Читать книгу: «Der Ruf Allahs»

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1. Auflage 2021
Originalausgabe
Copyright © 2021 Sheema Medien Verlag,
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Tel.: +49 (0)8053 – 7992952, E-Mail: info@sheema.de
https://www.sheema-verlag.de
Copyright © 2021 Rosina-Fawzia Al-Rawi
E-Book ISBN: 978-3-948177-98-0
E-PDF ISBN: 978-3-948177-99-7
ISBN Buch-Ausgabe: 978-3-948177-08-9
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Für
NOUR, KARIM, QAIS

Sure Al–Fātiḥa

„Die Öffnende“
(1) Im Namen Allāhs, des Allerbarmers, des Allbarmherzigen
(2) Alles lobt den Schöpfer der Welten
(3) Der unendlich Gütige, Der immer Barmherzige
(4) Der König des Letzten Gerichtes
(5) Du bist es, Den wir anbeten, und bei Dir suchen wir Zuflucht
(6) Leite uns auf den rechten Weg,
(7) den Weg derer, über denen Deine Gnade waltet; nicht derer, über denen Dein Zorn waltet, noch derer, welche in die Irre gehen.
Inhalt
Die 28 Buchstaben des Arabischen Alphabets
Anmerkungen zur Transliteration
Einleitung – Vorwort
1. RAMADANTAG ṢIYĀM FASTEN
2. RAMADANTAG ṢALĀT GEBET
3. RAMADANTAG TAQWA GOTTESBEWUSSTSEIN
4. RAMADANTAG TAWBA VERGEBUNG
5. RAMADANTAG ṢABR GEDULD
6. RAMADANTAG DU’Ā` BITTGEBETE
7. RAMADANTAG DHIKR ERINNERN
8. RAMADANTAG KARAM GROSSZÜGIGKEIT
9. RAMADANTAG ŠUKR DANKBARKEIT
10. RAMADANTAG ADAB BENEHMEN
11. RAMADANTAG NIYYA INTENTION
12. RAMADANTAG ZAKĀT und ṢADAQA ALMOSEN
13. RAMADANTAG JIHAD KAMPF
14. RAMADANTAG KARĀMA WÜRDE
15. RAMADANTAG AL-HALQ SCHÖPFUNG
16. RAMADANTAG QALB HERZ
17. RAMADANTAG RIḌĀ’ ZUFRIEDENHEIT
18. RAMADANTAG WAQT ZEIT
19. RAMADANTAG MAWT TOD
20. RAMADANTAG SALĀM FRIEDEN
21. RAMADANTAG ’A‘MĀL TATEN
22. RAMADANTAG UMMA GEMEINSCHAFT
23. RAMADANTAG TAĠAYYUR EWIGER WANDEL
24. RAMADANTAG QADAR SCHICKSAL
25. RAMADANTAG DER PROPHET
26. RAMADANTAG LAYLAT AL QADR
27. RAMADANTAG MYSTERIUM KORAN
28. RAMADANTAG TASLIM und ’ILM HINGABE und WISSEN
29. RAMADANTAG TAWAKKUL VERTRAUEN
30. RAMADANTAG AṢ-ṢAMAD DER EWIGE
Nachwort
Anmerkungen
Service
Vita – Zur Autorin
Die 28 Buchstaben des Arabischen Alphabets und deren transliterarische Entsprechung


Anmerkungen zur Transliteration
Die Transliteration folgt den Vorgaben der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft (DMG).
Alle arabischen Namen wurden umgeschrieben außer bestimmten arabischen Begriffen wie Koran (qur`ān), Ramadan (ramaḍān), Dhikr (ḏikr), Dschinn (ğinn), Mashallah (mā šā`a llāh), Alhamdulillah (al-ḥamdu li-llāh), Jihad (ğihād), Shaytan (šayṭān), Hadith (ḥadīṯ), Shahada (šahāda).
Ebenso wurden Eigennamen nicht umgeschrieben, da sie häufig Verwendung finden und daher bekannt sind.
Allah führt uns und sagt uns: „Es mag wohl sein, dass ihr eine Sache hasst, indessen sie gut für euch ist, und es mag wohl sein, dass ihr eine Sache liebt, indessen sie schlecht für euch ist: und Gott weiß, während ihr nicht wisst.“ (2:216)

lā ilāha illā llāh – muḥammadun rasūlu llāh
„Es gibt keine Wirklichkeit außer Gott allein und Muhammad (der Vollkommene) ist der Gesandte Gottes.“
Dieses kleine Buch schöpft einen Tropfen aus dem einen reichen Ozean des Islam ohne Unterscheidung oder Trennung.

Beim Brechen des Fastens sprich:
„Oh Allah, ich habe für Dich gefastet und mit Deiner Versorgung breche ich mein Fasten.“1

allāhumma laka ṣumtu wa-‘alā rizqika ’afṭartu
Nach dem Fastenbrechen sprich:
„Der Durst ging vorüber, die Adern wurden befeuchtet und die Belohnung wurde beständig, so Allah will.“2

ḏahaba aḏh-ḏhama’u wa-btalati l-‘urūq wa-ṯabata l-’ağru in šā’a llāh
Einleitung – Vorwort

Der Prophet
sagte: „Es gibt ein Tor im Paradies namens Ar- Raiyan. Diejenigen, die das Fasten einhalten, werden am Tag der Auferstehung durch dieses Tor eintreten und niemand außer ihnen wird durch es eintreten. Der Ruf wird kommen: ‚Wo sind diejenigen, die gefastet haben?’ Sie werden aufstehen und werden die Einzigen sein, die durch es eintreten können. Nach ihrem Eintritt wird das Tor geschlossen und niemand wird mehr durchgehen.“3
Das Wort Ramadan kommt von der arabischen Wurzel r-m-ḍ, was „durch die Intensität der Sonne erhitzt“ oder „brennen“ bedeutet und uns daran erinnert, dass der Zweck des Monats Ramadan darin besteht, die Schleier zu verbrennen, die uns von der Erfahrung der Allgegenwart Allahs vernebeln.
Allah hat diesen Monat als eine klare, sprudelnde Quelle bestimmt, in der wir unser Leben und unseren Seelenzustand läutern können und uns auf dem Weg Richtung göttliches Licht bewegen.
Dieser Monat ist ein Monat der Reinigung der Seele und der spirituellen Entfaltung. Es ist der Monat der Großzügigkeit und des Teilens.
Ibn ‚Abbas berichtete, dass Allahs Gesandter
der großzügigste in Sachen wohltätige Zwecke war, aber im Monat Ramadan war er
dies bis zum Äußersten. Der Engel Gabriel (Friede sei mit ihm) traf ihn
jedes Jahr im Monat Ramadan, bis er endete, und Allahs Gesandter
rezitierte ihm den Koran, und wenn Gabriel bei ihm
war, war Allahs Gesandter
am großzügigsten im Geben und in der Nächstenliebe wie der wehende Wind (Alles und Alle berührend).4
Der Monat Ramadan ist nicht da, um dich zu belasten oder dir das Leben zu erschweren, er ist ein göttliches Geschenk, das dich inspirieren und verwandeln soll.
In diesem Monat geht es darum, dich vom Gewicht deines Egos zu befreien und dich vom Einfluss des Egos, des Nafs, zu lösen, das dich belastet.
Allah sagt uns: „Das Fasten ist dir vorgeschrieben, wie es denen vor dir vorgeschrieben wurde, damit du gottbewusst bleibst.“ (2:183)
Das Schönste an diesem Monat ist, Allah, dem Allbarmherzigen Ar- Raḥmān, zu dienen und unser Liebesband mit Ihm zu stärken.
Der Gesandte Allahs
sagte: „Zu dir ist Ramadan gekommen, ein gesegneter Monat, den Allah, der Allmächtige und Erhabene, dir zum Fasten geboten hat. Darin werden die Tore der Himmel geöffnet und die Tore der Hölle geschlossen, und jeder Teufel ist gefesselt, und darin hat Allah eine Nacht, die besser als tausend Monate ist, gegeben.“5
Es ist ein Monat der Gnade und Herrlichkeit. In ihm ist jeder Tag der beste Tag und jede Nacht die beste Nacht und jeder Moment der beste Moment.
Die Kostbarkeit des Monats Ramadan liegt vor allem in seinem spirituellen Wert und dem hohen Platz, den dieser Monat bei Allah einnimmt.
„OH, ALLAH, ÖFFNE MEIN HERZ FÜR DICH IN LIEBE UND DANKBARKEIT.“
Das arabische Wort für Fasten ist „ṣiyam“, was vom Wurzelwort s-wm stammt, das „Selbstbeherrschung“ und „Enthaltung“ bedeutet.
Der wertvollste Aspekt beim Fasten ist die Selbsterkenntnis. Wenn wir aufgefordert werden, das Ego zurückzuhalten, offenbaren sich unsere Abhängigkeiten, unsere Schwächen, unsere Unachtsamkeiten und geben uns das Bewusstsein, das wir brauchen, um uns von ihnen zu befreien. Das Ziel des Fastens ist, die niederen Triebe zu verwandeln, um positive Eigenschaften zu erreichen.
Wenn wir also auf die äußeren Ablenkungen wie Handy, Fernsehen, Computerspiele und andere Vergnügungen und Ablenkungen verzichten, auf unsere Worte achten und Unnötiges erst gar nicht aussprechen, wenn wir unsere Handlungen achtsam ausführen, wenn wir unsere Gedanken beobachten, wie wir über uns selbst und unsere Mitmenschen denken und inneren Vorurteilen widerstehen, wenn wir bedachter mit unserer Umwelt und der Natur umgehen und uns aufrichtig in die Gebete begeben und uns in den heiligen Koran vertiefen, wenn wir unser Heim mit den heilenden Klängen des Korans füllen, schaffen wir einen Raum der Selbsterkenntnis, einen Raum, in dem wir Allahs Gnade und Liebe erfahren können.
Der Monat Ramadan ist zugleich eine anstrengende und freudevolle Zeit. Im Verlaufe dieses Monats lösen sich dreißig Mal enthaltsame Spannung und kontaktfreudige Feierlichkeit ab.
Im gleichzeitigen Fasten der ganzen islamischen Welt erfahren wir eine verstärkte geistige Verbundenheit mit der Gemeinde, der Umma. In den Bewegungen von Enthaltsamkeit (untertags), Feierlichkeit (Sonnenuntergangszeit) und Rückzug (die Nächte) erfahren wir uns in allen Prägungen des Lebens.
„OH, ALLAH, LASS MICH DER SEHNSUCHT IN MEINEM HERZEN NACHGEHEN. LASS NICHT DIE SORGEN DIESER WELT MEINE GRÖSSTE SORGE SEIN UND SCHÜTZE MICH VOR DEN ABLENKUNGEN DIESER WELT, SODASS ICH STETS DEINER GEDENKE.“
Im Monat Ramadan können wir in ein Bewusstsein kommen, in dem alle unsere Handlungen ein Akt der Anbetung werden. Unsere Nichtigkeit, unsere Beengtheit zu erleben, öffnet einen Raum in uns, der den Duft der Dankbarkeit verbreitet, öffnet unsere Augen für die Wunder, die uns umgeben.
„Und Gottes ist der Osten und der Westen, wohin immer ihr euch wendet, dort ist Gottes Antlitz.“ (2:115)
In unserer Verlangsamung durch das Fasten verharren wir länger bei einer Sache. „Die Rastlosigkeit und Hetzerei kommt vom Shaytan“, sagt ein arabisches Sprichwort. Sie kommen vom Shaytan, weil sie uns der Schönheit berauben.
Das Nafs liebt die Schnelligkeit und Abwechselung, nur keine Langeweile, nur kein langes Reflektieren, Antworten sollen sofort kommen, Dinge sollen schnell erledigt, Vergnügungen immer abwechslungsreich sein.
Wenn wir durch das Fasten verlangsamt werden, kann die Berührung eines jeden Gegenstandes, jeder Gang zu einem bestimmten Ziel, jeder bewusste Atemzug zu einer Kontemplation in die Schönheit von Allahs Schöpfung werden und einen Dank in unserem Herzen gegenüber dem Schöpfer auslösen, Alhamdulillah!
Der Prophet Muhammad
sagte: „Gott, der Allmächtige, sagt, alle Werke des Menschen sind für ihn, außer dem Fasten, es gehört Mir und Ich werde es belohnen, Ich bin sein Lohn.“6
Diese berührenden Worte des Propheten
zeigen uns so sehr die Liebe Allahs zu uns. Mein Fasten ist das einzige, was ich in Liebe und Hingabe Allah hinhalten kann. Allah anerkennt, dass ich Willensstärke, Verzicht und Überwindung auf mich nehme, um Ihn zu erfreuen.
Fasten in diesem heiligen Monat ist ein Hinhalten all unserer Schwächen. Es ist die Ergebung und Verbundenheit und vollkommene Abhängigkeit von Allah zu erfahren und zu preisen.
„Es war der Monat Ramadan, in dem der Koran von droben erteilt wurde, als Rechtleitung für den Menschen und evidenter Beweis dieser Rechtleitung, und als Maßstab, mit dem das Wahre vom Falschen zu unterscheiden ist, wer immer von euch diesen Monat erlebt, soll in ihm fasten.“ (2:185)
Allah beschreibt diesen Monat als den Monat, in dem der Koran offenbart wurde und zeigt uns damit, dass unser Fasten von der Welt uns hilft, die Führung und Leitung des Korans tiefer zu erfahren. In der Erfahrung unserer Schwäche durch das Fasten, im Erleben unserer Abhängigkeit von allen Gaben Allahs, erfahren wir Seine Liebe, Seine Nähe und Fürsorge für uns. Die Worte des Koran treffen jeden Suchenden genau dort, wo er sich auf seiner spirituellen Reise befindet.
Der Koran bereitet unsere Seele und unseren Geist für die bevorstehende unendliche Reise, die Rückkehr zu Ihm, vor.
Unser geliebter Prophet Muhammad
beschreibt es so: „Dem Fastenden stehen zwei Freuden bevor: Wenn er sein Fasten bricht, ist er voller Freude, und wenn er seinem Herrn (am Tage des Jüngsten Gerichts) begegnet, freut er sich über das von ihm geleistete Fasten!“7
Der Koran ist das Wunder, das uns von Allah durch den Gesandten Allahs
geschenkt wurde. Wir lesen und hören von den Wundern der Propheten, Allahs Friede sei mit ihnen, doch wir sind die einzigen, die das Wunder Koran jetzt in unseren Händen halten und direkt davon trinken können. Welch Ehre und welch Verantwortung.
Mögen deine reinen Hände den Koran halten, mögen deine liebenden Lippen ihn berühren und möge dein ganzes Wesen von dieser Quelle trinken.
Das Fasten hilft uns also bei diesem Prozess, es hilft uns bei der Beherrschung des Selbst. Wenn wir gebeten werden, alles zu verlassen, was uns ablenkt, was uns von außen nährt, sind wir gewissermaßen gezwungen, in uns nach unserer Sehnsucht zu suchen.
Wir beginnen unsere Reise, indem wir uns nach innen wenden, von der Schöpfung fasten und uns dem Schöpfer zuwenden.
Zu Beginn unseres Fastens spüren wir insbesondere Allahs Barmherzigkeit und Hilfe.
Wenn sich unsere Herzen öffnen, erfahren wir Allahs Barmherzigkeit und die Bitte um Vergebung weitet sich in uns aus.
Die Vergebung hilft uns, in den nächsttieferen Bewusstseinszustand einzutreten und alle unsere Sinne von allem zu befreien, was uns Allah nicht näherbringt.
„OH, ALLAH, BRING UNS NÄHER AN DIE BESTE VERSION UNSERER SELBST. ERWEITERE MEINEN GEIST VON ICHBEZOGENHEIT HIN ZUR UMARMUNG DEINER SCHÖPFUNG IN BARMHERZIGKEIT, VERGEBUNG UND WOHLGEFALLEN.“
Die dritte Ebene unseres Fastens ist, darauf zu achten, dass unsere Gedanken nicht vom Ego, vom Nafs, genährt werden.
Es ist das Fasten von Arroganz und Selbstgefälligkeit, so dass wir unsere völlige Abhängigkeit von Ihm erfahren dürfen.
Dies hilft uns, uns von den Feuern zu befreien, denn Feuer entsteht, wenn wir uns widersetzen, wenn wir Angst haben, loszulassen und in die Ergebung, in das tiefe Vertrauen und die Hingabe zu gehen.
„Allah genügt uns, und was für ein vortrefflicher Hüter ist Er!“ (3:173)
Möge Allah uns über den Zustand erheben, den der Geliebte Allahs
besorgt so beschrieb: „Wie gering ist doch die Zahl derer, die wirklich fasten und wie zahlreich sind die (Fastenden), die (nur) hungern.“8
Wenn Demut unsere Nafs berührt und die Mauern des Widerstands erschüttert, überwinden wir die Isolation und sind bereit, in Allahs Reich der Barmherzigkeit und des Friedens einzutreten. Das Erleben unserer Demut und Allahs Liebe öffnet unsere Herzen und macht unsere Herzen großzügiger gegenüber denen, die in Not sind. Allah legt Großzügigkeit, Gelassenheit und Frieden in unsere Herzen. Die Sorgen der Vergangenheit verschwinden und die Angst vor der Zukunft verlässt uns und wir bleiben im Moment, in der Gegenwart Allahs:
„Nun wahrlich, Wir sind es, die den Menschen erschaffen haben, und Wir wissen, was sein innerstes Selbst in ihm flüstert, denn Wir sind ihm näher als seine Halsschlagader.“ (50:16)

Mögen unsere Herzen immer in den Händen Allahs sein, mögen unsere Taten immer ein Ausdruck unserer Liebe sein und mögen unsere Gedanken und Worte die Schönheit enthalten, die Er, subḥanahu wa ta‘āla, gepriesen sei Seine Erhabenheit, in uns gelegt hat.
Dieses Buch soll allen auf dem Weg zu Allah, allen aufrichtig Suchenden, allen aus Liebe Fastenden eine Inspiration und Stütze sein. Möge Allah unser Fasten annehmen, denn wir alle trinken und wenden uns in tiefer Hoffnung und wachsamer Furcht an Seine Ewigseiende Raḥma, Gnade.
„Und haltet fest, alle zusammen, an der Verbundenheit mit Allah und entfernt euch nicht voneinander und gedenkt der Segnungen, die Gott euch erteilt hat.“ (3:103)
1. RAMADANTAG
ṢIYĀM
FASTEN

Unser geliebter Prophet Muhammad
sagte: „Ich schwöre bei Dem, in Dessen Hand das Leben des Muhammad ist, dass der Geruch aus dem Mund eines Fastenden bei Allah besser ist als der von Moschus.“9
Ramadan ist der Monat, in dem uns Allah auffordert, uns weiter spirituell zu vervollkommnen. Indem Allah uns aufruft, auf die Dinge zu verzichten, die normalerweise erlaubt sind, gibt Er uns die Möglichkeit, unseren Willen zu stärken.
Der Monat Ramadan beginnt mit Loslassen, es ist ein Prozess, der uns vom Tun ins Nicht-Tun führt und sich dem friedlichen Fluss der Einkehr, der Selbsterkenntnis hingibt:
„ICH DANKE DIR UND VERTRAUE MICH DIR AN. LASS MICH DEINE FÜHRUNG IM HERZEN ERFAHREN, LASS MICH DEINE BARMHERZIGKEIT IN ALLEM ERKENNEN. STÄRKE MEINEN GLAUBEN UND BEFREIE MICH VON MEINEN ILLUSIONEN DER TRENNUNG UND SELBSTGEFÄLLIGKEIT!“
Es ist nicht leicht für das Ich, das Nafs, auf Gewohnheiten zu verzichten. Das bringt Irritationen hervor, wühlt auf und zeigt uns, wie „unrund“ wir sein können, wenn unsere Bedürfnisse nicht erfüllt werden.
Unsere Anhaftungen an unsere Wünsche und Bedürfnisse versklaven uns oft. Allah ruft uns auf, die Dinge loszulassen, die uns belasten und uns daran hindern, wirklich frei zu sein.
Sie loszulassen, weil Allah dies von uns wünscht, uns zu ergeben und uns dem Loslassen von unseren Gewohnheiten hinzugeben; wenn wir bereit sind, alles fallen zu lassen und taslīm, vertrauensvolle Hingabe, zuzulassen, beginnt ein Freiheitsprozess.
Ramadan ist der Monat des intimen Dialogs mit Allah. Es ist das Aufbrechen der weltlichen Schale, um sich neu zu orientieren. Es ist die Zeit, die Kraft und den Mut aufzubringen, die Vergesslichkeit zu transzendieren und den Sinn unserer Existenz wieder bewusst zu leben.
Es ist, wieder für die unendlichen Segnungen empfänglich zu werden, die Allah uns gegeben hat. Es ist das Heraustreten aus unserem selbstgemachten Gefängnis und das Überschreiten unserer niedrigen, fesselnden menschlichen Eigenschaften.
Die Disziplin und der Verzicht auf weltliche, materielle Nahrung und Genüsse, also Trinken, Essen und Sex, diese wie ein Gewand abzulegen, erlaubt uns, in unserer ganzen Schwäche vor Allah, dem Einen, zu stehen und zu erkennen, dass Allah Aṣ-Ṣamad ist, die Absolutheit, zu der sich alle Geschöpfe in Hilfe wenden.
Wenn Allah uns Grenzen setzt, so dienen sie nicht dazu, unsere Freiheit einzuschränken, sondern um innezuhalten, um aus dem weltlichen Hamsterrad herauszutreten, um die Dinge in unserem Leben zu relativieren.
Es ist die Zeit, unsere Beziehung zu uns selbst, zu unseren Mitmenschen bzw. unserer Umwelt und vor allem unsere Beziehung zu Allah, dem Allbarmherzigen, Ar-Raḥmān, zu überdenken. Dies ist der Grundstein für wahre Ergebung.
Fasten ist nicht nur Verzicht, es ist bewusstes Raum-Machen in uns und in unserem Leben für die Gnade und die Segnungen Allahs.
Wenn wir die niederen Wünsche des Selbst loslassen, entdecken wir, dass der Schlüssel zur Flucht aus unserem selbstgemachten Gefängnis immer in unseren Händen lag.
„ALLAH, FÜLLE MEIN HERZ MIT VERTRAUEN, SCHENKE MIR HINGABE UND FÜHRE MICH ZU DIR.
ÜBUNG FÜR DEN TAG

Nimm dir vor, am Ende jeder Stunde fünf Minuten, wenn du unterwegs bist, leise, zu Hause auch hörbar, seelenvoll „ALLAH“ zu wiederholen.
Es ist hilfreich, alle 55 Minuten das Handy oder den Wecker läuten zu lassen.
Einst sprach ein Lehrer zu seinen Schülern: „Klopft weiter an die Tür Allahs und hört niemals auf, denn in seiner Barmherzigkeit wird Allah schließlich Seine Türe für diejenigen öffnen, die Ihn aufrichtig suchen.“
Die Mystikerin Rabi‘a Al-‘Adawiyya hörte diese Aussage, als sie an der Moschee vorbeiging, und fragte: „War Allahs Tür je geschlossen?“
WUSSTEST DU
Der erste Ādān, wörtlich „Ankündigung“, in der Geschichte des Islam wurde, angeregt durch einen Traum von Abdallah ibn Zaid und vom Propheten
befürwortet, von Bilal al-Habaschi, um 623 kurz nach der Auswanderung (Hiğra) aus der Stadt Mekka gerufen. Nach Ansicht der Schia war es der Engel Gabriel, der mit dem Gebetsruf im Auftrag Allahs zum Propheten
kam. Daraufhin bestimmte der Prophet
Bilal zum ersten Gebetsrufer.
2. RAMADANTAG
ṢALĀT
GEBET

Al-Mughira Ibn Schu‘ba berichtete: „Der Prophet
betete gewöhnlich so lange, bis seine Füße anschwollen – oder dick wurden. Und wenn jemand ihn danach fragte, sagte er zu ihm: ‚Soll ich nicht ein dankbarer Diener Allahs sein?’“10
Eines Tages fragte der Imam Ali: „Welcher Vers im Quran gibt euch am meisten Hoffnung und Zuversicht?“
Einer sprach: „Wahrlich, Allah vergibt nicht das Zuschreiben von Göttlichkeit zu etwas anderem neben Ihm, doch Er vergibt jede geringere Sünde, wem Er will.“ (4:48)
Der Imam Ali sagte: „Dieser Vers ist eine Wohltat, aber er ist es nicht.“
Da sagte ein weiterer: „Doch wer Übel tut oder gegen sich selbst sündigt und danach zu Gott betet, dass Er ihm vergibt, der wird Gott vielvergebend, einen Gnadenspender finden.“ (4:110)
Der Imam Ali sagte: „Dieser ist eine Wohltat, aber er ist es nicht.“
Ein weiterer sprach: „Sag: Oh, ihr Meine Diener, die ihr euch gegen euch selbst vergangen habt! Verzweifelt nicht an Gottes Barmherzigkeit: Sieh, Gott vergibt alle Sünden – denn, wahrlich, Er allein ist vielvergebend, ein Gnadenspender!“ (39:53)
Der Imam Ali sagte: „Dieser ist eine Wohltat, aber er ist es nicht.“
Noch einer meldete sich zu Wort und sprach: „Und die, wenn sie eine schmachvolle Tat begangen haben oder sich an sich selbst versündigt haben, Gottes gedenken und dafür beten, dass ihre Sünden vergeben werden – denn wer außer Gott könnte Sünden vergeben.“ (3:135)
Der Imam Ali sagte wieder: „Dieser ist eine Wohltat, aber er ist es nicht.“
Da schwiegen die Anwesenden. „Wieso schweigt ihr?“, fragte Imam Ali.
„Wir haben nichts mehr hinzuzufügen!“
Da sprach Imam Ali: „Ich hörte meinen geliebten Propheten
sagen: ‚Der Vers im Quran, der am meisten Hoffnung und Zuversicht gibt, sind Allahs Worte: ‚Und verrichte beständig das Gebet am Beginn und am Ende des Tages wie auch während der frühen Wachen der Nacht: denn, wahrlich, gute Taten vertreiben üble Taten.’“ (11:114)
In dieser berührenden Überlieferung erkennt man, wie wesentlich das Gebet, diese tägliche Verbindung und Einbettung für den Menschen ist und wie sie den zentralen Kern unseres Glaubens formt.
Im Gebet widerspiegeln sich alle Stützen des Glaubens. Im Gebet wiederholen wir die Shahada. Im Gebet treten wir aus der Welt der Beschäftigungen, aus dem Streben nach unserem Lebensunterhalt und geben von unserer Zeit, was dem Zakāt entspricht. Im Gebet fasten wir, da wir nichts zu uns nehmen. Im Gebet wenden wir uns der Ka‘ba zu, pilgern im Geiste und Herzen hin und richten unseren Körper dorthin. Im Gebet vereinen wir unseren Glauben, die äußere und innere Ausrichtung.
Das arabische Wort für das rituelle Gebet ist sạla ̄t (türkisch, persisch namaz) und kommt von der Grundwurzel ṣ-l-w, was „Anrufung“, „Erbarmen“, „Verbindung“, „Vereinung“ bedeutet.
Die rituelle Waschung wuḍū’ trägt in sich den Akt der Trennung, der Trennung von der äußeren Welt, während das Gebet, ṣalāt, den Akt der Verbindung in sich trägt. Die Verbindung mit der göttlichen Realität Al-Ḥaqq.
Die rituelle Waschung wuḍū’ ist eine Reinwaschung des Körpers und der Sinne von den äußeren Aktivitäten der Welt, um den Körper und die Sinne bewusst für die Verbindung vorzubereiten.
Imam as-Sadiq sagte: „Die am meisten geliebte Tat bei Allah ist das Gebet, und es ist die letzte Anweisung des Propheten
.“
Wenn Allah im Koran sagt: „Denn Wir sind ihm näher als seine Halsschlagader“ (50:16), so bedeutet es, dass das Gebet nicht da ist, um uns näherzubringen, sondern, um uns zu sensibilisieren, unser Herz zu öffnen und uns zu erinnern, wie nahe wir schon Seiner Präsenz sind.
Das Gebet hebt uns heraus aus den vergänglichen Mühlen des Alltags und erhebt unser Bewusstsein in die Ewigkeit unserer Seele. Das Gebet ist eine Einbettung in die natürlichen Bewegungen des Universums. Wenn wir beten, verbinden wir uns mit den fortwährenden Lobpreisungen aller Geschöpfe und erfahren so die ewigseiende Güte und Barmherzigkeit Allahs.
Bei der ersten Niederwerfung suğūd, wenn wir unser Haupt in Demut auf die Erde legen, erinnern wir uns, dass wir aus Staub entstanden sind, bei der zweiten, dass wir sterben werden und wieder zu Staub werden, und wenn wir unser Haupt erneut heben, werden wir erinnert, dass wir wieder auferstehen werden für ein zukünftiges Leben.
Der tiefe Sinn des Betens ist, sein Ich zur Seite zu geben und das Herz zu öffnen für ein intimes Gespräch mit Allah. Es ist ein bewusstes Eintreten in die Gnade Allahs, ein ausdrückliches Raum-Machen für unsere Seele.
Wenn wir fünfmal am Tag in einen fließenden Bach steigen würden, gäbe es dann noch Schmutz auf unserem Körper? Das Gebet ist wie dieser reinigende Bach, es klärt und reinigt uns von unseren Verfehlungen, unserer Vergesslichkeit und unseren Anhaftungen.
Gott braucht uns nicht, um für Ihn zu beten, unsere Gebete sind ein Haltgeben, ein Bewusstmachen, ein Auftanken, ein Schutz für unsere Seele und eine Wachsamkeit für unser Ich, „denn das Gebet hält zurück von abscheulichen Taten und allem, was der moralische Sinn verwirft.“ (29:45)
Das Gebet erinnert uns immer wieder an das, was wir wirklich sind und wieso wir hier sind. Das Gebet erlöst uns von den Lasten des Lebens, relativiert unsere Einstellung zum Leben und gibt uns Halt in einer sich stets ändernden Welt.
Ist nicht unsere Verbindung zu Allah, unser intimer Dialog mit Allah, der Sinn unserer Existenz? Sind wir nicht aus Liebe auf diese Welt gesandt worden, um wiederum durch Liebe zurückzufinden?
Unser geliebter Prophet Muhammad
sprach: „Allah, erhaben ist seine Lobpreisung, machte meine Herzensfreude im Gebet, das Gebet ist mir so lieb wie dem Hungrigen das Essen und dem Durstigen das Trinken lieb ist. Und der Hungrige wird satt, wenn er isst, und der Durstige wird satt, wenn er trinkt, aber ich werde vom Gebet nie satt.“11
ÜBUNG FÜR DEN TAG
Nimm dir heute vor, bei allem, was auf dich zukommt, bei allem, was dir gesagt wird, bei allem, was du tust: „Alhamdulillah“, „Gepriesen sei Allah“, zu wiederholen, dabei tief einzuatmen und die Worte wie Labsal über deine Gedanken und Gefühle fließen zu lassen. So, als ob du jedes Mal, wenn du „Alhamdulillah“ aussprichst, „ich liebe Dich, Allah“ sagst.
WUSSTEST DU
Wie kostbar und wesentlich das Gebet ist, erkennt man daran, dass ṣalāt die einzige Säule im Islam ist, die dem Propheten
direkt von Allah gegeben wurde ohne die Vermittlung durch den Engel Gabriel. In der lailat al-mi‘rāğ, der Himmelfahrt Muhammads
, holte Allah den Propheten
zu Sich und beauftragte ihm die Gebetspflicht, die der Prophet
dann den Muslimen überbrachte.
3. RAMADANTAG
TAQWA
GOTTESBEWUSSTSEIN

Der Prophet Muhammad
sagte: „Habe taqwa vor Allah, wo immer du auch bist, und lass einer schlechten Tat eine gute Tat folgen, die sie auslöscht, und benimm dich gegenüber den Menschen gut.“12
In den Übersetzungen wird taqwa häufig mit „Furcht“ übersetzt, doch taqwa ist Gottesbewusstsein, ist die Angst, nicht mit Allah verbunden zu sein, und gleichzeitig die Liebe, mit Ihm zu sein.
Es ist ein Schutz, eine Verbundenheit, eine Haltung und innere Führung, die aus dem Gefühl und Wissen kommt: „inna li-llāhi wa-inna ilayhi rāği‘ūn“ (2:156) „Wir gehören Allah und zu Ihm kehren wir zurück.“
Diese tiefe Gewissheit, dass ich Allah gehöre, dass all mein Segen, all meine Erfahrungen, all mein Besitz, alles, was ich bin, von Ihm kommt, öffnet das Herz und erlaubt mir, mich aus der Angst und der Sorge, die im Leben immer wieder aufkommen, zu Vertrauen und Zuversicht und Ergebung hinzuentwickeln.
Wenn das Herz sich immer mehr in die Hände Allahs begibt und seine sakīna, seinen Frieden, in der Gegenwart Gottes erfährt, beginnt das Herzenslicht den Intellekt einzunehmen und sich in den Wahrnehmungen, in den Sinnen auszubreiten.
Aus dieser inneren Haltung wachsen unsere Würde, unsere innere Schönheit und unsere Barmherzigkeit gegenüber uns selbst und anderen. Es hilft, unser von Allah gegebenes Potenzial in seiner Fülle auszuleben und unserer Seele wahre Freiheit zu erleben.
Ittaqi llāh! Beachte Gott auf all deinen Wegen!
Wenn wir tief in unserem Herzen wissen, dass es einen Schöpfer gibt, werden wir unsere Entscheidungen so treffen, dass wir Gottes Schöpfung wohltun und sie wohlwollend behandeln.
Sich stets an allen Orten und zu allen Zeiten bewusst zu sein, dass es Gott gibt, führt uns dazu, dieses Wissen, dieses tiefe Gefühl, in all unsere Entscheidungsfindungen hinzuzuziehen, nicht aus Angst, sondern aus Liebe, aus Ehrerbietung, aus Selbstachtung.
Denn nur, wenn man dem Göttlichen vertraut und eine Dienerin, ein Diener Allahs wird, erfährt die Seele Allahs Schönheit. Dann erfahren wir die angeborene Güte fiṭra, die Allah in unsere Herzen gelegt hat und die zum Erblühen kommt, wenn unsere Ausrichtung auf das Göttliche gerichtet ist.
Der gesegnete Monat Ramadan ist eine besondere Zeit, die uns Allah schenkt, um das Herz von den fortwährenden Wünschen der Welt auf die ewige Liebe Allahs zu richten.
Es ist ein Monat, in dem wir uns neu oder erneut auf Allah ausrichten und dies in unseren Handlungen, Worten und unserem Benehmen Ausdruck findet, denn „die beste aller Vorkehrungen ist Gottesbewusstsein.“ (2:197)
So zeigt sich unser Glaube an Allah in unserem Leben.
„Diejenigen, die Glauben erlangen und rechtschaffene Taten vollbringen, wird der Allbarmherzige mit Liebe versehen.“ (19:96)
Der Monat Ramadan ist ein Monat des Vertrauens und des Mutes. Nur, wenn wir wissen, wenn wir unser Herz Allah hinhalten, erfahren wir, wie sehr Gott uns liebt, und können uns von unserer Angst und Furcht vor der unbekannten Zukunft befreien.
Je mehr wir auf Gottes vollkommene Weisheit vertrauen, desto mehr Harmonie fühlen wir in unserem Leben und desto mehr verkörpern wir diese Überzeugung auf unserem Weg und in unseren Zielen.
Es ist diese Mischung aus Ehrfurcht, Vertrauen, Achtsamkeit und Liebe, die uns erlaubt, in den Zustand des adabs, des würdigen, achtsamen Benehmens einzutreten. Es ist taqwa, die uns hilft, uns in die natürlichen Bewegungen und Gesetzlichkeiten des Universums und des Lebens einzubetten.
Taqwa ist eine innere Haltung, die sich auf unsere Seele bezieht und die eine Schnittstelle zwischen Ergebung und Freiheit formt.
Taqwa hilft uns, verantwortungsbewusste Menschen zu werden, ein bewusster Teil der göttlichen Schöpfung mit Rechten und Pflichten zu sein.
Taqwa macht uns innerlich frei, weil wir uns an einer innerlichen Einstellung orientieren und diese unseren Charakter ausmacht und uns beschreibt.
„Wahrlich, der Edelste von euch in der Sicht Allahs ist der, der sich Seiner am tiefsten bewusst ist.“ (49:13)
Taqwa gibt uns Orientierung und Entscheidungs- und Unterscheidungskraft sowie standhaften Mut. Sie hilft uns, in Barmherzigkeit und Freundlichkeit zu sein, ohne zu verurteilen.
ÜBUNG FÜR DEN TAG
Nimm dir heute vor, dir bei allem, was du berührst, allem, was du siehst, allem, was du trägst, allem, was du einkaufst und zubereitest, bei jeder Begegnung, bei allem, was du hörst und riechst, bewusst zu machen, dass es von Allah kommt und Er der Mālik, der Herrscher und Besitzer von allem ist.
Wiederhole:

lahū l-mulk wa lahū l-ḥamd „Alles auf Erden kommt von Dir, ist Dein Besitz, gepriesen seist Du.“
WUSSTEST DU
Der Begriff taqwa sowie das zugehörige Verb und seine Ableitungen kommen im Koran 285-mal vor und zeigen, wie wesentlich diese Haltung für uns ist.
Aus derselben Grundwurzel w-q-y kommen auch die Bedeutungen „auf der Hut sein“, „Vorsicht“, „schützen“, „bewahren“, „das Ergreifen einer Vorbeugungsmaßnahme“, „Abwehr“.
4. RAMADANTAG
TAWBA
VERGEBUNG

Der Prophet
sagte: „Wenn ein Diener eine Sünde begeht, entsteht auf seinem Herz ein schwarzer Fleck. Falls er von dieser Sünde abweicht und Reue zeigt, verschwindet dieser Fleck wieder. Aber falls er dies nicht tut und sich wieder an die Sünden wendet, vermehren sich die schwarzen Flecken auf seinem Herz und schließlich wird sein ganzes Herz mit diesen schwarzen Flecken belegt.“13
Tawba ist Umkehr, ist Rückkehr zu unserem wahren Sein, es ist Rückkehr zu den spirituell ausgerichteten Teilen in uns, die wir aufgrund unserer Fehler, unserer Vergesslichkeit aus den Augen verloren haben.
At-Tawwāb kommt von der Wurzel t-w-b. Aus ihr kommen auch folgende Worte und Bedeutungen: „bereuen“, „Reue empfinden“, „sich abwenden von“, „zuwenden“, „sich bekehren“, „verzeihen“, „wieder Gott zuwenden“.
Reue ist Reinigung, es bedeutet, sich wieder auf den Heimweg zu begeben, nachdem man sich verloren hat.
Reue ist auch eine innere Verwandlung der Haltung. Es ist, den Ausruf des Egos „Was tut mir Gott an!“ in den Seelenruf „Was tut Gott durch mich!“ zu verwandeln.
Es ist die tiefe Bekenntnis, dass wir ohne Allahs Gnade und Barmherzigkeit unfähig und schwach sind: „denn der Mensch ist schwach erschaffen.“ (4:28) Diese tiefe Erkenntnis öffnet unsere Herzen zu Allah hin und macht uns empfänglich für Seine Barmherzigkeit.
Tawba ist wie reinigendes Wasser, deswegen drückt sie sich in ihrer allerschönsten Form durch die Tränen aus, alle Fehler wegwaschend.
Es gab einen Sufi namens Samad, der sagte: „Obwohl ich meinen Fehler bedauere, fühle ich mich aufgerichtet, weil meine Begrenzungen mir erlaubt haben, die unglaubliche Schönheit Deiner Vergebung zu erfahren.“
Tatsächlich sagen die Sufis, dass die wesentlichsten Eigenschaften der göttlichen Natur Gnade und Barmherzigkeit sind. Gäbe es also keinen Irrtum, keine Fehler oder Sünden, dann hätte das, was am wichtigsten für die Wirklichkeit ist, nämlich Allahs Gnade, Raḥma, keinen Bereich, um sich auszudrücken.
Das Leben wird im Koran als ein Test beschrieben. Es sind immerwährende Prozesse, die uns die Möglichkeit geben, unsere Ich-Beschränkungen zu überwinden, in die Tiefe unseres Seins zu kommen und uns mit der Barmherzigkeit, Weisheit und Liebe Allahs zu verbinden.
Allah bewegt uns stets zwischen Seiner Majestät und Schönheit: „Und wir stellten sie auf die Probe, mit Gutem und mit Bösem, auf dass sie vielleicht zurückkehren.” (7:168)
Wenn wir nur in der materiellen Welt verhaftet bleiben, wenn wir unseren Stimmungen, Vorstellungen, Begierden und unserem Willen die Zügel in die Hand legen, können wir keinen Frieden finden.
Reue ist, Raum zu machen in unseren Herzen für Gottes Willen.
Es ist der Prozess weg vom Selbstmitleid, von der Opferrolle, in die uns unser verletztes Ich immer wieder hineinziehen möchte, hin zu aufrichtiger Verbundenheit mit Allah. Es ist der Weg in tiefes Vertrauen und gleichzeitiger Verantwortung.
„ICH STEHE DA, OH, ALLAH, GERÜSTET MIT ALLEN FÄHIGKEITEN, DIE DU MIR GEGEBEN HAST, UM DICH ZU FINDEN. ÖFFNE MEIN HERZ, SO DASS ICH DEINE FÜHRUNG UND DEINE LIEBE, DIE IMMER AUF MICH WIRKT, ERFAHREN KANN. HILF MIR, DIR ZU DIENEN, UND MICH DES UNGEHORSAMS DIR GEGENÜBER ZU ENTHALTEN. AN NIEMAND ALS AN DICH WENDE ICH MEIN BITTEN.
Es ist menschlich, dass wir Fehler machen, dass wir sündigen, wesentlich ist es, nicht darauf zu bestehen und sie als Überzeugungen zu verkaufen, weder vor uns selbst noch vor anderen.
Der Monat Ramadan ist der Monat des Segens und der Allbarmherzigkeit, der Monat der Vergebung und der Monat der reuevollen Umkehr zu Gott.
So oft wenden wir uns von Allah ab, vergessen in unserer Selbstgefälligkeit und in unserem Umhertreiben den tiefen Grund unserer Existenz, hadern, wenn wir nicht bekommen, was wir uns wünschen und vorstellen.
Wann wird jemandem von Gott vergeben, wenn nicht im gnadenvollen Monat Ramadan? Denn die guten Werke im Monat Ramadan werden angenommen und die schlechten Taten verziehen.
Tawba ist, sich auf den Weg zu machen zu Allah und den Segen zu entdecken, den Er in dich gelegt hat, für dich und die ganze Schöpfung. Finde ihn und verschenke ihn im Namen Allahs.
ÜBUNG FÜR DEN TAG
Der Göttliche Name At-Tawwāb, der die Reue Annehmende, der zur Rückbesinnung Führende, ist ein Göttlicher Name, der dir hilft, zu vergeben. Wenn du fähig bist, zu vergeben, wenn du fähig bist, denen, die dir Leid oder Kränkung zugefügt haben, zu verzeihen oder zumindest teilweise zu verzeihen oder dir selbst zu verzeihen, so spürst du die Qualität dieses Göttlichen Namens in dir.
Erkenne eine begangene Ungerechtigkeit, nimm dir vor, sie nicht noch einmal zu begehen, verwende dein schlechtes Gewissen, um den Vorsatz, diesen Fehler nicht zu wiederholen, zu bekräftigen und suche nach innerer Reinheit, indem du eine Wiedergutmachung anstrebst. Lege es in Gottes Hände.
So kannst du deinen eigenen und den Leichtsinn deiner Mitmenschen verzeihen. Handle im Äußeren so, dass du das, was du bereut hast, nicht vergisst und daher nicht wiederholst, und im Inneren bleib frei von allen Vorwürfen!
Wiederhole, wann immer du dich zu sehr hast ablenken lassen von deinem Hunger, deinem Durst, deinen Wünschen und Vorstellungen: „Ya Tawwāb“.
WUSSTEST DU
Der Prophet Yunus Dhu-n-Nun (Jonas), Friede sei mit ihm, forderte sein Volk auf, Allah alleine anzubeten und Ihm keine Teilhaber zur Seite zu stellen.
Doch sein Volk bezichtigte ihn der Lüge und wollte nicht auf ihn hören. Als er nicht mehr die notwendige Geduld aufbringen konnte, verließ er wütend sein Volk.
Bevor er die Menschen seines Volks verließ, kündigte er ihnen an, dass nach drei Tagen die Strafe Allahs über sie kommen werde. Als sie sich ihrer Haltung bewusst wurden und darüber, dass Seine Strafe kommen würde, füllten sich ihre Herzen mit Reue, tawba. Sie riefen demütig und weinend zu Allah und Allah nahm in Seiner Barmherzigkeit die Strafe von ihnen weg.
Das Volk des Propheten Yunus war das einzige Volk, das zur Gänze in den Glauben eintrat.
Der Gesandte Allahs
sagte: „Keiner macht das Bittgebet, welches Dhu-n-Nun gemacht hat, als er im Bauch des Fisches war, welches war:
Lā ilāha illā anta subḥānaka innī kuntu min aḏh-ḏhālimīn (21:87) wegen irgendeiner Angelegenheit, ohne dass Allah sein Bittgebet erhört.”14
„Es gibt keinen Gott außer Dir! Grenzenlos bist Du in Deinem Ruhm! Wahrlich, ich habe unrecht getan.“
5. RAMADANTAG
ṢABR
GEDULD

Aisha, die Mutter der Gläubigen, berichtete, dass der Prophet
sagte: „Es gibt unter den Menschen solche, die von Allah nicht geliebt werden, und es sind diejenigen, die zank- und streitsüchtig sind.“15
Eine andere Bezeichnung für den Monat Ramadan ist „Monat der Geduld und der Nachsicht“. Geduld ist eine Form des Fastens. Geduld ist ein Zustand der Dunkelheit, des langmütigen Wartens. Ein Gläubiger weiß, dass in dieser erteilten augenscheinlichen Dunkelheit im Inneren ein Licht heranwächst, denn Allah ist der Allgnädige, der Weise.
Der Göttliche Name Aṣ-Ṣabūr ist ein Name, der uns hilft, eine innere Entwicklung zu vollziehen und unsere inneren Werte zu pflegen und zu stärken.
Ṣabr bedeutet Geduld, umfasst aber auch Qualitäten wie Toleranz, Langmut, Versöhnlichkeit, Standhaftigkeit, Selbstbeherrschung, die Fähigkeit, durchzuhalten, zu warten, ohne den instinktiven Wunsch, negativ zu denken oder zu reagieren. Denn ṣabr führt dich zum Wesentlichen, führt dich zu deiner Schönheit und zu Dem, Der die Schönheit erschaff en hat.
„Allah ist Schönheit und liebt die Schönheit“,16 sagt der Prophet Muhammad
.
Nichts verlängert das Leben mehr als Geduld, und Geduld macht schön, denn Geduld ist rein, und daher reinigt sie alle Dinge.
Das stets eilige, ungeduldige Ich erfährt durch Geduld und der Wiederholung des Göttlichen Namens Aṣ-Ṣabūr eine Weite und Weitsicht, eine Stille und Ruhe, die uns erlauben, in die Tiefe unseres Seins zu kommen und den Raum des Vertrauens in Allah, in Seine Güte und Weisheit zu erfahren.
Geduld, ṣabr, hilft, vom Verhaften im Offensichtlichen in die tieferen Ebenen zu kommen, es hilft uns, den Göttlichen Segen, den wir vielleicht im Moment nicht erkennen können, trotzdem darin zu verspüren.
Sagt uns nicht Allah: „Es mag wohl sein, dass ihr eine Sache hasst, indessen sie gut für euch ist, und es mag wohl sein, dass ihr eine Sache liebt, indessen sie schlecht für euch ist. Und Gott weiß, während ihr nicht wisst.“ (2:216)
Geduld weitet auch unser Verständnis, dass das Leben im ständigen Wandel ist, dass nichts gleichbleibt, im Guten wie im Schweren: Die Jahreszeiten kommen und gehen, die Straßenbilder verwandeln sich stets, unsere Gefühle, unsere Zustände und Konstellationen, unser Verständnis und unsere Auffassungen, unsere Beziehungen und Freundschaften.
„Vielleicht stiftet Allah ja Liebe zwischen euch und zwischen denen, die euch (jetzt) feindselig gesinnt sind.“ (60:7)
Dieses Wissen, dass alles, was kommt, auch vergeht, die Erfahrung der Vergänglichkeit, das Erleben der nicht bestehenden Beständigkeit ist für das Ich, das Nafs, nicht leicht. Denn das Ich möchte Stabilität und Sicherheit, Unveränderlichkeit und planende Voraussicht. So glaubt das Ich, sich schützen zu können und sich eine bessere Zukunft zu sichern.
Die Seele aber weiß: „Jeder, der auf ihr (der Erde) weilt, wird bestimmt vergehen.“ (55:26). Aber sie weiß auch: „Aber für immer bleibt die Realität Deines Herrn, des Herren der Majestät und des Ruhms.“ (55:27)
Unser geliebter Prophet
legte uns stets nahe, den ausgeglichenen Mittelweg in unserer inneren Haltung einzunehmen.
In Gott Geduld zu haben, ist Treue. Er schenkt uns Geduld und hilft uns, in Höhen und Tiefen des Lebens, in den tiefen Brunnen der Einsamkeiten und in den Wechselwinden der Zweifel und Ängste, uns stets treu zu bleiben.
„Und jedem, der sich Gottes bewusst ist, gewährt Er (immer) einen Ausweg (aus Unglückseligkeit) und versorgt ihn auf eine Weise jenseits aller Erwartungen. Und jedem, der sein Vertrauen auf Gott setzt, genügt Er (allein). Wahrlich, Gott wird Seine Absicht erfüllen, fürwahr, Gott hat für alles (eine Frist und) Maß bestimmt.“ (65:2-3)
Wenn wir beginnen zu verstehen und zu erfahren, dass Allah immer nur das Bessere für uns will, können wir zuversichtliche, hoffnungsvolle Geduld aufbringen, die uns zur Dankbarkeit führt.
Das Bittere und das Süße, das Schwere und das Leichte, das Trennende und das Einende werden alles Zustände, die ich in Liebe zu Ihm halten kann, wissend um Seine Liebe zu mir.
Die Geduld ist die Frucht der Milde. Je größer die Milde des Herzens, desto größer die Geduld. Gottes Geduld zeigt sich darin, dass Er trotz des ewigen Ungehorsams des Menschen, Er ihm immer wieder Seine Leitung anbietet.
Al-Amin
sagte: „Wer immer sich für die Geduld entscheidet, Allah wird jenen darin unterstützen. Niemand wurde je etwas Besseres und Weitreichenderes gegeben als Geduld.“17
Hilf, geduldig und kreativ-schöpferisch die Energie der Liebe auf diese Erde zu bringen. Dann können wir wiedergutmachen, was durch unseren Materialismus und unsere Gier in Disharmonie gebracht wurde.
„OH, ALLAH, ICH WAR OFT SEHR UNGEDULDIG UND WÜTEND IN MEINEM VERHALTEN, BITTE GIB MIR GEDULD UND HILF MIR, MEINE WUT UM DEINETWILLEN ZU ZÜGELN.“
Wenn wir fasten, müssen wir uns unseren Schwächen, den Stimmen der Versuchung und unserer Sucht nach dieser Welt stellen. Die Ramadan-Askese hilft, die Herrschaft des Egos zu schwächen und so die Willenskraft zu verstärken, aber auch, unser Lebensziel und unseren Seelenweg zu bekräftigen.
Hab Geduld, ṣabr!
„Und sucht Hilfe in standhafter Geduld und im Gebet. Siehe, es ist wahrlich schwer, außer für die Demütigen.“ (2:45)
ÜBUNG FÜR DEN TAG

Yā Ṣabūr
Bleibe heute mit dem Göttlichen Namen Aṣ-Ṣabūr.
Wiederhole immer wieder, wenn du nervös wirst, ungeduldig, wenn du genervt wirst und die Zeit und Dinge nicht so laufen, wie du es möchtest und es dir erwünschst: „Yā Ṣabūr.“
Umhülle dich mit dem Mantel der Schönheit, gewebt aus Geduld und Zuversicht.
Möge dieser Name dich vom Exil des Ichs, des Nafs, in die Heimat deiner Seele führen.
WUSSTEST DU
Ya ṣabr Ayyub!
Oh, (schenke mir) die Geduld Ayyubs!
Im Koran personifiziert der Prophet Ayyub (Hiob), Friede sei mit ihm, die höchste Tugend der Geduld in Widrigkeit. Der Prophet Ayyub lebte mit seiner Frau in Syrien. Er war ein sehr wohlhabender Mann, der gütig und großzügig mit seinen Mitmenschen umging. Auch seine Frau war eine dankbare, gutherzige Frau. Dann begann sein schweres Schicksal. All seine Kinder, seine ganze Familie, bis auf seine Frau, starben, er verlor all seine Besitztümer und erkrankte schwer. Alle Teile seines Körpers wurden befallen bis auf sein Herz und seine Zunge, mit denen er weiterhin Allah pries und geduldig anbetete. Die Menschen zogen sich von ihm zurück, sodass nur mehr seine Ehefrau blieb. Sie diente in verschiedenen Häusern und ernährte so beide. Je mehr ihm Allah Prüfungen und Beschwerden sandte, desto mehr blieb er im Preisen und Danken: „Wahrlich, Wir fanden ihn voller Geduld in Widrigkeit: was für ein vortrefflicher Diener, der sich immer zu Uns zu wenden pflegte.“ (38:44) 18 Jahre lang weilte diese schwere Zeit und seine Frau unterstützte Ayyub und blieb treu an seiner Seite.
Nach all diesem Leid bat Ayyub Allah, ihn von dieser Schwere zu befreien: „Heimsuchung hat mich getroffen, aber Du bist der Barmherzigste der Barmherzigen.“ (21:83)
Allah erhörte sein Bittgebet und sprach: „Schlage mit deinem Fuß (auf den Boden): hier ist kühles Wasser zum Waschen und zum Trinken.“ (38:42)
Ayyub trank davon und wurde von seinen Krankheiten geheilt und Allah schenkte ihm wieder Kinder und Besitz, noch mehr, als er zuvor gehabt hatte.
6. RAMADANTAG
DU’Ā`
BITTGEBETE

„Und wenn Meine Diener dich nach Mir fragen, siehe, Ich bin nahe, Ich erhöre den Ruf (Bittgebet) dessen, der ruft, wann immer er zu Mir ruft, so sollen sie denn auf Mich hören und an Mich glauben, auf dass sie dem rechten Weg folgen mögen.“ (2:186)
Allah ist Al-Muğīb, der Erhörende, der Antwortende, der Erwidernde. Der große Meister Al-Ghazali (1055 - 1111) erklärt den Namen Al-Muğīb folgendermaßen: „Derjenige, der sich beeilt, die Bitten Seiner Geschöpfe zu erhören, noch bevor sie geformt worden sind.“
Trage in deinem Herzen das Wissen, dass deine Bitten erhört werden und dass dies zum richtigen Zeitpunkt und in der für dich richtigen Art geschieht. Habe Vertrauen, Geduld und Ausdauer, denn nichts kann geschehen, wenn der rechte Zeitpunkt für dich noch nicht da ist.
Manchmal beten und bitten wir leidenschaftlich um etwas, und etwas anderes trifft ein. Gott gibt immer eine Antwort, doch die Antwort wird vielleicht nicht die Antwort sein, die wir erwarten, nichtsdestoweniger beinhaltet sie die Botschaft, welche wir in unserem Gebet gesendet haben.
Gott ist grenzenlos und wir sind Lebewesen der Begrenztheit. Dies ist genau unsere Rolle: Wir können unsere Bedürftigkeit, unsere Abhängigkeit, unsere Anlehnung hinhalten, das ist unsere kostbarste Gabe. Wir können im hingebungsvollen Vertrauen unsere tiefsten Bedürfnisse vortragen, im Vertrauen darauf, dass die Antwort, die darin enthalten ist, immer die Beste und Wertvollste ist.
Manche Gläubigen sagen, dass sie niemals irgendetwas von Gott erbitten dürften. Andere wiederum sagen: „Warum sollte ich mich Gott aufdrängen mit einer scheinbar unbedeutenden Angelegenheit?“ Dann gibt es jene, die sagen, dass Gott Allwissend und Allmächtig ist: „Er weiß bereits, was ich will, wenn es also nicht erfüllt wird, muss es dafür einen Grund geben, den ich nicht kenne.“
Sich bittend zu Allah zu wenden, heißt, dem Göttlichen Licht in die dunklen, verwirrten Sphären unseres Ichs Einlass zu gewähren, sodass Helligkeit uns umgibt und wir erkennen, worum wir eigentlich bitten. Damit beginnen wir, die Antworten, die stets da sind, zu sehen.
Es ist der Akt des Bittens und Betens, der uns zu dem macht, was wir werden müssen, der uns für das Göttliche öffnet. Indem wir den Raum zwischen dem isolierten Ich und dem Göttlichen durchschreiten, was wir Menschen nur durch die Öffnung unseres Herzens erreichen, treffen sich Bitte und Antwort.
Nicht zu wissen, wann, wo und wie die Antwort kommt, schützt uns vor unserer eigenen beschränkten Vorstellung. Doch im Herzen zu wissen, dass sie kommt, macht uns zu Liebenden.
Allah hat zwei Dinge in unsere Herzen gelegt: Sehnsucht und Hilfesuche. Und Er ruft uns zu sich, indem er Bedürftigkeit und Armut in uns anregt, so dass wir uns zu Ihm hin öffnen und wahrlich Allahs Worte verstehen: „Wir sind ihm näher als seine Halsschlagader, warīd.“ (50:16)
Halsschlagader, warīd, kommt von der Wurzel w-r-d und bedeutet: „einem zufließen“.
Allah schenkt uns Alles, was im Leben für uns von Nutzen ist, an Luft, an Nahrung, jeden Ertrag, jede Lebensgrundlage.
In keiner Zeit merken wir, wie schnell wir schwach und bedürftig werden, wie in Ramadan. Ein paar Stunden ohne Nahrung und Flüssigkeit und schon haben wir schon viel weniger Kraft und Konzentration, werden langsam, empfindsam und dünnhäutig.
In diesem offenen Zustand, in dem wir von unserem inneren Befinden hin und her gezerrt werden, zwischen der Sehnsucht nach Hingabe und dem ständigen Blicken auf die Uhr, hoffend, dass das Fasten, der innere Kampf, endlich Ruhe gibt, ruft uns Allah und sagt:
„Wir sind es, die den Menschen erschaffen haben, und Wir wissen, was sein innerstes Selbst in ihm flüstert.“ (50:16)
Allah kennt unseren Kampf, kennt den Kampf des Egos und Er sagt uns in Seiner unendlichen Liebe: Ich bin da. Egal, in welchem Zustand du bist, egal, wie oft du gescheitert bist, egal, wie sehr du glaubst, unwürdig zu sein, Ich bin immer da für dich! Wende dich mit all deinen Schwierigkeiten, deinen Schwächen, deinen Wünschen an Mich.
Unser Bittgebet ist nicht wirklich da, dass unsere Wünsche erfüllt werden, sondern vielmehr, dass unser menschlicher Wille sich wandelt, um sich so mit dem Göttlichen Willen zu vereinigen.
Wenn wir unser Herz und unsere Hände immer wieder im Vertrauen und in Hingabe öffnen und uns durchfluten lassen, dann beginnen wir Allahs liebende Fürsorge zu erfahren und das Geschick, das für uns bestimmt ist, als eigene Wahl anzunehmen.
„Sprich: ‚Mein Gebet und meine Opferung und mein Leben und mein Tod gehören Allah, dem Herrn der Welten. Er hat niemanden neben Sich. Und so ist es mir geboten worden, und ich bin der erste der Gottergebenen’. Sprich: ‚Sollte ich einen anderen Herrn als Allah suchen, wo Er doch der Herr aller Dinge ist?’“ (6:162-164)
Finde deine Aufgabe in dieser Welt und erfülle sie bestmöglich und bitte Allah um Hilfe. Öffne im Gebet deine Hände, sodass der Segen hineinfallen kann und du ihn auffangen kannst. Und sei offen. Das ist alles, was du tun sollst.
Denn der Sinn unserer Existenz ist, Allah näherzukommen, Ihn zu lieben und letztlich anzubeten.
ÜBUNG FÜR DEN TAG
Begleite deinen Tag mit: „Yā Samī‘ – Yā Ḥamīd.“
Im Gebet sagt man:

sami‘a llāhu liman ḥamidāhu
„Allah erhört die Preisung des Preisenden“, im Sinne von „Er akzeptiert sie“, denn wer erhört, akzeptiert.
WUSSTEST DU
„Und Ich habe die Dschinn und Menschen nicht zu einem anderen Zweck erschaffen, als dass sie Mich (erkennen und) anbeten mögen.“ (51:56).
Li-ya‘budūn: „um Mich anzubeten“, kommt von der Grundwurzel `-b-d, was auch „einen Weg betretbar machen, einen Weg ebnen und leicht begehbar machen“ bedeutet.
Allah macht uns den Weg zu Ihm leicht. Er hilft und erleichtert uns den Weg zu Ihm, in der Erkenntnis, ma‘rifa, Seiner Existenz, in der bewussten Bereitwilligkeit, unsere Existenz in Einklang zu bringen mit Seinem Willen und Seinem Plan.
Der Gesandte Allahs
sagte: „Eines der Bittgebete des Propheten Dawud (David), Friede sei mit ihm, war:

Allahumma innī as‘aluka ḥubbaka, wa ḥubba man yuḥibbuka, wa-l-‘amala llaḏi yuballiġunī ḥubbaka. Allahumma iğ‘al ḥubbaka aḥabba ilayya min nafsī, wa ahlī wa min al-mā‘i l-bāridi.
„Oh, Allah! Ich bitte dich um Deine Liebe und die Liebe derer, die Dich lieben, und um Taten, durch die ich Deine Liebe erlange.
Oh, Allah! Mach Deine Liebe mir lieber als mein eigenes Selbst, meine Familie und das kühlende Wasser.“18

allahumma rabbanā ātinā fi d-dunya ḥasana wa fi-l-āẖira ḥasana wa qinā ‘aḏāba n-nāri
Die häufigste Anrufung des Propheten
war: „Oh, Allah! Gib uns in der Welt das Gute und im Jenseits das Gute und rette uns vor der Qual des Höllenfeuers.“19
7. RAMADANTAG
DHIKR
ERINNERN

Der Prophet
sagte: „Wenn ihr an den Gärten des Paradieses vorbeikommt, dann genießt die Fülle.“ Sie fragten: „Und was sind die Gärten des Paradieses?“ Er antwortete: „Die Zusammenkünfte des dhikrs, des Gedenkens.“20
Dhikr bedeutet in seiner Essenz, die Wünsche, Forderungen und Vorstellungen unseres Ichs, unseres Nafs, aufzugeben und mit Gott zu sein. Es ist, die Schnur, ḥabl, zwischen uns und Allah stets im Herzen zu halten: „Und haltet fest, alle zusammen, an der Verbundenheit (Schnur) mit Gott.“ (3:103).
Durch dhikr sind wir fähig, die Fundamente, die uns von unserem wahren Selbst trennen, zu erschüttern und unsere Isolation zu überwinden, in der uns unser Nafs immer wieder glauben lassen möchte, dass dies die Wirklichkeit ist.
Dhikr gibt uns Kraft und Schutz und gleichzeitig erweicht es unser Herz, so dass wir „wie Wolle in den Händen Gottes“ werden. Dhikr erlaubt uns, aus dem Bereich der Isolation in den allumfassenden Raum der Liebe und des Friedens einzutreten.
„Und das Gedenken (dhikr) Allahs ist fürwahr das größte Gute“ (29:45), sagt uns Allah im Koran und unser geliebter Prophet
sagt, dass das Reinste bei Allah, das, was uns am meisten erhöht, das Gedenken Allahs, des Erhabenen, ist.21
Durch das Fasten wird unser Körper geschwächt und dadurch lässt die Herrschaft bzw. Kontrolle des Egos, des Nafs, nach und wir haben die Möglichkeit, einen tieferen Einblick in uns selbst zu bekommen. Das Ego hindert uns daran, unser wahres Selbst zu erfahren, das unsere Wesenseinheit, Harmonie und Zufriedenheit mit Allah ist.
Durch das Fasten wird unser glänzender Palast, den wir uns mühevoll aufgebaut haben, erschüttert. In gewisser Weise werden wir durch das Fasten zu einer Ruine.
Doch eine Ruine ist dem Licht, vor allem dem Licht der Demut, viel mehr ausgesetzt als der Palast. In unserer Schwäche spüren wir unsere tiefe Abhängigkeit von Allah und Seine große Liebe für uns. In dieser Schwäche spüren wir Allahs Segen. Welch Freiheit und tiefe Freude kommen da auf!
„ICH BIN NICHT ALLEIN, ICH BIN NICHT ISOLIERT. ICH BIN KEIN BLATT IM WIND, DAS WILLKÜRLICH VON DEN WINDEN DES LEBENS BEWEGT WIRD. ICH HABE WURZELN, VERWURZELT IN DER ALLMACHT, KRAFT UND LIEBE ALLAHS. ICH ERGEBE MICH UND ÜBERGEBE MICH DEINER UNENDLICHEN WEISHEIT UND GERECHTIGKEIT.“
Dann beginnt die tiefe, ehrfürchtige Erinnerung, dhikr: „Und besinne dich (dhikr) deines Erhalters demütig und mit Ehrfurcht und ohne deine Stimme zu erheben, am Morgen und am Abend, und gestatte dir nicht, achtlos zu sein (ġafla).“ (7:205)
Durch den dhikr wird der seelische Teil in uns gestärkt und breitet seine Kraft über den Verstand in den Körper aus.
Durch das Fasten und den dhikr versteht das Nafs, dass es nicht auf dieser Welt ist, um isoliert auf sich gestellt zu herrschen, sondern das Nafs beginnt, sich dem Licht der Seele hinzuwenden und der Seele zu dienen.
Die Seele, die immer weiß, dass sie nur Allah gehört.
Das Gegenteil von dhikr ist ġafla: Ġafla ist der Schlummer des Vergessens. Allah in Seiner Liebe und Barmherzigkeit zeigt uns, was dies mit uns tut: „Und seid nicht wie jene, die Gott vergessen, und die Er deshalb vergessen lässt (was gut ist für) sie selbst.“ (59:19)
In unserem Leben kennen wir alle die Vergesslichkeit und manche von uns sind sehr tadelnd, fast grausam im inneren Dialog, wenn sie in die ġafla gefallen sind oder sich in anderen Schwächen verfangen.
Hole dich aus diesem Tadeln heraus, indem du gleich deine Schwächen Allah hinhältst mit den Worten „astaghfirullah“ und „alhamdulillah“!
Astaghfirullah, ich suche Zuflucht und Vergebung bei Dir, von all meinen Schwächen, meinen Unachtsamkeiten, meinen ġaflas.
Alhamdulillah, ewig gepriesen bist Du, für die ewige Gnade, Güte, die Du mir immer gibst.
Und gemeinsam: astaghfirullah und alhamdulillah für all die Zustände und Möglichkeiten, die Du mir, Allah, in Deiner Güte stets gibst, um Dir näherzukommen.
Bleib im dhikr, im Erinnern deines Herzens. Lehre deinen Verstand durch den dhikr, durch dein Vertrauen und deine Dankbarkeit, sich von den negativen, immer zweifelnden und mitleidsvollen Interpretationen zu befreien und sich für Allahs Licht und Liebe zu öffnen.
Der dhikr ist ein innerer Akt der Hingabe, im Äußeren drückt er sich im aktiven Beteiligen am Aufbau dieser Welt aus:
„Die Allahs gedenken, wenn sie stehen und wenn sie sitzen und wenn sie sich niederlegen, um zu schlafen, und nachdenken über die Schöpfung der Himmel und der Erde.“ (3:191)
Der Mensch hat in sich sowohl die Neigung zum Guten wie zum Schlechten, doch unseren inneren Frieden finden wir nur in der Nähe Gottes und in Seinem Gedenken, denn die wahre Natur des Menschen kennt Gott.
Doch das Schönste am dhikr ist, dass Allah uns sagt, dass, wenn wir Ihn gedenken, Er unser gedenkt: „So gedenkt Meiner, und ich werde euer gedenken, und seid Mir dankbar und leugnet Mich nicht.“ (2:152)
„MÖGE UNSER FASTEN VOM DHIKR GENÄHRT WERDEN.“
ÜBUNG FÜR DEN TAG

astaġfiru llāh wa-l-ḥamdu li-llāh
astaġfiru llāh, ich suche Zuflucht und Vergebung bei Dir, von all meinen Schwächen, meinen Unachtsamkeiten, meinen ġaflas. al-ḥamdu li-llāh, ewig gepriesen bist Du, für die ewige Gnade, Güte, die Du mir immer gibst.
WUSSTEST DU
Zu Beginn des Islams wurde die heute bekannte Gebetskette (arabisch masbaḥa, türkisch, persisch subha) noch nicht verwendet. Die Gläubigen verwendeten beim Sprechen und Zählen von Gebetsformeln entweder kleine Steine oder zählten mit den Fingern.
Der erste Kalif Abu Bakr As-Siddiq war der erste, der eine Art masbaḥa verwendete, indem er ein Seil mit Knoten benutzte.
Die Gebetskette, die wir heute kennen, wurde von Junaid Al-Baghdadi (gestorben 910) eingeführt, einer der wichtigsten Autoritäten des Sufismus, um seinen Schülern einerseits ein ständiges Erinnerungswerkzeug in die Hand zu geben und andererseits, um beim langen Wiederholen Halt und Orientierung zu haben.
8. RAMADANTAG
KARAM
GROSSZÜGIGKEIT

Der Prophet
sagte: „Mein Diener nähert sich Mir nicht mit etwas, das Ich mehr liebe, als das, was Ich ihm als Pflicht auferlegte. Und Mein Diener fährt fort, sich Mir durch die Nawafil22 zu nähern, bis Ich ihn liebe. Und wenn Ich ihn liebe, bin Ich sein Hören, mit dem er hört, sein Sehen, mit dem er sieht, seine Hand, mit der er zupackt, sein Fuß, mit dem er schreitet. Wenn er Mich um etwas bittet, werde Ich es ihm gewiss erfüllen, und wenn er bei Mir Zuflucht sucht, werde Ich ihm gewiss Zuflucht gewähren.“23
Großzügigkeit war eine der unzählbaren hervorragenden Eigenschaften des Propheten Muhammad
. Er war der großzügigste der Menschen und im Monat Ramadan pflegte er am großzügigsten zu sein. Er war wie ein unhaltbarer Wind der Barmherzigkeit, der alle Menschen umfasste, seien diese arm und bedürftig oder reich und wohlhabend.
Der Monat Ramadan ist die Zeit der Großzügigkeit. Großzügigkeit und auch Gelassenheit sind zwei Qualitäten, die wie zwei wundervolle Bäume sind, deren Wurzel Hingabe, tawakkul, und deren Erde Glaube, imān, ist.
Großzügigkeit umhüllt uns, wenn die tief berührende Erkenntnis aus dem Herzen wächst, dass alles, was wir haben, alles, was uns umgibt, was immer unsere Augen erblicken, unsere Ohren hören, all die Düfte, die uns umhüllen, alles, was wir kosten und berühren, alles, was wir sind, ein Geschenk und ein Segen von Allah ist. Es ist, mit dem Satz im Herzen durch das Leben zu gehen: „Wir gehören Allah und zu Ihm kehren wir zurück.“ (2:156)
Ein Mensch, der meint, alles, was er hat, gehöre ausschließlich ihm und ist nur durch seine Bemühungen entstanden, wird nur schwerlich großzügig sein können. Doch wenn wir uns bewusstwerden, dass alles Allah gehört, dass wir lediglich als Verwalterinnen und Verwalter eingesetzt werden, wird es uns nicht schwerfallen, freigiebig zu sein.
Und Allah ruft uns dazu auf und bestärkt uns mit Seinen Worten: „Siehe, mein Herr versorgt von seinen Dienern, wen er will, im Überfluss oder in Maßen, und was immer es sei, dass ihr für andere ausgebt, Er ersetzt es (immer).“ (34:39)
Imam Al-Ghazali (1055 - 1111) erklärt Großzügigkeit folgendermaßen: „Geiz ist das Ergebnis der Verbundenheit zum Diesseits; Großzügigkeit dahingegen ist die Frucht der Abwendung vom Diesseits.“ Imam Ghazali ist sogar soweit gegangen, dass er den Ursprung von Geiz im Polytheismus, širk, gesehen hat.
Wenn wir uns immer bewusst sind, dass wir Ihm gehören und dass alles von Allah kommt, wenn wir uns dem Geber, aber auch dem Nehmer hingeben im Vertrauen und um Seiner Liebe, Fürsorge und Allmacht wissend, dann können wir unsere Herzen, unseren Geist in Großzügigkeit öffnen und auch unsere Hände.
Großzügigkeit zeigt sich in der Nachsicht gegenüber den Menschen, sie zeigt sich in Selbstbeherrschung, im Vortritt geben, wenn es jemand eilig hat, es zeigt sich im Lächeln auch jenen gegenüber, die es nicht wirklich verdienen, es zeigt sich in Toleranz gegenüber anderen Sichtweisen und Überzeugungen, es zeigt sich in Langmut und im Zuhören, es zeigt sich im nachhaltigen, bewahrenden und achtsamen Umgang mit der Natur.
Großzügigkeit erhebt uns über die emotionalen Verstrickungen und hilft uns, mit Gottes Hilfe frei zu agieren:
„Und wer könnte besser an Rede sein, als wer (seine Mitmenschen) zu Gott ruft und tut, was gerecht und recht ist, und sagt: ‚Ich bin von jenen, die sich Gott ergeben haben’? Die gute und die üble Tat sind nicht gleichzusetzen, entgegne du mit etwas, was besser ist – und siehe! Der, zwischen dem und dir Feindschaft war, (mag dann) ein wahrer Freund werden.“ (41:33-34)
Mit der Großzügigkeit ist der Weg zu Weisheit und Erkenntnis gepflastert.
Großzügigkeit ist eine Qualität, die unsere Sichtweise weitet. Sie schenkt uns ein tiefes Verständnis der Verbundenheit der beiden Welten: das Diesseits und das Jenseits, und sie nimmt uns die Furcht vor Armut und Verlust. Sie hilft uns, unser Verhaftet-Sein an die Welt zu lockern und die Welt in Freiheit zu durchschreiten.
Großzügige Menschen sind der Barmherzigkeit Gottes nahe, denn Großzügigkeit nährt sich am Herzenswissen um die Gnade und Barmherzigkeit Allahs.
Unser geliebter Prophet
erklärte uns dies folgendermaßen: „Wer einem Gläubigen einen weltlichen Kummer zerstreut, dem zerstreut Allah einen Kummer am Tag der Auferstehung. Wer einem Verarmten Erleichterung gewährt, dem erleichtert Allah seine Sachen im Dies- und Jenseits, wer die Mängel (Blößen) eines Muslims bedeckt, dem bedeckt Allah seine Mängel im Diesseits und Jenseits, und Allah unterstützt den Menschen, solange der Mensch seinen Mitmenschen unterstützt.“24
Wenn wir über die Tiefe dieser Worte nachdenken und von den Gaben Gottes geben, als würden wir direkt dafür entlohnt werden, werden wir zu den großzügigen Menschen gezählt werden, inshallah, so Gott will.
„Und spendet nicht, es sei denn aus Verlangen nach Allahs Angesicht. Und was ihr an Gutem spendet, soll euch erstattet werden. Und euch soll kein Unrecht geschehen.“ (2:272)
Allah möchte Seinen Segen an uns sehen: „[…] und von den Segnungen deines Herrn sollst du (immer) sprechen.“ (93:11)
Eines Tages kam ein Mann in schäbiger Kleidung zum Propheten
. Der Prophet
fragte ihn: „Hast du Reichtum?“
Er antwortete: „Ja, alle Arten von Reichtum.“
Er
sagte: „Welche Arten von Reichtum?“
Er sagte: „Allah hat mir Kamele, Rinder, Schafe, Pferde und Sklaven gegeben.“
Er
sagte: „Wenn Allah dir Reichtum gegeben hat, dann lass die Wirkung von Allahs Segen und Großzügigkeit an dir sehen.“25
Großzügigkeit und Mildtätigkeit sind Mittel zur Läuterung der eigenen Seele und zur Annäherung an Allah und der Islam legt großen Wert auf diese Qualitäten.
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