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Max Nortic

Die keusche Theresa

Roman

Die keusche Theresa

Copyright © 2017 Zettner Verlag und Max Nortic

All rights reserved

ISBN: 9788711717875

1. Ebook-Auflage, 2017

Format: EPUB 3.0

Dieses Buch ist urheberrechtlich geschützt. Kopieren für andere als persönliche Nutzung ist nur nach Absprache mit Zettner Verlag und Autors nicht gestattet.

1

Sangers Blick wanderte durch den Spielsaal unter ihm und huschte mit dem gleichen kalten Ausdruck von den Austeilerinnen zu den Gästen. Seine Augen hätten das Objektiv einer Kamera sein können, so präzise erfaßten sie die vielen Einzelheiten. Nur wenn sein Blick auf die wohlgerundeten Kurven einer einundzwanzigjährigen Austeilerin fiel, die nur fünf Meter von ihm entfernt war, flackerte in seinen Augen so etwas wie flüchtiges Interesse auf.

Sie hatte glänzendes, braunes Haar, eine schmale Taille und die schönsten Hinterbacken und Beine, die er je gesehen zu haben glaubte. Ihr Name lautete Theresa, und sie arbeitete noch nicht ganz eine Woche im Silver Chance. Aber sie war bereits seine schnellste und geschickteste Austeilerin.

Aber sie war auch scharf, empfindlich und — soweit er bisher hatte feststellen können — frigide wie ein Eisblock.

Der Kasino-Manager rutschte auf seinem Drehstuhl herum, der wie eine Art Thron wirkte; gut zwei Meter über dem Boden und nur über eine Treppe zu erreichen.

Nach einem letzten hungrigen Blick auf die üppige Brünette sah sich Sanger weiter im Spielsaal um. Rund um den ovalen Raum standen in langer Kette Roulette-, Würfel-und Siebzehnundvier-Tische.

Von seinem zentralen Beobachtungsposten über dem Hauptspielsaal des Kasinos konnte Sanger Austeilerinnen und Gäste gleichermaßen gut im Auge behalten. Während dieser jahrelangen Beschäftigung hatte er es gelernt, stets ein gelangweiltes Gesicht zur Schau zu stellen, während er in Wirklichkeit hellwach war und ständig nach dem geringsten Anzeichen von Ärger Ausschau hielt.

Heute nacht herrschte besonders lebhafter Betrieb.

Gelegentlich entdeckte ihn ein Gast hoch oben auf seinem Beobachtungsstand und blickte überrascht drein. Alle Spieltische waren grell beleuchtet, doch das Zentrum des großen Spielsaales lag beinahe im Dunkel.

Die vielen Leute an den Tischen plauderten, lachten und scherzten miteinander. Jeder von ihnen versuchte natürlich, die besten Einsätze zu machen. Der von ihnen verursachte Lärm wäre normalerweise ohrenbetäubend gewesen, wirkte aber im Vergleich zu dem Krach, den Spielautomaten, Musikboxen und die Stimmen der Austeilerinnen verursachten, beinahe nur wie Flüstern.

Sanger lehnte sich gespannt etwas vor, als er sah, wie eine vollbusige Frau im gelben Kleid drüben an der Bar neben dem Spielsaal einen Arm um einen Mann legte. Der Manager kniff die Augen zusammen, langte nach dem Hörer des Telefonapparates, der neben ihm stand, und wählte eine Nummer.

Der Barkeeper hinter der Bar hob den Hörer seines Telefons ab. „Ja, Sir?“

„Geben Sie mir sofort einen der Sicherheitsleute an den Apparat!“

„Jawohl, Sir, sofort, Sir.“

Der Barkeeper verließ seinen Posten hinter der Bar, suchte rasch einen der vielen herumschlendernden Sicherheitsbeamten und kam mit ihm hinter die Bar zurück. Der Mann nahm den Telefonhörer auf.

„Ja, Mr. Sanger?“

„Sehen Sie das Weibsbild da in dem gelben Kleid? Etwa in der Mitte des Tresens! Schaffen Sie das verdammte Frauenzimmer sofort hinaus, verstanden? Aber unauffällig! Sie ist eine Prostituierte.“

„Wird sofort erledigt, Mr. Sanger.“

Sanger legte den Hörer wieder auf und beobachtete, wie der Sicherheitsbeamte an die Frau im gelben Kleid herantrat und etwas zu ihr sagte.

Sie drehte sich nach ihm um, machte ein wütendes Gesicht und bewegte die Lippen.

Plötzlich tauchte ein weiterer Sicherheitsbeamter an ihrer anderen Seite auf.

Die beiden Männer hoben die Frau ohne viel Federlesens vom Barhocker und bugsierten sie unauffällig, aber sehr energisch zum Ausgang.

Sanger zündete sich eine Zigarette an und ließ seinen Blick wieder herumwandern. An sich hatte er nichts dagegen, wenn Nutten im Kasino arbeiteten. Es war ohnehin so gut wie unmöglich, sie fernzuhalten. Aber Sanger achtete peinlich auf Qualität. Schöne Huren … im Preis von hundert Dollar aufwärts … waren hier immer willkommen. Die anderen aber sollten gefälligst in den billigen Etablissements in Downtown-Reno arbeiten.

Nachdem sein Blick einmal rund um den ganzen Spielsaal herumgewandert war, blieb er wieder auf Theresa haften.

Sanger preßte die Lippen zusammen, als er sah, wie das Mädchen lächelte und etwas zu einem anderen jungen Mädchen am Tisch sagte. Letzteres konnte mit beachtlichen Brüsten auf warten.

Theresas Verhalten war ein glatter Verstoß gegen die Vorschriften. Höflichkeit, ja … aber keine Unterhaltung! Sanger begriff aber auch, daß er die üppige Brünette eben zum ersten Mal lächeln gesehen hatte.

Als Theresa sich weiter mit dem Mädchen unterhielt, während sie geschickt die Karten austeilte, griff Sanger erneut nach dem Telefonhörer und wählte die Nummer zwei. Beinahe sofort kam der Spielsaal-Boß — praktisch Sangers Stellvertreter — an den Apparat.

„Ja, Sir?“

„Lösen Sie sofort Theresa ab“, sagte Sanger schroff. „Und geben Sie mir das Mädchen an den Apparat!“

„Sofort, Sir.“

Der Manager beobachtete, wie der Spielsaal-Boß hinter Theresa trat und ihr etwas ins Ohr flüsterte.

Theresa teilte mit flinken Fingern weiter die Karten aus, dann stand sie auf und überließ dem Mann ihren Platz. Sie ging zum Telefon und hob den Hörer auf.

„Ja, Mr. Sanger?“ Ihre Stimme klang kalt und knapp. Sanger ließ den Blick über die üppigen Brüste bis hinab zu den langen, schlanken Beinen wandern.

„Sie kennen die Vorschriften, Theresa!“ sagte er. „Keinerlei überflüssige Unterhaltung, verstanden? Was haben Sie denn für ’n Problem, Honey?“

„Ich habe überhaupt kein Problem“, antwortete sie eiskalt.

Sanger sah, wie sich der Gesichtsausdruck des Mädchens verhärtet hatte, als er den Ausdruck Honey gebraucht hatte.

„Das Mädchen ist meine Zimmergenossin“, erklärte Theresa schroff. „Sie wollte mir nur etwas sagen und wird gleich wieder gehen.“

„Das braucht sie nicht, aber machen Sie keine Konferenz daraus!“

Sanger machte eine Pause, weil er spürte, wie sich in seiner Lendengegend etwas scharf zu rühren begann.

Dieses Mädchen hat eine Haut wie Samt, dachte er. Und ihre Brüste sprengen beinahe die enge Bluse!

„Wie wär’s mit einem Drink nach Feierabend, Theresa?“ fragte der Manager.

„Geht leider nicht“, antwortete sie ziemlich scharf. „Ich habe etwas anderes vor.“

„Na, dann vielleicht ein andermal?“

„Vielleicht.“

Sanger legte den Hörer auf. Er starrte aus funkelnden Augen auf diese prallen Arschbacken, als das Mädchen nun an den Tisch zurückkehrte.

Theresa wechselte kurz ein paar Worte mit dem anderen Mädchen, das daraufhin seine Chips zusammenraffte, aufstand und ging.

Sanger konnte feststellen, daß dieses Mädchen plumpe Brüste und einen sehr strammen Arsch hatte.

Der Manager gönnte sich noch eine Minute lang erotische Fantasien und verschlang dabei mit seinen Blicken Theresas schlanken, geschmeidigen Körper. Dann konzentrierte er sich wieder auf die Beobachtung des Spielsaales. Sanger hatte inzwischen eine komplette Erektion bekommen. Sein harter Schaft zuckte ungeduldig.

Der Manager debattierte mit sich selbst, ob er heute schon vor Mitternacht Schluß machen sollte. Jetzt war es erst knapp neun Uhr. Er könnte vielleicht eine der ehrgeizigen Cocktail-Kellnerinnen vernaschen. Oder eins der Mädchen, die als Geldwechslerinnen beschäftigt wurden. Oder sollte er einfach nach Hause zu seiner Frau gehen?

Der Gedanke an Dominique, seine atemberaubende französische Ehefrau, beflügelte seine Ungeduld nur noch mehr. Er hatte sie vor weniger als einem Jahr kennengelernt, als sie bei einer Revue hier im Kasino als Star aufgetreten war. Sie war erst zweiundzwanzig, während Sanger bereits vierzig war. Ihr sinnliches Gesicht und ihr reifer Körper hatten Sanger während der ersten sechs Monate ihrer Ehe bis zur Erschöpfung angespornt und strapaziert. Es fiel ihm noch immer schwer, seine Erregung zu beherrschen, wenn er sich seine junge Frau splitternackt vorstellte … die stolzen, seidenweichen Brüste mit den dunklen Warzen … die weichen Schenkel eifrig gespreizt.

Rasch wählte er die Telefonnummer seiner Wohnung. Er wartete, bis es ein Dutzendmal geläutet hatte, und als sich dann noch immer niemand meldete, legte er den Hörer verärgert wieder auf.

Wahrscheinlich spielte Dominique wieder Bridge. Sie spielte in letzter Zeit überhaupt höllisch viel Bridge … und immer nachts! Das kam Sanger jetzt zum ersten Mal so richtig zum Bewußtsein. Und seit einiger Zeit war auch ihre Leidenschaft merklich abgekühlt, überlegte er weiter. Ihre früher so temperamentvolle Reaktion hatte lässiger Gleichgültigkeit Platz gemacht.

Sanger knirschte mit den Zähnen, während Zweifel und Argwohn immer stärker wurden. Bevor sich sein Verdacht jedoch zu brodelnder Gewißheit verdichten konnte, leuchtete das rote Licht an seinem Telefonapparat auf.

Er riß den Hörer von der Gabel, preßte ihn ans Ohr und fragte ungehalten: „Ja …?“

„Joe … oben, Mr. Sanger!“

Sanger blickte zur Spiegeldecke empor. Diese Spiegel dienten auch Beobachtungszwecken. Auf den Emporen rund um den Spielsaal patroullierten ständig zwei Sicherheitsbeamte und beobachteten mit Argusaugen, was sich unten abspielte; sie beobachteten die Austeilerinnen, die Gäste, den Schalter des Kassierers und sogar die Barkeeper. Wegen der Gäste machte sich Sanger die wenigsten Sorgen. Wenn hier gestohlen wurde, dann meistens nur vom Personal. Die Austeilerinnen zum Beispiel könnten sich jeden Tag tausend Dollar und mehr in die eigenen Taschen schmuggeln. Dafür gab es eine ganze Anzahl günstiger Möglichkeiten.

„Was gibt’s denn, Joe?“ fragte Sanger.

„Diese rothaarige Austeilerin an Tisch vierzehn, Mr. Sanger … sie arbeitet mit einem Agenten zusammen … mit dem Gast auf ihrer rechten Seite … der Mann mit der blauen Krawatte.“

Sanger lehnte sich nach vorn.

„Sind Sie ganz sicher?“

„Ich verwette meinen Job darauf! Ich habe sie schon seit dreißig Minuten scharf beobachtet. Sie zahlt ihm doppelte Gewinne aus und läßt seine Einsätze stehen, wenn er verloren hat.“

„Okay, Joe. Gute Arbeit. Danke.“

Sanger legte den Hörer langsam wieder auf. Eiskalte Wut stieg in ihm auf und brachte sein Blut zum Kochen. Gespannt beobachtete nun auch er die verdächtige Austeilerin an Tisch vierzehn.

Sie war eine kleine, rothaarige Person mit kleinen, spitzen Brüsten und schlanken Beinen. Sie teilte für Siebzehnundvier die Karten mit einer Anmut aus, wie es nur Frauen können. Aber jetzt war sie als Diebin entlarvt. Ihr Agent — ein Partner, mit dem sie nach Feierabend die Beute teilte — war wahrscheinlich gleichzeitig ihr Boyfriend.

Diese blöde kleine Nutte! dachte Sanger. Er zündete sich eine frische Zigarette an und dachte kalt an das weitere Schicksal der Rothaarigen. Die mildeste Strafe würde darin bestehen, sie einfach zu feuern und auf die schwarze Liste zu setzen. Dann würde sie nie wieder in irgendeinem Kasino arbeiten können.

Aber es gab noch andere, wesentlich härtere Strafen. Nur die Polizei würde man nicht hinzuziehen; das Kasino teilte seine eigenen grausamen Strafen aus.

Sanger machte einen tiefen Zug aus seiner Zigarette, während er von seinem Thron aus den Tisch vierzehn beobachtete und über das weitere Schicksal der rothaarigen Austeilerin entschied.

Als sein Blick auf ihren runden Hintern und auf diese langen, glatten Beine fiel, kam ihm zum Bewußtsein, daß sie eigentlich verdammt sexy war. Sexy auf eine kesse, dreiste Art. Gar nicht zu vergleichen mit Theresa oder gar seiner Ehefrau Dominique, aber doch ein ganz hübsches und ziemlich wild aussehendes Frauenzimmer.

Natürlich würde sie entsetzt sein, wenn er ihr nachher in seinem Büro die beweiskräftige Aussage des Sicherheitsbeamten Vorhalten würde. Immerhin arbeitete sie schon lange genug hier, um die harten, brutalen Strafen zu kennen, die vom Kasino verhängt wurden.

Um eine dieser grausamen Strafen zu vermeiden, würde sie bestimmt bereit sein, alles zu tun … einfach alles.

Die kalte Wut in Sangers Blut machte allmählich kalter Leidenschaft Platz. Die Aussicht auf puren animalischen Sex ohne die Notwendigkeit, altmodischen Charme einzusetzen oder das Temperament der Partnerin langsam und lange anzuheizen, gefiel ihm sehr. Und sie würde auf diese Chance nur so fliegen … wie eine Wildkatze aus Angst um ihr Leben, dachte Sanger.

Und wenn er mit ihr fertig war, gab es immer noch die Sicherheitsbeamten.

Die Erektion, die Sanger schon früher bekommen hatte, machte sich immer stärker bemerkbar.

Sanger griff nach dem Telefonhörer, bestellte die Rothaarige in sein Büro und stieg dann von seinem Thron auf den Boden hinab. Hier blieb er stehen, um noch einen Blick über seinen Herrschaftsbereich zu werfen, bevor er ging, um sich mit der kessen Austeilerin zu befassen.

Die Gesichter der Spieler waren im grellen Licht in allen Einzelheiten zu erkennen. Sie wirkten hart und gierig. Das kam in den verzerrten Gesichtern der Frauen noch deutlicher zum Ausdruck.

Diese Dummköpfe! dachte Sanger. Hatten sie es denn noch immer nicht begriffen? Gewinner war und blieb letzten Endes stets das Kasino.

Und diese Rothaarige …! Niemand konnte auf die Dauer das Haus betrügen und ausplündern!

Sanger war viel zu arrogant, um auch nur daran zu denken, daß es für alles ein erstes Mal gab.

2

Niemand konnte die Veränderung in Mary Anne Hawkins’ Aussehen und Benehmen in dieser Woche übersehen. Das war einfach unmöglich. Ihr Haar, das sonst von stumpfem Blond war, schimmerte nun in ganz neuem Glanz. Ihre Augen hinter den dicken Brillengläsern leuchteten. Sogar ihr Körper, sonst nur von unansehnlichen, sackähnlichen Kleidern verhüllt, schien eine üppige Sinnlichkeit auszustrahlen, die alle Arbeitskollegen veranlaßte, sich nach ihr umzudrehen.

Mary Anne legte bei ihrer Arbeit am Schreibtisch jetzt öfters eine Pause ein, um verträumt ins Leere zu starren.

„Nimmt wohl jetzt Rauschgift“, meinte eine Stenotypistin zur anderen. „Hasch, möchte ich wetten. So wirkt das Zeug zuerst immer. Aber schließlich wird man verrückt … wie damals Amy Merill. Erinnerst du dich noch? Amy hat sich damals splitternackt ausgezogen, ist durch Downtown gerannt und hat geschrien, die Venus von Milo zu sein!“

„Hmhm …“, machte die andere Stenotypistin und grinste verschmitzt vor sich hin. „Soll ich dir sagen, warum Mary Anne jetzt immer so aussieht? Weil sie regelmäßig bedient wird! Jede Nacht, würde ich sagen.“

„Ach? Und wer sollte sie bumsen?“ fragte die andere verärgert. Neid verzerrte ihr Gesicht. Sie hatte schon vier Monate lang keine Verabredung mehr gehabt. „Sie ist doch ein Nichts!“

„Vielleicht“, gab das andere Mädchen zu. „Aber ich habe sie gestern abend mit einem Mann zusammen gesehen. Und er sah fabelhaft aus! Ich will verdammt sein, wenn ich daraus schlau werde!“

Falls Mary Anne überhaupt merken sollte, welch heißes Interesse an ihrer Person sie erzeugte, so rauschte sie ungerührt dahin wie ein Schwan durchs Wasser. Ihr Dienst als Hauptbuchhalterin für die K. C. Supply Company von Kansas City nahm sie derartig in Anspruch, daß sie nur selten Zeit hatte für eine Kaffeepause. Doch in letzter Zeit saß sie oft untätig an ihrem Arbeitsplatz, starrte mit geöffnetem Mund ins Leere und vermochte immer noch nicht so recht an ihr unwahrscheinliches Glück zu glauben.

Mary Anne, bereits neunundzwanzig Jahre alt, hatte den ersten Geliebten ihres Lebens! Zum ersten Mal hatte auch sie einen Geliebten!

Oh, keinen gewöhnlichen Liebhaber! Sondern einen stattlichen, faszinierenden Mann! Einen Mann, der Nacht auf Nacht mit ihr Liebe machte … und zwar auf vielerlei Arten, die sie nicht einmal im Traum für möglich gehalten hätte!

Sie hatte ihn in der vorigen Woche während einer Mittagspause kennengelernt. Es war einer dieser erstaunlichen Zufälle gewesen. Er hatte Kaffee auf ihren Rock verschüttet, und bevor sie noch recht begriffen hatte, was überhaupt passiert war, hatte er schon darauf bestanden, sie an diesem Abend zum Essen einzuladen.

Und dann …

Mary Anne seufzte und lauschte auf eine innere Stimme. Er hatte behauptet, mit ihr etwas ungemein Wichtiges besprechen zu müssen … heute abend. Die wilde Hoffnung, die in ihr aufflammte, machte es ihr unmöglich, sich jetzt auf die Arbeit zu konzentrieren.

Was konnte er nur so Besonderes an ihr finden oder in ihr sehen?

Mary Anne hatte sich bisher stets für unansehnlich und langweilig gehalten, und sie war überzeugt gewesen, eines Tages als alte Jungfer sterben zu müssen … als Jungfrau, um genau zu sein.

Wirklich, es war alles wie ein Traum … wie eine aufbrausende, atemlose Fantasie!

Was konnte er nur an ihr finden?

Sie war doch lediglich eine Buchhalterin. Natürlich Hauptbuchhalterin. Um Geld konnte es ihm also kaum gehen. Seit sieben Jahren hatte sie nun diesen Job, und jetzt verdiente sie immer noch weniger als sechshundert Dollar im Monat. Gewiß, K. C. Supply Company war eine der größten und bedeutendsten Firmen, die Ausrüstungsgegenstände für Spielkasinos lieferte … Karten und Würfel und Roulettes für fast alle Etablissements in Las Vegas und Reno. Aber Mary Anne war einfach zu schüchtern und zaghaft, um sich nach einem besseren Job umzusehen oder auch nur um eine kleine Gehaltsaufbesserung zu bitten.

Sie schalt sich selbst, weil sie so negative Gedanken über sich hegte. Wohl zum dutzendsten Male versuchte sie, sich energisch auf eine Warenrechnung zu konzentrieren, die vor ihr auf dem Schreibtisch lag.

Hatte sie denn irgendeinen Grund, sich zu beklagen? Schließlich war sie vor einer Woche noch Jungfrau gewesen … eine klägliche, elende Jungfrau!

Dagegen jetzt … heute abend … oh, da würde sie wieder leidenschaftlich geliebt werden!

Erwartungsvolle Erregung ließ ihre Finger zittern.

„Wie spät?“ fragte Eddie.

„Vier Uhr dreißig“, antwortete die Frau neben ihm.

Beide lagen splitternackt auf der Bettdecke im Motelzimmer.

Sein kräftiger, muskelbepackter Körper bildete das perfekte Gegenstück zu ihren runden, üppigen Formen.

Ihr Gesicht war hübsch, wenn auch auf ein wenig derbe Art. Ihr Körper dagegen war von beinahe klassischem Ebenmaß, von geradezu atemberaubender Schönheit; mit weichen Brüsten und langen, schlanken Beinen.

„Sag bloß nicht, daß du jetzt schon wieder gehen mußt!“rief sie gereizt.

„Geschäft ist Geschäft, meine Liebe.“

Eddies Gesicht verzog sich zu einem Grinsen.

„Und heute nacht werden eine Menge Leute zu ihrem Geschäft kommen“, fügte er hinzu.

Sie stemmte sich auf einen Ellbogen und starrte aus harten, grünen Augen auf ihn hinab.

„Muß dir das denn so viel Spaß machen? Und warum muß ich hier in diesem lausigen Kaff in diesem schäbigen Bums hocken, he? Wie eine Nonne? Und du! Du kannst dir jeden Spaß leisten! Ich sitze hier herum und langweile mich zu Tode, während du diese … dieses Weibsbild bumst?“

„Ist alles nur streng geschäftlich“, sagte Eddie und stand auf. Er reckte sich, ließ seine Muskeln spielen und bot das Bild eines wahren Adonis.

Der Blick der Frau haftete wie gebannt auf seinem Penis. „Komm zurück aufs Bett!“ drängte sie. „Nur für zehn Minuten! Bitte, Eddie!“

„Nix da! Muß sparen für Blondie. Heute ist doch die Nacht der Nächte, oder hast du das schon wieder vergessen? Sie zappelt jetzt so richtig in meinem Netz. Ich brauche es nur noch zuzubinden. Noch ein einziges Mal … und sie wird alles tun, was ich von ihr verlange!“

Die Frau biß sich auf die Unterlippe.

„Wie ist sie denn so?“ fragte sie. „Ich meine … beim Sex?“

„Wenn du’s unbedingt wissen willst … verdammt gut! Sieht zwar nicht gerade nach viel aus, aber das ist nur die Kruste auf dem Kuchen! Komisch, wie wild sie werden kann, wenn sie richtig auf Touren gebracht wird! Also, ich muß schon sagen … diese stillen Typen haben etwas so … so Animalisches an sich!“

„Hör auf!“ zischte die Frau. „Ich bin deine Ehefrau, vergiß das nicht!“

Sein Gesicht nahm einen harten Ausdruck an.

„Oh, das vergesse ich schon nicht“, sagte er. „Aber diese Buchhalterin war wenigstens noch Jungfrau, als ich sie bekam! Und erinnerst du dich noch daran, was du warst, als ich dich kennenlernte? Für fünfzig Piepen warst du für jeden zu haben!“

Das Gesicht der Frau lief dunkelrot an. Sie sprang rasch vom Bett und preßte ihren weichen, üppigen Körper an seinen Leib. Sie rieb ihren dichtbehaarten Schamhügel aufreizend an seinem Penis.

„Und ich bin immer noch die Beste, die du je hattest, Eddie! Das hast du selbst mir doch mehr als hundertmal gesagt. Das bin ich doch, nicht wahr, Eddie?“

Sein Glied versteifte sich unter der heißen, seidenweichen Berührung.

„Yeah, du bist die Beste“, sagte er mit heiserer Stimme. Doch dann trat er rasch von ihr zurück und grinste. „Aber Blondie ist hunderttausend wert! Und was du hast, kann ich in jedem …“

„Bastard!“ kreischte sie und wollte mit gekrümmten Fingern auf ihn losgehen, um ihm mit den Nägeln das Gesicht zu zerkratzen.

Lachend und mit Leichtigkeit wich er ihr aus, und ein paar Sekunden später stand er im Badezimmer unter der Dusche und sang laut vor sich hin.

„Eins muß ich dir sagen, Mary Anne“, seufzte Eddie und leckte sich das Fett des gebratenen Hähnchens von den Fingern. „Hätte meine Mutter so kochen können wie du, dann wäre mein Vater niemals mit dieser Stripperin aus Chikago durchgebrannt!“

Mary Anne errötete.

„Es ist nur ein ganz altmodisches Rezept, Eddie“, sagte sie. „Von meiner Großmutter.“

Er blickte auf die Uhr.

Sechs Uhr dreißig.

Die Küche und Mary Annes Kansas City-Apartment erinnerte beinahe an ein Farmhaus im mittleren Westen. Eddie zündete sich eine Zigarette an und ging ins Wohnzimmer. Hier ließ er sich aufs Sofa fallen und seufzte zufrieden auf.

Für eine so ländliche Mahlzeit gab es eigentlich nur einen einzigen passenden Nachtisch.

Eddie beobachtete den weichen, etwas plumpen Körper des Mädchens, als es nun den Kaffee vor ihm auf den Tisch stellte.

Seine Erektion machte sich bereits bemerkbar.

Unter dem unmodernen, uneleganten rosa Kleid hatte diese Blonde einen üppigen Körper mit schweren Brüsten und prallen Schenkeln … und mit einer engen Vagina, die vor Leidenschaft wild zucken konnte. Allein diese Vorstellung genügte vollkommen, um Eddies Erektion zu verstärken.

Eddie war auf einer kleinen Farm in Missouri aufgewachsen.

Diese kleine, scheue Blondine weckte allerhand Erinnerungen bei ihm und rief sie ihm ungemein lebhaft ins Gedächtnis zurück … den Duft von Roggen und Weizen in der Abenddämmerung … das Gefühl reifer Landmädchen unter ihm … stöhnend auf den Feldern in heißen Sommernächten.

Mary Anne setzte sich neben ihn und sagte schließlich nervös: „Du wolltest doch etwas sehr Wichtiges mit mir besprechen, Eddie.“

Er legte eine Hand auf ihren Oberschenkel. Heute nacht würde es das letzte Mal sein, aber er würde ihr etwas geben, woran sie sich während der kommenden langweiligen Jahre mehr als genug würde erinnern können.

„Später, Honey, später.“

Seine Hand glitt über ihren Schenkel nach oben bis zu ihrem heißen Bauch.

Mary Anne küßte ihn leidenschaftlich und voller Glut. „Bring mich ins Bett“, bat sie ihn.

Sie gingen zusammen ins kühle Schlafzimmer.

Eddie zog das Mädchen aus, und seine Hände streichelten dabei ihre anschwellenden Brüste.

Mary Anne stöhnte und fummelte an seiner Hose herum.

Eifrig langte sie nach seinem steifen Schwanz und rieb ihn zwischen beiden Handflächen. Dann setzte sie sich zitternd auf die Bettkante und zerrte seine Hose nach unten.

Wie gebannt starrte sie auf seinen enormen Phallus.

Im Schlafzimmer herrschte eine traumhafte Atmosphäre, als Mary Anne sich nun rücklings auf dem Bett ausstreckte und im Halbdunkel wie im Fieber zusammenschauerte, als sie seinen pulsierenden Penis an ihrem Oberschenkel spürte.

Das Gefühl eines harten, muskulösen Männerkörpers an ihrem eigenen Körper ließ sofort drängende Leidenschaft in ihr aufflammen.

Vor weniger als einer Woche war die Blonde erst mit Geschick und Zärtlichkeit für die Liebe geweckt worden. Jetzt gab ihr scheues, reserviertes Naturell animalischer Lust nach.

Sie schluchzte, biß ihn in die Lippen und verkrampfte die feuchten Schenkel eifrig unter ihm. Sie stöhnte protestierend, als er seinen Mund von ihren Lippen losriß, doch dann seufzte sie wohlig auf, als sie seine Lippen auf einer Brust spürte.

Eddie saugte an der rosigen Warze.

Das jagte heftige Schauer wilden Entzückens über ihren Rücken.

Dann wanderten seine Lippen noch weiter nach unten über ihren weichen Bauch hinweg.

Mary Anne hielt unwillkürlich den Atem an und wartete voller Spannung.

Sie wußte, was er nun gleich tun würde, obwohl es bisher noch nie irgendein Mann mit ihr getan hatte.

Mary Anne, die sehr streng erzogen worden war, empfand nun doch beinahe so etwas wie Schock, doch dieser Schock trug nur dazu bei, ihr Lustgefühl zu steigern.

Ihre Mutter hatte immer wieder grimmig betont, daß nur ein Akt zwischen Mann und Frau erlaubt sei, und diesen Akt sollte mit bußfertiger Stille vollzogen werden.

Die Schenkel des Mädchens begannen immer wilder zu zucken, als der Mann nun die Innenseiten küßte. Wieder und immer wieder preßte er seine Lippen abwechselnd auf den einen und dann auf den anderen Oberschenkel des Mädchens.

Mary Anne krümmte den Rücken durch und kam sich dabei wunderbar schuldbewußt vor, weil sie etwas tun durfte, das von der strengen Mutter so strikt verboten worden war. Sie empfand beinahe schmerzhafte Neugier auf die kommenden Geschehnisse.

Der brennende Schauer, der plötzlich ihre Vagina durchzuckte, entlockte ihr einen leisen Aufschrei … teils vor Überraschung, teils vor Freude.

Mary Anne vergrub ihre Fingernägel in den Rücken des Mannes.

Ihre heiße Spalte zitterte und zuckte unter der Berührung seiner Zunge, deren Spitze gierig leckte und kitzelte und immer tiefer vordrang.

Eine Minute später preßte er seinen Mund mit sanftem Druck auf ihre Klitoris und ließ seine Zunge auf dem geschwollenen Fleisch vibrieren, bis das Mädchen den Kopf hin und her warf und dabei laut seinen Namen hinausschrie. Sie preßte seinen Kopf fieberhaft zwischen ihre heißen Schenkel und konnte einfach von diesem neuen, so wundervollen Gefühl nicht genug bekommen, das seine Zunge mit raffiniertem Spiel dort unten bei ihr auslöste. Ihr gesamtes Sein wurde davon erschüttert.

Eddie genoß dieses aufreizende Treiben zwischen ihren vor Wollust bebenden Schenkeln. Er hatte es keineswegs eilig, sondern ging langsam und mit Vorbedacht zu Werke. Er küßte das zarte Fleisch und war einigermaßen von der Saftfülle überrascht. Ihre Vagina war feucht und süß. Das Gefühl ihrer strammen Arschbacken, die vor Ekstase in seinen Händen zuckten, stachelte auch seine Wollust an.

Eigentlich jammerschade, dachte er, daß dies das letzte Mal sein würde … das letzte Mal für sie. Ihre wilden Lustschreie, das Zucken ihrer saftigen Vagina, ihre hemmungslose Hingabe voller Leidenschaft … das alles verhalf ihm zu der Illusion, noch einmal sechzehn Jahre alt zu sein und ein Mädchen auf plumpe und unbeholfene Art zum ersten Mal in dieser Weise zu erforschen.

Und dann begannen ihre Hüften plötzlich konvulsivisch zu zucken.

Eddie intensivierte seine Bemühungen, um ihren Orgasmus noch stärker anzuheizen. Seine Zunge huschte in ihrer Vagina herum und stieß immer tiefer vor, bis Mary Anne schließlich verzweifelt an seinen Schultern zerrte.

„Jetzt! Jetzt!“ bettelte sie. „Bitte, Darling … jetzt, jetzt … alles … alles von dir … bitte, bitte!“

Rasch bestieg er sie.

Mary Anne ließ ein tiefes Stöhnen hören, als Eddie seinen harten Schaft tief in ihren feuchten Schlitz rammte. Sein geschwollenes Organ stieß kräftig zu und löste bei Mary Anne Schmerz und Ekstase gleichzeitig aus.

Ein elektrisierender Höhepunkt barst in ihren Lenden, als er rasch und tief zustieß.

Mary Anne stöhnte wild vor Wollust. Sie schrie wieder und immer wieder laut auf, während sie ihre Finger in seinen Arschbacken verkrallte und sich bei jedem seiner Stöße ungestüm seinem Leib entgegenreckte, bis sie endlich spürte, wie sein Samen gegen ihre zuckenden Scheidenwände platschte.

Eddie wartete, bis das Mädchen sich wieder einigermaßen beruhigt hatte.

Allmählich verklangen Mary Annes Lustschreie, und ihre hungrige Vagina lockerte den verkrampften Griff um seine Lanze.

„Ich möchte, daß du etwas für mich tust“, sagte er zu ihr. „Wir haben nicht viel Zeit.“

„Alles!“ flüsterte sie und umarmte ihn. „Alles in der Welt, Eddie!“

Da sagte er ihr alles. Als er fünf Minuten später damit fertig war, starrte sie schockiert zu ihm empor.

„Aber … aber warum, Eddie? Das ist … das ist doch … illegal!“

„Teufel, ja! Natürlich ist’s illegal!“ sagte er, lachte leise und zündete sich eine Zigarette an. Mit einer Hand streichelte er zärtlich ihren nackten Oberschenkel. „Und der Grund sollte wohl klar genug sein, oder? Du wirst auch keinerlei Ärger bekommen, Baby. Niemand wird je etwas herausbekommen oder davon erfahren.“

„Aber … aber das kann ich doch nicht machen, Eddie!“ protestierte Mary Anne. „Ich arbeite doch schon seit neun Jahren für diese Firma! Nein, nein, das kann ich einfach nicht tun!“

Sein bisher so glattes Gesicht nahm einen gefährlichen Ausdruck an.

„Willst du etwa noch neun Jahre dort arbeiten? Oder vielleicht sogar für den Rest deines Lebens … als alte Jungfer? Oder möchtest du lieber mit mir nach Reno gehen?“

„Natürlich mit dir gehen!“ sagte sie glühend. Verzweifelt klammerte sie sich an ihm fest. „Nimm mich mit dir, Eddie! Ich will ja auch alles tun, was du mir sagst!“

„Na, dann laß uns keine Zeit mehr verlieren!“ sagte er und machte sich mit sanfter Gewalt aus ihrem harten Griff frei. „Heute nacht ist die Nacht aller Nächte!“

3

Der Nachtwäch er im Lagerhaus der K. C. Supply Company wanderte lässig zwischen den aufgestapelten Kisten und Kartons dahin, die meterhoch aufgetürmt waren. Als er seinen Rundgang beendet hatte, kehrte er zu seinem Schreibtisch in der Nähe zurück, machte es sich in seinem Sessel bequem und griff nach einem Sex-Magazin.

Er blätterte darin herum und betrachtete die aufreizenden Bilder, bis ihn ein Geräusch im angrenzenden Büro plötzlich zusammenschrecken ließ. Er wandte mit einem Ruck den Kopf. Da drin bewegte sich doch jemand? Der Mann stand nervös auf und ging zur Verbindungstür.

„Ach, Sie sind’s, Mary Anne“, sagte er. „Mein Gott, haben Sie mir aber einen Schrecken eingejagt! Müssen Sie denn noch so spät arbeiten?“

Mary Anne saß an ihrem Schreibtisch. Sie nickte.

„Ich bin ein bißchen mit der Arbeit in Rückstand geraten, Bill“, sagte sie. „Haben Sie vielleicht noch etwas Kaffee übrig?“

„Sicher. Aber ich werde lieber frischen Kaffee kochen. Für Sie tue ich das doch gern, Mary Anne.“

„Nein, nein“, sagte sie rasch. „Das werde ich selber machen, Harry.“

„Ach, was!“ wehrte er ab. „Ich mach’ das schon, Mary Anne. Bemühen Sie sich nicht.“

Aber Mary Anne schob sich bereits an ihm vorbei ins Lagerhaus.

Der Nachtwächter beobachtete, wie sie Wasser in den Kessel füllte und Kaffee bereitstellte. Er ließ seinen Blick über ihre rundliche, etwas plumpe Gestalt wandern.

Wenn sie zwanzig Pfund abnehmen, sich ein bißchen eleganter anziehen und auch etwas Make-up benutzen würde, dachte er, dann könnte sie beinahe so aussehen wie eins dieser Pin-ups Girls in den Magazinen.

„Ich bringe Ihnen nachher eine Tasse Kaffee rein, wenn er fertig ist, Mary Anne“, sagte er zu ihr. „Gehen Sie nur ruhig wieder an Ihre Arbeit, damit’s nicht zu spät wird.“ Mary Anne zögerte einen Moment.

„Also gut“, sagte sie zustimmend.

Als Mary Anne wieder an ihrem Schreibtisch saß, spürte sie, wie ihr Herz wild gegen die Rippen pochte.

Wieder und immer wieder sagte sie sich, daß sie doch überhaupt nichts zu befürchten hatte. Man würde es nie herausbekommen.

Morgen würde sie schon mit Eddie nach Reno unterwegs sein.

Mit dem stattlichen und so leidenschaftlichen Eddie …

Mary Anne schauerte unwillkürlich zusammen, als sie sich nun vorstellte, wie es wohl sein würde, Nacht für Nacht von ihm geliebt zu werden … als Ausgleich für die kalten, leeren Jahre die sie allein hatte schlafen müssen.

Ihre Schenkel glühten immer noch von den Berührungen seiner Lippen … und sie vermeinte, selbst jetzt noch sein hartes Fleisch dazwischen zu spüren.

Harry brachte ihr eine Tasse Kaffee.

Mary Anne fragte heiser: „Harry …? Würden Sie mir einen Gefallen tun? Wir haben zwei Kartons mit Bee-Kartenspielen für das Kasino ‚The Silver Chance‘ in Reno zum morgigen Versand im Lagerhaus. Würden Sie mir diese beiden Kartons einmal heraussuchen und hereinbringen, damit ich die Rechnung noch einmal kontrollieren kann?“

„Aber klar, mach’ ich sofort, Mary Anne.“

Kaum war der Nachtwächter in der Tiefe des Lagerhauses verschwunden, da huschte Mary Anne auch schon zu seinem Schreibtisch hinüber. Ihre Finger zitterten, als sie rasch zwei Kapseln Seconal in seinen Kaffee schüttete. Harry würde sehr rasch einschlafen und bestimmt vier, fünf Stunden fest schlafen. Irgendeinen Unterschied im Geschmack des Kaffees konnte er unmöglich feststellen. Er würde also niemals wissen, warum er ein paar Stunden lang so fest geschlafen hatte.

Harry kam zurück und brachte die beiden Kartons ins Büro.

„Sie sind bereits versiegelt und versandfertig“, sagte er. „Da haben Sie aber gerade noch mal Glück gehabt, daß sie nicht schon heute abgeschickt wurden.“

„Danke, Harry. Sie können die beiden Kartons später wieder zurückbringen.“

Er nickte, starrte einen Moment auf ihre schweren Brüste, ging dann ins Lagerhaus zurück und machte die Tür hinter sich zu.

Fünfzehn Minuten später huschte Mary Anne auf Zehenspitzen ins Lagerhaus.

Harry hatte die Füße auf den Schreibtisch gelegt und schnarchte ziemlich laut.

Mary Anne preßte einen Moment beide Hände auf ihren wogenden Busen, dann lief sie zum Vordereingang und machte die Tür auf.

„Er schläft tief und fest, Eddie“, flüsterte sie.

Rasch ging Eddie zu seinem an der Bordsteinkante geparkten Wagen und holte einen schweren Karton aus dem Kofferraum. Ächzend schleppte er ihn ins Büro. Dann ging er noch einmal zurück und holte einen weiteren Karton aus dem Wagen. Als er auch diesen im Büro abgestellt hatte, machte er erst einmal eine kleine Pause und holte keuchend Luft.

„Du weißt, wie diese Verschlußmaschine arbeitet?“ fragte er dann Mary Anne.

Sie nickte.

„Natürlich.“

Er holte ein Messer aus der Tasche und schlitzte die beiden mit Klebeband verschlossenen und versiegelten Kartons auf, die zum Versand an das Kasino ‚The Silver Chance‘ bestimmt waren.

Dann holte er mit Mary Annes Unterstützung die Kartenpäckchen heraus.

In jedem Karton befanden sich je sechshundert Stück.

Sie legten die Päckchen auf den Fußboden.

Es handelte sich um die Standard-Sorte von Bee-Spielkarten. Die Rückseiten der Karten wiesen ein ineinander verschlungenes Karo-Muster auf.

Aus den beiden Kartons, die Eddie aus seinem Wagen geholt hatte, füllte er nun die Originalkartons mit Kartenpäckchen von gleichem Muster.

„Wer hat sie denn gezeichnet?“ fragte Mary Anne neugierig.

„Zerbrich dir darüber nicht den Kopf!“ antwortete er schroff. „Los, los! Hilf mir, damit wir endlich fertig werden!“

Sie brauchten beinahe dreißig Minuten, bis sie den Inhalt der Kartons vertauscht hatten. Dann trug Eddie die Originalkartons einen nach dem anderen ins Lagerhaus zurück. Er warf dem schlafenden Nachtwächter einen neugierigen Blick zu, als er an ihm Vorbeigehen mußte. Am Versandtisch drehte er sich nach Mary Anne um.

„Los, wieder zukleben und stempeln!“

Ungeduldig beobachtete er das Mädchen und rauchte dabei nervös eine Zigarette.

Als Mary Anne fertig war, schleppte Eddie die beiden Kartons wieder ins Büro zurück. Jetzt geriet er schon ordentlich in Schweiß. Dann legte er die Originalpäckchen in die beiden Kartons, die er mitgebracht hatte. Er brachte sie zu seinem Wagen hinaus und verstaute sie wieder im Kofferraum.

Mary Anne hinterließ auf ihrem Schreibtisch eine kurze Nachricht für Harry. Sie hätte die Sendung überprüft, ihn aber nicht wecken wollen und wäre deshalb schon nach Hause gegangen. Sie schloß das Büro ab und eilte zu Eddies Wagen.

Eddie fuhr sie zu ihrem Apartment zurück.

„Warum hast du dir ausgerechnet das Kasino ‚The Silver Chance‘ ausgesucht?“ fragte sie neugierig.

Eddies Stimme klang eiskalt.

„Ich habe mal dort gearbeitet“, sagte er. „Man könnte sagen, daß ich mich für eine Gefälligkeit revanchieren will“, fügte er ironisch hinzu.

Der Ausdruck in seinem Gesicht ließ es Mary Anne nun doch geraten erscheinen, lieber keine weiteren Fragen zu stellen. Sie wollte Eddie nicht verärgern.

Als Eddie sie im Fahrstuhl nach oben brachte, drehte sich Mary Anne vor der Tür ihres Apartments nach ihm um und sagte eifrig: „Ich werde nicht lange zum Packen brauchen, Eddie.“

„Nein!“

Seine Stimme klang schroff, und sein Gesicht zeigte einen sehr harten Ausdruck.

„Nein, so geht das nicht, Mary Anne“, fuhr er etwas sanfter fort. „Wenn du jetzt so einfach bei Nacht und Nebel verschwindest, wird man doch mißtrauisch werden. Du mußt noch mindestens eine Woche bleiben und wie gewohnt deiner Arbeit nachgehen. Dann kündigst du. Ich sage dir Bescheid und lasse dich nachkommen.“

Mary Anne sah ihm forschend ins Gesicht. So hatte sie sich das eigentlich nicht vorgestellt.

„Aber … das wirst du doch auch tun, nicht wahr, Eddie?“ fragte sie. „Du wirst mich nicht vergessen?“

Jetzt grinste er auf seine ungemein charmante Art und nahm das Mädchen rasch noch einmal in die Arme.

„Natürlich nicht, Mary Anne!“ versicherte er ihr im Brustton der Überzeugung. „Aber du mußt warten, bis du etwas von mir hörst, klar? Es kann zwei, drei Wochen dauern, verstehst du? Auf gar keinen Fall darfst du früher deine Arbeit aufgeben. Hast du verstanden?“

Mary Anne nickte eifrig.

„Ich werde warten, Eddie. Ich werde nichts unternehmen, bis ich etwas von dir höre. Und … Eddie … ich … ich werde dir auch treu bleiben!“

Jetzt hatte Eddie wirklich Mühe, ein schallendes Hohngelächter zu unterdrücken.

„Braves Mädchen“, murmelte er. Darm gab er ihr noch einen letzten, zärtlichen Kuß. Dabei war er aber doch beinahe gerührt. Alles war dank ihrer Hilfe so leicht und glatt verlaufen, daß er — gewissermaßen zur Feier des Tages — doch noch kurz mit dem Gedanken spielte, noch einmal mit Mary Anne ins Bett zu gehen. Doch dann erinnerte er sich daran, daß er seiner Frau auch noch eine Kleinigkeit schuldig war.

Er verabschiedete sich deshalb rasch von Mary Anne und kehrte zu seinem Wagen zurück.

Mary Anne blickte ihm besorgt nach, bis er im Fahrstuhl verschwunden war. Zum ersten Mal empfand sie so etwas wie leichtes Unbehagen, das sie jedoch sofort energisch unterdrückte. Nun gab es für sie kein Zurück mehr.

Eddie fuhr um die nächste Straßenecke, und jetzt erst gönnte er sich den Luxus, in schallendes Gelächter auszubrechen. Am liebsten hätte er seinen triumphalen Sieg laut in alle Welt hinausgeschrien.

In weniger als einem Monat würde er ein reicher Mann sein.

Und die arme, liebe, simple Mary Anne würde warten und warten und warten …

Ihr Versprechen, ihm treu bleiben zu wollen, fand er bei der ganzen Sache am lustigsten.

Auf den Gedanken, daß er die arme, liebe, simple Mary, dieses scheue, süße Ding, unterschätzen könnte, kam er natürlich keine Sekunde lang.

Für ihn war die Episode Mary Anne Hawkins schon jetzt abgeschlossen.

4

Genau drei Wochen nach jenem Abend, an dem Sanger der Austeilerin Theresa Carver diesen scharfen Rüffel erteilt hatte, weil sie während der Arbeit mit ihrer Zimmergefährtin gesprochen hatte, begann für das Kasino ‚The Silver Chance‘ eine schier unglaubliche Pechsträhne. Diese Information wurde Sanger natürlich sofort mitgeteilt. Er saß wieder auf seinem hohen Thron inmitten des großen Spielsaales. Die Meldung kam von seinem Stellvertreter.

An zwei Tischen wurde ständig verloren. Am größten waren die Verluste jedoch an Theresa Carvers Tisch.

Sanger beobachtete nun eine ganze Weile die Aktion. Seine Aufmerksamkeit konzentrierte sich zur Hälfte auf die Vorgänge am Tisch, zur anderen Hälfte auf die üppigen Kurven der Austeilerin.

Schließlich stieg Sanger von seinem Thron herab, ging zum Tisch hinüber und blieb hinter Theresa stehen.

Der Mann, der fast ständig an diesem Tisch gewann, war ein Spieler, der Sanger irgendwie bekannt vorkam. Das Gesicht dieses Mannes zeigte einen arroganten Ausdruck, als sein Stapel von Chips höher und immer höher wurde.

Sanger zermartete sich das Hirn und strengte sein Gedächtnis aufs äußerste an, aber es wollte ihm einfach nicht einfallen, wo er dieses Gesicht schon einmal gesehen haben könnte.

Der Blick aus Sangers kalten Augen wanderte ständig zwischen diesem Spieler und Theresa hin und her. Er dachte an die Rothaarige, die man in jener Nacht dabei erwischt hatte, wie sie mit einem sogenannten Agenten zusammengearbeitet hatte. Dies hier könnte vielleicht ein ähnlicher Fall sein, dachte der Manager. Der Spieler könnte mit Theresa im Komplott sein, um das Haus auszuplündern.

Diese Theresa, ein Mädchen von ungewöhnlicher Schönheit, mußte schließlich einen Geliebten haben.

Sanger schnippte mit den Fingern.

Der Spielsaal-Boß tauchte beinahe augenblicklich neben ihm auf. Eine Minute später wurde ein frisches Kartenspiel gebracht.

Sanger übergab es Theresa und studierte aufmerksam die bisher benutzten Karten. Das Muster auf der Rückseite weckte sein besonderes Interesse. Er konnte jedoch nichts Auffälliges feststellen.

Bei den Karten handelte es sich um die Bee-Standardausführung.

Sorgfältig strich Sanger mit den Fingerspitzen über die Kartenränder und suchte nach irgendwelchen winzigen Eindrücken, die vielleicht von Fingernägeln stammen könnten. Er fand nichts dergleichen.

Sanger konzentrierte sich wieder darauf, den Mann scharf zu beobachten, der diese beachtlichen Gewinne erzielte.

Der Mann schien sehr genau zu wissen, wann er noch eine Karte zu kaufen oder wann er zu passen hatte.

Es war beinahe, als wüßte dieser Spieler auch, welche Karte Theresa jeweils als Deckkarte hatte.

Vor allem aber schien er zu wissen, welchen Wert die oberste Karte hatte, noch bevor sie ausgeteilt wurde.

Zufall? Glückssträhne? Berechnung?

Gelegentlich verlor der Mann auch einmal.

Aber das wirkte zu gelegentlich, um Sanger zu gefallen. Könnte Theresa etwas damit zu tun haben?

Ab und zu kam es schon einmal vor, daß Austeilerinnen, die eine besonders glückliche Hand hatten — und das konnte bisher von Theresa weiß Gott behauptet werden! —, plötzlich in eine Pechsträhne hineingerieten.

Und dann hatte natürlich unausweichlich einer der Spieler am Tisch eine geradezu fantastisch anmutende Glückssträhne.

Nun, es gab einen Weg, herauszufinden, wie es sich im vorliegenden Fall verhielt.

„Ich werde Sie gleich ablösen lassen“, murmelte Sanger dicht an Theresas Ohr. „Sie können sich den Rest der Nacht gegen Bezahlung freinehmen.“

Theresas glattes Gesicht verhärtete sich, während sie mit geschickten Fingern weiter die Karten austeilte.

„Mit meinem Austeilen ist doch alles in Ordnung, oder?“ flüsterte sie zurück.

„Natürlich“, versicherte ihr Sanger sofort. „Sie scheinen heute abend lediglich eine Pechsträhne zu haben, das ist alles. Kommt mitunter vor. Und dann ist es eben immer am besten, die Austeilerin abzulösen, bevor die Verluste fürs Haus zu groß werden.“

Sanger winkte eine der jederzeit zur Ablösung bereitstehenden Austeilerinnen an den Tisch heran.

„Falls Sie heute nacht nicht allzu beschäftigt sein sollten, könnte ich Ihnen den Rest der Nacht sehr interessant gestalten“, sagte er leise zu Theresa.

Sie lächelte dünn.

„Aber kaum halb so interessant, wie ich diese Nacht selbst zu gestalten gedenke“, antwortete Theresa.

Sanger beobachtete, wie sich ihre langen, schlanken Beine beim Gehen bewegten, als Theresa nun den Spielsaal verließ. Er überlegte, ob sie wohl für tausend Dollar zu haben sein könnte.

Für Sanger war Geld nur Mittel zum Zweck; er gab es großzügig aus, wenn er sich damit eine Abwechslung verschaffen konnte.

In letzter Zeit wurde sein Verlangen nach dieser Brünetten beinahe zur Besessenheit.

Doch dann konzentrierte er sich wieder auf die Geschehnisse am Spieltisch.

Eine halbe Stunde lang beobachtete Sanger, wie der Stapel von Chips bei dem Gewinner immer höher wurde, auch nach der Ablösung der Austeilerin. An Theresa konnte es also offensichtlich nicht gelegen haben.

Hinter dem Spieler hatte sich inzwischen bereits eine neugierige Menge versammelt.

Sanger preßte die Lippen hart zusammen und ging zum anderen Siebzehnundvier-Tisch hinüber, von dem ihm ebenfalls hohe Verluste des Hauses gemeldet worden waren.

Hier handelte es sich um eine Frau, die fast ständig mit ziemlicher Sicherheit gewann. Sie hatte ein hartes Gesicht, superbe Brüste, eine schlanke Taille und wirkte ungemein sexy.

Nachdem Sanger auch hier ein paar Minuten lang zugesehen hatte, ging er ins Lager und überprüfte den Karton, dem die Karten entnommen worden waren. Sorgfältig untersuchte er das aufgebrochene Siegel und die gestempelte Banderole. Es war alles in Ordnung.

Sanger zündete sich eine Zigarette an und dachte angestrengt nach.

Wie immer, wenn Theresa den Glanz und das Treiben im Spielsaal verließ, blieb sie draußen auf dem Bürgersteig stehen und holte erst ein paarmal tief Luft. Das Austeilen war eine anstrengende Beschäftigung und verlangte ungemein viel Konzentration. Üblicherweise genehmigte sich Theresa stets einen Drink, bevor sie nach Hause ging. Aber heute abend war eben alles anders. Es war erst acht Uhr, und sie hatte vier Stunden zusätzliche Zeit, die sie mit ihrer Geliebten verbringen könnte.

Theresa überlegte einen Moment, ob sie zuvor zu Hause anrufen sollte, doch dann entschied sie sich dagegen. Mit wachsender Erregung sagte sie sich, daß eine Überraschung alles nur noch reizvoller machen würde.

Theresa stieg in ihren Wagen und fuhr bis zum nächsten Drugstore. Hier hielt sie an und ging hinein. Sie kaufte ein Geschenk. Dann fuhr sie zu einem Schnapsladen und kaufte eine Flasche Chivas Regal. Sie ließ das Verdeck ihres Wagens heruntergeklappt, während sie durch die Downtown-Straßen von Reno fuhr. Die anerkennenden Pfiffe von Männern, die sie vorbeifahren sahen, ignorierte sie. Sie konnten ihr nicht einmal ein Lächeln abringen.

Sie hatte heute achtundzwanzig Dollar bekommen, das meiste von dem Spieler, der fast ständig gewonnen hatte.

Jetzt überlegte sie, was sie ihrer Geliebten noch schenken könnte, die von ihr sehr großzügig unterhalten wurde.

Die letzten drei Monate war Theresa ganz schrecklich verliebt. Jede freie Minute verbrachte sie in einem Zustand konstanter Erregung, indem sie von leidenschaftlich verbrachten Stunden träumte und sie im Geiste noch einmal erlebte.

Es war nicht ihre erste Liebesaffäre, aber zweifellos ihre intensivste. Gerade das aber brachte ihre schwere Eifersucht immer wieder zum Durchbruch.

Vor ihrem Apartmenthaus angekommen, parkte sie rasch ihren Wagen, dann lief sie die Treppe hinauf. Ihre Augen funkelten vor erwartungsvoller Vorfreude. Sie überlegte, ob sie sich wohl noch lange genug würde beherrschen können, um rasch noch ein Bad zu nehmen.

Theresa wollte schon auf den Klingelknopf drücken, doch dann fiel ihr wieder ein, daß sie die Geliebte ja überraschen wollte. Sie zog die ausgestreckte Hand zurück, holte den Schlüssel aus der Handtasche, schob ihn leise ins Schloß und drehte ihn herum. Behutsam öffnete sie die Tür.

Aus dem Schlafzimmer klang ihr Stereomusik entgegen. Theresa lächelte vor sich hin, während sie auf Zehenspitzen über den Teppich im Wohnzimmer huschte. Sie hielt den Scotch in einer Hand, das Geschenk in der anderen.

Die Schlafzimmertür stand einen Spalt offen.

Theresa stieß die Tür ganz auf.

„Darling, ich bin heute schon früher nach Hause gekommen und …“

Dann brach sie jäh ab. Ihr Gesicht erstarrte.

Die beiden hockten splitternackt auf der Bettkante. Die plumpen Brüste des Mädchens hüpften auf und ab, während es sich ruckartig auf dem Schoß des Mannes bewegte. Das Gesicht war zwar Theresa zugewandt, aber das Mädchen hielt die Augen geschlossen. Das Gesicht glühte vor Ekstase.

Dieses Bild brannte sich wie mit Säure eingeätzt in Theresas Gehirn. Während sie wie erstarrt im Türrahmen stand, wurde ihr Gesicht kreidebleich. Sie konnte die dicke Erektion des Manne sehen, wenn das Mädchen sich von seinem Schoß hob.

Er hielt das Mädchen an den Füßen fest und hob mit beiden Händen die Schenkel in die Höhe. Die Beine des Mannes unter den langen, schlanken Beinen des Mädchens waren sehr stark behaart.

„Oh, mein Gott …!“ entfuhr es dem Mädchen entsetzt, als es nun die Augen aufschlug und Theresa dort in der offenen Schlafzimmertür stehen sah. Der Ausdruck von Ekstase verschwand wie weggewischt aus dem hübschen Gesicht. „Ach, herrje!“ rief das Mädchen und hörte auf, sich auf dem Schoß des Mannes zu bewegen.

„Zum Teufel, was ist denn auf einmal los mit dir?“ fragte der Mann.

Dann sah auch er Theresa im Türrahmen stehen.

Beide — der Mann und das Mädchen auf seinem Schoß — starrten Theresa nun offenen Mundes an.

Theresas Brüste zitterten vor Wut.

„Du … du … du kleine Schlampe!“

„He, he! Moment mal!“ rief der Mann.

„Halt’s Maul!“ schrie ihn Theresa an. Sie schluckte ein paarmal sehr hart und fühlte sich leicht benommen. „Raus hier!“ zischte sie mit zusammengebissenen Zähnen. „Aber schnell! Ganz schnell raus hier!“

Der Mann machte ein höchst verblüfftes Gesicht.

„Ist das vielleicht deine Zimmergefährtin?“ fragte er.

Das Mädchen seufzte und stand auf.

„Nein, George, das ist nicht nur meine Zimmergefährtin … sie ist meine ständige Geliebte. Ich glaube auch, daß es das beste für dich sein dürfte, jetzt höllisch schnell zu verduften, wie sie eben gesagt hat.“

Der Mann machte ein erstauntes Gesicht und blickte von einem Mädchen zum anderen. Als er das wütende Funkeln in Theresas Augen sah, dämmerte in seinem Gesicht allmählich so etwas wie Verstehen auf.

„Oh!“ sagte er nur und wiederholte: „Oh …!“

Theresa machte auf dem Absatz kehrt und ging ins Wohnzimmer zurück. Ihre Finger zitterten sehr stark, als sie sich nun mit der Whiskyflasche beschäftigte. Es dauerte eine Weile, bis sie die Flasche endlich geöffnet hatte. Sie schenkte sich ein Glas halbvoll ein, nahm einen Schluck und schloß die Augen.

Im Geiste sah sie immer noch dieses Bild vor sich, wie die üppige Carol sich auf dem steifen Organ des Mannes gewunden hatte … wie ihr junges Gesicht vor Wonne geglüht hatte.

Eine Minute später kam der Mann, Krawatte und Jackett in einer Hand, ins Wohnzimmer, warf Theresa einen vorsichtigen Blick zu und huschte rasch an ihr vorbei. An der Tür blieb er stehen und drehte sich noch einmal nach Theresa um.

„Falls ihr beide — oder eine von euch — jemals einen Mann …“, begann er.

Theresa schleuderte mit aller Kraft die Whiskyflasche nach ihm.

Dem Mann gelang es gerade noch in allerletzter Sekunde, das Zimmer zu verlassen und die Tür zu schließen, bevor die Flasche an der Tür zersplitterte und ihren Inhalt über den Teppich ergoß.

Das nackte Mädchen stand in der offenen Schlafzimmertür und beobachtete Theresa. Das glatte, jugendliche Gesicht, von dichtem Blondhaar umrahmt, zeigte einen äußerst wachsamen Ausdruck. Die sonnengebräunte Haut schimmerte vor Gesundheit. Brüste und Hüften drücktenreife Sinnlichkeit aus.

Theresas Augen blitzten.

„Warum?“ fragte sie heiser. „Ich habe dir doch alles gegeben. Kann ich dich etwa nicht befriedigen?“

Das Mädchen zuckte die Schultern, griff nach einer Zigarette, ließ sich auf die Couch fallen und zündete die Zigarette an.

„Mach doch nicht gleich ’ne Staatsaffäre draus, Theresa“, sagte Carol. „Ich hab’ nun mal ab und zu auch ganz gern ’nen Mann. Du solltest es auch mal versuchen.“

Theresa setzte sich zitternd neben das junge Mädchen. Sie strich mit den Fingerspitzen über das heiße Fleisch von Carols Oberschenkeln.

„Wie lange geht denn das schon so?“ fragte sie.

Carol zog die Brauen hoch.

„Du meinst … diese Sache mit George? Ach, zum Teufel! Ich habe ihn doch heute nachmittag gerade erst kennengelernt! Er ist dufte!“

Die Brünette biß sich auf die Unterlippe, um ihre Wut zu beherrschen.

„Und wie viele andere hat es vor ihm schon gegeben?“ wollte sie wissen.

Carol studierte angelegentlich ihre Zigarette.

„Du meinst … seit wir beide so Zusammenleben? Oh, nur zwei. Einer war Texaner. Du würdest kaum glauben, wie der gebaut war und …“

„Halt’s Maul!“ zischte Theresa. „Erzähle mir keine schmutzigen Details! Ich will nichts davon hören! Ich möchte nur wissen … warum?!“

Jetzt zeigten die blauen Augen des Mädchens einen sehr harten Ausdruck.

„Na, warum wohl? Weil ich eben immer noch Männer mag! Darum! Du kannst mich nicht wie eine Sklavin in diesem Apartment angekettet halten! Ich muß ganz einfach ab und zu ein bißchen Abwechslung haben.“

Carol verzog den hübschen Mund.

„Ich bin ein heranwachsendes Mädchen, Honey“, fuhr sie fort. „Hör zu …“, sagte sie plötzlich und legte eine Hand auf Theresas Knie. „Das berührt doch in keiner Weise unsere Abmachungen, oder? Bisher habe ich von dir keinerlei Klagen über mein Verhalten im Bett gehört. Warum also diese Eifersucht wegen einer Sache, die überhaupt nichts weiter zu bedeuten hat? Das ist eben so wie … wie ab und zu ein Glas billigen Weins statt des ewigen Champagners.“

Sie beeilte sich, um Theresa Feuer für ihre Zigarette zu geben.

„Ich warte doch nach wie vor jede Nacht hier auf dich … frisch, sauber und parfümiert.“

Sie streichelte mit der Handfläche Theresas Oberschenkel, dann schob sie ihre Hand unter den Rock und strich mit den Fingern über das weiche, warme Fleisch.

„Was ist also schon groß dabei, wenn ich ab und zu ein bißchen Spaß nebenbei habe, he? Wenn du nach Hause kommst, warte ich ja im Bett auf dich.“

Die Nasenflügel der anderen bebten.

„Ich sorge für deinen Lebensunterhalt! Wir haben eine feste Vereinbarung. Ich sorge in jeder Hinsicht für dich … und du kümmerst dich als Gegenleistung dafür um mich! Du gehörst zu mir!“

„Ich gehöre niemandem, gottverdammtnochmal!“ brauste das junge Mädchen nun temperamentvoll auf. Ihre seidenweichen Brüste zitterten. „Nur weil wir beide uns jede Nacht im Bett wälzen, so heißt das noch lange nicht, daß du mir deswegen gleich einen Strick um den Hals binden kannst!“ explodierte Carol. „Begreife doch endlich und ein für allemal, Theresa … ich bin nicht so wie du! Ich keuche nicht jedesmal, wenn ich ein Paar schöne Titten sehe! Ich vergewaltige eine andere Frau nicht mit den Augen, wie du es tust! Gewiß, ich tu’s auf beide Arten … aber ich bin keine tollwütige Lesbierin!“

Die klatschende Ohrfeige kam nun aber doch als Riesenüberraschung für Carol.

Das junge Mädchen kniff einen Moment die Augen zusammen, dann sprang es von der Couch auf und lief ins Schlafzimmer.

Theresa folgte ihr.

„Tut mir leid, Carol …“

„Spar dir deine Entschuldigung!“ unterbrach sie das nackte Mädchen gereizt.

Carol war schon dabei, zwei Koffer aus dem Schrank zu holen. Sie warf sie aufs Bett. Dann zog sie die Schubladen aus einer Kommode und begann ihre Sachen in die Koffer zu verstauen.

Die kleine Hexe blufft doch nur! dachte Theresa, aber damit vermochte sie die aufsteigende Panik auch nicht mehr zu unterdrücken.

Carol war ihr nie verlockender als in diesem Augenblick vorgekommen; die plumpen, rundlichen Kurven wippten, schaukelten und tanzten bei jeder Bewegung.

Theresa hatte plötzlich einen Klumpen im Hals, und dieser Klumpen wurde immer dicker.

Dieses selbstsüchtige, wunderschöne Geschöpf dort drüben verkörperte in seiner aufreizenden Sinnlichkeit gewissermaßen alle weiblichen Wesen, auf die Theresa je in ihrem Leben scharf gewesen war. Kein Mädchen hatte Theresa bisher so erregen können wie Carol.

„Bitte, Carol … ich werde es nie wieder tun.“

„Da hast du recht! Verdammt, dazu wirst du auch gar keine Gelegenheit mehr bekommen!“

Jetzt wurde Theresa doch von Panik gepackt. Sie stolperte blindlings ins Wohnzimmer und griff hastig nach dem Geschenk, das sie für Carol gekauft hatte. Sie kam ins Schlafzimmer zurück und hielt Carol eifrig das Geschenk entgegen.

„Da, sieh mal, Honey … ich habe dir auch ein schönes Geschenk mitgebracht!“

Carol zögerte, dann gewann die Neugier bei ihr die Oberhand. Sie nahm das Päckchen und riß es auf. Kaum hatte sie jedoch einen Blick auf den Inhalt geworfen, da brach sie auch schon in schallendes Gelächter aus.

„Parfümierte Duschen! Ach, du lieber Himmel! Erdbeer … Pfirsich … Ananas!“

Sie schleuderte die Sachen wütend auf den Fußboden.

„Für was hälst du mich eigentlich, he? Für Eiskrem mit Soda?“

Carol warf weiter ihre Sachen in die Koffer.

Jetzt begann Theresa vor Angst am ganzen Leibe zu zittern. Der Gedanke, nie wieder diese zarten, heißen Schenkel zu küssen, nie wieder dieses süße, feuchte Fleisch der rosa Vagina zu genießen, erfüllte sie mit alarmierender Besorgnis.

„Ich … ich werde alles tun!“ rief Theresa mit heiserer Stimme. „Nur … verlaß mich nicht …“

„Zu spät!“

„Alles, wirklich alles!“ rief Theresa. „Du brauchst mich nur zu fragen …“

Langsam legte Carol ein Spitzenhöschen aus der Hand. Ihre blauen Augen glitzerten plötzlich. Nachdenklich blickte sie die Brünette an.

„Alles …?“ wiederholte Carol.

Theresa nickte rasch, trat auf Carol zu, riß das Mädchen ungestüm in die Arme und preßte sich gegen das samtweiche Fleisch, das solche Hitze auszustrahlen vermochte. „Du brauchst es nur zu sagen!“ flüsterte Theresa dem jungen Mädchen ins Ohr. „Sag’s einfach, Darling!“

„Hinterher“, murmelte Carol. Sie zog die Brünette mit sich aufs Bett und bewegte aufreizend den Bauch unter ihr.

Carol liebte dieses Gefühl der Macht, das ihr diese Brünette in solchen Augenblicken verlieh.

Schon im Alter von fünfzehn Jahren hatte es Carol stets besonderen Spaß gemacht, Jungens aufzuziehen und zu necken, aber das war doch gar nichts im Vergleich zu diesam magnetischen Griff, mit dem sie Theresa in der Gewalt hatte.

Und der Einfallsreichtum, den diese Lesbierin im Bett bewies, ließ alle Männer bei einem Vergleich sehr schlecht abschneiden und verblassen.

Noch etwas steigerte Carols Gefühl der Macht über diese: Brünette.

Theresa hätte jeden Mann haben können, den sie wollte. Alle waren ja wie verrückt hinter ihr her. Aber nein, von ihnen wollte die atemberaubend schöne Kartenausteilerin eines Spielkasinos nichts wissen! Statt dessen liebte sie Carol! Lieben? Theresa war verrückt nach ihr!

Während Theresa ihre heiße Zunge zwischen die Lippen des jungen Mädchens stieß und Carols Brüste massierte, begannen sich im Kopfe des jungen Dinges bereits die Bedingungen zu formen, die es zu stellen gedachte … und diese Bedingungen nahmen unglaubliche Formen an! Unter leisem Stöhnen rutschte Theresa etwas tiefer und küßte mit fieberhafter Glut eine der runden Brüste. Sie saugte einen Moment an der Warze, bevor sie noch weiter nach unten glitt. Das Blut rauschte Theresa in den Ohren, als sie ihr Gesicht auf den weichen, glatten Leib des Mädchens preßte. Ihr ganzes Sein wurde wie von magnetischer Gewalt zu dieser seidenweich behaarten Stelle zwischen Carols Schenkeln gezogen … zu dieser feuchten rosa Spalte.

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9788711717875
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