Читать книгу: «Der Münchner im Himmel»
Ludwig Thoma
Der Münchner im Himmel
Ein Klassiker der bayerischen Literatur gewürzt mit Humor und Satire

Books
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musaicumbooks@okpublishing.info
2017 OK Publishing
ISBN 978-80-272-1135-7
Inhaltsverzeichnis
Auf der Elektrischen
Die Ludwigstraße
Der Kohlenwagen
Der Münchner im Himmel
Amalie Mettenleitner
Das Aquarium
Beinahe
Auf Reisen
O Natur!
Käsebiers Italienreise
Der Interviewer
Der Lämmergeier
Eine psychologische Studie
Der Münzdiebstahl oder Sherlock Holmes in München
Der Postsekretär im Himmel
Kino
Der Befähigungsnachweis
Als Referendar
Assessor Karlchen
Der Einser
Der Vertrag
Unser guater, alter Herzog Karl
Die unerbittliche Logik
Liebe um Liebe (Eine patriotische Stimmung)
Die Hinterseer
Woldemar
Mucki
Das Duell
Missionspredigt
Der Krieg
Die Tochter des Feldwebels (Historisches Festspiel)
Der Sieger von Orleans (Vaterländisches Volksstück in zwei Akten)
Die Volksverbesserer
Finstere Zeitenoder Der Leberkas (Volksschauspiel in einem Aufzug)
Bildung und Fortschritt
Auf der Elektrischen
Inhaltsverzeichnis
In München. Der schwere Wagen poltert auf den Schienen; beim Anhalten gibt es einen Ruck, daß die stehenden Passagiere durcheinander gerüttelt werden.
Ein Schaffner ruft die Station aus. »Müliansplatz!«
Heißt eigentlich Maximiliansplatz.
Aber der Schaffner hat Schmalzler geschnupft und kann die langen Namen nicht leiden.
Ein Student steigt auf. Er trägt eine farbige Mütze, und der Schaffner salutiert militärisch.
Er weiß: das zieht bei den Grünschnäbeln. Sie bilden sich darauf was ein.
Und wenn sich Grünschnäbel geschmeichelt fühlen, geben sie Trinkgelder.
Er ist Menschenkenner und hat sich nicht getäuscht.
Der junge Herr mit der großen Lausallee gibt fünf Pfennige.
Er sieht dabei den Schaffner nicht an; er sieht gleichgültig ins Leere; er zeigt, daß er dem Geschenke keine Bedeutung beimißt. Der Schaffner salutiert wieder.
Wumm! Prr!
Der Wagen hält.
»Deonsplatz!« schreit der Schaffner.
Heißt eigentlich Odeonsplatz.
Eine Frau, die ein großes Federbett trägt, schiebt sich in den Wagen. Ein Sitzplatz ist noch frei.
Die Frau zwängt sich zwischen zwei Herren. Sie stößt dem einen den Zylinder vom Kopfe.
Das ärgert den Herrn. Er klemmt den Zwicker fester auf die Nase und blickt strafend auf das Weib.
»Aber erlauben Sie!« sagt er.
–?!-
»Aber erlauben Sie, mit einem solchen Bett!«
Die Leute im Wagen werden aufmerksam.
Der Mann scheint ein Norddeutscher zu sein; der Sprache nach zu schließen. Ein besserer Herr, der Kleidung nach zu schließen.
Was fällt ihm ein, die arme Frau aus dem Volke zu beleidigen?
Ein dicker Mann, dessen grünen Hut ein Gemsbart ziert, verleiht der allgemeinen Stimmung Ausdruck.
»Warum soll denn dös arme Weiberl net da herin sitzen? Soll’s vielleicht draußen bleib’n und frier’n? Bloß weil’s dem nobligen Herrn net recht is? Wenn man so noblig is, fahrt ma halt mit da Droschken!«
Der dicke Mann ist erregt. Der Gemsbart auf seinem Hute zittert.
Einige Passagiere nicken ihm beifällig zu; andere murmeln ihre Zustimmung. Ein Arbeiter sagt: »Überhaupt is de Tramway für an jed’n da. Net wahr? Und dera Frau ihr Zehnerl is vielleicht g’rad so guat, net wahr, als wia dem Herrn sei Zehnerl.«
Die Frau mit dem Bett sieht recht gekränkt aus. Sie schweigt; sie will nicht reden; sie weiß schon, daß arme Leute immer unterdrückt werden.
Sie schnupft ein paarmal auf und setzt sich zurecht. Dabei fährt sie mit dem Bette ihrem anderen Nachbarn ins Gesicht.
Der stößt das Bett unsanft weg und redet in soliden Baßtönen: »Sie, mit Eahnan dreckigen Bett brauchen S’ mir fei ‘s Maul net abwisch’n! Glauben S’ vielleicht, Sie müassen’s mir unta d’ Nasen halt’n, weil S’ as jetzt aus ‘m Versatzamt g’holt hamm?«
Die Passagiere horchen auf.
Da ist noch einer, der die Frau aus dem Volke beleidigt; aber, wie es scheint, ein süddeutscher Landsmann.
Die Stimmung richtet sich nicht gegen ihn. Übrigens sieht er so aus, als wenn ihm das gleichgültig sein könnte.
Er hat etwas Gesundes an sich, etwas Robustes, Hinausschmeißerisches.
Er imponiert sogar dem Herrn mit dem grünen Hute.
Und dann, alle haben es gesehen:
Die Frau ist ihm wirklich mit dem Federbette über das Gesicht gefahren. So etwas tut man nicht. Der Mann selbst ist noch nicht fertig mit seiner Entrüstung. Er wirft einen sehr unfreundlichen Blick auf die Frau aus dem Volke und einen sehr verächtlichen Blick auf das Bett.
Er sagt: »Überhaupt is dös a Frechheit gegen die Leut’, mit so an Bett do rei’geh’. Wer woaß denn, wer in dem Bett g’leg’n is? Vielleicht a Kranker; und mir fahren S’ ins G’sicht damit! Sie ausg’schamte Person!« Einige murmeln beifällig.
Der Mann mit dem grünen Hute gerät wieder in Zorn.
Er sagt: »Der Herr hat ganz recht. Mit so an Bett geht ma net in a Tramway. Da kunnten ja mir alle o’g’steckt wer’n. Heuntzutag, wo’s so viel Bazüllen gibt!« Der Gemsbart auf seinem Hute zittert.
Alle Passagiere sind jetzt wütend über die Unverschämtheit der Frau.
Man ruft den Schaffner.
»De muaß außi!« sagt der Mann mit dem Gemsbart, »und überhaupts, wia könna denn Sie de Frau da einaschiab’n? Muaß ma si vielleicht dös g’fallen lassen bei der Tramway? Daß de Bazüllen im Wag’n umanandfliag’n?« Der Schaffner trifft die Entscheidung, daß die Frau sich auf die vordere Plattform stellen muß. Sie verläßt ihren Platz und geht hinaus.
»Dös war amal a freche Person!« sagt der Mann mit dem Gemsbart.
Der Herr mit dem Zwicker meint: »Eigentlich war sie ganz anständig. Nur mit dem Bette … «
»Was?!« schreit sein robuster Nachbar. »Sie woll’n vielleicht dös Weibsbild in Schutz nehma? Gengan S’ außi dazua, wann’s Eahna so guat g’fallt!«
Alle murmeln beifällig.
Und der Arbeiter sagt: »Da siecht ma halt wieda de Preißen!«
Ein kalter Wintertag.
Die Passagiere des Straßenbahnwagens hauchen große Nebelwolken vor sich hin. Die Fenster sind mit Eisblumen geziert, und wenn der Schaffner die Türe öffnet, zieht jeder die Füße an; am Boden macht sich der kalte Luftstrom zuerst bemerklich. Die Passagiere frieren, nur wenige sind durch warme Kleidungen geschützt, denn der Wagen fährt durch eine ärmliche Vorstadt.
Da kommt ein Herr in den Wagen; er trägt einen pelzgefütterten Überrock, eine Pelzmütze, dicke Handschuhe.
Er setzt sich, ohne seiner Umgebung einen Blick zu schenken, zieht eine Zeitung aus der Tasche und liest.
Die anderen Passagiere mustern ihn; das heißt seine untere Partie. Die obere ist hinter der Zeitung versteckt.
Die größte Aufmerksamkeit schenkt ihm ein behäbiger Mann, der ihm gerade gegenübersitzt.
Er biegt sich nach links und rechts, um hinter die Zeitung zu schauen. Es geht nicht.
Er schiebt mit der Krücke seines Stockes das hemmende Papier weg und fragt in gemütlichem Tone:
»Sie, Herr Nachbar, wissen Sie, aus welchan Pelz Eahna Haub’n is?«
Der Herr zieht die Zeitung unwillig an sich.
»Lassen Sie mich doch in Ruhe!«
»Nix für ungut!« sagt der Behäbige.
Nach einer Welle klopft er mit seinem Stocke an die Zeitung, die der Herr noch immer vor sich hinhält.
»Sie, Herr Nachbar!«
»Waßß denn?!«
»Sie, dös is fei a Biberpelz, Eahna Haub’n da.«
»So lassen Sie mich doch endlich meine Zeitung lesen!«
»Nix für ungut!« sagt der Mann und wendet sich an die anderen Passagiere.
»Ja, dös is a Biberpelz, de Haub’n. Dös is a schön’s Trag’n und kost’ a schön’s Geld, aba ma hat was, und es is an oanmalige Anschaffung. De Haub’n, sag’ i Eahna, de trag’n no amal de Kinder von dem Herrn. De is net zum Umbringa. Freili, billig is er net, so a Biberpelz!«
Die Passagiere beugen sich vor. Sie wollen auch die Pelzmütze sehen.
Aber man sieht nichts von ihr; der Herr hat sich voll Unwillen in seine Zeitung eingewickelt.
Da wird sie ihm wieder weggezogen. Von dem behäbigen Manne, mit der Stockkrücke.
»Sie, Herr Nachbar … «
»Ja, was erlauben Sie sich denn … ?!«
»Herr Nachbar, was hat jetzt de Haub’n eigentlich gekostet?«
Der Herr gibt keine Antwort.
Wütend steht er auf, geht hinaus und schlägt die Türe mit Geräusch zu.
Der Behäbige deutet mit dem Stock auf den leeren Platz und sagt: »Der Biberpelz, den wo dieser Herr hat, der wo jetzt hinaus is, der hat ganz g’wiß seine zwanz’g Markln kost’; wenn er net teurer war!«
Der alte Professor Spengler fährt jeden Morgen gegen acht Uhr vom großen Wirt in Schwabing bis zur Universität.
Er fällt auf durch seine ehrwürdige Erscheinung; lange, weiße Locken hängen ihm auf die Schultern, und er geht gebückt unter der Last der Jahre.
Ein Herr, der auf der Plattform steht, beobachtet ihn längere Zeit durch das Fenster.
Er wendet sich an den Schaffner.
»Wer ist denn eigentlich der alte Herr? Den habe ich schon öfter gesehen.«
»Der? Den kenna Sie nöt?«
»Nein.«
»Dös is do unsa Professa Spengler.«
»So? so? Spengler. M-hm.«
»Professa der Weltgeschüchte«, ergänzt der Schaffner und schüttet eine Prise Schnupftabak auf den Daumen.
»Mhm!« macht der Herr. »So, so.«
Der Schaffner hat den Tabak aufgeschnupft und schaut den Herrn vorwurfsvoll an.
»Den sollten S’ aba scho kenna!« sagt er. »Der hat vier solchene Büacha g’schrieb’n.«
Er zeigt mit den Händen, wie dick die Bücher sind.
»So … so?«
»Lauter Weltgeschüchte!«
»Ich bin nicht von hier«, sagt der Herr und sieht jetzt mit sichtlichem Respekte auf den Professor.
»Ah so! Nacha is ‘s was anders, wenn Sie net von hier san«, erwidert der Schaffner.
Er öffnet die Türe.
»Universität!«
Professor Spengler steigt ab. Der Schaffner ist ihm behilflich; er gibt acht, daß der alte Herr auf dem glatten Asphalt gut zu stehen kommt. Dann klopft er ihm wohlwollend auf die Schulter. »Soo, Herr Professa! Nur net gar z’ fleißig!«
Er pfeift, und es geht weiter.
Der Schaffner wendet sich nochmal an den Herrn: »Alle Tag, punkt acht Uhr, fahrt dös alte Mannderl auf d’ Universität. Nix wia lauta Weltgeschüchte!«
In Berlin. Der Straßenwagen fährt durch den Tiergarten. Seitab werden Bäume gefällt, und es ist ein sonderbarer Anblick, mitten in der Großstadt Waldarbeit zu sehen.
Der Schaffner wendet sich an einen Herrn, der Ähnlichkeit mit dem Kaiser hat. Die man in Norddeutschland so häufig trifft. Starkes Kinn. Habyschnurrbart.
Der Schaffner sagt: »Das geht nun schon so vier Wochen.«
Er deutet auf die Holzarbeiter.
Der Doppelgänger Kaiser Wilhelms schweigt.
»Wenn sie nur nich den ganzen Tiergarten umschlagen!« sagt der Schaffner.
Keine Antwort.
Der Schaffner versucht es noch einmal.
»Den ganzen Tiergarten! Es wär’ doch jammerschade!«
Jetzt blickt ihn der Doppelgänger Kaiser Wilhelms an; strenge und abweisend.
Und er sagt:
»Ich habe nicht die Absicht, mich mit Ihnen in eine Konversation einzulassen.«
Die Ludwigstraße
Inhaltsverzeichnis
Eine schöne Straße, die Ludwigstraße in München. Mein Freund, der Bürgermeister, sagt, sie hätte einen monumentalen Charakter.
Südlich die Feldherrnhalle. Die Standbilder darin sind verdeckt durch zwei dicke Flaggenstangen. Mein Freund, der Bürgermeister, sagt, in Venedig hätten sie die nämlichen.
Weiter nördlich ein Rangierbahnhof. Belebt die Gegend großartig. Ein Motorwagen kommt an, ein Akkumulatorwagen fährt ab. Schaffner stürzen heraus, schreien, pfeifen, reißen eine Stange herum, koppeln die Wägen an. Der erste Führer läutet, der zweite läutet, alle Schaffner pfeifen. Der Zug fährt. Ein andrer kommt. Der Akkumulatorwagen kommt an. Ein Motorwagen fährt ab. Wie gesagt, sehr lebhaft. Mein Freund, der Bürgermeister, sagt, das Muster zu dem Rangierbahnhof hätte er nirgends gesehen. Ist Original. Weiter nördlich die eigentliche Ludwigstraße. Wie ein Lineal. Keine Unregelmäßigkeiten, keine Bäume; nur Fenster.
Bei schönem Wetter ist immer die Schattenseite belebt; auf der Sonnenseite laufen die Hunde. Bei Regen ist die Straße breiig. Unangenehme Sache.
Voriges Jahr passierte ein Unglück. Zwei Schulkinder versanken. Erstickten beide. Gab Anlaß zu Zeitungslärm und zwei Magistratssitzungen. Antrag auf Neupflasterung abgelehnt mit Hinblick auf den monumentalen Charakter der Straße.
Vorfall sei wohl bedauerlich, – allein, hätten sie zum Beispiel auf der neuen Brücke während des Einsturzes gestanden, wären sie auch tot. Dieselbe Sache. Übrigens tatsächlicher Überfluß an Schulkindern.
Heuer wiederholte Kalamität. Die Frau Bürgermeister überschreitet die Straße. Verliert beide Stiefel. Mußte in den Strümpfen heimgefahren werden.
Neue Magistratssitzung. Antrag auf Asphaltierung soll Aussicht haben.
Ende Mai komme ich an das Siegestor. Mein Freund macht mich auf einen Mann aufmerksam. Steht mitten in der Straße und zieht den Rock aus. Schaut links und rechts; kann den Rock nicht aufhängen. Kein Nagel im Siegestor eingeschlagen. Geht auf die andre Seite und hängt ihn an den Gartenzaun. Stellt sich wieder in die Straße neben einen Schubkarren. Holt eine Schaufel und Hacke heraus und legt sie sorgfältig auf den Boden.
Greift in die Hosentaschen und sucht etwas. Schüttelt ärgerlich den Kopf und geht wieder an den Gartenzaun. Zieht aus dem Rock eine kleine Flasche und hält sie gegen die Sonne. Zieht langsam den Stöpsel heraus und schaut wieder durch. Klopft damit auf den Handrücken, bis Tabak kommt. Schnupft. Steckt die Flasche ein und kommt wieder zu dem Schubkarren. Setzt sich darauf. Merkwürdiger Kerl! Was will er mitten in der Straße? Mein Freund weiß es nicht.
Der Mensch auf dem Schubkarren sucht wieder in seinen Taschen. Sieht uns stehen.
»Pst!« ruft er. »Pst! Sie!«
»Ja«, sage ich, »was gibt’s?«
Er kommt auf uns zu. Rückt den Hut und fragt:
»Sie, Herr Nachbar, hamm S’ a Schnellfeuer?«
»Zündholz?« – Habe ich nicht. Gebe ihm meine Zigarre. Er brennt seinen Stummel damit an.
Bläst den Rauch hinaus und sagt:
»Schön’s Wetter. Wenn’s so bleibt.«
»Jawoll. Sehr hübsch.«
»Aba warm.«
»Mhm, ja.«
Er gibt mir die Zigarre zurück. Schaut mich an. Schaut meinen Freund an.
»Die Herren san g’wiß fremd hier?«
»Nein.«
»Net? So? I ho mir denkt, Sie san fremd. Is schad, daß S’ net fremd san.«
»Warum?«
»I hätt’ Eahna die Gegend erklärt für a Maß Bier.«
»Kennen alles selbst. Sind Münchner.«
»So? Münchna? Sie, da san ma ja Landsleut! Vielleicht spitzen S’ a Maß?«
Gebe ihm zwanzig Pfennig.
Der Mensch dankt und sagt, er wolle sich Bier kaufen. Müsse Kraft haben. Viel zu arbeiten. Schweres Stück zu machen.
Frage ihn, was er vorhabe.
Auftrag vom Magistrat. Einen Mordsauftrag. Müsse die Ludwigstraße umgraben. Ganz umgraben. Werde asphaltiert. Der Kerl geht kopfschüttelnd weg. Holt seinen Rock auf der andern Seite. Zieht ihn an. Schreit nochmal herüber: »Dös gibt a Mordsarbeit.«
Geht ins Wirtshaus.
Der Kohlenwagen
Inhaltsverzeichnis
Ein großes, schwer beladenes Kohlenfuhrwerk fuhr auf dem Tramwaygeleise, als eben ein Wagen der elektrischen Straßenbahn daher kam.
Der Kutscher des Kohlenfuhrwerks sagte: »Wüst, ahö, wüst«, und fuhr so langsam aus dem Geleise, als wäre die elektrische Bahn nur eine Straßenwalze.
Er bewerkstelligte auch, daß er gerade noch mit dem hinteren Rade an den Wagen stieß. Das Rad brach, und der Kohlenwagen senkte sich krachend mitten in das Geleise.
»Du Rammel, du g’scheerter, kannst net nausfahren?« schrie der Kondukteur.
»Jetzt nimma, du Rindviech!« antwortete der Kutscher. Und er hatte ganz recht, denn eine Kohlenfracht kann man nicht auf drei Rädern wegbringen.
Der Kondukteur legte dem Fuhrmanne noch einige Fragen vor. Ob er glaube, daß er das nächstemal aufpassen wolle; ob er vielleicht nicht aufpassen wolle, und ob noch ein solcher dummer Kerl Fuhrmann sei.
Dies alles brachte den Kutscher nicht aus seiner Ruhe.
Er stieg ab und stellte fest, daß das Rad vollständig kaputt sei. Und da er infolge dieser Tatsache die Meinung gewann, daß sein Aufenthalt von längerer Dauer sein werde, zog er die Tabakpfeife aus der Tasche und begann zu rauchen.
Erst jetzt faßte er den Kondukteur näher ins Auge, und als er ihn genug besichtigt hatte, erklärte er dem sich ansammelnden Publikum, daß er nicht aufpasse, weder auf die Tramway, noch auf den Kondukteur.
Und dann lud er die Aktiengesellschaft, sowie deren sämtliche Bedienstete zu einer intimen Würdigung seiner Rückseite ein. In diesem Augenblick drängte sich ein Schutzmann durch die Menge und stellte sich vor den Wagen hin.
»Was gibt’s da? Was ist hier los?« fragte er.
»A hinters Radl is los«, sagte der Kutscher.
»So? Das wer’n wir gleich haben«, erwiderte der Schutzmann, und ich glaubte, daß er ein Mittel angeben wolle, wie man dem umgestürzten Wagen am schnellsten auf die Räder hilft.
Der Schutzmann zog ein dickes Buch aus der Brusttasche, öffnete es und nahm einen Bleistift heraus, der an dem Deckel steckte.
Während er ihn spitzte, kam wieder ein elektrischer Wagen angefahren. Der Lenker desselben machte großen Lärm, als er nicht vorwärts konnte, und der Schaffner blies heftig in sein silbernes Pfeifchen.
»Was ist denn das für ein unverschämtes Gefeife? Wollen S’ vielleicht aufhören zu feifen?« fragte der Schutzmann und blickte den Schaffner durchdringend an, während er den Bleistift mit der Zunge naß machte.
»So«, sagte er dann, indem er sich wieder zu dem Kutscher wandte, »jetzt sagen Sie mir, wie Sie heißen tun.«
»Matthias Küchelbacher.«
»Mat-thi-as Kü-chelbacher. Wo tun Sie geboren sein?«
»Han?«
»Wo Sie geboren sein tun?«
»Z’ Lauterbach.«
»So? In Lau-ter-bach. Glauben S’ vielleicht, es gibt bloß ein Lauterbach? Wollen S’ vielleicht sagen, wo das Höft ist? Tun S’ ein bissel genauer sein, Sie!«
Inzwischen hatte sich die Menge, welche den Wagen umstand, immer mehr vergrößert.
Ein Herr in der vordersten Reihe untersuchte mit sachverständiger Miene den Schaden. Er bückte sich und sah den Wagen von unten an; dann ging er vor und faßte die lange Seite scharf ins Auge, und dann bückte er sich wieder und klopfte mit seinem Stocke auf die drei ganzen Räder. Und dann sagte er, es sei bloß eines kaputt, und wenn es wieder ganz wäre, könne man sofort wegfahren.
Die Umstehenden gaben ihm recht. Ein Arbeiter sagte, man müsse versuchen, ob man den Wagen nicht wegschieben könne. Er spuckte in die Hände und stellte sich an das hintere Ende des Wagens. Dann sagte er: »öh ruck! öh ruck!« und schüttelte den Wagen, und spuckte immer wieder in seine Hände, bis ihn die Schutzleute zurücktrieben. Diese entwickelten jetzt eine große Tätigkeit. Sie gaben acht, daß die Zuschauer sich anständig benahmen und in einer geraden Linie standen. Das war nicht leicht. Wenn sie oben fertig waren, drängten unten die Neugierigen wieder vor, und deshalb liefen sie hin und her und wurden ganz atemlos dabei.
Noch dazu mußten sie acht geben, daß jeder Schutzmann, der hinzukam, seinen Platz erhielt; wenn ein Vorgesetzter erschien, mußten sie ihm alles erzählen, und wenn ein neuer Tramwaywagen daherfuhr, mußten sie dem Kondukteur einschärfen, daß er nicht durch die anderen Wagen durchfahren dürfe.
Ich weiß nicht, wie die Sache ausgegangen ist, weil ich nach zwei Stunden zum Abendessen gehen mußte. Aber ich las am nächsten Tage mit Befriedigung in den Blättern, daß der Polizeidirektor, der Minister des Innern und unsere zwei Bürgermeister am Platze erschienen waren.
Der Münchner im Himmel
Inhaltsverzeichnis
Alois Hingerl, Nr. 172, Dienstmann in München, besorgte einen Auftrag mit solcher Hast, daß er vom Schlage gerührt zu Boden fiel und starb.
Zwei Engel zogen ihn mit vieler Mühe in den Himmel, wo er von St. Petrus aufgenommen wurde. Der Apostel gab ihm eine Harfe und machte ihn mit der himmlischen Hausordnung bekannt. Von acht Uhr früh bis zwölf Uhr mittags »frohlocken«, und von zwölf Uhr mittags bis acht Uhr abends »Hosianna singen«. – »Ja, wann kriagt ma nacha was z’trink’n?« fragte Alois. – »Sie werden Ihr Manna schon bekommen«, sagte Petrus.
»Auweh!« dachte der neue Engel Aloisius, »dös werd schö fad!« In diesem Momente sah er einen roten Radler, und der alte Zorn erwachte in ihm. »Du Lausbua, du mistiga!« schrie er, »kemmt’s ös do rauf aa?« Und er versetzte ihm einige Hiebe mit dem ärarischen Himmelsinstrument.
Dann setzte er sich aber, wie es ihm befohlen war, auf eine Wolke und begann zu frohlocken:
»Ha-lä-lä-lä-lu-u-hu-hiah!«…
Ein ganz vergeistigter Heiliger schwebte an ihm vorüber. – »Sie! Herr Nachbar! Herr Nachbar!« schrie Aloisius, »hamm Sie vielleicht an Schmaizla bei Eahna?« Dieser lispelte nur »Hosianna!« und flog weiter.
»Ja, was is denn dös für a Hanswurscht?« rief Aloisius. »Nacha hamm S’ halt koan Schmaizla, Sie Engel, Sie boaniga! Sie ausg’schamta!« Dann fing er wieder sehr zornig zu singen an: »Ha-ha-lä-lä-lu-u-uh – – Himmi Herrgott – Erdäpfi – Saggerament – – lu – uuu – iah!«
Er schrie so, daß der liebe Gott von seinem Mittagsschlafe erwachte und ganz erstaunt fragte: »Was ist denn da für ein Lümmel heroben?«
Sogleich ließ er Petrus kommen und stellte ihn zur Rede. »Horchen Sie doch!« sagte er. Sie hörten wieder den Aloisius singen: »Ha – aaaaah – läh – – Himml – Himml Herrgott – Saggerament – uuuuuh – iah!« …
Petrus führte sogleich den Alois Hingerl vor den lieben Gott, und dieser sprach: »Aha! Ein Münchner! Nu natürlich! Ja, sagen Sie einmal, warum plärren denn Sie so unanständig?«
Alois war aber recht ungnädig, und er war einmal im Schimpfen drin. »Ja, was glaab’n denn Sie?« sagte er. »Weil Sie der liabe Good san, müaßt i singa, wia ‘r a Zeiserl, an ganz’n Tag, und z’trinka kriagat ma gar nix! A Manna, hat der ander g’sagt, kriag i! A Manna! Da balst ma net gehst mit dein Manna! Überhaupts sing i nimma!«
»Petrus«, sagte der liebe Gott, »mit dem können wir da heroben nichts anfangen, für den habe ich eine andere Aufgabe. Er muß meine göttlichen Ratschlüsse der bayrischen Regierung überbringen; da kommt er jede Woche ein paarmal nach München.«
Des war Aloisius sehr froh. Und er bekam auch gleich einen Ratschluß für den Kultusminister Wehner zu besorgen und flog ab.
Allein, nach seiner alten Gewohnheit ging er mit dem Brief zuerst ins Hofbräuhaus, wo er noch sitzt. Herr von Wehner wartet heute noch vergeblich auf die göttliche Eingebung.
Amalie Mettenleitner
Inhaltsverzeichnis
Wenn sie den Mund aufmachte, bemerkte man drei Goldplomben. Und da sie dies wußte, vermied sie es, zu lächeln. Durch den Kampf mit den Lachmuskeln erhielten ihre Züge einen herben Ausdruck, und sie kam schon frühzeitig in den Ruf, weit über ihre Jahre hinaus ernst und verständig zu sein. Anfänglich gab sie wenig darauf; aber als sie das achtundzwanzigste Lebensjahr zurückgelegt hatte, fand sie, wie viele ihrer Mitschwestern, »daß Klugheit besser sei, denn Schönheit«.
Übrigens hieß sie Amalie Mettenleitner und war die Tochter des verstorbenen Kassierers Johann Mettenleitner aus München.
Die Mädchenreife unserer Amalie fiel in die Zeit der Frauenbewegung.
Da vielleicht einige der geneigten Leser den Begriff derselben nicht kennen, will ich ihn kurz erklären.
Die Frauenbewegung ist die Bewegung derjenigen unverheirateten Frauenzimmer, welche nichts Besseres zu tun haben.
Sie geht hervor aus dem Weltschmerze der Grete, welche keinen Hans hat, und richtet sich insbesondere auf das »Recht der Frau«, welches da anfängt, wo das »Recht auf den Mann« schwindet.
Amalie Mettenleitner stürzte sich mit Eifer in die Bewegung. Sie las alle Broschüren, welche über diese Sache geschrieben wurden, und als sie auf diese Weise genügendes Material gesammelt hatte, trat sie selbst in den Federkrieg ein.
Sie war es, welche in einer Streitschrift den berühmten Göttinger Professor Maler so gründlich abführte.
Der treffliche, aber etwas weiberfeindliche Gelehrte behauptete, daß das Gehirn eines Weibes 500 Gramm weniger wiege als das eines Mannes.
Hierdurch, so lehrte er, sei die Minderwertigkeit des weiblichen Verstandes nachgewiesen.
Die Frauenwelt wandte sich heftig gegen diese Theorie; es entbrannte ein erbitterter Zeitungskampf.
Da veröffentlichte unsere Amalie die Entdeckung, daß das Gehirn eines normalen Kalbes noch um 900 Gramm schwerer sei als das Gehirn eines Universitätsprofessors.
Mit diesem Funde war Amalie in die erste Reihe der Kämpferinnen vorgerückt. Ihr Name wurde von allen Frauenrechtlerinnen mit Stolz genannt, sie erhielt Einladungen zu allen Versammlungen und Zweckessen; Bertha von Suttner schrieb ihr einen warmgefühlten Dankbrief, und der bekannte Münchener Nationalökonom Lujo erklärte in einer Arbeiterversammlung feierlich, daß er als Universitätsprofessor ganz besonders von dem Mettenleitnerschen System entzückt sei, um so mehr, als er auf Grund eigener Beobachtungen demselben schon längst auf der Spur gewesen sei.
Der glücklichen Entdeckerin erging es wie so vielen Anfängern, die rasche Erfolge erringen. Sie wurde von dem Strudel fortgerissen; sie fühlte das Bedürfnis, durch neue Leistungen die früheren zu überbieten, sie bohrte sich immer tiefer in Theorien ein, und zuletzt glaubte sie selbst daran.
Die gutmütig veranlagte Amalie Mettenleitner wurde eine fanatische Männerfeindin, eine schlachtenfrohe Rednerin. Ihr war nur wohl im Pulverdampf der Versammlungen. Wenn ihr die Augen der Mitkämpferinnen begeistert entgegenblitzten, wenn die Beifallssalven sie umdonnerten, dann faßte sie ein Rausch der Begeisterung, und die Worte entströmten ihrem Munde wie Gießbäche, welche über die Felsen springen. Dann stand sie hochaufgerichtet da und sprach: »Wie? Was? Die Herren der Schöpfung? Die Herren? Neihein! Niemals! Wir sind uns selbst genug und dulden keinen Tyrannen über uns! (Bravo! Bravo!) Geradeaus führt die Bahn in bessere Zeiten, auf lichte Höhen! (Bravo!) Durch! (Hurra!) Volldampf voraus, bis der Feind am Boden liegt! (Huurraa!) Ich, meine Damen, ich beuge meinen Nacken nicht unter das Joch, ich hasse die Knechtschaft, ich hasse den Mann. (Braavo! Braaavo!)«
»Mir erregt der Anblick eines männlichen Beinkleides schon Ekel, tiefen Ekel!« – (Minutenlanger Beifall.)
In ihrer siegreichen Laufbahn wurde Amalie plötzlich durch ein höchst sonderbares Ereignis aufgehalten.
Ihr Zimmernachbar, ein Photograph namens Kaspar Rohrmüller, bezeigte ihr unverhohlene Bewunderung. Als sie einmal in später Nacht wieder aus einer stürmischen Versammlung heimkehrte, fand sie in ihrem Zimmer ein Blumensträußchen; daneben lag ein Zettel mit der Inschrift: »Der großen Vorkämpferin«. Dadurch wurde sie aufmerksam auf den bescheidenen kleinen Mann mit dem großen Kopfe; sie begegnete ihm jetzt häufig. Und jedesmal traf sie ein warmer Strahl aus seinen etwas hervorstehenden Augen. Sie fühlte sich merkwürdig hingezogen. Es wurde ihr bald ein Bedürfnis, ihn zu sehen, – kurz, nach Umlauf eines Jahres gebar sie ein Knäblein, welches in der Taufe den Namen »Kaspar« erhielt.
Wer beschreibt das Erstaunen, den Zorn, die Entrüstung der Frauenrechtlerinnen?
Es war ein Schlag, von dem es kein Erholen gab! Was half es, daß man die Abtrünnige feierlich in Verruf erklärte? Den Sieg der Materie über das Ideal konnte man nicht ungeschehen machen.
Creszenz Mitterwurzer, die Vorsteherin des Vereines, ging zu der einst so verehrten Freundin und machte ihr bittere Vorwürfe.
»Wie konntest du uns das antun? Du, zu der wir emporsahen wie zu einer Heiligen? Hast du nicht einstens feierlich erklärt, daß schon der Anblick eines männlichen Beinkleides dich mit Ekel erfülle?«
– – – »Ja, ja!« antwortete Amalie weinend, »aber weißt du, damals hatte er keines an.«
Das Aquarium
Inhaltsverzeichnis
»Wos is?«
Der Ton klang sehr gereizt, in dem sich der Herr Privatier Radlkoffer an die Köchin wandte. Dabei drehte er nicht einmal den Kopf nach ihr um, sondern schaute in Erwartung auf den bald fälligen Nachmittagskaffee geradeaus auf die Wandtapete, deren Muster ihm bald dieses, bald jenes fratzenhafte Gesicht vortäuschte.
»Wos is?«
»A Herr is drauß‘n…« – »Wos für a Herr?«
»Ein Jugendfreund, sagt er, is er von Ihnen…«
»A Ju-u-gendfreind!«
Eine Fülle von Mißtrauen und Abneigung klang aus der Art, wie Herr Radlkoffer das sagte.
Und er fühlte sich nun so gestört in seinem Behagen, daß er eine Viertelswendung gegen das behäbige Frauenzimmer hin machte und ihm ein sehr verdrießliches Antlitz zeigte.
»Wissen Sie, wos a Jugendfreind ist? Wissen Sie dös? Erschtens, i hab koan, Gott sei Dank, und will koan hamm, und zwoatens, a Jugendfreind is allaweil a Mensch, der was will. Verstengen S’ mi? So oana!« Er rieb den rechten Daumen am Zeigefinger. »I kenn de Jugendfreind!«
»Ja aba…«
»Wos aba?«
»Ich kann ihn doch net fortschicken… er ist ein ganz feiner Herr…«
»Fein aa no!«
»Wenn i’s Ihna sag und nacha, er is doch überhaupts so auftreten…«
»Grüaß di Good, Simmerl! Alte Gamshaut, wia geht’s da denn…?«
Der Jugendfreund hatte den Bescheid der Köchin nicht abgewartet, sondern drängte sich mit lärmender Herzlichkeit zur Türe herein.
Der Ankömmling, ein breiter Mann, nicht unähnlich seinem Jugendfreunde Radlkoffer, war wohl so gekleidet, daß er einer unerfahrenen Münchner Köchin gefallen konnte, aber ein schärferes Auge konnte an ihm Sorglosigkeiten und Schäden bemerken, die sogleich das Gegenteil von einer gesetzten Existenz verraten.
Schon daß er ein Samtjackett trug, zeigte eine gewisse unbürgerliche Schwunghaftigkeit des Empfindens, und außerdem, Samtjackette kauft man nicht selten bei Tändlern, denen sie leichtsinnige Malergehilfen und Photographen um ein Billiges lassen. Auch fehlte der zweite Knopf von unten, was trotz der flotten Art, in der sich der Flaus über der Brust wölbte, zu bemerken war.
Das Beinkleid, aus einem billigen, aber doch auffällig karierten Stoffe hergestellt, zeigte eine leise Neigung, sich unten aufzufransen.
Die Schuhe aber, diese größten Verräter des menschlichen Charakters, bewiesen vollends, daß der Jugendfreund nicht in streng behüteter Wohlbehäbigkeit dahinlebte. Das Leder zeigte Sprünge, die Absätze waren sehr stark abgetreten, und es war unschwer zu erraten, daß die Sohlen Löcher hatten. Füge ich hinzu, daß der Mensch einen vorne weit geöffneten, den Adamsapfel frei lassenden Kragen trug, um den sich eine leichtfertig gebundene Lavallièrekrawatte schlang, dann dürfte der Kenner ahnen, daß der Herr sich einem freien Berufe, wie dem des Unterhändlers, Hypothekenvermittlers, Agenten, gewidmet hatte.
Ein kaum bemerkbarer, aber eben doch bemerkbarer Rotweinflecken auf der Hemdenbrust verstärkte diese Mutmaßung, und alles in allem schien der Mann sogleich die Meinung Radlkoffers von Jugendfreundschaft zu bestätigen.
Dieser hatte sich keineswegs lebhaft von seinem Lehnstuhle erhoben und sagte in unsicherem Tone:
»I weiß net, mit wem ich die Ehre habe…«
»Jöi Ehre! Da balst net gehst!« rief der joviale Fremde ungestüm aus. »Seit wann bist denn du so g’schwoll’n, alter Bazi? Kennst vielleicht an Wimmer Schorschl nimma?«
»An Wi…?«
»Ja! Tua no net a so! An Schorschl von Tittmoning, mit dem’s d’ auf d’ Lumperei ausganga bist! Wia mei Vata no d’ Brauerei g’habt hat… in da junga Zeit! Wia ma no lusti war’n…«
»Ah so, ja… der Schorsch… «
Die Köchin, welche nun die Bekanntschaft in Fluß geraten sah, entfernte sich höflich knicksend, und Radlkoffer stand jetzt mutterseelenallein der Wiedersehensfreude seines Jugendgespielen gegenüber.
Die weitverbreitete Meinung, daß einer, der mit Wünschen naht, ein bedrücktes Gemüt zeige, jener aber, der zu gewähren hat, sich in weltmännischer Sicherheit bewege, ließ sich hier ganz und gar nicht vertreten.
Denn Radlkoffer zeigte in Sprache und Gebärde Verwirrung und Niedergeschlagenheit, während Wimmer sich immer prächtiger entfaltete und sichtbar die Oberhand hatte.
»No, was machst d’ denn allawei?« fragte er so breit und natürlich, als hätte er schon eine Guttat für seinen Freund in der Tasche. »Was machst d’ denn allawei? Nix natürli! Privatisieren halt! Net wahr? Coupon schneid’n, recht gut fress’n und schlafa, gel?«
»O mei!« seufzte Radlkoffer, »mit dem Couponschneid’n … «
»Nur net laugna! I kenn deine Verhältniss’, mei Liaba!«
»Meine…?«
»Jawol! Du hockst mitt’n drin im Schmalzhafa, mei Liaba!«
»O mei…! Heutz’tag…«
»Wos nacha? Wos brauchst di du z’ kümmern um heutz’tag? Dei Schaar schneid’t an Coupon, und firti! Net?«
»Geh, hör auf mit meine Coupon!«
»I höret scho auf, bal i no amal o’fanga derfat! Ha … ha … ha…!«
Wimmer lachte sehr herzlich über seine glückliche Wendung und legte seine Hand liebreich auf die Schulter des immer säuerlicher blickenden Freundes.
»Ja, so geht’s!« sagte er, »der oa hat’s, und der ander hat’s net. Übrigens, daß i net vagiß, gel, mit der Hellerwies’n hab i dir koan schlechten Rat net geb’n?«
»Wann hast du mir an Rat geb’n?«
»Geh! Simmerl!«
»I siech di do heut ‘s erstmal seit dreißig Jahr und…«
»Geh! Schneid O, alta Fuchs!«
»Is net wahr? Wann hamm mir ins amal g’sehg’n?«
»G’sehg’n! Wer red’t denn von g’sehg’n?«
»Wann du sagst, an Rat…«
»G’schrieb’n! Net g’sehg’n hab i di, aba g’schrieb’n hab a da!«
»Du – mir?«
»I dir, jawoi! Hätt’st du vielleicht mei Kart’n net kriagt…?«
»Auf da Stell soll i tot umfall’n…!«
»Jetzt schau mir nur oana so an o’draht’n Spitzbuam o! Sagt er, er hat nix kriagt…«
»Hab i aa net!«
»Ha… ha!« lachte Wimmer, der alles jovial aufzufassen schien, und holte aus der Brusttasche ein dünnes, ziemlich abgegriffenes Notizbuch heraus.
»Was willst d’ denn?« fragte Radlkoffer recht unbehaglich.
»Zeit lass’n… Zeit lass’n!« beschwichtigte der Freund, netzte den Finger und blätterte ohne Hast in seinem Buche.
»Hamm ma’s scho! Da steht’s! Am sechsundzwanzigsten hujus, dös is also Abril neunzehnhundert… wart amal, neunzehnhundertsimmi… am sechsundzwanzigsten hujus geschriebenen Simon Radlkoffer… betreff… Hellerwiese. Selben… dös bist also du, net? selben notifiziert… hast d’ g’hört?… notifiziert betreff Ankaufes betreffender Wiese…«
Wimmer sah von seinem Buche weg auf den Jugendfreund hin und blinzelte ihn bedeutungsvollst an.
»Jetza! Hab i di, Manndel, gel? Da stehst d’ halt drin!«
»Was geht denn mi dei Büachi o? Du kost ja in dei Büachi neischreib’n, was d’ magst! Was pfeif da denn i auf det Büachi!«
»Oho… ho…! Nur net glei so grimmi! Du tuast scho, als wenn i um an Schmu kam zu dir. Ma sagt ja bloß, weil’s wahr is, net wahr? Koan Schmu will i ja net!«
»No also!« sagte Radlkoffer etwas erleichtert, »aba jetzt sag i’s nomal, i hab von dir koa Kart’n und koan Briaf und überhaupts nix kriagt, und wennst d’ heut net kemma waarst, wisset i überhaupts nix vo dir…«
»Ja, so waarst du scho und vergessast dein best’n Freind… Aha no… bals d’as du sagst, na werd halt am End d’ Post mei Kart’n valor’n hamm…«
Er blinzelte ihn wiederum vielsagend an und bezeugte damit die ganze Unmöglichkeit einer solchen Annahme und sein gründliches Wissen von der Schlauheit des andern.
»Aba«, fuhr er fort, »an schön Profit muaßt obag’schnitt’n hamm vo dem Bauplatz?«
»Lebt eigentli dei Vata no?« fragte Radlkoffer.
»Mei Vata? Na, der is do scho zehn Jahr tot…«
»Zehn Jahr!« wiederholte Radlkoffer fast tiefsinnig, als wäre dieser Umlauf von Zeit recht bedeutsam. »Zehn Jahr! jetzt da schau her!«
»Es kinnan aa elfi sei«, sagte Wimmer. »Aba sag amal, an schön Profit muaßt do scho obag’schnitt’n hamm…«
»Was hot eahm eigentli g’fehlt?«
»Wem?« – »Dein Vata…«
»Ah so! No, ja, der Schlag hatt’n halt troffa…«
»Da Schlag?«
Radlkoffer fragte so teilnehmend, als wäre hier eine äußerst seltene Anhäufung von Unglück zu bedauern.
»G’stroaft, un drei Tag danach tot g’wen«, sagte Wimmer hastig, um aufs rechte Thema zu kommen. »Gel, an Quadratschuah hast du um zwoa Mark vierzgi kafft…?«
»Vo was?«
»Jessas, fragt der! Vo da Hellerwies’n halt!«
»Jetzt kimmst d’ scho wieda mit dem Glump!«
»Ma red halt… net? Gel, zwoa Mark vierzgi?«
»Was woaß denn i!« sagte Radlkoffer verdrießlich. »Dös hab i scho lang vagess’n. Gott sei Dank! Ma hat a so nix, als wia lauta Verlust.«
»Valust!« Wimmer zog sich einen Stuhl her und setzte sich, um sich gründlich über diesen gewaltigen Spaß auszulachen. »An Valust hat er! Ho… ho… ho… ho! Jetzt schaug da grad so an Spitzbuamhäuptling o! Valust! Ho… ho… ho…«
»Dös ist gar net zum Lacha.«
»Net?« fragte Wimmer mit nassen Augen. »Is eppa zun Woana? Valust! Ho… ho! Na, paß auf, Simmerl, red amal g’scheit, du host’n vakafft um fünf Mark sechzgi, dös san drei Mark zwanzgi für’n Quadratschuah…«
»I mag nix mehr hör’n vo dem…«
»Tuat’s da weh?«
»Weil i überhaupts koa Gedächtnis hab für so was, und überhaupts, weil i froh bin, wann i nix hör davo…«
»Vo dem Valust…?«
»Jetzt vazähl amal! Hat dei Vata…«
»Der is eig’rab’n, vastehst? Da Herr schenk eahm de ewig Ruah, und ko’st as eahm aa lass’n… jetzt paß auf, i muaß da was sag’n…«
»Was muaßt du sag’n?«
»An Eröffnung will i dir macha… vastehst? Hock di no amal hi…«
»I steh liaba«, sagte Radlkoffer.
»Wia’s d’ willst… jetzt paß auf… sag’n ma, du hast am Quadratschuah drei Mark zwanzgi profitiert…«
»Geh!«
»No ja, angenommen. Es ko ja aa mehra sei, aba mir sag’n drei Mark zwanzgi… und fufzgtausend Quadratschuah san’s g’wen…«
»Herrschaft!«
»Es tuat da grad wol, Simmerl, wennst an solchan Profit nomal übaschlagst… san hundertfufzgtausend… wart amal… zwanzg Pfennig mal… san… san…«
»Jetzt sag da’r i was… Wimmer!«
»Was sagst d’ma?«
»Es war ma liab und angenehm, daß d’mi nach so langa Zeit wieda aufg’suacht hast, aba du derfst ma’s net übinehma, i muaß heut…«
»Nix!« sagte Wimmer mit einer Bestimmtheit, gegen die es keinen Widerspruch gab. »Nix muaßtd’, mei Liaba, als wia dös hör’n, was da i sag.«
»Aba i muaß…«
»Na, sag i, da bleibst und machst d’ Ohrwascheln auf… es is lauta Schän’s, was d’z’ hör’n kriagst, und es is dei Profit…«
»I will koan Profit…«
»Bst! Ruhe und staad sei! Also paß auf… Zwanzg Pfenning hamma g’sagt mal fufzgi… san nomal zehntausend Mark… also siehgst… wia r’ a da g’sagt hab, koan Schmu will i durchaus net hamm, scho weg’n da Freundschaft net, obwohl daß i dir den Kauf varrat’n hab…«
»Net wahr is!«
»Sag’n ma: varrat’n hätt für den Fall, daß de Post net ausnahmsweis’ g’rad de Kart’n valor’n hätt… aba, wia g’sagt, bei an Jugendfreind nimmt ma koa Schmu… aber oa G’fälligkeit is de ander wert… dös muaßt d’ do selm sag’n…?«
»I sag’ gar nix…«
»Weil’s selbstvaständli is, net wahr… Also Simmerl, siehgst… i hab a G’schäft in Aussicht… a G’schäft, sag a da… im Jahr achttausad Mark Einkomma… vastehst… Einkomma…«
»I vasteh di scho…«
»Die Sache ist…« Wimmer sprach bereits hochdeutsch, als er dieses anscheinend oft und auch mit Gebildeten berührte Thema vortrug… »Die Sache ist nämlich folgendermaßen. Von absolut sicherer Seite, die wo einen Zweifel auf sich nicht zuläßt, wo also jede Mutmaßung absolut und durchaus ausgeschlossen erscheint, von dieser Seite also habe ich unterderhand erfahren, mit strengster Diskretion… verstehst, Simmerl…?«
Simmerl verstand ihn durchaus und sah, so ängstlich er sich umsah, kein Entrinnen…
Es gab eine lange Geschichte, es gab eine zusammengeschwindelte Geschichte, und am Schluß einen Pumpversuch, und wenn man nein sagte, fing die Geschichte von vorne an und hörte nicht mehr auf, und wenn man ja sagte, war das Geld hin… und es gab kein…
Simmerls Blick fiel auf sein Aquarium, in welchem sich blitzende Goldfische hinaufschnellten und wieder herunterschossen und so fröhlich waren, wie harmlose Geschöpfe, die nie jemand anpumpt…
»Also von dieser durchaus authentischen Seite, die wo auch unterderhand sich jederzeit Informationen verschaffen kann und gewissermaßen selbst die Hand dabei im Spiel hat… verstehst, Simmerl… ?«
Ein rettender Gedanke kam über den Jugendfreund. Er stellte sich mit dem Rücken gegen das Aquarium, breitbeinig, und heuchelte plötzlich Interesse.
»Der wo also selber… ?« fragte er.
»Der wo selbst die Hand Im Spiele hat und auch von dritter Seite…«
Radlkoffer tauchte an, – ein Klatsch und ein Klirren, das Aquarium war umgefallen, die Fische zappelten…
»Jessas, meine Fisch! Resi! Resi! Jessas, de wern ja allsamt hi! Resi!«
»Tua’s halt g’schwind in d’ Waschschüssel! Also paß auf…«
»Dös is wahr! In d’Waschschüssel…«
Radlkoffer stürzte hinaus… schlug die Tür zu… und schrie der Resi, die eiligst aus der Küche kam:
»An Haf’n mit Wasser! Da tuast d’ Goldfisch nei! D’ Goldfisch lieg’n am Bod’n! Und…« Radlkoffer flüsterte das mit blitzenden Augen, »…dem Kerl da drin, dem feina Herrn da drin sagst, i bin furt, um a neu’s Aquarium… und schmeißt ‘n naus… und no mal, wenn a Jugendfreind rei’lass’n werd… nacha!!…«
Beinahe
Inhaltsverzeichnis
Eine Unglücksgeschichte
Ein Schrei des Entsetzens gellte durch die heiter promenierende Gesellschaft, die in Ischl die schönen Sommertage genoß.
Die Straße herunter raste ein Einspännerwagen; das Pferd war scheu geworden und galoppierte mit wild flatternder Mähne einher; der Wagen wurde rechts geschleudert, links geschleudert. Da: ein Prellstein!
Ach!
Mizzi Mia kreischte: »Um Gottes wülln!«
Mia May krallte die Finger der rechten Hand schmerzend in den Arm Sally Krotoschiners ein. »Sally… ich schtirb… Mir werd zwarerla…«
Die Kommerzialrätin Mizzi Neuburger schwenkte ihren roten Sonnenschirm. »Rättet die Unglücklichen! Rättet sie!«
Der Prellstein!
»Himmi… Herrgotts… ramasuri… überanand!« fluchte der Kutscher dessen Steyrerhut mit einem mächtigen Gemsbart verziert war…
Krach!!
Da lag der Wagen… gellende Schreie ertönten…
Ein dicker Mann lag im Straßenstaube, ein Mädchen aus dem Volk lag auf ihm, zappelte mit den Beinen und zeigte ihre runden, kräftigen Waden.
Das Pferd stand zitternd, der Kutscher hielt es vorne beim Kopfe und fluchte.
»Schindermistviech… öllöndiges… Rabenviech… miserablichtes!«
Die Gesellschaft lief hinzu… die Damen mit gerafften Röcken… bleich… aufgeregt… die Herren mit ernsten, düsteren Mienen.
»Is wos bassiert? Ich bidd Ihnen! Aber jo… der Herr soll beide Arme… das oarme Mädel bluddet… der Herr is bludüberströmt… er muß beide Unterschenkel gebrochen haben… Sind sie dod?… Einen Oarzt!… Ich kann kein Blut sehen – ich werd brechen gehen.« So schrie es durcheinander. Sally Krotoschiner drängte sich durch.
»Bidde den Oarzt vorzulassen… Herr Dokta… rasch… rasch!« Sally Krotoschiner, junger Arzt aus Wien, V. Bezirk… Hamburger Gasse… 3. Stock… Türe 17… stand gefaßt und der Situation gewachsen neben den Verunglückten. Das Mädchen aus dem Volke war schon wieder auf den Beinen und strich den Rock über die Waden herunter… Der dicke Mann erhob sich langsam, seine Hände waren aufgeschürft und bluteten… Der linke Fuß war verstaucht…
Sally strich ihm mit der Hand über den Kopf. »Leichte Kantusian die Hand? Bidde… Obschierfung der Epidermis Der Fuß?… Schwellung… aber die Knochen der proximalen wie der distalen Reihe sind unverletzt… Sie wern Umschläge mochen…«
Das Publikum bemerkte wohl, wie ruhig und sachverständig Sally Krotoschiner vorging.
Dem Mäderl fehlte nichts oder doch… das Handerl… ein bisserl abgeschürft… essigsaure Tonerde.
Noch gut abgegangen!
Um Gattes wülln! Wann das Pferd in die Menge hineingerast wäre! Einen Augenblick sah es so aus. Zehn Meter weiter davon entfernt wäre es kaum zu vermeiden gewesen.
»Was is?… doch ernsterer Unfall… Der Kammersänger Guschelbauer! Ich bidd Ihnen, was is mit’n Guschelbauer? Was is mit ‘n Ferdi?«
»Nichts… nichts… beruhigen sich die Damen… Gott sei Dank… nichts! Aber um ein Hoar…«
Schreckensbleich stand der beliebte Tenor der Hofoper neben dem Prellsteine, umringt von Herren und Damen, und wies auf ein Stück des Peitschenstieles, das vor ihm niedergefallen war und ihn gestreift hatte. Er erzählte den teilnehmenden, ihn mit Ausrufen unterbrechenden Mitgliedern der Gesellschaft die glückliche Rettung seines Lebens.
»Ich schteh da… und sag grad zu der Baranin Nituschek… wann ich nur übermurgn zu meinem Konzert au fait bin… i waß net… es woar, als wann mir was vorgangen wär… in diesem Momente rast das Pferd einher… ich schteh hinter diesem Prellstein… einen halben Mäter weiter furn… und der Wogn zerschmättert mich…!«
»Um Gattes wülln! Ferdi! Herr Kammersänger…«
»Wann ich Ihnen sag… einen halbn Mäter… dreißig Sandimäter weiter furn und der Wogn begrabt mich unter seinen Trimmern!«
»Aber… warum…?«
»Ich bidd Ihnen, ich denk doch an nix… ich denk an goar nix von der Wölt! Ich schteh einfach da… mit der Baranin Nituschek und der Kanteß Mizzy Styrum… mir bladern zusammen… in diesem Aagenblick rast der Wogn ums Eck, die Schassee herunter, hier an den Schtan… an den Pröllschtan… der Peitschenschtühl schtraaft mich… wanns an eiserner Gegenstand gewesen sein möchte… wär das Schienban entzwei… «
Ein unterdrückter Schrei.
»Aber das wär noch das mindeste…« fuhr Guschelbauer fort, den die Teilnahme ermunterte. »Ich sag… dreißig Sandimäter weiter furn und ich bin zerquätscht… eine Laiche!… So spült der Zufall mit dem Menschenleben!«
»Es is Leichtsinn!«
»Oba bidde, Frau Kommerzialrätin… was hoaßt Leichtsinn? Wann ich prominier, und es fallt mir a Ziegelschtan aufn Kobf… is das Leichtsinn?«
»Es is doch Leichtsinn. Sie gehören nicht an Orte, wo Ihnen nur das geringste widerfahren kann… Sie sind das uns schuldig, wann Sie schon gegen sich selbst gleichgieltig sein wohlen…«
»Oba bidde…«
Ein hochgewachsener Herr mit weißem Barte drängte sich aufgeregt durch die Menge.
»Ferdibuberl!« rief er schon auf einige Schritte Entfernung, »ich höre, du bist verletzt…«
»Ich? Ober nicht im geringsten… das haaßt, dieser Peitschenschtühl hat mich geschtraaft…«
»Nicht verletzt? Wirklich nicht?« rief der elegante Greis, in dem man den Grafen Spraun erkannte… »Alsdann dem Höchsten sei Dank! Mir brachte Baron Schreydolph die Hiobspost…«
»Beruhige dich… lieber Spraun… dasmal is es noch gnädig abgangen…«
»Aber du wirst mit deinem unverantwortlichen Leichtsinn und Jugendmute noch…«
»Nicht woahr… leichtsinnig!« rief die Kommerzialrätin triumphierend. »Ich habe ihm das auch gesagt. Lesen Sie ihm die Leviten, Herr Graf!«
»Ober gerne, Gnädigste! Ferdibuberl, ich werde dir klarmachen, was du uns schuldest…«
Umringt von Freunden und Freundinnen, die auf ihn einsprachen, entfernte sich der Kammersänger Guschelbauer…
Die Stimmen entfernten sich…
»Dreißig Sandimäter… weiter furn… ich bin eine Laiche…«
»Es ist unverantwortlich…«
»Ferdibuberl…«
Aus dem nächsten Hause kam Doktor Sally Krotoschiner heraus und sah bestürzt, daß niemand mehr da war. Auch Mia May war fort. Hinweg mit dem Gefolge Guschelbauers.
Und Krotoschiner hatte doch melden wollen, daß der Verunglückte schon wieder seinen Fuß ganz gut bewegen kann.
Welcher Verunglückte?
Nun, der Mann, der aus dem Wagen fiel und…
Ich bidde, wer spricht davon?
Haben Sie gehört, daß Ferdi Guschelbauer um ein Hoar unter den Hufen des Pferdes sein Leben verloren hätte? Das Publikum war erschiddert. Graf Spraun weinte. Wird Guschelbauer das Konzert absag’n?
Aber nein! Er wird trotz allem singen…
Tschau!
Ich werd’s der Presse mölden gehn…
Auf Reisen
Inhaltsverzeichnis
Ich fuhr nach Tirol. Das Kupee zweiter Klasse war gut besetzt. Neben mir saß ein würdig aussehender Herr mit langen Koteletten, offenbar der Gatte der beleibten Dame, welche so stark transpirierte und wie eine Moschusseife roch.
Die drei jungen Mädchen, welche aus ihren Reisetäschchen Ansichtspostkarten hervorholten und abwechselnd Lachkrämpfe bekamen, schienen die Töchter des Ehepaares zu sein. Der Herr mit den Koteletten versuchte mich in ein Gespräch zu verwickeln.
Ich muß hier eine Eigentümlichkeit meines Charakters erwähnen. Ich besitze ein überaus sanftes Temperament. Wenn mich aber im Friseurladen oder in der Eisenbahn ein Fremder anspricht, verspüre ich ein sonderbares Prickeln in der Kopfhaut. Ich begreife in solchen Augenblicken, daß es Kannibalen gibt, welche ihre Mitmenschen auseinandersägen lassen. Ja, ich beneide sie um die Macht hiezu.
Wenn der Herr mit den Koteletten eine Ahnung gehabt hätte, wie ich in Gedanken mit jedem Gliede seines Körpers verfuhr, er würde geschwiegen haben, er würde nicht den Mut gefunden haben, mir zu erzählen, daß es warm mache und daß eine Reise im Winter verhältnismäßig angenehmer sei, weil man sich gegen Kälte viel leichter schützen könne als gegen Hitze.
Er ahnte nichts und übersah es, daß in der Art, wie ich ihm den Zigarrenrauch in das Gesicht blies, etwas Gefahrdrohendes lag.
Er übersah es so vollständig, daß er mir versprach, aus seinen Reiseerlebnissen Beispiele anzuführen, welche die Richtigkeit seiner Behauptung klarlegen sollten.
In diesem Augenblicke erinnerte ich mich, daß ich meine schwergenagelten Bergschuhe angezogen hatte; ich wartete, bis er den ersten Satz seiner Erzählung begonnen hatte, und stieß ihm dann gegen das linke Schienbein, daß ihm die Augen naß wurden.
Wenn er glaubte, daß ich mich nach seinem Befinden erkundigen würde, täuschte er sich.
Ich verhielt mich schweigend und bemerkte mit Genugtuung, daß ihn die Roheit meines Benehmens verstimmte.
Er wandte sich an seine Gemahlin.
»Bei dieser Hitze hätten wir auch was Besseres tun können als reisen.«
»Dir zuliebe können wir nicht im Winter nach Tirol fahren«, erwiderte die beleibte Dame ziemlich gereizt.
»Tja! Aber ‘n Vergnügen is es nun gerade nich.«
»Otto, willst du den Mädchen auch diesen Genuß verderben?«
Die Frage klang so drohend, daß niemand gewagt hätte, sie mit »ja« zu beantworten. Der Herr mit den Koteletten auch nicht. Er setzte sich zurück, rieb das Schienbein und las die Annoncen im Berliner Lokalanzeiger.
Vielleicht dachte er darüber nach, weshalb seine Meinungsäußerungen so geringen Beifall fanden.
Die beleibte Dame warf ihm noch einen feindseligen Blick zu, welcher genügte, den Mann auf eine halbe Stunde totzumachen. Dann ließ sie über ihre Züge den Ausdruck mütterlichen Wohlwollens gleiten und schenkte ihre Aufmerksamkeit den Töchtern.
»Ella, Hilde! Kinder, was habt ihr?«
Die ältere, eine Blondine von knospendem Embonpoint, unterdrückte ihren beängstigenden Lachanfall.
»Ach, Mama! Die Karte von Rudolf!« – »Zeig sie mal!«
Ella reichte eine bunte Ansichtskarte herüber. Ich saß so nahe, daß ich das Bild sehen konnte. Ein dicker Student, auf einem Bierfasse sitzend, in der einen Hand die Pfeife, in der andern den Maßkrug. Die Mama las halblaut vor:
»Ihr kneipt Natur
In Wald und Flur;
Ich kneipe hier
Bei Wurst und Bier.«
Es war schrecklich, wie die Mädchen aufs neue kichern mußten; sie hielten ihre Taschentücher vor, bissen darauf und ließen die Augen in Tränen schwimmen.
Die beleibte Dame lächelte gütig und streifte mich mit einem Blicke, in welchem viel Mutterstolz lag.
Ich sah deutlich, daß sie mich auf Umwegen zum Sprechen bringen wollte; und beschloß, ihr für diesen Fall auf den Fuß zu treten; es war ein Glück für sie, daß der Zug hielt und die Kupeetüre aufgerissen wurde.
Ein Herr wollte einsteigen, aber die beleibte Dame erklärte energisch, daß kein Platz frei sei.
Es entspann sich ein lebhafter Wortwechsel, in welchen auch der Mann mit den Koteletten eingriff. Er schöpfte Mut aus der Gewißheit, auf der gleichen Seite zu stehen wie seine Frau, und seine Haltung gewann an Festigkeit mit jedem Satze, welcher von ihr beifällig aufgenommen wurde.
Anfänglich sekundierte er, dann übernahm er die Führung, und zuletzt gehabte er sich so schrecklich zornig, daß ihm die Gemahlin ängstlich abwehrte.
»Aber, Männchen, beruhige dich doch! Du bist ja entsetzlich in deiner Wut…«
»Nein, Mausi, laß mich! Ich dulde nicht, daß man euch zu nahe tritt.« Und er brüllte wieder zur Kupeetüre hinaus: »Was glauben Sie eigentlich? Was fällt Ihnen ein? Sehen Sie nicht, daß hier Damen sitzen? Diese Damen stehen unter meinem Schutze, haben Sie mich verstanden? Unter meinem Schutze! Ich dulde absolut nicht…«
»Aber Männchen!«
Die beleibte Dame klammerte sich ängstlich an ihn, als fürchte sie, daß er im nächsten Augenblicke etwas sehr Unbesonnenes tun würde.
Er machte sich sanft aus der Umarmung los und schrie, daß seine Ohren sich blau färbten.
»In Deutschland nimmt man Rücksicht auf die Damen. Da könnte so etwas nicht passieren, verstanden! Haben Sie in Österreich noch nicht gelernt, wie man sich gegen Damen zu benehmen hat? Aber Sie irren sich, wenn Sie glauben. Ich dulde absolut nicht…«
»Männchen, setze dich zurück! Ich bitte dich…«
»Nein, Mausi! Ich will mal sehen, ob man…«
In diesem Augenblick kam der Schaffner und erkundigte sich nach der Ursache des Lärmes. Der Herr draußen sagte sie ihm.
Der Schaffner konstatierte, daß nur sechs Personen im Kupee seien, während vorschriftsmäßig acht Platz hätten. Er schob den Herrn zur Türe herein, schlug zu und pfiff, worauf sich der Zug in Bewegung setzte.
Der Mann mit den Koteletten beugte sich zum Fenster hinaus und rief dem Beamten mit der roten Mütze zu: »Natürlich! Das sind österreichische Zustände! Das sind echt österreichische Zustände!«
Als keine Antwort erfolgte, zog er sich endlich zurück und sah so martialisch um sich, als hätte ich ihm niemals in das Schienbein getreten.
Ich beobachtete den neuen Fahrgast. Ein fetter, blonder Herr mit Gesichtspickeln. Seine wasserblauen Augen sahen verständnislos in die Welt; an seinen dicken, runden Fingern glänzten fünf oder sechs Brillantringe.
Ich mußte sie bemerken, weil er häufig die rechte Hand mit einer schönen Geste an den Mund führte und sich räusperte.
Er versuchte, der Reihe nach die drei Mädchen anzulächeln, aber er begegnete sehr abweisenden Mienen.
Die beleibte Dame schoß ihm Blicke zu, welche ihm durch und durch gingen.
Er fühlte sich sehr unbehaglich und wollte das eisige Schweigen brechen.
»Entschuldigen Sie, meine Herrschaften, aber ich bin sehr gegen meinen Willen hier eingedrungen und bedaure lebhaft die Störung.«
Niemand schenkte ihm Gehör.
»Sie dürfen mir glauben, daß ich lieber in einem leeren Kupee fahre, als in einem vollen. Noch dazu, wann geraucht wird. Ich bin Tenor.«
Die Wirkung seiner Worte war großartig.
Die drei jungen Damen wandten sich ihm lebhaft zu, und die Mama glättete sämtliche Falten, welche ihre Stirne durchfurcht hatten.
»Sie sind Berufssänger?« fragte sie.
»Aber ja«, antwortete der Herr mit den Gesichtspickeln, »ich bin Mitglied der Wiener Hofoper, wann Sie gestatten. Sperlbauer Pepi is mein Name.«
»Sie sind hier zum Sommeraufenthalt?« fragte die beleibte Dame wieder.
»Ja; ich erhole mich etwas von den Bayreuther Strapazen.«
»Sie haben bei den Festspielen mitgewirkt?«
»Aber ja; ich habe im Ring mitg’sungen, wann Sie gestatten.«
Ein betäubender Lärm erhob sich. »Ella! Mama! Hilde! Im Ring! Das ist ja gottvoll! Und wie er das sagt! Ist er nicht süß? O, er muß uns etwas in das Album schreiben!«
»Kinder! Wir dürfen doch den Herrn nicht plagen.«
»Ach, Mamachen!« schmollte die Älteste, »denk nur, was für Augen sie bei Röpkes machen werden, wenn wir einen Vers von einem echten Sänger haben. Bitte! Bitte! Mein Herr!« fügte sie schmelzend hinzu und sah den Tenor seelenvoll an.
»Können Sie grausam sein?« fragte die Mutter.
»Aber bitte, wie können Sie glauben?« erwiderte Pepi Sperlbauer, »ich schätze mich glücklich, wann ich so hübschen, jungen Damen eine Gefälligkeit erweisen darf.« Er sah dabei jede mit seinen wasserblauen Augen an und lächelte gewinnend.
Fräulein Ella reichte ihm errötend ihr Album und einen Bleistift.
Er netzte ihn und sah zur Decke hinauf. »Wann ich nur wüßte, was ich Ihnen schreiben soll.«
»O bitte! Irgend etwas. Eine Zeile. Einen Vers.«
»Vielleicht etwas von Wagner?«
Pepi Sperlbauer sprach den Namen aus, als wenn er mit drei a geschrieben würde.
»Entzückend! ja, das wäre herrlich!«
Der Sänger schrieb und überreichte mit einem innigen Blicke das Album der Besitzerin.
»Ich bedaure nur«, sagte er, »daß ich bei der nächsten Station mich von der liebenswürdigen Gesellschaft trennen muß. Aber freilich, Sie werden froh sein, wann der Eindringling fort ist.«
»O, wie schade! Mama! Ach Gott, wie können Sie denken!«
»Eine gewisse Störung habe ich doch verursacht«, meinte der Tenor mit einer kleinen Verbeugung gegen den Herrn mit den Koteletten.
Dieser fühlte, daß er etwas sagen sollte.
»Na, pardong! Ich hatte natürlich keine Ahnung, verehrter Meister, aber…«
Er kam nicht weiter, weil seine Frau ihn durch einen fürchterlichen Blick in die Kissen zurückwarf.
Und weil der Zug hielt. Pepi Sperlbauer erhob sich und verabschiedete sich mit vielen Verbeugungen und herzlichen Händedrücken.
Er winkte leutselig mit dem Hute, als wir weiter fuhren. Fräulein Ella ließ ihr Taschentuch wehen und trat erst nach geraumer Weile vom Fenster zurück.
»Wie schade, daß er schon aussteigen mußte!«
»Er wäre vielleicht geblieben, wenn nicht jemand so roh gegen ihn gewesen wäre«, sagte die Mama mit scharfer Betonung.
Der Herr mit den Koteletten vertiefte sich anscheinend in den Lokalanzeiger, welcher ihn vor den Blicken der Gattin schützte.
»Was hat er nur in das Album geschrieben?« fragte Hilde.
»Ach ja, das Album!« Ella öffnete es hastig und las vor:
»Ehrt eure deutschen Meister,
So bannt ihr gute Geister.
Pepi Sperlbauer.«
»Wie hübsch! Wie geistvoll!- riefen die Töchter.
»Es ist aus den Meistersingern«, erklärte ihr Vater und sah über den Lokalanzeiger herüber.
»Und es ist offenbar eine Anspielung, daß man sich gegen gottbegnadete Künstler nicht so roh benehmen soll«, sagte die Mama.
O Natur!
Inhaltsverzeichnis
Personen:
Er – Sie – Ein Holzknecht
Ort: Im Gebirge
ER: Wie das hier schon ganz anders riecht, Lizzi! A-ah! Endlich aus der Stadt in die Natur geflohen!
SIE: Himmlisch!
ER: Stelle dir vor! Der Schnee in unseren Straßen, schwarz, schmutzig, naß. Und hier blinkt und glitzert er.
SIE: Er ist direkt keusch, finde ich.
ER: Man denkt an Weihnachten, Christabend, an irgend was Poetisches.
SIE: Karl, du Guter! Nein, wie bin ich dir dankbar, daß du mich aus dem schrecklichen Trubel in diesen Frieden gebracht hast!
ER: Nicht wahr?
SIE: Weißt du, als ganz kleines Mädchen bin ich auch einmal im Winter auf dem Lande gewesen. Bei Großmama. Da weiß ich noch, wie da auch die Bäume verschneit waren und so merkwürdig aussahen.
ER: Du bekommst förmlich große Augen, wie du das sagst, Lizzi!
SIE: Es muß die heimliche Sehnsucht nach der Natur sein, die in einem lebt. Trotz allem, weißt du, Karl?
ER: Ja, ja. Trotz allem.
SIE: Nein! Sieh mal dort die große Tanne! Wie ein Ungeheuer sieht so ein Zweig aus. Wie was Lebendiges.
ER: Wie ein Märchen.
SIE: Die Natur ist doch das einzig Wahre!
ER: Man sollte hier immer leben!
SIE: Das wäre herrlich! Ich ließe mir einen großen Pelz dazu machen; weißt du, grünen Samt, mit Zobel besetzt, und innen auch Zobel, oder Seal.
ER: Das sollte man tun, hier leben.
SIE: Oder Skunks, Karl, obwohl ich eigentlich Skunks nicht sehr liebe.
ER: Das würde sich schon finden.
SIE: Und weißt du, eine Pelzmütze sollte ich haben. Ich habe vorgestern bei Bachmann eine entzückende Mütze gesehen.
ER: Dieser Friede ringsum!
SIE: Ich glaube, sie war aus Otterfellen und hatte vorne eine Agraffe, in der eine Reiherfeder steckte.
ER: Sieh dort, Lizzi, wie die Bergspitze noch von der Abendsonne beschienen ist.
SIE: Wun-der-voll! Weißt du, man könnte statt Reiher auch eine andere Feder nehmen. Meinst du nicht?
ER: Ja – ja. Ich könnte hier stundenlang in den Anblick versunken stehen.
SIE: Und ich möchte am liebsten durch den Schnee waten. Wie ein Schulmädchen, und ganz rote Backen davon kriegen.
ER: Und nasse Füße, Liebling!
SIE (enttäuscht): Das ist wahr!
ER: Man müßte eben andere Schuhe tragen. Und sich überhaupt daran gewöhnen. Oh! Hier muß ein Mensch gesund werden!
SIE: Ich fühle mich jetzt schon ganz anders.
ER: Ich meine körperlich und geistig gesund werden. A-ah! Diese Luft! Diese Luft!
SIE: Wie die Sonne verglüht! Das sollte man jeden Abend haben.
ER: Und sich von dem Zauber der Natur umfangen lassen.
SIE: Ich möchte am liebsten gar nicht mehr weg.
ER: Weißt du was? Wir bleiben einfach morgen noch hier.
SIE: Ach ja – das wäre himmlisch! Aber es geht nicht, Schatz. Ich muß morgen zur Schneiderin, und dann sollen wir bei Hofrats Besuch machen, und abends ist der ‘Rosenkavalier’, und…
ER: Richtig, ja! Na, denn nich! Eigentlich ist es schade!
SIE: Mir blutet ja das Herz, daß man sich von hier losreißen soll.
ER: Mir auch. Diese Farben! Nein, diese Farben!
SIE: Du, dort kommt ein Mann.
ER: Er hat so was wie ‘ne Säge umhängen. Das ist sicher ‘n Holzfäller.
SIE: Wie stilvoll er aussieht!
ER (seufzend): Ach, wer auch so einer wäre! He, guter Mann!
HOLZER: Han?
ER: Sie leben wohl immer hier heraußen?
SIE: In der Natur?
ER: Und wissen vielleicht gar nicht, wie beneidenswert Sie sind!
HOLZER: Am – – – – –! (Entfernt sich.)
SIE: Wie? Was hat er gesagt?
ER: Ach, so was… so was Bäuerliches, was die Leute hier oft sagen. Nun wollen wir aber umkehren. (Bleibt stehen und atmet tief auf.) Nein! Diese Natur!
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