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Marcus E. Levski
Die Goldene Stadt im Untersberg 4
Das Vermächtnis der Isais
Roman
… inklusive Bildteil
„Die Goldene Stadt im Untersberg 4” 1. Auflage Printausgabe April 2019
Ancient Mail Verlag Werner Betz
Europaring 57, D-64521 Groß-Gerau
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Umschlagfotos: Mario Rank
Umschlaggestaltung: Mario Rank
Zukunft ist das, was wir im Jetzt formen!
Inhalt
Anmerkungen des Autors
Danksagung
Vorwort des Autors
Was bisher geschah
1. Fieber des Wahnsinns
2. Santos Revdul und sein Ahnenerbe
3. Der Tempel der Schlange
4. Eine alte Legende aus Sierra Leone
5. Die Hölle der Isais
6. 2017 – Ankara, Türkei
7. Der Templerrat von Wien
8. Zwischen den Welten – In Tianos
9. Die zeitlosen Fürsten am Untersberg
10. Das mysteriöse Dröhnen am Untersberg
11. Die Mission der NTS – National Time Security
12. Die Templer und das Vermächtnis der Isais
13. Der Fluch des schwarz-violetten Steins
14. Die Maschine im Untersberg
15. Die Basilika am Sonntagberg
16. Eine weitere Zeitüberschneidung
17. Das metallische Objekt vom Untersberg
18. Professor Claras im Bund der Hüter
19. Die dunklen Männer in Anzug und Krawatte
20. Das Manuskript – Botschaften aus Tianos
Bildteil
Nachwort
Quellen
Bildnachweise
Anmerkungen des Autors
Hinweise auf Orte, Höhlen und andere Kulissenplätze am Untersberg (einschließlich ihrer genauen Lage) beruhen auf Tatsachen. Man kann diese auch besichtigen.
Die Bruderschaft der Freimaurer, Illuminati und die Templer existieren ebenfalls.
Dieser Roman basiert auf tatsächlichen Erlebnissen. Es ist dem Leser überlassen, was er für Realität und Fiktion hält.
Magie und Okkultismus sind ebenso real. Magische Logen und aktive Ritualarbeit gibt es auch in der heutigen Zeit.
Sorgfältig sollte man in diesem Buch auch zwischen den Zeilen lesen! Denn dort gibt es weitere wichtige Informationen, die näher ausgeführt und erklärt werden.
Außerdem wird dem interessierten Leser in diesem Roman zusätzliches Wissen aus den alten Mysterienschulen Russlands und Griechenlands präsentiert.
Achtung: Eine Haftung des Verlags oder des Autors für Personen-, Sach-, oder Vermögensschäden, die mit der Verwendung der in diesem Buch enthaltenen Texte oder Übersetzungen aus Logenbüchern zusammenhängen, wird ausgeschlossen.
Danksagung
Mein Dank geht an:
Dr. Prof. Petrizut (Universität Wien), alias Professor Claras, der wieder als treuer Ratgeber und Abenteurer an meiner Seite war.
Elisabeth und Elke, die mich an eine sehr wichtige Sache hinsichtlich des Grafen von St. Germain erinnert haben.
Lady T., die mir eine längst vergessene Sache wieder gezeigt und mich wieder in diese Richtung gebracht hat.
Daniel, der mir einen unvergesslichen Einblick in die Welt der Freimaurerei geschenkt hat.
Carson Fr., alias Santos Revdul, der uns in Sierra Leone sehr bei unseren Forschungen unterstützt hat.
Sonstige Informanten, die nicht genannt werden wollen, die mir aber zahlreiche wertvolle Einblicke in die Themen des Romans gewährt haben.
Mein besonderer Dank gilt natürlich meiner Frau und meinen Kindern, die mich bei meiner doch sehr zeitintensiven Arbeit als Buchautor stets unterstützten.
Außerdem danke ich meiner lieben kleinen Schwester, die im Jahr 2015 leider von uns gegangen ist. Ihre Träume von einer liebevolleren Welt begleiten mich jedoch heute noch in meinen Texten.
Vorwort des Autors
„Die Goldene Stadt im Untersberg“ ist die persönliche Geschichte eines Menschen, der unbewusst nur eines auf seinem Weg finden wollte: die Sinnhaftigkeit hinter einer Tragödie. Eine Geschichte, die noch nicht beendet ist und sich bis jetzt als eine dem Autor schon aus vergangenen Tagen bekannte Idee offenbart hat – ein kleines Stückchen Zauberwald für diese Erde.
Manche von euch mögen mich schon kennen. Ich bin ein Bautechniker, Okkultist und Geomant aus Oberösterreich und beschäftige mich seit dem Jahr 2015 mit dem Untersberg und dessen Geheimnissen.
Diese Geheimnisse haben mich und meine Freunde in die okkultesten und geheimnisvollsten Winkel so mancher Weltverschwörungen geführt.
Unsere aktuellen Recherchen, Ergebnisse, Unterredungen mit geheimen Orden und anderen Forschern aus der Wissenschaft und aus grenzwissenschaftlichen Bereichen wurden bisher in drei Romanen niedergeschrieben. Jetzt, mit dem vierten Roman, geht die Geschichte von Jürgen Draft und Professor Claras weiter.
Sind es die ganzen Probleme der Neuzeit, die den Menschen Kopfzerbrechen bereiten? Probleme, deren Ursprung in der heutigen modernen Gesellschaft zu finden ist? Die schnelle Digitalisierung und die immerwährenden Entwicklungen, die manche Menschen jeden Tag aufs Neue überfordern?
Immer wieder sind mir Menschen begegnet, die mit der heutigen Zeit irgendwie überfordert wirkten. Mir sind aber auch einige Menschen begegnet, die sich von unserer Welt abgewandt und sich in einer anderen Welt vergnügt haben. Und zwar in Welten, die der Durchschnittsbürger nicht versteht: Die Welten der Esoterik, der Grenzwissenschaften, der Energiearbeit und des Okkulten.
Nach all den Jahren scheint es so, als ob der kritische Punkt in genau dieser Sache fast erreicht wäre – ein großflächiges Umdenken in der Gesellschaft.
Was bisher geschah …
Der Ruf des Herzchakras
„Danke für die Tragödie. Ich brauche sie für meine Kunst.“ Kurt Cobain
Es waren die Bilder und die Rückschläge, es waren die Schicksale und die Menschen, die in den mysteriösen „Club der 27“ eingetreten sind, als sie starben. So auch der Künstler des Zitats, das ich gewählt habe – Kurt Cobain, der 1994 verstorbene Sänger der amerikanischen Grunge-Band Nirvana.
Es ist der „Club der 27“, der auch meine kleine liebe Schwester in seine Arme genommen hat, als sie 2015 bei einem tragischen Unfall ums Leben kam.
Genau hier beginnt mein Mysterium des Untersbergs, genau hier hat meine Reise ins Unfassbare meiner persönlichen Tragik begonnen.
Als praktizierender und gelernter Geomant waren mir lange Zeit die Mysterien der Energien in Symbiose mit dem Menschen nicht fremd. Ziel war es in dieser früheren Tätigkeit immer, die in der Natur vorherrschenden Kräfte und Energieverläufe dem Menschen in Haus- und Wohnungsprojekten bestmöglich nutzbar zu machen.
Im Jahre 2016 änderte sich jedoch mein langjährig geprägtes Weltbild, als ich zufällig den Untersberg an der Deutsch-Österreichischen Grenze besucht hatte. Ein Berg, der sich am Rande der sagenreichen Stadt Salzburg als Herzchakra der Welt erhebt.
Bei meinem ersten Besuch am Untersberg hatte ich von den Mysterien und den Geschichten rund um den Berg keine Ahnung. Das war Ende April 2016 bei strahlendem Sonnenschein und angenehmen 17 Grad Frühlingstemperatur. Ich erinnere mich noch, dass ich einen VW Golf des österreichischen Bundesheeres am Wegrand stehen sah, an dem ein Soldat bei der Fahrertür nach seinem Kollegen Ausschau hielt – nichts Besonderes für diese Gegend, da es doch im Grenzgebiet zu Deutschland liegt und sich dort in der Nähe bei Grödig ein Schießplatz befindet.
Mein Ziel war es, die Natur und die Gegend etwas zu erkunden, um so dem beruflichen Alltag und dem Schicksalschlag, der mich im Jahre 2015 in Knie gezwungen hatte, zu entkommen. Lückenhaft ist es mir noch in Erinnerung, dass ich zur damaligen Zeit auch noch mit dem Ableben meiner Schwester zu kämpfen hatte und mir die Trauer noch auf Schritt und Tritt im Nacken saß. Das bevorstehende Ereignis ließ mich jedoch an meinem Weltbild zweifeln.
Eine Anomalie des Zeitgefüges
Ich parkte am Parkplatz zum Veitlbruch und ging das Bachbett hinauf, um mich dort auf einen Stein zu setzen. Als ich oben angekommen war, hatte ich plötzlich das Gefühl, dass mir schwindlig wurde. Mein Kopf brummte und plötzlich befand ich mich mitten in einem Schneesturm, der mich orientierungslos machte und mir Angst einjagte.
Ich konnte kaum die Hand vor Augen sehen und war nicht mehr Herr meiner Sinne, daher stapfte ich bereits nach wenigen Sekunden wieder den Abhang hinunter, um zu meinem Auto zu gelangen.
Am Parkplatz angekommen, sah ich zu meiner Verwunderung einen älteren Jeep, der einem Bundeswehrjeep aus dem Ersten oder Zweiten Weltkrieg ähnelte. Und zwar genau an der Stelle, an der vorhin noch mein VW Golf parkte!
Vor dem Jeep stand ein älterer Herr in altmodischer Kleidung, der jedoch sofort in den Jeep einstieg und davonfuhr. Sekundenbruchteile später war der plötzlich losgebrochene Schneesturm verschwunden und es herrschte dasselbe schöne Frühlingswetter wie zuvor.
Nun war ich vollends verwirrt und fuhr auf schnellstem Wege wieder nach Hause, wobei ich erst auf der Fahrt bemerkte, dass meine Armbanduhr der Uhr in meinem Auto um 20 Minuten hinterherhinkte.
Dieses Erlebnis in Zusammenhang mit meiner Orientierungslosigkeit und einem befremdlichen Gefühl, das ich nicht zu beschreiben vermag, waren für mich Grund genug, herauszufinden zu wollen, was an diesem Ort mit mir geschehen war.
Ich entschloss mich also dazu, mich mit Kartenmaterial, Berichten und Meditationen auf den Berg einzustimmen. Nach einem ersten Studium der Karten und Notizen zu den wichtigsten Orten am Untersberg folgten Online‐Berichte und Videodokumentationen von Sagen und Mythen, Unfallberichte und Verschwörungstheorien, Berichte von Esoterikgruppierungen und UFO‐Jägern rund um den Untersberg!
Dieses Recherchematerial bot mir eine ganze Flut von Informationen, die ich kaum bewältigen konnte. Also begann ich zunächst, diese zu sortieren, um einen groben Überblick zu bekommen. Was mich persönlich zu dieser Zeit sehr interessierte, waren die Zeitphänomene und die Geschichten rund um den Berg.
Die Botschaft des Hüters
Da wurde über Zeitverluste und Portalöffnungen berichtet, über Phänomene, die sich mit dem Verstand nicht erklären lassen. Auch die Zusammenhänge mit den Pyramiden, von denen immer wieder berichtet wurde, ließen mich nicht mehr los! Die allererste Meditation machte es mir nun aber auch nicht leichter, dem Geheimnis auf die Spur zu kommen!
Als praktizierender Geomant wusste ich um das Vorhandensein mentaler Kräfte und Energien auf anderen Ebenen. Also beschloss ich damals, mittels einer erneuten Meditation eine Einstimmung zum Thema Untersberg zu machen.
… In dieser Meditation stand ich vor dem Untersberg und sah einen glatzköpfigen Mönch, der mich schon erwartet hatte! Dieser war ein Wächter des Tores, das sich in der Meditation ebenfalls vor mir befand.
Der Mönch überreichte mir eine Schriftrolle mit Aufzeichnungen, die ich jedoch nicht lesen konnte, die ich aber bei meiner griechischen Lehre im Jahre 2008 schon einmal in der Hand gehalten hatte!
Die Schriftrolle ebnete mir den Weg in die prunkvolle Höhle und in ein Zimmer, einen Raum vielmehr, der immer größer und gewaltiger wurde und sich schließlich als Thronsaal offenbarte.
Weitere Wege öffneten sich mir und ich ging mit dem Mönch durch die Höhle und die Wege entlang bis in das Zentrum des Berges. Dieses Zentrum war eine riesige Höhle mit einer Sonne darin - einer Sonne oder Lichtkugel, ich kann es nicht genau sagen …
Als ich wieder aus der Meditation zurückkehrte, musste ich feststellen, dass ich währenddessen eine Zeitanomalie erlebt hatte. Denn ich befand mich nach dem Aufwachen plötzlich 4 Stunden in der Zukunft, was mir mein Musikplayer bestätigte, als ich um zwei Uhr früh auf die Uhr blickte.
Ich rief mir meine Erlebnisse nochmals ins Gedächtnis zurück und erinnerte mich ganz genau an die Schriftrolle, die der Mönch mir gezeigt hatte. Es war die Rolle beziehungsweise der Text, den ich im Jahr 2008 in Griechenland auf einer Kirchentafel gefunden hatte.
Es stellte sich damals heraus, dass der in diese Tafel eingemeißelte Text wohl von größerer Bedeutung war, als mir zunächst bewusst gewesen war. Nach dem Besuch in Griechenland konnte ich mittels Reinkarnationssitzungen und Visionen sowie zufälligen Zusammenhängen zwischen diversen Geschichtsbüchern und religiösen/mythologischen Texten herausfinden, dass dieser Text nichts anderes darstellte als die Akasha-Chronik!
Die Schriftrolle aus meiner Untersberg-Vision war also vermutlich meine Vision des Textes von der Kirchentafel. Wie auch schon in meinen anderen Büchern erwähnt, geht es in diesem Text um eine Botschaft. Vorweg – es war 2008 wohl eine Botschaft an mich selbst. Eine Botschaft, die den Grundstein zu meiner Recherchen gelegt hat.
Es waren genau diese verrückten Erlebnisse, die mich anschließend dazu bewogen hatten, einen alten Studienkollegen zu kontaktieren. Und zwar Herrn Professor Claras aus Wien, einen Quantenphysiker und Freimaurer (wie sich erst später herausgestellt hatte). Denn ich wusste aus Erfahrung, dass er sich schon immer mit „solch verrückten Dingen“ beschäftigt hatte.
Kurz darauf haben wir als Team unsere Forschungen am Untersberg begonnen und sind nach fast drei Jahren auf sehr spannende Ergebnisse gestoßen. Wobei man sagen muss, dass wir während der Recherchen praktisch täglich mit ungewöhnlichen Informationen und Erkenntnissen konfrontiert worden sind.
Okkulte Verbindungen am Untersberg
Professor Claras, mein alter Studienkollege, offenbarte sich mir als Freimaurer und wir hatten zur damaligen Zeit den Entschluss gefasst, uns bei den geheimen Orden (die ebenfalls am Berg aktiv waren) ein Wissen rund um den Berg anzueignen, um so eventuell das Mysterium des Untersbergs lüften und außerdem Antworten hinsichtlich des Rätsels der Zeitanomalie erhalten zu können.
Zentrale Höhepunkte unserer Forschung waren Agartha sowie die Hinweise in der Geisterhöhle, die der Professor und ich gefunden hatten, und das Interesse der VRIL und Freimaurerbruderschaft an unseren Forschungen im Jahre 2016.
Andere Orte, wie das Bucegi‐Gebirge in Rumänien und die Pyramiden von Gizeh sowie die Erzählungen über die Pyramiden in Mexiko bildeten ebenfalls Zusammenhänge, die in dieser Geschichte von großer Bedeutung waren!
Geomantische Analysen haben uns gezeigt, dass diese Pyramiden in einer Verbindung mit dem Untersberg stehen. Zur damaligen Zeit wollten wir diese Erkenntnis in Form einer Dokumentation veröffentlichen, was jedoch in einigen Kreisen für Aufruhr gesorgt hatte. Besonders die Illuminaten wollten uns unbedingt daran hindern und deshalb haben wir davon abgesehen – bis jetzt!
Nach all den Forschungen und Begegnungen hatten wir damals versucht, sämtliche Mysterien, Sagen, Mythen und Fakten in einen Topf zu werfen, um so ein Ergebnis und eine Erklärung zu all diesen Dingen zu erhalten. Dabei hatten wir allerdings eines nicht bedacht: Es fehlte das menschliche Glied in der Kette.
Ein Berg des Spiegels
Wir als Forscher und Interessierte sind auf diesem „Spiegelberg“, wie man ihn auch nennt, ständig an unsere Grenzen gekommen. Denn sowohl unsere Angst, aber auch Verlust, Macht und nicht zu vergessen meine Trauer wurden uns immer wieder in sämtlichen Anomalien oder Gegebenheit gespiegelt, die nur in einem Roman zu beschreiben sind.
Gefühle wie Angst, Panik und die Spiegelung eigener Themen waren für uns also an der Tagesordnung, während wir am Untersberg forschten. Die vielen interessanten Zusammenhänge, Untersuchungsergebnisse sowie Phänomene und Sagen vom Untersberg, die im Zusammenhang mit dem aktuellen Geschehen in der Politik und auf der ganzen Welt standen, weckten das Interesse der Geheimgesellschaften, die ebenfalls an der Forschung teilnehmen wollten.
Ein uns von den Freimaurern überreichter schwarz-violetter Stein war außerdem ausschlaggebend dafür, dass Professor Claras und ich in Welten abtauchen konnten, die noch nie ein Mensch zuvor gesehen hat – oder doch?
Nach dem ersten Forschungsjahr hatten wir dann beschlossen, unsere Erfahrungen mit der Öffentlichkeit zu teilen und publizierten einen Roman, der sich genau mit diesem Thema beschäftigte – der Mensch in Symbiose mit den Mysterien.
Damals mussten wir bereits erkennen, dass es unzählige Sagen gibt, die immer wieder von einer Sache berichteten: „Nur wer reinen Herzens ist, kann eintreten in andere Welten.“ Doch welche Welten waren damit gemeint? Agartha? Shambala?
Ich für meinen Teil hatte mir die Themen, die mir während der Forschung immer wieder gespiegelt worden waren, sehr zu Herzen genommen und sie in einem langwierigen Prozess schließlich aufgelöst. Dieser Auflösung war es zu verdanken, dass wir es am Ende schafften, immer tiefer in das Herzchakra des Berges vorzudringen und dabei einigen Geheimnissen auf die Spur zu kommen.
Doch nicht nur ich hatte einige Probleme auflösen können, auch Professor Claras war es gelungen, seine alten Dämonen zu besiegen.
Ich bin dem Berg heute sehr dankbar für seine Hilfestellung bei der Bewältigung meiner Trauer. Und letztendlich wussten Claras und ich nach einem Jahr der Forschung, dass der Berg uns doch eigentlich nur eines hatte mitteilen wollen:
„Leute, reißt euch mal zusammen und kommt in eure Mitte und in euer Herz.“
Bei unseren gemeinsamen Forschungen mit den Freimaurern im Frühjahr 2016 wurde außerdem der Code des Untersbergs offenbart, den ich an dieser Stelle kurz ausführen möchte.
Der Code des Untersbergs –
Eine Interpretation der Freimaurer von 2016
„Nun, Herr Draft, er wurde entschlüsselt. Zwar noch nicht zur Gänze, aber doch schon einiges davon.“
Das waren die Worte des Freimaurers Dexter in meinem zweiten Roman.
S. d. d. occo. x.
Satrnrop, 5. a. f. 5. l. d.
P. 6. m. 6. a. t. 5. q. o. t. m. 5. r. u. a t.
m. 519. r. l. v. e. p. 55. a. tt. tt. l. x. missm
ariu. a. o. u st g c x 5. l. 19. alto mvraco
mic r l y. pymi. l o p m i. v m l t. t g
„Diese Inschrift wurde der Sage nach von Lazarus Glitschner um ca. 1530 n. Chr. von einem Felsen am Untersberg abgeschrieben. Die wohl eher schwierige, mehrsprachige Übersetzung des Codes, der ja auch Koordinaten beinhaltet, ist wohl ein größeres Mysterium als wir dachten. Es geht, kurz gesagt, um die Anbindung des Göttlichen an uns Menschen sowie den Wandel, in dem wir uns allesamt befinden …“
Weitere Gespräche ergaben dann, dass die Freimaurer in diesem Code sowohl das Männliche als auch das Weibliche, das Plus und Minus und auch die Dualität rund um den Isaiskult sahen, den die Causa Nostra veröffentlicht hatte.
Es gibt auch Überlieferungen aus dem Ägyptischen und dem Griechischen, die auf genau diese Dinge zurückzuführen sind und die ebenfalls im Christentum, im Islam und allen anderen Weltreligionen verankert waren.
Ein Schriftzug aus den Lazarusschriften symbolisiert demnach die Vereinigung des Christentums mit dem Islam, um die wahre Geschichte und Realität zu erfahren. Oder anders gesagt: Eine Symbiose beider Religionen, um diese als EINE Wahrhaftige zu entschlüsseln.
Hier folgt noch ein Zitat von Dexter, dem eingeweihten Freimaurer, im Zusammenhang mit dem Untersbergcode (der nur ein Fragment des Gesamtbildes darstellt):
„Auf dem hohen Thron durch und mit der Zeit, geht’s zur Unendlichkeit gesamt und zusammen. Mit dem Stein und das mal zwei, trittst du ein in die Unendlichkeit zur neuen Zeit.“
Die Freimaurer waren damals der Ansicht, dass dieser Untersbergcode regional auf Europa bezogen war. Es ging um alte Überlieferungen von den Untersbergkirchen sowie um schwarze Tore und um Höllentore in andere Dimensionen.
Dieser Code ist die Offenbarung, genau am Untersberg, und hängt zusammen mit allen Sagen rund um den Erdball, die Teile des Mythos sind: mit Rumänien, dem Bermudadreieck und vielen anderen ...
Der Graf von St. Germain und parallele Welten
Nach dieser im wahrsten Sinne des Wortes erleuchtenden Begegnung mit dem Berg hatten wir damals beschlossen, den Recherchen ein Ende zu setzen. Eigentlich. Wäre da nicht diese Lichterscheinung an der Grasslhöhle gewesen, die in mir wieder aufs Neue den Forscherdrang ausgelöst hatte.
Wolfgang Stadler alias Stan Wolf war derjenige, der mir mit seinen Interviews im Internet die Inspiration gegeben hat, weiterzumachen, zu forschen und einen zweiten Roman zu veröffentlichen.
Der Graf von St. Germain, die mysteriöse ISAIS und die seltsamen Lichterscheinungen sowie UFO-Berichte und Geisterstimmen waren dann im Jahre 2017 an der Tagesordnung.
Nachdem ich am Untersberg unter seltsamen Umständen eine Frau namens Sabine und ihren Freund Stefan kennengelernt hatte, waren auch diese beiden von diesem Zeitpunkt an mit von der Partie und außerdem in so manche Geheimnisse eingeweiht.
Es stellte sich dann heraus, dass diese beiden aus einer Parallel-Existenz in unsere Realität gekommen waren. Ausschlaggebend für die Überschneidung zwischen den Welten waren mein früheres Erlebnis an der Grasslhöhle, die unbewusste Steinaktivierung am Veitlbruch sowie eine dort vorhandene Gravitationsanomalie.
Auch die falsche Geschichtsschreibung der Kirche in St. Zeno sowie eine Welt, die man als Parallele zu der unseren bezeichnen könnte, standen bei den weiterführenden Recherchen und auch bei den Erlebnissen, die der Professor und ich hatten, im Mittelpunkt. Wir hatten nämlich am Nixloch einen Zugang in das sogenannte Agartha gefunden, das sich uns jedoch als eine Parallelwelt offenbarte.
Zur selben Zeit erhielt Professor Claras von einem Freund Informationen über seinen angeblich verstorbenen Sohn. Diese verschlugen ihn nach Paris, wo er in den Kellergewölben des Louvre weiterführende, teils erschütternde Wahrheiten fand.
Denn ein mysteriöser Mann in Anzug und Krawatte, der sich dem Professor als Chalse Frinzker vorstellte, weihte ihn in ein tief verborgenes Geheimnis ein. Er offenbarte ihm das geheime Dasein eines Ordens, der hinter verschlossenen Türen über die Menschheit und deren Geschichte wacht. Und das schon seit Jahrhunderten! Sogar sein für tot gehaltener Sohn (Antonio) stellte sich als ein Anhänger dieses Ordens heraus.
Der Anzugträger Chalse Frinzker offenbarte sich dem Professor schließlich als der berühmte Graf von St. Germain, der als Zeitreisender zur damaligen Zeit als Chef de Bien den „Raum der Riten“ gegründet und auf diese Weise die Freimaurerei nach Europa gebracht hatte.
Schließlich teilte uns der Graf neben verschiedenen anderen weiterführenden Hinweisen mit, dass sich verschiedene Höllentore als Dimensionsübergänge in andere Welten am Untersberg befanden.
Er machte es uns zur Aufgabe, diese Höllentore wieder zu öffnen. Dabei fanden wir eine Welt, die den Namen 450X trägt und von reptilienähnlichen Wesen namens Terolter und Nodens bewohnt wird.
Auch die geheimnisvollen Illuminaten befanden sich auf den Spuren dieser Welt, die – nebenbei bemerkt - auch Hitler seinerzeit vergebens betreten wollte. Und zwar mit dem Ring der Nibelungen (der sich in der Ukraine befindet).
Sie stellt übrigens einen Knotenpunkt der von uns gefundenen Portallinie dar, die am Untersberg beginnt. Eine Linie, die unser Zeit- und Realitätsgefüge mittels der Kraft einer Ur-Sonne täglich aufs Neue beeinflusst und sich in unserer Gegenwart zeigt.
Diese ganzen Recherchen brachten uns sowohl in die hintersten Winkel der okkulten Geheimbünde als auch in die Bereiche jener uralten Kräfte, die heute noch in unserer Welt wirken.
Neben den Zeit- und Gravitationsanomalien sowie Parallelwelten wie Agartha wurden wir auch mit den alten Geheimbünden wie den Freimaurern und der Vril-Gesellschaft konfrontiert, über die wir einiges in Erfahrung bringen konnten.
Der Graf von St. Germain war uns dabei eine große Hilfe, denn er erklärte uns die Kraft dieser Geheimbünde und der Mysterien am Untersberg und viele andere Dinge, die von großer Bedeutung waren. Er sagte uns auch, dass wir den Hinweisen zur heiligen Zahl Sieben und den Höllentoren folgen sollten, die uns ein Goldenes Zeitalter offenbaren würden …
Wir stellten in den Kreisen der Illuminaten fest, dass die okkulten Mächte uns gegenüber als Pfortenwächter am Eingang zu den anderen Dimensionen fungieren. Sogar Andeutungen in Hollywoodfilmen geben genügend Hinweise auf solche okkulten Tatsachen.
Kurz darauf begegneten wir selbst einem solchen Pfortenwächter am Untersberg. Dort trafen wir auf einen Dämon namens Azazel, einem Pfortenwächter des Übergangs, der vor den Toren Golgathas am Eingang zur Parallelwelt 450X wachte.
Dieser biblische Dämon in Ziegengestalt war jedoch nicht wirklich gefährlich für uns, denn er hatte lediglich die Aufgabe, sich den Menschen zu zeigen und ihnen ihre schlimmsten Sünden oder Themen zu spiegeln, um auf diese Weise zu erfahren, ob sie würdig sind, die andere Welt zu betreten.
Irdische Mächte haben es seit jeher darauf abgesehen, an diese und andere von uns aufgedeckten Informationen zu gelangen. Was sie herausfinden konnten, hüteten sie in grafisch gut verteilen Monopolen, die sich auch sprachlich unterschieden. Ihre Absicht war es, das Wissen der Alten Götter für sich zu gewinnen und es auch anzuwenden.
Verschwörungen von enormer Tragweite, mit denen wir es bei unseren Forschungen zu tun bekamen, sowie verrückte Ereignisse um das CERN und die Portalöffnung zur Welt 450X waren einige der Gründe dafür, dass die Elite dieser Monopole (Illuminaten) mithilfe des Nibelungenrings (der einen galaktischen Transmitter darstellt) die Macht für sich beanspruchen wollte.
Der Pfortenwächter zur goldenen Stadt am
Tore Golgathas
Der Pfortenwächter gehört zu den Dämonen aus einer okkulten Magielehre. Er ist der zum Leben erwachte Geist eines verrufenen Verstandes des Menschen, aber er ist auch ein Türsteher, d. h. ein Geist, der den Durchgang zwischen zwei Welten bewacht. Nämlich zwischen der Welt, die wir kennen und die der Goldenen Stadt!
Der Pfortenwächter ist der Gegenpol des Dämons des Nibelungenrings oder auch Nibelungentransmitters, den wir bei unserer Suche gefunden hatten.
Der Pfortenwächter verhindert, dass Menschen „unsere“ Welt verlassen und dass sie die richtige Schwingung bei dem Übertritt nach 450X aufweisen; der gegenpolige Dämon des Nibelungenrings verhindert, dass diese Menschen das Reich nach 450X betreten und durch das Tor Golgatha gelangen (dort, wo die Goldene Stadt liegt).
Obwohl beide dämonischen Torwächter ihrer Aufgabe entsprechend böse sind, dienen sie dennoch einem wichtigen Zweck: denn sie verhindern, dass die Menschen von einer Ebene der Goldenen Stadt zur nächsten reisen.
Genau wie der Dämon Azazel ist dieses unsichtbare maskuline Ungeheuer auf der Gegenseite ebenfalls ein Türsteher bzw. auch Torwächter zu Golgatha, umgeben von einem grünem Licht, in dem Claras in den Tempelanlagen am Howerleberg verschwunden war.
DAS VERMÄCHTNIS DER ISAIS
1. Das Fieber des Wahnsinns
Seine schleimigen Tentakel bewegten sich lüstern über seinem reptilienartigen Kopf hin und her. Seine scharfen Zähne spiegelten sich im Licht des Mondes und seine rötlichen Dämonenaugen waren auf die Frau gerichtet, die er seit einiger Zeit im Visier hatte.
Sie ging andächtig die Straße entlang und erfreute sich an der romantischen Abendstimmung im wunderbaren Mondlicht. Sie genoss die kurze Verschnaufpause, denn es gab nicht viele Momente in ihrem Leben, in denen sie so klar im Kopf war wie heute.
Das lag an den Ritualen der Fraternitas Saturni Loge, die diese gemeinsam mit der Vril-Gesellschaft an ihr durchgeführt und sie damit langsam aber sicher in eine Psychose getrieben hatten. Nicht ahnend, dass „er“ zwischen ihrer und einer anderen Realität nur darauf wartete, ihr den Lebenssaft auszusaugen.
Immer wieder hatte sie als Energiespender für diese abgrundtiefe dämonische Kraft dienen müssen. Doch sie hatte jetzt genug davon. Wäre sie doch niemals nach Sierra Leone geflogen …
Der Dämon fixierte sie nach wie vor und schnaufte noch einmal tief durch seine ziegenartigen Nasenlöcher, dann legte sich ein Nebel auf die Welt, die er soeben betrachtete. Er schleuderte seine Zunge weit aus seinem Maul heraus und stöhnte mit einem tiefen dämonischen Laut, der seine Lust und Hingabe zu diesem Menschen wiedergaben.
Seine langen Tentakel fuhren aus seiner schuppenartigen Haut und legten sich über ihre Schultern. Doch nicht nur das. Sie bohrten sich auch in ihren Körper, rammten sich heftig in ihr Herz und ihr Rückenmark.
Der Dämon war erleichtert über ihre Reaktion, denn obwohl sie ihn nicht sehen konnte, blieb sie plötzlich stehen, als ob sie es spüren, ahnen, wissen würde, was mit ihr geschah.
Nach einem Moment der Starre blickte sie sich in ihrer Umgebung um und erkannte, dass ihre Chance gekommen war. Die Chance, dieses nicht greifbare Übel, diese Folter, diesen Dämon ein für alle Mal loszuwerden! Diese jahrelange seelische Folter eines Dämons, diese andauernde Geisteskrankheit, die der Besuch des geheimen Tempels der Schlange in Sierra Leone bei ihr ausgelöst hatte.
Sie war sich nicht bewusst gewesen, welcher Kraft und Macht sie sich durch ihren Besuch dort ausgesetzt hatte und konnte nicht verstehen, was mit ihr geschehen war. Ein Test nach dem anderen war an ihr durchgeführt und parapsychologische und okkulte Hinweise in ihrem „Fieber des Wahnsinns“, wie man es nannte, gesucht worden.
Doch sie war mit ihrem Geist, ihrem Verstand zu weit abgedriftet, nicht mehr greifbar. Im engen, unerbittlichen Griff dieses Dämons, dessen Namen sie nicht einmal kannte, dem sie sich dennoch täglich stellen musste.
Nun schien jedoch die Chance endlich gekommen zu sein, diesen Folterknecht endgültig loszuwerden. Sie ging auf den Abgrund zu und war wie erstarrt. Ihre Augen durchbohrten die Tiefe des Abgrundes und ihr wurde bewusst, weshalb sie jetzt genau am Abgrund am Rande eines Parkplatzes stand.
In einem kurzen innerlichen Kampf versuchte sie mit einer letzten Anstrengung, sich von den geistigen Tentakeln zu lösen, schaffte es jedoch nicht. Der Dämon war einfach viel zu stark in seiner Bemühung, sie zu foltern.
Plötzlich erblickte sie vor ihrem geistigen Auge einen Stein, der sehr real zu sein schien. Er schimmerte violett und besaß einen schwarzen Rand und sah aus wie der, den sie aus Sierra Leone kannte. War es etwa tatsächlich der Stein aus dem Tempel?
Sie war wie verzaubert, fast wie in Trance. Der Stein entfernte sich ein Stückchen von ihr und sie versuchte schnell, ihn festzuhalten und an sich zu ziehen, doch sie bekam ihn nicht zu fassen. Stattdessen brachte sie der Versuch und die ruckartige Bewegung nach vorn – um den vermeintlichen Stein zu greifen – zum Sturz über den Rand.
Und in diesem Augenblick konnte sie zum allerersten Mal in ihrem Leben die Augen und das Gesicht des Dämons sehen. Dann schlug sie mit dem Kopf auf einem Stein auf, der ihr den Schädel spaltete. Das Blut ergoss sich über die Steine am Abgrund und ihr Körper lag leblos zwischen den Steinen und dem feuchten Matsch unter den Bäumen und Sträuchern.
... Dort befand sich eine kleine Pfütze mitten im Nichts, in der sich ein Licht spiegelte.
Die Frau fühlte eine Kälte in ihrem Nacken, wie sie sie noch nie zuvor verspürt hatte, und die ihr Angst machte. Eine Kälte und einen Horror, wie sie ihn noch nicht erlebt hatte. Hinter ihrem Rücken befand sich etwas Grauenhaftes, das sie weder benennen noch beschreiben konnte und das Einzige, worauf sie sich konzentrieren konnte, war diese kleine Spiegelung in der Pfütze.
Nachdem sie eine Zeit lang in die Pfütze hineingestarrt hatte, konnte sie erkennen, dass diese sich auf auf einem Boden aus Ziegelplatten ausgebreitet hatte, die zu einem kleinen schwarzen Loch führten, in welches das Wasser aus der Pfütze hineintropfte und ins Nichts verschwand. Und aus der Ferne konnte sie erkennen, dass dort plötzlich ein Licht zu sehen war …
… Ihr Blut ergoss sich über die Steine am Abgrund und ihr Körper lag leblos zwischen den Sträuchern. Nach einer Weile trafen bereits die ersten Aasfresser ein, die anfingen, an dem noch warmen Körper zu nagen und ihn zu fressen. Als hätte es nie eine Frau gegeben, als wäre es dies nur ein gewöhnlicher Akt der Natur. Leben und Sterben …
... Das Licht, das sich in dieser Pfütze spiegelte, wurde immer greller und stärker und betäubte geradezu ihre Augen. Dennoch war es erstaunlicherweise gar nicht unangenehm für sie und sie fasste den Entschluss, dass sie dringend zu diesem Licht hingehen musste.
Es fühlte sich gut an, sich an dem Licht zu orientieren. Besser als das fürchterliche Schwarz, das ihr solche Angst einjagte. Vorsichtig sah sie sich um und versuchte, ihren Körper zu ertasten – doch da war kein Körper mehr! Das heißt, sie konnte ihn nicht spüren, aber er war irgendwie da. Sie war verwirrt. Doch trotz der fehlenden Füße versuchte sie, auf das Licht zuzugehen und war erleichtert, dass es ihr tatsächlich gelang.
Als sie näher kam, sah sie einen weißen Ring, der zuerst pulsierte und sich dann langsam zu drehen begann. Der Ring war ungefähr 3 Meter im Durchmesser und 2 Meter dick. Er bestand aus einem lebendigen, pulsierenden Licht.
Je länger sie wie hypnotisiert in das Licht hineinstarrte, desto stärker konnte sie eine gewisse Wärme spüren, die sich langsam in Glücksgefühle verwandelte. Aber nicht nur das! Sie konnte plötzlich alle Gefühle wieder spüren, die sie jemals in ihrem Leben gespürt hatte – nur hundertmal so stark. Liebe, Hass, Wut, Trauer, Glück waren überwältigend stark präsent.
Ihre Hormone schienen während dieses Erlebnisses überzukochen. Sie befand sich in einer Art Rauschzustand, einem Rausch aus allem, was sie war und was sie ausmachte, einem Rausch aus Liebe, wie sie sie noch nie verspürt hatte.
Alle diese Gefühle vermischten sich und sie wusste plötzlich, wo sie war. So etwas Schönes und Göttliches hatte sie noch nie verspürt. Eine grenzenlose und bedingungslose Freiheit in allem, was sie wusste und jemals gesehen und gefühlt hatte. Es war unbeschreiblich.
Nicht nur das, es war gar nicht angebracht, darüber nachzudenken, was es war. Auch Tränen war in diesem Fall nicht angebracht, denn sie war in diesem Augenblick verschmolzen mit der allumfassenden Einheit des Universums, der Göttlichkeit und des Bösen.
Kaum hatte sie den ersten Versuch unternommen, vollkommen in das Licht einzutreten, sah sie im rechten Augenwinkel plötzlich einen Körper - mehr den Umriss eines Körpers. Dann hörte sie eine Stimme, jedoch keine gesprochenen Worte, die Stimme war in ihrem Geist und sagte „Jetzt noch nicht.“ Irgendwie war ihr klar, dass sie auf diese Stimme hören musste, aber sie wollte es nicht.
Stattdessen wollten sie unbedingt völlig in dem Licht aufgehen, dem Rausch der Liebe und eins werden mit dem Universum. Daher widersetzte sie sich der Stimme und streckte ihr Hand in Richtung des Lichtes aus.
Da wurde sie plötzlich von hinten gepackt und ruckartig zurückgerissen. Dabei fuhr ihr ein schrecklicher, brüllender Schmerz durch die Glieder. Einen so heftigen, unbeschreiblichen Schmerz, wie sie ihn noch nie im Leben kennengelernt hatte.
Schlagartig riss sie Augen weit auf und ein Feuer fuhr durch sie hindurch, durch die Augen, durch die Glieder. Ihr Körper war ein See aus Flammen, der ihre Haut schnell und stetig auffraß und sie zum Schreien brachte.
Dann stellte sie fest, dass sie zusammengekrümmt vor Schmerz auf einem Felsen lag, ihre Hände in den steinigen Boden gekrallt, die Fingernägel abgebrochen und mit blutenden Fingerkuppen. Mehrere Meter unter ihr befanden sich am Ende einer Spalte in der Tiefe des Felsens eine heiße Glut.
Schließlich bäumte sich ihr schmerzgepeinigter Körper auf und keuchend setzte sie sich auf und starrte in die rote Ferne, die sie aus ihrer liegenden Position noch nicht hatte sehen können. Wohin das Auge blickte, erstreckte sich eine feurige Landschaft bis zum Horizont und ein heißer, sengender Wind fuhr über sie hinweg.
Sie war sich sicher, dass dies die Hölle sein musste. Eine Hölle, wie sie nur der Fantasie eines Science-Fiction-Autors entsprungen sein konnte. Eine Hölle, die sie sich wohl einbilden musste. Aber leider musste sie erkennen, dass es sich nicht um eine Einbildung handelte, sondern bittere Realität war.
Wie sollte sie dieser Lage entkommen? War es überhaupt möglich, von hier zu fliehen? Und falls ja, wie sollte sie das anstellen? Für den Moment musste sie sich in ihr Schicksal fügen und so stand sie zunächst auf und bemerkte, dass sie ganz nackt auf diesem Felsen stand. Doch bevor sie weiter über ihre Lage nachdenken konnte, hörte sie einen ohrenbetäubenden Knall und ging vor Schreck erneut zu Boden.
Dann bemerkte sie, dass ein Schatten über sie fiel. Ein Schatten, dessen Umrisse aussahen wie die eines Mannes. Doch wer war es? Nachdem sie sich langsam aufgerichtet hatte, spürte sie wieder diese eisige Kälte im Nacken und erkannte, dass auch das Schwarz von vorhin wieder da war. Das Licht von vorhin war nirgends mehr zu sehen und um sie herum nur eine lodernde Flammenhölle.
Dieser Ort war ihr Verderben, brüllte ihr Verstand. Dies war die Hölle. Doch wer war dieser Schatten? Ein Peiniger? Ein Freund? Göttliche Hilfe?
Turin 2018
Lange Zeit hatte er von dem Auslöser gewusst, weshalb sie sich das Leben genommen hatte oder verstorben war. Und genau die Verzweiflung darüber hatte ihn immer wieder in eine Depression fallen lassen. Immer wieder hatte er versucht, ihr zu helfen und war damals an einem Punkt angelangt, wo er genau diesen Dämon auch zu Gesicht bekommen hatte.
Dann waren ihm alle Zusammenhänge klar geworden und auch seine Aufgabe, diesen Dämon zu bekämpfen. Die letzte Mail von Jürgen war der Grund dafür, dass es ihn an diesen Ort verschlagen hatte. Er zückte sein Smartphone und öffnete erneut diese E-Mail, um sich die Nachricht nochmals ins Gedächtnis zu rufen.
Von Jürgen Draft
An: Damien
Betreff: Der Ort der Hölle
Hallo Damien, mein alter Freund, ich freue mich sehr, dass du dich nach all diesen Jahren wieder gemeldet hast. Anscheinend geht es dir nicht so gut? Wir sollten uns bald einmal treffen und über alte Zeiten reden. Ist schon verdammt lange her. Damals in Griechenland … Du weißt schon
Zu deiner Frage: Ich würde dir empfehlen, in Turin mit der Suche zu beginnen. Aus befreundeten Kreisen weiß ich, dass an diesem Ort die Höllentore sehr aktiv sind.
Solltest du tatsächlich einen Dämon zur Strecke bringen wollen, dann melde dich! Dämonen zu bekämpfen kenne ich nur zu gut vom Untersberg! – Das ist eine lange Geschichte, die ich dir unbedingt mal erzählen muss.
Viele Grüße
Jürgen
Mit einer Kette in der Hand, an der das Kreuz herunterbaumelte, hockte er auf einer steinernen Bank inmitten einer Kirche. Nicht etwa, um Gott um Hilfe zu bitten, nein, seine Absichten waren völlig anderer Natur. Es waren die von Jürgen beschriebenen Höllentore und das Okkulte, die ihn nach Turin gebracht hatten.
Er sah zum Altar hinauf und ballte seine Faust so stark, dass die Kette sich in seine Haut bohrte und einen Schmerz hinterließ, den er nur zu gut kannte und dem er nun endlich ein Ende setzen wollte. Er starrte auf den Altar und wusste, was er jetzt zu tun hatte.
Jedes Jahr war er hier, um Hinweise zu finden und Spuren nachzugehen. Spuren, die sich in den Sagen und der Architektur der gesamten Stadt spiegelten und das Wort des Teufels so eng an die Stadt gebunden hatten. Ein Wort, das er im Zusammenhang mit Beatrice und ihren okkulten Interessen zu entschlüsseln versuchte. Dank Jürgen wusste er nun auch, dass es genau hier in Turin war …
Er stand auf und packte seine Kette in die Hosentasche. Gläubig war er ja. Trotz allem hatte er sich dazu entschlossen, den Teufel sowie den Dämon, der seine Liebste heimgesucht hatte, zu bekämpfen. Er ging aus der Kirche hinaus und stand vor den Toren. Ein Blick in die Menschenmasse und Dopamin schoss durch seinen Körper.
„So sei es. Ich werde dich finden und es beenden.“
Genau jetzt hatte es für ihn begonnen. Die Reise mitten durch eine Dunkelheit, die er nicht verstand ... Noch nicht.
2. Santos Revdul und sein Ahnenerbe
Einige Jahre zuvor in Sierra Leone
Santos saß auf seinem alten hölzernen Sessel und starrte aus dem Fenster ins nahegelegene vom Dschungel überwachsene Gebirge. Er zog genüsslich an seiner Zigarre und Schweißtropfen perlten von seiner Stirn. Beim Ausatmen schwelgte er in den Erinnerungen an seinen alten Vater, der ihm die wunderbaren Erinnerungen an dieses Gebirge geschenkt hatte.
Auch wenn er hier in Sierra Leone aufgewachsen war (was er der Besessenheit seines Vaters für diese Gegend zu verdanken hatte), lag der letzte Besuch an jenem Ort im Gebirge schon viel zu lange zurück. Damals war er in einer stürmischen Sommernacht des Jahres 1987 mit seinem Vater dort gewesen und hatte die Schluchten sowie die gesamte Natur der grünen Wildnis erkundet.
Seinerzeit hatte er allerdings nicht gewusst, dass sein Vater nicht einfach nur Wanderungen mit ihm unternommen hatte, um gemeinsame Zeit zu verbringen … Was sein Vater dort wirklich gesucht hatte, war ihm nicht klar gewesen und so hatte er diese Ausflüge lange Zeit lediglich als wunderbare Erfahrungen und Abenteuer in guter Erinnerung gehabt.
Inzwischen war seit Vater schon längst verstorben und Santos war sich mittlerweile über einige Dinge im Klaren. Er wusste, dass er eines Tages der Hüter des Steines im Grünen Gebirge sein würde. Und damit würde er auch die Arbeit seines Vaters fortführen. Er wusste, dass dieser Stein niemals entwendet werden durfte. Das hing mit dem Fluch des Steines zusammen, von dem sein Vater des Öfteren gesprochen hatte.
Doch auch wenn er seine Bestimmung ahnte, wollte sein Verstand von diesen Geschichten lieber Abstand halten. Denn als rationaler Mensch hielt er nicht viel von geheimnisvollen Steinen und Flüchen und außerdem war Santos ein Mensch, dem sein eigenes Wohlergehen wichtiger war, als das der Anderen.
Warum sollte er also diesen Stein beschützen? Dafür gab es schließlich die Mitglieder des Geheimbundes Poro. Die würden ihre Arbeit schon richtig machen, da brauchte er sich nicht einzumischen. Mit diesen Gedanken konnte er sich immer wieder beruhigen, wenn er an seinen Vater dachte – so wie heute.
Als Santos sich aufrichten wollte, ging plötzlich laut knarrend die verzierte Bambustür seiner selbst gebauten und spärlich ausgestatteten Residenz auf, und einer der Dorfeinwohner stand auf der Türschwelle.
Er war sichtlich nervös und brachte nur stammelnd hervor „Fremde! Santos, Fremde …“
Alarmiert stand Santos auf und beruhigte zunächst seinen Freund. Doch er wunderte sich, welche Fremden seinem Freund wohl einen solchen Schrecken eingejagt haben konnten. Einfache Wanderer sicher nicht.
Er klopfte seinem Freund auf die Schulter und schickte ihn weg, dann griff er sich rasch sein Gewehr aus einer alten Kiste. Es war schon lange nicht mehr nötig gewesen, das Gewehr in die Hand zu nehmen. Doch Vorsicht ist besser als Nachsicht – oder so ähnlich, dachte er sich, als er mit dem Gewehr in der Hand vor die Hütte trat. Und da sah er sie auch schon.
Mehrere Männer in Militäruniform irrten suchend umher, vorsichtig beäugt von den beunruhigten Dorfbewohnern. Santos kniff die Augen zusammen und nahm das Gewehr in den Anschlag. Dann machte er ein paar Schritte auf die Männer zu, die ihn ebenfalls bereits entdeckt hatten.
„Wer seid ihr?“, fragte er barsch, das Gewehr auf die Männer gerichtet und den Abzug gespannt. Die Männer waren ein wenig irritiert und auch erschrocken über den feindlichen Empfang.
Sie wussten nicht genau, was sie von diesem Mann halten sollten, dessen Gesicht sie aufgrund des großen Hutes und dem Zigarrenrauch der zwischen den Zähnen steckenden Zigarre sowie dem vorgehaltenen Gewehr nicht richtig erkennen konnten.
„Wir sind auf der Suche nach Santos Revdul“, antwortete einer der erschrockenen Soldaten.
“Was wollt ihr von ihm?“, fragte Santos unbeeindruckt zurück.
„Sie kennen Santos?" Der Soldat wirkte erleichtert.
Santos ging einen Schritt auf die Männer zu und wurde nun noch etwas lauter und bedrohlicher.
„Was wollt ihr von ihm, verflucht noch mal?“
Die drei Männer gingen einen Schritt zurück und hoben die Hände hoch, um zu signalisieren, dass sie keine Bedrohung darstellten.
„Bitte beruhigen Sie sich. Wir wollen nichts Böses. Wir benötigen nur Santos‘ Hilfe. Es wurde uns gesagt dass …“
„… dass ihr schleunigst von hier verschwinden solltet!“
„SIE sind Santos, oder?“, fragte ein Soldat schließlich und als Santos nicht widersprach, holte er vorsichtig ein Stück Papier aus seiner Hosentasche. Dann ging er langsam auf Santos zu und überreichte es ihm. Santos hielt sein Gewehr weiterhin in der linken Hand und griff mit der Rechten nach dem Zettel.
„Was ist das?“
„Es ist von Ihrem Vater!“
Offenbar war es nicht weiter schwer gewesen, zu erkennen, dass Santos keiner der Ureinwohner des Dorfes war, sondern der Gesuchte persönlich sein musste. Aber wie konnten diese Soldaten ihm eine Nachricht seines toten Vaters überbringen? Es könnte natürlich auch ein Trick sein. Aber wozu?
Trotz seiner Neugier war die Skepsis größer und er steckte den Zettel zunächst in seine Westentasche. Dafür nahm er das Gewehr herunter und sicherte es. Diese Männer würden ihm wohl nicht gefährlich werden.
„Kommt mit. Ich glaube, wir sollten uns unterhalten!“, befahl er und ging den Männern voraus bis zur Dorfbar an der Ecke. Die Soldaten stapften hinter Santos her und nahmen mit ihm zusammen an einem Tisch Platz.
Santos nahm endlich seinen Hut ab, unter dem er ganz schön ins Schwitzen gekommen war, und legte ihn vor sich auf den Tisch. Dann lehnte er sich auf seinem Stuhl nach hinten und legte die überschlagenen Füße mit den staubigen Stiefeln auf den Tisch.
Die Soldaten ließen sich nicht anmerken, was sie von diesem lässig-überheblichen Hollywoodbenimm hielten und sagten nichts weiter dazu.
„Bring mir einen Doppelten“, rief er dann in Richtung des Kellners. Die Soldaten signalisierten, dass sie gerne ein Bier hätten. Kurz darauf wurden der Whisky und drei Flaschen Bier gebracht. Alles leider lauwarm. Santos stürzte den Whisky in einem Schluck hinunter und verzog das Gesicht.
„Verdammte Brühe … pahhh“.
Er spuckte in den sandigen Boden und warf das Glas über seine Schulter.
„Diese verfluchten Afrikaner! Kein Gefühl für guten Whisky!“
Die Soldaten blickten sich gegenseitig mit hochgezogenen Augenbrauen an, sagten aber nichts dazu. Sie tranken stattdessen das Bier aus der Flasche und warteten darauf, dass Santos das Gespräch eröffnete.
Santos starrte die Soldaten nacheinander durchdringend an, nahm dann die Füße vom Tisch und rückte seinen Stuhl näher heran. Dann beugte er sich mit aufgestützten Armen zu den Soldaten und fragte:
„Also. Was wollt ihr von mir und wieso kennt ihr meinen Vater?“
„Ihr Vater war auf dem Schlangenstein auf der Spur und wir haben Hinweise darauf, wo dieser sein könnte.“
Santos wusste genau, wovon die drei Soldaten sprachen, doch er wollte keine Informationen herausrücken, bevor er nicht mehr von ihnen erfahren hatte. Also zeigte er sich den Männern von seiner harten und skeptischen Seite.
„Ihr glaubt doch nicht etwa diese Ammenmärchen? Wie bescheuert seid ihr denn?“
Er grinste die Soldaten breit an. Doch diese waren nicht so leicht aus der Ruhe zu bringen. Klar, es waren Soldaten, keine kleinen Kinder.
„Santos, Ihr Vater hat jahrelang nach dem Stein geforscht und viele wichtigen Informationen darüber herausgefunden. Wir wissen genau, wohin wir gehen müssen, um den Stein zu finden.“
Santos blickte an den Soldaten vorbei in die Ferne und ließ den Blick auf dem satten Grün des Dschungels ruhen. Ein wunderbarer und beruhigender Anblick in dieser seltsamen Situation, die er nicht richtig verstehen konnte.
Und sie brachte auch die Erinnerungen wieder zurück, die ihm vorhin in seiner Hütte schon durch den Kopf gegangen waren. Erinnerungen an seinen Vater, der ihm die allerbesten Abenteuer geschenkt hatte, die sich ein 13-jähriger Junge nur wünschen konnte.
An seinen Vater, den er kaum einmal ohne eine Zigarre im Mundwinkel und ohne den alten ranzigen Hut auf seinem Kopf gesehen hatte. Und der jetzt auf dem Tisch der Dorfbar neben ihm lag.
Er konnte sich noch genau daran erinnern, wie er als Junge unter Tränen mit einem aufgeschürften Knie aus der Schlucht herausgekrochen war. Damals hatte sein Vater tatsächlich den Hut abgenommen und sich neben ihn gekniet, um ihn zu trösten.
„Santos, es sind die Schmerzen, die uns an unsere Aufgaben erinnern. Steh auf und such weiter nach deinem Ziel in dieser Schlucht“, hatte er zu ihm gesagt.
Beim Blick auf den grünen Dschungel und die Berge war dieses Erlebnis wieder ganz präsent und er bekam eine Gänsehaut beim Gedanken an die Worte seines Vaters. Die Worte hatten sich tief in sein Gedächtnis und in sein Herz eingeprägt und er war seinem Vater dankbar für sie.
Die Erinnerungen an seinen Vater, die gemeinsamen Abenteuer und die Worte, die er nie vergessen hatte, waren dann auch der Grund dafür, weshalb er bereit war, den Soldaten mehr über das Mysterium des Tales zu erzählen. Doch zunächst hatte er noch einige Fragen an die Besucher.
„Wozu braucht ihr mich eigentlich, wenn ihr schon alles wisst?“, erkundigte er sich.
„In den Aufzeichnungen Ihres Vaters gibt eine Passage, die uns zu Ihnen verwiesen hat.“
„Und die wäre?“
„Bitte lesen Sie den Zettel, den ich Ihnen vorhin gegeben habe. Das sollte einiges erklären.“
Santos griff in seine Westentasche und zog das Stück Papier heraus. Er faltete es neugierig auseinander und begann nach einem Räuspern damit, laut daraus vorzulesen.
„Die Schlucht des Mondes und das Bildnis der Nyame offenbart der Sohn, sodass der Zugang gefunden wird.“
„Sehen Sie“, erklärte der Soldat. „Hier wird eindeutig auf Sie verwiesen. Nur Sie können uns sagen, was es mit dem Bildnis der Göttin Nyame auf sich hat.“
„Und ihr Witzfiguren denkt, ich würde euch dabei helfen? Was bekomme ich denn dafür?“
Die Soldaten antworteten nicht, sondern blickten stattdessen an ihm vorbei zur Bar, von wo Santos plötzlich eine Stimme vernahm.
„Erlösung bekommst du dafür. Die lang ersehnte Erlösung, Santos.“
Diese Stimme … wie von der Tarantel gestochen fuhr Santos von seinem Stuhl hoch, schleuderte ihn zur Seite und war mit einem Satz bei dem Mann an der Bar. Mit der linken Hand würgte er ihn, während er mit der rechten Hand sein Messer in einer fließenden Bewegung aus dem Schaft zog und es ihm an die Gurgel hielt.
„Du gottverdammter Hurensohn! Ich wusste, dass ich dich wiedersehen würde!“
Der Mann keuchte und versuchte zu reden. Trotz der Mordlust in seinen Augen lockerte Santos den Griff, drückte dem Mann jedoch immer noch das Messer an die Kehle.
„Sei froh, dass du mich wiedersiehst, du verfluchter Narr. Und jetzt leg endlich das verdammte Messer weg.“
Santos starrte dem Mann tief in die Augen, tat ihm aber den Gefallen.
„Das ist deine letzte Chance, etwas Sinnvolles zu sagen, Alfred. Ansonsten werde ich dich an Ort und Stelle töten. Also spucks aus. Was willst du hier? Was soll der ganze Zirkus?“
„Jetzt beruhige dich erst mal, Santos. Lass uns die Vergangenheit begraben und vergessen. Du hast jetzt endlich die Chance, das Erbe deines Vaters anzutreten. Denn wir sind auf der Suche nach dem Stein und nur du weißt, wo er sich befindet.“
„Alfred, wie kommst du darauf, dass ich wüsste, wo sich dieser Stein befindet?“
„Weil dein Vater das in dem Brief geschrieben hat. Nur der Sohn – also DU - kennt das Rätsel der Nyame.“
Santos ließ Alfred los und steckte das Messer weg. Dann blickte er nachdenklich zu Boden. Er hatte nach wie vor keine Lust, Alfred und den Soldaten zu helfen. Allerdings hatte er im Dorf einige Schulden. Poker und Whisky, das Übliche. Es wäre nicht schlecht, wenn er die Situation zu etwas Positivem nutzen könnte.
„Ok, Alfred, ich hab’s mir anders überlegt. Ich bringe euch zu der Schlucht und danach gehen wir wieder getrennte Wege. Dafür bekomme ich von euch allerdings 5.000 Euro in Leonewährung. Der Stein selbst interessiert mich überhaupt nicht und das Erbe meines Vaters ebenso wenig.
Und damit das klar ist: ich habe mich nur überreden lassen, weil mein Vater das so aufgeschrieben hat. Und noch ein Tipp von mir: Ich würde an eurer Stelle nicht nach dem Stein suchen, denn auf ihm lastet ein Fluch. Aber das ist euer Problem, nicht meins.“
Alfred überlegte nicht lange, dann grinste er.
„Ok, Santos. Einverstanden. Du bringst uns in die Schlucht und dein Geld ist dir sicher. Es wird dir …“
Santos fiel ihm ins Wort und beendete den Satz.
„… genau JETZT übergeben. Ich trau dir nicht, Alfred. Ich will das Geld jetzt gleich, ansonsten könnte ihr den verfluchten Stein alleine suchen.“
„Santos, langsam, denkst du ernsthaft, ich hab jetzt 5.000 Euro bei mir? Überleg doch mal. Du wirst dein Geld schon bekommen. Wirklich! Vertrau mir.“
Santos wendete sich ab, griff nach dem Hut seines Vaters, der immer noch bei den Soldaten auf dem Tisch lag, und rief laut und ohne sich nochmals umzudrehen:
„Wir treffen uns morgen früh Punkt 9 Uhr hier. Mit dem Geld!“
Dann ging er zurück in seine Hütte und ließ Alfred und die Soldaten alleine zurück. Ratlos blickten sich Alfred und die Soldaten an. Schließlich befahl Alfred dem Dienstältesten:
„Los, treib das Geld bis morgen auf, sonst bist du einen Kopf kürzer!“
Am nächsten Nachmittag im Dschungel von Sierra Leone
Zeit seines Lebens war Damien von dem Wunsch angetrieben, endlich eine Heimat zu finden. Oder seine Wurzeln. Rastlos zog er von Ort zu Ort und wusste doch nicht, wo er sich niederlassen sollte. Wo gehörte er hin? Was war seine Aufgabe im Leben? Vermutlich befanden sich auch seine Wurzeln überhaupt nicht auf der Erde, oder? Vielleicht auch in einem Teil der Welt, den er noch nicht kennengelernt hatte?
Angetrieben von dieser Sehnsucht hatte er stets das Naheliegendste getan und sich jahrelang auf der Suche nach seiner Heimat treiben lassen. Diese Sehnsucht hatte ihn nun auch hierher nach Sierra Leone geführt. Die Sehnsucht und die alten Pyramidenkarten sowie der Brief eines alten Forschers. Die Karten hatte ihm sein Freund Jürgen damals in Griechenland übergeben.
Dank seiner Begleiter und des Briefes war es ihm gelungen, Santos Revdul zu finden und als Führer für die Expedition zu gewinnen. Santos führte ihn – hoffentlich erfolgreich – durch die letzte Passage des Gebirges.
Santos‘ Erinnerungen an ein früheres Erlebnis mit seinem Vater, hatte ihnen dabei geholfen. Und zwar in Form eines Bildnisses der afrikanischen Muttergöttin Nyame an einem Felsen, welches ihnen den richtigen Weg gewiesen hatte. Und dieses Bildnis kannte nur Santos!
Genaugenommen handelte es sich bei Nyame um eine Gottheit des Akan-Stammes aus Ghana, die wohl auch hier in Sierra Leone von Bedeutung war.
Niemals hätte sich Damien gedacht, dass er tatsächlich einmal vor den Toren des Tempels der Schlange stehen würde. Toren, die tief im Dschungel in einer Pyramide lagen, die einer mit dem Mond gleichgesetzten Muttergöttin namens „Nyame“ geweiht war. Doch jetzt befand er sich genau hier.
Ehrfürchtig bewunderte er die verschiedenen Symbole der südafrikanischen Religion, die den Ursprung des Universums darstellten und die sich überall auf den Felsen in der Umgebung befanden. Es handelte sich dabei um die Symbole der regenbogenähnlichen Ur-Schlange „Chinaweji“.
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