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Sir Arthur Conan Doyle

Eine sonderbare Anstellung

Saga

Eine sonderbare AnstellungOriginal The Adventure of the Stockbroker´s Clerk

Coverbild/Illustration: Shutterstock

Copyright © 1893, 2020 Arthur Conan Doyle und SAGA Egmont

All rights reserved

ISBN: 9788726693041

1. Ebook-Auflage, 2020

Format: EPUB 3.0

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Kurz nach meiner Verheiratung kaufte ich dem alten Farquhar seine Praxis im Stadtbezirk von Paddington ab. Er war früher ein sehr gesuchter Arzt gewesen, bis sein hohes Alter und das Nervenübel, an dem er litt — eine Art Veitstanz — ihm viele Patienten abwendig machten. Das Publikum urteilt begreiflicherweise nach dem Grundsatz, dass, wer andere kurieren will, selbst gesund sein sollte; es setzt wenig Vertrauen in die Kenntnisse eines Doktors, der für sein eigenes Leiden kein Heilmittel weiss.

So schwanden die Einnahmen meines Vorgängers mit seinen Kräften, und als ich die Praxis übernahm, war deren früherer Ertrag von 1200 Pfund auf etwa 300 jährlich herabgesunken. Im Vertrauen auf meine Jugend und Thatkraft zweifelte ich jedoch nicht, dass das Geschäft in wenig Jahren wieder so blühend sein würde, als es je gewesen.

Während der ersten drei Monate nach Uebernahme der Praxis war ich tüchtig in Anspruch genommen und sah daher wenig von meinem Freunde Holmes; ich hatte zu viel zu thun, um ihn in der Bakerstrasse aufzusuchen, und er ging überhaupt selten irgendwohin, ausser in Berufsgeschäften.

An einem Julimorgen sass ich noch beim Frühstück, in eine medizinische Zeitung vertieft, behaglich im Studierzimmer, als es klingelte und ich zu meiner Ueberraschung gleich darauf die etwas scharfe Stimme meines ehemaligen Gefährten hörte.

„Mein lieber Watson,“ sagte er eintretend, „wie freue ich mich, dich wiederzusehen! Ich hoffe, deine Frau hat sich von allen Aufregungen bei unserem Abenteuer mit dem ,Zeichen der Vier‘ 1 vollkommen erholt.“

„Danke — wir sind beide wohlauf!“ sagte ich, ihm herzlich die Hand schüttelnd.

„Ich hoffe aber auch ferner,“ fuhr er fort und setzte sich in den Schaukelstuhl, „dass du über die Sorgen des ärztlichen Berufes nicht alles Interesse an unseren kleinen Problemen und Schlussfolgerungen verloren hast.“

„Ganz im Gegenteil. Erst gestern abend habe ich meine alten Notizen durchblättert und einige unserer früheren Erlebnisse hinzugefügt.“

„Du hältst aber deine Sammlung doch nicht für abgeschlossen?“

„Durchaus nicht — ich wünsche mir recht bald noch mehr derartige Abenteuer.“

„Vielleicht heute?“

„Jawohl heute, wenn du willst.“

„Auch wenn die Reise bis nach Birmingham geht?“

„Gewiss, wohin es dir beliebt.“

„Und die Praxis?“

„Ich übernehme die Kranken eines Kollegen, so oft er verreist, und er ist immer bereit, mir Gegendienste zu leisten.“

„Das trifft sich ja vortrefflich,“ rief Holmes. Dann lehnte er sich in den Stuhl zurück und sah mich unter seinen halbgeschlossenen Augenlidern scharf an. „Mir scheint, du bist kürzlich unpässlich gewesen? Eine Erkältung im Sommer ist immer etwas angreifend.“

„Ich habe letzte Woche wegen eines riesigen Schnupfens drei Tage das Haus hüten müssen; aber ich meinte doch, jede Spur davon abgeschüttelt zu haben.“

„Jawohl! — Du siehst vortrefflich aus.“

„Nun, woher weisst du es denn?“

„Mein lieber Freund, du kennst doch meine Methoden.“

„Also, mittels einer Schlussfolgerung?“

„Gewiss.“

„Und was brachte sich darauf?“

„Deine Pantoffein.“

Ich blickte auf meine Glanzlederschuhe. „Wie in aller Welt —?“ begann ich; aber Holmes beantwortete meine Frage, ehe sie ausgesprochen war.

„Deine Pantoffeln sind neu,“ sagte er; „die Sohlen, welche du mir eben so freundlich zur Schau stellst, sind aber leicht angesengt. Zuerst meinte ich, sie seien vielleicht nass geworden und beim Trocknen verbrannt; aber in der Mitte klebt noch eine kleine runde Papiermarke mit der Firma des Fabrikanten. Durch die Feuchtigkeit hätte sie sich natürlich abgelöst — also hast du mit ausgestreckten Füssen am Feuer gesessen, was ein vernünftiger Mensch doch nicht einmal in einem so nassen Sommer wie dieser thun würde, wenn er vollständig gesund ist.“

Wie bei allen merkwürdigen Schlüssen meines Freundes schien die Sache auch diesmal die Einfachheit selbst, sobald Holmes sie auseinandersetzte. Er las mir diesen Gedanken vom Gesicht ab und lächelte mit einem Anflug von Bitterkeit. „Ja, ja,“ sagte er, „ich schade mir immer selbst, wenn ich mich auf Erklärungen einlasse. Eine Wirkung, deren Ursache man nicht kennt, macht viel mehr Eindruck. — Du kommst also mit nach Birmingham?“

„Gewiss. Was ist’s für ein Fall?“

„Das sollst du im Bahnzug hören. Mein Klient wartet draussen in der Droschke. Du bist wohl schnell fertig?“

„Im Augenblick.“

Ich schrieb einen Zettel an meinen Kollegen, lief die Treppe hinauf, um meiner Frau die Mitteilung zu machen, und traf mit Holmes an der Hausthür zusammen.

„Dein Nachbar ist auch Doktor?“ fragte er und deutete nach dem Messingchild hin.

„Ja, er übernahm seine Praxis zur selben Zeit wie ich.“

„Eine alte Praxis?“

„Nicht älter als die meinige; beide bestehen, seitdem die Häuser erbaut sind.“

„Da ist dir der bessere Teil zugefallen.“

„Das meine ich auch, aber woher weisst du es?“

„Ich ehe es an den Thürschwellen, alter Junge. Bei dir sind die Stufen erheblich tiefer ausgetreten als bei ihm. — Aber hier, dieser Herr im Wagen ist mein Klient, Herr Hall Pycroft. Erlaube, dass ich dich ihm vorstelle. — Nun vorwärts, Kutscher. Wir haben nun gerade noch Zeit, den Zug zu erreichen.“

Der Herr, dem ich im Wagen gegenüber sass, war ein hochgewachsener junger Mann mit offenem, ehrlichem Gesicht, blühenden Farben und einem krausen, blonden Bärtchen. Sein sorgfältig gebürsteter Hut und der saubere schwarze Anzug, den er trug, verrieten den ehrsamen Londoner Bürger aus der Klasse, welche die strammsten Freiwilligen und besten Turner zu liefern pflegt. Von Natur besass sein rundes, frisches Gesicht den Ausdruck jugendlicher Heiterkeit, doch jetzt liess er die Mundwinkel vor Verzweiflung herabhängen, und das nahm sich wirklich bei ihm ganz komisch aus. Was ihn in seiner Not zu Sherlock Holmes getrieben hatte, erfuhr ich übrigens nicht eher, als bis wir in unserem Coupé erster Klasse die Fahrt nach Birmingham angetreten hatten.

„Jetzt bleiben wir siebzig Minuten ganz ungestört,“ erklärte Holmes, „und ich bitte Sie, Herr Pycroft, meinem Freunde hier Ihre interessanten Erlebnisse, genau wie Sie sie mir mitgeteilt haben, oder womöglich noch ausführlicher, zu wiederholen. Es wird mir von Nutzen sein, die Ereignisse noch einmal der Reihe nach zu hören. Der Fall mag von Bedeutung sein oder nicht, Watson, jedenfalls hat er etwas Ungewöhnliches, Fremdartiges an sich, was dich vermutlich ebenso reizen wird wie mich. — Nun also, wenn’s beliebt, Herr Pycroft! Ich werde Sie nicht mehr unterbrechen.“

Unser junger Gefährte streifte mich mit einem etwas befangenen Seitenblick und begann:

„Das Schlimmste bei der Geschichte ist, dass ich mich so verdammt habe zum Narren machen lassen. Es kann ja natürlich noch alles ausgeglichen werden, und ich sehe auch nicht ein, wie ich’s hätte anders anfangen sollen. Wenn ich aber meine Stelle verliere und nichts als das leere Nachsehen behalte, wird’s mich gehörig wurmen, dass ich ein solcher Dummkopf gewesen bin. — Ich habe kein Erzählertalent, Doktor Watson, aber Sie sollen hören, wie mir’s ergangen ist:

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501,98 ₽
Возрастное ограничение:
0+
Дата выхода на Литрес:
05 мая 2025
Объем:
26 стр. 1 иллюстрация
ISBN:
9788726693041
Издатель:
Правообладатель:
Bookwire
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