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Marienkirche
Matthias Bath
BERLIN – eine Biografie
Von den Askaniern bis Helmut Kohl
und zur Hauptstadt Deutschlands
Mit Fotos von Franziska Vu

DEN BERLINERN
200 Seiten mit 24 Abbildungen
Titelbild: Sebastian Ristow, Pariser Platz © Franziska Vu, Willy Brandt:
© Engelbert Reineke, Wikimedia Commons: https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3ABundesarchiv_B_145_Bild-F034158 - 0006 %2C_Bonn%2C_Bundeskanzler_Brandt_empf%C3%A4ngt_Schauspieler.jpg, Königin Luise in Charlottenburg © Wikimedia Commons: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Koenigin_Luise_in_Charlottenburg.jpg, Friedrich Wilhelm von Brandenburg und Louise Henriette von Nassau © Wikimedia Commons: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Gerrit_van_Honthorst_-_Portret_van_Friedrich_Wilhelm_I%2C_keurvorst_van_Brandenburg_%281620 - 1688 %29_en_zijn_echtgenote_Louise_Henriette_van_Nassau_%281627 - 1667 %29_Rijksmuseum.jpg, Otto von Bismarck © Wikimedia Commons: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bismarck_-_Wilhelmshaven_-_Georg_Meyer-Steglitz,_1905.jpg?uselang=de
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie;
detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.
© 2016 by Nünnerich-Asmus Verlag & Media GmbH, Mainz am Rhein
ISBN: 978-3-945751-72-5
Autor: Mathias Bath
Fotografien: Franziska Vu
Lektorat: Natalia Thoben, Simone Reifenberg
Satz: TypoGraphik Anette Klinge, Gelnhausen
Alle Rechte vorbehalten. Ohne ausdrückliche Genehmigung des Autors, der Herausgeber und des Verlages ist es nicht gestattet, dieses Buch oder Teile daraus auf fotomechanischem Wege (Fotokopie, Mikrokopie) zu vervielfältigen oder unter Verwendung elektronischer Systeme zu verarbeiten und zu verbreiten.
E-Book-Herstellung: Zeilenwert GmbH 2016
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Inhalt
Cover
Titel
Impressum
Vorwort
Berlin im Mittelalter
Albrecht der Bär (um 1100–1170) – Kolonisator der Mark Brandenburg (ab 1134)
Jaczo von Köpenick (vor 1130–1176) – Vom Gründungsmythos der Mark Brandenburg (1157)
Propst Nikolaus von Bernau († 1325) – Lynchmord vor der Marienkirche
Friedrich I. (1371–1440) – Der erste Hohenzoller in der Mark sorgte für Recht und Ordnung
Friedrich II. Eisenzahn (1413–1471) – Berlin wird Residenzstadt
Bauten aus der Zeit des Mittelalters
Hauptstadt Brandenburgs (1448–1701)
Joachim I. Nestor (1484–1535) – Renaissancefürst und treuer Katholik
Hans Kohlhase (um 1500–1540) – Rebell gegen Adels- und Fürstenwillkür
Joachim II. Hektor (1505–1571) – Ereignisreiche Zeiten in der nunmehrigen Hauptresidenzstadt
Friedrich Wilhelm Der Große Kurfürst (1620–1688) – Unter ihm entstieg Berlin als Phönix aus der Asche
Johann Gottlieb Kunckel (um 1630–1702/03) – Ein »Goldmacher« produziert Rubinglas (ab 1678)
Bauten des 16. und 17. Jahrhunderts
Hauptstadt Preußens (1701–1871)
Friedrich I. (1657–1713) – Berlins erste Blüte als Haupt- und Residenzstadt
Friedrich Wilhelm I. (1688–1740) – Sparsamkeit und Pietismus – aber die Entwicklung Berlins geht weiter
Friedrich der Große (1712–1786) – Der bedeutendste Preußenkönig hinterließ in Berlin vergleichsweise wenig Spuren
Carl Gotthard Langhans (1732–1808) – Schöpfer des Brandenburger Tores und Begründer des preußischen Klassizismus
Friedrich Wilhelm II. (1744–1797) – Ungeeigneter König in bewegten Zeiten – aber auch Stadtmäzen Berlins
Königin Luise von Preußen (1776–1810) – Beherzte Frau und Königin der Herzen
Wilhelm von Humboldt (1767–1835) – Wissenschaftler, Diplomat und Bildungsreformer
Karl Friedrich Schinkel (1781–1841) – Künstlerisches Multitalent und Baumeister Friedrich Wilhelms III
Friedrich Wilhelm IV. (1795–1861) – Auch der Architekt auf dem preußischen Thron hinterließ kaum Spuren in Berlin
August Borsig (1804–1854) – Vom Zimmergesellen zum Lokomotivenkönig
Carl Ludwig Friedrich von Hinckeldey (1805–1856) – Reaktionär und Modernisierer
Jobst Schultheiss (1802–1865) – Der Namensgeber der bekanntesten Berliner Brauerei
Adolf Glaßbrenner (1810–1876) – Der Vater der Berliner Typen
Ernst Litfaß (1816–1874) – Der Erfinder der gleichnamigen Werbesäule (1855)
Wilhelm I. (1797–1888) – Letzter preußischer König und Vollender Preußens Unter ihm wurde Berlin zur modernen Großstadt und Metropole
Bauten aus preußischer Zeit
Hauptstadt des Deutschen Reiches (1871–1945)
Otto von Bismarck (1815–1898) – Reichsgründer und Schöpfer des Kurfürstendamms
Rudolf Virchow (1821–1902) – Mediziner, Politiker und Mitbegründer des politischen Liberalismus
James Hobrecht (1825–1902) – Stadtplaner und Vater der Berliner Mietskaserne
Otto Lilienthal (1848–1896) – Unternehmer, Theaterchef und Flugpionier
Wilhelm Voigt (1849–1922) – Der »Hauptmann von Köpenick« (1906)
Paul Lincke (1866–1946) – Der Komponist der »Berliner Luft«
Gustav Böß (1873–1946) – Oberbürgermeister während der Weimarer Republik und zwischen verfeindeten Parteien
Walter Gropius (1883–1969) – Begründer des Bauhauses und Architekt des Wiederaufbaus
Adolf Hitler (1889–1945) – Vom Projekt »Germania« zur Zerstörung der Hauptstadt
Marlene Dietrich (1901–1992) – Die Hollywood-Diva blieb stets ein Kind ihrer Heimatstadt Berlin
Albert Speer (1905–1981) – NS-Stilist und Generalbauinspekteur für die Reichshauptstadt Berlin
Bauten der Reichshauptstadt
Das geteilte Berlin (1945–1990)
Louise Schroeder (1887–1957) – Amtiererende Oberbürgermeisterin im Fokus des Kalten Krieges
Ernst Reuter (1889–1953) – Oberbürgermeister im Wartestand und Wortführer des Westens
Walter Ulbricht (1893–1973) – Der Mann Moskaus
Hans Scharoun (1893–1972) – Architekt und unvollendeter Stadtplaner
General Lucius D. Clay (1897–1978) – US-Militärgouverneur und Initiator der Berliner Luftbrücke
Hermann Henselmann (1905–1995) – Architekt, Stadtplaner und »Chefarchitekt von Berlin« (Ost)
Erich Honecker (1912–1994) – Organisator des Mauerbaus, Generalsekretär und Staatsratsvorsitzender
Willy Brandt (1913–1992) – Regierender Bürgermeister von Berlin, Außenminister und Bundeskanzler
Peter Fechter (1944–1962) – Agonie am Stacheldraht
Helmut Kohl (geboren 1930) – Kanzler der Einheit und des Hauptstadtbeschlusses
Bauten nach 1945
Buchempfehlungen
Vorwort
Es ist für mich nicht nur eine Freude, sondern auch eine große Ehre, nach dem Band über Kopenhagen auch um die Erstellung eines Bandes über meine Heimatstadt Berlin im Rahmen der Biografie-Reihe gebeten worden zu sein.
Die Materiallage zu Berlin ist gut, um nicht zu sagen ausufernd. Die Schwierigkeit besteht bei dem vorhandenen Überangebot an Informationen allenfalls darin, die angesichts des vorgegebenen Umfanges des Bandes erforderliche Auswahl zu treffen. Sicher könnte man mindestens 200 berühmte Berliner Persönlichkeiten porträtieren, aber eben nicht auf 200 Seiten.
Meine Auswahl konzentriert sich deswegen auf Berliner, die Spuren im Stadtbild hinterlassen haben, und bei Persönlichkeiten mit einer komplexeren Biografie, auf ihre biografischen Bezüge zu Berlin und die berlinspezifischen Aspekte ihres Wirkens. Ich selber habe bei dieser Arbeit sehr viel für mich Interessantes und Wissenswertes über Berlin erfahren.
Das Jahr 1990 bietet sich mit der Wiederherstellung der Einheit Deutschlands und Berlins als Zäsur an, im Interesse einer angemessenen historischen Distanz die Darstellung der Stadtbiografie hier abzubrechen. Natürlich ist Berlin, wie eigentlich immer in den letzten 350 Jahren seiner Geschichte, auch seit 1990 einem fortwährenden Umbruch unterworfen. Doch sind die aktuellen Entwicklungen, wie etwa die massiven ethnischen Veränderungen der Bevölkerung durch Zuwanderung aus außereuropäischen Ländern, die sicher eine weitere historische Zäsur nicht nur für Berlin, sondern für ganz Deutschland darstellt, derzeit einer abschließenden Bewertung noch nicht zugänglich. Auch die bauliche Umgestaltung der Stadt lässt momentan noch keine endgültigen Schlüsse zu. Des Weiteren hat sich in den letzten 25 Jahren keine Persönlichkeit gezeigt, von der man sagen könnte, sie sei für Berlin von überragender Bedeutung und habe das Stadtbild geprägt. So mögen über die gegenwärtig aktuellen Entwicklungen der Stadt und deren Personalien andere nach mir urteilen.
Ich freue mich ganz besonders, für die Bebilderung des Bandes mit Franziska Vu nicht nur eine Fotografenmeisterin, sondern auch eine Meisterfotografin und darüber hinaus international anerkannte Fotokünstlerin gefunden zu haben, die sich uneigennützig in den Dienst der Sache gestellt hat. Meinem Freund Hans-Jürgen Müller danke ich für die Zurverfügungstellung von Informationen, Literatur und des Gastbeitrages über Jobst Schultheiss. Des Weiteren danke ich meiner Tochter Friederike für Recherchen und Hintergrundtexte vor allem zu Louise Schroeder und Willy Brandt sowie meiner Frau Maria für ihre stetige Unterstützung und Geduld.
Berlin, im November 2015 Matthias Bath
BERLIN IM MITTELALTER

Albrecht der Bär (um 1100 – 1170)
Jaczo von Köpenick (vor 1130 – 1176)
Propst Nikolaus von Bernau († 1325)
Friedrich I. (1371 – 1440)
Friedrich II. Eisenzahn (1413 – 1471)
Bauten aus der Zeit des Mittelalters

Juliusturm (um 1200) und Palas (um 1475) in der Zitadelle Spandau
Die Doppelstadt Berlin/Cölln dürfte um 1200 als Kaufmannssiedlung an der Stelle, wo der damals entstehende Fernhandelsweg Magdeburg-Posen die Spree auf einer Furt durchquerte, entstanden sein. Das Spreetal war hier besonders schmal, und die Furt bildete den einzigen möglichen Übergang über die Spree zwischen Spandau und Köpenick.
Die ersten Bewohner Berlins dürften Siedler aus den askanischen Stammlanden am Nordosthang des Harzes um Quedlinburg und Aschersleben gewesen sein. Andere, vor allem wohl Kaufleute, kamen vom Niederrhein, worauf auch der Name Cölln hindeutet. Der Name Berlin hingegen kommt aus dem Slawischen und bedeutet Morast oder Sumpf. Das belegt aber wohl nur, dass auch den bislang die Mark beherrschenden Slawen der Ort der Furt bekannt war. Auf den fehlenden slawischen Anteil an der Entstehung der Doppelstadt weist hin, dass der slawische Ursprung des Namens Berlin bereits im Laufe des 13. Jh. bei der deutschsprachigen Bevölkerung in Vergessenheit geriet. Hier vermutete man eher eine Verbindung zum Bären, vielleicht auch zu Albrecht dem Bären.
Die ersten urkundlichen Erwähnungen Cöllns (1237) und Berlins (1244) fallen in die Regierungszeit der Markgrafenbrüder Johann I. und Otto III. (1231 – 67), die im Laufe ihrer Herrschaft etwa 30 Städte im Havel- und Spreeland gründeten, allerdings nicht Berlin und Cölln. Jedoch dürften sie beiden Orten das Stadtrecht verliehen haben. 1251 wird Berlin erstmals als »Stadt« erwähnt, Cölln hingegen erst 1261. Die Markgrafenbrüder gewährten den Kaufmannsstädten bereits 1251 die Zollfreiheit. Das älteste Berliner Stadtsiegel datiert von 1253 zeigt ein dreitürmiges Stadttor und davor den Adler, das Wappentier der markgräflichen Landesherren. Vermutlich ist in dieser Zeit auch die erste steinerne Stadtmauer Berlins entstanden. 1271 errichteten die Franziskaner in Berlin ein erstes Kloster. Für die Bedeutung, die die Doppelstadt bereits zu dieser Zeit in der Mark Brandenburg erlangt hatte, spricht auch, dass Markgraf Otto IV. 1280 den ersten märkischen Landtag als Versammlung des gesamten brandenburgischen Adels nach Berlin einberief.
1307 schlossen sich Berlin und Cölln erstmals zu einer Stadtunion mit gemeinsamem Rathaus auf der Langen Brücke über der Spree zusammen. Die Doppelstadt schloss nun auch Bündnisse mit anderen märkischen Städten zum Schutze ihrer Handelswege, aber auch zur Abwehr landesherrlicher Begehrlichkeiten. Auf der anderen Seite entdeckte auch Markgraf Woldemar sein Interesse an Berlin und ließ dort 1310 ein »Hohes Haus« als landesherrlichen Sitz errichten. 1317 gewährte Woldemar dann der Doppelstadt auch ihre eigene Gerichtsbarkeit. Als 1320 die Askanier ausstarben, beendete dies zwar für ein Jahrhundert die weitere gedeihliche Entwicklung der Mark Brandenburg als landesherrliches Territorium, nicht aber die Berlin/Cöllns und anderer märkischer Städte als Handelszentren und weitgehend selbständig agierende Kommunen.
Auch wenn Berlin/Cölln nach dem Lynchmord an Propst Nikolaus von Bernau 1325 für über 20 Jahre dem päpstlichen Kirchenbann unterlag, erlebte es in dieser Zeit eine erste wirtschaftliche Blüte. Begünstigt durch die Zollfreiheit entwickelten sich Handelsbeziehungen bis nach Hamburg. Neben märkischem Holz und Bier exportierte man dorthin vor allem Roggen aus den Anbaugebieten des Barnim und Teltow. Schließlich wurde Berlin um 1350 zusammen mit anderen märkischen Städten auch Mitglied der Hanse.
Die Herrschaft der Wittelsbacher in der Mark war von einem weitgehenden Verfall der landesherrlichen Macht gekennzeichnet. Dies begünstigte den weiteren Ausbau der städtischen Machtposition Berlins, das mit der Zeit nahezu alle eigentlich landesherrlichen Einnahmequellen an sich brachte. 1376 und 1380 wurde die Doppelstadt Berlin/Cölln von zwei verheerenden Stadtbränden heimgesucht. Der letztere betraf vor allem die Berliner Stadthälfte und vernichtete nahezu deren gesamten Fachwerk- und Holzhausbestand. Gleichwohl bedeutete auch diese Katastrophe nicht den Ruin der Stadt. Der einsichtige Landesherr erließ der Stadt für drei Jahre die Steuern und ermöglichte so ihren Wiederaufbau. Als Konsequenz aus dem Brand wurden nun alle Eckhäuser in Steinbauweise errichtet. Die Straßen wurden verbreitert und ihre wichtigsten gepflastert. Um 1400 hatte Berlin/Cölln etwa 8.000 bis 8.500 Einwohner.
Die Schwäche der landfremden Landesherren versuchten Familien des brandenburgischen Landadels für sich zu nutzen. Hier sind vor allem die Quitzows zu nennen, die ab 1399 die Vormachtstellung in der Mittelmark anstrebten. Es kam zu wechselseitigen Kämpfen und Bündnissen zwischen Berlin/Cölln und den Quitzows. Diese Auseinandersetzungen mündeten schließlich im September 1410 in eine vollständige Berliner Niederlage ein. Dietrich von Quitzow trieb den Berlinern und Cöllnern das vor den Mauern ihrer Stadt weidende Vieh fort und bereitete den ihn verfolgenden Berliner Stadtreitern bei der Tegeler Mühle einen Hinterhalt. Schließlich besetzte er die den Städten gehörenden Dörfer und blockierte die Zugangswege nach Berlin und Cölln, ohne dass sich die Städte hiergegen wehren konnten.
1411 betraute König Sigismund den Nürnberger Burggrafen Friedrich VI. von Hohenzollern zunächst mit der Verwaltung der Mark. Nachdem dieser die Verhältnisse in der Mark wieder geordnet und einen allgemeinen Landfrieden verkündet hatte, belehnte ihn Sigismund 1415 auf dem Konzil zu Konstanz als Friedrich I. mit der brandenburgischen Kurwürde, womit die 500-jährige Herrschaft der Hohenzollern in der Mark Brandenburg begann.
1434 nahm letztmalig ein Berliner Vertreter an einem Hansetag teil. Angesichts seiner Binnenlage hatte Berlin/Cölln innerhalb der Hanse ohnehin nie eine größere Bedeutung besessen.
Nach dem Ableben Friedrichs I. 1440 konzentrierte sich sein Nachfolger Friedrich II. auf die Stärkung seiner Landesherrschaft und die Schwächung der Städte, unter denen Berlin/Cölln die größte und bedeutendste war. 1442 nutzte er Streitigkeiten zwischen den städtischen Patriziern und den Handwerkerinnungen, um die Doppelstädte wieder voneinander zu trennen. Er nahm das bisherige gemeinsame Rathaus in Besitz, um hier ein landesherrliches Gericht unterzubringen und entzog den Städten die Gerichtsbarkeit wie auch andere Privilegien. Auch ließ er 1443 in Cölln mit dem Bau eines Schlosses beginnen. Der Versuch der Bürgerschaft, die kurfürstliche Macht 1448 durch einen offenen Aufstand, den »Berliner Unwillen«, wieder abzuschütteln, scheiterte. Berlin verlor nun seine städtische Selbständigkeit und wurde zur Residenzstadt der brandenburgischen Kurfürsten.
Albrecht der Bär (um 1100 – 1170) –
Kolonisator der Mark Brandenburg (ab 1134)
Albrecht entstammte dem Geschlecht der Askanier, das nach dem lateinischen Namen der Grafschaft Aschersleben (Ascharia) benannt wurde. Belegt sind die Askanier seit dem 11. Jh. als Grafen von Ballenstedt. Ihre Stammlande lagen zwischen dem Ostharz und der Saale. Der Aufstieg der Askanier begann unter Albrechts Vater, Graf Otto dem Reichen (1075 – 1123), der durch Heirat mit Eilika (1081 – 1142), einer erbberechtigten Tochter des Billunger Sachsenherzogs Magnus († 1106), Teile des reichen Billunger Eigenbesitzes erlangte. Ihr einziger Sohn Albrecht wurde um 1100 auf der Bernburg/Bärenburg an der Saale geboren und erhielt später nach seinem Geburtsort den Beinamen »der Bär«.
Als Graf von Ballenstedt herrschte Albrecht nach dem Tode seines Vaters 1123 über die askanischen Stammgebiete um Aschersleben. 1125 heiratete Albrecht Sophie von Winzenburg (1105 – 60), mit der er drei Töchter und sieben Söhne, darunter als ältesten Sohn Albrechts Nachfolger Otto I. (1128 – 84), hatte. Schon zu dieser Zeit pflegte Albrecht freundschaftliche Beziehungen zu dem letzten Hevellerfürsten Pribislaw, der unter dem Taufnamen Heinrich zum Christentum übergetreten war und seit 1127 das nördlich der Mark Lausitz gelegene hevellische Herrschaftsgebiet zwischen Elbe und Havelland regierte. Schon vor 1130 trat Pribislaw das Ländchen Zauche, südöstlich der heutigen Stadt Brandenburg als Patengeschenk für Albrechts ersten Sohn Otto an die Askanier ab.
1132/33 nahm Albrecht am Italienfeldzug Kaiser Lothars III. teil, der ihn für seine Verdienste 1134 mit der »Nordmark« belehnte. Faktisch handelte es sich dabei im Wesentlichen um die linkselbische Altmark mit dem Hauptort Stendal, die den Askaniern ohnehin zum größten Teil als eigener Hausbesitz gehörte. Rechtlich beinhaltete der Begriff der »Nordmark« darüber hinaus aber auch den Anspruch auf die rechtselbischen, beim Slawenaufstand von 983 dem Reich verlorengegangenen Gebiete zumindest des Havel- und Spreelandes.
Nachdem Albrecht seine Ansprüche auf das Herzogtum Sachsen gegen Heinrich den Löwen (1129 – 1195) nicht durchsetzen konnte, richtete er seit 1142 sein Augenmerk auf die »Nordmark«, die nun in den Mittelpunkt seines politischen Handelns rückte. Schon seit 1142 wird Albrecht gelegentlich in deutschen Reichsurkunden als »marchio de Brandenburg« (Markgraf von Brandenburg) erwähnt. 1143 wurde er zudem mit der Erzkämmererwürde des Reiches belehnt.
Als Bernhard von Clairvaux 1147 zum »Wendenkreuzzug« gegen die heidnischen Slawen aufrief, beteiligte sich auch Albrecht an dem Unternehmen, sorgte aber dafür, dass es den hevellischen Herrschaftsbereich umging und unberührt ließ. Schließlich setzte Pribislaw, der kinderlos blieb, Albrecht testamentarisch zu seinem Nachfolger ein. Nach dem Tode Pribislaws 1150 gelangte Albrecht durch eine List der Königinwitwe Petrissa in den Besitz der Brandenburg. Petrissa befürchtete nicht zu Unrecht eine slawisch-heidnische Gegenreaktion auf die Übertragung der hevellischen Herrschaft an Albrecht. Diese Reaktion erfolgte dann auch seitens des Sprewanenfürsten Jaczo von Köpenick, der 1153 die Brandenburg eroberte.
Erst 1157 konnte Albrecht die Brandenburg zurückerobern und damit die Herrschaft über das gesamte Stammesgebiet der Heveller antreten. Am 11. Juni 1157 hielten er und sein Sohn Otto ihren triumphalen Einzug in der Brandenburg. Dieser Tag gilt allgemein als die Geburtsstunde der Mark Brandenburg. Albrecht verlegte nun seine Residenz von Stendal nach Brandenburg und nahm den Titel »Markgraf von Brandenburg« an. Zugleich begann auch von Westen her die deutschsprachige Besiedlung der Mark. Jaczo wurde hinter die Havel zurückgedrängt und verlor auch sprewanische Gebiete auf den Höhenzügen des Barnim und Teltow nördlich und südlich der Spree. Gleichwohl sperrte er hier und im Spreetal bei Köpenick ein weiteres Vordringen Albrechts über die Spree nach Osten in Richtung Oder.
Etwas überraschend übertrug Albrecht vermutlich noch 1157 seinem Sohn Otto die Mitregentschaft unter dem Titel »Brandenburger Markgraf« und brach 1158 mit seiner Gemahlin Sophie zu einer Pilgerreise in das Heilige Land auf. Nach seiner Rückkehr konzentrierte sich Albrecht ab 1160 zusammen mit Otto auf die Konsolidierung der askanischen Herrschaft in der Mark und die schrittweise Ausweitung seines Herrschaftsbereichs gegenüber den geistlichen und weltlichen Fürsten benachbarter Territorien. Er förderte die weitere Christianisierung der Mark auch durch die Besiedelung mit Einwanderern vorrangig aus den askanischen Stammlanden um Ballenstedt und Bernburg sowie dem zwischen Harz und Thüringer Wald gelegenen »Schwabengau«.
Albrecht verstarb im, für damalige Verhältnisse, stolzen Alter von 70 Jahren am 18. November 1170 vermutlich in Stendal. Beigesetzt wurde er im damaligen askanischen Hauskloster in Ballenstedt im Harz.
Jaczo von Köpenick (vor 1130 – 1176) –
Vom Gründungsmythos der Mark Brandenburg (1157)
Er gilt als der personifizierte Widersacher der Askanier. In Berlin allgemeinkundig ist die Schildhornsage, wonach Jaczo nach dem Verlust der Brandenburg von Reitern Albrechts verfolgt die Havel nördlich des späteren Dorfes Gatow erreichte und auf der Flucht vor seinen Verfolgern mit Roß und Rüstung den Fluss durchschwimmen wollte. Als sein erschöpftes Pferd unterzugehen drohte, flehte er in höchster Not den Christengott um Rettung an. Tatsächlich brachte das Pferd seinen Reiter daraufhin wohlbehalten im Bereich der heutigen Halbinsel Schildhorn ans rettende Ostufer der Havel. Jaczo hängte hier Schild und Schwert an eine Eiche, schwor dem Christengott die Treue und unterwarf sich den Askaniern, die ihn pragmatisch als Vasallen seinen bisherigen Herrschaftsbereich um Köpenick weiter verwalten ließen.
Die Geschichte klingt zu schön um wahr zu sein und sie ist es auch nicht. Allerdings passte sie gut in die mystische Frühgeschichte der Mark Brandenburg und die romantischen Vorstellungen des 19. Jhs. von dieser. Die Volkssage um Jaczos Flucht und Bekehrung erlangte schließlich eine derartige Verbreitung, dass sie als historisch verbürgt angesehen wurde. König Friedrich Wilhelm IV. nahm dies schließlich 1844/45 zum Anlass, ein Denkmal für die vermeintliche Begebenheit auf der Halbinsel Schildhorn errichten zu lassen. Jaczo blieb darüber hinaus jedoch eine weiterhin geheimnisumwitterte Person.
Vermutlich vor 1130 geboren wird er erstmals 1145 anlässlich seiner Heirat mit Agatha, einer Tochter der einflussreichen polnischen Magnatenfamilie der Wlastiden erwähnt. Darüber hinaus werden seine Existenz, sein Name und seine Titel durch Münzfunde aus der Zeit um 1150 belegt. Vermutlich wurde er auch in Köpenick geboren und übernahm sein dortiges Herrschaftsgebiet als väterliches Erbe. Bei seiner Einheirat in die Familie der Wlastiden wurde Jaczo urkundlich als Fürst der Sorben (dux Sorabie) bezeichnet.
Nach dem Tode Pribislaws 1150 machte Jaczo Erbansprüche auf die Brandenburg und das Herrschaftsgebiet der Heveller geltend und fühlte sich enterbt, als er erfuhr, dass Albrecht der Bär die Brandenburg nach dem Tode des Hevellerfürsten übernommen hatte. 1153 eroberte er daraufhin die Brandenburg, die 1157 von Albrecht zurückerobert wurde.
Es ist aber bereits unklar, ob Jaczo im Frühjahr 1157 überhaupt noch Herr der Brandenburg war. Denn anders als die Schildhornsage nahelegt, dürfte Jaczo schon lange vorher, wenn nicht sogar seit seiner Geburt Christ gewesen sein. Ansonsten hätte er auch 1145 kaum in die polnische Piastenfamilie einheiraten können. Als Christ hätte sich Jaczo aber nach 1153 möglicherweise weder auf der Brandenburg noch im Herrschaftsgebiet der Heveller lange behaupten können.
Gleichwohl enthält auch die Schildhornsage am Rande einige historisch belegte Elemente: Parallel zum Feldzug Albrechts gegen die Brandenburg bereitete auch Kaiser Friedrich Barbarossa einen Feldzug gegen die Polenherzöge Boleslaw IV. und Mieszko III. vor, mit denen Jaczo verbündet war. Dieser kaiserliche Feldzug gegen Jaczos polnische Verbündete führte im August 1157 zu deren Unterwerfung, die durch die Stellung fürstlicher Geiseln besiegelt wurde. Auch Jaczos einziger Sohn, dessen Name nicht überliefert ist, wurde dem Böhmenherzog Vladislav übergeben und sollte von diesem Ende September 1157 zu Kaiser Friedrich Barbarossa nach Würzburg gebracht werden. Doch der Junge starb bereits auf der Reise nach Prag und wurde im Nonnenkloster von Doksany nördlich von Prag beigesetzt.
Jaczo, der nun seinen leiblichen Erben verloren hatte, blieb auch nach 1157 zunächst in Köpenick, wie Münzfunde auch aus den Jahren nach 1160 belegen. 1162/63 unternahm er eine Wallfahrt ins Heilige Land. Nach seiner Rückkehr begann er sich, gestützt auf seine dortigen familiären Beziehungen, zunehmend nach Polen zu orientieren. 1163 stiftete er das Kloster Miechów nördlich von Krakau, wo er auch umfangreiche Besitzungen erwarb. Ende 1168 übertrug er bei einem Treffen in Ueckermünde am Stettiner Haff seinen Köpenicker Herrschaftsbereich für den Fall seines Ablebens den Herzögen Bogislaw und Kasimir von Pommern. Diese vertragliche Verfügung setzte aber wohl voraus, dass Jaczo auch nach seiner Unterwerfung 1157 weiter über sein ererbtes Fürstentum frei verfügen konnte.
Gleichwohl wurde aus Jaczo von Köpenick nun zunehmend Jaksa von Miechów und beteiligte sich als solcher engagiert an den innerpolnischen Adelsauseinandersetzungen der 60er- und 70er-Jahre des 12. Jhs. Nach seinem Tode im Februar 1176 wurde er im Kloster von Miechów beigesetzt. Seinen Köpenicker Herrschaftsbereich übernahmen nun die Herzöge von Pommern auf Grundlage der vertraglichen Vereinbarung von 1168.
Propst Nikolaus von Bernau († 1325) –
Lynchmord vor der Marienkirche
Nach dem Aussterben der Askanier in der Mark Brandenburg 1320 blieb die Nachfolgefrage zunächst ungeklärt, denn auch die Machtverhältnisse im Reich waren unklar. Erst 1322 setzte sich der Wittelsbacher Ludwig IV. in der Schlacht bei Mühldorf am Inn als König durch. 1323 erklärte er daraufhin die Mark Brandenburg zum »erledigten Reichslehen« und belehnte seinen erst achtjährigen Sohn mit der Mark.
Doch die Reichspolitik blieb weiter unruhig und geriet noch 1323 auch in Konflikt mit den Machtansprüchen Papst Johannes XXII. Dieser steigerte die kirchlichen Ansprüche auf Abgaben ins Unermessliche und geriet hierüber vor allem mit dem dem Armutsgebot verpflichteten Orden der Franziskaner in Streit. Als der Papst das Armutsgebot für Ketzerei erklärte, floh die Führung des Franziskanerordens zu Ludwig IV. 1324 exkommunizierte Johannes XXII. daraufhin Ludwig und erklärte ihn wenig später als König für abgesetzt. Es erwies sich jedoch, dass mit der Exkommunikation eines Königs anders als in den Jahrhunderten zuvor in Deutschland nicht mehr ohne weiteres Politik zu machen war. Ausläufer dieser weltpolitischen Auseinandersetzung des 14. Jhs. streiften aber auch die Mark Brandenburg.
So behauptete Herzog Rudolf I. aus der askanischen Seitenlinie Sachsen-Wittenberg, der zudem mit einer brandenburgischen Askaniertochter verheiratet war, eigene Ansprüche auf die Mark Brandenburg und den Markgrafentitel. Angesichts dessen war die Bevölkerung der Mark, wie auch die Bürgerschaft von Berlin/Cölln, in Anhänger der Wittelsbacher und der sächsisch-askanischen Ansprüche gespalten.
In dieser Situation suchte am 16. August 1325, dem letzten Tag des Laurentiusmarktes, der Propst Nikolaus von Bernau, einer um 1230 entstandenen Stadt nordöstlich von Berlin, seinen Berliner Amtsbruder Propst Eberhard auf, um in dessen Sprengel in der Marienkirche eine Gastpredigt zu halten. Über Nikolaus wissen wir nicht viel mehr, als dass er der Hofkaplan des letzten askanischen Markgrafen Woldemar gewesen und nach dessen Tod 1319 vermutlich vom Bischof von Brandenburg zum Propst in Bernau ernannt worden war. Sicher ist aber, dass er ein engagierter Vertreter des Papsttums und in der Auseinandersetzung zwischen dem gebannten König Ludwig IV. und Herzog Rudolf I. von Sachsen, schon aufgrund seiner askanisch geprägten Vergangenheit, ein Gefolgsmann des Letzteren war.
Am 16. August 1325 predigte er jedenfalls zornerfüllt von der Kanzel der Marienkirche, beschimpfte die Bürger, weil sie den fälligen Peterspfennig noch immer schuldeten und weiter zum gebannten König hielten. Als er immer heftiger gegen den Wittelsbacher Markgrafen wütete und den königstreuen Bürgern schließlich mit Kirchenstrafen drohte, wuchs die Erregung unter den Zuhörern. Aus Murren wurden Wutschreie. Schließlich zerrte die Volksmenge Nikolaus aus der Marienkirche auf den Neuen Markt, wo man ihn erschlug und auf einem Scheiterhaufen verbrannte.
Papst Johannes XXII. verhängte daraufhin für mehr als 20 Jahre über Berlin/Cölln den Kirchenbann. Entgegen der Meinung vieler Chronisten tat dies der Entwicklung Berlins aber kaum Abbruch. So wurde die geistliche Versorgung der Stadt vom Berliner Kloster der in Opposition zum Papst stehenden Franziskaner gewährleistet. Gleichwohl blieb der päpstliche Bann ein Schönheitsfehler für die aufstrebende Handelsstadt Berlin/Cölln, von dem man sich erst 1347 durch die Zahlung eines hohen Sühnegeldes von 850 Mark Silber an den Bischof von Brandenburg freikaufen konnte. Außerdem musste die Stadt ein steinernes Sühnekreuz am Ort der Tat errichten. Dieses Kreuz steht auch heute noch neben dem Hauptportal der Marienkirche.
Friedrich I. (1371 – 1440) –
Der erste Hohenzoller in der Mark sorgt für Recht und Ordnung
Friedrich wurde am 21. September 1371 auf der Cadolzburg bei Fürth, der Residenz seines Vaters, des Burggrafen Friedrich V. von Nürnberg aus dem Geschlecht der Hohenzollern, geboren. Die ursprünglich aus Schwaben stammenden Hohenzollern waren seit 1192 Burggrafen von Nürnberg, womit sich ihr Herrschaftsschwerpunkt nach Franken verlagerte. Angesichts des Verfalls der Königsmacht hatte das Amt des Burggrafen von Nürnberg zu dieser Zeit aber schon beträchtlich an Bedeutung verloren. Der eigentliche Wert dieses Amtes lag aber darin, dass seine Träger seit 1180 als unmittelbare Reichsfürsten galten.
Die Hohenzollern hatten im Laufe der Zeit einiges an Territorien in Franken gewonnen, die sie von der Cadolzburg aus regierten. Seit 1397 herrschte Friedrich als Burggraf Friedrich VI. von Nürnberg über die ansbachischen Gebiete der Hohenzollern um die Cadolzburg. 1401 heiratete er Elisabeth von Bayern-Landshut (1383 – 1442), mit der er zehn Kinder hatte, darunter den ältesten Sohn Johann (den Alchemist) (1406 – 64) und die beiden späteren Markgrafen von Brandenburg Friedrich II. und Albrecht Achilles. Politisch war Friedrich ein treuer Anhänger der deutschen Könige Ruprecht und Sigismund. Letzterem leistete er darüber hinaus wertvolle Dienste zu dessen Königswahl 1411.
Als Dank beauftragte ihn Sigismund noch 1411 mit der Verwaltung der verwaisten Mark Brandenburg. Am 4. Juli 1412 hielt Friedrich seinen Einzug in die Doppelstadt Berlin/Cölln, die ihm bereits am 7. Juli huldigte. Dagegen erschienen auf dem Landtag in Brandenburg an der Havel am 10. Juli weder der Adel der Altmark noch der der Priegnitz und auch wichtige mittelmärkische Adelsgeschlechter fehlten. Friedrich musste sich erst militärischen Respekt verschaffen. Am 24. Oktober 1412 besiegte er mit einem Ritteraufgebot aus den schwäbischen und fränkischen Territorien der Hohenzollern und mit Unterstützung der mittelmärkischen Städte die mit den Quitzows verbündeten Herzöge von Pommern am Kremmener Damm.
Daraufhin huldigte am 4. April 1413 auch der gesamte Adel der Mark, einschließlich der Quitzows auf einem Ständetag in Berlin/Cölln, Friedrich als neuem Landesherrn. Ungeachtet dessen setzten die Quitzows und andere Adelsgeschlechter aber ihre Raubzüge fort, sodass Friedrich schließlich Ende 1413 mit dem Erzbischof von Magdeburg, sächsischen und anhaltinischen Fürsten sowie den Äbten der Klöster Lehnin und Zinna einen Feldzug gegen den aufsässigen Landadel beschloss.
Im Februar/März 1414 wurden die Burgen der Quitzows, Putlitz und Rochows und anderer Raubritter mit Hilfe neuartiger Kanonen belagert. Diese hatte sich Friedrich vom Landgrafen von Thüringen wie auch vom Deutschen Orden in Preußen geborgt. Ihre schweren Steinkugeln zerschlugen die bislang unüberwindlichen Mauern der Burgen, sodass diese übergeben werden mussten und im Anschluss von Friedrichs Truppen völlig zerstört wurden. Auf dem Landtag in Tangermünde wurde noch im März 1414 der gesamte Besitz der besiegten Frondeure zugunsten des neuen Landesherrn eingezogen. Anschließend erließ Friedrich am 20. März 1414 in Tangermünde ein Landfriedensgesetz, das künftige Adelsfehden verbot.
Angesichts dieser Leistungen übertrug König Sigismund daraufhin auf dem Konzil von Konstanz am 30. April 1415 die Mark Brandenburg nebst Kurwürde als erbliches Lehen, zunächst allerdings noch unter dem Vorbehalt eines königlichen Wiederkaufsrechts von 400.000 Goldgulden, an Friedrich. Zwei Jahre später, am 18. April 1417, belehnte Sigismund den nunmehrigen Kurfürsten Friedrich I. von Brandenburg dann jedoch uneingeschränkt mit der Kurwürde und dem Markgrafenamt.
Das märkische Territorium Friedrichs I. umfasste Altmark, Priegnitz, Havelland, Zauche, Teltow, Barnim, Lebus, Sternberg und einen Teil der Uckermark. Friedrich hielt sich von 1416 bis 1420 nicht in der Mark auf, sondern kümmerte sich um die Vermehrung seines fränkischen Territorialbesitzes. Nach seiner eigenen endgültigen Belehnung mit der Mark beauftragte er 1417 seinen ältesten Sohn Johann (den Alchemist) mit der Wahrnehmung der markgräflichen Amtsgeschäfte.
Nach 1426 ist Friedrich nicht mehr in der Mark gewesen. 1437 regelte er seine Nachfolge für die verschiedenen hohenzollernschen Territorien. Der bisherige Statthalter in der Mark Johann (der Alchemist) sollte das Fürstentum Bayreuth übernehmen, während Friedrichs I. zweitältester Sohn als Friedrich II. sein Nachfolger als Kurfürst von Brandenburg werden sollte. Als Friedrich I. am 20. September 1440, am Vorabend seines 69. Geburtstages, auf der Cadolzburg, wo weiterhin das Zentrum der hohenzollernschen Herrschaft lag, verstarb, war er in der Mark halbvergessen.
Friedrich II. Eisenzahn (1413 – 1471) –
Berlin wird Residenzstadt
Friedrich II. wurde am 19. November 1413 auf der Burg zu Tangermünde, der seinerzeitigen kurfürstlichen Hauptresidenz in der Altmark, geboren. Ostern 1421 wurde er mit der gleichaltrigen polnischen Königstochter Hedwig verlobt und an den polnischen Königshof nach Krakau gegeben, wo seine weitere Erziehung erfolgte. Der Tod Hedwigs, die 1431 in seinen Armen starb, führte bei Friedrich zu einer schwermütigen Grundeinstellung, die ihn zeitlebens nicht verließ. Als Reflex auf seine polnisch geprägte Erziehung war Friedrich später als Landesherr darüber hinaus in einem besonderen Maße deutsch orientiert. Nach dem Tod seiner Braut kehrte er 1431 in die fränkischen Stammlande der Hohenzollern zurück.
Die väterliche Erbfolgeverfügung von 1437 bescherte ihm dann die Mark, wo er nach dem Tode Friedrichs I. die Regierung als Markgraf und Kurfürst übernahm. Hier konzentrierte er sich vor allem auf die Stärkung seiner eigenen Herrschaft und kümmerte sich anders als sein Vater nur wenig um die Reichspolitik. Besonders störten ihn die Selbständigkeitsbestrebungen der größeren märkischen Städte, allen voran Berlin/Cöllns, das sich schon 1432 zu einer einheitlichen Stadtgemeinde zusammengeschlossen hatte. Schon bei der Huldigung durch die Stadt am 14. November 1440 bestätigte er zwar formell die städtischen Privilegien, verweigerte aber den üblichen landesherrlichen Eid auf deren Wahrung.
1441 heiratete Friedrich Katharina von Sachsen (1421 – 76), mit der er vier Kinder hatte, von denen aber nur die beiden Töchter Dorothea und Margarete das Erwachsenenalter erreichten, während die beiden Söhne bereits als Kinder starben.
1442 kam es in Berlin/Cölln zu Auseinandersetzungen zwischen dem städtischen Patriziat und den nach politischer Teilhabe an der Stadtregierung strebenden Handwerkerinnungen. Als sich diese mit der Bitte um landesherrliche Vermittlung an Friedrich wandten, erschien er mit 600 bewaffneten Reitern vor der Stadt und erzwang die Öffnung der Stadttore. Als scheinbarer Vermittler zwischen den innerstädtischen Fronten zwang er zunächst den patrizischen Rat zum Rücktritt. Dann ordnete er die Trennung der Stadtgemeinden Berlin und Cölln an und verbot ihnen Bündnisse mit märkischen und auswärtigen Städten, wie etwa der Hanse. Zugleich öffnete er den Innungen den Zugang zu den Räten der beiden Städte, behielt sich aber die Bestätigung und Ernennung der künftigen Ratsherren vor. Ferner entzog er den Städten wichtige wirtschaftliche und rechtliche Privilegien, die diese bislang innegehabt hatten. Am 29. August 1442 mussten die neuen Stadträte eine Unterwerfungsurkunde gegenüber dem kurfürstlichen Landesherrn unterschreiben.
Schließlich ließ sich Friedrich auf der Werderinsel nördlich von Cölln einen Bauplatz für ein Schloss abtreten, zu dem er am 31. Juli 1443 persönlich den Grundstein legte. Der Bau dieses Schlosses wurde in der Bevölkerung allgemein als Errichtung einer Zwingburg gegen die Städte angesehen, was schließlich im Januar 1448 unter Führung des Cöllner Bürgermeisters Bernd Ryke zu einem Aufstand der Bürgerschaft führte. Die erzürnten Bürger nahmen den kurfürstlichen Richter Balthasar Haken gefangen und stürmten das »Hohe Haus«, die bisherige landesherrliche Residenz in Berlin, wo sie zahlreiche Dokumente und kurfürstliche Urkunden verbrannten. Schließlich setzten sie die Baustelle des Schlosses unter Wasser. Dieser »Berliner Unwille« blieb jedoch ohne Unterstützung der Hanse oder anderer Städte. Auf sich allein gestellt musste sich die Doppelstadt, einem ständischen Gerichtsspruch in Spandau beugen, wonach die Städte weiter an die »Reformation« des Jahres 1442 gebunden seien. Die Anführer des Aufstandes, darunter auch Bernd Ryke, wurden der Stadt verwiesen und verbannt. Am 23. September 1448 mussten die verbleibenden Ratsherren der Doppelstadt Friedrich II. im Rathaus von Spandau erneut huldigen.
1451 konnte Friedrich das Schloss in Cölln beziehen. Im selben Jahr verlegte er das kurfürstliche Hofgericht von Tangermünde in das Schloss zu Cölln, wo er mit Unterstützung kurfürstlicher Räte als Landesherr Recht sprach. Dies ist zugleich der Beginn der Geschichte des Berliner Kammergerichts.
Als durch den frühen Tod seiner Braut Hedwig innerlich stark geprägter und tiefgläubiger Mensch unternahm Friedrich 1453/54 eine Pilgerfahrt ins Heilige Land. Nach seiner Rückkehr öffnete er 1454 die Schlosskapelle seinen Untertanen als Pfarrkirche. Schon 1447 hatte er vom Papst die Anerkennung seiner Hoheit über die Bistümer Brandenburg und Havelberg verbunden mit dem Recht der Ernennung der Bischöfe erworben.
1465 erhob Friedrich die Pfarrkirche im Schloss zum Domstift, das mit neun Domherren besetzt wurde, und stiftete damit zugleich den Berliner Dom. Im selben Jahr verstarb aber auch sein Sohn Johann im Alter von zwölf Jahren, womit Friedrich nun ohne männlichen Erben war. Das mag die Melancholie bestärkt haben, die Friedrichs gesamtes Leben prägte, und ab 1467 krankhafte Züge annahm.
1470 dankte er von Depressionen geplagt und ohne männlichen Erben zugunsten seines ein Jahr jüngeren Bruders Albrecht Achilles (1414 – 86) ab und zog sich nach Franken zurück, wo er bereits am 10. Februar 1471 in Neustadt a. d. Aisch starb.
Bauten aus der Zeit des Mittelalters
Der älteste Siedlungskern Berlins entwickelte sich um den »Olden Markt« – den späteren Molkenmarkt – und die Nikolaikirche, deren granitener Turmsockel aus der Zeit um 1230 stammt und damit das wohl älteste Baudenkmal im Stadtzentrum aus mittelalterlicher Zeit darstellt. Die Nikolaikirche insgesamt wurde aber erst 1470 fertiggestellt. Das heutige Nikolaiviertel um die Kirche wurde im Vorfeld des 750-jährigen Stadtjubiläums von 1982 – 87 mit den in der damaligen DDR vorhandenen Möglichkeiten (Betonfertigteile) als historisierende Nachgestaltung des mittelalterlichen Stadtzentrums wieder aufgebaut und ist in Anbetracht dessen als gut gelungen anzusehen.
Aus der Mitte des 13. Jhs. stammt auch die Ruine der Klosterkirche an der Klosterstraße. Die Marienkirche entstand um 1270 als Backsteinbau auf einem Granitsockel und wurde wohl bis 1340 zur gotischen Hallenkirche umgebaut. Vor der Kirche befindet sich das Sühnekreuz von 1347. In der Waisenstraße befinden sich die letzten Reste der Stadtmauer aus dem 13. Jh. Die Kapelle des Heiliggeistspitals in der Spandauer Straße stammt aus der Zeit um 1300 und ist heute in das 1906 errichtete Gebäude der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Humboldt-Universität integriert, der sie als Fest- und Vortragssaal dient.
Der untere Teil des Juliusturms auf der Spandauer Zitadelle stammt als Relikt der askanischen Burg aus der Zeit um 1200 und ist damit das älteste Gebäude in Berlin. Demgegenüber stammt der ihm unmittelbar benachbarte Palas »erst« aus der Zeit um 1475. Die Nikolaikirche in der Spandauer Altstadt dürfte in der ersten Hälfte des 15. Jhs. errichtet worden sein. Das Gotische Haus in der Breiten Straße 32 stammt aus dem frühen 15. Jh. und stellt das älteste ursprüngliche Privathaus Berlins dar. Im Hohen Steinweg finden sich noch Reste der mittelalterlichen Stadtmauer Spandaus aus dem 14. Jh.
Zu erwähnen sind auch die 42 mittelalterlichen Dorfkirchen in den 1920 nach Berlin eingemeindeten früheren Landgemeinden. Die älteste von ihnen ist die von Marienfelde (um 1220), die kleinste die von Schmargendorf (14. Jh.). Von besonderer Bedeutung sind die gotischen Wandmalereien aus der Zeit um 1390 in der Dahlemer St. Annenkirche. Es handelt sich um die ältesten erhaltenen Bildzeugnisse im Berliner Raum.
Von besonderem Interesse ist das Museumsdorf Düppel in Zehlendorf, eine Rekonstruktion einer Dorfanlage um 1220 auf den Fundamenten einer tatsächlichen mittelalterlichen Siedlung, das einen guten Einblick in das mittelalterliche Landleben nicht nur im Berliner Raum bietet.

Die Dorfkirche Schmargendorf –
Auch heute noch die kleinste Kirche Berlins
HAUPTSTADT BRANDENBURGS
(1448 – 1701)

Joachim I. Nestor (1484 – 1535)
Hans Kohlhase (um 1500 – 1540)
Joachim II. Hektor (1505 – 1571)
Friedrich Wilhelm Der Große Kurfürst (1620 – 1688)
Johann Gottlieb Kunckel (um 1630 – 1702/03)
Bauten des 16. und 17. Jahrhunderts
Mit der Niederwerfung Berlins endete auch dessen Rolle als regionale Handelsmetropole. Der Handel ging durch den Verlust der wirtschaftlichen Privilegien zurück und die Bevölkerung stagnierte bei weiterhin etwa 8.500 Einwohnern, darunter viele Kleriker und Hofbedienstete. 1470 huldigten die Doppelstädte dem neuen Kurfürsten Albrecht Achilles. Dieser erließ 1473 die Dispositio Achillea, durch die die Primogenitur und Unteilbarkeit der brandenburgischen Lande festgelegt wurden. Dies stellte den Ausgangspunkt für die territorialstaatliche Entwicklung der Mark Brandenburg dar. Im Übrigen hielt sich Albrecht nur wenig in der Mark auf. 1476 übertrug er die Regentschaft seinem damals 21-jährigen Sohn Johann Cicero und verstarb zehn Jahre später auf einem Reichstag in Frankfurt am Main.
Der neue Kurfürst Johann Cicero (1455 – 99) machte Berlin/Cölln noch 1486 zur ständigen Residenz. Damit wurde die Doppelstadt zum Mittelpunkt des brandenburgischen Staates und übernahm verstärkt Regierungsaufgaben. Fortan arbeiteten hier die kurfürstlichen Zentralbehörden, die einen erheblichen Teil des Steueraufkommens des gesamten Kurfürstentums umsetzten. Dafür bildeten sich ständige Verwaltungsorgane heraus, die sich auf einen juristisch geschulten, festen Beamtenstand stützen konnten. Nun begann auch die Einwohnerzahl zu steigen, wobei vor allem die Zuwanderung aus Sachsen und Thüringen sowie aus Franken eine besondere Rolle spielte. Die Regierungs- und Verwaltungsämter bei Hofe wurden zunächst vor allem mit Franken besetzt. Die Bedürfnisse des wachsenden Hofes brachten aber auch wieder Handel und Handwerk zum Blühen. Schließlich gewann Anfang des 16. Jhs. auch das städtische Patriziat seine führende Rolle zurück. Berliner Kaufleute versuchten sich nun auch wieder im Fernhandel, u. a. mit Hamburg, Lübeck, Danzig und Nürnberg.
1539 trat Kurfürst Joachim II. zum lutherischen Bekenntnis über und zog anschließend den Besitz der katholischen Kirche ein.
Als 1613 der nunmehrige Kurfürst Johann Sigismund (1572 – 1619) unerwartet zum Calvinismus übertrat, stieß dies bei der lutherisch gesonnenen Bürgerschaft Berlins und Cöllns auf völliges Unverständnis. Als zwei Jahre später während einer Abwesenheit des Kurfürsten sein Bruder Markgraf Johann Georg die Säuberung des Berliner Doms von allen »Bildnissen« anordnete, um ihn calvinistisch schmucklos zu gestalten, kam es zu Tumulten. Der zurückgeeilte Kurfürst sah sich zur Befriedung der Lage gezwungen, seinen Untertanen Religionsfreiheit zu gewähren und als Landesherr auf die Durchsetzung des calvinistischen Bekenntnisses zu verzichten.
1618 starb der letzte preußische Herzog Albrecht Friedrich ohne männlichen Nachkommen in Königsberg, womit Johann Sigismund die Erbfolge als Herzog von Preußen antreten konnte. Er dankte selber aber bereits im November 1619 nach einem Schlaganfall zugunsten seines Sohnes Georg Wilhelm (1595 – 1640) ab und verstarb am 23. Dezember 1619. Berlin und Cölln hatten zu dieser Zeit, am Beginn des Dreißigjährigen Krieges, rund 12.000 Einwohner.
Kurfürst Georg Wilhelm war ein willensschwacher und kranker Mann, der den Herausforderungen seiner Zeit in keiner Weise gewachsen war. Zunächst versuchte er, Brandenburg als neutrales Land durch den Krieg zu lavieren. Doch das Land verfügte nicht über Streitkräfte, um seine Neutralität behaupten zu können. So war Georg Wilhelm bald auf kaiserlich-katholischer Seite, bald auf schwedisch-protestantischer. Damit gab er aber Brandenburg erst recht den plündernden Truppen aller Seiten preis. Zwar blieben Berlin und Cölln von Plünderungen oder Belagerungen verschont, doch Kriegszahlungen und unentgeltliche Warenlieferungen zur Versorgung der fremden Truppen brachten das städtische Leben nahezu zum Erliegen. 1630 brach zudem erneut die Pest aus und forderte tausende Todesopfer. Von 1631 bis 1634 musste den Schweden die Festung Spandau überlassen werden. 1635 schloss sich Brandenburg einem Bündnis mit dem Kaiser an, womit die Mark erneut zum Zentrum grausamer Kämpfe zwischen Schweden und Kaiserlichen wurde. Im August 1638 verlegte Georg Wilhelm seine Residenz nach Königsberg, der Hauptstadt seines Herzogtums Preußen. Die Mark überließ er dem kaisertreuen Statthalter Graf zu Schwarzenberg, der den Sitz der kurfürstlichen Verwaltung in die Festung Spandau als sicheren Ort verlegte. Georg Wilhelm verstarb schließlich in Königsberg am 1. Dezember 1640 im Alter von nur 45 Jahren. Um die Jahreswende 1640/41 beschloss Schwarzenberg beim Herannahen eines kleineren schwedischen Korps die Cöllner Vorstädte abzubrennen, um freies Schussfeld gegen die Schweden zu erlangen. Doch die Schweden zogen sich zurück und Schwarzenberg hatte durch seine Anordnung Cölln wieder auf seine mittelalterlichen Grenzen reduziert.
Der neue Kurfürst Friedrich Wilhelm schloss im Juli 1641 in Stockholm einen Waffenstillstand mit Schweden und begann Brandenburg aus der engen Bindung an die Politik des Kaisers und der Habsburger zu lösen. Dennoch konnte er erst im März 1643 nach Berlin zurückkehren, um die Huldigung der Doppelstadt entgegenzunehmen. Diese hatte nur noch 6.000 Einwohner. Ein Drittel der Häuser stand leer und verfiel, und auch das seit Jahren leerstehende Schloss war verfallen und kaum nutzbar.
Zur Instandsetzung des Schlosses holte Friedrich Wilhelm Bauhandwerker aus den Niederlanden. Verantwortlicher für die Bauarbeiten wurde der aus Österreich stammende Architekt Johann Gregor Memhardt (1607 – 78). Dieser zeichnete 1650 auch den ersten Stadtplan Berlins, der im Wesentlichen noch den mittelalterlichen Umfang der Doppelstadt wiederspiegelt.
Unter dem Eindruck der Erfahrungen des Dreißigjährigen Krieges beauftragte Friedrich Wilhelm Memhardt auch mit der Befestigung Berlin/Cöllns. Von 1658 bis 1683 wurde Berlin daraufhin mit einer mächtigen Stadtbefestigung mit Wällen, Wassergräben, 13 Bastionen und sechs Stadttoren umgeben. Westlich von Cölln, aber noch innerhalb des Festungsgürtels entstand 1662 als dritte Residenzstadt das Friedrichswerder, in dem sich vor allem Bedienstete des Hofes niederließen. 1674 folgte außerhalb der Stadtbefestigung die Dorotheenstadt, als Vorstadt zwischen den »Linden« im Süden und der Spree im Norden. Neben diesen Städten entstanden zu dieser Zeit vor den Toren der Stadt noch weitere Vorstädte, die nach den zugehörigen Stadttoren benannt wurden, so die Georgenvorstadt, die Stralauer und die Spandauer Vorstadt sowie südlich der Spree die Köpenicker Vorstadt.
Als Friedrich Wilhelm 1685 mit dem Edikt von Potsdam den aus Frankreich geflüchteten Hugenotten Zuflucht in Brandenburg gewährte, folgten dem etwa 20.000 Glaubensflüchtlinge, von denen sich rund 6.000 in Berlin, vor allem in Friedrichswerder und der Dorotheenstadt niederließen. Diese Zuwanderung brachte einen enormen Entwicklungsschub für Brandenburg und Berlin mit sich. 1688 im Todesjahr des Großen Kurfürsten, wie Friedrich Wilhelm seit seinem Sieg bei Fehrbellin 1675 genannt wurde, hatte Berlin ungefähr 20.000 Einwohner, von denen rund ein Drittel zugewanderte Hugenotten waren.
Der neue Kurfürst Friedrich III. begann schon 1688 mit der Anlage einer fünften Residenzstadt, der Friedrichstadt, die südlich an die Dorotheenstadt anschloss. Ab 1695 ließ Friedrich nach Plänen Johann Arnold Nerings (1659 – 95) westlich des Dorfes Lietzow, auf halbem Wege zwischen Berlin und Spandau, das Schloss Lietzenburg als Sommerresidenz für seine Gattin Sophie Charlotte errichten. 1696 stiftete Friedrich die Berliner Akademie der Künste. 1698 begann der Umbau des Berliner Schlosses zu einem prunkvollen Barockbau, der als Schlüterbau in die Geschichte eingehen, aber erst nach Friedrichs Tod und Schlüters Weggang vollendet werden sollte. 1700 erfolgte die Gründung der Akademie der Wissenschaften, deren erster Präsident der Philosoph Gottfried Wilhelm Leibnitz (1646 – 1716) wurde. Berlin hatte um 1700 bereits rund 29.000 Einwohner.
Nach jahrelangen diplomatischen Vorarbeiten, zu denen vor allem die Einholung der Zustimmung des Habsburger Kaisers gehörte, krönte sich Friedrich III. schließlich am 18. Januar 1701 im Königsberger Schloss selbst zum König in Preußen.
Joachim I. Nestor (1484 – 1535) –
Renaissancefürst und treuer Katholik
Der am 21. Februar 1484 im Schloss zu Cölln Geborene wuchs von 1490 bis 1498 in Neustadt a. d. Aisch, am glänzenden Hofe der Witwe Kurfürst Albrecht Achilles, auf. Beim Tode seines Vaters, Kurfürst Johann Ciceros, im Januar 1499 war er noch keine 15 Jahre alt. Trotz seines jugendlichen Alters wollte er von Anfang an allein regieren und wies den Versuch seines fränkischen Onkels Friedrich von Ansbach, ihn unter Berufung auf die Dispositio Achillea unter Vormundschaft zu nehmen, zurück.
Seine erste Bewährungsprobe bestand der jugendliche Kurfürst im Kampf gegen das wieder aufgelebte Raubrittertum in der Mark. Als diese ihn und sein Gefolge sogar bei der Jagd in der Köpenicker Heide überfielen, war das Maß voll. Binnen weniger Monate ließ Joachim 40 von ihnen köpfen oder hängen, womit die landesherrliche Macht in der Mark wieder gefestigt war.
Als 1501 die Pest in Berlin ausbrach, verlegte Joachim die kurfürstliche Residenz nach Stendal, wo er am 10. April 1502 die dänische Prinzessin Elisabeth (1485 – 1555) heiratete, mit der er fünf Kinder, darunter den späteren Kurfürsten Joachim II. Hektor, haben sollte. Gleichwohl war die Ehe nicht glücklich. Joachim hatte zahlreiche Mätressen, mit denen er ebenfalls Kinder zeugte. Mit seinen zahlreichen Eskapaden verlor er bald die Achtung seiner Frau.
Im April 1506 eröffnete Joachim in Frankfurt/Oder mit der »Viadrina« die erste Universität in der Mark Brandenburg. Nach dem Berliner »Hostienschändungsprozess« vom Juli 1510 verfügte Joachim Ende 1510 auf Druck der Landstände die Ausweisung aller in der Mark lebenden Juden. 1514 ordnete er den Abriss des früheren gemeinsamen Rathauses von Berlin und Cölln auf der Langen Brücke an.
1516 wütete erneut die Pest in Berlin und forderte zahlreiche Todesopfer. Im Herbst des gleichen Jahres tauchte der Dominikanermönch und Ablassprediger Johann Tetzel (um 1465 – 1519) erstmals in Berlin auf und predigte vor dem »Grauen Kloster« unweit des heutigen Alexanderplatzes. Im Frühjahr 1517 predigte Tetzel sogar in der Berliner Nikolaikirche. Sein Ablasshandel war ein wesentlicher Anlass für Martin Luthers (1483 – 1546) 95 Thesen, die er am 31. Oktober 1517 an das Tor der Schlosskirche zu Wittenberg anschlug. Dieses Ereignis konnte Joachim nicht unberührt lassen, lag doch Wittenberg, das Zentrum der Reformation, zwar territorial im Kurfürstentum Sachsen, kirchenrechtlich aber im Bistum Brandenburg, für das Joachim verantwortlich war und für das er das Ernennungsrecht besaß.
Joachim reagierte auf das aufkommende Luthertum strikt ablehnend und entwickelte sich zu einem der erbittertsten Widersacher der Reformation. So trat er auf dem Reichstag zu Worms 1521 als schärfster Gegner Luthers unter den Fürsten hervor, prügelte sich fast mit dem Kurfürsten von Sachsen, der als Beschützer Luthers auftrat, und forderte den Reformator vergeblich zum Widerruf auf. Am Erlass des Wormser Edikts vom 25. Mai 1521, durch das Luther der Reichsacht unterfiel, kommt ihm ein wesentlicher Anteil zu.
Auf der anderen Seite konnte Joachim Nestor nicht verhindern, dass die Kurfürstin Elisabeth hinter seinem Rücken schon 1519 mit dem damals 13-jährigen Kurprinzen Joachim den Reformator in Wittenberg aufgesucht hatte. 1521 entschlossen sich in Berlin und Cölln zudem die Räte, Gilden und Schulen zum Boykott der katholischen Fronleichnamsprozessionen.
Joachim hielt dagegen und verbot die Einfuhr von Luthers Bibel, das Studium lutherischer Schriften wie das Singen lutherischer Lieder. Er befahl den Einwohnern der Residenzstädte die Teilnahme an den katholischen Prozessionen und verwies seinen Sekretär Joachim Zerer wegen lutherischer Sympathien aus der Residenz Berlin/Cölln.
1525 machte er sich zum Gespött der Berliner. Sein Astrologe und Leibarzt Johann Carion hatte für den 15. Juli 1525 der Untergang der Residenzstädte durch eine Sintflut vorausgesagt. Am Morgen dieses heißen Tages verließ eine Wagenkolonne mit dem Hofstaat das Schloss in Cölln und fuhr eilends auf die von kurfürstlichen Reisigen abgesperrten Tempelhofschen Berge (den heutigen Kreuzberg), um dort das Ende der Stadt abzuwarten. Nachdem sich die Hitze am Nachmittag in einem mehrstündigen Sommergewitter entladen hatte, ordnete der blamierte Kurfürst die Rückkehr ins Schloss an. Als der Tross schon den Schlossplatz erreicht hatte, brach ein erneutes Gewitter aus. Ein Blitz schlug gerade in die Kutsche ein. Als der geblendete Kurfürst aus dem Gefährt wankte, fand er einen der Wagenknechte und die vier Pferde des Gespanns vom Blitz getötet vor.
Schließlich zerstörte die Reformation die ohnehin zerrüttete Ehe des Kurfürsten vollends. Die Kurfürstin Elisabeth hatte schon seit langem mit dem lutherischen Bekenntnis sympathisiert. Als Joachim Ostern 1527 mit seiner Geliebten Katharina Hornung nach Breslau reiste, trat Elisabeth zum neuen Glauben über. Als dies Joachim nach seiner Heimkehr erfuhr, soll er Elisabeth verprügelt und ihr angedroht haben, sie lebendig einmauern zu lassen. Allein die brandenburgischen Bischöfe rieten dem Kurfürsten zur Mäßigung. So stellte er Elisabeth ein Ultimatum, bis Ostern 1528 mit ihm gemeinsam das Abendmahl in herkömmlicher Form zu nehmen. Doch die Kurfürstin ließ es hierauf nicht ankommen. Als Bäuerin verkleidet floh sie in der Nacht vom 24. zum 25. März 1528 aus dem Schloss in Cölln und flüchtete in das protestantische Kurfürstentum Sachsen, wo ihr zu Joachims großem Ärger Asyl gewährt wurde. Elisabeth sollte erst 1545, zehn Jahre nach Joachims Tod, nach Brandenburg zurückkehren.
1534 teilte Joachim I. Nestor die Mark entgegen der Dispositio Achillea zwischen seinen beiden Söhnen auf. Der ältere Sohn Joachim erhielt die Kurwürde und die Kernterritorien der Mark, während der jüngere Sohn Johann (1513 – 1571) die Neumark und Gebiete in der Lausitz erhielt. Zugleich verpflichtete er letztwillig die Söhne dazu, für sich und ihre Territorien am katholischen Bekenntnis festzuhalten. Noch auf dem Sterbebett ließ er sie dies erneut beschwören.
Joachim I. Nestor verstarb am 11. Juli 1535 in Stendal. Zunächst im Kloster Lehnin beigesetzt, fand er 1542 seine letzte Ruhestätte in der Gruft des Berliner Doms.
Hans Kohlhase (um 1500 – 1540) –
Rebell gegen Adels- und Fürstenwillkür
Hans Kohlhase wurde um 1500 in dem Ort Tempelberg bei Müncheberg auf halber Strecke zwischen Berlin und Frankfurt/Oder geboren. Als Fernhandelskaufmann handelte er zunächst mit Honig, Heringen, Speck und anderen Viktualien (Lebensmitteln). Nach einigen Jahren erfolgreicher Handelstätigkeit erwarb er 1530 das Bürgerrecht von Cölln an der Spree und wohnte dort mit seiner Familie als geachteter Bürger in der Fischerstraße 27 oder 28. Möglicherweise begann er jetzt auch mit Pferden zu handeln.
Die Fischerstraße war eine der ältesten Straßen von Cölln, wo schon seit dem 13. Jh. die Spreefischer ihre Häuser und Trockenplätze für Kähne und Netze gehabt hatten. Der Fischerkiez mit der Fischerstraße gehörte zu den ältesten erhalten gebliebenen Teilen Berlins und wurde erst 1969 zugunsten der heutigen Hochhausbebauung abgerissen. Heute erinnert hier nichts mehr an das alte Stadtquartier und den »Rebellen« aus Cölln. An der Stelle von Kohlhases Wohnhaus war bis zu dessen Abriss an einem aus den 60er-Jahren des 19. Jhs. stammenden Nachfolgebau eine 1933 errichtete Gedenktafel mit der Inschrift »Hier befand sich die Wohnstätte des Roßkamm Hans Kohlhase zu Cölln an der Spree im 16. Jahrhundert« zu finden. Diese Gedenktafel ist seit dem Abriss des Hauses verschwunden. Vielleicht befindet sie sich aber auch nur in Vergessenheit geraten im Fundus des Märkischen Museums.
Im Oktober 1532 wurden Kohlhase auf dem Wege zur Leipziger Messe im kursächsischen Wellaune bei Düben an der Mulde zwei Pferde auf Befehl des örtlichen Gutsbesitzers Günther von Zaschwitz als angeblich gestohlen beschlagnahmt. Als Kohlhase später Zaschwitz gegenüber sein Eigentum an den Pferden nachweisen konnte, gab dieser sie nur gegen Zahlung eines Futtergeldes heraus. Zaschwitz hatte die Pferde zudem in der Zwischenzeit als Ackergäule genutzt und so abgewirtschaftet, dass eines von ihnen nur einen Tag nach der Rückgabe verendete.
Kohlhase verklagte zunächst den Junker von Zaschwitz vor sächsischen Gerichten auf Entschädigung, erhielt dort aber kein Recht. Daraufhin erklärte er am 12. März 1534 dem Junker und dem Kurfürstentum Sachsen die Fehde. In den folgenden Jahren sammelte Kohlhase, der sein Vermögen über den Rechtsstreit mit von Zaschwitz verloren hatte, eine Räuberbande um sich und versetzte Kursachsen durch Wegelagerei, Plünderungen und Erpressungen in Angst und Schrecken. Ein Versuch Martin Luthers zwischen Kohlhase und dem Kurfürstentum Sachsen zu vermitteln scheiterte bereits im Dezember 1534.
Da das Verhältnis Brandenburgs zu Kursachsen seinerzeit nicht das Beste war, unternahmen die brandenburgischen Kurfürsten Joachim I. Nestor und Joachim II. Hektor nichts gegen ihren Untertanen, solange sich dessen Wirken auf Sachsen beschränkte. Während in Sachsen ein Kopfgeld auf Kohlhase ausgesetzt wurde, erhielt er 1536 sogar einen Geleitbrief Kurfürst Joachims II., der ihm den Schutz der brandenburgischen Behörden zusicherte.
Erst als Kohlhase im Winter 1539/40 auf der damaligen Verbindungsstraße von Potsdam nach Berlin, unweit eines Vorwerks an der Einmündung der Bäke in den Griebnitzsee, einen Silbertransport aus den Mansfelder Bergwerken (für die brandenburgische Münze in Berlin) überfiel und den Silberschatz unter einer Brücke in der Bäke versenkte, endete das landesherrliche Wohlwollen. Joachim II. erklärte Kohlhase zum »Landesfeind«. Kohlhase und sein engster Vertrauter Georg Nagelschmidt wurden kurze Zeit später bei einem heimlichen Besuch in Berlin aufgegriffen, zum Tode verurteilt und am 22. März 1540 vor dem Georgentor aufs Rad geflochten.
Das Vorwerk an der Bäkemündung erhielt später den Namen Kohlhasenbrück und entwickelte sich zu dem gleichnamigen heutigen Ortsteil des Berliner Bezirks Zehlendorf. In Kohlhasenbrück befindet sich vor dem Haus Königsweg 313 an einer Eiche auch heute noch eine Gedenktafel zur Erinnerung an Kohlhase und seine Tat. Der Silberschatz in der Bäke konnte nie gefunden werden und ist, als das Bett der Bäke beim Bau des Teltowkanals (1901 – 06) ausgebaggert wurde, vermutlich für immer verschüttet worden.
Der Dichter Heinrich von Kleist (1777 – 1811) hat Hans Kohlhase in seiner 1810 entstandenen Novelle Michael Kohlhaas ein literarisches Denkmal gesetzt, das jedoch eine dichterische Verfremdung und keine authentische Wiedergabe der damaligen Ereignisse darstellt. Kleist, der sich im November 1811 mit seiner Seelenfreundin Henriette Vogel am Kleinen Wannsee erschoss, würde sich im Übrigen selbst zum biografischen Porträt eines berühmten Berliners eignen.
Joachim II. Hektor (1505 – 1571) –
Ereignisreiche Zeiten in der nunmehrigen Hauptresidenzstadt
Der am 9. Januar 1505 im Schloss zu Cölln Geborene heiratete am 6. November 1524 in erster Ehe Magdalena von Sachsen (1507 – 34). Aus dieser Ehe gingen drei Kinder hervor, darunter der spätere Kurfürst Johann Georg (1525 – 98). Joachim tat sich bereits als Kurprinz und Hauptmann des niedersächsischen Kreises 1532 im Kampf gegen die Türken hervor, wofür ihm der ritterliche Beiname »Hektor« verliehen wurde.
Obwohl durch den Eid gegenüber ihrem sterbenden Vater, am katholischen Bekenntnis festzuhalten, gebunden, setzten Joachim und sein jüngerer Bruder Hans von Küstrin, nach ihrem Regierungsantritt im Sommer 1535 als erstes ihrer im sächsischen Exil lebenden Mutter, der Kurfürstenwitwe Elisabeth, eine stattliche Leibrente aus. Ein Jahr später trat Hans zum lutherischen Bekenntnis über. Joachim war konservativer und hing vor allem an den äußeren, prunkvollen Formen der herkömmlichen Liturgie. So blieb er zunächst katholisch. Er hatte zu Beginn seiner Regierungszeit auch anderes vor, als sich um Glaubensfragen zu kümmern. So heiratete er am 1. September 1535 in zweiter Ehe Hedwig von Polen (1513 – 73), mit der er weitere vier Kinder haben sollte, und begründete durch diese Ehe interessante dynastische Verbindungen mit den schlesischen Piasten.
1537 begann der Umbau des alten Hohenzollernschlosses Friedrichs II., das wohl doch eher eine enge und schmucklose Burg als ein Schloss gewesen war, zu einer repräsentativen Renaissance-Schlossanlage mit Stechbahn, Ballhaus und Reithaus.
Auch wenn Joachim an den alten Formen kirchlichen Glaubens hing, unternahm er doch nichts gegen die Ausbreitung des lutherischen Bekenntnisses. 1537 besuchte Philipp Melanchton, einer der engsten Mitstreiter Martin Luthers, erstmals Berlin. Im Gefolge dieses Besuchs berief der Rat von Cölln Johann Badereske als ersten evangelischen Pfarrer an die Petrikirche. Es ging auch auf Melanchtons Einfluss zurück, dass Joachim ab 1539 wieder vereinzelt Juden, die aber einen kurfürstlichen Schutzbrief erwerben mussten, in Brandenburg zuließ.
Joachim hatte angesichts seiner vielen fürstlichen Ausgaben einen ständigen Bedarf nach zusätzlichen Einnahmequellen. Letztlich gab wohl auch die Aussicht auf die Vereinnahmung des katholischen Kirchengutes für Joachim den Ausschlag, am 1. November 1539 in der Spandauer Nikolaikirche zum evangelischen Glauben überzutreten und im Anschluss daran den Besitz der Klöster in Spandau, Berlin und der übrigen Mark zu konfiszieren. Im Übrigen versuchte Joachim mit der Kirchenordnung von 1540 einen evangelisch-katholischen Kompromiss, der die Kirche zwar auf lutherische Positionen festlegte, aber vieles von den Formen des alten katholischen Ritus beibehielt. Selber ließ Joachim für sich in der Hofkirche noch jahrelang Gottesdienst nach katholischer Ordnung halten. Unter Joachim II. erlebte Berlin/Cölln ein erstes Aufblühen von Kunst und Kultur. So konnten sich die Bürger 1541 in Cölln am Dreikönigsspiel, der ersten Freilichtaufführung eines Theaterstücks in der Stadt, erfreuen. 1542 ließ Joachim in seinem Jagdrevier, dem »Grünen Wald« südwestlich von Berlin, das heutige Jagdschloss Grunewald errichten. Zur besseren Verbindung dorthin ließ er von Cölln aus einen mit Bohlen belegten Reitweg anlegen, den ersten Vorläufer des späteren Kurfürstendamms.
Am Fastnachtstag, dem 15. Februar 1545, ließ der Kurfürst in Cölln die rauschende Doppelhochzeit des Kurprinzen Johann Georg und der brandenburgischen Prinzessin Barbara jeweils mit Partnern aus der piastischen Herzogsfamilie des schlesischen Liegnitz feiern. Anlässlich dieses Festes fand auf der Stechbahn vor dem Schloss ein Turnier statt, bei dem 60 gepanzerte Ritterpaare zu Ross gegeneinander antraten.
Um 1550 wanderte die jüdische Familie Lippold aus Prag nach Berlin zu und betrieb dort in der Stralauer Straße ein Leihhaus. Ben Chluchim Lippold, einer der Söhne der Familie, erlangte als Kreditgeber Joachims dessen Vertrauen und wurde 1556 zum Kämmerer und Hofjuden ernannt.
1551 erlitt Kurfürstin Hedwig bei einem Unfall schwere Unterleibsverletzungen. Sie konnte danach nur noch an Krücken gehen, und auch ihr Eheleben mit Joachim fand ein Ende. Dieser holte sich sein Vergnügen nunmehr bei den Damen bei Hofe, von denen etliche seine Mätressen wurden. Für deren Unterhalt sorgte ab 1556 zuverlässig und verschwiegen der Kämmerer Lippold.
Schließlich lernte Joachim die Frau des Geschützgießers und Vorstehers der kurfürstlichen Gießhütte in Grimnitz, Anna Sydow, kennen, mit der er ab 1558 öffentlich ein eheähnliches Verhältnis unterhielt. Die im Volksmund »die schöne Gießerin« Genannte begleitete ihn häufig auf Reisen und Ausflügen, wobei sie stets Männerkleidung trug. Lieblingsort des ungleichen Paares war das Jagdschloss Grunewald, wo Anna Sydow auch zeitweilig in den Sommermonaten wohnte. Es dauerte nicht lange, und die »schöne Gießerin« wie der Hofjude Lippold waren beim Volk wie beim Kurprinzen Johann Georg gleichermaßen verhasst.
Ab 1558 überließ Joachim zunehmend die politischen Alltagsgeschäfte seinem neuen Kanzler Dr. iur. Lampert Distelmeyer (1522 – 88), der bereits seit 1550 als kurfürstlicher Rat in brandenburgischen Diensten gestanden hatte. Distelmeyer lenkte die brandenburgischen Geschicke mit großem Können und Erfolg, wofür ihn Joachim wiederholt reich beschenkte und ihn schließlich 1569 in den Ritterstand erhob.

Jagdschloss Grunewald
1560 beauftragte Joachim den italienischen Festungsbaumeister Rochus Graf zu Lynar mit dem Bau einer, nach damaligen Maßstäben, modernen Festung um den Kern der alten Burg Spandau herum, in die sich der kurfürstliche Hof in Kriegszeiten zurückziehen solle. Der Bau der heutigen Zitadelle Spandau sollte bis 1594 dauern.
1565 ernannte er seinen Hofjuden Lippold zum Kurfürstlichen Münzmeister und damit zum Leiter des Brandenburgischen Münzwesens. Es war wohl ein Einfall Lippolds, der Joachim am 4. August 1567 dazu veranlasste, die Berliner Bankiers und Großkaufleute, darunter etliche Glaubensgenossen Lippolds, zu enteignen. Per kurfürstlichem Dekret wurden an diesem Tage bei dem betroffenen Personenkreis alle Werte – Münzen, Schmuck und Edelmetalle – beschlagnahmt und an die Kürfürstliche Münze abgeführt.
Nur wenige Tage später bot Joachim zur Belustigung seines Hofes am 8. August 1567 die Bürgerwehren von Berlin und Cölln zu einem »Knüppelkrieg« gegen die Bürgerwehr von Spandau auf. Die Truppen beider Städte sollten in voller Rüstung aber nur mit Holzknüppeln und kurzen Stangen bewaffnet auf der Ebene zwischen dem Dorf Lietzow und Spandau zu einer Schlacht gegeneinander antreten. Nach Joachims Schlachtplan sollten die Truppen Berlins und Cöllns aus diesem Hofvergnügen als »Sieger« hervorgehen. Doch die Spandauer waren nicht gewillt, diese vom Landesherren vorgegebene Niederlage hinzunehmen und lockten unter Führung des Spandauer Bürgermeisters Bartholomäus Bier ihre Gegner in einen Hinterhalt und knüppelten sie nieder. In dieser Situation ritt Joachim selber in das Kampfgeschehen hinein, um die Manöverparteien wieder voneinander zu trennen. Aber sein Pferd bäumte sich auf, Joachim fiel aus dem Sattel und erhielt selber auch einige Hiebe. Später wollte niemand den Kurfürsten als solchen erkannt haben. Der malträtierte und erzürnte Fürst ließ daraufhin den Spandauer Bürgermeister für mehr als vier Monate auf der Zitadelle einkerkern.
Selbst Zeitgenossen Joachims haben diese Eskapaden als »merkwürdig« empfunden und gemeint, der Kurfürst könne »wunderlich« geworden sein. Gleichwohl sollte Joachim dank Distelmeyers diplomatischer Kunst noch einen großen außenpolitischen Erfolg feiern: Am 22. September 1569 belehnte der polnische König Sigismund II. August das kurbrandenburgische Herrscherhaus an zweiter Stelle nach dem eigentlichen Herzog mit dem Herzogtum Preußen, sodass die brandenburgischen Hohenzollern in die preußische Erbfolge mit einbezogen waren.
Joachim II. Hektor verstarb nach einer Wolfsjagd in den Müggelseeforsten am Abend des 3. Januar 1571 im Jagdschloss Köpenick, nur wenige Tage vor seinem 66. Geburtstag, an den Folgen einer verschleppten Erkältung.
Sein Nachfolger Johann Georg war ein sparsamer Puritaner, der die Stimmung des Volkes gegenüber der »schönen Gießerin« und dem Hofjuden Lippold teilte. Beide wurden umgehend eingekerkert. Die kurfürstlichen Schutzbriefe der Juden wurden für ungültig erklärt. Kanzler Distelmeyer ordnete die Herausgabe der bei den jüdischen Kreditgebern vorgefundenen Schuldscheine und Pfandsachen an die Schuldner an. Lippold wurde nach grausamen Folterungen am 28. Januar 1573 auf dem Neuen Markt vor der Marienkirche öffentlich hingerichtet. Im Anschluss daran wurden innerhalb von 24 Stunden alle Juden aus Berlin und der Mark ausgewiesen. Anna Sydow schließlich verstarb 1575 auf der Zitadelle Spandau.
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