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Alexander Kraft
MC Gladius
Vaterland
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Klarstellung 1
Der Tag danach 2
Bruderschaft 3
Krankenhaus 4
Zurück im Clubhaus 5
Verabredung 6
Rache 7
Knast 8
Bikerehre 9
Mord oder Gerechtigkeit 10
Gabi 11
Eine halbe Million Euro 12
Am Tisch 13
Mittag 14
Spaß 15
Mudcheck 16
Erfolg 17
Frühschicht 18
Rückfahrt 19
Stripclub 20
Übergabe 21
Geheimes Wissen 22
Überraschung 23
Training 24
Aufwachen 25
Goldrausch 26
Verrat 27
Glücksgefühle 28
News 29
Razzia 30
Brüder 31
Tod 32
Flucht 33
Showdown 34
Heimweh 35
Berlin 36
Südafrika 37
Berlin 2 38
Spielhalle 39
Vikings 40
Flug 41
Passau 42
Ankunft 43
Garage 44
München 45
Revolution 46
Rede 47
Impressum neobooks
Klarstellung 1
Sehr geehrte Leserinnen und Leser zuerst möchte ich sie alle darauf hinweisen dass der MC Gladius ein rein fiktiver MC ist. Alle seine Mitglieder sind frei erfunden, Ähnlichkeiten oder Namensgleichheiten mit real existierenden Personen sind rein zufällig. Alle Geschäfte und Interessen des Clubs sind frei erfunden. Dieses Buch soll gegenüber keinem real existierenden MC beleidigend oder respektlos sein. Alle anderen Personen sind ebenfalls frei erfunden. Genauso wenig soll die Exekutive, Legislative und Judikative unseres Landes beleidigt, für korrupt oder für unfähig dargestellt werden. Auch die Ereignisse die sich auf die Zeit des Nationalsozialismus beziehen sind frei erfunden. Der Autor lehnt jegliche Gewalt gegenüber Frauen, Polizisten, Minderheiten oder anderen Personen ab. Genau so jegliche Form von Rassenhass. Jede Aussage oder wörtliche Rede dient nur der glaubhaften Darstellung der Geschichte.
Alle Rechte vorbehalten.
Ihr Autor
Alexander Kraft
Der Tag danach 2
Die helle Mittagssonne fiel durch die halb geschlossenen Jalousien, direkt auf sein Gesicht. Er stöhnte leicht und krächzte ein halb lautes: „Ahh“! dann drehte er sich in seinem großen Boxspringbett ein letztes Mal zur Seite, ehe er einige Minuten später den rechten Fuß auf den Boden setzte und sich aufrichtete. 13:24 Uhr zeigte der Radiowecker und in Michaels Kopf dröhnte noch die Housemusik der gestrigen Party. Sein MC feierte die Eröffnung des ersten Chapters in der Slowakei. Michael, welcher schlicht und einfach Mike genannt wurde, stützte seine Ellenbogen auf die Knie und legte sein Gesicht in die Hände. Er hielt für einige Sekunden die Luft an ehe er geräuschvoll ausatmete. Dann drehte er den Kopf nach rechts, sein Blick fiel auf die im Bett liegende Frau. Sie lag auf dem Bauch, ihr Gesicht zeigte in seine Richtung wurde aber teilweise von ihren langen blonden Haaren verdeckt. Ihre Augen waren geschlossen, sie atmete langsam und gleichmäßig. Mike entschied sich sie nicht zu wecken. Der Sex mit ihr, nach der Clubparty, war fantastisch und um seine Morgenlatte konnte er sich auch später noch kümmern. Er ging in die Designerküche und schaltete die Kaffeemaschine ein. Als der Espresso in die Tasse lief, schäumte er die Milch auf und goss sie ebenfalls in die Tasse. Ein perfekter Cappuccino!
Aus dem Schlafzimmer hörte er Schritte, die ins Esszimmer liefen. Dann wurde es still. Mike trat aus der edlen Küche ins geräumige Esszimmer in dessen Mitte ein handgefertigter Speisetisch mit acht lederbezogenen Stühlen stand. Auf dem Stuhl am Kopfende kniete Gabi, die Ellenbogen auf der Tischplatte abgestützt und nur ein Lächeln im Gesicht. Gabi sein Betthäschen von letzter Nacht war Gelegenheitsprostituierte für den Club, die meiste Zeit aber arbeitete sie als Bedienung in einem seiner Restaurants oder als Stripperin im Tabledance Lokal. Sie spielte mit ihren langen Haaren indem sie sie um ihren Zeigefinger ringelte. Ihr 85 D Busen wippte leicht auf und ab, die hellblauen Augen leuchteten und ihre schlanken Beine waren gekreuzt.
„Gut geschlafen?“ fragte Mike sie. „Ja“ kam die lächelnde Antwort. „Kann ich auch so einen haben?“ wollte sie wissen.
„Klar!“ Mike stellte seinen Cappuccino auf dem Tisch ab und schritt erneut zur Kaffeemaschine. Kurze Zeit später setzte er sich auf den Stuhl neben Gabi und schob ihr den heißen Kaffee rüber. „Danke!“ sie lächelte ihn erneut an.
Als Gabi ihren Cappuccino kurz darauf leerte, leckte sie sich verführerisch die Reste des Milchschaums von den Lippen und Mikes Morgenlatte war wieder da. Die hübsche Blondine schien das zu bemerken ohne hinzusehen. Sie rutsche von ihrem Stuhl und kniete sich vor ihn. Langsam griff sie mit ihren zarten Händen nach seinem großen Schwanz. Zärtlich streichelte sie ihn ehe sie schneller wurde und ihn anschließend in ihren Mund nahm. Er stöhnte auf. Gabi blies seinen Schwanz schneller und tiefer, immer heftiger lutschte das geile Häschen sein Rohr. Seine Eier drohten zu platzten. Mit einem festen Griff in ihre blonde Mähne zog er sie nach oben, drehte sie um und legte sie über den Tisch. Mike, mit seinen 1,96 war er deutlich größer als Gabi mit ihren 1,71. Er stand nun hinter ihr, mit der rechten Hand holte er aus und ließ sie klatschend auf ihrem Po nieder. Sie zucke nicht einmal. Der Schlag hinterließ einen roten Handabdruck auf ihrer festen Pobacke. Jetzt drang er mit seinem Schwanz in sie ein, ihre Muschi war bereits triefend feucht und empfing ihn freudig. Die kleine Blondine liebte seine dominante Ader. Fest stieß er in sie, umklammerte ihre schlanken Hüften mit seinen Händen. Sie schloss ihre Augen und öffnete ihren Mund, so als wollte sie stöhnen doch kein laut verließ ihre Kehle. Seine Stöße schienen ihr den Atem zu rauben. So tief wie er in sie eindrang musste es zwangsläufig auch weh tun. Doch war sie so devot dass es ihr gefiel so fest und heftig genommen zu werden.
Bei Mikes enormer Männlichkeit fühlte sie sich erst richtig als Frau. Nachdem er sich in ihr entspannte drehte er sie um und küsste sie tief und innig. „Ich liebe dich!“ rief Gabi aus heiterem Himmel, um gleich darauf „tut mir leid, das… war nicht so gemeint!“ anzufügen. Schnell lief sie ins Bad und sperrte sich erst einmal ein.
Mike stieg die dunkelbraune Wendelholztreppe seiner Penthauswohnung nach oben, nahm die zweite Tür auf der linken Seite und betrat das kleine WC mit Dusche. Nachdem er mit dem Duschen fertig war, schwang er ein Badetuch um seine Hüften und ging wieder nach unten. Unten angekommen klopfte es an seine Tür. Er horchte auf da es selten vorkam, dass jemand an seine Tür klopfte. Das Haus in dem er wohnte gehörte seinem Club, seinem MC Gladius. Von daher war erstens in der Lobby ein Pförtner, meistens ein Prospect, ab und zu auch ein Supporter des Clubs und zweitens war sein Penthouse nur über einen eigens gesicherten Treppenaufgang zu erreichen, den man wenn man nicht wusste wo er war leicht übersah sowie über einen Aufzug für den man einen eigen Schlüssel brauchte.
Seit drei Jahren war Mike jetzt Fullmember des MC. Mit 29, war er einer der jüngsten im Club und hatte es aufgrund seiner Größe, Kraft und militärischen Fähigkeiten zum Sergeant at Arms gebracht. Der MC selbst war ein deutscher Club und die Nummer 5 im eigenen Land und unter den Top Ten in Europa. Vor dem MC Gladius standen noch, wie sollte es anders sein, zwei amerikanische Clubs nämlich der MC White Ghost, der ausschließlich Weise Member aufnahm und schon in seiner Club Verfassung stark mit der Weißen Herrenrassen Ideologie liebäugelte, und der MC Red Skins der sich auf die Abstammung der Ureinwohner von Amerika berief. Inzwischen aber jeden fähigen und halb fähigen, manchmal auch unfähigen Biker, Outlaw und Gangster aufnahm nur um den zahlenmäßigen Abstand zu den White Ghost´s nicht zu groß werden zu lassen. Auf den Plätzen drei und vier folgten die Clubs MC Brown Bears aus Polen deren Patch ein Braunbär Kopf mit weit aufgerissenem Maul war und der MC Vikings, skandinavischer Herkunft, zeigte sein Patch einen bärtigen Wikingerkrieger mit Axt und Schild.
Nach einer kurzen Pause klopfte es zum zweiten Mal. Mike öffnete, nur mit einem Badetuch bekleidet, einen Spalt die Tür.
„Hey“! rief der Kerl von draußen in freundlichem Ton. „Was machst du hier?“ fragte Mike. „Muss was mit dir besprechen. Kann ich rein kommen?“ bekam er zur Antwort.
„Ok, aber mach schnell, ich hab noch viel zu erledigen!“ Mike, schloss die Tür und entriegelte sie bevor er sie ganz öffnete. Er war immer noch leicht skeptisch, obwohl „Rocky“, der Mann dem er die Tür öffnete einer seiner ältesten Freunde außerhalb des MC war.
„Was gibst?“ wollte Mike wissen.
„Du musst mir einen Gefallen tun!“ gab Rocky zurück. Die Beiden hatten sich vor acht Jahren bei der Bundeswehr kennengelernt, und obwohl Rocky damals als Stabsunteroffizier, sein Vorgesetzter und Gruppenführer war, wurden die zwei gute Freunde, und blieben auch nach ihrer Dienstzeit in Kontakt. Sogar als Rocky zur Bundespolizei ging hatten sie sich nicht aus den Augen verloren. Sie respektierten sich gegenseitig, fragten einander nicht nach irgendwelchen Angelegenheiten und mochten sich. Aber dieses Mal war etwas anders.
Rocky und Mike setzten sich an den Tisch wo er kurz zuvor noch Gabi genagelt hatte. Mike versuchte verzweifelt das Grinsen aus dem Gesicht zu bekommen, doch es gelang ihm nicht so wie er wollte. Ständig musste er an die kleine Maus denken. Er hoffte dass Rocky es nicht bemerkte oder zumindest dachte, Mike würde sich freuen ihn wieder zusehen. Doch sein Gegenüber schien es gar nicht zu bemerken.
„Wieso muss ich dir einen Gefallen tun, um was geht´s?“ hakte Mike wieder ein.
„Um zwei Dinge, aber versprich mir bitte keine Fragen zu stellen, sag mir nur ob du mir helfen kannst oder nicht, ok?“ Rocky hörte sich an wie einer dieser kleinen Gangster die ab und zu den MC bei der Hilfe eines Problems zu „Rate“ zogen.
Mike schloss kurz die Augen dann Antwortete er: „Gut, ist ok. Weil wir uns schon so lange kennen. Schieß los!“
„Hat dein Club die Möglichkeit an nicht zurückzuverfolgende Sturmgewehre zu kommen?“ wollte Rocky wissen.
„Fragst du als Bulle? Kumpel so läuft das nicht!“ stellte Mike hart fest, und sein Grinsen war verschwunden.
„Nein, Nein! Ich garantiere dir das hat nichts mit meiner Arbeit zu tun. Mein Ehrenwort.“ Rocky meinte es wirklich ernst.
„Kumpel ich kann dir behilflich sein, aber ich brauche Zeit, ist das in Ordnung für dich!“ antwortete Mike ohne eine erkennbare Regung. „Und die zweite Sache?“
Rocky straffte sich auf seinem Stuhl, er war zehn Zentimeter kleiner als Mike aber immer noch überdurchschnittlich groß, sportlich und austrainiert mit einem 51 cm Bizeps. Wirkte aber trotz beindruckenden Körpermaßen wie normal gebaut gegen Mike. „Ich will dass du jemanden kennenlernst!“
„Und wen?“ wollte Mike wissen.
„Heute Abend. Im Steakhouse, wir haben einen Tisch reserviert. Um 18.30!“ wich ihm Rocky aus.
„Wir?“ Mike sah seinen Kumpel ungläubig an. „Vertrau mir, kein Scheiß, versprochen!“ Rocky stand auf und nickte Mike zu, dann ging er zur Tür.
Mike begleitete Rocky zur Tür um ihn mit einem Handschlag zu verabschieden. Dann sagte er: „18.30 Uhr geht in Ordnung.“ Anschließend schloss er die Tür, drehte sich um und da stand Gabi wieder hinter ihm.
„Ist er weg?“ fragte sie.
„Ja, komm her Süße.“ Gabi ging zwei Schritte auf Mike zu, blieb kurz stehen bevor sie den letzten Schritt auf ihn zutat. Er griff ihr mit der linken Hand an den Hinterkopf. „Ich hab einige Dinge zu erledigen. Tu mir einen Gefallen, in der schwarzen Vase im Wohnzimmer sind ein paar Euros, besorg ein bisschen was für den Kühlschrank. Dann mach dir einen schönen Tag. Morgen Abend um 21.00 Uhr bist du wieder hier, in Strapsen, String und BH, auf meinem Bett. Ich geb unten Bescheid, verstanden!“
„Verstanden!“ gab Gabi mit leuchten Augen wieder. Dann küsste er sie fest und innig. Seine Zunge schmeckte noch nach Kaffee, Milch und Zucker. Gabi genoss diesen tiefen Kuss. Sie fühlte sich wohl so nah bei ihm, obwohl oder gerade, weil er sie öfter hart anfasste.
Nachdem er nocheinmal geduscht hatte, zog Mike sich an und fuhr mit dem Aufzug in die Lobby. Unten angekommen stellte er fest dass heute Sebastian genannt „Peppi“ Dienst hatte. Peppi war ein Prospect der seit fast einem halben Jahr beim MC war. Der kleine war kaum größer als Gabi, hatte kurze braune Haare und eine kleine spitze Nase. Er wirkte wie ein Schüler, und es war im auch bewusst. Um als Badboy durchzugehen ließ er sich seine Arme tätowieren, weil er glaubte so wirkte er böse. Doch um wirklich als böse zu gelten bräuchte der kleine Kerl mehr als Tattoos, z.B.: ein paar Muskeln. „Hey Peppi!“ rief Mike als er den Aufzug verlies „Gabi die Schnecke von gestern ist noch oben in meiner Wohnung. Ich hab sie einkaufen geschickt. Wenn sie zurück kommt lässt du sie wieder rein, und morgen Abend auch, kapiert?“
„Ja, Mike. Kein Problem.“ war die prompte Antwort des Kleinen.
Mike nickte, Peppi war im eigentlich scheiß egal, er war ihm auch nicht böse das er Rocky einfach so zu ihm rauf ließ, obwohl dies
er kein Mitglied des Clubs war. Er wusste das Rocky durchaus auch dem ein oder anderen Outlawbiker Respekt abnötigte. Auch wenn diese es nicht zugeben würden.
Draußen vor der großen Glastür, des im modernen Stil gehaltenen Wohnhauses, setzte Mike sich auf seine Harley, eine Fat Boy, und fuhr Richtung Clubhaus.
Bruderschaft 3
Am Gelände des Clubs, ein ehemaliger Industriekomplex, angekommen drückte Mike am Tor den Knopf der Sprechanlage. Das Stahlgittertor, das mit S-Draht gesichert war, schob sich mit einem Summen langsam nach rechts auf. Mike fuhr mit seiner Harley, die durch den verlängerten Schalthebel und nach vorne verlegte Fußbremse seiner Größe angepasst war, die lange gerade Straße Richtung Clubhaus. Sein Auspuff dröhnte, sein Sitz vibrierte, die Sonne schien ihm ins Gesicht und nach der Party und dem vielen Sex, seit gestern und heute fühlte er sich in diesem Moment richtig gut. Der MC kaufte einen Teil des ehemaligen Industriegeländes, und eröffnete darauf ein Wellnessbordell mit angeschlossenem Laufhaus, sowie eines seiner Fitnessstudios.
Das Clubhaus des MC war eine ausgemusterte Industriehalle für Spediteure. Die großen Rolltore waren alle, bis auf eins, zugemauert worden. Die Laderampe wurde so verlängert und verbreitert, dass sie ihnen, durch das letzte verbliebene Rolltor, mit der Harley, locker als Einfahrt dienen konnte. Als Sergeant at Arms hatte Mike einen Schlüssel für jede Tür des Clubhaus. Er fuhr wie gewohnt die Auffahrt rauf, griff kurz in seine Hosentasche wo er den automatischen Öffner fürs Rolltor betätigte, um dann direkt mit der Maschine ins Clubhaus zu fahren. Das erste Drittel der Halle war als Parkplatz vorgesehen. Mike lenkte seine Fat Boy auf einen der hinteren Plätze. Dann ging er die gut fünf Meter zum eigentlichen Haupteingang. Eine gemauerte Wand mit einer schlichten grünen Metalltür trennte den Barraum des Clubhauses vom Parkplatz. Mike drückte die Klinke nach unten und zog die Tür auf.
Einige seiner Brüder waren entweder schon wieder da oder teilweise immer noch da von der gestrigen Party. Das Chapter des MC Gladius, hieß Southeast Crew, war das erste in Bayern und eines der ersten des Clubs überhaupt. Es bestand aus 41 Fullmembern und 12 Prospects sowie einigen Hangarounds. Von denen die meisten sich trotz erkennbarer Müdigkeit große Mühe gaben die Spuren der letzten Nacht zu beseitigen. Wolfgang „Gang“ der Road Captain lag, in den gleichen Klamotten wie gestern, alleine auf einer Couch in der hinteren rechten Ecke des Raums.
Die Bar selbst war zwölf Meter lang und aus mit Klarlack lackierter Eiche. Sie dominierte den an sich großen Raum. Die Zapfanlage bestand komplett aus Edelstahl und war mit 12 Fässern bestückbar. Dahinter holte sich sein Bruder Karl, genannt „Semmel“ gerade ein frisches Pils. „Hi, Mike alles klar bei dir?“ grinste Semmel ihn an, wobei er seine gelb grauen Zähne zeigte. Semmel war „nur“ Fullmember, klein und schmächtig von der Statur, er hatte kein spezielles Amt im Club inne. Allerdings war er eines der Gründungsmitglieder dieses Clubs, und schon weit über 50 Jahre alt. Er kam vor acht Monaten ins Chapter nachdem er seinem Presi in seinem eigentlich angestammten Chapter auf die Schuhe kotzte. Da das anscheinend nicht seine erste Entgleisung war stand er kurz vor einer Suspendierung durch den Club. Als Semmel davon Wind bekam nahm er Kontakt zu Mikes Presi auf, der den Wechsel dann klar machte. Mike war sich sicher dass Semmel damals nur Member wurde um sich trotz Arbeitslosigkeit regelmäßig in der Clubbar ein paar Bier genehmigen zu können. Mike hob die Hand zum Gruß und erwiderte: „Immer!“
An den Wänden des Barraums hingen diverse Bilder von Harley Davidson Motorrädern und nackten Frauen. Einige aus dem Playboy, andere aus „härteren Magazinen“.
Mario „Nudel“ stand im Clubraum ganz hinten, der wiederum mit einer weiteren Metalltür vom Barraum getrennt war. Dieser Raum stand nur den Fullmembern zur Verfügung, sollte für alle anderen, auch für die Prospects und Hangarounds, heißen ihr habt hier drin nichts verloren. Der Clubraum war genau so lang wie der Barraum, aber etwas schmaler. Das einzige was sich darin befand war ein langer Tisch, der trotz Freundschaftspreis eines befreundeten Schreiners, etliche Tausendeuro kostete. Der Tisch bestand aus Massivholz und war so lang das alle Member bequem daran Platz nehmen konnten. Mario „Nudel“ war der Presi des Clubs. Ein 42jähriger Mann, mit einem leichten Hang zum Sadismus. Er war körperlich nicht sehr fit aber wie Mike über 1,90 groß und mit ordentlichem Bauch gut 110 Kg schwer. Ansonsten fielen seine kurzen stark nachhinten gegelten Haare, und seine beiden schwarzen Tunnelohrringe, sowie sein bis unters Kinn tätowierter Hals auf. Seine Führungsqualitäten waren alles andere als hochwertig, aber er schreckte vor fast nichts zurück. Was ihn für den Club zu einem wertvollen Member machte. Bei ihm im Clubraum stand Tom „Euro“ der Master of Treasury, also der Schatzmeiser des Clubs. Tom war kein typischer Biker. Er war zwar gut 1,83 groß sportlich und Ex-Boxer, doch er hatte auch in BWL und Psychologie promoviert. Der Mann war schlicht und einfach ein Genie, vor allem im Finanzbereich. Tom war es, der aus einem mittelmäßigen MC eine finanzstarke Organisation machte, und er war es, dem der Club seinen Wohlstand verdankte. Natürlich fiel das andern Clubs und Konkurrenten auf. Was der Grund war warum „Euro“ schon die ein oder andere Morddrohung erhielt. Daher hatte „Nudel“ seinen Bodyguard Mike oft dazu abgestellt bei Treffen oder Veranstaltung auf Tom aufzupassen. Diese Zeit die die zwei Männer dadurch miteinander verbrachten führte dazu, dass sie sich sehr gut kennenlernten, und obwohl Mike den Banker, wie er Tom bei seinem Eintritt in den MC nannte, am Anfang nicht zutraute ein Fullmember zu werden, letztendlich doch zu schätzen lernte. Tom kam auf Mike zu und lächelte, Mike erwiderte das freundliche Gesicht seines Bruders und reichte ihm die Hand zum Gruß. Tom schlug ein, Mike zog ihn an sich heran und die beiden umarmten sich. In der Umarmung der beiden klingelte Toms Handy. Normalerweise schalteten die Biker ihre Handys aus im Clubhaus, aber da Tom alle Finanzgeschäfte des Clubs regelte, galt für ihn hier eine Sonderregelung. Doch dieses Mal war es keine Bank oder der Steuerberater der Tom sprechen wollte.
Krankenhaus 4
Tom meldete sich, nachdem er den Anrufer auf dem Display erkannt hatte mit: „Hey ist alles ok?“
Nach einem kurzen Gespräch, drückte er den Anrufer weg und blickte Mike mit engleisten Gesichtszügen an. „Was war das jetzt?“ wollte Mike wissen.
„Das war Andy. Er ist im Krankenhaus, fahren wir!“ Tom drehte sich um und eilte zur Tür. Mike rief seinem Presi die Neuigkeit zu, der antwortete: „ich nehm den T4 und komm nach!“
Der Club hatte zwei VW T4 und einen BMW i8 für Business und andere Fälle in denen eine Harley unpraktisch war in seinem Fuhrpark. Mike und Tom stiegen auf ihre Bikes, Tom fuhr eine V-Rod Night Rod, matt Schwarz mit extra breitem 325er Hinterreifen. Die Beiden Harleys knatterten im typischen Harley Davidson Sound als sie die Rampe runter fuhren, und ihre Maschinen Richtung Krankenhaus lenkten.
Als sie den Parkplatz zum Krankenhaus erreichten, stellten sie ihre Bikes neben einer weiteren Harley ab. Mikes Handy zeigte 15:01 als er nach dem Motorabstellen drauf sah. „Anscheinend hat Andy auch Bernd angerufen.“ Mike deutete auf die weiße V-Rod Muscle, mit kurzem Stummellenker, die neben seinem Bike parkte. „Ja sieht so aus. Andy ist in der Ambulanten Chirurgie, lass uns gleich rauf gehen.“ bekam er von Tom zur Antwort.
Im Krankenhaus roch alles nach Desinfektionsmittel und alten Leuten. Das gelbe Licht wirke künstlich, die Leuchtstoffröhren flackerten und alle Anwesenden hatten diesen traurigen, deprimierenden Gesichtsausdruck. Mike lief die Treppe fast im Spurt rauf in den zweiten Stock. Tom gab sich größte Mühe mitzuhalten, musste aber feststellen, dass er oben angekommen, doch ziemlich außer Atem war. Die Glocke an der Milchglastür zur ambulanten Chirurgie war laut und läutete bei einer Berührung gleich zweimal. Der Summer kündigte an das die Tür frei war. Mike drückte leicht dagegen und war im nächsten Moment auch schon durch. Er lief an den vier wartenden Patienten, einem Mann mit Gipsarm, ein weiterer mit Kopfverband und ein Pärchen dem nicht anzusehen war warum es hier war, vorbei zur Anmeldung. Tom war zwei, drei Schritte hinter ihm. Mike zupfte mit beiden Händen an seiner Kutte auf die das Patch mit Schwert und Lorbeerkranz genäht war, bevor er an die Scheibe zur Anmeldung klopfte. Nach dem zweiten Klopfen wurde die ebenfalls aus Milchglas bestehende Scheibe zur Seite geschoben, und eine kleine Rubensfrau mit langen schwarzen Haaren, einem Nasenpiercing und mächtig ausladendem Dekolleté, auf einem schwarzen Drehstuhl sitzend rief ihm zu: „Was kann ich denn für sie tun?“
„Wir wollen Herrn Andreas Meier sehen. Geht es ihm gut?“ Mikes Antwort kam prompt und scharf.
„Er ist im Behandlungsraum 3 den Gang zurück, die zweite Tür auf der linken Seite!“ Ohne weiteren Kommentar schob die Frau die Scheibe wieder zu. Mike ärgerte sich zwar, wollte aber nicht mehr nachhaken. Als er sich umdrehte war Tom schon fast vor der Tür zum Behandlungsraum und Mike musste ihm dieses Mal schnellen Schrittes hinterhereilen. Als die beiden Biker nach Anklopfen aber ohne Aufforderung den Raum betraten, saß Andy auf der Behandlungsliege. Andy war der VP des Chapters und bei den Membern beliebter als ihr Pres. Er war ein kein sonderlich furcht- oder respekt- einflößender Mann, zwar sah er wie der typische Biker aus, tätowiert und bärtig, doch war er mit 1,74 eher kleiner und drahtig. Allerdings war auch er so wie Tom ein gebildeter Mann. Neben der Liege stand ein älterer Herr der größer aber genau so drahtig und schlank war wie Andy, der Arzt. Hinter der Liege war eine Krankenschwester damit beschäftig das Verbandzeug wegzuräumen. Mike und Tom beachteten sie nicht weiter. Die Beiden richteten ihr Augenmerk auf ihren VP, der aussah als ob er einen Zusammenstoß mit einem Panzer hatte.
„Scheiße wie geht’s dir?“ wollte Tom von Andy wissen.
Der VP hob seinen Kopf um zu antworten, dabei fiel auf, dass ihm die Oberlippe dreimal getuckert wurde und sein linkes Auge wies ein Monokelhämatom auf. Seine Antwort war klar und ruhig: „Ich hatte einen Motorradunfall!“
„Einen Motorradunfall?“ fragte Mike ungläubig.
„Hmmm…, Das ist ziemlich unglaubwürdig!“
Mike und Tom drehten die Köpfe um zusehen wer da sprach. Nahe an der Wand zur Tür hin standen ein Polizist und seine weibliche Kollegin. Die Beiden machten zwei Schritte auf Tom zu, und redeten dann weiter: „Es wurde kein Motorrad am Unfallort gefunden.“
„Dann hat es Jemand gestohlen!“ war die lapidare Antwort des VP.
Der alte Polizist, ein Mann von 50, mit grauen Haaren, und ordentlicher Wampe machte einen weiteren Schritt auf Tom zu. Noch bevor er zu nah kam, schob sich Mike dazwischen.
„Er kann auch keinen Helm getragen haben sonst hätte er nicht so viele Verletzungen im Gesicht!“ ergänzte der Alte. „Außerdem müssen wir noch einen Blutalkoholtest machen.“
„Wenn er sagt, er hatte einen Motorradunfall dann hatte er einen Motorradunfall! Verstanden!“ Mike starrte den Bullen an.
Der Polizist legte eine Hand auf Mikes Schulter. Daraufhin sog Mike die Luft scharf ein, straffte sich und wirkte so noch größer und muskulöser. „Nicht anfassen, Bulle. Wenn du deine Hände noch mal an mich legst dann werde ich mich verteidigen verstanden, Bulle?“
Das wirkte erst einmal. Der Polizist nahm die Hand weg und machte einen großen Schritt zurück. „Wenn sie mich nochmal Bulle nennen, gibt das eine schöne kleine Anzeige.“ Jetzt mischte sich Tom ein: „Sie können gern einen Blutalkoholtest machen und seine Personalien aufnehmen, für alles andere kommt unser Bruder dann gern aufs Revier. Aber jetzt muss er sich erst mal erholen.“ Bezog sich Tom auf die Aussage seines Bruders Andy. „ Ach ja, Bulle ist in Bayern ein zulässiges Wort für Polizisten, das hat das Landgericht Regensburg festgestellt.“ fügte er nach kurzer Pause zur Verteidigung seines Bruders Mike hinzu.
Der Doktor gab an schon eine Blutprobe entnommen zu haben und dass morgen das Ergebnis vorliegt. Die Tür ging auf und Bernd trat ins Zimmer. Er begrüßte Tom und Mike mit einem freundlichen Kopfnicken, die zwei Beamten beachtete er gar nicht. In der linken Hand trug er einen Becher Wasser dem er seinem Bruder Andy reichte. Bernd war einfaches Member. Sein Kopf war kahl rasiert, in seinem Gesicht wuchs ein fünf Tage Bart unaufhaltsam weiter. Unzählige Tätowierungen waren auf den starken Armen und Schultern zu sehen. Bernd war nur 1,78 groß aber gut 102 Kg schwer und Bodybilder. Als Studioleiter zweier Fitnessstudios, die Mike, als Geschäftsführer und Besitzer, für den Club betrieb war er genau der Richtige. Bernd kannte die Bodybilderszene schon bevor er dem MC beitrat.
Andy nippte an dem Wasser ehe er einen größeren Schluck nahm. Da seine Lippe noch stark geschwollen war lief etwas Wasser links und rechts aus seinen Mundwinkel. Die Krankenschwester reichte ihm ein Tuch zum Abwischen.
Sobald die Polizisten die Personalien von Andy aufgenommen hatten, und der VP dem Doktor gegenüber schriftlich bestätigte dass er auf eigenen Wunsch das Krankenhaus verlässt, nahmen Tom und Mike ihren Bruder unter die Arme und verließen wortlos das Zimmer. Bernd machte ebenfalls auf dem Absatz kehrt und schloss hinter sich die Tür.
Draußen vor dem Haupteingang fuhr Mario, ihr Presi den T4 vor. Bernd öffnete die Schiebetür, stieg als erster ein und half dann Andy, dann folgte Tom. Während Mike auf dem Beifahrersitz platznahm.
Die Harleys ließen sie erst einmal stehen. Diese würden sie später auch noch abholen können.
Zurück im Clubhaus 5
Der VW Transporter bog auf das Clubgelände des MC´s ein. Beim Austeigen half Mike seinem VP aus dem Bus, und stützte ihn, während Mario die Hintertür zum Clubhaus aufsperrte. In den hinteren Räumen befanden sich zwei Schlafzimmer, eine Küche, eine Sauna sowie einige Kühlräume für die Theke und Küche. Andy wurde in eines der Schlafzimmer gebracht. Mario ging nach vorne in den Clubraum, um sich ums Tagesgeschäft zu kümmern, während Tom, Mike und Bernd erst mal bei Andy blieben. Susanne die an der Theke einschenkte und Bernds Old Lady war kam nach hinten und fragte: „Braucht ihr irgendwas?“ Andy schüttelte nur den Kopf und streckte sich erst mal lang aufs Bett.
„Schau ab und zu nach ihm!“ rief ihr Bernd beim rausgehen zu. Susanne nickte. Die drei Biker gingen ebenfalls nach vorne, genehmigten sich einen brauen Tequila, dann rief sie Mario in den Clubraum. Mario richtete sich den schwarzen Chefsessel am Kopfende des Tisches so dass er trotz seiner Masse leger Platz nehmen konnte. Er wartete bis alle anwesenden Member saßen, dann richtete er seinen Blick auf seine Kutte: „Was heißt dieser Patch?“ fragte er in die Runde und deutete dabei auf den Aufnäher „GFFG“, was wie alle Member wussten Gladius Forever, Forever Gladius hieß. Einige sahen sich an, dann richtete Mario sich an die versammelte Runde: „Er bedeutet treu zum Club zu stehen. Einmal MC Gladius immer MC Gladius.“ rief er. „Genau!“ bestätigtem ihm seine Brüder. „Wie ihr alle wisst ist unserer ehemaliger Bruder „Alligator“ da anderer Meinung. So wie er mit der Presse spricht lässt uns das in der Öffentlichkeit nicht gut aussehen. Der Vollpfosten redet mit dem Kerl vom Tagblatt, mit diesem Heinzmann, und will noch dazu ein Buch über uns veröffentlichen. Das können wir nicht auf uns sitzen lassen. Bernd kümmere dich bitte darum!“
Bernd hob den Daumen, dann senkte er ihn und alle Member hatten ein süffisantes Lächeln oder breites Grinsen im Gesicht.
„Gut. Kommen wir zum nächsten Punkt. Ihr wisst ja alle schon dass unser VP die Nacht nicht unbeschadet überstanden hat. Wir wissen bis jetzt noch nicht was ihm wirklich zugestoßen ist, er ruht sich im Moment aus, und sobald wir mit ihm reden können wissen wir mehr. Wir sollten aber alle gegenseitig auf uns aufpassen. Also haltet die Augen offen. Punkt drei ist die Wirtschaftlichkeit. Euro wie sieht´s aus?“ Mario nickte Tom zu.
„Sehr gut. Wir sind mit 58 Pure-x Fitnessstudios die Nummer drei in Deutschland. Die Anzahl der Mitglieder steigt seit zwei Jahren stetig. Auch die Zahl der Franchisenehmer stieg im letzten Quartal von 18 auf 23. Unsere Hotelkette „Euro-Motel“ eröffnet zwar seit einem Jahr kein neues Hotel doch die Bettenbelegung ist sehr gut. Der gesamte Immobilienbereich konnte durch Zukäufe ausgebaut werden und das bei einem Vermietungsgrad von über 95%. Ach ja unsere Aktien-Investments von McDonalds über Siemens bis hin zur Harley Davidson Aktie selbst, von der ich erst letzte Woche noch einmal mehrere Tausend Stück gekauft habe, steigen zur Zeit stark im Kurs und die Dividende gibt ordentlich Kohle. Wir haben im letzten Quartal, also den letzten drei Monaten, ein Ergebnis vor Steuern und Zinsen von 3.684.179,26 Euro erzielt. Für alle die mir nicht folgen konnten…“ er grinste schelmisch „wir sind stink reich!“ Tom setzte sich während seine Brüder lachend Beifall spendeten. „ Ach ja, unsere Konten sind auf Verschiedene Namen unserer Member im In- und Ausland verteilt. Eine Prüfung durch die Steuerbehörden, Finanzamt oder Zoll, würde mehrere Wochen bzw. Monate dauern.“
„Hört sich gut an.“ Mario klopfte mit der flachen Hand auf den Tisch „habt Spaß Brüder, habt Spaß!“ rief er während er sich erhob. Die Brüder taten es ihm gleich, und verließen einer nach dem anderen den Clubraum.
„Mike, Pres, Andy hat nach euch gefragt!“ teilte Susanne den Beiden mit als sie den Barraum betraten.
Mike und Mario machten sich auf nach hinten. Leise betraten sie nach leichtem Anklopfen das Schlafzimmer in dem Andy auf dem Bett saß und sich eine Zigarette anzündete.
„Wie geht’s Bro?“ fragte Mike. Andy sah ihn an: „Ging mir schon besser.“ Er versuchte breit zu grinsen was ihm aber nicht gelang.
„Was ist passiert?“ Mario stand rechts hinter Mike mit verschränkten Armen vor der Brust.
„Ich bin gestern nach der Party noch ein bisschen alleine unterwegs gewesen, und wie ich aus dem Irisch Pup rauskomme haben sich fünf Halbstarke auf mich gestürzt. Das waren 16 bis 19 jährige aus dem Jugendzentrum. Die Jungs die beim Kovac Jens, dem Jugendarbeiter, rumhängen.“ erzählte Andy.
„Scheiße!“ entfuhr es Mike. „Das ist noch nicht alles.“ schoss Andy nach.
„Was denn noch?“ wollte Mario von Andy, etwas ungeduldig wissen.
„Drei der Typen trugen ein SVMC-Shirt!“ war die direkte Antwort.
„Support Vikings MC! Toll! Dann wissen wir ja jetzt mit wem wir es zu tun haben.“ spottete Mike
„Ja, wir wissen jetzt womit wir´s zu tun haben. Sag zwei Prospects sie sollen mal beim Kovac im Jugendzentrum und sonst überall schauen ob sie Jungs in Vikings-Shirts finden. Mike nimm zwei Member mit und fahr zum Clubhaus der Vikings ich will mit ihrem Pres sprechen. Sofort!“ brüllte Mario cholerisch.
Mike nickte, verabschiedete sich von Andy und verließ das Zimmer.
Verabredung 6
Nach Mikes Besuch bei den Vikings, rief er seinen Pres an: „Mario, bei den Vikings war weder ihr Presi noch der VP zu sprechen. Einer ihrer Member, Spezi ich kenn den Kerl noch von seiner Hangaround Zeit auf Motorradtreffen, richtet seinem Presi aus dass wir ihn sprechen wollen!“
Mike wartete auf eine Antwort von Mario, der aber ließ sich Zeit, ehe er fragte: „Ist das sicher?“
„Ganz sicher, ich war deutlich!“ lies Mike, Mario ganz ruhig wissen.
„Gut!“ der Pres legte auf.
Mike schaute auf sein Handy 16:47 Uhr noch Zeit genug zurück zu seiner Wohnung zu fahren und sich für das Treffen mit Rocky frisch zu machen.
In der Lobby seiner Wohnung, hatte mittlerweile ein anderer Prospect den Empfang von Peppi übernommen. Mike kannte ihn, doch konnte er sich jedesmal wieder seinen Namen nicht merken. So grüßte er ihn nur im vorbeigehen mit einem Kopfnicken. Der Prospect erwiderte den Grüß mit: „Hallo Mike!“ und nickte ebenfalls.
Oben angekommen warf Mike ein Auge in den Kühlschrank. Gabi hat nicht schlecht eingekauft, war sein erster Gedanke. Mike entledigte sich seiner schweren Motorrad Lederjacke samt Kutte. Hing sie behutsam über einen Stuhl. Der große Biker betrachtete sein Patch. Stolz war er als er nach seiner Bundeswehrzeit das Schwert und den Lorbeerkranz überreicht bekam. Seine Prospect Zeit war alles andere als angenehm, aber es war nicht seine Art aufzugeben. Mike zog den Rest seiner Klamotten aus, ging ins Bad und stellte die Dusche an. Er verspürte leichten Hunger. Seit gestern Abend hatte er nichts mehr gegessen. Der Gedanke an ein Medium gebratenes T-Bone Steak und einen gegrillten Maiskolben, sowie Salat und Baguette verstärkten seinen Appetit nur noch, also beeilte er sich nachdem er die Dusche beendet hatte sich wieder anzuziehen.
Um 18:17 kurz vor der vereinbarten Zeit traf Mike an dem Restaurant ein. Er stellte seine Harley direkt vor dem Eingang ab. Nach zehn Minuten warten vor dem Restaurant, entschied sich Mike hineinzugehen, dabei musste er feststehlen das Rocky und ein weiterer Mann bereits am Tisch saßen. Beide standen auf als sie Mike erkannten. Der Mann war mindestens 50 Jahre alt, er hatte kurze graue Haare und eine feste Statur, wirkte aber äußerst selbstbewusst und mit modischer Brille sehr intelligent.
Rocky ergriff das Wort: „Mike setz dich, bestelle dir etwas, hast du Hunger?“
„Ja, verdammt Großen!“ er war noch leicht skeptisch.
Mike diktierte der Kellnerin, die ihn mit Schlafzimmerblick ansah, seine Bestellung. Dann nahm er erst mal einen Schluck Rotwein den ihm Rocky eingeschenkt hatte. Nachdem das Essen an den Tisch gebracht wurde war es wieder sein alter Freund der zuerst sprach: „Entschuldige dass ich dir unseren Gastgeber noch nicht vorgestellt habe. Das ist Rechtsanwalt Alexander Maier, er vertritt die Bankerfamilie Görheimer.“ Während Rocky das sagte schob der Mann im dunkelblauen Nadelstreifenanzug seine Visitenkarte zu Mike rüber. Mike nahm nach kurzem Zögern die Karte an sich, darauf stand nur RA Alexander Maier, Fachanwalt für Strafrecht und Betriebsrecht sowie eine Handynummer. Die Karte selbst war rechteckig und schneeweiß. Die Aufschrift schwarz. Was Alles in Allem ein ordentliches Bild abgab und sehr edel wirkte.
Sein Kumpel sprach ohne Unterbrechung weiter: „Du erinnerst dich an den Fall des kleinen Görheimer Jungen?“ hakte sein Kumpel nach.
„Sicher der Junge der entführt und getötet wurde. Der Entführer wurde zwar schnell gefasst, aber das Schicksal des Kindes wurde erst drei Tage später klar, bzw. seine Leiche gefunden.“ antwortete Mike.
„Richtig, das war sehr schwer für die Eltern des Kindes!“ Rocky machte eine Pause, „Weißt du auch was mit dem Täter passiert ist!“
„Er wurde zu 15 Jahren Haft verurteilt.“ Mike blieb trocken und nüchtern während seiner Antwort. Sein Steak war perfekt medium gebraten. Rocky aber aß kaum, er wurde immer emotionaler. Der Anwalt blieb ebenfalls sehr ruhig, blickte aber immer wieder zu Rocky. Wahrscheinlich machte er sich Sorgen dass Rocky´s Leidenschaft zu viel Aufsehen erregte. Langsam wurde Mike bewusst dass sich hier etwas Heftiges anbahnte.
„Ja, aber glaub mir ich kann dir als Polizist sagen wie so was läuft. Nach spätestens zwölf Jahren ist er wieder draußen, und das Beste kommt noch. Erinnerst du dich noch wieso er den Jungen entführt hatte?“ Rocky wirkte so als ob er auf der Stelle ins Gefängnis fahren wollte und den Kerl umbringen möchte.
„Wegen Geld!“ Mike grinste etwas zu viel für den Geschmack des Anwalts der ihn mit einem tiefen durchdringenden Blick bedachte.
„Genau wegen Geld. Er wollte ein Lösegeld erpressen, und nahm dafür den Tod eines Kindes in Kauf. Eines zehnjährigen Jungen. Im Knast aber arbeitet der Entführer, dieser Markus Stöcker, in der Gefängnisverwaltung. Da selbst Knackis nicht unter Mindestlohn bezahlt werden dürfen und er eine Ausbildung als Bankkaufmann hat, bekommt der Kerl 10 Euro die Stunde. Nicht nur das, vor der Entführung war der Mann Reporter. Er schreibt im Knast eine Kolumne für eine Zeitschrift, darf über seine Bank mit Aktien spekulieren und ist sich mit einem Verlag schon einig über die Veröffentlichung seines Buches.“ Rocky machte mit den Händen Anführungszeichen in die Luft bei dem Wort Buch. „Dieser Wixer verdient einen Haufen Geld und er wird in ein paar Jahren das Gefängnis als wohlhabender Mann verlassen. Ist das keine Ironie? Empfindest du sowas als gerecht?“
„Nicht wirklich Mann, nicht wirklich. Aber wieso glaubst du trage ich das Patch meines MC. Da ist die Welt noch halbwegs gerecht.“ war Mikes Antwort.
„Jetzt kommt unser Freund der RA ins Spiel!“ Rocky deutete auf den Anwalt, der sich leise räusperte.
„Ich kann ihnen ein interessantes Angebot machen.“ begann der Anwalt. „Wir wissen dass einer ihrer Brüder im gleichen Gefängnis einsitzt wie der erwähnte Straftäter, und das mindesten noch fünf Jahre. Dieser Bruder von ihnen leidet an Hepatitis C, richtig?“
„Ja.“ Mikes Antwort war kurz aber deutlich.
„Er hat eine Familie, einen kleinen Sohn und eine Frau?“ fragte der Anwalt weiter.
„Mhh….“ Mike trank einen großen Schluck Wasser „Der Club sorgt für sie, es geht ihnen gut.“
„Sicher, davon bin ich überzeugt. Aber könnte es für beide nicht etwas besser sein?“ fragte der Anwalt ganz neutral.
„Soll das darauf hinauslaufen, was ich denke?“ Mike zog eine Augenbraun hoch.
„Ja!“ dieses Mal war es Rocky der kurz und knapp antwortete.
„Eine halbe Million in Euro oder irgendeiner anderen Währung die der Club will. Bar! Sowie eine halbe Million, in bar für die Frau ihres Bruders. Genug um noch besser zu leben und nicht zu viel dass es auffallen würde. Was sagen sie?“ der Anwalt nahm einen großen Bissen seines Steaks, kaute ausgiebig, dann schluckte er und trank vom Rotwein. „Außerdem schuldet mein Mandant ihrem Club dann einen Gefallen, sie verstehen!“ ergänzte er nach einer Weile. „Und ich kann ihnen als Anwalt noch sagen dass ihr Bruder, aufgrund seiner Erkrankung, Hafterleichterung beantragen kann. Wenn er es so hindrehen kann dass er nicht die volle Schuld für die Aktion übernehmen muss z.B.: weil ein Streit mit einem Mithäftling eskaliert ist, dann wirkt sich die Sache nicht sehr stark auf seine Haftzeit aus.“
„Das muss ich meinem Pres vorschlagen.“ Mike blieb weiter ruhig.
„Gut tun sie das! Sagen sie ihrem Freund Bescheid.“ Er deutete mit seinem Kinn auf Rocky. „Ich wünsche ihnen Beiden noch einen schönen Abend.“ der RA stand auf, obwohl noch ein halbes Steak auf seinem Teller war. Ohne ein weiteres Wort verließ er das Restaurant.
„Wann wirst du es deinem Pres sagen?“ wollte Rocky wissen.
„Morgen, ganz sicher gleich morgen!“ Mike sah seinen Kumpel an. „Was ist los mit dir?“
„Dieses Land geht vor die Hunde. Ich bin zur Bundeswehr und später zur Bundespolizei gegangen weil ich an Deutschland geglaubt habe. Ich habe an Gerechtigkeit und Treue geglaubt, das weißt du. Du warst mit mir bei der Bundeswehr. Aber heutzutage geht ein Typ in den Knast und kommt nach wenigen Jahren wieder frei und das für Mord. Und das nur weil es dem Staat zu teuer ist ihn für immer weg zu sperren. Dann hat er auch noch mehr Geld als er vorher hatte. In der Flüchtlingskrise fühlen sich hart arbeitenden Menschen als ob man sie verarscht. Die Politik diskutiert über längere Arbeitszeiten bis 70. Terroristen, fundamentale Islamisten und Sozialschmarotzer machen sich hier breit, und glauben die Deutschen sind dafür da ihnen ein gutes Leben zu finanzieren. Rechte Parteien kommen mit zweistelligen Prozentsätzen in den Bundestag. Dieser Markus Stöcker über den wir geredet haben, der hat eine 22qm Zelle. So groß war meine Stube bei der Bundeswehr nicht. Er hat die Möglichkeit einen Fitnessraum zu nutzen und sogar ein Schwimmbecken. So kann es nicht weiter gehen. Das ist keine Gerechtigkeit, Mike.“ Sein Gesicht war rot als er endete.
„Ist das alles vertrauenswürdig?“ hakte Mike bei Rocky nach.
„Ja mein Wort darauf!“ entgegnete sein Freund.
„Keine Angst ich rede mit meinem Pres, versprochen!“ Mike klopfte Rocky auf die Schulter.
„Noch was, die Sache mit den Gewehren! Geht da was?“ hakte sein Kumpel nach.
Mike trank einen weiteren Schluck Wein. Dann sah er Rocky an: „Das wird teuer!“
„Kein Problem!“ die beiden Männer sahen sich in die Augen. „Vier Stück.“ fügte Rocky an.
Mike hob den Daumen und nickte, dann sagte er: „Ich melde mich bei dir!“
Rache 7
Nach dem der große Biker mit seinem alten Kumpel noch über Gott und die Welt geredet hatte, verabschiedete er sich und machte sich auf den Weg zu seiner Wohnung. Dort vor seinem Wohnhaus angekommen piepste sein Handy. 22:04 Uhr eine eingegangene SMS seines Pres.
„Komm sofort zum Stadtplatz!“ lass Mike leise.
Als Mike gut zehn Minuten später am Stadtplatz eintraf war niemand zu sehen. Er lenkte seine Harley über Kopfsteinpflaster zu einem eigens für Motorräder abgetrennten Parkplatz und stellte den Motor ab. Dann ging er ein paar Schritte in Richtung der Gastronomie Zeile. Weiter war niemand zu sehen, er kontrollierte sein Handy, keine Nachricht. Mike ging einige Meter weiter an den Restaurants entlang, dann leuchtete eine Lichthupe, gegenüber kurz auf.
Schnellen Schrittes lief er quer rüber, auf halbem Weg erkannte er den T4 und fünf Personen die darin warteten. Als er die Schiebetür auf schob, war die Innenbeleuchtung ausgeschaltet.
„He, alles ok bei dir?“ fragte sein Pres.
„Ja alles gut!“ Mike sah sich um, im T4 saßen noch Bernd, Tom, Boris und immer noch schwer lädiert Andy. Alle trugen schwarze Einwegoveralls. „Zieh dich um.“ Mario drehte den Kopf halb zu Mike um „beeil dich!“ fügte er hinzu. Der große Biker zog seine Dockers Boots aus und entledigte sich seiner schweren HD-Lederjacke, samt Kutte. Dann schlupfte er etwas umständlich in den Overall, und zurück in seine Schuhe.
Boris reichte ihm schwarze Überziehschuhe und eine schwarze Bomberjacke. Boris war seit einem Jahr Fullmember, damit hatte er seine Probezeit erfolgreich abgelegt. Vor seiner Zeit beim MC Gladius war er kurz Prospect bei den Brown Bears, die ihn allerdings ohne ersichtlichen Grund nach wenigen Monaten rauswarfen. Boris war gebürtiger Pole, aber schon mit zwei Jahren mit seinen Eltern nach Deutschland ausgewandert.
Die Bomberjacke war etwas eng für Mikes Größe. Jetzt gab ihm Boris noch eine Sturmhaube, einen Teleskopschlagstock, eine kleine Dose Pfefferspray sowie schwarze Lederhandschuhe mit geriffeltem Plastikblättchen auf den Fingergliedern. Der MC ließ diese Handschuhe in Asien produzieren und verkaufte sie über eine Webseite als „Sicherheitshandschuhe für Motorradfahrer“. Die Marge und der Verkauf waren eher zu vernachlässigen, aber die Handschuhe hatten einen Vorteil gegenüber z.B.: sandgefüllten Handschuhen. Wenn man damit von der Polizei angehalten wurde, konnte man immer behaupten die Dinger zum Motorradfahren zu brauchen. Doch wenn ein Ex-Boxer wie Tom oder ein Kampfsportler wie Mike damit zuschlugen war das mindestens genau so verheerend.
„Die Jungs die Andy aufgemischt haben sind drüben im Griechen. Wenn Peppi uns Bescheid gibt, geht’s los.“ lies Mario die Anderen wissen.
„Was machen wir!“ wollte Mike von Mario wissen.
„Gleiches mit Gleichem vergelten. Ein bisschen Angst einjagen. Mehr nicht!“ gab Mario allen zu verstehen. Sie nickten.
„Für alle Fälle habe ich die noch.“ Mario hielt eine alte Walther P1 hoch.
Drüben auf der anderen Straßenseite zündete sich Peppi eine Zigarette an. Ging dann zwei Schritte und winkte zweimal, ehe er noch einmal kräftig zog und schließlich weiter ging. Mario startete den Motor und setzte den T4 einige Meter, ohne Licht, zurück.
„Es geht los! Masken auf und alle raus.“ Die Innenbeleuchtung war immer noch ausgeschaltete als sich die Türen des VW öffneten. Alle Biker, bis auf Andy, stiegen aus. Gingen auf der rechten Seite zwischen Transporter und Hauswand in Deckung.
Drei Jugendliche liefen in bester Laune und laut grölend quer über die Straße, als sie dem Bus näher kamen gab Mario seinen Brüdern ein Handzeichen. Bernd und Mike spannten ihre Muskeln, sie waren die ersten die die Jungs sahen als sie um die Ecke kamen hinter der die Biker warteten. Bis die Jugendlichen merkten was los war, war es zu spät. Mike sprang als erster auf einen der Jungs zu. Schnell und mit starkem Griff schnappte er sich den ersten an der Jacke. Unmittelbar danach schnellte der Teleskopschlagstock hervor und traf den Jungen dahinter am Oberschenkel. Sein Bruder Bernd griff sich den Dritten. Einen normal gebauten Jungen der vielleicht 64 Kg wog und für den Bodybilder keine große Herausforderung darstellte. Nach dem Schlag mit dem Schlagstock ging der Getroffene schreiend zu Boden. Während Mike die Waffe blitzschnell in der Hand drehte, so dass der Schlagstock nach unten zeigte und er den Griff in der geschlossenen Faust hielt. Der heftige Faustschlag brach das Jochbein, des Jungen den er an der Jacke gepackt hatte. Tom ließ seinen Schlagstock auf die rechte Schulter des am Oberschenkel getroffenen Jugendlichen nieder. Dann drehte er sich hinter ihn und hielt ihm der freien Hand den Mund zu, setzte einen Fuß ihn die Kniekehle seines Opfers und drückte ihn zu Boden. Mike schlug seinen Gegner den er am Jochbein getroffen hatte ein zweites Mal, so dass er endgültig K.O. ging und das Bewusstsein verlor. Bernd hob das Leichtgewicht das er sich krallte hoch und drückte ihn gegen die Hauswand.
Mario stellte sich neben Bernd sah den verängstigen Jungen durch die Sehschlitze seiner Sturmhaube an. Mit der rechten Hand packte er das SVMC T-Shirt dann sagte er ruhig: „Wo habt ihr die her?“
Der Kleine zitterte vor Angst und war so verstört dass er nicht einen Ton von sich gab. Bernd ohrfeigte sein Opfer. „Nochmal, wo habt ihr die Shirts her?“ setzte Mario nach.
„D…die…einige von den Vikings haben die uns gegeben. Die haben gesagt sie suchen Supporter, die haben uns auf eine Party eingeladen…Und die….“ seine Augen füllten sich mit Tränen. „Sie haben gesagt wir stehen unter ihrem Schutz. Wir gehören jetzt dazu!“ Der kleine wurde etwas mutiger.
„Ach ihr gehört jetzt dazu. Ihr steht unter dem Schutz der Vikings? Nun siehst du hier einen?“ Mario sah sich demonstrativ um. „Wer beschützt euch?“ Er gab Bernd ein Zeichen, der daraufhin dem Jungen eine weitere Ohrfeige verpasste.
„Haben sie euch auch gesagt ihr sollt einen von uns Verprügeln?“ rief Mike über die Schulter seines Pres.
„Ja genau, haben die euch das gesagt?“ fragte Mario
„Wir sollten einem von euch die Harley oder gar die Kutte klauen, das haben wir probiert, hat aber nicht geklappt.“ Jetzt weinte der Kleine fast hemmungslos. Bernd merke dass er verdammte Angst hatte und kurz davor war sich voll zu pinkeln.
„Wer war noch dabei, ihr wart zu fünft?“ wollte Bernd wissen
„Dvorgart der Serbe und Michalsky aus dem Jungendtreff!“ dem Jungen lief eine warme Flüssigkeit die Schenkel runter.
„Michalsky der kleine Fette,… verdammt!“ Mike grinste so breit das es selbst unter der Sturmhaube zu erkennen sein musste.
„Zieht die Shirts aus.“ sagte Mario zu dem Jungen den Bernd immer noch hochhielt.
„Was?“ fragte der Junge.
„Ausziehen!“ brüllte Mario.
Nachdem die Biker den Halbstarken die T-Shirts ausgezogen hatten, schmissen sie die Bomberjacken in den Kofferraum und die Einwegoveralls sowie die Sturmhauben und Überziehschuhe in einen Plastikmüllbeutel.
„Bernd werd das Zeug los!“ befahl Mario.
Bernd nickte kurz. Mike teilte seinen Brüdern mit dass er morgen früh einen vollen Tisch im Clubraum braucht, ehe er sich verabschiedete und zurück zu seiner Wohnung fuhr.
Endlich in seiner Bude angekommen, öffnete Mike den Kühlschrank und griff sich zwei Becher Joghurt und einen Löffel, ließ sich auf sein Sofa fallen und schaltete den Fernseher ein. Beim löffeln des Joghurts schweiften seine Gedanken in Richtung Gabi ab, dabei spürte er leichte Erregung in sich aufsteigen.
00:07 zeigte die Uhr auf N-TV. Nachrichten, über ein Erdbeben in Asien. Im Ticker band liefen die Börsenkurse. Mike verstand nicht viel davon, aber seit er Tom kannte verstand er zumindest das Nötigste.
Knast 8
07:56 Uhr Mike war früh aufgestanden und bereits in voller Motorradmontur. Locker schwang er sich auf seine Harley. Die Sonne schien und der Sitz seines Bikes fühlte sich warm und bequem an. Sein erster Stop war die Tankstelle um sein Motorrad zu betanken, dann lenkte er die Maschine weiter zu einem Einfamilienhaus mit kleinem Vorgarten, blauen Fensterrahmen und weißem Holzzaun.
Auf dem Klingelschild stand „Fam. Huber“, er drückte zweimal, weil er sich das komischer Weiße so angewohnt hatte. An der Sprechanlage meldete sich eine Frau: „Hallo!“
„Ich bin´s Mike!“ Er drückte gegen die Tür und sobald der elektrische Türöffner surrte, sprang sie auf.
„Ich bin im Wohnzimmer!“ hörte er die Stimme der Frau.
Mike entledigte sich seiner Schuhe und seiner Lederjacke. Anschließend nahm er seine Kutte ab und betrachtete sie einen Augenblick, bevor er sie ablegte. Er kannte sich in dem Haus gut aus. Im Wohnzimmer wartete die Frau die er durch die Sprechanlage gehört hatte. Sie trug einen weißen Bademantel, war barfüßig und unfrisiert. 31 Jahre jung, brünett und immer noch mit sehr guter Figur ausgestattet. Er setzte sich neben sie auf die schwarze Ledercouch.
„Guten Morgen, Mike.“ begrüßte sie ihn mit einem Kuss auf die Wange. „Hi wie geht’s?“ war Mikes Antwort. „Ich hab den Jungen fertig gemacht für die Schule und hab jetzt auch Zeit zum Frühstücken. Ansonsten geht’s ganz gut.“ sie lächelte.
„Brauchst du irgendetwas?“ wollte Mike direkt wissen.
„Nun ja das Auto war in der Werkstatt und die Waschmaschine ist nicht mehr die Neuste. Das Haus wird auch immer älter.“ antwortete sie ohne große Regung.
„Brauchst du Geld, der Club hilft dir gern!“ Mike sah ihr in die Augen.
„Ein bisschen, aber das Finanzamt und die Polizei sieht es nicht so gern wenn die Frau eines JVA Insassen mit viel Geld um sich wirft.“ sie faste seine Hand.
„Was wäre wenn ich dir eine halbe Million besorgen könnte?“ fragte sie Mike immer noch fest ihn ihre Augen blickend. „Und es nicht auffallen würde?“
„Was wird das? Mike ich hab Angst. “ antwortete sie ihm. Er merkte dass sie sich unsicher fühlte.
„Du erinnerst dich an den Görheimer Fall?“ sie nickte, und blickte auf ein Foto an der Wand, das ihr Kind zeigte. „Gut. Der Mörder und Kinderentführer der das getan hat sitzt in der gleichen JVA wie dein Mann. Der Anwalt der Familie hat über eine Vertrauensperson Kontakt zu mir aufgenommen. Er bitte dir eine halbe Million und dem Club auch wenn Ralph das erledigt. Ich kann dir sagen dass dein Mann aufgrund seiner Erkrankung auch nach einer weiteren Straftat Hafterleichterung bekommen kann, allerdings würde es trotzdem einige Jahre dauern bis er wieder zuhause ist. Der Anwalt sagt eine halbe Million wäre für Steuerfahnder nicht leicht zu entdecken, und Tom würde sicher dabei helfen dass es nicht auffällt, dass du zu Geld gekommen bist.“
„Ich vermisse ihn.“ flüsterte sie, „aber das muss er entscheiden! Der Kerl, der dem armen Kind das angetan hat, hat es sicher verdient.“
„Schön, ich fahr ins Clubhaus. Melde dich bei mir wenn du was brauchst.“ Mike tätschelte liebevoll ihren Oberschenkel. Dann stand er auf, legte seine Jacke und Schuhe an, kramte seine Schlüssel aus der Tasche hervor, ehe er sich nochmal von ihr verabschiedete.
Das Tor zum Gelände des MC stand bei Mikes Ankunft schon offen, normalerweise wurde das Metallschiebetor immer erst um 16:00 Uhr nachmittags zu Geschäftszeiten des Wellnessbordels und des Laufhauses geöffnet. Das Fitnessstudio war über eine andere Einfahrt ohne Schranken zu erreichen. Mike fuhr zügig bis zum Clubhaus durch. Auf dem Parkplatz angekommen erkannte er an der Anzahl der Bikes dass fast alle seine Brüder wie gewünscht da waren.
Der Barraum war von seinen Brüdern bereits in Beschlag genommen worden, trotz der frühen Morgenstunden gönnten sich einige Biker schon ein Bier, statt Kaffee. Punkt 8:30 rief Mario alle Member in den Clubraum.
Als alle an ihren Plätzen waren, richtete der Presi seinen Blick auf Mike. „Du wolltest einen vollen Tisch? Jetzt hast du ihn, was gibt’s?“
„Gestern habe ich meinen alten Kumpel Rocky getroffen. Er hat Kontakt mit mir aufgenommen weil der Anwalt der Familie Görheimer mit mir reden wollte. Der Herr Anwalt erklärte mir in wenigen Worten dass der Verlust seines Sohnes dem Vater keine Ruhe lässt. Der Mann will Rache. Ralph sitzt in der gleichen Vollzugsanstalt wie der Kindermörder Markus Stöcker. Wenn unser Bruder das für die Familie Görheimer erledigt, dann ist das dem Vater eine Million Euro wert. Eine Halbe für uns, eine Halbe für Ralphs Frau.“ endete Mike.
„Eine halbe Mille ist jetzt nicht gerade ein Vermögen.“ stellte Mario fest.
„Der Anwalt meinte eine Million fällt im Vermögen der Görheimer nicht auf, und jeweils eine halbe fällt bei uns und Ralphs Frau nicht auf!“ setzte Mike nach.
„Der Anwalt hat recht!“ rief Tom der Mike am Tisch gegenüber saß. „Eine halbe Million lässt sich relativ leicht verstecken. Sabrina, Ralphs Frau, könnte z.B.: mit einigen unserer Brüder ins Casino gehen. Alle tauschen ein paar Hunderter, spielen ein bisschen, geben ihr alle Jetons und sie tauscht es in Bargeld. Sie muss nur die Eintrittskarte aufheben. Sie kann angeben, bei einer Steuerprüfung Tausend Euro Trinkgeld bekommen zu haben. Wir können ihr offiziell einen 450,- Euro Job geben, zusätzlich zu ihrem Halbtagsjob, wobei sie natürlich nicht arbeitet. Scheiße sie könnte sogar zur Polizei gehen und behaupten sie hat 3000 Euro gefunden und wenn keiner das Geld abholt, was nicht passieren wird, kann sie es behalten.“
„Pres?“ fragte Mike
Mario rieb sich mit der linken Hand übers Kinn. „Ihr kennt alle den Fall des Görheimer Jungen. Dieser Kindsmörder hat sicherlich den Tod verdient. Also Stimmen wir ab, hat Ralph die ganze Unterstützung des MC´s, wenn er sich entscheidet das durchzuziehen?“
Mike hob als erster die Hand. Dann folgten Tom und Andy gleichzeitig, der Rest der Brüder Stimmte nach und nach zu.
„Sehr schön, sieht einer Ralph heute oder morgen?“ der Pres blickte fragend in die Runde.
„Ich hab einen Besuchsschein.“ meldete sich Bernd „Für heute um 10:00 Uhr.“
„Mike, fahr mit und sieh zu dass auch du zu Ralph reinkommst.“ fügte Mario an, und Mike nickte.
Beide Biker trafen um 09:45 vor dem Tor der JVA ein. Stellten ihre Harleys vorschriftsmäßig auf dem Besucherparkplatz ab, und schlenderten zum Besuchertor. Sie stellten sich hinter die weiße Line, so wie es Vorschrift war, damit die Überwachungskamera sie voll erfasste. Kurze Zeit später streckte Bernd die Hand aus und drückte die Klingel. Der Summer an der hohen grünen Metalltür ertönte. Bernd zog sie rasch auf und beide betraten den mit hohen Betonwänden gesicherten Innenhof. Schnell legten sie die zwölf Meter zum „Empfang“ zurück. Hinter einer dicken Glasscheibe, die zweifelsfrei kugelsicher war, saß ein JVA Beamter mit dunkelgrünem T-Shirt auf dem Justiz stand. Der Mann war ca. 34, sportlich mit kurzen schwarzen Haaren und strengen eng zusammen stehenden Augen sowie leichtem drei Tage Bart. Er lehnte locker im Stuhl und wippte leicht mit der Lehne. Bernd schob den weißen DIN A4 Besucherschein durch die schmale Öffnung am unteren Ende des Fensters. Der Beamte nahm den Schein an sich und sah kurz später zu Bernd auf. „Hier ist nur eine Person eingetragen!“ fragend blickte der Beamte Bernd in die Augen. „Ja können wir einen zweite Eintragen oder eine zweite Besuchszeit bekommen.“ wollte Bernd wissen.
„Nicht für heute.“ die Augen des Beamten weiteten sich.
„Geh du rein!“ richtete sich Bernd an Mike.
„Dann muss ich das Umschreiben. Haben sie beide einen Personalausweis oder Reisepass dabei.“ der Mann deutete auf beide.
Mike holte seinen Personalausweis aus dem Geldbeutel und nach etwas Gefummel hatte auch Bernd den seinen in Händen. Der Mann hinter der Scheibe machte einen gelangweilten Eindruck, so als dass jetzt alles zu viel und zu überflüssig wäre, wenn es von Anfang an richtig gemacht worden wäre. Nach einer Weile reichte er den beiden ihre Ausweise und winkte Mike durch das Drehkreuz.
Mike betrat den Besucherraum durch eine einfache Holztür. Der Raum war klein, aber sehr hoch mit Gewölbedecke, schneeweißen Wänden und einer schlichten, analogen Uhr über der Tür. 10:03 Uhr. Mike musste vor dem Betreten des Besucherraums sein Handy abgeben, sowie eine Leibesvisitation über sich ergehen lassen. Es waren zweifarbige Tische und Stühle aufgestellt. Fichte für den Rahmen und schwarz gefärbtes Holz für die Sitzflächen, Lehnen und die Tischplatten. Mike setzte sich an einen Tisch für vier Personen. Er wartete, dann wurde sein Bruder auf der anderen Seite hereingeführt. Erstaunlicher Weise verblieb nur ein JVA Beamter im Raum. Die Anderen warteten wohl vor der Tür. Mike stand auf und umarmte Ralph als er den Tisch erreicht hatte.
„Wie geht es dir?“ wollte Mike von seinem Bruder wissen.
„Geht schon. Ist nicht gerade ein Hilton hier.“ stellte Ralph mit schelmischen Grinsen fest.
„Dachte ich mir schon. Brauchst du was?“ hakte Mike nach. „Nein, Danke!“ sein Bruder schüttelte den Kopf.
Vor Mike war noch eine Familie mit zwei Kindern im Besucherraum, die anscheinend den älteren Bruder besuchten. Nach Mike kam noch eine Frau die ihren Mann besuchte dazu. Mike war es ganz recht nicht alleine zu sein, so konnte er schnell zum wesentlichen kommen.
Er senkte seine Stimme als er Ralph fragte: „Kennst du diesen Markus Stöcker?“
„Ja, der Typ lebt hier unter falschem Namen aber jeder weiß wer er ist. Dieses Arschloch lebt hier wie ein Krösus. Der darf auch schon das Schwimmbad benutzen.“ erregte sich Ralph etwas zu laut für Mikes Geschmack. Er deutete seinem Bruder etwas die Stimme zu senken, wobei sie beide darauf achten mussten nicht zu sehr zu flüstern da es sonst auffallen könnte.
„Du wurdest nicht für ein Gewaltverbrechen verurteilt, deswegen könntest du an ihn ran kommen, oder?“ wollte Mike wissen. „Ja sicher.“ Ralph schob den Kopf leicht nach vorne. Sein massiger Schädel ruhte ohne eine Bewegung auf seinen dicken Hals. Keine Regung war zu erkennen, nicht mal ein Lied Aufschlag.
„Kannst du dir vorstellen ihn zu erledigen? Deiner Familie und dem Club zu liebe?“ fragte Mike.
„Soll das ein Witz sein?“ über Ralphs Gesicht huschte ein Lächeln, gleich nach dem er seinen Bruder Mike die Frage stellte. Sein Bruder erwiderte das Lächeln als er nach zwei Sekunden begriff dass Ralph scharf darauf war zu tun was nötig ist. Leider erregte die freudige Äußerung Ralphs den JVA Beamte an der Tür dazu dass er den Kopf zu ihnen drehte. Mike grüßte kurz in dem er den Kopf hob, den Blick aber gleich wieder senkte um keine unnötige Aufmerksamkeit zu erregen.
Dann fuhr Ralph fort: „Dieser Stöcker ist ein arrogantes Arschloch. Er fühlt sich sicher und lässt jeden spüren dass er es im Knast zu einer Freundin und halbwegs Kohle gebracht hat. Dieser Kindermörder verdient eine härtere Strafe!“
„Gut.“ Mike senkte die Stimme noch etwas. „Eine halbe Million für deine Familie.“ Mike legte einen Finger an den Mund. Nahm dann aber sofort die Hand runter um nicht aufzufallen. Der große Biker wusste wie brisant das Gespräch mit seinem Bruder war. Eine Auffälligkeit, ein zu lautes Wort und die Gelegenheit dass Ralph an Stöcker rankommt war, dahin.
Kurz darauf stand Mike auf, reichte seinem Bruder mit angewinkeltem Arm die Hand. Sein Bruder schlug ein und zog Mike an sich heran. „Etwas Abstand.“ rief der Beamte an der Tür sofort.
Die beiden Biker trennten sich, und Mike verließ den Raum während Ralph in seine Zelle zurück geführt wurde.
Bikerehre 9
Das heiße Fett spritzte von der Grillplatte auf ihre Schürze. Schnell zog die junge Frau ihre Hand zurück als ein Spritzer sie am Handrücken traf. Das Burgerpattie welches auf der heißen Platte brutzelte kräuselte sich am Rand leicht auf. Bevor sie es wendete legte sie noch Zwiebelringe und Tomatenscheiben auf den Grill. Dann griff die Frau nach einer Grillspachtel und legte ein zweites Stück Fleisch auf den Grill, sowie eine Scheibe Käse über das erste Pattie und lies ihn langsam schmelzen. Als der Pattie fast durch gebraten war hob sie ihn vom heißen Grill und bugsierte ihn auf ein Burgerbun, auf dem sie zuvor schon Senf, Ketchup und Gewürzgurken drapiert hatte. Zum Schluss legte sie die angegrillten Zwiebeln und Tomatenscheiben aufs Fleisch, steckte einen Schaschlik Spieß durch und garnierte den Teller mit Salat und Pommes. Dann fertigte sie einen zweiten Bürger auf die gleiche Weise.
Mike saß am Tresen im Barraum des Clubhauses, streckte seine Beine vom Barhocker und hob seine Arme in die Luft. Dabei atmete er tief ein und wieder aus. 13:01 Uhr war auf der großen Digitaluhr hinter dem Tresen zu lesen. Die junge Frau servierte den Burger Mike und wünschte ihm: „Guten Appetit. Brauchst du noch Ketchup oder Majo zu den Pommes, Mike?“ Den zweiten Burger stellte sie für sich zur Seite.
Der Sergeant at Arms schüttelte den Kopf: „Nein danke, aber ein Becks Green Lemon wäre super.“
Die junge Frau zog die Kühlschublade unter dem Tresen hervor, holte das gewünschte Getränk heraus und öffnete den Kronverschluss. Dann stellte sie die kühle Flasche, auf der die Feuchtigkeit teilweise in Tropfen herunterlief, neben Mike auf den Tresen. „Bitte.“ sagte sie als sie ihre Hände abtrocknette. „Danke!“ antwortete Mike, streckte seine Hand aus und nahm einen großen Schluck, was die kleine 0,33l Flasche fast zur Hälfte leerte. Nachdem er sich mit der anderen Hand den Mund abgewischt hatte, zog er den Holzspieß aus dem Burger. Biss ein großes Stück heraus und schmatzte beim Kauen laut. Er hatte Hunger nach einem schnellen Frühstück hatte er heute nichts mehr gegessen.
Als der Biker mit seinem Burger fertig war, trank er den Rest des Becks und fing an die Pommes und den Salat mit den Fingern zu Essen. Plötzlich riss sein Pres die Tür zwischen Clubraum und Barraum auf.
„Mike, Bernd, Peppi, los kommt mit!“ rief er ihnen in rauem Ton zu.
Die junge Frau hinterm Tresen staunte über das grobe Auftreten des Club Präsident. Sie war noch nicht lange bei MC. Vor gut einer Woche fing sie hier an, kochen, putzen, die Bar schmeißen usw. Sie wollte weg von ihrem Vater und ihrer Mutter, vom Vater weil er mindestens genau so cholerisch war wie Mario und sie bei vielen Gelegenheiten auch schlug. Von der Mutter weil sie es einfach nicht wahr haben wollte. Mit 18, kurz vor dem Abi schmiss das junge Ding die Schule und suchte sich einen Job bei einer kleinen Firma in der Nachbarschaft. Da das aber nicht weit genug weg war, und der dortige Boss sie gerne mal am Hintern betatschte, kam sie zum MC. Sie hatte durchaus was im Köpfchen, sonst hätte sie es nicht fast bis zu Abitur geschafft, aber leider, konnte sie die Entscheidung nicht einfach rückgängig machen. Euro hatte sich ein paar Gedanken gemacht, er wolle sich um sie annehmen.
Mike ließ das Pommes, welches er sich gerade im Begriff war in den Mund zu schieben, fallen und sprang vom Barhocker hoch. „Pres, was gibt’s?“ fragte Mike als er zu Mario auf geschlossen hatte.
„Vor dem Tor!“ war die kryptische Ansage des Pres.
Mike und Bernd stiegen auf ihre Harleys, fuhren sofort die Rampe runter und setzten sich in Richtung des Tores in Bewegung, während Mario und Peppi den Weg zu Fuß auf sich nahmen.
Mario holte einen Teleskopschlagstock unter der Kutte hervor und reichte ihn Peppi. Der nahm ihn mit der rechten Hand, und steckte den Stock in die hintere rechte Tasche seiner Jeans.
Bernd erreichte als erster das Gitterrolltor, gleich dahinter kam Mike ans Tor. Die Beiden stellten ihre Harleys ab und sahen sich an, dann richteten sie ihre Kutten und schritten aufs Tor zu.
„Was wollt ihr?“ rief Bernd als sie noch vier Meter vom Tor entfernt waren den drei Männern auf der anderen Seite zu.
Die Männer auf der anderen Seite stiegen ebenfalls von ihren Motorrädern. Auch sie richteten ihre Kutten, mit den Patches der Vikings. Die Männer des MC Vikings traten unverzüglich ans Tor.
„Wir wollen mit eurem Pres reden.“ Antwortete der Mann in der Mitte.
„Mach das Tor auf, Mike!“ rief Mario der schnellen Schrittes näher kam.
Mike holte den Öffner aus seiner Hosentasche, drückte den Knopf und wartete geduldig bis das Tor komplett geöffnet war.
Die drei Biker der Vikings, der Präsident des hiesigen Chapters und sein Vize, sowie der Sergeant at Arms strafften sich und schritten durch das Tor direkt auf Mike und Bernd zu. Der Pres sah durchaus gefährlich aus. Er war groß, breit gebaut und fast wie jeder Biker stark tätowiert. Der Sergeant at Arms war kleiner als sein Pres aber genau so breit. Der Mann trug unter seiner Kutte ein weißes T-Shirt unter dem seine breiten Schultern und die dicken Arme deutlich zu erkennen waren. Der Vize, an seinem Aufnäher auf der Kutte zu erkennen, war dick. Sein dunkelblaues Langarmsweatshirt hatte schwer damit zu kämpfen seinen Bauch zu verdecken. Tätowierungen waren bei ihm keine zu sehen.
Als Mario und Peppi neben Mike und Bernd Aufstellung genommen hatten, streckte Mario das Kinn zu dem Pres des Vikings rüber, und schnauzte: „Wir haben was zu klären!“
„Ja, sehe ich auch so!“ war dessen Antwort. Dabei stellte er sich mit verschränkten Armen vor Mario hin.
Ohne den Viking nochmal zu Wort kommen zu lassen, fuhr Mario fort: „Ihr habt ein paar Kids angestiftet unseren VP aufzumischen. Seid ihr noch ganz dicht? Ich reiß euch kleinen Scheißern die Eier persönlich ab.“
„Ihr habt unsere Supporter vermöbelt. Glaubt ihr wirklich dass wir euch das durchgehen lassen.“ blaffte der Viking Pres heraus. Mike rückte näher an sein gegenüber heran, der Sergeant at Arms der Vikings versuchte nicht zurück zu weichen, doch nach kurzem Blickduell mit dem Hünen, setzte er einen Schritt zurück.
„Wie wollt ihr das jetzt klären?“ Mario fuhr sich mit Daumen und Zeigefinger über das Kinn.
„Wir haben ihnen nicht gesagt dass sie euren VP aufmischen sollten!“ bei seiner Antwort versuchte der Pres der Vikings ruhig und cool zu wirken, merkte aber dass sein Bodyguard und sein VP von den anderen Membern des MC Gladius durchaus leicht eingeschüchtert waren.
„Ihr habt uns nicht informiert dass ihr eine Supporter Chapter direkt vor unserer Haustür eröffnet.“ setzt Mario mit funkelenden Augen nach.
„Da ist uns wohl ein Fehler unterlaufen. Wir haben einen Prospect geschickt um euch zu informieren. Hat der sich nicht bei euch gemeldet?“
„Nein!“ schnaubte Mario.
„Sorry!“ meinte der Viking mit hochgezogenen Schultern.
„Zieht eure Supporter ab, verstanden!“ teilte Bernd ihnen mit.
„Gut, wird gemacht!“ der Pres hob seine Hände, so als wollte er sich ergeben, und ging zwei große Schritte zurück. Dann fügte er an: „Wir fahren wieder, und nehmen unsere Supporter mit!“
Der Pres der Vikings wedelte mit erhobenen Zeigefinger in der Luft, worauf sich die Beiden anderen Biker ihres MC ebenfalls zurück zogen. Kurze Zeit später stiegen alle auf ihre Motorräder und fuhren davon.
„Was hältst du davon?“ fragte Mario Mike.
„Die Vikings sind nicht ganz dicht. Die suchen einen Grund sich mit uns anzulegen.“ richtete sich Mike an Bernd.
„Kommt schon, zurück zum Clubhaus. Die fangen deswegen schon keinen Krieg an!“ Bernd klopfte Mike auf die Schulter.
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