicher, daß ich mich auf Euch verlassen kann!“ rief Teggar der jubelnden Menge zu. Er fühlte sich wohl unter seinen Anhängern, weil es weder kritische Fragen noch Pfiffe gab. Darum genoß er diese Stunden und jede Anspannung fiel von ihm ab, was natürlich auch seine Anhänger gerne bemerkten. „So, Herr Teggar. Auf ins Volk. Händeschütteln ist angesagt“, meinte Borner und sofort machte sich der Angesprochene auf zur Gratulationstour. Teggar war ein Mann, wie ihn die Republikaner lieben. Groß, kurzhaarig, entschlossen und korrupt. Mit solchen Leuten konnten sie sich identifizieren und darum wurde auch das Bad in der Menge für den Kandidaten ein voller Erfolg. Schnell ging Teggar durch die Reihen und schüttelte die Hände der kreischenden Leute, wobei er es vermied, jenen in die Augen zu schauen. Ohne Leibwächter spazierte er durch die Menge, was natürlich auf die Fernsehzuschauer großen Eindruck machte. Jene wußten selbstverständlich nicht, daß am Eingang der Halle alle Leute genauestens durchsucht worden waren. Es war sehr spät, als Teggar mit seiner Frau in das reservierte Hotelzimmer kam. „Na, mein Schatz. Wie wäre es mit einer schnellen Nummer?“ wollte Linda wissen. „Tut mir leid, aber ich habe Migräne“, entgegnete er. „Das sagst Du immer. Komm schon! Nur ein kleiner Aufsitzer.“ „Laß mich in Ruhe!“ „Wenn ich Dich nur nie geheiratet hätte, Du alter Schlappschwanz! Aber nein, ich mußte natürlich wieder so blöd sein und den impotentesten aller reichen Männer heiraten!“ „Halt den Mund und schlaf! Wenn ich Präsident bin, dann können wir darüber reden.“ „Nein, so leicht kannst Du es Dir nicht machen. Ich wähle Dich nur, wenn Du mir versprichst, es jede Woche mit mir zu tun.“ „Da verzichte ich lieber auf Deine Stimme.“ „Vergiß unseren Ehevertrag nicht!“ „Der ist ungültig, weil ich ihn im Vollrausch unterschrieben habe.“ „Das ist Dein Problem. Niemand hat Dich gezwungen, soviel zu saufen.“ „Doch, Du. Sonst hätte ich diese Trauerfeier nicht überstanden.“ „Du hättest mich ja nicht heiraten brauchen.“ „Doch, aus politischen Gründen war das notwendig. Ich brauchte eine Frau, die nicht gut, aber auch nicht zu nuttig aussieht, die man auch in höheren Kreisen vorzeigen kann und die auch mal den Mund hält, wenn sie nicht gefragt ist. Da warst Du genau die Richtige.“ „Danke für das Kompliment. Mein Leben aber ist Dir gar nichts wert.“ „Jetzt hör mal! Wenn wir jetzt noch ein paar Monate diese Show abziehen und Erfolg haben, dann bist Du bald die First Lady und wirst weltberühmt. Das sollte Dir doch eigentlich reichen.“ „Aber natürlich. Dann darf ich mir ja ein paar Praktikanten holen.“ „Und ich mir jede Menge Praktikantinnen.“ „Gute Nacht, Geliebter.“ „Gute Nacht, meine Taube.“ So schliefen sie also Beide glücklich ein und träumten von einer Zukunft mit Geld, Macht und Anerkennung. Am nächsten Morgen stand Teggar sehr früh auf, um seiner Frau keinen Guten Morgen Kuß geben zu müssen. Schnell zog er sich an und verschwand in einem Konferenzzimmer, wo Borner gerade die Wahlkampfstrategie der nächsten Tage erläuterte. „Also, die Zeitungen haben wir unter Kontrolle. Die schreiben garantiert nur das, was wir ihnen vorschreiben. Da sehe ich überhaupt keine Probleme und wenn doch wer Ärger macht, dann haben wir ja noch unser Mobiles Einsatzkommando“, verkündete Borner. „Was denn für ein Einsatzkommando?“ wunderte sich Teggar. „Ach, ein paar Terroristen, die dafür sorgen, daß sich niemand eine kritische Bemerkung Ihnen gegenüber erlaubt.“ „Das lob ich mir. Fahren Sie fort!“ „Nun ja, es geht ganz einfach darum, den Leuten das zu versprechen, was sie sich wünschen. Im Grunde ist so eine Wahl ja nichts Anderes, als wenn man sich zum Beispiel einen Videorecorder kauft. Der einzige Unterschied besteht darin, daß der Recorder meistens die Erwartungen erfüllt, ganz im Gegensatz zu einem Präsidenten, wenn der erst gewählt ist.“ Alle lachten. Neben Borner und Teggar befanden sich noch Mary Leeson, Carl Rudolphs und George Florten im Raum. Jene gehörten zu Teggars Wahlkampfteam, wobei Borner ihr Boß war. Wieder ergriff Borner das Wort. „Wir müssen nun versuchen, erst einmal Glime unwählbar zu machen. Deshalb habe ich eine Menge Detektive und Journalisten auf ihn angesetzt, die ein paar krumme Dinge von ihm aufdecken sollen.“ „Und was ist dabei herausgekommen?“ wollte Teggar wissen. „Nichts. Der Kerl ist absolut sauber. Außer einem Seitensprung können wir ihm nichts nachweisen und das ist ja leider ein Kavaliersdelikt bei uns, wie es scheint. Deshalb müssen wir weiterhin mit Verleumdungen arbeiten, was sich auch ganz gut machen läßt. Natürlich gilt es nach wie vor, alle Gesellschaftsschichten mit unserem Programm zu erreichen. Zu diesem Zweck haben unsere Meinungsforscher große Umfragen gestartet und die Leute gefragt, was sie sich wünschen. Nun brauchen Sie, Herr Teggar, nur noch das versprechen, was sich die Leute wünschen und die Sache ist geritzt“, erklärte Borner. „Das hört sich alles ganz einfach an, aber glauben Sie wirklich, daß es so leicht werden wird?“ erkundigte sich jener. „Also, ich bitte Sie. Wir schreiben Ihre Reden, wir arrangieren Ihre Auftritte, da kann gar nichts mehr schiefgehen. Die Leute wollen einen Präsidenten haben, der ihre Wünsche erfüllt. Und vor der Wahl können Sie ja nur versprechen. Versprechen sind unverbindlich und damit haben Sie es leicht, weil Sie, wenn Sie an der Macht sind, nichts davon einhalten müssen.“ „Das ist auch gut so. Manchmal fällt es mir nämlich schon schwer, Sachen zu sagen, die ich für total falsch halte.“ „Es geht nur darum, die Wähler zu betrügen. Das ist das ganze Geheimnis.“ „Also gut, das kann ich. Womit fangen wir heute an?“ „Mit einer heiklen Sache. Einem Besuch in einem Gefängnis. Sagen Sie den Leuten dort um Gottes Willen bloß nicht, daß Sie überall die Todesstrafe wieder einführen wollen“, bat Borner. „Wie Sie wünschen. Wo haben Sie denn meine Rede?“ „Hier, bitte sehr. Lesen Sie sich die gut durch, damit Sie sich nicht versprechen.“

Es war ein großes Gefängnis in Santa Fe, das sich Borner für den Wahlkampf ausgesucht hatte. Mit kritischen Blicken wurde Teggar gemustert, weil er doch eher einem Scharfrichter, als einem Präsidenten ähnelte. „Meine lieben Freunde, ich weiß, daß Ihr es hier bestimmt nicht leicht habt und ich kann verstehen, daß Ihr Euch für alles Andere interessiert als für die Präsidentschaftswahlen. Dennoch bin ich heute zu Euch gekommen und zwar aus einem ganz einfachen Grund“, verkündete Teggar und begann plötzlich zu stocken, weil neben ihm ein Mann stand, der in einer fremden Sprache redete. „Das ist der Dolmetscher für die mexikanischen Häftlinge. Machen Sie weiter!“ zischte Borner und Teggar fuhr fort: „Ihr Schicksal liegt mir sehr am Herzen und ich will dafür sorgen, daß Ihnen Ihre Haft erheblich erleichtert wird. Natürlich kann ich das nur, wenn ich gewählt werde, aber trotzdem will ich mal einen Ausblick wagen, was für eine schöne Zukunft Euch blühen würde, wenn ich Präsident werde. Ihr würdet jede Woche Freigang bekommen, Euer Essen würde besser werden und auch die Freizeitmöglichkeiten würden sich erheblich verbessern. Außerdem verspreche ich Euch, daß Ihr alle die Chance bekommt, Eure Unschuld zu beweisen und daß zweifelhafte Urteile noch einmal ganz genau geprüft werden. Mit mir als Präsidenten bräuchtet Ihr Euch keine Sorgen um Eure Zukunft machen müssen, weil Ihr nach dem Ende Eurer Haft sogleich in den Arbeitsprozeß eingegliedert werdet“, berichtete Teggar der erstaunten Menge. „Lügner!“ schrie einer aus den hinteren Bänken und wurde sofort von einem Aufseher entfernt. Danach mußte sich Teggar noch einem Gefangenen widmen, damit die Fernsehaufnahmen vollständig im Kasten waren. „Wie geht es Ihnen?“ fragte er einen jungen Mann, der einen leicht verwirrten Eindruck machte. „Na ja, ich würde gerne mal einen Tag in Freiheit leben“, meinte der. „Das werden Sie, das dürfen Sie mir glauben. Sobald ich an der Macht bin, wird es auch Euch besser gehen.“ „Das ist schön, da freu ich mich aber.“ „O.k. Die Aufnahmen sind im Kasten!“ rief der Kameramann. Teggar wollte aufstehen, als ihn der Häftling am Ärmel packte. „Noch etwas. Wann kriege ich endlich meine Drogen?“ fragte er. „Laß mich los, Du Asozialer! Einen Dreck bekommst Du!“ schrie Teggar. Borner warf ihm einen finsteren Blick zu. „Ach so, die Wahl ist ja noch nicht vorbei. Ich werde dafür sorgen, daß Du Deinen Stoff kriegst“, versprach er und ging. „Denken Sie daran: Ganz egal was die Leute von Ihnen fordern, versprechen Sie es!“ bleute Borner Teggar zum wiederholten Male ein. „Das sagen Sie so leicht. Ich bin das Lügen zwar gewohnt, aber manchmal ist es ganz schön schwierig“, verteidigte sich Teggar. „Keine Angst! Mit Leuten wie diesen werden Sie nicht mehr viel zu tun haben. Es ging nur darum, der Bevölkerung zu zeigen, daß Sie sich um alle Menschen kümmern“, bemerkte Rudolphs. „Aber habe ich damit nicht meine Stammwähler verschreckt?“ fragte Teggar. „Normalerweise schon, aber bei uns nicht. Wir haben denen schon im Voraus erklärt, wie wir vorgehen müssen. Die sind alle eingeweiht und kennen unsere Tricks“, stellte Leeson klar. „Schön, dann bin ich ja beruhigt. Also Frank, wohin schicken Sie mich als nächstes?“ „Das soll eine Überraschung werden.“ „Ihre Überraschungen kenne ich. Nein, sagen Sie es mir jetzt!“ „Also gut, aber dazu muß ich ein bißchen ausholen. Wie Sie wissen hat Glime einen sehr großen Zuspruch bei den Minderheiten. Nun müssen wir uns natürlich auch dort blicken lassen, um auch bei denen Punkte zu machen.“ „Kommen Sie zur Sache. Wohin geht es?“ „Nach San Francisco.“ „Schön. Wo ist das Problem?“ „Ihre Zuhörer sind ein bißchen anders.“ „Glauben Sie bloß nicht, daß ich vor Ausländern eine Rede halte. Das können Sie von einem Republikaner nicht verlangen.“ „Das tue ich auch nicht, weil wir damit unsere Stammwähler zutiefst schockieren würden. Nein, ganz so schlimm ist es nicht. Sie brauchen nur vor Schwulen, Lesben und Transvestiten reden.“ „Was! Sind Sie verrückt geworden! Nein, das mache ich nicht!“ „Wollen Sie Präsident werden?“ „Ja.“ „Na also.“ „Trotzdem. Wieso tun Sie mir das an?“ „Beruhigen Sie sich. Das geht alles schnell vorbei. Allerdings würde ich Ihnen empfehlen, Ihre Stimme ein bißchen zu ändern, damit man Sie besser versteht, Sie verstehen?“ „Ich soll also die Sprache der Tunten benutzen?“ „Genau das meinte ich.“ „Also gut. Aber eines sage ich Ihnen: Wenn wir deswegen die Wahl verlieren, dann schicke ich Sie in die Schwulenviertel und lasse Sie vergewaltigen!“ „Ja, ja, jetzt fangen Sie aber bitte mal an“, meinte Borner, als sie aus der Limousine stiegen. Etwas erschrocken war Teggar schon, als er den Leuten ins Gesicht schaute. „Mein Gott, wie sehen die denn aus?“ dachte er sich. Kurz darauf begann er mit seiner Rede. „Hallo Freunde! Ich weiß, daß man immer wieder versucht Euch weiszumachen, daß wir Republikaner etwas gegen Euch haben. Aber das ist nicht wahr. Um das zu beweisen bin ich heute zu Euch gekommen. Auch Ihr sollt heiraten dürfen und wie ganz normale Ehepaare behandelt werden, weil Ihr Menschen seid. Alles Andere ist gelogen. Ich verspreche Euch, daß ich als Präsident dafür sorgen werde, daß Ihr weder von der Polizei, noch von Mitmenschen verfolgt und geschlagen werdet. Glaubt mir, mit mir werdet Ihr noch viel Freude haben. Auch Eure Treffpunkte werden in Zukunft nicht mehr angezündet werden und ich werde alles dafür tun, daß Ihr einen Platz in der amerikanischen Gesellschaft bekommt, weil Ihr Euch den wirklich verdient habt.“ Tosender Applaus war zu hören. Aber als Teggar die Leute anfassen sollte, zierte er sich doch ein wenig. Erst als die Kamera an war, ließ er seine Scheu ab und es kam sogar dazu, daß ihn ein Mann küßte. Angewidert verließ Teggar nach einer gewissen Zeit den Ort und stauchte wenig später Borner im Flugzeug zusammen. „So! Sind Sie jetzt zufrieden? Wahrscheinlich werde ich nun in ganz Amerika als Schwuchtel bekannt werden!“ schimpfte er. „Ach was! Das schneiden wir doch wieder raus. Es ging in dieser symbolischen Szene nur darum, daß Sie von denen anerkannt werden und das haben Sie bravourös gemeistert. Herzlichen Glückwunsch! Nicht einmal Glime hätte sich das getraut und das heißt, daß Sie ihm auch bei den Minderheiten dicht auf den Fersen sind. Aber warum haben Sie Ihre kleine Jugendgeschichte ausgelassen?“ „Das war ja die Höhe! Wie kommen Sie darauf, daß ich sehr intime Berührungen meines Onkels erdulden durfte?“ „Das war doch nur so gesagt, damit die Leute Vertrauen zu Ihnen fassen.“ „Trotzdem, so etwas konnte ich einfach nicht vorlesen. Haben Sie noch mehr so Schreckensplätze mit Verrückten für mich auf Lager?“ „Das ist Ansichtssache. Jetzt geht es erst einmal nach New Jersey, wo Sie auf einem Stützpunkt eine Rede halten werden.“ „Oh, das gefällt mir gut. Endlich mal ein Heimspiel“, freute sich Teggar. Stunden später stand er vor gut 1500 Soldaten und sprach: „Meine lieben Soldaten, ich bin sehr stolz auf Euch. Aber nicht nur ich, nein, alle Amerikaner sehen mit großer Genugtuung, daß es immer noch gute Menschen gibt, die ihrem Land dienen und dafür sorgen, daß wir Amerikaner auf der ganzen Welt so beliebt sind. Ich erinnere mich gerne an meine Zeit bei der Armee, aber ich will Euch jetzt nicht mit meinen Anekdoten langweilen. Schließlich geht es um viel wichtigere Dinge und zwar darum, Amerika wieder zur uneingeschränkten Weltmacht zu machen, deren Wort mehr zählt als das aller anderen Staaten. Das sehe ich als eine meiner Hauptaufgaben und auch Ihr könnt etwas dafür tun, nämlich indem Ihr mich wählt. Selbstverständlich halte ich eine allgemeine Wehrpflicht für absolut notwendig, weil es nicht sein kann, daß die Einen im Krieg ihr Leben riskieren, während sich die Anderen zu Hause einen faulen Lenz machen.“ Beifall kam auf. „Ich weiß, daß ich mich auf Euch verlassen kann und ich verspreche Euch, daß es vom Tage meiner Wahl zum Präsidenten an eine große Kampagne für die Armee geben wird. Ihr werdet Euch jetzt fragen was das bringen soll und das sollt Ihr natürlich erfahren. Ihr werdet nicht nur noch mehr Ruhm und Anerkennung, sondern auch viel mehr Geld bekommen, weil Mut einfach belohnt werden muß! Dankeschön!“ schloß Teggar, aber es blieb ruhig. „Klatschen!“ befahl der Kommandant und plötzlich kam der Beifall wie aus der Pistole geschossen. Für die Soldaten nahm sich Teggar unglaublich viel Zeit, was Borner in Panik versetzte, weil es ja noch genügend zu tun gab. Jedoch ließ sich Teggar nicht reinreden und so kam es, daß er sich noch mit einem General in dessen Büro ungestört unterhielt. „Na, dann erzählen Sie mir doch mal, was Sie auf dem Herzen haben!“ forderte Teggar sein Gegenüber auf, das sich nicht lange bitten ließ. „Na ja, den Soldaten gefällt es nicht, daß die Schießübungen nur mit Zielscheiben oder anderen Dingen stattfinden. Sie hätten gerne lebendige Zielscheiben.“ „Kein Problem. Sie brauchen nur sagen, was für welche und wenn ich Präsident werde, wovon ich unter uns gesagt überzeugt bin, dann bekommen Sie alles sofort geliefert.“ „Meinen Sie das wirklich ernst?“ „So wahr ich hier vor Ihnen sitze.“ „Wunderbar. Also, Sie wissen ja, daß die meisten Soldaten bei uns negerfeindlich eingestellt sind, wie es sich ja auch gehört. Darum würden wir gerne Neger als Zielscheiben haben. Am besten so an die 20000, weil die ja sehr schnell kaputt gehen und außerdem sollen meine Jungs ja ihren Spaß haben.“ „Ganz klar. Gut, ich werde also dann mal so ein Ghetto leer räumen und den Inhalt zu Ihnen schicken lassen.“ „Das wäre toll. Wissen Sie, das ist halt ganz was Anderes mit so lebendigen Zielscheiben. Da macht halt alles viel mehr Spaß und ist auch realistischer.“ „Keine Frage. Und was gibt es sonst noch zu berichten?“ „Leider werden wir momentan sehr kurz gehalten. Für fast jedes Kampfflugzeug brauchen wir eine Genehmigung und auch in Sachen Atomwaffen tut sich beängstigend wenig.“ „Auch das werde ich ändern. Das wäre doch gelacht, wenn wir nicht die ganze Welt unter Kontrolle bekämen.“ „Genau. Nicht einmal den Irak haben wir ein zweites Mal angreifen dürfen. Noch heute ärgere ich mich über diesen Waffenstillstand. Wir hatten schon 68 von Saddams 120 Doppelgängern erledigt, aber mittlerweile hat er wieder Nachwuchs gefunden.“ „Ach, den Hussein, den erledigen wir mit dem linken Zeigefinger.“ „Dann doch lieber mit dem rechten.“ „Ich weiß was Sie meinen. Also, mein lieber General: Bleiben Sie so schön auf Zack und vergessen Sie nicht: Der Posten des Verteidigungsministers ist noch frei.“ „Oh, das ist mir aber eine Ehre, daß Sie dabei an mich denken.“ „Natürlich. Gute Leute mit einem gesunden Menschenverstand braucht das Land.“ „Ganz meine Meinung. Herr Teggar, meine Stimme haben Sie.“ „Na, das will ich aber auch schwer hoffen. Dann machen Sie den Jungs mal Beine und sorgen Sie dafür, daß die erfahren, wo man bei der Wahl das Kreuz hinmacht!“ „Keine Sorge, das wissen die schon. Dafür haben wir ja den republikanischen Staatsbürgerkundeunterrricht.“ „Jawohl, so gefällt mir das. Also, ich muß jetzt weiter. Sie wissen schon, Wahlkampf und so.“ „Das schaffen Sie schon. Amerika braucht Sie.“ „Vielen Dank und bis bald“, meinte Teggar und verließ nur ungern den Stützpunkt, wo er förmlich aufgeblüht war. „Frank, so etwas müssen wir öfter machen“, sagte er Borner, als sie wieder in der Luft waren. „Das geht aber leider nicht“, entgegnete der. „Aber wieso denn nicht?“ „Weil Sie dort Ihre Stimmen schon sicher haben. Wir müssen dorthin, wo Sie schlecht stehen.“ „Was sagen eigentlich die neuesten Umfragen?“ „Es wird ganz spannend. Glime hält sich wacker und es wird wahrscheinlich verdammt eng werden. Er kommt auf 43 Prozent und Sie kommen auf 40 Prozent.“ „Was ist mit den restlichen 17 Prozent?“ „Die bekommt so ein Sektenguru, der jede Menge Anhänger hat.“ „Mensch, so etwas müßte man verbieten. Der nimmt mir die ganzen Stimmen weg.“ „Dagegen können wir nichts machen. Legen Sie sich lieber nicht mit dem an, das bringt nämlich nichts. Ihr Gegner ist Glime und den müssen Sie besiegen.“ „Aber warum ist er in den Umfragen immer noch vor mir?“ „Das weiß ich auch nicht. Wahrscheinlich ist Ihre Botschaft noch nicht überall angekommen. Aber immer mit der Ruhe. Der Wahlkampf dauert noch lange und es ist noch nichts verloren.“ „Das sagen Sie auch nur, damit Sie nicht gefeuert werden.“ „So ist es.“ „Na ja, mir ist es lieber so als umgekehrt. Jetzt wird es aber höchste Zeit, mal etwas zu essen, finden Sie nicht?“ „Einen Augenblick!“ meinte ein Steward, der in der Nähe stand und rollte eine Menge Eßbares heran. „So gehört sich das“, meinte Teggar schmatzend. „Tja, auf Kosten der Partei läßt es sich gut leben“, stimmte Florten hinzu. „Aber vergeßt nicht, daß wir auch gewinnen müssen. Sonst verlangt die Partei alles zurück“, warf Leeson ein. „Na ja, dann kotzen wir halt alles wieder heraus“, prustete Borner und verbesserte so die Stimmung an Bord.

Nach der Mahlzeit versuchte Borner, Teggar auf seinen nächsten Auftritt einzustimmen. „So, nun sind Ihre intellektuellen Fähigkeiten gefragt.“ „Was meinen Sie denn damit?“ wunderte sich Teggar. „Es geht an die Uni.“ „Was! Ich soll mich mit diesem Studentenpack abgeben? Das kann doch nicht Ihr Ernst sein.“ „Er ist es aber. Gerade bei den Studenten müssen wir Stimmen gutmachen, weil Sie sonst Ihre Wahl vergessen können.“ „Na gut. Was tut man nicht alles für die Macht.“ „Das ist die richtige Einstellung.“ „Aber was mache ich, wenn mir ein paar Studenten blöde Fragen stellen?“ „Keine Angst, soweit wird es nicht kommen. Wir haben drei Leute ausgesucht, die Ihnen je eine Frage stellen werden. Die Antworten stehen mit auf dem Zettel, auf dem auch Ihre Rede steht. Alles klar?“ „Na wenn das so ist. So eine Organisation lobe ich mir.“ „Das muß schon so sein. Schließlich darf nichts schiefgehen. Also, viel Glück“, meinte Borner, bevor sie das Flugzeug verließen. „Was soll das heißen? Kommen Sie etwa nicht mit?“ „Doch. Aber reden müssen Sie ganz allein.“ „Das werde ich schon schaffen. Denn wenigstens brauche ich ja die Texte nicht selber schreiben, was ich auch nicht könnte.“ „Das weiß ich doch.“ Einige Minuten später stand Teggar vor gut 500 Studenten in der Harvard Universität und versuchte, neue Wähler für sich zu gewinnen. „Meine lieben Freunde und Freundinnen, ich will Euch ein bißchen was über das Amerika der Zukunft erzählen. Durch die Globalisierung wird immer mehr Innovation erforderlich sein. Natürlich müssen wir weiterhin Arbeitsplätze schaffen, wobei hierfür vor allem der Dienstleistungssektor in Frage kommt. Zwar gibt es dort nicht die großen Summen zu verdienen, aber man kann gut von dem Geld leben. Für Sie ist das alles selbstverständlich kein Thema, weil Sie alle zu Höherem berufen sind. Sei es in der Wirtschaft, in der Justiz, in der Politik oder anderswo. Da es die Demokraten jahrelang versäumt haben für einen Aufschwung zu sorgen, will ich es mit neuen Methoden versuchen.“ „Welche Methoden werden das sein?“ fragte ein Student. „Das war eine gute Frage, auf die ich sogleich eingehen will. Wie ich sehe sind Sie sehr interessiert, was mich ungeheuer freut. Zunächst gilt es dafür zu sorgen, daß in Amerika wieder der Spaß an der Arbeit wichtiger wird. Was bringt es mir wenn ich 5000 Dollar im Monat verdiene und rund um die Uhr Streß habe? Schließlich wollen wir und bestimmt auch Ihr unser Leben auch genießen und das nicht nur in der Freizeit. Auch die Bereitschaft zum Dienen muß wieder in den Vordergrund rücken, was Euch natürlich weniger betrifft. Eines kann ich Euch jetzt schon versprechen: Für jede und jeden von Euch steht ein Job bereit, der Euch fordert, aber auch Spaß machen wird. Verlaßt Euch auf mich, weil ich überhaupt nicht lügen kann.“ „Welche Änderungen würde es unter einer Präsidentschaft Ihrer Person geben?“ wollte eine Studentin wissen. „Diese Frage ist auch sehr gut und absolut berechtigt. Nun, wir werden vor allem erst einmal dafür sorgen, daß die Wirtschaft noch mehr Gewinne abwirft, weil da noch viel herauszuholen ist. Des weiteren werden wir der ganzen Welt beweisen, daß wir Amerikaner die Weltmacht Nummer eins sind und daß man uns nicht auf der Nase herum tanzen kann. Alle Menschen werden mehr verdienen, wodurch die Kaufkraft gestärkt und damit die Wirtschaft angekurbelt wird. Gibt es noch weitere Fragen?“ „Warum sollten wir gerade Sie und nicht Glime wählen?“ erkundigte sich ein Student. „Damit wären wir bei dem Thema schlechthin angelangt. Glime ist ein notorischer Lügner, der versucht, sich immer nach dem Volk zu richten, um es dann zu betrügen. Im Gegensatz zu mir will Glime nur die Macht. Mir aber geht es um das Wohl des amerikanischen Volkes und vor allem um das Wohl der Jugend, da sie in Zukunft sehr viel Mitspracherecht haben wird. Natürlich nur dann, wenn ich der Präsident werde.“ Einem Studenten wurde die ganze Sülzerei doch zu dumm. Deshalb rief er: „Wissen Sie überhaupt, was Sie sagen?“ „Moment, diese Frage steht nicht auf meinem Zettel. Aber das ist eine gute Frage. Nun ja, ich denke schon, aber garantieren kann ich es Ihnen nicht“, meinte Teggar leicht verwirrt. Sofort ließ Borner die Veranstaltung abbrechen und brachte Teggar zum Flugzeug. „Na, da haben Sie uns wieder was eingebrockt“, bemerkte er leicht verärgert. „Wieso ich? Diese Frage war nicht erlaubt. Schreiben Sie den Kerl auf meine Liste!“ befahl Teggar. „Was soll das eigentlich mit dieser Liste? Was haben Sie damit vor?“ „Na ja, Ihnen kann ich es ja sagen. Aber jetzt lesen Sie mir bitte erst einmal vor, was da drauf steht.“ „Also gut. Ausländer, Neger, Schwule, Krüppel und noch ein paar einzelne Namen, mit denen ich nicht viel anfangen kann.“ „Das sind all die Leute, die meine Rache spüren werden, wenn ich Präsident bin.“ „Na, da haben Sie ja viel vor.“ „Das will ich meinen. So eine Unverschämtheit! Stellt dieser Idiot doch so eine schwierige Frage.“ „Die war nicht schwierig. Sie hätten nur ja sagen brauchen. Jetzt sind wir bei den Studenten unten durch.“ „Umso besser. Mit diesem Gesindel habe ich eh nichts anfangen können.“ „Dieses Gesindel, wie Sie es nennen, kann genauso wie jede andere Bevölkerungsschicht die Wahl entscheiden.“ „Na und? Dann muß ich mir halt woanders die Stimmen holen. Das dürfte ja wohl nicht so schwer sein.“ „Hoffentlich. Schlimmer kann es eh nicht mehr werden. Nur gut, daß ich die Presse unter Kontrolle habe, denn sonst wären wir die Lachnummer schlechthin.“ „Wohin fahren wir jetzt?“ „Wir fliegen. Wir sind noch nie gefahren. Ich hätte Ihnen doch einen Sprachlehrer zuteilen sollen.“ „Wieso? Ich kann doch lesen.“ „Schon. Mehr aber auch nicht. Wir fliegen nach Detroit. Dort werden Sie in einer Autofabrik auftreten.“ „Iiih! Pöbel!“ „Beruhigen Sie sich! Mit diesen Leuten werden Sie nach Ihrer Wahl nichts mehr zu tun haben. Bei den Arbeitern kann man sich wenigstens darauf verlassen, daß sie keine dummen Fragen stellen. Die sind froh, wenn sie nach Hause können.“ „Das paßt. Ich möchte nämlich nicht allzu lange mit diesen Leuten zusammensein.“ „Reißen Sie sich zusammen! Wenn Sie sich lächerlich machen wollen, dann heuern Sie bei einer Comedysendung an. Sie sind der Präsidentschaftskandidat der Republikaner. Für Sie heißt es: Haltung bewahren und möglichst ehrlich lügen.“ „Also gut. Was sein muß, muß sein.“ „Genau. Genießen Sie es. Danach kommt Ihre Frau wieder zu Ihnen.“ „Oh nein! Schon wieder? Die war doch erst gestern bei mir.“ „Sie haben sie geheiratet.“ „Muß man denn für jeden Fehler so grausam bestraft werden? Aber eines sage ich Ihnen: Wenn ich Präsident werde und im Weißen Haus lebe, dann fordere ich getrennte Schlafzimmer.“ „Ja ja, schon gut. Beeilen Sie sich! Die Arbeiter warten nicht gerne. Die wollen Feierabend machen.“ „Stinkfaules Pack. Was könnte ich über die schimpfen, wenn ich nicht ihre Stimme brauchen würde.“ Es herrschte eine gereizte Stimmung in besagter Autofabrik, was daran lag, daß der Chef den Arbeitern soeben mitgeteilt hatte, daß alle ihre Arbeitsplätze in großer Gefahr wären, weil man die Fabrik schließen wolle. Natürlich wußten die gut 2500 Arbeiter nicht, daß das alles nur inszeniert war, um Teggar als großen Helden dastehen zu lassen. Die Kameraleute nahmen ihre Position ein, Teggar nahm seinen Zettel zur Hand und verhielt sich genau so, wie es darauf von ihm verlangt wurde. „Guten Tag, meine lieben Freunde! Eigentlich wollte ich Euch mein Regierungsprogramm vorstellen, aber ich sehe an Euren Gesichtern, daß Ihr irgend etwas auf dem Herzen habt. Sagt es mir doch bitte, vielleicht kann ich Euch ja helfen.“ Selbst Borner wunderte sich über Teggars Schauspielkunst, weil der sonst eher hölzern wirkte. „Wir haben soeben erfahren, daß unsere Arbeitsplätze in Gefahr sind“, erzählte ein Mann, der den Tränen nahe war. „Du meine Güte, das darf doch wohl nicht wahr sein. Da ist Handeln gefragt. Einen Augenblick, meine lieben Freunde, ich werde sehen, was sich machen läßt“, versprach Teggar und wandte sich an den Chef der Firma. Als Außenstehender konnte man meinen, daß Teggar den Fabrikboß wie einen kleinen Schuljungen zusammenstauchte und genau so war das auch gedacht. Es freute die Arbeiter, zu sehen, daß es jemanden gab, der ihrem Chef die Meinung geigte, weil sie halt nicht wußten, daß alles nur Show war. Nach gut fünf Minuten stellte sich der Chef der ganzen Fabrik ans Rednerpult und verkündete: „Ich habe gerade erfahren, daß es für Euch eine klitzekleine Hoffnung gibt. Allerdings solltet Ihr Euch nicht zu früh freuen, weil noch nichts sicher ist. Es geht um folgendes: Momentan ist unsere Fabrik hier unrentabel, weil die Demokraten total industriefeindliche Gesetze gemacht haben. Wenn sie wieder den Präsidenten stellen, dann gibt es für uns nur eine Möglichkeit: Nämlich ins Ausland zu verlagern. Soeben habe ich aber gehört, daß die Republikaner neue Gesetze machen wollen, mit denen wir uns anfreunden könnten, weil sie die Sache für uns wieder rentabel machen würden. Darum bleibt für uns alle nur zu hoffen, daß ein Republikaner Präsident wird.“ Danach kam noch einmal Teggar ans Rednerpult. „Liebe Freunde, das klingt jetzt alles so, als wolle man Euch zwingen mich zu wählen, damit Ihr Euren Arbeitsplatz behaltet. So ist es aber nicht. Bei der Wahl sollt Ihr selbstverständlich den Mann oder die Frau zum Präsidenten wählen, die Ihr für dieses Amt lieber habt. Dabei sollten persönliche Faktoren wie die eigene Arbeitsplatzsicherung natürlich nicht die Hauptrolle spielen. Ich kann Euch zwar garantieren, daß Ihr Euren Arbeitsplatz nicht verlieren werdet, falls ich an die Macht komme, aber deshalb seid Ihr noch lange nicht verpflichtet, mich zu wählen. Trotzdem würde ich mich natürlich über jede Stimme freuen. Dankeschön.“ Wie nicht anders zu erwarten war brandete tosender Applaus auf, weil nun alle wieder ein Licht am Horizont gesehen hatten. Kurz darauf saß Teggar mit seinen Leuten wieder im Flugzeug. „Das haben Sie gut hingekriegt, Herr Borner. Also wirklich, ich muß schon sagen: Sie verstehen etwas vom Wahlkampf“, lobte Teggar seinen Chefberater. „Na ja, eigentlich ist es ja ganz einfach: Man muß nur mit den Ängsten der Menschen spielen, wenn man an die Macht will. Und die meiste Angst haben die Leute halt um ihren Arbeitsplatz.“ „So wie es sich gehört. Da fällt einem das Stimmen sammeln schon viel, viel leichter. Könnten wir so etwas nicht öfter machen?“ „Nein, sonst könnte es zu auffällig werden. Eine Firma retten, das ist nobel. Bei mehreren werden sofort Spekulationen laut. Das sollten wir bleiben lassen.“ „Wie Sie meinen. Sie sind der Wahlkampfexperte. Und das Schönste daran ist, daß ich Sie für alles verantwortlich machen kann, wenn es nicht hinhaut.“ „Daran wollen wir doch nicht denken. Also, ich glaube ins Disneyland brauchen wir nicht, weil die Leute dort zum großen Teil eh nicht wählen dürfen.“ „Das wäre aber auch die Höhe, wenn Goofy und Donald Duck das Wahlrecht hätten.“ „Ich würde sagen, wir fliegen jetzt nach Chicago.“ „Das trifft sich gut. Ich hätte da noch ein paar Geschäfte mit ein paar Freunden von der Mafia zu erledigen.“ „Das geht jetzt nicht. Im Wahlkampf können Sie nicht mit zwielichtigen Personen auftreten.“ „Ich will ja nicht mit ihnen auftreten. Ich will nur ein bißchen Geld von ihnen.“ „Sie haben genug Geld. Nein, ich hab’s! Wir schauen uns ein Spiel der Chicago Bulls an. Das wird in der Öffentlichkeit gewiß honoriert.“ „Also, das ist doch wirklich eine Unverschämtheit, wie die Leute mit unserer Polizei umgehen. Ich bin ja auch für den Polizeisport, aber daß man das so im Namen zeigen muß ist schon eine Schande.“ „Tut mir leid, Herr Teggar, ich kann Ihnen da nicht ganz folgen.“ „Es ist eine Frechheit, unsere Polizisten öffentlich so bloßzustellen. Die Chicagoer Bullen. Also wirklich, etwas so Geschmackloses habe ich noch nie erlebt!“ „Da kann ich Sie beruhigen. Damit sind nicht die Polizisten gemeint.“ „Na, dann ist es ja gut. Muß meine Frau auch mit?“ „Natürlich. Es wird immer gern gesehen, wenn sich Frauen für einen Männersport interessieren.“ „Muß ich denn schon wieder neben ihr sitzen?“ „Na klar. Wir wollen zwar auffallen, aber nicht so, daß Spekulationen über Ihr Privatleben aufkommen könnten.“ „Also gut. Was tut man nicht alles für die eigene Machtgier.“ „Ach ja, benehmen Sie sich jetzt bitte anständig. Gleich wird Ihre Frau zusteigen.“ „Mist! Ich bin in meiner Kabine.“ „Wir sind hier im Flugzeug.“ „Gut, dann bin ich halt auf dem Klo.“ Wenig später saß Teggar neben seiner Linda und stritt sich mal wieder mit ihr. „Was soll denn das? Das ist jetzt schon der dritte Pelzmantel in zwei Tagen. Bald wird den Bären das Fell ausgehen!“ schimpfte er. „Ich als zukünftige Präsidentengattin muß doch schön aussehen.“ „Da hilft Dir aber ein Pelzmantel nicht weiter. Da muß schon der Schönheitschirurg ran.“ „Was erlaubst Du Dir! Früher habe ich Dir auch gefallen.“ „Früher hatte ich noch keine Kontaktlinsen. Aber laß uns jetzt nicht streiten. Das können wir nach meiner Wahl noch oft genug.“ „Du hast Recht. Was machen wir heute Abend?“ „Ein Basketballspiel anschauen.“ „Du meine Güte! Da muß ich mir noch was zum Anziehen kaufen. Anhalten! Sofort anhalten!“ brüllte Linda Teggar, aber es half nichts. Am Abend dann saßen sie zu zweit beim Spiel der Chicago Bulls gegen Utah Jazz. Neben Teggar saß der Bürgermeister von Chicago, der selbstverständlich ein Parteifreund war. Da Borner nicht in der Nähe war, konnte Teggar seine Dummheit einmal mehr unter Beweis stellen. „Sollte man diese Körbe nicht etwas weiter herunterlassen, damit es die Spieler nicht so schwer haben, hinein zu treffen?“ fragte er den Bürgermeister. „Nein, das ist ja der Sinn der Sache. Sonst wäre es ja zu einfach.“ „Sagen Sie mal, was verdient denn so ein Basketballer eigentlich?“ „Na ja, ein paar Millionen Dollar im Jahr.“ „Was! Nur dafür, daß er mit einem Ball auf so einen Korb wirft?“ „Ja, das ist ein Leistungssport, da gibt es viel zu verdienen. Aber das ist noch nicht alles. Sehen Sie den Glatzkopf, der soeben einen Korb gemacht hat?“ „Der hat doch keinen Korb gemacht, der hat doch nur den Ball durch den Korb durch geworfen.“ „Das ist dasselbe. Der verdient an die 70 Millionen Dollar im Jahr.“ „Wieso das denn? Weil er so groß ist oder was?“ „Sie sind ein guter Komiker. Nein, weil er so gut und beliebt ist und viele Sponsoren hat.“ „Sagen Sie mal, könnten wir Politiker uns nicht auch so Sponsoren zulegen?“ „Das haben wir doch schon. Was glauben Sie denn, wer Ihren Wahlkampf finanziert?“ „Ah, ich verstehe. Jawohl, auf die amerikanische Wirtschaft kann man sich halt verlassen.“ „Herr Teggar, da muß ich Ihnen leider widersprechen. Es wird Sie wundern das zu hören, aber die Bestechungsgelder werden von Jahr zu Jahr weniger.“ „Wieso das denn?“ „Es läuft alles verrückt. Mittlerweile müssen wir den Firmen Geld geben, damit sie uns nicht davonlaufen.“ „Das wird es unter meiner Herrschaft nicht mehr geben.“ „Das ist schön.“ Daraufhin wandte sich Teggar an seine Frau. „Na mein Schatz, wie gefällt es Dir denn? Nicht schlecht. Lauter schöne Männer. Nur der Pelz ist ein bißchen zu warm.“ „Na dann leg ihn halt ab!“ „Das geht nicht. Ich hab nämlich nichts drunter.“ „Bist Du verrückt! Willst Du damit sagen, daß Du unter dem Pelz absolut nackt bist?“ „Ich kann es Dir sogar zeigen.“ „Nein danke, mir ist schon schlecht. Mach das ja nie wieder und behalte auf alle Fälle Deinen Pelz an! Mit Dir kann man ja nirgends hingehen.“ „Mit Dir auch nicht. Da bist Du bei einer Sportveranstaltung und redest nur über Politik.“ „Das geht halt mal nicht anders. Wie Du weißt habe ich von nichts eine Ahnung.“ „Deshalb hat man Dich ja auch zum Präsidentschaftskandidaten gekürt.“ „Genauso ist es. So und jetzt laß mich in Ruhe!“ „Moment, so einfach geht das nicht! In unserem Ehevertrag steht, daß Du jeden Tag mindestens 500 Wörter zu mir sagen mußt. Ich habe mitgezählt. Bisher waren es erst 456.“ „Weißt Du was, Du blöde Kuh! Langsam gehst Du mir auf den Sack!“ „Deshalb kriegst Du den nicht mehr hoch.“ „Wieso rede ich überhaupt noch mit Dir?“ „Weil ich Deine Frau bin.“ „Mußt Du mir denn immer die gute Laune verderben? Da, schau Dir diese Cheerleader an! Das sind halt Frauen!“ „Schau Dir diese Basketballer an! Das sind halt Männer!“ Den restlichen Teil des Spiels verbrachte Teggar mit Schweigen. Am Ende fragte ihn dann der Bürgermeister: „Was meinen Sie, John? Werden es die Chicago Bulls auch diesmal schaffen, Meister zu werden?“ „Gute Frage. Nun ja, ich denke schon. Und wenn nicht, dann macht das auch nichts. Weil einer von ihnen wird ganz bestimmt Meister werden.“ „Wie meinen Sie das?“ „Na ja, der schwarze große Glatzkopf, der soviel Geld verdient. Der kann problemlos im Fernsehen die Meister Proper Werbung für Neger machen“, erklärte Teggar und begann, genauso wie der Bürgermeister, zu lachen. Wenig später verabschiedeten sich die beiden Parteifreunde voneinander und Teggar hatte eine weitere Bewährungsprobe auf dem Weg ins Weiße Haus bestanden.

Eine Bewährungsprobe der anderen Art stand in seinem Hotelbett. Linda hatte ihre Reizwäsche angezogen und wollte mal wieder das, was Teggar mit ihr nicht wollte. Aber dieses Mal kam er nicht drum herum und so brachte er die Qual hinter sich. Am nächsten Morgen stand er vor ihr auf und sprach mit einem seiner Leibwächter. „Könnt Ihr mich nicht vor meiner Frau beschützen?“ fragte er Charlie. „Wieso? War es denn wieder so schlimm?“ meinte der. „Grauenhaft. Lange halte ich das nicht mehr aus.“ „Da können wir aber leider nichts dagegen machen. Laut Gesetz ist der Geschlechtsverkehr mit der eigenen Frau nicht verboten.“ „Aber er muß doch in beiderseitigem Einvernehmen stattfinden?“ „Normalerweise schon. Aber ich kann mir nicht vorstellen, daß Sie Ihre Frau wegen sexueller Belästigung anzeigen wollen.“ „Der Wille wäre schon da, aber leider geht das momentan nicht“, murmelte Teggar und machte sich auf zu seinen Beratern, die bereits über das Tagesprogramm sprachen. „Du meine Güte, Sie sehen aber schlecht aus!“ entfuhr es Borner, als er Teggar sah. „Dafür kann ich nichts. Die volle Verantwortung dafür trägt meine Frau“, erklärte jener. „Da müssen wir aber schleunigst etwas tun. Es kann nicht sein, daß Sie an einem Morgen so fertig und geschafft aussehen. Von nun an haben Sie Sexverbot.“ „Oh, vielen Dank! Bin ich froh, daß ich endlich einen guten Grund habe, um der Alten zu entkommen. Na, was haben Sie denn heute für eine Tortour für mich?“ „Ach, eigentlich nichts Besonderes. Erst einmal fahren wir in eine Schule, wo Sie vor wahlberechtigten Schülern sprechen werden“, berichtete Leeson. Alle standen auf und machten sich auf den Weg. Gut eine Stunde später stand John Teggar vor knapp 50 Schülern und Schülerinnen, die froh waren, dem langweiligen Schulunterricht entkommen zu sein. So wie immer las Teggar von seinem Zettel ab und hoffte, daß niemand eine Frage stellen würde. „Meine lieben jungen Freunde. Auch Ihr dürft bestimmen, welcher Mensch in den nächsten Jahren Euer Land in eine glückliche Zukunft führen soll und darum will ich Euch heute zeigen, daß auch Euch, so wie vielen Anderen, meine Präsidentschaft sehr gut tun würde. Wenn ich an die Macht komme, dann werde ich viel mehr Jugendtreffs, Streetballplätze und andere Sachen bauen lassen, so daß Ihr nie Langeweile haben werdet. Außerdem werdet Ihr dann das Recht bekommen, soviel Alkohol zu trinken wie Ihr wollt und auch viele andere Dinge werden Euch erleichtert werden. Ich habe da zum Beispiel an billigere Zigaretten für junge Leute gedacht.“ Beifall kam auf. Es schien, als würden die Zuhörer Teggars falsche Worte nicht durchschauen, denn auf vielen Gesichtern war ein Lächeln zu sehen. „Ich weiß, wie Ihr Euch fühlt, wenn Ihr den ganzen Vormittag in der Schule sitzen müßt. Aber vergeßt nicht, daß Euch das etwas bringen wird, wenn Ihr später in die Berufswelt einsteigt. Trotzdem plädiere ich dafür die Schulpflicht abzuschaffen und werde mein Bestes dafür geben, daß es soweit kommt. Auf mich könnt Ihr Euch verlassen und ich hoffe, daß auch ich mich auf Euch verlassen kann. Ich danke Euch“, schloß Teggar und wurde mit großem Beifall verabschiedet. Als er neben Borner wenig später im Auto saß, fragte er: „Können Sie mir sagen, wieso ich so eine Scheiße erzählt habe?“ „Alles Wahltaktik. Mit dieser Rede haben Sie sich die Stimme vieler Jungwähler gesichert.“ „Das waren gerade mal 50 Leute.“ „Na und? Die erzählen das weiter und bedrängen ihre Kumpels, auch Sie zu wählen. Das ist halt das Schöne an vielen Schülern: Man kann sie noch beeinflussen und so manipulieren, wie man sie braucht.“ „Da haben Sie Recht. Mir kam es fast so vor, als würden alle diesen Schwachsinn glauben, den ich verzapft habe.“ „Das Gute daran ist, daß sich die jungen Wähler immer erst aufs Kreuz legen lassen, bevor sie beim nächsten Mal nicht mehr wählen. Das müssen wir ausnutzen, daß die ihre Enttäuschung erst noch erleben müssen.“ „Schön. Und wo geht es jetzt hin?“ „Nach Hollywood.“ „Toll! Aber finden Sie es nicht ein bißchen dumm, daß wir hundertmal kreuz und quer über Amerika fliegen?“ „Ganz im Gegenteil. So sind wir immer überall präsent und die Leute merken, daß wir es ernst meinen.“ „Also gut. Und was soll ich diesen verrückten Schauspielern sagen?“ „Ihre Sache. Dafür habe ich Ihnen keine Rede geschrieben, weil diese Leute es schätzen, wenn man sich selbst etwas einfallen läßt.“ „Aber das kann ich nicht.“ „Gut, dann stellen Sie sich an das Mikrofon und sagen zehn Minuten lang nichts. Vielleicht sieht man es ja als Kunst an, wenn Sie Glück haben.“ „Aber was soll ich dort groß sagen? Die Schauspieler haben genügend Geld, genügend Reichtümer und genügend Macht. Was soll ich denen versprechen?“ „Bei denen brauchen Sie sich nur einschleimen. Die müssen Sie nur ein bißchen sympathisch finden, das reicht schon. Alles Andere spielt keine Rolle.“ „Na ja, ich werde es versuchen.“ Es dauerte noch eine ganz schöne Weile, bis man in Los Angeles ankam, was Teggar für einen erholsamen Schlaf nutzte, nach dem er gut gelaunt wieder aufwachte. Doch als er dann vor gut 200 bekannten Größen aus der Filmbranche stand, da war ihm schon ein bißchen mulmig zumute. Wie würden die Leute auf seine Worte reagieren? Er nahm das Mikrofon zur Hand und begann: „Liebe Freunde, ich bin John Teggar und ich freue mich, daß ich lauter so berühmte Persönlichkeiten in meiner Nähe stehen habe. Das ist viel mehr wert, als wenn die ganzen ehemaligen Präsidenten hier wären.“ Mit jenen Worten hatte er das Eis gebrochen und es kam Gelächter auf. „Leute wie Sie sind es, die mich stolz auf dieses Land machen. Auf der ganzen Welt sind Ihre Namen und Werke ein Begriff. Jede und jeder von Ihnen bekommt auf der ganzen Welt mehr Sympathiebekundungen als alle Staatsmänner miteinander und das ist sehr respektabel. Aber auch Sie kennen die Probleme in der heutigen Zeit, die es zu lösen gilt: Es gibt viel zuviel Neid unter den Menschen, so daß bestimmt viele von Ihnen ihren Reichtum und ihren Ruhm überhaupt nicht richtig genießen können, weil sie immer Angst haben müssen, entführt oder beraubt zu werden. Damit hätte es unter meiner Präsidentschaft ein Ende. Ich werde persönlich dafür sorgen, daß jede und jeder von Ihnen fünf Polizisten als ständige Leibwache bekommt, ohne daß Sie dafür einen Cent zahlen müssen.“ Ein Raunen ging durch die Menge. „Des weiteren werde ich mich darum kümmern, daß alle Paparazzi mit größter gerichtlichen Schärfe verfolgt und lange hinter Gitter gebracht werden, damit Sie Ihre wohlverdiente Freizeit genießen können. Auch wenn Sie sich durch aufdringliche Fans gestört fühlen, werden wir Ihnen zur Seite stehn und dafür sorgen, daß Sie nicht belästigt werden“, versprach Teggar. „Das hört sich ja alles ganz gut an, aber wie wollen Sie das machen und vor allem bezahlen?“ wollte ein bekannter Schauspieler wissen. „Genau!“ riefen einige Andere. „Ganz einfach: Die Polizisten bezahlt der Staat, die Richter haben eh nicht genug zu tun und unsere Serviceleute werden ebenfalls vom Staat bezahlt“, erklärte Teggar, woraufhin erneut Beifall aufkam. „Sie sind die wichtigsten Leute in unserem Land und ich werde als Präsident alles dafür tun, daß Sie sich so wohl wie möglich bei uns fühlen!“ rief Teggar. „Und was ist, wenn Sie nicht Präsident werden?“ wollte eine junge Frau wissen. „Tja, dann bleibt leider alles beim Alten. Schließlich kann ich die Konkurrenz nicht zwingen, meine Versprechen einzuhalten“, antwortete Teggar achselzuckend und hatte in jenem Augenblick weitere Stimmen gewonnen. Nach seiner von den Prominenten sehr geschätzten Rede durfte er mit vielen von ihnen noch ein bißchen plaudern, was die Kamera natürlich aufnahm, um für die Werbespots im Fernsehen gutes Material zu haben. Mit stehenden Ovationen wurde Teggar verabschiedet und das erste Mal war er ein bißchen stolz auf sich. „Respekt! Das haben Sie wirklich phantastisch hingekriegt“, meinte Florten anerkennend. „Nun ja, da hat sich die republikanische Schleimschule doch mal ausgezahlt“, stellte Teggar grinsend fest. Er war bester Laune, weil er wußte, daß er mit der Anerkennung bei den Prominenten verdammt viel dazugewonnen hatte. Doch plötzlich sah er, wie eine Frau Faltzettel der Demokraten austeilte. Sofort ließ er den Wagen anhalten und stieg aus. „Guten Tag“, begrüßte er die Frau, die ein wenig verlegen war, weil sie ihn natürlich kannte. „Guten Tag.“ „Warum machen Sie das?“ „Was?“ „Für die Demokraten Zettel austeilen.“ „Wieso? Ist das etwa verboten?“ „Nein, aber wieviel kriegen Sie dafür?“ „Nichts, ich mache das freiwillig.“ „Wußten Sie noch nicht, daß Wahlhelfer normalerweise gut bezahlt werden?“ „Davon habe ich noch nie etwas gehört.“ „Das liegt halt daran, weil Sie leider bei der falschen Partei sind.“ „Das finden Sie.“ „Na ja, bei uns würden Sie für Ihre lobenswerte Arbeit immerhin 100 Dollar bekommen.“ „Nein wirklich?“ „Selbstverständlich. Bar auf die Hand.“ „Nun, also...“ „Was sagen Sie?“ „Würden Sie mich denn das machen lassen?“ „Warum nicht? Ich sehe doch, daß Sie mit dem Herzen bei der Sache sind. Natürlich müßten Sie mir die anderen Zettel geben.“ „Selbstverständlich“, bemerkte die Frau und gab Teggar die Faltzettel der Demokraten. Jener gab ihr 100 Dollar und sagte: „So, dann begrüße ich Sie bei der einzigen Partei, die nicht nur Sprüche reißt, sondern auch Taten folgen läßt.“ Danach stieg er wieder ins Auto ein, zeigte seinen Beratern die Faltzettel und spottete: „Das wird ein schönes Feuerchen.“ „Also ganz ehrlich, Herr Teggar, Sie lernen schnell und gut“, lobte ihn Borner. „Ja, da schauen Sie. Und das Schöne daran ist, daß diese Frau viel Werbung für uns machen wird“, behauptete Teggar. „Das schon. Aber nun werden unsere Leute kommen und auch Geld wollen“, befürchtete Borner. „Wir sagen einfach, das war die Wechselgebühr.“ „Sie sind ein schlauer Fuchs. Soviel Scharfsinn hätte ich Ihnen wirklich nicht zugetraut.“ „Die Macht ist jedes Opfer wert.“ „So ist es. Und darum werden Sie jetzt auch voll Freude zu unserer nächsten Veranstaltung gehen.“ „Diese Anmoderation gefällt mir nicht. Wo liegt der Haken?“ „Sie werden vor sehr vielen äußerst schwergewichtigen Menschen auftreten und ich hoffe, daß Sie sich Ihre Dickenwitze verkneifen können.“ „Ich werde es versuchen. Wo ist meine Rede?“ „Hier.“ „Aber warum ist sie denn in Stein gemeißelt?“ „Stein kann man nicht essen. Eine reine Vorsichtsmaßnahme.“ So stand also Teggar wenig später mit einer Steintafel vor fast 100 beleibten Menschen, an deren Stelle 400 dünne Leute gepaßt hätten. Jene Gedanken gingen Teggar durch den Kopf, als er jene gewaltige Masse sah. „Meine lieben Freunde, ich weiß, daß Ihr es nicht leicht habt, weil Ihr überall verspottet und belächelt werdet. Aber eines sollt Ihr wissen: Ich stehe an Eurer Seite und ich werde mit Euch gegen all diese intoleranten Schweine kämpfen, die es wagen, sich über Euch lustig zu machen!“ Beifall kam auf. „Es kann doch wohl nicht wahr sein, daß in unserem Land Mitmenschen nur wegen ihres Gewichtes diskriminiert werden. Außerdem fördert Ihr viel mehr die Wirtschaft als alle Anderen, weil Ihr dafür sorgt, daß unsere Landwirte durch Euer Geld überleben können! Unter meiner Regierung wird es keine Sonderregeln für Euch mehr geben. Nein, wir werden Euch wieder in die Gesellschaft integrieren, weil Ihr genauso da hinein gehört wie wir!“ Wieder Beifall. „Ich hoffe, daß Ihr immer daran denkt, daß Ihr Euch auf mein Wort verlassen könnt, weil ich es gut mit Euch meine. Darum habe ich Euch allen auch eine kleine Leckerei mitgebracht“, erzählte Teggar und riß ein großes Tuch von einem großen Tisch, auf dem lauter leckere Sachen standen. „Laßt es Euch schmecken, meine Freunde und denkt daran, daß kein Pfund ein Pfund zuviel ist!“ rief Teggar und versuchte dann, schleunigst zu entkommen, bevor ihn die rasenden Massen, die auf dem Weg zum Tisch waren, überrollen konnten. Die Flucht gelang und während Teggar bereits wieder im Auto bei seinen Beratern saß, stopften die hungrigen Dicken an der Tafel ihre Mäuler. Schlauerweise hatte man an den Tisch überall Bilder von Teggar hingestellt, so daß er ihnen selbst beim Essen nicht aus dem Kopf ging. Auch wenn die Dicken des Landes nicht mehr als je eine Stimme hatten, so waren sie doch Wähler.

„Müssen wir uns denn um jede Minderheit kümmern?“ wollte Teggar von Borner wissen. „Na ja, nicht unbedingt um jede, aber vergessen sollten Sie nicht, daß so eine Minderheit die Wahl entscheiden kann.“ „Das kann eine Mehrheit viel leichter.“ „Schon klar. Darum dürfen Sie sich jetzt auch einer größeren Gruppe widmen. Ihren eigenen Leuten.“ „Na endlich mal eine positive Nachricht.“ „Lesen Sie sich erstmal Ihre Rede durch. Ich glaube nämlich, daß Sie danach nicht mehr so froh sein werden.“ Teggar überflog die Rede und meinte am Ende enttäuscht: „Die dauert ja ewig und ist stinklangweilig.“ „Tja, da kann man leider nichts machen. Sie werden vor Parteifreunden sprechen, die ebenfalls in der Politik zu tun haben und die bevorzugen halt mal diese schwer verständliche Politikersprache“, erklärte Borner. „Da muß ich wohl wohl oder übel durch.“ „Genau. Sollte Ihnen aber wirklich übel werden, dann kotzen Sie bitte nicht auf das Rednerpult.“ Etliche Stunden später war es dann soweit. 550 Politiker, die alle zur Partei der Republikaner gehörten, bereiteten ihrem Kandidaten in St. Louis einen herzlichen Empfang. Danach kam es zu einer sehr langen Rede, die wir uns leider nicht ersparen können: „Meine lieben Freunde und Freundinnen aus der Politik, Ihr seid heute abend hier, um von mir zu erfahren, wie meine Zukunftspläne ausschauen, falls ich Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika werde. Natürlich steht dabei die Partei absolut im Vordergrund, weil auch ich mich als Diener der Partei verstehe.“ Beifall kam auf. „Dankeschön. Nun will ich aber beginnen. Wir alle wissen ja, daß es, seit die Demokraten an der Macht sind, stetig abwärts mit unserem Land gegangen ist. Sei es in der Außenpolitik, wo man unverantwortliche Zugeständnisse einigen anderen Staaten gegenüber gemacht hat, in der Innenpolitik, in der viel zu wenig für die Sicherheit der Bürger unseres Landes getan wurde, oder in der Bildungspolitik, wo es mittlerweile soweit ist, daß Schüler ihre Lehrer erschießen. Dazu will ich noch sagen, daß diese tragischen Vorfälle überhaupt nichts mit unseren Waffengesetzen zu tun haben, die vor allem in der Weltöffentlichkeit stark kritisiert worden sind. Nachdem ich nun nur ein paar der schweren Versäumnisse der Demokraten angesprochen habe, will ich dazu übergehen, Ihnen einen Einblick in unsere Politik zu geben. Unter einem republikanischen Präsidenten würde es wieder mehr Polizei auf den Straßen geben, wodurch eine größere innere Sicherheit gewährleistet wäre, die Schüler würden wieder ordentlich erzogen werden und auch die anderen Länder der Welt würden wieder erkennen, daß wir die einzige Weltmacht sind. Doch das ist noch lange nicht alles. Wir haben die große Aufgabe, unser Land wieder auf den rechten Weg zu bringen, den es unter der Herrschaft der Demokraten leider verlassen hat. Wir wissen alle, daß das nicht einfach werden wird, aber wir können es schaffen, wenn wir alles dafür tun. Natürlich müßten wir zunächst die Präsidentschaftswahlen gewinnen, damit wir überhaupt eine Chance haben. Deshalb appelliere ich an Sie: Gehen Sie auf die Leute zu! Sprechen Sie mit ihnen und überzeugen Sie sie, daß wir die Lösungen für alle schwierigen Fragen haben. Das dazu. Als nächstes will ich ganz klar feststellen, daß wir unsere Grenzen wieder besser abschotten müssen. Die Vereinigten Staaten von Amerika sind kein Einwanderungsland!“ Wieder kam Beifall auf. „Nur weil es da in Mexiko viele Leute gibt, denen es nicht ganz so gut wie uns geht, ist das noch lange kein Grund, einfach zu uns zu kommen und uns Schwierigkeiten zu bringen. Es sind die Ausländer, die für einen gewaltigen Anstieg der Kriminalität in den letzten Jahren gesorgt haben, das steht eindeutig fest. Darum müssen wir das Problem bei der Wurzel packen und sie wieder dorthin schicken, wo sie hergekommen sind. Schließlich haben wir sie nicht bestellt. Wo kämen wir denn dahin, wenn jeder, der mehr Geld verdienen will, in ein anderes Land geht? Nein, das wird es bei uns nicht mehr geben. Touristen sind in Ordnung, aber Illegale können wir in unserem Land nicht gebrauchen!“ Ein weiteres Mal wurde laut geklatscht. „Das also zum Thema Ausländerpolitik. Selbstverständlich wird bei uns richtig gerechnet. Wir werden es nicht so machen wie die Demokraten, die dem Volk erst zuviel Geld abgeknöpft haben und dann langsam auf die Idee gekommen sind, daß man das zuviel eingenommene Geld vielleicht doch für das Volk nutzen sollte. Wir werden die Steuern senken, damit erst gar nicht zuviel Geld in die Staatskasse kommt. Lieber machen wir Schulden, als daß wir den Leuten zuviel Geld abknöpfen. Wenden wir uns noch einmal der Außenpolitik zu.“ Teggar sah, daß einige Leute zu gähnen begannen, weshalb er Borner einen Wink gab. Fortan schrieb der alle auf, die gähnten. „Was sich der Irak mit uns erlaubt ist ungeheuerlich. Wie können wir uns solche Beleidigungen überhaupt bieten lassen? Es gibt nur eine Antwort auf diese unzähligen Provokationen und diese Antwort heißt Krieg. Unsere Soldaten sind bereit und sie werden nicht scheuen, den Irak anzugreifen und Hussein auszulöschen. Wir sind die einzige Weltmacht und wir brauchen uns nicht von so einer Kakerlake auf der Nase herum tanzen lassen.“ Applaus war zu hören. „Kommen wir zur Stromversorgung. Immer wieder hören wir solche Ökofuzzis sagen, daß wir aus der Atomkraft aussteigen sollten. Das wäre der größte Fehler, den wir machen könnten. Die Atomkraftwerke liefern zuverlässig Strom, einen sauberen Strom. Darum werden wir Republikaner noch mehr Atomkraftwerke bauen lassen, weil die einfach der beste Weg zur direkten Stromerzeugung sind. Wenden wir uns jetzt aber dem Hauptthema zu, das uns alle am meisten beschäftigt. Schockiert fragen wir uns in diesen Tagen wie es nur sein kann, daß unsere Jugend so ordinär, vulgär und aufmüpfig ist? Aber auch für dieses Problem haben wir Republikaner die besten Lösungen. Es muß endlich wieder erlaubt werden, daß ein Lehrer seine Schüler körperlich züchtigen darf, weil sie sich sonst einfach zu viel herausnehmen und keinen Respekt mehr vor unseren Autoritätspersonen haben. Dazu will ich kurz ein persönliches Erlebnis einfügen: Eines Tages ging ich spazieren und sah einen kleinen Jungen mit seiner Mutter auf mich zukommen. Ich begrüßte ihn und wollte von ihm wissen, wie alt er denn sei. Da zeigte er mir seinen erigierten Mittelfinger und trat mir vors Schienbein. Danach lief er weinend davon. Daraufhin schrie mich die Mutter an und wollte mich anzeigen.“ Einige Politiker grinsten, von denen sich Borner sofort den Namen notierte. „Soweit sind wir also schon in diesem Land, daß man für Freundlichkeit beleidigt, geschlagen und zusammengeschrien wird! Aber wir werden das verändern, sobald wir an der Macht sind. Prügel hat noch niemandem geschadet.“ Beifall kam auf. „Antiautoritäre Erziehung darf nicht geduldet werden. Eltern, die ihre Kinder so erziehen, gehören ins Gefängnis und die Kinder in ein Heim. Der Verfall von Sitte und Moral in unserem Land ist eine Schande! Auf jedem Fernsehkanal laufen Sexfilme, die Jugend wird mit Pornos und Gewaltfilmen groß und wir wundern uns dann, wenn die Kinder später Amok laufen! Nein, so einfach werden wir uns das nicht machen. Die Schonzeit ist vorbei. Wir Republikaner werden dafür sorgen, daß in diesem Land wieder Respekt vor den Autoritäten, Sitte, Anstand und Moral großgeschrieben werden!“ Wieder Beifall. „Nicht vergessen will ich dabei die Tradition. Sie ist sehr wichtig und muß in unserer Gesellschaft wieder in den Vordergrund gedrängt werden. Wir werden ein Land schaffen, in dem der junge Mann den alten Herrn freundlich grüßt und ihm nicht den Geldbeutel klaut! Alles, was die Demokraten in den letzten Jahren falsch gemacht haben, und das war gewiß nicht wenig, werden wir richtig machen, damit wir wieder stolz darauf sein können, Amerikaner zu sein. Ich danke Ihnen“, erklärte Teggar zum Schluß. Bedächtig erhoben sich die Politiker und spendeten Beifall. Teggar mußte noch viele Hände schütteln und viele Nettigkeiten austauschen, bevor er dann zu einer großen Feier im Saal nebenan gebracht wurde. Dort traf er auch seine Frau wieder, die ihm showmäßig um den Hals fiel. „Schon gut. Du mußt mich ja nicht unbedingt anfassen“, murmelte er etwas erschrocken. Da griff sie ihm voll in die Männlichkeit und er verzog schmerzverzerrt sein Gesicht. „Was haben Sie denn?“ wollte Florten wissen. „Ach, nichts. Meine Frau hat sich nur gefreut, mich wieder zu zwicken“, antwortete Teggar und ließ es sich danach gut gehen. Jedoch währte das nur kurze Zeit, denn wenig später sollte er mit seiner Frau den Tanzabend eröffnen. Mit falschem Grinsen standen die Beiden dann auf dem Parkett und tauschten so manche Freundlichkeit aus. „Du hast aber ganz schön zugenommen“, flüsterte er. „Das stimmt nicht, das bildest Du Dir nur ein.“ „Nein, das tu ich nicht. Fett kann man sehen und spüren.“ „Deinen Achselschweiß kann man dafür riechen.“ „So etwas ist männlich.“ „Das ist so ziemlich das einzige Männliche an Dir.“ „Wieso hast Du mir dann in die Eier gezwickt?“ „Ich habe gehofft, daß sich dann dort mal etwas tut. Aber es war leider nur ein Wunschtraum.“ „Wenn sich dort was tut, dann bestimmt nicht für Dich.“ Da sie immer noch falsch grinsten, glaubten alle Anderen, sie würden ein freundliches Gespräch miteinander führen. So war es aber nicht und Teggar war sehr froh, als er jene Qual hinter sich gebracht hatte. Ziemlich bald verabschiedete er sich von seinen Parteifreunden. Als ihn jene nach dem Grund fragten, erläuterte er: „Ich habe noch viele Termine und da muß ich ausgeschlafen sein. Es war sehr schön bei Euch und ich hoffe, daß wir das bald wiederholen können.“ Dabei dachte er ganz anders: „Gut, daß diese Scheiße endlich vorbei ist. Hoffentlich muß ich mir das nie wieder antun.“ In jenem Augenblick war Teggar sehr froh, daß kein Mensch Gedanken lesen konnte, obwohl er selbst das sehr gerne gemacht hätte, um Andere zu kontrollieren. Jedenfalls hatte er auch jene Prüfung einigermaßen unbeschadet überstanden und darum wollte er von Borner das wissen, was er immer wissen wollte. „Frank, was sagen die Umfragen?“ „Hören Sie mir mit den Umfragen auf! Ich dachte mir, kaufst Du Dir mal eine Zeitung, damit Du auf dem Laufenden bist. Und was sehe ich darin? Da stehen die Umfragewerte von zehn anderen Zeitungen drin und die sind so unterschiedlich, daß man meinen könnte, das wäre alles nur erfunden.“ „Was meinen Sie damit?“ „Na ja, die Einen führen den Sektenguru überhaupt nicht als Kandidaten auf, die Anderen behaupten, Glime hätte fast 60 Prozent Zustimmung in der Bevölkerung, wieder Andere schreiben, Sie hätten die absolute Mehrheit und so weiter und so fort.“ „Was sagen denn unsere eigenen Umfragen?“ „Na ja, nach denen kommen Sie auf 43 Prozent, Glime auf 44 und der Sektenguru auf 13.“ „Warum sagen Sie immer Sektenguru und nicht den seinen richtigen Namen?“ „Es ist besser, wenn Sie den nicht wissen.“ „Raus damit!“ „Also gut, der Mann heißt Eduard Gear.“ „Diesen Namen habe ich doch schon mal irgendwo gehört.“ „Das glaube ich Ihnen gern. Dieser Mann ist der Cousin Ihres Cousins.“ „Soll das heißen, ich bin mit einem Sektenguru verwandt?“ „Zumindest weitläufig.“ „Und dieser Frecker nimmt mir die Stimmen weg! Na warte! Versuchen Sie sofort, daß ich einen Termin bei ihm bekomme!“ „Ich werde mein Bestes geben.“ „Aber erst später. Zunächst will ich mein Programm erfüllen. Was steht an?“ „Schlaf.“ „Was ist das? Ach so, Sie meinen, es steht jetzt nichts mehr an und ich kann schlafen?“ „So ist es.“ „Gut. Mir soll es recht sein.“ Während sich also Teggar auf sein Zimmer begab, um zu schlafen, sprachen seine vier Berater noch ein wenig miteinander. „Also, ich kann mir nicht helfen. Der Teggar ist auch nicht der Hellste“, meinte Rudolphs. „Das paßt schon so. Er soll ja schließlich nur eine Marionette der Partei sein“, stellte Borner klar. „Aber warum kann die Partei nicht einen Kandidaten ins Rennen schicken, der wenigstens ein bißchen was im Hirn hat?“ fragte Florten. „Weil der das Amt des Präsidenten für seine eigenen Zwecke ausnutzen würde. Teggar dagegen ist absolut harmlos. Ihr seht ja wie froh er jedesmal ist, wenn er seine Rede bekommt“, erklärte Borner. „Trotzdem ist mir der Kerl nicht ganz geheuer. Hat man schon mal einen Intelligenztest bei ihm gemacht?“ wollte Leeson wissen. „Man hat es versucht, aber das Gerät hat nicht funktioniert. Jedenfalls dürfen wir unsere Aufgabe nicht vergessen. Wir sind dafür da, um Teggar zum Präsidenten zu machen und ihn dann ständig zu beeinflussen, damit er immer genau das macht, was die Partei von ihm verlangt“, erläuterte Borner. „Na ja, momentan hält er sich ja in den Umfragen ganz wacker. Aber wenn er bei diesen Zahlen stehenbleibt, dann wird er nicht Präsident“, stellte Florten fest. „Das Gute ist ja, daß die Demokraten auch so eine Flasche als Kandidat haben. Die haben ebenfalls keinen richtigen Sympathieträger gefunden, so daß wir gute Chancen haben“, bemerkte Leeson. „Aber glaubt Ihr, daß Teggar diesen Gear überzeugen kann, die Kandidatur aufzugeben?“ erkundigte sich Rudolphs. „Niemals. Auch wenn sie miteinander verwandt sind. Dazu fehlt dem Teggar einfach die Überzeugungskraft“, behauptete Borner. „Aber eines verstehe ich immer noch nicht: Wie konnte dieser Mann nur so eine Frau heiraten?“ wunderte sich Rudolphs. „Na ja, irren ist menschlich. Mir wäre es auch lieber gewesen, wenn er eine Frau hätte, die man im Volk eher vorzeigen kann. Aber eines könnt Ihr mir glauben: Bei der würde nicht einmal eine Schönheitsoperation etwas helfen“, machte Borner zur Belustigung aller Anwesenden deutlich. „Was machen wir, wenn uns Teggar entläßt, nachdem wir ihn zum Präsidenten gemacht haben?“, fragte Leeson. „Keine Sorge, das kann er gar nicht. Und wenn doch, dann gibt uns die Partei neue Posten“, vermutete Florten. „Also Leute, genug gequasselt. Reden wir übers Geschäft: Teggar macht Punkte gut, aber wir haben das Problem, daß der letzte Präsident der Demokraten im Volk sehr beliebt war und diesen Bonus der Demokraten müssen wir auf alle Fälle aufholen, weil sonst gar nichts geht. Ich bin dafür, daß wir in Washington am Ende des Wahlkampfes eine Großveranstaltung machen, auf der Teggar allen beweisen kann, daß er der richtige Präsident ist“, erklärte Borner und beendete die Sitzung. Am nächsten Tag ließ es Teggar ein wenig ruhiger angehen, weil er kein großes Programm vor sich hatte. Man flog nach Denver und machte dort zunächst eine Stadtrundfahrt, um sich ein wenig zu erholen. Erst am frühen Abend hielt Teggar dann eine Rede und zwar vor sehr betuchten Leuten mit recht großem Einfluß. Klar, daß seine Rede deswegen sehr respektvoll gehalten war. „Meine lieben Zuhörer und Zuhörerinnen, ich freue mich aufrichtig, daß ich heute vor so mächtigen Leuten wie Ihnen stehen darf. Als ich am Nachmittag eine Stadtrundfahrt durch diese wunderschöne Stadt machte, wurde mir eines sofort klar: Hier wohnen Leute mit Geschmack und Macht. Wir alle wissen, daß Macht etwas sehr Wichtiges und absolut Notwendiges ist. Leider gibt es aber vor allem bei uns in der Politik nicht selten Machtmißbrauch, vor allem in den letzten Jahren, seit die Demokraten an der Macht sind. Sie wissen gewiß, wovon ich rede. Aber mit mir als Präsidenten wird das ein Ende nehmen. Dann wird Macht wieder für die da sein, die sie verdienen. Für Leute wie Sie, denen Amerika fast alles verdankt. Normalerweise spricht man nicht über Geld, aber ich will es dennoch tun. In den letzten Jahren hat Ihnen der Staat sehr viel Geld weggenommen und es dann dem Pöbel weitergereicht. So etwas wird es unter meiner Herrschaft nicht geben. Ganz im Gegenteil. Ich werde persönlich dafür sorgen, daß Sie das bekommen, was Ihnen zusteht und noch mehr. Schon jetzt kann ich Ihnen versprechen, daß Sie beim Bau neuer Firmen und Fabriken mit viel höheren Zuschüssen als bisher rechnen dürfen. Schließlich muß der Investitionsgeist belohnt werden und das wird er auch werden, sollte ich Präsident werden. Ich weiß, daß Sie noch viel vor haben und will Sie darum nicht mehr lange aufhalten. Zum Schluß will ich nur noch kurz zusammenfassen, was sich unter einem republikanischen Präsidenten ändern würde: Mehr Geld für die Unternehmer und billigere Arbeitskräfte. Außerdem werde ich den Spitzensteuersatz um einiges senken. Das sind keine leeren Wahlversprechen, nein, Sie dürfen mich nach meiner Wahl voll beim Wort nehmen“, versprach Teggar und beendete seine Rede. Mit großem Beifall wurde er für seine sehr unternehmerfreundlichen Worte belohnt. „Das hat gut getan“, bekannte er zufrieden, als er im Auto saß und ein weiteres Mal zum Flughafen gebracht wurde.

Einige Stunden später saß Teggar bereits wieder in einem Auto. Neben ihm saß Borner, den Teggar allmählich nervte. „Wann sind wir denn endlich da?“ fragte er unentwegt. „Herr Teggar, ich habe es Ihnen schon ein paar mal gesagt. Es dauert noch.“ „Und warum dauert das so lange?“ „Weil Gear ziemlich weit in der Wildnis wohnt.“ „Aber wie will er da seine Wahlkampfauftritte organisieren?“ „Er startet von seiner Ranch mit dem Flugzeug.“ „Das sagen Sie mir jetzt! Da hätten wir ja problemlos hinfliegen können.“ „Eben nicht. Nur Sektenflugzeuge dürfen dort landen.“ „Unglaublich. Und deswegen müssen wir jetzt mitten durch die Prärie fahren?“ „So ist es.“ „Eine Frechheit. Ich werde mich bei diesem Gear beschweren.“ „Reden Sie bitte nicht so einen Scheiß! Mit einer Beschwerde werden Sie ihn wohl kaum überzeugen können, die Kandidatur niederzulegen.“ „Auch wieder wahr. Da vorne steht etwas. Sind wir endlich da?“ „Ja, das ist Gears Zuhause.“ „Das sieht mir aber eher nach einer Kirche aus.“ „Das ist auch eine Kirche.“ „Das muß ein ganz schöner Trottel sein. Wer wohnt denn in einer Kirche?“ „Vergessen Sie nicht, daß dieser Mann mit Ihnen verwandt ist!“ „Dafür kann ich nichts. So, lassen Sie mich allein mit ihm reden. Solche Gurus fühlen sich immer gleich bedroht, wenn zwei Leute mit ihnen reden wollen“, glaubte Teggar. „Wie Sie meinen“, bemerkte Borner, der damit gar nicht einverstanden war. So saß also Teggar kurz darauf gegenüber von Gear in einer Kirche. „Der Vettersvetter schaut auch mal vorbei! Hallo John! Was willst Du denn hier?“ wollte Gear wissen. „Hallo Eduard. Du weißt doch, daß ich der Präsidentschaftskandidat meiner Partei bin?“ „Das höre ich zum ersten Mal. Wie hieß deren Kandidat gleich wieder? Dreck, Trecker, nein, ich hab’s, Teggar! Ach tatsächlich! Das bist ja Du!“ „So ist es. Und jetzt wollte ich Dich fragen, ob Du nicht Deine Kandidatur zurückziehen willst.“ „Wieso sollte ich das tun?“ „Du hast doch eh keine Chance und nimmst mir auf diese Art und Weise nur die Stimmen weg. Da haben wir Beide nichts davon.“ „Wer sagt denn, daß ich keine Chance habe? Immerhin liege ich bei den Umfragen im Schnitt bei 15 Prozent.“ „Mit 15 Prozent wird man nicht Präsident.“ „Nicht? Na dann ist das etwas Anderes. Aber was hätte ich denn davon, wenn ich meine Kandidatur zurückziehen würde?“ „Na ja, darüber können wir sprechen. Stell erst mal Deine Forderungen und dann werde ich sehen, ob ich damit einverstanden bin oder nicht.“ „Also gut. Ich fordere, daß meine Sekte von den Behörden in Ruhe gelassen wird, daß Kriminelle aus meiner Sekte nicht strafrechtlich verfolgt werden und daß meine Sekte jährlich 20 Millionen Dollar von der Regierung als Unterstützung bekommt.“ „Na, wenn’s weiter nichts ist. Einverstanden.“ „Was? Du bist wirklich einverstanden? Du verarschst mich, oder?“ „Nein. Willst Du es schriftlich haben?“ „Eigentlich schon. Ach was, einem Verwandten kann man doch vertrauen. Also, ich werde alles dafür tun, daß Du Präsident wirst.“ „Das kann ich ja auch erwarten.“ „Aber nicht, daß Du dann alles plötzlich vergißt, wenn man Dich gewählt hat.“ „Wo denkst Du hin? Ich werde alle meine Wahlversprechen erfüllen.“ „Glaubst Du das wirklich?“ „Selbstverständlich. So wahr ich hier vor Dir sitze. Ich werde der erste amerikanische Präsident sein, der keine leeren Phrasen drischt, sondern sich an das hält, was er verspricht.“ „Nichts dagegen. Also, alles Gute und viel Glück. Ich muß meine Sektenmitglieder weiter foltern, äh ausbilden“, erklärte Gear und ging. „Dankeschön und viel Spaß“, wünschte Teggar, stand auf und ging zum Wagen, vor dem Borner bereits auf ihn wartete. „Und?“ wollte jener wissen. „Von diesem Augenblick an gibt es nur noch zwei Kandidaten für das Amt des Präsidenten“, erzählte Teggar freudestrahlend. „Unglaublich. Wie haben Sie denn das gemacht?“ „Na gut, würde ich doch sagen. Mit Verwandten kann man reden. Die hören einem zu und verstehen einen. Auf die Verwandtschaft ist halt Verlaß.“ „Umso besser.“ „Außerdem wird mich Gear unterstützen, so daß meine Siegchancen weiter steigen.“ „Sie sind schlauer als ich dachte.“

Nun gab es also nur noch zwei Kandidaten für das Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika. John Teggar und Michael Glime. Als sie in einer größeren Ortschaft waren, wollte Teggar, daß Borner eine Zeitung kaufte und ihm daraus vorlas. Jener schaute sich die Zeitung an und meinte: „Ah, das scheint ja eine unabhängige Zeitung zu sein. Hier hat jemand einen Bericht über Sie geschrieben. Ich lese das jetzt einfach mal so vor, wie es da steht: „Der Kandidat der Republikaner, John Teggar, ähnelt einem Chamäleon, das sich ganz nach Bedarf verwandeln kann. Ob er vor Jugendlichen, vor Wirtschaftsbossen, oder vor Schwerverbrechern spricht. Jedesmal verspricht er seiner Klientel das Blaue vom Himmel. Mit einer solchen Dreistigkeit verspricht er, daß man meinen könnte, er will einen Weltrekord im Wähler belügen aufstellen. Rein äußerlich entspricht Teggar dem typischen Republikaner, was er auch immer wieder betont. Er hat keinen ausgeprägten Hang zur Selbstdarstellung, was aber nicht heißt, daß es nach seiner Wahl dabei bleiben würde. Irgendwie erinnert einen Teggar an den Nachbar von nebenan, der stets freundlich und korrekt ist und zweimal in der Woche den Rasen mäht. Man muß sich wirklich wundern, warum die Republikaner ausgerechnet diesen Mann zum Präsidenten machen wollen. Aber man darf sich durch die äußere Harmlosigkeit Teggars nicht täuschen lassen. Dieser Mann weiß was er will. Und zwar Präsident werden. Dafür wird er garantiert alles tun und es ist durchaus möglich, daß er sein Ziel erreicht. Das würde aber bedeuten, daß sich in unserem Land einiges zum Negativen ändern würde. Hoffen wir ganz einfach, daß es nicht soweit kommt, obwohl auch die Demokraten nicht gerade durch einen Supermann vertreten sind. Trotzdem glaube ich, daß es besser sein wird, das kleinere Übel, in diesem Falle Glime, zu wählen.“ „Wer hat das geschrieben?“ wollte Teggar wissen. „Ein gewisser Steve Kamulla.“ „Das ist bestimmt ein Neger. Setzen Sie ihn auf meine Liste!“ „In diesem Fall wäre der Begriff Schwarze Liste sehr treffend.“ „Ich dachte, Sie hätten die Presse unter Kontrolle?“ „Ja, unsere Presse. Auf die Zeitungen der Demokraten und auf die unabhängigen habe ich keinen Einfluß. Immerhin ist Amerika ein freies Land.“ „Nicht mehr lange. Wenn schon die Unabhängigen so etwas schreiben, dann will ich lieber erst gar nicht hören, was die Demokraten schreiben.“ „Beruhigen Sie sich, Herr Teggar! Es gibt Leute, die den wählen, der in den Medien am schlimmsten dargestellt wird.“ „Tatsächlich? Dann hätte ich ja gute Chancen.“ „So ist es. Also, lassen Sie den Kopf nicht hängen. Außerdem haben Sie morgen Abend die einmalige Chance, wertvolle Punkte zu sammeln.“ „Inwiefern?“ „Sie werden interviewt. Glime ist auch dabei.“ „Was! Warum sagen Sie mir das erst jetzt?“ „Weil Sie sich sonst zu sehr aufgeregt hätten. Passen Sie auf, die Sache wird folgendermaßen ablaufen: Ihr Gastgeber wird Ihnen und Glime die selben Fragen stellen, die wir schon miteinander abgemacht haben.“ „Kennt Glime die Fragen auch?“ „Selbstverständlich. Wir müssen schließlich fair bleiben.“ „Aber wie soll ich da Punkte sammeln?“ „Ganz einfach: Indem Sie überzeugender und selbstbewußter auftreten als Glime.“ „Das heißt zum Beispiel, ich soll ihn während seiner Erklärung unterbrechen?“ „Auf gar keinen Fall. Dann würden die Demokraten die Sache sofort beenden. Nein, Sie tragen Ihre Sätze einfach mit mehr Dynamik vor.“ „Leicht gesagt. Was ist, wenn Glime dasselbe macht?“ „Dann geht die Sache unentschieden aus und Beide haben gewonnen.“ „Das bringt auch nichts. Haben Sie wenigstens schon meine Antworten vorbereitet?“ „Ja, hier sind sie.“ „Wieso haben Sie nicht die Fragen des Moderators dazugeschrieben?“ „Weil Sie sonst versehentlich das Falsche lesen. Sie wissen ja, was damals in der Bugs Bunny Show passiert ist.“ „Erinnern Sie mich bloß nicht daran! Wo wird denn mein großer Auftritt stattfinden?“ „In Seattle. Das Ganze wird unter dem Titel „Planlos in Seattle“ gesendet.“ „Das ist eine Unverschämtheit!“ „Dagegen kann man nichts machen. Nur so etwas bringt Einschaltquote.“

Über 20 Stunden später war es soweit. Ganz wohl fühlte sich Borner nicht, als er Teggar allein vor die Kameras lassen mußte. Schnell beruhigte er sich wieder. Schließlich war ja alles genauestens geplant, also konnte auch nichts schiefgehen. Glaubte Borner. „Drei, zwei, eins, action!“ rief ein Mann und wenige Sekunden später kam ein junger Mann vor die Kamera, um die Fernsehzuschauer zu begrüßen. „Guten Abend, meine Damen und Herren, bei „Planlos in Seattle“. Wir haben heute die beiden Präsidentschaftskandidaten hier. Ich begrüße Michael Glime von den Demokraten und John Teggar von den Republikanern.“ „Sie sind aber nicht Garth Univers“, stellte Glime verwundert fest. „Das ist richtig. Garth ist leider plötzlich erkrankt und darum werde ich ihn heute vertreten. Für die Zuschauer, die mich noch nicht kennen, oder nicht mehr kennen wollen, ich bin Roger Sanklar. Also, man hat mir zwar gesagt, ich sollte hier vorformulierte Fragen stellen, aber darauf hab ich ehrlich gesagt keinen Bock und ich denke, den Zuschauern geht es genauso. Darum frage ich jetzt einfach ganz frech und frei in die Runde: Warum sollten wir einen von Ihnen Beiden wählen, meine Herren?“ Glime ergriff sofort das Wort, während Teggar auf seinem Zettel nach einer passenden Antwort suchte. „Ganz einfach, Herr Was weiß ich: Wir Demokraten haben dafür gesorgt, daß es allen Menschen in unserem Land besser geht, mal von denen abgesehen, die auf den elektrischen Stuhl gekommen sind, ha ha. Und darum gibt es überhaupt keinen Grund, das zu ändern. Nur wir Demokraten können Wohlstand mit Freiheit so mischen, daß alle zufrieden sind.“ „Was sagen Sie dazu, Herr Teggar?“, fragte Sanklar. „Einen Moment, Roger, ich suche gerade einen passenden Text. Aber da ich keinen finde, werde ich frei sprechen. Die Demokraten haben total versagt. Ich kenne niemanden, dem es besser geht, von den Demokraten mal abgesehen“, erklärte Teggar. Daraus entwickelte sich ein hitziges Wortgefecht mit Glime. „Da, er gibt es zu. Da wir fast 50 Prozent Demokraten im Land haben, geht es fast allen besser.“ „50 Prozent von was, Sie Berufslügner! Ihr habt aus unserem schönen Land eine Bananenrepublik gemacht, über die auf der ganzen Welt nur noch gelacht wird. Das Einzige was man von der Regierung der Demokraten weiß, ist, wie der Präsident am liebsten Sex hat.“ „Was hat das mit mir zu tun? Sie beschäftigen sich immer mit der Vergangenheit. Wir Demokraten schauen in die Zukunft.“ „Daß ich nicht lache. Wir haben recherchiert und herausgefunden, daß Sie außerehelichen Sex hatten.“ „Das ist doch mal wieder typisch für Euch Republikaner. Alles was Ihr könnt ist, in den Privatangelegenheiten Eurer Konkurrenten herumzuschnüffeln, stimmt’s?“ „Genau. Und das ist sehr wichtig. Denn sonst könnten wir unsere Gegner ja nicht in den Schmutz ziehen.“ Nach jenen Worten Teggars faßte sich Borner an die Stirn. „Jetzt ist es vorbei. Das hätte er nicht sagen dürfen. Nun wird er garantiert nie Präsident werden“, dachte er sich. „Da, er gibt es sogar zu. Glauben Sie mir, meine Damen und Herren: Nur wir Demokraten sind in der Lage, Sie glücklich zu machen“, versprach Glime. „Sie sind ein Ferkel! Wollen Sie es etwa mit allen amerikanischen Bürgern treiben? So ein Schwein wollen Sie zum Präsidenten machen? Das kann ich mir nicht vorstellen! Nein, wählen Sie mich. Denn ich werde dafür sorgen, daß Sitte und Moral eine Wiederauferstehung feiern“, erklärte Teggar. Jene Worte brachte er so glaubhaft über die Lippen, daß Glime entnervt aufgab. Plötzlich fiel der Strom aus und alles war dunkel. Ein paar Demokraten hatten die Leitung gekappt, weil sie befürchtet hatten, Teggar würde die Gelegenheit noch mehr nutzen, um aufzuholen. Jedoch hatten sich die Demokraten mit jener Aktion ins eigene Fleisch geschnitten. Überall wurde recht schnell bekannt, wer für den Stromausfall verantwortlich war und auch Teggars Worte hatten ihr übriges getan. Das Rennen war wieder völlig offen, obwohl es Borner noch nicht glauben wollte. Aber so langsam verstand auch er, was Teggar da geschafft hatte.

Dagegen interessierte sich die Weltpresse nicht sonderlich für den Wahlkampf in Amerika. Zwar man es gewohnt, daß die Republikaner einen recht blassen, farblosen Kandidaten aufstellten, aber da sich dieses Mal auch die Demokraten zurückgehalten hatten, empfand man das Ganze als nicht so spannend und ließ die Finger davon. Das wiederum kümmerte Teggar wenig. Für ihn war es wichtig, die große Herausforderung eines öffentlichen Fernsehduells mit seinem Kontrahenten bravourös bestanden zu haben und dementsprechend gut gelaunt war er, als er mit seinem Beraterstab im Flugzeug saß. „Kommt Leute! Trinkt mit mir! Heute gibt’s was zu feiern!“ rief er. Natürlich ließen sich das seine Berater nicht entgehen, doch als plötzlich Linda auftauchte und ebenfalls mitjubelte, verfinsterte sich Teggars Gesicht merklich. Wenig später hatte er sie jedoch so abgefüllt, daß sie wieder verschwand und damit war alles in bester Ordnung. „Ganz ehrlich, ich habe Sie unterschätzt“, gab Borner zu. „Da sind Sie nicht der Einzige. Na gut, zunächst habe ich schon einen Schreck bekommen, als auf meinem Zettel nichts Passendes stand. Da mußte ich dann halt improvisieren“, erzählte Teggar. „Das haben Sie wirklich phantastisch hingekriegt“, lobte Rudolphs. „Dankeschön. Es ist ein gutes Gefühl, wenn man als Sieger vom Platz geht“, erklärte Teggar. „Aber wir sollten uns nicht zu früh freuen. Noch haben wir nicht gewonnen“, warf Leeson ein. Damit brachte sie die Stimmung auf den Nullpunkt und umgehend machten sich alle wieder an die Arbeit, während Teggar noch ein wenig sitzenblieb.

Am nächsten Morgen gab es bereits vormittags eine Veranstaltung der Republikaner. Das war deshalb möglich, weil Teggar vor Arbeitslosen eine Rede halten sollte. Teggar war sich sicher, daß er dort herzlich begrüßt werden würde, weil ja schließlich die Demokraten die Schuldigen für die Arbeitslosen sein mußten. Aber dem war nicht so. Als er aus dem Auto ausstieg, wurde er mit Buhrufen und Pfiffen empfangen, was ihn doch verwunderte. „Warum pfeifen mich die Leute aus?“ wollte er von Borner wissen. „Na ja, entweder ist das Beifall auf ihre Art, oder sie geben dem Senat die Schuld an ihrer Situation.“ „Das wäre schlecht. Also gut, Frank, da haben Sie genügend Namen auf meine Liste zu schreiben.“ „Aber ich kenne doch die Leute gar nicht.“ „Dann lerne sie kennen. Ich will jeden, der mich da ausbuht, auf der Liste stehen haben!“ „Meinetwegen.“ Als sich der erste Proteststurm ein wenig gelegt hatte, begann Teggar. „Liebe Freunde, ich verstehe nicht, warum Ihr mich auspfeift. Die Demokraten sind doch an der Macht und ich bin ein Republikaner.“ „Ihr Politiker seid doch alle gleich. Ihr nehmt uns das Geld weg und macht Euch damit ein schönes Leben!“ behauptete ein junger Mann. Während Borner ein Foto jenes Mannes machte, antwortete Teggar. „Da irren Sie sich. Es ist schon richtig, daß es manche Politiker gibt, die auf diese Art und Weise verfahren, leider auch in meiner Partei. Das will ich gar nicht abstreiten. Aber es ist absolut ungerecht, das auf alle Politiker zu beziehen. Ich zum Beispiel verzichte auf sehr viel Geld, das in die Förderung der Arbeitslosen gesteckt wird.“ Die Leute horchten auf. „Aber das reicht mir nicht. Ich werde dafür sorgen, daß Ihr alle, die Ihr hier vor mir steht, eine Arbeit bekommt. Das garantiere ich Euch. Gebt mir nur zwei Monate Zeit nach meiner Wahl und Ihr werdet sehen, daß Ihr Euch auf John Teggar verlassen könnt.“ „Das ist doch nur dummes Geschwätz! Sie wollen uns nur einlullen, um unsere Stimme zu kriegen!“ rief eine Frau. „Wie heißen Sie?“ fragt Teggar. „Anna Snyder. Wieso?“ entgegnete die Frau. Während sich Borner den Namen notierte und eine Skizze der Frau anfertigte, fuhr Teggar fort. „Anna, ich verstehe ja, daß Sie von vielen Politikern enttäuscht sind. Aber ich gehöre nicht zu denen, weil ich bisher überhaupt keinen Einfluß hatte, um etwas zum Guten verändern zu können. Gebt mir doch erst einmal eine Chance! Wenn Ihr dann glaubt, daß ich meine Sache auch nicht besser mache, als alle Anderen, dann könnt Ihr mich ja wieder rausschmeißen“, meinte Teggar treuherzig. Mit jenen Worten hatte er einen Großteil der Menge überzeugt. Zustimmendes Gemurmel kam auf, was Teggar zu einem Schlußspurt nutzte: „Wer die Demokraten wählt, der wird arbeitslos bleiben. Wir Republikaner sind die große Hoffnung für alle und wir werden niemanden enttäuschen. Das kann ich Ihnen allen und allen Amerikanern und Amerikanerinnen garantieren. Vertrauen Sie mir! Sie werden es nicht bereuen! Dankeschön!“ verkündete Teggar und verließ das Rednerpult. Der Applaus war stärker als die Buhrufe zu Beginn. Wieder einmal war es Teggar gelungen, die Leute hinters Licht zu führen. Das lag zwar nicht an ihm allein, aber auch er hatte seinen Anteil daran. Sie fuhren in ein nahegelegenes Hotel, wo Borner wenig später in einem Konferenzraum einen kleinen Vortrag über den Wähler und die Wählermanipulation hielt. Damit wollte er seinen Beratern erklären, was wichtig ist und worauf es ankommt, wenn man das Volk bescheißen will. Zur großen Freude von Borner nahm auch Teggar an jenem Vortrag teil, was vor allem daran lag, daß er nicht mit seiner Frau zusammensein wollte. Gespannt lauschten die Vier Borners Worten. „Beim Wähler handelt es sich um ein Wesen, das sich durch ein erstaunliches Maß an Naivität auszeichnet. Zu Beginn will ich noch einmal klar differenzieren. Es gibt drei verschiedene Typen im Volk: Einmal denjenigen, der noch nicht wahlberechtigt ist, dann den Wähler und außerdem noch den Nichtwähler. Es gibt die verschiedensten Arten von Nichtwählern, auf die ich jetzt aber nicht eingehen will, weil sie für uns uninteressant sind. Einzig und allein wichtig für uns ist der Wähler. Der Wähler ist jemand, der das System anerkennt, weil er sonst nicht wählen würde. Der Wähler hat die Wahl zwischen verschiedenen Parteien, wobei es meist so ist, daß es keine Partei gibt, die genau die Inhalte hat, die der Wähler sich wünschen würde. Darum sucht er sich meist die Partei aus, die mit seinen Vorstellungen am meisten übereinstimmt, was in den meisten Fällen eine der großen Parteien ist. Jetzt aber zu unserem Fall: Bei uns geht es um die Wahl zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika. Es gibt zwei Kandidaten, also hat der Wähler keine große Auswahl. Nun steht eindeutig fest, daß der Wähler den Kandidaten wählt, von dem er sich persönlich mehr Vorteile erhofft. Darum muß jeder Kandidat lügen, daß sich die Balken biegen. Anders geht es nicht. Würde ein Politiker die Wahrheit sagen, dann hätte er keine Chance, gewählt zu werden. Es kommt also darauf an, mehr zu versprechen als der Gegner. Wenn der Gegner den doppelten Lohn verspricht, dann verspricht man selbst den dreifachen. So einfach geht das. Natürlich weiß auch der Wähler, daß das alles nur leere Versprechungen sind, aber anscheinend stört ihn das nicht, weil er sonst ja nicht wählen würde. Zusätzlich wichtig ist das äußere Erscheinungsbild des Kandidaten. Der Kandidat der Republikaner zum Beispiel kann es sich halt nicht leisten, eine fremde Frau auf der Straße zu betatschen, wogegen das von einem Demokraten verlangt wird, damit man ihn als Demokraten akzeptiert.“ „Ach deshalb darf ich in kein Bordell mehr gehen“, stellte Teggar fest. „Genauso ist es. Nun will ich aber endlich ein bißchen deutlicher werden: Der Wähler ist dumm und vergeßlich. Es reicht also vollkommen aus, ihm alles Mögliche zu versprechen, weil er sich eh nicht mehr an alles erinnert. Wenn man erst einmal gewählt ist und es Proteste gibt, dann macht das auch nichts mehr. Dann hat man die Macht und das Volk ist machtlos, so wie sich das gehört. Aber erst einmal muß man an die Macht kommen. Darum will ich noch einmal kurz zusammenfassen: Lügen, versprechen und nochmals lügen. Das ist alles was ein Mann tun muß, um Präsident zu werden. Wenn er es trotzdem nicht schafft, dann hat er entweder zu wenig oder zu unehrlich gelogen. Vielen Dank“, schloß Borner. Alle klopften auf den Tisch. „So, kommen wir nun zu einer weiteren Sache: Den Entwürfen der Wahlplakate. Was habt Ihr zu bieten?“ fragte Borner in die Runde. „Also, ich hätte da zwei Vorschläge. „Aus dem Glime, kommt nur Schleim. Wir wollen kein Monster als Präsident!“ sowie „Lieber Psychopathen, als noch einmal Demokraten!“ erklärte Rudolphs. „Frank, soll das heißen, daß Ihr noch gar keine Plakate in den Städten angebracht habt?“ mischte sich Teggar erschrocken ein. „Ach was! Die Städte sind mit Plakaten von uns zugepflastert. Aber halt mit den stinknormalen wie „Wählt Teggar!“ und so weiter. Jetzt, wo der Wahlkampf dem Höhepunkt entgegen geht, müssen wir uns natürlich ein paar Parolen einfallen lassen, die den Leuten auffallen. Also Carl, Dein erstes Plakat ist ganz gut. Das Zweite können wir nicht nehmen, weil das ja dann heißen würde, daß wir uns selbst als Psychopathen ansehen. Mary, was hast Du zu bieten?“ fragte Borner. „Ich als Frau habe mich mehr um die Wählerinnen gekümmert. Da habe ich einmal dieses hier. Wollen Sie diesen kleinen Mann als Präsidenten?“ Großes Gelächter kam auf. Das Bild zeigte Glime in voller Größe, nur bei seinem Reißverschluß hatte man ein wenig herum gekleckst, so daß ein kleiner Stummel aus seiner Hose ragte. „Aber so etwas ist doch geschmacklos“, meinte Teggar. „So soll es auch sein. Nur so können wir die Nichtwähler ansprechen. Weiter, was hast Du noch, Mary?“ erkundigte sich Borner. „Dann hätte ich da noch ein Bild von Glime mit seiner Frau. Der Text dazu lautet: „Wenn das die First Lady werden soll, dann willkommen bei Stephen King““, berichtete Leeson und wieder kam schallendes Gelächter auf. Man hatte das Gesicht von Glimes Frau dermaßen verschandelt, daß sie wirklich einem Horrorwesen ähnelte. „Sehr schön, Mary. Jetzt zu Dir, George“, bemerkte Borner. Jener deckte seinen Entwurf auf. Darauf war eine riesengroße Müllhalde zu sehen. Der Text darunter lautete schlicht und einfach: „Danke, Demokraten für dieses Land“. Noch gelungener war sein zweiter Entwurf. Darauf sah man ein Foto des ehemaligen Präsidenten, der neben den Staatschefs anderer Nationen stand und von ihnen ausgelacht wurde. Vor der Tür des Zimmers, in dem sich das abspielte, stand bereits Glime und drückte an die Tür. Darunter stand: „Nur herein, Herr Glime, damit die Welt weiterhin über Amerika und seine Bürger lachen kann“. „Also Leute, ich muß schon sagen: Gute Arbeit. Damit werden wir sehr viele Leute ansprechen“, glaubte Borner. „Und was ist mit Ihnen? Haben Sie keine Entwürfe gemacht?“ wollte Teggar von Borner wissen. „Selbstverständlich. Aber den zeige ich nicht“, antwortete jener. „Das wird wohl wieder so eine Schweinerei sein, die ich nicht dulden würde.“ „Ganz im Gegenteil. Dieses Plakat wird dafür sorgen, daß Sie Präsident werden.“ „Na, da bin ich ja mal gespannt“, gab Teggar zu und verließ den Raum. „Also Leute, Ihr wißt was Ihr zu tun habt. Bringt die Entwürfe in unsere Wahlkampfzentrale und laßt sie dort bearbeiten. Macht von jedem Plakat mindestens fünf Millionen Drucke. Das wäre doch gelacht, wenn wir die Nichtwähler nicht auch noch schnappen würden“, entschied Borner und sofort machten sich die drei Angesprochenen auf den Weg. Währenddessen setzte sich Borner an den Tisch und verfaßte den Text für Teggars nächsten Auftritt. Jener war ein bißchen heikel. Darum mußte die Rede sehr sorgfältig geschrieben werden, um niemanden zu verletzen. Teggar dagegen stand vor dem Spiegel und bewunderte sich. „Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist der Präsident in diesem Land?“ fragte er, als plötzlich Linda hereinkam. „Fick mich!“ befahl sie. „Vergiß es“, erwiderte er. „Ach geh! Immer dasselbe. Was hat Du dieses Mal für eine Ausrede?“ „Ich habe im Wahlkampf Sexverbot. Frag Borner! Also, kauf Dir einen Vibrator und gib Ruhe!“ „Das geht nicht.“ „Warum nicht?“ „Was glaubst Du, wie das die feindliche Presse ausschlachten würde, wenn ich mir einen Vibrator besorgen würde?“ „Darum geht es ja nicht. Wichtig ist nur, daß es der Vibrator Dir besorgt. Wenn nicht, dann laß ihn halt von wem Anderes kaufen.“ „Von wem denn?“ „Was weiß ich? Jetzt laß mich in Ruhe, ich muß denken.“ „Das kannst Du doch gar nicht.“ „Aber ich darf es doch wohl wenigstens versuchen.“ „Bin ich froh, wenn ich meine Praktikanten habe“, murmelte Linda und ging. „Bin ich froh, wenn Du unter der Erde liegst“, entgegnete Teggar, als sie fort war. Es klopfte. „Was ist denn, Du dumme Kuh?“ rief Teggar wütend und öffnete. Vor ihm stand Borner. „Ach so, tut mir leid. Ich dachte, Sie wären meine Frau“, entschuldigte sich Teggar. „Das wäre schon aus rein wahlkampftechnischen Gründen nicht möglich. Da hätten Sie nur eine Chance, wenn Sie Bürgermeister in Philadelphia oder San Francisco werden wollen. Ziehen Sie sich heute bitte etwas Warmes an. Also, ich meine etwas, das menschliche Wärme ausstrahlt. Nicht so einen glatten Anzug, eher eine Strickjacke oder so etwas“, bat Borner. „Wieso? Soll ich Waschmittelwerbung machen?“ „Nein, Sie werden in einem Behindertenheim auftreten.“ „Was! Ich soll zu diesen Geisteskrüppeln! Das bringt doch gar nichts. Die dürfen eh nicht selber wählen.“ „Aber ihre Betreuerinnen. Und die wählen auch für die Behinderten. Wir müssen uns also nur um die bemühen. Aber die wünschen sich halt, daß Sie zu den Behinderten sprechen, also müssen Sie das tun, bevor Glime auf diese Idee kommt.“ „Wenn es sein muß. Ist ja egal. Der Tag ist eh schon im Eimer.“ „Warum?“ „Ich habe meine Frau gesehn.“

Das blieb ihm aber dann erspart und so stand er etliche Stunden später in einem Behindertenheim und wollte auf Stimmenfang gehen. „Ach, trinken Sie doch erst einmal etwas“, meinte eine Betreuerin, weshalb Teggar nichts Anderes übrigblieb. Borner bemerkte, daß Teggar drauf und dran war eine dumme Frage zu stellen, aber er konnte es nicht mehr verhindern. „Habt Ihr denn keinen Alkohol hier?“ wollte Teggar wissen. „Wie bitte?“ wunderte sich die Betreuerin. „Nix Whiskey, Schnaps oder Bier?“ „Also, ich bitte Sie. Das hier ist kein Kneipe, sondern ein Behindertenheim.“ „War ja nur ne Frage.“ „Ich verstehe. Wir sind jetzt soweit. Wenn Sie wollen, können Sie anfangen.“ Teggar stand auf und ging zum Rednerpult, wo er sogleich seine Rede losließ: „Meine lieben Freunde. Ihr fragt Euch sicher wer ich bin und was ich hier will. Ich bin John Teggar und will sehen, wie es Euch hier geht. Eines will ich gleich loslassen: Ihr habt es wirklich schön hier und es freut mich im Innersten zu sehen, wie gut Ihr hier von den aufopferungsvollen Betreuerinnen versorgt und gepflegt werdet. Das hier ist eine der letzten Bastionen der Nächstenliebe und Menschlichkeit. Damit das so bleibt, werde ich, falls ich Präsident werde, dafür sorgen, daß die staatlichen Zuschüsse verdoppelt werden. Das meine ich ernst und ich weiß, daß Ihr das auch wißt. Ich bin keiner von diesen Leuten, die viel reden und nichts sagen. Ich gehöre zu den Menschen, die es ehrlich mit ihren Mitmenschen meinen, weshalb Ihr mir bedingungslos vertrauen könnt. Darum will ich Euch nicht länger stören, sondern mich nur noch einmal bei den netten und hilfsbereiten Betreuerinnen bedanken, die Euch hier das Leben verschönern.“ Teggar verließ das Rednerpult und wunderte sich nicht, daß nur wenig Applaus aufkam. Darauf hatte ihn Borner schon im Vorfeld eingestellt. Um noch ein paar Pluspunkte einzusammeln, ging er zu ein paar Behinderten hin, streichelte sie freundschaftlich und unterhielt sich mit ihnen über belanglose Dinge, was natürlich Eindruck machte. Mit freundlichen Worten bedankte sich die Heimleiterin bei ihm und der kleine Fauxpas wurde umgehend vergessen. Wie immer war ein Kameramann mit seiner Kamera dabei, um Teggar ins rechte Licht zu rücken. Im Auto meinte Borner dann zu Teggar. „Herr Teggar, ich gratuliere Ihnen. Nun haben Sie alle schweren Sachen hinter sich gebracht. Was nun noch folgt sind lauter Heimspiele vor der eigenen Fangemeinde, bei denen Sie eigentlich nichts mehr falsch machen können.“ „Danke Frank. Jetzt würde ich nur noch gerne die letzten Umfrageergebnisse wissen.“ „Na schön. Sie kommen auf 49 Prozent.“ „Wow, das ist ja Wahnsinn! Ich bin der Größte!“ „Äh, nicht so schnell. Sie wissen doch, daß es nur noch zwei Kandidaten gibt. Sie kommen auf 49 Prozent und Glime kommt auf 51 Prozent.“ „Oh, oh! Da habe ich mich wohl ein bißchen zu früh gefreut.“ „Machen Sie sich keine Gedanken! Was zählt ist die Wahl. Da kommt es drauf an. Umfragen sind nutzlos.“ „Hoffentlich haben Sie Recht.“ „Außerdem haben wir noch ein paar Trümpfe in der Hand“, behauptete Borner.

Trotz allem war Teggar unzufrieden. Er hatte geglaubt gehabt, er würde bereits weit in Führung liegen und darum war er doch ziemlich enttäuscht. Seine Laune besserte sich aber, als man ihm seinen Werbespot zeigte. Zunächst sah man einen Zusammenschnitt von Wahlkampfauftritten Teggars, von denen man natürlich nur die besten Szenen zeigte. Danach hörte man Teggars Stimme: „Auch für Sie, meine lieben Fernsehzuschauer, habe ich immer ein offenes Ohr. Ich werde Ihnen helfen, wann immer Sie mich brauchen. John Teggar, das neue Synonym für Menschlichkeit.“ Mit jenem Werbespot würden sicherlich noch einige Prozentpunkte zu holen sein. Am nächsten Tag flog man nach Houston, wo man beobachten wollte, welche Wirkung die neuen Plakate haben würden. Tausende gingen an den Plakaten vorbei, blieben stehen und grinsten sich eins. Eines war dem Wahlkampfteam von Teggar zweifellos gelungen: Man hatte die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit erregt. Jedoch folgte bereits in Houston die Antwort der Demokraten, die sich mit zwei verschiedenen Motiven begnügten. Eines zeigte John und Linda Teggar lebensecht. Darunter war folgender Text zu lesen: „Bei Frau Glime mußtet Ihr manipulieren. Das aber ist die traurige Wahrheit.“ „Das geht jetzt aber schon gewaltig unter die Gürtellinie. Ein Bild von meiner Frau aufzustellen. Das ist zuviel!“ schimpfte Teggar, als er das Plakat sah. Aber beim zweiten Konterplakat schlug es ihm fast die Augen aus dem Kopf. Auf jenem war er zu sehen, wie er den Hitlergruß machte. „Folgt Eurem Führer ins Verderben“, war darunter zu lesen. Wahrlich, die Demokraten hatten reagiert. Und zwar gewaltig. Teggar unterhielt sich mit Borner über die neue Lage. „Was machen wir jetzt? Ich bin befleckt worden.“ „Im Wahlkampf ist halt alles erlaubt, Herr Teggar. Wir haben auch nicht gerade mit Blumen geworfen.“ „Aber jetzt bin ich doch total blamiert.“ „So würde ich das nicht sehen. Sie haben einen erheblichen Stimmenzuwachs bei den Frauen erhalten, weil die Mitleid mit Ihnen haben, da Sie mit so einem Monster verheiratet sind.“ „Ach, dann zahlt sich das doch mal aus. Aber was ist mit dem Plakat mit dem Hitlergruß?“ „Tja, das sorgt für mächtig viel Gelächter allerorten. Auch wenn ich die Konkurrenz nicht gerne lobe. Das haben sie aber sehr gut gemacht.“ „Sparen Sie sich das, sonst können Sie zu den Demokraten wechseln. Was machen wir jetzt?“ „Na ja, ich würde sagen, wir ziehen jetzt den Joker.“ „Was soll das heißen?“ „Es ist nun an der Zeit, mein Plakat zu veröffentlichen.“ „Zeigen Sie es mir!“ „Schauen Sie nach dort drüben! Dort wird es soeben angeklebt.“ Sie gingen hin und Teggar starrte das Plakat an. Glime war darauf zu sehen. Michael Glime saß auf einer Fläche, die so wie Amerika aussah. Darunter war folgender Text gedruckt: „Michael Glime, Verwalter der chinesischen Provinz Amerika.“ „Also, das verstehe ich jetzt nicht so ganz“, erklärte Teggar. „Aber das ist doch kinderleicht. Die Leute werden nun glauben, daß wir unter Glime als Präsident von den Chinesen angegriffen und besiegt werden.“ „Das ist doch absurd. So blöd sind doch die Leute nicht.“ „Wir werden ja sehen. Sie dürfen nicht vergessen, daß wir uns hier in Amerika befinden. Bei uns wird nicht soviel nachgedacht, da entscheidet man mehr nach dem Gefühl. Ob bei der Butter, beim Bier, oder beim Präsidenten. Und glauben Sie mir, kein Amerikaner, der ein bißchen stolz auf sein Land ist, wird jetzt Glime wählen, weil er nicht das Risiko eingehen will, das ich angedeutet habe.“ „Na ja, vielleicht haben Sie da gar nicht mal so schlecht gedacht. Jedenfalls ist das eine gut Antwort auf das Nazibild der Demokraten.“ „Das denke ich auch. Um bei den Übertreibungen zu bleiben. Die Leute sagen sich doch: Lieber einen Diktator, der stolz auf sein Land ist, als einen Schwächling, der sich besetzen läßt.“ Damit war das Gröbste überstanden und so kam es, daß sich Teggar bei der nächsten Wahlkampfveranstaltung schon wieder bedeutend wohler fühlte. Er stand vor gut 4000 Menschen, die größtenteils Anhänger der Republikaner waren. Jene galt es zu füttern und dazu waren natürlich vor allem Angriffe auf den politischen Gegner notwendig. Aber zunächst machte Teggar Werbung für sich. „Liebe Freunde, ich bin heute bei Euch, weil ich will, daß Ihr mich kennenlernt. Was bringt es Euch wenn Ihr mich in diesem viereckigen Kasten seht, den man Fernseher nennt? Nicht viel und darum bin ich heute zu Euch gekommen um Euch zu beweisen, daß ich ein Mensch zum Anfassen bin. Das wird natürlich auch so bleiben, falls ich zum Präsidenten gewählt werde. Nun aber genug von mir, widmen wir uns lieber der Konkurrenz. Da gibt es ein Plakat der Demokraten, das mich mit Hitlergruß zeigt. Jeder vernünftige Mensch hat erkannt, daß es sich dabei um eine Fotomontage handelt und die, die es bisher noch nicht gemerkt haben, wissen es jetzt. Mich mit einem Nationalsozialisten zu vergleichen ist eine ungeheuerliche Beleidigung. Da man in diesem Land vor Gericht keine Chance hat, werde ich mich mit Beleidigungen wehren. Dieser Glime, der nicht einmal weiß wieviel drei und acht sind, will also Präsident werden. Früher war es noch so, daß Präsidentschaftskandidaten eine Persönlichkeit haben mußten, aber das gilt bei den Demokraten anscheinend nicht mehr. Es scheint mir viel eher so, als würden die den Präsidentschaftskandidaten auslosen.“ Gelächter kam auf. „Nun ja, das ist ihre Sache und damit nicht unser Problem. Ich könnte jetzt wieder damit anfangen, die ganzen Verfehlungen und Verbrechen der Demokraten aufzuzählen, aber so lange habt Ihr halt leider nicht Zeit, denn das würde mindestens bis morgen früh dauern. Nur ein paar Stichpunkte: Erst haben die Demokraten den Leuten zuviel Steuern abverlangt und erst jetzt kurz vor der Wahl kommen sie auf die Idee, ein bißchen was von diesem Geld für gemeinnützige Zwecke zu verwenden. Auf so eine Doppelmoral können wir gerne verzichten, weil wir genau wissen, daß sie das Geld behalten hätten, wenn keine Wahlen vor der Tür stehen würden.“ Applaus war zu hören. „In steter Regelmäßigkeit haben sich die Minister der Demokraten blamiert. Diese Leute sind wirklich mit unglaublicher Treffsicherheit in jedes Fettnäpfchen getreten, das vor ihnen stand. Wenn das nicht alles so traurig wäre, müßte man sie tatsächlich für einen Eintrag ins Guinessbuch der Rekorde vorschlagen.“ Wieder hatte Teggar die Lacher auf seiner Seite. „Da drohen die Damen und Herren der Regierung dem Irak monatelang mit einem Militärschlag, ziehen dann feige zurück und wundern sich, wenn sich die Iraker fast totlachen über unsere Feigheit. Gerade am Golf wäre ein zielstrebiges Handeln erforderlich. Mit Zögern und Zaudern erreicht man dort nichts. Auch sonst haben die Demokraten überall versagt. Wie können sie es nur wagen, davon zu sprechen, daß unsere Wirtschaft gesund wäre? Überall tauchen die niedrigen Arbeitslosenzahlen auf, aber wenn man genauer hinschaut, erkennt man sofort, daß das alles nur Schönfärberei ist. Diese neuen Jobs, die da entstanden sind, das sind Billigjobs, von denen man nicht einmal leben kann. Also wirklich, so etwas werden wir uns nicht länger bieten lassen! Jetzt kommen wir aber endlich zum Wichtigsten überhaupt. Nämlich zu den Fragen, die sich Millionen amerikanische Bürger stellen. Was ändert sich, wenn ein Republikaner Präsident wird? Sehr viel, meine lieben Freunde und alles wird zum Guten gewendet, das kann ich Ihnen versprechen. Wir werden die Kinder von der Straße holen und sie in die Schulen bringen, wo sie neben Wissen auch Moral, Sitte und Tradition kennenlernen werden. Es kann doch wohl nicht sein, daß sich viele Leute in unserem Land nicht ohne Waffe aus dem Haus trauen. Wir werden dafür sorgen, daß die Kriminalität gegen Null tendiert, weil wir Verbrechen so hart bestrafen werden, daß es sich wirklich nicht mehr lohnt. Wir werden dafür sorgen, daß niemand mehr einen Grund hat, Verbrechen zu begehen. Wir werden Amerika wieder zur Weltmacht Nummer eins machen und uns nicht so verarschen lassen wie die Demokraten! Wir sind die Republikaner und wir sind stolz auf unser Land und das soll auch die ganze Welt erfahren!“ rief Teggar, um danach im großen Jubel unterzutauchen. Auch dieses Mal hatte er sich keine Blöße gegeben und sein kämpferischer Auftritt hatte viele Zweifler überzeugt. Sie wußten nun endgültig, daß Teggar wußte, was er wollte. So flogen die vier Berater Teggars mit ihrem Boß bald darauf in guter Stimmung nach New Orleans, wo man sich zunächst ein wenig erholen wollte. Man ging gerade zwei Minuten durch die Straßen, als bereits die ersten Leute vor ihnen stehen blieben und erstaunt feststellten, daß der Präsidentschaftskandidat der Republikaner vor ihnen stand. Mit der Zeit wurden es immer mehr Leute und es dauerte nicht lange, da war schon die erste Kamera vor Ort. Ein lokales Fernsehteam nutzte die Chance, um ein Exklusivinterview mit Teggar zu bekommen. „Herr Teggar, wie gefällt es Ihnen in New Orleans?“ wollte ein Reporter wissen. „Oh, es ist wunderschön hier.“ „Was gefällt Ihnen besonders an dieser Stadt?“ „Die schönen Häuser, das bunte Leben und natürlich vor allem die Menschen.“ „Was ist für Sie so besonders an den Menschen hier?“ „Das ist leicht zu sagen. Schauen Sie, ich ging hier mit meinen Beratern ein wenig durch die Straßen und wenig später war ich von ein paar hundert Menschen umringt, die mich freundlich begrüßten.“ „Wie lange wollen Sie denn hier bleiben?“ „Oh, das weiß ich jetzt noch nicht. Natürlich muß ich mich an meinem Terminplan orientieren, aber ich kann mir durchaus vorstellen, noch ein paar Stunden in dieser herrlichen Stadt zu verweilen. Auf alle Fälle werde ich gerne wiederkommen.“ „Auch dann, wenn Sie Präsident werden würden?“ „Selbstverständlich. Dann erst recht, denn schließlich muß ich mich in diesem Fall bei meinen lieben Wählern und Wählerinnen persönlich bedanken.“ „Aber als Präsident hätten Sie doch bestimmt wenig Zeit?“ „Möglich, aber ich denke, man hat immer soviel Zeit, wie man sich nimmt.“ „Das war ein schöner Schlußsatz. Herr Teggar, vielen Dank“, sagte der Reporter und ging weiter. „Alle Achtung. Sie sind ja auf alles vorbereitet“, meinte ein älterer Mann zu Teggar. „Man tut was man kann.“ „Jetzt, wo ich Sie schon mal persönlich treffe und überall verkündet wird, daß Sie immer für uns da sind, wollte ich Ihnen doch ein wenig von meinen Problemen erzählen.“ „Nur zu!“ „Also, Sie wissen ja wie das ist, wenn man älter wird, da geht nicht mehr alles so wie man will.“ „Was meinen Sie damit?“ „Im Bett natürlich.“ Die Umstehenden lachten. „Und da wollte ich Sie fragen, was Sie dagegen tun?“ „Na ja, ich kenne diese Probleme, die Sie anscheinend haben, nicht, aber ich würde Ihnen raten, Sie sollten mal einen Arzt aufsuchen.“ „Das habe ich schon, aber das hat auch nichts gebracht.“ „Tja, da kann ich Ihnen leider auch nicht helfen.“ „Aber es heißt doch immer, Sie hätten für alle Probleme eine Lösung.“ „Tut mir leid. Für Erektionsprobleme sind wir nicht zuständig.“ „Darf ich trotzdem noch eine persönliche Frage stellen?“ „Nichts dagegen.“ „Wie halten Sie es mit so einem Tier aus?“ „Was für einem Tier?“ „Na Ihrer Frau.“ „Keine Beleidigungen. Ich dachte, Sie hätten wichtige Probleme.“ „Also, in einer Ihrer Reden sagen Sie, daß alle Probleme wichtig sind.“ „Schon. Aber jetzt mal ganz ehrlich. Erwarten Sie, daß der amerikanische Präsident Ihre Erektionsprobleme beheben kann“ „Selbstverständlich. Dazu hat er doch das Oral Office.“ Gelächter kam auf. „Ich glaube, Sie meinen das Oval Office. Wie alt sind Sie denn?“ „82.“ „Na, was haben Sie denn? Da ist das doch ganz normal, daß Sie nicht mehr so können.“ „Aber wie um alles in der Welt soll ich dann meine Frau überreden bei mir zu bleiben.“ „Also, ganz ehrlich. Ich bin mir ganz sicher, daß Ihre Frau Sie so sehr liebt, daß es ihr nichts ausmacht, wenn Sie nicht mehr können.“ „Sie haben doch keine Ahnung von den Problemen der amerikanischen Bürger. Die wird immer schrecklich laut, wenn bei mir wieder nichts geht.“ „Wie alt ist Ihre Frau denn?“ „Blöde Frage. 14.“ „Was! Sie sind mit einer Vierzehnjährigen verheiratet?“ „Wo ist das Problem?“ „Ich dachte immer, so etwas ist verboten.“ „Na hört Euch den an! Will ein Politiker sein und hat von Politik keine Ahnung!“ „Was bei Euch in Louisiana alles möglich ist.“ „Da staunen Sie, was! Na ja, aber ich habe immer mehr Angst, daß sie sich scheiden läßt und ich weiß nicht wie ich das meinem zweijährigen Sohn erklären soll.“ „Jetzt schlägts aber dreizehn. Sie haben einen zweijährigen Sohn?“ „Sind Sie taub, oder was! Natürlich. Aber ich sehe schon, daß Sie mir auch nicht helfen können“, stellte der Alte fest und ging.

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