Читать книгу: «Blumen, Kräuter und Salat»
Agnes & Mauritz Larsson Stormgaard
BLUMEN KRÄUTER & SALAT
Aus dem Garten auf den Teller ~ Anbau & Rezepte

Inhalt
Vorwort
Anbau
Anbau von Kräutern
Kräuter-Rezepte
Anbau von Blumen
Blumen-Rezepte
Anbau von Salat
Salat-Rezepte
Register

Vorwort
Es ist ein früher Oktobermorgen. Der erste Frost ist da, bei 2 °C peitscht uns Schneeregen ins Gesicht, als wir den Wagen mit den leeren Gemüsekisten zum Kohlfeld fahren. An solchen Tagen – es gab schon einige Morgen wie diesen, wir stehen vor unserer neunten Saison – fragen wir uns manchmal, warum wir gerade diesen Beruf gewählt haben. Doch die Sehnsucht danach, jedes Jahr die ersten Samenkörner in die Erde zu legen, überwiegt alles.
„Sein eigenes Gemüse anzubauen und auf den Tisch zu bringen, ist der größte Luxus überhaupt.“
Oft hat es einen anderen Geschmack als gekaufte Lebensmittel. Man stellt sich einfach selbst eine große, wunderbare Speisekammer aus Kräutern und Blüten, Salat und Gemüse zusammen.
Gartenbau ist uns zur Lebensweise geworden, wobei unser Ausgangspunkt das Essen war. Schon vor vielen Jahren erwachte unser Interesse dafür, als wir in den Küchen und Speisesälen bekannter Restaurants in Stockholm arbeiteten. Es veranlasste uns schließlich, die Restaurantwelt zu verlassen und mehr über den Anbau von Pflanzen zu lernen.
Vor acht Jahren begann das Abenteuer mit unserem eigenen Hof „Karshamra“ in Grödinge bei Stockholm. Wir wollten gesunde und nahrhafte Lebensmittel auf nachhaltige Weise produzieren. Unser beruflicher Neustart gelang. Es ist fantastisch − und manchmal sehr stressig −, sich nach dem Wetter und den Jahreszeiten zu richten, also nach dem Willen der Natur zu leben und mit ihr zusammenzuarbeiten.
Wir hoffen, dass das vorliegende Buch Sie inspiriert. Danke an unsere wunderbaren Kinder Elsa, Tyra und Uma – ihr seid alles für uns!

Kapitel 01
Anbau
Sein eigenes Essen anzubauen gehört zu den magischsten Dingen, die man tun kann. Neben vielen leckeren Gemüsesorten bekommt man auch ein Gefühl dafür und Respekt davor, wie viel Zeit und Energie es kostet, Rohstoffe zu produzieren. Der Anbau von Pflanzen kann freilich auch frustrierend sein, wenn etwas schiefgeht. Wenn man zum Beispiel viele Wochen in eine Kultur investiert hat und dann kaum etwas erntet.
In diesem Kapitel berichten wir aus unseren Erfahrungen im Anbau von Kräutern und Gemüse. Sie erhalten handfeste Tipps, die Ihnen den Erfolg erleichtern und hoffentlich helfen, die größten Fehler zu vermeiden. Und mit den Jahren lernt man die unterschiedlichen Herausforderungen und Vorteile, die eine solche Zusammenarbeit mit der Natur mit sich bringt, immer besser kennen.
Ökologischer Anbau ist für uns selbstverständlich. Uns ist wichtig, dass wir nicht nur Nahrungsmittel herstellen, sondern uns auch für eine bessere Bodenqualität und Biodiversität einsetzen. Mit der Natur zusammenzuarbeiten bedeutet, ihr Verhalten zu fördern und das Beste zu nutzen, was sie zu bieten hat. Mit Giften, Kunstdünger und Monokulturen funktioniert das nicht. Die Natur bietet doch eine große Vielfalt an Arten, die Verschiedenes zum großen Ganzen beitragen. Wir sind fest davon überzeugt, dass diese Form des Wirtschaftens gesündere Pflanzen voller Nährstoffe und Geschmack hervorbringt. Und wir sind stolz darauf, den nachfolgenden Generationen einen lebendigen, fruchtbaren Boden zu hinterlassen, den sie weiter nutzen können.
Vorziehen
Damit Pflanzen stark werden und viel Ertrag liefern, ist es wichtig, dass sie gut vorgezogen werden, bevor sie ins Freiland kommen. Viele Dinge spielen dabei eine Rolle: die Jahreszeit, die verwendete Erde, was Sie wo anbauen, wie Sie gießen, die Temperatur und so weiter.
Zeit
In Nord- und Mitteleuropa haben wir nur eine begrenzte Zeit im Jahr, um Gemüse anzubauen. Die Planung der Anzucht hängt davon ab, wann wahrscheinlich der erste und der letzte Frost kommen. Das variiert sehr stark. Wenn Sie in einer Gegend leben, wo es ab dem zeitigen Frühjahr keinen Frost mehr gibt, können Sie viel früher damit beginnen als in nördlicheren Lagen.
Sie können recherchieren, wann die Frostgefahr in der Regel vorbei ist. Aber vertrauen Sie diesen Informationen nicht völlig, sondern behalten Sie den Wetterbericht genau im Auge. Jeder Ort hat zudem sein eigenes Mikroklima, kann geschützter oder exponierter liegen. Es gibt wohl niemanden, der so oft nach dem Wetter schaut wie Landwirte und Gärtner.
Wenn Sie Setzlinge vorziehen, können Sie diese viel früher auspflanzen, als wenn Sie direkt ins Freiland aussäen. In der Sicherheit eines Gewächshauses oder auf der Fensterbank kann eine Pflanze kräftig werden, während draußen die letzte frostige Nacht die Beete auskühlt. Ist nach einigen Wochen die Zeit zum Auspflanzen gekommen, ist Ihre Pflanze schon weiter, als wenn sie ins Beet gesät worden wäre. Frühere Anzucht verspricht meist frühere Ernte.
Kraft
Das Auspflanzen ins Freiland ist immer ein großes Ereignis. Die Pflanzen kommen aus der sicheren und kontrollierten Umgebung in Gewächshäusern und Frühbeeten auf eine große, offene Fläche, die Unkraut und Ungeziefer, Wetter und Wind ausgesetzt ist. Als Gärtner geben Sie sozusagen einen Teil der Kontrolle ab. Da ist es ein gutes Gefühl zu wissen, dass Sie eine starke und gesunde Pflanze auspflanzen. Dass sie bereits ein Stück gewachsen ist, ist sehr hilfreich, um gut auf sie achtgeben zu können. Denn es ist einfacher, Unkraut fernzuhalten, wenn schon deutlich zu erkennen ist, was die eigentliche Pflanze und was Unkraut ist. Wenn Sie mit dem Unkrautjäten in Rückstand geraten – was immer mal passiert, egal, ob Sie Profi sind oder nicht –, kann die Pflanze sich trotzdem behaupten, da sie größer und stärker ist als das Unkraut um sie herum.

Salatpflanze

Thymian in der Anzuchtschale
Eine kräftige und gesunde Pflanze mit gut ausgebildeten Wurzeln etabliert sich zudem schneller im neuen Boden und ist witterungs- und windstabiler. Je größer sie ist, desto besser kann sie auch Angriffen von Schädlingen standhalten, da es deutlich mehr Ungeziefer braucht, um eine große Pflanze zu vernichten, als für eine kleine.
Planung
Durch das Vorziehen können Sie sichergehen, dass Sie so viele Pflanzen bekommen, wie Sie möchten. Mit ein paar zusätzlichen Samen garantieren Sie, dass die Menge ausreicht, und können die besten, stärksten Exemplare auswählen. Meist bleiben ein paar schöne Pflanzen übrig, die Sie verschenken oder gegen andere interessante Pflanzen tauschen können.
Abstand & Menge
Vorgezogene Setzlinge können Sie sofort im richtigen Abstand pflanzen. Auf diese Weise sparen Sie das Ausdünnen, falls Pflanzen zu eng stehen, und vermeiden zu weite Abstände, falls die Saat schlecht aufgegangen ist. Sie sparen zudem Saatgut, da Sie beim Vorziehen eine genauere Anzahl einbringen können als beim Aussäen.
Bessere Voraussetzungen
In einer kontrollierten Umgebung mit der richtigen Temperatur, dem richtigen Boden, der richtigen Bewässerung und so weiter hat ein Samen größere Chancen zu keimen als im Freien unter wechselnden Bedingungen.

Anzuchtschalen, Töpfe, Ausdrücker und Pikierstab
Zubehör
Anzuchtschalen & Töpfe
Da wir pro Jahr sehr viele Pflanzen vorziehen, verwenden wir Anzuchtschalen aus Kunststoff mit vielen kleineren Einzelzellen und Löchern im Boden. Sie sind in verschiedenen Größen und Ausführungen erhältlich und können über Saatgutunternehmen bestellt werden. Unser Favorit sind die sogenannten 96er. Sie verfügen über 96 Zellen pro Schale. Je mehr Zellen eine Schale hat, desto kleiner ist die einzelne Zelle und umgekehrt.
Für uns und sicherlich für die meisten Hobbygärtner mutet es wie ein großes Tetris-Spiel an, im Gewächshaus ständig Platz für neue Setzlinge zu schaffen. Daher sind einheitliche Anzuchtschalen, die sich leicht aneinanderreihen und herumtragen lassen, am praktischsten. Abgesehen davon eignen sich zum Vorziehen beliebige Gefäße von Toilettenpapierrollen und Milchpackungen über Konservendosen bis hin zu Töpfen in allen Größen. Das Wichtigste ist, dass das Behältnis mit Erde befüllt werden kann und Löcher im Boden hat. Gerade Pflanzen wie Kürbis und Zucchini ziehen wir gerne in Töpfen vor, weil sie schnell wachsen und gedeihen.

Erde
Erde
Erde bildet die Grundlage für das Pflanzenwachstum. Sie sollte alle Voraussetzungen bieten, damit der Setzling wächst und kräftig wird. Je höher die Bodenqualität, desto besser für die Pflanze. Daher legen wir beim Vorziehen Wert auf Bio-Erde. Diese basiert auf viel Naturdünger und steckt voller Nährstoffe und Leben.
Es gibt jede Menge verschiedener Erden für unterschiedliche Anwendungsgebiete, was verwirrend sein kann. Wir machen es uns leicht und verwenden für alle unsere Kulturen grundsätzlich die gleiche Pflanzenerde, die wir in großen Säcken kaufen. Es handelt sich dabei um gut kompostierte Erde, die über viele Nährstoffe verfügt, ohne für kleine Wurzeln zu kräftig zu sein. Sie weist eine gröbere Struktur als Anzuchterde auf und bleibt dadurch luftig, auch wenn sie dicht gepackt ist. Mit Anzuchterde, die oft viel Sand enthält, bestreuen wir die Saat, da kleine Sprossen sie leicht durchdringen können. Anzuchterde wird gern für Samen verwendet, die in weniger nährstoffreichen Böden besser keimen.
Ausdrücker & Pikierstab
Da wir sehr viele Samen aussäen, müssen wir so effektiv wie möglich sein. Deshalb besitzen wir ein spezielles Werkzeug dafür: eine Kunststoffscheibe mit vielen Spitzen, die man auf die mit Erde gefüllte Anzuchtschale legt und hineindrückt, um kleine Löcher für die Aussaat zu erhalten. Es gibt verschiedene Scheiben für unterschiedliche Zellengrößen zu kaufen. Mithilfe derselben Scheibe können Sie später auf der Unterseite der Schale die fertigen Setzlinge herausdrücken, wenn es Zeit zum Auspflanzen ist. Natürlich können Sie die Löcher auch mit den Fingern oder einem Stock bohren.

1. Erde sieben
2. Andrücker
Erde sieben
Ein Holzrahmen, an dem ein feines Metallnetz befestigt ist, lässt sich leicht selbst bauen. Damit sieben wir nach dem Säen die Anzuchterde über die Anzuchtschalen und stellen so sicher, dass kein großer Erdklumpen oder Ähnliches einen Keim daran hindert, nach oben zu wachsen.
Andrücker
Dieses Werkzeug haben wir selbst gebaut. Wir haben ein Brett mit einem Holzstück als Griff versehen – eine ganz einfache Konstruktion. Sie können alles verwenden, was flach ist und worauf sich leicht drücken lässt. Damit drücken Sie bei der Aussaat die Erdoberfläche glatt, damit das Saatgut und die Erde miteinander in Kontakt kommen.

3. Pikierstab und Löffel

4. Vermiculit
Pikierstab & Löffel
Dieser Stab sieht wie ein dickerer Stift aus und dient zum Pikieren von Pflänzchen. Sie können damit kleine Löcher in die Erde bohren und ihn als Hilfe bei der Aussaat nutzen.
Wir verwenden einen normalen Esslöffel. Er ist das beste Werkzeug für winzige Saaten wie beispielsweise Salatsamen. Anstatt zu versuchen, die Samen aus einer verschwitzten Handfläche mit Daumen und Zeigefinger zu fassen – was bei solch kleinen Größen fast unmöglich ist –, geben wir einige Samen auf den Löffel. Dann gehen wir von Loch zu Loch und schieben mit einem Bleistift oder einem Pikierstab einen kleinen Sämling in jede Zelle. Eine mühsame Arbeit, aber immer noch einfacher als mit der Hand.
Vermiculit
Mit diesem Pulver bestreuen wir die fertigen Anzuchtschalen. Es besteht aus einem glimmerähnlichen Gestein und zeichnet sich durch ein sehr gutes Wasserhaltevermögen aus. Dadurch trocknet die Bodenoberfläche nach dem Gießen nicht so schnell aus. Das ist eine Voraussetzung dafür, dass die Samen keimen können. Zudem reflektiert die Einstreu das Licht und wirkt Moos- und Schimmelbildung auf der Bodenoberfläche entgegen. Und es glitzert wunderschön!
Etiketten
Sie sind nützlich, um den Überblick darüber zu behalten, was Sie gesät haben. Pflanzen derselben Familie sehen sich oft verwirrend ähnlich, wenn sie noch jung sind. Ohne Etiketten mit Namen kann es schwierig werden, zwischen den verschiedenen Tomaten- oder Kohlsorten zu unterscheiden. Außerdem merkt man sich auf diese Weise spezielle Sortennamen besser, zum Beispiel von einem leckeren Salat, den man wieder anbauen möchte.
Auf das Etikett schreiben wir zudem das Datum der Aussaat. Das ist praktisch, wenn wir zu unterschiedlichen Zeitpunkten säen. Und wer die Anzucht genau dokumentiert, kann am Saisonende auswerten, was gut und was schlecht funktioniert hat.
Da wir viele verschiedene Arten anbauen, verwenden wir kleine weiße Plastiketiketten, die wir in größeren Mengen kaufen. Wir befestigen an jeder Anzuchtschale eines und beschriften alle mit Bleistift, sodass sie wiederverwendet werden können. Ansonsten muss man sie im Anschluss sorgfältig einsammeln und recyceln, damit sie nicht in der Natur landen.
Natürlich können Sie auch Ihre eigenen Etiketten herstellen. Alte Speiseeis- oder Milchpackungen eignen sich hervorragend zum Ausschneiden solcher Namensschildchen, die in die Erde gesteckt werden können.
Notizbuch/Tagebuch
Die Daten von Aussaat und Pflanzung, Temperatur, Arbeiten an bestimmten Tagen usw. zu notieren ist wertvoll. Und es macht Spaß, auf das vergangene Jahr zurückzublicken und zu vergleichen mit dem, was Sie aktuell tun. Das Schwierigste am Aufschreiben ist, es nicht zu vergessen. Bei uns läuft das meistens zu Beginn der Saison noch sehr gut …

Anzucht
Wie zieht man gute und starke Pflanzen? Wie in allen praktischen Belangen macht auch hier Übung den Meister. Genau wie beim Radfahren oder Schwimmen geht der Pflanzenbau in das Körpergefühl bis in die Fingerspitzen über. In vielerlei Hinsicht ist es ein einfacher Prozess, einen Samen zu säen, aber ein paar Dinge gilt es zu beachten. Wir säen auf zwei Arten.
Einzelsaat
Wir verwenden in Zellen unterteilte Anzuchtschalen, die wir zunächst mit Erde füllen. Das mag einfach klingen, aber es gibt eine Technik, die viel bewirkt: Die Erde muss verdichtet werden.
Stellen Sie mehrere Anzuchtschalen nebeneinander und geben Sie einen Beutel Erde darüber. Verteilen Sie diese so auf die Schalen, dass jede Zelle gefüllt ist. Drücken Sie dann die Erde mit den Fingern in die Zellen. Mit mehr Erde auffüllen, andrücken und nachfüllen. Plötzlich haben Sie mehr als doppelt so viel Erde in einer Zelle, als wenn Sie nicht verdichtet hätten. Da die von uns verwendete Pflanzenerde so luftig und strukturiert ist, lässt sie sich erheblich verdichten. Es wird dennoch genug Lücken im Boden geben, durch welche die Wurzeln ihren Weg finden.
Doppelt so viel Erde bedeutet auch doppelt so viele Nährstoffe. Durch das Verdichten schaffen wir einen Ort, an dem sich die Pflanze viel länger mit Nährstoffen versorgen und somit größer werden kann, als wenn sie nur halb so viel davon zur Verfügung hätte. So erhalten wir größere und gesündere Pflanzen, die alles haben, was sie brauchen. Gleichzeitig haben wir mehr Zeit bis zum Auspflanzen, weil sie mehrere Wochen lang in der Anzuchtschale bleiben und sich entwickeln können. Das Verdichten der Erde ergibt einen dichten Klumpen, der, wenn die Pflanze fertig ausgebildet ist, vollständig von Wurzeln durchdrungen ist, die ihn zusammenhalten. Das ist praktisch, wenn Sie die Pflanze aus ihrer Zelle schieben und auspflanzen.
Wenn die Anzuchtschale gefüllt ist, drücken wir Löcher zum Einsäen hinein. Als Faustregel gilt, dass das Loch doppelt so tief sein sollte, wie der Samen groß ist, aber das muss nicht unbedingt ganz exakt eingehalten werden. Dann legen wir die Samen einzeln in jedes Loch. Wenn zu viele hineinrutschen, versuchen wir, sie wieder herauszusammeln, sodass wirklich nur ein Samen pro Loch bleibt. Für größere Saat benutzen wir die Finger, für kleine einen Löffel. Sobald jede Zelle einen Samen enthält, füllen wir das Erdsieb mit Anzuchterde und sieben eine gleichmäßige Schicht über die Anzuchtschale.
Anschließend wird die Erde mit dem Andrücker festgedrückt, indem wir ihn über die Anzuchtschale legen und herunterdrücken. So können wir sicher sein, dass Saatgut und Erde in Kontakt kommen und sich keine Lufteinschlüsse in der Nähe des Samens befinden. Beginnt der Samen zu keimen, sendet er eine kleine Wurzel aus, die den Kontakt zur Erde mit ihren Nährstoffen sucht. Ist zu diesem Zeitpunkt zu viel Luft zwischen Erde und Samen, kann es passieren, dass die winzige Wurzel ihr Ziel nicht erreicht, sodass der Samen verrottet, anstatt zu wachsen.
Anschließend streuen wir mit einer kleinen Schaufel oder einem Glas eine Schicht Vermiculit darüber, bis sie den Boden bedeckt. Wir beschriften ein Etikett und kleben es an die Anzuchtschale. Zum Schluss gießen wir alles an.
Selbst das Angießen von Samen ist eine Kunst. Optimal ist eine sanfte Dusche aus der Düse, vorzugsweise aus größerem Abstand. Wenn Sie die Möglichkeit haben, stellen Sie Ihre Anzuchtschalen ins Freie oder in die Spüle, dann wird es einfacher. Gießen Sie kurz mit einem weichen Strahl. Lassen Sie das Wasser einsickern, gießen Sie noch einmal. Lassen Sie das Wasser wieder einsickern und gießen Sie erneut.
In trockener Erde sammelt sich das Wasser an der Oberfläche. Wenn Sie zu viel auf einmal wässern, spült es leicht die Erde weg. Durch mehrmaliges Gießen dringt das Nass bis zum Boden der Zellen vor, sodass die gesamte Erde durchfeuchtet ist. Man glaubt gern, beim ersten Mal schon genug gegossen zu haben, aber die Gefahr besteht, dass nur die Oberfläche nass geworden ist, während der Rest trocken bleibt. Gleichmäßig angefeuchtete Erde hingegen bietet beste Bedingungen für gleichmäßiges Keimen.
Stellen Sie die Anzuchtschalen an einen warmen, geschützten Ort und beobachten Sie, wann die Keimlinge während des Wachstums mehr Wasser benötigen, indem Sie mit den Fingern die Ober- und Unterseite der Schale betasten. Unterschiedliche Samen keimen bei verschiedenen Temperaturen am besten. Wir ziehen aber immer bei 20 bis 25 °C vor. Bei der Temperatur muss man nicht ganz genau sein. Das Wichtigste ist, dass es nicht zu kalt ist, sonst verrottet die Saat.



1. Erde andrücken

2. Breitsaat
Breitsaat
Pflanzen wachsen auf unterschiedliche Weise. Manche lassen sich Zeit und bleiben schön kompakt, andere schießen in ihrem Streben nach Licht in die Höhe, obwohl sie eigentlich genug davon erhalten.
Pflanzen, die es eilig haben, werden leicht lang, dünn und spröde, wenn man sie weiter wachsen lässt, beispielsweise alle Kohlsorten. Pflanzen schießen auch schnell hoch, wenn sie zu wenig Licht bekommen. Sie lassen sich daher in zwei Schritten statt in einem vorziehen, indem Sie sie in Breitsaat aussäen und dann pikieren.
Ein weiterer guter Grund für eine Breitsaat ist, wenn Samen schlecht keimen, etwa weil sie schon älter sind. Dann ist es sinnvoll, mit einer Breitsaat zu beginnen, um zu sehen, wie viele Samen aufgehen, anstatt Platz in einer Anzuchtschale zu verschwenden.
Sie können die Breitsaat auch nutzen, wenn Sie sichergehen wollen, dass Sie alle benötigten Pflanzen erhalten, denn Sie säen mehr aus, als Sie brauchen.
Verwenden Sie anstelle einer Anzuchtschale mit einzelnen Zellen eine offene Schale. Füllen Sie diese mit Pflanzenerde, die Sie mit dem Andrücker so verfestigen, dass eine gleichmäßige, glatte Oberfläche entsteht. Darauf streuen Sie die Samen nicht zu dicht und nicht zu spärlich. Sieben Sie Anzuchterde darüber und drücken Sie sie fest.

3. Sämlinge mit Keimblättern

4. Sämlinge mit Charakterblättern
Streuen Sie zum Schluss Vermiculit darüber und gießen Sie an. Die Samen liegen jetzt viel näher beieinander als in Einzelsaat und konkurrieren um Licht und Nahrung. Sie werden in die Höhe schießen.
Wenn die Keime etwas aufgegangen sind, wird es Zeit, sie zu pikieren. Wenn wir es schaffen, machen wir das, sobald sich Keimblätter ausgebildet haben und noch ehe sich Charakterblätter bilden. Es ist natürlich möglich, Pflanzen auch mit Charakterblättern zu pikieren, aber einfacher ist es, solange sie nur Keimblätter haben.
Wenn Sie den Zeitpunkt verpasst haben sollten, ist es aber auch noch in Ordnung, die Pflanzen nach dieser Phase zu pikieren.
Keimblätter
Egal, was Sie säen, die ersten Blätter, die ein Keimling bekommt, sehen bei allen Arten sehr ähnlich aus, fast wie kleine Herzen.
Charakterblätter
Die Blätter, die nach den Keimblättern wachsen, besitzen eine ganz andere Form und sind typisch für die jeweilige Sorte. Ein geschultes Auge kann oft anhand der Charakterblätter erkennen, um welche Pflanzenart es sich handelt.


1. Die Pflanze aus der Anzuchtschale lösen

2. Die Löcher mit dem Pikierstab eindrücken
Pikieren
Wir pikieren die Pflanzen in Anzuchtschalen mit Zellen. Diese füllen wir so, als ob wir säen wollten. Dann drücken wir mit dem Pikierstab ein Loch in jede Zelle. Wir nehmen eine kleine Pflanze mit ihren Wurzeln aus jener Schale, in die wir sie gesät haben.
Wir pflanzen sie nun um, indem wir eines der Keimblätter mit Daumen und Zeigefinger greifen und den Stiel in das zuvor gedrückte Loch stecken. Wir drücken dann mit dem Pikierstab so gegen die Pflanze, dass sich die Erde um den Stängel schließt und nur der Wachstumspunkt herausschaut. Anschließend gießen wir mit einem weichen Strahl, genau wie bei der Anzucht. Es ist natürlich möglich, Pflanzen zu pikieren, die schon ihre Charakterblätter ausgebildet haben, einfacher ist es jedoch in dem Stadium, in dem sie nur Keimblätter haben.

3. Die Erde von den Wurzeln entfernen, damit die Pflanze in das Loch passt

4. Die Pflanze einsetzen und mit dem Stab andrücken
Wachstumspunkt
Einen Punkt (oder mehrere) an der Pflanze, an dem neues Wachstum entsteht, nennt man Wachstumspunkt. An einer kleinen, gerade gesprossenen Pflanze liegt der Wachstumspunkt genau am Ansatz der Keimblätter. An einer größeren Pflanze kann er zum Beispiel in den Blattachseln oder an der Basis der Pflanze liegen.
Da die kleine Pflanze sowohl über als auch unter der Erde zu wachsen beginnt, bilden sich am Stängel schnell Wurzeln. Diese werden gebraucht, um alle verfügbaren Nährstoffe zu erreichen, was die Pflanze größer und stärker macht. Über der Erde beginnen sich direkt an der Bodenoberfläche die Charakterblätter zu bilden. So erhalten wir eine robuste, kompakte Pflanze anstelle einer schwächlichen, hochgeschossenen.
Natürlich lassen sich die vorgestellten Techniken genauso anwenden, wenn Sie in Töpfen oder selbst gemachten Behältern anpflanzen.


Kaltgewächshaus mit Pak Choi, Radieschen, Salat und Speiserüben
Ein Ort zum Vorziehen
Wir ziehen alles, was wir produzieren, in unserem Kaltgewächshaus vor. Da es nicht geheizt ist und die Samen zum Keimen höhere Temperaturen benötigen, haben wir Inkubatoren gebaut, in denen die Anzuchtschalen stehen können.
Wir bauen Tische mithilfe von Paletten und Brettern, auf die wir Styropor legen, um sie von unten zu isolieren. Darauf breiten wir Wärmematten und eine sogenannte Kapillarmatte aus: eine Art Stoffmatte, die Feuchtigkeit aufnimmt. Dank dieser Matte können die Schalen die Feuchtigkeit besser im Boden halten, da sie auf der Unterseite erwärmt werden. Die Wärmematten sind mit einem Thermostat verbunden, der ein kleines Stäbchen hat, das in den Boden gesteckt wird. Wir stellen die gewünschte Temperatur ein, die sich somit „von selbst“ reguliert.
Der nächste Schritt besteht darin, die Tische mit Bögen zu versehen. Wir verwenden biegsame Kunststoffrohre, die als VP-Rohre bezeichnet werden. Dafür gibt es kleine Halterungen, die man an die Tische schrauben kann. Die Rohre werden einfach gebogen und hineingesteckt. Sie können aber auch alles andere verwenden, was man über die Tische biegen kann.
Darüber legen wir Vlies, das Wärme und Feuchtigkeit hält und gleichzeitig atmungsaktiv und lichtdurchlässig ist. Zum Schluss kommt noch Luftpolsterfolie darüber, die wir als Rolle kaufen.
Wir verwenden Plastikclips, um Vlies und Luftpolsterfolie so straff wie möglich zu spannen und zu sichern.
An die Decke über den Tischen hängen wir Gewächshauslampen, die unseren kleinen Pflanzen im dunklen und bewölkten Frühling das zusätzliche Licht geben, das sie brauchen. Im Februar/März, wenn wir mit der Anzucht beginnen, lassen wir die Lampen rund um die Uhr an, nur an sonnigen Tagen schalten wir sie aus. Sowie die Tage heller und länger werden, nutzen wir die Lampen immer weniger.
Zusätzliches Licht gehört zu den wichtigsten Voraussetzungen für schöne Pflanzen. Reicht das Licht nicht aus, streckt sich die Pflanze auf der Suche danach in die Höhe und wird dünn und schwächlich. Das ist oft zu beobachten, wenn Samen auf einer Fensterbank keimen. Dann wachsen die Pflanzen fast zur Seite anstatt nach oben, weil sie dort nach dem Licht suchen. Gerade in nördlicheren Gefilden reicht das Licht im Frühjahr einfach nicht aus, selbst wenn in Gewächshäusern vorgezogen wird.
Natürlich müssen Sie nicht genauso vorgehen, um erfolgreich zu sein. Die Hauptsache ist, an Licht, Wärme und Feuchtigkeit zu denken, um ein gutes Ergebnis zu erzielen. Wenn Sie Ihr Saatgut auf der Fensterbank vorziehen, werden Wärme und Feuchtigkeit sicher nicht zum Problem. Schwieriger ist es, genügend Licht bereitzustellen. Wenn wir also etwas empfehlen, dann die Anschaffung von Pflanzenlampen – eine lohnende Investition mit großer Wirkung. Geben Sie Ihren Pflänzchen zu Beginn ihres Lebens so viel Licht wie möglich – sie werden es Ihnen später danken. Denken Sie jedoch daran, dass zwischen Licht, Wärme und Feuchtigkeit ein Gleichgewicht herrschen muss. Wenn beispielsweise zu wenig Licht scheint, es aber gleichzeitig zu warm ist, schießen die Pflanzen in die Höhe, also sollten Sie die Temperatur senken.
Eine Bewässerung bis in die Tiefe des Topfes/der Anzuchtschale (der Mehrmals-Gießen-Trick) ist sehr wichtig für die Bildung langer Wurzeln bis zum Boden. Wenn Sie schlecht gießen, bekommen die Pflanzen nur oberflächliche Wurzeln und werden dünner. Man kann aber auch zu oft gießen. Man sollte den Topf oder die Schale zwischen den Gießrunden etwas trocknen lassen, damit die Erde ihre Luftigkeit behält. Andernfalls kann die kleine Pflanze leicht ertrinken und hat Schwierigkeiten, Nährstoffe aufzunehmen. Wie oft Sie gießen müssen, hängt davon ab, wo Sie die Keimlinge platzieren. Sie müssen einfach immer wieder die Erde kontrollieren und befühlen.
Und noch eines ist beim Vorziehen zu beachten. Jede Pflanze braucht genügend Platz, um sowohl in die Breite als auch in die Höhe zu wachsen. Die von uns verwendeten Anzuchtschalen bieten in der Regel einen guten Abstand. Wenn Sie eigene Behälter wie Milchtüten oder Töpfe nutzen, sollten Sie darauf achten, dass die Pflanzen nicht zu eng stehen. Wenn Sie beispielsweise eine Tüte Grünkohlsamen in einen Topf gesät haben, wachsen nach und nach kleine Pflanzen heran und jeder neue Sämling erfüllt Sie vielleicht mit fast kindlicher Freude. Natürlich möchten Sie alle retten und pflanzen beim Pikieren mehrere in einen Topf. Leider erhalten Sie damit zwar viele, aber nur dünne, schwache Gewächse, die wenig Ertrag bringen.
Es ist daher nötig, etwas streng zu sein. Wählen Sie einige wenige Pflanzen aus und geben Sie ihnen jeweils einen eigenen Topf mit viel Platz zum Wachsen. Zunächst können Sie die Töpfe dicht nebeneinander stellen, aber sobald die Pflanzen beginnen sich auszubreiten, ist es besser, zwischen ihnen Platz zu schaffen, damit sich die Blätter zu den Seiten hin ausstrecken können. Mit diesem Trick erhalten Sie eine starke, schöne Pflanze, die mehr Ertrag bringt als mehrere kleine zusammen. Wir verbringen in unserem „Gewächshaus-Tetris“ viel Zeit mit dem Umherschieben und Ausdünnen.
Sind Ihre Pflanzen groß genug und lässt das Wetter es zu, wird es Zeit für den nächsten Schritt, bevor Sie sie endlich ins Freiland entlassen können.
Abhärten
Für eine Pflanze, die geschützt in einem Gewächshaus oder auf einer Fensterbank gestanden hat, ist es eine große Umstellung, plötzlich nach draußen zu kommen und den Wind und die intensiven Sonnenstrahlen zu spüren. Vor allem die Blätter sind darauf nicht vorbereitet und werden daher oft von der Sonne verbrannt und verdorren.
Häufig überlebt die Pflanze, ist aber deutlich geschwächt und hat es schwerer, sich gegen Angriffe von Schädlingen zu behaupten. Um die Umstellung weniger dramatisch zu gestalten, können Sie die Pflanze vorher abhärten. Wir stellen dazu unsere Pflanzen in Frühbeete oder auf Tische neben dem Gewächshaus.
Frühbeet
Es besteht aus Schutzwänden und einem Deckel aus Kunststoff oder Glas. Wir haben unsere Frühbeete aus Brettern gebaut mit Rahmen, auf die wir dicken Kunststoff als Deckel gespannt haben. Kleinere Varianten in Form von Aufsatzrahmen mit Kunststoffdeckeln gibt es auch zu kaufen.
In den Frühbeeten bekommen die Pflanzen ein erstes Gefühl von Wind, aber mit schützenden Wänden zur sanften Gewöhnung. Wir kontrollieren die Sonneneinstrahlung, indem wir die Frühbeete von Zeit zu Zeit öffnen und ihnen in kleinen Dosen direktes Licht geben. Scheint die Sonne auf die Frühbeete, wird es oft viel zu heiß, um sie geschlossen zu halten. Dann lassen wir sie den größten Teil des Tages offen, legen aber zum Schutz vor dem Licht Vlies über die Pflanzen.
Dieselbe Technik wenden wir auf den Tischen an, auf denen die Pflanzen draußen stehen. Wir entfernen den Vliesstoff zunächst für einige Stunden und dann immer länger, bis sich die Pflanzen an das Leben im Freien gewöhnt haben.
Wenn Sie weniger Pflanzen haben als wir, die Sie drinnen vorgezogen haben, können Sie sie abhärten, indem Sie sie eine Weile hinausstellen und dann wieder nach drinnen bringen. Verlängern Sie langsam die Zeit, die die Pflanzen täglich draußen sind, und lassen Sie sie schließlich rund um die Uhr draußen, bis sie ausgepflanzt werden.

Verschiedene Salatsorten in einem Frühbeet
Vorziehen
Weil uns das Vorziehen im Frühjahr einen solchen Vorsprung und die Übersicht darüber verschafft, wie viele Pflanzen wir von jeder Sorte haben, ziehen wir fast alles vor!
Ob wir vorziehen oder direkt säen, hängt oft vom vorhandenen Platz und einem vertretbaren Arbeitsaufwand ab. Wurzelgemüse, wie Karotten und Rüben, säen wir direkt in die Beete. Anders würde es weder vom Platz noch vom Aufwand her funktionieren.
Beispiele für Kulturen, die wir vorziehen sind: Salat, Mangold, Mais, Tomate, Chili, Lauch, Kräuter, Zucchini, Gurke, Artischocke. Einige davon, wie Artischocken, Lauch und Knollensellerie, säen wir bereits früh im Jahr, damit sie während der Saison Zeit haben, zu fertigen Pflanzen zu werden.
Andere Kulturen säen wir mehrere Male, zum Beispiel Salat, Radicchio, Fenchel und bestimmte Kohlsorten. Von März bis August säen wir alle zwei Wochen Salat. Wir säen jedes Mal etwa 900 Pflanzen und erwarten somit eine kontinuierliche Ernte über die gesamte Saison. Ohne Vorziehen wäre das nicht möglich.
Die Aussaat in mehreren Partien bildet eine gute Möglichkeit, ständig verschiedene Gemüsesorten zu ernten. Auf diese Weise verteilen sich zudem die Risiken besser. Wird der erste Salat von Schnecken gefressen, steht im Gewächshaus schon neuer bereit, der nur darauf wartet, an einer anderen Stelle ausgepflanzt zu werden, die die Schnecken schwerer erreichen können.
Alle Gemüsesorten, die relativ schnell wachsen, lassen sich sehr gut mehrmals säen. Für den Eigenbedarf sind das vielleicht alle zwei Wochen drei oder vier Salatpflanzen.

Vorgezogener Fenchel und zum Auspflanzen fertiger Salat
Wie lange dauert es, ein Gemüse anzubauen? Und was bedeuten eigentlich die Hinweise auf der Samentüte?
Heutzutage liest man unglaublich viele Informationen seitens besserer Saatgutunternehmen darüber, wie und wann ein Gemüse angebaut werden sollte. Hier klären wir einige Dinge, die nicht immer leicht zu verstehen sind. Der deutsche Name der Pflanze steht oft mit größter Schrift auf der Tüte, zum Beispiel Karotte, gefolgt vom lateinischen wissenschaftlichen Namen, in dem Fall Daucus carota ssp. sativus. Der deutsche und der lateinische Name sind für alle Karottenarten gleich, ob orange oder violett. Daher bezeichnet der nächste Name auf der Samentüte vielleicht das Wichtigste, die Sorte. Auf einer Tüte Karottensamen kann etwa ‚Oxhella‘ stehen. Diesen Namen sollten Sie sich merken, wenn Sie dieselbe Sorte erneut anbauen möchten. Die genannte Karottensorte mögen wir sehr, weil sie einen kompakten Wuchs hat, kurz und dick und sehr lecker ist. Sie passt hervorragend zu unseren lehmigen Böden. Doch vielleicht wächst sie bei Ihnen nicht gut. Daher ist es sinnvoll, zunächst einmal verschiedene Sorten anzubauen, bis Sie diejenige herausfinden, die für Sie geeignet sind. Nach einigen Jahren hat man meist ein Sortiment gesammelt, auf das man nicht mehr verzichten möchte. Selbstverständlich kann man immer weiter mit neuen Sorten experimentieren.
Wann sollte man aussäen?
Auf dem Samentütchen sind die Informationen oft recht allgemein gehalten, weil sie sich auf das gesamte Land beziehen. In der Realität sind die Bedingungen von Norden nach Süden jedoch recht unterschiedlich. Daher sagen die Empfehlungen nicht viel aus. Sie sollten stattdessen von Ihrer eigenen Saison ausgehen und beobachten, wann die Frostgefahr voraussichtlich vorüber ist. Auf dieser Grundlage können Sie planen, wann Sie Setzlinge ins Freie pflanzen oder direkt auf dem Feld aussäen. Wenn Sie nicht direkt säen, können Sie im Allgemeinen planen, vier bis sechs Wochen vor dem Auspflanzen zu säen. Wenn Sie Ihre Erde gut verdichtet haben, halten sich die Pflanzen so lange und noch länger ohne Probleme in den Anzuchtschalen.
Diese Faustregel gilt vor allem für relativ schnell wachsende Gemüse wie Salat, Radicchio, Grünkohl, Fenchel, Ringelblume und Sonnenblume. Gemüse wie Artischocke, Lauch, Tomate, Chili und Knollensellerie hingegen muss mindestens acht Wochen vorgezogen werden, damit sich Anbau und Ernte während der Saison lohnen.

Eine andere Möglichkeit, den Aussaattermin zu bestimmen, besteht anhand der Entwicklungszeit der Pflanze. Dies ist die in Tagen angegebene Zeit, in der die Pflanze ab der Keimung erntereif wird. Saatgutfirmen geben dazu oft unterschiedliche Informationen. Einige basieren auf der Aussaat, andere auf dem Zeitpunkt der Auspflanzung. Diese Zeitangabe weist zudem nur darauf hin, wie lange es dauern kann. Wie schnell eine Pflanze wächst, hängt ganz von der Jahreszeit, in der sie gepflanzt wird, sowie von der Pflege ab.
Solche Informationen werden Sie nicht immer auf dem Samentütchen finden, oft aber im Internet. Die einzelnen Sorten des gleichen Gemüses können verschiedene Entwicklungszeiten haben. Dies kann auch bedeuten, dass die Sorten unterschiedliche Eigenschaften besitzen. Sie können daher beispielsweise zwei Karottensorten für unterschiedliche Zwecke auswählen: eine frühe Sorte, die nach etwa 75 Tagen reif, zart und süß ist, aber nicht einfach zu lagern. Die isst man am besten frisch in der Saison. Gleichzeitig können Sie eine späte Sorte wählen, die etwa 120 Tage bis zur Reife braucht, aber eine härtere Schale bekommt, weshalb sie im Winter gelagert werden kann.
Indem Sie die Entwicklungszeit rückwärts rechnen, können Sie einen Anzuchtplan erstellen. Das mag kompliziert klingen, aber wenn Sie einmal begonnen haben, in diesen Bahnen denken, ist es recht einfach. Viel schwieriger ist, Platz für alles zu finden, wenn es Zeit zum Auspflanzen oder für die Direktsaat wird.
Bedenken Sie außerdem, dass Gemüse unterschiedlich empfindlich auf kalte Temperaturen reagiert. Zucchini, Gurken, Tomaten und Bohnen sind Beispiele für Arten, die bei Frost sofort absterben. Pflanzen Sie sie daher auf keinen Fall zu früh. Es ist gut, ab der letzten Frostgefahr mit einem Spielraum von einigen Wochen zu rechnen, um absolut sicherzugehen, dass die Pflanzen überleben. Kohl, Salat, asiatische Kohlsorten und Radieschen hingegen können Sie schon vor der letzten Frostgefahr nach draußen bringen. Sie schaffen es meist, wieder aufzutauen, ohne Schaden zu nehmen, falls sie einmal gefrieren sollten. Sie können sie auch mit Vlies abdecken, um den schlimmsten Frost zu mildern. Aber es ist gut zu wissen, dass diese Pflanzen der Kälte standhalten und Sie auch mal ein Risiko eingehen können.

Obwohl Fachtexte helfen können, die richtigen Entscheidungen zu treffen, lernen Sie das Vorziehen nicht nur durch Lesen, sondern vor allem, indem Sie es selbst ausprobieren. Und je länger Sie es praktizieren, desto besser wird es Ihnen gelingen.
Vorbereitung des Bodens
Während der Anzucht und des Vorziehens haben Sie noch eine weitere wichtige Aufgabe: die Beete für das Auspflanzen vorzubereiten.
Wir beginnen damit, wenn die Erde genug getrocknet ist, um mit ihr zu arbeiten. Wann genau Sie anfangen können, hängt ganz davon ab, in welcher Region Sie leben.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten vorzugehen. Sie können zum Beispiel dort, wo Sie pflanzen wollen, die vorhandene Erde umwenden bzw. umgraben und gleichzeitig Kompost, also Nährstoffe zuführen. Sie können sich dafür entscheiden, überhaupt nicht zu graben und einfach wie bei einem Hochbeet Erde auf die Bodenoberfläche zu geben und dort zu pflanzen. Sie können auch in Töpfen pflanzen und so weiter.
Zunächst einmal ist zu bedenken, dass die Erde lebendig ist. Sie ist ein ganz fantastisch komplexer Lebensraum für Mikroorganismen, Pilzsporen, Würmer und anderes. Wenn Sie sich um Ihren Boden kümmern, kümmern Sie sich gleichzeitig um Ihr Gemüse. In vielerlei Hinsicht ist die Hauptsache im Gemüseanbau, den Boden zu pflegen und zu nähren.
Uns ist wichtig, eines Tages einen besseren, gesünderen und fruchtbareren Boden zu hinterlassen. Damit schaffen wir gute Voraussetzungen für die Arbeit künftiger Gärtner. Ein großes Problem weltweit ist, dass Düngemittel und Gifte das Ackerland erschöpfen und es allmählich seine Lebenskraft verliert.
Wir führen dem Boden stetig Material in Form von natürlichem, nährstoffreichem und strukturbildendem Kompost zu.
Kompost: Biologisch abbaubares Material wie Mist, Speisereste, Hackschnitzel, Blätter, Pflanzenreste. Unter den richtigen Bedingungen werden diese von verschiedenen Mikroorganismen und Würmern abgebaut zu Erde, deren Nährstoffe Pflanzen leicht aufnehmen können. Kompost ist Erde mit vielen Nährstoffen.
Wir stellen unseren eigenen Kompost her, kaufen aber auch zu, da wir viel brauchen. Kompost führt den Pflanzen nicht nur leicht zugängliche Nährstoffe zu, sondern wirkt auch strukturbildend. Er ist gröber als die vorhandene Erde, hilft beim Aufbau von Lufteinschlüssen und verleiht ihr eine lockerere Struktur, die Wurzeln das Durchdringen erleichtert.
Unsere lehmigen Böden werden, wenn wir sie nicht bearbeiten, bei starkem Regen hart und kompakt. Und wenn sich die Wurzeln nicht ausbreiten können, nehmen sie die verfügbaren Nährstoffe nicht auf.
Um den Kompost einzuarbeiten und erhöhte Saatbetten zu schaffen, benutzen wir einen Saatbettbereiter. Er wird von einem Traktor gezogen und sieht aus wie ein Kasten mit Klingen, die sich drehen und die Erde an der Oberfläche mischen. Ein sehr hilfreiches Gerät, denn wir müssen eine ganze Menge Beete von 30 m Länge vorbereiten. Zugleich hebt es den Boden etwas an, sodass Wasser besser abfließen kann und er von der Sonne schneller erwärmt wird.
Im heimischen Garten kann man natürlich genauso gut von Hand umgraben und wenden, wie wir es in unseren kleineren Blumenbeeten tun. Das Wichtigste ist, dass Sie den Boden lockern und den Kompost gut verteilen.
Eine andere Möglichkeit, Beete vorzubereiten, besteht darin, die Bodenoberfläche mit Pappe abzudecken, darauf eine großzügige Schicht Komposterde oder Erde zu verteilen und direkt dort hinein zu pflanzen. Der Karton verhindert zunächst, dass Unkraut aufwächst, und zersetzt sich allmählich, sodass bald Kompost und Boden aufeinandertreffen. Es ist dasselbe Prinzip wie im Hochbeet mit hinzugefügter Erde, nur ohne den Rahmen.
Man füllt ja auch Töpfe mit nährstoffreicher Erde, einer Art Kompost, um darin Pflanzen zu ziehen. Wenn Sie direkt im Kompost pflanzen, sollten Sie daran denken, dass dieser nach dem Gießen viel schneller austrocknet, weil er so luftig ist, und Sie also öfter gießen müssen.
Lehmböden sind zwar mühsamer zu bearbeiten, haben aber Vorteile. Da sie eine so dichte Struktur aufweisen, können sie Wasser und Nährstoffe gut halten. Daher muss Lehmboden nicht so oft gegossen werden wie gröberer Sandboden oder gekaufte Erde. Außerdem verliert er bei Regen weniger Nährstoffe, weil er Wasser besser halten kann. Ist er allerdings zu stark mit Wasser gesättigt, das nicht abläuft, können die Pflanzen ertrinken. Daher ist es ratsam, dem Lehmboden im Laufe der Zeit mithilfe von Kompost eine gröbere Struktur zu verleihen. Erhöhte Beete dienen ebenfalls der Entwässerung.
Tipp!
Mischen Sie für Ihre Topfpflanzen Lehmboden etwa zur Hälfte mit gekaufter Erde. Da Topfpflanzen drinnen oft über der Heizung stehen, trocknet die gekaufte Erde schnell aus. Bei gemischter Erde müssen Sie nicht so oft gießen.
Wir bringen den Kompost von Hand aus. Dazu verwenden wir einen Minitraktor und einen Anhänger mit Kompost. Wir gehen mit einer Schaufel hinter dem Anhänger her und verteilen ihn auf den Beeten, keine leichte Arbeit. Wir wollen, dass der Kompost dort landet, wo er hinsoll, und nicht auf den Wegen, wo er nichts bringt. Kompost ist wertvoll, wir wollen ihn nicht verschwenden. Gleichzeitig wollen wir sicherstellen, dass so wenige Nährstoffe wie möglich austreten, denn sie landen sonst in den Gewässern und überdüngen diese. Wir achten daher darauf, den Dünger so nah wie möglich am Pflanzzeitpunkt auszubringen, oft noch am selben Tag. Dann nehmen Pflanzen sofort die Nährstoffe aus dem Beet auf, was den Austrag verringert.
Durch das Düngen von Hand erreichen wir eine höhere Präzision, als wenn wir maschinell arbeiten würden. Wir sorgen dafür, dass die Beete unterschiedlich viel Dünger bekommen, je nachdem, was dort wachsen soll.
Kohl, Kürbis und Zucchini benötigen viele Nährstoffe. Karotten, Rüben und Kartoffeln hingegen sollten nicht zu viel erhalten, da ansonsten das Kraut stärker wächst als die Wurzel.
Wie viel Dünger genau pro Beet ausgebracht werden muss, ist schwer zu sagen. Wir gehen nach Gefühl vor. Wenn sich beispielsweise die Blätter verfärben, oft lila-gelb, und die Pflanzen schlecht wachsen, erhalten sie mehr Dünger. Es gibt auch andere Möglichkeiten, dem Boden organisches Material zuzuführen, also Nahrung für das, was im Boden lebt. Sie können etwa in jeder Saison einige Beete ruhen lassen und statt Gemüse Gründünger anbauen.
Als Gründünger werden diverse Pflanzen bezeichnet, die Stickstoff im Boden binden oder organisches Material zuführen. Zum Beispiel Phacelia, auch Bienenfreund genannt, weil bestäubende Insekten sie lieben, Zottige Wicke, Roggen und Buchweizen.
Pflanzen, die zur Gattung der Erbsen gehören, können Stickstoff, den der Gemüseanbau braucht, im Boden sehr gut binden. Andere Pflanzen werden angebaut, weil sie schnell wachsen und somit viel organisches Material liefern, das in den Boden eingebracht wird. Dort zersetzt es sich dann zu nährstoffreicher Erde. Wichtig ist, dass Sie den Gründünger unten am Stängel abschneiden, bevor die Pflanzen Samen bilden, sonst wachsen dort neue Pflanzen nach. Lassen Sie sie nach dem Schneiden auf dem Beet liegen und trocknen, damit sie verwelken und nicht nachwachsen, bevor Sie sie in den Boden eingearbeitet haben. Ein Beet, das im Vorjahr mit Gründüngung versorgt wurde, muss in der Regel nicht gedüngt werden.
Eine weitere Möglichkeit, dem Boden Nährstoffe zuzuführen, bilden alte Pflanzenreste. Wir lassen sie im Herbst stehen und arbeiten sie im Frühjahr ein. Bei Pflanzen wie Mais, Bohnen und Kohl bleibt nach der Ernte immer organisches Material übrig, das zur perfekten Nahrung für den Boden wird. Da diese Pflanzenreste viel gröber sind als Gründüngung, dauert es oft eine Weile, bis sie sich zersetzt haben. Daher empfiehlt es sich, die Beete einige Wochen vor dem Einsetzen der Gemüsepflanzen umzugraben. Wir fügen meist auch Kompost hinzu, damit genügend Nährstoffe vorhanden sind.
Graben Sie von Hand, dann tun Sie das am besten im Herbst. Graben Sie den Boden richtig durch und lassen Sie ihn den Winter über liegen. Bei Frost dehnt sich das Wasser in Form von Eis im Boden aus und bricht große Erdklumpen auf. Im Frühjahr, wenn die Erde getrocknet ist, ist sie dann leichter zu bearbeiten. Sobald Sie ein gutes Saatbett geschaffen haben, das sich leicht mit einem Spaten durchgraben lässt, ist es Zeit zum Auspflanzen.


Rougette-Salat
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