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Nina Schott
Schlüssellochfantasien

Die Autorin:
Nina Schott, Jahrgang 1972, lebt mit ihrem Mann und mehreren Söhnen in Berlin. Dem Testosteron-Überschuss im Haus wird sie als Autorin Herr, äh Frau, indem sie von Zeit zu Zeit in die Leben ihrer Protagonisten abtaucht.
Ihr Herz schlägt für das Verfassen von erotischen Abenteuern sowie ChickLit-Komödien.
Schlüssellochfantasien ist ihr erstes Buch im Elysion Verlag.
Nina Schott
Schlüssellochfantasien

ELYSION-BOOKS
BAND 4051
Auflage: Februar 2013
ORIGINALAUSGABE
© 2013 BY ELYSION BOOKS GMBH, GELSENKIRCHEN
ALL RIGHTS RESERVED
UMSCHLAGGESTALTUNG: Ulrike Kleinert
www.dreamaddiction.de
FOTO: © Fotolia/ Lesemann
LAYOUT & WERKSATZ: Hanspeter Ludwig
www.imaginary-world.de
ISBN 978-3-942602-30-3
www.Elysion-Books.com
Inhalt
Fesselspiele
Selbst ist die Frau
Der Zungenakrobat
Schweigen ist Gold
Eine Frau
Zwei Frauen
Drei Frauen und mehr
Sex mit dem Ex
Und täglich grüßt das Murmeltier
Telefonsex
Angezählt …
Ausgezählt …
Sex ist Liebe
Fesselspiele
Stella verlor die Kontrolle. Alles, was jetzt folgen würde, lag nicht mehr in ihrer Macht.
Ein Seil, das beide Handgelenke aneinander fesselte und über Kreuz um den Hals gelegt war, verhinderte jede Bewegung. Die rauen Fasern des Materials fühlten sich unangenehm auf der Haut an. Die Fesseln schnürten sich mehr und mehr in ihre Kehle. Angst stieg ihr in die Knochen, doch für einen Abbruch war es jetzt zu spät. Dazu hatte sie ihm im Chat und in den vergangenen zehn Minuten zu viele Einblicke in ihre intimen Vorlieben gewährt. Das Letzte, was Stella sah, war das schwarze Seidentuch, das ihr heutiger Verehrer, der sich im Internet Patrick nannte, aus seiner Hosentasche zog und ihr auf die Augen legte. Dann war es dunkel. Die wenigen Kerzen, die noch kurz zuvor das Zimmer mäßig stark erhellt hatten, wurden ausgeblasen, wie sie dem Geräusch und dem darauf folgenden Schwefelgeruch entnehmen konnte. Nun saß sie wie eine Fremde in der vertrauten Umgebung ihrer Wohnung und wagte es nicht, auch nur den leisesten Mucks von sich zu geben.
Minutenlang geschah nichts. Sie horchte in den Raum hinein, um herauszufinden, was ihr Gast vorhatte. Stille. Kein Knarren der Dielen, selbst sein Atem war nicht zu hören. Ein Schauer lief ihr über den Rücken, der sie gleichermaßen anturnte und in Habachtstellung versetzte. Sie überlegte, wie lange sie es aushalten und nicht in Panik geraten würde. In ein paar Minuten wäre es vielleicht zu spät und sie hatte den größten Fehler ihres Lebens begangen, diesen Kerl in ihre Wohnung gelassen zu haben.
Plötzlich nahm sie einen Geruch wahr. Es war sein Parfum, das ihr bei der Begrüßung sofort aufgefallen war und das sie von irgendwo her kannte. Natürlich. Gregor. Ihr Kollege aus der Kanzlei benutzte es ebenfalls. Mit dem Unterschied, dass es an Patrick angenehm duftete.
Er musste jetzt unmittelbar neben ihr stehen. Nur keine Schwäche zeigen. Sie hatte das verdammt noch mal gewollt und platzte vor Erregung. Endlich vernahm sie einen Luftzug auf ihrer nackten Schulter. Er roch an ihr. Wie ein Tier beschnupperte er seine Beute, die wehrlos vor ihm saß, und mit der er vor dem Erlegen noch zu spielen gedachte. Stella fing an zu zittern und sie merkte, wie die nasse Gier aus ihrem Schoß direkt auf den Holzschemel floss, auf dem er sie platziert hatte.
Patrick schien den lockenden Duft zu wittern, denn sogleich schnüffelte er sich auf den Weg. Ohne den Körperkontakt zu verlieren, streifte sein Sinnesorgan um Stellas rechte Schulter herum und zwischen den blanken Brüsten hindurch, hinweg über ihren flachen, makellosen Bauch bis hin in ihren Schritt. Dort ließ er seine Nase ohne Vorwarnung in das Feuchtgebiet eintauchen und sich die Bestätigung seiner Wahrnehmung holen.
Stella stieß einen Seufzer aus und schob ihr Becken vor an den äußersten Rand des Hockers, sodass die Nasenspitze ihres Verführers tiefer in ihre nasse Grotte eindringen konnte. Die Schlinge um ihren Hals zog sich gefährlich zu. Ein unbeschreibliches Gefühl – geil, elektrisierend, ekstatisch. Wenn der Unbekannte, den sie vorhin an ihrer Haustür zum ersten Mal gesehen hatte, sie schon jetzt in diesen Zustand versetzte, was durfte sie dann erst vom weiteren Verlauf des Abends erwarten?
Für gewöhnlich dominierte Stella die Situation, machte die Vorgaben und setzte Grenzen. Heute hatte sie Neuland betreten, weil ihr Bauchgefühl zugestimmt hatte. Sie, die junge Anwältin, wusste genau, dass es genug Psychopathen da draußen gab und vielleicht hatte sie aufgrund ihres unstillbaren sexuellen Hungers einem von ihnen Einlass gewährt. Es war ein Spiel mit dem Feuer, denn ohne seine Hilfe würde sie nicht so einfach aus der Bondage-Nummer rauskommen. Kaum hatte sie diesen Gedanken zu Ende gedacht, spürte sie einen stechenden Schmerz auf ihrer linken Brustwarze. Das prickelnde Gefühl zwischen ihren Beinen war einem überwältigenden Brennen auf ihrem Nippel gewichen, das sich jetzt über die gesamte Brust ausbreitete.
Stella schrie auf und wich zurück. So viel, wie ihr die Fesselung an Spielraum zuließ. Panisch ruderte sie mit den Armen, was den Druck an ihrem Hals verstärkte. Am liebsten hätte sie um Hilfe geschrien, aber da ihr Peiniger dies offensichtlich vorausgeahnt hatte, bekam sie schneller als sie handeln konnte einen Gagball in den Mund gestopft.
»Hab keine Angst, ich werde dir nur ein bisschen wehtun. Du wirst es lieben.«
Seine Stimme beruhigte Stella. Sie hatte etwas Vertrautes.
Im selben Moment führte er zwei Finger in ihre Spalte ein und sie begann, im Wirrwarr ihrer Gefühle zu taumeln. Einerseits hatte sie Angst vor dem, was kam und war deshalb wieder trocken geworden. Andererseits, tief im Inneren, da, wo Patrick sie jetzt stoßartig berührte, blieb nicht verborgen, nach was sie sich sehnte. Und das holte er mit gleichmäßigen Bewegungen ans Tageslicht. Geschickt benetzte er ihre äußeren Schamlippen mit Muschisaft.
»Siehst du«, triumphierte er leise.
Das Ja, das Stella ihrem Gönner entgegenbringen wollte, war nicht zu hören. Vielleicht hatte sie es auch nur gedacht. Sie hegte längst berechtigte Hoffnungen auf eine intime Massage, die sie zum Höhepunkt bringen sollte. Ihr Stöhnen wurde lauter. Sie gab ihm zu verstehen, dass es gut war, was er tat und verzieh ihm seine Grobheit von vorhin. Während er Stella weiter energisch fingerte, brach das Feuer auf ihrer Brust erneut aus. Wie Blitze schlugen die kleinen Wachsspritzer auf ihrer Haut ein, die er mit der Kerze wahllos verteilte. Sie wollte, sie wollte nicht, sie wusste nicht mehr, was sie wollte. Ihre Vulva pulsierte, die Nippel reckten sich in die Höhe und er tat das, was sie halb in Ohnmacht fallen ließ: er saugte nicht nur an den Warzen, er malträtierte sie mit seinen Zähnen.
Stella lechzte vor Vergnügen, denn sie war jetzt bereit, alles zu tun. Auch das war gewollt und Teil seines Spiels. Unverhofft zog Patrick den Gummiball aus ihrem Mund und stopfte ihn mit etwas anderem, etwas hartem, etwas, das sich nach nur wenigen Stößen in ihr entlud. Sie schluckte, was sie kriegen konnte und melkte seinen Schwanz. Nie zuvor hatte sie mit verbundenen Augen einem Mann einen geblasen. Sein Sperma füllte ihre Mundhöhle aus und sie schlang alles hinunter. Einzelne Tropfen rannen ihr Kinn hinab, während Patrick vor Geilheit grunzte. Was für eine Explosion. Gierig lutschte sie den Zauberstab sauber.
Gleich danach war Stella an der Reihe. Zum Dank für ihre Dienste legte Patrick seine Hand erneut auf ihre Möse. Seine Finger trommelten wild auf ihre Perle ein, die vor Erregung stark angeschwollen war. Endlich hatte er Gnade mit ihr und Stella erreichte binnen weniger Sekunden ihr Ziel. Unter lautem Stöhnen genoss sie einen intensiven Orgasmus.
Als Patrick den Seidenschal entfernte, verweilte Stellas verklärter Blick für einen kurzen Moment in seinen Augen: »Danke«.
Patrick genoss seinen Triumpf. Flink und mit breitem Lächeln auf den Lippen befreite er Stella von den Fesseln und trug sie vom Hocker auf ihre Wohnzimmercouch, wo sie sich erschöpft rekelte. In diesem Augenblick hätte sie sich gerne an ihn geschmiegt, doch sie besann sich ihrer Maxime und tat es nicht.
Denn so war sie, zumindest, was die offizielle Nummer anging, und sie fuhr gut damit. Seitdem sie die Entscheidung getroffen hatte, sich ihr Single-Dasein auf eine – sagen wir - männliche Art zu versüßen, fühlte sie sich ausgeglichen, befriedigt und der Sport, für den keiner bezahlte, kam auch nicht zu kurz.
Wie das funktionierte? Ganz einfach: Früh hatte sie verstanden, dass es sich nicht lohnte, ihre Zeit auf der Suche nach dem Richtigen zu verschwenden, sondern sich das zu nehmen, was sie brauchte; alles andere kam von allein. Und was frau brauchte war genau das gleiche, was mann brauchte, nämlich Sex – der kleinste gemeinsame Nenner zwischen den Geschlechtern. Bedingung, er zog keinen Stress nach sich! Das passierte höchstens, wenn Gefühle im Spiel oder die Erwartungen zu hoch waren und genau das blieb für sie tabu. Außerdem fühlte Stella sich zu jung, um all den verbotenen Früchten widerstehen zu können, die ihr jeden Tag aufs Neue feil geboten wurden. Ein weiterer Vorteil war, dass sie grundsätzlich unvoreingenommen in ein Abenteuer ging und sich treiben ließ. Dabei nutzte sie eine wesentliche Erkenntnis: Dumm fickt gut! Eine alte Weisheit, die sie nur bestätigen konnte.
Wenn sie sich für den smarten Business-Typen mit teurem Flitzer vor der Tür entschied, war kein originelles Vorspiel, kein langatmiger Sex, geschweige denn ein gefühlvoller Ausklang zu erwarten. Dieser Mann war zielorientiert; er brachte die Frau zwar behände zum Orgasmus, war aber immer darauf bedacht, dass er gut dabei aussah. Seine Eltern hatten viel in seine Ausbildung investiert und Sex brauchte er, weil es dazu gehörte.
Oder die Rechtsanwälte, Notare und Ärzte. Jene Personengruppen, die zu wissen glaubten, wie es ging, weil sie genug Geld nach Hause brachten und deshalb, laut eigener Einschätzung, kein einfallsreiches Liebesspiel abliefern mussten. Stella sprach da aus Erfahrung.
Sie interessierte sich für die Normalos, die ihre Zeit nicht mit dem Studieren hochtrabender Fachliteratur vergeudeten, so wie die Sesselpupser aus ihrem Büro, und deren größte Zerstreuung bedeutete, ihre sexuellen Fantasien in den Köpfen ablaufen zu lassen, während sie es sich selbst besorgten. Stella gehörte zwar auch zur Kategorie Erfolgsmensch, dennoch wollte sie den Bezug zur realen Welt der Lust nicht verlieren. Und das funktionierte nur über ihr Doppelleben.
Stella hieß natürlich nicht Stella, doch ihren bürgerlichen Namen hielt sie vor ihren Sex-Partnern geheim. Gleich nach dem Abitur hatte sie mit dem Jurastudium begonnen. Es war eine wilde Zeit, Quickies zwischen den Vorlesungen, Orgien auf den Semesterabschluss-Feiern und heiße Flirts mit den Professoren. Von all dem ahnten ihre Eltern nicht das geringste. Es war ein Leben wie im Paradies und eine willkommene Abwechslung zur schnöden Theorie eines staubtrockenen Studiums, das von Zuhause aus finanziert wurde. Stellas Mutter war Staatsanwältin, ihr Vater Strafverteidiger und sie die einzige Tochter, die ihren Eltern mit überdurchschnittlich guten Noten zur Freude gereichte. Niemand kam auf die Idee, in ihr die Venusfalle zu sehen, deren Sexualtrieb sich im Laufe der Jahre weiter potenzierte.
In der Annahme, sich für den richtigen Beruf entschieden zu haben, begann Stella mit 24 Jahren ihr Referendariat in einer alt eingesessenen Berliner Kanzlei, bevor sie schließlich bei Lübben & Partner landete. Lübben & Partner war eine der renommiertesten Kanzleien der Stadt, die sich ausschließlich mit großen Fischen abgab. An dieser Stelle war klar, Stella hatte es geschafft.
Zufall? Nein, keinesfalls. Sie war fest der Meinung, dass man für sein Glück arbeiten musste und das hatte sie mit Bravur getan. Jetzt war sie 29, hatte ihre ersten drei Jahre als Volljuristin hinter sich und war nur auf privater Ebene zu recht enttäuscht: Seit der wilden Ausbildungszeit hatte sich einiges verändert. Bei den Herren im Stall machten sich die ersten grauen Haare breit, was mit Sicherheit kein schlechtes Argument war, aber die ehemaligen Hengste aus dem Studium gaben nur noch an ihrem Schreibtisch eine gute Figur ab – wohlbemerkt hinter, nicht auf.
Um dieser langweiligen Entwicklung entgegenzuwirken, blieb ihr nichts anderes übrig, als sich nach einer anderen Spielwiese mit neuen Sexpartnern umzusehen. Das Internet kam ihr dabei sehr entgegen. Stella stand mit Sicherheit nicht auf Kennlernen-Portale, aber sie waren ein ausreichendes Mittel zum Zweck. Wenn man so ehrgeizig war wie sie und viel arbeitete, blieb einfach keine Zeit, sich abends noch auf die Pirsch zu begeben. Zudem sah sie sich mit einem weiteren Problem konfrontiert: Männer sprachen sie eher selten an. Ihre Freunde attestierten ihr ein zu dominantes Auftreten - zu selbstbewusst, zu nordisch unterkühlt.
Was sie also in ihrer Freizeit ganz bestimmt nicht suchte, war ein Sugar-Daddy, sondern SEX!
Seit vier Jahren wohnte sie in einer charmanten 3-Zimmer-Wohnung zur Miete, Altbau, in Charlottenburg, die sie sich sehr gemütlich eingerichtet hatte. Stella war ihr eigener Herr und verdiente gutes Geld. Vor einem Jahr hatte sie deshalb beschlossen, sich ein Appartement zu kaufen, das in der Zwischenzeit zu ihrem Hauptwohnsitz geworden war.
Bereits jetzt hatte sie im Job durch ihre Kompetenz überzeugt und sich einen hervorragenden Ruf, insbesondere in Schlichtungsfällen, angeeignet. Die junge Anwältin, die für einige zu schnell nach oben gekommen war, rief manchen Neider auf den Plan. Sie tat demnach gut daran, ihr Privatleben so diskret wie möglich zu behandeln, um keine Angriffsfläche zu bieten. Dennoch fiel es nicht immer leicht, ihr großes Verlangen nach sexueller Befriedigung unter Kontrolle zu halten.
Einen entscheidenden Stein diesbezüglich hatte ihre Freundin Anja ins Rollen gebracht, die aufgrund ihrer übermäßig ausgeprägten Neugier von Stella den Namen Else Kling erhalten hatte. Sie war es gewesen, die irgendwann voller Begeisterung das Internet für ihre Beziehungssuche entdeckte. Das passte wie die Faust aufs Auge, denn im gläsernen Käfig ließ sich eine ganze Menge über andere Leute herausfinden. Else konnte ganze Wochenenden an ihrem Rechner verbringen. Schnell hatte sie Profile in diversen Partnervermittlungsportalen angelegt, die im Gegensatz zur Realität eher weniger ihrem Naturell entsprachen. Else war nicht unattraktiv, doch durch ihre burschikose Art eher der Kumpeltyp und damit das ganze Gegenteil von Stella. Tief im Innern war Else konservativ, wenn nicht gar bieder, doch bei ihren virtuellen Partnern verkaufte sie sich gern als Vamp. Verkauf war eben alles. Aber wenn nicht Stella, wer dann, wusste besser, dass die Welt zum großen Teil aus Blendern bestand. Das brachte ihr Beruf nun mal mit sich. Also verfolgte sie amüsiert das Engagement ihrer Freundin.
Die beiden Frauen hatten sich während des Jura-Studiums kennengelernt, wobei Else schnell erkannte, dass sie einen falschen Weg eingeschlagen hatte. Sie sattelte in die Unterhaltungsbranche um, was die einzig richtige Entscheidung gewesen war. Mittlerweile leitete sie ihre eigene kleine Event-Agentur. Auch wenn Else viele Kontakte pflegte und täglich mit Menschen zu tun hatte, wollte es mit der Liebe einfach nicht klappen.
Es war erstaunlich, wie viele Herren auf Elses Profil reagierten. Sie mailte, chattete und telefonierte, was das Zeug hielt, aber ein Mr. Right kam nicht dabei herum. Ihre Hoffnungen auf die große Liebe schwanden mitunter deshalb, weil die meisten Männer ziemlich direkt und gleich zur Sprache brachten, was sie eigentlich von ihr erwarteten. Die Kontaktaufnahme lief stets nach dem gleichen Muster ab: Erst wurden Komplimente gemacht, dann wurden die Zeilen frivoler und letztlich drängte man auf ein Treffen, bei dem es sich nicht um einen Kinobesuch handeln sollte. Nicht selten befanden sich Fotos in der Anlage, auf denen das beste Stück ihrer Verehrer gekonnt in Szene gesetzt war. Als besonders appetitlich stufte Stella ein Bild ein, auf dem eine männliche Hand den Erfolg ihres Besitzers nach dreiminütigem Schaffen in die Kamera hielt, was ihre Freundin gleichermaßen empörte.
Die Enttäuschung auf Elses Seite war groß. Obwohl es sich um solide Tauschbörsen handelte, war die Mehrzahl der Bewerber auf sexuelle Abenteuer aus.
Stella, die diese Tatsache äußerst interessiert zur Kenntnis nahm, wollte sie fortan für ihre ganz persönlichen Zwecke nutzen.
Die Vorgehensweise war simpel: Stella hatte im Netz ein Foto hochgeladen, das gegen das Licht geschossen worden war. Zudem zeigte es sie von der Seite. Die schlanke Figur war gut zu erkennen, die Anonymität blieb gewahrt. Der Kopf war lasziv in den Nacken geworfen, sodass ihre langen Haare, die sie im Büro immer zu einem Zopf gebunden trug, fast bis zu ihrem wohlgeformten Po reichten. Durch die Position mit leicht durchgedrückten Rücken kamen ihre Brüste perfekt zur Geltung. Dass sie ihre Nippel zuvor mit Eiswürfeln aufgerichtet hatte, war nur bei genauerer Betrachtung des kleinen Bildes zu erkennen, doch der geübte Beobachter wusste dieses Detail zu schätzen. Stella lernte schnell, auf was es im Internet ankam, welche Pose wie gedeutet und welcher Satz wie interpretiert wurde. Sie gab nicht viel von sich preis, sondern beschränkte sich auf das Wesentliche und sagte es so, wie es war – JUNG, SCHULDIG, BLOND und mit anderen netten Vorzügen sucht …
Die meisten Männer verstanden den Code auf Anhieb und redeten nicht lange um den heißen Brei. Gut so, denn Stella war nicht zum Spaß bei der Sache. Sie selektierte nach ganz bestimmten Kriterien in Bewerber und Langweiler. Akademiker und Intellektuelle sowie Muskelprotze und Luftpumpen flogen raus. Ihr Interesse galt den einfacheren Männern mit soliden handwerklichen Berufen. Reduced to the max. Sie hatte kein Interesse daran, sich mit ihren Toy-Boys im Anschluss an ein genussvolles Abenteuer geistreich auseinanderzusetzen oder eine politische Diskussion darüber zu führen, warum man wählen gehen sollte. Es ging ihr ums Vögeln, animalischen Sex ohne lästige Verbalattacken oder, wenn’s gut lief, einen gigantischen Fick, der sie noch Tage später in ihren Träumen stimulierte.
Stella hörte, wie jemand im Bad die Dusche ausstellte. Sie musste kurz weggedöst sein. Gleich würde sie sich von Patrick für immer verabschieden. Das Zimmer, in dem er sich jetzt abtrocknete und ankleidete, war puristisch eingerichtet. Ihre persönlichen Sachen verbarg Stella in einem alten Holzschrank, den sie von einem Antiquitäten-Händler erstanden hatte. Er passte hervorragend zu einem mit Kuhfell überzogenen riesigen Sessel, der ebenfalls in dem großzügig geschnittenen Raum seinen Platz fand. Eine freistehende Badewanne aus Urgroßmutters Zeiten bildete das Herzstück des Badezimmers. Stella liebte dieses Zimmer. Nicht, dass sie Unmengen von Zeit vor dem Spiegel verbrachte, doch das Bad war für sie ein Raum der Ruhe, wo sie abschalten und relaxen konnte, in den sie sich im Winter mit einem guten Buch und einer Tasse Tee an kalten einsamen Abenden zurückzog. Sie liebte ihr Refugium, das jeder Gast nur einmal zu sehen bekam, wenn sie sich auf ihn eingelassen hatte. Insofern stellte dieses Entgegenkommen kein Eindringen in ihre Privatsphäre dar. Sie sorgte lediglich für einen angemessenen Rahmen und entschied nach sorgfältiger Prüfung, wer sie in ihrer Wohnung beglücken durfte.
Nun stand Patrick, zumindest war das sein Nickname im Internet gewesen, vor ihr, um sich zu verabschieden. Erst jetzt fiel Stella auf, wie groß er war. Abermals lief ihr ein Schauer über den Rücken bei dem Gedanken, es wäre vorhin nicht bei einem Rollenspiel geblieben. Skeptisch betrachtete sie den mehr oder weniger fremden Mann und wurde sich darüber im klaren, dass sie sich nicht noch einmal derartig in Gefahr bringen würde. Wie leichtsinnig sie gewesen war.
»Bleibt es bei einem nie wieder?«
»Unbedingt«, polterte es aus ihr heraus. »Das war die Abmachung.«
»Schade, mein Schwanz hätte deine anderen Höhlen auch gerne kennengelernt.«
Stella antwortete nicht. Sie räusperte sich und schenkte ihm ein verlegenes Lächeln. So ganz geheuer war ihr diese Begegnung nicht und deshalb wollte sie ihn jetzt nur noch loswerden. Sie hatte heute ihre persönliche Grenze überschritten und die Erkenntnis darüber bereitete ihr auch im Nachhinein Unbehagen.
Wenige Augenblicke später fiel ihre Wohnungstür ins Schloss. Stella legte vorsichtshalber die Sicherungskette vor. Man konnte nie wissen. Dann machte sie sich über das Parkett her, das durch etliche Wachsflecken verriet, was soeben im Wohnzimmer stattgefunden hatte. Dass Stella sich den Luxus zweier Wohnungen gönnte bedeutete leider auch mehr Arbeit, doch ihr Privatleben spielte sich nun mal am Paul-Lincke-Ufer ab. Das 1-Zimmer-Appartment mit traumhaftem Blick auf den Landwehrkanal bestand im wesentlichen aus einem monströsen Kleiderschrank, einer kuscheligen Couch nebst Fernseher und einer offenen Küche. Da sie für später auf ein kleines Häuschen im Grünen sparte, war das Geld nur zwischen geparkt.
Die Mietwohnung in Charlottenburg, in der sich Stellas sexuelles Leben abspielte, garantierte die gewünschte Anonymität. Das Klingelschild trug den Namen ihrer Internet-Identität Stella Block. Keiner ihrer männlichen Besucher würde je auf die Idee kommen, es handelte sich um eine patente Junganwältin mit einem verruchten Geheimnis. Zudem war ein Zweitwohnsitz sicherer, weil die Möglichkeit bestand, einem aufdringlichen Verehrer aus dem Weg zu gehen. Wer war schon gerne einem Stalker ausgeliefert? Müde machte sie sich auf den Heimweg.
Selbst ist die Frau
Stella war heute nur schwer aus dem Bett gekommen. Nach der Rückkehr in ihre Kreuzberger Wohnung hatte sie gestern bis tief in die Nacht über Patrick und seine Vorstellung nachgedacht. Das, was er mit ihr angestellt hatte, ging ihr auch jetzt noch unter die Haut und es hatte sie mächtig angemacht. Dennoch würde sie sich kein zweites Mal in so eine brenzlige Situation manövrieren. Es war ohnehin ein gewagtes Unterfangen, wildfremden Männern Einlass in ihre Wohnung zu gewähren, aber trotz des Doppellebens, das sie seit geraumer Zeit führte, gehörte der Wohlfühlfaktor unbedingt dazu. In einer billigen Absteige ihrer Neigung nachzugehen, kam nicht in Frage. Ein Hotelzimmer schied aus vielen Gründen aus: es war nicht anonym, es sei denn, man wechselte ständig das Haus, es war unpersönlich und es kostete unnötig Geld.
Die Dusche fiel nur kurz aus, weil Stella nach dem Klingeln des Weckers noch einmal weggeschlummert war. Das bedeutete, dass ihr nun die Zeit bis zur allmorgendlichen Besprechungsrunde in der Kanzlei davonrannte. Wie würde es aussehen, wenn sie zu spät käme, die rechte Hand vom Big Boss, wie Herr Lübben ehrfürchtig von seinen Untertanen genannt wurde? Es wäre ein gefundenes Fressen für die Bürohaie, die permanent darauf lauerten, dass Stella einen Fehler beging. Diesen Gefallen würde sie ihnen nie tun. Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit zählten eindeutig zu ihren Stärken.
Mit dem kalten Wasser zum Wachwerden flossen sämtliche störenden Gedanken mitsamt ihres Brummschädels in den Abfluss.
Stella hatte sich angewöhnt, für ihre sexuellen Ausflüge eine andere Dusch- beziehungsweise Bodylotion aufzutragen als am Tage, womit sie ihre persönliche Grenze zwischen Beruflichem und Privatem zog. Im Büro bevorzugte sie die dezente Note mit einem Hang zum Konservativen, für danach durfte es ruhig etwas exotischeres sein, etwas, das die Sinne anregte. Anders war das bei der Kleidung. Sie hatte die Erfahrung gemacht, dass ihre Kostüme, die der Schrank in allen Farben und Variationen beherbergte, gleichermaßen gut ankamen. Irgendwie schienen die Fantasien über die Aktivitäten einer Privatsekretärin, denn so kam sie offensichtlich rüber, nie aus der Mode zu kommen und gerade bei den Männern, die nur mit Ihresgleichen zusammenarbeiteten oder Berufe ausübten, bei denen die Frauen legerer gekleidet waren, sorgte dieser strenge Look für Furore. Die Seriosität, die Stella im Büro durch ihre Outfits betonte, brachte ihr auf privater Ebene die gleichen begeisterten Blicke ein. Die schwarze Brille, die sie zum Lesen und Autofahren trug, machten den Sekretärinnen-Look perfekt.
Um zehn vor neun traf sie geschniegelt und gestriegelt in der Kanzlei ein. Das nannte man Timing.
»Frau Pfeifer, ich möchte Sie gerne noch kurz in meinem Büro sprechen.«
Stella hatte gerade ihren Platz an dem riesigen Besprechungstisch einnehmen wollen, als Lübbens Aufforderung draußen über den Flur hallte. Verdutzt hielt sie inne und zuckte mit den Schultern.
»Hui, hat unsere kleine Prinzessin etwa was vergessen?«
»Oder die letzte Anweisung vom Chef missachtet?«
Gregor und Hannes steckten hämisch die Köpfe zusammen und tuschelten eine weitere Gemeinheit in Stellas Richtung, die sie nicht verstehen konnte.
»Danke für die Aufmunterung, Jungs. Wenn ich Hilfe brauche, komme ich zu euch.«
Mit diesen Worten und einer lässigen Kopfdrehung, bei der ihre blonde Mähne wie in einer Shampoo-Werbung hinter ihr her wirbelte, nahm sie Kurs auf die imposante Durchgangstür und rauschte aus dem Zimmer. Diese Vollidioten. Immer einen blöden Spruch auf den Lippen. Aber was konnte man von denen schon erwarten, dachte sie bei sich, die würden es nie weiter bringen, als bis zu den kleinen Handlangerarbeiten, für die Lübben sie gerne einsetzte. Dennoch fragte sie sich, was der Big Boss so kurz vor dem Meeting von ihr wollte.
Das erfuhr sie, nachdem sie das kleinste Zimmer der alten Herrenhaus-Villa betreten hatte und die Tür hinter sich schloss. Die Kanzlei war zwischen Roseneck und Hagenplatz beheimatet und beeindruckend schön. Mandanten konnten zwischen Apfel- und Kirschbäumen empfangen werden. Im Sommer arbeiteten die meisten Kollegen draußen im Garten. Je nach Fall, denn auf Diskretion wurde strengstens geachtet. Immerhin gingen viele Prominente ein und aus. Zudem war das Haus lukrativ, denn Leute wie Lübben, die es geschafft hatten, reinvestierten ihr Geld ständig, um das Vermögen zu vermehren. Deshalb war die Villa nicht nur Arbeitsstätte, sondern ebenso Anlageobjekt und Besitz seiner Firma.
Es gehörte zu Lübbens Wesen, dass er sich das kleinste Zimmer für sein Tun ausgesucht hatte, das im oberen Teil des Gebäudes lag. Er war ein Mann der alten Schule, 56 Jahre alt, und hatte vorbildliche Umgangsformen. Er stand nicht auf Protz und Prunk, übte sich lieber in Zurückhaltung und überließ den jungen Wilden die begehrten Räume mit dem verschnörkelten Stuck der Gründerzeit. Er wachte mit strenger Hand, war dabei aber niemals ungerecht und mischte sich nur ein, wenn etwas aus dem Ruder lief oder seine jahrzehntelange Erfahrung gefragt war. Ansonsten legte er vollstes Vertrauen in seine Mitarbeiter. Er siezte alle und alle siezten ihn; was die Anwälte untereinander taten, war ihm egal. Hauptsache nach außen wurde Geschlossenheit demonstriert.
Sein Verhältnis zu Stella war besonders. Er beobachtete sie seit langem. Seiner Meinung nach steckte in ihr ein großes Potential. Er zog sie bei allen wichtigen Besprechungen hinzu, nahm sie zu Gerichtsterminen mit und versuchte, ihr sein umfangreiches Wissen mit auf den Weg zu geben. Stella war sich dessen bewusst und dankte es ihm mit hundertprozentiger Loyalität. Sie war über Dinge aus der Firma und seinem Privatleben im Bilde, die er niemandem sonst anvertraute. Für sie war er ein väterlicher Freund.
»Frau Pfeifer, der aktuelle Fall, an dem ich gerade dran bin, verlangt äußerstes Fingerspitzengefühl.« Verwegen zog er seine rechte Augenbraue à la Jack Nicholson nach oben. »Weibliches Fingerspitzengefühl.«
Nicht schon wieder. Stella ahnte, was ihr blühte, aber nur durch diese besonderen Fälle konnte sie zeigen, was sie draufhatte. Mal sehen, was er ihr diesmal aufbrummen würde.
»Es geht um eine Scheidung in Millionenhöhe. Ich nehme an, Sie kennen die Herrschaften aus dem Fernsehen.«
Schnell schob Lübben ihr einen Zettel hin, auf den er die Namen zweier Schauspieler kritzelte.
»Zu viele Ohren, Sie wissen schon.«
Mit dem Kopf deutete er Richtung Tür. Solche vertraulichen Angelegenheiten durften nicht zu früh und vor allem nicht durch seine Kanzlei an die Öffentlichkeit gelangen, sonst war der gute Ruf, der weit über die Grenzen Berlins bekannt war, ruiniert.
»Das Brisante an der Sache ist, dass er in den Etablissements hier in der Gegend verkehrt. Ich selbst bin ihm schon beim Spazierengehen mit meinem Hund begegnet, als ich nachts nicht schlafen konnte, und seine Frau erwartet ein Kind von einem anderen. Das weiß ich wiederum aus erster Hand. Jetzt wollen beide von mir vertreten werden und drängen auf eine Entscheidung. Sie müssen als Mediator einspringen, zusehen, dass keiner dem anderen die Hosen auszieht und dass die Scheidung sauber abläuft. Dafür sind Sie genau die Richtige.«
Lübben, der Fuchs. Er konnte ja so charmant lächeln.
Die Etablissements, von denen er sprach, waren Edelbordelle, die aus Berlin ebenso wenig wegzudenken waren wie die Currywurst. Dass der besagte Schauspieler so dumm war, diese Einrichtungen in seiner Heimatstadt in Anspruch zu nehmen, wollte Stella nicht in den Kopf. Es gab doch andere Mittel und Wege. Amüsiert schmunzelte sie in sich hinein.
Lübben fixierte sie auffordernd. Vielleicht war es ratsamer, sich in Zukunft etwas dümmer anzustellen, damit diese Schlammschlachten nicht immer auf ihrem Schreibtisch landeten.
»Alles klar«, willigte sie ein. »Zuerst werde ich mich mit der Frau treffen und herausfinden, ob ihr Mann über die Schwangerschaft Bescheid weiß. Danach mache ich mir Gedanken über die weitere Vorgehensweise.«
»Bravo, etwas anderes habe ich von Ihnen auch nicht erwartet. Dass die ganze Angelegenheit nur Sie und mich etwas angeht, brauche ich wohl nicht zu erwähnen.«
Ein Nicken besiegelte den Pakt. Zufrieden hakte Lübben sich bei Stella ein und führte sie zurück in das Besprechungszimmer, in dem die übrigen zwölf Rechtsanwälte auf die beiden warteten.
Der Tag im Büro mit Telefonaten, Diktaten und Aktenwälzen war lang gewesen und es war bereits spät, als Stella zu ihrem Auto lief. An solchen Abenden hatte sie keine Lust auf kochen. Auch wenn sie alleine war und das in der nächsten Zeit auch bleiben wollte, bereitete sie hin und wieder kleine Menüs für sich und ihre Freunde zu. Doch dafür hatte sie es heute wieder einmal übertrieben und deshalb parkte sie ihren kleinen Flitzer nur ein paar Hundert Meter weiter, um bei Krasselt‹s Curry & Scampi eine schnelle warme Mahlzeit einzunehmen. Der Imbiss hob sich ab von den anderen Currywurstbuden Berlins. Hier gingen die Schönen und Reichen ein und aus. Genau aus diesem Grund liebte Stella ihre Stadt, das Miteinander von Arm und Reich funktionierte genauso wie das Kiezleben in den kleinen Enklaven, die es allerorts zu Hauf innerhalb der Millionen-Metropole gab. Man konnte, musste aber nicht dazu gehören.
Krasselt’s war wie immer gut besucht. Der Inhaber verdiente sich eine goldene Nase mit seiner Goldgrube. Als Stella den kleinen Stehimbiss betrat, wurde sie von der Bedienung herzlich willkommen geheißen. Als Stammgast war der Zwischenstopp reine Routine. Sie bestellte die Currywurst mit extra scharfer Sauce und stellte sich an den letzten freien Tisch. Am vorderen Tisch, gleich neben dem Eingang, stand ein Pärchen mittleren Alters, die sich in ihr Essen vertieft hatten und kein Wort miteinander sprachen. Zwei Menschen, die irgendwann einmal heiß aufeinander gewesen waren und jetzt nur noch die Nahrungsaufnahme miteinander teilten. Die Frau war in ihrem früheren Leben vielleicht attraktiv gewesen, doch mit den Jahren unvorteilhaft aus der Form geraten, was Stella kurz überlegen ließ, sich die Currywurst heute doch zu verkneifen.
Der Mann hatte furchtbare Essmanieren und schlang die letzten Pommes in einer Geschwindigkeit herunter, dass einem schlecht wurde. Kurz darauf schielte er lüstern zu Stella hinüber und leckte sich dabei mit der Zunge über die Lippen. Angewidert wandte Stella den Blick ab. Am liebsten hätte sie ihm zugerufen ›Kümmer dich um deine Frau‹, doch da der Kellner mit ihrem Essen erschien, besann sie sich eines Besseren und konzentrierte sich auf den ersten Bissen.
Scharf. Und lecker. Ein Sprichwort besagte: scharf macht scharf. Wenn sie von sich ausging, traf das definitiv zu. Blieb nur die Frage, wo sie ihr feuriges Dessert hernehmen sollte? Heute nicht. So etwas wollte wohl geplant sein.
Der Weg nach Charlottenburg nahm höchstens zehn Minuten in Anspruch. Heute würde sie sich die Anstrengungen des Tages von der Seele strampeln und anschließend eine Badewanne genießen. Ein adäquater Ausgleich für ihren Kopf. Weil sie den ausladenden Hometrainer in die kleine 1-Zimmer-Wohnung in Kreuzberg nicht hatte mitnehmen können, ging sie dem Sport in ihrem alten Zuhause nach. Wenn man es richtig betrachtete, handelte es sich bei dieser Wohnung um die der Leibesübungen.
Als sie in ihre Straße einbog, war es bereits halb zehn, stockdunkel und kein Parkplatz weit und breit in Sicht. Aber das machte nichts. Sie quetschte sich mit ihrem Smart in eine Mini-Lücke senkrecht zur Straße. Das Aussteigen endete in Millimeterarbeit. Der Supermarkt um die Ecke hatte zwar bis 22 Uhr geöffnet, doch selbst zum Einkaufen war sie viel zu faul. Morgen war auch noch ein Tag, zur Not trank sie Wasser aus der Leitung. Erschöpft machte sie sich auf den Weg nach oben in den dritten Stock im Vorderhaus. Die Straße, in der die Wohnung lag, war eine kleine Seitenstraße unweit vom Lietzensee. Ein beschaulicher Kiez, der gerade im Sommer viele Berliner in die Cafés lockte. Jetzt, wo der Herbst vor der Tür stand, wurde es ruhiger. Das einzig nervige, was das ganze Jahr über nicht weniger wurde, waren die ungeliebten Tretmienen, die Bello, Jonny & Co. auf den Bürgersteinen hinterließen. Ein Ärgernis für alle Nicht-Hundebesitzer und darüber hinaus nicht in den Griff zu bekommen.
Die Blumen im Treppenhaus müssten auch mal wieder gegossen werden, dachte Stella, als sie die frisch gebohnerten Stufen emporstieg. Doch da sie die da nicht hingestellt hatte, fühlte sie sich für dieses Problem nicht verantwortlich. Zufrieden schloss sie die Tür zu ihrer Wohnung auf. Es war jedes Mal schön, in den alten Heimathafen einzulaufen. Sie hatte vier Jahre in dem hübsch sanierten Altbau gewohnt und würde, bevor sie das Geld für ihr kleines Traumhaus nicht zusammengespart hatte, diese Wohnung nicht so schnell aufgeben.
Im Vorbeigehen schaltete sie ihren Laptop ein, der im Flur auf einer Schuhkommode lag, die man auch als Bank benutzen konnte, und lief ohne Umwege in die Küche. Nach dem scharfen Essen verspürte sie einen höllischen Durst, den sie mit kaltem Leitungswasser stillte. Sie hatte recht behalten, denn der Kühlschrank gab tatsächlich nicht mehr her. Das Licht blieb aus, weil der Innenhof genug hineinwarf. Vom Küchenfenster aus hatte sie einen guten Einblick in die gegenüber liegenden Wohnungen, genauso wie vom Wohnzimmer, das direkt an die Küche grenzte. Manchmal machte sie sich einen Spaß daraus, die Blumen auf dem Balkon nackt zu gießen. Dass Stella eine exhibitionistische Ader besaß, war nicht von der Hand zu weisen.
Ihr besonderes Interesse galt einem Bewohner aus der Dachgeschoss-Wohnung im Hinterhaus. Dort war vor zirka zwei Jahren ein Typ eingezogen, der ihr anfangs nicht ganz geheuer erschien. Die Vorhänge blieben meist zugezogen, selbst am helllichten Tag. Während Stella eines Abends nackt in ihrer Wohnung herum gehüpft war, wurde sie das Gefühl nicht los, beobachtet zu werden. Sie hatte es sich daraufhin nicht nehmen lassen, im Adamskostüm auf den Crosstrainer zu steigen, mit ihrem Work-out zu beginnen und abzuwarten.
Und richtig. An diesem Abend begann sie zu begreifen, dass der undurchsichtige Mister von gegenüber hinter seiner Gardine kauerte und sie tatsächlich beobachtete. Ein Schatten, der sich nicht vom Fleck bewegte und die Vorstellung, dass ihr Nachbar in seinem dunklen Zimmer hinter den Vorhängen darauf wartete, ihre Brüste zu beobachten, die im Takt ihrer Bewegungen hin und her schaukelten, um dabei in immer schneller werdenden Bewegungen zu onanieren, bis er schließlich auf sein Parkett ejakulierte, regte ihre Fantasie in hohem Maße an. Der Kerl war mit Sicherheit nicht der Einzige, der Stella sehen konnte, doch er war derjenige, der aus seiner Leidenschaft eine Berufung machte. Seitdem sie mitbekommen hatte, dass der junge Mann, förmlich darauf lauerte, dass sie die Hüllen fallen ließ, tat sie ihm diesen Gefallen gerne.
Heute würde sie ihm vor dem Schlafengehen eine weitere Kostprobe geben, doch zuerst wollte sie ihre Mails checken. Seit einigen Tagen buhlte ein Verehrer hartnäckig um ein Treffen und sie war dabei, ihn auf Herz und Nieren zu prüfen. Morgen war Freitag, das hieß, das Wochenende stand vor der Tür, und wenn Sascha spontan war, würde sie sich in 24 Stunden auf eine Verabredung einlassen. Der Gas-Wasser-Heizungs-Installateur hatte vielversprechende Andeutungen bezüglich seiner Zungenfertigkeit gemacht. Stella war ein großer Fan des oralen Verkehrs und deshalb sehr gespannt. Nur die wenigsten Männer hielten, was sie versprachen.
Nach einer viertelstündigen Chat-Offensive stand fest, dass Sascha ihr morgen einen Besuch abstatten würde. Als Dankeschön, dass sie endlich auf seine Annäherungsversuche eingegangen war, erhielt sie ein Foto, auf dem sich seine Zunge an einer Nektarine verging. Wenn sie ehrlich war, hätte sie sich heute Abend für das Obst entschieden. Nichts desto trotz verspürte sie eine gewisse Portion Vorfreude auf den neuen Gast. Wie würde er wohl sein, der große Unbekannte, der tagsüber Haushalte von ihren verstopften Rohren befreite? Er passte auf jeden Fall genau in ihr Beuteschema.
Sie klappte den Laptop zu und holte tief Luft. Die Show konnte beginnen. Langsam knöpfte sie ihre Bluse auf, ließ den weichen Stoff auf den Boden fallen und lehnte sich mit geschlossenen Augen in ihrem Chefsessel zurück. Die Lehne gab nach, als sie ihr Gewicht nach hinten verlagerte und sie spürte das kalte Leder auf ihrer Haut. Dann drückte sie sich mit Schwung vom Boden ab, um ein kleines Stück zurück zu rollen. Der alte Mahagoni-Schreibtisch war das Meisterstück aus der Gesellenprüfung ihres Großvaters, den sie leider nie kennengelernt hatte. Das wuchtige Stück stand im Wohnzimmer. Das hieß, wenn ihr Nachbar aus dem Dachgeschoss zu Hause war, würde er ihr nun dabei zusehen können, wie sie sich langsam für ihn auszog.
Der BH, den sie heute trug, war vorne zu öffnen. Allmählich fuhren ihre Hände Richtung Verschluss und sie begann, daran herumzufingern. Nach wenigen Augenblicken löste sie den kleinen Druckknopf und der Stoff glitt auseinander. Befreit gaben ihre Brüste der Schwerkraft nach, als sie die Enden des BHs zur Seite entfernte. Wohlgeformte, weiche Brüste sprangen hervor, die etwas herabhingen. Auf ihren Spitzen lagen nicht zu große, dunkel eingefärbte Vorhöfe mit prallen Warzen. Diese waren empfindlich für jede Form der Berührung und stellten sich bei entsprechender Behandlung weit auf. Sie liebte ihre Nippel und das Spiel mit ihnen. Erregt umkreiste sie die Vorhöfe mit den Fingern und zwirbelte an den Brustwarzen. Das Kneten tat gut und als sie ihren Kopf etwas senkte, um die linke Brust an ihren Mund zu führen, spürte sie ein Ziehen in ihrem Unterleib. Dann streckte sie die Zunge heraus und leckte an ihren Spitzen. Ganz langsam und sorgfältig unterstütze ihre Hand den Vorgang, indem sie die Brust immer wieder an Stellas Mund vorbeiführte. Die Zunge schleckte den braunen Vorhof ab und Stella sog den Nippel in den Mund hinein, der inzwischen auf die Größe einer Fingerkuppe angeschwollen war. Sie lutschte rhythmisch an der riesigen Knospe, wurde immer gieriger und benutzte schließlich ihre Zähne, mit denen sie die Erhebung quetschte, wie es Patrick einen Tag zuvor getan hatte. Sie gab ein Geräusch der Wonne von sich, das durch das weiche Fleisch in ihrer Mundhöhle nur gedämpft hörbar war. Plötzlich hielt sie inne, denn sie war kurz davor, sich der Explosion in ihrem Schoß hinzugeben. Nur knapp verhinderte sie, dass die pulsierenden Kontraktionen überhandnahmen und sie der Höhenflug aller Gefühle übermannte. Das wollte sie sich für später aufsparen.
Verklärt richtete sie sich auf und kam wieder zu sich. Die Vorstellung ging doch jetzt erst richtig los. Sie erhob sich aus dem Sessel und lief nur noch mit ihrem schwarzen Stiftrock bekleidet in die Küche, um einen letzten Schluck Wasser zu trinken. Dabei wippten ihre Brüste kokett hin und her. Stella warf einen Blick aus dem Fenster, doch in der Dachgeschoss-Wohnung tat sich nichts. Das Licht war ausgeblieben und kein Mensch zu sehen. Was sich dort oben abspielte, war nur Teil ihrer Fantasie. Sie hatte sich so an ihren Zuschauer gewöhnt, dass es ohne nicht mehr so viel Spaß machte. Und wenn er jetzt zusah, sollte er die ganze Palette bekommen.
Stella kehrte ins Wohnzimmer zurück, wo ihr BH noch immer einsam auf dem Boden vor ihrem Schreibtisch lag. Sie ging daran vorbei, berührte ihn liebevoll mit der Spitze ihres Schuhs und öffnete währenddessen den Reißverschluss ihres Rockes. Dann drehte sie ihren Po Richtung Fensterfront und ließ das Kleidungsstück langsam an ihren Beinen hinunter gleiten. Ihre durchgedrückten Oberschenkel und der feste Hintern, der nur von einem String-Tanga bedeckt war, mussten für einen Stier wie ein rotes Tuch wirken: entdecken, losrennen, zustoßen. Elfenartig stieg Stella aus ihrem Rock. Nun stand sie da in ihrem schwarzen Slip und den schwarzen High Heels, drehte sich zum Fenster und spähte hinaus. Nur das Licht vom Innenhof fiel von außen herein. Die meisten Nachbarn hatten den Fernseher laufen oder es sich anderweitig auf der Couch gemütlich gemacht. Von nebenan war leise Musik zu hören, eine Art Jazz, wie Stella zu erkennen glaubte, und die sie ebenfalls gerne hörte. Ansonsten war es in ihrer Wohnung mucksmäuschenstill. Sie trat vor bis an die Scheibe und drückte ihre nackten Brüste gegen das Glas.
In diesem Moment hätte Hagen laut aufschreien können, so groß war sein Verlangen nach Stella. Vom ersten Tage an, seitdem er die Wohnung in der Fritz-Konstantin-Straße angemietet hatte, konnte er sich dem Bann dieser Frau nicht entziehen. Sie war ein verdammter Vamp, eine Venusfalle, und wirkte dennoch so verletzlich. Nach der Trennung von seiner Freundin war der junge Polizist allein in das Dachgeschoss gezogen und hatte sehr schnell herausgefunden, was seine Nachbarin aus dem Vorderhaus in ihrer Freizeit bevorzugte. Es gefiel ihm nicht immer, sie mit anderen Männern zu sehen, aber irgendetwas ließ ihn ebenso wenig wegschauen. Es zerriss ihn innerlich, wenn er sie bei ihren Spielen ertragen musste, aber letztendlich endete es für ihn immer in einer gigantischen Explosion. Und in seiner Fantasie trieb sie mit den Männern das, was er sich mit ihr vorstellte.
Stella schlüpfte aus ihren Schuhen. Es war schön, eine Frau zu sein, ohne Frage, aber mit diesen Dingern am Fuß wurde man nicht geboren. Irgendein Gen war manipuliert und machte Mädchen glauben, dass es ohne nicht ging – aber den ganzen Tag eben auch nicht. Sie ließ ihre Füße zur Entspannung kreisen. Dann streifte sie den Slip herunter und warf ihn in einem hohen Bogen auf die Couch. Nun stand sie in ihrem dunklen Wohnzimmer wie Gott sie erschaffen hatte und lief zum Crosstrainer. Nach dem stressigen Tag heute fiel die Entscheidung nicht allzu schwer und sie wählte ein leichtes Programm mit einer Zeitvorgabe von 20 Minuten. Für mehr würde sie sich nicht aufraffen können. Dann legte sie los. Das Gerät zielte darauf ab, die Po- und Oberschenkelmuskulatur in Kombination mit dem Oberkörper zu trainieren und das funktionierte auch barfuß. Bereits nach wenigen Minuten rann Schweiß, der sich aus allen Poren den Weg über ihren Körper bahnte. Die Reibung zwischen den Beinen und ihre Fantasie heizten sie weiter an. Ihr wurde heiß und nach kurzer Zeit konnte sie nicht mehr unterscheiden, ob die Nässe zwischen ihren Schenkeln vom Schwitzen oder aus ihrer Vagina kam. Sie hoffte inständig, dass ihr heimlicher Verehrer jetzt hinter seiner Gardine stand, um an ihrem Work-out teilzuhaben. Ihre zierlichen Arme umklammerten die Griffe des Crosstrainers, um jeden Schwung, den ihre Beine in Bewegung setzten, mitzunehmen und zu unterstützen, wobei sich Bizeps und Schultermuskulatur durch die Anspannung deutlich abzeichneten. Ihre Haut glitzerte im Schein des Außenlichtes, das ihr Zimmer minimal erhellte, und ihr Atem ging jetzt schneller. Die letzten sechs Minuten standen auf der Uhr und oben im Dachgeschoss glaubte sie einen Schatten zu erkennen. Ihre Augen hatten sich mittlerweile an die Dunkelheit gewöhnt, sodass die kleinste Bewegung sichtbar wurde. Wenn sie sich nicht täuschte, sorgte ihr Nachbar dafür, dass es ihm gutging. Nur ganz wenig, aber dennoch energisch, wackelte das Stück Stoff an seinem Fenster hin und her. Also doch, er war zu Hause und sah alles mit an. Wie gern würde sie ihn bitten, sich auf ihr zu ergießen, wenn er soweit war, doch dann wäre ihr süßes Geheimnis kein Geheimnis mehr und die voyeuristische Nummer hätte ein Ende. Manchmal tat man gut daran, Dinge nicht offen auszusprechen. Und überhaupt, was hätte sie ihm zu sagen gehabt? Sie wusste, dass er ihr zusah, aber wusste er, dass sie es wusste?
Der Timer des Crosstrainers signalisierte, dass die Zeit abgelaufen war. Ihre Schritte, um das Schwungrad zu bewegen, wurden kleiner, bis das Gerät schließlich ganz zum Stillstand kam. In der Dunkelheit versuchte sie das Display zu entziffern: 20 Minuten, 196 kcal – das war nicht einmal eine Tafel Schokolade. Das würde sich jetzt noch ändern. Ohne abzusteigen, wischte sie den Schweiß auf ihrem Dekolleté weg, stütze den linken Unterarm auf der Anzeigetafel ab und fuhr mit der rechten auf ihrem flachen Bauch und an ihrem kreisrunden Nabel vorbei bis unten auf ihren Hügel. Um die winzigen Stoppeln, die seit der letzten Rasur nachgewachsen waren, würde sie sich später in der Badewanne kümmern. Zunächst hatte sie sich eine Belohnung verdient und es war an der Zeit, ihre Muschi zum Glühen zu bringen. Sie massierte mit leichtem Druck erst die äußere Scham und tastete sich dann weiter nach innen vor. Ungeduldig rutschte sie in ihre Höhle und fühlte das feuchte Innere. Der abgebrochene Höhepunkt vorhin, ihr verschwitzter Körper, der Voyeur von gegenüber – wild und ungehalten fingerte sie drauf los, während ihre Grotte schmatzende Geräusche von sich gab. Ihre Kleine wollte mehr, Stella erhöhte die Frequenz und ihr Unterleib zog sich zusammen.
Hagen musste inne halten, er durfte keinen Millimeter weiter gehen, sonst würde er ohne sie abspritzen. Sein Schwanz zuckte, seine Pumpe wollte den Druck ablassen und während er so dastand und auf Stellas Ende wartete, fiel ein Liebestropfen nach dem anderen auf den Boden. Seine harte Latte war dem Platzen nahe und suchte bereits nach Ventilen, um den Schmerz zu lindern. Immer wieder, wenn er durch Stellas Wohnzimmerfenster stierte und darauf wartete, dass sie auf ihrem Fitness-Gerät abgehen würde, pulsierte sein Schwengel und pumpte noch stärker.
Stella konzentrierte sich nun auf ihre Klit, die sie unbarmherzig und in kreisenden Bewegungen zum letzten Tanz aufforderte. Der kleine Ball war bereits Haselnuss groß angeschwollen; die Schamlippen, die sonst den Weg versperrten, hatten sich verdickt und nach außen geschoben. Schnell und wild wischte sie über ihre äußere Scheide, immer wieder auf und um den Kitzler, und stöhnte ihr Verlangen heraus – dann war die Explosion da. Ihre Finger trommelten auf die Feuer sprühende Stelle ein, was sie noch mehr in Ekstase versetzte. Die Grenze zwischen Schmerz und Entzückung vermischte sich. Sie keuchte und lachte, benetzte den gesamten Schambereich mit dem süßen Liebessaft und steckte zum Abschluss ihre Finger in den Mund, um jeden einzelnen abzulecken. Sie schmeckten nach Orgasmus, nach Sex. Sie konnte nicht genug bekommen und was hätte sie in diesem Augenblick darum gegeben, den Schwanz ihres Nachbarn in sich aufzunehmen.
Hagen gab einen Laut des Verlangens von sich, bevor er seinen Schaft ein letztes Mal umfasste. Es bedurfte keiner weiteren Stimulation und nur mit zurückgezogener Vorhaut feuerte er den weißen Saft aus seinem Genital. Er schloss die Augen, um sich vorzustellen, wie Stella vor ihm kniete und all sein Sperma in ihrem weit aufgerissenen Mund entgegennahm. Er spritzte sein Ejakulat direkt auf ihre Zunge, die jeden Tropfen in Stellas Schlund beförderte, damit nichts von der kostbaren Wichse danebenging. Dann warf sie den Kopf zurück, gurgelte und schluckte, während sie ihm tief in die Augen schaute. Hagen verweilte in seiner Position, wagte sich nicht zu bewegen, damit dieser Moment nie aufhörte. Es dauerte eine Ewigkeit, bis die Härte aus seinem Stab wich. Wie er sich nach dieser Frau verzehrte. Die kräftigen Muskeln seines Pos entspannten sich nur mäßig. Immerhin hatte er sich die gesamte Zeit nicht vom Fleck bewegt.
Stella war ihrem Nachbarn bereits einige Male vor der Haustür begegnet, doch zu mehr als einer netten Begrüßung hatte es nie gereicht. Sie musste zugeben, er sah gar nicht schlecht aus. Vielleicht war er zu schüchtern oder sie gefiel ihm nicht, dass er sich nie auf mehr als ein Hallo einließ. Aber was interessierte sie das eigentlich?
Mittwochs, so viel hatte sie bereits herausgefunden, war ihr Lieblingszuschauer nie zu Hause. Also sah sie zu, ihre Termine auf andere Wochentage zu legen. Auf ein so nettes Publikum wollte sie nicht mehr verzichten.
Sie begann zu frösteln. Nachdem der Zauber, den sie nicht alleine erlebt hatte, aus ihrem Körper wich, sehnte sie sich nach einer Entspannung. Eine warme Wanne, mit der sie den Tag in Ruhe ausklingen lassen konnte, lockte sie ins Badezimmer und beinahe wäre sie der Versuchung unterlegen, ihrem heimlichen Gespielen per Handkuss eine Gute Nacht zu wünschen. In letzter Minute schwenkte sie um und es blieb bei einem schmachtenden Blick Richtung Hinterhaus.
Sie sammelte ihre Kleidung ein, brachte die Wäsche in den Korb neben der Waschmaschine und drehte das Wasser auf. Sie trug das gleiche Kostüm nie zweimal im Monat, geschweige denn zwei Tage hintereinander. Da sie schon immer einen Faible für schöne Fummel gehabt hatte und der Bestand ihres Kleiderschrankes jedes Frauenherz höher schlagen ließ, musste sie sich um zu wenig anzuziehen keine Sorgen machen. In beiden Wohnungen war mehr als genug vorhanden und dass sie heute keinesfalls mehr zum Paul-Lincke-Ufer fahren würde, stand so fest, wie das Amen in der Kirche. Ein Badezusatz setzte dem Wasser Schaumkronen auf und Stella stieg in das knöchelhohe Nass. Wieder einmal stellte sie fest, dass es ihr an nichts fehlte. Sie nahm sich das, was sie wollte, verbrachte ihre Zeit da, wo sie wollte und im Büro lief alles wie am Schnürchen. Fast zu schön, um wahr zu sein.
Das Letzte, was sie sich für heute noch antun wollte, war eine Intimrasur. Wenn Sascha sie morgen hier in ihrer Liebeshöhle besuchen würde, sollte er einen blank gezogenen Hügel bekommen. Es war geschickt, dies einen Tag vor der Präsentation zu erledigen, da die Haut dann genug Zeit hatte, sich zu erholen. Dass sie vor gar nicht allzu langer Zeit mit einem schmalen Haarstrich auf dem Venushügel rumgelaufen war, entlockte ihr ein Schmunzeln. Heute standen die meisten Männer auf kahl rasierte Bikinizonen und Stella musste zugeben, dass das, was für morgen groß angekündigt war, keine haarige Ablenkung gebrauchen konnte. Sie stellte das Wasser aus und kniete sich in die Badewanne, sodass sie sich von den Oberschenkeln aufwärts im Trockenen befand. Das Rasiergel, das sie neulich für wenig Geld in der Drogerie erstanden hatte, roch angenehm nach Lavendel und schonte die Haut. Es musste nicht immer teuer sein. Gleichmäßig verteilte sie den Schaum und rasierte das Dreieck zwischen Lendenbereich und Oberschenkeln bis hoch zum Dammende. Mit Hilfe eines kleinen Handspiegels, der neben anderen Utensilien in einer Hängetasche über der Badewanne steckte, kontrollierte sie das Ergebnis. Ihre weiche Spalte konnte sich sehen lassen. Damit sie morgen kein blaues Wunder erlebte, griff Stella nach dem Rasierwasser von Hermès, Terre d’Hermès, und desinfizierte die gereizte Hautpartie. Sie glaubte mehr als jeder andere daran, dass man jemanden riechen konnte oder nicht und wenn ein Mann mit diesem Parfum in ihr Leben trat, würde sie ihn vom Fleck weg heiraten.
Für einige Minuten verweilte sie in der vertrauten Umgebung ihres Badezimmers. Dann putzte sie sich die Zähne und huschte, ungeschminkt und wie das liebste Mädchen von nebenan, in ihr Bett und in einen wohlverdienten Schlaf.
Der Zungenakrobat
Der nächste Tag brachte einen Gerichtstermin mit sich. Keine große Sache, nur die Vertretung einer Mandantin, die von ihrem Arbeitgeber gemobbt wurde und zufällig die Tochter eines alten Freundes von Lübben war. Als Chefsekretärin einer großen Firma oblagen der Angestellten nur noch Frondienste, die nach Lust und Launen des Chefs zwischen Kaffeekochen und Kopieren variierten, weil sie unter anderem auf seine Avancen sexueller Natur nicht eingegangen war. Zum Leidwesen ihres Vorgesetzten konnte er sie dafür nicht einfach feuern und sie bezog trotz der niederen Tätigkeiten nach wie vor ein Spitzengehalt. Mit diesem Zustand war niemand glücklich, doch anstatt etwas zu ändern, wurde die Frau verbal fertig gemacht und weiterhin sexuell belästigt. Die tickende Bombe ging hoch, als sie sich auf unbestimmte Zeit krankschreiben ließ, womit ihr Chef ganz und gar nicht einverstanden war und sie direkt verklagte. Nun lag es an Stella zu beweisen, dass die Frau zu recht Krankengeld bezog und nie wieder in die Höhle des Löwen zurückkehren musste.
Aus diesem Grund fiel für Stella die morgendliche Besprechung in der Kanzlei heute aus. Sie steuerte ihren Smart direkt zum Arbeitsgericht, wo vor dem Eingang bereits ihre verschüchterte Mandantin auf sie wartete, der das ganze Brimborium Angst machte. Die einstige Entschlossenheit der Geschädigten schwand mit jeder Etage, die die beiden Frauen im Gebäude emporstiegen. Da noch etwas Zeit blieb, nahmen sie auf einer Bank vor dem Verhandlungszimmer Platz.
»Frau Zuckermann, es gibt keinen Grund, warum Sie sich jetzt Sorgen machen oder Zweifel bekommen sollten.«
Stella hatte schon unzählige Male miterlebt, dass die Opfer kurz vor der Verhandlung einknickten.
»Ich weiß, aber mein Chef geht über Leichen. Wenn ich heute verliere, muss ich mich sofort um einen neuen Job kümmern und anfangen, das Geld zu zählen. Und wenn ich gewinne, wird er mich erst recht fertig machen.«
»Mehr als vorher?«, erkundigte sich Stella skeptisch.
In diesem Moment bog der Teufel, von dem hier die Rede war, persönlich um die Ecke und marschierte direkt auf seine Angestellte und deren Anwältin zu. Unfassbar, was für eine arrogante Aura ihn umgab und mit welcher Lässigkeit er den Gang hinunterschlenderte. Offensichtlich sah er sich nicht auf die Hilfe eines Anwalts angewiesen und war allein erschienen. Er musste sich seiner Sache sehr sicher sein oder war so dumm zu glauben, es ginge um nichts. Auf Höhe der gegnerischen Bank grüßte er mit einem breiten Grinsen, das Stella bereitwillig erwiderte. Selbstverständlich wahrte sie die Umgangsformen, das hatte sie von Lübben gelernt. Ihre Chance würde kommen. Sie freute sich auf den Augenblick, den ominösen Machenschaften dieses Mannes, der sich für unwiderstehlich hielt, ein Ende zu bereiten. ›Zieh dich warm an, mein Freund, dir wird das Lachen schon noch vergehen‹, argwöhnte Stella vor ihrem Siegeszug. Es war an der Zeit, ein Exempel zu statuieren und dem Fiesling zu zeigen, wer hier die Hosen anhatte.
»Sehen Sie, Frau Pfeifer«, flüsterte Frau Zuckermann, »der bildet sich sonst was ein und zieht sein Ding ohne Rücksicht auf Verluste durch.«
»Schön und gut, aber das gibt ihm noch lange nicht das Recht, seine verletzte Eitelkeit an Ihnen in Form von Mobbing auszulassen.«
Stella mahnte mit erhobenem Zeigefinger und wollte damit zum Ausdruck bringen, dass ihre Mandantin alles richtig gemacht hatte. Während der zweijährigen Zusammenarbeit hatte der Vorgesetzte seiner Angestellten nicht nur verbal zu verstehen gegeben, dass er sich mehr mit ihr vorstellte, als nur die Bitte zum Diktat.
Der Prozess würde kurz und schmerzlos ablaufen, darüber war sich Stella sicher. Alle Indizien sprachen gegen den Übeltäter: eine Mailbox-Aufzeichnung, die er im Vollrausch auf Frau Zuckermanns Handy hinterlassen hatte, eindeutige Aufforderungen zum Sex, die im Zuge seiner geistigen Umnachtung selbst geschrieben und auf Post-Its festgehalten wurden sowie Zeugen, die bestätigen konnten, dass es eine Vorliebe für arbeitswillige junge Frauen gab. Mit diesen erdrückenden Beweisen konnte gar nichts schiefgehen. Gerade deshalb kam sein alleiniges Erscheinen einem Affront gleich, über den Stella sich nur wundern konnte. Dennoch, und das musste sie sich eingestehen, hatte auch sie schon mit Typen Bekanntschaft gemacht, die mehr wollten, als sie zu geben bereit gewesen war. Die Regel lautete in beiderseitigem Einverständnis und wenn diese Voraussetzung nicht gegeben war, musste die Sache abgeblasen werden. Das galt in der Arbeitswelt wie im Privaten. Daran hatte sie sich immer gehalten und die falsche Sorte Mann in die Wüste geschickt. Das Problem war, dass Frauen grundsätzlich körperlich unterlegen waren und sich psychisch schnell in die Opferrolle drängen ließen. Stella wusste das nur zu gut. Hier profitierte sie von einer psychologischen Zusatzausbildung, die sie vor zwei Jahren abgeschlossen hatte.
Der heutige Fall war wieder ein Paradebeispiel und sie würde nichts weiter tun können, als ausgleichende Gerechtigkeit herzustellen. Alles weitere lag bei Frau Zuckermann und einem selbstbewussteren Auftreten bei neuen Arbeitgebern.
Eine Gerichtsdienerin bat alle Anwesenden in den Verhandlungsraum. Mit einem süffisanten Grinsen hielt der Kläger Stella die Tür auf, die sich betont höflich bedankte. Als sie ihm lange in die Augen blickte, war nicht zu übersehen, wie seine Pupillen sich weiteten. Sie musste nicht Gedanken lesen können, um zu erraten, dass er sie nur zu gerne zu einem seiner Opfer machen würde. Sie spürte es, er war eben auch nur ein Mann. Es lief gut, sie hatte den Fisch am Haken. Kampfeslustig setzte Stella ihren Schritt fort, Frau Zuckermann tippelte kleinlaut hinterher. Die Arme hatte es diesem Tyrannen wirklich leicht gemacht. Warum sich diese Machos nie einen ebenbürtigen Gegner aussuchten, dachte Stella und schüttelte den Kopf.
Die Verhandlung war nach dem Vorbringen aller Beweise und knappen zwanzig Minuten gelaufen. Frau Zuckermann, die die ganze Zeit über auf den Boden gestarrt hatte, wurden die seelischen Qual vom Gericht bescheinigt. Die Richterin war nach einer kurzen Schilderung der Angeklagten angewidert auf ihrem Stuhl hin und her gerutscht und hatte zusätzlich zu Frau Zuckermanns Freispruch eine satte Abfindung als Schmerzensgeld verhängt. Eine gelungene Vorstellung für alle, außer für Herrn Grinsebacke, der um ein paar tausend Euro ärmer und viele böse Blicke reicher geworden war. Trotzdem musste man davon ausgehen, dass er nichts dazu gelernt hatte. Beleidigt rauschte er nach dem Richterspruch von dannen.
Stella gab Frau Zuckermann zum Abschied die Hand und einen guten Rat: »Männer haben nicht mehr oder weniger Rechte als wir Frauen, wir müssen ihnen das immer wieder klar machen.«
Ihre Mandantin bedankte sich leise. Stella wusste zwar nicht wofür, denn der Termin heute war ein reines Kinderspiel gewesen, aber sie konnte sich einen weiteren Sieg auf ihre Fahne schreiben. Das war auch nicht das Schlechteste. Dann ging Frau Zuckermann ihrer Wege.
Bevor Stella das Gerichtsgebäude verließ, stattete sie der Damentoilette noch einen Besuch ab. Im Spiegel stellte sie überrascht fest, dass sie heute besonders frisch aussah, was nach der letzten Nacht, die viel zu schnell geendet hatte, nicht unbedingt zu erwarten gewesen war. Oft hatte sie erlebt, dass mit einer Richterin nicht zu spaßen war, gerade dann, wenn der Anwalt eine Frau war. Heute jedoch hatten alle Damen zusammengehalten, von Stutenbissigkeit keine Spur, wodurch das Urteil vielleicht sogar härter ausgefallen war, als Stella zu hoffen gewagt hatte. Was für ein guter Start in den Tag.
Zurück auf der Straße zeigte der Himmel an, dass sie sich beeilen musste, um nicht in den Regen zu kommen. Schnell überquerte sie die Straße zu ihrem Parkplatz, wo bereits die nächste Überraschung auf sie wartete. Das Scheusal von eben musste seit einer kleinen Ewigkeit dort stehen und auf sie gewartet haben. Seltsam, dass er wusste, welcher ihr Wagen war.
»Na, schöne Frau, da haben Sie Ihren Feldzug ja mit Pauken und Trompeten durchgezogen.«
»Ich stehe nicht gerne auf der Verlierer-Seite.«
Stella antwortete, ohne ihm in die Augen zu schauen und kramte dabei in ihrer Handtasche.
»Sie wissen doch gar nicht, was es bei mir zu gewinnen gibt.«
Der Verlierer legte einen Dackelblick auf, mit dem Männer immer dann um die Ecke kamen, wenn sie etwas unbedingt haben wollten. Es war die ganze Zeit nicht zu übersehen gewesen, dass er auf Stella angesprungen war.
»Schade, wenn sich nicht bewahrheitet hätte, dass Sie ein Arschloch sind, wäre ich glatt mit Ihnen essen gegangen.«
Stella wusste, dass sie das nicht sagen durfte, aber sie waren nicht mehr im Gericht und es war weit und breit niemand zu sehen. Parallel öffnete sie die Tür und schwang sich elegant ins Auto, indem sie ihre schlanken Beine hinterher zog. Lüstern musterte ihr Verfolger jeden Zentimeter ihrer Figur und aus seinen Augen sprach Aggressivität. Bevor Stella die Wagentür schließen konnte, musste dieser Kerl, der keine Anstalten machte, einen Schritt zurücktreten. Das tat er aber nicht.
»Man sieht sich immer zweimal im Leben, mein Fräulein.«
»Genau, ein erstes und ein letztes Mal«, konterte Stella, schnappte sich den Türgriff und zog.
Sie rammte ihm die Tür in die Waden, sodass er jaulend zur Seite sprang und Stella sah zu, dass sie so schnell es ging den Motor startete. Mit quietschenden Reifen manövrierte sie ihren Wagen aus der Parklücke und brauste davon. Sie begann zu begreifen, warum Frau Zuckermann solche Angst gehabt hatte und sie war froh, dass sie mit diesem Mann nie wieder etwas zu tun haben würde.
Bereits eine Ecke weiter widmete sie sich voll und ganz dem Radio, das ihr mit einem Lieblingslied die Laune schlagartig wieder verbesserte.
Um halb zwölf traf sie in der Kanzlei ein. Sie hatte einen Coffee to go in der Hand und erntete prompt einen mehr als überflüssigen Kommentar von Gregor.
»Na, ausgeschlafen oder die Nacht nicht zu Hause verbracht?«
»Guten Morgen. Und ich dachte, das wäre Top Secret? Aber dann wisst ihr ja, dass ich gestern mit dem Big Boss und Wowi essen war. Ist etwas später geworden.«
Ohne weitere Erklärung setzte Stella ihren Weg fort und freute sich heimlich über die herunter gefallene Kinnlade ihres nervigsten Kollegen. Dann schaute sie bei Lübben vorbei, um sich zu erkundigen, ob etwas Wichtiges anstand. Da dem nicht so war, aber sein Protégé offensichtlich nichts Besseres zu tun zu haben schien, jedenfalls nach seiner Einschätzung, drückte er ihr eine zehnseitige Anklageschrift in die Hand mit der Bitte um Korrektur – Dackelblick inklusive. Stella verdrehte die Augen. Natürlich konnte sie ihm diesen Gefallen nicht ausschlagen. Nicht, weil er ihr Chef war und sie niemals anzüglich anpacken würde, sondern weil sie wusste, dass es um einen persönlichen Auftrag ging, um den er niemand anderen gebeten hätte.
Den Rest des Tages verbrachte die Retterin aller Frauen in ihrem stillen Kämmerlein und saß noch lange, nachdem alle anderen die Villa verlassen hatten, über den kniffligen Formulierungen, die Lübben der Anklage beigemischt hatte. Dieser Fuchs. Von ihm konnte sie noch eine Menge lernen.
Die wenigsten Kollegen lieferten mehr als den Dienst nach Vorschrift ab und ein Freitagnachmittag diente als weiteres Argument, den Bleistift eher früher als später fallen zu lassen. Als Stella endlich fertig war, befand sich somit niemand mehr im Haus. Bevor sie sich auf den Heimweg machte, wollte sie die überarbeitete Fachlektüre auf Lübbens Schreibtisch deponieren. Eine kleine Randnotiz beinhaltete folgende Mitteilung: »Bis auf ein paar Kleinigkeiten ok – wenn da dem Gegner nicht die Ohren schlackern, dann weiß ich aber auch nicht. Felicitas«
Zu ihrem großen Erstaunen brannte noch Licht, als Stella die Tür zu seinem Büro öffnete. Natürlich, er war noch da. Nie im Leben hätte er verlangt, dass einer seiner Schützlinge mehr arbeitete als er. Nein, sie hatten härter zu arbeiten, um das zu erreichen, was er vorgelegt hatte, aber nicht länger. Lächelnd betrat Stella das Zimmer und präsentierte ihre Arbeit.
»Niemand hat von Ihnen verlangt, dass Sie das heute fertig machen.«
»Niemand will das mit ins Wochenende nehmen. Gute Nacht.«
Stolz, ihm ein weiteres Mal bewiesen zu haben, dass er zu recht an sie glaubte, winkte sie zum Abschied an der Tür und verließ vor Energie strotzend die Kanzlei. Lübben würde noch eine weitere Stunde dran hängen, um ihre Verbesserungsvorschläge genauestens zu studieren. Von nichts kam nichts.
Stella hatte mit ihrem heutigen Gast vereinbart, dass sie sich melden würde, wenn sie zu Hause war. Da die Uhr bereits kurz vor zehn anzeigte, schaltete sie sofort ihren Laptop ein, nachdem sie die Wohnung betreten hatte. Ein Signal deutete daraufhin, dass Sascha sich im Chat befand und auf sie wartete. Umgehend formulierte sie eine Message:
ES IST ANGERICHTET
Sein TROPFT SIE SCHON? war eine rein rhetorische Frage, denn erstens musste er davon ausgehen, nach alldem, was die beiden in den letzten Wochen miteinander besprochen hatten, und zweitens wartete er ihre Antwort gar nicht mehr ab. Wahrscheinlich verließ er auf der Stelle sein Zuhause.
Deshalb wollte Stella keine Zeit verlieren. Sie hatte jetzt Pi mal Daumen eine halbe Stunde Zeit, bis Sascha eintraf und ihr die Pussy wund leckte. Das reichte allemal, um unter die Dusche zu springen. Rasiert war sie und viel anziehen würde sie eh nicht.
Sie entschied sich für eine Unterwäsche, die sie kürzlich im KaDeWe erstanden hatte. Sie genoss Einkäufe dieser Art und bei vulgären Outfits konnte es passieren, dass sie auf dem Weg nach Hause nass wurde und in ihrer Wohnung, spätestens bei der Anprobe, erst einmal Hand anlegen musste.
Fürsorglich nahm sie die Reizwäsche aus einer der drei Schubladen, die ausschließlich Dessous beinhalteten und ihr Allerheiligtum darstellten. Der transparente Stoff, der über den Nippeln und ihrer Schnecke mit Löchern versehen war, schimmerte schwarz und wurde außen von einer kleinen violetten Kante umrandet. Satinbänder aus zartem Rosa waren an den jeweiligen Öffnungen befestigt, um als Schleife gebunden oder bei Bedarf geöffnet zu werden. Sie hatte sich für die Kategorie sinnlich verrucht entschieden, weil das nach ihrer Einschätzung am ehesten dem Naturell ihres Besuchers entsprach. Nachdem sie eine wohlriechende Bodylotion auf ihrer Haut verteilt hatte, zog sie ihre neuen Lieblingsstücke an. Dann trat Stella in ihrem Ensemble vor den großen Standspiegel, der sich im Schlafzimmer neben dem Bett befand, um das Ergebnis zu betrachten. Nicht übel. Für Drüber tat es das kleine Schwarze, das sie mit roten Lackpumps kombinierte. Ihre Mähne war locker hochgesteckt und verlieh dem Ganzen einen Hauch von Sweet Sixteen. Stella, der kleine blonde Unschuldsengel.
Zufrieden schloss sie ihren Kleiderschrank, beseitigte im Bad die letzten Duschspuren und staunte nicht schlecht, dass es in diesem Moment an ihrer Wohnungstür klopfte. Normalerweise war die Tür unten abgeschlossen und die Besucher des Hauses mussten klingeln, um eingelassen zu werden. Verwundert stöckelte Stella zur Tür. Ihre Schritte hallten auf den alten Dielen nach. Zum Glück gab es einen Spion, der sie vor den ganz bösen Überraschungen bewahrte. Als sie hinaus spähte, wedelten drei weiße Calla, die ihr der junge Mann dahinter zur Begrüßung ins Guckloch hielt. Nette Begrüßung. Sie öffnete zaghaft die Tür und schob ihren Kopf hinterher. Die Blumen wurden zur Seite genommen und ein freundliches Paar Augen blinzelte sie an. Das musste Sascha sein.
»Hallo Stella.«
Seine Stimme klang angenehm sanft, was einen deutlichen Kontrast zu seiner stattlichen Figur darstellte. Die braunen Haare waren streng zurück gegelt. Er war Brillenträger und ein dunkles Horn-Modell umrandete seine ebenfalls braunen strahlenden Augen. Für den heutigen Abend hatte auch er sich in Schale geworfen, zumindest war das Stellas Vermutung, wissen konnte sie es nicht. Er trug ein weißes Hemd, eine schwarze Bundfaltenhose und einen schwarzen Gürtel. Er machte den Eindruck, als hätte er gute Manieren und wenn er lächelte, vertieften sich seine Grübchen rund um den Mund. Etliche Augenfalten deuteten darauf hin, dass er viel lachte, alles in allem eine sehr sympathische Erscheinung. Es war erstaunlich, in wie wenig Sekunden sich ein erster Eindruck bildete. Auch Stella konnte sich dem ebenso wenig entziehen, andere Menschen innerhalb eines Augenblickes nach dem Bauch zu beurteilten. Dieses Urteil war soeben positiv ausgefallen. Sie nahm die Blumen in die Hand und bedankte sich mit einem Knicks.
»Nicht so förmlich«, scherzte Sascha.
Offenbar gefiel ihm ihr Humor. Damit war das Eis geschmolzen und Stella froh, dass die Chemie stimmte, was die Vorfreude auf das nahende Liebesspiel noch verstärkte. Wenn er hielt, was sein Mitbringsel versprach, konnte sie sich auf einen sündigen Abend freuen. Nur wenige Pflanzen waren so ausdrucksstark wie die exotische Calla und regten die Fantasie bei bloßer Betrachtung an. Dass Sascha überhaupt Blumen mitgebracht hatte, zeugte von Höflichkeit. Denn dass er die Frau, deren Wohnung er gerade betreten hatte, heute würde vernaschen können, war bereits beschlossene Sache.
»Hast du ein Handtuch für mich?«
Stella musste lachen, denn erst jetzt registrierte sie, dass seine Haare vom Regen überrascht worden waren. Bei näherer Betrachtung fiel ihr auf, dass alles an ihm recht nass war. Sie verschwand für einen kurzen Augenblick im Bad und kam mit einem Handtuch zurück. Er hatte sich nicht vom Fleck bewegt. Ohne Aufforderung entledigte er sich seiner Schuhe. Was für ein Gentleman. Stella war mit ihrer Wahl zufrieden und die lockigen Haare, die nun unter dem Handtuch zum Vorschein kamen, machten ihn noch attraktiver. Er setzte seine Brille wieder auf.
»Darf ich mich umsehen?«
Seine Umgangsformen überzeugten Stella auf Anhieb.
»Gerne«, erwiderte sie. »Darf ich bitten?«
Sie reichte ihm den Arm für eine kleine Führung durch ihr persönliches Reich auf. Die Wohnung einer Person verriet viel über ihr Wesen und ihre Vorlieben. Theoretisch konnte jeder Mann während seines Aufenthaltes die Räume in Augenschein nehmen, aber interessanterweise war bislang niemand auf die Idee gekommen, danach zu fragen.
Der lange Flur, von dem jedes Zimmer abging, war in einem hellen Apricot gestrichen und beherbergte eine Menge Fotografien und Bilder. Stella hatte nie überlegt, sie abzuhängen, denn alle Männer, und es hatte noch keine Ausnahme gegeben, interessierten sich nicht im geringsten für diese Galerie. Sie waren ausschließlich auf das Fleisch fixiert, dem sie gehörte.
»Sind die von dir?«
Saschas Frage galt nicht den Kinderfotos, die Stella im Alter von eins bis 18 zeigten und ein Geschenk ihrer Mutter zum achtzehnten Geburtstag gewesen waren, sondern den Pinselstrichen, die sie zwar selten, aber immer, wenn ihre Launen es zuließen, auf eine Leinwand brachte. Sie bejahte.
»Welches gefällt dir am besten?«
Sascha überlegte einen Augenblick und entschied sich für ein Bild in knalligen Rottönen. Es zeigte eine nackte Frauengestalt, die vor ihrer Scham einen azurblauen Ball in den Händen hielt. Um sie herum loderten Flammen, die dem Betrachter förmlich entgegen züngelten.
Es war lange her, dass dieses Gemälde entstanden war. Wieso erstaunte es sie nicht, dass seine Wahl ausgerechnet auf ihr Lieblingsstück fiel?
»Schade, es ist das Einzige, das ich nicht selbst gemalt habe«, log sie.
Damit trat Stella den Rückzug an. Sie wollte nicht zu viel von sich preisgeben. Die Vertrautheit, die sich zwischen ihnen einschlich, verunsicherte sie. Das war sie nicht gewöhnt und es gehörte nicht zu ihrem Plan. Schnell entfernte sie sich von dem Bild und zog Sascha hinterher in die Küche. Auf dem Tisch lag eine ungeöffnete Packung Chicken Wings. Sie war nicht mehr dazu gekommen, ihr Abendessen zu sich zu nehmen.
»Habe ich dich etwa unterbrochen?«
Saschas Aufmerksamkeit war verblüffend und leugnen zwecklos.
»Wenn ich dich nachher verwöhne, sollst du dich entspannen. Wie kann das mit einem leeren Magen funktionieren?«
Volltreffer! Nicht nur, dass Stella tatsächlich großen Hunger verspürte, auch die Aussicht auf das, was bald mit ihr passieren würde, löste ein Prickeln aus. Ein warmes wohliges Gefühl durchströmte ihren Körper. Sascha schnappte sich die Packung und bewegte sich Richtung »Wohnzimmer?« »Ja.« Sie folgte ihm. Es dauerte nicht einmal zwei Minuten und die ehemals warme Mahlzeit war vertilgt.
»Darauf verbringst du deine Abende?«, fragte Sascha.
Er stand auf und vertiefte sich in die Anzeigetafel des Crosstrainers. Stella wurde misstrauisch. Vielleicht hatte das Gerät zu wenig Zeit zum Trocknen gehabt; immerhin war es gestern für ein feucht-fröhliches Amüsement missbraucht worden. Die Erinnerung daran zauberte ein Lächeln auf ihre Lippen und verstohlen warf sie einen flüchtigen Blick in die Dachgeschoss-Wohnung gegenüber. Sascha bekam von alldem nichts mit und zur Antwort das, was er hören wollte.
»Ich treibe so oft Sport, wie es meine Zeit erlaubt.«
»Kenne ich«, pflichtete er ihr bei. »Wenn ich nicht regelmäßig ins Studio komme, drehe ich durch.«
Na bitte. In der letzten halben Stunde hatte sie fast den Eindruck gewonnen, es mit einem Philosophen zu tun zu haben.
»So eine Wohnung wie da oben hätte ich gerne.«
Stellas Besucher trat ans Fenster und zeigte nach oben. Sie stellte sich daneben. Es war ihr schon einige Male in den Sinn gekommen herauszufinden, wie ihr Beobachter eigentlich wohnte. Natürlich war es immer spannend, hinter die Kulissen anderer Menschen zu gucken, aber diese weckte im besonderen Maße ihr Interesse. Komischerweise hatte sie ihn, bis auf die persönlichen Male im Treppenhaus, noch nie durch seine Wohnung laufen sehen oder in Flagranti erwischt. Dennoch war sie sich ganz sicher, dass er sie observierte.
»Bestimmt heiß im Sommer?«
Diese Frage stellte sie nur, um vom Thema abzulenken.
»Das ist doch völlig egal«, entgegnete Sascha. »Hauptsache Dachgeschoss.«
Aus dieser Perspektive hatte sie die Sache noch nie betrachtet. Sascha war ein Handwerker, der vermutlich hart für sein Geld arbeitete und für den das Leben in einer Dachgeschosswohnung puren Luxus symbolisierte. Stella hingegen hatte sich bislang nur über den Bewohner dieser Vier Wände Gedanken gemacht. Sie seufzte. Heute würde ihr Zuschauer nicht viel Freude haben, da draußen ein unsäglicher Regen vom Himmel prasselte, den Berlin in der Form selten erlebte. Die Sicht beschränkte sich auf höchstens zwei Meter.
Während sie ihren Gedanken nachhing, spürte sie, wie der Reißverschluss ihres Kleides geöffnet wurde. Ihr Rohrverleger, der eben noch von dem Leben in den oberen Etagen geträumt hatte, war von hinten an sie heran getreten.
»Ich werde jetzt anfangen«, raunte er leise in ihr Ohr. »Dieses Sauwetter aber auch.«
Sie pflichtete ihm bei, dass das Wetter fürchterlich war und dass er natürlich endlich anfangen sollte! Das Essen hatte in ihrem Magen Platz gefunden, sodass es keines weiteren Aufschubs bedurfte.
Seine rechte Hand rutschte unter den Stoff ihres Kleides und tastete sich bis zu den Brüsten vor, während Stella die farblosen Strippen beobachtete, die an ihrem Fenster vorbeirauschten. Ihr entwich ein wohliges Stöhnen, als Sascha seine linke Hand auf ihre Taille legte und das Becken sanft, aber fest zu sich heranzog. Er drückte sie so dicht an sich, dass sie sein Geschlechtsteil in ihrem Rücken spürte. Wie in Trance und mit blindem Vertrauen warf sie ihren Kopf in den Nacken, um ihre verletzlichste Stelle preiszugeben. Sie bot sich ihm an und er verstand. Er senkte seinen Kopf und hauchte Stella einen sanften Kuss auf den Hals, so, als würde er sie gar nicht berühren. Allein der Luftzug löste pures Verlangen aus und sie bekam eine Gänsehaut. Ihre Schulter sank nach unten. Sascha genoss die eindeutigen Signale und reagierte mit einem zärtlichen Biss, der die Rollenverteilung besiegelte. Er wollte der Mann sein, er wollte sie heute verführen und sie würde das gehorsame Weibchen sein, das alles mit sich machen ließ. Die toughe Anwältin liebte es, sich schwach und verletzlich zu geben.
Liebevoll massierte er ihre Brüste, die sich unter dem weichen Stoff des BHs verbargen. Wie gut das tat. Dann nahm er die andere Hand zu Hilfe und öffnete den Reißverschluss ihres Kleides, sodass es fast von alleine von ihren Schultern rutschte. Er half etwas nach und das kleine Schwarze segelte zu Boden. Genau wie gestern stand Stella vor dem Wohnzimmerfenster in ihrer Unterwäsche und roten Lackstilettos. Dieses Mal bedeckten fremde Hände ihren Körper und tasteten ihn Zentimeter für Zentimeter ab. Saschas starke Finger kneteten ihren Bauch, sodass sich ihr Nabel leicht nach vorne wölbte. Gleichzeitig bedeckte er ihren Hals mit weiteren Küssen. Seine Zunge suchte sich den Weg bis zu ihren Ohren, die mitunter zu den erogensten Zonen an Stellas Körper gehörten. Das Umspielen der Ohrmuschel und der bevorstehende Sex mit diesem Mann versetzten sie in erhöhte Erregung. Ihr Busen hob und senkte sich rasch. Wenn er weiterhin alle Register seiner Verführungskünste zog, würde sie für nichts garantieren können. Sie fühlte sich wie Butter in seinen Armen und als ihre Beine versagten, fing er sie auf. Bereitwillig ließ sie sich von ihm auf die Couch tragen. Er führte Regie, sie genoss. Gottseidank hatte sie ihre virtuelle Menschenkenntnis dieses Mal nicht im Stich gelassen.
In diesem Moment drehte Sascha sie auf den Bauch und legte ihre Arme weit über den Kopf gestreckt ab. Der Mann war so einfühlsam, sie konnte ihr Glück kaum fassen. Mit dem linken Arm hob er ihre Mitte so weit an, dass gerade genug Platz war, um ein Kissen unter ihrem Bauch zu platzieren. Ihr knackiger Hintern ragte mit einer ungeheuren Frechheit in die Höhe und ihm damit genau vor die Flinte. Es war ein Bild des Sex: Eine Göttin, die dalag, um bedient zu werden. Stella war geil. Bis in die Haarspitzen. Sie spürte seine leidenschaftliche Hingabe, mit der er ihr heute einen unvergesslichen Abend bereiten wollte und ihr Verlangen brachte sie um den Verstand. Sascha beherrschte sein Handwerk wie kein Zweiter.
Er blieb zunächst angezogen und die Tatsache, dass er sich jetzt neben sie stellte, erzeugte eine derartige Spannung, dass die Luft im Raum knisterte. Er fuhr zwischen ihre Beine und schob sie so weit auseinander, wie die Breite der Couch es zuließ. Wenn Stella nun auf Erlösung hoffte, hatte sie sich getäuscht. Ihr Gast legte seine Hände auf ihre Schultern und begann, ihren Nacken zu massieren. Der feste Druck seiner Daumen, die an den Muskelsträngen zwischen Schädelknochen und Rücken entlang strichen, war zweifelsohne gut, aber Stella wollte ihn an anderer Stelle spüren. Seine Massage machte sie wahnsinnig und ihre Spalte produzierte Liebessaft im Übermaß. Ihr Lustempfinden war gänzlich übersteigert und sie musste aufpassen, nicht gänzlich die Kontrolle zu verlieren. Sie spürte, wie ihre Schrittsüße auf die Couch tropfte. Als sie mit ihren Händen Abhilfe schaffen wollte, nur eine kleine Berührung, um den Druck zu nehmen, hielt er sie davon ab.
»Wer wird denn hier so ungeduldig sein.«
Das durfte doch nicht wahr sein. Seine Worte waren wie Folter. Letztlich ergab sie sich ihrem Schicksal. Sie wusste, er würde sie erlösen. Bald. Nach und nach ließ er ab von ihrem Hals und wanderte abwärts entlang ihrer Wirbelsäule. Stück für Stück ließ er seine Finger über ihre Haut gleiten, hinweg über ihren BH, bis er schließlich ihren Slip erreichte. Er spannte den String so weit von sich weg, dass ihre Rosette frei lag. Da er sich neben das Sofa gekniet hatte, befand sich sein Gesicht dicht über ihrem Gesäß. Wieder spürte sie seinen Atem. Behutsam zog er die Pobacken auseinander und vergrub seine Zunge in ihrer Ritze. Speichel floss aus seinem Mund und befeuchtete alle Stellen, die er erreichen konnte. Dann drang er mit seiner Zunge in fordernden Stößen hinten in sie ein. Er hatte nicht zu viel versprochen. Mit einer Fertigkeit, die ihres gleichen suchte, bearbeitete er ihr Loch, wie es nie ein Mann zuvor getan hatte. Sie hatte nicht gewusst, dass sie derart empfänglich auf diese Art der Berührung reagierte. Sie wand sich vor Lust, nur nicht zu viel, sodass sein feuchter Lappen den Kontakt nicht verlor. Mittlerweile hatte sie ihre Beine angewinkelt und die roten Lackschuhe tanzten wie kleine Feuerwerke in der Luft. Seine Erektion, die sich deutlich in seiner Hose abzeichnete, zuckte wild, wenn er einen Laut der Entzückung aus ihr heraus leckte. Schließlich bewegte er sie auf der Couch so in seine Richtung, dass sein Kopf von hinten zwischen ihre Beine passte. Das Kissen bot eine optimale Höhe, um mit ihrer Pussy auf Augenhöhe zu sein. Langsam öffnete er die Schleife ihres Höschens. Die dünnen Seidenfäden waren pitschnass. Dann starrte er wie hypnotisiert auf die triefend nasse Spalte, die ihn leicht pulsierend erwartete. Es stand außer Frage, dieser Mann war ein Muschi-Fetischist. Er blühte auf, als er sein Ziel erreicht hatte. Voller Inbrunst folgte er dem lockenden Duft und sog den Geruch ein. Hingebungsvoll glitt er über die Schamlippen, die sich so wunderbar teilten, als er mit der Zunge daran entlang leckte. Wie die Blütenblätter einer Blume, die im Inneren ihre Knospe versteckten. Das Zucken des Kitzlers, den er mit der Zungenspitze stimulierte, war Stellas Lust geschuldet. Die Lust, die dazu beitrug, dass noch mehr Ambrosia gebildet wurde. Dann tauchte Sascha ein und labte sich an dem süßen Nektar wie einst die griechischen Götter. Gierig lutschte er die Liebesfrucht aus, indem er seine Zunge zum Aushöhlen benutzte. Stella stöhnte voller Wollust und bettelte um Gnade. Ihr Körper bebte und als er sie zum Höhepunkt brachte, war es das erste Mal, dass sie abspritzte. Explosionsartig sonderte sie den letzten Saft ab, den sie in sich hatte und japste nach Luft.
Für einen Moment wusste sie nicht, wo sie war und schaute sich benommen im Zimmer um. Flüchtig streifte ihr Blick das Dachgeschoss.
Sascha entfernte das Kissen und Stella setzte sich in eine aufrechte Position. Die Wellen, die sie eben mitgerissen hatten, ebbten nur langsam ab. Hastig öffnete sie die Hose des Mannes, der noch immer vor ihr kniete, damit sein eingeklemmter Schwanz mehr Platz bekam. Vor ihr bäumte sich eine riesige Latte auf, die mehr als appetitlich aussah und deren Eichel majestätisch glänzte. Stürmisch packte sie zu und begann mit einer lustvollen Massage. Während den Auf- und Abwärtsbewegungen ließ sie sich auf die Seite fallen und streckte ihr oberes Bein in die Luft, um ihm freie Sicht in ihren Schritt zu gewähren. Sie hatte am eigenen Leib erfahren, mit welcher Wonne er ihre Muschi vernascht hatte und wollte ihm dieses Bild noch einmal darbieten. Sie tat sich vor ihm auf, immer noch feucht glänzend, angeschwollen und gut durchblutet. Sie nahm ihre linke Hand und spielte an sich herum. Die andere Hand griff nach seinem Schwanz und steckte ihn in ihren Mund. Das große Finale stand unmittelbar bevor. Gekonnt quetschte sie seine Eier, als wollte sie ihn melken. Dadurch beschleunigte sie nicht nur den Zeitpunkt, sondern verstärkte den Samenerguss, der sich die ganze Zeit angestaut hatte. Dieser verfehlte ihren Mund nicht. Nun war es an ihr, ihn auszutrinken und sie schluckte genauso dankbar, wie sie gegeben hatte.
Stellas Nachbar aus dem Dachgeschoss tat es Sascha gleich, nur mit dem Unterschied, dass er dabei litt. Es hatte ihn große Überwindung gekostet, das Schauspiel der beiden zu ertragen. In gleichem Maße hatte er sich daran ergötzt. Freud und Leid lagen eben sehr nah beieinander.
Noch eine ganze Weile lagen die erschöpften Akteure nebeneinander auf der Couch, ohne ein Wort zu wechseln. Es war herrlich, die Stille und das was gewesen war, sacken zu lassen. Nur der Regen erinnerte daran, dass sie sich nicht im Paradies befanden. Stella stand auf, um für kühle Getränke zu sorgen, und Sascha beobachtete ihre feinen Bewegungen, die nur vom matten Schein einer kleinen Lampe auf dem alten Buffet in Szene gesetzt wurden.
Als sie ins Wohnzimmer zurückkam, war ihr Zungenakrobat aufgestanden und im Bad verschwunden. Sie schaltete das Internet-Radio ein und landete bei einem mallorquinischen Sender, der zum fortgeschrittenen Abend passende Lounge-Musik brachte. Es war kurz nach Mitternacht, ihr Hormonhaushalt im Gleichgewicht und Wochenende. Was wollte sie mehr?
»Sag mal, dein Abfluss ist ja verstopft?«
Seine Beobachtung passte nicht ganz zur Stimmung, aber damit hatte er recht.
»Stimmt, ich muss mich um einen Klempner kümmern.«
»Wie wäre es mit dem hier?«
Sascha baute sich in der Mitte des Wohnzimmers auf wie John Wayne und zeigte mit beiden Daumen auf sich. Da er splitterfasernackt helfen wollte, wirkte die Nummer sehr lustig.
»Du hast doch gar kein Werkzeug dabei?«
»Frauen …«
Kopfschüttelnd verließ er den Raum und forderte Stella auf, ihm zu folgen. Zwei nackte Körper tapsten im Dunkeln zusammen ins Bad. Natürlich besaß Stella eine Handwerkskiste, nach der sie gefragt wurde. Der Rest war in Sekundenschnelle erledigt. Im Nu war der Siphon abgeschraubt, überprüft und wieder dran. Sascha ließ für einen Augenblick das Wasser im Handwaschbecken laufen, um zu überprüfen, ob das S-förmige Rohr seine Versorgung gut überstanden hatte. Er machte seine Sache gut, soweit Stella das beurteilen konnte, und sie war in jeder Hinsicht zufrieden.
»Nennt man so etwas nicht Schwarzarbeit?«
»Nur, wenn man dafür eine Gegenleistung bekommt.«
Stella fackelte nicht lange, beugte sich über die Waschmaschine und streckte ihm ihr blankes Hinterteil entgegen. Lasziv ließ sie ihren geilen Arsch vor ihm kreisen, um deutlich zu machen, dass sie bezahlen wollte. Ihr Klempner trat auf sie zu, nahm sein wachsendes Genital in die eine Hand und steckte den Mittelfinger der anderen in ihre Möse. Während sein Schwanz hart wurde, flutschte sein Finger in das immerwährend feuchte Loch und schmatzte vor sich hin. Ohne Vorwarnung rammte er seinen Schwengel in sie hinein, bis sie aufschrie. Endlich bekam sie das, was sie vorhin von ihm gewollt hatte. In groben Stößen ließ er die angestauten Gefühle heraus. Jetzt ging es nur noch um ihn. Stella bäumte sich auf, drückte ihre Arme auf der Waschmaschine ab und stöhnte rhythmisch. Ihr ›Ja! Mehr! Ja!‹ animierte ihn und er steckte seinen mit Muschi-Saft getränkten Finger in ihren Mund. Das gierige Saugen, ihr forderndes Becken und seine enorme Lust auf sie ließen ihn ein zweites Mal abspritzen. Er pumpte alles in sie hinein und diesmal war es ihm egal, was sie dazu sagte. Das Tier steckte einfach in jedem Mann.
Als die wenigen Sekunden seines Höhenflugs vorüber waren, stützte er seine Arme neben den ihren ab und atmete keuchend in ihr Ohr.
»Du hast es nicht anders gewollt!«
»Niemand will sich beschweren.«
Da es mittlerweile drei Uhr war, entschieden sie sich, den Abend zu beenden. Während Sascha schweigend seine Sachen anzog, warf sich Stella ihren Bademantel über und lief in die Küche. Sie war voll und ganz auf ihre Kosten gekommen.
Wie er so an der Wohnungstür auf sie wartete, kam Stella um ein Haar in die Versuchung zu denken, dass dies mehr war als nur ein One-Night-Stand. Doch da das nicht zu ihrem Leben passte, würde sie ihn nicht um ein Wiedersehen bitten. Stattdessen legte sie ihr freundlichstes Lächeln auf, als sie ihn zum Abschied in die Arme nahm. Von ihm kam kein Kommentar und es bestätigte ein weiteres Mal, dass Männer nach gutem und schlechtem Sex kategorisierten, nicht nach einer guten oder schlechten Frau. Sie war eine seiner Eroberungen und morgen würde er das gleiche Spiel mit einer anderen durchziehen. Und das war in Ordnung.
Schweigen ist Gold
Als Stella ihre Augen öffnete, war es bereits viertel vor elf. Der Blick aus dem Fenster verriet, dass sich das Regengebiet noch nicht verzogen hatte. Berlin konnte, wie jede andere Stadt auch, anstrengend sein und war dann besonders hässlich. Kein Wetter, um sich unbedingt aus dem Bett zu quälen. Nur die Gewissheit, dass Janosch ihr in einer guten Stunde den Glanz in ihren Haaren wieder herstellen würde, war Ansporn genug; der Frisör, dem sie seit Ewigkeiten treu geblieben war, obwohl sie deshalb jedes Mal nach Mitte fahren musste.
Sie duschte, zog ihre hautenge Jeans und eine blaue Bluse an und besorgte sich um die Ecke Brötchen für ein schnelles Frühstück. Ihr privates Outfit war meist eine Kombination aus bequem und lässig. Aufgepeppt mit roten Tods und farblich passendem Gürtel ging sie aus dem Haus. Sportlich und dennoch elegant.
Den Milchschaum für ihren Kaffee stellte sie selbst her, indem sie den Aufschäumer kräftig in die Mangel nahm - hoch und runter pumpen. Keine schlechte Fingerübung, dachte sie, die hatte Sascha gestern nicht nötig gehabt. Die Erinnerungen an seine Männlichkeit ließen sie schwelgen. Wenn alle Stricke rissen, könnte sie immer noch mal auf seine Dienste zurückgreifen. Sie hatte sich in seiner Nähe wie eine Göttin gefühlt. Das schafften die wenigsten Männer.
Apropos Neigung, ein gewisser Pascal drängte seit geraumer Zeit auf ein Treffen. Er war, genauso wie Janosch, Frisör. Eigentlich konnte sie sich den Weg nach Mitte doch sparen und die Arbeit mit dem Vergnügen kombinieren? Stella, Stella, sie musste sich sehr über sich wundern. Nein, zuerst würde sie bei ihrem Lieblingsstylisten auflaufen, ein Heidengeld dafür hinlegen, dass sie eine Vorzeigeblondine blieb und später ein Date mit Pascal für die kommende Woche ausmachen. Der stand auf Lack und Leder. Im Anschluss an ihren Janosch-Termin wollte sie deshalb über den Ku‹Damm zurückfahren und in der Uhlandstraße einen Abstecher in den ultimativen Laden für das besondere Darunter machen.
Eine Stunde später sorgte der Figaro aller Klassen dafür, dass Stellas Haare in zwei Nuancen heller leuchteten als zuvor. Beim Bezahlen nahm sie sich vor, wie alle anderen Male auch, den nächsten Besuch so lange wie möglich hinaus zu schieben. Im Grunde genommen war es eine Frechheit, was Frauen für ihre Haare bezahlten. Bei aller Liebe und dem, was sie von Janosch hielt, stand das in keinem Verhältnis. Dennoch war auch klar, dass sie in acht Wochen wieder bei ihm sitzen würde.
In Ku‹Damm Nähe einen Parkplatz zu bekommen, stellte für Autofahrer in Berlin eine Geduldsprobe dar, weshalb Stella es gar nicht erst versuchte. 2,50 Meter fahrbarer Untersatz konnten in zweiter Spur den Verkehr nicht übermäßig strapazieren, außerdem hatte sie den Wagen im Auge. Die fünf Minuten, in denen sie sich im Geschäft inspirieren lassen wollte, würden mit Sicherheit ungesühnt bleiben.
Zwanzig Minuten später stand Stella mit einer Einkaufstüte in der Hand vor ihrem Auto, das mit einem Strafzettel gespickt war, und ärgerte sich maßlos. Die Ordnungsamt-Dame beugte sich bereits über die Windschutzscheibe eines Leidensgenossen und das mit großem Elan. Für das Vergehen sollte Stella satte zwanzig Euro berappen. Das war unverschämt und Willkür. Angriff war die beste Verteidigung. Zielstrebig marschierte sie auf die Politesse zu, um ihrem Ärger Luft zu machen.
»Das darf doch nicht wahr sein, wieso zwanzig Euro?«, monierte Stella so ruhig wie möglich.
»Grobes Vergehen gegen die Straßenverkehrsordnung, Missachtung und Behinderung anderer Verkehrsteilnehmer, ungerechtfertigtes …«
Es war offensichtlich, dass die Dame ihre Rolle genoss. Ohne zu überlegen, wandte Stella sich um und blaffte zurück:
»Blöde Frigatte.«
Es war nur ein Murmeln gewesen, dumm dazu, und Stella handelte sich eine unnötige Klage wegen Beamtenbeleidigung ein. So schnell war der Glanz vom Morgen wieder ab.
Zurück in ihrer Kreuzberger Wohnung, fiel ihre Laune noch mehr in den Keller. Das größte Problem zweier Behausungen war, dass alle Arbeit doppelt anfiel. Eine Putzfrau zu engagieren, dazu war sie zu geizig und wegen ein bisschen mehr Putzen brach sie sich natürlich keinen Zacken aus der Krone. Nur manchmal, an Tagen wie diesen, fehlte zu allem der Antrieb. Mürrisch machte sie sich an die Arbeit, wobei sie, der Politesse sei Dank, über ihre Möglichkeiten hinauswuchs. Nach gut einer Stunde erstrahlte die Wohnung in neuem Glanz, der Müll war entsorgt und Stella konnte sich endlich ihrer Lieblingsbeschäftigung Nummer eins widmen, die sie schließlich aus dem Tief holte.
Der sündige Chat mit Pascal, dem sie sich mit Leidenschaft widmete, brachte eine Verabredung für nächsten Mittwoch. Schade eigentlich, denn Mister Dachgeschoss würde nicht dabei sein können. Sie hoffte der Lackrock, den sie sich extra für dieses Treffen gekauft hatte, würde seine Wirkung nicht verfehlen. Schließlich hatte sie ihn sich einiges kosten lassen.
Am Abend stand ein Treffen mit Else und Carola an, die sie eine halbe Ewigkeit nicht gesehen hatte. Ein schlechtes Gewissen brauchte sie nicht zu haben, denn ihre Freundinnen hatten ebenso selten Zeit für sie. So gesehen blieben Verabredungen dieser Art leider eine Rarität.
Carola kannte sie aus der Schule. Es war die älteste und einzige Freundin, die ihr aus dieser Zeit geblieben war. Die beiden verstanden sich blind und vertrauten einander. Das Einzige, was ihre Freundschaft trübte, war Carolas Mann Klaus. Nicht er war das eigentliche Übel, sondern seine Frau, die sich seither schwer gehenließ. Stella hatte mit der Zeit den Eindruck gewonnen, als hätte ihre Freundin aufgehört zu leben. Beide Frauen hatten sich dermaßen in verschiedene Richtungen entwickelt, dass es gelegentlich sogar daran haperte, gemeinsame Themen zu finden. Deshalb freute sie sich umso mehr auf den heutigen Abend.
Gegen 19 Uhr traf Stella in einem argentinischen Steakhouse ein. Die Mädels liebten es deftig. Bei einem üppigen Stück Fleisch konnte so richtig vom Leder gezogen werden. Für Stella bedeutete so ein Abend immer auch abschalten – von ihrem Job, den vielen Männern sowie ihren Eltern, die ihr ständig wegen Enkelkindern in den Ohren lagen.
»Ich werde nächsten Donnerstag auf eine Schwulen-Afterwork-Party gehen«, erklärte Else, nachdem die Bestellung aufgegeben worden war. »Nick, mit dem ich schon zwei Veranstaltungen ausgerichtet habe, hat mich gefragt, ob ich ihn und seinen Freund begleite.«
Stella guckte zuerst irritiert und prustete dann los.
»Else, was ist denn in dich gefahren? Als ich dir das letzte Mal geraten habe, dich anderweitig umzusehen, da meinte ich das doch nicht so!«
Irgendwie fühlte sie sich für diese Entscheidung verantwortlich, aber natürlich war ihr klar, dass Else nicht vorhatte, sich auf einer Schwulenfeier nach einem neuen Mann umzusehen.
»Felicitas Pfeifer, nicht jeder Frau rennen die Männer die Bude ein, also müssen andere Mittel und Wege gefunden werden. Und danke, ich hatte nicht vor, schwul zu werden.«
Else spielte die Beleidigte. Es war aber auch wie verhext: Die eine war besessen von der Idee, endlich einen Mann zu finden und sich schwängern zu lassen, die andere wurde von den Kerlen umschwärmt und wollte nur Sex. Ungerecht ging die Welt zugrunde.
»Wie weit seid ihr eigentlich?«
Else machte ihrem Namen alle Ehre und unternahm ein Ablenkungsmanöver, indem sie Carola ins Kreuzfeuer nahm, auf die die Frage nach Familienplanung abzielte.
»Kinder ja, aber dazu müsste ich Sex mit Klaus haben.«
Stella verschluckte sich halb an ihrem Bissen und spannte nun auch die Ohren auf. Hatte sie da eben das Wort müsste gehört? Ihre Freundinnen wussten schon, dass sie es gerne und oft trieb, die ganze Wahrheit über ihr Doppelleben kannten die beiden jedoch nicht. Es war besser, so etwas nur mit sich allein auszumachen. Und mit einer Freundin, vor der die Männer reißausnahmen beziehungsweise eine andere, die ihren Ehemann nicht ranließ, war es ohnehin schwer zu diskutieren.
»Wie hält Klaus das aus?«, hakte Stella nach.
»Was denn?«, fragte Carola perplex.
»Ohne Sex!«, ereiferte sich Stella.
Ihre Freundin schüttelte nur den Kopf.
»Der braucht das nicht!«
Das gab’s doch gar nicht.
»Hast du keine Angst, dass er sich anderweitig orientieren könnte?«, erkundigte sich Else kleinlaut.
»Quatsch, er liebt mich doch«, beharrte Carola.
»Der muss doch Schwielen an den Händen haben?«, provozierte Stella, die nicht umhinkam, in der Wunde zu pieken.
»Gar nicht, ich sage doch, der braucht das nicht.«
Immerhin hatte Carola die Frage verstanden, das war nicht immer zu erwarten. Oft schalteten ihre Ohren bei diesem Thema auf Durchzug.
»Willst du einen anwaltlichen Rat von mir?«, erkundigte sich Stella. »Bei einer Scheidung würde er recht bekommen.«
Deutlicher konnte man kaum werden. Zurück blieb eine Carola mit dickem Fragezeichen im Gesicht. Gut so. Sie hatte die Polemik in Stellas Aussage nicht verstanden. Jeder lebte nun mal sein Leben.
Der Abend endete feucht fröhlich, was insbesondere an allgemeineren Gesprächsthemen lag. Daher landete Stella erst spät mit einem dicken Kopf und Taxi am Paul-Lincke-Ufer, um endlich in ihrer Wohnung anzukommen. Oben angekommen ließ sie einen letzten Blick über die schlafende Stadt schweifen. Nach Katzenwäsche und Präventiv-Aspirin schlummerte sie weg in einem Bett, das nur ihr ganz allein gehörte, und wo kein Mann der Welt Zutritt hatte.
Der Montagmorgen war nie der beste Tag der Woche, aber die beste Möglichkeit, um mit neuen Vorsätzen durchzustarten. Der Termin mit der Schauspielerin stand an und dort war sie es gewesen, die außerehelichen Sex gehabt hatte. Leider mit schwerwiegenden Folgen.
Da Stella noch etwas Zeit hatte, kontrollierte sie in ihrem Büro die Termine für die gesamte Woche, die sie fein säuberlich in einem digitalen Kalender ablegte. Sie war so vertieft in ihren Rechner gewesen, dass sie erst jetzt das Buch auf ihrem Schreibtisch bemerkte, das vorhin noch nicht dort gelegen hatte. Lexikon der Rechtsirrtümer. Welcher Scherzkeks war das denn? Eigentlich kamen nur zwei in Frage, aber die würde sie sich später vorknöpfen. Zuerst musste sie arbeiten. Flugs verließ sie ihr Büro.
Die Schauspielerin wohnte nicht weit von der Kanzlei entfernt in einem charmanten Haus aus rotem Backstein. Stella war mit dem Auto gekommen. Das Domizil des Schauspielerehepaares lag in einer ruhigen Seitenstraße und das Auffälligste war mit Abstand der marode Zaun, der fast auseinanderfiel. Wenn der mal nicht aus Kriegszeiten stammte. Ein Seil, das zum Betreten entfernt werden musste, hielt die Eingangstür zusammen.
Nachdem ihr eine Stimme von oben ›Bitte reinkommen‹ zugerufen hatte, folgte sie den Anweisungen und als Stella die sechs Stufen zum Hauseingang emporgestiegen war, stand sie plötzlich vor ihr. Sie sah ganz anders aus, als im Fernsehen und wirkte auf den ersten Blick sofort sympathisch. Von einer Babykugel war sie weit entfernt und präsentierte sich gertenschlank.
»Guten Tag, Meyer-Bergbach mein Name.«
Die Frau in Jogginghose, die ihr auf den Hüften saß, und einen grauem Sweater war in etwa so groß wie Stella.
»Sehr angenehm, Pfeifer«, stellte sich Stella vor. »Sie hatten am Telefon davon gesprochen, dass die Trennung von ihrem Mann bereits beschlossene Sache ist?«
Maria Meyer-Bergbach verzog das Gesicht, lächelte gequält und ging voran. Stella wurde ins Wohnzimmer gebeten und die beiden Frauen setzten sich mit einer Tasse Tee an einen riesigen Esstisch.
»So ganz stimmt das nicht«, widersprach die Klientin. »Ich will die Scheidung, weil er mich mit Nutten betrügt. Ich bin ihm auf die Schliche gekommen. Er weigert sich aber und streitet alles ab.«
Stella saß da und hörte zu. Die mit Abstand wichtigste Aufgabe eines guten Anwalts. Das gab Aufschluss über den weiteren Verlauf des Gespräches. Lübben hatte ihr gegenüber bereits angedeutet, dass Frau Meyer-Bergbach schwanger war. Aus irgendeinem Grund kam sie jedoch nicht darauf zu sprechen.
Am Ende gab es offiziell kein Baby und ihrem Mann sollte der Ehebruch zum Vorwurf gemacht werden. Schön und gut, das Problem war nur, dass der Ehemann von der gleichen Kanzlei vertreten werden wollte. Stella versuchte behutsam, dieses Thema anzuschneiden, und dass Herr Bergbach bei Lübben & Partner ebenfalls vorgesprochen und um ein Mandat gebeten hatte.
»Das erstaunt mich nicht«, erklärte Meyer-Bergbach. »Die Frage ist nur, wie Sie sich entscheiden.«
»Ich werde, wenn Ihnen das recht ist, Ihren Mann zu diesem Thema auch noch befragen. Vielleicht ergibt sich eine passende Lösung, mit der allen geholfen ist.«
Für den Moment kamen sie nicht weiter. Niemand hatte einen Vorteil davon, die Sache unüberlegt in die eine oder andere Richtung zu entscheiden. Letzten Endes lag es bei Lübben, wem von beiden er den Zuspruch erteilte.
»Wo kann ich Ihren Mann antreffen, ich nehme an, er wohnt nicht mehr bei Ihnen?«
»In den Freudenhäusern hier in der Gegend?«
Die Antwort einer gehörnten Frau. Stella spürte ihren Schmerz. Da half es auch nicht, wenn man Schauspielerin war.
»Er hat einen Manager, bei dem wohnt er. Hier ist seine Karte.«
Stella nahm das Stück Papier und verabschiedete sich von einer traurigen Frau Meyer-Bergbach, die alleine in ihrem Haus zurückblieb.
Als sie wieder in der Kanzlei eintraf, waren die meisten zu Tisch. Natürlich, welcher Bürohengstmagen gab nicht schon um zwölf Uhr knurrende Geräusche von sich? Deshalb erstaunte es sie umso mehr, Gregors Stimme aus seinem Zimmer zu hören. Leider war sein Büro nicht weit genug von ihrem entfernt, denn sie konnte diesen Schnösel nicht ausstehen.
In der Gemeinschaftsküche kam es dann zur Begegnung. Sie wollte sich gerade einen Joghurt aus dem Kühlschrank nehmen, als seine durchdringende Stimme hinter ihr ertönte. Er hätte auch Schauspieler werden können, dachte sie.
»Hallo Prinzessin. Wie wäre es, wenn wir uns in zehn Minuten zum Lunch treffen?«
Das war genau seine Masche – Augen zu und durch.
»Tut mir leid, aber ich bin heute noch gar nicht zum Arbeiten gekommen. Das werde ich jetzt nachholen.«
»Hm?«, Gregor überlegte. »Ich würde es mir an deiner Stelle noch einmal überlegen. Du tätest gut daran, dich mit mir zum Essen zu treffen. Also, in zehn Minuten bei Paolo.« Sein Gesicht verzog sich zu einer Fratze. Dann verließ er die Küche genauso schnell, wie er sie betreten hatte.
Was war das denn für ein Auftritt gewesen? Und diese Ausdrucksweise zum Lunch? Stellas Appetit war mit einem Mal verflogen, doch ein seltsamer Beigeschmack blieb. Der hatte ja wohl nicht mehr alle Tassen im Schrank. Da sie mit ihm noch ein Hühnchen zu rupfen hatte, würde sie sich auf den Weg machen und bei Paolo vorbeischauen. Und nur deshalb!
Wenig später betrat sie die Pizzeria, die sich in der nahe gelegenen Hubertusallee befand und nicht zum zentralen Stützpunkt der Kanzlei gehörte. Die meisten gingen lieber ins Il Buco, das größer und angesagter war. Gregor saß bereits an einem Tisch in der hintersten Ecke und fummelte an seinem Smartphone herum. Als er Stella erblickte, grinste er noch dümmer als sonst. Dem würde das Lachen schon noch vergehen und wenn der sich einbildete, dass sie ab sofort öfter mit ihm dinieren würde, dann hatte er sich ordentlich geschnitten. Es gab nur etwas zu klären. Seine merkwürdigen Andeutungen vorhin hatten Stella stutzig gemacht, aber im Prinzip wusste jeder, dass Gregor sonderlich war.
»Setz dich«, forderte er sie auf. »Die haben ausgezeichnete Pizza.«
Als ob sie das nicht wusste.
»Bilde dir nicht ein, dass wir das hier wiederholen«, zischte sie angriffslustig.
Stella setzte sich auf die gegenüber liegende Seite des Tisches. Sie hatte nicht vor, lange zu bleiben.
»Was willst du?«
Mit diesen Worten knallte sie ihm das Buch, das er freundlicherweise auf ihrem Schreibtisch hinterlegt hatte, vor den Latz.
»Danke, aber aus den Kinderschuhen bin ich lange raus!«
Erstaunt drehte er das Cover zu sich herum, um den Titel besser lesen zu können. Dann lachte er laut auf.
»Soll das ein Geschenk sein? Wie reizend von dir.«
Entweder, dieser Mann taktierte, oder er hatte wirklich nichts mit der Aktion zu tun. Stella war fast gewillt zu glauben, dass er das Buch tatsächlich zum ersten Mal sah.
»Also hast du mir das nicht in mein Büro gelegt?«
»Ich? Dir? Warum sollte ich, ich habe schließlich andere Dinge zu tun.«
Dann hatte sie sich getäuscht? Trotzdem war und blieb Gregor ein Vollidiot. Stellte sich nur die Frage, was er von ihr wollte? Da sie nun schon einmal hier war, bestellte sie ein Mineralwasser und ein Vitello tonnato, da sie am Morgen nur ein paar Cornflakes gegessen hatte. Sie wiederholte ihre Frage:
»Was willst du von mir?«
»Ok.« Er lehnte sich zurück und verschränkte die Arme. »Kommen wir mal auf den Punkt: Ich kenne dein Geheimnis.«
Erwartungsvoll lauerte Gregor auf eine Reaktion, doch so einfach ließ seine Kollegin sich nicht aus der Reserve locken. Sie schaute ihm tief in die Augen, wobei ihre grauen Zellen zu arbeiten begannen.
»Ich weiß, was du so treibst, werte Kollegin.«
Langsam wurde Stella unruhig. Worauf wollte er hinaus? Er konnte unmöglich über ihr Doppelleben im Bilde sein. Sie versuchte zu pokern.
»Woher denn?«
»Aus dem Rechner natürlich.«
Was sollte das heißen ›Aus dem Rechner‹?. War sie zu unvorsichtig gewesen? Es war einige Male vorgekommen, dass sie abends, nachdem alle Kollegen die Kanzlei verlassen hatten, im Chat mit ihren Sexpartnern kommunizierte. Sicherlich wusste sie, dass das gefährlich war, aber wie sollte jemand dahinter kommen? Dieser verfluchte Mistkerl.
»Das geht dich gar nichts an!«, wiegelte sie ab. »Wie kommst du überhaupt dazu, in meinem Privatleben herumzuschnüffeln?«
Gregor verstand nur Bahnhof. Aber wiederum passte es zu ihr, dass sie die Kanzlei mit ihrem Privatleben gleich setzte.
»Es ist mir egal, wie du es nennst; Fakt ist, ich werde der Presse einen Wink geben. Es sei denn, du tust mir einen kleinen Gefallen.«
Stella war mehr als irritiert. Was hatte die Presse mit ihrem Doppelleben zu tun? Plötzlich fiel es ihr wie Schuppen von den Augen. Es ging gar nicht um sie persönlich. Gregor hatte geschnüffelt und etwas herausgefunden, was er für wichtig hielt. Natürlich. Der aktuelle Fall, den Lübben ihr anvertraut hatte. Scheidungen unter Prominenten waren immer eine heikle Sache. Dieses kleine Arschloch, was bildete der sich ein!
»Das kannst du knicken, wie komme ich darauf, dir einen Gefallen zu tun?«
Stella versuchte, Ruhe zu bewahren.
»Ganz einfach«, entgegnete Gregor. »Ich weiß, wenn erst einmal die Presse auf die bevorstehende Schlammschlacht im Hause Bergbach aufmerksam geworden ist, wird Lübben eins und eins zusammenzählen und alles fällt auf dich zurück. Seine Prinzessin ist nämlich die Einzige, die solche Fälle auf den Tisch bekommt.«
Damit hatte er gar nicht so unrecht. Bei Prominenten aus der A-Liga verstand Lübben keinen Spaß. Die sollten nicht nur positiv mit seinem Namen in Verbindung gebracht werden, sondern bedeuteten zudem ein äußerst lukratives Geschäft. Nun saß sie in der Falle und es lag außerhalb ihrer Vorstellungskraft, wie weit Gregor mit seiner Drohung gehen würde. Und herauszufinden, wie Lübben auf diesen Fauxpas reagierte, dass Stella mit streng geheimen Informationen so achtlos umgegangen war, bereitete ihr Unbehagen. Dieser schmierige Typ, der ihr gegenüber genüsslich in seiner Pizza stocherte, hatte sie am Wickel. Sie war wütend über ihre eigene Nachlässigkeit. Sie erinnerte sich daran, wie sie das Büro heute Vormittag überstürzt verlassen hatte, um pünktlich bei der Schauspielerin zu erscheinen. In der Eile hatte sie vergessen, ihren Computer auszuschalten und Gregor dadurch ein Ass zugespielt.
»Was willst du?«, drängte sie.
Stella verspürte zwar gar keinen Hunger mehr, aber um Selbstsicherheit vorzutäuschen, nahm sie den nächsten Happen Vitello auf die Gabel.
»Wenn du mich so fragst«, genoss Gregor seinen Triumphzug, »dann lass uns zusammen ausgehen. Mal sehen, was der Abend so bringt.«
Erwartungsvoll suchte er in ihrem Gesicht nach Zuspruch.
Da lag also der Hase im Pfeffer. Wie primitiv er war, seine Dreistigkeit auf diese Art und Weise auszuspielen und sie zu einem Date zu verpflichten. Das Schlimmste, was er ihr hätte vorschlagen können! Wenn sie sich vorstellte, mit ihm einen ganzen Abend zu verbringen, damit er Ruhe gab, wurde ich jetzt schon schlecht.
»Woher weiß ich, dass du mich dann in Ruhe lässt?«
»Aber Prinzesschen, das ist doch Ehrensache, oder möchtest du, dass ich einen Vertrag aufsetze?«
Dabei schüttete er sich aus vor Lachen über seinen eigenen Witz und zum ersten Mal bemerkte Stella noch etwas anderes als Dummheit in seinen Augen.
Die Situation mit Gregor ärgerte sie maßlos. Den gesamten Rückweg über hatte sie nachgedacht, wie sie aus der Sache rauskam, doch leider war ihr auf die Schnelle nichts eingefallen.
Nun saß sie abwesend an ihrem Schreibtisch und starrte vor sich hin. An arbeiten war nicht zu denken. Zum Glück hatte sie keinen Termindruck, sodass sie zumindest hier auf der sicheren Seite war. Ein weiterer Punkt zum Aufatmen war mit Abstand der, dass das Trüffelschwein nicht hinter ihr privates Geheimnis gekommen war. Wie hätte sie jetzt dagestanden und um was würde er sie unter Umständen bitten, wenn er von ihrem Doppelleben wüsste?
Diesmal konnte sie niemanden um Rat fragen. Lübben würde ihr den Kopf abreißen für so ein unprofessionelles Verhalten, ihre Eltern hielten sie für eine kompetente Fachfrau, die sich niemals in solch zweifelhafte Angelegenheiten hineinziehen ließ und ihre Freundinnen fänden das alles wahrscheinlich halb so wild, weil sie Gregor für einen extrem smarten Typen hielten. Stella hatte Else und Carola letztes Jahr zu einem Tag der offenen Tür im Hause Lübben & Partner mitgenommen und sie in das Reich der Schönen und Reichen eingeführt. Es hätte ein netter Tag werden können, wenn Else nicht spät abends volltrunken jeden Kerl mit ihren Männerproblemen vollgelallt und Carola das halbe Buffet alleine leergegessen hätte. Es blieb bei diesem einzigen Mal, dass Stella ihre Freundinnen mitgenommen hatte.
Da kam ihr eine Idee. Wie wäre es, wenn sie statt ihrer Else in den Kampf mit Gregor schicken würde? Die beiden waren sich nicht unsympathisch gewesen und sie hätte zwei Fliegen mit einer Klappe erschlagen?
Nach kurzer Überlegung verwarf sie den Gedanken wieder. Sie durfte diesem Ekel keine weitere Angriffsfläche bieten und wer wusste schon, was Else ihm noch alles stecken würde. Somit schieden alle möglichen Alternativen aus und ihr war klar, dass sie um das Treffen mit ihrem unbeliebten Kollegen nicht herumkam. Also gut, so schlimm würde es nicht werden; die beiden arbeiteten zusammen und deshalb konnte er sich nicht zu viel erlauben.
An diesem frühen Montagabend schloss Stella sich beim Verlassen der Kanzlei den meisten ihrer Kollegen an, was nur deshalb auffiel, weil sie es sonst nie tat. Lübben dümpelte noch in seinem Zimmer herum, wie sie dem Lichtkegel entnehmen konnte, und ihrem neuen Erzfeind wollte sie heute kein zweites Mal über den Weg laufen.
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