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| Andreas Jaun | An Fluss und See |

Andreas Jaun
An Fluss und See
Natur erleben – beobachten – verstehen
www.naturerleben.net

Andreas Jaun ist Biologe mit einem eigenen Büro in Spiez / Schweiz. Neben verschiedenen Projekten in den Bereichen Naturschutz, Artenförderung und Landschaftsplanung ist er auch in der Umweltbildung tätig.
Das Projekt «Natur erleben – beobachten – verstehen» mit Büchern, Website und ab Herbst 2011 mit einer iPhone-App wurde unterstützt von:
– BAFU (Schweiz. Bundesamt für Umwelt), Abteilung Arten / Ökologie / Landschaft und Sektion Umweltbildung, Bern
– Ricola AG, Laufen
– Bank Sarasin & Cie AG, Basel
1. Auflage: 2011
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.
ISBN 978-3-258-47673-5
Alle Rechte vorbehalten
Copyright © 2011 by Haupt Berne
Jede Art der Vervielfältigung ohne Genehmigung des Verlages ist unzulässig.
Gestaltung und Satz: pooldesign.ch
eBook-Herstellung und Auslieferung:
Brockhaus Commission, Kornwestheim
www.brocom.de
www.naturerleben.net in Partnerschaft mit www.naturgucker.net
www.haupt.ch
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Vorbereitung für den Ausflug an Fluss und See
Flüsse und Seen: Eine Einleitung
Wasser bedeutet Leben
Farbe des Wassers
Lebensraum Fließgewässer
Lebensraum Stillgewässer
Lebensraum Moore und Sümpfe
Lebensraum temporäre Stillgewässer
Wasserpflanzen
Wassertiere
Frühling
Einleitung Frühling
Amphibien – Leben im Wasser und an Land
Produzenten, Konsumenten und Destruenten
Nahrungsnetz
Die Ringelnatter – eine Wasserschlange
Paarungszeit und Brutzeit
Der Eisvogel – ein schillernder Fischer
Gehen auf dem Wasser – Wunder oder Physik?
Nachtexkursion ans Wasser
Kurzinformationen Frühling
Sommer
Einleitung Sommer
Wasserschlauch
Libellen – Leben in Wasser und Luft
Eine Larve – aber was wird daraus wohl entstehen?
Die Taumelkäfer
Die Aue
Taucher mit acht Beinen
Problematische Neuzuzügler unter den Pflanzen
… und unter den Tieren
Leben an der Quelle
Kurzinformationen Sommer
Herbst
Einleitung Herbst
Der Biber – ein tierischer Baumeister
Schaurige Moorlandschaften
Fische – die unbekannten Schuppen- und Flossenträger
Hydrophile Käfer
Kurzinformationen Herbst
Winter
Einleitung Winter
Eis
Überwinterungsstrategien der Wasserbewohner
Gefiederte Wintergäste
Tarnungsspezialist
Weichtiere mit harter Schale
Die Wasseramsel
Fischotter – pelzige Jäger im und am Wasser
Das Schilfrohr
Kurzinformationen Winter
Anhang
Fragen und Antworten
Dank
Bildnachweis
Vorwort
Ein Spaziergang am Wasser ist jahreszeitlich bedingt immer wieder für Überraschungen gut. Da dienen Seerosenblätter kleinen Fröschen als Rastplatz, im Schilfgürtel bauen zahlreiche Wasservögel ihre Nester, Lurche und Insekten kreuzen unseren Weg und da finden sich Totholzhaufen, die sehr lebendig sind. Mit etwas Glück können Reiher, Eisvogel und Biber beobachtet werden. Die Tier- und Pflanzenwelt von Gewässern ist besonders vielfältig und vernetzt.
Runter vom Sessel, hinein in die Natur! Erleben Sie die unbekannte Natur vor der Haustür, spüren Sie den Zusammenhängen nach und entdecken Sie, wie raffiniert sich die Natur auch auf kleinem Raum eingerichtet hat. Dafür werden keine besonderen biologischen Kenntnisse vorausgesetzt – was Sie für Ihre Erkundungen benötigen, wird durch das vorliegende Buch (und dessen Folgebände) vermittelt. Besonders hilfreich sind dabei die Beobachtungstipps, die Sie stets am Ende der einzelnen Kapitel finden.
Und weil die Natur nichts Statisches ist, sondern das Resultat von Vernetzungen und gegenseitigen Abhängigkeiten und weil das Erkunden ja auch Spaß machen soll, finden Sie überall Verweise auf andere, verwandte Themen im Buch sowie auf Geräusche, Filme und zusätzliche Bilder auf der Website www.naturerleben.net. Beispielsweise ist die Wasseramsel der einzige Singvogel, der sowohl gut fliegen und schwimmen als auch ausgezeichnet tauchen kann. Hören Sie ihre Stimme auf der Website und beobachten Sie im Film auf der Website wie sie schwimmend und tauchend ihre Nahrung sucht. Wenn Sie eigene Beobachtungen oder Fotos mit anderen teilen möchten, können Sie dies dank unserer Partnerschaft mit www.naturgucker.net auch ganz einfach über unsere Website tun.
Ab all dem Kreuz und Quer und Hin und Her zwischen Buchkapiteln und Website soll auch etwas hängen bleiben – mit den Quizfragen können Sie locker prüfen, wie viele Geheimnisse Sie schon gelüftet haben.
Ab Oktober 2011 gibt’s noch eine weitere Dimension zu entdecken: Mit der iPhone- App zur Buchreihe können zum Beispiel die häufigsten Tier- und Pflanzenarten in und an unseren Bächen, Flüssen und Seen bestimmt werden und das Beantworten der Quizfragen direkt in der Natur schärft Augen und Ohren.
Viel Spaß beim Beobachten, Entdecken und Erleben der Natur wünscht der Autor und Ihr Haupt Verlag!
Vorbereitung für den Ausflug an Fluss und See
Tiere
Behandeln Sie alle Tiere, die Sie beobachten möchten, mit Respekt. Wollen Sie Tiere zum näheren Beobachten fangen, ist besondere Vorsicht geboten. Sie sollten die Tiere nur kurz in einem Glas oder einer Becherlupe und Wassertiere nur in einem Gefäß mit Wasser betrachten. Achten Sie auf Schatten, denn in den Gefäßen kann es für die Tiere sehr schnell zu heiß werden. Wichtig ist auch, die Tiere wieder am selben Ort freizulassen. Viele Arten haben besondere Anforderungen an ihren Lebensraum. Zudem besteht besonders bei Amphibien die Gefahr, mit den Tieren einen gefährlichen Krankheitserreger zu verschleppen.
Pflanzen
Pflanzen lassen sich meist gut betrachten, ohne dass Teile oder ganze Pflanzen ausgerissen werden müssen. Auch abgestorbene Pflanzenteile bieten vielen Arten Unterschlupf oder dienen als Überwinterungsverstecke. Bewegen Sie sich bitte sehr vorsichtig, um die Ufervegetation nicht zu beeinträchtigen.
Abfälle
Hinterlassen Sie keine Abfälle. Warum nicht auch störenden Abfall von anderen mitnehmen? In einen zusätzlichen Plastiksack verpackt, machen Abfälle Ihre Tasche nicht schmutzig. So wie Sie eine saubere Umgebung schätzen, werden Ihnen andere dankbar sein.

Hunde
Die meisten Hunde lieben Wasser. An natürlichen oder renaturierten Fluss- und Seeufern sollten Sie aber auf mögliche Konflikte mit Wildtieren achten. Für viele Tiere sind diese Bereiche die letzten verbliebenen Lebensräume zur Aufzucht ihrer Jungen. In Naturschutzgebieten und Zonen, in denen Leinenpflicht besteht, dürfen Hunde wirklich nicht frei laufen gelassen werden.

Ausrüstungsliste
Natürlich sind Beobachtungen auch ohne Spezialausrüstung möglich, doch mit ein paar Hilfsmitteln machen sie mehr Spaß:
| › | Notizbuch und Schreibzeug |
| › | Lupe (Becherlupe) |
| › | Kescher (Fangnetz) |
| › | Durchsichtige Fangbehälter (z. B. Marmeladenglas) |
| › | Flache Schalen zum Beobachten von Wassertieren |
| › | Fernglas |
| › | Kamera (idealerweise spritzwasserdicht oder sogar wasserdicht) |
| › | Pflanzen- und Tierbestimmungsbücher |
| › | Taschenmesser |
| › | Apotheke mit Desinfektions- und Insektenschutzmittel |
| › | Zwischenverpflegung |
| › | Angepasste Kleidung (z. B. Stiefel, Sonnenschutz) |
Sicherheit
Gewässer sind faszinierende Lebensräume, bergen aber auch Gefahren. Besonders Kinder müssen immer unter Aufsicht sein, da sie die Gefahren noch nicht richtig einschätzen können. Aber auch Erwachsene sind sich der Risiken nicht immer bewusst. Gewitter können Fließgewässer sehr schnell extrem ansteigen lassen. Etwas verzögert zeigen sich die Folgen auch außerhalb der eigentlichen Niederschlagszonen. Lassen Kraftwerke Wasser ab, führt das zu erheblichen Wasserstandänderungen innerhalb kurzer Zeit. Im Winter sollten nicht freigegebene Eisflächen nicht betreten werden. Eine scheinbar dicke Eisschicht kann an gewissen Stellen (zum Beispiel im Bereich von Zuflüssen) viel schwächer sein.



Im Frühling beginnt wieder das Wachstum der verschiedenen Wasserpflanzen.
Wasser bedeutet Leben
Gewässer wie Seen, Flüsse und Bäche hatten für uns Menschen schon immer eine große Bedeutung. Die Besiedlung der Kontinente erfolgte vermutlich zunächst entlang der Wasserwege. Hier war immer Wasser und Nahrung zu finden, außerdem konnte unwegsames und dicht bewachsenes Gelände auf dem oder am Wasser leichter überwunden werden. Auf dem Wasserweg lassen sich auch relativ leicht schwere Güter transportieren. Mit Beginn der technischen Revolution wurde fließendes Wasser zum Antrieb von Maschinen eingesetzt und diente später auch der Stromerzeugung. Schließlich darf die Bedeutung des Wassers für Freizeit und Erholung nicht vergessen werden. Baden, Schwimmen, Tauchen, Rudern, Segeln oder einfach nur entspannt am Ufer sitzen – Menschen suchen gerne die Nähe des Wassers. Und dieser Aspekt wird immer wichtiger.
Wasser ist eine chemische Verbindung von Sauerstoff und Wasserstoff mit einzigartigen Eigenschaften. Wasser ist unabdingbar für alles Leben auf der Erde. Vor mehr als drei Milliarden Jahren entstanden in den Urozeanen die ersten einfachen Lebensformen. Lange Zeit entwickelte sich das Leben ausschließlich im Wasser und erreichte dort eine ungeheure Artenvielfalt. Vor weniger als 500 Millionen Jahren begannen die ersten Pflanzen das Land zu besiedeln, blieben jedoch vom Wasser abhängig.
«Gehen auf dem Wasser»
Ohne Nahrung können Mensch und Tier längere Zeit überleben, jedoch nicht ohne Wasser. Aber nicht alles Wasser kann von allen Lebewesen genutzt werden. Wichtig ist, zwischen Meerwasser (also Salzwasser) und Süßwasser zu unterscheiden. Je nach Salzkonzentration im Wasser sind unterschiedliche physiologische Anpassungen von Tieren und Pflanzen erforderlich. Es gibt nur relativ wenige Wasserbewohner, die sowohl im Meer als auch im Süßwasser leben können. Bekannte Beispiele sind Wanderfische wie der Atlantische Lachs (Salmo salar) und der Europäische Aal (Anguilla anguilla).

Renaturierter Flussabschnitt
Lachs
Aal
Gewässer stellen aber auch Hindernisse dar und können zum Beispiel bei Hochwasser große Schäden an Infrastruktur und Kulturland anrichten. Vielerorts wurden Gewässer aufwändig korrigiert, kanalisiert, verbaut oder sogar eingedolt. Dadurch wurden aber nicht nur Probleme gelöst, sondern auch neue geschaffen. Durch das schnelle Ableiten des Wassers wurden zum Beispiel die Engpässe und die Hochwassergefahr weiter flussabwärts verlagert. Aber die größten negativen Auswirkungen haben diese Gewässerkorrekturen auf die natürlichen Bewohner der Gewässer und der Auenlandschaften (zum Beispiel Fischotter, Biber, Flusskrebse, Flussuferläufer). Fehlende Gewässerdynamik, verbaute Ufer, Staudämme als Barrieren und zu geringe Restwassermengen sind nur einige Aspekte. Da konnten auch die deutlichen Verbesserungen in Sachen Wasserqualität keinen Ausgleich schaffen.
«Fischotter»
«Der Biber»
«Flusskrebse»
Erfreulicherweise hat in den letzten Jahren ein Umdenken eingesetzt. Vielerorts sind Renaturierungen und Aufwertungen von Gewässern und Uferbereichen geplant oder bereits umgesetzt. In diesen aufgewerteten Gebieten fühlen sich nicht nur die ursprünglichen Bewohner dieser Lebensräume wohl, sondern auch der Mensch. Daher kommt es leider immer wieder zu Konflikten zwischen Naturschutzinteressen und Naherholungsansprüchen. Aber mit Toleranz, Gesprächsbereitschaft und vor allem Verständnis für die Ansprüche der Gewässer- und Auenbewohner sollten sich gute Lösungen finden lassen.

Bei Zusammenflüssen lassen sich oft unterschiedliche Farben des Wassers erkennen. Je nach Ursprungsgebiet und Sedimentfracht können die Unterschiede deutlich oder fast nicht erkennbar sein.
Farbe des Wassers
Das Wassers eines tiefen Bergsees ist wunderbar blau, das Leitungswasser in einer Flasche farblos, das Wasser eines Tieflandflusses grünbraun, der Moortümpel ganz klar, aber braun (nicht getrübt) und das Wasser eines Gletscherbaches milchig trüb. Welches ist nun die ursprüngliche Farbe des Wassers, und woher kommen die Variationen? Hat das aktuelle Wetter Einfluss? Wie Sie sicher richtig getippt haben, ist reines Wasser farblos und klar. Aber warum sehen die Gewässer dann so unterschiedlich aus?
Viele Flüsse im Tiefland transportieren Schwebstoffe und sind reich an organischen Substanzen. Der relativ hohe Nährstoffgehalt fördert das Algenwachstum. Das Wasser ist daher oft grünbraun gefärbt. Auch Gletscherbäche sind schwebstoffreich. Der Gesteinsabrieb des Gletschers führt zu einer milchigen Färbung. Die sogenannte Gletschermilch beeinflusst die Wasserfarbe über viele Kilometer. Wenn dieses Wasser in einen See gelangt, sammeln sich dort die Schwebstoffe. Vor allem die blaugrünen Anteile des Sonnenlichts werden reflektiert, der See schimmert dann oft in einem schönen Türkis. Moorwasser dagegen ist meist ganz klar. Seine braune Färbung, die auch an den aus Moorgebieten fließenden Bächen zu beobachten ist, rührt von Huminstoffen her, die im Wasser gelöst sind. Das klassische Blau eines Gewässers ist auf die Streuung des Sonnenlichts zurückzuführen. Andere Lichtanteile, wie beispielsweise Rot, werden absorbiert, während die blauen Anteile gestreut und damit zum Betrachter zurückgeworfen werden. Je tiefer ein Gewässer, desto stärker ist dieser Effekt. Die «Wassertiefe» in einem Glas oder einer Flasche reicht nicht, um ihn sichtbar zu machen. Die oft geäußerte Vermutung, die blaue Farbe sei auf die Spiegelung des blauen Himmels zurückzuführen, ist auch nicht ganz falsch. Je nach Betrachtungswinkel kann sich der Himmel sehr stark auf der Wasseroberfläche spiegeln und den Farbeindruck massiv verstärken oder verändern.
«Schaurige Moorlandschaften»

Das Blau des Wassers vor dieser Kormorankolonie wird durch den blauen Himmel noch verstärkt.
Beobachtungstipps 
Machen Sie im Laufe eines Jahres Fotos von je einem Stillgewässer und einem Fließgewässer zu verschiedenen Jahreszeiten, unterschiedlichen Tageszeiten und bei verschiedenen Wetterlagen. Beschriften Sie diese, sodass Sie sie richtig zuordnen können. Vergleichen Sie die Farbe des Wassers zwischen den verschiedenen Aufnahmen.
Fragen
| › | Welche Faktoren beeinflussen die Intensität der Blaufärbung des Wassers? |
| › | Welche Ursachen können zu braunem Wasser führen? |
Antworten
Lebensraum Fließgewässer
Ein Fluss ist ein mehr oder weniger natürliches Fließgewässer. Die umgangssprachlichen Begriffe Bächlein, Bach oder Strom stehen für eine Klassierung nach Abflussmenge. Zudem kann ein Bach vom Kronendach vollständig beschattet werden, ein Fluss ist jedoch zu breit dazu. Die Beschattung beeinflusst das Pflanzenwachstum und die Wassertemperatur. In der Praxis sind die Grenzen zwischen den Begriffen aber nicht leicht zu ziehen. Erschwerend kommt dazu, dass die Wassermengen auch unter natürlichen Bedingungen stark schwanken. Sehr verallgemeinernd lässt sich ein Fluss in vier verschiedene Abschnitte unterteilen. Innerhalb dieser gibt es jedoch immer wieder Bereiche, die auch einem anderen Abschnitt zugeordnet werden könnten. Besonders in den oberen Abschnitten können sich Bereiche mit starkem und geringem Gefälle mehrmals abwechseln.
Quellgebiet
Jeder Fluss, der ins Meer mündet, entsteht aus vielen Nebenflüssen und hat entsprechend viele Quellgebiete. Meist wird aber nur eine Quelle pro Fluss festgelegt. Um diese zu ermitteln, kann man sich flussaufwärts von der jeweils größten Wasserführung leiten lassen oder durch die längere Fließstrecke. Manchmal wird aber auch ein besonderer Ort als Quelle festgelegt. Ein Beispiel ist der Tomasee im Kanton Graubünden als Quelle des Rheins.

Schwemmebene eines Flussoberlaufes. Das Material wird hier deponiert und umgelagert, daher kommt es zu den verzweigten Läufen.

Gletscherbach kurz nach dem Austritt aus dem Gletscher
Als eigentliche Quelle bezeichnet man einen Ort, wo das Grundwasser auf natürliche Weise aus dem Boden tritt. Es gibt verschiedene Typen, die austretende Wassermenge unterscheidet sich und kann im Laufe des Jahres variieren. Die charakteristische Lebensgemeinschaft umfasst insbesondere Insektenlarven, neben den Larvender Zweigestreiften Quelljungfer (Cordulegaster boltonii), einer Libellenart, beispielsweise Larven verschiedener Eintags- und Steinfliegenarten.
«Leben an der Quelle»
Eintagsfliegenlarve
Oberlauf
Im Oberlauf ist das Gelände deutlich profiliert, und die Flüsse weisen meist ein starkes Gefälle auf. Das führt bei starker Tiefen- und Seitenerosion zu tief eingeschnittenen Kerbtälern (auch als V-Täler bezeichnet). Die Flüsse können sich aber auch in tiefe Schluchten mit fast senkrechten Wänden einfressen oder sich in flachen Abschnitten stark verzweigen. Das Flussbett ist im Oberlauf stark strukturiert, immer wieder gibt es kleinere und größere Wasserfälle. Die starken Verwirbelungen und die niedrigen Wassertemperaturen führen zu einer hohen Sauerstoffsättigung des Wassers. Es gibt kaum größere saisonale Schwankungen der Wassertemperatur.
Schäumender Gebirgsbach mit Schwemmholzablagerungen
Wegen der Erosion, der laufenden Materialumlagerungen und der Verwirbelungen können sich hier praktisch keine höheren Wasserpflanzen ansiedeln. Die wenigen Nährstoffe werden meist schnell wieder weitertransportiert. Die Zahl der Larven von Steinfliegen, Köcherfliegen und Eintagsfliegen ist oft erstaunlich. Auch Bachforellen (Salmo trutta) und (zumindest früher) junge Lachse haben hier ihren Lebensraum. Die Wasseramsel ist an diesen Flussabschnitten ebenfalls häufig zu beobachten.
«Eine Larve»
«Fische»
«Die Wasseramsel»
Mittellauf
Im Mittellauf ist das durchschnittliche Gefälle bereits deutlich geringer, entsprechend kleiner ist die Fließgeschwindigkeit. Das abgelagerte Material, wie Kies und Sand, ist immer noch zum großen Teil grobkörnig, aber bereits weitgehend rundgeschliffen. In diesem Abschnitt überwiegt die Seitenerosion klar gegenüber der Tiefenerosion. Das Flussbett wird dadurch breiter, was die Fließgeschwindigkeit weiter herabsetzt. Kleine Steine und Sand werden immer noch weitertransportiert, größere Steine aber nur noch bei Hochwasser mitgerissen. Da es im Mittellauf immer wieder dynamischere Abschnitte gibt, ist das Wasser noch sauerstoffreich. Neben Algen und Wassermoosen können hier auch höhere Pflanzen wie Wasserhahnenfußarten (zum Beispiel Ranunculus fluitans) wachsen. Bei den Fischen sind Bachforelle (Salmo trutta), Äsche (Thymallus thymallus) und Elritze (Phoxinus phoxinus) häufig. Unter den Vögeln sind Wasseramsel, Gänsesäger und Eisvogel zu nennen. Auch Eintags-, Stein- und Köcherfliegen sind im Mittellauf häufig. Es handelt sich aber um andere Arten als im Oberlauf. Charakteristisch und auffällig sind auch die Prachtlibellen (Calopteryx sp.).

Flusslauf mit gut sichtbarer Ufererosion
«Fische»
«Die Wasseramsel»
«Der Eisvogel»
Unterlauf
Im Unterlauf sind Gefälle und damit auch Fließgeschwindigkeit nochmals geringer als im Mittellauf. Durch kleine Unregelmäßigkeiten im Flussbett kommt es immer wieder zu kleinen Richtungsänderungen des Flusses und somit zur Ausbildung von Mäandern. Berühren sich mit der Zeit zwei benachbarte Schlingen, nimmt das Wasser die neu entstandene Abkürzung. Es bleibt dann ein sogenannter Altarm zurück, der mit der Zeit zu einem langsam verlandenden Altwasser werden kann.
«Mäander»

Weibchen einer Blauflügel-Prachtlibelle (Calopteryx virgo)

Eintagsfliege
Eintagsfliege

Unterlauf eines Flusses gesäumt von Auenwald
Ausgedehnte Auenlandschaften bilden sich aus. Im untersten Bereich, an der Mündung ins Meer oder in Seen, kommt es unter natürlichen Bedingungen zu einer Verästelung des Flusslaufes. Im Mündungsbereich reduziert sich die Fließgeschwindigkeit, das mitgeführte Material lagert sich ab. Der Fluss muss seine eigenen Ablagerungen umfließen, wodurch es immer wieder zu neuen Verzweigungen kommt. Große Flüsse haben so über die Jahrtausende Deltas von vielen Hundert Quadratkilometer Fläche aufgeschüttet.
«Die Aue»
Das Wasser weist im Unterlauf einen hohen Anteil an Schwebstoffen (Tonteilchen und organisches Material) auf. Der Nährstoffgehalt ist entsprechend hoch, der Sauerstoffgehalt geringer als in den oberen Flussabschnitten. Die Pflanzenwelt ist vielfältiger. Im Uferbereich können ausgedehnte Schilfröhrichte (Phragmites australis) entstehen. In den Altarmen und Altwässern wachsen zudem verschiedene Schwimmblattpflanzen, wie zum Beispiel die Weiße Seerose (Nymphaea alba) und die Große Teichrose (Nuphar lutea).
«Das Schilfrohr»
«Wasserpflanzen»
Seerose
Mäander – oder das Schlängeln von Fließgewässern 

Beginn der Mäanderbildung: Auf der Kurvenaußenseite (Prallhang) wirkt die Erosion, und auf der Innenseite (Gleithang) wird Material abgelagert.

Eine Abfolge von solchen Flussschlingen wird als Mäander bezeichnet. Wenn sich zwei Schlingen berühren, kommt es zu einem Durchbruch. So entstehen Altarme und Altwasser.

Flusslauf mit Altarm (einseitig verbunden)

Flusslauf mit Altwasser (vollständig vom Flusslauf getrennt)
Entstehung von Mäandern bis zur Abschnürung von Altwasserarmen
Ein verlässliches Kennzeichen für natürliche Fließgewässer des Flachlandes sind schlängelnde Gewässerläufe. Der Begriff Mäander geht auf den Fluss Büyük Menderes in der Westtürkei zurück, der in der Antike Maiandros hieß und einen sehr stark gewundenen Lauf hatte. Mäander bilden sich in einem bestimmten Bereich von Abflussmenge und Gefälle. Die deutlichsten Flussschlaufen entstehen bei mäßigem bis geringem Gefälle und mäßiger Strömung. Das Gelände muss allerdings gut formbar sein. An der Kurvenaußenseite (Prallhang) wird Material abgetragen, an der Innenseite (Gleithang) wird Material abgelagert. Mit der Zeit entstehen so die typischen Mäander, welche die Fließstrecke enorm verlängern und die Fließgeschwindigkeit verringern.
Grottenolm (Proteus anguinus)
Unterirdische Fließgewässer
Es gibt Stellen, wo Fließgewässer aus dem Fels austreten, und solche Stellen, wo sie im Boden verschwinden. Es existieren auch Seen ohne oberirdische Abflüsse. Vor allem in kalkhaltigem Gestein kann Wasser über längere Zeit große und ausgedehnte Höhlensysteme bilden, durch die Flüsse viele Kilometer unterirdisch fließen.
Erstaunlicherweise leben sowohl in den Höhlengewässern als auch im Grundwasser zahlreiche Wassertiere, unter anderem Schnecken, Ruderfußkrebse, Wasserasseln und Flohkrebse. Aufgrund ihres Lebens in völliger Dunkelheit sind die Tiere ohne Pigmente und erscheinen dadurch weiß oder durchsichtig. Die kleinen Arten ernähren sich hauptsächlich von den Bakterienfilmen auf dem Substrat. Der Grottenolm, eine höhlenbewohnende Amphibienart mit pigmentloser Haut, ernährt sich wiederum von diesen kleinen Wasserwirbellosen.
Wasserassel
Grottenolm
«Erstaunliche Selbstheilungsfähigkeiten»
Die kleinen Fließgewässer
Den weitaus größten Anteil am Gewässernetz haben die vielen kleinen Fließgewässer. Sie sind leider auch heute noch unter starkem Druck. Nach wie vor werden neue Abschnitte begradigt, verbaut oder gar eingedolt. Meist geschieht dies schleichend und weitgehend unbemerkt, weshalb sich kein großer Widerstand regt.
Die Groppe lebt gerne auch in kleineren, kühlen Fließgewässern mit steinigem Grund.

Intensiv genutzte Uferbereiche eines kleinen Fließgewässers
Es ist äußerst wichtig, dass auch diese vielen kleinen bis sehr kleinen Gewässer geschützt und aufgewertet werden. Die intensive Nutzung bis in Uferbereiche zerstört vielerorts den Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten und lässt wertvolle Ufergehölze nicht aufkommen.
«Ufergehölze»
Beobachtungstipps 
Versuchen Sie, die verschiedenen Fließgewässer, die Sie kennen, einem der oben genannten Abschnitte zuzuordnen. Wahrscheinlich werden Sie feststellen, dass das nicht immer so einfach und eindeutig möglich ist. Betrachten Sie die Sedimente im Wasser und am Ufer. Sind es vorwiegend große Steine, kleine Steine oder gar Sand? Sind die Steine stark gerundet? Achten Sie doch auch auf die Strömungsgeschwindigkeit und die Turbulenzen. Wenn Sie ein Blatt oder kleine Holzstücke ins Wasser werfen, sehen Sie gut, was damit geschieht. Vielleicht gelingt es Ihnen, auch eine der erwähnten typischen Arten zu entdecken!
Interessant, aber oft ernüchternd ist der Vergleich der aktuellen Situation oder von Luftbildern (z. B. aus Google Earth) mit alten Fotos, Landkarten oder Gemälden.
Fragen
| › | Wie entstehen Altwasser? |
| › | Worin besteht der Unterschied zwischen Altwasser und Altarm? |
| › | Wie sieht das Bett eines Fließgewässers im Bereich des Deltas aus? |
| › | Was sind Mäander, und wie entstehen sie? |
| › | In welchen Gewässerabschnitten kann man Bachforelle und Äsche finden? |
Antworten
Lebensraum Stillgewässer

Glazial entstandener See (Thunersee)
Unter dem Begriff Stillgewässer werden alle Binnengewässer mit stehendem Wasser zusammengefasst, unabhängig von ihrer Größe und Entstehung.
Seen
Seen sind kleinere und größere Gewässer mit einer Tiefe von meist mehreren Metern. So kann sich eine Temperaturschichtung ausbilden, die längere Zeit bestehen bleibt. Aufgrund ihrer Größe und Tiefe sind diese Stillgewässer nur im Uferbereich und den Flachwasserzonen von Wasserpflanzen bewachsen.
«Wasserzirkulation in Seen»
Flussbarsch
Die Entstehung der Seen Mitteleuropas ist am häufigsten auf die abtragende oder aufschüttende Wirkung von Gletschern zurückzuführen. Glazialen Ursprungs sind zum Beispiel die meisten Seen in den Alpen und im Alpenvorland (beispielsweise Thunersee, Chiemsee). Aber auch norddeutsche Seen, wie beispielsweise der Schweriner See, sind auf vergangene Gletschertätigkeiten zurückzuführen. Daneben gibt es Seen, die durch tektonische Vorgänge, Bergstürze, Karstprozesse oder vulkanische Aktivitäten (Kraterseen) entstanden sind. Eine Sonderstellung nehmen großflächige, aber sehr flache Seen (beispielsweise Neusiedler See) ein. Solche Steppenseen sind oft nicht einmal zwei Meter tief, was der obigen Definition widerspricht.
Seen wirken im Gegensatz zu den Fließgewässern sehr konstant und ruhig und scheinen keinen großen Veränderungen unterworfen zu sein. Dieser Eindruck täuscht jedoch.
Zum einen treten jahreszeitliche temperaturbedingte Umwälzungen auf. Zum anderen können je nach Lage und Windverhältnissen beträchtliche Wellen entstehen, die zu Ufererosion führen. Zuflüsse tragen kontinuierlich Material in das Seebecken ein, wodurch ausgedehnte Deltas entstehen können. Über einen Zeitraum von Tausenden von Jahren werden die Seen langsam aufgefüllt. Man spricht von Auflandung. Bei kleinen Seen geschieht das natürlich deutlich schneller. Aber auch ohne regelmäßigen Stoffeintrag durch Zuflüsse werden die Uferbereiche langsam seichter, denn abgestorbene Pflanzen und Tiere lagern sich ab. Dies geschieht besonders im Bereich von Röhrichten. Die Pflanzengemeinschaften der Uferzonen können dadurch immer weiter in den See hinein wachsen. In diesem Fall spricht man von Verlandung. Normalerweise wirken an einem See sowohl Auflandungs- als auch Verlandungsprozesse. Über aufgefüllten Seen können unter günstigen Bedingungen ausgedehnte Moore entstehen.
«Wasserzirkulation in Seen»
«Das Schilfrohr»
«Uferzonierung»
«Lebensraum Moore und Sümpfe»
Je nach Höhenlage, Topografie und Nährstoffgehalt sind in den Seen ganz verschiedene Pflanzen und Tiere anzutreffen. Hoch gelegene Seen zeigen eine geringere Artenvielfalt als Tieflandseen. Wo sich eine ausgeprägte Uferzonierung bilden konnte, leben normalerweise viele verschiedene Pflanzen- und Tierarten. Seeforelle (Salmo trutta lacustris) und Flussbarsch (Perca fluviatilis) sind typische Bewohner des Freiwasserbereichs von Seen, während in den Uferbereichen oft dieselben Arten wie in Weihern und Tümpeln leben.
«Fische»

Weiher
Weiher und Teiche
Weiher und Teiche sind meist deutlich kleiner als Seen. Maßgebend für die Abgrenzung ist in erster Linie die geringe Wassertiefe, die keine stabile Temperaturschichtung ermöglicht. Flache Gewässer, die künstlich angelegt wurden und zumeist auch reguliert werden können, werden als Teiche bezeichnet. Für die Entstehung von Weihern gibt es verschiedene Ursachen (Rutschungen, Altwasser, Verlandungen usw.). Aber auch Biber können mit ihren Dämmen dazu beitragen. Aufgrund der geringeren Wassertiefe können Wasserpflanzen die ganze Wasserfläche erobern, und die Verlandungsprozesse laufen schneller ab. Neben den typischen Röhrichtpflanzen wie Schilf (Phragmites australis) und Rohrkolben (Typha sp.) wachsen hier Tannenwedel (Hippuris vulgaris), Tausendblatt (Myriophyllum sp.) und Froschlöffel (Alisma sp.). Aus dem Tierreich sind Wasservögel (etwa Blässhuhn, Zwergtaucher, Stockente), Insekten und deren Larven (Libellen, Wasserkäfer, Köcherfliegen, Wasserwanzen usw.), Mollusken (zum Beispiel Spitzschlammschnecken, Tellerschnecken), Amphibien (Bergmolch, Fadenmolch, Wasserfrosch, Erdkröte usw.) und Fische (zum Beispiel Moderlieschen, Stichling, Karpfen) anzutreffen.
«Der Biber»
«Wasserpflanzen»
«Was sind eigentlich Wasservögel»
«Libellen»
«Amphibien»
«Fische»

Tellerschnecke
Tellerschnecke
Spitzschlammschnecke
Beobachtungstipps 
Vergleichen Sie die Vielfalt, Dichte und Ausdehnung der Ufervegetation an Seen. Sie werden sicher große Unterschiede an unterschiedlichen Stellen eines Sees und zwischen verschiedenen Seen feststellen können. Entsprechend können Sie auch ganz unterschiedliche Tierarten entdecken. An der Ausbildung der Ufervegetation lässt sich im Jahresverlauf auch gut erkennen, ob der Wasserstand eines Sees mehr oder weniger konstant ist.
Ein Besuch an einem See ist nicht nur bei Badewetter interessant. Beobachten Sie einmal, was am Ufer bei hohem Wellengang geschieht.
Fragen
| › | Welche Ursachen für die Entstehung von Stillgewässern gibt es? |
| › | Was geschieht mit Seen im Laufe der Jahrtausende? |
| › | Was ist der Unterschied zwischen einem See und einem Weiher? |
Antworten
Lebensraum Moore und Sümpfe
Eine Sonderstellung nehmen die Moore und Sümpfe ein. Sie sind selbst keine Gewässer, weisen jedoch häufig kleine und größere offene Wasserflächen auf. Eine Abgrenzung zwischen Mooren und Sümpfen ist nicht einfach. Moore sind permanent wassergesättigt. Der daraus resultierende Sauerstoffmangel verhindert einen vollständigen Abbau der abgestorbenen Pflanzen (hauptsächlich Moose). Eine Torfschicht bildet sich. Sümpfe sind feucht und nass, können aber periodisch austrocknen. Die ausreichende Durchlüftung ermöglicht den Destruenten einen vollständigen Abbau der abgestorbenen Pflanzenteile, sodass sich keine Torfschicht ausbildet.
«Schaurige Moorlandschaften»

Typische Vegetation eines Hochmoores
Lebensraum temporäre Stillgewässer
Neben den permanenten Oberflächengewässern gibt es solche, die nur zeitweise Wasser führen. Dazu gehören Geländemulden, die sich nach größeren Niederschlägen oder nach der Schneeschmelze mit Wasser füllen und dann langsam wieder austrocknen, aber auch Pfützen und Fahrspuren, die nur Tage oder wenige Wochen Wasser führen.
Selbst die kurzlebigsten Gewässer werden von pflanzlichen und tierischen Einzellern besiedelt. Auch Mückenlarven oder Ruderwanzen sind zu finden. Temporäre Gewässer, die länger Wasser führen, werden gerne von Pionierarten unter den Amphibien wie der Kreuzkröte (Bufo calamita) als Laichgewässer genutzt.
Kreuzkröte
Beobachtungstipps 
Machen Sie sich doch einmal im Sommerhalbjahr nach einer längeren Niederschlagsperiode auf die Suche nach temporären Gewässern. Vielleicht finden Sie solche, die vielleicht einige Tage oder gar Wochen bestehen bleiben. Wenn Sie diese in regelmäßigen Abständen aufsuchen, werden Sie vermutlich einige interessante Beobachtungen machen können. Es gibt zahlreiche Arten, die solche Gewässer schnell finden und besiedeln können. Andere haben bereits vor Ort auf diese günstige Gelegenheit gewartet. Wenn Sie ein Binokular oder ein Mikroskop benutzen können, lohnt es sich, Wasserproben zu untersuchen.
Fragen
| › | Wie nennt man die Erstbesiedler von neu entstandenen Gewässern? |
| › | Was könnten die Vorteile für diese Erstbesiedler sein? |
| › | Welche Risiken gibt es für Erstbesiedler von neuen Gewässern? |
Antworten

Temporäres Stillgewässer mit Kreuzkröten-Kaulquappen
Wasserpflanzen
Zwar entwickelten sich die Vorfahren der heutigen Pflanzen wie die der Tiere im Wasser, die heutigen Wasserpflanzen stammen aber von Landpflanzen ab, die sich sekundär an das Leben im Wasser angepasst haben.
Oft ist es gar nicht einfach, eine klare Grenze zwischen Wasserpflanzen und Landpflanzen zu ziehen. Denn es gibt Arten, wie das Schilfrohr, die sowohl im Wasser als auch an Land wachsen können.
Bei den Wasserpflanzen lassen sich folgende Wuchsformen unterscheiden:
«Das Schilfrohr»
Wasserpflanzen ohne Verankerung (frei schwimmend)
Hier kann man zwei Gruppen unterscheiden. Es gibt einerseits die unter Wasser lebenden Arten, bei denen höchstens die Blüten aus dem Wasser ragen. Dazu gehören beispielsweise bestimmte Wasserschlauch- und Hornblattarten. Andererseits gibt es die Arten, deren Blätter auf der Wasseroberfläche schwimmen. Wasserlinsen und Froschbiss sind typische Vertreter dieser Gruppe.
«Wasserschlauch»

Wasserlinsen
Seekannenblüte
Wasserpflanzen mit Verankerung am Gewässergrund
Auch in dieser Gruppe kann man vollständig unter Wasser lebende, sogenannte submerse Pflanzen und Schwimm- oder Schwimmblattpflanzen unterscheiden.
Zu den submersen Pflanzen gehören etwa Laichkräuter, Tausendblatt, Wasserpest und Quellmoos, zu den «schwimmenden» Seerosen, Seekanne und gewisse Laichkräuter.
In der Realität ist es meist noch komplizierter, denn es gibt Wasserpflanzen, die sowohl Schwimmblätter als auch submerse Blätter haben. Bei anderen ragen die Blätter sogar deutlich aus dem Wasser, z. B. bei Pfeilkraut und Froschlöffel. Beim Tannenwedel gibt es neben untergetaucht lebenden Formen landlebende und Übergangsformen zwischen diesen Extremen.
Ein Pflanzenteil ragt aber bei den meisten Wasserpflanzen, auch den submersen, aus dem Wasser: die Blüten. Nur an der Luft können die Blüten von Insekten oder durch den Wind bestäubt werden. Es gibt aber auch wenige Arten, bei denen eine Bestäubung unter Wasser oder an der Wasseroberfläche nachgewiesen wurde.
Tannenwedel

Wasserhahnenfuß
Und was ist mit den Algen? 

Blaualgen
Die Algen werden heute nicht mehr zu den Pflanzen gezählt, auch wenn einige Arten, wie die Armleuchter- und Braunalgen äußerlich recht pflanzenähnlich sind. Unter dem Sammelbegriff Algen werden sehr unterschiedliche Lebewesen zusammengefasst, die systematisch nicht näher verwandt sind, aber fast alle Fotosynthese betreiben. Die Spanne reicht von Einzellern über Zellkolonien (wie z. B. Volvox) bis zu großen vielzelligen Arten wie den erwähnten Armleuchter- und Braunalgen.
Auch Blaualgen betreiben Fotosynthese. Dabei handelt es sich aber nicht um Algen, sondern um Bakterien (Cyanobakterien), die im Gegensatz zu den anderen «Algen» keinen Zellkern haben. Die Cyanobakterien zählen zu den ältesten bekannten Organismen der Erde. Sie existierten vermutlich schon vor 3,5 Milliarden Jahren.
Kugelalgen
Anpassungen der Wasserpflanzen
Die Lebensbedingungen im Wasser erfordern von den Pflanzen verschiedene Anpassungen. Pflanzen in Gewässern mit deutlicher Strömung sind großen mechanischen Belastungen ausgesetzt. Um den Strömungswiderstand zu reduzieren, sind ihre Blätter meist fein geteilt und die Sprossachsen richten sich flexibel nach der Strömung (beispielsweise Wasserhahnenfuß). Submerse Pflanzen müssen das für die Fotosynthese benötigte Kohlendioxid aus dem Wasser gewinnen, das dort nur in sehr geringer Konzentration vorhanden ist. Um die Aufnahme zu erleichtern, ist die Blattoberfläche häufig vergrößert (schmale oder geschlitzte Blätter) und die Wachsschicht (Cuticula) auf der Blattoberfläche reduziert (zum Beispiel Tausendblatt oder Wasserpest). Die Wurzeln dienen meist nur noch zur Verankerung. Die Nährstoffaufnahme aus dem Wasser erfolgt über die gesamte Oberfläche. Manche Arten, zum Beispiel Wasserschläuche, haben sich eine zusätzliche Nährstoffquelle erschlossen: Sie haben sich zu fleischfressenden Pflanzen entwickelt.
«Wasserschlauch»
Beobachtungstipps 
Suchen Sie ein Gewässer in ihrer Nähe nach Wasserpflanzen ab. Können Sie die verschiedenen Arten den oben beschriebenen Gruppen zuordnen? Achten Sie auch auf die verschiedenen Blütentypen der Wasserpflanzen. Beobachten Sie, wie oft und von welchen Insekten die Blüten besucht werden.
Vergleichen Sie die submersen Blätter des Tannenwedels mit denjenigen, die über dem Wasser wachsen.
Fragen
| › | Wieso hängen die submersen Blätter des Tannenwedels an Land schlaff herunter, nicht aber die über dem Wasser stehenden Teile? |
| › | Welche Pflanzenteile stehen auch bei submers lebenden Arten über der Wasseroberfläche? |
| › | Können nur Pflanzen Fotosynthese betreiben? |
| › | Sind Blaualgen Algen? |
Antworten
Wassertiere

Wasserfrosch
Die Vielfalt der Tiere in unseren Gewässern ist beeindruckend, obwohl ein großer Teil uns Landlebewesen verborgen bleibt. Viele der Tiere, die wir im Wasser beobachten können, verbringen allerdings nicht ihr ganzes Leben in diesem Element. Sie kommen nur zur Fortpflanzung an die Gewässer. Die Weibchen legen nach der Paarung ihre Eier im Wasser oder an Wasserpflanzen ab und kehren danach wieder in ihre Landlebensräume zurück. Die Larven bleiben nach dem Schlüpfen im Wasser, bis ihre Entwicklung abgeschlossen ist. Libellen, Mücken, Köcher- und Steinfliegen sowie die meisten Amphibien sind Beispiele für diese Lebensweise.
«Libellen»
«Amphibien»
«Der Biber»
«Fischotter»
Wasservögel, manche Reptilienarten, aber auch Säugtiere wie der Biber, der Fischotter und die Wasserspitzmaus, sind stark an Gewässer gebunden, leben aber ebenfalls nicht ausschließlich im Wasser.
Natürlich gibt es auch viele «echte» Wassertiere. Fische, Krebse, Muscheln, Schnecken und viele Insektenarten verbringen praktisch ihr ganzes Leben im Wasser. Aber auch unter den Spinnentieren, Würmern und Egeln gibt es zahlreiche Wassertiere. Ständige Wasserbewohner sind auch unzählige Arten tierischer Einzeller und mit bloßem Auge fast nicht sichtbare Mehrzeller (Fadenwürmer, Bärtierchen, Ruderfußkrebse usw.)
«Taucher mit acht Beinen»
Mehrzeller

Ruderfußkrebs
Beobachtungstipps 
Sie werden wahrscheinlich nie ein natürliches Gewässer finden, in dem Sie nicht schon nach kurzer Zeit irgendein Wassertier entdecken. Selbst im Winter lassen sich in einem Gebirgsbach Wasserinsekten finden. Das Gewässer darf natürlich nicht zugefroren sein, und Sie sollten kalte Hände beim Steinewenden nicht scheuen. Nehmen Sie sich die Zeit und schauen Sie zu allen Jahreszeiten, was es in und an den Gewässern zu entdecken gibt. Irgendwo schwimmt, krabbelt oder versteckt sich sicher ein Wassertier.
Fragen
| › | Nach welchen Kriterien lassen sich Wassertiere unterscheiden? |
| › | Nennen Sie Beispiele für die verschiedenen Lebensweisen von Wassertieren. |
Antworten



1 Amphibien – Leben im Wasser und an Land
2 Produzenten, Konsumenten und Destruenten
3 Nahrungsnetz
4 Die Ringelnatter – eine Wasserschlange
5 Paarungszeit und Brutzeit
6 Der Eisvogel – ein schillernder Fischer
7 Gehen auf dem Wasser – Wunder oder Physik?
8 Nachtexkursion ans Wasser
9 Kurzinformationen Frühling
Einleitung Frühling
Die Sonne steht wieder deutlich höher am Himmel, die Temperaturen steigen von Tag zu Tag. Die Ufergehölze sind vorerst noch kahl, und das Sonnenlicht dringt fast ungehindert auf die Wasseroberfläche. Die steigenden Wassertemperaturen lassen die Tiere in Bächen, Flüssen und Seen wieder aktiv werden, und bald schlüpfen die ersten Grasfrosch-Kaulquappen aus den Eiern. Die Wasserpflanzen beginnen zu wachsen.
Amphibien – Leben im Wasser und an Land
Mit den ersten Regenfällen am Ende des Winters machen sich die frühen Amphibien auf den Weg. Sie verlassen ihre frostsicheren Winterquartiere, die häufig in Wäldern und Hecken liegen, und wandern zu den Laichgewässern. Es handelt sich dabei um Braunfrösche, zu denen auch die bekannten Grasfrösche gehören. In höheren Lagen findet man manchmal ihre Laichballen in Gewässern, die teilweise noch von Schnee und Eis umgeben sind und über Nacht sogar zufrieren können. Auch Berg- und Teichmolch sind schon sehr zeitig im Jahr unterwegs (Ende Februar/Anfang März). Innerhalb rund eines Monats folgen die meisten anderen Amphibienarten: zuerst die Erdkröten, dann die anderen Molche und die Wasserfrösche. Kreuzkröte und Laubfrosch lassen sich Zeit, ebenso die Gelbbauchunke, die Ende April oder auch erst im Mai am Laichgewässer erscheint.
«Warnen oder Tarnen»

Grasfrosch
Laubfrosch
Körperbau
Bei den Amphibien unterscheidet man drei Ordnungen: Froschlurche, Schwanzlurche und Schleichenlurche oder Blindwühlen. In Mitteleuropa leben aber nur Vertreter aus den beiden ersten Ordnungen.
Alpenkammmolch
Zu den Schwanzlurchen gehören die Molche und die Salamander, zu den Froschlurchen die Frösche, Kröten und Unken. Bei den Schwanzlurchen sind die beiden Gliedmaßenpaare gleich lang, bei den Froschlurchen sind die vorderen Extremitäten kürzer, außerdem fehlt ihnen der Schwanz. An den Vorderbeinen sitzen vier, an den Hinterbeinen fünf Zehen. Die Beine sind bei allen Amphibien seitlich abgewinkelt, weshalb ihr Bauch auf dem Untergrund aufliegt.
Die Amphibien haben eine dünne Haut, die nur wenig verhornt ist und ziemlich glatt oder auch sehr warzig sein kann. In der Unterhaut befinden sich zahlreiche Schleim- und Giftdrüsen. Durch den Schleim wird die Haut vor Infektionen geschützt und das Gift hält Fressfeinde ab. Amphibien haben Lungen, aber sie können auch über die Haut atmen und dadurch den im Wasser gelösten Sauerstoff nutzen.
«Luft holen»
Bergmolch

Laichschnüre von Kreuzkröten in einem temporären Gewässer
Entwicklungszyklus der Amphibien
Mit der Eiablage im Frühling oder Sommer beginnt jeweils ein neuer Entwicklungszyklus der Amphibien. Bis auf wenige Arten sind die einheimischen Amphibien für das Ablaichen auf ein Gewässer angewiesen. Die Form der Laichablage und der Ort sind artspezifisch und erlauben so meist recht verlässliche Rückschlüsse auf den Verursacher. Braunfrösche (zum Beispiel Grasfrösche) produzieren die bekannten Laichballen, Kröten, wie die Erdkröte und die Kreuzkröte, dagegen lange Laichschnüre. Wasserfrösche, Laubfrosch und Unken legen ihre Eier in kleineren Paketen ab. Ein Spezialfall unter den Froschlurchen ist die Geburtshelferkröte. Hier trägt das Männchen die Eier an Land herum. Ist die Eientwicklung nach 20 bis 45 Tagen abgeschlossen, wird ein Gewässer aufgesucht. Bald nach dem Wasserkontakt schlüpfen die Larven. Molchweibchen wiederum legen ihre Eier einzeln an Wasserpflanzen, die zu einer Art Tasche gefaltet werden. Eine ganz andere Strategie ist bei den Salamandern zu beobachten: Beim Feuersalamander schlüpfen die Larven im Mutterleib und werden mit einer Größe von zirka drei Zentimetern abgelegt. Beim Alpensalamander verläuft sogar die ganze Entwicklung im Mutterleib (bis drei Jahre). Geboren werden fertig entwickelte kleine Alpensalamander.
Grasfrosch
Geburtshelferkröte
Feuersalamander
Die Entwicklung von Froschlurchlarven und Schwanzlurchlarven verläuft auf den ersten Blick ähnlich. Bei den Froschlurchen wachsen aber zuerst die Hinterbeine, bei den Schwanzlurchen dagegen die Vorderbeine. Schwanzlurchlarven haben außerdem gut sichtbare äußere Kiemen. Zudem ernähren sie sich rein räuberisch, während die Kaulquappen Allesfresser sind. Die Entwicklungszeit im Wasser dauert je nach Art und Umweltbedingungen (Temperatur und Nahrung) einige Wochen oder auch Monate. Gewisse Arten, wie beispielsweise der Bergmolch oder die Geburtshelferkröte, überwintern auch regelmäßig im Larvenstadium. Die Umwandlung von den Larven zu den landlebenden Jungtieren wird wie bei den Insekten als Metamorphose bezeichnet. Die weitere Entwicklung zu geschlechtsreifen Tieren dauert meist noch zwei bis drei weitere Jahre oder sogar länger.
Bergmolch
Unterschiedliches Paarungsverhalten 

Wasserfroschmännchen klammert sich an das Weibchen
Die verschiedenen Amphibien zeigen ein unterschiedliches Paarungsverhalten. Molche und fast alle Froschlurche paaren sich im Wasser, Salamander und Geburtshelferkröte an Land. Bei den Froschlurchen werden die Eier nach der Eiablage befruchtet. Bei den Molchen und Salamandern erfolgt die Befruchtung im Körper des Weibchens. Haben die Männchen ein paarungswilliges Weibchen gefunden, setzen sie eine sogenannte Spermatophore ab. Sie dirigieren dann das Weibchen so, dass dieses die Spermatophore in die Geschlechtsöffnung aufnehmen kann.
Lebensweise
Alle adulten Amphibien ernähren sich räuberisch. Je nach Jahreszeit und Aufenthaltsort sind die Beute eher kleinere Wassertiere oder Landtiere, wie Würmer, Schnecken oder irgendwelche Gliederfüßler. Gewisse Molcharten, wie der Bergmolch, fressen oft auch den Laich anderer Arten.
Mehr oder weniger bald nach der Fortpflanzungszeit verlassen die meisten Amphibienarten das Laichgewässer wieder. Sie ziehen in ihre Landlebensräume, wo sie den Tag meist gut versteckt verbringen. Amphibien sind wechselwarm, das heißt, sie können ihre Körpertemperatur nicht selber regulieren. Da sich der Körper, der Umgebungstemperatur anpasst, müssen sie jeweils wie die Reptilien eine für sie geeignete Stelle suchen. Den Winter verbringen die Frosch- und Schwanzlurche auch an Land. Bei bestimmten Arten, wie beispielsweise den Wasserfröschen und dem Grasfrosch, gibt es aber auch immer wieder Fälle einer Überwinterung im Gewässer.
«Amphibienrufe»
«Die Ringelnatter»
«Überwinterungsstrategien der Wasserbewohner»
Feinde und Gefahren
Wie die meisten Wildtiere sind auch die Amphibien zahlreichen Gefahren und Feinden ausgesetzt. Die mit Abstand größte Gefahr geht von uns Menschen aus. Wegen der massiven Lebensraumzerstörungen der vergangenen Jahrzehnte sind vielerorts früher häufige Arten verschwunden. Eine große Gefahr geht vom Straßenverkehr aus, der oft die Wanderrouten zwischen Winterverstecken und Laichgewässern quert. Untersuchungen haben auch gezeigt, dass die hohe Dichte unserer geliebten Hauskatzen ein großes Problem darstellt. Dabei haben die Amphibien eigentlich bereits genug natürliche Feinde.
Eine große Zahl von Krankheitserregern und Parasiten, wie Bakterien, Pilze, Würmer und Egel, kann die verschiedenen Lebensstadien befallen. Neben diesen meist nicht sichtbaren Feinden gibt es zahlreiche Prädatoren. Dazu zählen Vögel, wie beispielsweise der Graureiher, Marderartige, wie der Iltis und der Fischotter, aber auch Schlangen, wie die Ringelnatter. Die Amphibienlarven werden oft von Großlibellenlarven, hydrophilen Käfern und deren Larven sowie Fischen gejagt und gefressen.
«Gefährlicher Pilz»
«Die Ringelnatter»
«Fischotter»
«Libellen»
«Hydrophile Käfer»

Iltis
Gefährlicher Pilz 
Weltweit wird ein dramatischer Rückgang bei den Amphibien beobachtet – man spricht sogar von einem globalen Amphibiensterben. Mitverantwortlich ist höchstwahrscheinlich eine neue Amphibienkrankheit, die durch einen Pilz verursachte Chytridiomykose. Sie wurde Ende des vergangenen Jahrhunderts erstmals in Australien und Zentralamerika nachgewiesen, wo sie zu Massensterben geführt hat. In Europa kam es bisher erst in Spanien zu Massensterben unter den Amphibien. Der Pilz kann die verhornten Hautpartien aller Amphibienarten befallen. Es scheinen aber nicht alle Arten gleich empfindlich zu reagieren. Ob das Sterben durch stark verminderte Hautfunktionen oder durch Pilztoxine verursacht wird, ist noch nicht geklärt. Äußerlich erkennt man bei den befallenen Tieren praktisch nichts, die Tiere zeigen aber ein lethargisches Verhalten.
Um eine Verbreitung dieser ansteckenden Krankheit zu verhindern, sollten keine Amphibien in andere Gewässer gebracht werden. Fachleute und Amphibienfreunde sollten sich auch bewusst sein, dass sie über ihre noch feuchten Ausrüstungsgegenstände (Netze, Stiefel, Gefäße usw.) die Pilzsporen verbreiten können.

Grasfrosch auf der nächtlichen Wanderung zum Laichgewässer
«Nachtexkursionen ans Wasser»
Beobachtungstipps 
Wenn Sie sich überwinden können, in einer regnerischen Frühlingsnacht ein bekanntes Amphibiengewässer aufzusuchen, werden Sie sicher sehr viele Amphibien entdecken. Nehmen Sie ein Amphibienbuch mit und versuchen Sie, die verschiedenen Arten zu unterscheiden. Bitte bewegen Sie sich sehr vorsichtig, damit Sie auf keine Tiere treten. Wenn Sie mit dem Auto anreisen, sollten Sie auf keinen Fall bis zum Gewässer fahren.
Nach dem Ablaichen lässt sich die Entwicklung der Eier und der Larven auch bei Tag gut beobachten. Achten Sie auch auf die verschiedenen Fressfeinde. Obwohl es praktisch und interessant wäre, sollten die Larven möglichst nicht oder nur kurz in ein Aquarium gebracht werden. Draußen am Gewässer haben Sie zudem immer eine Chance, noch andere neue und erstaunliche Beobachtungen zu machen.
Fragen
| › | Sind alle Amphibienarten auf Laichgewässer angewiesen? |
| › | Wie lassen sich die Larven der Schwanzlurche von denen der Froschlurche immer unterscheiden? |
| › | Welche Amphibienart sucht normalerweise als erste die Laichgewässer auf? |
| › | Wie ernähren sich ausgewachsene Amphibien? |
| › | Durchlaufen alle Amphibien eine Metamorphose? |
| › | Warum sollten Amphibien nicht in andere Gewässer transportiert werden? |
Antworten
Produzenten, Konsumenten und Destruenten
In allen Ökosystemen lassen sich die Arten in zwei oder – nach anderer Sichtweise – auch drei grundlegende Gruppen einteilen, die sich bezüglich ihrer Ernährungsweise unterscheiden. Pflanzen, Algen und Cyanobakterien können aus Wasser, Kohlendioxid, mineralischen Stoffen (Nährsalze) und Sonnenlicht organische Verbindungen (Zucker, Proteine und Fettsäuren) aufbauen. Diese organischen Verbindungen brauchen alle Lebewesen zum Aufbau und zur Erhaltung ihrer Körper. Diese Lebewesen werden als autotrophe (selbsternährende) Organismen bezeichnet, da sie diese Stoffe selber synthetisieren können. Sie versorgen aber nicht nur sich selber, sondern liefern die Nahrung für alle Arten, die diese lebensnotwendigen organischen Verbindungen nicht selber herstellen können. Zu diesen heterotrophen (sich von anderen ernährende) Organismen gehören die Tiere, die Pilze und die Bakterien. Organismen aus beiden Gruppen produzieren bei der Verbrennung der Nahrung in ihren Zellen Kohlendioxid, das von den autotrophen Arten wieder verwertet wird.
Nach einer anderen Einteilung bezeichnet man die autotrophen Organismen als Produzenten. Bei den heterotrophen Organismen werden Konsumenten, die sich von lebenden Organismen ernähren, und Destruenten, die abgestorbene Organismen vollständig abbauen (bis zu den anorganischen Bestandteilen), unterschieden.
In einem Ökosystem führen diese Aufbau-, Umwandlungs- und Abbauprozesse zu einem biologischen Gleichgewicht. Ändert sich auf einer Ebene etwas in sehr kurzer Zeit und in großem Umfang, kann es zu einem vorübergehenden Ungleichgewicht kommen. So führen viele Nährstoffe, die beispielsweise durch Dünger ins Wasser gelangen, zu einem massiven Algenwachstum, auch Algenblüte genannt. Die Algen färben das Wasser grün und lassen auch weniger Licht in tiefere Wasserschichten gelangen. Der Abbau dieser Algen verbraucht viel Sauerstoff, zudem produzieren die Algen häufig auch toxische Substanzen.

Starkes Algenwachstum im Uferbereich eines Sees
Nahrungsnetz
Pflanzen werden von Pflanzenfressern gefressen, diese wiederum von Fleischfressern, und vielleicht kommt dann noch ein größerer Fleischfresser (oder der Mensch). Die Endglieder werden nach ihrem Tod von Destruenten (Zersetzern) wieder zu Pflanzennährstoffen abgebaut, der Kreis schließt sich. Die Vorstellung von solchen Nahrungsketten, bei denen verschiedene trophische Ebenen unterschieden werden, ist nicht grundsätzlich falsch. Die Wirklichkeit ist aber komplexer.
Die Wechselbeziehungen in einem Lebensraum oder einem Ökosystem sind extrem vielfältig und können immer wieder wechseln (zum Beispiel je nach Jahreszeit). Unter natürlichen Bedingungen brechen solche Systeme auch nicht zusammen, wenn einzelne Glieder ausfallen, weil normalerweise genügend Verbindungen zwischen den Komponenten bestehen. Es ist daher sinnvoller, von einem Nahrungsnetz zu sprechen.

Stark vereinfachtes Schema eines möglichen Nahrungsnetzes

Der Graureiher steht auf einer hohen trophischen Ebene.
Gewässer mit einem geringen Angebot an Nährstoffen (beispielsweise Gebirgsbäche) weisen eine relativ kleine Anzahl an Wasserpflanzen und Tieren und eine geringe Artenvielfalt auf. Der Stoffkreislauf verläuft hier langsam. In nährstoffreicheren Gewässern wie in Weihern und Flüssen im Tiefland sind die Individuen- und Artenzahlen deutlich höher. Der Stoffkreislauf läuft schneller ab.
Trophische Ebenen 
Sämtliche Arten, die an der gleichen Stelle einer Nahrungskette stehen, befinden sich auf demselben trophischen Niveau. Stark vereinfacht, stehen zuunterst die Produzenten. Danach folgen die Pflanzenfresser und schließlich die Prädatoren. Da es auch unter den Prädatoren Jäger und Gejagte gibt, definiert man sogenannte Top-Prädatoren. Diese haben keine natürlichen Feinde, stehen also zuoberst oder am Ende der Nahrungskette. Es ist nicht immer einfach, eine Art einem trophischen Niveau zuzuordnen. So können zum Beispiel Allesfresser ganz unterschiedlichen Niveaus zugeordnet werden. Oft nicht berücksichtigt werden die Destruenten und die Parasiten.
Beobachtungstipps 
Suchen Sie sich einen ruhigen und gemütlichen Beobachtungsplatz an einem vielfältig belebten Gewässer. Beobachten Sie eine gewisse Zeit, was sich alles im und am Wasser bewegt. Vielleicht können Sie auch Interaktionen beobachten. Versuchen Sie, einige der Tierarten grob zu bestimmen. Zeichnen Sie dann ein Nahrungsnetz mit diesen Arten. Mit der Zeit können sie weitere Arten ergänzen.
Fragen
| › | Worin besteht der Unterschied zwischen einer Nahrungskette und einem Nahrungsnetz? |
| › | Welche grundsätzlichen Prinzipien der Nährstoffgewinnung gibt es? |
| › | Nennen Sie einen Top-Prädator für einen Gewässerlebensraum. |
Antworten
Die Ringelnatter – eine Wasserschlange

Schwimmende Ringelnattern sind meist schon aus größerer Distanz gut zu erkennen
An einem naturbelassenen Stillgewässer sieht man oft Wellenbewegungen, die von Tieren verursacht werden. Häufig ist es so, dass man den Verursacher gar nicht sieht. Aber da bewegt sich plötzlich wieder etwas im Wasser. Ein Kopf hebt sich über die Wasseroberfläche, gefolgt von einem langen dünnen Körper, der sich durch das Wasser schlängelt – eine Wasserschlange! Sehr elegant und mühelos, aber überraschend schnell gleitet sie durchs Wasser. Ist sie auf der Jagd oder auf der Flucht?
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