Читать книгу: «Aromatherapie der Seele»

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Thomas Kinkele

Aroma
Therapie

DER

SEELE

Neun Duft-Tore zur inneren Entwicklung

Mit Räucherstoffen und Aromaölen

Mit Illustrationen von Petra Arndt


Wichtiger Hinweis: Die in diesem Buch vorgestellten Informationen sind sorgfältig recherchiert und wurden nach bestem Wissen und Gewissen weitergegeben. Dennoch übernehmen Autor und Verlag keinerlei Haftung für Schäden irgendeiner Art, die direkt oder indirekt aus der Anwendung oder Verwendung der Angaben in diesem Buch entstehen. Die Informationen in diesem Buch sind für Interessierte und zur Weiterbildung gedacht und sollten keinenfalls ärztlichen Rat und Hilfe ersetzen.

1. Auflage2004

© 2004 by Windpferd Verlagsgesellschaft mbH, Aitrang

Alle Rechte vorbehalten

Umschlaggestaltung und Layout: Marx Grafik&

ArtWork, unter Verwendung einer Illustration von Petra

Arndt Illustrationen: Petra Arndt

Lektorat: Silke Kleemann

www.windpferd.de

eISBN 978-3-86410-272-1

Inhalt

Einleitung

Alles ist Eins

Kraft im großen Kreis des Lebens

Der Prozess der Lebensentfaltung

Zyklen begleiten unser Leben

Die Kraft der Liebe

Das Enneagramm als Landkarte

Die Dualität des irdischen Lebens

Die Natur entfaltet ihre schöpferische Kraft

Das periodische Gesetz der Sieben

Prinzip der unendlichen Wiederholung

Das Ennearom-System

Die hilfreiche Kraft der Düfte

Der Mythos vom Paradies

Das innere Kind und das Ego-Phänomen

Die Auflösung

Informationen zu den neun Duft-Toren

Bewegungsrichtungen

Seelenkontakt über das Riechen

Die Stimme des Herzens

Pflanzenkräfte

Die Geisterwelt

Mensch und Pflanze

Die Duftreise zur eigenen Mitte

Integration des Schattens

Seelentore und die Helfer aus dem Pflanzenreich

Aromatische Hilfe

Die neun Duft-Tore

Duft und Enneagramm

TOR DER WERTE

Persönlichkeit am Tor der Werte

Potenzial – Friedliebender und Vermittler

Schatten – Tagträumer und Schlafwandler

Entwicklung

Charakteristik der zugeordneten Aroma-Kräfte

Duftportraits von Räucherstoffen am Tor der Werte

Duftcharaktere ätherischer Öle am Tor der Werte

TOR DER KRAFT

Persönlichkeit am Tor der Kraft

Potenzial – Starker und Beschützer

Schatten – Herausforderer und Rächer

Entwicklung

Charakteristik der zugeordneten Aroma-Kräfte

Duftportraits von Räucherstoffen am Tor der Kraft

Duftcharaktere ätherischer Öle am Tor der Kraft

TOR DER IDEALE

Persönlichkeit am Tor der Ideale

Potenzial – Reformer und Optimierer

Schatten – Moralist und Kritiker

Entwicklung

Charakteristik der zugeordneten Aroma-Kräfte

Duftportraits von Räucherstoffen am Tor der Ideale

Duftcharaktere ätherischer Öle am Tor der Ideale

TOR DER GROSSZÜGIGKEIT

Persönlichkeit am Tor der Großzügigkeit

Potenzial – Helfer und Vertrauter

Schatten – Verführer und Schmeichler

Entwicklung

Charakteristik der zugeordneten Aroma-Kräfte

Duftportraits von Räucherstoffen am Tor der Großzügigkeit

Duftcharaktere ätherischer Öle am Tor der Großzügigkeit

TOR DER INSPIRATION

Persönlichkeit am Tor der Inspiration

Potenzial – Initiator und Magier

Schatten – Darsteller und Täuscher

Entwicklung

Charakteristik der zugeordneten Aroma-Kräfte

Duftportraits von Räucherstoffen am Tor der Inspiration

Duftcharaktere ätherischer Öle am Tor der Inspiration

TOR DER KREATIVITÄT

Persönlichkeit am Tor der Kreativität

Potenzial – Künstler und Romantiker

Schatten – Opfer und Melodramatiker

Entwicklung

Charakteristik der zugeordneten Aroma-Kräfte

Duftportraits von Räucherstoffen am Tor der Kreativität

Duftcharaktere ätherischer Öle am Tor der Kreativität

TOR DER ERKENNTNIS

Persönlichkeit am Tor der Erkenntnis

Potenzial – Philosoph und Forscher

Schatten – Geizhals und Eigenbrötler

Entwicklung

Charakteristik der zugeordneten Aroma-Kräfte

Duftportraits von Räucherstoffen am Tor der Erkenntnis

Duftcharaktere ätherischer Öle am Tor der Erkenntnis

TOR DER ZUVERSICHT

Persönlichkeit am Tor der Zuversicht

Potenzial – Loyaler und Visionär

Schatten – Zweifler und Rebell

Entwicklung

Charakteristik der zugeordneten Aroma-Kräfte

Duftportraits von Räucherstoffen am Tor der Zuversicht

Duftcharaktere ätherischer Öle am Tor der Zuversicht

TOR DES LERNENS

Persönlichkeit am Tor des Lernens

Potenzial – Optimist und Enthusiast

Schatten – Narziss und Abenteurer

Entwicklung

Charakteristik der zugeordneten Aroma-Kräfte

Duftportraits von Räucherstoffen am Tor des Lernens

Duftcharaktere ätherischer Öle am Tor des Lernens

Ritual und Therapie

Die Anwendung der Düfte über die Spirituellen Tore

Das Prinzip der Rotation

Die Körperebene

Die Herzensebene

Die Geistebene

Der Räucher-Zyklus

Drei Ansatzpunkte für einen Räucherzyklus

Zyklus-Arbeit mit Kontaktenergie

Die persönliche Identität stärken

Ausgangspunkt am Tor der Werte

Resümee am Tor der Werte

Übung zur Dynamisierung der Körpererfahrung

Tor der Inspiration

Resümee am Tor der Inspiration

Übung zur Dynamisierung der Gefühlssphäre

Tor der Zuversicht

Resümee am Tor der Zuversicht

Übung zur Stärkung der inneren Vision

Zyklus-Arbeit mit Handlungsenergie

Der Herausforderung begegnen

Das Land der Wahrheit

Ausgangspunkt am Tor der Kraft

Resümee am Tor der Kraft

Übung zur Dynamisierung der Körperebene

Durch das Tor der Großzügigkeit

Resümee am Tor der Großzügigkeit

Übung zur Dynamisierung der Gefühlsebene

Tor der Erkenntnis

Resümee am Tor der Erkenntnis

Übung zur Dynamisierung der Geistebene

Zyklus-Arbeit mit Erkenntnisenergie

Die Perspektive im großen Kreis finden

Ausgangspunkt am Tor der Ideale

Übung zur Dynamisierung der Körperebene

Gefordert am Tor der Kreativität

Resümee am Tor der Kreativität

Übung zur Dynamisierung der Gefühlsebene

Gefördert am Tor des Lernens

Resümee am Tor des Lernens

Abschlussübung

Die heilende Gemeinschaft

Aromatherapie und Aromatologie

Die Frage der Qualität von ätherischen Ölen

Das Ennearom-Resonanz-System

Durch Resonanz-Erfassung zum Naturparfüm

Die siebenundzwanzig ätherischen Öle

Was muss vorbereitet werden?

Fragen zum Persönlichkeitstyp

Was hat der Wahrnehmende sonst noch zu tun?

Was hat der Beobachter zu tun?

Resonanz-Erfassungsbogen (zutreffendes Tor uterstreichen)

Die Rezeptur

Schluss

Über den Autor Thomas Kinkele

Anhang

Weiterbildung

Seminarinhalt

Anmerkungen

Vom Autor empfohlene Literatur zum Enneagramm

Verzeichnis der botanischen Namen

Stichwortverzeichnis

Einleitung
Du machst es selbst!

Innen und außen, gestern und morgen, es ist alles hier und jetzt und eins. Du hast tatsächlich die Wahl, zu jedem Zeitpunkt deine persönliche Wahrheit so oder anders zu erleben.

Du bist natürlich nicht allein auf dieser Welt. Die Gemeinschaft mit Menschen ist von großer Bedeutung und verfügt über eine ganz eigene Kraft.

Naturvölker leben die Gemeinschaft, sie ist ihnen Garantie für Gesundheit und Überlebensfähigkeit, und sie haben dies stets in ihren Heilungsritualen gewürdigt. Gemeinsame Gesänge, Tanz und Opfer, oft begleitet durch das Verräuchern von Pflanzen, dienen dem sakralen Zweck der Heilung und Verbindung mit den Ahnen. Vergangenheit und Zukunft verschmelzen dabei zu einem großen JETZT.

Die gemeinschaftliche Trance als Heimkehr in die Einheit ist in vielen ursprünglichen Kulturen zu finden.

Wer sich bewusst der lebenserhaltenden Kraft der Gemeinschaft zuwendet und so ihre Wahrheit lebt und unterstützt, kann eine enorme Heilkraft erfahren. Er ist damit an einer Quelle angelangt, die einen tiefen Sinn vermitteln kann. Dabei geht es um die Rückverbindung zu tief verwurzeltem Wissen über die Einheit allen Lebens, der Naturreligion.

Das Gegenteil davon ist die Trennung vom Ganzen. Sie bedeutet in der Konsequenz Entfremdung von sich selbst und seiner innersten Natur.

Nun haben wir es aber mit einem gütigen Kosmos zu tun. Wir können es auch als den natürlichen Selbsterhaltungstrieb der Schöpfung betrachten, dass uns immer wieder regulative Hilfe auf der Seelenebene zufließt. Die Verbindung zu unserer inneren Natur ist wie ein Kanal für heilende Impulse. Somit ist alles, was uns dabei hilft, diese Impulse aufzunehmen, als förderlich zu bezeichnen. Pflanzenkräfte helfen dem Menschen seit Urzeiten, die gestörte Beziehung zwischen Körper und Seele wiederherzustellen – im Dienste der Schöpfung schenken sie ihre Seelenkraft jenen, die sie suchen.

Heilprinzipien

Die Handlungen, Gefühle und Gedanken, die wir unentwegt hervorbringen, bilden ein Kontinuum, das im Ayurveda als „Konstitution“ bezeichnet wird. Es ist der Zustand, in dem wir uns befinden, ein empfindliches Gebilde aus Körper, Gefühl und Geist. Unsere Konstitution sollte sich im inneren Gleichgewicht befinden, um als gesund zu gelten.

Die Pflanzenwelt beschenkt uns mit einer Vielzahl von Kräften mit ganz unterschiedlichen Wesensarten. Jede Pflanze ist eine natürliche Einheit, die sich in ihrer Gestalt, ihren Vorlieben und Überlebenstechniken von anderen unterscheidet.

Pflanzen haben Persönlichkeitsprofile, die jeweils eine ganz spezielle Ausstrahlung besitzen. Die vier Urelemente Feuer, Erde, Wasser, Luft sind Qualitäten, die uns bei der Beschreibung ihrer Wesensart helfen.

Diese Persönlichkeitsausstrahlung einer Pflanze kann auch in Resonanz zu einem Menschen treten. Durch die Ähnlichkeit der Wesensart der Pflanze und der des Menschen können wir Impulse von der Pflanze beziehen, die dem Wohlgefühl sehr zuträglich sind.

Bereits in den alten Veden, 3000 Jahre vor Christi Geburt, ist das Ähnlichkeitsprinzip als Heilprinzip dokumentiert. Eine alte indische Weisheit besagt: „Nimm einen Dorn, um einen Dorn aus dem Finger zu holen“.

Similia similibus curantur – Ähnliches wird mit Ähnlichem geheilt – ist auch das erste Heilprinzip, das von Hippokrates, dem altgriechischen Begründer der ärztlichen Kunst, aufgestellt wurde. Dieser Grundsatz lässt sich auf den aromatologischen Ansatz übertragen, der in diesem Buch als Ennearom-System vorgestellt wird.

Einen Duft zu mögen, bedeutet, die Charakteristik dieses Duftes als stimmig zu akzeptieren. Hohe Akzeptanz weist auf eine starke positive Resonanz hin. Die Schaltzentralen für Gefühlsreaktionen im Gehirn werden über den Geruchssinn ganz unmittelbar angesprochen und liefern unmittelbare und vom „bewussten Denken“ unabhängige – und damit wahre und authentische – Abbilder unserer Empfindung. Man stimmt mit dem Dufteindruck überein und ist in Harmonie mit ihm. Dies ist gleichbedeutend mit Vertrautheit und Offenheit für die Kraft, die im Wesen der Pflanze ruht. Es zeigt uns, wir sind offen für einen ausgleichenden Einfluss, der uns durch die Sinnesverarbeitung ihres Duftes zufließt.

Ebenso gilt der zweite Grundsatz des Hippokrates – Contraria contrariis curantur – Gegensätzliches wird durch Gegensätzliches geheilt. Gegensatz bedeutet Polarität. Aus der Polarität entsteht Spannung, die ihrerseits auf Widerstand beruht.

Widerstand lässt Anspannung entstehen

Dies lässt sich am besten mit den Elementarkräften erklären. Die Welt der Gegensätze, in der wir leben, ist von elementaren Tendenzen durchwoben. Feuer, Wasser, Erde und Luft formen das Gesicht der Welt. Auch in der Persönlichkeit jedes einzelnen Menschen sind die Elemente in unterschiedlicher Gewichtung vertreten. Eine starke Tendenz zum Feuer zeigt sich in der Fähigkeit, kraftvoll die Initiative zu ergreifen, kommt aber auch in einem aufbrausenden bis unkontrollierbaren Temperament zum Ausdruck. Wässrige Tendenz spiegelt sich in kreativem Tiefgang, lässt den Menschen auch leicht in den Gefühlen versinken. Der erdbezogene Typus steht tendenziell mit beiden Beinen fest im Leben, kann in der Lebensentfaltung aber auch sehr statisch werden. Der luftige Mensch hingegen ist sehr beweglich, kann sich aber in wirbelnden Gedanken und der unüberschaubaren Fülle an Möglichkeiten verlieren.

Die Ausgewogenheit der elementaren Tendenzen schafft Ordnung für das Ganze. Wenn also an einer Stelle ein Zuviel entsteht oder an anderer Stelle ein Zuwenig, kann durch Zugabe des Gegensätzlichen wieder eine relative Stabilität geschaffen werden. Die Anspannung wird für eine gewisse Zeit gelöst und Erleichterung stellt sich ein.

Wenn ich eine Entzündung habe, dann wird eine Kühlung den Schmerz lindern. Sie wird jedoch nicht die Ursache des feurigen Prozesses berühren.

Symptom = Ablehnung

Die tibetische Medizin sagt, dass die Wurzel aller Krankheit in geistigen Giften begründet ist. Geistige Gifte sind falsche Vorstellungen, die der Mensch sich macht. Dort, wo ein Mangel empfunden wird, hat sich irgendwann ein negatives Bild über sich selbst eingenistet. Man befindet sich in bestimmter Hinsicht als ungenügend und fürchtet sich vor der Offenbarung dieses vermeintlichen Mangels. Daraus resultierende Ängste lassen eine Vermeidungsmechanik entstehen. Die Angst als solche wird durch die Abwehrmechanik ausgeblendet und in den Untergrund verbannt. Im Kanalsystem des Unterbewusstseins treibt sie als Phantom ein schattenhaftes Unwesen, vergiftet die Psyche und wirft den Menschen in schwachen Momenten aus dem Gleichgewicht. Auf der Körperebene kann sie als schmerzhaftes Symptom zutage treten. Dies ist letztlich Ausdruck eines Widerstands gegen das Vertrauen in die Kraft des Lebens.

Es gibt Düfte, wie zum Beispiel Pfefferminze, die einen sehr kämpferischen Charakter haben. Die Pflanze nimmt den Raum sehr aggressiv über ihre Wurzeltriebe ein und auch in ihrem Duft liegt eine polarisierende Kraft. Einen solchen Duft abzulehnen bedeutet, dass ein Widerstand gegen eine derartig durchsetzungsstarke Natur besteht. Diese Ablehnung ist eine persönlichkeitsbedingte Reaktion. Ablehnung kann immer als Hinweis auf ein Schattenthema gedeutet werden. Es mag auch ein konkret erinnerter unangenehmer Eindruck aus der Vergangenheit untrennbar mit einem Geruch verbunden sein. Doch in der Regel kommen in der Ablehnung Verhärtungen des Seelenlebens zum Ausdruck, die eben durch mechanische Abwehr geprägt sind. Diese Schattenbereiche sind Zonen, die von Blockaden bewohnt und von Angst genährt werden. Der Schatten ist die Rückseite des Lichtes, da er sich als das manifestiert, was noch nicht gesehen wird. Richtet man das Licht auf ihn, so verschwindet er, indem er zum bewussten Anteil des Ganzen wird.

Der naturreine Duft, den wir ablehnen, steht also für einen nicht gelebten und nicht integrierten Teil unseres Daseins. Er ist dem nicht geliebten Teil in uns ähnlich.

Es bietet sich also an, die Wahrnehmung von authentischen Pflanzendüften als eine Möglichkeit zu nutzen, diesen fehlgeleiteten Vorstellungen auf die Spur zu kommen.

Zum Ausgleich sollten wir aber nicht ohne weiteres den abgelehnten Duft einsetzen. Er würde zunächst Gegensätzliches bewirken und den ungeliebten Zustand in aller Deutlichkeit vor Augen führen. Dies könnte die Befindlichkeit verschlechtern und wäre eine Anforderung, die den Prozess möglicherweise eher erschwert. Eine sanfte Vorgehensweise besteht darin, einen Duft mit ähnlicher Botschaft zu finden, für den eine höhere Akzeptanz besteht. Eine Lösung ist in jedem Fall in der Integration des Schattens zu suchen.

Das Ennearom-Prinzip fußt auf einer prozessorientierten Vorgehensweise, um die Einheit auf der Seelenebene und das Vertrauen in das Leben wieder herzustellen.

Das kosmische Prinzip der Zahl Neun taucht in verschiedenen mythologischen Zusammenhängen und philosophischen Strömungen auf. Die Vorstellung, dass im Menschen neun göttliche Eigenschaften zum Ausdruck kommen, entstand bereits bei den Neuplatonikern der Spätantike und wurde von Plotin (3. Jh.) in seinen Enneaden festgehalten.

Für ihn existierte nur das göttliche Licht, das sich abgestuft in der Schöpfung spiegelt. Finsternis bestand für ihn aus Abwesenheit des Lichts. Spätere Interpretationen haben den göttlichen Eigenschaften neun menschliche Leidenschaften als Wurzel der Versklavung durch das Ego gegenübergestellt, die als Schattenpunkte das Bild einer Persönlichkeit markieren.

Nehmen wir die Perspektive unserer germanisch-keltischen Ahnen hinzu, so finden wir die Zahl Neun den Vegetationskräften zugeordnet. Eine Anwendung von neun Kräutern oder Hölzern wird als äußerst wirkungsvoll überliefert. Ursprünglich wurde in der Kräuteranwendung demnach immer mit der Zahl Neun gearbeitet. Der Ausruf „Ach du grüne Neune“ soll aus dieser alten Zahlenmythologie stammen. Als Schreckensausruf liegt ihm offensichtlich die Verteufelung der Vegetationsgottheit im Zuge der Christianisierung zugrunde.1

Der Zyklus der Neun

Ennearom arbeitet mit dem Prinzip der Neun. Es besteht aus einer Abfolge von neun Aromen.

Die regulative Kraft der Pflanze wird über ihren Duft aufgenommen und mit klarer Absicht in neun Schritten dem Geruchssinn zugeführt. Das System ermöglicht eine ganzheitliche Duftarbeit, die sowohl Körperlichkeit als auch Gefühlsleben und Gedankenwelt gleichberechtigt mit einbezieht.

Wachsende Bewusstheit gegenüber den eigenen Mechanismen und reflexhaften Verhaltensformen soll durch den therapeutischen Einsatz bewirkt werden. Es bedarf dabei immer eines Beobachters. Dieser Beobachter kann man selbst sein, man kann aber auch seine Aufmerksamkeit auf den anderen richten und für diesen Menschen zum Spiegel werden. Jede Reaktion auf den Dufteindruck wird genau registriert. Mienenspiel, in Worte gebrachte Empfindungen, phantasievolle Bildersprache oder körperliche Reaktionen spiegeln dabei die innere Erlebniswelt. Hier liegt der therapeutische Sinn für eine Anwendung.

Das Ziel des Buches

Der tiefere Sinn der Aromatherapie der Seele liegt in der zunehmend bewusster vorgenommenen Kontaktaufnahme mit unserer ureigenen inneren Quelle – die hier über die Duftwahrnehmung als ein Heilungs- und Regulierungsprozess eingeleitet wird. Darin liegt eine intensive Verständigungsmöglichkeit mit dem feinstofflichen Wesen der Pflanze.

Mit diesem Buch liegt mir etwas sehr am Herzen: Ich möchte vor allem zeigen, wie wir das der Pflanze innewohnende Wesen empfinden und uns davon berühren lassen können. Mein Herzenswunsch ist es außerdem, den Hilfe Suchenden aus einer fremdbestimmten Haltung zur eigenständigen Erfahrung von persönlicher Kompetenz im Hinblick auf das eigene Wohlergehen zurückzuführen.

Den inneren Heiler, der in jedem von uns ruht, ihn gilt es zu wecken.

Möge es gelingen.

Ihr

Thomas Kinkele

Alles ist Eins

Von unseren fünf Sinnen ist der Geruchssinn sicher derjenige, der den besten Eindruck der Unsterblichkeit vermittelt.

– Salvatore Dali –

Irgendwann kommen die Dinge zusammen.

Ich werde des öfteren gefragt, was mich dazu gebracht hat, so intensiv in die Aromaarbeit einzusteigen und sie zum Mittelpunkt meines Lebens zu machen.

Als ich während meiner aromatologischen Ausbildung bei Martin Henglein seinen archetypischen Duftkreis als umfassendes Zuordnungsmodell für Aromapflanzen und die dreistufige Pyramide kennen lernte, klingelten bei mir alle Glocken Sturm. Dieses aromatherapeutische Anwendungsmodell, aufbauend auf einer physischen, energetischen und spirituellen Dreiteilung, passte perfekt zu allem, mit dem ich bis dato auf meinem spirituellen Weg in Kontakt gekommen war. Eine Vielzahl von Mosaiksteinchen fiel plötzlich in ein vollkommenes Bild. Jahre der Selbsterfahrung mit dem Enneagramm und die Möglichkeit, über Dufteindrücke dynamisierende Impulse bewusst einzusetzen, verschmolzen in diesem Bild zu einer Vision. Für alle Lebensbereiche gilt das gleiche Gesetz, wie das Leben sich entfaltet, und der Mensch ist aufgerufen, diese Entfaltung mit seinem Bewusstsein zu unterstützen. In diesem Moment, so vermute ich, wurden die Kräfte des Enneagramms in meinem persönlichen Leben entscheidend aktiviert. Die Lehre vom Riechen (Osmologie) hatte mich in ihren Bann geschlagen, und das Enneagramm lieferte mir die Strukturen, um diese Erfahrung ordnen und begreifen zu können.

Die Vision fand eigentlich auf der Ebene der Geometrie statt. Ich war nie ein Zahlenmensch, und als ein spiritueller Freund mir 1981 sagte, man könne Gott mathematisch begreifen, da konnte ich das überhaupt nicht verstehen. Andererseits konnte ich immer gut mit Bildern arbeiten, und das Nachdenken über Symbole und Zeichen hatte mich stets fasziniert.

Über das innere Dreieck im Kreis und eine in der Mitte entspringende Quelle entstand für mich plötzlich ein Instrument, mit dem ich mir ein Bild von der Welt und dem Leben machen konnte.

Alle Fragen schien mir dieses Bild sofort zu beantworten. Drei Punkte, die einen inneren Kreis umschlossen, wurden für mich zu einem Medium, auf das ich unterschiedlichste Fragen zum Sinn des Lebens beziehen konnte. Das Innere oder „Essenzielle“ kommt im Außen zum Ausdruck und wird auf drei Ebenen sichtbar. Die Kreise schließen sich ohne Unterlass und die Dinge nehmen ihren Lauf. Darin offenbart sich die Eigendynamik des Lebens. Die Einheit im Inneren sucht unentwegt nach ihrem Ausdruck im Äußeren, als Grundlage der Fortentwicklung.

Dieses essenzielle Innere befindet sich in einem permanenten dynamischen Schöpfungsprozess.

„ESSENZ – Der Impuls des Lebens –

Bei der Entstehung des Ennearom-Systems hat mich eben diese Eigendynamik einerseits verblüfft und andererseits restlos überzeugt, dass ETWAS sich hier entfalten wollte, dem zu dienen ich mich freudig verpflichten konnte, ohne auch nur eine Sekunde zu zögern. Meine Begeisterung mag für manchen nicht leicht nachvollziehbar sein, aber bei mir hat das Bild einen Erdrutsch losgetreten. Ich konnte einen Blick auf das großartige Ganze werfen, danach ergab sich eins aus dem anderen und jeder weitere Schritt schien wie von selbst zu erfolgen. Es wurde mir mit Düften der Brückenschlag von den geistig-philosophischen Sphären zur Magie und Weisheit der Erde erschlossen. Ich danke der großen Mutter, die in den Pflanzenkräften ihren Ausdruck findet, und die uns Menschen hilft, die Trennung zwischen uns und allem, was ist, zu überwinden.

Kraft im großen Kreis des Lebens

Meine Duftarbeit baut auf der Grundlage des Kreises auf, der sich wie eine Torte in bestimmte Sequenzen unterteilen lässt. In der Mitte ist ein Punkt, in dem alle Tortenstücke zusammenkommen. Von diesem Punkt geht alles aus.

Um die Bedeutung des Mittelpunktes als Sinnbild der inneren Einheit zu beschreiben und den Zusammenhang mit der Duftessenz abzuleiten, lade ich zu einem Spaziergang durch den historischen Garten der Kreissymbolik ein.

Die Astrologie ist ein seit mehr als dreitausend Jahre gültiges Konzept über den Aufbau und Ablauf unserer Zeit.


„Der Mensch blickt in den Kosmos“

Ein Lebenszyklus lässt sich am besten in Kreisform darstellen. Der Kreis bildet sich um einen Mittelpunkt herum, der als zentrale Ausgangsposition zu betrachten ist. In der Astrologie ist es der Mensch, der in den Kosmos schaut, um sich als Teil der lebendigen Schöpfung selbst begreifen zu können, die sich um ihn herum in alle vier Himmelsrichtungen erstreckt. Ausgehend von diesem essenziellen Punkt ist er der Schöpfer seiner eigenen Wirklichkeit, denn er besitzt das Potenzial, sich durch die eigene Kreativität in der Welt der Dinge zu verwirklichen. Man bezeichnet die Astrologie auch als „Königliche Kunst“, mit der Prozesse gedeutet und Phänomene erkannt werden können, die im Verlauf der sich entfaltenden Schöpfung auftreten. Die Astrologie dient als Landkarte auf der Reise durch die Welt der Erscheinungen.

Sie ist auch eine klassische Grundlage für die Interpretation von Duftcharakteren im Pflanzenreich. In der sich entfaltenden Pflanze spiegelt sich das ganze Wunder des Lebens. Man hat schon im alten Griechenland die Pflanzen mit Kräften assoziiert, die urbildlich hinter ihrer Erscheinung stehen. Seit dem klassischen Altertum wurden also die Qualitäten und Heilkräfte der Pflanzenwelt nach astrologisch-archetypischer Gewichtung definiert. Die Urbilder wurden von den Griechen und später den Römern als göttliche Autoritäten wie Mars und Merkur, Venus oder Jupiter personifiziert gesehen und bestimmte Pflanzen wurden mit ihnen assoziiert.

In der Astrologie werden sie als Herrscher bezeichnet und den zwölf Häusern zugeordnet. Naturphilosophisch gesehen entfaltet sich die Pflanzenwelt kontinuierlich im Jahreskreis und weist durch den urbildlichen Bezug auf eine Folge bestimmter Qualitäten hin, die zu einem gegebenen Zeitpunkt vorherrschen.

Nachdem der dunkelste Punkt im Jahresverlauf zwischen Tod und Neugeburt durchlaufen wurde, steht das Jahr im Zeichen „Fische“ (Neptun), wo die Lichtenergie aus tiefgründigem Wasser wieder zu steigen beginnt. Das Leben wirft sich in eine neue Runde der Erfahrung. Im Frühling erwachen die Lebensgeister und lassen die Energie mit Macht in die körperliche Verwirklichung drängen. Das ist die feurige Domäne des „Widder“ (Mars). Im erdigen „Stier“ (Venus) treibt die Pflanzenwelt ihre Wurzeln in den Boden, um sich fest am einmal eingenommenen Platz zu verankern. Im „Zwilling“ (Merkur) können sich dann luftige Beweglichkeit und Flexibilität entfalten, die prächtig blühend in die Partnerschaft drängen. Im wässrigen „Krebs“ (Mond) findet die Vereinigung und Befruchtung statt, um dann im feurigen „Löwen“ (Sonne) die Frucht auszubilden. Der Prozess der Reifung findet in der erdigen „Jungfrau“ (Merkur) statt und in der luftigen „Waage“ (Venus) wird die Saat in die Welt getragen. Das Saatkorn sinkt im wässrigen „Skorpion“ (Pluto) in die Erde, um seiner Bestimmung im feurigen „Schützen“ (Jupiter) entgegenzuträumen. Der erdige „Steinbock“ (Saturn) schützt den Rückzug in den tiefen Schlaf des Winters, bevor dann der luftige „Wassermann“ (Uranus) die Ahnung neuer Möglichkeiten des Lebens vorbereitet.

So spiegelt sich der Jahreszyklus mit seinen astrologischen Entsprechungen als ein geschlossener Lebenskreis im Reich der Pflanzen. Rhythmisch erfolgen die Entwicklungsschritte einer nach dem anderen, jeder zu seiner Zeit, und bilden einen kreisförmigen Reigen, in dem das Leben tanzt. Darin lässt sich die kosmologische Grundstruktur des Wachsens und Werdens erkennen, die als Bio-Strategie den Entwicklungsprozess der Natur vorantreibt.2

Wenn also der Zündfunke im Widder überspringt, um im Frühling die Welt explosionsartig zu erobern, dann finden wir im Duft des Rosmarin einen würdigen Vertreter der Urkraft des Feuers. Er steht für das Neue, das es zu erkämpfen gilt, und verkörpert die Energie des Sonnenaufgangs. Er weckt die Lebenskräfte und mobilisiert alle Reserven. Ein Feuerduft aus einer maritimen Pflanze, die man „Tau des Meeres“ nannte. Die anregende Kraft aus diesem Spannungsverhältnis von Feuer und Wasser ist in diesem Falle sprichwörtlich. Wir finden im Rosmarin also auch den Gegensatz von Leben und Tod. Er regt uns an, diesen Gegensatz zu überwinden und ist ein hervorragender Begleiter für den Übergang und die Verwandlung.

„Der feinstoffliche Kreis“

Das ätherische Öl der Bergamotte steht für das Element Luft am Punkt der stärksten Sonnenkraft, wenn die feinsten ätherischen Schwingungen das helle Licht des Sommers im Mitsommernachtstraum noch reflektieren.

Luftige Feen, Elfen und Kobolde feiern den Höhepunkt des Jahres und den Moment der Befruchtung in der Pflanzenwelt. Es gibt kaum einen Duft, der das Vertrauen in das Leben stärker unterstützt. Der Duft stärkt den inneren Beobachter, den Freiraum zu erkennen und zu nutzen. Es fördert ganz stark die Lichtaufnahmefähigkeit der Haut. Bergamotte entspricht der stärksten Lichtentfaltung am Mittag, wirkt antidepressiv und öffnet für das Licht. Durch erhöhte Wahrnehmung und Offenheit in alle Richtungen ist dieser Zeitpunkt des Jahresverlaufs typisch für das Luftelement.

Und dann der Herbst, mit seiner überfließenden Großzügigkeit, wie das Element Wasser. Geranium steht für dieses Element, das ausgleichend und harmonisierend wie kein anderes für Kontakt sorgt. Wie viel darf ich nehmen, wie viel geben? Die gesellschaftlichen Anliegen in Proportion zueinander zu setzen, ist die vornehmste Aufgabe dieses Duftes. Geranium vermittelt die Entspannung des Sonnenuntergangs am Abend, wenn die Dunkelheit kommt und das Bewusstsein die Ereignisse des Tages loslassen und seelisch verarbeiten möchte.

Winter ist, wenn sich das pflanzliche Leben in die Erde zurückzieht. Der Duft des Patchouli mit seinem erdigen Charakter besitzt die Schwere der Dunkelheit. In der Mitternacht verdichtet sich die Kraft der Erde. Patchouli ist ein Duft, der mit der Materie verbindet und in die Wurzeln drängt.

Jedes neue Jahr bringt neue Entwicklungen. Permanent passt sich die Pflanzenwelt an die gegebenen Verhältnisse an. Diese Anpassungsreaktion ist als elementar „strategisch“ zu bezeichnen, mit dem Ziel, optimale Voraussetzungen zum Überleben zu schaffen. Über ihren Duft tritt die Pflanze mit dem Umfeld in Kontakt. Demzufolge kann Duft als eine wesenhafte Ausdrucksform interpretiert werden.


„Im Reich der Wurzelkräfte“

Ob territoriale Durchsetzungskraft, Befruchtung oder die Verbreitung der Saat gefordert ist, immer wird uns ein Duft begegnen, der als Lock- oder Abwehrsignal eine wichtige Rolle spielt. Auch die Heilkraft der Pflanze spiegelt sich zumeist in dem Duft, der charakteristisch für einen bestimmten Zeitpunkt des Jahres ist.

So lassen sich im Pflanzenreich Ähnlichkeiten zur entsprechenden Qualität jedes Zeitpunkts finden. Diese bildhaften Interpretationen und die daraus folgende Zuordnung wird von Martin Henglein in seinem „achetypischen Duftkreis“ gelehrt.

Die Astrologie dient also dazu, aromatische Pflanzendüfte urbildlich zuzuordnen, um Wesenskräfte zu erkennen, die helfen können, die natürliche Ordnung wiederherzustellen und zu erhalten. Im Inneren dieses Kreises haben wir wieder die Essenz. Diesmal als Duftpotenzial, das Einfluss auf das Wohlbefinden des Menschen nimmt und aus dem Ruder gelaufene Prozesse regulieren kann.

Der Prozess der Lebensentfaltung

Der Lebenskreis lässt sich auch in der Symbolik des Rades nachvollziehen. Das Rad gilt als das Ur-Prinzip der Bewegung. Schauen wir uns ein klassisches Rad einmal genauer an. Die einzelnen Sequenzen der äußeren Bereifung in ihrer Verbindung zur Nabe werden durch die Speichen hergestellt.


„Die Fortbewegung“

Die Kraft geht von der Nabe aus und diese ist über die einzelnen Speichen mit dem äußeren Umfang des Rades verbunden. Je fester diese Verbindung ist, desto sicherer bringt das Rad das Fahrzeug ans Ziel der Reise. Das Rad dreht sich um sich selbst und erfährt dabei unterschiedliche Belastung in den einzelnen Feldern der Bereifung. Die Antriebskraft, als das Potenzial der Fortbewegung, wirkt über das Zentrum des Rades und ist somit als essenziell für das Vorankommen zu bezeichnen. Essenz drückt sich in diesem Prozess aus.

Auch der Buddhismus weist auf das „Rad des Lebens“ und die sich immer wiederholende Folge von Tod und Neugeburt hin. Der Sinn liegt in dem Wandlungsprozess, der innerhalb eines Kreislaufs stattfinden kann. Es gibt ein Element des Weiterkommens, das davon abhängt, wie unbeirrbar der Blick von der eigenen Mitte her ausgerichtet wird. Aus der eigenen Mitte zu leben, heißt, mit dem tiefen Sinn seines Lebens verbunden zu sein.

Alle diese kosmologischen Modelle setzen voraus, dass wir als Menschen eine Wahl haben. Wenn der Sinn des Lebens in einem Prozess der Erfahrung begründet ist, dann tun wir gut daran, die umfassende Möglichkeit der freien Willensentscheidung zu nutzen, indem wir vom Herzen her die Verbindung zum Essenziellen in uns bewusst herstellen, um im Sinn des Lebens zu reifen und Weisheit zu erlangen.

Ein altes Märchen unbekannter Herkunft erzählt von den Göttern, die zu entscheiden hatten, wo sie die größte Kraft des Universums verstecken sollten, damit der Mensch sie nicht finden könne, bevor er reif dazu sei, sie verantwortungsbewusst zu gebrauchen.

Ein Gott schlug vor, sie auf der Spitze des höchsten Berges zu verstecken, aber sie erkannten, dass der Mensch den höchsten Berg ersteigen und die größte Kraft des Universums finden würde, bevor er reif dazu sei.

Ein anderer Gott sagte: „Lasst uns diese Kraft auf dem Grund des Meeres verstecken.“ Aber wieder erkannten sie, dass der Mensch auch diese Region erforschen und die größte Kraft des Universums finden würde, bevor er reif dazu sei.

Schließlich sagte der weiseste Gott: „Ich weiß, was zu tun ist. Lasst uns die größte Kraft des Universums im Menschen selbst verstecken. Er wird niemals dort danach suchen, bevor er reif genug ist, den Weg nach Innen zu gehen.“

Und so versteckten die Götter die größte Kraft des Universums im Menschen selbst, und dort ist sie noch immer und wartet darauf, dass wir sie in Besitz nehmen und weisen Gebrauch von ihr machen.

Wenn Du bereit bist, dann kann das Abenteuer des eigentlichen Lebens unmittelbar beginnen. IN DIESEM AUGENBLICK!

Sich dem Rhythmus in der Natur anzuvertrauen, heißt Kontakt zum Universum als Ausdruck göttlicher Einheit aufzubauen und daraus die Kraft zu beziehen, die heil und ganz werden lässt. Diese „Göttliche Einheit“ ist vielleicht am besten mit dem Bild zu verdeutlichen, dass alle Gegebenheiten der physischen Welt Ausdruck des ewig EINEN sind, das sich in der sichtbaren Welt der Vielheit spiegelt. Aus dem EINEN ergießt sich ein unermesslicher Strom von Möglichkeiten, sich selbst zu erfahren, in die Vielschichtigkeit des Lebens.

„Vision der Schöpfung“

Pedro de Souza bringt in „Die große Verklärungsrede Christi“ ein wundervolles Gleichnis für die Gegenwart des Göttlichen:

Es war einmal ein Fisch. Der Fisch ist im Wasser und merkt es nicht. Jetzt schwimmt er überall hin und sucht Wasser, denn von anderen Fischen hatte er gehört, dass Wasser für sein Leben wichtig sei. Wir Menschen leben in Gott wie der Fisch im Wasser.

Der neo-platonische Philosoph Plotin (205 – 270) lehrte: „Alles Seiende geht als Emanation (lat.: Ausfluss) aus dem Einen hervor“.

Die moderne Physik hat einen Nullpunkt für die Erschaffung der Welt definiert.

Mit dem Urknall ist man an der Grenze der erforschbaren Welt angelangt und alle physikalischen Gesetze verlieren an diesem Punkt ihre Gültigkeit. Dahinter vermutet Stephen Hawking3 einen Zustand, der wissenschaftlich als „Singularität“ bezeichnet wird. Übersetzt man es mit „die Einheit“ und setzt diesen Begriff mit Gott gleich, so verschmilzt die wissenschaftliche Definition der Schöpfungsgeschichte mit einer uralten Analogie aus der Vorstellungswelt der Sufis:

„GOTT wollte sich selbst erfahren

und stülpte sein Inneres nach außen.“

Einer Blüte gleich entfaltet sich die Schöpfung aus sich selbst heraus von innen nach außen. Wie ein Stein, der ins Wasser fällt und kreisförmige Wellen erzeugt, deren Stärke langsam abnimmt, je weiter sie sich vom Mittelpunkt entfernen. So manifestiert sich die Schöpfung aus dem Nichts und erfährt sich selbst abnehmend, je weiter sie sich vom auslösenden Ursprung entfernt. Stellen wir uns den Geist als das Weltmeer vor, dann wäre die Seele ein individuelles Gewässer, in das zu einem bestimmten Moment der Stein des individuellen Daseins fällt und die Wellen auslöst, die als individuelle Persönlichkeit für einen gegebenen Zeitraum erscheinen.

Wenn wir einen bestimmten Duft riechen, dann kann es sein, dass wir uns in der tiefsten Seele berührt fühlen und mit einer Welt verbunden, die außerhalb von Zeit und Raum besteht. Offenbar sind Düfte wie Agenten der Mutter Erde, die einen ganz besonderen Zugang zum Bereich der Ewigkeit möglich machen. Es ist, als würde dieser Kontakt an eine essenzielle Qualität erinnern, die jenseits der Grenzen dieses Lebens besteht.

Schauen wir uns das Leben an, wie es sich in der Natur entfaltet. Wir können erkennen, wie alles in Zyklen abläuft. Ebbe und Flut sind zwei Aspekte derselben Kraft, die sich in ihrer Dualität gegenseitig bedingen. So wie der Tag auf die Nacht folgt, so folgt der Sommer dem Winter und das Aufwachen dem Einschlafen. Auch Leben und Tod spiegeln dieses kosmische Gesetz. Der Ablauf zwischen Geburt und Tod begründet einen Zyklus. Spannend wird es durch die Möglichkeit, etwas verändern zu können. Wandel macht es möglich, dass Leben sich permanent weiterentwickelt.

Diese Wandlungsfähigkeit wird von einer energetischen Spannung begleitet, die wir Lebensenergie nennen können. Sie erzeugt das Brodeln der alchemistischen Suppe im „Hermetischen Gefäß“4, der Gebärmutter des Lebens. In dieser Spannung kommt die essenzielle Kraft zum Ausdruck, die sich der Polarität bedient, um sich selbst zu erfahren. Mutter Erde bietet den fruchtbaren Boden, auf dem sich die Kräfte eng ineinander verwoben zum Tanz des Lebens zusammenfinden, wo das Alte aufgelöst und das Neue gebildet wird.

Wenn man Düfte als Geschenk der Mutter Erde betrachtet und wie einen Schlüssel zu diesem metaphysischen Raum der Wandlungen versteht, dann ist ihre Anwendung in Form eines Zyklus zur Steigerung der Lebensenergie sehr plausibel.

Für den Menschen hängt die Lebensenergie ganz wesentlich davon ab, wie bewusst die eigene Erfahrung erlebt wird. Düfte bewusst wahrzunehmen macht wach und offen für feine Assoziationen und hilft, die Zeichen am Wegesrand sowie die inneren Zusammenhänge der Geschehnisse deutlicher wahrnehmen zu können. Es erhöht die Lebensfreude, zu spüren, wie viel man selbst mit allen Begegnungen und Ereignissen seiner Lebensreise zu tun hat. Zu erkennen, wie sehr man in die natürlichen Prozesse eingebunden ist, lässt ein tiefes Vertrauen entstehen. Daraus resultiert das Gefühl, vom Leben getragen und Teil des Einen zu sein. Das wirkt sich harmonisierend auf die Lebensenergie aus und führt zu einem verantwortungsvollen Umgang mit dem eigenen Dasein und dem der Mitwesen.

Zyklen begleiten unser Leben

Jeder Lebensprozess vollzieht einen Kreis, in dem Geburt und Tod ineinander übergehen. Der geschlossene Kreis vermittelt Vollkommenheit und symbolisiert eine Werterfüllung. Alles ist getan und vollbracht am Ende eines solchen Zyklus. Nun zielt das Wirken der Natur aber auf immer neue Verwirklichungen ihrer selbst. Es gilt, neue Ausdrucksmöglichkeiten, Lebensformen und verbesserte Voraussetzungen für den nächsten Zyklus zu schaffen. Eine ungeheure schöpferische Entfaltung ist am Werke. Es findet also eine permanente Entwicklung statt, die am besten in der Symbolik der Spirale dargestellt wird.

Der sich schließende Kreis wird auf einer höheren Ebene fortgesetzt.


„Bewegungskräfte – Der Prozess beginnt an einem Punkt und vollzieht einen Kreislauf“

So wird auch der Mensch auf seine Lebensreise geschickt. Außer dass er eines Tages sterben muss, weiß er nicht, worin das Ziel der Reise liegt. Jede Erfahrung, die er macht, kann zum Wegweiser werden und die Fähigkeit steigern, das Ziel zu erkennen. Alle Prozesse des Lebens sind miteinander verbunden und bilden ein riesiges Netzwerk. Wenn die Zeichen am Weg beachtet werden, dann wirkt sich das auf die Fähigkeit aus, Entscheidungen zu treffen und zu handeln. Das wiederum beeinflusst den Ablauf und die Wahrnehmung der zur Verfügung stehenden Zeit. Auf diese Weise verwirklicht sich das Leben als ein permanenter Fluss einer Grundenergie, die in immer neue Dimensionen hineinführt. Es gibt so viel zu erfahren, und der menschliche Geist ist gefordert, so viel wie möglich zu begreifen.

Die Kraft der Liebe

Eine zentrale Kraft begleitet uns auf dem Lebensweg durch die Höhen und Tiefen unserer Gefühle. Wir nehmen sie oft nicht als das wahr, was sie wirklich ist. Sie ist ganz und gar nicht aufdringlich, und doch ist es, als läge der innere Sinn des menschlichen Lebens in dieser Kraft. Lassen wir sie in einer Parabel zu Worte kommen:

Es war einmal eine Insel, auf der lebten alle Gefühle und Eigenschaften. Der Stolz, die Traurigkeit, die gute Laune. Und wie alle anderen lebte auch die Liebe dort.

Eines Tages wurde den Gefühlen mitgeteilt, dass die Insel sinken würde und schleunigst verlassen werden müsste. Alle machten sich daran, ihre Schiffe fertig zu machen. Nur die Liebe wollte bis zum letzten Augenblick warten.

Als die Insel sank, suchte die Liebe Hilfe.

Der Reichtum fuhr auf einem prachtvollen Schiff an ihr vorbei und die Liebe bat den Reichtum: „Reichtum, bitte hilf mir und nimm mich mit!“ Der Reichtum aber antwortete: „Tut mir leid, meine Liebe, aber mein Schiff ist voll mit Gold, Silber und Diamanten, da ist kein Platz mehr für dich.“

Da kam der Stolz auf einem wunderbaren Schiff daher und die Liebe sagte: „Stolz, ich bitte dich, hilf mir und nimm mich mit.“ „Es tut mir leid“, antwortete der Stolz, „ich kann dich nicht mitnehmen. Mein Schiff ist perfekt, du könntest es beschädigen.“

Die Liebe gab nicht auf und fragte die Traurigkeit, die an ihr vorbeikam. Doch die Traurigkeit antwortete: „Ich bin so traurig, ich muss alleine bleiben.“ Die gute Laune kam auch an der Liebe vorbei, aber sie war so glücklich und zufrieden, dass sie es nicht bemerkte, wie die Liebe sie rief.

Da hörte die Liebe eine tiefe Stimme, die sagte: „Komm mit Liebe, ich helfe dir.“ Die Stimme gehörte einem Alten. Die Liebe war so froh, jemanden gefunden zu haben, der ihr half, dass sie vergaß, den Alten nach seinem Namen zu fragen.

Als sie an Land kamen, ging der Alte fort.

Die Liebe wusste, dass sie dem Alten viel schuldete, und fragte das Wissen, wer der Alte war. Und das Wissen antwortete: „Das war die Zeit.“ – „Die Zeit?“, fragte die Liebe, „Warum hat mir die Zeit geholfen?“

Und das Wissen antwortete: „Weil nur die Zeit versteht, wie wichtig die Liebe im Leben ist!“

(Verfasser unbekannt)

Die Liebe steht am Anfang und am Ende der Reise durch die Zeit. Sie ist ein wesentlicher Aspekt der Seele des Menschen als eine versteckte Energiequelle, aus der Wegzehrung bezogen werden kann. Den Zugriff auf diese Quelle versperrt er sich selbst, denn die Liebe repräsentiert auch den göttlichen Funken im Menschen, von dem er sich oft abgetrennt wähnt und dann in die Irre läuft.

Mit dem Urknall ist ein gigantischer Funkenschauer explodierender Liebe in das Sein geschleudert worden.

Stellen wir uns die persönliche Lebensreise als eine Etappe der großen kosmischen Reise vor, dann betrachten wir sie als Kreis, der wiederum Teil eines viel größeren Kreises ist. Das Göttlich-Essenzielle als auslösendes Urelement befindet sich in der Mitte des großen Kreises und stülpt in einer orgiastischen Geste sein Inneres nach außen. Diese den Prozess nährende göttliche Liebeskraft führt von innen den äußeren Prozess.

Mittels einer Duftwahrnehmung, die wir lieben, wird uns möglicherweise eine solche himmlische Erfahrung zuteil und tritt in ein Resonanzverhältnis zu unserer eigenen Mitte. Auf den einzelnen Menschen übertragen kann in der Essenz auch das persönliche Potenzial gesehen werden, das „Noch-nicht-Verwirklichte“, das wie ein Schatz auf seine Entdeckung wartet.

Um diesem Potenzial auf die Spur zu kommen, benötigt der Schatzsucher eine alte Karte. Dafür eignet sich das Enneagramm, denn der Sucher nach sich selbst kann mit dessen Hilfe den Schatz der eigenen Mitte heben.


Das Enneagramm als Landkarte

Das Enneagramm stellt ein altüberliefertes magisch-dynamisches Symbol dar, von dem Georges Iwanowitsch Gurdjieff sagte, es ließen sich die ewigen Gesetze des Weltalls daraus lesen. Er bezeichnete es als ein schematisches Diagramm der dauernden Bewegung nach dem Prinzip des Perpetuum Mobile und setzte es dem alchemistischen Stein der Weisen5 gleich, was die Erkenntnis vermittelnde Kraft betrifft. Dieses Symbol ist ein Medium, mit dessen Hilfe spirituelle Erkenntnis möglich wird.

Es kann auch wie eine Landkarte der Psyche benutzt werden, so hat der südamerikanische Bewusstseinsforscher Oscar Ichazo in den 60-er Jahren auf der Grundlage kabbalistischer, gnostischer und neu-platonischer Quellen in seiner Recherche zum Enneagramm entdeckt. Neun göttlichen Qualitäten stehen die sieben Todsünden zuzüglich Angst und Täuschung gegenüber. Man erhält eine Landkarte für die Reise nach innen, wenn jeder Punkt auch als ein Typus mit spezifischen Mustern des Handelns, Fühlens und Denkens definiert wird. Der Sucher nach sich selbst kann mit Hilfe dieser Karte seine persönliche Position bestimmen.

Quellenliteratur zu diesem Thema finden Sie im Anhang.

Die Dualität des irdischen Lebens

Schauen wir uns das Symbol einmal genauer an, wie es in seiner inneren Struktur verschiedene Bezüge und Bewegungsrichtungen aufweist, so lassen sich drei wesentliche Aspekte unterscheiden:

Wir erkennen eine Zweiteilung, die für Dualität steht und von Punkt 9 vertikal nach unten verläuft. In dieser Zweiteilung spiegelt sich das Sein, wie es sich in seinen einerseits körperlich und andererseits geistig-seelisch orientierten Bezügen offenbart. Es gibt eine funktionale und auf praktische Gegebenheiten ausgerichtete rechte Seite, die von einer geistig-philosophischen, auf seelische Zusammenhänge zielenden linken Seite gespiegelt wird.

Linksdrehend von der 9 absteigend taucht der Geist in die Schöpfung (Involution). Rechtsdrehend entfaltet sich der mechanische Entwicklungsprozess nach den Gesetzen der Natur (Evolution).6

Eine Dreiheit wird durch das innere Dreieck verkörpert. Die „Trinität“ gilt als das universelle Schöpfungsprinzip und beschreibt die Bildekräfte im stofflichen Bereich des Lebens, aus dem heraus neue Entwicklungen möglich werden.


„Zweiteilung“


„Trinität“

Die Natur entfaltet ihre schöpferische Kraft

Aus der Spannung der Dualität erwächst der Drang nach Vervollkommnung im dritten Punkt. Über die drei Punkte des inneren Dreiecks wird Verbindung zu allen anderen Lebensprozessen hergestellt. Die Dreieinigkeit ist Sinnbild für innere Einheit und die Kreativität, die über Licht und Liebe alle Wesen untereinander verbindet. Wenn diese drei Punkte miteinander zu einem harmonischen Gleichgewicht kommen, dann kann ein Prozess über sich selbst hinauswachsen.

Die Zahl Drei symbolisiert den Entstehungsprozess des Lebens. Der schöpferische Impuls, also der Stein, der ins Wasser fällt und die Wellen erzeugt, wird durch drei Phasen geprägt. Der erste Punkt steht für die körperliche Manifestation, der Stein als solcher. Dem Naturgesetz folgend fällt er, bis er auf den Widerstand der Wasseroberfläche trifft und damit den zweiten Punkt erreicht. Die Wasseroberfläche gibt nach, nimmt den Stein auf und erzeugt eine kreisförmige Resonanz in alle Richtungen. Dies kennzeichnet den dritten Punkt, das Prinzip der Lebensentfaltung als Fortführung des göttlichen Bewegungsimpulses innerhalb der Schöpfung.

Nach dem Prinzip „These-Antithese-Synthese“, der „Vater, Sohn und Heiliger Geist-Dreieinigkeit“ oder dem Dreisatz in der Mathematiklassen sich auch Erklärungen der Phänomeneoder kreative Lösungen für die wesentlichen Herausforderungen des Daseins in der Dreiheit finden.

Analog zu diesem Prinzip erfahren wir als Menschen die Welt durch drei fundamentale Wahrnehmungszentren, die dazu dienen, das Potenzial so gut es eben geht im Leben zu verwirklichen. Sie verarbeiten Eindrücke in völlig verschiedener Weise und schaffen gemeinsam die Möglichkeit, Bewusstsein zu entwickeln. Die ausgewogene Beteiligung aller drei Zentren ist dafür wichtig.

Als Entsprechung zu diesen Zentren sowie sinnbildlich für eine lebendige Entwicklungsfolge können wir die drei Gehirnzentren des Menschen betrachten.

Dem Klein- oder auch Reptiliengehirn, das Instinkte und autonome Körperfunktionen steuert, ist der Umgang mit der konkreten Wirklichkeit unterstellt. Wenn es um das Überleben geht, dann läuft dieses entwicklungsgeschichtlich älteste der Hirnorgane des Menschen noch heute zu Hochform auf, aktiviert die phänomenalsten Kraftreserven und zwar schneller, als das Gefühl fühlen, geschweige denn der Kopf denken kann. Der territoriale Anspruch mit der Verteidigung des notwendigen Existenzraumes (Revier) und dessen exakter Abgrenzung entscheidet sich in der Polarität von Kampf oder Flucht, fressen oder gefressen werden. Jeder kennt das Prinzip, nur wird es unterschiedlich ausgelebt.

Als entwicklungsgeschichtlich zweites Organ hat sich das Limbische System, die Steuerzentrale unserer Gefühle gebildet. Es empfängt und spiegelt das, was die Menschen empfinden, wenn sie sich voneinander angezogen oder abgestoßen fühlen. Beziehung und Mutterliebe, sich vom Leben getragen oder nicht getragen zu fühlen, Gegensätzliches harmonisieren zu wollen, mit unbewussten Übertragungsreaktionen aus frühen seelischen Verletzungen zu reagieren, Ähnliches anzuziehen, Gegensätzliches abzulehnen, all dies wird im Limbischen System vernetzt. Und da müssen wir auch hineinhorchen, um eine Resonanz zu hören, die uns letztlich zur gefühlten persönlichen Wahrheit führt.

Aus dem Riechhirn als dem größten Areal des Limbischen Systems ist in der dritten Stufe der zerebralen Entwicklungsgeschichte die Großhirnrinde (Neo-Kortex) hervorgegangen und hat sich in zwei mächtigen Hälften über die älteren Hirnteile gestülpt. Hier wird geforscht und analysiert, zugeordnet und interpretiert. Der Gedanke, als Werkzeug, um aus einem Pool unendlicher Möglichkeiten zu schöpfen, wurde damit möglich und ist zum Projektor des persönlichen Lebensweges aufgestiegen.

Dann gibt es die Figur der 6 miteinander verbundene Punkte, die für 1 – 4 – 2 – 8 – 5 – 7 – 1 nach dem periodischen Gesetz der Sieben stehen und den pulsierenden Rhythmus der Schöpfung darstellen. Der im Siebenjahresrhythmus sich vollziehende Phasenwechsel in der Natur (der menschliche Körper braucht sieben Jahre, um sämtliche Zellen einmal zu erneuern) oder die von den Anthroposophen in „Jahrsiebten“ gerechneten geistig-seelischen Entwicklungsphasen oder auch die vielen Kulturen, die von Anfang an die Zeit in Wochen von sieben Tagen eingeteilt haben, weisen gleichermaßen auf sich periodisch wiederholende Zeitabläufe im Siebener-Rhythmus hin.


„Siebenerrhythmus“

Das periodische Gesetz der Sieben

Wenn man die Zahlen 1 bis 9 nacheinander jeweils durch 7 teilt, dann erhält man hinter dem Komma immer genau eine Kombination dieser sechs Zahlen als eine periodische Folge, die sich mathematisch bis in alle Ewigkeit fortsetzt. Wir haben es hier mit einer objektiven Wahrheit zu tun. Dies lässt sich überprüfen, wenn man einen Taschenrechner zur Hand nimmt und ihn so einstellt, dass er ein Maximum von Stellen hinter dem Komma anzeigt. Die einzige Ausnahme bildet 7 : 7 = 1.

Prinzip der unendlichen Wiederholung

Das Leben ist in immerwährender Bewegung. Die unendliche zyklische Fortsetzung der sechs Punkte hinter dem Komma deutet auf das Perpetuum mobile als Grundprozess innerhalb der Schöpfung hin.

Näher kann man dem Rad des Lebens mit einer mathematischen Formel wohl kaum kommen. Wenn diese Figur mit dem inneren Dreieck kombiniert wird, entstehen im äußeren Radius des Kreises wieder drei Trinitäten, weil die Punkte des inneren Dreiecks (9 – 6 – 3) dadurch von jeweils zwei Punkten flankiert werden. Es entsteht in der Zahl Neun eine dynamische, schöpferische Ganzheit, die durch die drei Zentren Körper, Gefühl, Geist gekennzeichnet ist, welche andauernd miteinander korrespondieren. Aber jedes für sich enthält auch wieder die Dreiheit als Schöpfungsprinzip.

Dem schöpferischen inneren Dreieck eines geschlossenen Neuner-Zyklus wird durch das periodische Gesetz der Sieben7 die dynamische Komponente der fortlaufenden Bewegungs- und Entwicklungsmöglichkeiten im Rad des Lebens zuteil.

AROMATISCHER DUFTKREIS

nach ENNEAROM-Kriterien


Das Ennearom-System

Die Vision erscheint, wenn Kopf und Herz vereint auf die innere Stimme lauschen.

Auf den Grundprinzipien des Enneagramms aufbauend, habe ich ein Arbeitssystem mit Duftstoffen entwickelt, woraus sich der Name „Ennearom“ ableitet: ENNEA (griech. „neun“) und AROM für Aroma. Dieser Begriff steht für eine aromatologische Vorgehensweise mit neun verschiedenen Düften. Er bezeichnet auch ein Modell der Zuordnung von Duftcharakteren nach neun verschiedenen Basisausrichtungen.

Das Ennearom soll uns in die Lage versetzen, aus dem Kopf in das Herz der Dinge zu gleiten. Deshalb ist es besser, die abstrakten Zahlen zurückzustellen und stattdessen mit einem Bild zu arbeiten.

Was bietet sich besseres dafür an, als das Urbild der Schwelle, die es zu überschreiten gilt? Neun Tore auf dem Erlösungsweg.

In dieses System sind sowohl meine Erfahrungen mit dem Enneagramm der Persönlichkeiten sowie die dynamische Entfaltungslehre gurdjieffscher Prägung eingeflossen.

Für diese steht der äußere Kreis um das Symbol des Enneagramms für einen dynamischen Lebenszyklus, der auf neun Phasen gegründet ist und in seiner Vollendung eine Ganzheit darstellt.

Wenn wir davon ausgehen, dass sich im Zentrum des Kreises die Essenz befindet, die sich als das feine seelische Element in der physischen Welt der Erscheinungen individuell ausdrücken möchte, dann folgt daraus, dass neun Aromen als Repräsentanten an den neun Punkten eine Brücke zu diesem feinstofflichen Bereich schlagen können.

So zielt die Ennearom-Arbeit darauf ab, den Kontakt zwischen der Persönlichkeit und der seelischen Disposition des Menschen zu verbessern.

Das Ennearom-System ordnet also die im persönlichen Ausdruck des Menschen vorherrschende Reaktionsweisen zunächst nach den drei Gesichtspunkten:

Körper, Gefühl und Geist und bringt sie mit entsprechenden Düften in Verbindung.


Körper auf das praktische Handeln und Durchsetzung im täglichen Leben ausgerichtete Energie. ICH-Kraft (absolut) … wie behaupte ich mein Terrain? Zeitbezug: Gegenwart Emotionale Triebkraft: Zorn Mangel: Schutz

Über den Körper wird die Beschaffenheit der physischen Welt mit belastenden Anforderungen oder lustvollen Belohnungen wahrgenommen und der Selbsterhalt ist von zentraler Bedeutung. Wie schaffe ich es, zu überleben? Dieses Zentrum vermittelt die absolute Realität körperlicher Existenz. Ganz bestimmte Pflanzendüfte repräsentieren die energetische Ausrichtung dieses Zentrums, indem sie Initiativkraft und Durchhaltevermögen als existenzielle Werterfüllung in ihrem Duft ausdrücken.


> Gefühl > Beziehungsdynamik und Ausrichtung auf Ausgleich und Verschmelzung. Das DU (funktional) … wie erreiche ich es, geliebt und aufgenommen zu werden? Zeitbezug: Vergangenheit Emotionale Triebkraft: Scham Mangel: Anerkennung

Das Gefühlszentrum ist auf zwischenmenschliche Beziehung ausgerichtet. Wie muss ich es machen, damit ich für mein Umfeld akzeptabel bin? Die funktionale Realität steht im Vordergrund. Das persönliche Verhalten und damit die eigene Sicherheit wird in Bezug auf den anderen definiert. Das, was man fühlt, bestimmt in starkem Maße den Umgang mit der persönlichen Realität. Somit sind Zuwendung, Anerkennung, Begeisterungsfähigkeit und emotionale Extravaganz wesentliche Kriterien dieser Sphäre, und Pflanzendüfte, die eine solche Botschaft vermitteln, haben eine besondere Anziehungskraft für den, der stark aus diesem Zentrum heraus lebt.


Geist der von Glaubenssätzen geprägte Bereich der Vorstellungen, Projektionen und Visionen. WIR (sozial) … wo führt das alles hin? Zeitbezug: Zukunft Emotionale Triebkraft: Angst Mangel: innere Führung

Die hier zugeordneten Düfte haben einen starken Lichtbezug. Sie können hell und klar oder fein und transparent sein. Sie können aber auch kraftvoll anregend und motivierend wirken, um mentale Ordnungskräfte zu aktivieren und Entscheidungen zu treffen.


Mit jedem dieser Zentren korrespondieren bestimmte Düfte in besonderer Weise. Die mehr oder weniger hohe Akzeptanz des Wahrnehmenden gegenüber diesen Düften ermöglicht Rückschlüsse darauf, welches Zentrum mehr oder weniger dynamisch in der Gesamtpersönlichkeit mitwirkt bzw. zum Ausdruck kommt.

Die hilfreiche Kraft der Düfte

An seiner Reaktion auf einen Duft erkennt der Mensch, was gebraucht wird.

Es geht um Kontakt. Wie ich persönlich das Leben erfahre, so gehe ich mit mir selbst und den anderen um. Mangelnde Akzeptanz für das, was so ist, wie es ist, zeugt von schmerzhafter Erfahrung aus der Vergangenheit, die in der Gegenwart das Dasein beschwert. Die Auflösung solcher „Verhärtungen“ passiert in der Regel nicht von einem Moment zum nächsten, sondern ist ein Prozess des Lernens, mit dem Ziel von wachsendem Verständnis und zunehmender Akzeptanz. Ich gewinne größere Freiheit, wenn ich meine Akzeptanz erhöhe. Wenn ich mein Gegenüber liebe wie mich selbst, dann bin ich auf dem richtigen Kurs. Mit jedem Schritt gewinne ich an Leichtigkeit.

Einerseits die eigenen Mechanismen von Offenheit und Empfänglichkeit wahrzunehmen, andererseits aber auch Ablehnung mit niedriger Akzeptanz für das „Andere“ zu erfahren, steht bei der Ennearom-Aromaarbeit im Brennpunkt.

Der Leitsatz ist:

Das, was wir mögen, steht für das Vertraute, dem wir uns bereitwillig hingeben.

Das, was wir ablehnen, repräsentiert den „ungeliebten“ Teil in uns selbst.

Mit Düften zu arbeiten, um die Befindlichkeit zu verbessern, ist eine sanfte Methode der Regulierung innerer Konflikte. Wenn die Aufmerksamkeit auf die Sinnesreaktion von Mögen und Nichtmögen gerichtet wird, erhalten wir eine authentische Information aus dem Gefühlsbereich.

Pflanzen kommunizieren über ihren Duft mit der Umwelt. Sie senden ebenso Signale der Abwehr aus wie der Verlockung und der Fülle, um ihr Überleben zu sichern.

Wie der Mensch auf die spezielle Charakteristik einer solchen authentischen Aromainformation reagiert, ist von wesentlicher Aussage. In spielerischer Form können Düfte gerochen werden, die aus einer bestimmten Perspektive eine Botschaft vermitteln. Das eigene Mögen oder Nichtmögen des Duftes kann als eine konkrete Aussage im Sinne von Akzeptanz für eben diese Botschaft betrachtet werden.

Es ist wie ein Echo aus dem Gefühlszentrum. Indem wir die Gefühlswelt als Tor zur Seele verstehen, sehen wir diese Resonanz als eine essenzielle Rückmeldung.

Das Riechen als Medium der Gefühlsebene läuft über den folgenden Funktionsprozess im Körper ab:

Duftmoleküle treffen auf die Riechschleimhaut und docken an den darin eingebetteten Geruchsnervenenden an, werden in elektronische Nervenimpulse umgewandelt und erreichen blitzartig das Limbische System. Die Resonanz zeigt sich in Form von Vorstellungen und Bildern, die als Lösungsimpulse intuitiv herauskommen. Deshalb ist es sehr wichtig, genau auf diese Rückmeldungen zu achten. Jedes Bild, und mag es einem noch so banal erscheinen, hat Bedeutung.

Als sanfte Therapie lenkt die Ennearom-Arbeit die Aufmerksamkeit auf die Wahrnehmung der individuellen Präferenzen, das, was man mag oder nicht mag. Düfte, für die eine hohe Akzeptanz besteht, können regulativ eingesetzt werden. Die Offenheit für die ganz konkrete Charakteristik dieser Düfte bedeutet, dass der heilsame Impuls des Dufteindrucks zugelassen wird und weist somit auf das „richtige“ Mittel hin. Diesem Echo zu folgen, stärkt die Eigenkompetenz für das persönliche Wohlergehen. Man findet selbst heraus, was gut tut. Das, was abgelehnt wird, repräsentiert den Schattenbereich und damit verbundene Blockaden. Mit diesen Düften muss vorsichtig umgegangen werden, da sie die bestehende Problematik zunächst vergrößern können.

Was gefühlt wird, wenn ein Duft wahrgenommen wird, bezeichnen wir als Resonanz.

Mit einem Duft werden verborgene Landschaften des Innenlebens berührt, und durch die Resonanz lässt sich dieses Terrain erschließen. Man kommt in Kontakt zu sich selbst.

Diese Erfahrung gemeinsam mit anderen Menschen zu machen, ist sehr kontaktfördernd für die Gemeinschaft. Wie die Kraft der Düfte schwierige und belastende Empfindungen auflösen und verwandeln kann, lässt sich gemeinsam auf eine spielerische Weise erfahren. Zum Beispiel empfindet der eine den weißen Salbei als schrecklich aufdringlich – vielleicht wie unangenehmen Schweißgeruch – und der andere als erhebend und klärend bis heilig. Es wird sehr spannend, wenn man diesen gegensätzlichen Empfindungen die wesentliche Charakteristik als dritten Punkt gegenüberstellt. Weißer Salbei steht für Weltverbesserung und Werterfüllung. Zu diesem Begriff kann man sehr unterschiedliche Assoziationen haben, denn schließlich werden auch Missionare und Oberlehrer nicht zu allen Zeiten geliebt und verehrt. Wenn ich diesen Duft nicht mag, dann habe ich vielleicht ein Problem mit Besserwisserei und Eifer, erkenne andererseits aber nicht das ehrliche, uneigennützige und idealistische Engagement, das sich ebenso hinter diesem Begriff verbirgt. Einen anderen Blickwinkel stehen zu lassen, schafft jedoch ein anregendes Klima, das die Unterschiede in der Empfindung relativiert. Oft bringt es die Menschen zum Lachen über sich selbst. Das wirkt ungemein ansteckend und verbindend im Rahmen einer Gruppenarbeit. Der Dufteindruck berührt und spiegelt „Themen“ der Persönlichkeit des Einzelnen. Diese Erfahrung ist überraschend deutlich. Erstaunt erblicken die Menschen auf diese Weise Spiegelbilder ihrer Innenwelt. Man entdeckt sich auch im anderen, wenn durch diesen die eigenen Empfindungen zum Ausdruck gebracht werden. Das wirkt integrativ und dynamisierend auf verdrängte oder blockierte Bereiche der einzelnen Teilnehmer.

Der Blick ist im Allgemeinen nach außen gerichtet und die Welt wird angeschaut, als fände sie außerhalb des menschlichen Selbst statt. Dabei wird übersehen, dass Gefühle, Intuition und Träume einen wesentlichen Teil der persönlichen Erfahrung ausmachen und auch ein dichtes Netz der Beziehungen spinnen. Düfte sprechen ganz stark diese inneren Bereiche an. Das Wohlgefühl ist von einer ausgeglichenen psychischen Verfassung abhängig. Die Psyche des Menschen kann bekanntlich ungeahnte Kräfte aktivieren. In ihr befinden sich schier unerschöpfliche Reserven an kreativer Energie. Sie wirkt als Schubkraft für den Lebensfluss. Dufteindrücke sind wie energetische Impulse und wirken über die Psyche regulierend auf den ganzen Menschen ein.

An diesem Punkt setzt die spirituelle Aroma-Arbeit an. Es ist wahrnehmbar, wenn Düfte sich ausgleichend auf mit Spannung überladene oder inspirierend auf erschöpfte und verzagte Momente auswirken. Es gilt also, mit ihrer Hilfe auf die Befindlichkeit so einzuwirken, dass geistig-seelisch-körperliche Gesundung aus eigener Initiative eingeleitet wird.

Die Natur, in der wir leben, ist fähig zum Wandel, an dem der Mensch aktiv beteiligt ist. Er ist mit dem Potenzial des bewussten Handelns und dem freien Willen ausgestattet und somit Träger des geistigen Prinzips in der Natur. Er repräsentiert sozusagen den „dritten Punkt“. Die Gefahr, dem Hochmut zu verfallen und sich selbst als Krone der Schöpfung zu verherrlichen, ist ebenso groß wie die, sich als Abschaum derselben gnadenlos zu erniedrigen.

Der Stein der Weisen ist im dritten Punkt zu finden. Es obliegt dem Menschen selbst, sich in den heiligen Kreis zu begeben und dem energetischen Wesen einer Natur anzuvertrauen, die darauf ausgerichtet ist, die bestmögliche Verwirklichung ihrer selbst hervorzubringen.

Wenn mit naturreinen Duftstoffen ein Kontakt zur feinstofflichen Welt der Pflanzenkräfte aufgebaut wird und über den Geruchssinn ein feiner Kommunikationsaustausch mit der Seele der Pflanze stattfindet, wirkt sich das sehr dynamisierend auf die Psyche aus.

In dieser Dynamisierung liegt der Kernpunkt der ENNEAROM-Seelenarbeit. Verhärtete Denkmuster und Gefühlsstrukturen sollen aufgebrochen werden, um zu einer umfassenderen Wahrnehmung der eigenen Möglichkeiten zu gelangen.

Mit der Ennearom-Arbeit soll damit das Prinzip der Spirale aktiviert und die Befindlichkeit optimiert werden.

Der Mythos vom Paradies

Sich als getrennt von der innersten Natur der Dinge zu empfinden, ist der Kurzschluss, den es durch die Aromatherapie zu überbrücken gilt.

Der Mensch verkörpert den geistigen Aspekt in der Schöpfung. Er ist das einzige irdische Lebewesen, das als Dreiheit mit der Fähigkeit bewusster Wahrnehmung seiner selbst ausgestattet wurde. Der paradiesische Zustand der Einheit allen Lebens, wie er in Wahrheit besteht, sollte mittels dieser Fähigkeit in der Welt der Gegensätze erkannt und nach bester Kraft gelebt werden.

Die Schwierigkeit ist aber: Menschen können aus dem Paradies fallen und sogar vergessen, dass es existiert, oder naiv dem Dogma aufsitzen, nur der Tod führe dorthin. Die Probleme sind dann unübersehbar. Anstatt in respektvoller Form mit dem Leben umzugehen, das Ausdruck des innewohnenden Göttlichen ist, werden Habgier, Eitelkeit, Neid, Eifersucht, Überheblichkeit, Wut, Hass und dergleichen zu wichtigen Triebfedern des Handelns. Krieg und Ausbeutung, Umweltverschmutzung und Kriminalität bringen Tod und Zerstörung. Die Verirrung lässt die Menschheit an dem Ast des Lebensbaumes sägen, auf dem sie sitzt.

Dies kann nur Ausdruck des Sündenfalls sein, den hier die unbewusste Ausübung des freien Willens zur Folge hat. Der Fall aus dem Paradies kann als Verlust der inneren Verbundenheit mit der Schöpfung betrachtet werden.

Die so genannte Vertreibung aus dem Paradies erfolgt, psychologisch betrachtet, in frühester Kindheit, wenn auf Grund von Unerfahrenheit, Gefühlsblockaden und übernommenen Vorstellungen der eigenen Eltern, Mutter und Vater nicht angemessen auf die elementaren Bedürfnisse des neuen Erdenbürgers eingehen können. Eben noch war das Neugeborene in der sicheren Einheit getragen und geschützt und landet plötzlich in der Welt harter Entbehrungen. Es reagiert mit Ablehnung. Dabei wird der Grundstein einer mechanischen Abwehr gelegt, die sich im weiteren Verlauf des Lebens differenziert, aber in ihrer Mechanik tendenziell immer weiter verhärtet, wenn keine Bewusstseinsentwick-lung stattfindet. Den Gegebenheiten hilflos ausgeliefert zu sein, war die ursprüngliche negative Erfahrung. Die in der Folge entstandene Mechanik zielt darauf ab, den Schmerz der Entbehrung abzupuffern. Wer sein Dasein als Kleinkind als vollkommen unwichtig erfahren hat, weil es die Aufmerksamkeit liebender Eltern entbehren musste, der betrachtet die eigenen Bedürfnisse eben als bedeutungslos, um den Schmerz der Entbehrung zu vermeiden. Wo ich die Sehnsucht nicht zulasse, dort vermisse ich auch nichts.

Sich und seine Bedürfnisse als wichtig und wertvoll zu begreifen, ist jedoch ein unverzichtbares Element eines erfüllten Lebens, deshalb bedarf es einer bewussten Anstrengung, ein solches Abwehrmuster zu durchbrechen.

Eine andere mechanische Reaktion, zum Beispiel auf eingeschränkte Entfaltungsmöglichkeiten, kann auch Wut sein, die mich dann antreibt, mir meinen Teil zu erkämpfen und jede Schwäche zu vermeiden. In beiden Fällen sind es die äußeren Umstände, die eine Abwehrreaktion erzeugen, denen aber keine bewusste Entscheidung zugrunde liegt.

Indem er akzeptiert, selbst vollkommen von den äußeren Einflüssen der konkreten Welt abhängig zu sein, gibt der Mensch das Zepter des Schöpfertums aus der Hand. Die mechanisch entstandenen Denk- und Verhaltensmuster beschränken die Einflussmöglichkeiten auf den Verlauf des eigenen Lebens. Er kann ja doch nichts ändern, so denkt der Mensch, und ist damit der Konsequenz seines eigenen freien Willens auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Was er denkt, prägt seine Wirklichkeit, und was er will, geschieht. Dieser Wille ist auf das Engste mit dem Gefühl verbunden, das sich in dem, was es fühlt, nach teils ziemlich unsinnigen Vorgaben richtet, die von Eltern und Gesellschaft unreflektiert übernommen wurden. Normen, was falsch und richtig, schön oder hässlich ist, überlagern die tatsächliche Empfindung und Wahrnehmung. Was darf sein oder nicht sein? Was gehört dazu oder muss tunlichst vermieden werden? Unreflektierte Glaubenssätze haben den Kopf bis zum Rand gefüllt und halten das Gefühl an der Kandare. Das ist wahrlich kein paradiesischer Zustand.

Das innere Kind und das Ego-Phänomen

In jedem von uns wohnt ein kleines zerbrechliches Wesen, das dem Kind entspricht, als das wir auf die Welt gekommen sind. Es musste die ersten Erfahrungen im Umgang mit dem materiellen Leben machen und wurde von den Widerständen und Mangelzuständen überrascht, die das mit sich brachte. Neun spezifische Schattenaspekte beschreiben im Kapitel der neun Tore, wie mit Mangel und Verlust unterschiedlich umgegangen wird. Allen gemeinsam ist, dass die frühkindliche Erfahrung zu einer Verdrängung der Bedürfnisse des inneren Kindes geführt hat.

Gerade diese Verdrängung behindert später die essenzielle Entfaltung in der Persönlichkeit, weil das ursprüngliche Verlustgefühl permanent vom Ego kompensiert, abgepuffert und versteckt wird. Der Schmerz des inneren Kindes muss aber angenommen werden, um sich auflösen zu können. Somit steht uns unser Ego bei der Selbsterfahrung massiv im Wege.

Diese künstliche Instanz hat sich auf der bedrohlichen Grundlage von Ängsten und Zwängen gebildet und geht höchst mechanisch mit der Willenskraft um. Die Welt wird als ein Existenzkampf erlebt, in dem letztlich nur noch zählt, ob man zu den Gewinnern oder den Verlierern gehört. Die Welt teilt sich dann in Täter und Opfer, die sich gegenseitig bedingen und beiderseits ihre Freiheit verspielen.

In jeder Ehe, Familie, Firma, Gemeinschaft, Nation wird der Verlust von essenzieller Qualität schnell erkennbar, wenn aggressive Übergriffe und Polarisierung zunehmen.

Die Gesundheit des Ganzen spiegelt den Grad der Verirrung.

Je unbewusster gehandelt wird, desto stärker wird der freie Wille vom Ego dominiert. Das Ego entsteht in mehreren Phasen.

Es gibt – wie vorab geschildert – ein auslösendes Verlustgefühl in den frühen Stunden des Lebens. Der Mensch wird in diese Welt geboren, indem er die Einheit mit der Mutter verlassen muss. Die Verbundenheit und geschützte Welt in der Gebärmutter, schwimmend in warmem Urwasser, wird plötzlich beendet und eine anstrengende Phase des Übergangs setzt ein.

Die Geburt in eine raue Welt physischer Tatsachen wird in unseren Breitengraden leider noch viel zu oft als unbarmherzige Mechanik erlebt. Nie wieder ist das Wunder des Lebens so unmittelbar erfahrbar wie in den ersten unvorbereiteten Begegnungen des Babys mit den elementaren Erscheinungen der Welt.

Verletzbar und den harten Anforderungen des Lebens ausgeliefert, wird der Verlust der schützenden Einheit oftmals als höchst bedrohlich erfahren.

Notgedrungen wird ein Mechanismus des Selbsterhalts nach der Geburt begründet. Es stehen zu diesem Zeitpunkt nur wenige Ausdrucksmöglichkeiten zur Verfügung. Schreien, Lächeln oder Verweigerung. Das, was funktioniert, wird wiederholt. Der Entstehungsprozess der Basis-Strategie läuft automatisch ab.

Jede weitere Erfahrung von Verlust an Zuwendung und Trost trägt zur weiteren Differenzierung der unbewussten Strategie bei. Etwas Wesentliches scheint zu fehlen und das muss um jeden Preis kompensiert werden, um die Entbehrung abzumildern.

Die unbewusste Strategie ist also darauf ausgerichtet, einen schmerzhaften Absturz abzufedern, deshalb wird oft ein Netz der Verneinung über dem vermeintlichen Abgrund gespannt. Er wird vermieden und ausgeblendet. Das mechanische Ego-Prinzip der Psyche funktioniert so, dass es einen aggressiven oder defensiven Puffer zwischen sich und der Wahrheit aufbaut.

Ein anfänglich einfaches psychisches Schild zur Abwehr einer Grundangst wird im weiteren Verlauf des Lebens immer vielschichtiger und ist Ursache für die immer wiederkehrenden Engpässe und Sackgassen, in die Menschen mit ihren Beziehungen zueinander geraten. Jeder möchte sich getragen fühlen, gesehen und anerkannt, also muss der Fehler, den man zu haben meint, versteckt werden. Das Ego stemmt sich unwillkürlich mit aller Kraft dagegen, den Schatten sichtbar werden zu lassen. Für diese unterbewusste Ego-Abwehr wird das machtvolle Mittel der Willenskraft eingesetzt, ohne dabei einer bewussten Entscheidung zu folgen.

Die Auflösung

Das, was Schmerzen bringen könnte, will der Mensch nicht sehen. Es ist aber der Wille Gottes, dass der Mensch kraft seines freien Willens die persönliche Wirklichkeit mit aller Konsequenz erschafft, selbst dann, wenn sie ihm um die Ohren fliegt.

Es lohnt sich also die Frage, wer es denn ist, der da reagiert? Oder, wann lasse ich mich von Ängsten steuern? Die gute Nachricht: es ist möglich, dem Grundangst-Mechanismus auf die Schliche zu kommen. Die Lösung besteht darin, in Kontakt zum ursprünglichen Verlustgefühl zu treten. Es will einfach nur gesehen werden.

Das „innere Kind“, das hinter dem Abwehrmechanismus verborgen immer noch das frühere Leid spürt, möchte in den Arm genommen werden. Dieser Kontakt kann jedoch nur über das Gefühl hergestellt werden. Die Wahrheit soll fühlbar werden! Die persönliche Wahrheit ist, dass dieser Schmerz existiert und bewusst erfahren werden muss. Dies ermöglicht uns, dem Abwehrmechanismus seine Mechanik zu nehmen und zu einer liebevollen Annahme der Dinge, wie sie sind, zu gelangen.

Je bewusster wir also das Göttlich-Essenzielle in unserem Herzen fühlen und vertrauen können, dass wir vom Netzwerk des Lebens getragen werden, desto stärker wirkt die Licht- und Lebensenergie durch uns hindurch. Es wird immer spannender, je besser wir fühlen können. Die steigende Spannung kann unterschiedlich zum Ausdruck kommen. Wenn mein Problem der Stillstand ist, dann kann wachsende Handlungsbereitschaft und Entscheidungskraft die Folge sein.

Wenn ich dagegen wie der Goldhamster im Laufrad unterwegs bin, wird sich als Ergebnis eher die innere Stille manifestieren. In der Folge setzt eine Dynamisierung ein, die alle ungelebten Bereiche einbezieht. Der Schatten wird integriert und die Ausstrahlung von Einheit, Liebe, Vollkommenheit, Hingabe, Harmonie, Authentizität, Erfüllung, Gelassenheit und Lebensfreude kann das Dasein durchdringen.

Dies gilt es mit der Aromatherapie der Seele zu bewirken. Im Ennearom-System wird ein Duftzyklus eingesetzt, um ganz bewusst einen Kreis zu schließen. Auf der Duftebene erleben wir die verschiedenen Ausprägungen von Offenheit und Abwehr, um die Schattenthemen zu integrieren, die uns möglicherweise belasten. Es ist ganz unglaublich, welche Dimensionen an Selbsterkenntnis dadurch möglich werden. Die Teilnehmer an einer solchen Arbeit kommen zu einem sehr starken Erleben ihrer selbst. Die Düfte gehen so tief, dass oft die erstaunlichsten Anteile der eigenen Persönlichkeit an die Oberfläche kommen und betrachtet werden können. Dieses Phänomen macht die Duftarbeit zu einem Instrument, das in unterschiedlichen therapeutischen ebenso wie unterhaltsamen Zusammenhängen eingesetzt werden kann.

Der Personal-Trainer kann das Ennearom-Räucherritual für Arbeitsgruppen einsetzen, wenn die zwischenmenschliche Dynamik verbessert werden soll, um beispielsweise Mobbing vorzubeugen.

Der Heilpraktiker kann das Ennearom-Naturparfüm auf der Resonanzebene im Dialog mit dem Patienten erstellen und dabei wertvolle Hinweise für die Anamnese gewinnen.

Die Pflegekraft im Altenheim wird mit einer Duftreise in die Welt der Erinnerungen mit Sicherheit eine gute Erfahrung machen, wenn sie Kontakt im Kreis der alten Menschen herstellen möchte und dafür ein anregendes Medium sucht.

Auch bei der Sterbebegleitung bietet sich die Duftarbeit an, um eine Lösung im Einklang mit der geistigen Welt zu unterstützen. Manchmal manifestiert sich das noch Fehlende dabei auf wunderbare Weise.

Der Ergotherapeut darf sich als Ergebnis eines Duftzyklus der sensiblen Öffnung des Patienten sicher sein.

Der Wellness-Spezialist hat mit einer Räucherrunde oder dem Angebot der Kreation des individuellen Naturparfüms ein Highlight für seine Event-Planung.

Und natürlich wird auch der spirituelle Lehrer für seine Gruppe mit einem Räucherzyklus alle Tore für die Erfahrung des Augenblicks öffnen.

Aber auch für jeden interessierten Laien ist das Spiel mit der Duft-Resonanz ein höchst anregendes Medium, um einen Abend mit Freunden zu einem unvergesslichen Erlebnis werden zu lassen.

Letztlich ist das Ennearom-System ein Modell, das Hilfe zur Selbsthilfe anbietet. Deshalb werden der Phantasie bei dieser Arbeit grundsätzlich auch keine Grenzen gesetzt, sondern der Intuition soll gefolgt werden.

Informationen zu den neun Duft-Toren

„Herr, kommt dieser süße Duft von der Wiese der Seele, oder ist es eine Brise, die von jenseits der Welt herüberweht?“

– Rumi –


Es geht darum, das vielschichtige Gebilde der Persönlichkeit des Menschen zu untersuchen und Schattenbereiche aufzuhellen. Das Ennearom überträgt dieses Anliegen auf die aromatische Ebene und die Problematik kann über den Geruchssinn angeschaut und zugleich bearbeitet werden.

Um mit einer bildhaften Bezeichnung die Charakteristik von neun Bezugspunkten nahe zu bringen, verwenden wir den Begriff Spirituelle Tore. Wir betrachten sie als Pforten zwischen den vereinigenden Lichtkräften der Seelenwelt und den polaren Gegebenheiten der Außenwelt. Als Tor können wir sie mit unserer Vorstellungskraft zu einem Ort werden lassen, den wir innerlich aufsuchen, um Kraft aufzunehmen. Wir greifen also auf neun verschiedene Kraftquellen zu, die uns der Kosmos anbietet. Ihnen werden natürliche Duftstoffe nach gewissen charakteristischen Merkmalen zugeordnet. Ob diese Merkmale den Menschen angenehm oder unangenehm berühren, lässt Rückschlüsse auf die innere Einstellung zu. Die Akzeptanz für bestimmte Ausprägungen des Daseins geht daraus hervor. Damit erschließt die Aromaarbeit, welche Ängste, Vorstellungen und Glaubenssätze den Menschen umtreiben und möglicherweise belasten. Eine Diagnose der Persönlichkeit ist ebenso möglich, wie eine passende Auswahl von Duftstoffen zu treffen. Die Wahrnehmung eines Dufteindrucks erzeugt eine Antwortreaktion, die interpretiert werden kann. Es kann also über diese Resonanz die Befindlichkeit eines Menschen untersucht werden und man kann bei sich selbst feststellen, welcher Schwerpunkt im Persönlichkeitsbild mehr oder weniger stark ausgeprägt ist.

Die innere Logik einer Lebensentfaltung liegt in der Zahlenfolge 1 – 9 des äußeren Kreises. Wir orientieren uns also an neun Toren und ihren charakteristischen Gegebenheiten. Diese Orientierungshilfe kann darin bestehen, Selbsterkenntnis voranzutreiben, Rituale energetisch zu unterstützen oder für konkrete Anliegen geeignete Duftstoffe zu finden. Wenn wir uns anschauen, wofür ein Tor steht, dann finden wir leichter unseren Bezug.

Das Enneagramm ist ein universelles Kreis-Modell, dem eine große Kraft innewohnt, die bei der ENNEAROM-Arbeit mit aromatischen Düften aktiviert wird.

Bewegungsrichtungen

Wir arbeiten also mit neun Toren zur inneren Mitte. Sie sind alle zu bestimmten Momenten unseres Lebens von Bedeutung – eines davon ist wahrscheinlich besonders wichtig. Jedes Tor erlaubt uns, das Leben aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten, und alle zusammen ergeben ein vollständiges Bild. Wir erkennen, durch Pfeile angedeutet, eine innere Dynamik, ein Fließen der Energie in der Figur des Enneagramms. Die Bewegungsrichtung zeigt an, aus welchem Tor die Unterstützung kommt und wo die Herausforderung liegt. Wenn man sich selbst an einem der Tore eindeutig gefunden hat, ist es interessant zu wissen, dass am unterstützenden Tor immer auch das innere Kind gefunden werden kann.

Der Schlafwandler am Tor der Werte wird erst aufwachen, wenn er seinem kleinen Magier vom Tor der Inspiration Gehör schenkt, und der zerrissene Rebell, dem es am Tor der Zuversicht an Vertrauen mangelt, muss dafür zunächst dem friedlichen kleinen Dickhäuter vom Tor der Werte Zuwendung schenken. Wenn am Tor der Inspiration der getriebene Erfolgsabhägige Erlösung findet, dann dadurch, dass sein unsicherer kleiner Zweifler vom Tor der Zuversicht getröstet wird.

Der Moralist vom Tor der Ideale kann sich von seinem zwanghaften Überlegenheitsbedürfnis befreien, indem er den lebenshungrigen kleinen Hedonisten am Tor des Lernens in sich zulässt. Der Unersättliche am Tor des Lernens erkennt, dass ein zurückgezogener kleiner Eremit am Tor der Erkenntnis verloren ging und wieder integriert werden muss, um das zwanghafte Streben nach Abwechslung zu beenden. Der zurückgezogene Eigenbrötler vom Tor der Erkenntnis kann seine Überlebensangst nur besiegen, wenn er den kleinen Draufgänger vom Tor der Kraft in sich zum Zuge kommen lässt. Ebenso weiß der Platzhirsch am Tor der Kraft, dass sein Macho-Gehabe mit einem kleinen Jungen zusammenhängt, der am Tor der Großzügigkeit sehnsüchtig auf Liebe und Anerkennung wartet.

Dem manipulativen Schmeichler am Tor der Großzügigkeit wird das eigene Loch im Bauch erst bewusst, wenn er das verlassene kleine Opfer vom Tor der Kreativität in den Arm nimmt, während der depressive Weltschmerz an eben diesem Tor erst durch Zulassen des klärungsbedürftigen kleinen Ordners vom Tor der Ideale aufgelöst werden kann.

Wenn diese inneren Kinder mit ihren Bedürfnissen gesehen und integriert sind, kann nach vorne geschaut und auf jede Forderung guten Mutes zugegangen werden.

Man hat zudem die Möglichkeit, sich mittels der inneren Dynamik eine persönliche Zusammenstellung von neun Duftstoffen zu machen, wenn man an seinem Tor und den zwei korrespondierenden Toren jeweils drei Duftstoffe auswählt. Die können dann als Zyklus angewendet oder auch in einer Mischung verarbeitet werden.

Seelenkontakt über das Riechen

Unser Geruchssinn kann als Tor zur Seele eingesetzt werden.

Seele bezeichnet die essenzielle Qualität im Menschen. Sie meldet sich über die Intuition und führt den Menschen zu seiner individuellen Erfahrung. Seele kann nur durch Öffnung und Hingabe erfahren werden. Sie führt in die Freiheit, die den Menschen erwartet, der bewusst aus den Zwängen der selbst zu verantwortenden Begrenzung herauszutreten vermag. Enge entspringt der eigenen Vorstellung von Mangel und wird nach außen als Neid, Missgunst, Ablehnung, Arroganz und ähnlichen sich selbst disqualifizierenden Empfindungen in der Haltung zur Mitwelt gelebt. Dieses Mangelgefühl hat Ursachen und ist mit Ängsten verbunden. Letztlich fühlt man sich von der Welt abgetrennt, als wäre man in Isolationshaft. Auf der Herzensebene wird es für den Menschen möglich, den Ausgang aus dem Gefängnis zu finden. Es ist die Gefühlsebene, auf der uns befreiende Energie zufließt, wenn wir uns mit der uns umgebenden Welt offenherzig verbinden. Mitgefühl und Vergebung sind die Qualitäten, die dabei eine Schlüsselfunktion erfüllen, getreu dem göttlichen Prinzip:

„Das, was ich meinem Nächsten zukommen lasse, das gebe ich mir selbst, denn wir sind Gestalt gewordenes Göttliches und dadurch alle EINS.“

Es sind Licht und Liebe, die uns erfrischen, wenn wir Mitgefühl und Vergebung verschenken und empfangen. Über das Herz nehmen wir Kontakt mit dieser vereinigenden göttlichen Kraft auf.

Unser Geruchssinn ist ein Werkzeug des Herzens. Über ihn können Impulse aufgenommen werden, die unmittelbaren öffnenden Einfluss auf des Menschen emotionale Befindlichkeit ausüben.

Wenn über die Riechschleimhaut Duftmoleküle an die Nervenenden der Geruchssinneszellen andocken – es sind tatsächlich die einzigen Nervenzellen des Körpers, die direkten Kontakt mit dem Außen haben können –, dann wird ihre Botschaft im so genannten Riechkolben (Bulbus olfactorius) blitzartig in elektronische Impulse umgewandelt, die unmittelbar die Steuerzentrale unserer Gefühlswelt, das Limbische System, erreichen.

Aus diesem Zentrum kommt eine Resonanz, die sehr schwer in Worte gefasst werden kann. Wir sind zu sehr gewohnt, die Sprache als Werkzeug des Verstands zu gebrauchen. Der wiederum kann die Ausdrucksweise des Herzens zumeist nur schwer verstehen. Oft ist es leichter, die Resonanz in Bildern auszudrücken.

Wir ziehen also den Duft in uns hinein und nehmen vielleicht ein Bild wahr, das symbolisch für die Botschaft des Duftes steht. Durch so ein Bild lassen sich gut Assoziationen finden, um die in ihm enthaltene Botschaft zu entschlüsseln. Die Erinnerung oder Assoziation, die da als inneres Bild auftaucht, hat eine Qualität und kann daraufhin angeschaut werden. Löst es ein angenehmes, ein eher bedrohliches oder vielleicht ein gleichgültiges Gefühl aus? Solche Bilder zu empfangen gelingt immer besser, je deutlicher wir die Stimme unseres Herzens vernehmen.

Mag es auch noch so banal erscheinen, jede Assoziation kann sehr wichtig sein, wenn sie im Anschluss in ihrem Bezug zur Botschaft des Duftes betrachtet wird.

Die Sinneswahrnehmung wird also mit einem Bild verbunden, das wie ein mystischer Schlüssel das Tor zur anderen Welt öffnet. Das offene Herz findet an diesem Tor Einlass.

Und genau darum geht es: die Chance zu ergreifen, um sich auf eine solche Erfahrung einzulassen und den Kontrolleur im Kopf auszuschalten.

Es ist eine bereichernde Erfahrung, einen Dufteindruck in phantasievolle Bilder zu kleiden. Sich auf der Gefühlsebene einzulassen, sich dem Eindruck ganz hinzugeben und Bilder entstehen zu lassen, ist auch Zeichen hoher Kultur.

Im traditionellen japanischen Koh-Do, dem „Weg des Duftes“, wird dies in exquisiter Form zelebriert, wenn die Teilnehmer dieser Zeremonie nacheinander den Duft feinster Räucherhölzer auf edlen Miniaturstövchen verglimmen, um in die ganz feinen Bereiche der Wahrnehmung vorzudringen und anschließend ihre Eindrücke in poetische Worte und ausdruckstarke Bilder zu fassen. Auf diese Weise teilen sie miteinander eine sehr intensive gemeinschaftliche Erfahrung.

Eines kann auch der ungeschulte Mensch sofort probieren, nämlich aufmerksam zu verfolgen, ob der Geruchseindruck einem selber angenehm oder weniger angenehm erscheint. Nicht die Frage, ob der Duft bekannt ist oder nicht, ist hierbei von Bedeutung, sondern ausschließlich, ob der wahrgenommene Eindruck in diesem Augenblick für einen selbst etwas durchweg Positives oder eher Schwieriges verkörpert. Wenn das festgestellt wurde, dann kann man auch in die Bilder eintauchen, die von anderen Teilnehmern beschrieben werden. Daraus entstehen oft wiederum sehr interessante persönliche Bezüge. In jedem Falle ist bewusstes Riechen eine hervorragende Methode, um Kontakt zwischen innen und außen herzustellen. Vergleichbar mit einer direkten Schaltung auf einer hypersensiblen Kommunikationsebene, bringt die Duftwahrnehmung in Kontakt mit der inneren Welt und wirkt dabei regulativ auf das ganze menschliche System. Eine unvoreingenommen gefühlte Reaktion, die so zum Ausdruck gebracht wird, ist ein wertvolles Stück persönliche Wahrheit.

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18+
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244 стр. 57 иллюстраций
ISBN:
9783864102721
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