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Nur eine Affäre
1 Titel Seite
2 Wie weit soll sie gehen?
3 Liebesnacht im Mondschein
4 Wie soll es weitergehen?
5 Nur eine Tätowierung
6 Irene oder Silke?
7 Irenes und Johannes’ Geheimnis
8 Auf dem Golfplatz
9 Die letzte gemeinsame Nacht
10 Marcs Vergangenheit
11 Schmerzlicher Verlust
12 Wieder zu Hause
13 Marcs Rückkehr
14 »On The Road«
15 Schottland
16 London und die Scheidung
17 Die Vermählung
18 Eine schwierige Erbschaft
19 Schmutzige Geschäfte
20 Die Heimfahrt
Ron Wall
Nur eine Affäre...
Eine erotische Liebesgeschichte für Erwachsene
Ron Wall
ronwallbooks@gmail.com
Nur eine Affäre...
Copyright: © 2020 Roland Muri
Cover: Roland Muri
Verlag:epubli-GmbH,Berlin,de
Inhaltsverzeichnis
1. Wie weit soll sie gehen?
2. Liebesnacht im Mondschein
3. Wie soll es weitergehen?
4. Nur eine Tätowierung
5. Irene oder Silke
6. Irene und Johannes Geheimnis
7. Auf dem Golfplatz
8. Die letzte gemeinsame Nacht
9. Marcs Vergangenheit
10. Schmerzlicher Verlust
11. Wieder zu Hause
12. Marcs Rückkehr
13. ›On The Road‹
14. Schottland
15. London und die Scheidung
16. Die Vermählung
17. Eine schwierige Erbschaft
18. Schmutzige Geschäfte
19. Die Heimfahrt
Wie weit soll sie gehen?
Es war zwei Uhr, als die beiden Businessmänner endlich ihr Vorhaben, Silke zu einem Drink einzuladen, aufgaben. Enttäuscht verließen die zwei die Hotelbar. Jetzt saß Silke alleine an dem großen schicken Tresen dieses noblen Golfhotels in Südengland. Der Barkeeper saß gähnend auf einem Hocker und las in einem Buch.
Was mache ich hier, wieso hoffe ich, dass er zurückkommt? Liegt es am Reiz, nach der verbotenen Frucht zu greifen? Ihr Mann Johannes, ihre beste Freundin Irene und deren neuer Freund Marc – den Irene erst seit drei Wochen kannte – waren bereits vor 30 Minuten auf ihre Zimmer gegangen. Johannes und Irene hatten beim Essen viel Wein getrunken und anschließend an der Bar das schwer verdauliche englische Essen mit reichlich Whisky hinuntergespült. Neben ihr hatte sich Marc mit dem Alkohol ebenfalls zurückgehalten. Marc war es dann auch, der die beiden Betrunkenen auf ihre Zimmer brachte. Warum der Glaube, die Hoffnung, dass er wieder zu ihr an die Bar zurückkommen würde?
Silke war mittlerweile 49 Jahre alt und seit 26 Jahren mit Johannes verheiratet. Er war Anwalt und Sprecher einer großen Bank in Frankfurt. Als Vizedirektor hatte ihr Mann ein sehr gutes Einkommen. Dank Johannes’ Karriere war die Familie nicht auf ein zweites Gehalt angewiesen und Silke hatte sich ganz auf ihre zwei Kinder, den Hund und das schöne Heim konzentrieren können. Kevin, der Ältere, hatte das Haus bereits vor zwei Jahren verlassen, um, wie sein Vater, in Köln Jura zu studieren. Seit Sarah, ihre Tochter, vor einem Jahr für ihr Archäologiestudium nach Berlin gezogen und der Familienhund Benny, ihr geliebter Labrador, vor sechs Monaten altershalber verstarb, war es im Haus ruhig geworden.
Anfangs hatte Silke gehofft, dass ihr Mann etwas kürzertreten und mehr Zeit zu Hause verbringen würde. Leider wurde nichts daraus, denn neben seinem Job hatte er eine Affäre mit seiner Sekretärin. Der Zufall hatte ihr den Beleg dafür geliefert. Eine Hotelquittung in einem seiner Anzüge. Ein Anruf beim Hotel bestätigte den Verdacht, dass ihr Schwerenöter dort regelmäßig mit einer jüngeren Frau abstieg. Johannes hatte keine Ahnung, dass sie von der Affäre wusste, die nicht die erste war. Silke war unsicher, wie seine Reaktion auf eine Aussprache wäre, der Konfrontation auszuweichen schien einfacher. Die Familie, die Kinder, ihre Freunde, die Nachbarn … Versöhnung oder Scheidung – Auszug aus der geliebten Villa? Er war Anwalt, was hätte sie gegen ihn ausrichten können? Nein, ihn zur Rede zu stellen, dazu fehlte der Mut. Das Risiko, ihr gewohntes Leben aufgeben zu müssen, wäre ein zu hoher Preis gewesen, da war es einfacher, auch wenn es schmerzte, wegzusehen und zu schweigen.
Silke hatte ihren Mann in den 26 Jahren Ehe nie betrogen, aber jetzt saß sie seit über einer halben Stunde wie ein Schulmädchen an dieser leeren Bar und hoffte, dass Marc, der neue Freund ihrer besten Freundin, für einen Absacker zurückkäme.
Mein Gott , durchfuhr es Silke erneut, was mache ich hier? Bin ich verrückt? Sie öffnete ihre Tasche und wollte bezahlen, als der Hauch eines Kusses auf ihren Nacken traf und einen Schub der Wollust durch den Körper gleiten ließ. Bevor eine Reaktion möglich war, wurde ihr Körper von hinten zärtlich umarmt. Wie reagiere ich jetzt, aufstehen, ihn ohrfeigen, oder … oder mich dem Reiz des Seitensprungs hingeben? Marc nahm ihr die Entscheidung ab. Der neue Partner ihrer besten Freundin zog sie sanft nach hinten und gab ihr einen liebevollen, langen Kuss auf den Mund.
Silke genoss, entgegen jeglicher Vernunft, die Umarmung und die zärtlichen Lippen dieses schönen Jünglings. Wie toll dieser Mann küssen konnte! Ein angenehmes Gefühl des Verlangens breitete sich in ihrem Körper aus. Eine Weile schmuste das Paar, immer hemmungsloser werdend, bis ihr wieder bewusst wurde, dass dies hier wohl nicht der richtige Ort war, um sich einem fremden Mann hinzugeben. Wieder zur Besinnung gekommen, sah Silke sich erschrocken um. Außer dem Barkeeper, der immer noch in seinem Buch las und anscheinend keine Notiz von ihrem Ausrutscher genommen hatte, war die Bar zum Glück weiterhin leer.
»Wir müssen das beenden, sofort, ich weiß nicht, was in mich gefahren ist«, entfuhr es ihr. Marc ignorierte ihren Einwand, beugte sich erneut zu ihr, liebkoste ihren Mund und streichelte dabei zärtlich den Nacken. Und … Silke ließ es, entgegen jeglicher Vernunft, wieder zu. Mein Gott, ich kann mich nicht wehren, ich bin feucht und erregt. Er muss aufhören, sofort! Nein, nicht aufhören, nur noch ein einmal, ein letzter inniger und langer Kuss. Obwohl die Vernunft und das schlechte Gewissen irgendwo in ihrem Gehirn gegen ihr Bewusstsein hämmerten, war der Reiz des Verbotenen, der Trieb, die Erregung stärker. Marc hörte zu ihrer Enttäuschung nach einer Weile auf, ihre Lippen mit den seinen zu verwöhnen.
Dieser schöne Jüngling beugte seinen Kopf seitlich an ihr vorbei und flüsterte ihr ins Ohr: »Lass uns gehen.«
»Wohin?«
»Lass dich überraschen.«
Widerstandslos stand Silke auf.
Er legte einen Geldschein auf den Tresen. Der Barmann hob kurz seinen Kopf, bedankte sich und vertiefte sich wieder in seine Lektüre.
Beim Aufstehen bemerkte Silke, dass sie zwischen den Schenkeln nicht nur feucht war, sondern ihr ganzer Unterleib leicht krampfte. Ihr Körper sehnte sich nach einer Vereinigung mit ihm. Ein paar Küsse, eine Umarmung von diesem groß gewachsenen Adonis und ihr Körper war erregt und willig, sich ihm hinzugeben.
Johannes, ihr Mann, war ein guter Versorger, aber leider ein miserabler Liebhaber; schon immer gewesen. In all den Jahren der Ehe hatte ihr Angetrauter es nie geschafft, ihr einen Orgasmus zu bescheren. Und jetzt verließ eine bisher treue Ehefrau die Hotelbar mit dem Freund ihrer besten Freundin, war feucht, erregt und gerade dabei, ihre Prinzipien von Treue und Loyalität über Bord zu werfen, wenn auch nur für eine Nacht, wie sie glaubte.
Die großen leeren Marmorhallen und Gänge – die ihr am Nachmittag bei der Ankunft, als die Sonne hindurchschien, gut gefallen hatten – waren jetzt leer, geisterhaft und wirkten leicht bedrohlich.
Im Speisesaal beim Abendessen war Silke ganz aufgedreht gewesen. Seit Langem endlich wieder ein Wochenende weg von ihrem Haus in Wiesbaden und weg von Frankfurt, ihren Mann wieder einmal ganz für sich und ohne Nebenbuhlerinnen, wenn auch nur für drei Nächte, das waren vier Tage weg vom Alltag, und die wollte sie genießen. Silke hatte sich, trotz ihrer 49 Jahre, jung und aufgedreht gefühlt unter all diesen betagten Hotelgästen. Das Durchschnittsalter der gut situierten, golfenden Rentner, die hier wohnten, musste über siebzig Jahre liegen. Diese Gäste hielten sich nach dem Essen nur kurz in der Bar auf und gingen allesamt früh auf ihre Zimmer, die wollten bei Sonnenaufgang raus zum Golfen, genau wie ihr Mann. Ob der mit seinem Brummschädel, den er morgen sicherlich haben würde, um sieben aufstehen und nach dem Frühstück die 18 Löcher spielen konnte, war zu bezweifeln. Irene, ihre beste Freundin, hatte sich, entgegen ihrem Vorhaben, nur ein Glas zu trinken, ebenfalls die Kante gegeben.
Silke war das gewohnt. Wenn Johannes und Irene zusammenkamen, dann füllten sich die zwei gegenseitig bis zum Umfallen ab. Das war der Grund, dass sie ihre beste Freundin nur selten einlud, wenn ihr Mann zu Hause war.
Zum ersten Mal hatte es etwas Positives, dass sich ihr Mann und Irene gegenseitig bis zur Besinnungslosigkeit betranken, es gab ihr die Möglichkeit, hier und jetzt nach der verbotenen Frucht, einem einmaligen Seitensprung, zu greifen. Angespannt, erregt und voller Erwartung schritt Silke neben diesem gut 20 Jahre jüngeren Mann durch die zu dieser Zeit leeren Hotelhallen.
Plötzlich und unerwartet, ein sanfter Stoß von ihm, die Wand stoppte ihren Seitwärtsschritt, mit dem Rücken zur Wand stehend, seine starken Arme hielten ihren Körper fest, während ihre Lippen sich erneut liebkosten, immer heftiger und fordernder. Ein letztes Aufflackern von Vernunft kämpfte sich durch ihr Gehirn.
»Nein, nicht hier, bitte Marc. Ich bin die Frau eines angesehenen Bankdirektors, wie peinlich, wenn wir hier von einem bettsenilen Hotelgast oder einem Angestellten erwischt werden. Was für ein Skandal!«
»Genieße den Reiz des Verbotenen«, war seine Antwort.
Silke war bereits zu erregt, um vernünftig reagieren zu können. Seine Lippen und zärtlichen Hände hatten den Honigtopf bereits geöffnet. Die brave Ehefrau hatte vom süßlichen Nektar genascht und wollte mehr, viel mehr. Er öffnete ihre Bluse und knetete sanft ihren Busen, danach wurde ihr Rock hochgezogen. Verdammt, hier im Hotelgang, wenn jemand kommt, aber, aber … ja, es macht mich scharf. Die Möglichkeit, erwischt zu werden, es turnt mich wirklich an. Ich werde … ja … Die Gefahr, entdeckt zu werden, übte einen bisher nicht gekannten Reiz aus.
Zärtlich streichelten Marcs Finger über Silkes Körper. Dann fordernd, stark unnachgiebig, während seine Lippen die ihren abwechselnd zärtlich und dann wieder herausfordernd küssten. Mein Gott, der weiß, wie man mit einer Frau umgeht. Dieser Frauentraum machte keinen der Fehler, die Männer häufig beim Verführen begehen, er tat genau das Richtige, um sie aus der Reserve zu locken. Der wusste genau, wie weit seine Hände an die Brust oder zwischen ihre Schenkel gleiten durften, um ihre Erregung zu steigern. Abwechselnd fuhren seine samtenen Fingerspitzen, in einem Hauch von nichts, über ihre Brüste und Oberarme, um kurz darauf wie ein vom Wind umwehendes Seidentuch ihre Oberschenkel und den Intimbereich zu berühren.
Die bisher stets auf die Etikette achtendene Dame mit Klasse spürte, wie die Erregung sich ihrer bemächtigte, und zum ersten Mal in ihrem Leben wurde Silke durch die Berührung eines Mannes richtig geil. Es spielte keine Rolle mehr, dass lediglich eine Marmorsäule ihnen etwas Sichtschutz bot, der bereits hochgezogene Rock erleichterte das Spreizen der Beine. Der sinnliche Rausch, das Begehren begrub die Vernunft. Zärtlich begann dieser fast noch Fremde, den sie vor ein paar Stunden zum ersten Mal getroffen hatte, ihren Intimbereich in rhythmischen, wellenförmigen Bewegungen zu massieren. Silke konnte sich nicht mehr zurückhalten und begann zu stöhnen, während ihr ganzes Wesen nach einem Orgasmus zu lechzen begann.
Er schob ihr seine rechte Hand zwischen die Zähne. Sie verstand und biss darauf, um nicht das ganze Hotel zusammenzuschreien.
Gegen die Wand gelehnt genoss ihr brennender Körper den Rausch, die Erregung und den sich anbahnenden Höhepunkt. Die Wollust, die er zuvor in ihr heraufbeschworen hatte, entlud sich kurz darauf in einer erlösenden und befreienden Woge der Befriedigung, die durch ihren gesamten Körper bebte. Silke genoss diesen Rausch, diesen Höhenflug von Leichtigkeit. Sich mit geschlossenen Augen noch etwas treiben lassen, einfach genießen.
Wow, mein erster Orgasmus von einem Mann herbeigeführt. Was für ein herrliches Erlebnis! … Wie lange stehe ich mittlerweile hier halbnackt herum? Was mache ich jetzt, er ist nicht befriedigt? Besorge ich’s ihm mit der Hand?
Trotz ihres Alters und 26 Jahren Ehe, Silke war verunsichert. Erfahrungslos mit solchen Situationen, noch nie erlebt und keine Ahnung, wie reagieren. Instinktiv griff sie ihm zwischen die Beine und spürte sein erregtes Glied. Ja, Irene hatte nicht gelogen, als ihre beste Freundin ihr anvertraute, dass ihr neuer Freund nicht nur ein fantastischer Liebhaber, sondern auch äußerst gut bestückt sei.
Marc lächelte freundlich. »Kann ich meine Hand zurückhaben?«
Hand wie – ach ja – seine Hand steckte immer noch in ihrem Mund.
Er zog seine offensichtlich schmerzende Hand zurück.
»Habe ich zu fest zugebissen?«
»Nein, nein, alles gut.« Marc schmunzelte, während er ihre Finger von seiner Hose wegzog.
Wollte er nicht befriedigt werden? Es war verwirrend.
»Habe ich etwas falsch gemacht? Ich kann es dir auch mit dem Mund bes…«, lächelnd winkte der Schönling ab. »Wir sollten jetzt gehen. Ich möchte dir etwas zeigen.« Er hob ihren Schal, das Jäckchen und die kleine Handtasche, die zu Boden gefallen waren, auf.
Nachdem ihre Utensilien wieder an ihrem Platz waren, die Jacke über die Schulter gelegt, das Make-up aufgefrischt und nichts mehr auf diesen Quickie hinwies, hielt der Frauenverwöhner ihr galant seinen Arm hin. Zärtlich eingehakt ging es Richtung Rezeption. Der Portier, ein junger dunkelhäutiger Bursche, döste vor sich hin und erschrak, als Gäste zu so später Stunde vor ihm standen und ihr Auto verlangten. Der Portier setzte sein geschultes Lächeln auf und nachdem ihm Marc die Parkkarte vorgelegt hatte, beeilte der Nachtwächter sich, den Wagen aus der Hotelgarage zu holen.
Vor dem Ausgang stehend, sich zärtlich umarmend, wartete das Liebespaar auf ihr Auto. Silke genoss diese neue unbekannte Zuneigung. Wortlos in Stille, die Zweisamkeit in sich aufsaugend, sich von der immer noch angenehm warmen Juli-Brise umschmeicheln lassen, Gänsehaut pur. Es war der bisher sinnlichste Moment in ihrem Leben. Dass sie Marc kaum kannte, nicht wusste, wer er war, ihn vor acht Stunden das erste Mal gesehen hatte, das alles spielte im Augenblick keine Rolle. Seine Nähe, seine Zuneigung, dieses Gefühl von Geborgenheit, an seinen Körper angelehnt und von ihm umarmt zu werden, war einfach zu schön, zu verführerisch, um sich gegen diesen Rausch von Sinnlichkeit zu wehren. Ihr Mann, ihre Freundin, das schlechte Gewissen waren weit weg. Die Lust auf seine Lippen, nach den wunderbaren Händen und dem muskulösen Körper waren zu dominant, um sich momentan vernünftig und angepasst zu verhalten.
Irene, ihre beste Freundin, hatte Marc vor drei Wochen, unter einem Vorwand, in einem Café in Frankfurt angesprochen. Dieses Sahneschnittchen von Mann wollte ihre beste Freundin sich nicht entgehen lassen und bedrängte ihn so lange, bis er einem Rendezvous zustimmte. Irene war 39 und konnte problemlos als 29-Jährige durchgehen. Sie sah gut aus und mit ihrer offenen, frechen und jugendlichen Art genoss sie seit ihrer Scheidung die Männer in vollen Zügen.
Silke fragte sich, wieso Marc statt mit der knackigen, jugendlichen Irene jetzt mit ihr den Abend verbrachte. Leider war ihr das Glück, jünger auszusehen, von der Natur nicht vergönnt. Ihr Körper hatte keine Modelmaße – was ihr am Busen fehlte, hatten dafür ihre Hüften im Übermaß gespeichert. 67 Kilo in 157 Zentimeter Körpergröße verpackt, das bedeutete klein, füllig und zu allem Übel ein kleiner Busen, der es trotz der A-Körbchen schaffte, zu hängen. Passend dazu steckte sie in einem fast fünfzig Jahre alten Körper. Was wollte dieser ein Meter achtundachtzig große, blonde Frauentraum, dieser schlanke, sportlich gebaute Adonis von ihr? Wahrscheinlich sollte sie lediglich eine weitere Trophäe in seiner Kollektion von Eroberungen sein, eine andere Erklärung fiel ihr nicht ein. Im Moment spielten seine Absichten keine Rolle, es war schön und erregend, diese Nacht gehörte ihr, nur ihr mit ihm.
Ein kurzer Blick auf die Uhr, es war halb drei. Es blieben über vier Stunden, die nur ihnen gehörten. Ein zärtliches Aufschauen zu ihm. Er strich ihr ein paar Haare aus dem Gesicht und lächelte zurück. Das wohlige Gefühl, immer noch von diesen starken Armen gehalten zu werden, sein Lächeln. Wie schön dieser Jüngling war, so musste wohl Dorian Gray ausgesehen haben. Bereits beim Abendessen, kurz nach dem ersten Aufeinandertreffen, entflammte ihr Interesse für ihn. Zuerst hatte sie sich dagegen wehren wollen, aber je länger der Abend wurde, desto mehr durchlöcherte er ihre Fassade von Treue und Standhaftigkeit. Immer weiter hatten seine stahlblauen Augen, die an die Farbe der Karibischen See erinnerten, seine tiefe, männliche Stimme, sein spitzbübisches Lächeln und das schöne männliche Gesicht ihre Barriere der unnahbaren Selbstdisziplin durchdrungen. Je länger der Abend wurde, je mehr ihr Mann und Irene abstürzten und die zwei Schluckspechte sich nur noch gegenseitig wahrnahmen und nicht mehr auf den Rest der Welt achteten, desto mehr begann Silke, immer unverhohlener mit Marc zu flirten. Als er zu ihrem Erstaunen auf die anfänglich noch zaghaften verbalen Avancen einstieg, hatte sie sich beim Essen und danach an der Bar der Faszination des anzüglichen Flirtens, des verbalen Anmachens hingegeben. Johannes und Irene waren bereits nach dem Hauptgang so betrunken gewesen, dass sie nichts mehr von diesem frivolen Spiel mitbekamen: ein paar Anzüglichkeiten, ein kurzes Streicheln hier, eine leichte Berührung da … Als Silke merkte, dass aus dem Spiel mehr wurde, war es bereits zu spät gewesen. Die Lust, nach der verbotenen Frucht zu greifen, war da, und als Marc die zwei Schluckspechte auf ihre Zimmer brachte, blieb sie voller Hoffnung an der Bar sitzen. Obwohl es für eine treue Ehefrau unstattlich und falsch war.
Ihre einzig logische Erklärung, wieso er sich mit ihr beschäftigte, war ihr gepflegtes Aussehen. Silke legte großen Wert auf ihr Äußeres. Die aufwendige Schminke, die damenhafte, gepflegte Kleidung, edle hochhackige Schuhe, das alles verlieh ihr eine gewisse Klasse. Zudem war eine verbale Schlagfertigkeit und spontaner Humor, was Männern an Frauen ebenfalls gefiel, einer ihrer weiteren Pluspunkte. Aber war das wirklich genug, um die Aufmerksamkeit dieses Frauentraums zu erlangen? Er wirkte nicht wie ein Gigolo, nein, im Gegenteil: Silke glaubte, beim Essen eine gewisse Nachdenklichkeit oder sogar melancholische Tiefgründigkeit in seinem Blick entdeckt zu haben. Nein, um einen Golddigger handelte es sich bei ihm sicherlich nicht. Ein Mann, der Jagd auf reiche ältere Damen machte, um von ihnen ausgehalten zu werden, das schien er wirklich nicht zu sein. Irene, ihre Freundin, war alles andere als wohlhabend oder geschweige denn reich, ums Geld ging es ihm wohl kaum.
Der Portier fuhr mit dem Wagen vor und riss Silke aus ihren Gedanken. Sie lag in den Armen dieses wunderbaren Mannes, es war halb drei und erst um sieben stand Johannes, ihr Mann, auf, um zum Frühstück zu gehen. Es blieben viereinhalb Stunden …
Sie kannte sich mit Autos nicht aus, aber es war offensichtlich ein Oldtimer, wahrscheinlich aus den 50er- oder 60er-Jahren. Johannes hätte genau gewusst, was das für ein Auto war, billig sah dieses Kunstwerk auf Rädern jedenfalls nicht aus.
Marc drückte dem Portier einen Geldschein in die Hand, der sich bedankte und höflich verabschiedete, während er beim Weggehen begeistert von dem Fahrzeug schwärmte. Irene hatte ihr erzählt, dass Marc einen deutschen Vater und eine englische Mutter hatte und seine Familie mütterlicherseits in Südengland ein kleines Ferienhaus in der Nähe ihres Hotels besaß. Marc wollte aber lieber mit Irene im Hotel absteigen, als im Cottage zu wohnen. Silke fragte sich gerade, ob die Ausfahrt dorthin ging, sollte ihr die Ehre zuteilwerden, die nicht einmal Irene, seiner Freundin, zugebilligt wurde.
Er begann das Verdeck von Hand nach hinten zu klappen. Dabei konnte Silke, im Lampenschein des Hoteleingangs, seinen tollen Körper und den knackigen Hintern begutachten. Wieder begann ihr Hormonhaushalt verrücktzuspielen. Ich werde wieder scharf, hoffentlich dauert die Fahrt nicht zu lange. Ich möchte endlich das volle Erotikprogramm erleben, einmal, nur einmal in meinem Leben. Heute Nacht will ich diesen Traum von Mann, hemmungs- und tabulos verführen. Sex ohne Grenzen mit einem Fremden, danach wieder brave, pflichtbewusste Hausfrau und Mutter: Ja, dieser jugendliche, sportliche Körper von Marc gehörte die nächsten Stunden ganz ihr allein.
Nachdem das Dach offen und festgezurrt war, öffnete er den Kofferraum, nahm eine Decke heraus und legte sie ihr über die Schulter. »Zusammen mit der Heizung wird es dir gefallen, mit offenem Verdeck mitten in der Nacht an der Küste entlangzufahren.« Marc öffnete ihr die Wagentür. »Steig ein und genieße!«
Das Cabrio war bequem. Ein sanfter Kuss, während der Motor startete und der Oldtimer losfuhr.
Liebesnacht im Mondschein
Silke genoss die Fahrt entlang der Küste. Die warme Luft aus der Heizung und die Decke wärmten angenehm, während der laue Fahrtwind ihr Gesicht umspielte. Marc hatte seine Hand unter die Decke zwischen ihre Beine geschoben und der leichte Druck auf die Innenseite der Oberschenkel und den Intimbereich versetzte ihren Körper in eine angenehme Erregung.
Nach vierzig Minuten wurde verlangsamt und kurz darauf in einen ungeteerten Feldweg abgebogen. Dann hielt der Wagen vor einem kleinen, aber gepflegten Cottage.
Beim Aussteigen ließ sie diese romantisch und friedlich anmutende Postkartenidylle auf sich wirken. Es war viertel nach drei, knappe vier Stunden, um mich ihm hinzugeben. Wunderbar, genug Zeit, um mich richtig verführen zu lassen – bis man im Hotel zurück sein musste. Marc griff wortlos nach ihrer Hand und führte sie zur Veranda vor dem kleinen Strohdachhaus. Eine zärtliche Umarmung und seine fordernden Lippen auf den ihren. Mehr, viel mehr ..., durchfuhr es ihre Gedanken. Wie ein Wein-Genießer, der sich an einem der kostbarsten Edlen Bordeaux von Rothschild oder einem Petrus labte, genoss die zu allem bereite Fremdgängerin seine süßen Küsse, die gerade jegliche letzten Vorbehalte ausradierten.
»Ich hole etwas Wein und eine Kerze aus dem Cottage«, und der Gastgeber verschwand im Haus.
Voller Vorfreude und in Erwartung, was gleich geschehen würde, genoss Silke die ganze Szenerie. Das weißgestrichene kleine Natursteinhaus war ein Einzelgebäude ohne angrenzende Nachbarhäuser und lag hinter einer Wiese, die über einem dieser berühmten weißen Kalksteinfelsen lag, die direkt in den Ärmelkanal mündeten. Eine Herde von Schafen graste friedlich auf dem Feld. Der Ärmelkanal, vom wolkenlosen Sternenhimmel und dem Vollmond angestrahlt, funkelte in einem silbernen Glanz. Es wirkte wie in einem Märchenfilm, alles schien so friedlich und perfekt, der pure Kitsch, aber wunderschön.
Marc kam mit einer Flasche Wein, zwei Gläsern und einer kleinen Laterne, in der eine Kerze brannte, zurück. Nach dem Genuss eines Glases von dem herrlich fruchtigen Wein zog der Hausherr die Decke von ihrer Schulter und legte sie auf den Boden der Holzveranda – als hätte er geahnt, dass sie in dieser wolkenlosen und warmen Nacht lieber draußen bleiben wollte, als ins Haus zu gehen. Sex im Bett, das kannte Silke zur Genüge, aber unter freiem Himmel … das war neu und erregend.
Endlich lag sie in seinen Armen. Durch das sanfte Streicheln während der Fahrt war ihre Erregung bereits entfacht und jede Faser in ihrem Körper verlangte nach ihm, nach seiner Männlichkeit. Zuerst noch zögerlich, dann aber immer offener fordernd wurden ihre Umarmungen, Streicheleinheiten und Küsse. Aus den anfänglich zärtlichen Liebkosungen wurde ein Drang nach körperlicher Vereinigung. Der Verführer zog ihr das Kleid aus.
Ein kurzes Zucken durchfuhr ihren Körper, verunsichert, als er Anstalten machte, ihr den BH und das Höschen auszuziehen. Jetzt würde ihr jugendlicher Liebhaber gleich die ganze Wahrheit sehen. Ohne die Wattierung und die Stütze im Körbchen würden ihm gleich zwei kleine hängende Brüste entgegenfallen. Hier im Mondschein und dem Kerzenlicht der Tischlampe war alles gut erkennbar. Ohne eine schutzgebende Decke, die ihre erbärmlichsten Stellen kaschierte, ihre zu üppigen Hüften, alles seinen Blicken schutzlos ausgesetzt, da würde gleich ihre ganze Misere von Körper zu sehen sein. Mangels Alternativen entspannte sich Silke wieder, entweder akzeptierte er ihre Erscheinung in all ihren Facetten oder eben nicht.
Marc stützte sich auf einen Arm und begann, ihren entblößten und nackten Körper ausgiebig zu betrachten. Seine Erregung war nicht zu übersehen. Ihm schien zu gefallen, was es zu sehen gab. Es machte sie scharf, wie er ihren Körper interessiert und lüstern betrachtete. Seine Hände begannen äußerst feinfühlig über ihre Haut zu streichen. Die Rundungen erregten ihn und ihr Körper wollte sich ihm endlich hingeben. Sie spreizte die Beine in der Erwartung, dass er seine Hose ausziehen und sich zwischen ihre Schenkel legen würde. Aber Marc blieb angezogen. Trotz ihrer eindeutigen Signale machte ihr Verführer keine Anstalten, sich auszuziehen. Im Gegenteil, er ließ seine Hose zu. Silke hatte keine Zeit, sich darüber Gedanken zu machen, seine Hände, sein Mund, seine Zunge verwöhnten ihren nach sexueller Zuneigung lechzenden Trieb derart, dass ihre Anspannung zu groß wurde, um Fragen nach dem Wieso oder Warum zu stellen. Ihr Liebhaber streichelte ihren Körper an den genau richtigen Stellen, danach begannen seine Hände ihre Brustwarzen zu massieren, gefolgt von seinen Lippen. Sie war nicht mehr nur erregt oder scharf, eine bisher nicht gekannte Woge der Wollust bemächtigte sich ihres ganzen Ichs. Die Schranken des anerzogenen Anstands, die Scham, die reservierte Zurückhaltung waren überwunden. Das Liebespaar befand sich inmitten des Schlachtfeldes der sexuellen Lust. Keine Gefangenen, keine Tabus mehr, jetzt war alles möglich. Die brachiale Gewalt des Sexualtriebes, die Naturgewalt, die in jedem Säugetier in Jahrtausenden der Fortpflanzung genetisch weitergegeben wurde, bemächtigte sich ihrer Handlungen.
»Sieh mich an! Besorg es mir!«, befahl sie ihm.
»Ja, ich betrachte dich, während ich dich befriedige.«
Das waren genau die Worte, die sie hören wollte. Aufgeheizt zuckte ihr Körper unter der Spannung, verursacht von seinen Händen und den lüsternen Blicken, mit denen diese wunderbaren, tiefgründigen, blauen Augen ihren Körper vernaschten.
»Besorg es mir, jetzt!«, verzweifelte Schreie der Wollust und der Gier nach dem befreienden Höhepunkt lechzend, kamen aus ihrem Mund. Die Körperspannung war mittlerweile so stark, dass ihr die Energie fehlte, um sich über seine Verweigerung, mit ihr schlafen zu wollen, Gedanken machen zu können, oder geschweige noch die Kraft vorhanden war, um ihn auszuziehen, Silke war kurz davor. Sein Ständer, wenn ich den sehe oder berühre, dann kommt es mir, durchfuhr es sie. Ein Griff in seine Hose. Die große erigierte Männlichkeit, die ihre Hand erfühlte, verfehlte die beabsichtigte Wirkung nicht. Langsam begann ihre Hand sein Glied zu reiben. Sein immer lauter werdendes Stöhnen erhöhte ihre Erregung. Er bemerkte ihren sich anbahnenden Höhepunkt und begann damit, nur noch ihre Scham in gleichmäßig kreisenden Bewegungen zu streicheln. Aus ihrem Stöhnen wurde lautes Schreien, als die Befriedigung einsetzte. Das Mondlicht und der Kerzenschein der Laterne verströmten gerade genug Licht, dass sich das Liebespaar mit Blickkontakt beim Höhepunkt gegenseitig genießen konnte. Sein begehrender Blick, während sie sich schamlos und lauthals ihre Befriedigung aus vollem Halse aus dem Leib schrie, das versetzte ihr ein wohliges Gefühl von Verbundenheit und Zuneigung zu Marc. Nicht einmal ihrem Mann hätte sie sich so offen, hemmungslos und verwundbar hingegeben. Hier draußen hörte niemand ihre vollkommene Auslieferung an diesen jungen Liebhaber und zum ersten Mal in ihrem Leben konnte Silke ihre eigene intime und bisher verborgene Sexualität ausleben. Ihr Körper trieb in einer Welle der befreienden Entspannung, während sich langsam eine wohlige Wärme in ihm ausbreitete. Ein paar Minuten einfach nur so daliegen und genießen.
Eine Zeitlang ruhte Silke wortlos in seinen starken Armen. Bis seine Hände wieder begannen, ihren Schambereich erneut ganz zart und gefühlvoll zu streicheln. Zu ihrem eigenen Erstaunen reagierte ihr Körper sofort, begehrend nach mehr, auf seine Avancen. Ein Mehrfach-Orgasmus bei Frauen, das war ihr vom Hörensagen her bekannt, aber ob sie dazu in der Lage war? Mit ihrem Mann zusammen einen Orgasmus erlebt zu haben, Fehlanzeige. 26 Jahre Ehe, ohne je einen Höhepunkt erlebt zu haben. Bei Johannes war sie bisher noch nie gekommen, die ehelichen Befriedigungen waren allesamt vorgespielt, damit ihr Gatte sich besser und männlicher fühlte, aber hier … Das war neben dem Quickie vorhin in der Hotelhalle, vor einer Stunde, erst ihr zweiter von einem Mann herbeigeführter Orgasmus gewesen, und ja, es machte Lust auf mehr. Am süßlichen Honig der Wollust war genascht und die Gier nach mehr, viel mehr war geweckt. Silke konnte nicht weiterdenken, das erneute Streicheln ihres Intimbereiches verfehlte die beabsichtigte Wirkung nicht und die erneute Erregung wallte in angenehmen Schüben durch ihre erogenen Zonen. »Mein Gott, was machst du mit mir!«
»Soll ich aufhören?«
»Nein, nein, auf keinen Fall! Mach weiter! Ich brauche es, mach weiter, sofort!«, entfuhr es ihr gebieterisch und flehend zugleich. Marc kam ihrem Wunsch nach und begann erneut, seine kleine Gespielin einem weiteren Höhepunkt entgegenzuverwöhnen. Erst jetzt bemerkte Silke, dass ihre Hand noch immer in seiner Hose steckte und sein Glied festhielt. Diesmal sollte auch er befriedigt werden, auch wenn er nicht mit ihr schlafen wollte. Der Gedanke an einen gemeinsamen Höhepunkt ließ ihre Erregung ansteigen. Sanft begann ihre Hand seine Errektion zu reiben. Seinem Gesichtsausdruck war die gleichzeitige Lust, sich ihr hinzugeben, und andererseits sein innerer Kampf, sich ihr zu verweigern, anzusehen. Irene hatte ihr erzählt, wie toll es war, von ihm gebumst zu werden. Wieso schlief dieser Traummann mit anderen Frauen, weigerte sich aber, es mit ihr zu tun? Wieso widerstand Marc ihren Bemühungen, ihn ebenfalls zu verwöhnen, während er ihr die schönsten Stunden ihres Lebens schenkte? Fragen über Fragen, die jetzt im Moment ihrer eigenen Geilheit, der höchsten Erregung nicht überdacht werden konnten.
»Mehr, mehr, schneller, ja, genau so, mach weiter, besorg’s mir!«, entfuhr es ihr, während seine Hände zärtlich und zugleich fordernd über ihre Scham streichelten. Eine Hand glitt unter ihren Hintern, den er kurz und gefühlvoll knetete, um die Hand kurz darauf wieder über die gespreizten Oberschenkel zurück auf ihren Intimbereich zu bewegen. Jetzt führte er zwei Finger in ihren feuchten Unterleib ein und rieb sie gleichzeitig von innen und außen mit beiden Händen bis zur Ekstase. Als sich der dritte Orgasmus ankündigte, spritzte er in seiner Hose in ihrer Hand ab. Sie zuckte kurz und heftig zusammen, dann entlud sich ihre Anspannung mit einer unerwarteten Heftigkeit, die sie kurz die Besinnung verlieren ließ.
Silke wusste nicht, wie lange sie dagelegen hatte, bevor ihre Sinne wieder richtig funktionierten und ihr Gehirn erneut klare Gedanken fassen konnte. Marc lag wortlos, ruhig atmend neben ihr. Erschöpft, aber tief befriedigt wollte sie sich ihm zuwenden, dafür musste ihre Hand aus seinem Hosenbund. Er war tatsächlich auch zum Höhepunkt gekommen, ihre Hand war voll von männlichem Liebessaft.
Silke fröstelte jetzt und schmiegte sich an ihn. Was für ein schöner Mann und wunderbarer, zärtlicher Liebhaber. Trotz des Mondlichts, denn die Kerze in der Laterne war ausgegangen, war zu erkennen, dass Tränen über sein Gesicht liefen und eine melancholische Stimmung sich seiner bemächtigt hatte, die ihn fast teilnahmslos in den Sternenhimmel blicken ließ. Es schien ihr nicht der richtige Zeitpunkt zu sein, um ihn darauf anzusprechen. Etwas über zehn Stunden lag ihr erstes Aufeinandertreffen zurück. Merkwürdig hatte Marc sich beim ersten Händeschütteln ihr gegenüber verhalten. Als wäre er verlegen oder sogar erschrocken. Beim Essen, während sich ihre Partner gegenseitig abfüllten, hatte dieser wunderbare Jüngling bereits begonnen, ihr, zwar sehr geschickt und charmant, gezielt Fragen zu stellen, die darauf hinwiesen, dass er nach Antworten suchte, aber wonach genau das entzog sich ihrem Wissen. Was Silke anfänglich als Small Talk angesehen hatte, schien für ihn weitaus mehr Bedeutung gehabt zu haben. Dass Marc mit ihr zusammen sein wollte, ohne eine gewisse Grenze zu überschreiten, bekam nun ebenfalls eine tiefere Bedeutung. Mittlerweile war sich Silke sicher, dass sie für ihn keine Trophäe war. Wäre es ihm nur um eine weitere Kerbe in seinem ’Band der Eroberungen’ gegangen, dann hätte eine kurze Nummer unterwegs im Auto dafür völlig ausgereicht. Eine schnelle Befriedigung, ohne auf ihre Bedürfnisse einzugehen, um sich gleich danach der nächsten Anwärterin zuzuwenden. Aber etwas beschäftigte diesen Traummann dermaßen, dass er mit Tränen in den Augen neben ihr lag und offensichtlich selber verwirrt schien. Dieser Mann war voller Geheimnisse …
»Ach, mein Schatz, du zitterst am ganzen Körper«, bemerkte er fürsorglich.
Marc legte seinen Arm um Silke, zog sie an sich und deckte ihren fröstelnden Körper mit der Decke zu. Wie schön es sich anfühlte, in diesen Armen zu liegen und einfach die Zeit an sich vorbeiziehen zu lassen. Wortlos lagen beide engumschlungen da, bis die Müdigkeit ihren Tribut forderte und das Paar eindöste.
Die ersten Sonnenstrahlen holten das Liebespaar sanft aus seinen Träumen. Es war erst halb sechs Uhr. Es blieb genug Zeit, um rechtzeitig im Hotel zurück zu sein, damit ihr Schäferstündchen nicht aufflog. Marc drehte sich zu Silke und streichelte ihr zärtlich übers Gesicht, gefolgt von einem sanften Kuss auf den Mund. Silke genoss diese ungewohnte Zuwendung.
Beide erhoben sich und liefen ins Haus. Gemeinsam unter der warmen Dusche stehend drehten seine starken Arme ihren Körper Richtung Fliesen. Beide Arme gegen die Wand gestemmt, während von oben über den großen Duschstrahler das angenehm warme Wasser über ihre Körper rieselte. Seine erigierte Männlichkeit berührte sanft ihren Po, ohne Anzeichen, in sie eindringen zu wollen. Die Regeln waren letzte Nacht gesetzt worden und mittlerweile bekannt. Ihn nicht berühren, kein Schritt nach hinten, um ihn eindringen zu lassen. Nur die Beine spreizen und genießen. Ihr kleiner molliger Körper erregte ihn, aber sollte nicht zu seiner eigenen Triebbefriedigung dienen. Seine Hand zwischen ihren Schenkeln hindurchgeführt, streichelte den Bauch, während ihr die andere Hand über den Rücken fuhr und sich langsam nach unten über den Hintern bis zwischen ihre Oberschenkel tastete. Beide Hände zwischen den Oberschenkeln erhöhten ihre Lust und das Begehren zu kommen bemächtigte sich unerbittlich ihres Körpers. Der ganze Unterleib begann erregt zu krampfen und zucken: »Besorg es mir, bitte, ich flehe dich an!«, die Beine mehr spreizend und ein hohles Kreuz machend, dies war ihr eindeutiges Signal, die Aufforderung an seine Männlichkeit, endlich der Natur ihren Lauf zu lassen und ihren Körper zu besteigen. Dann beide Hände zärtlich in leichten wellenden Streicheleinheiten auf ihrer Scham und ... und, ja. Ein kurzer Augenblick der totalen Anspannung, dann entglitt ihr die Körperbeherrschung und der Trieb bemächtigte sich ihrer. Eine Woge der höchsten Erregung, Wonne und Wollust durchfuhr jede Faser und entlud sich in einem Feuerwerk einer berauschenden Erlösung. Sich in seine starken Arme fallen lassen.
»Mein Gott, was tust du mit mir? Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie etwas derart Berauschendes erlebt. In deinen Händen werde ich zu einer willenlosen Puppe. Es macht mir Sorgen und dennoch genieße ich diesen für eine brave Ehefrau unziemlichen Moment gerade unbeschreiblich.« Keine Antwort, nur ein zärtlicher Kuss. Seine Hände begannen erneut sich langsam und äußerst gefühlvoll an ihren Intimbereich heranzutasten und zu streicheln. Kein Auflehnen, kein Hinterfragen, nicht einmal ein Anflug des Zweifels. Die Beine erneut gespreizt, um die fordernden starken Hände und zugleich unglaublich zarten liebevollen Streicheleinheiten zuzulassen. Kurz darauf ein erneuter Schub der Erlösung, die Beine gaben nach, die Knie konnten den in Wollust und von befriedigender Erleichterung getragenen Körper nicht mehr halten. In seinen Armen liegend, die ihren dahintreibenden Körper auffingen, zusammen auf den Boden der Duschwanne sinkend, sich in diesem Kokon, in dem es nur sie und ihn gab, weg von Zeit, Alltag, Pflichten, sich nur von zärtlicher Zweisamkeit dahintreiben lassen. Diese bisher unbekannte neue Welt der völligen Hingabe, tabulos, ohne hindernde Reserven der Selbstkontolle, schamlos den Egoismus auskosten, wirkte berauschend wie eine Droge. Ein Blick in seine stahlblauen Augen, die wie zwei unergründliche Bergseen direkt in ihre Seele blickten, sein kantiges Wikingergesicht lösten ein Gefühlschaos in ihr aus. Eine Nacht hatte ausgereicht, um diese leuchtende und wärmende Fackel der Verliebtheit in ihr zu entfachen. Jahrelang durch den eintönigen Pfad des Alltags als Ehefrau, Mutter und brav funktionierendes Mitglied der Gesellschaft, gut angepasst, alles als selbstverständlich hingenommen, durchlaufen. Vom großen Abenteuer, vom Traumprinzen, der sie auf seinem weißen Schimmel in das Land des nie endendens Glücks entführte, bisher nur davon geträumt. Jetzt war dieser Traum Wirklichkeit geworden und überstrahlte jede bisherige Fantasie. Aber Silke war klar, dass diese aufkeimende Verliebtheit keine Zukunft hatte und diese verführerische Fackel so schnell wie möglich wieder gelöscht werden musste, bevor sie in ihrem wohlgeordneten Leben einen zerstörerischen Flächenbrand entfachte. Aber noch ein paar Minuten in diesen wunderbaren Armen liegend das weiterhin herunterrieselnde warme Wasser genießen, dieser Moment durfte noch genüsslich ausgekostet werden, bevor diese wild flackernde Fackel wieder unter dem Deckel des Alltages erstickt wurde.
Etwas später duschten beide in zärtlicher Umarmung und Verliebtheit zusammen, danach gab Marc ihr einen seiner Trainingsanzüge, der viel zu groß, aber bequem war.
»Lass uns kurz einen Kaffe trinken, bevor ich dich zurückbringe.«
Während er Kaffee kochte und eine Dose mit Knäckebrot öffnete, sah sie sich im Landhaus um. Es war renoviert, modern und geschmackvoll eingerichtet. Nur etwas Persönliches fehlte. Es gab keine privaten Fotos, aus denen etwas zu seiner Familiengeschichte hätte hergeleitet werden können. Seltsam, wirklich seltsam … Je mehr sich ihr sein privates Leben offenbarte, desto mysteriöser wurde dieser Mann. Selbst Irene hatte es in den drei Wochen, seit Beginn ihrer Beziehung mit ihm, nicht geschafft herauszufinden, woher ihr neuer Freund kam oder was er beruflich machte. Das Einzige, das Irene bisher über ihn erfahren konnte, war, dass sein Vater halb Deutscher, halb Norweger und seine Mutter Engländerin war … und dass dieses Cottage der Familie seiner Mutter gehörte. Anhand seines Benehmens, der gepflegten Erscheinung und des Wortschatzes, den Marc benutzte, entnahm Silke, dass ihr schöner Liebhaber intelligent, gebildet, wahrscheinlich Akademiker war und aus gutem Hause stammte.
Silke griff nach der Tasse mit dem heißen Kaffee, trank in kleinen wohltuenden Schlucken und knabberte hungrig an einem Knäckebrot herum. Er stand ihr gegenüber lässig an die Wand gelehnt und trank ebenfalls seinen Kaffee. Im Sonnenschein, der durch das Fenster auf sein Gesicht fiel, mit den feuchten Haaren und dem Dreitagebart sah dieser jedem Dressman ebenbürtige Mann umwerfend gut aus. Jetzt trug Marc ein sandfarbenes kurzärmeliges Hemd und eine dazu passende helle Flanellhose. Mit dem offenen Hemd, durch das sein trainierter Körper zu sehen war, sah er wirklich wie ein Topmodel aus.
Manchmal beim Selbstbefriedigen hatte sie solche Männer, wie Marc einer war, vor Augen gehabt und davon geträumt, einmal von so einem fleischgewordenen Frauentraum verführt zu werden – und jetzt waren diese Wunschfantasien Tatsache geworden. Die zwei Tätowierungen, die Marc auf der Brust trug, waren ihr bereits in der Nacht aufgefallen. Dank des offenen Hemdes konnte der Körperschmuck ausgiebig betrachtet werden. Auf jedem Brustmuskel war ein Nadelwerk platziert. Es handelte sich um aufwendige, in dunkelblauer Farbe, fast schwarz wirkende und sehr detaillierte wikingerähnliche Runenzeichen umrahmt von Südsee-Symbolen. Dieser große blonde breitschultrige Mann hatte wirklich etwas von einem Wikinger. Je länger Silke die Tätowierungen betrachtete, desto mehr schien es ihr, als hätten die eine tiefere Bedeutung für ihn und standen für etwas Einschneidendes und sehr Wichtiges in seinem Leben. Diese auffällige Platzierung der Tattoos auf den Brustmuskeln schien wohldurchdacht, wie Mahnmale, so platziert, dass ein Übersehen, ein Ausblenden, ein Vergessen einer wichtigen Erinnerung unmöglich waren.
Nicht wie ihr eigenes Idioten-Tattoo, das seit vier Jahren ihre rechte Schulter zierte. Vor vier Jahren, nachdem Irenes Scheidung durch war, da wollte Silke, um ihre beste Freundin auf andere Gedanken zu bringen, mit ihr für eine Woche nach Schottland zum Wandern fahren. Irene hatte aber damals keine Lust auf die melancholische Stimmung Schottlands und konnte ihre beste Freundin zu einer Woche Mallorca überreden. Statt Regen und Kälte, Sonne und Party. Anstatt Kaminfeuer und Bücherlesen, Feiern und junge Männer verführen, »hemmungslos, viel Spaß haben« war damals Irenes Motto gewesen. Und genau so kam es, die Nächte in Discos durchtanzen, laute Musik, endloses Flirten, meist mit viel jüngeren Männern, und Alkohol ohne Ende waren damals angesagt. Ruhige Abende mit einem guten Buch vor einem Kaminfeuer in eine warme Decke gehüllt zu verbringen, was Silke überaus liebte, in Mallorca Fehlanzeige. Zudem ließ sich Irene damals jeden Abend von irgendeinem Kellner oder Doorman abschleppen. Der Höhepunkt dieser Scheißferien war der letzte Abend gewesen. Nachdem beide wieder, wie jeden Abend zuvor, völlig zugeballert waren, landeten sie in einem Tattoo-Studio, das von zwei Engländern betrieben wurde. Um ihre tiefe Freundschaft zueinander zu besiegeln, kam ihnen im Vollrausch die geniale Idee, sich beide das gleiche Körperbildchen stechen zu lassen. Natürlich wurde diese Tat von beiden am nächsten Morgen bereits wieder bereut. Die zwei ließen sich denselben circa fünfzehn Zentimeter großen Drachen, der ein Symbol des Glücks und der Stärke ihrer Freundschaft darstellen sollte, verpassen. Silke hatte in einem Anflug von Restvernunft damals ihren Rücken hingehalten, während Irene ihre Brust entblößte und den Drachen mitten auf ihren rechten Busen gestochen bekam. Irene musste jetzt täglich ihren Drachen, der eigentlich mehr einem Seepferdchen mit Krallen als einem Drachen glich, wenn sie sich an- oder auszog, ansehen. Davon blieb Silke dank der Schultertätowierung verschont. Johannes, ihr Mann, der mit dieser Form von Körperschmuck eigentlich nichts anfangen konnte und sich selber nie eines stechen lassen würde, fand ihr Seepferdchen aber zu ihrem Glück hübsch und sexy. Die zwei großen Brust-Tattoos, die Marc besaß, hatten aber nichts mit einer Dummheit, die aus einer Bierlaune heraus entstanden war, zu tun. Ein weiteres Rätsel, das diesen Mann umgab.
Silkes Blick haftete lange und interessiert auf seinen Körperverzierungen, bis ihr auffiel, dass er sie ebenfalls beobachtete. Mein Gott, wie peinlich, er hat mich ertappt. Wie ungalant von mir, ihn derart unverhohlen zu mustern.
»Genug gesehen?«, fragte er bestimmt, aber freundlich.
»Ja … entschuldige, ich habe nur deine wunderschönen Tattoos bewundert.« Sie hoffte, dass ihr Liebhaber etwas darüber erzählen würde.
Wortlos, ohne Anzeichen, eine Erklärung abgeben zu wollen, nahm der Hausherr ihr die leere Kaffeetasse ab und spülte sie aus. »Es ist kurz nach sechs, wir sollten uns auf den Weg machen.«
Silke hatte die Zeit völlig vergessen, aber bei sofortiger Abfahrt sollte es immer noch reichen, um pünktlich zurück zu sein.
Es war genau viertel nach sechs, als Marc das Auto startete und mit hohem Tempo zum Hotel zurückfuhr. Zehn vor sieben zeigte ihre Uhr an, als der Wagen die Hotelvorfahrt erreichte. Silke stieg hastig aus, kommentar- und abschiedskusslos, ohne ihn weiter zu beachten, huschte die Fremdgängerin durch den Eingang direkt zum Fahrstuhl, um möglichst unentdeckt und rasch auf ihr Zimmer zu gelangen.
Als Silke den Zimmerschlüssel hervorzog, begann ihr Herz zu pochen: Was wartete hinter dieser Tür, die gewohnte Routine, alles normal, als wäre nichts vorgefallen, oder eine böse Überraschung? Ein schnarchender Ehemann, der von ihrem nächtlichen Ausflug nichts bemerkt hatte, oder ein aufgebrachter Gatte, dem, wenn er seine Frau in dem zu großen Sportanzug sah, klar werden würde, dass ihm gerade Hörner aufgesetzt wurden? Ihr Herz klopfte immer lauter unter der Anspannung und drohte gleich zu implodieren. Vorsichtig und so leise wie möglich schoben ihre Arme die schwere Tür auf. Es war dunkel im Raum und das laute gleichmäßige Schnarchen aus dem Doppelbett drang beruhigend an ihr Ohr, alles in Ordnung .
Silke nahm ihr Nachthemd, das auf dem Stuhl lag, und ging leise ins Bad. Nachdem die Hände und das Gesicht mit ihren Cremes eingerieben waren und ein kleiner Spritzer ihres Parfums ihren Körper umwehte, war die kleine mollige Frau wieder die brave, treue Gattin eines Bankers. Ein Entlarvtwerden von ihrem verkaterten Gatten war jetzt unmöglich, ihr Aussehen, ihr Geruch, alles wie gewohnt. Der Trainingsanzug wurde zusammengefaltet und im Koffer in den Wäschesack gesteckt. Im Bett neben ihrem Mann liegend, fuhren ihr, trotz der Müdigkeit, die letzte Nacht, die vergangenen Stunden durch ihre Gedanken. Fünf Orgasmen, nein, eigentlich waren es sechs Höhepunkte gewesen, die sie gemeinsam mit einem Mann zusammen erlebt hatte. Den ersten hatte sie an einem öffentlichen Ort, in der Eingangshalle des Hotels, und es war prickelnd und aufreizend gewesen. Den zweiten erlebte sie während der Fahrt zum Cottage, als er ihr zwischen die Schenkel griff. Es war ein ganz sanfter gewesen. Marc hatte es nicht einmal bemerkt. Silke hatte nur kurz die Augen geschlossen und sich auf die Unterlippe gebissen, als sie kam. Selbst dieser Mini-Orgasmus war intimer und besser gewesen als jeder bisher erlebte Austausch von Körperflüssigkeiten mit ihrem Ehemann. Der dritte ein harter, fordernder Orgasmus unter dem Sternenhimmel Südenglands und der vierte ebenfalls draußen, aber sanft und zärtlich. Gefühlvoll von Marc mit seinen beiden Händen herbeigestreichelt, wie wundervoll das war. Der fünfte unter dem warmen Wasserstrahl der Dusche gefolgt vom sechsten, der ihr die Kraft nahm und sie danach in völliger Entspanntheit, in seinen Armen liegend, dahintreiben ließ. Das schlechte Gewissen, das sie von nun an ihrem Mann gegenüber haben würde, gut, kein wirklich schlechtes Gewissen, aber doch ein bisschen Scham ihm und ihren eigenen Prinzipien gegenüber, das war der Preis, der dafür bezahlt werden musste. Aber diese Nacht war diesen Preis wert. Keine Reue, kein »wäre ich doch nicht«, kein »hätte ich nicht«, nein, es war ebenfalls keine Rache an Johannes wegen seiner regelmäßigen Seitensprünge gewesen, es war einfach die Nacht ihres Lebens, schön, romantisch und voller Erotik, gewesen. Glücklich schloss Silke ihre Augen, als gerade Johannes’ Wecker zu läuten begann. Silke öffnete ihre Augen wieder und schmunzelte kurz über ihr perfektes Timing.
Es dauerte einen Moment, bis ihr Mann sich rührte, den Wecker abstellte und sich zu ihr umdrehte. »Mein Schädel brummt. Ich weiß nicht, ob ich heute die 18 Löcher schaffe«, stellte er fest. Sein Atem, der nach Alkohol und aufsteigender Magensäure roch, war eklig und verschlug ihr fast den Atem.
»Aber dein Loch würde ich heute noch schaffen«, fuhr er fort.
Nach dieser herrlichen Nacht mit Marc, diesem attraktiven und zärtlichen Mann, da lag bei ihr der Euphoriepegel auf der Lustskala, um mit ihrem Mann zu schlafen, bei null. Als Abschluss dieser einmaligen Nacht einen unerotischen Quickie mit ihrem nach abgestandenem Alkohol riechenden Gatten zu schieben, das fühlte sich wie eine Bestrafung an. Aber als gute Christin wusste man, dass jede Sünde, ob groß oder klein, nach Buße verlangte, und dies war wohl ihre gerechte Bestrafung für den Seitensprung.
Nachdem Johannes vom Pinkeln zurück war, legte das Nachbrandopfer sich neben seine Frau ins Bett. Mit einer Hand zog der Grobian ihr Nachthemd nach oben, während er mit der anderen ihr Höschen auszog. Ihr wurde schlecht, als sein übelriechender Mund versuchte, sie zu küssen, sein Säuregeruch war einfach nur ekelhaft.
Silke stieß ihn zur Seite. Als er auf dem Rücken lag, kniete sie sich neben ihn, ergriff sein erigiertes Glied und begann seine, im Vergleich zu Marc, äußerst bescheidene Männlichkeit zu reiben. Um ihn nicht küssen zu müssen, zog sie es vor, ihm einen zu blasen. Sein Pimmelchen in ihrem Mund erregte ihn derart, dass der Herr Bankdirektor schnell kam. Ein kurzes Stöhnen, ein leichtes Zucken und es war, wie bei ihm üblich, bereits vorbei, bevor irgendeine erotische Stimmung in ihr aufkam.
»Wow, das war der Hammer. So hast du es mir schon lange nicht mehr besorgt … Was schade ist, denn darin bist du Spitzenklasse. Mein kleines Bummelchen.« Die Bemerkung geriet ihr in den falschen Hals. Bummelchen! Klein!
»Ich habe leider nicht die langen Beine und die knackige Figur deiner Sekretärin. Ich muss mit dem arbeiten, was mir zur Verfügung steht«, entfuhr es ihr, ohne zu überlegen. Er hielt inne und sah sie scharf an. »Was soll das bedeuten, das Geschwätz von meiner Sekretärin?« Silke war in die Enge getrieben. Der Mut hatte kurz die Herrschaft in ihr übernommen. Soll ich ihm sagen, dass ich es weiß, die vielen Affären während all den Jahren? Würde sie es wagen, ihn herauszufordern ohne Rücksicht auf die Konsequenzen? Wäre ihre Ehe nach einer Aussprache gefährdet oder sogar am Ende? Würde er um sie kämpfen, sechsundzwanzig Jahre Ehe und dennoch hatte Silke keine Ahnung, wie ihr Gatte reagieren würde. Der Feigling und die Angst – ein starkes Paar bemächtigte sich ihrer Gedanken und sie knüppelten den Mut, wie so oft in den vergangenen Jahren, wieder aus dem Ring der für die Entscheidungen verantwortlichen Hirnrezeptoren. Jetzt gesellte sich noch das Schoßhündchen vom Feigling und der Angst, der kleine Wadenbeißer, genannt »der Mutlose«, dazu und das kurze Aufflackern vom Sich-der-Konfrontation-Stellen verflog wieder.
»Ich meine ja nur, dass mit den Topmodels, die bei euch in der Bank arbeiten, keine normale Hausfrau im mittleren Alter mithalten kann.« Johannes entspannte sich wieder. Sie hatte keine Ahnung, es war lediglich ein Schuss ins Blaue gewesen.
»Aber mein kleines Bummelchen, du weißt doch, wie ich auf deinen prallen Hintern, deine zwar kurzen, aber sehr schönen Beine und auf die kleinen Brüste stehe.« Das sollte wohl so etwas wie ein Kompliment sein.
Glücklicherweise wollte Johannes nicht kuscheln und verschwand im Bad mit der Bemerkung, er brauche erst mal eine kalte Dusche, um wieder zu Sinnen zu kommen, was ihr mehr als recht war.
Wie soll es weitergehen?
Nachdem die Schnapsdrossel durch die kalte Dusche erfrischt das Bad verlassen hatte, betrat Silke die Nasszelle und putzte sich die Zähne, um seinen Samengeschmack loszuwerden. Als Silke wieder das Schlafzimmer betrat, stand Ihr Angetrauter bereits in voller Golfmontur vor ihr: »Los Bummelchen, hüpf in deine Golfkleidung. Etwas Bewegung wird deinen schlaffen Hausfrauen-Fettpölsterchen guttun.« Idiot! Obwohl müde von der anstrengenden und langen Nacht, schlüpfte Silke in ihre Golfkleidung und begleitete ihren Deppen, der leider nicht Johnny mit Vornamen hieß, in den Frühstücksraum, um ihm anschließend auf den Platz zu folgen.
Nach einem ausgiebigen Frühstück kam die Energie zurück. Gestärkt und von der Morgensonne angestrahlt, begaben sich die beiden auf den Platz. Beim ersten Abschlag trafen sie auf Andrew und Josephine, ein älteres Paar aus London, das ebenfalls das Wochenende in Kent verbrachte. Schnell war man sich einig, zusammen zu golfen.
Während die Männer eine kleine Wette um ein paar Pfund am Laufen hatten, pflegten die zwei Frauen zunächst eine entspannte und belanglose Konversation. Silkes Englisch war zwar nicht so gut wie das ihres Mannes, aber es reichte, um sich fließend zu unterhalten. Ein bisschen Small Talk über die Familie, das Reisen und den neuesten Promitratsch verkürzte die Zeit zwischen den Schlägen.
Je länger die Partie lief, umso hoffnungsloser geriet Johannes in Rückstand. Bereits beim Abschlag hatte er realisiert, dass Andrew ein routinierter Golfer war. Auf dem Fairway begann Johannes schnell den Anschluss zu verlieren, bis er beim Green hoffnungslos zurücklag, was von Loch zu Loch schlimmer wurde. Dummerweise hatte Mister Golfgenie vergessen, Andrew vor der Wette nach dessen Stammvorgabe, dem Handicap, zu fragen. Hätte ihr Göttergatte vorher gefragt, dann hätten die beiden Männer netto gespielt, aber jetzt konnte Johannes sein Handicap nicht gegenrechnen. Ihr Mann gewann mit seinem Handicap von elf regelmäßig gegen andere Amateure, aber Andrew, der früher Golflehrer war, wie er leider erst während des Spiels beiläufig erwähnte, hatte ein Handicap von drei und das Versäumnis, ihn vorher nicht danach gefragt zu haben, das rächte sich gerade. Seinem Brummschädel schob Johannes, der wusste, wenn er nüchtern und im Besitz seiner vollen Fähigkeiten wäre, hätte er ein perfektes und fehlerloses Spiel hingelegt, die Schuld an seiner fahrlässig eingegangenen Wette zu.
Silke war froh, dass sie nicht mit ihrem Mann reden musste. Er war mit Andrew und der blöden Wette mehr als nur beschäftigt. Josephine oder Joe , wie sich ihre Spielgegnerin nannte, fragte Silke plötzlich, als die Damen außer Hörweite der Männer waren, nach dem Schönling, mit dem sie heute Morgen im Hotel vorfuhr. Zuerst erschrak Silke, aber nachdem in Joes Gesicht weder ein verächtlicher noch verurteilender oder gar spöttischer Blick zu erkennen war und sich mittlerweile ein gewisses Vertrauensverhältnis zwischen den Frauen entwickelt hatte, da ergriff Silke die Gelegenheit, über ihre ungewohnte Situation zu sprechen. Innerlich war sie trotz der Ablenkung durch das Golfen, der Konzentration auf die Unterhaltung in einer Fremdsprache mit Joe und der entspannenden warmen Sonne, die ihren Körper angenehm berührte, ziemlich aufgewühlt. Die Anspannung war fast unerträglich für Silke. Marc hatte sich ihrer Sinne bemächtigt. Wie eine Urgewalt, der man nicht entrinnen konnte, hatte er sich in ihr Hirn gebohrt und sich in jeder Faser ihres Körpers wie ein Virus eingenistet und ausgebreitet. Unentwegt kreisten ihre Gedanken um die vergangene Nacht und sie glaubte bereits, innerlich zerspringen zu müssen, als Joe das Thema Marc ansprach. Nach kurzem Zögern wurde der Drang, mit jemandem über ihre Situation zu reden, in der Hoffnung, dass es ihr etwas Luft verschaffen würde, ein Befreiungsschlag sozusagen, oder zumindest etwas Klarheit in die nebulöse Situation bringen könnte, übermächtig. Wer war für ein offenes Gespräch besser geeignet als eine Fremde, die am selben Tag wieder nach London zurückreiste? Mit Irene, mit der sie normalerweise alles besprach, konnte dieses Mal, aus verständlichen Gründen, keine Aussprache stattfinden.
Nach kurzem Zögern fasste Silke sich ein Herz und begann, ihrer Golfpartnerin in groben Zügen zu erzählen, was letzte Nacht vorgefallen war, natürlich ohne auf Details einzugehen, dies wäre ihr viel zu peinlich gewesen. Tatsächlich legte sich mit ihrer Beichte die innere Anspannung etwas und sie begann sich besser zu fühlen. Manchmal tat es einfach gut, wenn man sich einem Unbeteiligten anvertraute, einem völlig Fremden, der ohne Vorkenntnisse, ohne Hintergrundinformationen, ohne vorgefertigte Meinung sich ganz neutral eine Geschichte anhörte und unvoreingenommen dazu Stellung bezog.
Nachdem die Geschichte in groben Zügen erzählt war, schmunzelte Joe. »Und, was sind deine nächsten Schritte?«
Gute Frage, aber Silke wusste keine Antwort.
Joe sah sich ihre fünfundzwanzig Jahre jüngere Spielgegnerin eingehend an und spürte, dass Silke in einer Sackgasse steckte. »Genau so was haben Andrew und ich vor dreißig Jahren erlebt.«
»Und wie habt ihr das überstanden? Wie habt ihr eure Ehe gerettet?«, wollte Silke wissen.
»Oh, Andrew war nicht mein Mann … Er war der Seitensprung«, schmunzelte Joe amüsiert. »Und ich habe die Entscheidung von damals, meinen Mann, mein in wohlgeordneten Bahnen verlaufendes Leben aufzugeben, nie bereut!«
Silke war baff. »Du und Andrew, ihr seid ungefähr gleich alt und ihr passt gut zusammen, ihr seid ein harmonisches Paar. Ich bin aber viel älter als Marc. Ich kenne ihn gerade einmal seit ein paar Stunden und weiß nicht, wer hinter der schönen Fassade steckt, was er beruflich macht – ich weiß nichts von ihm. Nein, eure Situation ist nicht mit meiner zu vergleichen.«
Joe wurde nachdenklich und überlegte eine Zeitlang. »Ich habe Andrew bei einem Golfturnier vor dreißig Jahren kennengelernt. Ich war damals 45, Mutter von zwei erwachsenen Kindern und die Frau eines angesehenen Geschäftsmannes. Andrew war damals erst 35 und hatte den Ruf eines frauenvernaschenden Sonnyboys. Nach diesem Golfwochenende damals, da war ich genau in derselben Situation wie du jetzt. Nach anfänglichem Zögern habe ich dann aber auf meine Gefühle, auf mein Herz gehört und die Vernunft, die mein Leben bis dato bestimmte, beiseitegelassen. Dreißig Jahre sind seither vergangen, und obwohl ich einen hohen Preis dafür bezahlen musste, habe ich diese Entscheidung, bis heute, keinen einzigen Tag bereut.«
»Welchen Preis musstest du bezahlen, um mit deiner großen Liebe zusammenzukommen?«, wollte Silke wissen, die bisher vermieden hatte, an die möglichen Folgen einer Trennung von ihrem Mann zu denken.
»Das Schlimmste waren die Kinder, die haben mir bis heute nicht verziehen, dass ich ihren Vater verlassen habe. Das Geld war am Anfang auch ein Problem. Mein Mann hatte gute Anwälte und einen cleveren Buchhalter, deshalb waren ich und Andrew nach der Scheidung praktisch mittellos. Mit dem Gehalt eines Golflehrers auszukommen, in einer kleinen Wohnung zu leben, nachdem man 25 Jahre lang in einer Villa gelebt hatte, war nicht einfach für mich, aber es hat sich gelohnt. Eine gelebte Liebe ist bedeutend mehr wert als Luxus und materieller Wohlstand.«
Die Worte taten Silke gut. Es war die Schilderung einer Betroffenen, einer Frau, die sich auch entscheiden musste, sich entschieden hatte und es nie bereute.
»Aber ihr wohnt hier in diesem teuren Hotel«, bemerkte Silke, »wie habt ihr das finanziell hinbekommen?«
Joe zögerte einen Moment, bevor sie antwortete. »Ich erzähle dir etwas, das ich normalerweise niemandem anvertraue: Mein Andrew ist kein Geschäftsmann, er ist wirklich nur ein begnadeter Golflehrer. Während er am Anfang unserer Beziehung viel arbeitete, um uns über Wasser zu halten, hatte ich zu Hause viel Freizeit, denn die kleine Wohnung war schnell geputzt. Da habe ich begonnen, Kekse zu backen und zu verkaufen. Nach und nach wurde ich immer erfolgreicher, baute mir ein ordentliches Geschäft auf und nach einiger Zeit konnten wir davon leben und ein angenehmes Leben führen. Das Beste an meinem Erfolg ist, dass Andrew keine Golfstunden mehr geben muss und ich ihn ganz für mich habe. Mittlerweile exportieren wir Aunt Josies Apple Cookies sogar weltweit. Ich habe Geschäftsführer, die sich um alles kümmern, und wir können das Leben genießen.«
»Was … Aunt Josies Apple Cookies ? Das bist du? Das sind meine Lieblingskekse!« Silke überlegte kurz. War diese Begegnung nur Zufall oder Schicksal?
Das Gespräch mit Joe hatte Silke gutgetan. Joe hatte ihr keine Weisheiten darüber, was sie tun oder lassen sollte, aufgetischt, sondern lediglich aus ihrem Leben erzählt. Aufgrund Joes Geschichte begann Silke nun ernsthaft, ihre Ehe zu überdenken, was sie bisher nie getan hatte. Marc hatte sie aus ihrem Dornröschenschlaf wach geküsst, ihr gezeigt, dass es da draußen noch etwas anderes gab als ein wohlbehütetes, von Routine bestimmtes Leben an der Seite des falschen Partners. Marc blieb ein No-Go, er war zu jung, zu schön und vor allem war dieser Schönling der Freund ihrer besten Freundin. Es war nur eine Verliebtheit, eine Schwärmerei, die sich in einigen Tagen sicherlich wieder legen würde, redete sie sich ein.
Es war bereits Nachmittag, als das Golfspiel endete. Johannes bezahlte seine Wettschulden und lud Andrew zu einem Whisky an die Bar. Joe und Silke setzten sich an einen Tisch vor dem Klubhaus und bestellten Tee. Zum Tee wurden ihnen ein paar Aunt Josies Apple Cookies gereicht. Die zwei Frauen sahen sich an und mussten amüsiert lachen. Sie verloren kein Wort mehr über Männer oder ihre Beziehungen.
Etwas später begleiteten Silke und ihr Mann Andrew und Joe zu ihrem Wagen. Nachdem der Hotelpage deren Gepäck in den Rolls-Royce geladen hatte, verabschiedeten sie sich herzlich und winkten ihnen nach.
Auf dem Weg in ihr Zimmer schwärmte Johannes von dieser Luxussänfte auf vier Rädern.
Johannes bestand darauf, dass Silke Irene anrief und sich zum gemeinsamen Apéro mit anschließendem Abendessen verabredete. Silke war zwiegespalten: Einerseits konnte sie es kaum erwarten, Marc wieder nahe zu sein, andererseits hätte die Verliebte auf ein erneutes Aufeinandertreffen unter diesen Umständen gerne verzichtet. Ihr Geliebter an der Seite ihrer Freundin … Es würde ihr nicht leichtfallen, mit Schmetterlingen im Bauch, sich nichts anmerken zu lassen.
»Wie findest du eigentlich Irenes neuen Freund, diesen Marc?«, fragte Johannes, als er aus dem Bad kam.
»Ich … was soll ich sagen? Jung, etwas wortkarg«, stotterte Silke.
»Sieht der nicht umwerfend aus? Hast du bemerkt, wie die Kukident-Riege, all die alten Ladys hier im Hotel, ihn anhimmeln? Aber etwas stimmt mit dem Kerl nicht. Zu gut aussehend, zu nett, um echt zu sein, dazu ein Frauenversteher und Veganer! Vielleicht ist der schwul und braucht Irene nur als Alibi?«, fuhr ihr Mann fort.
Nein, schwul war Marc definitiv nicht, das hätte seine Gattin ihm aus erster Hand bestätigen können. Dann wechselte Johannes zu ihrer Erleichterung das Thema: Er konnte seine schwarzen Socken nicht finden.
»Direkt neben den Unterhosen«, rief sie ihm zu. Obwohl ihr Göttergatte den Koffer selber gepackt hatte, wusste Silke besser als er, wie es in seinem Gepäck aussah.
»Welche Unterhosen?«, rief ein genervter Mann zurück.
»Männer!«, entfuhr es ihr, als sie aufstand und mit einem Griff die Socken, die obenauf lagen, rausholte.
Nur eine Tätowierung
Silke stieg hastig aus und entschwand fast fluchtartig ins Hotel. Marc blieb noch einen Augenblick im Wagen sitzen. Mit einem Schmunzeln im Gesicht folgten seine Augen der entschwindenden Liebhaberin, die beim Reinhasten den viel zu weiten und langen Pulli nach unten über ihre breiten Hüften zog und sich dabei die Hände vor den üppigen Hintern hielt.
Silke erinnerte ihn an Melanie, seine Frau. So hätte Melanie mit 50 ausgesehen, wäre seine Seelenverwandte damals vor zehn Jahren nicht auf derart dramatische Weise von ihm gegangen. Auf Marcs letztem Geburtstagskuchen standen 35 Kerzen, aber sein Erscheinungsbild wirkte jünger und dies war ihm bewusst. Die meisten Leute schätzten ihn auf mitte zwanzig und niemand hätte ihm wohl geglaubt, dass er seit fast zehn Jahren Witwer war.
Melanie war seine große Liebe gewesen und nach ihrem Verlust hatte es lange gedauert, bis Marc wieder ein einigermaßen normales Leben führen konnte. Melanie war nach dem Tod seiner Eltern die erste Frau, ja der erste Mensch gewesen, den er wieder an sich heranlassen konnte. Sie war sein Sauerstoff im Ozean des Lebens gewesen. Melanie, sein heller leuchtender Stern, der viel zu früh und unerwartet verblasste. Mein Gott, Meli , zehn Jahre sind seit diesem schrecklichen Ereigni s verstrichen, das dich aus meinem Leben gerissen hat.
Die ersten zwei Jahre nach dem schicksalhaften Verlust seiner Frau war Marc nicht fähig gewesen, sich dem Alltag zu stellen. Unfähig zu arbeiten, bald der Trunksucht verfallen und das Selbsmittleid in Unmengen von billigem Fusel ertränkt. Davor, direkt nach der Beerdigung, keimte der Gedanke an einen Suizid, aber Meli hätte das nie gebilligt und dies hielt ihn damals davor zurück, den finalen Schritt zu vollziehen. Zwei Jahre lang bewegte sich ein zielloser Zombie ausschließlich zwischen seinem Schlafplatz, dem Friedhof und heruntergekommenen Kneipen hin und her.
Dann hatte er eines Tages die Eingebung, sich auf die Suche nach dem Sinn des Lebens zu begeben. Fast mittellos, ohne Job, war es damals einfach gewesen, nur mit einem Rucksack bestückt, auf diese einschneidende Reise der Selbstfindung zu gehen, die ihn während fünf Jahren rund um den Globus führte. Der erste große Stopp wurde damals in Nepal eingelegt. Fast ein Jahr lang wurde in einem kleinen Kloster im Himalaya-Gebirge meditiert. Das einfache Leben der Mönche und die Erkenntnis, dass alles einem höheren Ziel dient, brachten ihm damals etwas Erleichterung. Die Mönche, die trotz des Verzichts auf fast alle weltlichen Freuden und Genüsse mit ihrem Leben im Reinen waren und in sich ruhten, gaben ihm ein neues Gefühl für sein Dasein. Sie glaubten, dass in jedem Windstoß, in jedem Blatt, das zu Boden fällt, ein tieferer Sinn liegt. Nichts ist bedeutungslos, alles nur ein Teil des Ganzen. Von diesen einfach lebenden Mönchen lernte ein ausgebrannter Witwer, wieder den Wert des Lebens zu schätzen, und dass alles einem Zyklus unterliegt, in dem die Verstorbenen genau wie die Lebenden ihren Platz haben. Danach folgte eine mehrere Monate andauernde Odysee quer durch Australien und Neuseeland. In Kalifornien legte er einen längeren Aufenthalt in einer Kommune von jungen Selbstversorgern ein, die nur von dem lebten, was ihnen Mutter Natur, ohne töten zu müssen, schenkte. Dies war der Beginn seiner veganen Ernährung. Nach drei Jahren des Reisens strandete Marc in New York und begann in einem Karate-Studio zu arbeiten. Zuerst als Hausmeister und Mädchen für alles im Dojo angestellt, aber nachdem er selber täglich fleißig trainierte, durfte Marc bald die Kleinen trainieren und nach einem Jahr dann auch die Erwachsenen. Dank einer Großtante aus England, die ihm regelmäßig etwas Geld schickte, und dem Einkommen als Sporttrainer konnte die Zeit in New York recht komfortabel gelebt werden.
Sieben Jahre, nachdem Meli direkt neben Jenny, ihrer kleinen Tochter, im Schoße von Mutter Erde beerdigt war, hatte er sich dank seiner Erkenntnisse auf dieser langen Reise der Selbstfindung entschlossen, sein Leben zu leben und nicht mehr den Toten zu widmen.
Marc strich sich über sein zweites Tattoo, das für die Verbindung zu seinem kleinen Schatz – zu Mäuschen , wie er Jenny immer liebevoll genannt hatte – stand. Mäuschen war fünf, als sie ihnen genommen wurde. Zuerst hatte er mit 14 Jahren seine Eltern durch einen unglücklichen Unfall verloren, dann seine Tochter und zuletzt seine Frau. Das Leben hatte es mit ihm bisher nicht wirklich gut gemeint. So viele schmerzliche und einschneidende Erlebnisse des Verlustes seiner Nächsten können einen Menschen aus der Bahn werfen. Und natürlich hatte es ihn damals, wie wohl die meisten emotionalen und sensiblen Menschen, in seinem Innersten ebenfalls voll erwischt und anfänglich drohte diese Last sogar ihn aus der Bahn zu werfen und zu erdrücken. Beinahe wäre sein eigenes Leben an all den Verlusten zerbrochen. Lange hatte ihn das Trauma des Auffindens seiner toten Eltern verfolgt, dann die Schuldgefühle gegenüber seiner in seinen Armen versterbenden Tochter und zuletzt Melis trauriger seelenloser Blick. Sieben Jahre brauchte Marc nach dem letzten Schicksalsschlag, um wieder aufrecht durchs Leben gehen zu können. Zwei Jahre davon im Suff verloren, fünf weitere Jahre auf der Straße der Selbstfindung. Am Ende seiner Reise wollte Marc zurück nach Köln und … ja, und mit Gott und vor allem mit dem Tod und den Toten endlich seinen Frieden schließen.
Über drei Jahre lag es mittlerweile zurück, dass ein geläuterter, vom Schicksal gebeutelter Sohn, Vater und Ehemann auf dem Friedhof mit sich und seinem Schicksal ins Reine kam. Seither gab es regelmäßig meist kurze und bisher immer bedeutungslose Affären. Wenn die Frauen mehr wollten, dann beendete Marc die Beziehung sofort. Trotz all der Jahre seit diesen einschneidenden Verlusten war er immer noch ein Gefangener seiner Vergangenheit und nicht fähig, emotionale Nähe zuzulassen. Die Verlustängste stellten sich ein, wenn ihm eine Frau zu nahe kam. Er ließ sich prinzipiell nur auf Affären mit großen, schlanken Frauen ein, am liebsten blonde Langbeinige mit möglichst viel Busen – die waren so weit von seiner kleinen rundlichen Melanie weg, dass nie Gefahr bestand, sich zu verlieben und damit alte Wunden aufzureißen. Diese Narben des unsäglichen Leidens auf seiner Seele waren stets da und hingen wie ein Damoklesschwert über ihm. Marc hatte Angst davor, dass sie unter der dünnen Schicht von Oberflächlichkeit aufbrechen könnten, würden Gefühle und Emotionen oder sogar wieder Liebe in einer neuen Beziehung aufflammen.
In den vergangenen Jahren lief es gut – bis gestern. Am Vortag war er völlig unerwartet in eine Situation geraten, vor der er immer Angst gehabt hatte. Natürlich war ihm immer bewusst gewesen, dass dies einmal geschehen könnte, aber dennoch traf es ihn im falschen Moment und auf dem falschen Fuß. Gestern hatte es keine Möglichkeit gegeben, sich dieser Situation zu entziehen. Silke war wie eine Urgewalt in sein Leben getreten und er war machtlos gewesen, konnte diese Situation nicht kontrollieren, geschweige denn beherrschen.
Irene, dieser groß gewachsene langbeinige Wirbelwind, die ihn vor ein paar Wochen in Frankfurt aufgegabelt hatte, schleppte ihn zu diesem Pärchenwochenende. Jetzt fragte sich Marc, wieso er nicht vorsichtiger gewesen war und Irene besser über ihre Freundin ausgefragt hatte. Ein Paar um die fünfzig hatte es geheißen. Ein Wochenende an der englischen Südküste, die er so liebte, zu verbringen, hatte einfach zu verlockend geklungen und so wurde unüberlegt und leichtsinnig zugesagt, ohne seine übliche Vorsicht, sich vorab genau über die zu treffenden Leute zu erkundigen. Mein Gott, Meli! , durchfuhr es ihn, während seine Hand liebevoll über die Tätowierung auf seiner Brust fuhr, in was bin ich da reingeraten ?
»Sir«, wurde Marc aus seinen Gedanken gerissen, als ihn der Valetman des Hotels ansprach. »Soll ich den Wagen in die Garage fahren?«
Marc stieg aus und nickte. Beim Eintreten ins Hotel noch ein kurzes zärtliches Berühren seiner Brust und ein Seufzer Richtung Himmel. In was bin ich da nur reingeraten, Meli hilf mir! Eigentlich kein Bewunderer von Tätowierungen, aber unter dem Schock des Verlustes seiner zwei Mädchen stehend, überkam ihn damals in Neuseeland als Gast bei Eingeborenen eines Maori-Stammes, die einen tiefen, verehrenden Totenkult betrieben, den sie mit Tätowierungen zum Ausdruck brachten, das Bedürfnis, sich von einem Medizinmann ebenfalls stechen zu lassen. Eine symbolische Verbindung zu seinen verstorbenen Geliebten sollte damit hergerstellt werden. Nach langem Überlegen wurde eine Mischung aus traditionellen Maori- und Vikinger-Runensymbolen gestochen. Der Name Melanie steht im Griechischen für Schwarz und so ließ er sich das Zeichen für Dunkelheit in Runen und das Symbol für ewige Liebe in Maori-Zeichen auf die linke Brust tätowieren. Auf der rechten Brust ließ er das Symbol für Tochter ebenfalls in Runen und ewiges Leben in Maori-Mustern, im Gedenken an Jenny – Mäuschen –, stechen, was genau seinem damaligen Gefühlszustand entsprach und ihm bis heute als Zeichen der Verbundenheit diente. Jeden Morgen begrüßten ihn seither diese Tätowierungen im Badezimmerspiegel und während des Rasierens sprach er ein kleines Gebet für Jenny und Melanie.
Marc betrat seine Suite, hängte den dunklen Anzug vom Vortag zum Reinigen vor die Tür und ging ins Schlafzimmer. Irene lag trotz des hellen Sonnenscheins, der durch die große Fensterfront drang und sie anstrahlte, nackt mit von sich gestreckten Armen und Beinen friedlich schnarchend da. Immer noch sexuell aufgeladen von den vergangenen Stunden, setzte er sich zu ihr an den Bettrand und begann sie sanft zu streicheln. Die ganze letzte Nacht hindurch war es für ihn ein Kampf gewesen, sich nicht dem Rausch der Lust mit Silke hinzugeben. Wie gerne hätte sein brennender Körper mit der kleinen molligen Frau geschlafen. Seine emotionale Sperre, die in den vergangenen Jahren wie ein Schutzwall aufgebaut wurde, um ihn vor diesen gefährlichen Gefühlen der Verbundenheit zu einem neuen Partner oder sogar Liebe zu schützen, drohte letzte Nacht einzustürzen. Bisher konnte keine Frau diese Barriere überwinden … bis jetzt. Silke hatte diesen Schutzwall in den letzten Stunden schwer beschädigt, sie war sogar kurz davor gewesen, ihn zu überwinden. Mit letzter Kraft hatte Marc dem Verlangen getrotzt, sich ihr zu öffnen und mit ihr zu schlafen. Sein ganzer Körper brannte seither und verlangte nach Befriedigung. Als letzte Nacht die Anspannung und Erregung übermächtig wurde und Silkes Hand fordernd in seine Hose glitt und ihn kommen ließ, war es kein entspannter Genuss gewesen. Sein ganzer Körper hatte sich zwar nach der Vereinigung mit Silke gesehnt, aber sein Hirn bekam Panik und schrie: Nein! Der Samenerguss verschaffte ihm keine Erleichterung, obwohl er sich nichts sehnlicher gewünscht hatte, als sich in dieser Nacht mit ihr zu vereinen. Marc hatte Silke gestreichelt und befriedigt – es war ein herrliches Erlebnis gewesen, diesen wunderbar kleinen, molligen Körper von Höhepunkt zu Höhepunkt zu massieren. Wie ein Vampir, der sein Opfer aussaugt und sich dabei am Puls des warmen Lebens labt, genau so genoss er Silkes Wärme und jeden ihrer fühlbaren Herzschläge, während sie sich in seinen Händen dem Rausch der Sinne hingab. Es war die schönste Nacht, seit Marc seine Familie verloren hatte – die schönste Nacht, seit er zum letzten Mal mit Melanie, seiner verstorbenen Frau, geschlafen hatte, gewesen.
Jetzt saß Marc hier am Bettrand neben Irene, die er gerade mit ihrer besten Freundin betrogen hatte, streichelte sie und wusste, dass seine Partnerin gleich von ihm benutzt würde, um sich endlich die dringend benötigte Erleichterung zu verschaffen. Die Anspannung in seinem Körper war fast unerträglich und jede Faser schrie nach Befriedigung.
Zärtlich streichelten seine Hände Irenes Intimbereich, während seine Lippen begannen, ihre üppigen Brüste zu liebkosen. Im Halbschlaf begann die Verwöhnte zuerst leise, dann immer lauter zu stöhnen. Marc stand kurz auf, um sich auszuziehen, danach kniete er sich zwischen ihre Schenkel und drang in sie ein.
Verzückt öffnete Irene die Augen und genoss den Anblick dieses großen, schönen und erregten Mannes, der sich daranmachte, sich in ihr zu befriedigen. Vor dem Höhepunkt wurde sie von seinen starken Armen gepackt und auf den Bauch gedreht. Instinktiv zog sie die Beine an und machte ein Hohlkreuz, dann fühlte sie dieses große erigierte Glied erneut in sich eindringen. Als Irenes Unterleib spürte, wie ihr Liebhaber in ihr zum Höhepunkt kam, zuckte ihr Körper aufgegeilt und verlangte ebenfalls nach einem Orgasmus. Als könnte ihr Freund Gedanken lesen, spürte die nach Erlösung Lechzende seine wunderbaren Hände zwischen ihren Schenkeln und während sein Glied noch in ihr steckte, massierten diese Zauberfinger an den richtigen Stellen und kurz darauf kam der ersehnte Höhepunkt.
»Mein Gott, war das schön!«, stöhnte Irene benommen.
Ein Quickie am Morgen, das hatte ihr gefallen. Marc war ein toller Liebhaber. Normalerweise verwöhnte der Frauenversteher stundenlang ihre Libido, erregte ihre stetig ansteigende Wollust über einen längeren Zeitraum, bis seine Männlichkeit ihren Körper von Orgasmus zu Orgasmus führte. Wenn sie mit ihm schlief, waren dies bisher die tollsten Momente, die Irene je mit einem Mann erlebt hatte gewesen, aber heute hatte er sie zum ersten Mal einfach genommen. Seine offensichtliche und spürbare Erregung wurde gerade kurz und heftig an ihr abreagiert. Zum ersten Mal in ihrer noch jungen Beziehung wurde ihr Körper zur reinen Triebbefriedigung benuzt, das war neu an ihm und ja: Es war geil. In vollen Zügen hatte Irene diesen überfallartigen, harten und schnellen Sex genossen.
Ein wieder entspannter Liebhaber legte sich neben seiner ebenfalls befriedigten Gespielin hin und nahm die Genießende wortlos, aber zärtlich, wie sie es gewohnt war und liebte, in den Arm. Irene fühlte sich trotz ihres Katers und der damit verbundenen Kopfschmerzen glücklich und kuschelte sich an ihn.
Marc, durch Silkes Nähe von vergangener Nacht seit Stunden erregt, konnte, entgegen seiner Angewohnheit, immer darauf zu achten, dass eine Frau beim Sex so viel Genuss und Befriedigung wie möglich erhielt, jetzt, gerade mit Irene im Bett, diesmal diese Rücksichtnahme seiner Gespielin nicht gewähren. Seine Freundin diente ihm gerade zur reinen Triebbefriedigung, lediglich als Sexobjekt, zur Abreagierung des aufgestauten Drucks. Während seine Männlichkeit sich in Irene dem Höhepunkt entgegenrieb, fiel ihm dieses Seepferdchen auf Irenes Brust ins Auge. Marc kannte die Geschichte, wie es dazu gekommen war, aber jetzt erschien das Bild von jener Freundin, mit der Irene es sich hatte stechen lassen. Heute Morgen hatte er Silke unter der Dusche mit seinen Händen zärtlich befriedigt und stand dabei selbst hoch erregt direkt hinter ihr und war kurz davor gewesen, einen Schritt nach vorne zu gehen, um in sie einzudringen. Nur mit äußerster Überwindung war es ihm gelungen, seinem Drang nicht nachzugeben. Während des Kampfes mit seinem inneren Schweinehund im Cottage stach ihm dieses Seepferdchen-Tattoo, das Silke im Gegensatz zu Irene auf dem Schulterblatt trug, ins Auge. Und jetzt schien ihm das Seepferdchen auf Irenes Brust zuzurufen: Geh zu Silke! Geh zu Silke und schlaf mit ihr! Mit Silke, nicht mit Irene! Verwirrt packte der nach Erlösung Lechzende seine Freundin und drehte sie auf den Bauch. Kurz darauf erfolgte der dringend benötigte Orgasmus und durchfuhr seinen Körper wie ein Befreiungsschlag. Marc trieb einen kurzen Moment schwerelos im Universum der Entspannung, gedankenlos, sorgenlos … ein himmlischer Moment, der dahinschwebend genossen wurde. Danach befriedigte ein wieder zärtlicher Liebhaber seine Partnerin, was überraschend schnell vollbracht war.
Die körperliche Wärme von Irene tat ihm gut – in seine Freundin war er nicht verliebt, da konnte Nähe zugelassen werden. Marc schmunzelte. Was hatte Irene vorhin, als er sie auf den Bauch gedreht hatte, verzückt geschrien? Ja, die Fröschchenstellung, ja, nimm mich von hinten! Irene hatte für alle möglichen Stellungen ihre eigenen Namen. Die Missionarsstellung hieß bei ihr Bauchnabelküsschen. Ihre Begründung war, dass, wenn der Mann auf der Frau liegt, sich dabei die Bauchnabel der Liebenden berührten und Küsschen austauschten. Beim Geschlechtsverkehr von hinten zog sie ihre Beine angewinkelt unter ihrem Körper zusammen, während sie sich gleichzeitig auf ihren Armen abstützte. Irene glaubte, dass sie dabei wie ein Frosch aussah, und nannte diese Stellung deshalb Fröschchen . Am lustigsten fand er ihre Bezeichnung für einen Blowjob: Das hieß bei ihr Männchen aufblasen und am ausgefallensten war der Feuerlöscher , so hieß bei ihr ein Handjob. Bei seiner Nachfrage, wie sie bei einem Handjob auf die Verbindung zu einem Feuerlöscher komme, lautete ihre Antwort: »Ganz einfach: Man zieht am Röhrchen, das vorne am Feuerlöscher angebracht ist, drückt auf die richtige Stelle und während die weiße Flüssigkeit vorne rausströmt, reduziert sich der Druck in der Flasche, genau wie bei einem Mann.« Irene war wirklich eine außergewöhnliche Frau.
Während Marc so dalag und versuchte, an Irene anstatt an Silke zu denken, die sich langsam, aber unerbittlich wieder in sein Bewusstsein drängte, drehte Irene plötzlich ihren Kopf zu ihm. »Du riechst nach Silke!«, stellte sie überrascht fest.
Überrumpelt und ertappt. Mist , durchfuhr es ihn, wie reagieren, gestehen oder verleugnen, der Beichtstuhl schien aufgestellt.
Aber bevor irgendeine faule Ausrede oder Entschuldigung seinen Lippen entwich, ergriff die Spitzfindige unerwartet seinen Kopf und begann ihn zu küssen: »Ach Schatz, es tut mir leid, während ich mir mit Johannes die Kante gegeben habe, musstest du dich um Silke kümmern. Sie ist nicht gerade ein Ausbund an Fröhlichkeit. Ich kann mir vorstellen, wie langweilig der gestrige Abend für dich gewesen sein muss. Ich werde es aber gleich wiedergutmachen.«
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