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Impressum

Sven Kyek Geschäft ist Krieg

Rechtliche Verantwortung für den Inhalt durch den Autor

Sven Kyek 16845 Neustadt-Dosse, Bahnhofstraße 28

Gerichtsstand Neuruppin.

Alle Rechte an Buch, Bild und Handlung: Omar Elm.

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published by: epubli GmbH, Berlin, www.epubli.de

Copyright: © 2012 Omar Elm

ISBN 978-3-8442-5459-4

Inhaltsbeschreibung

Der Autor erzählt in diesem Buch seine Geschichte offen und schonungslos. Er berichtet über teilweise unglaubliche und schockierende Erfahrungen, die er seit 1990 als Ost-Deutscher Unternehmer erlebt und überlebt hat. Von einem Leben voller Arbeit, Erfahrungen mit Bordellen, einer Flucht nach Polen, bis hin zu Ehrungen durch Minister Platzeck, vom Lamborghini bis zum Erwachen in der Gosse, über Frauengeschichten und Russenmafia, beschreibt er mit belegbaren Fakten sowohl chronologisch als auch in Rückblenden, wie er durch sein Wissen über einen Subventionsbetrug und die Machenschaften einer Bank in einen unglaublichen Thriller geriet, der mehrmals fast sein Leben gekostet hätte.

Mit Klar-Namen versehene reale Personen, Konzerne, Banken, aber auch Politiker, Beamte und Prominente finden sich neben der Justiz bis hin zum Bundesgerichtshof als Teilnehmer dieser Story wieder. Auch berichtet er von guten und schmerzhaften Lehren, die er an der Börse und in Casinos machen musste.

Durch seine gewerbliche Tätigkeit hatte der Autor geschäftliche Beziehungen u.A. zur Bundeswehr, zur Polizei, dem Technischen Hilfswerk, den großen Baukonzernen, Schlacht-Konzernen, der Versicherungs-Wirtschaft, der Telekom, der Bahn und Autovermietern wie Sixt. Auch Mercedes Benz und viele Andere begleiten seinen Weg.

`` GESCHÄFT IST KRIEG ´´

Dieses alte japanische Sprichwort hing viele Jahre eingerahmt an meiner Wand.

Doch niemals hätte ich geahnt, wie wahr diese Worte in meinem Leben noch werden sollten.

Dabei fing alles so schön und harmlos an...

In der DDR besuchte ich die zehnklassige polytechnische Oberschule. Danach folgte eine Lehre zum Landmaschinen- und Traktorenschlosser, und später die Qualifikitationen zum Meister für Metallbau und für Kfz-Reparaturen. Auch Schweißerpässe und Großmaschinenberechtigungen waren Teil meiner Ausbildung.

Seit dem Abschluss meiner Lehre 1981 habe ich im Werkstattbetrieb der gärtnerischen Produktions- genossenschaft Perleberg gearbeitet.

Die ersten Jahre war ich Leiter des Rationalisierungsmittelbaus und habe Traktoren, PKW und LKW repariert und Johannisbeervollerntemaschinen entwickelt und gebaut.

Danach war ich bis zur Wende Einkaufsleiter des 350 Mitarbeiter zählenden Betriebes. Das war eigentlich meine Welt. Ich habe mit allem was der Betrieb her gab Geschäfte gemacht: Mit Erdbeeren, Spargel, Äpfeln oder Kirschen war ich gern gesehener Einkäufer und konnte im Tausch Ersatzteile und Material besorgen.

Wie wichtig gute Geschäfte sind, habe ich bereits im zarten Alter von zehn Jahren gelernt. Damals habe ich die bei einer westdeutschen Schokolade beiliegende Fußballsammelbilder für 20 Ostmark je Stück verkauft.

Dafür bekam ich von der Schulleitung Titel wie „Kapitalist“ oder „Geschäftemacher“.

Die Mangelwirtschaft hatte auch ihre Vorteile:

Bis zur Wende war ich Stammgast auf allen ostdeutschen Automärkten – Rostock, Berlin, Magdeburg... Es verging kaum ein Wochenende, an dem ich nicht einen Trabant, einen Wartburg oder einen Lada zu Markte getragen und dort mit schönem Gewinn weiterverkauft habe.

Doch auch in der Woche war ich fleißig. Ob ich nun mit Ponykutschen, Kreissägen, Kerzenständern und ähnlichem gehandelt habe, oder den Abend bis spät in die Nacht mit Karosseriearbeiten an Autos zubrachte, ich habe einfach alles getan, um zu Geld zu kommen.

1987 verstarb – mit 47 Jahren – mein Vater.

Er vererbte mir einen Bauplatz am Plauer See für ein Wochenendhaus. Ich bin, so oft es möglich war, die 70 km zur Baustelle gefahren und habe mit eigener Hand und, wie es zu Ostzeiten üblich war, mit zusammengeschachertem Baumaterial ein zweistöckiges Feriendomizil geschaffen.

Leider konnten meine Frau, mein Sohn und ich es nicht mehr nutzen. Mit der Grenzöffnung lief meine gärtnerische Produktionsgenossenschaft auseinander. Viele Kollegen gingen in den Westen. Die Abteilungsleiter aller Bereiche wollten privatisieren. Nur die Werkstatt wollte keiner. Ein Freund von mir sagte damals: „Handwerk hat goldenen Boden.“ So entschloss ich mich, die Ärmel hoch zu krempeln und das Wochenendhaus am Plauer See habe ich für 100.000.00 Westmark zu verkaufen,

um Startkapital zu haben.

Nicht so gut lief mein letztes Autogeschäft. Kurz vor der Wende hatte ich für 28.000 Ostmark einen Wartburg Kombi gekauft, den ich mit Sicherheit für 35.000 hätte weiterverkaufen können. Aber es kam anders:Ich sehe heute noch die beiden Vietnamesen vom Hof fahren, die das gute Stück für 400 Westmark mitnahmen...

Meine Frau Petra, mein Sohn Michael und ich wohnten im 5. Stock eines Neubaublocks.

Hier entschied ich, das Unternehmen zu starten.

Ich war 27. Nach Gesprächen mit der GPG-Leitung sollte mir das Werkstattgrundstück mit Gebäude zunächst vermietet und später verkauft werden. Der Name für den Betrieb war auch schnell gefunden: „KfZ-Reparatur-und Stahlbau GmbH“. Mit sieben Mitarbeitern habe ich angefangen. Die Zeit, die damit begann, war härter als alles, was ich mir damals vorstellen konnte. Aufträge gab es bis dahin nur von der alten gärtnerischen Genossenschaft. Die Genossenschaften gab es aber von einem auf den anderen Tag nicht mehr. Ich war auf mich allein gestellt. Ich musste Arbeit besorgen, und zwar sowohl für die Fahrzeugschlosser als auch für die Metallbauer. Mein Arbeitstag begann um 6.00 Uhr und endete um 22.00 Uhr. Wenn ich nach Hause kam, schliefen Petra und Michael schon. Ich lief über Wochenmärkte und versuchte, die Markthändler zu überzeugen, daß sie Ihre Transporter am besten bei uns reparieren lassen, ich legte Visitenkarten hinter Scheibenwischer im gesamten Stadtgebiet und ich telefonierte stundenlang mit Fuhrparkchefs von der Telekom, der Post, der Bundeswehr, des Technischen Hilfswerks und aller ortsansässigen Baubetriebe und Firmen.

In Schaafhausen bei Dannenberg lernte ich den Autohändler Rolf Deinert kennen. Er verkaufte im Jahr 1991 ca. 2000 Gebrauchtwagen. Die Ostdeutschen standen bei ihm Schlange, um alles was Räder hatte zu ergattern. Viele dieser Autos waren gelinde gesagt reparaturbedürftig...

So fuhr ich dann für lange Zeit jeden Samstag von Perleberg nach Dannenberg und habe von Rolf Deinert Autos mitgenommen und damit für meine Schlosser in der Woche Arbeit besorgt.

Aber auch im Stahlbau stellten sich Erfolge ein.

Sämtliche Architekten, Baubetriebe und Bauämter der Region wurden zunächst mit Faxen und Anrufen von mir bombardiert. Wo auch immer in der Region ein Baustellenschild errichtet wurde: Ich war wohl der erste, dem es auffiel.

Da sich auf den Schildern die jeweils ausführenden Firmen verewigt hatten, konnte ich rasch erste Kontakte knüpfen. So kamen wir langsam, aber stetig zu ersten Aufträgen.

Waren es anfangs noch einfache Fenstergitter und Treppen, die wir fertigen konnten, kamen später Hochregallager für unseren Autoteilelieferanten, Stahlrahmenkonstruktionen für Supermärkte und große Altbausanierungen hinzu.

Bevor der seinerzeit neue Golf III vom Band lief, hatten wir für den werksinternen Transport der Rohbaukarosserien die benötigten Gestelle gefertigt. In Dallmin baute die damals noch existierende „Walter-Bau AG“ eine Stärkefabrik.

Dabei haben wir uns als Expresslieferant für Stahleinbauteile im 24-Stunden- und Wochenenddienst einen Namen gemacht, so daß die „Walter-Bau AG“ uns als Subunternehmer gleich mit auf ihre nächste Baustelle in unserer Region nahm.

Ein Bekannter aus Wittenberge hat uns seinen neuen Arbeitgeber, die VARIO Bauelemente GmbH in Quickborn, als weiteren Auftraggeber vermittelt.

VARIO hatte in Quickborn und Berlin in großem Ausmaß Treppen und Balkongeländer hergestellt und angebaut. Wir sollten nun auch für den boomenden Markt in Berlin arbeiten.

Bis „VARIO“ 1998 pleite ging, hatten wir pro Jahr etwa 15 km Geländer gefertigt und montiert.

Inzwischen hatten auch die regionalen Baufirmen Vertrauen gewonnen und wir waren teilweise bis in die Nacht und am Wochenende mit der Ausführung von Aufträgen beschäftigt.

Ich war wie süchtig nach Arbeit. Neben 16 Stunden täglicher Arbeit, habe ich selbst Geländer mit dem LKW ausgeliefert, in Berlin beim Montieren geholfen, nachts restliche Büroarbeit gemacht und am Samstag Autos geholt oder auf Knien den Beton auf dem alten Werkstatthof gereinigt, der aus DDR Zeiten ölverschmiert war.

Sonntags habe ich dann den ganzen Tag geschlafen oder ich bin in der Gegend herumgefahren, um nach neuen Baustellenschildern Ausschau zu halten oder Autofahrer mit Pannen darauf hinzuweisen, daß sie doch zu uns in die Werkstatt kommen könnten. Es wurde von Jahr zu Jahr mehr Arbeit.

Petra und Michael habe ich kaum noch gesehen.

Einmal, ich glaube, es war 1994, sollte ich dann mit kommen auf eine Urlaubsreise. Missmutig stimmte ich zu. Wir fuhren zur Nordse. Nach Feierabend natürlich. Ich habe die ganze Nacht nicht geschlafen und bin zum Ärger meiner Frau am nächsten Morgen zurück zur Arbeit.

Unsere Baustellen wurden immer größer. Erst haben wir Berlin Karow, und dann Potsdam-Kirchsteigfeld, Europas damals wohl größte Baustelle, mit Geländern ausgerüstet.

Aber das sollte erst der Anfang sein. Um mich herum habe ich kaum etwas wahrgenommen, das nicht mit Arbeit zu tun hatte.Auch der Fahrzeugbereich entwickelte sich prächtig. Die alten „GPG Werkstattgebäude“ hatte ich inzwischen gekauft. Durch den ständigen Drang mehr zu machen hatte ich mich beim Polizeipräsidium um einen Vertrag zum Abschleppen beworben. Anfang 1992 bekamen wir den Zuschlag. Da ich permanent gewillt war, Kosten zu sparen, wollte ich auch persönlich die Abschleppaufträge ausführen. Ab sofort hieß es, rund um die Uhr für die Polizei, sowie für Schutzbriefversicherer, DKV und andere Kunden erreichbar und schnell einsatzbereit zu sein.

Nachdem ich ab um 6 Uhr morgens Aufträge beschafft, Ausschreibungen bearbeitet, Angebote kalkuliert, Geländer zu Baustellen gefahren, in Berlin an Auftragsverhandlungen teilgenommen, Arbeiten in der Werkstatt überwacht, Montageabläufe kontrolliert. Abends und bis spät in die Nacht prüfte ich die Buchhaltung, gab Rechnungen frei und erledigte andere Dinge.

Nun wurde mein Arbeitstag durch den Abschleppdienst um eine zusätzliche Belastung erweitert. Ich habe es aber nicht als Belastung empfunden.

Ob am Werktag, am Samstag, am Sonntag oder an einem Feiertag, ich habe sechs Jahre lang wie gebannt darauf gewartet, daß mein Handy auf dem Nachtisch klingelt und mir ein Abschleppauftrag erteilt wird. Meistens kam dies allerdings, kurz nachdem ich um 22 Uhr nach Hause gekommen und beim Fernsehen eingeschlafen war.

Zusätzlich zur 70 – 85 Stundenwoche habe ich Nachts und am Wochenende nochmal zwischen 600 – 700 Stunden pro Jahr mit Abschleppen auf Bundesstraßen und Autobahnen zugebracht.


Erste Früchte

Bis 1994 haben wir immer noch im Neubau gewohnt. Direkt vor meinem Balkon wurde das neue Arbeitsamt fertiggestellt.

Daß wir die letzten Deutschenim Block waren, habe ich gar nicht mitbekommen. Andere Geschäftsleute bauten Villen, spielten Tennis und flogen um die Welt.

Bekannte lästerten über mich, aber das störte mich nicht, ich wollte ja was schaffen.

Doch um meiner Frau und meinem Sohn etwas zu bieten, fasste ich den Entschluß ein Haus zu bauen. Da ich aber meinen Arbeitstag nicht stören wollte, übertrug ich die Bauleitung meiner Frau.

Sie holte Angebote ein, vergab den Auftrag, richtete ein und kümmerte sich um den Umzug.

Ende 1994 war es soweit.

Der Bauplatz war praktischerweise auf dem Hinterhof des Werkstattgeländes, was mir natürlich sehr entgegenkam. Durch meine ständige Akquisition von Aufträgen hatte sich der Kfz-Reparaturbereich richtig gut entwickelt. Nicht nur die von mir abgeschleppten Autos standen morgens oder nach dem Wochenende zur Reparatur in der Werkstatt, sondern auch die ersten Vertragspartner brachten ihre Fahrzeuge.

Die Telekom, die Bundeswehr, das Technische Hilfswerk, Coca Cola, die WEMAG und viele andere brachten ihre PKW`s, Transporter und LKW`s zur Reparatur. Um die Kapazität anzupassen und auch LKW's reparieren zu können, mietete ich zusätzliche Hallen an. Ich war natürlich stolz wie Bolle.

Mir selbst habe ich nach wie vor nichts gegönnt.

Bei der Übernahme der Werkstätten 1990 von der GPG gab es neben Geräten und Maschinen einen Wartburg 1,3 Tourist, den ich ein Jahr in der neuen Firma fuhr. Den tauschte ich gegen einen Jeep Lada Niva, um beim Abschleppen und auf Baustellen ein geländegängiges Fahrzeug zu haben. Mein Freund, der Autohändler Rolf Deinert aus Schaafhausen hatte inzwischen eine Chrysler-Vertretung und ich stellte fest, daß dieser „Russenjeep“ doch nicht das passende Gefährt für den alleinigen Gesellschafter und Geschäftsführer einer mittlerweile 20 Mitarbeiter zählenden, erfolgreichen Firma ist.

In meinem Tatendrang habe ich auch einen Vertrag mit der Sixt-Autovermietung gemacht und in der Spitze hatten wir bis zu zwanzig PKW's und LKW's auf Provisionsbasis vermietet.

Dadurch kam ich auf den Geschmack, denn bei den Überführungen der Fahrzeuge zu unserer Betreuungsstation nach Berlin habe ich die Vorzüge neuer westlicher Fahrzeuge kennen gelernt.

So reifte meine Entscheidung, bei Rolf einen Jeep „Wrangler“ zu bestellen.

Um die Kapazitäten der Firma nicht anzutasten, finanzierte ich den Wagen bei der AKB-Bank Köln. Rolf füllte die AKB Formulare aus – 10.000 Mark als Anzahlung und eine monatliche Rate in Höhe von ca 765 Mark.

Wenige Tage später, als die Bank grünes Licht gab, war mein neuer „Jeep Wrangler“ da.

Nach 5 Monaten stellte ich fest, daß er zu klein und zu holprig war. Wieder fuhr ich zu Rolf und wir kamen darin überein, den „Wrangler“ gegen den größeren „Jeep Cherokee“ zu tauschen.

Es sollte bei Inzahlungnahme des „Wranglers“ gleiche Kreditraten geben. Diesen Tausch und die Modalitäten hielten wir wieder auf AKB-Bankformularen fest.

Den Rest wollte Rolf mit der Bank klären.

Zwei Wochen später stellte ich Rolf den „Wrangler“ vor das Autohaus und nahm stolz meinen neuen „Cherokee“ mit.

Zu diesem Zeitpunkt haben wir unsere Buchhaltung noch extern erledigen lassen. Die Buchhalterin meldete sich bei mir, nachdem ihr aufgefallen war, daß die AKB-Bank einmal 765 und kurz danach 778 Mark monatlich abgebucht hatte.

Es stellte sich heraus, daß Rolf von der AKB-Bank den Kfz-Brief für den „Jeep Wrangler“ für angebliche technische Eintragungen eingefordert hatte.

Die Bank hatte ihm daraufhin den Brief zugeschickt und er hatte den „Wrangler“ verkauft. Nur hatte er den Kredit dafür nicht abgelöst.

Ich musste folglich Raten für zwei Autos bezahlen, obwohl ich nur eines hatte.

Sofort habe ich die Abbuchung für den „Wrangler“ bei meiner Hausbank gestoppt.

Nachdem ich mit der AKB gesprochen hatte, versprach mir Frau Nussbaum aus Köln, daß es nicht meine Schuld sei und sie alles mit ihrem Vertragpartner Deinert klären werde. Später zeigte mir Rolf Schriftverkehr, in dem die AKB-Bank ihn aufforderte, den Kfz-Brief zurückzusenden oder umgehend den Kreditbetrag abzulösen.

Aber das konnte er nicht. Rolf hatte eine gute Zeit mit dem Verkauf seiner Autos und er war immer für hilfreiche Ratschläge gut, aber musste dann selbst Insolvenz anmelden.

So verklagte die Bank mich und ich verlor vor dem Landgericht Neuruppin und dem Oberlandesgericht Brandenburg. Bis heute verstehe ich nicht, warum ein Kunde für das haften muss, was eine Bank mit ihrem als Kreditverkäufer autorisierten Händler aushandelt.

Somit musste ich DM 20.000,00 zuzüglich Anwalts- und Gerichtskosten ausgleichen. Ich habe Rolf dann wegen Betrugs angezeigt.

Zwischenzeitlich war unser Firmenfuhrpark auf 5 Abschleppwagen und einen Tiefladerzug angewachsen. So schickte ich einen Schlosser mit dem Tiefladerzug zu Rolf nach Dannenberg und er brachte einen Geländewagen und zwei PKW`s mit.

Später stellte sich heraus, daß es Fahrzeuge waren, die Rolf in Kommission zum Verkauf auf dem Hof hatte. Er war außer sich vor Wut, als ich die Fahrzeuge nicht herausgeben wollte.

Mithilfe meines Anwalts Alf Roth aus Schwerin nötigte ich Rolf ein persönliches notarielles Schuldanerkenntnis für sich und seine Firma ab.

Als ich dies in den Händen hielt, gab ich ihm die Pfandfahrzeuge heraus.

Ich wusste von Rolf, daß er noch eine LKW-Werkstatt in Schrampe am Arendsee betrieben hatte, die mit der Insolvenz auch geschlossen wurde. Hier ließ ich mich nach Banken und Lieferanten an siebenter Stelle in das Grundbuch eintragen und beantragte daraufhin 2003 die Versteigerung.

Rolf hatte mir erzählt, daß er mit allen Gläubigern ein Stillhalteabkommen geschlossen habe, weil das Grundstück parzelliert und als Feriensiedlung vermarktet werden sollte. Ich wollte aber eben nicht stillhalten.

Wenige Wochen später brannte das gesamte Objekt mit Verdacht auf Brandstiftung ab. Die Versicherungen zahlten fast 2 Million Mark an eine Hinterlegungsstelle in Karlsruhe.

Irgendwann kam dann ein Schreiben der Hamburger Kanzlei Johlke, Niethammer und Partner.

Rechtsanwalt Fialski schrieb mir, daß ich die Freigabe zu erklären habe.

Alle anderen Gläubiger hätten Freigabe für die hinterlegte Summe erklärt und er als Insolvenzverwalter wolle die hinterlegte Summe aus Karlsruhe abrufen. Andernfalls –er drohte mir mit einem beigefügtem BGH-Urteil– würde ich für die verspätete Auszahlung und Gerichtskosten haften.

Zu diesem Zeitpunkt hatte ich schon mehrere Anwälte befragt, die mir alle eindringlich rieten, ich sollte sofort Freigabe erklären.

Da ich oftmals ein ganz eigenes Rechtsempfinden hatte und noch immer habe, wollte ich nicht aufgeben. Über Nacht kam mir eine Idee:

Ich schrieb einen Brief an Herrn Fialski, in dem ich ihm erklärte, wie ich von Rolf Deinert betrogen wurde und daß ich mir das nicht gefallen lasse.

Am Ende des Briefes erklärte ich Teilfreigabe, so daß er bis auf meine 13.000 Euro über das Geld verfügen konnte.

Nach zwei Wochen bekam ich von der Hamburger Kanzlei einen Scheck und die Sache mit den zwei Geländewagen hatte nach mehr als 10 Jahren ein gutes Ende gefunden.

Erste kleine Gefechte

Kämpfen gelernt hatte ich schon in den ersten Jahren meiner Selbstständigkeit. Ich habe das Finanzamt wegen nicht gewährter Investitionszulage verklagt und habe so DM 23.000,00 erstritten.

Auch mein Steuerberater musste mir über seine Versicherung wegen einer Falschberatung 25.000 Mark erstatten.

Weniger Glück hatte ich mit einem Obst- und Gemüsehändler. „Bananen-Klaus“ fuhr eine S-Klasse und hatte außerdem einen klapprigen LKW, mit dem er Ware aus Hamburg holte, die er dann auf Wochenmärkten in unserer Region verkaufte.

Er brachte seine Fahrzeuge zu uns und bezahlte stets bar. Seine Hosentaschen waren dementsprechend immer prall mit Geldscheinen gefüllt. Eines Tages war der Motor seiner S-Klasse kaputt.

Ungefähr zeitgleich gab sein alter LKW den Geist auf. Wir wechselten ihm den Motor der S-Klasse und der LKW blieb erstmal in der Werkstatt.

Jeglicher Versuch, ihm einen guten gebrauchten oder neuen LKW per Finanzierung zu verkaufen, scheiterte an der Zustimmung von Bananen-Klaus' Bank. Mein Freund Rolf sagte mir, das sei normal. Als Händler eine schlechte betriebswirtschaftliche Auswertung, aber die Taschen voller Bargeld.

So entstand der Plan, Bananen-Klaus den LKW komplett aufzubauen. Von Achsen, Bremsen und Austauschmotor bis hin zur Lackierung haben wir drei Monate daran gearbeitet.

Auf daß Bananen-Klaus indessen seinem Tagewerk nachgehen konnte, haben wir ihm einen Sixt Koffer-LKW vermietet. Da Sixt jede Woche die Geldeinnahmen, die wir als Vermietstation erzielten, einforderte, haben wir für die drei Monate 8.000 Mark für Bananen-klaus verauslagt.

So standen am Ende mit den Reparaturen und Vermietung fast 90.000 Mark zur Abrechnung an.

Nur hatte Bananen-Klaus das Geld leider nicht und bot mir einen Wechsel an. Ich wusste von einer Buchhalterschulung 1991 bei der „Dresdner Bank“, auf der ich und noch ein paar ostdeutsche Neuankömmlinge in der Marktwirtschaft geschult wurden: „Ein Wechsel ist das sicherste, was es gibt! Kein Geschäftsmann lässt einen Wechsel platzen oder zu Protest gehen!“

Neben meiner Hausbank, der Volks- und Raiffeisenbank Prignitz, hatte ich noch eine Bankverbindung bei der Deutschen Bank in Wittenberge. Dort rief ich die Leiterin an und auch die versicherte mir, der Wechsel sei wie Bargeld und mir könne nichts passieren. Ich reichte also den Wechsel bei ihr ein, übergab „Bananen-Klaus“ feierlich sein Fahrzeug und freute mich.

Der Wechsel platzte, ging zu Protest und ich war 90.000 Mark los.

In der Sendung „WISO“ hatte ich erfahren, daß ein Mannheimer Anwalt erfolgreich gegen Banken klagt. Also machte ich mich nach Mannheim auf, um zu erfragen, was man gegen die Bank machen kann, durch deren Falschberatung wir um unseren Lohn gebracht wurden. Die Fahrt war umsonst.

Er ließ mich erst drei Stunden warten und gab mir dann eine Handynummer von „Toni, der mir mit links das Geld von „Bananen-Klaus“ eintreiben kann.“ Ich verzichtete und fuhr deprimiert zurück.

Aber das war schnell vergessen, denn alle Geschäftsbereiche entwickelten sich prächtig .Abschleppen, Stahlbau, Autoreparaturen.

1995 war schon eine Liquidität von mehreren hunderttausend Mark vorhanden. Unsere Werkstätten platzten aus allen Nähten. Ich entschloss mich, neu zu bauen. Nach Verhandlungen mit der Stadt Perleberg konnte ich fast 30.000 qm Land in einem Gewerbegebiet kaufen. Dort ließ ich, um alle Gewerke und Fahrzeuge auf einen Hof bzw. unter ein Dach zu bekommen, einen ca. 2500 qm großen Werkstattkomplex errichten.

Zur Einweihungsfeier kamen ca. 300 Gäste. Um etwas zu bieten, gab es neben einem abschließenden Feuerwerk Gunter Gabriel und eine Vorband.

Daß meine Entscheidung für Gunter Gabriel etwas schicksalhaftes haben würde, habe ich damals noch nicht geahnt...

Durch den ansprechenden Neubau, die gute Ausstattung der Werkstätten und den 24Std- Service nahm unsere Auftragslage ständig zu.




Selbst der „Mercedes-Vertreter“ Erich Schulz, dem das Gebiet Prignitz-Ostprignitz anvertraut war, kam auf mich zu und wir vereinbarten, daß wir als Werkstatt Garantieleistungen an Mercedes-Fahrzeugen erbringen und über ihn abrechnen konnten, wenn wir für unsere PKW-und LKW- Werkstatt Ersatzteile bei ihm kaufen und Kaufinteressenten an ihn vermitteln. Durch unsere vielen Kunden, gerade im Nutzfahrzeugbereich, und durch die vielen verunfallten Fahrzeuge, die ich nachts abschleppte, saßen wir natürlich an der Quelle. Ich konnte nicht mehr nur mit lukrativen Unfallreparaturen, sondern auch mit der provisionspflichtigen Vermittlung von Fahrzeugen Geld verdienen.

Zu dieser Zeit habe ich noch gehofft, daß es meiner Frau reicht, wenn sie in dem schönen Einfamilienhaus sitzt, sich kaufen kann, was sie möchte, und mit meinem Sohn alleine in den Urlaub fährt.

Mein Vergnügen war es, rund um die Uhr zu arbeiten und die Firma und die Konten wachsen zu sehen. Das einzige, was ich mir darüber hinaus gönnte, waren schöne Autos. Durch die Zusammenarbeit mit Mercedes Schulz musste es natürlich Mercedes sein. Ich verkaufte meinen Jeep Cherokee und fuhr in den folgenden Jahren von unten nach oben alles was es gab. C-Klasse, E-Klasse, Cabrio, 2 G-Modelle, 2 M-Klassen, SL500, S320, S400, SL55 AMG, CLS500 ...

Da ich nach wie vor bis zu 16 Stunden im Büro oder für die Firma unterwegs war und man mich nachts und an den Wochenenden beim Abschleppen beobachten konnte, war auch keiner so neidisch, wie es im Normalfall wohl gewesen wäre.

Meiner Hausbank ist dieses florierende Geschäft natürlich auch nicht entgangen. Ich wurde immer wieder von meiner Bankberaterin angesprochen, das viele Geld doch irgendwie anzulegen, um bessere Rendite zu erzielen. Irgendwie konnte ich mich dafür nicht begeistern, bis ich eines Tages in der „Bildzeitung“ las, daß der Dollar im Verhältnis zur D-Mark auf einem Rekordtiefstand sei. Das interessierte mich. Wenn ich abends aus dem Büro oder nachts aufgebracht vom Abschleppen nach Hause kam, habe ich zwischen den Fernsehsendern nur herumgezappt. Nun fiel mir ein, daß es da ja auch Börsenfernsehen gab.

Mein erstes Hobby seit Gründung der Firma war geboren! Ich kaufte die „Börse Online“, die „Welt am Sonntag“ und alles, was ich mit Wirtschaftsteil oder Börseninfos kriegen konnte. Ich las es durch und wieder zurück.

Nach zwei Wochen fasste ich einen Entschluss. Ich rief die Anlageberaterin der „Volks- und Raiffeisenbank“ an und vereinbarte einen Termin. Ich sagte ihr, daß ich nun soweit sei und für 500.000 Mark Dollar kaufen möchte.

Etwas ungläubig füllte sie verschiedene Formulare aus. Als ich die Bank verließ, war das Geschäft perfekt. Von da an nutzte ich jede frei Minute dazu, den Dollar-Kurs zu beobachten. Nach wenigen Wochen kam die Trendwende.

Der Dollar wurde stärker und stärker. Aus meinen 500.000 Mark sind 580.000 geworden.

Ich habe verkauft, mich tierisch gefreut und wie ein Held gefühlt. Das hat natürlich nur meinen Appetit geweckt. Zwischenzeitlich hatte ich nächtelang und am Wochenende Wirtschaftsnachrichten gelesen und bei NTV verfolgt. Ich war ganz verrückt danach, das nächste Geschäft zu machen.

Es ließ auch nicht lange auf sich warten. An einem Sonntag las ich in der „Welt“ einen Artikel über den angeschlagenen Bremer Vulkan-Konzern. Der war börsennotiert und sollte von Energiekonzernen, die milliardenschwere Rückstellungen auflösen wollten, übernommen werden. Der Aktienkurs schloss am Freitag bei etwa 3 Mark. Am Montag stand ich morgens als erster vor der Volks- und Raiffeisenbank und passte gleich die Anlageberaterin Frau Schmidt ab. Ich war ganz aufgeregt und wir gingen sofort in ihr Büro. „Frau Schmidt, Sie müssen sofort Aktien von Bremer Vulkan kaufen.“ Wir fertigten zusammen ein Formblatt aus. Sie sollte für 100.000 Mark Aktien kaufen. Mit dem Kurs vom Freitag war die Anzahl der Aktien, die sie kaufen sollte, ermittelt und ich unterzeichnete den Kaufvertrag.

Irgendwie hatte ich ein ungeheuerliches Gefühl von Wichtigkeit: Wirtschaftsteile in Zeitungen studieren und Börsenfernsehen gucken, dann kaufen und schließlich verkaufen. Am gleichen Tag rief ich Frau Schmidt dann noch mal an und fragte, ob mit Bremer Vulkan alles geklappt habe. „Ja“, sagte sie mir, „alles klar.“Da mir zu diesem Zeitpunkt noch keine Hilfsmittel wie das Internet zur Verfügung standen und ich über eine Kursabfrage via Handy noch nichts wusste, musste ich mich an diesem Montag bis zum Abend gedulden.

Gegen 20 Uhr kam ich nach Hause, machte den Fernseher an und musste im Teletext suchen, weil der Kurs von Bremer Vulkan nicht im Tickerlaufband auftauchte. Mit einem lauten Schrei erblickte ich die Schlussnotierung. Vulkan hatte sich mehr als verdreifacht. Meine Frau und mein Sohn hatten mich seit längerer Zeit nur ernst und verbissen erlebt. Jetzt aber sprang ich durchs Haus, als hätte ich im Lotto gewonnen. Die ganze Nacht habe ich Pläne geschmiedet, was man alles machen kann, wenn man Multimillionär ist.

Nach meinem Erlebnis von diesem Montag, hätte das ja in meinem Fall nicht mehr lange dauern dürfen. Schließlich hatte ich an einem Tag fast 200.000 Mark hinzugewonnen. Und dies, ohne aufwendig Stahlbauaufträge zu beschaffen und zu kalkulieren, Material zu bestellen, zu fertigen, auszuliefern und zu montieren. Und wie beschwerlich ist es doch, abzuschleppen bei Nacht, Regen und Frost, oder Fuhrparkchefs anzubetteln, daß Sie ihre Fahrzeuge zu uns bringen. Sicher, dieser Aufwand hatte sich für mich und die Firma mehr als gelohnt. Schließlich fuhr ich zu diesem Zeitpunkt schon einen G-Klasse Jeep von Mercedes und – als Trostpflaster für 6 Jahre ohne Urlaub und keine freie Stunde – zusätzlich noch einen SL 500 Mercedes. Beide Autos neu und bar bezahlt.

Ich konnte das Ende der Nacht gar nicht abwarten. Zu einem Geschäft und dann noch zu einem so genialen gehört ja nicht nur kaufen, sondern auch verkaufen.

Als die Volks- und Raiffeisenbank am Dienstag öffnete, war Frau Schmidt nicht in ihrem Büro.

Als ich sie, nachdem ich durch das ganze Haus gelaufen war, im Archivraum fand, zog ich sie förmlich in ihr Büro. Unaufhörlich redete ich auf sie ein: „Frau Schmidt, Bremer Vulkan verkaufen, Gewinn mitnehmen!“ Als wir dann endlich in ihrem Büro waren, rutschte ich aufgeregt auf meinem Stuhl hin und her, bis sie den Computer eingeschaltete. Während dieser Zeit redete ich ununterbrochen auf Sie ein; „Bremer Vulkan von 3 Mark auf 9,90 Mark, verkaufen, Gewinn mitnehmen!“

Als sie dann endlich soweit war, beobachtete ich, wie ihr Gesicht sich langsam veränderte. Sie wurde blass und sah mich mit versteinerter Miene an. „Frau Schmidt, was ist los?“ fragte ich sofort.

„Ja, wir haben Bremer Vulkan gekauft, aber nicht für 3 Mark, sondern für 9,90 Mark.“

„Was haben Sie gemacht?“ fuhr ich sie an. „Wir haben gestern einen Auftrag gefertigt und Sie haben ihn entgegengenommen und mir sogar noch die Ausführung bestätigt. Die 200.000 Mark entgangener Gewinn erstatten Sie mir.“

Ich lief sofort im Bankgebäude die Treppen nach oben und traf auf dem Flur den, zu dem ich wollte: Martin Brödder, der Vorstand der „Volks- und Raiffeisenbank Prignitz“, meiner Hausbank. Wir hatten ein gutes Verhältnis, waren sogar per Du. „Martin“, rief ich ihm zu, „weißt Du was Frau Schmidt gemacht hat? das lasse ich mir nicht gefallen. Ich will meinen Gewinn.“ „Bleib mal ruhig“, entgegnet er mir. „Das klären wir schon.“

Ich verließ die Bank und war mir sicher, daß ich meinen Gewinn bekommen werde.

Eine Woche lang rief ich jeden Tag dort an, aber ich wurde nur vertröstet. Zwischenzeitlich hatte in Perleberg eine Filiale der Deutschen Bank eröffnet.

Außer dem Firmenkonto schaffte ich alles Geld von meinem Gehalts- und Privatkonto dorthin,

um schon mal ein Zeichen zu setzen.

Als nach 3 Wochen noch immer keine Klärung herbeigeführt war, gab mir die „Volks- und Raiffeisenbank“ selbst den Anstoß zum Handeln. Sie schickten mir Kontoauszüge für mein Anlagekonto zu. Mir sind bald die Augen herausgefallen. Mein Konto war satt im Minus.

Der Einkauf der Vulkan-Aktien wurde mir zum Kurs von 9,90 Mark angelastet. Mein Konto war nun mit fast 300.000 Mark im Soll. Entsprechende Überziehungszinsen waren auch gleich mit aufgeführt. Nun reichte es mir endgültig.

Aus dem Fernsehen kannte ich den Rechtsanwalt Nieding. Weil er so häufig zu Aktien, Banken und Anlagerechte befragt wurde, wählte ich mir die Finger wund, um ihn ans Telefon zu bekommen. Endlich war es soweit. Nach einem ausführlichen Gespräch schickte ich ihm die Unterlagen zu, zumal er am Telefon schon meinte, daß es sich gut anhöre. Einen Monat später reichte er beim Landgericht Klage für mich ein.

Weil ich mir sicher war, daß die „Volks- und Raiffeisenbank“ damit nicht durchkommen kann und ich ja letztlich über mehrere hunderttausend Mark und eine gut laufende Firma, die ich voll im Griff hatte, verfügte, schreckte mich dieser Vorfall auch nicht von der Börse ab.

Ich achtete aber wie in meiner gesamten Selbstständigkeit darauf, daß die Firma, bzw. mein Arbeitspensum nicht litt. Nun waren schon 7 Jahre verstrichen. Noch kein Tag Urlaub.

Täglich 16 Stunden Arbeit und auch jeden Samstag in der Firma. Nachts und am Wochenende raus zum Abschleppen.


Mein Sohn war mittlerweile schon längst in der Schule, wovon ich ja fast nichts mitbekam.

Wir haben uns kaum noch gesehen. Und wenn, dann haben wir auch kaum noch gesprochen. Worüber auch. Ich hatte nur die Firma, ständiges Wachstum und mittlerweile die Börse im Kopf.

Ihre Vorwürfe und Bitten, etwas gemeinsam zu unternehmen, waren lange verstummt. Auch ich hatte inzwischen aufgehört, Versprechen abzugeben, daß bald alles besser wird.

Wenn ich heute darüber nachdenke, war ja für mich nichts schlecht gewesen. Im Gegenteil.

Ich wollte mehr!

Apple für 8 Euro

Kurz nach dem Bremer Vulkan-Desaster eröffnete ich bei der Deutschen Bank ein Anlagekonto und ließ mich termingeschäftsfähig machen.

Inzwischen hatte mich meine Neugier hinsichtlich der Börse enorm weiter gebracht. Ich las z. B., daß ein Ingenieur aus Hannover für 10.000 Mark Optionsscheine auf Continentalaktien gekauft hatte und nach wenigen Monaten Millionär war.

Solche und ähnliche Geschichten gab es viele.

Weil ich aber nicht aufs Geratewohl investieren wollte, nahm ich mir vor, immer gründlich zu recherchieren. Und manchmal hilft auch der Zufall ein wenig: Ich las in der „Wirtschaftswoche“ in einem kleinen Artikel über die Firma Apple, wie der einstige Vorzeigekonzern abgestürzt ist, der ehemalige Gründer Steve Jobs entlassen wurde, und nun, nachdem er erfolgreich die „Pixar Studios“ führte, vielleicht zurückkommen sollte.

Sofort weckte die Geschichte mein Interesse. Im Internet suchte ich nach allem, was es über Apple zu lesen gab.

Ich stöberte in Datenbanken, machte mich mit den Produkten vertraut und las über Konkurrenten.

Nach einer Woche war klar:

Optionsscheine für Apple müssen es sein!

Da die Deutsche Bank ihre Filiale in Perleberg hatte, aber das zuständige Anlagezentrum in Parchim war, rief ich dort Herrn Mettenburg an. „Herr Mettenburg“, sagte ich, ganz Geschäftsmann, „mit folgender Wertpapierkennnummer bitte für 23.000 Mark Optionsscheine auf Apple Aktien!“

Weil das unser erstes Telefongeschäft war, fragte er dreimal nach und ließ sich alles dreimal bestätigen. Der Kauf war perfekt und für mich die erste Erfahrung mit den hochspekulativen Optionsscheinen. Die Aktie lag bei ungefähr 8 Dollar pro Stück und in den ersten Tagen tat sich nichts.

Wenn ich abends nach Hause kam, rannte ich wie von einem Magneten gezogen quer durch das Haus zum Fernseher. Wie gebannt starrte ich auf das Tickerlaufband bei NTV bis die Börse in New York schloss. Dann ging es weiter im Teletext...

Nachrichten über Apple suchen. CNN bis in die Morgenstunden. Plötzlich, eine Woche nach dem Kauf, überschlugen sich die Meldungen:

„Hauptversammlung bei Apple: Steve Jobs kehrt zurück, Microsoft beteiligt sich bei Apple, Al-Walid kauft für 150 Millionen Dollar Aktien.“

Innerhalb von zwei Tagen stiegen die Apple-Aktien von 8 auf 28 Dollar.

Ich hatte aus 23.000 DM innerhalb von 8 Tagen 230.000 DM gemacht.

Ich sah die Welt durch rosarote Brillengläser.

Blühende Landschaften

Da ich durch die Jahre Dauerstress doch schon etwas gezeichnet war und mich mit Magen- und Darmproblemen quälte, war mein Ziel klar: Die Firma unter Kontrolle behalten, zwei bis drei Jahre an der Börse spekulieren, dann alle Kredite, die mit dem Wachstum der Firma natürlich auch gestiegen waren, ablösen und schließlich das Leben genießen. Es ging also weiter.

Das kleine neue Haus war inzwischen eine Art Lager für Börsenzeitschriften geworden.

Während andere schliefen, las ich, was ich kriegen konnte, um Entschlüsse über Neuinvestitionen zu fassen. Japanische Banken, wie Niko Security, oder die Devisenbank Singapur, nichts war mir zu schwer. Ende des Jahres hatte ich mehrere hunderttausend Mark gemacht. Außerdem war die alte Werkstatt vermietet und die Firma lief prächtig.

Dann erfuhr ich aber einen Dämpfer, der mich richtig durchgerüttelt hat: Im Oktober – kurz vor meinem Geburtstag – kam ich abends nach Hause. Da standen im Flur Taschen, Koffer und Kartons.

Ich dachte im ersten Moment, meine Frau wollte mit meinem Sohn verreisen. Aber für einen Urlaub war es eindeutig zu viel Gepäck. Dann stand sie plötzlich selbst vor mir und sagte, sie ziehe aus, das Maß des Erträglichen sei überschritten und ich sei beziehungsunfähig. Erst In diesem Moment wurde mir klar, daß sie es ernst meint.

Ich redete auf sie ein: Es dauert doch nicht mehr lange und dann ist alles gut. Wir können dann zusammen in den Urlaub fahren und etwas unternehmen. „Nur noch etwas Geld verdienen und die Kredite ablösen. „

Alles Reden half nichts mehr. Sie hatte sich schon eine Wohnung besorgt und den Umzug geplant.

Nachdem wir zwei Jahre zuvor einen „Benetton“-Laden in der Haupteinkaufsstraße Perlebergs übernommen hatten, habe ich mir eingebildet, daß sie nach mehreren Jahren Hausfrauendasein eine Beschäftigung gefunden habe, mit der sie abgelenkt sei, so daß ich ungestört meiner Arbeit nachgehen könne. Als ich merkte, daß alles Betteln vergebens ist, zuckte es mir wie ein Blitz durch den Kopf: Trennung, Scheidung – die Firma, das Geld!!! Ich brachte es fertig, daß ein Perleberger Rechtsanwalt und eine Notarin den kompletten Folgetag, einem Feiertag, für mich arbeiteten.

Ich hatte ja inzwischen schon einiges angehäuft: Die alte Werkstatt, das neue Wohnhaus, der Riesenwerkstattneubau, zwei große Wohn- und Geschäftshäuser in der Perleberger Einkaufsstraße.

Es waren zwar alles finanzierte Objekte.

Aber durch die bestens laufende Firma, mein üppiges Gehalt und diverse Ausschüttungen waren die Raten mit Leichtigkeit zu bezahlen. So nahm Petra die Möbel, ein Auto, ihren Laden, den Bausparvertrag, Bargeld und einen angemessenen monatlichen Unterhalt für sich und Michael und ging.

1985 hatten wir geheiratet und 1997 war es vorbei. Abends kam ich vom Notar nach Hause, Bekannte meiner Frau hatten inzwischen das ganze Haus ausgeräumt und für mich war nur das Bett geblieben. Ich weiß auch nicht, was dann in mich gefahren ist. Als ich das Bett im oberen Stock des Hauses sah, drehte ich mich um und sprang die Treppenstufen herunter, machte ein 'Victory-Zeichen' und rief: „Hurra! I'am free!“...Endlich kann ich arbeiten, solange und soviel ich will. Keiner redet mir mehr rein. Doch die Freude währte nicht lange. Als ich dann im Bett lag, wurde mir wohl klar, was da überhaupt passiert ist. Ich dachte über meinen Sohn nach, den ich kaum wahrgenommen habe. Über alles, was wir nach der Hochzeit, noch zu DDR-Zeiten, für unser Leben geplant hatten. Und nun ist alles vorbei. Wie ein Häufchen Elend fing ich an, zu heulen, das erste Mal, seit sich mein Vater 1987 mit 47 Jahren das Leben genommen hat. Aber ich vergegenwärtigte mir schnell, daß ich damals meinen Schmerz hauptsächlich mit Arbeit und Verbissenheit bekämpft hatte. Und so sollte es auch diesmal sein. Ich habe jedoch eine Lehre aus dieser privaten Krise gezogen: Sieben Jahre lang jeden Tag fast 24 Stunden Arbeit hatte ich zwar bis dahin überlebt, aber viel länger geht das nicht. Da ich an Veranstaltungen, Geburtstagen oder anderen Feiern in den Jahren zuvor kaum oder gar nicht teilgenommen hatte, sollte sich zumindest diesbezüglich etwas ändern.

So musste ich zumindest erstmal diese Entscheidung treffen: Nicht mehr selbst Abschleppen!

Bei so vielen Mitarbeitern, die teilweise ihre Arbeit nur dadurch hatten, daß ich mir Nächte und Wochenenden an Unfallorten um die Ohren schlug, war es, wenn auch mit etwas Nachdruck, aber ab sofort möglich, mich mit einem Bereitschaftsplan komplett freizustellen.

Es war nach so vielen Jahren ein schönes Gefühl, abends und am Wochenende mal wegfahren zu können, ohne ständig auf das Handy zu starren, um 20 Minuten nach Anruf an der Unfallstelle zu sein. Natürlich hatte mich das Abschleppen und Bergen von mehreren tausend PKW und LKW auch geprägt. Früher konnte ich kein Blut sehen. Durch die Einsätze habe ich hunderte zerquetschte, Verbrannte, tote Kinder gesehen, die mich die ersten Jahre auch nachts verfolgt haben.

Damit stand ich jedoch vor der Frage, was ich mit dieser, meiner neuen 'Freiheit' im Einzelnen anfange. Was lässt sich eigentlich außer Arbeiten und Börse verfolgen noch so tun? Wie so oft, halfen äußere Umstände: Eine Kundin unserer PKW-Werkstatt, um die 60 Jahre alt, Sylke, Ihres Zeichens Puffmutter der Table Dance Bar in Perleberg kam mit Ihrem SLK Mercedes zur Reparatur.

„Weißt Du, daß ich meinen Laden an die Russen vermietet habe?“ fragte Sie. Ich wusste es nicht.

„Schick mal von Deinen Stahlbauschlossern jemanden lang! Denn ich will zur Übergabe an Igor eine neue Edelstahltanzstange haben. Der Laden ist renoviert, jetzt fehlt bloß noch die Tanzstange.“

Die Schlosser stritten sich bald darum, den Auftrag erledigen zu dürfen. Eine Woche später kam dann die Einladung zur Eröffnung nach Übergabe. Zum Anfang war mir etwas mulmig. Aber ich war ja solo. Was konnte mir schon passieren? So parkte ich meinen Mercedes Jeep ganz frech direkt, für jeden gut sichtbar, vor der Table Dance Bar.

An diesem Abend lernte ich die neuen Betreiber kennen, Igor, Dimar, und Wowa. Es war sehr angenehm, die Jungs erwiesen sich als unheimlich nett. An diesem Abend begann eine richtige Freundschaft zwischen uns.

In den kommenden Wochen brachten „Igor“ und seine Freunde all ihre Autos zu uns in die Werkstatt. Daß nicht nur die Nachtbar in Perleberg, sondern auch ähnliche Etablissements in der ganzen Region Igor gehörten, habe ich erst später mitbekommen.

Da ich weiter keine Freunde oder Ablenkung hatte, war ich dankbar, wenn Igor mich abends oder am Wochenende abholte. Wir gingen essen oder grillten auch mal bei zehn Grad minus im Wald.

Damals durfte ich zum ersten Mal die russische Mentalität und Herzlichkeit, die mich bis heute begeistert, erfahren.

Das Ganze hatte natürlich einen schönen Nebeneffekt, den ich seit 1985 nicht mehr genossen habe. Dazu später mehr.

Am 04.04.1985 wurde mein Sohn Michael geboren, am 20.04.1985 habe ich meine Frau Petra geheiratet und am 25.04.1985 wurde ich zur Armee eingezogen.

Ich war in Potsdam und Berlin bei der Militärstreife und als ich entlassen wurde, nahm sich kurze Zeit später mein Vater das Leben. In dieser Zeit machte ich gerade meine Meisterschule und habe nach seinem Tod sofort auf dem Baugrundstück, das er mir vererbte, von Hand ein großes massives Wochenendhaus errichtet. Das dauerte bis zur Wende, so daß ich sagen kann, daß ich nicht nur 12 Jahre auf Urlaub, sondern auch auf sonstigen Spaß verzichtet habe.

Nun gab es aber „Igor“ und ich brauchte nicht mehr „Abschleppen“. Der Nebeneffekt war, ich lernte durch Igor die tollsten Frauen kennen.

Aus der Ukraine, aus Litauen, Weißrussland und Polen. Abends und an den Wochenenden fuhren wir viel herum und statteten dabei auch seinen Nachtklubs Besuche ab.

Alles, was ich bis dahin über „Russen“ und „Rotlichtmilieu“ gehört hatte, stimmt nicht mit den Erfahrung, die ich mit Igor und seinen Fahrensmännern machte, überein. Igor fuhr die Mädchen zum Schwimmen und zum Fitnesstraining. Er ging insgesamt äußerst zuvorkommend mit ihnen um.

Eines Abends war im Nachtclub in Perleberg eine Geburtstagsparty. An diesem Abend hielt der Tabakgenuss –nach 13 Jahren Abwesenheit– wieder Einzug in mein Leben.

Ich hatte im Alter von zwölf Jahren mit russischen Soldaten Zeitschriften gegen Machorka, sowjetischen Tabak, getauscht, um dann bis zu meiner Armeezeit zu rauchen.

Anders als damals die Sowjets fand ich auf der Party die russischen Mädchen so niedlich, wenn sie „Philip Morris“ sagten, und bat eine von ihnen um eine Zigarette. (Ich rauche seitdem bis heute, manchmal soviel, daß man meinen könnte, ich wolle die 13 Jahre ohne Zigarretten nachholen.)

Am gleichen Abend – nach der Zigarette – sprach ich ein Mädchen an, das mir von Anfang an aufgefallen war. Sie hieß Seika und war ein Traum – eine Figur, wie von Händen eines mehr als nur geschmackssicheren Bildhauers, kaum enden wollend lange blonde Haare und ein Gesicht, wie gemalt. Kurzum: Ich war hin und weg.

Igor sagte mir, ich könne Seika ruhig mitnehmen. Zuhause erzählte sie mir, daß sie 23 sei, wo sie wohne, was sie in ihrer Heimat so gemacht habe.

Bis zum Frühjahr 1998 habe ich sehr viel Zeit mit Seika verbracht. Daß dies teilweise meine Arbeitstage einschränkte, störte mich überhaupt nicht. Wenn Seika bei mir zu Hause war, putzte sie, kochte und war einfach nur lieb wie ein Engel.

Morgens um 6, bevor ich zur Arbeit fuhr, brachte ich sie zurück zum Club. Den Nachbarn, die sie sahen, fielen bald die Augen raus...

In der Firma begann das Jahr 1998 weniger erbaulich. Die Firma VARIO, für die wir über mehrere Jahre hinweg jeweils ca. 15 km Geländer gefertigt hatten, ging in Konkurs. Nachdem uns bis dahin unsere Arbeit stets pünktlich vergütet worden war, waren plötzlich 70.000 Mark überfällig. Ich rief bei der Kreditreform in Schwerin und Rostock an. Dort waren wir angeschlossen und konnten Firmeninformationen abrufen. Der Bonitätsindex von VARIO war gut und die Kreditreform sagte, es sei alles in Ordnung.

Später habe ich gehört, daß VARIO schon länger bis zum Zeitpunkt meiner Anfrage keinen Lohn gezahlt hätte und diverse große Lieferantenrechnungen offen wären. Da wir nach der Versicherung durch die Kreditreform einen weiteren Auftrag im Umfang von 30.000 Mark ausgeführt hatten, waren es letztlich 100.000, die sich für uns in Luft auflösten; nach „Bananen-Klaus“ die zweite große Forderung, die ich ausbuchen musste.

Außerdem war es jahrelang ein sicheres Auftragspolster für mehrere Mitarbeiter, das mit VARIO verschwunden war. Aber ich habe schnell reagiert. VARIO war der zweitgrößte deutsche Geländerbauer, die Firma Müssig war noch größer. Ich setzte mich also ins Auto und fuhr zu Müssig nach Berlin.

In mehrstündiger Verhandlung und mit Verweis auf unsere Referenzen, habe ich es geschafft: Wir durften für Müßig fertigen, womit der Verlust von VARIO als Auftraggeber kurzfristig kompensiert werden konnte.

Allerdings währte diese Kompensation nur ein Jahr. Dann ging auch Müssig in Konkurs, und uns weitere 40.000 Mark verloren. Allerdings – learning by burning – hatte ich diesmal vorgesorgt. Nach der VARIO-Pleite habe ich nicht nur die Müssig-Aufträge reingeholt, sondern gleichzeitig von der insolventen VARIO-Bauelemente GmbH einen Bauleiter für die Arbeit in Berlin eingestellt.

Durch seine Kontakte haben wir Komplettaufträge generiert. Er brachte auch gleich Montagekolonnen mit. Nach acht Jahren als Subunternehmer haben wir auf dem Berliner Markt schnell Fuß gefasst.

Klammt AG, Dywidag und Weiss und Freitag waren außer Müssig die Auftraggeber.

Unsere Geländer haben wir auf vielen namhaften Baustellen in Berlin montiert. So waren wir etwa 1999 am Bau von Europas größtem Autohaus, der „Daimler Niederlassung“ in Berlin am Salzufer, mit mehreren tausend Metern von Geländern beteiligt.

Darüber hinaus hatte ich nach der Pleite mit VARIO eine Forderungsausfallversicherung abgeschlossen. Finanziell hat uns der Ausfall von Müssig also nicht bedrängt. Die Firma lief super.

Hätte mir jemand 1991 gesagt, was aus dieser kleinen Gärtnerschlosserei einmal wird, ich hätte ihn für verrückt erklärt.

In Perleberg hatte unsere Firma einen guten Ruf erlangt. Nicht zuletzt haben wir dies durch zahlreiche Spenden an Schulen oder gemeinnützige Institutionen erreicht.

Ich wurde Ehrenmitglied bei der Feuerwehr. Beim THW erhielt ich Medaillen für Hilfe beim Oderhochwasser und beim Elbhochwasser und wurde Mitglied bei der Verkehrswacht. Als der Vorsitzende später verstarb, wählte man mich als Nachfolger.

Unser Abschleppbetrieb war mittlerweile nicht nur für Perleberg, sondern auch für Pritzwalk und somit für die BAB 24 Vertragspartner des Polizeipräsidiums Potsdam. Und das jahrelang ohne Beanstandung. Alle sahen unseren guten Ruf auch dadurch bestägtigt, daß die Bundeswehr und viele andere renommierte Einrichtungen ihre Fahrzeuge zu uns in die Werkstatt brachten.

Es war unglaublich. Ich sah diese Erfolge und Ehrungen als Lohn der jahrelangen harten Arbeit.

Wenn es läuft, dann läuft's!

So wurde in diesem Jahr auch die Deutsche Bahn Kunde unseres Stahlbaubereichs.

Wir fertigten Geländer für Durchlässe und Brücken an, Stahlkonstruktionen als Unterstützung für ICE-Brücken, und bei Brückensanierungen in Berlin und in ganz Nordostdeutschland.

Dann lernte ich Frank Starke kennen. Er war Oberbauleiter bei ABB (Asea Brown Boveri), einem Riesenkonzern. Er arbeitete im Bereich Freileitungen und suchte einen Stahlbauer, der an der Sanierung der 360-Kilovolt-Leitung Lubmin-Neuenhagen mitarbeitet. Hier waren an den vier Fußpunkten der Masten die Fundamente gerissen.

Dies hatte zur Ursache, daß der Beton für die Fundamente aus Ostseekies gefertigt wurde, der anfällig für alkalische Reaktionen ist.

ABB hatte ein neues Patent. Zur Sanierung mussten Halbschalen aus Stahl hergestellt und nach Teilabstemmung der kaputten Fundamente über die alten „Bewehrungseisen“ verbunden, verschweißt und zubetoniert werden.

Ich habe nicht lange überlegt.

Für fast 300.000 Mark kaufte ich zwei Allrad-LKW, diverse neue Schweißgeräte, Anhänger und Notstromagregate und stellte sechs Schweißer ein.

Nach Vereinbarung mit ABB sollten 10.000 Fundamente bearbeitet werden.

Wir bekamen pro Fundament 1.000 Mark.

Somit hatte ich einen Auftrag mit dem Volumen von zehn Millionen Mark besorgt. Ich kam mir vor wie der Vorstandsvorsitzende eines Weltkonzerns.

Zu diesem Zeitpunkt fuhr ich gerade meinen zweiten nagelneuen G-Modell Jeep von Mercedes. Durch die vielen Baustellen in Berlin, zu denen ich zwei- bis dreimal die Woche fuhr, kamen nun noch die Überwachungs- und Abrechnungstermine und Fahrten quer durch Mecklenburg.

Mittlerweile arbeiteten in meiner Firma auch fast 40 Leute. In Berlin hatten wir für die Montage unserer Geländer bis zu sechs Monteure als Subunternehmer beschäftigt.

Aktien und Jetons

Meine Aktivitäten an der Finanzbörse ließen indes nicht nach. Ich kann also wirklich sagen, daß zu dieser Zeit mir sieben Tage in der Woche der Kopf geraucht hat. Um mich selber zu belohnen, bestellte ich mir zur „G-Klasse“ noch einen SL-500 Mercedes. Wie wenig Zeit ich hatte, merkte ich, als ich das Auto im Herbst an Mercedes zurückgab. Eigentlich wollte ich damit den Sommer genießen.

Bei der Rückgabe hatte der Wagen gerade 3000 km gelaufen, von denen 2000 km noch ein Bekannter gefahren war.

Anfang 1998 war ich in Berlin. Unser Vertragspartner, das Technische Hilfswerk, hatte zum Frühjahrsempfang eingeladen.

Auf dem Rückweg, ich fahre gerade am Brandenburger Tor vorbei, klingelt das Autotelefon:

„Hier ist Doreen.“

„Welche Doreen, fragte ich?“

„Na, Doreen vom Fernsehladen.“

Da wusste ich, mit wem ich sprach. Als meine Frau auszog, musste ich mich ja ganz neu einrichten. Sämtliches Mobiliar hatte ich in einem Möbelhaus in Schwerin gekauft.

Da ich mir für private Dinge grundsätzlich nicht viel Zeit nahm und um die Firma nicht zu vernachlässigen, bin ich wie ein Wirbelwind durch das Kaufhaus gerast und habe alles in etwa 50 Minuten ausgesucht und gekauft. Die Auswahl des neuen Fernsehgeräts in Perleberg bei Doreen hat hingegen wohl fast drei Stunden gedauert.

Doreen war eine bezaubernde junge Frau:

27 Jahre alt, super Figur, hübsches Gesicht und lange braune Haare. Nun rief sie mich auf meinem Handy an. Die Nummer wurde ihr von Mitarbeitern aus meinem Büro gegeben. Sie wollte einen Werkstatttermin für ihren alten Golf. Und dafür rief sie mich auf dem Handy an?!

Die ganze Rückfahrt von Berlin nach Perleberg dachte ich darüber nach. In der Woche darauf brachte sie ihr Auto. Alle Schlosser verdrehten sich den Hals nach ihr...

Nachdem ich den Termin in der Werkstatt gespannt erwartet hatte, fragte ich sie, ob wir in der Zwischenzeit etwas essen gehen wollen. Sie sagte zu.

Nicht, daß ich es erproben wollte: Aber obwohl wir in eine Freizeitanlage gefahren sind, um ein Würstchen zu essen, zeigte sie sich kein bisschen pikiert. In dem kurzen Gespräch merkten wir wohl beide, daß wir komplett daß wir ähnlich gestrickt waren. So verabredeten wir uns ganz unumständlich für die kommenden Abende.

Doreen wohnte in einer Neubauwohnung. Ich holte sie abends ab und wir gingen essen. Wir redeten und redeten. Und das ist sonst gar nicht meine Art. Ich war so angefixt von Doreen, ich konnte gar nicht erwarten, daß etwas passierte. Und das ließ auch nicht lange auf sich warten. Bei ihrem zweiten Besuch bei mir zu Hause und von da an über Wochen und Monate jeden Abend.

Anschließend, oft morgens, fuhr sie dann zurück in ihre Wohnung. Es dauerte nicht lang und wir fassten den Entschluss, daß sie ja zu mir zieht.

Sie konnte die Miete sparen und ich musste nicht länger alleine in einem Einfamilienhaus wohnen. Sie stellte aber eine Bedingung: daß ich meinen Kontakt zu Igor abbreche. In der Stadt würde man schon über mich und „die Mädchen aus der Ukraine“ reden. Ich willigte ein und wir waren ein schwer verliebtes Paar.

Doreen war in ihrer Persönlichkeit ziemlich burschikos. Sie war für jeden Spaß zu haben. Ich versuchte -meiner Gewohnheit zuwider- schon um halb sieben zu Hause zu sein, wenn auch sie Feierabend hatte. Sie hatte Verständnis dafür, daß ich viel arbeiten musste.

Da samstags ihr Fernsehladen geöffnet hatte, konnte ich weiterhin zu meiner heimlichen Freude auch dann arbeiten gehen.

Kurz bevor ich sie kennen lernte, hatte ich mir ja den bereits erwähnten Mercedes SL 500 bestellt. Mit den ersten Sonnenstrahlen kam das Cabrio dann auch. Das hatte ich ihr nicht gesagt und ich dachte es könnte eine schöne Überraschung für sie sein.

Einen Tag vor Eintreffen des Autos klingelte es morgens um 6 bei uns.

Doreen sah aus dem Fenster. Dort stand Seika.

Sie war mit dem Taxi gekommen. Mir ist fast schlecht geworden. Aber Doreen hat das geregelt. Sie öffnete das Fenster und allein ihr Anblick hat Seika veranlasst, fluchtartig zu verschwinden.

Ich fühlte mich nicht gut, weil ich Seika wirklich mehr als gemocht habe. Aber da ich wegen Doreen wochenlang keinen Kontakt mehr zu ihr hatte, konnte ich ja nicht damit mit rechnen, daß sie von sich aus zu mir kommt. Sie tat mir richtig leid.

Das konnte ich Doreen natürlich nicht sagen und es hätte auch nicht viel geändert.

Sie zeigte mir zum ersten Mal, wie eifersüchtig, besitzergreifend und böse sie werden kann, wenn es um andere Frauen ging. Sie musste einige schlechte Erfahrungen gemacht haben.

Am Abend war dann aber alles wieder gut...bis zum nächsten Tag: Da kam der SL 500 in schwarz. Sie war außer sich: „Zuhälterauto, Schwanzverlängerung“ und vieles mehr schimpfte sie.

Später, nachdem sie sich beruhigt und wir vereinbart hatten, daß ich mit dem Auto nicht alleine wegfahren würde, konnte ich sie ein wenig besser verstehen: Doreen hatte nach der Wende Perleberg in Richtung Hamburg verlassen und war erst, kurz bevor wir uns kennen lernten, von dort wieder zurückgekehrt. Sie hatte in Hamburg als Laborantin gearbeitet. Da sie aber mit dem Lohn nicht auskam, jobbte sie nach Feierabend und an Wochenenden zusätzlich in einer Diskothek.

Diese Disko war wohl weit und breit bekannt.

Sie erzählte mir, daß dort Prominente, aber auch Zuhälter ein- und ausgingen. Auch von „steinreichen Leuten“ bzw. deren Kindern, die dort Partys feierten, als ob es kein Morgen gebe, sprach sie. Aber sie wäre nie involviert gewesen, obwohl sie überall mit dabei gewesen war und alle gekannt habe. Jedenfalls schien sie diese Klientel dergestalt abgeschreckt haben, daß sie etwa ein Anblick wie der meines neuen Autos in solche Rage versetzen konnte. Als ich um diesen Teil ihres Lebens wusste, kam es mir vor, als wäre sie ausgebrannt aus Hamburg nach Perleberg geflüchtet.

Es war vermutlich auch der Zeit in Hamburg zu schulden, daß sie kein Interesse an Diskothekenbesuchen hatte und keinen Alkohol trank. All das hatte aber auf unsere Beziehung keinen Einfluss, wir verstanden uns toll.

So verbrachten wir die Abende und Wochenenden zuhause und hatten richtig Spaß. Mir war das nur recht. Im Übrigen teilten wir bald auf das Leidenschaftlichste ein Hobby: Ihr war von Anfang an aufgefallen, daß ich damit beschäftigt war, an der Börse Geld zu „verdienen“. Plötzlich fieberte jemand mit mir, wenn ich bis tief in die Nacht zum Zerreißen gespannt Börsenticker verfolgte.

Gemeinsam suchten wir im Fernsehen, im Teletext und diversen Zeitschriften nach Anlagemöglichkeiten. Mit Doreen wurde es zur Sucht.

Aktien und Optionsscheine, die wir beide über das Wochenende auswählten, kaufte ich Monatag früh, um sie freitags mit satten Gewinnen zu verkaufen.

In der Firma lief alles hervorragend. Meine Arbeitszeit begann nach wie vor um 6.30 Uhr und endete um 18.30 Uhr.

Mittlerweile hatten wir die ersten Schlosserarbeiten in Hamburg bekommen und so jagte ich von einer Baustelle zur anderen.

Vormittags Berlin, nachmittags Hamburg und zwischendurch zu den Hochspannungsmasten in Mecklenburg. Die Gewinne wuchsen.

Zum Sommer 1998 ließ ich für Doreen und mich einen Swimmingpool in den Garten bauen.

Das war nicht ganz uneigennützig...

Aber Doreen störte es überhaupt nicht, daß wir unseren 'Sommerurlaub' damit verbrachten, am Pool zu liegen und Wirtschaftsmagazine zu wälzen.

Auf der Suche nach Penny-Stocks, also Aktien, die im Pfennigbereich dümpelten, kam ich in diesem 'Urlaub' auf Fokker-Aktien.

Fokker war ein angeschlagener niederländischer Flugzeugbauer. Über Wochen recherchierte ich alle Informationen über Fokker, ich trug wohl mehrere hundert Seiten zusammen.

Zwischenzeitlich hatte sich eine Gesellschaft in den Niederlanden gegründet, die „Rekkof“, also gewissermaßen „Fokker“ von hinten.

Ich telefonierte mit deren Geschäftsführer und bekam heraus, daß sie die Baupläne für eine neue Maschine gekauft hatten, vor deren Entwicklungskosten Fokker in die Knie zu gehen drohte.

Von einem holländischen Gewerkschafter habe ich auch erfahren, daß Fokker kurz vor dem Neustart stehen würde.

Ich habe die DASA angerufen, mit der Dresdner Bank gesprochen und –ein Parforceritt– nach tagelangen Versuchen sogar den Vorstandsvorsitzenden von Boeing, Phil Condit, ans Telefon bekommen. In meinem von CNN aufgefrischten Schulenglisch und mit der Frechheit, die Erfolge einem verleihen können, habe ich in dem kurzen Gespräch versucht, Condit davon zu überzeugen, daß Boeing sich aufgrund des rasant wachsenden Marktes für Flugzeuge mit ca. 100 Sitzplätzen an Fokker beteiligen müsse.

Mir ging es natürlich nicht um das Wohl und Wehe Boeings, sondern um die beschleunigte Mehrung der 100.000 Mark, die ich bis dahin bereits in Aktien von Fokker investiert hatte.

Das war der Stoff, aus dem unsere Träume und die langen Gespräche waren, Doreens und meine.

Ihr Credo war: „Immer auf der Jagd nach dem Glück. Aber wo Licht ist, ist auch Schatten!“

Da ich die ganzen Monate wie immer durch die Firma, nun aber auch durch Doreen voll ausgelastet war, hätte ich bald meinen Rechtsstreit mit der Volks- und Raiffeisenbank vergessen.

Das Landgericht tagte. Zunächst einmal verabschiedete sich in der Sitzung einer der Richter wegen Befangenheit. Er war der Stiefvater einer meiner Buchhalterinnen.

Fernsehanwalt Nieding kam mit dem Flieger aus Frankfurt nach Berlin und mit dem Mietwagen weiter zum Landgericht nach Neuruppin.

Mit den über Monate weiterlaufenden Zinsen für den verspäteten Einkauf der Bremer Vulkanaktien war das Minus auf meinem Anlagekonto bei der Volks- und Raiffeisenbank auf fast 400.000 Mark angewachsen. Es ging also nicht mehr nur um den mir genommenen Gewinn.

Obwohl ich zu diesem Zeitpunkt schon ziemlich justizerprobt war, konnte ich der Sache nur teilweise folgen. Am Ende hatte ich aber das mulmige Gefühl, daß die Richter der Meinung seien, wer Aktien kaufe, müsse eben auch verlieren können. Als wir einen Monat später zur Urteilsverkündung fuhren, sackten mir bald beim Aufstehen die Beine weg und mir wurde schlecht, als der Richter verlas:

„Die Klage ist abgewiesen!“

Jetzt kommen zu den 400.000 noch Prozesskosten, die Kosten der Gegenseite und die üppige Rechnung von Rechtsanwalt Nieding.

Zwei Tage habe ich gebraucht, um mich zu fangen. Dann habe ich, natürlich mit Doreens Zuspruch, 'entschieden': „Nicht mit mir, nicht mit uns!“

Über eine Börsenzeitschrift habe ich die Telefonnummer von Dr. Rodloff erhalten. Seine Kanzlei lag am Ku'damm in Berlin. Ich war von ihm ohne Einschränkung begeistert.

Er hatte zwar keine außergewöhnliche Medienpräsenz, war aber ein außergewöhnlich angenehmender Mensch – extrem sachkundig, zugleich aber sehr ruhig und gelassen.

Nachdem er sich das Urteil des Landgerichts und die Akten angesehen hatte, erklärte sich Dr. Rodloff bereit, mich in einem Berufungsverfahren vor dem Oberlandesgericht in Brandenburg zu

verteidigen.

Ich beantragte also Revision und warteten auf einen Termin.

Weil mir meine Arbeit in den ganzen Jahre wenig Freizeit ließ, pflegte ich auch kaum familiäre Kontakte. Das änderte sich durch Doreen ein wenig.

Mein Bruder hatte sich mit seiner Frau auf dem Grundstück seiner Schwiegereltern wenige Kilometer vor Perleberg ein Haus gebaut.

Er hatte einen Groß- und Einzelhandel aufgebaut für alles was man so braucht in der Region...

Seine Frau fuhr einige Zeit als Betreuerin von Filialen einer Supermarktkette durch die Region und arbeitete später in Schwerin in der Kreditabteilung einer Bank.

Nach dem Babyjahr verlor sie ihren Job dort, hatte sich jedoch auch zuvor schon mehrfach bei der Volks- und Raiffeisenbank in Perleberg beworben.

Der Bruder meiner Schwägerin hatte ebenfalls ein Haus auf dem Grundstück seiner Eltern und lebte dort mit seiner Frau, die im Finanzamt Pritzwalk arbeitete.

Er war damals Prüfer bei der Steuerfahndung, hatte aber nebenher eine Zulassung als Steuerberater erworben und wollte sich in Perleberg selbstständig machen. Wir besuchten die Vier immer häufiger. Es wurde mir somit fast zur Pflicht, dem Schwager meines Bruder zu versprechen: „Wenn Du Dich selbstständig machst, komme ich mit meiner Firma zu Dir“!

So kam es dann auch. Ich verließ meinen alten Steuerberater. Der Beginn unseres neuen Verhältnisses verlief allerdings chaotisch.

Denn er machte zunächst gar kein eigenes Büro auf, sondern war in zwei oder drei Kanzleien innerhalb eines Jahres als Büroleiter tätig.

Jedes Mal schleppten wir unsere gesamten Akten von einem Büro zum anderen, bis er sich dann tatsächlich selbstständig machte.

Vielen Geschäftsfreunden empfahl ich, ihm ein Beratungsmandat zu erteilen. All dies hatte zur Folge, daß er mir gegenüber zu dieser Zeit mehr als nett und höflich war.

Als er dann erstmals meine Firmen- und Börsengewinne verbuchte, erstarrte er beinahe in Ehrfurcht. Innerhalb kürzester Zeit entwickelte er sich zum knallharten Profi und leistete eine höchst präzise, oftmals übergebührliche Arbeit, weil er das meiste selbst machte und kontrollierte. Angefangen hat er mit einer Mitarbeiterin und von Monat zu Monat kamen weitere dazu.

Auch ich hatte personell aufgestockt. Die ständig größer werdenden Aufträge, die natürlich auch höhere Ansprüche an Kalkulation, Abwicklung und Abrechnung forderten, zehrten doch mächtig an mir. Nebenbei hatte ich ja auch regelmäßig zwölf bis fünfzehn, manchmal sogar zwanzig Werte in meinem Wertpapierdepot zu verwalten.

Wenn ich in Berlin von einer Baustelle losfuhr, telefonierte meistens nonstop, bis ich in Hamburg bei der nächsten Baustelle ankam: Über Realtime Kurse abfragen, mit meinem Anlageberater Strategien diskutieren, kaufen und verkaufen!

So kam ich zu vierstelligen Telefonrechnungen.

In Folge dieser Ausmaße machte ich mich dann zum wohl einzigen Landmaschinenschlosser weltweit, der einen Anlageprofi beschäftigt hat, um ihn alleinig für den Eigenhandel mit Aktien und Optionsscheinen in Anspruch zu nehmen.

Ich warb Herrn Mettenburg der Deutschen Bank ab. Er war dort der Leiter der Anlageabteilung gewesen. Ich kaufte zwei große leistungsstarke Rechner, zwei große Monitore, richtete ihm ein Konto ein und ließ ihn via Internet arbeiten.

Recherchieren, kaufen, verkaufen.

So hoffte ich meinen Kopf etwas frei zu kriegen, um dem Dauerstress nicht irgendwann zu erliegen. Gemeinsam untersuchten wir den Markt in Deutschland, in den USA und in Asien.

Zum Jahresende hatten wir gutes Geld verdient.

Den Hauptgewinn fuhr aber ich ein. Ich kaufte im Juli für 150.000 Mark Optionsscheine auf den Internet-Dienstleister Yahoo und verkaufte diese im November für 370.000.

An Mut und Selbstvertrauen fehlte es mir nicht...

Unsere Baustellen liefen hervorragend. Alle Aufträge waren versichert. Unsere Auftraggeber waren namhafte Konzerne.

Die PKW- und LKW-Abschleppwagen waren ununterbrochen im Einsatz. Die Fahrzeugwerkstätten waren ständig voller Kundenfahrzeuge.

Irgendwann im Sommer 1998 fuhren mein Steuerberater, seine Frau, Doreen und ich ein Wochenende zur Ostsee.

Mein erster richtiger Ausflug seit vielen Jahren.

Und dann noch über Nacht, in ein Hotel. Nach Stadtbummel, Strandspaziergang, ausgedehntem Abendessen und Kneipentour gingen wir in die Bar im obersten Stock des Hotels Neptun in Warnemünde. Ich weiß heute nicht mehr, wer es zuerst gesehen oder wer die Idee hatte.

Nebst der tollen Aussicht lag direkt vor unseren

Augen ein prächtiges Gebäude mit Leuchtreklame:

„CASINO“...

Nach Mitternacht sind wir zu viert raus aus dem Hotel und rein in die Spielhölle. Ich, der ich nur wusste, wie Arbeit und Börse funktioniert, hatte bis dahin lediglich mal Lotto gespielt.

Aber ich war schwer beeindruckt.

Meine Kleidung waren immer Jeans und T-Shirt, obwohl ich Gesellschafter und Geschäftsführer eines mittelständischen Betriebes war, legte ich keinen Wert auf teure Anzüge und aufälliges Erscheinungsbild.

Aber hier stand ich genau dem gegenüber. Elegante Frauen und Männer an Spieltischen, geschäftiges Tun – als sei es Arbeit, dachte ich.

Wir teilten uns auf, nachdem wir Geld in Jetons getauscht hatten. Doreen blieb bei mir.

Da wir vom Spielen wenig bzw. keine Ahnung hatten, beobachteten wir erst eine Weile und versuchten diesen oder jenen Spieler am Roulettetisch zu fragen.

Die meisten waren aber so konzentriert und angespannt, daß sie gar nicht reagierten. Nach einer Weile fingen wir dann an, zaghaft zu setzen.

Erst mal nur auf Rot oder Schwarz später auf Zahlen oder Kombinationen. Nach zwei Stunden wollten die anderen Beiden ins Hotel.

Doreen und ich blieben noch...

Sie war eben anders als die meisten anderen Frauen und hatte genau wie ich Spaß an der Sache gefunden. Zu diesem Zeitpunkt sprach auch noch überhaupt nichts dagegen, daß wir zwei Börsengurus mit einem dicken Mercedes vor der Tür und Konten voller Geld uns ein wenig amüsieren.

So blieben wir bis zum frühen Morgen. Das Spielen zog mich mehr und mehr in seinen Bann. Kein Gedanke an verzinkte Geländer, Kassenbücher, Aufträge oder Mitarbeiter. Es war eine andere Welt.

Wir gewannen mal hundert Mark, um sie gleich wieder zu verlieren. Am frühen Morgen, das Casino wurde geschlossen, waren die 600 Mark, die wir dabei hatten, weg. Aber es tat nicht weh. Wir lachten und hatten sehr viel Spaß. Den beiden anderen erzählten wir natürlich, daß wir gewonnen hätten.

Insgeheim waren wir aber längst beschäftigt mit unserem Plan, uns das Geld natürlich zurückzuholen. Als Sonntag die Abreise anstand, redeten wir uns raus: Die beiden sollten doch ruhig schon losfahren, wir hätten noch etwas zu tun.

Ich hatte die 1.000 Mark, die ich nach Warnemünde mitgenommen hatte, für Übernachtung, Essen und Casino ausgegeben.

Kredit- und EC-Karten hatte ich zuhause. Als Eigentum eines Arbeitstiers wurden sie auch nie gebraucht. Doreen aber hatte eine EC-Karte dabei und holte 1.000 Mark ab.

Wie zwei Kinder am Heiligabend warteten wir vor dem Casino, bis geöffnet wurde. Es sollte alles ganz schnell gehen. Doreen blieb im Auto sitzen.

Ich lief schnell rein, stellte mich an einen der Spieltische und tauschte das Geld. Etwa zwei Minuten beobachtete ich das Geschehen und setzte dann ALLES auf Rot.

Dann schloss ich die Augen und hörte die Kugel rollen. Es war für mich sicher, daß ich den Verlust der letzten Nacht zurück bekommen und noch 400 Mark gewinnen werde. Anders! Es fiel Schwarz.

Mit versteinertem Gesicht ging ich raus und setzte mich zu Doreen ins Auto und fuhr, ohne ein Wort zu sprechen, los. Ich brauchte ja auch nichts zu sagen. Sie sah mir an, daß ihre 1.000 Mark weg waren.

Nach einer halben Stunde wortloser Autofahrt, wir waren gerade auf der Autobahn, sahen wir uns an und fingen an zu lachen. Fast wortgleich sagten wir: „Das holen wir uns zurück.“

Da ich nicht verlieren kann, setzte ich gleich alle Energie daran, mit Arbeit und Börse mehr Geld zu verdienen, als wir verloren hatten. Allerdings taten mir die Kosten dieses Wochenendes zu dieser Zeit wahrlich nicht weh.

Nach ein paar Wochen kam dann wieder einmal ein bedeutungsvoller Tag. Das Oberlandesgericht Brandenburg gab uns den Termin für die Berufungsverhandlung gegen die Volks- und Raiffeisenbank bekannt. Ich fieberte dem Termin entgegen.

Im Falle einer Niederlage hätte ich einschließlich Nebenkosten bestimmt nochmal 100.000 mehr als die bisherige Streitsumme, also etwa eine halbe Million Mark an die Bank zahlen müssen. Am Tag der Verhandlung traf ich mich dann mit meinem Rechtsanwalt, Dr. Rodloff, draußen vor dem Gebäude. Mit seiner Sachlichkeit und Ausgeglichenheit nahm er mir viel von meiner Nervosität.

In der Verhandlung fiel mir schnell auf, daß die Richter mit größeren Sachkenntnissen aufwarteten als jene am Landgericht. Als ich kurze Zeit später das Urteil in den Händen hielt, fühlte ich mich wahrhaft majestätisch.

Ich hatte die VR-Bank geschlagen!

Asche der Tag, an dem das Urteil in Neuruppin gegen mich gesprochen wurde! Und Asche das „Du kannst nicht gewinnen!“ des Bankvorstands.

Natürlich hatte ich in meinem Siegestaumel nicht bedacht, daß es nach Landgericht und Oberlandesgericht noch eine weitere Instanz, den Bundesgerichtshof gibt. Und mein Freudentaumel währte noch, als ich bereits von Dr. Rodloff mit Post bedacht wurde: Die Bank beantragte Revision und wollte das Urteil des OLG anfechten.

Bis dahin hatte ich schon reichlich an Anwaltsgebühren und Gerichtskosten gezahlt. Mit der Wiederaufnahme des Streits einem etwaigen Verlust könnten sich meine Kosten schon auf 600.000 Mark belaufen. Jedoch hätte mich in meiner finanziellen Situation auch dies nicht arg beuteln können. Und mit einer Entscheidung des BGH war vor Ende 1999 sowieso nicht zu rechnen.

So trat die Auseinandersetzung mit der Bank auch einstweilen wieder in den Hintergrund.

Ich war zur Genüge mit meiner Arbeit und der Börse beschäftigt. Es ging aber auch darüber hinaus: Eines Tages hörte ich im Radio, daß in Amerika ein reger Handel mit Domain-Namen für Internetadressen ausgebrochen sei.

Leute ließen sich bestimmte Namen schützen und im Glücksfall konnten sie diese sogar für mehrere Millionen Dollar bei ebay versteigern.

So ließ ich mir beim Marken- und Patentamt den Namen 'car-yoo.com' schützen. Mein Börsenprofi setzte den Domainnamen bei ebay USA in die Versteigerung, und zwar mit dem Startpreis von einer Million Dollar. Wir bekamen sehr viele E-Mails aus der ganzen Welt und ich rannte von Übersetzer zu Übersetzer und hoffte, es wäre von einem potentiellen Käufer. Zur gleichen Zeit hatte ich im „Handelsblatt“ eine Anzeige geschaltet, in der ich meine 180000 Aktien von Fokker zum Verkauf angeboten habe. Auch hier rief ein Beauftragter eines indischen Geschäftsmannes an, der angeblich Interesse hatte. Am Ende verliefen beide Aktionen leider erfolglos.

Aber ich wollte nichts unversucht lassen um Geld zu verdienen, mit dem ich so bald wie möglich meine Kredite abzahlen konnte. Auch Doreen war natürlich noch da. Aber peu a peu nahm ich mir auch von der Zeit mit ihr wieder mehr für meine Arbeit zurück. Statt 18.30 Uhr wurde es jetzt immer öfter 19.30 oder 20 Uhr, bis ich abends nachhause kam. Und aus Samstagmittag wurde schon mal der ganze Tag.

Um dem entgegenzusteuern und weil wir in der ganzen Zeit, in der wir zusammen waren, das erwähnte Casinowochenende unser einziger Ausflug war, beschlossen wir, daß ich in der Woche arbeiten kann, soviel ich will bzw. muss, und wir dafür die Wochenenden für gemeinsame Unternehmungen nutzen.

Um meiner Mutter etwas Gutes zu tun, die ja seit dem Tod meines Vaters 1987 alleine lebte, spendierte ich ihr eine Woche am Timmendorfer Strand. Doreen und ich brachten sie dorthin und auch wir blieben für ein Wochenende da.

Bei einer kleinen Rundfahrt sahen wir ein Gebäude mit einem Schriftzug, der uns beide gemeinsam, zum Lachen brachte:

„CASINO“ !

Wir sahen uns an und wussten, was zu tun war. Die schuldeten uns noch was. Wir brachten unsere Sachen ins Hotel und es ging los. Hier war es noch interessanter – man könnte auch sagen, noch bizarrer – als in Warnemünde. So spielten etwa ältere Damen, behängt mit Schmuck wie kleine kostspielige Weihnachtsbäume, mit einzelnen Einsätzen von mehreren tausend Mark. Als wir Sonntagabend nachhause fuhren, ging nichts mehr. Die Limits unserer Kreditkarten waren erreicht und das Bargeld war ausgeschöpft. Frustriert fuhren wir nach Hause – der Lachkrampf stellte sich diesmal nicht ein.

Im Nachhinein glaube ich, daß sich das Ende unserer Beziehung schon hier deutlich abzeichnete.

Die kommenden Monate fuhren wir alle Casinos in Berlin, Hamburg, Travemünde und Schwerin an. Es war wie eine Flucht aus dem Alltag, in dem ich mich wie noch nie zuvor in meine Arbeit stürzte.

Wenn ich spät heim kam, gab es kaum noch Gespräche zwischen uns. Ich wollte abschalten und oft fuhren wir gegen 20 Uhr auch in der Woche nach Schwerin ins Casino und spielten, bis um 1 Uhr geschlossen wurde. Zwischenzeitlich hatten wir zum Glück vom Roulett abgelassen und uns auf Spielautomaten 'spezialisiert'. Doreen hatte ihr gesamtes Geld schon lange verspielt und saß stundenlang neben mir. Für mich war das Geld kein Problem. Die Firma warf genug ab und die Gewinne an der Börse stiegen. Das Spielen im Casino war das Einzige, was uns noch aneinander band. Doreen hat die Atmosphäre und die Dramaturgie unserer Abende bzw. Nächte in den Spieltempeln genauso fasziniert wie mich. Wir haben gewonnen und verloren. Manchmal, wenn wir am Samstagnachmittag in Schwerin spielten und kein Glück hatten, sind wir abends nach Berlin gefahren, um am Potsdamer Platz weiterzumachen. Unser Spiel am Timmendorfer Strand war nicht das letzte Mal, daß wir so lange gezockt haben, bis wir keinen Pfennig mehr in der Tasche hatten. Einmal sind wir in den Morgenstunden beinahe nicht mehr aus dem Parkhaus gekommen, weil wir die Parkgebühren nicht bezahlen konnten. Wenn ich nicht zufällig noch DM 10,00 im Auto gefunden hätte, wären wir wohl betteln gegangen.

Ich hasste mich für meine Idiotie und zweifelte immer mehr, daß Doreen die richtige Frau ist. Sie saß stundenlang völlig konzentriert und begeistert neben mir und sah zu, wie ich einen Hunderter nach dem anderen in den Automaten schob.

Natürlich gab es auch Höhepunkte. Mal gewann ich 5.000, mal 10.000 Mark und einmal sogar noch mehr. In der Regel aber verbrannten wir bei einem Casinobesuch zwei- bis dreitausend Mark und fuhren in den Morgenstunden wortlos und verbittert nach Hause.

Zu dieser Zeit war ich sicherlich spielsüchtig. Während des Spielens vergaß ich den gesamten Stress der Woche und den jahrelangen Raubbau an meinem Körper. Erst auf den Rückfahrten in den Morgenstunden hielt der Realitätssinn wieder Einzug in mich: Wut auf mich! Wut auf Doreen, die das Ganze ja begleitete. Insgesamt verspielten wir in anderthalb Jahren fast 300.000 Mark!

Es reichte mir vollständig.

Ich sah in Fernsehberichte über Spielsucht, wie Professoren, Doktoren und Unternehmer alles verspielten und zwar mehrere Millionen Mark, ganze Firmen gingen Pleite. Wie es mir gelungen ist, mich davon zu lösen, kann ich heute nicht mehr nachvollziehen.

Es war wohl meinem Ehrgeiz geschuldet, der Aversion gegenüber der Vorstellung, meine Firmen- und Börsengewinne mithilfe von Spielautomaten vernichten zu können.

Auch das Auseinanderleben mit Doreen hat wohl dazu beigetragen, daß ich ziemlich prompt ohne ärztliche Hilfe und ohne Rückfall aus der ganzen Sache herausgekommen bin.

Daß es mit Doreen zu Ende war, hätte ich wissen müssen, als sie nach dem abrupten Abbruch der Casinobesuche in der Woche abends bis spät zum Fitness ging und sich am Wochenende mit verschiedenen Bekannten traf, von denen ich nicht nicht mal wissen wollte, um wen es sich handelte.

Ich selbst jagte wie immer zwischen Baustellen in ganz Norddeutschland hin und her. In den ersten Jahren bekamen wir auch viele regionale Aufträge. Dies hatte inzwischen stark nachgelassen. Anfangs verschwanden nur Firmen, deren Inhabern man eine Selbstständigkeit ohnehin nicht zugetraut hat. Mittlerweile ging es aber auch den Arrivierten an die Substanz.

Als ehemaliger exzellenter Schüler der „Staatsbürgerkunde“ habe ich mich intensiv mit dieser Misslage auseinandergesetzt. Im Bundestagswahljahr 1998 erhoffte ich mir, aus welchen Gründen auch immer, viel von der SPD mit ihrem Kanzlerkandidaten Gerhard Schröder. Ich sah Schröder im Fernsehen bei Gesprächen mit Wirtschaftsbossen witzige Sprüche dreschen und Siebzig-Mark-Zigarren rauchen. Er imponierte mir.

Am Wahltag fuhr ich mit Doreen zum Wahllokal und bat sie, ihr Kreuz zu Schröders Gunsten zu machen. Ich selbst ging gar nicht wählen. Das war vielleicht eine Vorahnung.

Jahrelang wurde über den Bau eines TRANSRAPID zwischen Hamburg und Berlin debattiert. In meiner Stadt sollte gegebenenfalls das Wartungswerk entstehen. Die Trasse war bereits abgesteckt und es wurden sogar schon Probebohrungen durchgeführt.

Von diesem Projekt hätten wir alle profitieren können, das hatte ich über Jahre eindrucksvoll mitbekommen. Egal, ob es sich um Gasleitungen, Erneuerungen im Schienennetz oder Hochspannungsmasten handelte, wann immer solche Bau-maßnahmen durchgeführt wurden, waren unsere Leute vor Ort und schweißten rund um die Uhr oder lieferten Stahlteile.

Zusätzlich brachten die Baufirmen ihre Fahrzeuge in unsere Werkstätten zur Reparatur.

So hoffte ich für einige Jahre auf den Baustart zur Transrapidstrecke. Bis zum damaligen Zeitpunkt hatte ich schon etwa 7.000.000 Mark in Werkstattgebäude, Ausrüstungen und Fahrzeuge investiert.

Wir hatten den „großen Eignungsnachweis“ als Schweißfachbetrieb und die Zertifizierung nach ISO 9002 erreicht. Es konnte losgehen...

Nachdem Schröders SPD gewählt wurde, stand er – ich sehe ich ihn noch heute – bei der SPD-Wahlparty mit einem breiten Grinsen auf der Bühne und formte beidhändig das Victory-Zeichen.

Einer seiner Kommentare: „Die deutschen Aktienindizes, DAX und NEMAX, feiern mit neuen Höchstständen den Rot-Grünen Wahlsieg.“ Ich war mir sicher, das Geldverdienen an der Börse gehe weiter und der Transrapid werde gebaut. Das hätte Arbeit im großen Stil bedeutet, und zwar endlich mal vor der eigenen Haustür. Als dann kurze Zeit später das Aus für den Transrapid kam, war ich außer mir vor Wut und Enttäuschung.

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9783844254594
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