Читать книгу: «Ab in den Süden - Überwintern mit dem Wohnmobil»
Petra Lupp & Martin Klug

ÜBERWINTERN MIT DEM WOHNMOBIL
Ab in den Süden
Alle praktischen Infos, die besten Campingplätze und Tipps zu Land und Leuten


Sonne tanken in Spanien
Inhaltsverzeichnis
Vorwort: Der Sonne entgegen
Wer sind diese Überwinterer eigentlich?
Genussmenschen jeden Alters
Suche nach Sinn und Engagement
Arbeiten unterwegs und überall
Vorbereitungen und Vorfreude
Start, Ziel und Dauer
Vorteile der Nebensaison
Checkliste für zu Hause und unterwegs
Checkliste fürs Wohnmobil
Mobil vor Ort
Anreise
Zeit oder Eile – Maut oder Kreisel?
Stellplatz oder Campingplatz?
Willkommen in Frankreich – Bienvenue!
Camargue, Languedoc und Okzitanien
Willkommen in Spanien – Bienvenido!
Am Mittelmeer entlang zum Atlantik
Willkommen in Portugal – Bem-vindo!
Die Algarve
Willkommen in Marokko – Marhaba!
Der Norden, die Atlantikküste und Abstecher ins Landesinnere
Überwinterer erzählen
Cerstin und Rolf: Der Weg ist das Ziel!
Susanne: Ich schlafe gern im eigenen Bett!
Doris und Manfred: Monatelang auf einem Platz? Dafür sind wir viel zu jung!
Susanne und Roland: Viel unterwegs und doch daheim!
Violetta und Wolfgang: Die Kapitänin und der Smutje
Klaus-Dieter: Na, fahr doch einfach mit!
Jacqueline und Hansjörg: Da wir noch arbeiten, darf es nicht zu weit sein
Register
Impressum


Klassisches Valencia

Strandlage Eurocamping Oliva

Denia, alter Ortskern

Modernes Valencia

Dem nasskalten Winter entfliehen

Amerikanischer RV

Der Sonne entgegen
Der Duden klassifiziert »überwintern« als sogenanntes schwaches Verb, beispielsweise im Kontext von »Vögel überwintern in Afrika« oder »Pflanzen überwintern im Keller«. An erster Stelle der Begriffsklärungen steht dort, Überwintern sei, »den Winter in Sicherheit vor den mit ihm einhergehenden Bedrohungen und Widrigkeiten zu verbringen«. Das ist doch ein erster, guter Einstieg in das Thema!
Noch zutreffender ist die Definition des englischsprachigen Pendants »Snowbird«, wie sie sich bei Wikipedia findet: »Snowbirds are typically retirees who wish to avoid the snow and cold temperatures of northern winter, but maintain ties with family and friends by staying there the rest of the year.« Also: Snowbirds sind in der Regel Rentner, die den Schnee und die kalten Temperaturen des nördlichen Winters vermeiden, aber die Verbindung zu Familie und Freunden aufrechterhalten möchten, indem sie den Rest des Jahres dort bleiben.
Ihren Ursprung hat die Überwintern-Bewegung in den nördlichen US-Bundesstaaten. Während der dort kalten Monate zog es anfangs fast ausschließlich Rentner in die wärmeren Südstaaten, die als sogenannter »Sun Belt« von Florida im Osten bis Kalifornien im Westen reichen. Bis heute ist die Zielgruppe über viele Alters- und Einkommensklassen hinweg stetig gewachsen. Ein Großteil der »Snowbirds« verbringt den Winter im Süden in ihren – im Vergleich zu europäischen Modellen – großen Wohnmobilen auf riesigen RV-Parks (Recreational Vehicle).
Eine ähnliche Entwicklung ist in Europa zu beobachten, selbstredend in bescheidenerem Ausmaß. Denn auch der mittel- und nordeuropäische Winter glänzt nicht durchgängig mit Postkartenmotiven, viele Wochen sind gekennzeichnet von trübem und nasskaltem Wetter. Glätte, Graupel, Schneematsch, Kälte und die früh einsetzende Dunkelheit sind die bitter schmeckenden Zutaten für den Winter-Blues-Cocktail daheim. Warum also nicht Minusgrade und aufkommende Winterdepression gegen einen Liegestuhl unter Palmen tauschen?
Immer mehr Wohnmobilisten entdecken für sich die Vorteile des Überwinterns.
Das Klischee des braungebrannten »Rentner-Snowbird« bekommt auch hierzulande Risse. Zunehmend wird der Personenkreis um neue Zielgruppen wie beispielweise Berufstätige und junge Familien erweitert. »Ab in den Süden!« heißt der Lockruf, dem ganze Wohnmobil-Karawanen mit Einsetzen der unbehaglichen Jahreszeit folgen.
Aus der Praxis
In den folgenden Kapiteln teilen wir unsere eigenen praktischen Erfahrungen mit Ihnen und schildern, welche Vorbereitungen zu treffen sind, was bei Anreise sowie Aufenthalt vor Ort zu berücksichtigen ist und welche Stell- oder Campingplätze empfehlenswert sind. Der Fokus liegt dabei auf Ländern, die beim Überwintern sehr stark nachgefragt sind: Frankreich, Spanien, Portugal und Marokko.
Aber um es gleich vorwegzunehmen: Die vorgestellten Plätze stellen lediglich eine Auswahl dar, es handelt sich um kein Nachschlagewerk im Sinne eines Stellplatz- und Campingplatzführers. Uns ist bewusst, dass bereits erfahrene Überwinterer ihren Lieblingsplatz hier möglicherweise nicht vorfinden – das ist in Anbetracht der Angebotsfülle an manchen Standorten gar nicht möglich.
Entlang der südwesteuropäischen Mittelmeerküste und der südlichen iberischen Atlantikküste ist die Vielfalt an Plätzen unterschiedlichster Kategorien erfreulich groß. Selbst Marokko baut seine Campingplatz-Infrastruktur kontinuierlich aus. Insofern richtet sich dieses Buch einerseits an Einsteiger, die sich erstmals für das Thema erwärmen und hier inspirieren lassen möchten, andererseits an Profis auf dem Gebiet des Überwinterns, die neugierig sind auf Entdeckungen abseits des Bekannten und Bewährten.
Reisebestimmungen ändern sich
Unvermeidlich sind Anmerkungen zu der seit Frühjahr 2020 herrschenden Corona-Pandemie, durch die Reiserestriktionen zur neuen Normalität geworden sind. Eine dauerhafte Beendigung der Corona-Maßnahmen ist trotz weltweiten Impffortschritts zurzeit nicht absehbar (Stand September 2021). Das hat einerseits massive Auswirkungen auf das so selbstverständlich gewordene, weitgehend unkontrollierte Passieren von EU-Ländergrenzen. Andererseits kann unterwegs und am Reiseziel selbst nicht mehr vorausgesetzt werden, dass öffentliche Einrichtungen wie Museen oder touristische Sehenswürdigkeiten uneingeschränkt geöffnet sind. Erschwerend kommt hinzu, dass sich in Abhängigkeit der Virus-Verbreitung die gesetzlichen Vorschriften unter Umständen sehr kurzfristig ändern. Alle Angaben in den folgenden Kapiteln können nur Momentaufnahmen sein. Eine aktuelle und umfassende Informationsbeschaffung hinsichtlich Ein- und Ausreisebestimmungen wird deshalb für jeden Reisenden zum Pflichtprogramm. Es bleibt die Hoffnung, dass sämtliche Pandemie-Beschränkungen baldmöglichst aufgehoben werden können und wir unsere Reisegewohnheiten wieder in vertrauter Vor-Corona-Weise praktizieren können. Mit diesem Optimismus haben wir Autoren das vorliegende Buch geschrieben. Wir freuen uns, wenn Sie unsere Zuversicht teilen und sich für das Überwintern mit dem Wohnmobil begeistern lassen.

In Spanien bereits den Frühling genießen

Der Sonne entgegen
Der österreichische Schriftsteller Franz Grillparzer (1791–1872) hatte sicher noch nicht das winterliche Wohnmobilreisen im Sinn, seine Aussage dürfte jedoch zeitlos gültig sein: »Die Ärzte halten eine länger dauernde Reise, vorzüglich in südlichere Gegenden, für das einzige Mittel, meinem Körper und Geiste jene Spannkraft wiederzugeben, durch die allein alles Leben und Wirken bedingt wird.«
Gute Reise!
Nehmen Sie dieses Zitat zum Anlass, darüber nachzudenken, wie und wo Sie Ihren nächsten Winter verbringen möchten. Vielleicht bieten Ihnen auch die Erfahrungen und Erzählungen anderer begeisterter Überwinterer am Ende dieses Buches zusätzliche Inspirationen.
Mit dem Wohnmobil haben Sie die allerbesten Voraussetzungen, der grauen, kalten Tristesse daheim zu entkommen. Tauschen Sie mit einem Augenzwinkern einfach SAD gegen GLAD, traurig gegen froh. Besiegen Sie die saisonal-bedingte Störung oder Winterdepression (Seasonal Affective Disorder – SAD) und aktivieren Sie Ihre ganz persönliche, auf guter Lebensweise basierende Freude (Good Living Affective Delight - GLAD).
In diesem Sinne wünschen wir Ihnen viel Vorfreude auf das erstmalige oder nächste Überwintern, eine wohltuende und abwechslungsreiche Zeit im sonnigen Süden und allzeit gute Fahrt!
Petra Lupp und Martin Klug

Einsame Strände locken
Wer sind diese Überwinterer eigentlich?

Sonne, Strand und Meer, Calpe im Winter

Genussmenschen jeden Alters
»Das ist doch nur was für Rentner«, heißt es häufig, wenn die Sprache auf das Thema kommt. »Falsch«, möchte man sofort entgegnen, wohl wissend, dass die Senioren tatsächlich den größten prozentualen Anteil aller Überwinterer stellen. Zutreffend ist aber auch, dass immer mehr Zielgruppen für sich Möglichkeiten erkennen, die Auszeit vom Winter zu realisieren.
Da sind einerseits Berufstätige, die ihre Arbeit von unterwegs aus verrichten können. Was früher ausschließlich den als »digitale Nomaden« titulierten Berufsgruppen zugeschrieben wurde, hat sich inzwischen um zahlreiche Berufsbilder erweitert. Was es da alles zu berücksichtigen gibt, schildern wir später ausführlicher (siehe S. 27).
Auszeit vom Job
Eine andere Gruppe sind Beschäftigte, die sich eine Auszeit vom Job nehmen können. Nicht jedes »Sabbatical« erstreckt sich über ein ganzes Jahr und beinhaltet exzessiven Reisekonsum exotischer Destinationen. Etliche nutzen die freiwillig arbeitslose Zeit, um einen Lebenstraum zu verwirklichen. Das kann der lang gehegte Wunsch sein, den Segelschein zu machen, eine Fremdsprache oder das Golfspielen zu erlernen oder das eigene Buch zu schreiben. Wenn sich für solche Vorhaben Wunsch, Wetter und Wohnmobil auf geradezu ideale Weise kombinieren lassen, ist die Entscheidung leicht gefällt.
Das staatlich finanziell unterstützte Angebot der Elternzeit wird von Alleinerziehenden und Paaren gern genutzt, als junge Familie intensiv Zeit miteinander zu verbringen. Was liegt näher, als durch geschickte Planung von Elternzeitansprüchen und Urlaubstagen die maximal mögliche Reisedauer für gemeinsame Erlebnisse herauszuholen? Das Reisen mit dem Campervan ist da eine oft gewählte Variante, Südeuropa das bevorzugte Ziel, der mediterrane Winter eine willkommene Reisezeit.
Weitere Gruppierungen bestehen aus Personen, die sich bereits im Vorruhestand befinden oder für ein Altersteilzeitmodell entschieden haben. Sie genießen die vorzeitig verfügbar gewordene Lebensfreizeit mit ausgedehnten, terminlich frei bestimmbaren Touren. Reisen in teuren Hochsaisonzeiten mit Staus und überfüllten Campingplätzen gehören jetzt der Vergangenheit an.

Genusszeit beim Überwintern in der Sonne

Gut unterwegs in Marokko auch ohne 4 x 4

Elternzeit im Süden

Markthalle Valencia Folgende
Das Leben genießen
Andere wiederum sind berufsunfähig geworden. Dieser unglückliche Umstand fesselt sie jedoch nicht an den heimischen Stuhl, die diesbezügliche Rente lässt sich problemlos auch ins Ausland überweisen. Manche haben körperliche Einschränkungen, die ihnen aber im wärmeren Süden weniger Schwierigkeiten bereiten. Die Orts- und Klimaveränderung führt oftmals zu geringerem Medikamentenverbrauch, einhergehend mit einem signifikant besseren Lebensgefühl für Körper und Geist.
Schließlich gibt es noch die Aussteiger, die als kreative Lebenskünstler ihre Zeit selbstbestimmt fernab der Heimat verbringen, und die glücklichen Privatiers, die ihre Lebenshaltungskosten unabhängig und aus der eigenen Tasche bestreiten.
Die zweifellos größte Gruppe unter den Überwinterern ist aber die der Rentner und Pensionäre. Sie sind die eigentlichen »Snowbirds«. Viele probieren es mit Eintritt in den Ruhestand zum ersten Mal, spätestens jetzt werden die Weichen für die kommenden Jahre gestellt. Wenn sich die letzten goldenen Herbsttage verabschieden, starten Tausende von ihnen aus allen mittel- und nordeuropäischen Ländern gen Süden. Aus sehr nachvollziehbaren Gründen: Die Unabhängigkeit, mit dem eigenen Wohnmobil jederzeit an jeden Ort aufbrechen zu können, übt eine große Anziehungskraft aus, die Aussicht auf warme Sonnentage sowie Urlaubsatmosphäre mit Strand und Meer ist nahezu unwiderstehlich. Ob allein, zu zweit oder im Verbund mit Freunden – zuverlässig setzt sich alljährlich im Herbst die weiße Karawane in Bewegung, um mit Beginn des heimatlichen Frühlings wieder nach Hause zurückzukehren.
Snowbirds im Alltag
Der Standortwechsel an die Mittelmeer- und Atlantikküste muss dabei nicht automatisch eine Einschränkung von Komfort und Gewohnheiten bedeuten. Zu Recht wird der temporäre Wohnmobil-Wohnsitz in Südeuropa oftmals als »zweite Heimat« tituliert. Campingplatzbetreiber haben sich optimal auf die Bedürfnisse der »Best Ager« eingerichtet. Überspitzt formuliert gleicht manch beliebter Mittelmeer-Campingplatz in Frankreich oder Spanien im Winter eher einer palmenbestückten Open-Air-Seniorenresidenz mit mobilen Wohneinheiten. Unterschiede zu daheim erschließen sich erst auf den zweiten Blick.
Beim Gästekreis der deutschsprachigen Überwinterer – stellvertretend für andere Nationalitäten und Sprachen – manifestiert sich dies in vielen Facetten des ausländischen Campingplatz-Lebens. Vieles wird in Deutsch oder mit Deutsch sprechendem Personal angeboten: Tageszeitungen und Magazine, Tagesmenüs mit vertrauter Küche, Animations- und Unterhaltungsprogramme, Bundesliga-Übertragungen mit importierten Kaltgetränken, organisierte Gruppenausflüge und vieles mehr. Selbst Kontakte zu Deutsch sprechenden Ärzten und Apothekern sind abrufbar und vermitteln Sicherheit für den Fall der Fälle. Bekannte Lebensmittel-Discounter sind in Frankreich, Spanien oder Portugal meist in gut erreichbarer Nähe angesiedelt, sodass der Wocheneinkauf ebenfalls einfach zu bewältigen ist.
Sozusagen als großen Sahneklecks obendrauf gibt es zu diesem Rundum-sorglos-Paket unbegrenzt Sonne, Wärme, Strand und Wasser gratis. Und ganz viel ausländisches Lokalkolorit, sobald die Komfortzonen der Parzelle und touristisch geprägten Einkaufs- und Gastronomieeinrichtungen verlassen werden. Besser kann die Überwintern-Sehnsucht kaum befriedigt werden.

Kilometerlange Sandstrände in Frankreich
Wem das zu viel des Guten ist, der wird seine Reiseroute auf individuelle Vorlieben abstimmen. Manch einer tingelt drei bis vier Monate von A nach B nach C und erkundet im wahrsten Sinne Land und Leute. Berufstätige und Selbstständige mit Verpflichtungen zu Hause sammeln sich die Tage und Wochen zusammen und genießen, bestens organisiert und terminiert, die Überwinterer-Auszeit im Süden, auch wenn es nur vier oder sechs Wochen sind. Was alle Gruppierungen jedoch verbindet, ist die gemeinsame Begeisterung für den Winter in der Sonne. Die anhaltend hohe Nachfrage in der Wohnmobilbranche wird diese Entwicklung in der Zukunft ganz sicher verstärken.

Auszeit als Weg, Auszeit als Lösung

Streunerkatze in Pflege
Suche nach Sinn und Engagement
Auf die Zusammenhänge von Sonne und Wohlbefinden beim Überwintern im Süden kommen wir noch zu sprechen. Aber oft sind die persönlichen Gründe, nun doch endlich loszuziehen, weitaus vielfältiger und auch altersunabhängig.
Während bei Berufstätigen drei bis vier Wochen noch eher als Urlaub gelten, sind zwei und mehr Monate – ohne unterwegs zu arbeiten – dann doch eher schon ein Sabbatical oder eine Auszeit vom Alltag. Und die wünschen sich viele Berufstätige und stark eingespannte Selbstständige sehr oft. Den Alltag hinter sich zu lassen und die Ruhe zu genießen ist dabei nur eine Facette. Neues zu erleben und zu entdecken eine weitere.
Frischer Wind für Kopf und Seele
Sich parallel auf Sinnsuche zu begeben, um Antworten zu finden – sei es im Zusammenhang mit einem Jobwechsel, der Partnerschaft oder allgemein mit der Zukunft –, kann ebenso starker Antrieb und Auslöser sein, um endlich Rucksack und/oder Wohnmobil zu packen. Im Kopf schwirren die Gedanken … eine Auszeit als Weg, eine Auszeit als Flucht, eine Auszeit als Lösung! Darum laufen so viele den Camino, also den Jakobsweg. Um sich selbst, ihre Kraft und Grenzen kennenzulernen bzw. sich (wieder) zu finden und im Idealfall mit Lösungen zurückzukehren. Etwas ebenso Alltbekanntes wie Richtiges sollte dabei aber bedacht werden: Eine Flucht vor mir und der Vergangenheit ist nicht möglich, jeder persönliche Rucksack ist immer und überall mit dabei.
Die Aus-Zeit effektiv zu nutzen bedeutet möglicherweise auch, lang ersehnte Fertigkeiten zu erlernen. Ob Yoga, Qigong, Tauchen, Kitesurfen, Töpfern, Kochen oder eine neue Sprache – erlaubt ist was gefällt oder angeboten wird. Vielleicht sind die geknüpften Kontakte und die Tätigkeit derart sinnstiftend, dass eine neue Lebensaufgabe daraus erwächst.
Ehrenamt und Projekte
Für viele ist ein Auslandsaufenthalt kombiniert mit ehrenamtlichem Engagement eine Herzensangelegenheit. Angebote gestalten sich da variantenreich: Da kann man sich um Streunerhunde oder -katzen kümmern, als Granny-Au-pair den Oma-Dienst leben oder bei Umweltprojekten mitarbeiten. Anregungen oder Interessensgruppen findet man oft über Social Media oder Gleichgesinnte.
Beliebt ist als kostengünstige Reisevariante zudem »Urlaub gegen Hand«. Hier stellt ein Suchender einen kostenlosen Stellplatz und/ oder Verpflegung zur Verfügung, als Gegenleistung hilft man stundenweise im Garten, versorgt Tiere oder – je nach Fähigkeit und Fertigkeit – assistiert bei der Renovierung von Haus oder Hühnerstall.
Die Tätigkeiten eines Housesitters sind selbstverständlich auch in dieser Variante möglich: Ausländische Hausbesitzer suchen auf Onlineportalen Freiwillige, die Haus, Hof, Garten und Tiere während ihrer Abwesenheit versorgen und betreuen. Je größer die Erfahrungen und positiven Rückmeldungen, umso schneller und einfacher wird zukünftig ein neuer Job als Housesitter gefunden. Manch einer spart sich so partiell die Reisekosten für Stell- und Campingplätze und lernt dabei noch Land und Leute hautnah kennen.
Freigeist sucht Freiraum
Die Gruppe der Aussteiger, Freigeister und (Lebens-)Künstler ist heterogen. Hat man sie früher als »Hippies« abschätzend belächelt oder fast abwertend als »Weltenbummler« tituliert, weil aus damaliger Sicht faul und damit unproduktiv für die Gesellschaft, sind sie und ihr Status heute im Ansehen enorm gestiegen. Einen Altersdurchschnitt zu definieren, ist schwierig bis unmöglich. Was vielleicht als Auszeit begann, endet manchmal mit dem Aussteigen aus Job, Partnerschaft, Gesellschaft und Heimatland. Unterschiedliche Lebensgeschichten, Krankheiten oder Schicksalsschläge, aber auch Sehnsüchte und Wünsche beeinflussen den Entschluss, neu zu beginnen und alles zu verändern. Minimalistisch oder als Selbstversorger zu leben ist für einige dann die Erfüllung. Manche Familien verschreiben sich dem freien Lernen, kehren Deutschland deshalb den Rücken und gestalten sich ihr Leben, wie es ihnen gefällt.
Finanzierungsoptionen
Wer am Überwintern interessiert ist bzw. Wohnmobilisten, die Gefallen am partiellen Leben im Süden gefunden haben, organisieren ihr Leben schon mal neu, um sich den Langzeitaufenthalt insbesondere im Rentenalter finanziell und organisatorisch leisten zu können. Oftmals ist ein Tausch bzw. Verkauf von Haus mit Garten oder großer Wohnung gegen den Umzug in eine kleinere, pflegeleichtere oder günstigere Wohnung zu Hause die erste Wahl. So werden Kosten für Miete und Nebenkosten und der Pflegeaufwand von Haus und Garten minimiert. Ganz ins Wohnmobil zu ziehen ist als minimalistische Lösung ebenso eine Option, dann wird Überwintern ein Teil des persönlichen Lifestyles und des normalen Alltagslebens. Manche kalkulieren in diesem Fall mit ganz spitzer Feder die reduzierten Lebenshaltungskosten sowie gesparte Heiz- und Mietkosten in ihre Budgetplanung mit ein.

Zeit für Ruhe und Meditation

Der legendäre Caminito del Rey

Arbeiten mit Aussicht
Arbeiten unterwegs und überall
Wer bereits ein Business in den Bereichen Text, Übersetzung, Grafik, Beratung, Online-Vertrieb, Online-Coaching, Programmierung, Webdesign oder Virtuelle Assistenz (VA) hat und zudem ein Wohnmobil oder einen Van sein Eigen nennt, wird ganz schnell feststellen, dass genau diese Tätigkeiten sich ebenso von unterwegs erledigen lassen. Und schon springt das Bild des hippen digitalen Nomaden ins Gedächtnis. Denn was suggerieren die top colorierten, mit Power produzierten Blogs, Vlogs und Insta-Fotos doch gleich: Pure Freiheit beim Arbeiten unter Palmen, Tablet oder Laptop mal schnell unter den Arm geklemmt, nur zwei Stunden täglich im Job und danach an den Strand. Zeitgleich verdient man ja Unmengen von Geld, und das Leben ist eine einzige Party. Der Haken? Das gezeichnete Bild ist perfekt – und daher leider unrealistisch.
Zugegeben, Teile der Träume sind umzusetzen. Das wissen gerade wir Autoren sehr gut, haben wir in diesem Jahr doch bereits zwei Bücher unterwegs im Reisemobil geschrieben. Das andere … nun ja, belassen wir es dabei, dass in Social Media nicht Realitäten hinterfragt werden wollen, sondern der schöne Schein optimal in Szene gesetzt sein muss.
Die durch die Corona-Pandemie nochmals beschleunigte Tendenz zum mobilen Arbeiten bis hin zu gesetzlichen Ansprüchen auf Homeoffice, werden auch das Thema »Überwintern« verstärkt in den Fokus all derjenigen rücken, die ihren Job von unterwegs und damit von überall ausüben können. Schnelles und stabiles Internet vorausgesetzt, sind Livestreams und Videokonferenzen zum normalen Arbeitswerkzeug geworden. Im Folgenden dazu ein paar ganz praktische Überlegungen.
Homeoffice braucht Strom
Clevere Camper-Anbieter versuchen aktuell mit pfiffiger Beratung das sogenannte Büromobil zu verkaufen. Dabei ist es einfach und mit wenigen Mitteln möglich, das vorhandene Wohnmobil zum Teilzeit-Büromobil aufzurüsten. Persönliche Camping- und Arbeitsgewohnheiten sowie die bereits bestehende Ausstattung werden dabei einfach integriert.
Geräte wie Laptop und Smartphone, Drucker oder Scanner benötigen für einen sechs- bis achtstündigen Arbeitstag mehr Strom als die vorhandene, einmal aufgeladene Bordbatterie zusätzlich zur Akkuleistung geben kann. Voraussetzung ist also die Ausstattung mit Solaranlage und Wechselrichter, bei schönem Wetter sorgen beide in Kombination für gleichbleibenden Strom-Nachschub. Günstige Alternative ohne Umrüstung: Wer sowieso immer auf Stell- und Campingplätze fährt und dort an den Landstrom geht, benötigt keine teuren zusätzlichen Solarplatten. Alle Geräte funktionieren einwandfrei über Landstrom. Ein zusätzlicher Mehrfachstecker erspart das Umstecken.
Platz für Equipment
Bei der Kaufentscheidung für ein Wohnmobil spielen Personenanzahl und Urlaubsverhalten bzw. Reisebedürfnisse eine Rolle. Kommt das Online-Arbeiten unterwegs dazu, werden die Karten neu gemischt. Je nachdem wie viele Geräte zum optimalen Arbeiten benötigt werden, heißt es nun gleich doppelten Platz zu finden. Zum einen zum rutschfesten und sicheren Verstauen außerhalb des öffentlichen Sichtfelds für Laptop, Drucker, für Scanner und Arbeitsunterlagen oder einen zweiten Bildschirm. Hierfür eignen sich Klappen, Schränke oder Staufächer im Zwischenboden bzw. unterm Bett im Kastenwagen. Vielleicht sogar noch zusätzlich eingepackt in einen diebstahlsicheren Rucksack. Dieser Stauraum fehlt dann natürlich für Lebensmittel, Kleidung oder Geschirr. Aber Wohnmobilisten werden mit der Zeit zu echten Packprofis. Andererseits braucht mehrstündiges Arbeiten im Wohnmobil auch immer Platz auf dem Tisch, das ist effektiver und rückenschonender. Betrifft das alles dann gleich zwei Personen, wird es in vielen Wohnmobilen, insbesondere in Kastenwagen, so richtig eng auf dem schmalen Tisch. Bei schönem Wetter kann der Platz draußen unter der Markise erste Wahl sein, doch gerade im Winter, oder wenn Geräusche die Videokonferenz stören, ist das Arbeiten im Wageninneren einfach besser.
Steht also bei Ihnen sowieso der Kauf eines neuen Wohnmobils an, lohnt es sich, dieses Platzthema mit zu berücksichtigen. Manche Fahrzeuganbieter punkten im abteilbaren Schlafzimmer mit Hubbett sowie darunter integrierten zwei Office-Plätzen, die mit gedrehten Fahrer- und Beifahrersitzen nutzbar sind. Ein großer Tisch in teilintegrierten bzw. vollintegrierten Wohnmobilen bietet ebenso Platz für zwei Laptops.
Internetprobleme vermeiden
Auf Campingplätzen gibt es meist rund um Restaurant oder Rezeption, manchmal auch auf dem ganzen Platz guten Internetempfang. Sollte es dazu aber keine separate Login-Möglichkeit, sondern nur freies Netz für alle geben, ist dies zwar eine Option, aber sicherheitstechnisch nicht die erste Wahl. Zudem sind Schwankungen bei der Datenübertragung zu bestimmten Hoch-Zeiten vorprogrammiert. Besser, unkompliziert und ganz privat funktioniert da der eigene Hotspot übers Smartphone. Vor Abreise ins europäische Ausland empfiehlt es sich, das im Mobilfunkvertrag garantierte Datenvolumen an den tatsächlichen Verbrauch anzugleichen und den Vertrag ggf. zu erhöhen oder den Anbieter zu wechseln. Alternativ können bei Bedarf zugekaufte SIM-Karten im Ausland günstiger sein.

Genug Platz für zwei Arbeitsplätze

Homeoffice im Liner

Arbeitsplatz mit Aussicht
Wer auf Nummer sicher gehen möchte und ein über Stunden stabiles Netz für Online-Coachings oder Schulungen benötigt, wird eine zusätzliche Fahrzeugantenne für eine zuverlässige und schnelle LTE-Datenübertragung einbauen lassen. Sie erlaubt den sicheren Zugriff auf Medien und Dokumente über VPN und baut ein leistungsstarkes WiFi inner- und außerhalb des Fahrzeugs auf. Sie bietet sich als sicheres, eigenes Netzwerk ebenso für die Datenspeicherung in der Cloud an.
Kommunikation nach außen
Smartphone und Mails machen es möglich, die Kommunikation mit Kunden, Dienstleistern und Kollegen flexibel von überall in der Welt zu realisieren. Zeitunterschiede einkalkuliert, merkt der Gesprächspartner noch nicht mal, wo genau man gerade ist, wenn das Überwintern nicht offensiv angesprochen wird. Wäre es vor Jahren noch verpönt gewesen, sich außerhalb des Büros aufzuhalten, wachsen heute die gesellschaftliche Akzeptanz und das Interesse dafür. Könnte gut sein, dass sich bei offensivem Ansprechen ein sympathischer und angeregter Smalltalk entwickelt, der zudem Kundenbindung schafft.
Co-Working-Space
Eindeutige Gründe sprechen dafür, mal einen Tag dem Wohnmobil untreu zu werden und sich in einem Co-Working-Space einzubuchen. Das eigene Internet reicht normalerweise für Mails usw. aus, aber an diesem Tag braucht man für das Zoom-Meeting oder die große Datenübertragung ein leistungsfähiges Netz. Vergleichbar den früheren Business-Centern in großen Hotels, ergänzt die dortige Infrastruktur das eigene Büro. Als Einzelreisender fällt einem vielleicht die Wohnmobildecke auf den Kopf und eine gesellige Runde sowie der Austausch mit Gleichgesinnten hilft dem emotionalen Wohlbefinden und bringt gleichzeitig neue Kontakte. Und wer mit Familie reist, ist möglicherweise bei schlechtem Wetter froh, mal einen ruhigen Arbeitsplatz vorzufinden.
Rechnungsstellung von unterwegs
Gewerbeanmeldung und Steuernummer bleiben für Überwinterer bestehen, wenn der Unternehmenssitz am Heimatort bleibt. Onlinebanking und die vom Finanzamt anerkannte Online-Rechnungsstellung sind daher unterwegs praktische Begleiter. Wichtig ist auch, für den Steuerberater die Buchhaltungsunterlagen vorzubereiten und Abgabefristen einzuplanen. Ein Scanner leistet da gute Dienste.
Ich muss vor Ort sein
Wichtige Kunden- und Messetermine stehen oft langfristig fest. Sind Geschäftsreisen absehbar, können Rückflüge während einer Wohnmobil-Rundtour frühzeitig eingeplant und kostengünstig gebucht werden. In diesem Fall werden die eigene Reiseroute um besagten Rückflugtermin herum geplant sowie ein sicheres Unterstellen des Wohnmobils im Reiseland organisiert. Nach Beendigung des Termins wird die Reise weiter fortgesetzt. Das Engagement und die Investition, um für Projektabwicklung, Messebesuch und Kundenpflege im Heimatland präsent zu sein, werden vonseiten der Auftraggeber wertgeschätzt und zahlen sich auf lange Sicht aus.
Remote-Jobs, passives Einkommen
Wenn versicherungs- und ablauftechnisch zwischen Arbeitnehmer und -geber alles geklärt ist, steht selbst Angestellten einem Langzeitaufenthalt inklusive Arbeit im mobilen Homeoffice nichts mehr im Weg. Einige Unternehmen vergeben bereits jetzt Arbeitsstellen, bei denen grundsätzlich remote, also mobil und aus der Ferne, gearbeitet werden darf. So gibt es nicht mehr die Entscheidung: Kündigung oder Sabbatical versus Arbeit, sondern einfach die Kombination aus Arbeit und Reise.
Zum Stichwort »Passives Einkommen und Onlinekurse« noch ein paar offene, wenngleich vielleicht ernüchternde Worte: Man erinnere sich an die Goldgräberstimmung – reich geworden sind damals vor allem diejenigen, die Schaufeln und Pfannen verkauft haben, um den Goldgräbern das Schürfen und Waschen zu vereinfachen. So sieht es heute leider in einigen Bereichen auch wieder aus. Onlinekurse sprießen aus dem Boden, wie man ganz schnell entweder zu passivem Einkommen kommt oder digitaler Nomade wird. Um mit Affiliate-Programmen viel Geld zu verdienen, müssten der Traffic auf der eigenen Homepage schon enorm und die Provisionen entsprechend hoch sein. Aufbau und Pflege bedeuten bei allen wohlwollend klingenden Abrechnungskonzepten immer auch Arbeit und Aufwand. Wer noch kein Business hat, das er zukünftig online oder ortsunabhängig betreiben kann, wird sich schwer tun, kurzfristig Kunden und Partner zu akquirieren, mit denen man langfristig und loyal zusammenarbeiten kann.
Handwerk unterwegs
Es scheint, als wären nur die Marketing- und Onlineberufe prädestiniert, zum Überwintern in den Süden aufzubrechen. Doch auch handwerklich begabte Menschen können im Ausland Arbeit mit Überwintern in der Sonne kombinieren: über Gelegenheitsjobs, partiell da auszuhelfen wo gerade Personalmangel herrscht, wie Ernte oder Renovierungsarbeiten. Selbstständige Handwerksmeister akquirieren und übernehmen alternativ bereits im Vorfeld feste Aufträge und erarbeiten sich so zum heimischen Schlechtwetterloch einen zufriedenen Kundenkreis im Süden. Und wieder andere generieren Einnahmen mit Kunsthandwerk, Massagedienstleistungen, Feuertanz oder Straßenmusik, um sich das Überwintern zu finanzieren.

Schattiges Office unter Korkeichen
Vorbereitungen und Vorfreude

Exklusive Strandtage im Winter

Wohnmobil und Hund – tolle Kombi!

Überwintern und Golfspiel ebenso!

Start, Ziel und Dauer
Überwintern ist ein sehr dehnbarer Begriff, und somit definiert auch jeder »dem Winter entfliehen« anders. Für die einen beginnt der Winter schon mit den letzten warmen Spätsommertagen im September. Sich abzeichnende kürzere und kühlere Tage verursachen erste Fluchtgedanken. Andere möchten unbedingt noch zu Hause die Adventszeit mit Lichter- und Weihnachtsmarktatmosphäre genießen. Der Verzicht auf Lebkuchen und Glühwein, gebrannte Mandeln und Dominosteine ist für sie ein absolutes No-Go.
Hinsichtlich der Feiertage rund um Weihnachten und Jahreswechsel können die Einstellungen ebenfalls weit auseinandergehen. Singles und Ruhesuchende fiebern dem rechtzeitigen Aufbruch vor der Feiertags-Rallye entgegen und möchten Weihnachten und Silvester unbedingt schon am Mittelmeer verbringen. Sonne und Strand statt Gans und Geböller! Familienmenschen freuen sich dagegen auf das besinnliche oder ausgelassene Zusammensein in großer Generationen-Runde. Für sie kann das Überwintern frühestens nach Beendigung sämtlicher Feste beginnen. Insofern gibt es keinen richtigen oder falschen Zeitpunkt für die Reise in den Süden, individuelle Präferenzen bestimmen den Start.
Wohin denn diesmal?
Die Frage nach dem Reiseziel dürfte für die Mehrheit schwieriger zu beantworten sein. Überwinterer-Destinationen locken mit ganz unterschiedlichen Pluspunkten und gestalten den Entscheidungsprozess komplexer. Sofern die Wünsche von mindestens zwei Personen zu berücksichtigen sind, gilt es, sich möglichst frühzeitig hinsichtlich persönlicher Vorstellungen zu einigen. Die intensive Auseinandersetzung mit der Thematik ist essenziell, denn der Erfolg eines gelungenen Überwinterns hängt maßgeblich davon ab, ob die daran geknüpften Erwartungen für alle weitgehend erfüllt werden können. Was nach einer einfachen Übung klingt, entwickelt sich schnell zu einem größeren Fragenkomplex.
Welches Reiseziel soll es sein bzw. soll es dieses Mal sein? Werden auf dem Weg dorthin die Transitländer nur durchfahren oder zum Entdecken neuer Regionen genutzt? Ist der Standort zum Überwintern ein fester, vielleicht seit Jahren vertrauter Campingplatz mit vorab reservierter Parzelle oder sind neue Plätze eine willkommene Alternative? Überhaupt: Ist die schnellstmögliche Anfahrt zum Ziel erstrebenswert oder ist der Weg das Ziel? Welche Möglichkeiten muss der Platz bieten, um die Hobbys vor Ort ausleben zu können? Während sich der eine Partner auf lange Strandspaziergänge, dicke Bücher und lokale Küchenspezialitäten freut, fiebert der andere vielleicht ausgedehnten Radtouren, Herausforderungen auf Golfplätzen und geselligen Camper-Runden entgegen.
Fahren Kinder mit, sind altersabhängig weitaus mehr Aspekte zu berücksichtigen. Ist die Anreisezeit auf sie abgestimmt? Bietet der Campingplatz ein kindgerechtes Animationsprogramm oder bewachte Pools? Ist der Strand nah, sauber und flach ins Meer abfallend? Welche Alternativen gibt es bei Schlechtwetter-Perioden?
Tierhalter wiederum werden prüfen, wo sie mit Hund, Katze & Co willkommen sind bzw. welche Einschränkungen sie zu akzeptieren bereit sind. Gibt es ausgewiesene Hundestrände in der Nähe? Welche veterinärmedizinischen Vorschriften gelten bei der Ein- und Ausreise? Wie verträglich sind die Höchsttemperaturen vor Ort für die Tiere? Alle Aspekte unter den einen sprichwörtlichen Hut zu bekommen, dürfte illusorisch sein. Wenn jedoch in einem frühen Stadium das Gespräch mit allen Mitreisenden geführt wird, können die zahlreichen Puzzleteile individueller Erwartungen zu einem gelungenen Gesamtbild werden. Im Idealfall lassen sich viele der unterschiedlichen Interessen bei einem oder mehreren gemeinsamen Reisezielen verwirklichen.
Wann geht es endlich los?
Am leichtesten ist letztlich, die Dauer des Überwinterns zu bestimmen. Entweder legen berufliche oder persönliche Termine zu Hause das Rückkehrdatum fest oder die Rückreise wird vor Ort aufgrund von Wetter und spontanen Entscheidungen terminiert. Berufstätige haben in der Regel feste Termine, zu denen sie spätestens zurück am Arbeitsplatz sein müssen, und auch Familien in Elternzeit sind an Fristen gebunden. Selbstständige und Angestellte, die ihren Job von unterwegs ausüben können, sind da deutlich flexibler. Unaufschiebbare berufliche Termine mit persönlicher Anwesenheit müssen nicht zwangsläufig das Ende des Überwinterns bedeuten.
Völlig entspannt können hingegen Rentner, Pensionäre, Vorruheständler, Altersteilzeit-Arbeitnehmer und Privatiers ihre Aufenthaltsdauer definieren. Nach Lust und Laune loszufahren, sich vom Moment treiben zu lassen und keine festen Termine mehr beachten zu müssen, kann die grenzenlose Freiheit bedeuten. Zur Verwunderung aller Berufstätigen steckt jedoch dieser Personenkreis des Öfteren trotzdem in einem unvermuteten Zeitkorsett: Geburtstage, Jubiläen, Hochzeiten und insbesondere die schmerzlich vermissten Enkelkinder werden immer wieder als Gründe genannt, das Überwintern mit festen Rückkehrdaten zu befristen. Anderes, wie beispielweise das Aufwecken der zu Hause gelassenen Schildkröte aus dem Winterschlaf, sind skurrile, aber glaubhaft überlieferte Ausnahmen.
Unabhängig von Reiseziel und Aufenthaltsdauer: Die gemeinsame Motivation zum Überwintern sind die Aussicht auf Sonne und Meer, das bewusste Eintauschen von Kälte gegen Wärme, der Streichelfaktor für das persönliche Wohlempfinden.

Radfahren bei schönstem Wetter

Überwintern unter Palmen
Vorteile der Nebensaison
Den Winter unter Palmen zu verbringen kann wunderbar sein, wenn sich die Erwartungen an diese Zeit erfüllen. Voraussetzung ist, dass diese Erwartungen realistisch sind. Dabei hilft, sich zu vergegenwärtigen, was in der knapp bemessenen Hochsaison in den beliebten Urlaubsregionen rund um Mittelmeer und Atlantik passiert. Das Sommergeschäft im Juli und August brummt in bewährter Manier und lässt die Kassen klingeln. Extrem hohe Auslastungsquoten zaubern den Anbietern ein zufriedenes Lächeln ins Gesicht. Auf der Schattenseite stehen Ermüdungserscheinungen bei Personal und Material. Am Übergang zur herbstlichen Nebensaison wird bei zahlreichen Dienstleistungen und Öffnungszeiten mindestens ein Gang runtergeschaltet. Mit Beginn der winterlichen Nebensaison und stark abnehmenden Gästezahlen kommt der Tourismus-Motor dann vielerorts völlig zum Erliegen.
Wenn die dunkle Jahreszeit naht
Etliche Anbieter, die vom Tourismus leben, schließen mit Einsetzen des unbeständigeren Wetters ihr Geschäft für den Publikumsverkehr bis zum Frühjahr. Jetzt ist die Zeit gekommen, dringend fällige Renovierungsarbeiten vorzunehmen, Kapazitäten durch Umbaumaßnahmen zu erweitern und Fassaden neu anzustreichen. Wer im Winter durch Einkaufspassagen und Restaurantviertel spaziert, hört es allerorten klopfen, hämmern und bohren. Die Szenerie wirkt auf surreale Weise einsam, obwohl hinter den Kulissen rege Geschäftigkeit herrscht.
Es ist für die angesprochene Erwartungshaltung sehr wichtig, sich auf das stark reduzierte Angebot einzustellen. Das erste Date mit einem winterlich verwaisten Tourismusort birgt hohes Frustpotenzial. Noch nicht einmal eine Einladung zum Essen kann die Stimmung heben, wenn weit und breit kein ansprechendes Restaurant geöffnet hat. Einen touristischen Hotspot im Sommer zu erleben kann schockähnliche Gefühle auslösen – im Winter allerdings ebenso. Nun gilt es, die Vorteile in der hoffentlich sonnigen, aber ruhigen Winteratmosphäre zu entdecken und für sich zu nutzen. Und davon gibt es überraschend viele.
Plätze und Preise
Den Anfang machen die Betreiber von Stell- und Campingplätzen. Obwohl viele ihre Plätze im Oktober schließen, bleibt ausreichend Auswahl übrig, um die Nachfrage auch in den Wintermonaten zu bedienen. Diese Betreiber sehen in den Überwinterern eine willkommene Klientel, um ihren Betrieb ganzjährig geöffnet zu halten. Für ihre Gäste geht die geringere Platzauslastung mit einer größeren Auswahl verfügbarer Parzellen einher. Reservierungen werden in aller Regel entbehrlich, die Winter-Preisliste weist bereits reduzierte Stellplatzkosten aus. Für Langzeitaufenthalte wird zusätzlich mit attraktiven Rabatten geworben, die oftmals schon ab einer Woche starten und bei mehrmonatigen Buchungen erheblich das Budget entlasten können.

Wintertristesse im Touristen-Hotspot

Blick vom Stellplatz zum Felsen von Gibraltar

Guide in Isla Cristina

Geselliges Pétanque mit Freunden
Es ist nachvollziehbar, dass mit der geringeren Gästezahl und den eingeräumten Preisvorteilen auch ein Herunterfahren des sonst üblichen kompletten Angebots einhergeht. Tägliche Animation und wechselnde abendliche Showprogramme finden auf den großen Campingplätzen, wenn überhaupt, auf eingeschränktem Niveau statt. Gastronomische Angebote konzentrieren sich auf die Cafeteria/Bar mit kleiner Speisekarte, während Hauptrestaurant sowie Pool- und Beachbar geschlossen bleiben.
Städte im Winterschlaf
Solche Einschränkungen treffen auch auf Anbieter außerhalb des Stell- und Campingplatzes zu. Besichtigungsfahrten und Führungen zu den Natur- und Kulturattraktionen der Umgebung finden nicht oder nicht mehr so regelmäßig statt. Souvenirläden, Reisebüros und Boutiquen werden für Monate geschlossen. Auch die Mehrheit der Restaurants, Bars und Cafés fällt in den Winterschlaf. Entlang touristischer Flaniermeilen, die im Sommer vor lauter Menschen überquellen, sind dann selbst Bäckereien, Lebensmittel-Einkaufsmärkte und Touristen-Informationen größtenteils zu. Stadtbesichtigungen sind aber während dieser Zeit besonders verlockend. Lassen im Sommer extreme Hitze und intensiver Verkehrslärm das Entdecken einer historischen Altstadt zur Tortur werden, so fördern mildes Klima und geringer Besucherandrang jetzt das Interesse selbst bei denjenigen, die ansonsten mit alten Steinen und Jahreszahlen nicht viel anfangen können.
In der Ruhe liegt die Kraft
Was also vordergründig negativ erscheinen mag, entpuppt sich auf den zweiten Blick als Vorteil. Zumindest für diejenigen, die in der Ruhe einen Mehrwert sehen. Jetzt ist die Zeit für ausgedehnte Strandspaziergänge, ohne Sonnenschirme und Sandburgen umkreisen zu müssen. Einen ganzen Strand fast für sich allein zu haben, ist an Mittelmeer und Atlantik im Winter tatsächlich möglich.
Wenn auch nur noch Hartgesottene im Meer schwimmen, so bleibt doch immer noch die Möglichkeit, barfuß über den Sand zu gehen und das Wasser an den Füßen zu spüren. Sich den Wind um die Nase wehen zu lassen, den Blick auf Meer und Horizont gerichtet, den Wellenschlag hören … all das ist Balsam für die Seele.
Die Natur entfaltet nun ihren ganz spezifischen Zauber und ist überwiegend noch grün. Wanderer und Radfahrer finden jetzt optimale Bedingungen vor. Wenige Kilometer abseits einer touristisch geprägten Umgebung wird es herrlich leise und entspannend. Wer sich von dieser Atmosphäre einfangen lässt, vermisst den Hochbetrieb im Sommer nicht. Das trifft auch auf alle Wohnmobilisten zu, die verkehrsarme Strecken zu ausgiebigen Ausflügen nutzen, denn auch Staus und Parkplatzprobleme sind kein Thema. Wenn das Wohnmobil auf dem Campingplatz stehenbleibt, kommen Roller, Motorrad & Co. zum Einsatz. Relaxtes Cruisen bei frühlingshaftem Wetter ist für viele die Traumkombination schlechthin.
Wetter, Wärme, Wohlbefinden
»Wenn ich im Winter zu Hause rausgehe, muss ich auf Schnee und Glatteis achten. Das ist nichts mehr für meine Knochen!«, so beginnen oft die Erklärungen der Best-Ager und Senioren, warum sie sich im winterlichen Süden wohl fühlen. Wirken sich doch nasskaltes Wetter, die kurzen, dunklen Tage und die damit verbundenen psychischen Beschwerden bekanntlich negativ auf das Wohlbefinden aus – umgekehrt beeinflussen mehr Tageslicht und Sonnenstrahlen die Gesundheit positiv. Geringerer Medikamentenverbrauch bei Rheuma und Arthrose sind weitere Pluspunkte, der Sonne entgegenzureisen. Das Leben findet draußen und unter Gleichgesinnten statt, und dank der kurzen Wege können auch weniger fitte und bewegliche Menschen noch aktiv am geselligen Leben teilnehmen.
»Geht nicht auf das Wetter los. Wenn es sich nicht hin und wieder ändern würde, könnten neun von zehn Leuten kein Gespräch beginnen«, sagte einst der amerikanische Humorist Kin Hubbard (1868–1930). Wie wahr – und für das Überwintern sicher besonders zutreffend. Denn was gibt es Schöneres, als angesichts der Wettermeldungen aus der Heimat über die besseren Bedingungen vor Ort zu frohlocken? Wenn frühmorgens das Leben auf der Parzelle erwacht und sich die Camper aus dem Wohnmobil schälen, haben die ersten Dialoge zuverlässig das Wetter zum Thema. Bisweilen kann das auf den stillen Beobachter so wirken, als brauche man gegenseitig die Bestätigung, mit dem Überwintern die eindeutig richtige Entscheidung getroffen zu haben.

Wintersonne gefunden!
Selbst wenn die Temperaturen nicht mehr T-Shirt-geeignet sind, wird das im direkten Vergleich zu Minusgraden und Graupelschauern daheim als angenehm empfunden. Dunkle Regenwolken am Vormittag, die es selbstverständlich auch hier gibt, verziehen sich im Tagesverlauf oft wie von Zauberhand. Das berühmte Zwiebel-Outfit wird ohnehin zum bewährten Allzweckmittel. Shirt, Fleece-Pulli, Softshell-Jacke, Mütze und wetterfestes Schuhwerk gehören zur Haute Couture aller Überwinterer und machen die Strandpromenade zum Laufsteg der »Silver Surfer« (zugegeben, es gibt erfreuliche Ausnahmen!). Sobald sich die Sonne. Ja, zugegeben, es gibt auch Ausnahmen! Sobald sich die Sonne wieder ihren Weg durch die Wolken bahnt und die Temperaturen steigen, entblößen sich die sonnenhungrigen Winternomaden bis auf die braungebrannte Haut und genießen die wohltuende Wärme mit jedem Atemzug.
Alltagsleben
Mehrere Wochen oder Monate in fremden Gefilden bedeuten bei aller Freude übers Reisen, dass trotzdem der Alltag ins Wohnmobilleben Einzug hält. Dazu gehören dann eben auch Wäschewaschen, Einkaufen, Putzen oder der Friseurbesuch. Alle seit Jahren »sesshaften« Überwinterer wissen genau, wo sie welche Dienstleistung bekommen. Oft sind Campingplätze und Stellplätze darauf eingerichtet, Waschmaschine und Trockner oder die separate Hundedusche mit Hundedecken-Waschmaschine ersparen lange Wege. An festgelegten Tagen nehmen Friseure Terminbuchungen entgegen. Zum Reinigen des Wohnmobils gehören Teleskopstange und Eimer für außen sowie Kehrblech, Akkustaubsauger und Wischlappen für innen bei vielen Wohnmobilisten zur Standardausstattung – inklusive oft eindeutiger Aufgabenteilung! Reisende Überwinterer suchen sich unterwegs den Waschsalon oder einen Supermarkt. Frisch und regional bieten Wochenmärkte oder Fachgeschäfte auch im Winter ihre landestypische Vielfalt an.

Waschsalon in Spanien

Reichhaltige Käsetheke in Frankreich

Kleines Kennzeichen? 1. März beachten!

Minisafe für Dokumente und Wertsachen
Checkliste für zu Hause und unterwegs
Wenn Sie zu den Menschen gehören, die immer alles im Kopf abrufbereit haben, können Sie dieses und das nächste Kapitel guten Gewissens überspringen. Allen anderen werden Checklisten gute Dienste erweisen. Solche Gedankenstützen erheben zwar keinen Anspruch auf individualisierte Vollständigkeit, sind aber hilfreich, um an fast alles zu denken. Ein Anfang ist damit sicher gemacht. Nach und nach, ausgerichtet an den ganz persönlichen Gegebenheiten, lässt sich die Liste optimal erweitern.
Abonnements
Zeitungs- und Zeitschriften-Abos können an eine abweichende Zustelladresse nachgesendet werden. Überwinterer mit längerfristigem Aufenthalt an einem festen ausländischen Standort sollten frühzeitig die Verlage informieren, um auch in der Ferne ihre Lektüre genießen zu können. Wohnmobilisten mit häufiger wechselnden Reisezielen stehen vor anderen Fragen: Kündige ich das Abonnement, lasse ich die Zustellung pausieren, wandle ich grundsätzlich in ein Digitalabo um oder spende ich die Printausgaben während meiner Abwesenheit für soziale Zwecke (z. B. Krankenhaus, Altenheim)? Auch die Nachbarn, die sich um die Post kümmern, sind möglicherweise interessiert.
Abwesenheitsinformation
Wer wird informiert, dass das Zuhause längere Zeit unbewohnt ist? Familie, Freunde, Nachbarn, Hausverwaltung? Bitte bedenken Sie, dass Hausratversicherungen in ihren Bestimmungen von einer »ständig bewohnten« Unterkunft ausgehen und der Versicherungsschutz befristet sein kann. Ein Blick in die Versicherungsbedingungen verschafft Aufklärung und erfordert eventuell bei längerer Abwesenheit entsprechende Vorkehrungen.
Arztbesuche
Es ist empfehlenswert, vor Reisebeginn zumindest einen gedanklichen Gesundheits-Check beim Haus- bzw. Facharzt sowie beim Zahnarzt zu machen. Müssen regelmäßig Medikamente eingenommen werden, von denen ein Vorrat eingepackt werden sollte? Fehlen noch Impfungen? Frühzeitige Planung hilft in jedem Fall, längere Termin-Wartezeiten stressfrei zu überstehen.
Tierhalter denken an den Check beim Tierarzt bezüglich Impfungen, Chip-Kennzeichnung und EU-Heimtierausweis. Bei der Einreise nach Marokko ist zusätzlich ein amtstierärztliches, höchstens zehn Tage altes Gesundheitszeugnis in französischer oder englischer Sprache vorgeschrieben.
Banken
Bei Banken und Kreditkartenorganisationen bitte prüfen, ob die Karten für Bargeldabhebungen im Ausland freigeschaltet sind, in welcher Höhe Limits bestehen und welche Gebühren anfallen.
Sind für regelmäßige Zahlungen Daueraufträge bzw. Lastschriften eingerichtet? Müssen eventuell Daueraufträge zu einem bestimmten Zeitpunkt gelöscht werden, da die Zahlungsverpflichtungen während der Abwesenheit enden? Sind alle Zugangsdaten für das gesamte Online-Banking sicher auf einem passwortgeschützten portablen Datenträger abgespeichert, um anstehende Finanz-Transaktionen von unterwegs durchführen zu können?
Brillen
Nehmen Sie Ihre alte Brille und Sonnenbrille mit, auch wenn sie in der Schublade bereits Staub angesetzt haben. Geht nämlich während der Reise die »richtige« Brille kaputt, kann die Ersatzbeschaffung länger dauern. Da ist dann das alte Modell eine geschätzte Überbrückungshilfe.
Campingkarten
Gerade beim Überwintern, d. h. in der Nebensaison, lohnt sich der Einsatz einer Campingkarte. Jede der gängigen Karten (ADAC, ACSI, Camping Key Europe) hat ihre spezifischen Vor- und Nachteile. Im Fokus der Vergünstigungen stehen Rabatte, die Investition in eine Jahres-Mitgliedschaft kann sich schon nach wenigen Übernachtungen auf teilnehmenden Campingplätzen rentieren. Für Anhänger von Übernachtungen abseits der Campingplätze, z. B. auf Bauern- und Winzerhöfen, warten kleinere Anbieter mit sehr interessanten Angeboten auf (z. B. France Passion, Greenstop24, España Discovery), bei denen abseits von Preisnachlässen andere Vorzüge überwiegen.
Dokumente
Im Regelfall sollten Sie an folgende Dokumente denken:
•Personalausweis/Reisepass
•Einreiseformulare der Transit- und Zielländer (z. B. Gesundheitsformular)

Unbeschwerte Fahrt dank Checkliste

Abendstimmung in Portugal

Ein Schutzbrief hilft im Notfall.
•Europäische Krankenversicherungskarte
•Dokumente zur Auslandskrankenversicherung
•Impfausweis bzw. länderspezifische Nachweise (z. B. Pass Sanitaire; Green Pass)
•EU Heimtierausweis
•Führerschein, ggf. Internationaler Führerschein
•Zulassungsbescheinigung Teil 1 (ehemals KFZ-Schein)
•Internationale Versicherungskarte (ehemals Grüne Versicherungskarte)
•Wichtige Wohnmobil-Unterlagen (u. a. ersicherungsdokumente, Kontaktnummern im Schadensfall, Vertragswerkstätten-Übersicht)
Auch die Sicherung der Ausweise, Fahrzeugpapiere und Versicherungsunterlagen ist ein wichtiges Thema. Empfehlenswert ist, sich von den wichtigsten Dokumenten Kopien anzufertigen und diese an einem sicheren Ort zu verwahren. Wer Papierformate bevorzugt, weiß um die tausend Verstecke im Wohnmobil, sicherer sind jedoch digitale Speicherplätze wie Cloud oder portabler Datenträger.
Garten, Pflanzen und Blumen
Zahlreiche Tätigkeiten müssen während wochen- und monatelanger Abwesenheit zu Hause geklärt und beauftragt werden. Wer kümmert sich um Arbeiten im Garten? Wer schneidet die Hecke, wer mäht den Rasen, recht das Laub, kehrt die Straße oder schaufelt den Schnee beiseite? Wer gießt die Pflanzen im Garten, auf dem Balkon, in Haus oder Wohnung?
Haushüter
Wenn Wille und Vertrauen vorhanden sind, einen fremden Menschen für die Dauer des Überwinterns in das traute Heim einziehen und dort wohnen zu lassen, kann das zu einer klassischen Win-Win-Situation werden. Je nach Größe des Hauses oder der Wohnung ist es legitim, bestimmte Bereiche von der Nutzung durch den Housesitter auszuschließen. Einige Punkte dieser Checkliste können dann auch mit einem Housesitter auf ideale Weise abgehakt werden (Sicherheit zu Hause, Garten/Pflanzen/Blumen, Tiere). Die Housesitting-Anbieter beschreiben auf ihren Internetseiten detailliert das Prozedere einer erfolgreichen Zusammenarbeit.
Heizung
Gerade wenn die Abreise bei noch milden Herbsttemperaturen erfolgt, ist der Gedanke ans Heizen fern. Dennoch: Alle Heizkörperventile sollten mindestens auf das Frostschutz-Symbol eingestellt und bei Bedarf die Räume mit einer abgesenkten Durchschnittstemperatur geheizt werden. Vertrauenspersonen mit einem Haus-/Wohnungsschlüssel können mit einer kurzen Stoßlüftung für einen kompletten Luftwechsel und niedrigere Energiekosten sorgen.
Individueller Bedarf
Bestimmte Artikel des persönlichen Bedarfs sind im Ausland gar nicht, selten bzw. aufwendig oder nur zu deutlich höheren Preisen erhältlich. Dazu zählen beispielsweise persönliche Kosmetika, allergenarme Lebensmittel, Nahrungsmittel bei Unverträglichkeiten, Lieblings-Verpflegung (nein, wir sprechen eine besondere Nuss-Nougat-Creme nicht an), Hygieneprodukte (z. B. sind Tampons in Marokko sehr teuer), gewohntes Tierfutter oder das altbewährte Waschmittel. Ein entsprechender Vorrat, soweit möglich, ist empfehlenswert.
Kennzeichnungspflichten für das Wohnmobil
Andere Länder – andere Regeln, und bekanntlich schützt Unwissenheit nicht vor Strafe. Zwei Beispiele: In Spanien und Italien ist für Heck-Fahrradträger eine rot-weiß schraffierte, reflektierende Blech-/Aluminium-Warntafel Pflicht. Frankreich wiederum verlangt seit dem 01.01.2021 die exakt definierte Anbringung von sogenannten »Toter Winkel«-Aufklebern an Wohnmobilen über
3, 5 Tonnen. Es ist ratsam, sich über gültige Kennzeichnungspflichten vor Reiseantritt zu informieren, um die Schilder oder Aufkleber nicht erst kurz vor Grenzübertritt einkaufen zu müssen.
Medikamente
Wenn Sie auf die regelmäßige Einnahme von Arzneimitteln angewiesen sind, sollten Sie sich diese in ausreichender Menge rechtzeitig vor Reiseantritt beschaffen. Sofern eine bestimmte Arznei im Ausland problemlos erhältlich ist, können in Deutschland ausgestellte Rezepte grundsätzlich auch im EU-Ausland eingelöst werden (Patientenmobilitätsrichtlinie). Grundsatz: ein Rezept pro Medikament gegen Vorkasse mit nachträglicher Erstattung zu Hause.
Multimedia
Um alle elektrischen oder elektronischen Geräte wie Smartphone, Laptop, Kamera, Rasierer, Zahnbürste betriebsbereit zu halten, sind diverse Ladekabel notwendig. Hilfreich ist, sie gesammelt in einer Box inklusive Adapter mitzunehmen. Wer nicht ständig am Landstrom hängt oder über einen fest verbauten Wechselrichter verfügt, muss an entsprechende Ladegeräte (USB-Adapter, Spannungswandler usw.) denken.

Draußen Regen und innen schön gemütlich

Nach Sonnenuntergang wird es draußen kühl.

Sonnenuntergangs-Bootsfahrt im Naturpark La Albufera in Spanien
Post
Wer Vertrauenspersonen in unmittelbarer Wohnnähe hat, die den Briefkasten leeren und Päckchen/Pakete entgegennehmen können, kann sich glücklich schätzen. Bitte denken Sie daran, dieser Person eine unterschriebene Vollmacht im Original auszuhändigen, damit sie im Bedarfsfall hinterlegte Pakete oder Einschreiben annehmen darf. Offen ansprechen und klären, welche Post von der Vertrauensperson bis zur Rückkehr an welchem Ort gelagert werden soll. Bei längerer Abwesenheit kann das Postvolumen schnell einen beträchtlichen Umfang annehmen. Was soll nach Absprache geöffnet und an die Überwinterer übermittelt werden (z. B. per Scan, Foto) oder verschlossen wohin weitergeleitet werden (z. B. an Steuerberater, Rechtsanwalt)?
Ein Nachsendeauftrag funktioniert, wenn die Standorte und Zeiträume des Überwinterns vor Abreise feststehen und am ausländischen Zielort ein zuverlässiger Postdienst gewährleistet ist. Alternativ kann der Nachsendeauftrag an Familienmitglieder oder Vertrauenspersonen im Inland ausgestellt werden.
Ansonsten bieten die Post und andere Dienstleister einen Lagerservice für bestimmte Briefsendungen an. Achtung: In der Regel ist dieser Service auf drei Monate begrenzt; Päckchen, Pakete und Einschreiben sind von der Lagerung ausgenommen.
Eine weitere, wenn auch preisintensivere Form der Postbenachrichtigung ist der digitale Briefkasten. Hier nehmen spezialisierte Dienstleistungsunternehmen via Nachsendeauftrag die Post entgegen, digitalisieren die Post per Scan und benachrichtigen anschließend die Empfänger per Mail.
Reiseunterlagen
Bis zur Abfahrt sammeln sich viele Unterlagen an: Reservierungsbestätigungen von Fährüberfahrten und Campingplätzen, Wohnmobil- und Versicherungsunterlagen sind nur einige Beispiele. Im Bedarfsfall sollte darauf schnell zugegriffen werden können, hier kann eine Dokumententasche nützlich sein. Zusätzlich benötigen Kartenmaterial, Reiseführer und Wörterbuch ihren festen Platz im Wohnmobil.
Roaming
Innerhalb der EU-Mitgliedsländer (sowie Island, Liechtenstein und Norwegen) können seit Mitte Juni 2017 Telefonate, Textnachrichten und Datendienste zu Inlandstarifen durchgeführt werden. Sofern Nicht-EU-Länder durchfahren werden bzw. ein Nicht-EU-Land als Reiseziel angesteuert wird, schützt die Kenntnis der jeweiligen Roaming-Gebühren vor der Kostenfalle.
Бесплатный фрагмент закончился.
