Читать книгу: «Gohrlack»

Шрифт:

AARON SCHLÜTER

GOHRLACK

ROMAN

Impressum

Verantwortlich für den Inhalt und

Copyright der Originalausgabe © 2021 by Aaron Schlüter

Ansbacher Str. 41, 10777 Berlin

Umschlag: © 2021 Copyright Janina Schlüter

Umschlagmotiv: Harun Hafir / Janina Schlüter

Druck und Bindung: epubli – ein Service der Neopubli GmbH, Berlin

Printed in Germany

Über den Autor

Aaron Schlüter wurde 2003 in der deutschen Haupstadt Berlin geboren, wo er immer noch wohnt. Bereits 2019 begann er seinen hier vorliegenden Erstling zu schreiben. Er hat inzwischen mehrere Kurzgeschichten verfasst und arbeitet zur Zeit an seinem zweiten großen Roman.

Widmung:

Für mein 15-jähriges Selbst, das innerhalb eines Jahres dieses Buch verfasste!

Alles ist möglich, also:

JUMP!

Berlin, im September 2021

Inhaltsverzeichnis:

2 USK-18

3 - Tomaten-Rot

4 - Von Lieferservices und Klopapier

5 - Vermummte Gestalt mit Gewalt

6 - Ausschlaggebend aber dumm

7 - Nagetiere in Rüstungen

8 - Freaks und Freundschaft

9 - Keine Revolution vor 16 Uhr

10 - Recidivismus

11 - Kebab und Polizei

12 - Woah-oah, we‘re half-way there. Woah-oah, Thimthim is the mayor

13 - Genozid

14 - Re-etablierung

15 - Tore zu vor Thorium

16 - Wer dieses Buch nicht liebt, ist Anti-Semit

17 - Wenn die Massen sich bewegen

18 - Ballerspiel

19 - Ich schwöre, das Buch ist keine Wirtschaftspropaganda

20 - Zurück zur Quelle

21 - Kuriose Merkwürdigkeiten

22 - So wie es war, so war es auch

1 - Fehler werden begangen

Stress. Purer, nervenaufreibender, belastender Stress. Als viel mehr ließ sich Gohrlacks Tag nicht beschreiben.

Nicht nur wurde er durchgehend während seiner Arbeit als Hausmeister im lokalen Puff der X-Raymountains von irgendwelchen betrunkenen Gästen belästigt und auf ein „Tänzchen“ aufgefordert, was bei seinem Aussehen nur ein wirklich Betrunkener gewollt haben könnte, sondern zudem wurde er auch noch, aufgrund seines schlechten Gehorsams den Kunden gegenüber, die in diesem Puff mit dem Motto „Der Kunde ist König“ behandelt wurden, mit einer Kürzung seines Gehaltes bestraft.

Sein Sohn Thimthim wurde auf dem Spielplatz seines Vertrauens geschlagen und auf der Rutsche, die ihm zu hoch war und ihm Angst machte, ausgesetzt.

Vor einigen Jahren konnte man in diesem Park, besonders um diese Jahreszeit, noch die lokalen Junkies und anderen Abschaum begutachten, nun aber hatte die Huanmafia den Park, sowohl als auch alles andere im Bezirk Schlougunos unter ihrer Kontrolle.

Die Huanmafia besteht hauptsächlich aus den „braunen Leutchen“, was ein Begriff für Leute ist, die eigentlich extrem hellhäutig sind, jedoch oft das Sonnenstudio besuchen, obwohl sie meistens davon nur Rot werden, weshalb es auch einige Menschen gibt, die sie als „verzweifelter, gescheiterter Versuch zu einem eigentlich Einheimischen zu werden“ bezeichnen.

Gohrlack öffnete die Türe zu seinem Haus und sah hilflos dabei zu, wie sein Sohn beim Hineingehen auf den Schwanz seiner Kyarakur-Aufblaspuppe trat. Sobald er die Tür schloss, hörte er auch schon Schritte, welche sich der Tür näherten. Gohrlack rollte mit den Augen, drehte sich um, öffnete die Tür wieder und sagte dem Sektenvertreter auf der anderen Seite, dass er nicht an seiner Ideologie interessiert sei und dass, was auch immer er anbetete, ihm noch einen schönen Tag bescheren solle.

Kurze Zeit später fing er mit dem Kochen des Abendessens an. Es gab wieder einmal Brot aus der Dose mit eingelegten Stückchen Überresten von dem, was auch immer sie, also die Produzenten derartiger Produkte, in den alten Gulags finden konnten.

Thimthims Leibspeise.

Dieser spielte momentan noch in seinem Zimmer, und fand sich dabei wieder, wie er nach etwas Masturbationsmaterial suchte. Er fand zu seiner Enttäuschung jedoch nichts Neues. Er hatte einfach schon viel zu viel, viel zu oft gesehen.

Doch als er gerade noch einmal „Omas von der Müllhalde“ auswählen wollte, wurde er von etwas abgelenkt. Etwas war an seinem offenen Fenster. Irgendeine Notiz, auf der da folgendes stand: „Buh!“

Nachdem Thimthim dies mit viel Mühe entziffern konnte, er war nämlich nicht in der Lage gut zu lesen, da ihm jegliche Bildung fehlte, wurde er von hinten aus dem Fenster geschubst.

Auf dem Boden vor dem Haus, sowohl als dem der Tatsachen, angekommen, schien alles wieder normal zu sein.

Thimthim verstand nicht recht, was gerade passiert war. Hatte jemand sich in sein Haus geschlichen und versucht, ihn aus seinem eigenen Fenster zu schubsen als eine Art Attentat? Aber wer und warum?

Fragen über Fragen türmten sich in ihm auf, also wollte er erst einmal wieder das Haus betreten und seinen Vater fragen. Nur leider konnte er nicht so weit hoch, als dass er hätte durch sein Fenster wieder das Haus betreten können.

Er schritt zur Tür und klopfte heftig, so heftig gar, dass seine Hand ihm brach. Thimthim war das jedoch inzwischen gewohnt, da er so ein Lauch war, dass so etwas des Öfteren passierte. Also wartete er auf seinen Vater, der hoffentlich nicht zu sehr von den Schreien der Gulagüberreste abgelenkt war, um ihn zu hören.

„Das ist doch jetzt nicht sein Scheißernst! Nur weil Krüppmann nicht da ist, versucht dieser Sektenabschaum, mir sein dämliches Buch zweimal anzudrehen? Na warte, dem wird sein falsches Lächeln und sein Bein schon noch vergehen!“, sagte Gohrlack, mit der festen Intention dem Sektenvertreter, den er zuletzt vor 5 Minuten gesehen hatte, kräftig gegen das Schienbein zu treten.

Wer sonst, sollte denn jetzt schon wieder an seiner Tür klopfen?

Er schwang die Tür, die sich nach innen öffnete auf. Diese traf die dahinterliegende Wand mit einer Wucht, die dafür sorgte, dass sich gar drei der Nägel, die Bilder von phallusförmigen Kürbissen in der Wand hielten, lösten und samt der Bilder zu Boden stürzten.

Gohrlack holte zum Tritt aus, dies so stark, dass er dafür seine Augen schließen musste, da er seine gesamte Kraft in diesen Angriff versetzen wollte, selbst wenn diese aufgrund seiner schlechten Körperkontrolle nicht sonderlich viel war und trat zu.

Thimthim absorbierte die gesamte Energie und wurde zu einem Projektil, für 15 Sekunden zumindest. Dabei flog er 3 Meter in die Luft, hoch genug, um das Haus von oben zu sehen, bevor ihn die Winde wegwehten. Dies war lediglich aufgrund seines geringen Gewichtes möglich, da er, wie man bis jetzt bereits bemerkt haben sollte, ein Lauch des Endstadiums war.

Außerdem war es einfach ein relativ windiger Tag.

Er hob ab. Nichts hielt ihn am Boden. Alles, besonders seine vorübergehende Energie, mit welcher er noch nicht so richtig klarkommen konnte, trieb ihn in die Lüfte, welche seinen leichten, fragilen und vor allen Dingen mit viel Energie geladenen Körper hinfort wehten. Im Flug geriet Thimthim so hoch, dass er das Gebiet der Nula erreichte.

Nula ist eine der Hohen. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, alle diejenigen, die zu hoch in der physischen Welt aufsteigen wollen, davon abzuhalten ihre maximale Höhe zu erreichen.

Als sie sich aus dem Nichts materialisierte und Thimthim erspähte, verstand sie sofort, was die hier vorliegende Situation war und, um es freundlich auszudrücken: Sie gab keinen einzigen Fick.

Thimthim war nun bereits in Nulas Schlaghöhe, ein Glück für ihn, denn glaubt mir, niemand will in Kontakt mit Nulas Springerstiefeln kommen, außer jedoch die Person ist ein gigantischer Masochist und/oder selbstmordgefährdet.

Thimthim wurde von einer Overhand getroffen und gefühlt in die vierte Dimension versetzt.

In Realität war es jedoch lediglich eine Stadt in geraumer Ferne, welche er schon bald besser kennenlernen sollte.

All dies geschah binnen einer Minute und das machte Gohrlack ziemlich zu schaffen. Er saß nun auf seiner Türschwelle und starrte mit einem blanken Gesichtsausdruck seinem Sohn hinterher. Jedoch blieb dazu nicht viel Zeit, da Nula auch einen Grund hatte, auf ihn erbost zu sein, was sie mit den Worten „Du Ouzesohn!“ untermauerte.

„Ziemlich vulgärer Sprachgebrauch, für eine der Hohen“ dachte Gohrlack sich. Jedoch waren nicht nur ihre Worte hart, sondern ihre Taten ebenso.

Sie versuchte Gohrlack einen Tritt zu versetzen, traf durch dessen Position in der Türschwelle jedoch lediglich sein Haus.

Es ist im Allgemeinen unbekannt, aber Gohrlack hatte eins der, seit langem illegalen, empfindungsfähigen Häuser seinem Nachbarn Krüppmann abgekauft. Ach ja, Krüppmann ist schon ein interessanter Kerl, er bewirkt so viel, und doch so wenig in dieser verrückten, großen, abenteuerreichen Welt.

Es ist fast so, als ob jemand mal ein Buch über ihn schreiben wolle.

WUMMS!

Das ist eine akkurate Schreibweise für das Geräusch, das Nulas Springerstiefel und Gohrlacks Haus machten, als sie auf einander trafen; es war kein romantisches Treffen, muss ich gestehen. Trotzdem tat es Gohrlacks Haus weh, was darin resultierte, dass es Gohrlacks inzwischen schmorendes Abendbrot auf Nula spuckte, die sich daraufhin wieder de-materialisierte. Außerdem verbannte sein Haus Gohrlack. Da halfen auch 2-stündige Debatten nicht weiter.

Gohrlack fiel allerdings ein, dass sein Haus versichert war, und so einigten die beiden sich darauf, dass das Haus einfach still sein würde, während Gohrlack das Haus auf Schäden inspizieren ließ, und sich von dem Versicherungsgeld ein paar Handwerker leisten würde, um die von Nula angerichteten Schäden wieder zu beseitigen und das Haus, da es ein harter Verhandlungspartner war und darauf bestand, neu zu lackieren.

„Gut, nun da das besprochen ist, gehe los, Thimthim bergen“,

so sprach das Haus, trotz fehlender Stimmbänder, zu Gohrlack, der als einzige Reaktion einen verdutzten Gesichtsausdruck lieferte.

Es herrschte kurzzeitig Stille -“OUZE?!“ Gohrlack war empört. „Wegen dem Lauch stecken wir doch überhaupt in der ganzen Scheiße!“

„Das ist mir ganz egal. Du hast keine Freunde, und trotzdem moralische Fähigkeiten, die komplett für die Tonne sind, also muss ich eben bessere moralische Fähigkeiten als du besitzen, damit ein Ausgleich herrscht“, entgegnete sein Haus.

„Du bist mein Haus!“, brüllte Gohrlack.

„Was willst du tuuun?“, sagte das Haus spöttisch.

Bevor Gohrlack damit entgegnen konnte, wie er sein Haus doch abfackeln würde, fiel ihm ein, dass er sein gesamtes Hab und Gut darin aufbewahrte.

„Na gut, dieses Mal hast du mich, aber in der Fortsetzung-“

„Es wird keine Fortsetzung geben, und nun los!“, brüllte sein Haus, ohne Gohrlack seinen Satz vollenden zu lassen. Es spuckte noch sein Mobiltelephon aus, seine Brieftasche und - aus irgendeinem Grund - auch ein Buch darüber, wie und wo man den Chinasquat exekutieren konnte.

Also machte Gohrlack sich auf die Reise, die ihm seinen Sohn, sein Versicherungsgeld und den Frieden mit seinem Heim garantieren sollte.

Tragischerweise waren, trotz ihrer Erfindung, viele der von uns als normal angesehenen und konventionellen Vehikel in dieser Welt strikt verboten. Es war nämlich so, dass Zauberer aufgrund ihrer Überlegenheit gegenüber Normalsterblichen diskriminiert und deshalb in großen Massen von der Zivilbevölkerung ermordet wurden. Es wäre also zu leicht für Zauberer, Vehikel wie Autos oder Flugzeuge für terroristische Aktivitäten zu verwenden. Auf andere technische Geräte trifft dies nicht zu, denn es wäre sehr riskant für einen Zauberer und würde die Chance entlarvt zu werden erhöhen, nur um Nacktbilder an die Verwandtschaft von jemandem über deren Mobiltelephon oder Computer zu senden.

Demnach war nun also offensichtlich, dass Gohrlack keine richtige Wahl hatte, er musste zu Fuß gehen. Als er die ersten Schritte ging, ließ er den gesamten Tag erneut in seinen Gedanken ablaufen und war erbost. Auch gegenüber seiner Gesamtsituation, in der er jetzt steckte, machte er sich Sorgen, denn er wusste nicht, was aus seiner Arbeit werden würde. Aber nachdem er an diesem Tage so von seiner Puffmutter disrespektiert wurde, obwohl er schon Ewigkeiten in ihrem Etablissement arbeitete, konnte er sich einfach nicht dazu aufraffen, ihr in einem Anruf den Grund dafür zu erzählen, dass er, mindestens am nächsten Tag, nicht zur Arbeit erscheinen würde.

„Soll die Olle sich doch selber drum kümmern wie ihr Puff aussieht“, sagte Gohrlack zu sich selbst, während er darüber nachdachte.

Auch sein Sohn kam in seinen Gedanken vor, die Heftigkeit der Situation hatte Gohrlack noch nicht so recht erfasst aber er hatte irgendwie das Gefühl, dem Jungen würde es gut gehen, schließlich hatte er immer schon viel Glück gehabt, alleine schon damals, als er ihn fand und adoptierte, als Baby, orange angemalt und in einem Supermarkt als phallusförmiger Kürbis ausgesetzt.

2 - USK-18

Gohrlack lief einfach in die Richtung, in welche sein Sohn geflogen war. Nach einer gefühlten Ewigkeit von rund 30 Minuten taten Gohrlack die Beine weh und es wurde auch bereits dunkel. Wie jeder verantwortungsbewusste Vater auf der Suche nach seinem Sohn, traf Gohrlack eine weise Entscheidung: er ging in die nächste Taverne, die er lokalisieren konnte.

„Die Kommunistische Krabbe“ lautete ihr Name; klein, heruntergekommen, alt und vermutlich voller Abschaum, der sich nur danach sehnte einem dummen, verwirrten und vor allen Dingen planlosen Mann dabei Hilfe zu leisten, seinen Sohn wiederzufinden. Der Laden sah von innen nicht viel besser aus als von außen.

Gohrlack genehmigte sich einen gratis Weizenjuice und setze sich an einen Holztisch, der beim Kontakt mit Gohrlacks Weizenjuice, welchen er darauf platzierte, zusammenbrach.

Vorhersehbar.

Zuerst versuchte Gohrlack hier jemanden ausfindig zu machen, der nicht unbedingt so wirkte, als sei er potentiell schädlich für Gohrlacks Gesundheit. Deshalb entschied er sich nach einem kleinen bisschen Umgucken für einen Raucher der Extraklasse. Damit ist gemeint, dass der werte Herr dabei war, gut um die 19 (wichtige Zahl) Zigaretten in seinem Mund zu haben und es irgendwie auch schaffte, von allen zeitgleich zu ziehen. Seine Lungen sahen mit Sicherheit aus wie ein angebrannter Boxsack, den man vergebens zu bleichen versucht hatte.

Gohrlack wollte mit diesem Typen eine Konversation führen, denn selbst falls er Gohrlack nicht helfen konnte, so konnte er dennoch mit seinen beeindruckenden Fähigkeiten die Gesamtsituation angenehmer gestalten.

Gohrlack wollte also ein freundliches Geplauder starten, indem er den Mann fragte, ob er öfters dieses Lokal besuchte und ihm dementsprechend etwas darüber erzählen könnte.

Eben jener Kippenkonsument schluckte alle 19 Zigaretten auf Gohrlacks Frage hin runter und antwortete, dass er auch nicht viel über den Ort wusste, sich hier jedoch gerne mal Zigaretten erschnorre und lud ihn zu einer Partie Kicker ein, die Gohrlack übrigens haushoch verlor.

Die Figuren verwirrten Gohrlack, da ein Team nur aus irgendwelchen, komplett unterschiedlich angezogenen, älteren Männern und das andere Team aus irgendwelchen Geschäftsmännern bestand.

Sie redeten gelassen weiter und Gohrlack erfuhr, dass sein Gegenüber Eko-Smrah hieß und Aktivist sowie Unternehmer war.

Er erzählte rigoros darüber:

„Ich produziere Sachen für Frühgeburten, von Kleidung über Waffen bis hin zu Entertainmentprodukten wie Hüpfburgen, denn auch die Frühchen wollen auf ihre Kosten kommen. Aber leider gibt es nicht so viele von ihnen, wie es für mich geschäftlich von Vorteil wäre, deswegen werden sie auch von anderen Firmen so wenig berücksichtigt.“

Er schaute geknickt zu Boden und Gohrlack fragte ihn, ob seine Besessenheit mit Frühgeburten auch hieß, er wüsste nur wenig über normale väterliche Erziehung, woraufhin dieser antwortete, dass das in der Tat der Fall sei.

„Aber so als Aktivist müssten Sie sich hier in der Welt doch halbwegs auskennen, oder?“, fragte Gohrlack ihn dann endlich, um zum Schluss zu kommen. Als Antwort erhielt er, dass Eko-Smrah sich in dieser Gegend nur mit kommerziell wichtigen Gebieten auskenne und die nächsten davon schon ein wenig weiter weg seien.

„Ach Mist“, waren die Worte mit denen Gohrlack sich verabschiedete.

Eko-Smrah rief ihm jedoch hinterher:

„Hey, wenn Sie irgendwelche Frühchen kennen oder treffen, erzählen Sie diesen bitte von mir! Sie können mich in - den Namen des Ortes blendete Gohrlack bereits aus, da er dem Fremden nicht mehr zuhörte - finden!“

Gohrlack sah sich nach weiteren Leuten um, die für ihn interessant sein könnten. Beim weiteren Umsehen fielen ihm zuerst die Bilder an der Wand auf von einer maskierten Katze, sowie die Hausregeln, die von einer Unterschrift und einem Pfotenabdruck gekennzeichnet waren. Er inspizierte diese genauer und fand die Regeln doch ein kleines bisschen komisch aber nicht unbedingt unerwartet.

Die Regeln lauteten:

 es gibt keine Regeln, bis auf die, die es doch gibt

 jeder hat Freiheit, bis auf die, die sich gegen dieses Etablissement und seine präferierte Ideologie stellen

 bei Katzenhaaren im Essen hat der Kunde sich zu freuen

 das neue Lied von Krawalli wird nur am Samstag um 21:00 Uhr aufgeführt, sollte das jedoch nicht zutreffen, dann trifft es ausnahmsweise einmal nicht zu

 uns geht die Tinte aus, also tut einfach das, was euch gesagt wird

Gohrlack war wenig beeindruckt und zuckte mit den Achseln, bevor er sich wieder auf die Suche nach vertrauenswürdigen Personen begab.

In einer Ecke saß ein alter Mann, der gerade eine Geschichte darüber erzählte, wie er seine Frau mit einer Topfpflanze behindert geschlagen hätte.

Das wahrhaftig Interessante daran war, dass niemand dabei war, der ihm Beachtung schenkte, und das in geradezu faszinierender Weise.

Gohrlack kam näher und inspizierte den alten Herrn: ihm fehlten einige Zähne und er war bärtig und, von seinem Gerede her, sehr weise.

„Verrate mir eine Weisheit, oh alter, schwarzer Einstein!“, eine äußerst geschickte Ansprache, mit der Gohrlack ihm da begegnete und das insbesondere deshalb, da Gohrlack nicht einmal so richtig wusste, wer Einstein war, weil dieser ja in unserer Welt seine Existenz geführt hatte. Die einzige Information, die Gohrlack über ihn hatte war, dass er sehr klug gewesen sein musste, so hatte er es zumindest aus einem Physikbuch entnommen, das er von Krüppmann zweimal zum Geburtstag bekommen hatte.

„Nur weil du in einem Kult bist, bist du noch lange nicht kultiviert, du kleiner Spinner, du!“, zuerst wollte Gohrlack ihm widersprechen, aber dann fiel ihm ein, dass er theoretisch Recht hatte.

„Du sagst es, mein Guter. Wissen Sie, was ein Mann in meiner Situation tun könnte?“, fragte Gohrlack ihn.

„Ein Opfer?“

„Ja.“

„Nein.“

„Und ein Vater der seinen Sohn verloren hat, indem dieser von Nula einen, boxerisch sehr beeindruckenden Schlag abbekommen hat?“

Es herrschte eine Weile lang Stille.

„Wenn du mir den Deckel deines Weizenjuices geben kannst, dann ja.“

Gohrlack gab ihm den Deckel und wartete darauf, was als nächstes geschah. Ein Schrei, der einem den Sauerstoffjuice in den Adern gefrieren ließ, ertönte aus dem Hals des alten Mannes. Dieser verschluckte danach den Deckel.

„Ouze, geht es Ihnen gut?“, viel mehr konnte Gohrlack daraufhin nicht sagen.

„Ja, es ist nur so, dass sich mein Sohn an so einem Deckel verschluckte, und anschließend das Zeitliche segnete.“

„Und das tun sie jetzt aus Rache, nehme ich an?“

„Nein, ich will der Welt nur zeigen, dass ich krasser bin als er es war“.

Es herrschte eine weitere Weile Stille; diese Weile war nicht ganz so lang wie die Letzte, also war es vermutlich eher nur eine ¾ Weile, was einen Authoren wie mich immer zu einem Grad deprimiert, den sich Menschen wie eures Gleichen nicht vorstellen können.

„Nun denn, wollten Sie mir nicht einen Rat geben, damit ich meinen Sohn wiederfinden kann?“, fragte Gohrlack dann letztendlich.

„Ja, und die Betonung liegt hierbei auf dem Wort wollte“, der alte Knacker lächelte Gohrlack heimtückisch an, und dieser war währenddessen nur darüber verwirrt, dass eine so plötzliche Feindseligkeit entstanden war.

Gohrlack dachte eine Weile darüber nach, was hier geschehen sein könnte. Zwar wusste er, dass solche alten Typen oft Stimmungsschwankungen vernahmen aber es schien ihm hierbei doch eher so, als sei es ein geplanter Angriff auf Gohrlacks Stimmung und Zeit gewesen, den der Mann ausgeführt hatte.

Er kam zu der logischen Schlussfolgerung, dass ein Mann, der mit Kulten zu tun hatte oder zumindest einige Weisheiten über sie besaß, seinen Sohn an so einen lächerlichen Tod verlor und vor allen Dingen alt war, nichts Gutes im Schilde führen konnte.

„Deine Gedanken sind diskriminierend, mein Bursche!“, die Stimme des alten Sackes erklang erneut.

„Ye, das tut mir leid.“

„Schon gut, es ist ja nicht so, als hättest du Unrecht.“

Gohrlack war nun verärgert, da er seinen Unmut gegen andere Generationen zumindest in seinen Gedanken behielt, um sich selber das Leben amüsanter zu gestalten, aber dieser Mann sprach seinen nicht nur aus, sondern schien zudem auch noch tatsächlich respektlos gegenüber seiner eigenen Altersgruppe veranlagt zu sein.

Er tat also das einzig Richtige, aber trotzdem vergleichsweise Dumme, was man in seiner Situation tun konnte.

„Schlouge!“

Als dieses Wort Gohrlacks Mund verließ verstummte jegliche Musik, jegliche Unterhaltung und jedes andere Geräusch kurzzeitig darauf auch.

„Du legst es also wirklich darauf an, hm?“, fragte der alte Herr und stand auf. Er war wesentlich muskulöser, als es zuvor aufgefallen war, weshalb Gohrlack einen Schritt zurück tätigte.

„Ultimative Degeneration!“, brüllte der alte Mann und schoss mit einem Zauberstab, der sich in seiner Hand materialisiert hatte. Er verfehlte Gohrlack in einem 80° Winkel.

Sein Zauberstrahl traf eine junge Kellnerin, die in der Nähe stand. Leiderfülltes Geschreie ertönte laut und die einst so schöne Kellnerin entwickelte sich in ihrer physischen Form zurück.

Nach 10 Sekunden voller Veränderung ihrer Molekularstruktur und daraus resultierenden angewiderten, verängstigten und/oder traurigen Gesichtern lag nun an der Stelle, an der einst die Kellnerin stand, ein Embryo.

Ein kollektives „OUZE!!!“ erklang und Gohrlack hätte schwören können, im Hintergrund die quäkende Stimme von Eko-Smrah gehört zu haben, wie dieser eine Aussage darüber traf, dass der Zauberspruch hätte gestoppt werden müssen, als der Körperbau der Kellnerin grade dem einer Frühgeburt ähnelte.

„Ich...äh...“, begann der alte Mann nach einiger Zeit.

„Du hast sie in einen verdammten Fötus verwandelt!!“, schrie ihn jemand an, der aus Mangel an Kreativität hier nicht näher beschrieben werden soll.

Nun schien ausnahmslos jede Person in diesem Laden auf den alten Mann erbost zu sein.

Er wollte schon fliehen, stolperte aber und fiel mit der Fresse zuerst auf den Fötus, der da so schön harmonisch lag.

Ekelhafte Röcheln und Schmatzen war zu hören; und dann drehte er sich auf den Rücken.

„OUUUUUUZEHH“

Wie man hörte, hatte sich der kollektive Schrei nur noch weiter ins Empörte und Angewiderte entwickelt.

„Du hast es gegessen, du Monster!“

Der alte Mann lag nur da, ohne jegliche Zähne, mit einem mit Sauerstoffjuice befleckten Mund - ich frage mich bis heute, ob es von ihm und seinen ausgeschlagenen Zähnen oder dem Fötus kam - und starrte zu den Leuten um ihn herum hoch.

Es begann eine wuchtige Schlägerei.

Alle, außer Gohrlack und Eko-Smrah, traten und prügelten anderweitig auf den alten Kerl ein, der selbst allerdings auch versuchte möglichst gut auszuteilen und durch seinen guten, starken Körper auch ganz gut zu überleben schien.

Gohrlack schlich sich währenddessen davon, als wäre nichts gewesen.

Er war nun wieder auf der alten Landstraße, Sanden, und ging in die Richtung, in die, seiner Meinung nach, Thimthim geflogen war.

Er hatte zwar keinen Rat über seine Lage von dem alten Mann erhalten, aber sein Horizont wurde trotzdem erweitert, denn nun wusste er, dass Magie verdammt nochmal gruselig sein konnte und auch, dass er sich recht glücklich schätzen konnte, noch nie eine Frau geschwängert zu haben, denn nach diesem Erlebnis wollte er so wenig wie möglich mit dem Kreislauf des Lebens zu tun haben.

3 - Tomaten-Rot

Gohrlack wurde langsam müde, zudem war es nun bereits 2 Uhr morgens. Und so kam es, dass er sich in einen Strauch schmiss, nachdem er ein weiteres Stückchen gelaufen war, und in diesem einpennte.

Selig in seinen Träumen angekommen, geschahen ihm tolle Dinge: Er trat kleine, blaue, schottisch wirkende Männer vom Rand einer Scheibe, dann vom Rücken eines Elefanten, dann vom Panzer einer Schildkröte.

Dieser Traum war wahrlich von einer anderen Welt.

Gohrlack erwachte zu den Worten: „Kaufen Sie mir doch bitte eine frische, deliziöse, wahrhaftig weltverändernde Tomate ab, um diese Welt mit gutem Gewissen zu verlassen, und zwar mit dem Gewissen, die weltbesten Tomaten gekostet zu haben.“

Als er hinüberblickte, um die 2 Meter von sich entfernt, entdeckte er einen schwarzhaarigen Mann mit Schnurrbart, Strohhut und einem feinen Anzug, der Tomaten aus einem Holzwagen verkaufte, und dabei absolut swajjulös wirkte.

Kein Zweifel bestand mehr, es war der einzig wahre, grade zu legendäre Fossetus:

Herr der Tomaten.

Über Fossetus wusste man nicht viel.

Er war einfach nur ein Mann, der Tomaten verkaufte, beschützte, und zu alledem unglaublich charismatisch war. Jeder mochte ihn, und er schien jeden zu mögen, der seinen Tomaten nicht schadete. Wo genau diese herkamen, tja, dass wusste man genau so wenig wie was genau der Sinn von Hosen mit bereits eingeschneiderten Löchern ist.

Gohrlack stand auf und begrüßte Fossetus, während dieser so einige Kunden, die es aus irgendeinem Grund hierher verschlagen hatte, bediente.

„Seien Sie gegrüßt, mein guter Mann!“, sagte Fossetus als Antwort auf Gohrlacks simples „Hallo.“

Gohrlack fragte ihn, warum Fossetus ausgerechnet hier seine Tomaten verkaufen würde, da dieser Teil von Sanden doch eigentlich größtenteils unbewandert war. Das machte er daran fest, dass er noch alles bei sich trug, womit er hier ankam und ihm nichts gestohlen worden war.

„Nun, sehen Sie, mein Bester, Sie haben sich vor einigen Stunden hier zur Ruhe gelegt, in diesem Strauch dort drüben“, er deutete in die Richtung, in der der Strauch zu ihm stand, in dem Gohrlack letzte Nacht kollabiert war, „Und in genau diesem Strauch lebt seit Jahren eine süße Hoppel-Häschen-Familie, welche ich mehrmals im Jahr füttere, weil ich so gutherzig bin. Sie haben sich mit ihrem doch recht adipösen Leib auf ihnen platziert, und sie, meiner Annahme nach, getötet. Ich mag diese Tiere, wirklich, sie lagen mir sehr am Herzen, weshalb ich sie ordentlich begraben möchte, auf anständige Art und Weise. Sie haben die Häschen allerdings erlegt, weshalb Ihnen ihr Besitz gebührt. Ich hatte gehofft, ich könne sie Ihnen im Tausch gegen einen 20er Tomatenkorb erwerben, um sie zu begraben. Da ich Sie allerdings nicht wecken wollte, in ihrem engelsgleichen Schlaf, das wäre nämlich unhöflich, habe ich die letzten 6 Stunden hier gewartet und jedem Reisenden meine wohlschmeckende Ware verkauft.

Aber, wie dem noch sei, was sagen Sie zu meinem Angebot?“

Bevor Gohrlack begeistert zustimmen konnte, vernahm er eine Frauenstimme, die den Satz

„He, du da, Fettsack mit dem schwarzhaarigen Zopf!“, sprach.

Diese Beschreibung passte zu Gohrlack einigermaßen, und so drehte er sich in die Richtung, aus der die Stimme kam.

„Wat du wollen?“, fragte er, leicht verdutzt.

Eine junge Frau kam angelaufen, sie sah vergleichsweise normal aus, was kein gutes Zeichen sein konnte.

„Du abgefucktes Stück! Weißt du, ob sich hier in der Nähe Brehlo Bretel oder Krüppmann aufhalten?“, brüllte die Frau und Gohrlack schreckte etwas in sich zusammen.

Fossetus warf nur einige fiese Blicke rüber, was recht untypisch für ihn war.

„Ich bin mir nicht sicher, ob ich weiß, wer Brehlo Bretel ist aber da er einen Nachnamen hat, gehe ich davon aus, dass er ziemlich respektiert sein muss“, antwortete Gohrlack, ein wenig verdutzt.

„Alt, groß, Zauberer, bärtig, dumm“, begann die Frau, seine Eigenschaften aufzuzählen.

„Also, alles außer dumm trifft auf eine Person, die ich erst gestern gesehen habe zu, würde ich behaupten“, sagte Gohrlack sich an die offensichtlichen Geschehnisse erinnernd.

„Hat er von Kulten, oder Topfpflanzen erzählt?“

„Ja, von beidem.“

Gohrlack bekam einen Tieftritt, und einen Kinnhaken zeitgleich versetzt, und fiel mit einem „Ouze“ zu Boden. Er verstand nicht recht.

„Arbeitest du für ihn?“, brüllte ihm die Frau entgegen. Gohrlack kauerte am Boden und versuchte ihr panisch zu erklären, was seine Beziehung zu Brehlo Bretel war, doch die Frau schien sich immer mehr aufzuregen. Schließlich zog die junge Frau eine lange Metallstange aus ihrem Hosenbein und stach Gohrlack damit immer wieder in die Seite.

„Meine Dame, ich bitte Sie“, Fossetus‘ Stimme ertönte, „Dieser Mann wollte grade einen Handel mit mir abschließen, wären Sie doch bitte so freundlich und lassen Sie ihn diese Transaktion noch vollbringen und beruhigen Sie sich außerdem. Es ist schon kurios genug, dass Sie ausgerechnet die zwei Individuen genannt haben, die Sie genannt haben aber darauf folgend unzivilisiertes Benehmen an den Tag zu legen macht Sie nur noch weniger vertrauenswürdig und zu einer potentiellen Gefahr.“

Mit leicht geschockter Miene musterte ihn die Frau und schien nachzudenken.

„Ich glaube, ja, ich bin mir sogar sicher, dass es mit Ihnen keine Probleme gibt. Außerdem wurde ich schon lange nicht mehr so freundlich um etwas gebeten also werde ich natürlich ihre Bitte befolgen“, antwortete sie, offensichtlich geschmeichelt.

Dann wandte sie sich wieder Gohrlack zu, der sich in der Zwischenzeit wieder auf die Beine begeben hatte und blickte gemein.

„Dann mach mal, was du da machen wolltest, dicker Bursch. Ich werde dich danach weiter befragen“, sagte sie ihm.

Gohrlack sagte, er würde den Handel mit Fossetus nur abschließen, sollte sich die Frau wieder etwas beruhigen. Somit gerieten sie alle in eine verzwickte Situation, da ein Fehlschlag des Handels darin resultieren würde, dass Fossetus die Hoppel-Häschen-Familie nicht beerdigen konnte, wodurch er dann einen Grund gehabt hätte, auf die Dame sauer zu sein, was kein vernünftiger Mensch wollen würde, da jeder Fossetus liebte.

Fossetus meldete sich zuerst zu Wort und sagte:

„Nun ja, gewiss würden Sie an nichts verlieren, sollten Sie Ihren Puls und Ihre Stimme ein kleines bisschen senken, meine Dame, also tun Sie uns allen einen Gefallen.“

Seufzend gab die Frau nach und fragte Gohrlack wesentlich freundlicher, ob er ihr etwas mehr über seine Erfahrungen mit den beiden Männern geben könnte. Sie gerieten ins Reden, nachdem Gohrlack seinen Handel abgeschlossen hatte, und schienen sich sogar gut zu verstehen.

Gohrlack erfuhr, dass die Frau eine Beauftragte von, ihrem angeblich großen Idol, Lyndidah und wegen ungeklärten Angelegenheiten auf der Suche nach Krüppmann und Brehlo Bretel sei. Gohrlack hätte eigentlich zugeben müssen, schon einmal von einer Frau dieses Namens gehört zu haben, aber da er das nur aufgrund von Krüppmanns Erzählungen tat, den er bereits erwähnt hatte und von dem er das Gefühl hatte, dass er einen ganz besonders schlechten Ruf bei Lyndidah hatte, weswegen er seine Beziehung zu diesem als sein Nachbar verschweigen wollte, konnte er es nicht zugeben.

Nichtsdestotrotz schien sie dezent suspekt gegenüber Gohrlack zu sein, da er von Brehlo Bretel und Krüppmann wusste und sich außerdem an diesem Tage in einer Interaktion mit Fossetus befunden hatte.

Alle diese Männer erschienen ihr als problematisch, anhand der Geschichten, die sie in ihrem Leben bis jetzt über sie gehört hatte.

„Ich bin mir jetzt ehrlich gesagt extrem unsicher, wie ich fortfahren soll, weißt du?“, sagte sie zu Gohrlack, „Ich meine, ich kann dich ja jetzt kaum als Geisel nehmen, weil du nie gesagt hast, dass du dich mit einem von ihnen verstündest, aber dennoch will ich dich nicht einfach so gehen lassen.“

Gohrlack brachte sein privates Totschlagargument an:

„Aber ich muss meinen Sohn retten!“

Das Argument wirkte, das konnte man schon am Blick der Frau erkennen, dennoch blieb sie hartnäckig. Sie sagte: „Dann werde ich dich halt begleiten und aufpassen, dass du auch ja nicht mit Brehlo Bretel oder Krüppmann etwas zu tun hast“, worauf Gohrlack antwortete: „Aber ich habe doch bereits erwähnt, dass ich Brehlo Bretel hier in der Nähe zuletzt gesehen habe, also such doch einfach hier so in der Gegend.“

Die Frau machte den Mund auf, als wolle sie antworten, doch ihr fiel keine Antwort ein und deshalb verharrte sie ein paar Sekunden auf diese Art. Endlich sagte sie dann: „Jetzt recht es aber mit dem diskutieren, du Ouzesohn wirst dich mir jetzt fügen.“

Gohrlack wollte wiederholen, warum er das nicht konnte aber die Dame zog eine Metallstange aus ihrer Hose, die Gohrlack zuvor noch nicht bemerkt hatte, und richtete sie bedrohlich auf sein Gesicht. Gohrlack lehnte Gewalt im Allgemeinen ab, primär, da er nicht sonderlich gut darin war sie auszuüben, aber in diesem Fall fühlte er sich dazu veranlasst, ein kleines bisschen davon anzuwenden, da ihm andere Möglichkeiten als wenig aussichtsreich erschienen.

Er stieß also mit der flachen Hand gegen das auf ihn gerichtete Ende der Stange, wodurch das andere Ende, das der Frau ins Gesicht gerichtet war, dem Weib in den Mund stieß, was besonders effektiv war, da sie mit den Zähnen knirschte.

Direkt nachdem er dies getan hatte, versuchte Gohrlack zu flüchten und sich hinter Fossetus zu verstecken, welcher im Moment das Grab für die Hoppel-Häschen-Familie präparierte.

Sein Gewicht, seine Unsportlichkeit und auch sein Tomatenkorb, von dessen Inhalt er bis jetzt noch nicht in den Genuss gekommen war, verlangsamten ihn. So kam es, dass er relativ nah an Fossetus stolperte, aber trotzdem nicht von diesem bemerkt wurde.

Die Frau holte in der Zeit auf.

Sie versuchte nach Gohrlack zu treten, als dieser aufstehen wollte, traf dabei aber nur sein Hemd, das bereits von Körperlicher-Anstrengungs- bzw. Fette-Leute- bzw. Heißes-Wetter-Juice durchsogen war und sie zum Ausrutschen brachte.

Voll auf Gohrlack drauf.

Gohrlack rangelte eine Weile mit ihr, und steckte dabei, aufgrund seiner minderen Stärke, ziemlich viel ein. Schließlich rappelte sie sich auf und stand nun bedrohlich über Gohrlack, die Metallstange wieder auf ihn gerichtet. Dieses Mal konnte er die Inschrift ‚Lil Lynd‘ gut erkennen.

Gohrlack bemerkte, dass Fossetus sie beide nun im Blick hatte und brüllte:

„Sie hat auf einen Stein gebissen, umso zu tun, als sei eine Ihrer Tomaten zu hart zum Verzehr, um Sie dann zu verklagen!“

Eine raffinierte Improvisation, die Gohrlack an den Tag legte, denn in dieser Welt waren Versicherungen eine sehr heikle Angelegenheit, wie sich auch später noch zeigen wird. Fossetus blickte die Frau fies an und fragte in einer ungewöhnlich tiefen Stimme:

„Ist die Aussage dieses Mannes wahrheitsgemäß?“, wobei er ihre erhobene Stange ergriff, um sie vom Angriff abzuhalten.

Verdutzt und wütend drehte sie sich um und zickte ihn an, er solle sich da raushalten. Aber Fossetus, da er nun mal Fossetus war, zögerte in diesem Fall nicht, der jungen Frau den Garaus zu machen, da er aufgrund der Zwielichtigkeit der Frau, Gohrlack Glauben schenkte.

Es dauerte keine 3 Sekunden, da hatte er bereits seine komplette alte abgegriffene Schrotflinte in ihren Unterleib entleert, der danach kaum noch existent war. Alle standen einige Sekunden verdutzt da.

Gohrlack war voller Sauerstoffjuice, angewidert von dem, was er grade sehen musste, die Frau atmete ihre letzten Atemzüge und wusste, dass ihr Leben beinahe vorbei war und Fossetus schien immer wieder über seine eigenen plötzlichen, und vor allen Dingen übertriebenen, Gewalttaten verwundert zu sein. Plötzlich ergriff die junge Frau ihr Mobiltelephon und tätigte einen letzten Anruf. Sie versuchte zu erzählen, dass Fossetus nun offiziell auch ein Feind von ‚ihnen‘ sei und sie auch ihn stoppen müssten.

Da sie den Lautsprecher anhatte, hörte Gohrlack die Reaktionen der Personen, mit denen sie gerade am telefonieren war. Eine brachte die eigentliche Reaktion der anderen Mädchen auf den Punkt: „Hä? Was? Rede doch einmal anständig, Mädel. Wir kennen dich eher als vulgär und weniger als jemand die so klingt als versuche sie ohne Zähne zu reden.“

Daraufhin lachten alle anderen herzlichst, nur die Sterbende nicht. Sie wurde wütend und geiferte aber schien nichts verständlich zu erklären, da ging ihr die Batterie aus. Mit einem traurigen Stöhnen fiel die Frau daraufhin auf oder eher über Gohrlack. Sein Kopf war nun da, wo für gewöhnlich ihre privateren Stellen sein müssten.

Er blickte noch eine Weile in den Himmel.

Fossetus war schon lange weg, als Gohrlack endlich aufstand, und kompensiert hatte, was ihm gerade widerfahren war.

Er war nun ein noch größerer Fan von Fossetus geworden, schließlich hatte er ihm nun nicht nur metaphorisch, sondern auch direkt das Leben gerettet.

4 - Von Lieferservices und Klopapier

Gohrlack war nun also wieder auf seiner Reise und machte tatsächlich Fortschritte, was ihn doch im großen Maße überraschte. Aber er hatte seine Ausrüstung ja nun auch verbessert, mit einer Metallstange als Gehstock und einem Korb voller leckerer Tomaten. Er lief jedoch in Bälde in ein Problem, das er hätte kommen sehen müssen, denn Gohrlack war ein Vielfraß, was auch der Grund für Thimthims Lauchigkeit war. Und zwar aß er dermaßen gerne und viel, dass für den Ärmsten meist nur wenig übrigblieb.

Da halfen ihm jetzt auch 20 köstliche Fossetus-Tomaten nicht für lange.

Als es also langsam Abend wurde war Gohrlack zwar froh, nicht viel Außergewöhnliches erlebt zu haben, lediglich das, was man auch zu erwarten hatte: Ein paar kleine Überfälle am Straßenrand von irgendwelchen Idioten, die nicht wussten, dass man, wenn man zu einem Gebüsch geht, um sich zu erleichtern, man sich für Räuber zu einem leichten Opfer macht, einige schäbige Drogenverkäufer aus Leton, die ihm eine Weile folgten, bevor sie sich mit ihrem eigenen Stoff zuballern mussten, da ihre Ausdauer das Äquivalent der eines Amerikaners in unserer Welt ist, aber er war verdammt hungrig.

Gohrlack entschloss sich also dazu, beim einzigen Lieferservice, den er kannte und der auch bis hierhin liefern würde, zu bestellen: Pizza Time. Das war Gohrlacks Lieblingssushi-Laden. Und als er da so anrief hoffte er nur, das Barap nicht gerade Schicht hatte.

„Allo, werisda?“, Baraps Stimme ertönte.

„Es ist-“, wieder einmal wurde unser armer Held unterbrochen, warum der Autor nur so einen Fetisch dafür hat, ist uns allen unerklärbar.

„GO‘LAK“, Barap brüllte beinahe vor Freude.

Danach hörte Gohrlack eine Weile lang nur Rascheln und leises Flüstern. Er konnte jedoch erkennen, dass Barap einen Mitarbeiter zu fragen schien, ob seine Frisur richtig sitzen würde.

„Barap, ich kann dich nicht sehen“, erinnerte ihn Gohrlack mit genervter Stimme

„A, Ja. Also dann, wa wolle Se aben?“

„Ich nehme zweimal die Nummer 9, einmal die Nummer 9 in groß, einmal die Nummer 6 mit extra Dip, und zweimal die Nummer 47, einmal mit Käse, und einmal mit einem großen Natriumoxydjuice.“

Nach dieser doch recht präzisen und ausführlichen Bestellung war Schweigen für eine Zeitspanne von ungefähr einer Minute präsent.

„Wi verkaufe hier Esse, mein Herr.“

„Was war daran denn bitte unverständlich?“

„Wie merke Se sich überhaup die ganze Menüs, wenn Se habe keine Karte um nachzugucke?“

„Woher wollen Sie das denn wissen?“

„I guck durch meine Krista-kugel hier, so finde wi immer wo is Kunde im Momen, Sie verstehe?“

„...“

„Das is übrigens schöne Gehstock, dass Sie da habe.“

Gohrlack legte auf und zeigte eine Weile lang seine Mittelfinger hoch in den Abendhimmel. Er wusste leider nicht, dass er nur während des Telefonates beobachtet werden konnte und verschwendete daher seine Zeit mit dieser belanglosen Aktivität.

Als er dann weiterging, hielt er seine Augen nach Restaurants offen, wurde aber nicht fündig. Irgendwann jedoch nahm sein Hunger überhand und er dachte allen Ernstes darüber nach, jemanden zu überfallen.

Er erreichte bald ein Haus, das einsam und alleine am Straßenrand stand. Eine Silhouette erschien an einem der Fenster, sie drehte sich genau in Gohrlacks Richtung, der nun immer weiter auf das Haus zuging. Die Silhouette rannte plötzlich vom Fenster fort, und es war ein lautes Poltern zu hören. Gohrlacks Schritte verlangsamten sich, und er dachte schon darüber nach, das Haus zu meiden, doch es war bereits zu spät. Ein Mann, mit einer sauerstoffjuicegetränkten Nase erschien in der Tür und rief ihm zu, er solle doch bitte herkommen. Gohrlack hatte nicht viel zu verlieren also befolgte er die Bitte.

Als er dann also vor dem nun besser erkennbaren Mann, der immer noch am Türrahmen lehnte und versuchte möglichst lässig zu wirken, stand, konnte er ihn um einiges besser erkennen.

Der Herr schien bereits älter zu sein, er hatte ein äußerst faltiges Gesicht. Zudem aber, hatte er einige Beulen und blaue Flecken im Gesicht, so wie eine doch offensichtlich gebrochene Nase.

Kein Zweifel, er war eine Treppe runtergefallen, dachte Gohrlack.

„Sind Sie an Klopapier interessiert?“ waren die ersten Worte, die den Mund des Mannes im Türrahmen verließen, als Gohrlack ihn erreicht hatte.

„Sollten wir uns nicht erst einmal einander vorstellen?“ fragte Gohrlack ein wenig stutzig zurück.

„Ähh, klar. Hallo, ich bin Älre, sind Sie an Klopapier interessiert?“

Gohrlack rollte auf diese Antwort hin mit seinen Augen und antwortete:

„Ich bin Gohrlack und bin vielmehr an etwas Nahrung interessiert.“

Älre musterte ihn kurz und sagte dann, dass Gohrlack ruhig reinkommen könnte, um mit ihm Abendbrot zu essen.

Selbstverständlich stimmte Gohrlack zu.

Das Abendessen war grade fertig geworden und roch sehr seltsam. Als Älre es dann jedoch auftischte war Gohrlack auf eine Art und Weise schockiert, auf die er noch nie schockiert gewesen war. Es gab gewürztes und in Wasser gekochtes Klopapier, niemandes Leibspeise.

„Guten Appetit“ sagte Älre.

Obwohl es sehr abnormal wirkte, füllte Gohrlack sich jedoch etwas davon auf und probierte es; es war zwar nicht fürchterlich lecker, jedoch mundete es Gohrlack, besonders in seinem derartig hungrigen Zustand genug, um fünf Teller davon zu essen.

Nachdem er also fertig war, fragte ihn Älre, ob er denn, da er doch schon so viel davon gegessen hatte, an etwas Klopapier interessiert wäre.

Gohrlack erklärte ihm daraufhin, dass er im Moment ein Reisender war, der zwar durchaus seine Geschäfte verrichten musste aber nicht sonderlich angetan von der Idee war, die gesamte Zeit Klopapier mit sich rumzuschleppen.

Älres Mine war zwar unverändert, ein offensichtlich falsches und ein wenig unangenehmes Lächeln, aber er schien von Grund auf andere Emotionen zu fühlen, was er dadurch zeigte, dass er die Worte sprach

„Du fetter Sack frisst mir hier mein gesamtes Abendessen auf und sagst mir trotzdem, dass du mir kein Klopapier abkaufen möchtest, da du nicht mehr schleppen möchtest als es deinem abscheulichen Körper gerecht ist?“

Gohrlack stand schon auf um zu gehen aber Ärle stand, irgendwie, bereits vor der Tür und versperrte ihm so den Fluchtweg.

„So, so...“ fing Älre an zu sprechen. „ich habe die letzten vier Jahre versucht dieses Klopapier zu verkaufen und habe kaum Profit gemacht, mein gesamtes Haus ist schon voll damit! Beinahe jedes Zimmer, von dem meines Kindes, bis zur letzten Ecke meines Dachbodens! Ich habe meine Frau seit 3 Jahren nicht gesehen, und da wo sie zuletzt war, ist nun Klopapier!“

Der Mann schnappte panisch nach Luft und lief dabei rot an. Währenddessen dachte Gohrlack darüber nach, wie er jetzt am besten abhauen könnte, seine Gedanken wurden aber von Älres lauter Stimme unterbrochen.

„Ich lasse Sie bestimmt nicht einfach so gehen, oh nein!“

Auf einmal zückte Älre seine vielen Schlüssel und suchte nach dem richtigen, um seine Haustür abzuschließen.

„Einen Moment bitte“, sagte er dann, seine Stimme war wieder überraschend bescheiden.

Gohrlack dachte darüber nach ihn, während er so verwundbar war, aufs Brutalste zusammenzuschlagen, allerdings lag ihm das Essen schwer im Magen, und so entschied er sich lieber für ein Nickerchen auf Älres Couch.

Als er wieder aufwachte war es früh am nächsten Morgen. Was aber viel interessanter war, war das Geräusch, dass ihn zum Aufwachen gebracht hat. Es war ein lautes plumps und dazu das Geräusch von metallenen Alltagsgegenständen, welche zu Boden fielen. Gohrlack blickte zur Tür und sah, dass Älre vor Erschöpfung eingeschlafen sein musste, seine Schlüssel lagen direkt vor ihm.

Erst jetzt konnte Gohrlack erkennen, wie viele Schlüssel tatsächlich an Älres Klopapier-Schlüsselbund befestigt waren, es mussten gut mehrere Hundert gewesen sein.

Er versuchte die Tür zu öffnen - vergebens.

Wie es schien, hatte Älre vor seinem akuten Einschlafen die Tür doch noch abschließen können. Da er keine Lust hatte selber noch einmal alle Schlüssel auszuprobieren, entschied Gohrlack sich dazu, das Haus mal ein wenig zu erkunden, mit dem Ziel, sich frisch zu machen.

Er fand das Bad, nahm eine heiße Dusche, putzte sich die Zähne mit einer fremden Zahnbürste, pfui, und ging auf Klo.

Es musste nun also eine gute Stunde vergangen sein, aber Älre war immer noch nicht erwacht. Gohrlack fühlte sich aber alleine beim Gedanken daran, ihn jetzt, nach all dem was er sich in seinem Haus erlaubt hatte, dazu zu zwingen seine eigene Haustür zu öffnen schäbig.

Er entschloss sich also dazu, Investigation zu betreiben, um herauszufinden, ob es tatsächlich so viel Klopapier in diesem Haus gab, wie Älre erzählt hatte.

In jedem anderen Zimmer schien Älres Aussage durchaus zutreffend zu sein, denn Klopapier vom Boden bis zu Decke war in jedem einzelnen Raum zu finden, den Gohrlack betrat.

Also waren nur das Badezimmer und die Wohnzimmerküche nicht voll damit, dachte Gohrlack für einige Sekunden auf seinem Weg zurück zur Haustür. Dabei rutschte er jedoch auf etwas Klopapier aus und krachte durch den Boden, was bei seinem Körpergewicht einigermaßen plausibel erschien.

Er fand sich nun also in einer Art Keller wieder, der, wie es schien, nur durch eine externe Tür betreten werden konnte, oder in den man wie Gohrlack durch den Boden des Hauses stürzte.

Er sah sich kurz um, entdeckte jedoch etwas in einer der Ecken des Kellers: eine ballförmige Kreatur mit menschlicher Haut, ohne Augen aber dafür mit einem riesigen Mund, welche, sobald sie vernahm, dass etwas woanders im Raum stand, sofort 25 Rollen Klopapier auskotzte.

Es bestand kein Zweifel mehr, dies musste Mojje sein.

Mojje war einer der Tiefen, welcher aufgrund seiner Völlerei dazu verbannt wurde, jedem Menschen, der ihn mit einer Socke bewarf, für immer ein bestimmtes Objekt auszuwürgen, das dieser Mensch sich von ihm wünschte. Diese Objekte materialisierten sich einfach so in ihm, es gab keine logische Erklärung dafür. Er konnte nur wieder befreit werden, wenn jemand ihm in den Mund spuckte.

Das einzige Problem daran war, dass Gohrlack nicht wusste was, außer Essen, er von Mojje verlangen konnte und wie er ihn dazu bringen konnte, Gohrlack zu folgen, was die eigene Versklavung von Mojje dezent dämlich machte.

Also entschloss er sich, obwohl er so eine gute Gelegenheit dazu hatte, auf die Dienste von Mojje zu verzichten, und wollte ihm einfach so in den Mund spucken.

Allerdings, genau als er vor Mojje stand, der inzwischen bemerkt hatte, dass Gohrlack nicht der war, der ihn versklavt hatte, vermutlich durch den Geruch, wodurch er sein Klopapier-Gespucke eingestellt hatte, warf sich Älre, der anscheinend inzwischen wieder aufgewacht war, auf ihn.

„Du machst meinen Boden nach alle dem hier kaputt?!“ brüllte der inzwischen auf Gohrlack liegende Älre ihm ins Gesicht.

Gohrlack war zwar in der Lage, Älre von sich wegzustoßen, dieser stellte jedoch seine Aggressivität um keinen Deut ab und schlug sofort - nachdem beide wieder standen - nach Gohrlack, der mit einem Schritt zur Seite auswich, was darin resultierte, dass Älre in Mojjes immer offenen Mund stürzte und in das Vakuum darin gezogen wurde.

Alles war still.

Mojje wirkte glücklich darüber, dass er nun keinen Meister mehr hatte, er konnte nämlich auf eine perfekte sogar individuelle Genauigkeit erkennen, was seinen Mund betrat.

Zwar brauchte Gohrlack einige Minuten um sich mental wieder auf seine Reise einzustellen, er spuckte Mojje aber trotzdem nach kurzem Überlegen in den Mund.

Mojje rollte daraufhin so dermaßen hart gegen die Kellertür, dass das gesamte Haus anfing zu bröckeln.

Da die Tür aber offenstand, rannte Gohrlack davon, um nicht durch den bevorstehenden Zusammensturz des Hauses begraben zu werden.

Er ging also wieder seiner Wege, ganz normal, und entschied sich dafür, die eben geschehenen Ereignisse einfach zu vergessen, was sich bald als schwierige Aufgabe herausstellen sollte, da etwas aus dem Haus ihm Schritt für Schritt folgte und Gohrlack schon bald den wahren Horror von Klopapier erkennen sollte.

5 - Vermummte Gestalt mit Gewalt

Es waren keine 30 Minuten seit Gohrlacks letzter Begegnung mit komödiantisch übertriebener Gewalt und Hysterie vergangen, da sah dieser bereits seine nächste Herausforderung: ein paar Wegelagerer, die momentan dabei waren, einen Wagen Waisenkinder, die Schokoladenbüstenhalter – eine legendäre Süßigkeit – verkauften, zu überfallen.

Gohrlack war unentschlossen, ob er einen Umweg nehmen sollte, um sich nicht hiermit befassen zu müssen oder ob er einfach hindurchgehen sollte, während er dabei hoffte, dass er ignoriert werden würde. Er entschloss sich für Letzteres, was darin resultierte, dass er die Aufmerksamkeit der Wegelagerer auf sich zog.

Dadurch konnten die Waisenkinder einen Kampf anfangen, indem sie einem der Wegelagerer die Kniescheibe aus dem Bein schlugen, welche daraufhin in den Kehlkopf eines Anderen flog. Somit waren zwei der Wegelagerer ausgeschaltet, was die restlichen dazu bewegte, in die Richtung zu rennen, aus der Gohrlack kam.

Es zeigte sich erneut, dass Waisenkinder die niederträchtigsten und gewalttätigsten Individuen dieser Welt sind.

Und dankten die Gören ihm dann zumindest dafür, dass er die Wegelagerer abgelenkt hat?

Pustekuchen!

Sie wollten ihm lediglich ihre überteuerten Süßigkeiten verkaufen, von denen Gohrlack wusste, dass sie von irgendwelchen armen Sklavenerziehern gemacht worden sein mussten. Die Geschichte hinter diesen Produkten war also auf ganzer Ebene widerwärtig.

Gohrlack kaufte 10 Stück.

Pleite aber glücklich, durch das Vernaschen seiner erworbenen Schokoladenbüstenhalter, ging Gohrlack weiter seiner Wege und nahm die wunderschöne Waldlandschaft auf, in der er sich nun befand und die nur ungefähr zehn Meter entfernt von der Müllhalde begann, die einmal Älres Haus gewesen war.

Drei Minuten und fünf Schokoladenbüstenhalter später, die, wie sich herausstellte, lediglich nach der Körbchengröße A entworfen worden waren, merkte Gohrlack, dass sein Mobiltelephon fehlte, was natürlich ein Problem war, auch wenn ihm einfiel, dass er es bis jetzt kaum zu nutzen vermocht hatte. Aber der Gedanke, dass er dieses Telephon bald gegen das Neuere, kaum Bessere, umtauschen konnte, stimmte ihn letztendlich um und er ging den Weg zurück, den er gekommen war.

In der Ferne erspähte er etwas, dass ihn nicht mehr zu schocken vermochte aber trotzdem unerwartet kam. Ein großes Feuer und einige blutverschmierte Bäume waren alles, was er auf eine derartig große Distanz erkennen konnte. Bei näherer Betrachtung allerdings wurde ihm so einiges klar und noch viel mehr unklar.

Die Waisenkinder, die er bis eben dabei gesehen hatte, wie sie nach ihrem Triumph über die Wegelagerer Party machten, waren überall verteilt. Einige hingen in den Bäumen, einige waren mit ihren eigenen Gedärmen um diese herumgewickelt, und andere waren einfach nur in einander drin, auf eine Weise, die hier nicht näher beschrieben werden sollte.

Zwar war Gohrlack durch seine zuvor erlebten Tode und Morde dezent abgehärtet, aber dass sich jemand an Waisenkindern, den mitunter meist gefürchtetsten Individuen dieser Welt, auf eine derartige Art und Weise vergreifen konnte, hatte er nicht kommen sehen.

„Vielleicht war es ja Selbstverteidigung...“ sprach Gohrlack leise zu sich selber, während er die Suche nach seinem Telephon begann. Er fand zwar nach kurzer Zeit die Kiste, in welcher all das Geld, was die Kinder eingenommen hatten verstaut war, aber es gab keine Spur von seinem Mobiltelephon. Als er bei dem Kind angekommen war, dass bei dem Schokoladenbüstenhalterhandel am nächsten an ihm dran gewesen war, und das nun, warum auch immer, keinen Hintern mehr hatte, brüllte er die Worte:

„Na komm schon, einer dieser Dreikäsehochs muss es mir doch geklaut haben!“

Gohrlack Stimme wurde lauter und zorniger.

„OUZE!!“ Jemand schien über diese Szene gestolpert zu sein, was in Gohrlacks momentaner Position nicht unbedingt hilfreich war.

„Bei Kyarakur! Tragen Sie die Schuld an diesem Massaker?!“ brüllte der Mann auf seinem Einhorn, der grade den Weg entlang geritten kam.

Bevor Gohrlack antworten konnte, zog der Mann, welcher wie ein Ureinwohner unseres Südamerikas gekleidet war, einen Bogen, in dem bereits ein Pfeil gespannt war, und richtete diesen genau auf Gohrlack. Diesem blieben die Worte im Halse stecken, als er bemerkte, wie problematisch die Situation inzwischen war.

„Sie sind hier in meinem Gebiet: im Gebiet des Logloglolohloh.“ sprach der Mann. „Hier herrsche ich über Frieden und Krieg oder die Politik. Wie es mir scheint, so haben Sie nun eben eine äußerst grauenvolle Tat begangen, für die man Sie verurteilen muss. So bringe ich Sie nun in die Stadt, dessen Nähe mir am komfortabelsten ist: Saugmilch! Sie ist ungefähr 30 Minuten von hier entfernt. Dort werden Sie für eine Tat verurteilt, dessen Begehen man Ihnen nicht nachweisen kann und welche ich persönlich für sehr amüsant halte.“

Gohrlack begann zu antworten, als er endlich den Mut dazu gefunden hatte: „Aber sonderlich überzeugend klingt das jetzt nicht, muss ich gestehen.“

„Schweigt still!“ Logloglolohloh fing sichtlich an gereizter zu werden und schoss mit seinem Bogen einen Pfeil in einen Baum.

Kurze Zeit stand Gohrlack nur verwundert da über diese sinnlose Tat des Logloglolohloh, bis ihm ein totes Eichhörnchen auf den Kopf fiel. Es war nicht sonderlich schmerzhaft aber auch nicht sonderlich angenehm.

„Nun steige doch endlich auf mein-“ Logloglolohloh unterbrach sich selbst. „Nein, gehen Sie lieber zu Fuß neben mir.“ beendete er den Satz nachdenklich.

So begannen die beiden loszugehen und Logloglolohloh erzählte Gohrlack dabei viele Geschichten davon, wie andere Kriminelle in seinen Wald gekommen waren und er versuchen musste sie zu stoppen weitere kriminelle Taten zu begehen, da er doch so ein Held und alles war.

„Leider ist es nur meistens so, dass ich aufgeben muss, da ich nur diesen tollen Bogen habe, den mir mein Vater, aus seinem Bein geschnitzt hat, und die kriminellen Übeltäter irgendwelche modernen Schusswaffen. Ja, meist klauen sie mir auch noch mein Reittier. Sehen Sie, dieses Einhorn ist bereits mein fünftes Tier diese Woche“ sprach er traurig, denn schließlich war es erst Montag.

„Was reiten Sie denn alles so?“ erkundigte sich Gohrlack mit großer Neugier.

„Ach, so ziemlich alles was man hier so finden kann: von Pflanzen über Tiere bis zu Menschen. Ich kann alles leicht zähmen.“ prahlte Logloglolohloh zufrieden.

„Das Geheimnis dabei ist, es-“

BUMMS, das Einhorn fiel um und Logloglolohloh flog ein bis zwei Meter weit durch die Luft. Irgendetwas schien sich um ein Bein des Tieres gespannt zu haben und was auch immer es war, es begann damit das Tier wegzuziehen, langsam aber sicher.

„Wie?! Wo?! Wer?!“ Logloglolohloh war inzwischen wieder aufgestanden und schien gleichermaßen verängstigt und zornig zu sein. Nach kurzem Herumrennen und einiger Verwirrung fand er das Bein, an welchem sein Einhorn ergriffen worden war und er schnitt sofort die Entität, die es hielt durch.

„Was ist los?“ fragte Gohrlack laut und verängstigt.

„Klopapier...“ war die einzige Antwort, die er bekam. Logloglolohlohs Stimme war sehr leise und er wirkte in sich gekehrt.

Zwar war die Antwort kurz aber sie sagte mehr als genug aus, um Gohrlack eine ungefähre Ahnung davon zu geben, wie groß die präsente Gefahr sein könnte, in der sie sich befanden.

Es wurde still.

Lediglich Logloglolohlohs Einhorn machte einige stöhnende Geräusche, da es immer noch erschrocken von dem plötzlichen Angriff auf sich war.

Es raschelte letztendlich in einem Baum, was Logloglolohloh dazu veranlasste, sich diesem langsam und mit gezücktem Bogen zu näheren. Dort angekommen, bemerkte er etwas auf dem Boden, über das er hätte äußerst leicht stolpern können:

Eine Rolle Klopapier.

Sie diente lange genug als Ablenkung, damit eine vermummte Gestalt sich auf ihn schmeißen konnte, die es irgendwie geschafft hat, sich komplett lautlos an ihn heran zu schleichen.

Es begann ein kurzes Gerangel. Es wurde damit beendet, dass die Mumie, als was sie nun erkennbar war, über Logloglolohloh stand und sich bereit machte ihn zu töten, ähnlich, wie es zwischen Gohrlack und der Kopfgeldjägerin, der er begegnet war, geschehen war.

Ein noch lauteres BUMMS als das, welches ertönte als Logloglolohlohs Einhorn umgefallen war, durchschnitt nun die Luft. Das Einhorn hatte sich wie ein Stier direkt auf die Mumie geschmissen und diese mit seinem Horn an den Baum genagelt.

Die Szene war magisch musste Gohrlack gestehen.

Mit stöhnendem Fluchen krabbelte Logloglolohloh unter dem Einhorn hervor, dass sich mit seinem Angriff selber in einen Zustand der Bewusstlosigkeit befördert hatte. Es war sofort zu erkennen, dass das Einhorn mehrmals auf Logloglolohloh getreten sein musste, da sich überall Schrammen, Beulen und andere Verletzungen an seinem Körper fanden. Die Mumie, welche an den Baum genagelt war, riss wie wild an dem Einhorn und entfernte dabei reichlich Haar, Haut und Fleisch.

„Jap, eindeutig eine Mumie, wie sie im Buche steht“ bemerkte Gohrlack.

Zwar existiert kein Buch, auf das Gohrlack sich hiermit hätte beziehen können – außer meins vielleicht, aber dieser Meta-Humor passt nicht unbedingt zu ihm – allerdings lag er trotzdem richtig mit seiner Aussage.

Mumien sind im Prinzip nur Menschen, dessen Ableben irgendwie mit Klopapier, Bandagen oder anderen Dingen, mit welchen man sich durch Einwickeln gut bedecken kann, zusammenhing.

Krullo, der auch an Vampiren, dem Zauberer-Gen und allen anderen überflüssig fiktiv erscheinenden Spezial-Wesen aus Papaamours Spielkiste der Kreativitätslosigkeit die Schuld trägt, und somit nach Ouze der zweitschlimmste der Tiefen ist, sorgt auch dafür, dass sich eben alle, die ihren Tod durch irgendeinen Zusammenhang mit den eben genannten Einwicklungsmöglichkeiten finden, wieder ins Leben zurückkehren und sich wie unter Gedankenkontrolle mit der Einwicklungsmöglichkeit, die ihren Tod beeinflusst hat einwickeln, so dass man nichts mehr von ihnen erkennt, außer ihren toten Augen, und danach ihr Dasein als Untote anfangen.

Das Problem daran ist, dass sie nun nichts mehr verdauen, schmecken, riechen, fühlen – ja, physisch und psychisch – können. Andere grundlegende Fähigkeiten haben sie aber selbstverständlich noch.

Die Sache ist nur die, dass die meisten Mumien quasi sofort komplett den Verstand verlieren, da ein Dasein mit diesen Voraussetzungen auf ganzer Ebene unmenschlich ist und einem jeden Sinn im Leben nimmt. Als verzweifelter Versuch zumindest irgendetwas zu fühlen, versuchen sie oft, möglichst viel Chaos zu veranstalten und dabei so brutal wie irgend möglich vorzugehen, was man an den Geschehnissen dieses Kapitels doch recht gut ableiten kann.

Ach ja - und man kann sie nicht töten.

Lediglich die Hohen und die Tiefen höchstpersönlich sind dazu in der Lage. Da diese jedoch Wichtigeres zu tun haben als jeden zu entfernen, der unglücklicherweise an Einwicklungs-Gegenständen verstorben ist, geschieht das jedoch so gut wie nie.

Demnach sind Mumien, von allen untoten Wesen her, die meist verhassten.

„Verdammt, wie es aussieht, hat sich mein herzallerliebstes Gefährtentier selber mit dieser heiklen Aktion lobotomisiert“, stellte Logloglolohloh fest, um einiges weniger traurig als man es von ihm in dieser Situation erwarten würde.

„Sind wir denn noch weit von Saugmilch entfernt?“ erwiderte Gohrlack.

Er wurde jedoch ignoriert, da Logloglolohloh gerade damit beschäftigt war, zu der an den Baum gespießten Mumie rüber zu gehen und sie zu ohrfeigen.

Die Mumie jedoch schlug zurück, wodurch der sowieso schon verletzte Logloglolohloh endgültig sein Bewusstsein verlor.

Gohrlack dachte darüber nach, ihn einfach zurück zu lassen, allerdings wusste er nicht, was die Intentionen der Mumie waren und so entschied er sich, ausnahmsweise einmal, dass es besser wäre etwas Altruismus zu zeigen und Logloglolohloh mitzunehmen, auch könnte er diesen notfalls benutzen, um sich vor der Mumie zu schützen.

Logloglolohloh war leichter als Gohrlack ursprünglich annahm, auch wenn sein Bogen Gohrlack ein wenig in die Seite stach. Irgendwann entdeckte er ein Schild auf dem stand, dass Saugmilch nur noch eine halbe Meile entfernt lag, was Gohrlack gleichermaßen erleichterte und verärgerte. Zwar war er froh, dass Saugmilch nicht mehr weit entfernt war, aber alleine der Fakt, dass hier anscheinend Meilen benutzt wurden, brachte sein Blut, wie das jeder anständigen Person, zum Kochen.

Er folgte dem Schild, da er hoffte, in einer zivilisierteren Örtlichkeit Unterschlupf finden zu können, komplett von dem Gedanken befreit, dass er vor kurzem erst noch dahin gebracht werden sollte, um wegen einer Tat, die er nicht begangen hatte, vor Gericht zu stehen.

Nach wenigen Minuten sah er ein Gebäude, vor dem ein kleines altes Schild stand, dass die Worte „Essen und sowieso Wahrsagerei und so“ trug.

Zwar war er sich nicht sicher, was genau er dort tun sollte, aber es erschien ihm klug, mal eine Verschnaufpause zu machen, weil er sich ziemlich sicher war, dass Logloglolohloh inzwischen nicht mehr ohnmächtig war, sondern es nur genoss, getragen zu werden.

Gohrlack trat die Tür auf, einfach so, er hatte grade Lust darauf, mehr nicht. Es war niemand da, nur hinter einer Tür hinter dem Bestelltresen, was schon sehr unüblich für ein Restaurant war, hörte er Lärm, was ihn dazu veranlasste, mal einen Blick hinein zu werfen. Sein Blick fiel auf einen Mann, der gleichermaßen unangenehm aber auch faszinierend aussah. Er hatte braune Haare, die von seinem Kopf abstanden, als wäre er vom Blitz getroffen worden, eine dunklere Haut und sehr seltsame Kleidung, die wie eine Mischung aus Fischer und Dorfbauer aussah, aber kein bisschen wie die eines Wahrsagers. Er saß vor einer Kristallkugel an einem kreisförmigen Tisch, an dessen anderem Ende ein sehr alter Mann in einem Rollstuhl saß, der, wie es schien, schlief.

„Was soll‘n der Scheiß?“ meldete sich der anscheinend doch sehr wache Logloglolohloh zu Wort, und sprang dabei von Gohrlacks Schulter.

Als der Blick des Wahrsagers auf sie fiel, merkten sie erst wie genervt dieser aussah.

„Ich habe ihm vorhergesagt, dass er heute das Zeitliche segnen würde, und da bekam er einen Herzinfarkt“, sagte er lässig.

„Ouze!“ Entgegneten Gohrlack und Logloglolohloh zeitgleich.

„Ganz genau, und jetzt geht RAUUUUS! Geht RAUUUUS! Geht...“ Der Wahrsager, der sie momentan anschrie, schmiss seine Kristallkugel an die Wand und zerstörte somit ein Bild von irgendeinem Bären, der entweder ein Spielzeug, eine extrem seltene Rasse oder eine Anspielung auf soziale Probleme bei der Gleichberechtigung verschiedener Ethnien war „RAUUUS!“

Gohrlack und Logloglolohloh verließen zeitgleich den Raum und sahen sich ein wenig verdutzt an:

„Warum hast du mich hierhergebracht?“ fragte Logloglolohloh.

„Halt einfach dein Maul.“

Nachdem sie sich etwas umgesehen hatten, fanden sie einen als Kellner gekleideten Mann mit Chefkochmütze, der in einem Nebenzimmer schlief.

Leise verließen sie den Raum wieder und Gohrlack führte einen meisterhaften Plan aus: er klopfte an die Tür bis die Worte „Hallo, wer ist da?“ aus dem inneren zurückkamen, dann entgegnete er süffisant:

„Kein Service.“

Nach glatten 3 Sekunden stürzte der Mann, den sie eben noch schlafen gesehen hatten durch die Wand neben der Tür.

„Hallo, willkommen, was wollen Sie haben? Wissen Sie, ich habe mich immer noch nicht ganz darauf eingestellt, wieder einmal Kundschaft zu haben. Neulich erst kamen ein Paar komische Pilger vorbei, die mir grade mal 3 Yeezys Trinkgeld gaben, die gierigen Schloulinger, und seitdem geht es mit der Kundschaft wieder bergauf.“

Trotz dieser recht seltsamen Begrüßung, entschlossen Gohrlack und Logloglolohloh sich dazu, auf dem Balkon des Hauses ein leckeres Mittagessen zu genießen.

Es hieß „Nauhtygyros mit einem Stück Natur und außerdem Früchten“.

Zu jedermanns Überraschung schmeckte es phänomenal.

Währenddessen unterhielten die beiden sich darüber, was sie denn jetzt eigentlich vorhatten und zu Gohrlacks Glück, schien Logloglolohloh das Missverständnis von vorhin komplett vergessen zu haben.

Nach ein wenig überraschend nettem Geschwätze sprang Logloglolohloh plötzlich auf, zeigte in eine Richtung und brüllte „OUZE!“

Gohrlack drehte sich in die Richtung, in die er gezeigt hatte und sah, dass aus dem Wald, aus dem sie eben erst gekommen waren, die Mumie von vorhin, zweifelsohne die gleiche, wie an ihrer Bauchwunde nachzuweisen war, sich ihren Weg geradewegs auf sie beide zumachte.

Zumindest so lange, bis sie über einen komischen Stein stolperte, den sie danach bis nach Saugmilch warf, wie das Monster, das sie ja auch ist.

6 - Ausschlaggebend aber dumm

Logloglolohloh zückte sofort seinen Bogen und sagte, dass Gohrlack ihm einen Jesus-Saft, also Wein, ausgeben müsse, wenn er diesen Schuss landete.

Daraufhin folgte auch schon der bereits erwähnte Schuss mit einem sehr interessanten Pfeil. Die Pfeilspitze war eine, bereits mit Sauerstoff-Juice befleckte, Glasscherbe und der Pfeilkörper oder besser Pfeilschaft bestand aus einer Gurke und einer Möhre, was Logloglolohlohs kuriosen, bis jetzt noch unerwähnten, Geruch zu verantworten haben könnte.

‚Peng‘ der Pfeil schoss los und traf perfekt, wobei er überraschend tief in sein Opfer eindrang. Soweit gar, dass er bereits am anderen Ende des Kopfes der Mumie wieder herausguckte, denn ja, es war ein Kopfschuss, der sich sehen lassen konnte.

„YEEZEH!!“ Logloglolohloh schien eindeutig zufrieden mit seiner Leistung. Gohrlack entschied sich als Zeichen von Respekt nur für leise Wertschätzung, indem er langsam in die Hände klatschte, während der Kellner in einer schattigen Ecke des Balkons masturbierte.

Als sie mit einer weiteren Runde Jesus-Saft anstießen, war es bereits später Nachmittag und die beiden waren sturzbetrunken.

„Ich störe nur ungern,“ meldete sich der doch recht kleine Kellner zu Wort, während die beiden fröhlich soffen „aber ich denke, es wäre an der Zeit, mich mal zu bezahlen, denn bis jetzt ist ihre Rechnung doch ziemlich hoch und ich denke, bei viel weiterem Konsum, sind sie bald nicht mehr in der Lage dazu.“

Nachdem Gohrlack mit dem Rest seines Geldes bezahlt hatte, ging der Kellner die Treppen runter, und fragte dabei nach dem Wahrsager, um das Geld zählen zu lassen, da er das scheinbar selber nicht konnte. Als dann allerdings der Wahrsager kurze Zeit später die Treppen wieder hochkam, schien irgendetwas schief gegangen zu sein, denn der Ärmste guckte ganz erschrocken.

Zuerst waren Gohrlack und Logloglolohloh gleichermaßen verängstigt, dass Gohrlack sich im Suff möglicherweise verzählt haben könnte. Allerdings schien das Wahrsagerjungchen viel mehr davon abgelenkt zu sein, dass ihm irgendetwas folgte.

Aufgrund ihres Suffs dauerte es etwas bis Gohrlack und Logloglolohloh sich erinnerten, dass sie eine Mumie hierher gelockt hatten, da der Pfeilschuss für diese natürlich nicht tödlich war. Sie blickten sich für ein paar Sekunden erschrocken an, bevor sie in Gelächter ausbrachen. Der verwirrte und trotzdem verängstige Blick des Wahrsagers brachte sie dann jedoch in die Realität zurück.

Logloglolohloh stand auf und ging gemütlich zur Balkonbrüstung rüber, an der die Mumie grade versuchte hochzuklettern, wie sich herausstellte.

Er schlug ihr mitten ins Gesicht, was jedoch nicht viel brachte, und guckte dann seine Hand erstaunt an. Sein Blick traf den der Anderen, woraufhin er

„Bei Kyarakur… Ist! Das! Weich!“, rief.

„Lak und außerdem Lan! Was macht ihr?“, sprach der Wahrsager zornig beim Hinüberlaufen zu Gohrlack und Logloglolohloh, die inzwischen angefangen hatten, die Mumie zu streicheln, was diese zwar davon abhielt, effizient zu klettern, aber die beiden selbstverständlich auch in große Gefahr brachte.

Ironischerweise war aber der Wahrsager derjenige, den sich die Mumie ergriff und mit welchem im Arm sie schließlich abstürzte.

Nach einiger Zeit entschieden Gohrlack und Logloglolohloh sich dann auch dazu zu gehen, denn es wurde langsam aber sicher dunkel. Als sie nach einem äußerst lauten Sturz die Treppe herunter im Erdgeschoss angekommen waren, konnten sie vor dem Gebäude die Mumie und den Wahrsager immer noch am Rangeln sehen, wobei der Wahrsager mehr und mehr im Klopapier eingewickelt wurde, wodurch die beiden mit der Zeit zu einer Entität wurden.

Gohrlack wollte dieses Geschehnis mit seinem Telephon aufnehmen, als er feststellte, dass dieses immer noch fehlte. Er war so betrunken, dass er vergessen hatte, dass es ihm von einem der nun toten Waisenkindern abgenommen worden war. Durch all die Anstrengung beim Nachdenken daran, wo es sein könnte, fing er an rückwärts zu taumeln, was darin endete, dass er in das Zimmer des Wahrsagers stolperte. Zwar fand er kein Telephon, das er als seines bezeichnen würde, aber dafür etwas, das ihm vorher noch nicht annähernd so wichtig erschienen war, wie jetzt.

Eine Minute später rannte Gohrlack mit dem alten Sack im Rollstuhl aus dem Gebäude und geradewegs in die rangelnden Witzfiguren hinein, die immer noch versuchten, sich den Garaus zu machen. Während alle schmerzverzerrt dalagen, brüllte Logloglolohloh, dass er noch nie in seinem Leben so viel Spaß gehabt hätte und dass auch Gohrlack unbedingt mitmachen sollte.

Also zog er sich aus und sprang ins Getümmel.

Im Moment waren so ziemlich alle in einer physischen Situation, die sie davon abhielt, sich wirklich zu bewegen.

Erst am frühen Morgen, nachdem sie alle ihren Rausch ausgeschlafen hatten und wieder wach waren, stand Gohrlack wieder auf und wollte sich zurechtfinden, da sah er auch schon, dass sich inzwischen alle verknotet hatten, und ein dickes Klopapierknäuel bildeten.

Aber ausgerechnet Gohrlack wurde befreit. Eine vermummte, aber eindeutig nicht mumienartige Frau kam vorbei und schnitt ihn los. Sie sah aber nicht sehr menschlich aus, sondern eher wie ein Geist. Er hatte kaum Zeit ihr zu danken, da sprach sie schon in sein Ohr:

„Kümmere dich erst um dieses Pack, dann können wir in Ruhe einen Diskurs führen.“

Daraufhin verschwand sie wieder, als ob sie nie dagewesen wäre. Gohrlack war fast dabei, über die grade geschehenen Ereignisse nachzudenken, als das laute Ächzen der Anderen ihn aus seinen Gedanken riss. Sie waren ziemlich zerkratzt vom Gerangel der Nacht, ganz im Gegensatz zu Gohrlack, der aufgrund seines Körperbaus nicht verletzt wurde. Er schaffte es dann zwar Logloglolohloh loszubinden, stellte aber fest, dass dieser tot wirkte.

Gerade als Gohrlack um ihn trauern wollte, wurde er davon unterbrochen, dass die Mumie, die inzwischen beinahe Eins mit dem bis jetzt immer noch unbenannten Wahrsager geworden war, sich aufrichtete und auf Gohrlack zuschwankte.

„‘Piss dich wo du herkommst!“ sprach Gohrlack, dezent verkatert und trat die Gestalt um.

Er hatte eine grandiose Idee, die überhaupt nicht grandios, klug, oder auch nur besonders logisch war, doch er fühlte sich alleine schon beim Gedanken daran so cool, dass er sie ausprobieren musste.

Er bediente sich an den restlichen Flaschen alkoholischer Getränke, die er im Inneren des Gebäudes finden konnte und auch an Logloglolohlohs ranziger Kleidung, und versuchte diese so zurechtzuschneiden, dass er sie mit dem Fusel zu Brandsätzen kombinieren konnte.

Drinnen war es dunkel, die Stromrechnung wurde vermutlich nicht bezahlt, also nahm er alles mit raus auf den Balkon, wo es heller war, um ein paar Papiere zu zerfetzen, die er sich hier und da genommen hatte. Sie eigneten sich nicht sonderlich gut dazu, wie sich herausstellte, allerdings fand er auch ein Dokument bei all den Rechnungen und Drohungen, das ihm besonders auffiel. Es beschrieb einige Waffen, die man selber sehr leicht herstellen konnte und auch einige Arten, diese effektiv zu nutzen. In einer Ecke fand sich außerdem eine Inschrift wieder, die Gohrlack nicht ganz entziffern konnte, weil sie auf Englisch war, denn es war alleine schon ein Wunder, dass er überhaupt der deutschen Sprache mächtig war.

Allerdings fiel ihm das Wort „Peak“ besonders auf, also nahm er an, dass es vermutlich einfach nur das Wort „Pike“ bedeuten sollte, was Sinn ergab, da sich daneben eine Anleitung für eine selbstgemachte Waffe befand, die im normalen Sprachgebrauch zwar eher als Speer bezeichnet werden würde, aber auch mit dem Namen ‚Pike‘ bezeichnet werden konnte. Er dachte nicht allzu lange über all dies nach, und fertigte einfach einen einzigen Brandsatz an, für den er Logloglolohlohs gesamtes Gewand benutzen musste. Glücklich und zufrieden mit seiner Arbeit hielt er den Gegenstand gegen das Licht und zündete ihn kurz danach an, um schon mal auf die Begegnung mit der Mumie vorbereitet zu sein. Als er sich also umdrehte sah er allerdings, dass die Mumie bereits fast die gesamten Treppenstufen erklommen hatte, während der Wahrsager weiterhin versuchte, sich von ihr zu lösen.

Dann tat Gohrlack vermutlich das dümmste, gefährlichste, aber auch coolste, was er je tun würde: Er schlug der Mumie den Brandsatz mit voller Wucht in den Kiefer, wodurch sie aber auch Gohrlack selbst in Flammen aufgingen.

Gemeinsam fielen sie die Treppe hinunter, und versuchten sich durch panisches Hin-und-Her-Rollen zu löschen. Bei dieser Aktivität rollte sich Gohrlack mehrmals über die Mumien-Wahsager-Hybrid-Gestalt, die er damit scheinbar endgültig zur Ruhe legte und zu einer einzigen Entität verschmolz, da sie durch das Feuer sowie auch durch Gohrlacks platt walzen zuvor weder eine reine Mumie, noch ein reiner Mensch gewesen war. Doch es schien noch ein Teil von ihr zu leben, wie sich herausstellte, als Gohrlack die Flammen an seinem Körper gelöscht hatte und dabei größere Wunden vermieden hatte - irgendwie.

Der Wahrsager war wohl noch in seinem Todeskampf, denn er stöhnte und ächzte mit einem leiderfüllten Ton, der Gohrlack sehr unangenehm war.

Er war kein Held und kein moralisch auch nur ansatzweise guter Mann, aber er konnte diesen armen Mann nicht einfach so leiden lassen, weshalb er Logloglolohlohs Bogen holte und zu einem tödlichen Schlag mit diesem ansetzte.

In genau dem Moment, in welchem er diesen ausführen wollte, sprach der Wahrsager zu ihm mit gebrochener Stimme:

„Ich wusste, dass es so kommen würde, aber was ich nicht wusste, ist, dass ich selbst nun eine Prophezeiung habe… phick dich, so wollte ich die letzten Momente meines Lebens nicht verbringen!“

Er hustete laut und armselig, aber fuhr fort.

„Die Mutter deiner Kinder wird die meiner sein… Ach, nee, warte… Ich sehe einen Mann mit einer Liste, einen Mann mit Anschuldigungen, mit Hass, Niedertracht. Ja, einen richtigen Kackbanausen, wie man ihn sich vorstellt. Du findest deinen Sohn, über dessen Mutter ich meine Aussage zurücknehme, in Saccalang, nordsüdlich von hier. Er ist zwar noch nicht da, aber er wird es bald sein, glaube mir.“

Gohrlack, der sehr aufmerksam zugehört hatte fragte ein wenig verdutzt wo „Nordsüdlich“ sein sollte, bekam aber keine Antwort als der Blick des Wahrsagers sich endgültig versteifte, und in die Ferne wanderte.

Außer Frage, er war tot.

Logloglolohloh lag außerhalb des Gebäudes, genau da wo er vorher war, nur in der Mitte durchgeschnitten. Gohrlack war tatsächlich traurig darüber.

Er mochte den Kerl und hätte sich mehr Zeit mit ihm gewünscht, auch wenn ihre erste Begegnung mehr als problematisch gewesen war. Er nahm sich als Zeichen des Respekts seinen Köcher mit all den Pfeilen mit und sagte, dass er, insofern er Ungerechtigkeit in diesem Gebiet sehe, er es beenden würde, und jene, die es veranstalteten bestrafen würde.

Natürlich war das eine Lüge, die er nur sprach, um sein eigenes unreines Gewissen zu befriedigen, jedoch würde sich bald zeigen, dass er damit nicht einmal so viel Unrecht hatte, wie er ursprünglich dachte, in einer Instanz zumindest.

Gohrlack machte sich wieder auf, aber war sich weiterhin wegen der Worte des Wahrsagers unschlüssig darüber, in welcher Richtung er denn jetzt eigentlich gehen müsse.

Also ging er auf Saugmilch zu, um sich dort zu erkundigen.

Aber er war noch keine drei Schritte gegangen, da kam die spektrale Figur von vor ungefähr einer Stunde wieder zu ihm und sprach.

Sie sagte, sein Sohn wäre der beste Herrscher, den Wolkenheim je gesehen hatte, und dass er recht herzlich eingeladen sei, es zu besuchen. Sie sagte zudem, dass sie das „Gesindel“ von vorhin hinrichten musste, da es im Gegensatz zu Gohrlack nicht aufgrund seiner „Brut“ das Privileg hatte, davon zu erfahren.

Gohrlack war zornig. Dieser Geist, oder was auch immer er war, hatte soeben seinen neusten, und nach Krüppmann auch besten, Freund ermordet.

Er schlug mit dem Bogen vertikal zu.

Er traf also von oben etwas, das scheinbar unter der Gestalt auf dem Boden war, schlug aber geradewegs durch die Gestalt durch. Was auch immer er getroffen hatte, es war auf jeden Fall elektronisch, denn es sprühte Funken und machte laute mechanische Geräusche.

Diese Person, die ihn soeben in die feinste, schnöseligste und doch sozialistischste Gesellschaft eingeladen hatte, die er kannte, war lediglich ein Hologramm. Gohrlack war nun komplett am Ende seiner Auffassungsfähigkeit angelangt.

Thimthim war was?

Die Mutter von Thimthim, die Gohrlack nie zu Gesicht bekommen hatte, war was?

Und am Allerwichtigsten:

Was zum Kyarakurverdammten Ouzesohn war „Nordsüden“?

Бесплатный фрагмент закончился.

895,71 ₽
Возрастное ограничение:
0+
Объем:
250 стр. 1 иллюстрация
ISBN:
9783754905203
Издатель:
Правообладатель:
Bookwire
Формат скачивания:

Похожие книги