Читать книгу: «BWL für soziale Berufe»
| utb 3120 | ![]() |
Eine Arbeitsgemeinschaft der Verlage
Böhlau Verlag · Wien · Köln · Weimar
Verlag Barbara Budrich · Opladen · Toronto
facultas · Wien
Wilhelm Fink · Paderborn
Narr Francke Attempto Verlag / expert verlag · Tübingen
Haupt Verlag · Bern
Verlag Julius Klinkhardt · Bad Heilbrunn
Mohr Siebeck · Tübingen
Ernst Reinhardt Verlag · München
Ferdinand Schöningh · Paderborn
transcript Verlag · Bielefeld
Eugen Ulmer Verlag · Stuttgart
UVK Verlag · München
Vandenhoeck & Ruprecht · Göttingen
Waxmann · Münster · New York
wbv Publikation · Bielefeld
Wochenschau Verlag · Frankfurt am Main

Prof. Dr. Gabriele Moos lehrt Sozialmanagement an der Fachhochschule Koblenz, RheinAhrCampus Remagen.
Dipl.-Kaufmann André Peters ist Finanzvorstand des Diakonie Baden e. V., Geschäftsführer der Diakonie-Baden-Württemberg gGmbH und Vorstand der Diakonie Baden Stiftung.
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über <http://dnb.d-nb.de> abrufbar.
UTB-Band-Nr.: 3120
ISBN 978-3-8252-5626-5
3., aktualisierte Auflage
© 2021 by Ernst Reinhardt, GmbH & Co KG, Verlag, München
Dieses Werk einschließlich seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne schriftliche Zustimmung der Ernst Reinhardt, GmbH & Co KG, München, unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen in andere Sprachen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.
Printed in EU
Einbandgestaltung: Atelier Reichert, Stuttgart
Covermotiv: © Jan Prchal – foltolia.com
Satz: Bernd Burkart; www.form-und-produktion.de
Ernst Reinhardt Verlag, Kemnatenstr. 46, D-80639 München
Net: www.reinhardt-verlag.de E-Mail: info@reinhardt-verlag.de
Inhalt
Abkürzungsverzeichnis
Vorwort zur 3. Auflage
1 Das Wirtschaften von sozialen Organisationen
1.1 Knappheit der Mittel
1.2 Gilt die Knappheit auch für die Versorgung mit sozialen Gütern?
2 Rechnungswesen
2.1 Betriebliches Rechnungswesen
2.1.1 Externes Rechnungswesen
Buchführung
Gewinn- und Verlustrechung
Bilanz
2.1.2 Internes Rechnungswesen
Kosten- und Leistungsrechnung
Finanzrechnung
Investitions- und Finanzierungsrechnung
2.2 Kostenrechnung
2.2.1 Arten von Kosten und Erlösen
2.2.2 Zwecke der Kostenrechnung
2.2.3 Kostenrechnungssysteme
2.2.4 Kostenarten
2.2.5 Kostenstellen
2.2.6 Kostenträger
2.3 Zusammenhang der Kostenrechnungssysteme
2.4 Umlageverfahren
2.4.1 Prinzipien der Umlage
2.4.2 Umlageschlüssel
3 Controlling
3.1 Begriffliche Grundlagen
3.2 Strategisches und operatives Controlling
3.3 Berichtswesen
3.3.1 Standardberichte
3.3.2 Abweichungsberichte
3.3.3 Bedarfsberichte
3.4 Kennzahlen
3.4.1 Kennzahlensysteme
3.4.2 Finanzwirtschaftliche Kennzahlen
3.4.3 Personalwirtschaftliche Kennzahlen
3.4.4 Kunden- und Leistungskennzahlen
3.4.5 Prozesskennzahlen
3.5 Planung
3.5.1 Planungsbereiche
3.5.2 Kosten- und Leistungsplanung
3.5.3 Der Planungsprozess
3.6 Steuerung
3.6.1 Budgetierungsmodelle
3.6.2 Zielvereinbarung und Kontrolle
4 Strategisches Management
4.1 Begriffliche Grundlagen
4.2 Systematiken der Unternehmungsstrategien
4.3 Szenariotechniken
4.4 Der Strategieentwicklungsprozess
4.4.1 Strategische Markt- und Organisationsanalyse
4.4.2 Strategische Erfolgspotenziale
4.4.3 Strategische Ziele
4.4.4 Strategieumsetzung
5 Risikomanagement
5.1 Risikomanagementsysteme
5.1.1 Internes Überwachungssystem
5.1.2 Controllingsystem
5.1.3 Frühwarnsystem
5.2 Risikomanagementprozess
5.2.1 Risikoidentifikation
5.2.2 Risikoanalyse
5.2.3 Risikobewertung
5.2.4 Risikosteuerung
5.2.5 Risikoüberwachung
6 Finanzierung
6.1 Klassische Finanzierung
6.2 Ergänzende Finanzierungsformen
6.2.1 Stiftungen
6.2.2 Investor-Betreiber-Modell
6.2.3 Public Social Private Partnership
6.2.4 Immobilienfonds
6.2.5 Mezzanine-Kapital
7 Personalmanagement
7.1 Personalplanung
7.2 Personalbeschaffung und Personalmarketing
7.3 Personalauswahl
7.4 Personalfreisetzung
7.5 Personalentwicklung
8 Qualitätsmanagement
8.1 Ziele und Elemente des Qualitätsmanagements
8.2 Bausteine zur Einführung von Qualitätsmanagement
8.2.1 Systematik
8.2.2 Das Qualitätsmanagementsystem
DIN EN ISO 9000 ff.
EFQM-Modell
8.3 Aufbau des Qualitätsmanagementsystems
9 Marketing
9.1 Definition Marketing
9.2 Die vier Ps des klassischen Marketings
9.3 Leistungspolitik (Product)
9.3.1 Leistungs- bzw. Produktarten
9.3.2 Integration des externen Faktors
9.4 Preispolitik (Price)
9.4.1 Preisdifferenzierungen
9.4.2 Preisbündelung
9.5 Vertriebspolitik (Place)
9.6 Kommunikationspolitik (Promotion)
9.6.1 Strategien der Kommunikationspolitik
9.6.2 Kommunikationsinstrumente
9.7 Erweiterung auf sieben Ps
9.7.1 Personalpolitik (Personnel)
9.7.2 Prozesspolitik (Process)
9.7.3 Ausstattungspolitik (Physical Facilities)
Literatur
Sachregister
Hinweise zur Benutzung dieses Lehrbuches
Zur schnelleren Orientierung wurden Piktogramme benutzt, die folgende Bedeutung haben:

Literaturempfehlungen

Merksätze
Abkürzungsverzeichnis
AfA Absetzung vor Abnutzung
AO Abgabenordnung
AR Aufsichtsrat
BAB Betriebsabrechnungsbogen
Basel III Gesamtheit der Eigenkapitalvorschriften
BAT Bundesangestelltentarifvertrag
BH Behindertenhilfe
DIN Deutsche Industrienorm
DV-System Datenverarbeitungssystem
EDV Elektronische Datenverarbeitung
EE Steuern vom Einkommen und vom Ertrag
EFQM European Foundation for Quality Management
EN Europa-Norm
FIBU Finanzbuchhaltung
FM-Daten Facility Management-Daten
GB Geistige Behinderung
GuV Gewinn- und Verlustrechnung
H 1 Haus 1
HGB Handelsgesetzbuch
ISO International Organization for Standardization
K 1 Klinik 1
Korresp. Korrespondenz
Kto. Konto
KVP Kontinuierlicher Verbesserungsprozess
L + G Lohn und Gehalt
MA Mitarbeiter
NPO Non-Profit-Organisation
PB Psychische Behinderung
PE Personalentwicklung
PDCA-Zirkel Plan Do Check Act-Zirkel
PK Personalkosten
PR Public Relations
QM Qualitätsmanagement
QM-Modell Qualitätsmanagement-Modell
QM-System Qualitätsmanagement-System
SGF Strategisches Geschäftsfeld
SK Sachkosten
Soz. Abg. Sozialabgaben
TN Teilnehmer
TQM-Modell Total Quality Management-Modell
TVÖD Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes
W 1 Wohnbereich 1
WfbM Werkstatt für behinderte Menschen
Vorwort zur 3. Auflage
Das Thema „Betriebswirtschaftslehre“ spielt in allen sozialen Organisationen eine immer wichtigere Rolle. Auch nicht gewinnorientierte soziale Unternehmen (NPOs) müssen nachhaltig schwarze Zahlen schreiben, damit Neuinvestitionen finanziert werden können.
Viele Berufsgruppen, die in sozialen Einrichtungen Verantwortung tragen, stehen oft unvorbereitet vor Unternehmensentscheidungen. Häufig fehlt der Blick für betriebswirtschaftliche Rechenwerke und Zusammenhänge. Zumindest Grundlagenwissen in Betriebswirtschaftslehre gehört seit den frühen 1990er Jahren sicherlich zu einer modern und professionell ausgeübten Leitungstätigkeit in einem sozialen Unternehmen. In vielen sozialen Unternehmen ist das Thema „Betriebswirtschaftslehre“ allerdings viele Jahre sträflich vernachlässigt worden. Lange Zeit haben sich die Wissensgebiete des Sozialwesens und der Betriebswirtschaftslehre gemieden. Nicht das Trennende weiterhin zu betonen, sondern die gemeinsamen Fragestellungen zu erkennen und wahrzunehmen, ist Zielsetzung dieses Buches.
Natürlich stellt sich bei jedem einführenden Lehrbuch das ewige Dilemma zwischen allgemeinen Darlegungen und speziellen Anwendungsfragen, die, in Abhängigkeit von der jeweiligen Einrichtung, sehr unterschiedlich sein können.
Im Sinne einer Einführung wird im vorliegenden Band Grundlagenwissen in den Bereichen Rechnungswesen, Controlling, Strategisches Management, Risikomanagement, Finanzierung, Personalmanagement, Qualitätsmanagement und Marketing vermittelt. Spezielle Anwendungsfragen für einzelne Tätigkeitsfelder (z. B. Controlling in Kindertageseinrichtungen) werden nur am Rande betrachtet, da diese den Rahmen des Buches gesprengt hätten. Angesichts der Komplexität und Breite des Themas können auch nicht alle Teilgebiete der Betriebswirtschaftslehre betrachtet werden.
Dieses Buch ist in erster Linie für Studierende gedacht. Es dürfte auch für Personen mit Führungsaufgaben in sozialwirtschaftlichen Unternehmen nützlich sein.
Remagen und Karlsruhe, im April 2020
Prof. Dr. G. Moos und A. Peters
1 Das Wirtschaften von sozialen Organisationen
1.1 Knappheit der Mittel
Die Knappheit der Mittel ist das Schicksal der Menschen. Nur in der Traumwelt des Schlaraffenlandes können sie diesem Los entkommen. Knappheit liegt dann vor, wenn die menschlichen Bedürfnisse bzw. Wünsche größer sind als die verfügbaren Mittel bzw. Ressourcen. Die Mehrzahl der Güter ist jedoch knapp im Verhältnis zu den menschlichen Bedürfnissen. Will der Mensch einen höheren Grad an Bedürfnisbefriedigung erreichen, muss er diese Güter gezielt vermehren, er muss wirtschaften.
Rationalprinzip
Wirtschaften ist der Inbegriff aller planvollen menschlichen Tätigkeiten, die unter Beachtung des ökonomischen Prinzips (Rationalprinzip) mit dem Zweck erfolgen, die – an den Bedürfnissen der Menschen gemessene – bestehende Knappheit an Gütern zu verringern.
knappe Güter
Die gezielte Vermehrung von knappen Gütern geschieht immer unter dem Einsatz von in einem Produktionsprozess miteinander kombinierten Produktionsfaktoren. Diese werden in der volkswirtschaftlichen Betrachtungsweise in drei Kategorien eingeteilt:
die natürlichen Ressourcen, oft verkürzt als Boden bezeichnet
die menschliche Arbeitskraft
die Produktionsmittel
Die natürlichen Ressourcen sind grundsätzlich nicht vermehrbar. Die Natur bzw. der Boden wird daher als originärer Produktionsfaktor verstanden. Der Faktor „menschliche Arbeit“ wird durch die Zahl und Qualität der eingesetzten Arbeitseinheiten gemessen. Menschliche Arbeitskraft ist vermehrbar und in der Qualität durch Bildung und Ausbildung veränderbar. Die Produktionsmittel als dritter Produktionsfaktor werden hinsichtlich ihres Gesamtwertes häufig als Kapital bezeichnet. Der Produktionsfaktor Kapital besteht also aus produzierten Gütern, die ihrerseits wiederum zur Produktion von weiteren Gütern eingesetzt werden.

Knappheit der Güter resultiert daraus, dass die menschlichen Bedürfnisse bzw. Wünsche größer sind als die frei in der Natur verfügbaren Güter. Die Antwort der Menschen auf die Knappheit ist die unter Einsatz von Produktionsfaktoren gezielte Vermehrung der knappen Güter.
In der Betriebswirtschaftslehre werden die Produktionsfaktoren üblicherweise in Arbeit, Betriebsmittel und Werkstoffe unterschieden. Letztere stellen in der Regel Vorleistungen dar, die von anderen Betrieben bezogen werden.
Der dispositive Faktor umfasst jenen Teil der menschlichen Tätigkeit, der in Form planender, steuernder und kontrollierender Aktivitäten die Kombination der Elementarfaktoren bewirkt und somit Ausdruck der Führung des produktiven Systems ist.

Abb. 1: Der betriebliche Leistungserstellungsprozess
Abbildung 1 verdeutlicht, dass das betriebliche Produktionssystem mit den anderen unternehmerischen Subsystemen in direkter Beziehung steht. Die Beschaffung hat die Aufgabe, die für die Produktion erforderlichen Produktionsfaktoren zum richtigen Zeitpunkt in den erforderlichen Mengen und in entsprechender Qualität zu geringen Kosten zu beschaffen. Das Finanzsystem hat dafür die erforderlichen Finanzmittel zur Verfügung zu stellen. Die von der Produktion erstellten Güter werden dann am Absatzmarkt veräußert, wodurch der Unternehmung wieder Mittel zufließen. Dem Subsystem Technologie obliegt die Aufgabe, der Produktion die notwendigen Produktionstechnologien zur Verfügung zu stellen und das Personalsystem hat Mitarbeiter in entsprechender Anzahl und Qualifikation bereitzustellen.
„soziale Produkte“
Auch für die Erstellung von sozialen Dienstleistungen werden Produktionsfaktoren benötigt. Der Unterschied zur Sachgüterproduktion besteht darin, dass keine Rohstoffe eingesetzt werden. Überdies sind „soziale Produkte“ im Regelfall Dienstleistungen, die besondere Merkmale aufweisen. Für soziale Organisationen modifiziert sich der Prozess der Leistungserstellung z. B. dadurch, dass eine Einbeziehung des Kunden in den Prozess der Leistungserstellung notwendig ist. Der Kunde ist häufig der „externe Faktor“, der in die Erstellung der Leistung aktiv oder passiv einbezogen ist. Auch für den Absatz sozialer Dienstleistungen ist häufig ein direkter Kontakt zwischen betrieblichen Produktionsfaktoren und dem Dienstleistungsabnehmer notwendig.
1.2 Gilt die Knappheit auch für die Versorgung mit sozialen Gütern?
Der wirtschaftliche Erfolg ist in der Privatwirtschaft handlungsleitendes Prinzip. Alles, was sich „rechnet“ und dem eigenen Nutzen dient, ist anzustreben. Ein Unternehmen, das keinen Gewinn macht, kann nicht investieren und sich weiterentwickeln und wird nach den Gesetzen des Marktes früher oder später nicht mehr konkurrenzfähig sein.
Wirtschaften als Entscheidung über knappe Güter ist auch für soziale Einrichtungen ohne Gewinnerzielungsabsicht von Bedeutung. Die Sicherung der Unternehmensexistenz ist für Non-Profit-Unternehmen nur möglich, wenn wirtschaftliche Kompetenzen und wirtschaftliches Verständnis auf allen Ebenen vorhanden sind. Dass ein Umdenken bzw. ein Denken in wirtschaftlichen Kategorien aufgrund der weiterhin zunehmenden Konkurrenz, der sich stetig verändernden Rahmenbedingungen und des steigenden Qualitätsbewusstseins für soziale Einrichtungen überlebensnotwendig ist, erfahren Einrichtungen immer intensiver. Sie müssen auch zur Kenntnis nehmen, dass wirtschaftlicher Erfolg und die Sicherung der eigenen Existenz wesentliche Aufgaben der Leitung von sozialen Einrichtungen sind.

Auch soziale Organisationen ohne Gewinnerzielungsabsicht müssen die Existenz durch wirtschaftliches Verhalten sichern.
Maximal- und Minimalprinzip
Die Orientierung des unternehmerischen Handelns nach Wirtschaftlichkeitsprinzipien bietet zwei Möglichkeiten. Beim Maximalprinzip wird mit einem vorgegebenen Einsatz von Ressourcen (Material, Kapital, Arbeit) ein möglichst hohes Ergebnis erzielt. Das Minimalprinzip dagegen beinhaltet ein vorgegebenes Ziel, das mit möglichst geringen Ressourcen zu erreichen ist.
Die Effizienz eines Prozesses und somit auch einer jeden Dienstleistung ist ressourcenorientiert zu verstehen und meint das Verhältnis zwischen Input und Output. Sie betrachtet die operative Seite des Geschehens und stellt sich die Frage: „Machen wir es richtig?“
Effizienz = die Dinge richtig tun
Die Frage nach der Effektivität betrachtet den Grad der Zielerreichung bzw. die mittel- bis langfristigen Wirkungen eines Prozesses. Effektivität meint im Gegensatz zur Effizienz die strategische Seite und stellt sich die Frage: „Machen wir das Richtige?“
Effektivität = die richtigen Dinge tun
Den Zusammenhang von Effizienz und Effektivität verdeutlicht Abbildung 2.
Der Input beschreibt den Einsatz von Personal, Betriebs- oder finanziellen Mitteln, der Output das Ergebnis einer Dienstleistung oder die Produkte in Menge und Qualität. In den Betreuungsprozess gehen als Inputfaktoren die Leistungen des pädagogischen Personals, medizinisch-pflegerische Hilfsmittel und vieles mehr ein.
Der Zeitpunkt der Erstellung und der Konsum einer Dienstleistung fallen häufig zusammen. Wenn beispielsweise ein Altenpfleger einen pflegebedürftigen Heimbewohner wäscht, wird die Leistung im selben Moment konsumiert, in dem sie erstellt wird.

Abb. 2: Wirtschaftlichkeit
Der Output umfasst den Erfolg der sozialen Arbeit, wie etwa der Integrationsfortschritt, die Rehabilitation oder die soziale Reintegration (Abb. 3). Bei vielen Dienstleistungen ergibt sich die Schwierigkeit der Outputmessung. Eine einstündige Beratung erfasst den mengenmäßigen Output, besagt jedoch nicht wie gut oder schlecht die Beratung war. Objektive Maßstäbe zur Messung des Outputs sind bei sozialen Dienstleistungen nur selten vorhanden, da jede Dienstleistung für jeden Konsumenten individuell erstellt wird.

Abb. 3: Input und Output – oder: das Wesen eines Prozesses

Soziale Dienstleistungen weisen viele Besonderheiten (z. B. Immaterialität, Individualität) auf. Eine Messung der Qualität der Dienstleistung ist aus diesem Grund sehr schwierig.

Bellermann (2004): Sozialökonomie. Soziale Güter und Organisationen zwischen Ökonomie und Politik
Bettig et al. (2013): Betriebswirtschaftliche Grundlagen in der Sozialwirtschaft
Gehrmann / Müller (2013): Management in sozialen Organisationen. Handbuch für die Praxis sozialer Arbeit
Helmig / Boenigk (2020): Nonprofit Management
Knorr / Scheibe-Jaeger (2002): Sozialökonomie – Volkswirtschaftliche und betriebswirtschaftliche Grundlagen für die Soziale Arbeit
Pracht (2013): Betriebswirtschaftslehre für das Sozialwesen
Schellberg (2017): Betriebswirtschaftslehre für Sozialunternehmen
Schindewolf (2013): Betriebswirtschaftslehre – Organisation und Betriebsführung in der Altenpflege
Vogelbusch (2018): Management von Sozialunternehmen
Wöhrle (2013): Grundlagen des Managements in der Sozialwirtschaft
2 Rechnungswesen
2.1 Betriebliches Rechnungswesen
In Kapitel 1 wurde gezeigt, dass wirtschaftliches Handeln auch für nicht gewinnorientierte soziale Einrichtungen zunehmend an Bedeutung gewinnt. Wie erfolgreich der Umgang mit finanziellen Ressourcen ist, wird im betrieblichen Rechnungswesen aufgezeigt.
Im Rechnungswesen einer sozialen Einrichtung wird das gesamte Leistungsgeschehen in Zahlen, Daten und Fakten abgebildet.
Jede soziale Organisation erhält Leistungen, zum Beispiel von Hilfsmittelherstellern und sonstigen Zulieferern, sei es in der Betreuungstechnik, beim Pflegebedarf oder im administrativen Bereich. Gleichzeitig erbringen soziale Einrichtungen zahlreiche Leistungen für Kunden, etwa durch betreutes Wohnen, Beratungsleistungen oder offene Hilfen.
Geldtransaktionen
Jeweils entgegengesetzt zu den ein- und ausgehenden Leistungsströmen verlaufen Geldtransaktionen. Ein soziales Unternehmen bezahlt Rechnungen und erhält Kostenerstattungen. Aufgabe des Rechnungswesens ist es, diese Leistungs- und Zahlungsvorgänge in einem EDV-System in Geldeinheiten zu bewerten und abzubilden (Abb. 4).

Abb. 4: Zahlungsund Leistungsströme
Tab. 1: Übersicht internes und externes
| EXTERNES RECHNUNGSWESEN | INTERNES RECHNUNGSWESEN (KOSTENRECHNUNG) | |
| Orientierung | Information Externer (Staat, Öffentlichkeit) | Information des Managements |
| Grundlage | gesetzlich vorgeschrieben (HGB, AO, Pflegebuchführungsverordnung) | freiwillig, gestaltbar |
Zu unterscheiden sind das externe Rechnungswesen (Finanzbuchhaltung für Staat und Öffentlichkeit) und das interne Rechnungswesen (Kostenrechnung für das Management). Eine Übersicht über internes und externes Rechnungswesen findet sich in Tabelle 1.
2.1.1 Externes Rechnungswesen
Das externe Rechnungswesen gliedert sich in drei Teilbereiche:
Buchführung
Gewinn- und Verlustrechnung
Bilanz
Buchführung
Im Rahmen der Buchführung werden alle laufenden Geschäftsvorfälle erfasst: Wenn die Einkaufsabteilung Mittel beschafft, bucht die Finanzbuchhaltung anhand der Rechnung diesen Geschäftsvorfall. Gleiches gilt zum Beispiel für Lohn- und Gehaltszahlungen oder Rechnungen an den Sozialhilfeträger. Für die Finanzbuchhaltung gilt der Grundsatz „Keine Buchung ohne Beleg“.
Kontengruppen und -klassen
Damit das gesamte Rechenwerk in der Buchhaltung übersichtlich bleibt, wird jeder Geschäftsvorfall auf ein Sachkonto gebucht. Die Sachkonten wiederum sind zu Kontengruppen und Kontenklassen zusammengefasst, die beschreiben, um welche Art von Geschäftsvorfällen es sich handelt. Tabelle 2 zeigt, dass in den Kontenklassen 4 und 5 Erträge und in den Kontenklassen 6 und 7 Aufwendungen zusammengefasst werden.
Gewinn- und Verlustrechnung
Die Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) wird für das gesamte Geschäftsjahr erstellt und weist den Jahresüberschuss oder -fehlbedarf Rechnungswesen aus. Sie stellt dar, welche Aufwendungen die soziale Organisation, zum Beispiel für Personal, Sachmittel oder Instandhaltungen hatte. Zudem wird ausgewiesen, welche Erträge mit stationären Leistungen, ambulanter Versorgung oder Therapie erzielt wurden. Aus der Differenz beider Größen ergibt sich der Gewinn oder Verlust und bildet so das wirtschaftliche Ergebnis eines Geschäftsjahres ab (Tab. 3).
Tab. 2: Beispiel für einen Kontenplan
| BETRIEBLICHE ERTRÄGE | 4 | |
| Erträge aus sozialen Leistungen | 43 | |
| Rückvergütungen / Vergütung Sachb. | 44 | |
| Erträge Hilfs- und Nebenbeträge | 45 | |
| Zuweisungen / Zuschüsse | 47 | |
| ANDERE ERTRÄGE | 5 | |
| Sonstige Zinsen | 51 | |
| Sonstige ordentliche Erträge | 57 | |
| Übrige Erträge | 59 | |
| BETRIEBLICHE AUFWENDUNGEN | 6 | |
| Löhne und Gehälter | 60 | |
| Gesetzliche Sozialabgaben | 61 | |
| Altersversorgung | 62 | |
| Sonstige Personalaufwendungen | 64 | |
| Lebensmittel / bez. Leistungen | 65 | |
| Medizinischer Bedarf | 66 | |
| Wasser, Energie, Brennstoffe | 67 | |
| Wirtschaftsbedarf | 68 | |
| Verwaltungsbedarf | 69 | |
| ANDERE AUFWENDUNGEN | 7 | |
| Instandhaltung | 72 | |
| Steuern, Abgaben, Versicherungen | 73 | |
| Zinsen u. ähnliche Aufwendungen | 74 | |
| Aufwendungen f. die Nutzung von Anlagegütern (Abschreibungen) | 77 | |
| Sonstige ordentliche Aufwendungen | 78 | |
| Übrige Aufwendungen | 79 |
Es muss zwischen dem ordentlichen Ergebnis aus der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit und dem außerordentlichen Ergebnis (z. B. besondere Vermögensverluste) unterschieden werden.
Tab. 3: Gewinn- und Verlustrechnung
| € | IST |
| Erträge aus gewöhnlicher Geschäftstätigkeit | 8.173.040,96 |
| Erträge aus Vermögensverwaltung | 122.796,00 |
| Sonstige Erträge | 168.367,64 |
| Materialaufwand | –907.010,24 |
| Personalaufwand | –6.312.234,30 |
| Abschreibungen | –22.980,04 |
| Abschreibung Finanzanlagen | 0,00 |
| Zinsen | –102.221,72 |
| sonstige Aufwendungen | –965.825,80 |
| Mittelzuweisung an Dritte | 0,00 |
| ORDENTLICHES ERGEBNIS | 153.932,50 |
| außerordentliche Erträge | 2.186,60 |
| außerordentliche Aufwendungen | –5.935,12 |
| AUSSERORDENTLICHES ERGEBNIS | –3.748,52 |
| Grundsteuern | –871,56 |
| KfZ-Steuern | –999,68 |
| EE-STEUERN | –1.871,24 |
| sonstige Abgaben | –7.119,60 |
| SONSTIGE STEUERN | –7.119,60 |
| JAHRESÜBERSCHUSS / -FEHLBETRAG | 141.193,14 |
Bilanz
Die Bilanz bildet das Vermögen und die Schulden der sozialen Einrichtung zu einem bestimmten Stichtag ab. Im Laufe eines Geschäftsjahres werden zahlreiche Geschäftsvorfälle getätigt: Es werden Darlehen getilgt, neue Kredite aufgenommen, technische Geräte und Anlagen beschafft oder verkauft. Mit der Bilanz verschafft sich der Leser zum Ende eines Geschäftsjahres (31.12.) einen Überblick, was dem Sozialunternehmen alles gehört (Vermögen) und von wem es sein Geld erhalten hat (Schulden).
Die Gewinn- und Verlustrechnung bezieht sich auf ein Geschäftsjahr und weist einen Jahresüberschuss oder -fehlbedarf aus. Die Bilanz dagegen bezieht sich auf einen Stichtag. Sie beschreibt das Vermögen und die Schulden eines sozialen Unternehmens:
Das Vermögen wird auch als Aktiva und die Schulden als Passiva bezeichnet. Passiva beschreiben, von wem das Sozialunternehmen Geld erhalten hat (z. B. von Banken). Auf der Passivseite wird die Mittelherkunft abgebildet. Aktiva sind dagegen die Verwendungsformen der überlassenen Mittel. Die Gelder sind in Sachanlagen (Grundstücke, Gebäude oder technische Anlagen) investiert oder werden als Vorräte und Zahlungsmittel vorgehalten (Tab. 4).
Tab. 4: Bilanz eines sozialen Dienstleistungsunternehmens

Gemeinsam mit der Gewinn- und Verlustrechnung bildet die Bilanz den Jahresabschluss, der in der Regel vom Wirtschaftsprüfer überprüft und testiert wird.

Das externe Rechnungswesen gliedert sich in Buchhaltung, Gewinn- und Verlustrechnung und Bilanz:
Buchhaltung: laufende Buchung der Geschäftsvorfälle auf Konten gemäß Kontenplan
Gewinn- und Verlustrechung: Übersicht über ordentliche und außerordentliche Aufwendungen und Erträge im Geschäftsjahr: ergibt den Jahresüberschuss oder -fehlbedarf
Bilanz: Übersicht über Vermögensgegenstände und Schulden zum Ende des Geschäftsjahres
2.1.2 Internes Rechnungswesen
Im internen Rechnungswesen stellt die Kostenrechnung Zahlen, Daten und Fakten für unternehmerische Steuerungsentscheidungen zur Verfügung. Sie recherchiert Vergleichswerte, bereitet Daten für Vergütungsverhandlungen vor und führt entsprechende Wirtschaftlichkeitsanalysen durch.
Das interne Rechnungswesen setzt sich aus zwei Bereichen zusammen: der Kosten- und Leistungsrechnung sowie der Finanzrechnung (Tab. 5). Diese wiederum gliedert sich weiter in die Themenkomplexe Liquidität und Investition.
Tab. 5: Kosten- und Leistungsrechnung und Finanzrechnung

Kosten- und Leistungsrechnung
Die Kosten- und Leistungsrechungsrechnung befasst sich mit der Wirtschaftlichkeit eines Einzelfalles oder des sozialen Dienstleistungsunternehmens insgesamt. Sie ist nicht wie der handelsrechtliche Jahresabschluss unternehmensbezogen, sondern betriebsbezogen.
In allen Fällen wird aus der Differenz von Kosten und Erlösen für eine festgelegte Periode (ein Monat, ein Quartal oder ein Jahr) der jeweilige Gewinn oder Verlust ermittelt.
Soll-Ist-Abgleich
Die Kostenrechnung dient zahlreichen Zwecken: Durch die Vorgabe von Planwerten werden mit ihr Ziele für den Ressourcenverbrauch und die zu erreichende Auslastung vorgegeben. Der Soll-Ist-Abgleich ermöglicht eine Überprüfung des Zielerreichungsgrades und eine Abweichungsanalyse.
Mit Hilfe von Kostenrechnungszahlen werden auch Entgelte kalkuliert, Wirtschaftlichkeitsvergleiche angestellt, Preisuntergrenzen ermittelt und Aussagen zur Kostendeckung des Leistungsprogramms getroffen. Die Kostenrechnung liefert Informationen für
die Ermittlung von Selbstkosten für Gebühren-, Preisfestlegungen oder Wirtschaftlichkeitsvergleiche;
die Ermittlung des Kostendeckungsgrades;
die Entscheidung über Beibehaltung oder Veränderung des Leistungsprogramms (z. B. bestimmte Betreuungsangebote);
die Entscheidung über Selbsterstellung oder Fremdbezug (Reinigungsdienstleistungen);
die Ermittlung des optimalen Ersatzzeitpunktes für Anlagen oder Maschinen (z. B. Fahrzeuge);
die Ermittlung der Gebühren- oder Preisuntergrenzen (Ferienmaßnahmen) und
die Ermittlung des notwendigen Kapazitätsauslastungsgrades (Wohnheimbelegung).
Finanzrechung
Das Liquiditäts- oder auch Cash-Management steuert alle Zahlungseingänge und -ausgänge der Einrichtung. Im Laufe eines Monats muss das Sozialunternehmen einer Vielzahl von Zahlungsverpflichtungen nachkommen. Es werden Gehälter, Leasingraten, Versicherungsprämien und vieles mehr ausgezahlt oder überwiesen. Zeitgleich gehen Zahlungen der Kostenträger für die geleistete Arbeit ein.
Liquidität
Liquidität bedeutet die Fähigkeit, jederzeit den fälligen Zahlungsverpflichtungen nachkommen zu können.
Im Liquiditätsstatus wird dargestellt, an welchem Tag oder in welcher Woche mit welchen Zahlungsein- und -ausgängen zu rechnen ist. Liquide Mittel müssen beispielsweise durch die Auflösung von Festgeldern termingerecht bereitgestellt werden.

Mangelnde Liquidität ist eine der häufigsten Konkursursachen. Sie tritt vor allem dann ein, wenn in der Unternehmung keine hinreichende Liquiditätsplanung durchgeführt wird. Eine zu hohe Liquidität dagegen bedingt einen Verzicht auf Zinserträge.
Wer Gelder hortet, nicht oder nur schlecht investiert, der kann zwar alle Zahlungsverpflichtungen erfüllen, verzichtet aber auf die Reinvestition des vorhandenen Vermögens.
Zur Erzielung von Zinserträgen sollten freie Mittel als Tages- oder Termingelder angelegt werden. In Zeiten hoher Außenstände und einer immer schlechter werdenden Zahlungsmoral der Kostenträger wird die Liquiditätssteuerung für Sozialunternehmen immer wichtiger (Abb. 5).
Investitions- und Finanzierungsrechnung
Art der Investition
Investieren ist die Kernfunktion jeden Wirtschaftens. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird unter einer Investition eine Geldausgabe verstanden, die in der Erwartung späterer Einnahmen getätigt wird. Meist sind mit einer Investition längerfristige Interessen verbunden. Nach Art der Investition lassen sich unterscheiden:
Grunddaten
Zahlungsverpflichtungen (Höhe, Termin)
Löhne / Gehälter
Zins und Tilgung
Steuern, Abgaben, Versicherungen
Sachinvestitionen (Anzahlungen Gebäude im Bau etc.)
Zahlungseingänge (Höhe, Termin)
Erstattung Kostenträger
Darlehen
Projektmittel
Steuerungsgrößen
Rechnungen schneller schreiben, früher mahnen
An- / Teilzahlungen vereinbaren
Kontokorrent nutzen
Anschaffungen zurückstellen
Abb. 5: Checkliste Grunddaten und Steuerungsgrößen der Liquiditätssteuerung
Sachinvestitionen (z. B. Grundstücke, Gebäude, Maschinen, Fuhrpark),
Finanzinvestitionen (z. B. Wertpapiere, Anleihen, Beteiligungen) sowie
Investitionen in das immaterielle Vermögen (z. B. Patente, Lizenzen).
Im Rahmen der Investitionsrechnung ist etwa zu ermitteln, ob die Kosten, die durch einen Umbau oder die Erweiterung eines Wohnheims entstehen, durch deren zukünftige Einnahmen gedeckt sind. Dabei erstreckt sich die Berechnung auf die gesamte Nutzungsdauer der Investition, also häufig auf zwanzig oder dreißig Jahre. Aufgrund der erheblichen Schwierigkeiten heute abzuschätzen, wie sich Leistungsnachfrage und Entgeltstruktur in mehreren Jahrzehnten entwickeln werden, sind Investitionsentscheidungen u. a. aufgrund folgender Faktoren mit einer großen Unsicherheit behaftet:
langfristige Kapitalbindung
Erhöhung der Fixkosten
nicht oder nur mäßig gegebene Revidierbarkeit
Im Investitionsbereich eines Sozialunternehmens sind grundsätzlich vier Fragestellungen zu beantworten:
Kann eine einzelne Investition wirtschaftlich durchgeführt werden (Einzelentscheidung)?
Welche von zwei oder mehreren sich gegenseitig ausschließenden Investitionen sollte getätigt werden (Auswahlentscheidung)?
Wie lang ist die optimale Nutzungsdauer eines Investitionsobjekts?
Wie soll ein Investitionsprogramm aussehen, wenn nur ein fester Kapitalbetrag zur Verfügung steht und wenn zusätzliche Finanzierungen mit steigenden Kapitalkosten verbunden sind (Investitions- und Finanzierungsplanung)?
Die Investitionsrechnung gliedert sich in folgende Schritte:
Kalkulation der Anfangsinvestition (Erschließungskosten, Baukosten, Ausstattungskosten)
Kalkulation der jährlichen laufenden Kosten (Personalkosten, Sachkosten, Instandhaltung)
Kalkulation der Leistungen (Leistungsart, Leistungsmenge)
Kalkulation der Erlöse (Standarderlöse, Zusatzerlöse)
positiver Kapitalwert
Um heutige Zahlungen mit denen in der Zukunft vergleichbar zu machen, wird bei den dynamischen Investitionsrechenverfahren die Zinseszinsrechnung angewandt und der Kapitalwert der Investition ermittelt. Ein positiver Kapitalwert sagt aus, dass sich über den gesamten Investitionszeitraum ein Überschuss erwirtschaften lässt.
Investitionsentscheidung
Im Rahmen der Investitionsentscheidung ist zu klären, wie die Investitionssummen finanziert werden können. Aufgrund von schleppenden Genehmigungsverfahren und der kritischen Haushaltssituation der öffentlichen Hand verzichten immer mehr Sozialunternehmen auf eine öffentliche Förderung. Sie setzen Eigenkapital und langfristiges Fremdkapital ein. Die Kapitalkosten sind in der Investitionsrechnung zu berücksichtigen (Abb. 6).
| Grundentscheidung Investitionsfinanzierung | |
| Eigenkapital | Fremdkapital (öffentliche Förderung, Darlehen, Projektmittel, Kontokorrentkredit) |
| Steuerungsgrößen: Zinssatz Laufzeit Tilgung (Höhe, Fälligkeit, Häufigkeit) Nebenkosten | |
Abb. 6: Grundentscheidung Investitionsfinanzierung
2.2 Kostenrechnung
Das Herzstück des internen Rechnungswesens stellt die Kostenrechnung dar. Sie liefert alle Daten, die zur betriebswirtschaftlichen Bewertung einzelner Geschäftsfelder oder Leistungen herangezogen werden. Aufgabe der Kostenrechnung ist die Kostenerfassung und -überwachung sowie die Vor- und Nachkalkulation der Entgelte. Ein einfaches Schaubild hilft, die Gliederung der Kostenrechnung besser zu verstehen (Abb. 7).
Für das Verständnis der Kostenrechnung und deren Teilbereiche ist es wichtig, zunächst den Begriff und die verschiedenen Arten von Kosten unterscheiden zu können.
Kostenartenrechnung
Die Kostenartenrechnung dient der Erfassung und Gliederung aller im Laufe der jeweiligen Abrechnungsperiode angefallenen Kostenarten. Sie stellt die Frage: Welche Kosten sind angefallen? Die primäre Aufgabe der Kostenartenrechnung besteht darin zu klären, was Kosten sind, diese zu erfassen, eine eindeutige Zuordnung der Kosten auf Kostenstellen und Kostenträger zu ermöglichen und eine Informationsbasis für Entscheidungen zu schaffen.

Abb. 7: Die Gliederung der Kostenrechnung
Kostenstellenrechnung
Die Kostenstellenrechnung knüpft an die Vorarbeit der Kostenartenrechnung an und verteilt die in Kostenarten gegliederte Kosten auf die verschiedenen Betriebsbereiche, in denen die Kosten entstanden sind. Die Kostenstellenrechnung stellt also die Frage: Wo sind die Kosten angefallen? Die Aufgaben der Kostenstellenrechnung bestehen darin, die Leistungsbeziehungen innerhalb der Unternehmung festzustellen, eine Kostenkontrolle zu ermöglichen und die Genauigkeit der Kalkulation zu erhöhen.
Kostenträgerrechnung
Die Kostenträgerrechnung ist der letzte Schritt in der Kostenrechnung. Die Frage, die die Kostenträgerrechnung stellt, lautet: Wofür sind Kosten angefallen? Die Kostenträgerrechnung stellt die betrieblichen Leistungen und Güter, welche den Leistungsverzehr ausgelöst haben, mit ihren Kostenträgern in Beziehung. Die Kostenträgerzeitrechnung ist eine Abwandlung der Kostenträgerrechnung in eine Periodenrechnung und ermittelt die nach Leistungsarten gegliederten Kosten in einer gesamten Periode. Die allgemeinen Aufgaben der Kostenträgerrechnung bestehen in der Ermittlung der Herstell- und Selbstkosten der Kostenträger. Die Herstellkosten werden über die Bewertung der Bestände ermittelt. Die Selbstkosten werden über die Durchführung der so genannten kurzfristigen Erfolgsrechnung ermittelt.

Die Kostenartenrechnung stellt die Frage: Welche Kosten sind angefallen?
Die Kostenstellenrechnung stellt die Frage: Wo sind Kosten angefallen?
Die Kostenträgerrechnung stellt die Frage: Wofür sind Kosten angefallen?
Genauer werden diese Begrifflichkeiten in den Kapiteln 2.2.4 (Kostenarten), 2.2.5 (Kostenstellen) und 2.2.6 (Kostenträger) erläutert.
2.2.1 Arten von Kosten und Erlösen
Einzel- und Gemeinkosten
Kosten sind der in Geld bewertete Werteverzehr, der im Rahmen der betrieblichen Leistungserbringung anfällt. Man unterscheidet zwischen Einzel- und Gemeinkosten. Umgangssprachlich lassen sich Gemeinkosten mit allgemeinen Kosten übersetzen. Sie beziehen sich auf viele Bereiche (Kostenstellen) oder viele Leistungen im Bereich der Betreuung (Kostenträger). Einzelkosten können einer Leistung oder einem Bereich direkt zugeordnet werden (Tab. 6).
Kosten können sich bei Veränderung der Auslastung unterschiedlich verhalten: Manche Kosten steigen, andere bleiben konstant. Daher wird in der Kostenrechnung zwischen auslastungsfixen und auslastungsvariablen Kosten unterschieden.
fixe Kosten
Fixe Kosten verändern sich innerhalb bestimmter Auslastungsgrenzen nicht. Somit sind fixe Kosten unabhängig von der Leistungsmenge, beispielsweise der Belegung im Wohnheim. Sie fallen auch dann an, wenn keine Leistung erbracht wird. Fixe Kosten sind grundsätzlich Gemeinkosten, umgekehrt müssen Gemeinkosten nicht zwangsläufig fix sein. Fixe Kosten heißen auch Strukturkosten, weil sie durch die bereitgehaltene Struktur (z. B. Gebäude, Personal, technische Anlage) verursacht werden. Fixe Kosten sind etwa Lohn und Gehalt der Mitarbeiter im Gruppendienst.
Tab. 6: Einzel- und Gemeinkosten
| BEZEICHNUNG | ERLÄUTERUNG | BEISPIELE |
| Einzelkosten (direkte Kosten / Erlöse) | Kosten oder Erlöse, die direkt einem Kostenträger oder einer Kostenstelle zuzuordnen sind | Kosten, die direkt einer Ferienmaßnahme zuzuordnen sind |
| Gemeinkosten (indirekte Kosten / Erlöse) | da keine direkte Zuordnung möglich ist, erfolgt diese über Leistungsverrechnung oder Schlüsselung | Regiekosten, Versicherungen, Steuern, lassen sich nur dem Sozialunternehmen insgesamt zuordnen. |
variable Kosten
Variable Kosten ändern sich unmittelbar mit der Auslastung. Sie lassen sich daran identifizieren, dass jeder zusätzliche Bewohner neue Kosten verursacht. Sie heißen auch Produkt- oder Leistungserstellungskosten, weil sie durch die jeweilige Betreuung, Versorgung oder Therapie ausgelöst werden: Variable Kosten sind beispielsweise Überstundenvergütungen der pädagogischen Mitarbeiter.
Weiterhin unterscheidet man den Zeithorizont der Veränderbarkeit von Kosten. Legt man einen langen Zeithorizont zugrunde, werden alle Kosten variabel, denn Mitarbeiter und sonstige Verträge (Leasing, Miete etc.) können unter Einhaltung einer Frist gekündigt werden.

Für die Wirtschaftlichkeit ist es wichtig, einen möglichst hohen Anteil an variablen und einen niedrigen Anteil an fixen Kosten aufzuweisen. Dies heißt in der Fachsprache Variabilisierung von Fixkosten. Wenn die Belegung rückläufig ist und dennoch konstante Kosten (Löhne, Mieten etc.) zu zahlen sind, gerät die soziale Einrichtung in eine gefährliche wirtschaftliche Schieflage. Um dies zu vermeiden, muss im Personalbereich eine Variabilisierung von Kosten durch eine auslastungsorientierten Personaleinsatzplanung erfolgen.
Die Zusammenhänge zwischen Einzel- und Gemeinkosten sowie zwischen fixen und variablen Kosten werden im Kostenstruktur-Würfel dargestellt (Abb. 8).

Abb. 8: Kostenstruktur-Würfel

Einzelkosten können einem Kostenträger (z. B. Bewohner) oder einer Kostenstelle (z. B. Abteilung) direkt zugeordnet werden.
Gemeinkosten fallen für mehrere Kostenträger oder Kostenstellen gemeinsam an, weil sie entweder einer bestimmten Dienstleistung oder einem Verantwortungsbereich nicht direkt zugeordnet werden können.
Fixe Kosten sind unabhängig von der erbrachten Leistungsmenge und fallen auch an, wenn keine Leistung erbracht wurde. Erst wenn eine Änderung der Kapazitäten erfolgt, z. B. die Schaffung zusätzlicher Stellen, verändern sich die Fixkosten.
Variable Kosten heißen auch Produkt- oder Leistungserstellungskosten, da sie sich unmittelbar mit der Auslastung ändern. Jeder zusätzliche Klient oder jede zusätzliche Leistung führt zu zusätzlichen Kosten.
2.2.2 Zwecke der Kostenrechnung
Der Kostenrechnung werden die Ermittlungs-, die Prognose- sowie die Vorgabe- und Planungsfunktion als Aufgabe zugeschrieben. Des Weiteren zählen zu den Aufgaben der Kostenrechnung die Vor- und Nachkalkulation. Unter die Aufgaben der Ermittlungsfunktion fallen
die Aufwands- und Ertragsermittlung,
die Erfolgsermittlung,
die Prüfung der Wirtschaftlichkeit,
die Erhebung von Daten für Betriebsvergleiche,
die Ermittlung der Gebühren- oder Preisuntergrenzen sowie
die Berechnung der notwendigen Kapazitätsauslastung
Die Ermittlungsfunktion ist zeitlich gesehen die erste Aufgabe der Kostenrechnung. Wenn keine Zahlen, Daten und Fakten vorliegen, ist auch keine Bewertung möglich. Besonders bei geplanten und neuen Leistungsangeboten ist die Datenermittlung unerlässlich. Allerdings gestaltet sich diese aufgrund fehlender Vergangenheitswerte häufig als schwierig.
Kapazitätsauslastung
Die Gestaltung der Betriebspolitik, die Betriebsdisposition und die Planung des Leistungsprogramms (fachliche Spezialisierung) stehen in direktem Zusammenhang mit der Prognose-, Vorgabe- und Planungsfunktion. So muss beispielsweise in einer Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) die Planung einer Lagerhaltung und die Planung der Kapazitätsauslastung (z. B. Aufbau von Überstunden) vorgenommen werden.
Auch auf die Einhaltung von Sollgrößen (z. B. Kosten pro Essen) muss geachtet werden. Im Rahmen der Prognose-, Vorgabe- und Planungsfunktion werden vergangenheitsorientierte Daten analysiert, modifiziert und in die Zukunft vorgeschrieben. Ein Vorgabewert beschreibt das zukünftig zu erreichende Ziel. Es wird mit dem jeweiligen Verantwortlichen vereinbart und im Zielerreichungsgrad gemessen.
Vor- und Nachkalkulation
Im Bereich Instandhaltung und Beschaffung wird die Vor- und Nachkalkulation oft angewandt. Beispielsweise wird der optimale Ersatzzeitpunkt einer Anlage ermittelt. Die Kosten des bereits vorhandenen Fahrzeugs (Nachkalkulation) werden den Kosten eines neuen Fahrzeuges (Vorkalkulation) gegenübergestellt. Wenn die Kosten pro Kilometer des reparaturanfälligen Altfahrzeuges höher sind als die Kosten eines neuen Fahrzeuges, sollte die Neuanschaffung getätigt werden.
Unter die Vor- und Nachkalkulation fallen die Entgeltkalkulation, die Bestimmung der Gewinnspanne und die Ermittlung der innerbetrieblichen Verrechnungspreise.
2.2.3 Kostenrechnungssysteme
Je nach betrieblichem Entscheidungstatbestand sind unterschiedliche Daten, Vorgehensweisen und Analyseinstrumente anzuwenden.
Die verschiedenen Kostenrechnungssysteme können nach den Aspekten „Umfang“ und „Zeit“ unterschieden werden (Abb. 9).
Ein Kostenrechnungssystem setzt sich immer aus einer Kombination der Dimensionen Umfang und Zeit zusammen. Daraus ergeben sich zahlreiche Variationsmöglichkeiten, da Ist-, Normal- und Plankostenrechnung jeweils als Voll- oder Teilkostenrechnung ausgeführt werden können (Abb. 10).
Istkostenrechnung
Die Istkostenrechnung rechnet mit Ist-Mengen und Ist-Preisen, das heißt es werden die tatsächlich angefallenen Kosten berücksichtigt. Sie findet insbesondere im Soll-Ist-Vergleich Anwendung. Die Abweichung der den Zielwerten gegenübergestellten Ist-Werte gibt Auskunft über den Zielerreichungsgrad. Für Prognosen ist die Istkostenrechnung nur bedingt geeignet. Ihr Nachteil liegt in der Tatsache begründet, dass aufgrund ihrer Vergangenheitsorientierung voraussehbare zukünftige Preis- oder Mengenänderungen nicht berücksichtigt werden. Oft wird aus diesem Grund in der alltäglichen Praxis eher mit Durchschnitts- oder echten Prognosewerten geplant.

Abb. 9: Kostenrechnungssysteme nach Umfang und Zeit

Abb. 10: Variationsmöglichkeiten von Kostenrechnungssystemen
Normalkostenrechnung
Bei der Normalkostenrechnung wird, wie bei der Istkostenrechnung, mit Vergangenheitswerten gerechnet, die allerdings als Durchschnitt verschiedener Grunddaten gebildet werden. „Normal“ leitet sich aus der „Normalisierung von Kosten“ ab. Alles Untypische soll bereinigt werden. Der Vorteil der Normalkostenrechnung liegt in einer vereinfachten Kostenermittlung, da mit Durchschnittswerten anfallende Schwankungen geglättet werden. So wird beispielsweise bei der Vorkalkulation neuer Leistungen oder Einrichtungen mit
durchschnittlichen Personalkosten je Berufsgruppe,
durchschnittlichem Energieverbrauch je qm und
durchschnittlichen Verwaltungskosten je Mitarbeiter gerechnet.
Plankostenrechnung
Die Plankostenrechnung basiert auf geplanten Mengen und geplanten Preisen. Durch eine Prognose in die Zukunft werden absehbare Veränderungen vorweggenommen. Durch den Vergleich der Plan- mit den Sollkosten wird eine Kostenkontrolle möglich. Bei der Plankostenrechnung werden sowohl zukünftige Preisschwankungen als auch Mengenveränderungen prognostiziert: Die Erhöhung der Gehälter durch einen neuen Tarifvertrag wird ebenso berücksichtigt wie die zukünftige Stellenbesetzung in einzelnen Bereichen.
Teil- und Vollkostenrechnung
Eine Vollkostenrechnung verrechnet sämtliche Kosten auf die Kostenträger. Alle Gemeinkosten werden nach einem entsprechenden Schlüssel verteilt. Im Rechnungswesen des Sozialunternehmens existiert sowohl eine Teil- als auch eine Vollkostenrechnung.
Die Teilkostenrechnung sagt aus, ob eine bestimmte Einrichtung in der Lage ist, die dort entstehenden Kosten zu erwirtschaften. Erwirtschaftet sie einen Überschuss, so trägt sie damit zur Deckung der Gesamtstrukturkosten (Gebäude, Verwaltung, etc.) bei.
Die Vollkostenrechnung weist ein Ergebnis nach Umlage aus und beantwortet die Frage, ob die Einrichtung in der Lage ist, ihren Anteil an den Kosten der Gesamtstruktur zu erwirtschaften.
2.2.4 Kostenarten
Eine Kostenart ist der Inbegriff aller Kosten, die sich durch mindestens ein Merkmal von allen anderen Kosten des Betriebes unterscheiden. Kostenarten entstehen durch den Verbrauch von Gütern und Leistungen. Um eine Einteilung von Kostenarten vornehmen zu können gibt es drei Kriterien. Ein Gliederungskriterium ist die Art der verbrauchten Produktionsfaktoren, das zweite Kriterium gliedert nach den betrieblichen Funktionen und das dritte nach der Art der Verrechnung (Abb. 11).
Es ist einseitig, wenn nur die entstehenden Kosten betrachtet werden und die Leistungen des Sozialunternehmens außer Acht gelassen werden. Zur Beurteilung und Analyse einzelner Bereiche sind Leistungen und die damit zusammenhängenden Erlöse unverzichtbar. Aus diesem Grund spricht man von der Kosten- und Leistungsrechnung.

Abb. 11: Beispiele Kostenarten

Unter Kosten versteht man im betriebswirtschaftlichen Sinne den Wert der Ressourcen, die zur Leistungserstellung verbraucht werden. Leistungen bezeichnen das in Geld bewertete Ergebnis der betrieblichen Leistungserstellung, also die Betreuung und Versorgung.
Unterschieden werden diverse Erlösarten, die sich sowohl aus direkt erbrachten Leistungen als auch aus anderen Quellen (z. B. Forschungsmittel) ergeben können (Abb. 12).
Es wurde bereits aufgezeigt, dass die Kostenartenrechnung die erste Stufe eines aufeinander aufbauenden Systems ist.
Sämtliche Geschäftsvorfälle müssen im Rahmen der Kostenartenrechnung eindeutig zugeordnet werden. Die zweite Aufgabe der Kostenartenrechnung besteht darin, dass sie die Kostenstellen- sowie Kostenträgerrechnung mit den erfassten Kosten beliefert. Die Einzelkosten fließen hier direkt in die Kostenträgerrechnung und die Gemeinkosten fließen zunächst in die Kostenstellenrechnung (Abb. 13).
2.2.5 Kostenstellen
Die Kostenstellen bilden den Verantwortungsbereich ab, in dem die Kosten entstehen. Die Einteilung erfolgt nach betrieblichen Funktionsbereichen, beispielsweise Hauswirtschaft und Verwaltung. Der Verwaltungsleiter ist etwa für die Kosten der Verwaltung und der pädagogische Leiter für die Kosten seines Wohnbereiches zuständig.

Abb. 12: Erlösarten
Hilfs- und Hauptkostenstellen
Da nicht alle Verantwortungsbereiche direkte Leistungen für den Klienten erbringen, unterscheidet man zwischen Hilfskostenstellen und Hauptkostenstellen. Zu den Hauptkostenstellen zählen alle Verantwortungsbereiche, die ihre Leistung an den Klienten abgeben. Zu den Hilfskostenstellen zählen alle Zulieferer. Über ein Umlageverfahren werden die Kosten der Hilfskostenstellen gemäß der jeweiligen Inanspruchnahme auf die Hauptkostenstellen verteilt (Tab. 7).

Abb. 13: Systematisierung der Kosten
Es wurde bereits erwähnt, dass die Kostenstellenrechnung die Funktion der kostenstellenbezogenen Kontrolle der Wirtschaftlichkeit hat. Hier können angefallene Kosten pro Organisationsbereich überwacht und kontrolliert werden. Weiterhin erfolgt auf der Basis der Kostenstellenrechnung die Budgetierung. Jeder Kostenstellenverantwortliche erhält für das kommende Geschäftsjahr ein Budget, in dem der zu erreichende Ressourcenverbrauch geplant ist. Weiterhin dient die Kostenstellenrechnung als Vorbereitung für die Kalkulation von Leistungen.
Tab. 7: Hilfs- und Hauptkostenstellen
| BEZEICHNUNG | ERLÄUTERUNG | BEISPIELE |
| Hilfskostenstellen (Vorkostenstellen) | Kostenstellen, die ihre Leistungen an andere Kostenstellen abgeben | Küche, Verwaltung |
| Hauptkostenstellen (Endkostenstellen) | Kostenstellen, die ihre Leistungen an den Klienten abgeben | Wohnbereiche |
In der Kostenstellenrechnung werden Kostenarten verrechnet, die der sozialen Dienstleistung nicht unmittelbar zugerechnet werden können und über Zuschlags- und Verrechnungssätze zu schlüsseln sind. Für jede Kostenstelle wird eine Maß- oder Bezugsgröße der Kostenverursachung definiert.
2.2.6 Kostenträger
Aufgabe der Kostenträgerrechnung ist es, die anfallenden Kosten auf die Dienstleistungen zu verteilen. Im höchsten Differenzierungsgrad ist der Kostenträger der einzelne Klient. Für ihn erhält das Sozialunternehmen einen Erlös, und durch ihn werden die Kosten der Betreuung und Versorgung verursacht.
Die Kostenträgerrechnung unterscheidet zwischen einer Zeit-Betrachtung und einer Stück-Betrachtung. Bei der Zeitraumbetrachtung werden die gesamten Kosten innerhalb eines Wohnbereiches im Zeitraum eines Monats betrachtet.
Tab. 8: Kostenträgerzeit- und Kostenträgerstückrechnung
| KOSTENTRÄGERZEITRECHNUNG | KOSTENTRÄGERSTÜCKRECHNUNG |
| Den Kostenträgerkosten einer Periode werden die Leistungswerte (Erlöse) der Kostenträger gegenübergestellt. | Den Kostenträgerkosten pro Stück werden die Leistungswerte (Erlöse) pro Stück gegenübergestellt. |
| Kosten und Erlöse eines Wohnbereiches insgesamt | Kosten und Erlöse eines Klienten |
In der Kostenträgerstückrechnung geht es um die durchschnittlichen Kosten pro Klient. Die Gesamtkosten werden durch die Klientenzahl geteilt (Tab. 8).

In der Kostenartenrechnung werden die einzelnen Kostenarten erfasst und zusammengefasst.
Die Kostenstellenrechnung hat die Funktion der kostenstellenbezogenen Kontrolle der Wirtschaftlichkeit. Angefallene Kosten können pro Organisationsbereich überwacht und kontrolliert werden. Es werden Kostenarten über Zuschlags- und Verrechnungssätze geschlüsselt, die den Kostenträgern nicht direkt zugerechnet werden können.
Die Kostenträgerrechnung verteilt die anfallenden Kosten auf die Leistungsempfänger. Es wird zwischen einer „Zeit-“ und einer „Stück-Betrachtung“ unterschieden. In der Kostenträgerzeitrechnung werden die gesamten Kosten pro Klient oder Fallgruppe betrachtet.
2.3 Zusammenhang der Kostenrechnungssysteme
Einen Überblick über die einzelnen Teilbereiche der Kostenrechnung liefert Tabelle 9. Alle Angaben werden in der Buchhaltung erfasst und stehen für weitere Auswertungen zu Verfügung.
Am Monatsende, wenn die gesamten Daten ausgewertet werden, erfolgt die Kontrolle von Kostenarten und Kostenstellen. Damit in der Kostenträgerrechnung die genauen Ist-Kosten je Fall und Periode ermittelt werden können, erfolgt die Verrechnung der Kostenstellen auf die Kostenträger (Tab. 10).
In der Kostenträgererfolgsrechnung wird dann für die einzelnen Leistungsbereiche das betriebswirtschaftliche Ergebnis ausgewiesen (Abb. 14).
Tab. 9: Übersicht Kostenrechnungssysteme
| KOSTENARTENRECHNUNG Welche Kosten fallen an? | KOSTENSTELLENRECHNUNG Wo fallen Kosten an? | KOSTENTRÄGERRECHNUNG Für was fallen Kosten an? |
Materialkosten Personalkosten Kapitalkosten | Kosten der Pflege Kosten der Verwaltung | Fallgruppe x Klient y |
Tab. 10: Zusammenspiel der Kostenrechnungssysteme
| KOSTENARTENRECHNUNG | KOSTENSTELLENRECHNUNG | KOSTENTRÄGERRECHNUNG |
Erfassung der Kosten | Verrechnung der Kosten, die den Kostenträgern nicht zugeordnet werden können | Kostenträgerstückrechnung (Kalkulation) |
Gruppierung der Kosten | Kontrolle der Kostenstellen | Kostenträgerzeitrechnung |
Bildet die Grundlage für die Kostenstellenrechnung![]() | Bindeglied zur Kostenträgerrechnung![]() | ![]() |

Abb. 14: Kostenträgererfolgsrechnung
2.4 Umlageverfahren
Zur Verteilung der Kosten der Hilfskostenstellen auf die Hauptkostenstellen werden Umlageverfahren angewandt. Die Umlagerechnung erfolgt in tabellarischer Form im Betriebsabrechnungsbogen. Als Verteilungsmaßstab werden entweder die direkten Kosten oder sonstige Verteilungsschlüssel angewandt. So können zum Beispiel die Kosten der Hilfskostenstelle Gebäude nach der Nutzfläche in qm berechnet werden (Tab. 11).
Gerade bei Komplexträgern finden meist mehrstufige Umlageverfahren ihren Einsatz (Abb. 15).
In der Abbildung 16 werden die Kosten des Trägers auf die Bereiche Gesundheitswirtschaft, Altenhilfe, Eingliederungshilfe und Jugendhilfe verteilt. Im zweiten Schritt werden die Kosten der Behindertenhilfe (z. B. das Gehalt der Geschäftsbereichsleitung) auf die in einzelne Wohnheime und ambulanten Dienste verteilt.
Bereiche des Umlageverfahrens
| Ebene 1 | Träger |
| Ebene 2 | Behindertenhilfe |
| Ebene 3 | Wohnheime |
Abb. 15: Bereiche des Umlageverfahrens
Tab. 11: Umlageverfahren

Betriebsabrechnungsbogen
Der Betriebsabrechnungsbogen (BAB) ist eine Tabelle, in der zeilenweise die Kostenarten und spaltenweise die Kostenstellen aufgeführt sind. Die Funktion des BAB ist die Verteilung der primären Gemeinkosten auf die Kostenstellen nach dem Verursachungsprinzip. Über den BAB werden grundsätzlich nur Gemeinkosten verrechnet, da die Einzelkosten direkt zurechenbar sind.

Abb. 16: Umlageverfahren Verteilung der Kosten
Der BAB übernimmt die Durchführung der innerbetrieblichen Leistungsverrechnung, die Bildung von Kalkulationssätzen und die Kontrolle der Kosten bzw. ihre Vorbereitung.
2.4.1 Prinzipien der Umlage
Kostenverursachungsprinzip
Die Umlage kann grundsätzlich nach dem Kostenverursachungs- und dem Tragfähigkeits- oder Solidaritätsprinzip erfolgen. Um eine adäquate Abbildung des betrieblichen Leistungsgeschehens zu gewährleisten, ist die Anwendung des Kostenverursachungsprinzips eine sinnvolle Variante.
Hier wird diejenige Größe als Schlüssel gewählt, die den Leistungsverzehr am besten abbildet. So könnten zum Beispiel die Kosten der internen Fortbildungen anhand der in den Leistungsbereichen nachgefragten Fortbildungsstunden oder die Kosten der Personalabteilung anhand der abgerechneten Personalfälle verteilt werden. Oft werden als Schlüsselungsgrößen auch die direkten Kosten der Leistungsbereiche gewählt.
2.4.2 Umlageschlüssel
Bei der Wahl der Umlageschlüssel ist der Aufwand bei der Erhebung und Pflege der Schlüssel gegen das Ziel der möglichst präzisen Kostenzurechnung abzuwägen. Grundsätzlich kommen Mengen- und Wertschlüssel in Frage (Abb. 17).

Abb. 17: Umlageschlüssel
Die Umlageschlüssel legen eine Proportionalität zwischen Schlüsselgrößen und dem Kostenverbrauch zugrunde. Somit erfolgt durch die Messung der Schlüsselgrößen eine direkte Messung der Kosten. Wertschlüssel können Kostengrößen, wie beispielsweise Löhne, Gehälter oder Einzelmaterialkosten sein. Mengenschlüssel können die Anzahl von Arbeitsverrichtungen, verbrauchte Mengen, Schichtzahlen oder Kalenderzeiten sein.
Die Kostenarten der Hilfskostenstellen lassen sich einzeln und insgesamt umlegen. So ist es möglich, für die Sachkosten der Küche einen anderen Schlüssel zu wählen als für die Personalkosten. Je differenzierter das System der verwandten Schlüssel umso komplexer und undurchsichtiger gestaltet es sich. Ein besonderes Augenmerk sollte auch auf die durch Umlagen entstehende Kultur der Zusammenarbeit gelegt werden. So ist zu prüfen, ob die Zusammenarbeit zwischen einzelnen Organisationseinheiten gefördert wird, wenn beispielsweise die Umlagen für Verwaltung das Budget der operativen Bereiche (z. B. Heime) überproportional belasten.

Bachert et al. (2017): Kosten- und Leistungsrechnung
Busse / Paarz (2012): Rechnungslegung von Nonprofit-Organisationen
Coenenberg et al. (2016): Kostenrechnung und Kostenanalyse
Graumann (2017): Kostenrechnung und Kostenmanagement
Kolhoff (2017): Finanzierung der Sozialwirtschaft
Pracht (2013): Betriebswirtschaftslehre für das Sozialwesen
Schmidt (2017): Kostenrechnung: Grundlagen der Vollkosten-, Deckungsbeitrags- und Plankostenrechnung sowie des Kostenmanagements
Бесплатный фрагмент закончился.


Materialkosten

