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Die Autorin, der Autor

Sophia Bock promoviert nach ihrem abgeschlossenen Lehramtsstudium (Fächer: Geographie, Deutsch, Bildungswissenschaften; Gymnasiallehramt, Schwerpunkt Sek. II) an der Universität Potsdam zum Thema Verschwörungsideologien als Herausforderung für Schulen und Lehrkräfte.

Wilfried Schubarth hatte bis zu seiner Emeritierung (2021) eine Professur für »Erziehungs- und Sozialisationstheorie« im Bereich Bildungswissenschaften der Universität Potsdam inne. Seine Arbeitsschwerpunkte: Jugend-, Schul- und Bildungsforschung, vor allem Gewalt und (Rechts)Extremismus, Werte- und Demokratiebildung, Lehrkräftebildung, Hochschulforschung. Er ist Mitbegründer und -herausgeber der Reihe »Brennpunkt Schule«.
Sophia Bock Wilfried Schubarth
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1. Auflage 2022
Alle Rechte vorbehalten
© W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart
Gesamtherstellung: W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart
Print:
ISBN 978-3-17-041246-0
E-Book-Formate:
pdf: ISBN 978-3-17-041247-7
epub: ISBN 978-3-17-041248-4
Inhaltsverzeichnis
1 Vorwort
2
3 Teil I Theorie: Altes in neuem Gewand. Zur Geschichte, Theorie und Empirie von Verschwörungsmythen
4 1 Es ist ein Hoax! Was sind Verschwörungsmythen?
5
6 1.1 Begriffe, Definitionen und Begriffshistorien
7 1.2 Der »Verschwörungsbaukasten«
8 1.3 Verschwörungsvielfalt – Kategorisierungsversuch
9 2 Hysterie in Historie und Gegenwart – Woher kommen Verschwörungsmythen?
10
11 3 Paranoide Menschen oder kranke Gesellschaft? Ursachen für Verschwörungsgläubigkeit
12
13 4 Verschwörungen überall? Studien zur Verbreitung von Verschwörungserzählungen
14
15 5 Rechts, links oder geradeaus? Gefährdung der Demokratie
16
17 5.1 Verschwörungsmythen von »rechts«
18 5.2 Verschwörungsmythen im Kontext von Demokratie-, Fremdenfeindlichkeit und Gewalt – Empirische Befunde
19 5.3 Verschwörungsmythen in rechtsextremen Medien
20 5.4 Verschwörungsmythen von »links«
21 5.5 Zwischen realen Verschwörungen und legitimer Gesellschaftskritik – Abgrenzungsversuch
22 Teil II Praxis: Verschwörungsmythen in Schule und Gesellschaft begegnen
23 6 FakeLess – Eine Handreichung gegen Verschwörungsideologien
24
25 6.1 Ziele und Begründung
26 6.2 Konzeptaufbau
27 6.3 Umsetzung in der Schulpraxis
28 7 Verschwörungsmythen als Herausforderung für Schulen
29
30 7.1 Verschwörungsmythen – Relevanz für Lernende
31 7.2 Umgang mit Verschwörungsmythen – Aufgabe von Schule?
32 7.3 Verschwörungsmythen – Herausforderung für Lehrkräfte und Lehrkräftebildung
33 8 Umgang mit Verschwörungsglauben – Empfehlungen für die Jugendarbeit
34
35 Frank Winter
36 9 Verschwörungsglaube als Herausforderung im privaten Umfeld
37
38 10 Verschwörungsmythen begegnen – Eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe
39
40 Resümee und Ausblick
41
42 Anhang
43
44 Begleitmaterialien zur Fortbildung
45 Weiterführende Links
46 Literaturverzeichnis
Vorwort
Anlass für das vorliegende Buch ist die seit der Corona-Pandemie zunehmende Wahrnehmung von Verschwörungsmythen. Sie haben ein großes Publikum gefunden, mobilisieren Demonstrationen und provozieren Gewalttaten. Der Einfluss rechtsextremer Kräfte wird zu einer Gefahr für die Demokratie. Auch Jugendliche nehmen Verschwörungserzählungen vermehrt wahr. Etwa einem Drittel wird eine Verschwörungsmentalität bescheinigt. Auch ein Teil ihrer Eltern und Lehrkräfte sind verschwörungsgläubig. Vor diesem Hintergrund kommt dem Bildungs- und Erziehungssystem, insbesondere der Schule, eine besondere Rolle im Umgang mit Verschwörungsmythen zu.
Der Band folgt dem Anspruch der Buchreihe, ein aktuelles Phänomen auf dem Stand der Forschung aufzubereiten und pädagogische Gegenstrategien und Fortbildungsangebote abzuleiten. Eine fundierte didaktische Aufarbeitung setzt eine wissenschaftsbasierte Darstellung des Phänomens voraus.
In Teil I (Theorie) wird ein interdisziplinärer Zugang zum Thema (Begriffsdefinitionen, historische Genese u. a.) gewählt. Einen besonderen Fokus bildet der Zusammenhang von Verschwörungsmythen und Rechtsextremismus im Kontext der Medienentwicklung. Darüber hinaus werden empirische Studien zur Verbreitung von Verschwörungserzählungen einbezogen sowie Konsequenzen für die Prävention abgeleitet. Der erste Teil stellt somit das Basiswissen für Lehrende und Lernende dar.
In Teil II (Praxis) wird das Fortbildungskonzept FakeLess zum Umgang mit Verschwörungsmythen vorgestellt, das Lehrkräften konkrete Hilfestellung beim Unterrichten gibt. Hierzu wurde umfassendes Handreichungsmaterial (Didaktischer Kommentar, Kopiervorlagen, begleitende PowerPoint-Präsentation u. a.) entwickelt. Im Schulalltag bleibt, nicht nur während einer Pandemie, wenig Zeit für größere (fächerübergreifende) Projekte. Zu hoch ist der organisatorische Aufwand und zu gering sind die Ressourcen, sich in das Thema einzuarbeiten. Aufgrund der Vielfalt von Verschwörungserzählungen lassen sich jedoch in jedem Unterrichtsfach konkrete Zugänge herstellen, die als anlassbezogene Intervention oder Prävention in wenigen Unterrichtstunden realisierbar sind. FakeLess richtet sich sowohl an Einsteiger:innen als auch an Fortgeschrittene, die Anregungen für die konkrete Unterrichtsplanung benötigen, um zu Expert:innen zu werden. Durch die Diskussion fiktiver und realer Fallbeispiele ist auch kollegiale Fallberatung Teil des Konzepts. FakeLess kann auch auf andere Berufsgruppen wie Sozialpädagog:innen oder Erzieher:innen übertragen werden.
Darüber hinaus wird die Relevanz des Themas auf verschiedenen gesellschaftlichen Ebenen betrachtet. Konkrete Fallbeispiele und praktische Tipps, auch für das familiäre Umfeld und die Jugendarbeit sowie die Einordnung aller Aspekte in den gesamtgesellschaftlichen Kontext, bilden den Abschluss des Bandes, der durch mehrdimensionale Perspektiven und die Verknüpfung von Theorie und Praxis einen Beitrag zur Demokratiebildung in Schule und Gesellschaft leisten will.
Wir würden uns freuen, wenn wir mit unserem Band Lehrkräften und alle am Thema Interessierten zur Auseinandersetzung mit Verschwörungsmythen motivieren könnten, denn »Der Umgang mit Desinformation und Verschwörungserzählungen wird eine der größten Herausforderungen dieses Jahrzehnts werden« (Lamberty in Leber, 2021).
Potsdam, im Sommer 2021
Sophia Bock und Wilfried Schubarth
Teil I
1
Es ist ein Hoax! Was sind Verschwörungsmythen?
In diesem Kapitel werden die vielfältigen Begriffe des Phänomenbereichs sowie der Verschwörungsmythos als unser Leitbegriff unter Einbeziehung der Begriffshistorie näher bestimmt. Darauf aufbauend werden typische Bausteine einer Verschwörungserzählung beschrieben und mit Hilfe eines »Verschwörungsbaukastens« dekonstruiert. Abschließend wird versucht, die Vielzahl der Verschwörungserzählungen mit Hilfe eines Kategorienschemas zu ordnen bzw. zu klassifizieren.
1.1 Begriffe, Definitionen und Begriffshistorien
Das in diesem Buch fokussierte Phänomen wird als Verschwörungsmythos bezeichnet und gehört zu einem facettenreichen semantischen Themenfeld, weshalb Begriffsklärungen notwendig und hilfreich sind. Hinzu kommt, dass die Thematik politisch sehr brisant ist, da sie an kontroverse politische Grundsatzdebatten anschließt und vorhandene (Macht-)Strukturen zu delegitimieren versucht. Dadurch werden die Analysen bezüglich des Phänomenbereichs und die verwendeten Begriffe stets selbst Teil dieser gesamtgesellschaftlichen Auseinandersetzungen. Das hat sich insbesondere während der Corona-Pandemie gezeigt.
Die große Begriffsvielfalt zeigt die Übersicht der in diesem Feld verwendeten Begriffe. Die Übersicht basiert auf Google-Suchanfragen und deren jeweilige Treffer. Die Anzahl spiegelt sich in der Größe der Darstellung wider (
Abb. 1).

Abb. 1: Verschwörungsbegriffe und deren Verwendungshäufigkeit (Trefferanzahl bei Google-Suche; eigene Darstellung [Stand: 10.06.2021])
Der mit Abstand am häufigsten verwendete Begriff ist der Begriff der Verschwörungstheorie. Es folgen Verschwörungsmythos, Verschwörungserzählung und Verschwörungsideologie. Diese Begriffe haben sich offenbar im Diskurs etabliert. Weniger häufiger verwendet werden Verschwörungsdenken, -lüge, -fantasie, -glaube, -mentalität oder -narrativ, wobei letzteres ein Synonym für -erzählung ist. Zu unterscheiden ist dabei zwischen Inhalten, z. B. Verschwörungsmythen und -erzählungen, und Persönlichkeitsmerkmalen, z. B. Verschwörungsdenken oder -mentalität. Einen Sonderfall stellt die Verschwörungslüge dar: einerseits Tautologie (Wortdoppelung), andererseits ein Begriff bzw. eine Annahme aus der Szene der Verschwörungsgläubigen, dass über Verschwörungen Lügen verbreitet werden. Daher erscheint bei der Google-Suche als erster Treffer eine gleichnamige Publikation eines in der Szene bekannten Verlages (Panta, 2020).
Zur Begriffshistorie
Der Terminus Verschwörungstheorie wird im Zyklus moderner Aufmerksamkeitsökonomie inflationär verwendet. Spätestens seit den Anschlägen des 11. September 2001 auf das World Trade Center in New York taucht die Verschwörungstheorie als geflügeltes Wort auf. Der Ursprung des Begriffs ist nicht eindeutig belegbar und selbst Gegenstand von Verschwörungsnarrativen. Erstmalig lässt sich die englische Variante conspiracy theory in der US-amerikanischen Presse 1881 nach dem Mordanschlag auf den damaligen Präsidenten James A. Garfield nachweisen. Die Tat ereignete sich im politischen Klima eines Landes, das sich immer noch von dem 1868 beendeten Bürgerkrieg erholte. Nach der Tat wurde der Verdacht geäußert, wahlweise ehemalige Unionisten oder Konföderierte hätten das Attentat in die Wege geleitet (McKenzie-McHarg, 2018).
Eines der wohl prominentesten Narrative bezieht sich auf die Aufarbeitung des Attentates auf den 35. Präsidenten der USA John F. Kennedy im Jahr 1963. Dabei gab es viele Unklarheiten und Verdächtigungen. Als Antwort auf diverse Vorwürfe wurde von Seiten der ermittelnden Behörden der Begriff der conspiracy theory geprägt, um von der offiziellen Version der Ereignisse abweichende Theorien rund um das Attentat zu diskreditieren. So etablierte sich mit der Zeit der Begriff als Abwertung für Theorien, die die Regierungsnarrative hinterfragen. Wie der Religionswissenschaftler Michael Blume in seiner Arbeit zur Phänomenologie der Verschwörungsmythen beschreibt, könnte dieses Narrativ zur Genese des Begriffes selbst wiederum Teil einer Verschwörungserzählung sein, die den öffentlichen Diskurs über Verschwörungstheorien als Teil eines Programms zur Unterdrückung regierungsfeindlicher Meinungen diskreditieren sollte (Röther & Blume, 2020).
Im deutschen Sprachgebrauch tauchte der Begriff erst später auf. Die erstmalige Verwendung wird zwar bereits 1787 in einem Dokument zur »Jakobiner-Verschwörung« erwähnt, findet jedoch keine massenmediale Verbreitung (Giese, 1784). 1945 verwendete der Wissenschaftsphilosoph Karl Popper in seinem Werk »Die offene Gesellschaft und ihre Feinde« den Ausdruck der »Verschwörungstheorie der Gesellschaft«, womit er sich auf Denkmuster bezieht, die gesellschaftliche Umbrüche gewissen dunklen Mächten, wie etwa einem imaginären »Weltjudentum«, zuschreiben (Popper, 1992). Diese kritische Betrachtungsweise findet sich auch im »Wörterbuch der Soziologie« von 1982, welches Verschwörungs- bzw. Konspirationstheorien als Machtinstrument beschreibt, dessen zentrale Funktion darin bestehe, die Symptome strukturellen oder personellen Versagens in einem Machtsystem – etwa in Form eines offenen Machtkonfliktes – einer (fiktiven) Gruppe von Verschwörer:innen zuzuschreiben, deren Handeln ein ansonsten stabiles System untergrabe (Hartfiel & Hillmann, 1982).
In der jüngsten Vergangenheit haben sich zahlreiche Wissenschaftler:innen unterschiedlicher Fachdisziplinen intensiv mit diesem Phänomen auseinandergesetzt. Im Rahmen seiner Dissertation benennt der Psychologe Sebastian Bartoschek (2017) zentrale Merkmale einer Verschwörungstheorie: »[…] jeder Versuch […] ein Ereignis, einen Verlauf, eine Überzeugung oder einen Zustand durch das zielgerichtete heimliche Wirken einer Gruppe von Personen zu erklären« (Bartoschek, 2017, S. 22). »Gruppe« meint hierbei mindestens zwei Personen, deren Wirken im Kontext von Verschwörungstheorien grundsätzlich als illegitim und/oder illegal wahrgenommen wird. Mit konspirativen, der Allgemeinheit schädlichen Handlungen einer kleinen, oftmals als elitär beschriebenen Gruppe fasst Bartoschek die Grundbausteine des Phänomens Verschwörungstheorie auf (Bartoschek, 2017). Diese Definition deckt sich mit anderen aktuellen Definitionen, wie denen der Ökonomin, Bürgerrechtlerin und Netzaktivistin Katharina Nocun und der Psychologin Pia Lamberty sowie des amerikanischen Philosophen Brian Lee Keeley (Keeley, 1999; Nocun & Lamberty, 2020).
Der Amerikanist Michael Butter bezieht sich auf die Definition des amerikanischen Politikwissenschaftlers Michael Barkun und erweitert die Definition des Begriffs Verschwörungstheorie, indem er ihr drei wesentliche Eigenschaften zuschreibt: Es geschieht erstens nichts durch Zufall. Zweitens ist nichts so, wie es scheint, und drittens ist alles miteinander verbunden (Butter, 2018).
Da sich »Verschwörung« und »Theorie« im wissenschaftlichen Sinne widersprechen, wird der Begriff Verschwörungstheorie zunehmend abgelehnt. Nach dem Politologen Samuel Salzborn geht es nicht um die evidenzbasierte Erklärung tatsächlicher Vorkommnisse, sondern um die Überbrückung von Differenzen zwischen politisch-gesellschaftlichen Realitäten und weltanschaulichen Idealvorstellungen. Diese Verschwörungsfantasien seien vielmehr weitgehend geschlossene Weltbilder, die auf Basis von Glauben und nicht von Evidenzen operierten (Salzborn, 2019). Der australische Philosoph David Coady verweist darauf, dass für Verschwörungstheorien ein negatives Framing der jeweiligen Verschwörergruppen und die machtbasierte Manipulation zentrale Merkmale seien (Coady, 2003).
Nach Nocun und Lamberty ist »[e]ine Verschwörungserzählung […] eine Annahme darüber, dass als mächtig wahrgenommene Einzelpersonen oder eine Gruppe von Menschen wichtige Ereignisse in der Welt beeinflussen und damit der Bevölkerung gezielt schaden, während sie diese über ihre Ziele im Dunkeln lassen« (Nocun & Lamberty, 2020, S. 18). Gemeint ist hier ein konkretes Narrativ, etwa das angesprochene Kennedy-Attentat. Diese Narrative speisen sich bewusst oder unbewusst, direkt oder indirekt aus Verschwörungsmythen. Der Mythos ist zunächst ein abstraktes Narrativ, welches in seiner Realitätskonstruktion ein oftmals ähnlich geschlossenes Weltbild vermittelt, wie es bei religiösen Vorstellungen der Fall sein kann.
Einer der wohl langlebigsten und in seiner Konsequenz auf vielfältige Art zerstörerischste Verschwörungsmythos ist wohl der der »Jüdischen Weltverschwörung«. Das Grundmotiv der Juden als destruktive, im Verborgenen wirkende Macht entzieht sich dabei jeder Logik oder Beweisführung und wird zum kausalen Versatzelement, das in unzählige Sachverhalte narrativ eingestrickt werden kann, so geschehen bei den großen europäischen Pestwellen ebenso wie in der Weltwirtschaftskrise nach 1929 (
Kap. 2). Die Narrative, die diesen Mythos in ihre Struktur einpflegen, müssen keineswegs miteinander kohärent oder in ihrer Zielrichtung einstimmig sein. Antisemitische Elemente in Verschwörungserzählungen finden sich sowohl in religiösen Kontexten als auch in rechts- wie linksextremen Kreisen (Nocun & Lamberty, 2020) (
Kap. 5).
Neben den inhaltlichen Abgrenzungsmerkmalen ergeben sich auch solche, die sich auf die Verhaltenskomponenten beziehen. Dabei wird zwischen der Verschwörungsmentalität bzw. dem Verschwörungsglauben und der Verschwörungsideologie unterschieden. Erstgenannte beziehen sich auf die psychologischen, soziologischen und theologischen Dispositionen der Anhänger:innen. Grundannahme ist hierbei die Persönlichkeitseigenschaft, sich selbst als »erwacht« gegenüber anderen »Schlafschafen« zu bezeichnen. Die positive Überhöhung durch den Glauben an eine Verschwörungserzählung ist zentrales Merkmal, den der bzw. die Gläubige unter Gleichgesinnten empfindet. Sofern eine problematische weltanschauliche Komponente hinzukommt und konkrete Leitbilder sozialer Gruppen und/oder Organisationen totalitär durchgesetzt werden sollen, entwickelt sich aus dem Verschwörungsglauben bzw. der Verschwörungsmentalität eine Verschwörungsideologie. Diese wird meist von Gruppen oder Bewegungen genutzt, um die Ideologie zu verbreiten. Beispielhaft ist hier die Bewegung der Querdenker zu nennen, bei der sich ganz unterschiedliche Akteure (Impfgegner:innen, (Rechts)Esoteriker:innen, Corona-Leugner:innen, Reichsbürger:innen u. a.) zusammenschließen (Zentrum Ökumene, Koch & Blöser, 2021).
Die verschiedenen Begriffsbestimmungen haben wir in eine eigene zusammenfassende Übersicht integriert (
Abb. 2). Die drei übergreifenden Merkmale – 1) Nichts geschieht durch Zufall, 2) Nichts ist, wie es scheint, und 3) Alles ist miteinander verbunden – durchdringen sowohl die Inhalte von Verschwörungsmythen, -erzählungen usw. als auch die Denk- und Verhaltensweisen der jeweils Betroffenen. Grundlegend ist dabei die Annahme, dass das jeweilige Ereignis durch das Wirken geheimer Mächte erklärt wird. Während Verschwörungsmythos eher ein abstraktes, übergeordnetes Narrativ bezeichnet, stellen Verschwörungserzählungen jeweils ganz konkrete Narrative dar (
Kap. 1.3).

Abb. 2: Begriffseinordnung (eigene Darstellung, angelehnt an Barkun, 2006; Butter, 2018; Nocun & Lamberty, 2020)
Das vorliegende Buch fokussiert sowohl auf Verschwörungsmythen als auch deren exemplarische Beispiele konkreter Verschwörungserzählungen. Zugleich geht es – mit Blick auf Jugendliche und Schule – auch um Persönlichkeitsdimensionen wie die der Verschwörungsideologie und um Möglichkeiten, die Resilienz gegenüber Verschwörungsnarrativen zu erhöhen.
1.2 Der »Verschwörungsbaukasten«
Doch wie genau funktioniert eine Verschwörungserzählung? Was sind ihre Bestandteile? Steht dahinter ein Konzept? Die Antwort: Ja. Die Autor:innen Raab et al. (2017) bezeichnen dieses Konzept als »Verschwörungsbaukasten«, mit dem sich Verschwörungserzählungen dekonstruieren lassen, denn: »Eine Verschwörungstheorie besteht aus psychologisch wirksamen narrativen Bausteinen. Wenn wir uns die Einzelteile vor Augen führen, verstehen wir besser, warum Menschen immer wieder auch eher wackeligen Konstruktionen Glauben schenken« (Raab et al., 2017, S. 213).
Nur wenn die einzelnen Bausteine identifiziert werden können, ist auch die Überprüfbarkeit und Argumentation mit Fakten im Rahmen der Prävention und der Umgang mit Verschwörungsgläubigen möglich – sofern diese dafür (noch) zugänglich sind.

Abb. 3: Bestandteile einer Verschwörungserzählung (eigene Darstellung angelehnt an Raab et al., 2017)
Es braucht zunächst ein merkwürdiges Ereignis (Baustein 1). Merkwürdig deshalb, weil es zunächst eine Erklärungslücke im Hinblick auf dieses Ereignis oder Geschehen zu geben scheint. Dies hängt maßgeblich von den zur Verfügung stehenden Informationen, der Art der medialen Berichterstattung über das Ereignis und den persönlichen Kenntnissen, Erfahrungen und dem Grad der persönlichen Betroffenheit ab, ob eine Begebenheit und als wie merkwürdig sie wahrgenommen wird. Oft stehen nur einzelne, mitunter widersprüchliche Informationsversatzstücke zur Verfügung, deren Einordnung unterschiedlich sein kann und deren Leerstellen individuell gefüllt werden.
Baustein 2 ergibt sich aus einer Informationsflut zu dem als merkwürdig wahrgenommenen Ereignis, wobei der Fantasie im Hinblick auf die Entwicklung einer Verschwörungserzählung keine Grenzen gesetzt sind. Oft werden dabei die offiziellen Fakten mit angeblichen Unterstellungen von Wissen und geheimen Machenschaften der offiziellen Stellen (Behörden, Regierungen, Geheimdienste u. a.) gegenübergestellt und somit Zweifel an der Wahrheit der Aussagen gesät. Aus dieser Informationsflut setzt dann automatisch das Bedürfnis ein, diese ordnen zu wollen, um eine plausible Erklärung für das merkwürdige Ereignis zu generieren – ein an sich zunächst überlebenswichtiger und notwendiger Prozess. Aufgrund der individuellen und damit beliebigen Bewertung und Kontextualisierung der Fakten ergibt sich aber auch die große Gefahr der Manipulation. Die Unübersichtlichkeit der Informationen regt verschiedenste Gruppen – vor allem Rechtsextreme – mitunter zur Durchsetzung ihrer Einzelinteressen an, indem sie die Informationsflut um weitere propagandistische Fehlinformationen ergänzen, um die Verunsicherung zu verstärken bzw. im Sinne der Aufmerksamkeitsökonomie für ihre Zwecke zu nutzen.
Jede Verschwörungserzählung weist meist mehrere, sich mitunter auch aus anderen hinzugezogenen Narrativen bedienende Elemente auf (Baustein 3). Teil dieser Narrative für die Begründung der Verschwörung sind angebliche Beweise (Bilder, Zitate, Augenzeugenberichte etc.), die idealerweise auch öffentlich zugänglich sind und somit die (Schein-)Seriosität einer Quelle für sich beanspruchen. Hinzukommen Hinweise der Verschwörungsgläubigen auf die angebliche Intransparenz im Hinblick auf das Handeln öffentlicher Institutionen, Organisationen und Nachrichtendienste, denen selbst das Attribut der heimlichen Verschworenen zugeteilt wird – mit der Kontrastfunktion zur eigenen Verschwörungserzählung. Als Ergänzung wird wiederum die allumspannende Komponente des Mythos hinzugezogen, bei dem meist auf Geheimbünde/-gesellschaften/-organisationen verwiesen wird – häufig mit antisemitischen und rechtsextremen Bezügen.
Wesentliches Element von Verschwörungserzählungen ist Baustein 4, der Wertebezug. Da es nachgewiesenermaßen keine sogenannte Verschwörungspersönlichkeit gibt (
Kap. 3), sondern grundsätzlich jeder Mensch für den Glauben an Verschwörungserzählungen anfällig ist, kommt es vor allem darauf an, inwiefern sich eine Person in ihren Werten bedroht sieht, insbesondere dann, wenn die am merkwürdigen Ereignis beteiligten Gruppen und Akteure entgegen den eigenen Wertvorstellungen handeln. Wichtig ist hierbei in der Analyse deren Werte zu benennen und den eigenen Wertvorstellungen gegenüberzustellen. Dadurch lässt sich beurteilen, wie tiefgreifend die Erschütterung des eigenen Weltbildes ist, denn: »Eine Verschwörungstheorie wird umso erfolgreicher sein, je mehr Menschen sie es erlaubt, die eigenen Werte und Überzeugungen als bedroht anzusehen« (Raab et al., 2017, S. 220).
Kausalität und Absicht (Baustein 5) beschreiben die näheren Umstände, durch die das merkwürdige Ereignis eingetreten ist. In Studien wurde nachgewiesen, dass Menschen eher zum Glauben an eine Verschwörungserzählung tendieren, wenn die Akteure und Gruppen angeblich aus direktem Vorsatz handeln oder gehandelt haben. Ist das Verhalten hingegen eher fahrlässig bzw. wird absichtlich kein Ziel verfolgt, gibt es auch keine konkrete Kausalität und somit eine geringere Tendenz, aus den Ereignissen Verschwörungserzählungen zu entwickeln: »Steht der Vorwurf des Vorsatzes im Raum, dann sind die Leute signifikant dazu geneigt, […] eine Verschwörungsabsicht zu unterstellen, während die Verschwörungsskeptikerinnen und -skeptiker diese Ansicht nun umso stärker ablehnen. Wenn der Vorwurf der fahrlässigen Handlung im Raum steht, passiert hingegen nichts« (Raab et al., 2017, S. 223). Es kommt bei der Manipulation also maßgeblich auf die bewusste Selbstreflexion und den Wertebezug an. Mit Wertebezug ist das generelle Misstrauen, das Unterstellen von »bösen Absichten« gemeint.
Widersprüche (Baustein 6) ergeben sich aus allen anderen Bausteinen und machen Verschwörungserzählungen zu dem, was sie letztlich sind: Geschichten. Widersprüche fungieren im Sinne der Aufmerksamkeitsökonomie als konstituierende Elemente, die die Erzählung spannend machen und intellektuell herausfordern. Grundsätzlich sollten diese offenen Fragen und Plattitüden mittels Fakten falsifizierbar sein (Raab et al., 2017).
1.3 Verschwörungsvielfalt – Kategorisierungsversuch
Das Themenspektrum von Verschwörungsmythen ist ebenso weit wie komplex. Hinzukommt der Umstand, dass viele Verschwörungserzählungen mitunter einen wahren Kern besitzen, an dessen Wahrheitsgehalt der Zweifel des Verschwörungsglaubens andockt. Insofern ist zunächst die Einteilung nach dem Philosophen Jan Skudlarek sinnvoll, der zwischen wahren und falschen Verschwörungen unterscheidet und das Verhältnis hinsichtlich der Wissenschaftlichkeit zwischen Fakt und Fake kontrastiert. Beispielhaft lässt sich dies anhand des Verschwörungsmythos um die Arbeit von Geheimdiensten verdeutlichen:
»Verschwörungserzählungen sind spekulative Geschichten, denen die faktische Basis fehlt. Ein Ratespiel. Und Raten ist nun mal das Gegenteil von Wissen […] Sie werden nicht durch Verschwörungstheoretiker aufgedeckt, sondern durch faktische Recherche, durch wissenschaftliches Arbeiten oder durch Whistleblowing« (Skudlarek, 2021, S. 208).
Hinzukommt, dass Verschwörungsmythen nicht nur von Einzelpersonen oder Gruppierungen jenseits der Öffentlichkeit verbreitet werden, sondern mitunter auch von politischen Machthaber:innen und Staatsregierungen sowohl in der Vergangenheit als auch gegenwärtig immer wieder politisch instrumentalisiert wurden bzw. werden. Wie stark die Verbreitung von Verschwörungserzählungen ist, zeigen inzwischen zahlreiche Studien (
Kap. 4).
Verschwörungsmythen und Verschwörungserzählungen lassen sich kategorisieren und systematisieren, auch wenn die einzelnen Narrative dabei oft vermischt werden und sowohl evolutions- als auch adaptionsfähig sind. Dadurch lassen sich sie sich mitunter mehreren Kategorien zuordnen. Verbindendes Element eines jeden Verschwörungsmythos ist die Wissenschaftsleugnung bzw. Wissenschaftsfeindlichkeit, denn die Anerkennung wissenschaftlicher Fakten und Arbeitsweisen brächte jedes Weltbild einer Verschwörungserzählung zum Einsturz. Folgendes Schaubild unternimmt den Versuch einer Kategorisierung, wobei kein Anspruch auf Vollständigkeit besteht (
Abb. 4):
Ein breites Spektrum und große Überschneidungspunkte lassen sich bei den Kategorien Rechtsextremismus und Antisemitismus erkennen. Diese Kategorien machen einen Großteil der »etablierten« bzw. bekannten Verschwörungserzählungen aus. Der »Klassiker« ist dabei der Mythos einer »Jüdischen Weltverschwörung«, bei dem davon ausgegangen wird, dass einflussreiche jüdische Familien große Bereiche des Weltgeschehens kontrollieren würden. Daraus resultiert u. a. auch die Verschwörungserzählung des »Great Reset« (Neustart des Weltwirtschaftssystems). Als Beleg dafür dienen die nachweislich vom zaristischen Geheimdienst »Ochrona« gefälschten »Protokolle der Weisen von Zion«, die angeblich bestätigen sollen, dass jüdische Großfinanciers die Kontrolle über den Finanz- und Bankensektor übernehmen und sogar verschiedene Nationen gegeneinander ausspielen wollen (Bartoschek, 2017). Obwohl die Fälschung lange bekannt und bewiesen ist, dienten diese Dokumente sowohl zur Zeit der NS-Diktatur als Legitimation für die Judenvernichtung als auch in jüngster Vergangenheit beim Anschlag auf die Synagoge in Halle,

Abb. 4: Kategorisierung von Verschwörungsmythen und Verschwörungserzählungen
dessen Attentäter sich ebenfalls zu antisemitischen Einstellungen wie der Holocaust-Leugnung und den Glauben an judenfeindliche Verschwörungserzählungen bekannte (Pfahl-Traughber, 2020).
Das Feindbild gegen Juden an sich wird oft auch auf ganz bestimmte Personen(-gruppen) projiziert, so beispielsweise auf die jüdische Bankiersfamilie Rothschild, den jüdischen Philanthropen George Soros, die Geheimbünde der Illuminaten und Freimaurer oder den Microsoft-Gründer Bill Gates – wobei letztgenannter kein Jude ist, sondern das Motiv der Finanzmacht in die antisemitische Verschwörungsmotivik integriert wird. Auch zu dem Anschlag auf das World Trade Center am 11. September 2001 in New York – zu dem es eine Vielzahl von Verschwörungserzählungen gibt – existieren Verschwörungserzählungen mit antisemitischen Bezügen. So wird behauptet, dass jüdische Angestellte vor den Anschlägen rechtzeitig gewarnt worden wären und deshalb frei hatten, weshalb es nur wenige jüdische Opfer gab. In der Verbreitung dieser Annahme spielte auch die problematische Berichterstattung der BBC eine tragende Rolle, die anstelle von »Israelis« allgemein von »Juden« sprach und eine viel zu hohe Opferzahl angab (Bartoschek, 2017).
Zum festen Repertoire rechtsextremer Verschwörungsgläubiger, organisiert in Bewegungen (Identitäre Bewegung, Querdenker, QAnon, PEGIDA u. a.) und Parteien (AfD, Der dritte Weg, Die Basis u. a.) oder als Influencer:innen, gehört neben dem Fremdenhass und der Holocaust-Leugnung auch die Leugnung des menschengemachten Klimawandels, die Annahme einer Wahlverschwörung (Wahlen würden absichtlich manipuliert werden) und der Kampfbegriff »Lügenpresse« zur Diskreditierung journalistischer Arbeit der »Mainstream-Medien« als Kontrast zu den eigenen (rechtsextremen) »Alternativen Medien«. Diese Narrative werden in der Argumentationsstrategie Rechtsextremer für die Opferdarstellung und zur Feindbildkonstruktion genutzt. »Die da oben« hätten sich verschworen, würden absichtlich Wahrheiten verschweigen und unverhältnismäßig Freiheitsrechte einschränken. Reichsbürger:innen hingegen erkennen die Bundesrepublik Deutschland nicht als souveränen Staat an. Aus diesem Grund geraten auch sie häufig mit den deutschen Gesetzen in Konflikt, da sie diese nicht anerkennen. Seit 2013 sitzen mit der AfD sogar Verschwörungsideolog:innen im deutschen Bundestag (Weiß, 2017).
Nicht selten bedienen sich die beiden Kategorien Antisemitismus und Rechtsextremismus ähnlichen Grundnarrativen, die dann in verschiedenen Einzelnarrativen thematisch eingegrenzter in Erscheinung treten oder eben in Verbindung mit der jeweils anderen Kategorie gebracht werden. Ähnlich verhält es sich auch mit der Kategorie des Antifeminismus, dessen Narrative sowohl viele Verschwörungsmythen mit rechtsextremen als auch mit antisemitischen Ausprägungen beinhalten. Die frauenfeindliche Haltung von sogenannten Incels, also Männer, die Frauen aus verschwörungsideologischen Gründen unterstellen, sie würden ihnen absichtlich Sex, Liebe und Zuneigung verweigern, findet sich auch im Frauenbild von Rechtsextremisten wieder. Oft wird dort auch der Kampfbegriff einer sogenannten »Genderverschwörung« angeführt (Stegemann & Musyal, 2020).
Die Kategorie Klimakrise beinhaltet ebenfalls Narrative, die sowohl im Rechtsextremismus als auch beim Antifeminismus vorzufinden sind, da sie inhaltlich anschlussfähig sind. Frauen wie Greta Thunberg oder Luisa Neubauer, die die inzwischen zur globalen Protestbewegung aufgestiegene Fridays-for-Future-Bewegung anführen bzw. mitorganisieren, sind aufgrund ihres Geschlechts beliebte Projektionsflächen für eine Vielzahl von Verschwörungserzählungen von Klimawandelleugner:innen und Rechtsextremen geworden, allen voran die AfD. Letztgenannte bezichtigt Politiker:innen anderer Parteien auch gern Teil einer »Umweltlobby« zu sein, die mit der Durchsetzung von Klimaschutzmaßnahmen eine »Öko-Diktatur« errichten und der Bevölkerung ihre Freiheitsrechte rauben wolle (ebd.).
Große Verschwörungsvielfalt findet sich auch im Gesundheitsbereich. Gerade das Thema Impfen war und ist in der Corona-Pandemie hoch aktuell, war es aber auch schon einige Zeit davor, sodass die World Health Organization (WHO) Impfskeptiker:innen, die die Masern-Impfung verweigern, sogar als globale Bedrohung einstufte. Ebenso gefährlich sind auch Verschwörungserzählungen zur Ursache und Heilungsmethoden von Krebserkrankungen und Aids. Dabei wird oft die Pharmaindustrie zur Projektionsfläche für Verschwörungsglauben, der sinistre und ausschließlich profitorientierte Machenschaften unterstellt werden. Sie würde beispielsweise auf Geheiß der Bundesregierung in sogenannten Chemtrails durch Flugzeuge gesundheitsschädigende Substanzen versprühen, um die Bevölkerung zu manipulieren.
An derartige Narrative finden auch die der Esoterik ihre Anknüpfungspunkte. Mittels sogenannter »Orgonit-Säulen«, die als Wolkenauflöser der Chemtrails (Kondensstreifen von Flugzeugen) für viel Geld zu erwerben sind, sei der Schutz vor den versprühten Substanzen gewährleistet. Ähnliche Heilsversprechen geben Verkäufer:innen von heilenden Steinen und Mineralien in der Krebs- und Aidsbekämpfung als »alternative Heilmethoden«. Dass dies keine vereinzelten Hirngespinste sind, beweist der Umstand, dass es hierfür eigens organisierte und gut besuchte Gesundheits- und Esoterikmessen gibt. Gerade der Gesundheits- und Esoterikbereich verdeutlicht nicht zuletzt auch, dass sich mit Verschwörungsglauben viel Geld machen lässt und hinter den verbreiteten Verschwörungserzählungen zwar auch Menschen stehen, die wirklich an das, was sie erzählen und was sie verkaufen, glauben, dabei aber sicherlich auch ein großes ökonomisches Interesse im Vordergrund steht (Nocun & Lamberty, 2020).
Die angeführte Einteilung ist ein Klassifizierungsversuch. Verschwörungserzählungen können nicht isoliert betrachtet werden. Dennoch lässt sich ein thematischer Kern erkennen, der mit bestimmten Motiven operiert und bestimmte Zielgruppen ansprechen will. Viele der Verschwörungserzählungen werden in ihrer dynamischen Verbreitung auch immer wieder umgedeutet und neu interpretiert. Oft ist es sogar so, dass sich zunächst »unschuldige« Erzählungen, beispielsweise aus dem Esoterik-Bereich zu rechtsextremen und/oder antisemitischen Narrativen entwickeln. Jede Verschwörungserzählung ist zunächst als Einzelfall, als konkrete Ausprägung eines Narrativs zu betrachten, deren Einordnung durch das sogenannte »Debunking« (= Enttarnen) mittels des »Verschwörungsbaukastens« (
Kap. 1.2) die Zuordnung zu einem Verschwörungsmythos ermöglichen soll. Je komplexer und abstrakter ein Themenbereich ist, desto naheliegender ist die Erfindung einer Verschwörungserzählung, mittels derer sich die Komplexität vereinfachen und das als merkwürdig empfundene Ereignis erklären lässt. Kenntnisse zur Vielfalt und Klassifizierung sind hilfreich, da sich daraus Ansatzpunkte für die Aufklärung, Intervention und Prävention gegen Verschwörungsdenken ergeben.
Wiederholungsfragen:
◆ Was sind Verschwörungsmythen und wie lassen sich verwandte Begriffe abgrenzen?
◆ Was sind die Bausteine einer Verschwörungserzählung?
◆ Wie lassen sich Verschwörungserzählungen kategorisieren?
2
Hysterie in Historie und Gegenwart – Woher kommen Verschwörungsmythen?
In diesem Kapitel wird die historische Genese von Verschwörungsmythen anhand ausgewählter Beispiele dargestellt. Damit soll verdeutlicht werden, dass Verschwörungsglauben kein neues Phänomen ist. Vielmehr sind die Ausprägungen einzelner Narrative vor dem Hintergrund der medialen Entwicklung adaptions- und evolutionsfähig.
Verschwörungsmythen lassen sich bis in die Antike zurückverfolgen. Die frühesten Überlieferungen beziehen sich meist auf kleinere Religionsgemeinschaften, die sich in Opposition zur Mehrheitsgesellschaft befanden. Gut dokumentierte Beispiele lassen sich unter anderem im Zuge der Christenverfolgung im römischen Kaiserreich beobachten. Das bekannteste Beispiel ist die angebliche Brandschatzung Roms durch Christen (64 n. Chr.), bei der Kaiser Nero der Erzählung nach absichtlich ein Feuer gelegt haben soll, um die Stadt neu aufzubauen und aus dieser Macht heraus das Christentum zu verbieten bzw. Christen zu verfolgen und umbringen zu lassen (Barrett, 2020).
Ein ähnliches Muster zeigt sich bei antisemitischen Verschwörungsmythen bereits im frühen Mittelalter. Der Antisemitismus ist für sich genommen ein Phänomen, dem hier in seiner historischen Bedeutung kaum Rechnung getragen werden kann. Diese Verschwörungsmythen sind die wohl schlimmsten und langlebigsten. Die Bandbreite antisemitischer Verschwörungsmotive, die sich bis heute gehalten haben, ist äußerst divers und taucht in verschiedensten Kontexten immer wieder auf. Häufig stehen sie in direkter Verbindung zu Pogromen und zur systematischen Diskriminierung jüdischer Minderheiten. Dies gilt sowohl für das Motiv des Juden als »Brunnenvergifter«, welches unter anderem in Pest-Narrativen Verwendung fand, welche »die Juden« für Seuchenausbrüche verantwortlich machten, als auch für Verschwörungserzählungen über »Kindsmord« in Bezug auf das jüdische Opferfest (Wetzel, 2012). Die Vorstellung, in jüdischen Gemeinden würden christliche Kinder geopfert, regelmäßig verbunden mit Ritualmord-Motiven und der Vorstellung, dass Kinderblut getrunken würde, findet sich in über die Jahrhunderte permanent wieder – sowohl in der mittelalterlichen Ursprungsvariante, im Zuge verschiedener Pogrome bis in die Neuzeit, in der nationalsozialistischen Hetze gegen Deutsche jüdischen Glaubens als auch in der QAnon-Verschwörung (Amarasingam & Argentino, 2020). In der jeweiligen Variante sind die »Kindsmorde« ein Begleitmotiv, welches die sinistren, in vielen Fällen im Wortsinn teuflischen Bestrebungen der angeblichen Verschwörergruppe deutlich machen sollen. In Verbindung steht dies in der Regel mit einem Hauptmotiv, etwa dem Betreiben »dunkler Magie«, um Ernteausfälle zu erzeugen und die Position jüdischer Händler zu verbessern (Rohrbacher & Schmidt, 1991).
Eine wichtige Phase in der Verbreitung und vor allem politischen Bedeutung von Verschwörungserzählungen waren die Amerikanische und unmittelbar folgend die Französische Revolution. Die damit einhergehenden Veränderungen wiesen zwei Ansatzpunkte für diverse Verschwörungserzählungen auf. Zum einen die Veränderungen der politischen Machtstrukturen und der Umbruch der gesellschaftlichen Ideenlandschaft: Die Vorstellung von grundlegenden Freiheiten für die große Mehrheit gegenüber Klerus und Adel stellt das gesamte gesellschaftliche Gefüge in Frage. Hinzu kommt das bereits im vorrevolutionären Umfeld entstandene Klima der geheimen Salons und konspirativen Gesellschaften, das von absolutistischer Zensur und omnipräsenter Geheimpolizei geprägt war. Sowohl die moderne Variante der Freimaurer als auch die der Illuminatenorden sind in akademischen Kreisen meist aufklärerischer und revolutionärer Bürgerhäuser entstanden (Cubitt, 2006). Insbesondere von konservativer Seite wurde revolutionären Umtrieben ein konspiratives Wirken zugeschrieben, was von der Angst zeugt, die die oberen Schichten erfasst hatte. Die Geheimgesellschaften, die sich großer Beliebtheit in bürgerlichen Kreisen erfreuten, wurden zu Fixpunkten einer Vielzahl von Verschwörungserzählungen (Cubitt, 2006).
Im 19. Jahrhundert formten sich derartige Verbindungen neu oder reformierten sich nach historischen oder fiktiven Vorbildern. Ihre inhaltliche Ausrichtung reichte von pseudoantikem Obskurismus (Mischung früher wissenschaftlicher Erkenntnisse über Phänomene wie Elektrizität, Magnetismus, Biologie mit Astrologie, okkulten Geheimlehren, Formen des Spiritismus) bis hin zu konkreten politischen und religiösen Ideologien. Nach heutigem Wissensstand hatte keine dieser Organisationen einen maßgeblichen Einfluss auf politische Ereignisse und Revolutionen. Natürlich gab es zahlreiche wichtige Persönlichkeiten wie etwa George Washington, die Mitglieder in solchen Organisationen waren (in seinem Fall die der Freimaurer) und deren Handlungen Auswirkungen auf das historische Geschehen hatten. Jedoch gab und gibt es bis heute keinerlei Hinweise darauf, dass ihre Handlungen maßgeblich von diesen Organisationen beeinflusst worden wären. Dennoch erwies sich diese Zeit als prägend für viele bis heute fortgesetzte Verschwörungsmythen, z. B. auf das vermutete Wirken der Illuminaten und Freimaurer, die in diesen Narrativen zu Epochen übergreifenden Mächten verklärt wurden (Frenschkowski, 2007).
Verschwörungsmythen sind historisch gesehen keine bloßen skurrilen Beiprodukte historischer Umbrüche, sondern wesentlicher Bestandteil politischer Diskurse und Ideologien. Im Zuge des im Europa des 20. Jahrhunderts erstarkenden militanten Nationalismus finden sich viele aus Verschwörungsmythen abgeleitete Narrative über das Untergraben nationaler Größen durch eine Gruppe von Verschwörer:innen (Juden, Bolschewisten/Kommunisten/Marxisten, Sozialdemokraten). Gerade in der deutschen Geschichte haben sich Verschwörungsmythen als im negativsten Sinne treibende Kräfte und zentrale Bestandteile, insbesondere der nationalsozialistischen Ideologie, erwiesen (Wippermann, 2007).
Eine der wirkmächtigsten Verschwörungserzählungen ist die der sogenannten »Dolchstoßlegende«: Die Vorstellung, die Niederlage Deutschlands im Ersten Weltkrieg und die anschließende wirtschaftliche Katastrophe wären nicht auf politisches und militärisches Versagen und eine Mischung aus nationalistischem Größenwahn bei gleichzeitiger Inkompetenz zurückzuführen, sondern auf das Untergraben der Kriegsbemühungen durch »die Juden« und »die Sozialdemokraten«. Eben jener Verschwörungsmythos einer »Jüdischen Weltverschwörung«, der mit dem Aufkommen der kommunistischen Bewegung und der bolschewistischen Oktoberrevolution mit dem »Gespenst des Kommunismus« vermengt wurde, stellte im NS-Regime die Rechtfertigungsschablone für den Holocaust dar (Neitzel, 2008).
Keine der zu diesem Zeitpunkt präsenten Verschwörungserzählungen war im eigentlichen Sinne neu, sondern es waren Iterationen bekannter Motive in Adaption zu neuen politischen Entwicklungen. Diese Entwicklungen brachen nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges keinesfalls ab. Im Klima des Kalten Krieges entsponnen sich Verschwörungserzählungen sowohl in den USA als auch in der Sowjetunion bezüglich der Unterwanderung durch Verschwörergruppen (Hecht, 2003). Die konkrete Ausrichtung der Narrative ist stets vom kulturellen Hintergrund abhängig, in dem sie erstmals aufkommen. In den 1980er-Jahren breitete sich z. B. in den USA die sogenannte »Satanic Panic« aus. Der Begriff ist ein Sammelterm für verschiedene Narrative, die satanistische Geheimbünde sowohl hinter einer Reihe angeblicher (Kinds-)Ritualmorde als auch diverser progressiver politischer Entwicklungen sahen und die im Widerspruch zu den extrem konservativen Ansichten einer durch evangelikale Moralvorstellungen geprägten Gesellschaft standen (Frankfurter, 2003).
Verschwörungsmythen sind ambivalenter Natur: Zum einen gibt es Konstanten, wie etwa die antisemitischen Motive von »Kindsmorden«, »Jüdischen Eliten« und ähnliche Sprachbilder, die sich in verschiedenen Epochen wiederfinden lassen. Zum anderen sind diese Konstanten jedoch kulturell und politisch adaptionsfähig. Besonders deutlich wird dies am erwähnten Beispiel der »Jüdisch-bolschewistischen Verschwörung«. Hierbei wurde das ältere Narrativ des »Jüdischen Großkapitalisten/Arztes/Intellektuellen« bzw. der »Jüdischen Elite« mit dem Aufkommen des antikapitalistischen Kommunismus verbunden. Selbst innerhalb der Logik dieser Narrative ergibt eine konspirative Erzeugung einer antikapitalistischen Bewegung durch eine angebliche kapitalistische Elite keinen Sinn. Dennoch konnten auf diese Weise alte Feindbilder um neue Komponenten erweitert werden. Verschwörungsmythen sind also – jenseits der Grenzen jeder internen Logik oder Kontinuität – gesellschaftlich evolutionsfähig (Neitzel, 2008). Dessen ungeachtet sind Verschwörungsmythen immer auch historische Konstanten. Die Zahl der an sie angelehnten Narrative variiert jedoch stark. Je mehr Veränderungen und Umbrüche eine Gesellschaft erfährt, desto verbreiteter sind Verschwörungserzählungen. Revolutionen, (Bürger-)Kriege, Wirtschaftskrisen, Seuchenausbrüche und ähnliche Ereignisse werden häufig zu inhaltlichen Fixpunkten für das (erneute) Auftreten von Verschwörungserzählungen (van Prooijen & Douglas, 2017).
Auch im 21. Jahrhundert bedienen sich viele neue Narrative alter Motive und viele Verschwörungserzählungen haben sich inzwischen gewissermaßen als »Klassiker« etabliert. Eine Übersicht hierzu befindet sich im Anhang dieses Buches.
Eine wesentliche Rolle bei der Verbreitung von Verschwörungsmythen spielen die zur Verfügung stehenden Medien, welche als Verbreitungsvektoren die mögliche Reichweite von Verschwörungserzählungen maßgeblich beeinflussen. Erfindungen wie der Buchdruck, das Radio oder das Internet zogen enorme mediale Reichweitenvergrößerungen nach sich, die die Verbreitung von Informationen und Narrativen massiv beschleunigten. Zudem standen und stehen sie meist in Verbindung mit einem Monopolbruch, also der Aushebelung einer vorhandenen medialen Verbreitungsstruktur mit klar definierten Einflussgebern. Je zugänglicher ein Medium ist, desto einfacher ist auch die Verbreitung und umso mehr narrative »Mutationsmöglichkeiten« bestehen (Craft et al., 2017). Gerade mit dem Beginn des digitalen Zeitalters haben sich die Möglichkeiten der Verbreitung von Verschwörungserzählungen um ein Vielfaches erhöht. Der nachfolgende Zeitstrahl setzt Beispiele von Verschwörungserzählungen in direkten Kontext mit der jeweiligen Medienentwicklung (
Abb. 5).
Verschwörungserzählungen in der Corona-Pandemie
In Krisenzeiten haben Verschwörungserzählungen Konjunktur. Sowohl die Gegenwart als auch die Zukunft sind ungewiss, und alles sehnt sich nach Rückkehr in die »Normalität« – oder das, was als solche empfunden wird. Ein wichtiger Aspekt im Umgang mit einer solchen Krisensituation ist die sogenannte Ambiguitätstoleranz, also die Fähigkeit, Ungewissheit und Widersprüche auszuhalten. Für Menschen, die über diese nicht oder nur schwach verfügen, ist eine Krise wie die Corona-Pandemie besonders schwer zu bewältigen. Auch persönliche Faktoren wie die eigene berufliche Situation oder das eigene Selbstwertgefühl spielen dabei eine Rolle. Diese Verunsicherung, Angst und Überforderung mit Komplexität kann dann zur Lösungssuche in Verschwörungserzählungen führen (
Kap. 3). Der Gut/Böse-Dualismus bzw. das Freund/Feind-Schema bieten hier eine einfache Lösung an. So überrascht es nicht, dass mit dem Auftreten eines noch unbekannten Virus auch viele Spekulationen sowohl über das Virus selbst als auch seine Herkunft auftraten. Diese gingen in den sozialen Medien viral, mobilisierten zu Demonstrationen (»Querdenker«) und riefen sogar

Abb. 5: Zeitstrahl (eigene Darstellung, angelehnt an Mohr et al., 2015)
zu Gewalt gegen Sachgegenstände (5G-Funkmasten, Impfstofftransporte), Institutionen (Krankenhäuser, Impfzentren) und Personen (Politiker:innen, Wissenschaftler:innen; Journalist:innen, Ärzt:innen, Pflegepersonal) auf. Dies zeigt die Gefahr, die von Verschwörungserzählungen ausgeht, da sie als Legitimationsgrundlage für Gewalt dienen (Amadeu Antonio Stiftung, 2020). Über diese Ereignisse berichteten sowohl etablierte als auch »Alternative Medien« – letztgenannte glorifizierten die Berichterstattung als Erfolg.
Im Folgenden werden die am häufigsten verbreiteten Verschwörungserzählungen zum Corona-Virus dargestellt und hinsichtlich der Faktenlage erläutert (
Tab. 1):
Tab. 1: Verschwörungserzählungen in der Corona-Pandemie (Amadeu Antonio Stiftung, 2020)




VerschwörungserzählungFakten
Auch diese Übersicht verdeutlicht, dass alte wie neue Verschwörungsmythen in die daraus generierten Erzählungen eingebaut oder auf alte Ideologien projiziert werden. Weiterhin wird die Adaptions- und Evolutionsfähigkeit von Verschwörungserzählungen erkennbar: Religiös-extremistische Motive sowie der »Klassiker« der (jüdischen) Weltverschwörung werden bedient, wobei das Merkmal der Wissenschaftsleugnung und -feindschaft dem (Verschwörungs-)Glauben diametral gegenübersteht. Somit wirkt die Corona-Pandemie einmal mehr als Projektionsfläche, Katalysator und Brennglas für gesellschaftliche Tendenzen, die nun verstärkt und beschleunigt in Erscheinung treten und buchstäblich viral gehen.
Wiederholungsfragen:
◆ Seit wann gibt es Verschwörungsmythen?
◆ Wie haben sich Verschwörungsmythen entwickelt?
◆ Welche Verschwörungserzählungen sind in der Corona-Pandemie populär?
3
Paranoide Menschen oder kranke Gesellschaft? Ursachen für Verschwörungsgläubigkeit
In diesem Kapitel werden zentrale wissenschaftliche Erklärungsansätze für die Anfälligkeit gegenüber Verschwörungserzählungen vorgestellt und gefragt, was sich daraus für den Umgang mit diesen Erzählungen mit Blick auf Kinder und Jugendliche ableiten lässt.
Wenn Strategien gegen Verschwörungsmythen erfolgreich sein sollen, müssen sie bei den Ursachen der Anfälligkeit für solche Angebote ansetzen. Gefragt sind eine möglichst ursachenbezogene Intervention und Prävention. Deshalb sollen im Folgenden einige ausgewählte Erklärungsansätze für die Anfälligkeit für Verschwörungsideologien vorgestellt und entsprechende Konsequenzen für die Prävention abgeleitet werden. Die Erklärungsansätze lassen sich verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen zuordnen, z. B. Psychologie, Politikwissenschaft, Soziologie oder Erziehungswissenschaften. Da die Anfälligkeit für Verschwörungsglauben multikausal bedingt ist, kann jeder Erklärungsansatz aus seiner Perspektive das Phänomen ein Stück weit erklären. In der aktuellen Debatte überwiegen vor allem psychologische Erklärungsansätze.
Der bedürfnisorientierte Ansatz (Psychologie)
Anfangs ging man in der psychologischen Forschung davon aus, dass Verschwörungsgläubige kognitive Defizite und eine geringere Intelligenz aufweisen würden. Dies ließ sich in empirischen Studien jedoch nicht klar nachweisen (Lamberty & Rees, 2019). Dennoch werden in der Öffentlichkeit Verschwörungsgläubige mitunter schnell als »paranoid« oder »unzurechnungsfähig« dargestellt. Sicher ist es leicht, Menschen mit entsprechenden Ansichten als »Irre« oder »Verrückte« zu deklarieren und sie als nicht diskursfähig zu ignorieren. Dies wäre jedoch fahrlässig: Zum einen gibt es keine Belege, dass Anhänger:innen von Verschwörungserzählungen in signifikantem Maße psychische Erkrankungen aufweisen (Bartoschek, 2017). Zum anderen wird so der Umgang mit dem Phänomen in den psychotherapeutischen Bereich verschoben und andere Möglichkeiten des Umgangs werden ausgeblendet. Dem bekannten Psychiater Manfred Spitzer ist deshalb zuzustimmen, dass der Verschwörungsglaube wohl zum ganz normalen »Arsenal menschlicher Weltverhältnisse« gehört, auch wenn die psychologischen Mechanismen denen des Wahns strukturell verwandt seien (Spitzer, 2015).
Als Konsens in der Psychologie gilt, dass der Glaube an Verschwörungsmythen grundlegende menschliche Bedürfnisse befriedigen soll, die wiederum untereinander im Zusammenhang stehen (Lamberty, 2020; Nocun & Lamberty, 2020). Diese werden im Folgenden näher ausdifferenziert.
Existentielle Bedürfnisse: das Streben nach Kontrolle und Sicherheit
Verschwörungsglaube kann eine Strategie sein, um bei privaten Problemen oder gesellschaftlichen Krisen eigene Ohnmachtsgefühle zu überwinden und die Kontrolle über sich und seine Umwelt (wieder) zu erlangen. Menschen in unsicherer Lage oder nach erfahrenen kritischen Lebensereignissen sind empfänglicher für Verschwörungsdenken und Schuldzuschreibungen. Der Glaube an eine Verschwörung kann somit persönlich sinnstiftend sein und helfen, die eigene, mitunter prekäre Situation leichter zu ertragen. Verschwörungserzählungen bieten demnach eine Erklärung für das Gefühl von Kontrollverlust und Fremdbestimmung in unsicheren Zeiten. Anstatt Zufall oder persönliches Versagen für negative Entwicklungen im eigenen Lebensumfeld verantwortlich zu machen, schaffen sie mit der Gruppe der Verschwörer:innen eine Projektionsfläche, mit der alle negativen Erfahrungen an einen fixen externen Punkt geknüpft werden können. Verschwörungsmythen können auf diese Weise auf individueller Ebene ein Gefühl von Kontrolle und Sicherheit vermitteln (Nocun & Lamberty, 2020).
Soziale Bedürfnisse: das Streben nach einer positiven Selbstwahrnehmung
Neben der Erlangung von Kontrolle kann der Verschwörungsglaube auch helfen, das eigene Selbstwertgefühl zu erhöhen. Das geschieht dadurch, dass man sich im Besitz der »Wahrheit« glaubt und damit den »Unwissenden« (»Schlafschafe«) überlegen sei. Menschen, die ein sehr starkes Bedürfnis nach Einzigartigkeit haben, sind für den Glauben an Verschwörungsmythen anfälliger. So entwickelt sich ein Selbstverständnis, zu den (Vor-)Kämpfer:innen für das »Gute«, für eine bessere Welt und gegen das »Böse« zu gehören. Indem das »Böse« oder der »Schuldige« entlarvt wird, glauben Verschwörungsideolog:innen, die vermeintliche Gefahr abwenden zu können. Dieser Glaube vermittelt ein besseres Selbstwertgefühl. Trotz der Selbstvergewisserung durch Verschwörungsmythen sind deren Auswirkungen auf individuelle Personen nicht gerade positiv. Die Realitätskonstruktion in einem von Verschwörungserzählungen geprägten Weltbild ist durch Antagonismen und ständige diffuse Bedrohung geprägt. Die Folge kann ein negatives, paranoides Lebensgefühl sein (Imhoff & Lamberty, 2018).
Epistemische Bedürfnisse: das Streben nach Verstehen und Komplexitätsreduktion
Der Verschwörungsglaube kann Menschen helfen, sich in einer komplexen Welt leichter zu orientieren und diese für sich zu ordnen. So vermuten Verschwörungsgläubige eher, dass hinter besonderen Ereignissen, wie dem Tod prominenter Personen oder einer plötzlichen Pandemie, eine geheime Verschwörung stecken muss. Gerade gesellschaftliche Krisen, die mit Stress und Verunsicherung verbunden sind, führen zu einem erhöhten Orientierungsbedarf. Da ist es verständlich, wenn nach einfachen Erklärungen gesucht wird. Verschwörungsmythen bieten genau jene einfachen Erklärungen. Sie reduzieren komplexe Geschehnisse wie Seuchenausbrüche auf ein einziges monokausales Erklärungsmodell. Dabei fügen sich alle Geschehnisse in ein binäres Weltbild aus bösen Verschwörer:innen einerseits, denen beliebige Eigenschaften und Absichten zugeschrieben werden können, und der Gruppe der Manipulierten bzw. den Opfern der Verschwörung andererseits. Mit der Agenda der Verschwörungsgläubigen erscheint auch die künftige Entwicklung nicht mehr nebulös, sondern stets im Kontext der angeblichen Interessen dieser konspirativen Gruppe. In einem solchen Weltbild gibt es kaum Raum für Ambivalenzen oder Graustufen. Die Gruppe der Manipulierten/Verschwörungsopfer wird noch differenziert: »Wissende/Widerständler:innen«, »Nichtwissende/Schläfer:innen/Schlafschafe« (van Prooijen, 2016). Verschwörungsmythen sind nach Samuel Salzborn – angelehnt an religiöse Mythen – glaubensbasiert und funktionieren als geschlossenes Weltbild. Durch diese emotionale Basierung entsteht eine Immunisierung gegen Argumentationsmuster, die mit bloßer Faktendarstellung das Narrativ zu widerlegen versuchen. Jedes Element der Umwelt wird vielmehr in die eigene Erzählung eingebaut und zweckdienlich umgedeutet. Konträre Informationen werden dann als Taktik der Verschwörungsgläubigen erklärt (Salzborn, 2019).
Aus dem bedürfnisorientierten Ansatz leitet sich für die Prävention ab, die hinter der Verschwörungsanfälligkeit liegenden Bedürfnisse zu erkennen und ernst zu nehmen. Das heißt auch, alternative Angebote, insbesondere für jüngere (aber auch ältere) Menschen, zu entwickeln bzw. auszubauen. Hier sind Schule und Jugendhilfe, aber auch die Familienbildung, gefragt.
Frank Winter: Vorbewusste Abwehr psychischer Konflikte (Psychoanalyse)
Die Psychoanalyse ist einerseits eine psychotherapeutische Behandlungsform für Kinder, Jugendliche und Erwachsene und gleichzeitig seit ihrem etwa 125-jährigen Bestehen Entwicklungs- und Gesellschafts- bzw. Kulturtheorie. August Aichhorn (1925) und Siegfried Bernfeld haben vor etwa 100 Jahren eine sehr eigenständige Tradition psychoanalytischer Sozialarbeit begonnen und theoretisch fundiert, die in vielen deutschen, österreichischen und Schweizer Vereinen Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe betreibt, die sich besonders problematischer junger Menschen annehmen (Verein für Psychoanalytische Sozialarbeit, Aichhorn et al., 2017). In der universitären Lehre führt die Psychoanalyse ein Nischendasein, weil ihre Theorie sehr komplex ist. Einige vereinfachende psychoanalytische Überlegungen sollen hier aufgeführt werden.
Die Psychoanalyse versteht Verschwörungsmythen als Identität stiftende Erzählungen. Klinisch zeigt sie, dass unsichere Menschen eine Autorität bewundern wollen, der sie folgen, sich beugen, von ihr beherrscht, ja sogar misshandelt oder verführt werden könnten – je nach der inneren Objektwelt des Individuums, also abhängig von dem, was dem Individuum in seiner (frühen) Lebensgeschichte an misslungenen Beziehungen und Bindungen widerfahren ist.
Verschwörungsmythen dienen ähnlich wie Träume der vorbewussten Abwehr psychischer Konflikte: Ödipus scheitert zwar darin, seinem Schicksal zu entgehen, zugleich gelingt ihm jedoch die Erfüllung geheimster Wünsche.
Der englische Kinderarzt und Psychoanalytiker Donald W. Winnicott (1896–1971) und seine Kollegin Margaret Mahler haben die besondere Bindung zwischen Mutter und Kind erforscht. Winnicott deutet von daher Verschwörungsmythen als Zwischenbereiche des Erlebens, die Menschen von der anstrengenden Aufgabe entlasten, die ihre innere und die äußere Realität miteinander in Einklang zu bringen. Insbesondere junge Menschen reaktivieren in der Pubertät unverarbeitete frühkindliche Konflikte in neuen Objektbeziehungen mit der Hoffnung auf innerpsychische Heilung, also auf Integration (Winnicott, 1983).
Je gravierender Konflikte zwischen innerer und äußerer Realität sind, je hilfloser und ohnmächtiger sich Menschen in Verlust- oder Deprivationserlebnissen gefühlt haben, desto unstillbarer und heftiger sind die Wiederholung dieser Konflikte und die damit verbundenen Affekte. Mit diesen Affekten werden Pädagog:innen konfrontiert und infiziert: Verschwörungsmythen eignen sich genau wie eruptive Gewalt, um Erwachsene mit Insuffizienzgefühlen unbewusst anzustecken. Die Abwehr durch Verschwörungserzählungen verlagert den »Terror im eigenen Innern« aus der inneren in die äußere Realität. Winnicott sah in der »antisozialen Tendenz« daher ein »Zeichen von Hoffnung«, eine unbewusste Suche nach Halt (Winnicott, 1988).
So sind antisoziale/traumatisierte junge Menschen keineswegs immer dankbar für Hilfe und Therapie, sondern bringen Helfer:innen unbewusst aktiv in aussichtslose, ohnmächtig und perspektivlos machende Situationen. Manchmal erscheinen junge Menschen weder beziehungs- noch gruppenfähig, verweigern und attackieren Angebote, bis sie aus allen sozialen Zusammenhängen herauszufallen drohen oder daraus ausgeschlossen werden (A. Aichhorn, 1974).
Verschwörungserzählungen bieten aktuell besonders praktische Abwehrformen, um Realität und Beziehungen zu vermeiden. Ihnen anzuhängen, ergibt Sinn für Jugendliche, die scheinbar nichts von uns wollen und denen es vordergründig an nichts zu fehlen scheint, die sich der Welt und jedwedem Begehren verweigern. »Die antisoziale Tendenz findet sich […] bei einem normalen Individuum wie bei einem Neurotiker oder Psychotiker« (Winnicott, 1988, S. 233). Sie ist für Pädagog:innen aber immer mit sehr herausforderndem Agieren verbunden, »[…] durch das die Umwelt gezwungen wird, in irgendeiner Weise Stellung zu nehmen. Aufgrund eines unbewussten Drangs zwingt der Patient jemanden, sich um ihn zu kümmern. Der Therapeut hat die Aufgabe, auf diesen unbewussten Drang des Patienten einzugehen, und die Arbeit geht mit Hilfe von Lenkung, Toleranz und Verständnis vor sich. Die antisoziale Tendenz ist ein Hinweis auf Hoffnung« (ebd., S. 233).
Durch ein falsches Selbst wird das wahre Selbst verborgen und geschützt. Das Individuum existiert quasi dadurch, dass es nicht gefunden wird. Ein hoch differenziertes Such- und Versteckspiel, in dem es zugleich ein Vergnügen ist, verborgen zu bleiben, wie ein Desaster, nicht gefunden zu werden. Verschwörungserzählungen bieten hierfür idealen Raum: Entzug, Herausforderung der Erwachsenen und zugleich Schutz durch ein falsches Selbst mit dem hohen Risiko, aus Halt gebenden Beziehungen verloren zu gehen (ebd.).
Der instrumentell-ideologische Ansatz (Politikwissenschaft)
Das duale Weltbild, das durch Verschwörungsmythen vermittelt wird, dient vor allem der Kollektivbildung der Gruppe der Manipulierten bzw. Unterdrückten und dem gemeinsamen Feindbild in Form der Verschwörer:innen. Diese Kollektivbildung ist klar umrissen und ohne Differenzierungsmöglichkeiten. Zwischen den moralisch »bösen Verschwörer:innen« und der Gruppe der moralisch »guten Unterdrückten« kann es keine langfristigen Abstufungen oder Zwischenpositionen geben. Innerhalb der Logik des jeweiligen Narrativs kann eine Person, die »wissend« ist, also von der vermeintlichen Verschwörung weiß, sich nicht passiv verhalten, ohne als Unterstützer:in der Verschwörung zu gelten. Diese Form von künstlich erzeugtem moralischen Druck kann als Werkzeug benutzt werden, um Personen in bestimmte Gruppen zu drängen. Historisch lassen sich viele Beispiele dafür finden. So lässt sich in faschistischen Gruppen diese Logik von »Wer nicht für uns ist, ist gegen uns« beobachten. Besonders offensichtlich zeigt sich dies im Fall der Nazipropaganda im Zuge des Boykotts jüdischer Geschäfte: Wer zur »Volksgemeinschaft« (In-Group) gehören wollte, musste sich gegen »die Juden« (Out-Group, Verschwörer:innen) stellen (van Prooijen, 2016).
Für verschiedene politische Ideologien und deren Anhänger:innen bieten Verschwörungserzählungen bzw. -ideologien zudem ein Werkzeug zur Auflösung kognitiver Dissonanzen. Politische Ideologien beziehen sich dabei auf bestimmte Grundaxiome wie etwa eine ethnische oder religiöse Zugehörigkeit. Viele dieser Ideologien, insbesondere, wenn sie faschistisch und/oder autoritär in ihren Gesellschaftsideen sind, postulieren einen Idealzustand, in dem die In-Group (»Gottes Auserwählte«, »die Herrenrasse« etc.) die dominante (oder einzige) formende Kraft in der Gesellschaft ist. Aus der inneren Logik solcher Narrative heraus stellt sich nun die Frage, warum sich der jeweils postulierte Idealzustand nicht oder noch nicht eingestellt hat. Anders ausgedrückt: Wird eine Gruppe in der jeweiligen Ideologie als der anderen überlegen beschrieben – sei es durch »göttliche Vorhersehung« oder »rassische Überlegenheit« – sollte sie der Logik nach in ihrer Bezugsgesellschaft dominant sein. Auf die Frage, warum die »Herrenrasse« nicht längst ihre angestrebte Gesellschaftsordnung etabliert hat, kann mit dem Verweis auf das Wirken der Verschwörungsideolog:innen geantwortet werden, welches die »natürliche Ordnung« immer wieder untergrabe. Verschwörungserzählungen und -ideologien können somit immer wieder logische Lücken in ideologischen Konstruktionen schließen (Lewandowsky et al., 2013).
Aus politikwissenschaftlichen Ansätzen kann für die Prävention gefolgert werden, dass der politischen Bildung und Demokratieerziehung große Bedeutung zukommen sollte. Geschichts- und demokratisches Bewusstsein (junger) Menschen sind die Eckpfeiler einer Demokratie.
Entsicherte Unübersichtlichkeit und autoritäre Versuchungen (Soziologie)
Krisenzeiten wie die Corona-Pandemie sind Zeiten von verstärkter Unübersichtlichkeit und von Kontrollverlust. Hier setzen soziologische Erklärungsansätze an, wie z. B. Modernisierungs- und Desintegrationstheorien oder Theorien der sozialen Deprivation (Heitmeyer, 2018). Diese Ansätze verbindet die Annahme, dass Überforderungen durch raschen sozialen Wandel und/oder das Gefühl der Benachteiligung und des Ausschlusses zur Abwendung von den etablierten Politiker:innen und letztlich der Demokratie führen können.
Historisch betrachtet traten Verschwörungsmythen vermehrt in Krisen- und Kriegszeiten auf. Der Glaube an Verschwörungsmythen hängt dabei mit großem Misstrauen gegenüber Institutionen und dem sozialen Umfeld sowie einem tiefen Ungerechtigkeitsempfinden zusammen (Goertzel, 1994). Zur Wiedererlangung von Kontrolle und Übersichtlichkeit wird eine verzerrte Darstellung der Wirklichkeit erzeugt. In Zeiten von »Fake News« finden solche Menschen in (rechtsextremen) Medien und Internetforen viele Möglichkeiten, ihre Wut und Unzufriedenheit auszudrücken. Sie greifen ggf. Verschwörungserzählungen auf und verbreiten diese weiter. Wenn viele Menschen Desintegrationserfahrungen machen und Kontrollverlust erleben, kann die Attraktivität autoritärer Versuchungen und damit auch die Abwertung und Ausgrenzung anderer schnell ansteigen (Heitmeyer, 2018). So hat beispielsweise der antisemitische Gewalttäter von Halle (2019) in seinen Mitteilungen »an die Welt« den Holocaust geleugnet und zur Ermordung von Juden aufgerufen. Zugleich zeigt dieses Beispiel, dass es nicht ausreicht, nur auf die Täter:innen zu fokussieren, sondern dass die existierenden Einstellungsvorräte und Legitimationen, die oft aus Verschwörungsmythen herrühren, in den Blick genommen werden sollten.
Das Konzept »Entsicherte Unübersichtlichkeit« basiert auf der mit der Globalisierung einhergehenden »Entsicherung« sozialer Zustände, die bei vielen Menschen zu einer Sehnsucht nach Sicherheit, Kontrolle und Ordnung führen und die von Akteuren des autoritären Nationalradikalismus bedient werden. »Entsicherte Unübersichtlichkeit« meint die Entsicherung gesellschaftlicher und politischer Prozesse infolge von Krisen, die mit den bisherigen Methoden nicht mehr zu bewältigen sind. Dadurch entsteht Unübersichtlichkeit in Form von Anomie und Orientierungslosigkeit, die junge wie ältere Menschen für autoritäre Versuchungen anfällig machen. Verstärkt wird dies durch eine gewisse politische Visionslosigkeit, eine Erschöpfung utopischer Energien, die Räume für regressive politische Angebote öffnet (Heitmeyer et al., 2020).
Als Folgerung für die Prävention lässt sich u. a. ableiten, dass die Schattenseiten von Globalisierung abgefedert und Erfahrungen von Solidarität, Partizipation ermöglicht und politische Bildung sowie Demokratielernen gefördert werden sollten.
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